1836 / 20 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ren in der Residenz entstanden sind. Auf Rettung der im Sie⸗ derei⸗Gebaͤude und auf den Trockenboͤden befindlichen bedeutenden Zucker⸗Vorraͤthe mußte verzichtet und alle Sorgfalt nur auf die

Erhaltung der dem brennenden g gerichtet werden. Groß war die Gefahr fuͤr die dortige, so eng bebaute Stadtgegend, und konnte unberechenbarem Schaden nur durch uͤbermaͤßige Anstrengung des bei den Feuerloͤsch⸗Anstalten beschaͤf⸗ tigten Personals vorgebeugt werden. Es ist hierbei sehr viel geleistet und somit die Gefahr von den dem brennenden Ge⸗ baͤude angraͤnzenden Haͤusern gluͤcklich abgewendet worden. Um 12 Uhr Nachts war man der Feuersbrunst in so weit Herr, daß

eine weitere Verbreitung derselben nicht mehr zu befuͤrchten stand, indessen war das Feuer heute fruͤh um 9 Uhr noch nicht vollstaͤndig geloͤscht. Ueber die Entstehung dieses Brand⸗Ungluͤcks hat sich bis jetzt etwas Bestimmtes noch nicht feststellen lassen. Wahrschein⸗ ich liegt demselben eine Fahrlaͤssigkeit der mit dem Heizen der Trocken⸗Anstalt beauftragten Arbeiter zum Grunde. Von den bei den Loͤsch⸗Anstalten beschaͤftigten Personen sind, so viel zu er⸗ nitteln gewesen, vier Individuen mehr oder minder bedeutend koͤrperlich beschaͤdigt worden.

Man schreibt aus Ragnit, im Regierungs⸗Bezirk Gumbinnen, unterm 2ten d. M.: „Das Ausscheiden des Herrn General⸗ Lieutenants Beier aus dem Amte eines Koͤ⸗ niglichen Remonte⸗Inspecteurs ist der großen Anzahl von Pferde⸗ zuͤchtern der Provinz Preußen, insbesondere Litthauens, ein sie nahe beruͤhrendes Ereigniß gewesen. In Folge der landesvaͤter⸗ lichen Anordnungen Sr. Majestaͤt des Koͤnigs wird nämlich der Bedarf der Armee an Pferden seit einer Reihe von Jahren im Inlande und hauptsaͤchlich in der Provinz Preußen angekauft, und hat diese Maßregel die Folge, daß die besten Pferde des Lan⸗ des im Alter von 3 ½ Jahren der Armee uͤberlassen werden. Die Persoͤnlichkeit dessen, dem die Leitung des Remontirungs⸗ geschaͤftes anvertraut wird, erscheint daher als sehr wichtig. Um nun dem Herrn General⸗Lieutenant Beier fuͤr das, was er in dieser Beziehung fuͤr die Provinz Preußen gethan, den Dank aller Pferdezuͤchter zu erkennen zu geben, hat eine große Anzahl Preußischer Landwirthe ein besonderes Schreiben an denselben erlassen, und der landwirthschaftliche Verein in Litthauen hat dem . General das Diplom als Ehrenmitglied zu uͤberreichen sich erlaubt.“

Aus Danzig meldet man den am 8ten d. M. Abends daselbst erfolgten Tod des Koͤnigl. Großbritanischen Konsuls und Koͤnigl. Hannoverschen General⸗Konsuls, Herrn Alexander Gib⸗ sone, im 66sten Lebensjahre.

Aus Breslau geht folgender Handelsbericht ein: „Die Getraide⸗Preise sind niedrig; der beste Roggen gilt nicht uͤber 24 Sgr. pr. Scheffel. Heu dagegen ist theuer, auch Stroh. Mit der Winterfuͤtterung des Viehes auf dem Lande muß spar⸗ sam umgegangen werden. Die Flachs⸗Preise stehen hoch, des⸗ gleichen der Preis des Klee⸗Saamens. Die Preise von Raps und Ruͤboͤl sind etwas heruntergegangen, von Roͤthe und Krapp dagegen besser geworden. Die in Breslau gelagerten Vorraͤthe von ordinairer Polnischer Wolle sind zu guten Preisen abgegan⸗ gen. Der Preis des Zinks ist zufriedenstellend. In Kolonial⸗ Waaren hat in der letzteren Zeit mittelmaͤßiger Absatz statt⸗ gefunden.“

Aus Bacharach berichtet man unterm 12ten dieses Monats: „Heute Morgen gegen 6 Uhr fing die Eisdecke auf dem Rhein an, sich in Bewegung zu setzen, und zwar ziem⸗ lich rasch, so daß man die Hoffnung hatte, von einer Ueber⸗ schwemmung gluͤcklich befreit zu werden. Aus Mangel an Nach⸗ druck jedoch, indem von Nieder⸗Heimbach an bis nach Bingen der Rhein von Treibeis fast gaͤnzlich frei ist, hemmte das enge Bett am Lurlei⸗Felsen bei St. Goar den Fortgang; um 9 Uhr standen schon wieder die kolossalen Eismassen fest, und das Was⸗ ser wuchs von Minute zu Minute mit einer furchtbaren Schnel⸗ ligkeit, so daß jetzt, 12 Uhr Mittags, der ganze niedere Theil hiesiger Stadt uͤberschwemmt ist und der Wasserstand schon die Hoͤhe wie bei dem Eisgange von 1811—12 erreicht hat. Wenn das Thauwetter noch 24 Stunden anhaͤlt, so wird das Eis aus dem Ober⸗Rhein noch hinzukommen; und dann sind die Graͤnzen der Fluthen nicht Die benachbarten Staͤdte Caub und Ober⸗Wesel sollen auch sehr hart bedraͤngt seyn.“

Literatur und Kunst Die Holzarchitektur des Mittelalters,; mit Anschluß der schoͤnsten in dieser Zeit entwickelten Produkte der ge⸗ werblichen Industrie. Von Boͤtticher, Architekt. Ber⸗ lin bei Schenk und Gerstaͤcker. 1835. Erstes Heft.

