noch eine Rede an das Volk zu Liverpool auf der Straße, und diese, nebst 8 bis 10 anderen, die er auf seiner Reise gehalten, sind alle in unseren Zeitungen, gleichviel von welcher Partei, aufs vollstaͤndigste mitgetheilt und kommentirt worden, obgleich alle nur Variationen desselben Themas waren: Gerechtigkeit fuͤr Irland! Was er vor allen Dingen darunter versteht, ist 1) die Abschaffung des Zehnten, und 2) Corporations⸗Reform. Fuͤr die Erlangung dieser Maßregeln hat er sich in allen den ge⸗ nannten Irlaͤndischen Versammlungen die Erlaubniß ertheilen lassen, sein fruͤheres Lieblings⸗Thema, die Aufloͤsung der Union, aufzugeben; so wie er sich in der Englischen Versammlung das Versprechen geben ließ, daß man ihn — nicht zum Dank fuͤr jene Entsagung, sondern weil man seine Forderun⸗ gen fuͤr recht und billig haͤlt — dabei unterstuͤtzen wolle. Freilich ließ er noch einige Klagen uͤber andere Dinge vernehmen, namentlich uͤber einige Parteilichkeiten gegen Irland in der Parlaments⸗Reform⸗Bill; doch ließ er diese fuͤr jetzt im Hintergrunde. Vorzuͤglich beachtenswerth ist, daß er bei jeder Gelegenheit erklaͤrte, daß er das vollkommenste Vertrauen zu den Ministern habe und solche, mit Vergebung aller von den Whigs erfahrenen Beleidigungen, aufs kraͤftigste unterstuͤtzen wuͤrde, und ferner alle Repealer in Irland, wie die Radikalen in England auffordert, mit Beseitigung jeder besonderen Lieb⸗ lings⸗Idee, ein Gleiches zu thun. Beachtungswerther aber ist es noch, daß jene sowohl wie diese sich bereitwillig erklaͤrten, sei⸗ nen Rath zu befolgen; um so mehr, da es so nahe vor der Ver⸗ sämmlung des Parlaments geschieht, wo es seine Wirkung nicht auf diejenigen eifrigen Radikalen verfehlen kann, welche, wie Roebuck, es fuͤr raͤthlich gehalten hatten, den Mi⸗ nistern allen Beistand zu versagen, bis sie in die Abschaffung des Zeitungsstempels gewilligt haͤtten. Ob sich nun die Konser⸗ vativen hieran spiegeln, und die gemaͤßigten Tories ihren Wider⸗ willen gegen die Orangisten, und diese ihre starren Ansichten zu Gunsten der gemaͤßigten Politik eines Peel, zu opfern geneigt seyn werden, muß die Zeit lehren. Nach allen aͤußeren Anzei⸗ chen herrscht unter dieser Partei die Einmuͤthigkeit nicht, weiche dre Leberalen jetzt leitet, und wenn es einerseits einige Whigs raͤthlich gefunden haben, O Connel''s wegen thre Partei zu ver⸗ lassen, so finden sich andererseits eben so vicle Tories, welche die fortwaͤhrenden Uebertreibungen der Ultras stutzig gemacht und zuruͤckgeschreckt haben. Andere von dieser Klasse, besonders die, weiche sich voriges Jahr zugleich mit der Times derselben zusewandt hatten, in der Meinung, es sey besonders in Bezug auf die Iriändische Kirchen⸗Reform eine Ruͤckwirkung in dem Volkssinn cingetreten, glauben sich jetzt durch das Resultat der Städtewahlen vom Gegentheil uͤberzeugt, in welcher Ansicht sie guch Hafch die von so vielen Stadtraͤthen an den Koͤnig gesand⸗ ten Adressen bestaͤrkt werden. Auch sind alle unbefangene Poli⸗ riker der Memung, daß die Tories bei Eroͤffnung des Parla⸗ ments entweder kein Rmendement zur Adresse vorschlagen wer⸗ den, oder, wenn sie es ja thun sollten, trotz den Vortheilen, die ste bei den im vorigen Jahre stattgefundenen einzelnen Wahlen erlaungt, sich doch in einer wenigstens eben so großen Minoritaͤt befinden werden, als die war, welche Peel zum Abdan⸗ ken bewog. Indessen