terhause sanctionirt worden. 4) Die Einfuͤhrung eines so vor⸗ sichtigen und verstaͤndigen, aber zugleich wirksamen Systems der n9 Armen⸗Versorgung, daß es die ungluͤcklichen Irlaͤnder von dem gsrrausamen und langsamen Hungertode befreie und Allen das nicht
zu versagende Recht sichere, ihren Unterhalt aus den Erzeugnis⸗
sen des Bodens zu ziehen, auf dem sie leben. Man ist sehr ge⸗ spannt darauf, zu sehen, ob die Majoritaͤt der Einwohner Bir⸗ minghams diese Ansichten theilen wird. “
Die Mitglieder der neu erwaͤhlten Munizipalitat von New⸗
castle haben, als ersten Akt ihrer Existenz, eine Adresse an den
Koͤnig erlassen, in welcher sie ihm ihre Anhaͤnglichkeit bezeugen und zugleich ihr voͤlliges Vertrauen zu dem jetzigen Ministerium aussprechen, welches durch alle seine Handlungen bewiesen habe, daß es der Dankbarkeit des Landes werth sey. Aehnliche Aeuße⸗ rungen des Zutrauens kommen den Ministern auch von anderen Seiten her zu. an Die durch das hier bei Ridgway erscheinende Portsolio publizirten zahlreichen diplomatischen Aktenstuͤcke, welche neuer⸗ dings die Aufmerksamkeit des Publikums sehr in Anspruch ge⸗ nommen haben, werden in einem Schreiben in der Times, wel⸗
derselbe
ches Diplomatieus unterschrieben und aus dem bekannten Tra⸗ vellers⸗Klub datirt ist, saͤmmtlich als unecht bezeichnet. Sie sol⸗ len von einem Pariser Literaten verfaßt seyn, der sich durch so⸗ genannte autobtographische Memoiren mehrerer ausgezeichneter Personen des vorigen Jahrhunderts und durch verschiedene per⸗ sönliche und polttische Aufschluͤsse in Bezug auf einen zur Kai⸗ serzeit beruͤhmten Franzoͤsischen Schauspieler bekannt gemacht hat. Ihm zur Seite, heißt es, stehe ein in Paris wohlbekannter Deutscher, der fruͤher in Polnisch⸗Russischen Diensten gewesen sey, waͤhrend der letzten Polnischen Revolution aber, entweder aus philanthropischen Gesinnungen oder wegen eines kleinen Irr⸗ thums in seinen Rechnungen, sich auf die liberale Seite gewor⸗ fen habe, sich jetzt besonders mit finanzieller Politik beschaͤftige und fruͤher auch einige Zeit in London gelebt habe. Alle Doku⸗ mente, welche das „Portofolio“ mitgetheilt hat, sollen nach Eng⸗ land entweder in Deutscher oder Franzoͤsischer Sprache gesandt worden seyn, doch sind, wie es heißt, auch die Deutschen Ak⸗ tenstuͤcke nur Uebersetzungen aus dem Franzoͤsischen und stammen alle aus derselben Quelle.
Aus Lissabon sind heute Nachrichten bis zum 28. Dezem⸗ ber hier eingegangen, die jedoch von keinem Interesse sind. Stadt und Land waren ruhig. Am 25sten sollen, dem Morning He⸗ rald zufolge, zwei Schiffe mit Truppen und Munition von Porto nach Spanien abgesegelt seyn.
Nach Privat⸗Nachrichten aus Madrid in hiesigen Blaͤt⸗ tern soll die Kommission, welche die Proceres zur Untersuchung der gegen den ehemaligen Finanz⸗Minister Herrn Burgos erho⸗ benen Beschuldigungen niedergesetzt hatte, sich guͤnstig fuͤr diesen ausgesprochen haben, so daß man glaubte, derselbe werde nach Spanien zuruͤckkehren und seinen Sitz in der Proceres⸗Kammer wieder einnehmen. Bekanntlich ist sein Sohn zum Spanischen Geschaͤftstraͤger in Stockholm ernannt worden.
Die Morning Chronicle sagt: „Von Lord John Hay sind vorgestern Briefe bei der Admiralitaͤt eingegangen. St. Se⸗ bastian kann als vollkommen gesichert gegen jeden Angriff be⸗ rachtet werden, den die Karlisten darauf machen koͤnnten. Der Gouverneur der Stadt war gewechselt und an die Stelle des fruͤheren ein Offizier ernannt worden, auf den die Freunde der Sache der Koͤnigin ihr ganzes Vertrauen setzten. Lord John berichtet auch, daß die Franzoͤsischen Graͤnzbehoͤrden so wachsam als moͤglich seyen, um die Zufuhr von Vorraͤthen fuͤr die Trup⸗ pen des Don Carlos zu verhindern. Die von der Regierung proklamirte Amnestie hat unter den Truppen des Letzteren ihre Wirkung gethan; sehr viele haben davon Gebrauch gemacht, und es schien, als wuͤrde binnen kurzem in den Reihen seiner An⸗ haͤnger eine allgemeine Desertion eintreten. Da ehnen nun die Zufuhr von der Franzoͤsischen Graͤnze abgeschnitten ist und sie von nirgends andereher Lebensmittel und Munttion erhalten koͤnnen, so moͤchten sie wohl nicht im Stande seyn, einen neuen Feldzug zu eroͤffnen.“ ()
Im Courter liest man: „Die Zeitungen aus Barcelona vom 27. Dezember melden, daß der Gouverneur von Manresa ein noch strengeres Dekret, als Mina, erlassen hat. Er verord⸗ net, daß die Familien der Insurgenten, welche die ihnen ange⸗ botene Amnestie nicht annehmen, ihre Wohnorte binnen 24 Stun⸗ den verlassen sollen, und daß ihnen nirgends eine Zuflucht ge⸗ waͤhrt werden soll. 5
Wenn sie nicht gutwillig abziehen, sollen sie mit Gewalt der Waffen vertrieben und, wenn sie zuruͤckkehren, als Verschwoͤrer erschossen werden.“
Die Times berichtet: „Es sind einige Aktenstuͤcke in Be⸗ zug auf den General Riego und dessen im Jahre 1823 erfolgten erschuͤtteenden Tod im Druck erschienen, worunter das Testament seiner Wite ve hoͤchst ruͤhrend ist, so wie der Brief des Generals, durch welchen er mit der hoͤchsten patriotischen Uneigennützigkeit die große Geld⸗Belohnung, weiche ein Beschluß der Cortes fuͤr ihn ausgesetzt hatte, verweigerte. Aus Madrid ist uns auch das in der „Gaceta“ zetzt abgedruckte Dankschreiben seiner Fa⸗ milie an die Koͤnigin Christine fuͤr die Rehabilitation seines un⸗ vergeßlichen Namens zugekommen.“
Die Wegnahme des Schiffes „Clio“ von Liverpool, durch die Indianer, welche Para besetzt halten, hat sich bestaͤtigt. Das Schiff wurde in Besitz genommen, waͤhrend es auf dem Lootsen⸗ agrunde lag. Die Indianer gingen an Bord, gaben vor, daß ein Lootse nicht abgesendet werden koͤnne, wenn nicht der Capitain ein bewaffnetes Boot schicke, um ihn abzuholen, uͤberfielen dann die Mannschaft, welche durch die Nachgiebigkeit des Capitains gegen jene Anweisung vermindert worden war, ermordeten sie und versenkten das Schiff. Die Ladung desselben bestand aus 4 — 5000 Gewehren und 200 Fñaͤssern Pulver. Man glaubt, daß diese neue Gewaltthaͤtigkeit der sogenannten Indianischen Patrio⸗ ten endlich entschiedene Maßregeln von Seiten des die Englische Station befehligenden Offiziers hervorrufen werden, da die Bra⸗ sitanische Regierung nicht im Stande zu seyn scheint, dem Un⸗ fug zu steuern.