Die Zeit ist gluͤcklich voruͤber, wo man das Antike allein fuͤr schoͤn und guͤltig, alle mittelalterliche Kunst aber, die man damals mit dem Namen des Gothischen zusammenfaßte, fuͤr eine der Wun⸗ derlichkeiten unserer quten Altvordern hielt. Noch, als es sich um ein Denkmal Luther's handelte, ließ sich eine Stimme vernehmen, dies muüͤsse in antikem Baustyl gesetzt werden, weil der gefeierte

Mann zu Reinheit und Klarheit vorgedrungen, welche sich nur in schraͤgverschobene Maͤander, Flechtwerke und Schlingungen, mit Griechischen Formen, Gothischer Barbarei gegenuͤber, entsprechend Blaͤtter⸗ und Perlstaͤben eingefaßt, unterbrochen durch Sternchen. Eben so haben wir aber auch jene andere enthusiastische Das fuͤnfte Blatt bildet Glasfenster aus Halberstadt und Muͤhlhau⸗ Zeit der Schwaͤrmerei fuͤr Altdeutsches hinter uns, wo die Juͤnglinge sen ab, theils in aemalter Verzierung, welche sich trefflich durch den

vorfinde.

sich zu Hunderten um die Katheder draͤngten, von denen aus das Lied der

Nebelungen erklaͤrt wurde, wo alle Klassen alte Ritter⸗ und Helden⸗ Geschichten lasen, und sogar die alten Trachten wieder erschienen.

Gebaͤude zunaͤchst gelegenen Haͤuser

V

Beides ist voruͤber; der Enthusiasmus fuͤr das Mittelalter und seine Kunst ist eine ruhige parteilose Schaͤtzung geworden, und jetzt erst, da das Interesse auf ungleich wenigere zuruͤckgegangen, hat ein ei⸗ gentliches Studium jenes Kunstlebens in seinem ganzen Umfange begonnen. Es ist nicht mehr ein Spiel prunkender Eitelkeit, man hat einen großen, stillen Ernst daran gesetzt, und danach muͤssen denn auch die Fruͤchte seyn 8

Die naͤchste Ausbeute war die Einsicht, daß die kuͤnstlerischen Formen des Alterthums und des Mittelalters sich keineswegs so feindlich gegenuͤberstehen und einander ausschließen: man sah, daß beide Epochen sich auf einem hoͤheren Gesichtspunke gleich sind, als durchgebildete Formenwelten, gegen welche unsere Zeit als kahl und nuͤchtern zuruͤcksteht, mit ihrem Mangel aller Formen, nur schwan⸗ kend zwischen modischem Luxus und wohlfeiler nackter Zweckmaͤßigkeit. Aber im Alterthum wie im Mittelalter erstreckte sich ein sinniger Kunstfleiß uͤber alle Gegenstaͤnde des Lebens ohne Ausnahme, und schmuͤckte alles in demselben Sinne, er uͤͤberzog alles mit einem Sy⸗ stem zusammengehoͤriger Formen, der eigenthuͤmliche Geist eignete sich durch dies Gepraͤge jeden Stoff und jedes Geraͤth so be⸗ stimmt an, daß jetzt in unserer spaͤteren Zeit der Gebildete bei der unmittelbaren Ansicht selten in Zweifel seyn kann, in welche der beiden großen Kunst⸗Epochen eine Forn gehoͤre. Wenn nun bei fast gleicher Hoͤhe der Kunst-Entwickelung hauptsaͤchlich in allen archi⸗ tektonischen Ornamenten ein so sicherer Unterschied herrscht, dabei aber wieder innerhalb jeder der beiden Sphären eine so merkwuͤrdige Einheit stattsfindet so muß dies fuͤr die Auffassung und das Ver⸗ staͤndniß der Zeiten von aͤußerster Wichtigkeit seyn, und man muß wuͤnschen, was jetzt nur gefuͤhlt wird, bald auch klar zu erkennen.

Man uͤberblicke die ungeheure Masse und den reichen Umfang mittelalterlicher Kunstwerke von dem riesenhaften Muͤnster bis herab zum kleinsten verzierten Knauf und Nagel, alle Zierrathen der Ar⸗ chitektur, Bildnerei und Malerei, alle die sinnigen Formen der Gold⸗

Thuͤringen. Was die Construction des Fachwerks mit sich bra 8 erscheint hier auf die einfachste Weise, an Gebaͤuden der gerin sin Art, zu einem schoͤnen Formen⸗System durchgebildet. Ueber die fan dreiste und geradezu meisterhafte Darstellung des Herrn Bottiche koͤnnen wir uns alles Ruͤhmens enthalten; das Werk, das ohne außen lichen Pomp, aber mit desto mehr gediegenem kuͤnstlerischen Sn⸗ unternommen ist, wird in unserer Zeit auch einer allgemeinen erkennung gewiß seyn duͤrfen. Es wird auch ins Praktische fꝛucht reich eingreifen, was aber nicht so gemeint seyn kann, daß man 1 hier gebotenen Formen nachmache, sondern vielmehr, daß man he Geist frei und innerlich in sich aufnehme, aus dem diese imm neuer und neuer Auffrischung so werthen Kunstdenkmale hervorge gangen sind. Gr. r

Meteorologische Beobachtung. Morgens RNachmittags Abends Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

qqam²†²¾“

Quellwärme 7,00„ Flußwarme 0,2 09½ Bodenwärme 0,7:9G

1830. 17. Januar. CREREAxncae ng.

Luftdruck 334 04"Par. 333,95"„Par. 338,30 “Par. Luftwärme.. +†tf 1,0 9‧R. 0,990 R. 2.00 R. Thaupunkt 0 30 R. 3,09 R. 4.10 R. Dunstsättig ... V 89 pCt. 1 Et. 85 Et. Wetler Schnee. heiter. heiter. Wind WNW. NcW. NNW. Wolkenzug... NW.

Tagesmitiel: 335,43" Par... 0,0 0 R..