sind da, wo die Parteien ein⸗ ander so gleich stehen, und wo sichs von den Beweg⸗ gruͤnden so vieler Einzelnen handelt, alle Prophezeiungen dieser Art hoͤchst gewagt. Nur eines scheint gewiß, naͤmlich, daß die Minister nicht austreten werden, ohne vorher eine Parlaments⸗ wahl unter ihren eigenen Auspizien versucht zu haben; und der Koͤnig wird ihnen — so sehr auch der Standard das Gegen⸗ theil behaupten mag — die Erlaubniß dazu nicht versagen, be⸗ sonders da auch Sir Robert Peel nicht wuͤnschen kann, bevor die Ktrchen⸗Angelegenheit beigelegt ist, mit so widerstrebenden Materialien, als jetzt die Tories darbieten, ein anderes Ministe⸗ rium zu persuchen, und Stanley sich noch eben so wenig, als bei der letzten Ministerial⸗Krisis, in der Lage befindet, ihn von dieser Nothwendigkeit zu befreten. Niederlande. — — Amsterdam, 30. Januar. Von dem H apieren waͤhrend der heute endigenden Woche ist wieder wenig Be⸗ merkenswerthes zu berichten, da derselbe weder von erheblichem Um⸗ fange war, noch durch wichtige Fluctuationen bezeichnet wurde. Das Weichen der Course von Ardoin⸗Obligationen an den Maͤrkten zu London und Antwerpen, nebst mehreren Verkaͤufen, die davon fuͤr Belgische Rechnung bewirkt wurden, brachte dieses Effekt auch hier zum Weichen und machte selbst auf mehrere andere Fonds einen un⸗ guͤnsttgen Eindruck. Jene Ardoin⸗Obligationen, welche zu Anfang der Woche 50 à 50131 6 Ct. standen, gingen hiernach taͤglich etwas niedrigeer und waren gestern zu 490 ¼ à 491 1 6 zu haben; von den uͤbrigen Spanischen Schuld⸗Dokumenten hatten deferred etwas mehr Frage wie gewoͤhnlich, wodurch deren Preis sich gut auf 25 ¾ pCt. behauptete; Passive wechselten bei wenigem Handel zwischen 16 ⅜ und 16 ½ „Ct., und alte aufgeschobene Schuld ging von 1911 l1 6 auf 19 ¾ vCt. zuruͤck. Hollaͤndische 5proc wirkliche Schuld wurde zu 103 ½¼ pCt. abgenommen, blieb aber in den letzten Tagen weniger begehet und ½ pCt billiger zu haben; von Integralen sind einige Verkaͤufe angeblich fuͤr Deutsche Rechnung gemacht worden, denen indeß Einkaufs-Auftraͤge vom Inlande begegneten, so daß der Cours sich auf 559 ⁄ erhielt; Kanz⸗Billets, welche dem Gange der In⸗ tegralen gewoͤhnlich folgen, hatten sich bis 241 ¼l 6 Fl. erhoben, gestern meldeten sich indeß, vermuthlich wegen des nahen Abrech⸗ nangs⸗Termins, mehrere Verkaͤufer, wodurch dee Preis bis 24946 Fl. herunterging. Russische und Oesterreichische Obligationen blieben bei kleinem Geschaͤfte preishaltend; neue Wiener Loose aber wurden häͤufiger ausgeboten und hierdurch von 717 Fl. auf 711 Fl. zuruͤck⸗ gedraͤngt. Suͤd⸗Amerikanische Fonds blieben ohne erhebliche Preis⸗ Veraͤnderung, und auch der Geld⸗Cours steht noch so wie vorige Woche. — Der Umsatz am hiesigen Getraide⸗Markt ist diese Woche weniger lebhaft gewesen; dennoch haben sich die Course von sodnen Sorten Weizen gut erhalten; einige Particen von neuem inlaͤndi⸗ chen sind gestern aber niedriger erlassen worden. Mit Roggen war es besonders still, so daß in fremden Sorten gar kein Handel statt⸗ fand. Die zuletzt angelegten Preise sind: fuͤr 133 pfund. jaͤhrigen Wismarschen Weizen 203 Fl.; fuͤr 130pfnd rothen Nassau⸗Dietzi⸗ schen 188 Fl.; fuͤr 132. 1335füͤnd. neuen Clevischen 188. 190 Fl.; fuͤr 128. 120 füͤnd. neuen inlaͤndischen Weizen 175. 178 Fl, 125pfünd. nüue sFlandüscher Roggen galt 150 Fl., 88.90pfund. feiner Hafer 86. 87 Fl.