Die Biene von Neu⸗Okleans meldet, daß dem Nord⸗ Amerikanischen Konsul Daniel Pope in Mexiko sein Haue frie⸗ den durch die Truppen der Regierung verletzt worden sey, unter vem Vorwande, daß man einen Zoll⸗Einnehmer dort aufsuche. Eben dieses Blatt behauptet, die von Veracruz nach Tampico jegelnden Schisfe duͤrsten weder Briefe noch Zeitungen mitneh⸗ men, was sehr nachtheilig fuͤr die Kaufleute sey; auch duͤrften die Redacteure nichts von den laufenden Begebenheiten melden, und es werde, so viel nur irgend moͤglich, jede Mittheilung uͤber den wirklichen Stand der Streitigkeiten und Kaͤmpfe in Mexiko verhindert; der Staat Tamaulipas, zu welchem Tampeco gehoͤrt, stehe faktisch eben so wohl wie Texas umter strenger Blokade, indem jeder Verkehr mit demselben verboten sey.
Aus St. Jago in Chili sind Zeitungen bis zu Ende Sep⸗
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127 64 richten uͤber die Niederlage des Generals Gamarra und uͤber den verzweiflungsvollen Zustand, in welchen Salaberry, der usurpa⸗ torische Praͤsident von Peru, dadurch versetzt worden war, voll⸗ kommen bestaͤtigen. Einer der aus der genannten Gaceta in den Araucano uͤbergegangenen Artikel ist eine Depesche, welche Sala⸗ berry von einem der Offiziere empfangen hatte, die aus der Schlacht entkommen waren, deren ungluͤckliches Resultat nicht zu verhehlen versucht. Sie ist aus Ana⸗ gullas vom 18ten August datirt, und es heißt darin unter Anderem: „Einige wenige Chefs und andere Offiziere, die hier bei mir sind, und verschiedene andere Personen, die, wie ich ver⸗ muthe, den General Gamarra begleiten, sind die Einzigen, die noch dem Unfall entkommen sind. Der Feind hat seinen Ver⸗ lust leicht durch die Fliehenden von unserem Heere ersetzen koͤn⸗ nen, und ich schaͤtze jetzt seine Macht auf nicht weniger als 6000 Mann.“ In der Zeitung von Lima heißt es ferner, daß man noch immer nicht wisse, was aus Gamarra geworden, daß Santa Cruz an der Spitze von 8000 Mann rasch gegen diese Stadt vorruͤcke, daß aber Salaberey babei bleibe, er wolle Lima lieber in einen Schutthaufen verwandeln, ehe er es raͤume. 8 8
Amsterdam, 10. Jan.
vor einigen Tagen hier mit Tode abgegangen.
Deutschlan d. 8
Hamburg, 12. Jan. Der Brasilianische Geschäftstraͤger in Hamburg, Ritter v. Aranjo, hat an die Redaction des Kor⸗ respondenten folgendes Schreiben gerichtet: „Ein hiesiges Morgenblatt hat in seiner gestrigen Nummer einen (aus der Augsburger Allgemeinen Zeitung entlehnten) Artikel uͤber die in der Brastlianischen Provinz Rio Grande do Sul stattgehabten Ereignisse aufgenommen. Damit nun die oͤffentliche Meinung durch die in jenem Artikel enthaltenen Angaben nicht irre gelei⸗ tet werden moͤge, erfolgt hier ein kurzer Bericht uͤber den wah⸗ ren Hergang der Dinge. Oberst Bento Goncalves, ein persoͤn⸗ licher Feind des Provinzial⸗Praͤsidenten, hatte, um an diesem Rache zu nehmen, etwa 150 Mann zusammen gebracht und
EEbEläbbG Der bekannte Libry
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wollte mit dieser geringen Anzahl den Praͤsidenten absetzen. Die⸗
ser entfernte sich jedoch mit der bewaffneten Macht außer der Stadt, und da die guten Buͤrger sich jenem Treiben mwidersetz⸗ ten, mußte Bento Gongalves sich wegen Mangel an Unterstuͤtzung aus der Stadt zuruͤckziehen. Mit einem Worte, der ganze un⸗ bedeutende Aufruhr war durch rein persoͤnliche, keine politische Motive veranlaßt. Anlangend dasjenige, was der naͤmliche Ar⸗ tikel von republikanischen Gesinnungen der Provinz Rio Grande und deren Hinneigung zu dem benachbarten Buenos⸗Ayres sagt, so darf mit Fug versichert werden, daß von allen Provinzen Brasiliens wohl keine dem monarchischen System und der be⸗ stehenden Verfassung eifriger zugethan ist, als eben diese, deren Einwohner sich von jeher durch ihre Abneigung gegen ihre Nachbaren von Spanischer Extraction ausgezeichnet haben. Ich
Muͤnchen, 10. Jan. Durch Ministerial⸗Reskript vom 9. November 1835 wird auf den Monat Januar d. J. eine Versammlung aller ediktmaͤßig gepruͤften und bestaͤtigten Rabbi⸗ ner und Lehrer, so wie je eines Privat⸗Abgeordneten aus jeder israͤelitischen Gemeinde in den Kreis⸗Hauptstaͤdten angeordnet, um mehrere Fragen zur Erzielung genauer Uebereinstimmung in den Glaubensformeln, im Religions⸗Unterricht und in der Ord⸗ nung der Kultus⸗Angelegenheiten zu beantworten, zuch ihre An⸗ sicht uͤber eine kuͤnftig aufzustellende Ober⸗Kirchen⸗(Synaaogen⸗) Behoͤrde abzugeben. Die Beschluͤsse sollen als Materialien zu einer spaͤter etwa noͤthig werdenden General⸗Versammlung israe⸗ litischer Abgeordneten aus allen Kreisen in Muͤnchen dienen, die Versammlung aber nur dann stattfinden, wenn die Israeliten sich zur Bestreitung der Kosten verstehen.