B

Ausdünstung 0,051,5 iederschlag 0,1218 achtkälte 3,10

25 0 R. 82 pG

Den 18. Januar 1836. Amtlicher Fonds- und weld-Cb etr S-Zettel., -. Pr. Cour. A

Brief. Geld. Pr. Cour. St.-Schuld-Sch. 4

6öeem

und Waffenschmiede, der Schlosser, der Zimmerlente und Schnitzer, man betrachte die großen Muster der Teppiche und Meßgewaͤnder: alle diese verschiedensten Manipulationen bedienen sich innerlich ver⸗ wandter Formen, und in den verschiedensten Stoffen, im gehauenen Quaderstein, im gebrannten Formziegel, in Hols und Erz, in Glas und Elfenbein, in Wolle und Seide begegnen uns uͤberall dieselben Charaktere. Es kommt nun darauf an, in diesem ganzen Bereich zu sammeln, zu ordnen, zu begreifen. So mannigfaltig und unendlich auf den ersten Blick der Formenreichthum erscheint, so giebt doch bald die Ausschließlichkeit des Charakters an die Hand, daß eine be⸗ stimmte, scharfgezogene Graͤnze seyv. Es muß sich der Umfang der zu Gebote stehenden Formen aufzaͤhlen und vielleicht geradezu er⸗ schoͤpfen lassen, ebenso die Art ihrer Verbindung. Eine stete Ruͤck⸗ beziehüung auf die Formen und Formenverbindungen Griechischer Kunst wird die Auffassung schaͤrfen und auf beiden Seiten Licht brin⸗ gen. Dann aber giebt es auch innerhalb dieser Graͤnze wieder eine bestimmte Entwickelung, wie sich Formen aus Formen erzeugen, nicht ohne Einfluß von mancherlei aͤußeren Bedingungen; diese Entwicke⸗ lung von Jahrhundert zu Jahrhundert, bis zum Verfall, muß sich in bestimmte Epochen mit kenntlichen Charakteren gliedern lassen. Endlich der Uebergang der Griechischen Kunst ins Mittelalter.

Einzeln ist in solcher Ruͤcksicht schon manches geschehen, und was in neuerer Zeit von Formen bie und da auftaucht, danken wir nur eben sokchen Bemuͤhungen. Hier reiht sich nun nicht bloß das vorlie⸗ gende Werkdes Herrn Architekten Boͤtticher an, sondern es verspricht auch, mit einer noch methodischeren Anfmerksamkeit den ganzen Umfang alles Hiehergehoͤrigen auszubeuten. Wie sehr der Verfasser dazu beru⸗ fen sey, hat er bereits durch eine Menge trefflicher Ornament⸗Er⸗ sindungen an den Tag gelegt, welche unmittelbar in verschiedene Zweige der gewerblichen Thaͤtigkeit eingreifen, und nicht wenig zu ihrer Veredlung beitragen werden. Ich erinnere hier nur an Boͤt⸗ ticher's eigenthuͤmliche, mit feinem Sinn ersundene Vorbilder fuͤr Architekten und Decorateure, fuͤr Stuckarbeiten, fuͤr Weberei, Wir⸗ kerei und Stickerei. Eigene Production machte ihn empfaͤnglicher fuͤr das innere Verstaͤndniß der Arbeiten vergangener Jahrhunderte, des Griechischen wie des Altdeutschen, und dies Studium wieder hob seine Erfindungen zu boͤherer Durchbildung herauf. Diesmal sehen wir ihn seine Mappen eroͤffnen, um uns daraus Studien auf mehrfachen Reisen, kreuz und auer in Deutschland, darzubieten. Die Holz⸗Architektur ist ihm hier die Hauptsache, an diese aber gedenkt er, wie der Titel ankuͤndigt und das erste Heft schon zum Theil erfuͤllt, die verschiedenen Zweige der gewerblichen Industrie anzuschließen. Um das Werk nicht zu vertheuern, hat man sich des Kupferstichs enthalten, dagegen unter den lithographischen Manipulationen die Federzeichnung dem Crayon vorgezogen, weil sie bestimmter und markiger ist, und jedenfalls geeigneter, um Formen⸗Charaktere scharf auszudruͤcken. Fuͤr Farbiges ist der Farben⸗Steindruck zu Huͤlse genommen, in welchem Herr Boͤtticher bereits anderweitig so viel geleistet. Das Motto, als Umschrift des Titels, ist das iroͤstliche Goͤthesche Wort: „Was in der Zeiten Bildersaal Jemals ist treff⸗ lich gewesen, Das wird immer einer einmal Wieder auffeischen und lesen“

- Das Heft besteht aus sechs Blaͤttern. Gleich das erste, Gebaͤlk und Fensterbruͤstung aus Westphalen und dem Hildesheimischen dar⸗ stellend, zeigt uns, wie sehr die Motive der reichen Holzschnitzerei sich der Construction des Fachwerks anschließen, und zugleich ist es geeignet, diejenigen zu widerlegen, welche dieser alten Kunst zwar Ernst und Hoheit zugestehen, sie aber truͤbe finden und ihr alles Ge⸗ faͤllige und Grazidse absprechen wollen. Gebaͤlke derselben Art von wahrer Anmuth stellt das zweite Blatt dar, das dritte giebt Schlosserarbeiten, Thuͤrbeschlaͤge, Reife, Klopfer, Knaͤufe; das vierte wiederum zeigt zierliche geschnitzte und gemalte Holz⸗Verzieruggen, große Holznaͤgel und feine Rahmleistchen: die Zierrathen sind schoͤne,

farbigen Steindruck geben ließ, theils zeigt es in Golddruck die sinn⸗ reichen Systeme der bloßen Bleifassung, welche von außen vergoldet ist. Auf dem letzten Blatt sehen wir die Giebel zweier alten Häuser in

PrämSch. d. Seeb,—

Nm. Int. Sch. do. 4

Elbinger do.

Westpr. Pfandhr. Grosfsh. Pos. do.] 4

59.

compt. 81. —.

Schabernack.

Brief. ꝑCEeld 2 102 10¹1 2 sostpr. Pfandbr. 102 Pr. Engl. Obl. 30. ³ 101 /à4 1003 3232 [pomm. do.

611 4 60³ Kur- u. Neum. do. 4] 101

Kurm. Obl. m. l. C. 4 101 101 1 SEN6 107 ½ 101 Rückst. C. und Z.

102 Sch. d. K. u. N.

104½*

1

Berl. Stadt-Obl. 4 102 ½ do. 4 Danz. do. in Th./—

89

Königsb.

216 ½ 18 ½₰ 13 1

3

Gold al marco Neue Duk. Friedrichsd'or Disconto

44 23 1023¼

F 1

21

Auswärtige Börsen. Amsterdam, 13. Januar.