Deutschland.
Gotha, 2. Febr. Die Gothaische Zeitung enthaͤlt nachstehenden Hof⸗Artikel: „Heute ist am hiesigen Herzoglichen Hofe die feierliche Eroͤffnung der Vermaͤhlung Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin Donna Maria von Portugal und Sr. Koͤniglichen
Hoheit des Pnhch Don Fernando, Koͤnigl. Prinzen von Por⸗ tugal, erfolgt. er Herr Graf von Lavradio, welcher die Un⸗
terhandlungen geleitet hat, war nach einer Reise von Bruͤssel als
außerordentlicher Botschafter Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin Donna Maria bei Sr. Durchlaucht unserem gnaͤdigst regierenden Her⸗ zoge und Herrn, hierher zuruͤckgekehrt. Die feierliche Auffahrt fanb heuts in der herkoͤmmlichen Weise statt. Der Herr Bot⸗ schafißr, an der unteren Treppe, vom Portale des Herzoglichen
andel in Staats⸗
Residenzschlosses rechts, von dem Ceremonienmeister und den dienstthuenden Kavalieren des Hofes empfangen, wurde zunaͤchst in das Geheimeraths⸗Zimmer, wo die Auswechselung der Rati⸗ fication des Ehe⸗Vertrags erfolgte und dann zur Audienz bei den hoͤchsten Herrschaften gebracht. Durch die Reihen des auf dem Corridor der Weimarischen Gallerie aufgestellten Militairs und der vor dem Vorgemach stehenden Offizianten begab sich der Herr Botschafter, nachdem ihn der Hofmarschall mit den dazu bestimmten Kavalieren an der oberen Treppe empfangen hatte, in das Vorgemach, von wo ihn der erste Marschall zum Au⸗ dienzzimmer fuͤhrte. Die Audienz fand zugleich bei Sr. Her⸗ zoglichen Durchlaucht, unserm gnaͤdigst regierenden Herzoge und Hisen. Hoͤchstdessen Herrn Bruder, des Herzogs Ferdinand Durchlaucht, und dem Durchlauchtigsten Prinzen Ferdinand, Sohne Sr. Durchlaucht des Herzogs Ferdinand, statt. Waͤh⸗ rend derselben hatten sich das Herzogliche Ministerium, Deputa⸗ tionen der hiesigen Staͤnde, der Staͤdte Gotha und Koburg und das uͤbrige Personal im großen Saale versammelt, woselbst zu beiden Seiten des Baldachins Tribunen errichtet worden wa⸗ ren. Unter Vorantritt der Hofmarschaͤlle traten zuerst Ihre Hoheit die Frau Herzogin mit den Durchlauchtigsten Prinzen und Anverwandten des Herzoglichen Hauses, Hoͤchst⸗ welche bei der Audienz des Herrn Botschafters nicht zugegen gewesen waren, ein; die hoͤchsten Herrschaften begaben sich auf die Tribune links, die Damen vom Hofe auf diejenige rechts vom Baldachin. Dann erschienen, unter Vorantritt der Hof⸗ marschaͤlle, des regierenden Herzogs Durchlaucht, Se. Koͤnigl. Hoheit Prinz Ferdinand, Hoͤchstdessen Herr Vater, des Herzogs Ferdinand Durchl. und der Herr Botschafter, gefolgt von den zur Suite gehoͤrigen Kavaliers. Nachdem unser Durchlauchtigster Herzog den Platz zur rechten, des Herzogs Ferdinand Durchl. die Stelle zur Linken, des Prinzen Ferdinand K. H. die Stelle zwischen Hoͤchstihrem Herrn Oheim und Herrn Vater Durchlauchten eingenommen hatten, erfolgte Namens Sr. des gnaͤdigst regierenden Hergoge und Herrn Durchlaucht die Eroͤffnung: daß die kirchliche Ver⸗ maͤhlung zwischen Ihrer Maäjestaͤt der Koͤnigin Donna Maria da Gloria von Portugal und Algarbien und