Karlsruhe, 8. Januar. (Schw. Merk.) Der jahrs⸗Ball der hiesigen Museums⸗Gesellschaft war von dem Hofe und von den zahlreichen, angesehenen und reichen Fremden, die hier den Winter zubringen, stark besucht. Die Zahl der Anwe⸗ senden betrug wohl an die Tausend.
Die durch die Befoͤrderung des Geheimen Kriegsraths von Reck zum Regierungs⸗Direktor in Freiburg erledigte Stelle eines Raths im Kriegs⸗Ministerium ist durch die Ernennung des bis⸗
herigen Legations⸗Raths Fraͤnzinger, vom auswaͤrtigen Departe⸗
ment, zum Kriegsrath wieder besetzt worden.
Verwichenen Sonntag war hier in der fruͤheren reformirten Kirche Englischer Gottesdienst, wozu die hier in ansehnlicher Zahl wohnhaften Englischen Familien eigens einen anglikanischen Geistlichen berufen hatten.
Mit der Ausfuͤhrung des projektirten Kanals, der den Rhein mit der Donau, von Kehl aus nach Ulm, vetbinden soll, scheint es mehr und mehr Ernst werden zu wollen. Der von der betref⸗ fenden Unternehmer⸗ und Actien⸗Gesellschaft zur technischen Haupt⸗ leitung des Werks engagirte ausgezeichnete Englische Ingenieur Charles Hamond befindet sich seit einigen Tagen hier.
Frankfurt a. M., 9. Jan. (Nuͤrnb. Korr.) Endlich ist kein Zweifel mehr uͤber die baldigste Erledigung unserer Zoll⸗ Angelegenheit. Nachdem vorgestern die Sache in der Sitzung des Senats beendigt worden war, wurde sie sogleich sowohl der staͤndigen Buͤrger⸗Repraͤsentation, welche gestern deshalb Sitzung hielt, mitgetheilt, als auch der heute berufenen gesetzgebenden Versammlung zur Sanction vorgelegt. Wenn man nun gleich annehmen darf, daß diese Behoͤrde den fuͤr alle Verhaͤltnisse so hochwichtigen Gegenstand der sorgsamsten Pruͤfung unterziehen werde, so ist doch, wenn man einmal den Beitritt Frankfurts in seiner ganzen Wichtigkeit erkannt hat, keine Zeit zu verlie⸗ ren, sondern eine Entscheidung dafuͤr oder dagegen muß schnell erfolgen, und man darf mit Sicherheit annehmen, daß die gesetz⸗ gebende Versammlung fortwaͤhrend Sitzungen halte, bis sie ihren Beschluß gefaßt hat. Die Sitzungen sind natuͤrlich geheim, und man wird daher uͤber die Discussionen selbst nichts erfahren; so viei kann man aber wohl mit Bestimmtheit voraussagen, daß die große Mehrheit sich fuͤr den Beitritt aussprechen werde. Die Sache wird demnach nun in wenigen Tagen entschieden seyn, 8 dann die Ausfuͤhrung der Vertrags⸗Bestimmungen alsbald olgen.
Die —le
gesetzgebenbe Versammlung hat gestern an die Stelle ih⸗ res fruͤheren Praͤsidenten, welcher als gegenwaͤrtiger aͤlterer Buͤr⸗ germeister aus derselben austreten mußte, den Herrn Schoͤffen Scharff zu ihrem Praͤsidenten erwaͤhlt. Er hat schon fruͤher die⸗ ses Amt bekleidet, und seine Kenntnuß in den Handels⸗Angelegen⸗ heiten sowohl, als seine langjaͤhrige Erfahrung in allen, das hie⸗ sige Gemeinwesen betreffenden Angelegenheiten, welche er in ver⸗
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geeignet. Gleich der Beginn seiner Wieksamkeit ist die Zollsatz
Die umsichtige Leitung der daruͤber zu pflegenden Berathun ist keine leichte Angelegenheit. 2m
Im Herzogthum Sachsen⸗Meiningen war die Frage auf worfen worden, ob Geistliche das Friedensrichteramt üͤbernehnd könnten. Der Herzog hat darauf entschieden, daß kein Geun vorliege, den Geistlichen die Uebernahme der Stelle eines Fn
densrichters zu untersagen, da diese, wo oͤrtliche oder persoͤnlct
Verhaͤltnisse keine Ausnahmen begruͤndeten, um so passender
dieses Amt erschienen, als der Haug tzweck desselben in der 91 lichen Vermittelung beginnender Rechtsstreitigkeiten bestehe 2 auf hinzuwirken ohnehin Pflicht des Geistlichen sey. Eine 1 staͤndige Kenntniß der Gesetze werde dabei um so weniger erfe dert, als nach der Verordnung uͤber die Friedensgerichte die g. faͤhigung zu einem solchen Amte keinesweges durch den Beg zuristischer Kenntnisse bedingt sey.
Schweiz.
Basel, 9. Jan. Die hiesige Zeitung sagt: „Es hu uns leid, die Nachricht des Schweizer Beobachters von g faktischen Eintritt einer Nachgiebigkeit und Versoͤhnlichkeit 88 reichs gegen Basel⸗Landschaft eben so korrigiren zu muͤssen, juͤngst das voreilige Versprechen derselben. Nach sicheren 8 kundigungen, die wir an der Franzoͤsischen Graͤnze eingezoe haben, besteht die Graͤnzsperre, welche, dem Schweizer Bmt achter zufolge, am 28. Dezember aufgehoben worden p sollte, in ihrer ganzen Strenge bis dato sort, und wmgf den namentlich mehrere Basel⸗Landschaftliche Angeherig welche auf die auch von uns gegebene Nachricht ih Schweizer Beobachters den Eintritt nach Frankreich versue ten, zuruͤckgewiesen. Nur in der Austreibung Basel⸗Landschast cher Angehoͤriger werden, waͤhrend die Maßregel amtlich fort⸗ steht, faktisch alle diesenigen Ausnahmen und Erleichterungeng waͤhrt, welche in dem Interesse Franzoͤsischer Fabrik und Brn herren liegen. Wir hoͤrten sogar, die Coercitiv⸗Maßregeln die ten naͤchstens noch verschaͤrft werden, wiewohl dies wahrscheinlt nur auf Privat Vermuthungen beruhen mag, wir auch nicht ei sehen, wie Frankreich noch Haͤrteres als die beispiellose Austnn bung landschaftlicher Angehoͤrigen anordnen koͤnnte.“
General Rotten (aus dem Wallis) war nach Briefen aus Barcelona vom 24. Dezember zwei Tage vorher auf einem Damy boote vor jener Stadt angekommen; durfte jedoch diesen Plet den er 1823 vertheidigte, nicht betreten, indem die Anklage, als haͤtte er sich an den Opfern der damaligen Belagerung bereicer, eine zu unguͤnstige Stimmung gegen ihn verursachte. Auf den Rath seiner Freunde, namzentlich Mina's, schiffte er sich nach Valenzia ein.