Niederl. wirkl. Sehuld 55 . 5 % do. 103 ⁄1 6. Kanz-Bill. A o Span 51. Passive 1611 ⁄l⁄ . Ausg. Schuld 25 ⅞. Lnal. 19 ⅛. Preuss. Prüm.-Scheine 106. Poln. 125 ½. Oesterr. Met. 991%

Antwerpen, 12. Januar. 8

Ausg. Schuld —. Zinsl. —.

Frankfurt a. M., 15. Januar. Oesterr. 5 % Metall. 102 ¼. 102 ⅛. 4 % 991 ¼⁄ . 999⁄19. 2 - 1 Bauk-Actien 1669. 1668. Partial-Obl. 140 %. G. ELoose zu 500 Fl. 118 1. 118 ⁄½. Loose zu 100 Fl. 281à2 Br. Preuss. Präm.-Sch. 60. 59 ⁄¼ do. 4 % Anl. 99. G. Poln. Loose 71. 70 ¼. 5 % Spau. Anl. 51 ¼. 50. 2 l 0% Holl 55 ⅛. 551

18

1

50

Passive 16 ⁄. Neue Anl. 50 34

2 ¼ 0 59773 2 ½ % 99 8.

Januar. Cortes —. 0b! v. 1834 20 % 2 ½ % Holl. 55 ¼ 5 % 105

vT11“ Cons. 300% 91 ¼. Belg. 101 ½¼. Passive 16 . Ausg. Sch. 25 ⁄.

5 % Port. 84 61. do. 3 % 543,⁄½1. Engl. Russ. 109 ½. Brav- 85. Columb. 33 1.. Vex. 38. Fern 26. Chili 46. 8 Paris, 12. Jannar.

Rente pr. compt. 108, 60. fin cour. 108. 85. fin cour. 81. 20. 5 % Neap. 98. 75 Kente 49 ¾. Passive 16. Neue Ausg. Sch. —.

3 % Portug. —.

RO/ 1“ 5 % 3⁰% br. 50% Span

Ausg. Sch. 18 ⁄¾

Wien, 13. Jannar. Met. 102 4 % 992 ¼ 2. 3 % 76 12. Bank-Actien 1373 ½. Neue Anl. 592131 ½.

Koöͤntgliche Schaufpieie.

Dienstag, 19. Jan. Im Opernhause: Zum erstenmal wiederholt: Die Sprache des Herzens, Singspiel in 1 Akt von J. Lyser. Musik, mit Ausnahme mehrerer Einlagen, vo J. P. Piris. (Dlle. Franzilla Pixis: Constanze, als Gastrolle. Hierauf: Die neue Amazone, Feen⸗Ballet in 3 Abth., von Ph. Taglioni.

Im Schauspielhause: 1) Les deux Précepteurs, vaude- ville en 1 acte. du théatre des Variétés. 2) La reprise de: L'ami Grandet, ou: La Coquelte corrigée, comédie nourelle en 3 actes et en prose, par Mr. Ancelot.

Mittwoch, 20. Jan. Im Schauspielhause: Die Bekennt⸗ nisse, Lustspiel in 3 Abth., von Bauernfeld. Hierauf: Laßt mich lesen, Schwank in 1 Akt, vom Dr. C. Toͤpfer.

Donnerstag, 21. Jan. Im Schauspielhause: Koͤnig Kemw⸗ radin, historische Tragoͤdie in 5 Abth., und einem Vorspiel⸗ von E. Raupach.

Sonnabend, 23. Jan. hauses. Subscriptions⸗Ball.

Koͤnigstaäͤdtisches Theater. Dienstag, 19. Jan. Auf Begehren: Norma, Oper in! Akten. Musik von Bellini. (Dlle. Gerhardt: Adalgisa.) Mittwoch, 20. Jan. Eulenspiegel, oder: Schabernack r Wiener Lokal⸗Posse mit Gesang in 4 Akten.

Im Konzertsaale des Schausyile

Redacteur Fl. U01127. Gedruckt bei A. W. Hayn.

vF A0n.

Allgemeiner Anzeiger fuͤr die Preu

Bekanntmachungen. ekanntmachung. Dee von uns mittelst Steckbriefes vom 8. Novem⸗ ber 1834 verfolgte Jaͤger Heinrich Laake ist in Ra⸗ thenow arretirt und an das Koͤnigl. Inquisitoriat zu Stendal abgeliefert, daher jener Steckbrief, indem auch der darin gedachte ꝛc. Ritter schon fruͤher wie⸗ der ergriffen, erledigt ist. 1b Havelberg, den 15. Januar 1830. Kdnigl. Preuß. Land⸗ und Stadtgericht.

Nothwendiger Verkauf. Die dem Hofbesitzer Peter Wilhelm Kiep zuge⸗ brige, in dem Werderschen Dorfe Groß Zuender elegenen Grundstuͤcke Nr. 23 und 25, von welchen zufolge der mit den Hypotheken⸗Scheinen und Be⸗ 8

dingungen in der Registratur einzusehenden Taxen,

ersteres auf 5692 Thlr. 1 sgr. 8 pf, letzteres auf 1002 Thlr 6 sgr. 8 pf. abgeschaͤtzt worden, sollen einzeln in dem auf

einlade.

JJ“ Heerr Rittmeister von Heinfeld aus Mitau wird bierdurch aufgefordert, seine im Jahr 1832 am Bade Nenndorf zuruͤckgelassenen Effeeten binnen drei Mo⸗ naten in Empfang zu nehmen, widrigenfalls solche, da sie dem Verderben ausgesetzt sind, in dem auf den 15. April anberaumten oͤffentlichen Termine ver⸗ kauft werden sollen. Bad Nenndorf, den 7. Januar 1836. Die Brunnen⸗Kassen⸗Verwaltung.

Mein im Grimmer Kreise belegenes Gut Bestland wuͤnsche ich entweder zu verkaufen oder zu verpach⸗ ten, und habe ich zu diesem Zweck einen Termin auf den 30. Januar d. J., Morgens 10 Uhr, in Grimmen, im Hause des Herrn Gastwirths Pa⸗ sedag angesetzt, wozu ich Kauf⸗ und Pachrliebhaber

Grimmen, im Januar 1836.