dem Durchlauch⸗ tigsten Prinzen Ferdinand am 1. Januar d. J. in der Kathe⸗ drale zu Lissabon stattgefunden und daß der Durchlauchtigste Prinz in Folge dessen die Wuͤrde eines Koͤniglichen Prinzen von Portugal mit dem Namen Don Fernando und der Koͤniglichen Hoheit empfangen und angenommen habe. Nach Beendigung dieses feierlichen, vom Kanonendonner begleiteten Aktes empfingen unser gnaͤdigst regierender Herzog und Herr, Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz von Portugal und Hoͤchstdessen Hr. Vater, des Her⸗ zogs Ferdinand Durchlaucht die Gratulationen des gesamm⸗ ten Hofes, der verschiꝛdenen Deputationen und der uͤbrigen An⸗ wesenden. Bei der großen Tafel, welche hierauf gehalten wurde, brachten Se. Durchlaucht der gnäͤdigst regierende Herzog und Herr den ersten Toast auf das Wohl Ihrer Majestaͤt der Koͤ⸗ nigin Donna Maria, Ihres Durchlauchtigsten Gemahls und des Koͤniglichen Hauses unter Kanonendonner aus; der Herr Bot⸗ saafter erwiederte mit einem Toaste auf das Wohl unseres Durchlauchtigsten Herzogs und Ihrer Hoheit unserer Frau Her⸗ zogin. Ein dritter Toast unseres Durchlauchtigsten Herzogs galt dem Wohl und dem Gedeihen Portugals; ein vierter des Herrn Botschafters Sr. Durchlaucht dem Herzoge Ferdinand, Vater des Durchlauchtigsten Prinzen Don Fernando, Sr. Ma⸗ jestaͤt dem Koͤnige der Belgier und saͤmmtlichen Gliedern des Herzoglichen Hauses. Mit dem Kanonendonner be⸗ gleitete der Ausbruch der Freude aller Anwesenden die Toaste. — Es ist eine merkwuͤrdige Erscheinvung, in kurzer Zeit zweimal den Ruf zu so hoher Bestimmung, wie die Gruͤn⸗ dung eines neues Thrones und die Gruͤndung einer neuen Dy⸗ nastie ist, an Glieder unsers Durchlauchtigsten Herzoglichen Hau⸗ ses gelangen zu sehen. Wie die Ereignisse sich seit der Thron⸗ besteigung Sr. Majestaͤt des Koͤnigs Leopold in Belgien durch dessen weise Lenkung zur Ruhe und Ordnung gestaltet haben, ist sattsam bekannt; und wir hoffen, daß die Zukunft die Wahl der erhabenen Koͤnigin Donna Maria zum Besten ihres Lan⸗ des nicht weniger rechtfertigen werde. Je mehr wir aber hiervon uͤberzeugt sind, desto inniger sind die Wuͤnsche fuͤr sein Wohl, mit denen die aaeberigen und Unterthanen unsers Durchlauchtigsten Herzogli⸗ chen Hauses Sr. Koͤnigl. Hoheit den Prinzen Don Fernando in sein neues, zwar weit von uns entferntes, aber durch diese hohe Verbindung uns nunmehr befreundetes Vaterland be⸗ leiten.“
Weimar, 3. Febr. Am lsten d. hat unser Landtag geendet. In dem Abschieds⸗Dekrete sagt Seine Koͤnigliche Ho⸗ heit der Großherzog: „Die Verhandlungen des jetzt versammel⸗ ten Landtages noch weiter fortsetzen zu lassen, um auch die we⸗ nigen, noch ruͤckstaͤndigen und minder erheblichen Propositions⸗ Punkte zur Erledigung zu bringen, halten Wir nicht fuͤr noth⸗ wendig, und, hingesehen auf die unausgesetzt anstrengende Thaͤ⸗ tigkeit, mit welcher die Mitglieder dieser Versammlung vor und nach den Ferien, ganz besonders aber der Landtags⸗Vorstand, die Ausschuͤsse und die Referenten in den letztern ihren Pflichten obgelegen haben, selbst nicht