Genf, 3. Jan. Bei der auziehenden Feierlichkeit des Syndiken⸗Wechsels in Genf, wo die Abtretenden den Neurr⸗ waͤhlten nach einer Umarmung den Syndiken⸗Stab uͤbergebten wurden kurze, aber bedeutende Reden gehalten, deren Haupt⸗Inhen auch fuͤr das Ausland nicht ohne Interesse seyn duͤrfte. Der ah tretende Erst⸗Syndik Rigaud sagte unter Anderm zu den Mitgh dern des Conseil représentatif: „Ja, meine Herren, in dem X genblicke, wo Ihre hoͤchsten Regierungs⸗Beamten die anvertran ten Zeichen der Gewalt in Ihre Haͤnde zuruͤckstellen, muͤssen S zu ihnen sagen koͤnnen: Auch dies Jahr war fuͤr das Gluͤck u die Zukunft der Republik nicht verloren Sie wuͤnschtn unserem repraͤsentativen Wahlsystem breitere Grundlagen; darun ist durch ein neues Gesetz der vorige Wahlcensus um mehr al die Haͤlfte herabgesetzt und dadurch das Wahlrecht auf fast fun zehnhundert Einwohner mehr ausgedehnt worden. Der guͤnstige Stand unserer Finanzen erlaubte wesentliche Verbesserungen: di Gehalte der Geistlichkeit wurden vermehrt, und der Ueberschuh unserer Einkuͤnfte zur Gruͤndung einer Anstalt fuͤr die Ungluͤckte chen verwendet, welche in ihren Verstandeszerruͤttungen nur au der Welt zu seyn scheinen, um noch augenscheinlicher darzuthun daß unsere Seele eine hoͤhere Bestimmung hat, als dieses Leben, Sie hielten auch die Ueberzeugung fest, der Unterricht verblrge einem Volke am sichersten Gedeihen und Gluͤck, und wir mßten besonders unserer kleinen Republik scientifischen und literarschen Ruhm bereiten; darum waren Sie dies Jahr auf die ganz neut Organisation unseres oͤffentlichen Unterrichts bedacht. Zuerst naß⸗ men Sie dabei den Elementar⸗Unterricht vor, denn auf ihm vußt die ganze Zukunft des Vaterlandes. Durch die neue Ordnung der Akademie haben sie besser fuͤr den hoͤhern Unterricht gesorge und eben jetzt beschaͤftigen sie sich mit einer neuen Einrichtung der Kollegien oder lateinischen Schulen, wobei sie die Wuͤnsch beruͤcksichtigen werden, die in dieser Beziehung schon vor sechg Jahren und besonders 1774 von einem der beruͤhmtesten Gelezse ten Genfs ausgesprochen wurden. ... Werfen Sie nun von un serer Gesetzgebung einen Blick auf die uͤbrige Lage unseres Landes, so finden Sie uͤberall materiellen Wohlstand, Achtung vor dm Gesetzen und Einheit unter den Buͤrgern. Am ergreifendsmn zeigte sich dies in den großen und zahlreichen Vereinigungen ae neuesten Zeit, wo Liebe zur Frecheit, Religionsverehrung, Grund, saͤtze der Duldung und der Hingebung so oft und schoͤn ausgespry) chen worden sind, und in Aller Herzen Widerhall gefunden heor ben.“ Aus der Rede des antretenden Erst⸗Syndiks Rieu vev dienen folgende Stellen bemerkt zu werden: „In einer Famillen, Regierung, wie die unsrige, liegt die Erhaltung des oͤffentliche Wohls in den Haͤnden Aller; keiner darf sich davon ausschließen, denn alle nehmen an dem gemeinschaftlichen Gluͤcke Theil. Var Allem aber muͤssen die hoͤheren Regierungs⸗Beamten und die Con⸗ seils der Republik den Auellen dieses Gluͤcks nachforschen, um sie nach Kraͤften zu unterhalten und zu vermehren. Sie muͤsin jeden Einzelnen bei seinem Rechte schuͤtzen, denn diese Rechte sind das Leben eines freien Staats. parteilichkeit die Religion und ihre Kirchen schirmen, denn vev⸗ staäͤndige Duldung erhaͤlt nicht nur Frieden und Eintracht, son, dern ist auch allein eines aufgeklaͤrten Volks wuͤrdig. So habcg sie auch fuͤr den oͤffentlichen Unterricht, seine Fortschritte und Verbesserung zu sorgen, denn er muß die ernste, maͤnnliche Erzie hung begleiten, die in dem Herzen unserer republikanischen Jus gend neben dem Gedanken Vaterland, auch den der Pflicht, der Aufopferung, der Hingebung tief eingraben, und so in diesem Verein fuͤr schwierige und gefaͤhrliche Augenblicke große, fuͤr alle Zeiten aber gute Buͤrger bilden muß. An den beiden aͤußersten Enden unserer politischen Laufbahn stehen zwei Fuͤhrer, die uns erleuchten und unsern Muth wie unsere Kraͤfte verdoppeln sollen die Vergangenheit mit ihren Erinnerungen und die Zukunst mit
ihren Hoffnungen. Die Vergangenheit zeigt uns unsere kraft
vollen, kuͤhnen, energischen Vaͤter, und die drei Jahrhunderte lang durch unermuͤdliche Anstrengungen errungene Freiheit. .. Die Zukunft aber ruft uns Allen zu, mit Beharrlichkeit an unseremn oͤffentlichen Daseyn zu arbeiten, uns darin nie durch augenblick⸗ liche Händernisse irre machen zu lassen, denn nicht nach Augen⸗ hlicken sondoern nach Joößren wird unser Moers ge vessen. 2. uie.s
men haben.
Sie muͤssen mit dauernder Un.
das Vaterland anvertrauen muͤssen, ein Geschlecht, das uns Re⸗ chenschaft daruͤber abfordern wird, was wir zu des Vaterlandes Vohl gethan haben.. Koͤnnten wir in die Zukunft schauen, foͤnnten wir sehen, was uͤbzer ein Jahrhundert an gleichem Tag, u gleicher Stunde, an gleicher Feierlichkeit in dieser Kirche ge⸗ scheht, wenn dann wie heute die Glocken laͤuten, die Kanonen donnern, der Zug vorschreitet, die Kirche immer voller wird und ch ein Syndikus aufsteigt und spricht. Er wird von ver⸗ angenen Zeiten reden, vielleicht von unseren Tagen. Von uns haͤngt es ab, was er dann sagt. Ja, wir wellen sein Urtheil shon jetzt bestmmen, indem wir unseren Enkeln das Gluͤck und die Unabhaͤngigkeit uͤberliefern, die wir von den Vaͤtern bekom⸗ Dann wird es in dieser Kirche heißen: Gesegnet haben dem Vaterland treu und wohl
endli
y ihr Andenken, sie
2 —77
Spanien.