Serie, werden von hente an bis

12 Rub. 50 Cop. bezahlt. Berlin, am 18. Jannar 1836.

EMNaE E 8

In der Schlesingerschen schienen: Don Juan d'Autriche, on 1

vigne. 15 sgr. 7 fr. der Brülfsler Nachdruck 1

F. B. v. Behr.

den 20 April 1836, Vormittags 10 Uhr, 2 Terminen an der Gerichtsstelle verkauft werden. Koͤnigl. Land⸗ und Stadtgericht zu Danzig.

Ersteres hat sich in Pavis

vSmR MetLTRa Emn

der Russ.-Holl. Anleihe bei H ope & Comp., 3te†deutschen Uebersetzung mit bem lebhaftesten Aplas-

mit 13 Thlr. 6 sgr. Preufs. Court. pr.

Anhalt und Wa

Brüderstrasse

Literarische Anzeigen. Buch- handlung, unter, den Linden No. 34, ist so eben er-

Répertoire duthédtre fr. à Berlin. No. 153 a vocation Co- méd. en 5 actes et en prose par Cas. Dela- (Die Pariser Ausgabe kostet Thlr.) No. 15à Cathérine, on la croix d'or. C en 2 actes par Seribe et Melesville. 10 sgr. den enktschiedensten

Die in Folge der Bekanntmachung vom 1. Novem- Beifall erworben, und sind dic vieclen auf einander her d. J. bei den Unterzeichneten angemeldeten, am

folgenden Vorstellungen Beweis dafür Tr. December verfallenen Coupons von Certificaten auch hier, sowohl in der Originalsprache, als in der

en Staaten.

29. Febeuar c. füher die Bühne. Ein vollstündiges Verzeichnils des von von bis jetzt erschienenen 154 Nummern, von denen vieke scchon die 2te Auflage erlebten, wird gratis ausge geben. No. 5. 8 „Bei G. Reimer, Wilhelmsstraße Nr. 73, ist er⸗ schienen: Crelle. A. L., Einiges allgemein Verständliche über Eisenbahnen, insbesondere als Privat-Ur- ternehmungen; für alle Diejenigen, welche sich dafür interessiren, und besonders für Diejeni- gen. so als-Actionairs daran Theil zu nehmen, geneigt sind. 18 ¾ sgr. Jastiniani, Imperatoris, instntionum libri I Ad fidem antiquorum librorum edidit, varian- tium lectionum locornmqyue parallelorum dese- ctum adjecit Ed. Schrader. In operis soeie- tatem accedentibus T. L. F. Tafelio, G. Clossio, post hujus discessum C. J. C. Maiero- Edit. stereot. 10 sgr. 8

und Musik

oméd.-Vaudev.

letzteres ging

diese Phrasen

Amtlich e Nachrichte Kronik des Tages. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben geruht, den Landgerichts⸗ birektor, Ober⸗Landesgerichts⸗Rath Wentzel zu Breslau, zum hirektor des Fuͤrstenthums⸗Gerichts zu Neiße, den Ober⸗Landes⸗ richts⸗ und Kreis⸗Justizrath Bluͤhdorn zum Direktor des ndgerichts zu Breslau, und den Ober⸗Landesgerichts⸗Assessor Wachler zum Ober⸗Landesgerichts⸗ und Kreis⸗Justizrath Bres⸗ ner Kreises zu ernennen. 1

Des Koͤnigs Majestaͤt haben den Ober⸗Landesgerichts⸗As⸗ sser Rauchfuß zum Kreis⸗Justizrach fuͤr den Preußisch⸗ Stargardter Kreis zu ernennen geruht. 1“

Des Koͤnigs Majestaͤt haben die Kommerzien⸗Raͤthe von Pallenberg und Loͤsch zu Breslau und Karl Ruffer zu iegniz zu Geheimen Kommerzien⸗Raͤthen und den Kaufmann riedrich Ertel zu Breslau, so wie den Tuch⸗Fabrikanten zewers zu Goͤrlitz zu Kommerzien⸗Raͤthen zu ernennen und ie deshalb ausgefertigten Patente Allerhoͤchstselbst zu vollziehen eruht.

Der Kreis⸗Justizrath Temme zu Ragnit ist zum Direktor es Inquisitoriats zu Stendal ernannt worden.

Der bisherige Referendarius Ferdinand Gembitzki ist um Justiz⸗Kommissarius fuͤr den Adelnauer Kreis, mit Anwei⸗ ung des Wohnsitzes zu Ostrowo, bestellt worden.

Die Interessenten der Gesetz⸗Sammlung werden benach⸗ cchtgt, daß der Titel und die chronologische Uebersicht zur vor⸗ hrigen Gesetz⸗Sammlung die Presse verlassen hat und abgeholt rerden kann, und das Sachregister fuͤr die Jahrgaͤnge 1831 bis anschließlich 1835 in der moͤglichst kuͤrzesten Frist nachfolgen soll; auch muß daran erinnert werden, daß mit dem Isten d. M in neuer Praͤnumerations⸗Termin eingetreten ist.

Berlin, den 20. Januar 1836.

Debits⸗Comtoir der Gesetz⸗Sammlung.

Abgereist: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Rath und Heneral⸗Intendant der Koͤnigl. Museen, Graf von Bruͤhl, und Der außerordentliche Gesandte und bevollmaͤchtigte Minister ber Vereinigten Staaten von Nord⸗Ar Kaiser!l chen Hofe, Wilkins, nach Dresden

13. Jan. Der Fuͤrst von Talleyrand wurde vor⸗ gistern und der Russische Botschafter gestern Abend von dem Noͤnige empfangen.