fuͤr billig. Mit dem wohl⸗ verdienten Zeugnisse, daß die Leistungen dieses Landtags eben sowohl, als die treu ergebene Gesinnung desselben, welche bei jeder Veranlassung und selbst in den Faͤllen, wo die Abge⸗ ordneten eine verschiedene Meinung verfechten zu muͤssen glaub⸗ ten, in den Verhandlungen ohne Ausnahme zu erkennen gewe⸗ sen ist, Unsere volle Zufriedenheit gefunden haben, schließen Wir hiermit den am 22. Nov. v. J. eroͤffneten Landtag, indem wir zugleich dem Land⸗Marschall und seinen beiden Gehuͤlfen, so wie saäͤmmtlichen Abgeordneten Unseren aufrichtigsten Landesfuͤrstlichen Dank und dem Landtags⸗Syndikus wegen seiner abermals be⸗ waͤhrten ruͤhmlichen Geschaͤftsfuͤhrung Unsere Anerkennung mit Vergnuͤgen hierdurch oͤffentlich aussprechen.“
Leipzig, 1. Febr. (Leipz. Ztg.) Heute vor vierzig Jah⸗ ren wurde der Geheime Rath Poͤlitz, Ritter des Koͤnigl. Saͤch⸗ sischen Civil, Verdienst⸗Ordens, von dem verewigten Koͤnig, da⸗ mals Kurfuͤrsten zu Sachsen, Friedrich Augaust, zum Professor der Moral und Geschichte bei dee Ritter⸗Akademie zu Dresden ernannt. Was der beruͤhmte, als Staatsdiener, Lehrer und Schrift⸗ steller hochverdiente Gelehrte in seinem Lehr-Amte zu Dresden bis 1803, was er seitdem als akademischer Lehrer der Geschichte und der Staats⸗Wissenschaften zu Wittenberg und zu Leipzig, was er als Schriftsteller in dem Fache der Deutschen Sprache und Literatur, in der Geschichte und in der Staats Wissenschaft, was er in mehreren von der Staats⸗Regierung ihm uͤbertrage⸗ nen Directionen und kollegialischen Arbeiten, so wie in humaner Beziehung als Privatmann, segensreich geleistet hat, wird vom In⸗ und Auslande mit allgemeiner Achtung und von zahlreichen Schuͤlern und Freunden dankbar anerkannt. Es konnte daher zur fuͤr ihn nicht uͤberraschend seyn, daß heute, am ersten Morgen des einundvierzigsten Jahres seines Staats⸗Lebens, ihm von mehreren Seiten Beweise der Achtung, Verehrung und Liebe dargebracht wurden. Als Regierungs⸗Bevollmaͤchtigter und
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von dem hohen Kultus Ministerium dazu besonders beauftra uͤberreichte dem Herrn Geheimen Rathe der Herr Kreis⸗ Die tor von Falkenstein ein Gluͤckwuͤnschungsschreiben des hohen g tus⸗Ministeriums, wobei der Herr Regierungs⸗Bevollmäͤchti
im Namen des Herrn Staats⸗Ministers und im Namen aug die in naͤherer oder entfernterer Beziehung zu dem Gefeienae
stehen, Wuͤnsche fuͤr das fernere Wohl und die noch lange We samkeit des wuͤrdigen Mannes aussprach. Dann uͤberreichte i ein Mitglied der Buͤcher⸗Kommission und des Censur⸗Kollegig im Namen dieser Behoͤrden ein Schreiben kollegialischer Vern rung und gluͤckwuͤnschender Theilnahme. Hierauf bezeugte der Rektor der Universitaͤt dieselben Gesinnungen im? amen — akademischen Senats und der gesammten Universitäaͤt, so wie 9 Deputation der philosophischen Fakultaͤt im Namen der Fakut den Wunsch Aller, ihn, eine Zierde des akademischen Verh und ein Vorbild der juͤngeren Welt, noch viele Jahre in unse Mitte durch Rede und Schrift kraͤftig wirken zu sehen!