Madrid, 2. Jan. (Franzoͤsische Blaͤtter.) Seit fuͤnf Tagen ist die öͤffentliche Aufmerksamkeit ausschlietlich auf die Prokuradoren⸗Kammer gerichtet, deren parlamentarische De⸗ batten das lebhafteste Interesse erregen. Alle Redner dieser Kammer haben sich schon hoͤren lassen. Der Zudrang des Publti⸗ kums zu den Sitzungen ist noch eben so groß, wie er am ersten Lage war, und dies beweist, daß die oͤffentliche Meinung keines⸗ weges gleichguͤltig gegen die Handlungen der Regierung sey. Der Erfolg, den das Ministerium heute errungen, ist eine gute Vorbedeutung fuͤr den morgenden Sieg. Die beiden ersten Ar⸗ nkel des Gesetz⸗Entwurfs in Bezug auf das Votum des Ver⸗ trauens sind, ohne ernstlichen Widerstand, einstimmig angenom⸗ men worden, und da auch die Annahme des dritten nicht zwei⸗ fechaft ist, so sucht man jetzt schon zu errathen, welche Aufnahme der Gesetz⸗Entwurf in der Proceres Kammer finden werde. Enem ziemlich allgemein geglaubten Geruͤchte zufolge, duͤrften sich der Annahme desselben dort groͤßere Schwierigkeiten entge⸗ genstellen, als in der Prokuradoren⸗Kammer. Man zweifelt des⸗ senungeachtet nicht daran, daß das Ministerium dennoch den Sieg davontragen werde. Die Regierung wird vor der Opposition
der Proceres⸗Kammer eben so wenig zuruͤckweichen, als dies bei
den Angriffen der Prokuradoren⸗Kammer der Fall gewesen ist. Die Finanz⸗Frage beschaͤftigt jetzt Jedermann, doch beschraͤnkt sich noch Alles auf bloße Conjekturen, denn Herr Mendizabal hat noch nichts von seinen Absichten kund gethan. Keine Interpellation hat ihn bewegen koͤnnen, seinen Plan zur Herstellung des Kredits und zur Herbeischaffung der noͤthigen Geldmittel, den er ohne Zwei⸗ fel noch nicht fuͤr reif haͤlt, der Kammer mitzutheilen. Es scheint, daß er bei diesen mit der groͤgten Ungeduld erwarteten Maßregeln eine Ausnahme von der Offenheit hat machen wol⸗ len, die er in Betreff aller anderen wichtigen Fragen (2) beob⸗ achtet hat. Diese daplomatische Zuruͤckhaltung ist, wie es zu er⸗ warten war, sehr verschieden ausgelegt worden. Im Allgemei⸗ nen kommt man jedoch darin uͤberein, daß das Ministerium viel⸗ leicht die Absicht habe, in dieser Session das Finanz⸗Gesetz nicht mehr vorzulegen, und man fuͤgt sogar hinzu, was jedoch jeden⸗ falls uͤbertrieben ist, daß ein unvermuthetes Ereigniß eine ge⸗ zwungene Vertagung nach sich ziehen koͤnne, auch spricht man von einer moͤglichen Aufloͤsung der Prokuradoren⸗Kammer. Ich gebe diese Geruͤchte, ohne sie zu verbuͤrgen; auch haben sie an der Boͤrse wenig Glauben gefunden oder wenigstens keinen Einfluß auf den Stand der Papiere gehabt. Die unverzinsliche Schuld stand 14 ⅛ Prozent. — In einigen Tagen werden die Diskus⸗ sionen des Wahlgesetzes in der Prokuradoren⸗Kammer beginnen, und man sieht interessanten Debatten entgegen. Hier herrscht die vollkommenste Ruhe. Der Kriegs⸗Minister wird am 5ten zuruͤckerwartet. Er hat mit den Generalen Cordova und Evans einen Feldzugsplan verabredet, der, in Verbindung mit der Aus⸗ hebung der 100,000 Mann, den Untergang der Karlisten unver⸗ meidlich machen duͤrfte.
— Der Messager enthaͤlt nachstehendes ältere Schreiben sines anti⸗ministertellen Korrespondenten aus Madrid vom 25. Dezember: „Die hiesige „Hof⸗Zeitung“ hat uns in den letzten Tagen eine ausfuͤhrliche Auseinandersetzung der Kredit⸗Grund⸗ saͤtze gegeben, auf welche unser Premier⸗Minister den Finanzplan zu gruͤnden gedenkt, den er den Kammern vorlegen will. Es ist in einem bloßen Briefe nicht moͤglich, alle die Abgeschmacktheiten und Laͤcherlichkeiten dieses Systems zu entwickeln. Wir meinen nicht etwa, daß die Haupt⸗Grundsaͤtze jenes Kredit⸗Systems nicht von aller Welt fuͤr richtig anerkannt wuͤrden; aber wir halten es fuͤr durchaus unmoͤglich, dieselben auf ein Land anzuwenden, das vom Buͤrgerkriege verzehrt wird, und in welchem weder Reich⸗ chum, noch Gewerbfleiß, noch National⸗Geist, noch Achtung fuͤr das Gesetz, noch oͤffentliche Ordnung existirt. Die Pruͤfung der Geschichte unserer Revolution seit einem Jahre wird diese trau⸗ rigen Wahrheiten bestätigen. Man kann nicht verkennen, daß der Buͤrgerkrieg die Huͤlfsquellen des Landes, in dem er gefuͤhrt wird, verstopft und zu gleicher Zeit die Ausgaben desselben un⸗ geheuer vermehrt. Die Budgets der letzten vier Jahre der Regierung Ferdinands VII. ergaben im Durchschnitt ein jährliches Defizit von 130 Millionen Realen, welches man mit⸗ telst Anleihen oder Veraͤußerung von Obligationen im Auslande deckte. Das im vergangenen Jahre von Herrn von Toreno vor⸗ gelegte Budget ergab ein Defizit von nahe an 400 Millionen Realen, wofuͤr man eine Anleihe von etwa 800 Millionen zu 5Ct. Zinsen machte, und welche also dem diesjaͤhrigen Budget eine Mehrausgabe von 40 Millionen hinzufuͤgen wird. Um die Mittel der National⸗Vertheidigung zu vermehren, hat man eine Englische Legion zu Huͤlfe gerufen, deren Sold und Unterhalt eine jaͤhrliche Ausgabe von 60 Millionen Realen veranlaßt. Das Portugiesische Huͤlfs⸗Corps kostet jaͤhrlich 18 Millionen Realen. Um einer schnelleren und aufrichtigeren Mitwirkung gewiß zu seyn, hat man alle alten Beamten aus der Administration ver⸗ bannt und sie durch neue ersetzt. Man konnte indeß die Erste⸗ ren nicht ohne alle Unterstuͤtzung lassen, und die ihnen ausgesetz⸗ ten Pensionen betragen jäaͤhrlich wenigstens 19 Millionen. Um die Insurgenten in den Nord⸗Provinzen durch eine unge⸗ heure Masse zu erdruͤcken, hat man eine außerordentliche Aushebung von 100,000 Mann dekretirt. Wenn man nun an⸗ nimmt, daß ungefaͤhr die Haͤlfte, also 50,000 Mann, wirklich
mobil gemacht werden, so wird ihre Bekleidung, Equipirung,
ihr Sold und ihre Ernaͤhrung das Jahr uͤber sich gewiß auf 180 Millionen belaufen. Es ergiebt sich aus dem Vorgehenden, daß in dem beginnenden Jahre, wenn die Einnahmen dieselben imnd wie fruͤher, was auch beinahe nicht moͤglich ist, sich folgende Defizits herausstellen: 1) Das Defizit vom vorigen Jahre 2) Zinsen von der letzten Anleihe 3) Zinsen fuͤr die anerkannten Anleihen 111““ Vermehrung der innern Schuld mit
400,000,000 Real. 40,000,000 ⸗
8 31,000,000
1as.