Nachstehendes ist der wesentliche Inhalt der Rebe, wodurch e Conseils⸗Präͤsident in der gestrigen Sitzung der De⸗ putirten⸗Kammer das Amendement des Marquis von Mor⸗ nay zu Gunsten der Polen bekaͤmpfte: „Als im Jahre 1831 ie Warschauer Insurrection sich ihrem Ende nahte, sah die Franzoͤsische Regierung, die nichts verabsaͤumt hatte, um dieser blutigen Entwickelung vorzubeugen, voraus, welche Folgen ein so verzweiflungsvoller Kampf und ein so beklagenswerther Sieg haben wuͤrden. Sie sah voraus, daß diese Folgen, indem sie

lmit ihrem ganzen Gewichte auf die Besiegten fielen, einen mehr

ovder weniger tiefen Eingriff in die durch den Wiener Kongreß estgesetzten Verhaͤltnisse mit sich fuͤhren wuͤrden. Die Franzo⸗ ssche Regierung nahm deshalb sog eich eine feste und bestimmte Stelung ein; sie erklaͤrte dem St. Petersburger Kabinette auf das Bestimmteste, daß, in ihren Augen, die Warschauer Insur⸗ rection den Kaiser von Rußland nicht von den Verpflichtungen entbinde, die ihm durch die Wiener Kongreß⸗Akte auferlegt wor⸗ den seyen; daß sie, die Franzoͤsische Regterung, nie eine andere Verbindung zwischen Rußland und Polen anerkennen wuͤrde, als diejenige, die durch die Traktaten festgestellt worden sey, und daß die von dem Kaiser Alexander gegruͤnde⸗ un politischen Institutionen, in ihren Augen, einen, we⸗ nigstens moralischen Theil der Stipulationen der Wie⸗ ner Kongreß-Akte ausmachten. Hat sich nun seitdem diese lage der Dinge veraͤndert? Wir denken, nein. Was man auch von einem kuͤrzlich bekannt gewordenen Dokumente sagen mag einem Dokumente, von dem die Regierung keine Notiz nehmen kann, da es ihr nicht auf offiziellem Wege mit⸗ getheilt worden ist; welche Wichtigkeit man auch diesem Doku⸗ mente beilegen mag, indem man annimmt, daß die geruͤgten Phrasen sich wirklich in demselben befinden, so sind doch am Ende nur Worte; sie sind keines⸗ weges in Handlungen oder in Gesetze verwandelt worden, die den vorherbestandenen Zustand veraͤnderten. Da dies nicht be⸗ striten werden kann, was will man denn nun eigentlich! Wenn irgend Jemand in dieser Kammer der Meinung ist, daß die Zeit der Vorbehalte voruͤber sey, daß Protestationen nicht mehr am rechten Orte waͤren, sondern daß der Augenblick zum Handeln gekommen sey, daß die gegenwaͤrtige Lage Polens Frankxeich zu einem offenen Bruche mit Rußland veranlassen muͤsse, dann waͤre

rund zur Diskussion vorhanden. Wir wuͤrden dann ein solches Mitglied bitten, die Rednerbuͤhne zu besteigen, und wir wuͤrden seinen Vorschlag pruͤfen; aber bis jetzt ist uns keine solche Mei⸗ nung zu Ohren gekommen. (Nein, nein! Was will man aber dann; Man will noch einmal in der Adresse zu Gunsten der Traktaten und der Poinischen Nationalitaͤt protestiren. Als Mit⸗ glied der Regierung muß ich sagen, daß eine solche Protestation uns auf keine Weise in Vertegenheit setzen wuͤrde; daß die Wie⸗ derholung dessen, was schon mehrmals gesagt worden ist, uns