Den Scherz, welchen sich zuerst ein Nord⸗Amerikaner dem Namen Sir John Herschel's erlaubte, indem er dessen 1 gebliche Beobachtungen des Mondes und seiner Kurieste publizirte, hat Herr Ober-Inspektor Lohrmann in Dresden 1 ner wissenschaftlichen Widerlegung werth geachtet, die ijg Abend⸗Zeitung abgedruckt worden und aus der nunmehr ung Einiges in die Leipziger Zeitung uͤbergegangen ist.
Darmstadt, 31. Jan. Se. Koͤnigl. Hoheit der gy herzog haben den Großherzogl. Ober⸗Finanzrath Bierscia Geheimen Ober⸗Finanzrath ernannt. 1
Die Reduction des Zinsfußes der hiesigen staͤdtischen ehe von 4 auf 3 ½ pCt. ist jetzt schon als vollendet zu betrachtae die Mehrzahl der Glaͤubiger sich beeilt hat, sich fuͤr die Amza der neuen Finanz⸗Maßregel zu erklaͤren. Diejenigen Arlee woruͤber binnen der anberaumten Frist keine Erklaͤrungg folgt ist, sind von dem Gemeinderath bereits aufgekltig worden. — Voraussichtlich duͤrfte dem ferneren Sinken Zinsfußes der oͤffentlichen und Kommunal, Schulden uf die Ausfuͤhrung der projektirten Eisenbahn Einhalt geschi indem dadurch eine große Masse von Kapitalien absorbirt vang wird. Anfangs hatte unsere hiesige Eisenbahn⸗Gesellschaft, weg heute, Behufs der Wahl eines provisorischen Ausschusses,g erste vorbereitende Sitzung haͤlt, sogar Actien von 5 und Af festgesetzt; allein man ist davon wieder zuruͤckgekommen, umd das Minimum auf 50 Fl. bestimmt.
Nach dem gegenwaͤrtigen Stand der Geschaͤfte unserer, den Kammern zu 1a - der Schluß des Landtags
ngsten wohl schwerlich erfolgen.
6g Matnz, 1. Febr. Gestern Mittag begab sich die se Generalitaͤt der hiesigen Bundes⸗Festung, begleitet von sänmg chen Stabs⸗ und vielen sonstigen hierzu bezeichneten Offfiae der verschiedenen Truppentheile, in das Großherzogl. Regürrung Gebaͤude, um durch die Vermittelung des Regierungs⸗HPhese ten und Territorials⸗Commissairs, Freiherrn von Lickenzerg Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Großherzoge ihr und der gesanmee Garnison respektvolles Beileid uͤber das Ableben Ihrer zemg Hoheit der Großherzogin von Hessen und bei Rhein gemense zu bezeugen. 8
Wiesbaden, 30. Jan. Das Herzogl. Nassauische N. ordnungs Blatt bringt auf hoͤchsten Befehl die durch Uebme kunft unter den Ufer⸗Staaten beschlossenen 4 Supplementh kel zu der Rheinschifffahrts⸗Convention vom 31. Moͤrz . mit dem Anfuͤgen zur oͤffentlichen Kenntniß, daß dieselben nun an die naͤmliche Kraft und Wirkung haben, als ob sie b lich in der vorgedachten Convention enthalten waͤren.