Zrnaa. 2ae
2*
632 6) Fuͤr die Portugiesische Legion Fuͤr die Pensionen der abgesetzten amten
18,000,000 Real.
1“ 111“ 19,000,000 „ Fuͤr mobil gemachte 50,000 Mann .180,000,000 ⸗ Total⸗Summe des Defizits 785,000,000 Real. Herr Mendizabal behauptet, ein Geheimniß zu besitzen, um sich aus diesem Chaos herauszuwickeln, ohne neue Auflagen auszu⸗
Be⸗
8 02
schreiben oder die alten zu vermehren, oder neue Anleihen zu
machen. Wir fuͤrchten, daß er binnen kurzem als ein großer politischer Charlatan dastehen wird.“
— Nachstehendes ist die (bereits erwaͤhnte) Proclamation, die der General Evans, Oberbefehlshaber der Britischen Huͤlfs⸗ Legion, am 15. Dez. zu Vittoria aͤn die Einwohner der Provinz Alava erlassen: „Seit dem ersten Augenblick, wo ich in Begleitung der Britischen Huͤlfs⸗Division meinen Fuß auf den Boden Eures Lan⸗ des setzte, das von dem beklagenswerthesten und blutigsten Buͤrger⸗ kriege, der seit Menschenaltern erlebt worden, unterdruͤckt und verheert wird, habe ich nie einen Augenblick aufgehoͤrt, mit allen mir zu Gebot stehenden Mittein zur Ausrottung einer Faction beizu⸗ tragen, die, den Thron Isabella's II., Eurer unschuldigen Koͤ⸗ nigin, angreifend, aller Verbesserung und Freiheit offenen Krieg erklaͤrt hat. Fanatismus und Ehrgeiz, mit Unwissenheit und Duͤrftigkeit gepaart, haben sich gegen diesen glaͤnzenden, festen und auf unzerstoͤrbaren Grundlagen ruhenden Thron em⸗ poͤrt. Die Faction hat ungeheure, jedoch vergebliche und frucht⸗ lose Anstrengungen gemacht, um ihrer Sache Erfolg zu ver⸗ schaffen; und jetzt, wo ihre Huͤlfsquellen erschoͤpft sind, und wo sie selbst durch die toͤdtlichen Niederlagen, die sie in den letzten Gefechten mit der National⸗Armee erlitten hat, entmuthigt ist, jetzt ist der Augenblick gekommen, sie zu zerstoͤren und zu ver⸗ nichten. Ihr waret Zeugen von den Wunden, welche durch die⸗ sen brudermoͤrderischen Krieg geschlagen worden; Ihr habt seine schrecklichen Folgen gesehen und muͤßt daher von der Nothwen⸗ digkeit seiner Beendigung durchdrungen seyn. Die Ein⸗ geborenen dieser Provinz, die unter verschiedenen Benennungen in den Kriegsdienst eingetreten sind, um gegen die Re⸗ bellen, diese Moͤrder ihres Vaterlandes, zu fechten, haben oͤffent⸗ liche und unverkennbare Proben von ihrer Tapferkeit abgelegt, und ihr Erscheinen verbreitete uͤberall Schrecken unter den Em⸗ poͤrern. Von dieser Wahrheit innig uͤberzeugt und in Anerken⸗ nung der Nothwendigkeit, die Formirung solcher patriotischen Compagnieen hervorzurufen und dazu aufzumuntern, habe ich be⸗ schlossen, daß eine dergleichen aus den Eingeborenen dieser Pro⸗ vinz gebildet, von Spanischen Offizieren befehligt, den militai⸗ rischen Vorschriften Spaniens unterworfen werden und unter dem Namen „Guiden⸗Bataillon“ unter meinen unmittelbaren Befeh⸗ len dienen soll. Es werden daher von diesem Augenblick an ei⸗ nem Jeden, der in dieselbe eintreten will, fuͤnf Realen taͤglich, eine Ration Brod, Wein und Fleisch und die noͤthigen Klei⸗ dungsstuͤcke verabfolgt werden. Kommt also und zoͤgert nicht. Es ist zwar der Chef einer fremden Legion, der Euch dazu auf⸗
buͤndeter und Eurer Regierung, Eurer Koͤnigin und ihrem recht⸗ maͤßigen Throne, der Eurem Gluͤck, Gedeihen und Frieden, Eurer Ruhe und der Wohlfahrt von Spaniens jetzigen und kuͤnf⸗ tigen Geschlechtern zum Unterpfande dient, aufrichtig befreundet ist. Die gegenwaͤrtigen Augenblicke sind sehr gelegen, verliert sie nicht; die Faction naht sich ihrem Ende, kommt und helft sie vertilgen. Ihr, die Kinder dieses herrlichen Bodens, seyd vor⸗ zuͤglich bei dem Ausgange dieser Sache betheiligt; zeiget Spa⸗ nien und dem ganzen Europa, daß, wenn auch leider die Faction An⸗ haͤnger fand, die in ihre Reihen eintraten, doch noch treue, tap⸗ fere und begeisterte Unterthanen genug da sind, die, weit ent⸗ fernt davon, beim Anblick von Banden, welche in abscheulichem Bunde mit der Finsterniß stehen, den Muth sinken zu lassen, unter Anrufung der zauberischen Namen Isabella und Christina furchtlos und ungeduldig gegen sie zum Angriff eilen und nicht eher vom Kampf ablassen werden, bis sie dieselben gaͤnzlich aus⸗ gerottet haben. Wenn Ihr diesem Aufruf entsprecht, werdet Ihr Eurem Vaterlande einen heldenmuͤthigen Dienst erzeigen,
nd ich werde Euch immerdar verpflichtet seyn und mich der Genugthuung erfreuen, hierdurch zum Siege der Waffen Eurer Koͤnigin Isabella II. und der Sache der Verbesserung und Frei⸗ heit, die das Symbol ihrer Regierung ist, beigetragen zu haben. De Lacy Evans, General⸗Lieutenant.“
IU
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Berlin, 15. Jan. Die vor kurzem durch das Muͤhlhauser Wochenblatt an die Einwohner der Stadt Muͤhlhausen erlas⸗ sene Aufforderung zu freiwilligen Beitraͤgen Behufs der Er⸗ bauung eines Letchenhauses, wozu schon fruͤher ein bemittelter Einwohner die Summe von 600 Rthlrn. aus eigenem Antriebe uͤberwiesen hatte, ist von so guͤnstigem Erfolge gewesen, daß in dem kurzen Zeitraume von 14 Tagen schon 1200 Rthlr. einge⸗ gangen sind.