auch gegenwaͤrtig keine Schwierigkeiten bereiten wuͤrde. Es bleibt

lediglich zu erwaͤgen, ob eine solche erneuerte Protestation der Wuͤrde der Franzoͤsischen Nation angemessen und dem Zwecke, den man im Auge hat, foöͤrderlich seyn wuͤrde? Ich gestehe, daß ich, fuͤr meine Person, in dieser Beziehung große Zweifel hege. Ist es vortheilhaft, die Protestationen un⸗ aufhoͤrlich zu erneuern, ohne daß sich die Lage der Dinge geeoͤn⸗ dert hat? Ich glaube nicht, daß das der Wuͤrde eines großen Landes angemessen. sey. Protestationen werden durch zu große Anhaͤufung nicht gestaͤrkt, sondern geschwaͤcht. Ein zu rechter Zeit und in passenden Ausdruͤcken gemachter Vorbehalt laͤßt in den Gemuͤthern eine lange Erinnerung nach; aber eine jaͤhrliche und eben dadurch bannale Protestation, eine Protestation, die immer periodisch, zu denselben Zeiten und in denselben Ausdruͤk⸗ ken wiederkehrt, wird zuletzt eine bloße Sache der Form, welcher diejenigen, an die sie gerichtet ist, eben so wenig Aufmerksamkeit schenken, als diejenigen, von denen sie ausgeht. (Verneinungen auf der rechten und linken Seite.) Ich sage, m. H., daß zu haͤufige Protestationen sich eine durch die andere schwaͤchen. Das ist meine Meinung. Ich habe der Kammer noch andere Be⸗ merkungen vorzulegen, und ich bitte sie, dieselben mit Wohl⸗ wollen aufzunehmen. Wir sind Alle von demselben Wunsche beseelt; wir streben Alle demselben Ziele zu; und ich fuͤr meine Person wiederhole es, daß, wenn ich nur meine Stellung als Minister im Auge haͤtte, mir die Annahme oder Verwerfung des Amendements gleichguͤltig seyn wuͤrde; aber man will protestiren, und doch nicht zu den Waffen grei⸗ fen! Ist es klug, m. H., ist es vorsichtig, und ich sage hier meine ganze Meinung ist es edelmuͤthig, bei den Polen Hoff⸗ nungen zu näͤhren, die wir nicht verwirklichen koͤnnen, Taͤu⸗ schungen bei ihnen zu erwecken, die ihnen leicht verderblich wer⸗ den moͤchten? Sie wissen, welchen Hoffnungen sich Besiegte, welchen Taͤuschungen sich Verbannte, welchen Hirngespinnsten sich Emigranten so leicht hingeben. Ich glaube, daß dies ein Punkt ist, den man nicht aus den Augen verlieren darf, und daß man sich nicht der ewigen Reue aussetzen muß, neue Schild⸗ Erhebungen hervorzurufen, die man nicht zu verfolgen entschlossen ist. Endlich, und dies ist ein letzter Beweggrund, muß man nicht bloß an die Polen denken, die in Frankreich sind und die von uns unterstuͤtzt werden. Man muß auch diejenigen nicht vergessen, die an den Ufern der Weichsel geblieben sind; man muß nicht vergessen, daß ein Vorschlag, wie der in Rede stehende, und die Diskussionen, die denselben begleiten, fuͤr sie sehr ernste und sehr schmerzliche Folgen haben kann. Ich weiß, daß man auf diesen Einwand eine Phrase in Bereitschaft hat; ich weiß, daß man uns bestaͤndig wiederholt, die Leiden der Polen, die in ihrem Vaterlande geblieben waͤren, haͤtten den hoͤchsten Grad erreicht, sie haͤtten selbst alles Maaß und alle Graͤnzen uͤberschritten; man koͤnne dieselben auf keine Weise noch vermehren. Ich meine aber, man muͤsse solchen Phrasen miß⸗ trauen, und ihnen nicht mehr ⸗Werth beilegen, als sie verdienen. Es giebt gewiß unter all' den Polen, die in ihrer Heimath ge⸗ blieben sind, Keinen, der nicht irgend etwas zu hoffen, zu bitten, oder zu fuͤrchten haͤtte! Diese Betrachtungen, m. H., hielt ich fuͤr Pflicht, Ihnen vorzulegen. Sie haben eine Adresse abzufas⸗ sen; es koͤmmt der Regierung nicht zu, Ihnen Ihre Sprache vorzuschreiben, und mir wuͤrde dies noch weniger ziemen, als je⸗ dem Anderen, da ich nicht die Ehre habe, Mitglied dieser Kam⸗ mer zu seyn. Aber durch meine politische Stellung in den Stand gesetzt, die natuͤrlichen Folgen Ihres Votums genau vorherzusehen, war es meine Pflicht, Ihnen dieselben vor Augen zu stellen. Wenn ich die Ehre haͤtte, auf diesen Baͤnken zu sitzen, so wuͤrde ich, obgleich ich eben so viel Antheil an dem Schicksale Polens nehme, als irgend Einer, weder der Sache der Traktaten, noch der Sache Polens zu dienen glauben, indem ich fuͤr das Ihnen vorgeschla⸗ gene Amendement stimmte!“ (Lebhafter und anhaltender Beifall.) Herr von Lamartine, ein Mitglied der mit der Abfassung der Adresse beauftragt gewesenen Kommission, suchte diese letztere vor dem Vorwurfe zu bewahren, daß sie aus bloßer Furcht den Namen „Polen“ in dem Adreß⸗Entwurfe nicht genannt habe. „Dieser Name“, außerte er, „schien uns tief genug eingegraben in unserer Aller Herzen, als daß wir es noch fuͤr noͤthig hiel⸗ ten, besonders daran zu erinnern. Seitdem aber haben sich uns noch andere Gruͤnde aufgedrungen, die uns fuͤr die Verwerfung aller beantragten Amendements und fuͤr die einfache Bei⸗ behaltung der von uns gewaͤhlten Abfassung zu sprechen schei⸗ nen. Der erste dieser Gruͤnde ist die Nothwendigkeit, bei einer Meinungs⸗Aeußerung uͤber Polen die orientalische Frage nicht zu kompromittiren. Ein zweiter Grund ist der, daß die Nationen sich unter einander in ihren Worten ein genaues und strenges Maaß schuldig sind. Ganz kuͤrzlich noch haben wir ge⸗ sehen, welche Stoͤrungen einige herausfordernde Ausdruͤcke des Praͤsidenten Jackson in Europa veranlaßt haben. Ein dritter Grund endlich ist derjenige, den Ihnen so eben der Herr Mini⸗ ster der auswaͤrtigen Angelegenheiten zu erkennen gegeben hat, daß wir uns naͤmlich wohl huͤten muͤßten, durch unsern Einfluß und durch unsere Worte einen neuen Widerstand von Sei⸗ ten der Polen hervorzurufen und ihnen neues Ungluͤck zu bereiten. Ich trete dieser Ansicht unbedingt bei.“ Nach einigen anderen Betrachtungen schloß der Redner mit der Behauptung, daß die Polnische Frage erst nach der Orientalischen geloͤst wer⸗ den koͤnne. Herr Mathieu de laRedorte war der Meinung, daß man auch uͤber die letztere Frage fuͤglich einige Worte in die Adresse haͤtte einfließen lassen koͤnnen. Herr Saint⸗Marc⸗Gi⸗ rardin seinerseits bestand darauf, daß man in der Adresse de

Namen „Polen“ nenne, waͤre es auch bloß „damit dies Akten⸗ stuͤck eine Umschreibung weniger enthalte.“ Der Berichterstatter Herr Sauzet fand sich durch diese Bemerkung verletzt und meinte, man muͤsse dem Herrn Girardin allerdings die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er uͤber Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sehr bestimmt und ohne irgend eine Umschreibung ab⸗ gesprochen habe. Er beharrte zugleich bei der von der Kommis⸗ sion gewaͤhlten Abfassung. Nach einigen Gegen⸗Bemerkungen des Herrn Odilon⸗Barrot kam es endlich zur Abstimmung uͤber das Amendement des Marquis v. Mornay. Ein großer

Theil der Centra und die gesammte Opposition erhob sich zu Gunsten desselben; der uͤbrige Theil der Centra stimmte fuͤr die Verwerfung. Nachdem der Praͤsident das Buͤreau befragt hatte, erklaͤrte er, daß das Amendement angenommen worden sey. (Wir haben dasselbe gestern mitgetheilt.) Der 6te, 7te und 8te Paragraph gaben zu keiner erheblichen Debatte Anlaß und wurden unveraͤndert angenommen. Her Isambert verlangte noch von dem Conseils⸗Praͤsidenten einige Aufschluͤsse uͤber die Lage der Russisch⸗Polnischen Schuld⸗⸗ Forderung, worauf dieser erwiederte, daß die desfallsige Unter⸗ handlung noch nicht geschlossen sey, daß sie aber, falls sie zum Schluß gelangen sollte, zum Vortheile Frankreichs ausschla⸗ gen wuͤrde. Die Sitzung wurde um 6 Uhr aufgehoben. In der heutigen Sitzung verlas zunaͤchst Herr Pele vom Lozeére⸗Departement eine Proposition, worin er darauf an⸗ trug, die Zahl der Commissaire zur Pruͤfung des Budgets von 36 auf 18 zu reduziren. Sodann wurde die obige Debatte fort gesetzt. Herr Gauguier beantragte einen Zusatz zu dem 8ten Paragraphen, des Inhalts, daß diejenigen Deputirten, die zugleich Staats Beamte sind, hinfuͤhro waͤhrend der Dauer der Session kein Gehalt beziehen sollten. In der Rede zur Entwickelung dieses Vorschlages suchte er zu beweisen, daß es uͤberhaupt besser seyn