— Im Regierungs⸗Bezirk Duͤsseldorf hat die Kollekte zur Reparatur des Doms zu Koͤln im Jahre 1835 die Summe von 946 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf. betragen.
— Nach dem pro 1835 abgelegten Abschluß von der seit 2 Jahren bestehenden Sparkasse zu Halberstadt beliefen sich die Einlagen im Jahre 1834 auf 14,129 Rthlr., im Jahre 1835 auf 17,083 Rthlr. Zuruͤckgezahlt wurden in den beiden Jahren resp. 3083 Rthlr. und 7535 Rthlr., so daß sich saͤmmtliche Ein⸗ es am Schlusse des vorigen Jahres noch auf 20,594 Rthlr.
eliefen.
— Vom 21. November bis 20. Dezember v. J. sind am Packhofe zu Magdeburg 43 Schiffe angekommen und 27 Schiffe sind von da abgegangen.
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Vaterlaͤndische Kunst-⸗Vereine. Wir theilen untenstehend die Aufforderung der Kunst⸗Vereine zu Haͤlberstadt, Halle, Magdeburg und Braunschweig mit, durch welche sie die Kuͤnstler zur Beisteuerung fuͤr ihre im Laufe des naͤch⸗ sten Sommers auf einander folgend zu eroͤffnenden Ausstellungen einladen. Hierbei koͤnnen wir uns nicht enthalten, einige Bemer⸗ kungen uͤber die Ausdehnung dieser fuͤr unsere Zeit so charakteristischen Institute voranzustellen.
In heutiger Zeit, wo es eine verhaͤltnißmaͤßig groͤßere Zahl der Wohlhabenden und eine geringere der Reichen giebt, als in fruͤheren Jahrhunderten, und wo auch religidser Sinn und Hingebung an eine hoͤhere Idee nicht mehr ein so maͤchtiger Vereiniqungspunkt der Kraͤfte zu werden pflegt, sind diese Vereine wesentlich und un⸗ entbehrlich fuͤr das aͤußere Fortkommen der Kuͤnste, welche nicht al⸗ lein von Fuͤrstlicher Munificenz erhalten werden koͤnnen. Ueber⸗ dies werden die Kuͤnste dadurch populaͤr, ste werden ins Volk eingefuͤhrt, der Kunstgenuß wird allgemeiner, und uͤberall zeigt sich mehr Reiz zur Nacheiferung fuͤr die jungen Talente.
Aber der beste Beweis fuͤr die Zeitgemäaͤsheit dieser Institute
fordert, aber er gehoͤrt einem Lande an, das Euer innigster Ver⸗
Reihe ahnlicher Vereine dicht hinter einander gefolgt ist, hauptsaͤch⸗ lich bei Gelegenheit des Duͤrerfestes im Jahre 1828. So ist denn auch der Berliner Verein keinesweges mehr der einzige in den Preu⸗ ßischen Staaten; er hat einen maͤchtigen Nebenbuhler erhalten an dem Verein fuͤr die Rheinlande und Westphalen, und demnaäͤchst haben sich in Provinzen und Staͤdten besondere kleine Vereine ge⸗ bildet, welche Ausstellungen veranlassen, Kunstwerke aus dem Ver⸗ eins⸗-Fonds ankaufen und, gleich dem Haupt⸗Verein, durchs Loos an die Mitglieder vertheilen. Der Art giebt es einen Ver⸗ ein in Breslau, einen in Koͤnigsberg, in Halberstadt, in Magde⸗ burg, Halle und Stettin, uͤberdies den schon genannten von größe⸗ rem Zuschnitt in Duͤsseldorf. Da es nun aber nicht in allen diesen Staͤdten eben so viele Kunstschulen giebt, so muͤssen ihre Ausstellun⸗ gen doch im Wesentlichen von Berlin und See aus versorgt werden, ja, man guͤnscht recht eigentlich in den Provinzen zu sehen, was in den Hauptstaͤdten bereits ausgestellt war. Hiernach hat sich denn eine eigentbuüͤmliche, fast systematische Wanderung der Kunstwerke von Ort zu Ort eingerichtet, ja die benachbar⸗ ten Staͤdte haben in dieser Ruͤcksicht unter einander ein be⸗ sonderes Abkommen getroffen, indem sie je nach den Reise⸗Statio⸗ nen ihre Ausstellungen der Zeit nach auf einander folgend verlegten, um naͤmlich Kollisionen zu vermeiden, und der Reihe nach dieselben Kunstwerke in ihren Mauern genießen zu koͤnnen. Bilder, welche bereits in Duͤsseldorf und Berlin oͤffentlich gesehen worden, wandern nach Halberstadt, hier werden sie im April ausgestellt, von da ge⸗ hen sie nach Halle, um daselbst im Mai die Ausstellung zu schmuͤk⸗ ken, von da nach Magdeburg, um hier im Juni sich sehen zu jassen, und endlich im Juli nach Braunschweig; ja vielleicht gehen sie noch weiter nach Breslau und hinauf bis nach Koͤnigsberg. So ist Ben⸗ demann's beruͤhmtes Bild „die trauernden Juden“ von Duͤsseldorf, wo es entstanden ist, nach Berlin, von hier nach Kbnigsberg in Pr. und endlich nach Koͤln am Rhein zuruͤckgewandert, woselbst es nun⸗ mehr in der Kirche Maria⸗Kapitol seine bleibende Zeshts, hng hat. In der That hat dies Wanderleben der Gemaͤlde etwas Erfreuliches, und fast Romantisches, und so hebt sich am besten das Mißgeschick der eigenthuͤmlichen Lage bildender Kunst auf, deren Original⸗Kunst⸗ werke, nur in Einem Exemplare vorhanden, auch nur an Einem Ort genossen werden koönnen. Wir sehen hier die Bilder von Stadt zu Stadt ziehen und Beschauer um sich versammeln, und es fehlt nur noch Ein Schritt, um an einen Vergleich mit reisenden Virtuosen zu denken. Aber solche Verhaͤltnisse sind nicht ohne Unbequemlich⸗ keit und Aufopferung von Seiten der Besitzer; wer ein Kunstwerk erworben, wem es durch Gunst des Gluͤckes bei der Verloosung ei⸗ nes Kunst⸗Vereines zugefallen, kann sich noch nicht sogleich des Be⸗ sitzes innerhalb seiner Privatwaͤnde erfreuen: er wird bestuͤrmt, es noch erst außerhalb anderen zu goͤnnen. Ein sehr natuͤrliches Selbst⸗In⸗ teresse tritt in Conflict mit der Liberalitaͤt, in der Fuͤrstliche Herr⸗ schaften ein so großes Beispiel gegeben haben, indem sie oft auf laͤn⸗ gere Zeit Ihre Schloͤsser des Bilber⸗Schmuckes entkleideten. Aber noch mehr kollidirt hierin der urspruͤngliche Kunst⸗Verein mit den gegen seine Mitglieder eingegangenen Verpflichtungen. Er ist mehrmals so freigebig gewesen, die von ihm zur Verloosung erworbe⸗ nen Stuͤcke noch erst auf die großen Berliner Ausstellungen, wohl auch auf auswaͤrtige, zu geben; allein dem an ihn von dem Halberstaͤdter Verein aus gerichteten Antrage, ihm jedes⸗ mal das Seinige anzuvertrauen, konnte aus billigen Gruͤnden nicht gewillfahrt werden. Denn abgesehen, daß solche Verhaͤltnisse noch nicht bestanden, als der Kunst⸗Verein fuͤr die Preußischen Staaten zusammentrat, welcher ja jene Toͤchter⸗Vereine vielmehr erst hervorge⸗ rufen hat, kann hier keine Gegenseitigkeit stattfinden, und der groͤßere Verein wuͤrde gegen die kleinern immer im Nachtheil seyn, waͤhrend er doch in seinem Verhaͤltniß zu den Mitgliedern sich nicht gleich Privat⸗ maͤnnern aufopfernd zeigen darf. Einer andern, gleichfalls von Hal⸗ berstadt aus an den hiesigen Kunst⸗Verein ergangenen Aufforderung, zur Gruͤndung eines National⸗Museums mitzuwirken, mußte aus gleichen Ursachen abschlaͤglich geantwortet werden, woruͤber die Ver⸗ handlungen des Vereins fuͤr das Jahr 1835 das Naͤhere enthalten. Den dort niedergelegten Gruͤnden, welche sich besonders auf beste⸗ hende Pflichten und praktische Schwierigkeiten beziehen, behalten wir uns noch vor, einige mehr in der Idee selbst liegende hinzuzu⸗ fuͤgen, wiewohl die treffliche Absicht von Seiten der Beantragenden nicht verkannt werden kann.
Unter solchen Umstaͤnden blieb nichts uͤbrig, als daß sich die kleinen Vereine unter einander verbanden, und dies soll eben, dem Vernehmen nach, geschehen seyn; namentlich scheinen die unten ge⸗ nannten Staͤdte ein solches Abkommen unter einander getroffen zu haben, denen sich vielleicht noch das benachbarte Hannover anschließt; der Termin seiner Ausstellung im Februar wuͤrde sehr gut zusam⸗ menpassen mit der zu Halberstadt, welche im April beginnt. Bres⸗ lau, Stettin und Koͤnigsberg mit in diesen Kreis zu ziehen, soll nicht gelungen seyn, doch soll sich Koͤnigsberg naͤher mit Stettin verelnigt haben, und so bringt es in der That die geographische Lage am natuͤrlichsten mit sich. Gr.
Auffoirderung.
Die Kunst⸗Vereine zu Halberstadt, Halle, Magdedurg und Braunschweig werden, von Mitte April bis Ende August, gemein⸗ schaftlich auf einander folgende Kunst⸗Ausstellungen veranstalten und ansehnliche Summen zum Ankauf von Kunstwerken fuͤr die Verloo⸗ sungen verwenden.
Der Zweck des Unternehmens ist: durch das Ausstellen be⸗ deutender Kunstwerke von den Kuͤnstlern des In⸗ und Auslan⸗ des dem Publiko einen recht großen Genuß zu verschaffen und das Interesse fuͤr die Kunst mehr und mehr zu beleben, aber auch den Kuͤnstlern sich durch ihre Werke bei uns bekannter zu machen und zum Verkaufe wie zu neuen Bestellungen Gelegenheit zu bieten.
Wir ersuchen nun die Kuͤnstlerwelt, diese Kunst⸗Auss ellungen durch neue Gemaͤlde und Zeichnungen zu schmuͤcken, und zwar die⸗ selben zunaͤchst und spaͤtestens bis zum 16. April d. J. an den Vorstand des Kunst⸗Vereins zu Halberstadt unter der Adresse des Doktor Lucanus, abliefern, svaͤtere Sendungen aber, bis zum 16. Mai nach Halle, bis zum 16. Juni nach Magdeburg, oder bis zum 16. Juli nach Braunschweig, unter den Adressen der Ver⸗ eins⸗Vorstaͤnde und der Unterzeichneten gelangen zu lassen
In Berlin wird Herr Kastellan Rietz im Koͤniglichen Akademt
Gebaͤude, 1 8
in Dresden Herr Weinberger,
in Muͤnchen Herr Farbenbereiter Frisch, das fuͤr unsere Kunst⸗Ausstellungen Bestimmte annehmen und für bestmoͤglichste Verpackung und Versendung Sorge tragen. Die Kosten der Fracht der Her⸗ und der Ruͤcksendung werden die unterzeichneten Vereine uͤbernehmen.
Um die Verzeichnisse der Ausstellungen zweckmaͤßig und zeitig genug anstellen zu koͤnnen, erbitten wir eine genaue Beschreibung der Kunstwerke mit Angabe des Werthes und der aͤußersten Ver⸗ kaufspreise, wie der Groͤße derselben, wo moͤglich schon vierzehn Tage vor deren Absendung. .
Jede naͤhere Auskunft werden Unterzeichnete sehr gern ertheilen, erbitten indeß alle Briefe unter Kreuzcouvert und einer der un⸗ tenstehenden Adressen mit der Bemerkung: Angelegenhei⸗ ten des Kunst⸗Vereins zu Halberstadt, Halle oder Mag⸗
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S. dt, 1. Januar 1836 Halberstadt, 1. J 86. 8 . Der Vorstand des Kunst⸗Vereins. Dr. J. Lucanus. Halle, 1. Jan. 1836, Magdeb., 1. Jan. 1836 Braunschw., 1 Jan. 1836. Die Secretaire des Kunst⸗Vereins. . Prof. D. Friedlaͤnder Dr. Berger. Ed. Marées.
Post⸗Sendungen von Kupferstichen, Zeichnungen, auch von Lt⸗ thographieen werden unfrankirt nur aus Preußischen Staͤdten, und nur dann angenommen, wenn solche hoͤchstens 5 Pfd. wiegen und doren Adresen mit der hereita ermaͤhnten noöortofreien Mubhrik in der
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