moͤchte, Staatsdiener von der Deputirten⸗Kammer gaͤnzlich aus⸗

zuschließen. Zuletzt entschloß er sich indeß, auf den Rath eniger seiner Freunde, das Amendement zuruͤckzunehmen und es bei den Berathungen uͤber das Budget wieder zur Sprache zu brin⸗ gen. Eben so wurden 4 Amendements zu dem 9ten Paragraphen, der von den dem Lande noch noͤthigen Gesetzen handelt, von ihren Verfassern, den Herren Harcourt, Bussitères, Tracy und Viennet, wieder zuruͤckgenommen. Der 10te Paragraph erlitt eben so wenig eine Aenderung. Der I1te, der von der Annahme einer hochherzigen und versoͤhnlichen Politik spricht, was von Vielen auf die Be⸗ willigung einer Amnestie gedeutet worden ist, veranlaßte den Berichterstatter, Herrn Sauzet, sich zuvoͤrderst uͤber den Sinn dieses Paragraphen naͤher zu außern. Er bemerkte, daß die Kommis⸗ sion bei der Wahl jener Worte an eine Amnestie nicht im Entfernte⸗ sten gedacht habe; ein solches Begehren wuͤrde ein Anachronis mus seyn, nachdem der April⸗Prozeß so weit vorgeschritten, daß man binnen kurzem seiner gaͤnzlichen Beendigung entgegensehen muͤsse; das Schicksal der Angeklagten haͤnge lediglich von de Gnade des Koͤnigs ab; die Kammer duͤrfe sich in diese Sachen nicht mischen, sondern muͤsse der Krone unbedingte Willens⸗Frei⸗ heit in derselben lassen; dies schließe indessen keineswegs eine hoch herzige und versoͤhnliche Politik aus; es gebe ja im Lande, außer den Verurtheilten, auch viele ehrenwerthe Maͤnner, di man um den Thron zu sammeln suchen musse; unleugba bestehe im Lande eine gewisse Neigung, sich einander z naͤhern und die fruͤheren politischen Zwistigkeiten zu vergessen, und so sey es Pflicht der Regierung, eine solche⸗Tendenz zu be⸗ guͤnstigen. Als Herr von Montépin hierauf mit dem An⸗ trage hervortrat, die betreffende Phrase in so fern noch guͤnsti ger fuͤr die Minister zu stellen, daß man, statt von der nahme, von dem Beharren bei einer hochherzigen und ve soͤhnlichen Politik spraͤche, widersetzte sich jedoch der Berichte; statter diesem Amendement. Die Kommission, bemerkte er, habe nicht die Absicht gehabt, irgend einen Tadel gegen das Minn sterium auszusprechen; ein besonderes Lob aber wuͤrde die Folge haben, daß die Adresse gewissermaßen in ein Panegyrikum aus⸗ artete; er koͤnne nicht glauben, daß man aufs neue ein motivirte Tagesordnung zu Gunsten der Minister verlange; oft wiederholtes Lob verliere uͤbrigens allen Werth! Der Mi⸗ nister des Innern erwiederte hierauf, daß er und seine Kol⸗ legen kein Lob, keine motivirte Tagesordnung, sondern nur Bi ligkeit verlangten, da sie eine vollstaͤndige Gerechtigkeit nur vo der Zukunft erwarteten. Die gegenwaͤrtige Regierung, meint der Minister, gleiche keiner ihrer Vorgaͤngerinnen; es sey eine Regierung der Vernunft und der Einsicht, und dies sey Alles; von einer Amnestie duͤrfe man nicht sprechen, weil es im Lande keine Sieger und keine Besiegte gebe; allerdings sey eine Vet soͤhnung der Parteien wuͤnschenswerth, indessen sey es nicht Sache der Regierung, hierzu den ersten Schritt zu thun; die Regierung zähle auf ihre Kraft; wollte sie irgend einer Partei zuerst die Hand reichen, so wuͤrde diese nur um so anmaßender werden; er glaube, daß, wenn man den in dem betreffenden Para⸗ graphen gewaͤhlten Beiwoͤrtern „hochherzig“ und „versoͤhnlich“ noch das Wort fesst hinzufuͤgte, dies den wahren Gedanken der Kammer wiedergeben wuͤrde. Herr Sauzet erklaͤrte sich hiermit einver⸗ standen, protestirte aber gegen den Ausdruck Beharren. Das Ministerium schien nun zwar gerade auf diesen Ausdruck einen großen Werth zu legen; da es sich indessen uͤberzeugen mochte, daß es mit demselben schwerlich durchkommen wuͤrde, so erklaͤrte Herr Guizot, daß er auf dasselbe verzichte und sich mit dem Bei⸗ worte „fest“ begnuͤge, da die Regierung, wie gesagt, kein Lob, sondern bloß eine Anerkennnng ihrer Festigkeit, verbunden mit einem versoͤhnlichen Charakter, verlange. Hiermit war indessen die Sache noch immer nicht beendigt. Herr von Montépin beharrte bei seinem obigen Antrage, waͤhrend Herr Garnier⸗ Pageès das Ministerium auf das heftigste angriff. Bei dem Abgange der Post dauerte die Debatte noch fort. 1 In Bezug auf die Annahme des Mornayschen Amendements bemerkt das Journal de Paris: „Die Rede des Conseils⸗ Praͤsidenten ist ein natuͤrlicher Kommentar und eine Explication des Amendements des Herrn von Mornay. Es ist augenschein⸗ lich, daß das Ministerium kein direktes Interesse bei der Annah⸗ me oder Verwerfung dieses Amendements hatte, und daß der Kammer allein das Urtheil uͤber die Frage uͤberlassen blieb Im Grunde herrscht nur ein e Meinung, und man begreift die Freude gewisser Oppositions⸗Blaͤtter nicht, die die Annahme des Mor⸗ nayschen Amendements als eine Niederlage fuͤr das Ministerium betrachten. Wir wiederholen es: das Ministerium ist bei der Frage unbetheiligt. Was man von ihm verlangt, hat es bereits gethan; die Protestationen und Vorbehalte zu Gunsten der Pol⸗ nischen Nationalitaͤt haben von Seiten der Franzoͤsischen Regie⸗ rung nicht aufgehoͤrt; die Debatte drehte sich daher nur um die