Ferner enthaͤlt das Verordnungs⸗Blatt eine lange † von Befoͤrderungen und Versetzungen; unter Anderen haben Durchlaucht den Bundestags⸗Gesandten, Geheimen Legatio v. Roͤntgen, zum Geheimen Rath ernannt.
Frankfurt a. M., 2. Febr. Die Frankfurter N. buͤcher berichten uͤber die Verhandlungen in der gesetzgeh Versammlung bei der Sitzung vom 30. Jan. Es wurde! Senatsvortrag vom 20. Jan., Baueinrichtungen bei dem schluß an den Zollverein betreffend, verlesen. Derselbe lautet folgt: „Die Vollziehung des am 2. Jan. d. J. abgeschhesia Anschlußvertrages macht viele Baueinrichtungen nothweno welche unverweilt und ohne Unterbrechung in Ausfuͤhr ung zu hen gen sind. Der Senat traͤgt daher bei der gesetzgebenden Vasammlu darauf on, daß dieselbe ihre Zustimmung gebe, daß der Sunt unneg Einverstaͤndniß loͤblicher staͤndigen Buͤrger⸗Repraͤsentatign de g forderlichen Bau⸗Einrichtungen ausfuͤhren lasse.“ — Nd wegen dieses Antrages eroͤffneten Diskussion wird zwar dun gaͤngig fuͤr unabweisbar anerkannt, unverweilt und ohne 2 lage specificirter Voranschlaͤge die nothwendigsten Kosten zur richtung provisorischer Raͤume und Einrichtungen zu verwilg Von mehreren Seiten wird jedoch beantragt, die Verwilt ausdruͤcklich an diese Bedingung zu knuͤpfen, weil bhang lich das dem Vernehmen nach zur Anlegung des f. hofes in Aussicht genommene Klapperfeld sich wohl zu diß Zwecke fuͤr den Augenblick, aber nicht als definitiv zu wish des Lokal eignen duͤrfte. Auch selbst hinsichtlich der zum ämn fen bestimmt werden sollenden ehemaligen Karmellter ie sey noch der Fall denkbar, daß spaͤter eine geeignettre e taͤt aufgefunden werden koͤnne. Von anderer Seite mi 1 gegnet, daß es sich von selbst verstehe, dermalen nur 8 nothwendigsten provisorischen Einrichtangen zu treffen, men es genuͤge, deren Verwirklichung an die Einstimmung di digen Buͤrger⸗Repraͤsentation zu binden, um so mehr, 9 der Natur der Sache nach jetzt noch gar keine bestimmae kalitaͤten fuͤr immer ermitteln ließen. Nach geschlossener rung erfolgte auf die vom Praͤsidenten gestellte Umfrag 37 Stimmen gegen 22 und 2 suspendirte der Beschluß gesetzgebende Versammlung gebe ihre Zustimmung, daß veig nat, unter Einverstaͤndniß loͤblicher staͤndigen Buͤrger⸗Repro tion, die erforderlichen Bau⸗Einrichtungen ausfuͤhren lasse⸗
Hesterreich.
Die in der Nacht auf den 20. e durch Estaffette in Prag eingegangene Nacheicht von 9c 27sten Abends um 10 Uhr in Linz erfolgten Hintritte 1 tigen Landes⸗Gouverneurs, Fuͤrsten Rudolph Kinsky, 9 unsere Stadt eine Botschaft des Schreckens und der Bl Schon bei Anbruch des Tages verbreitete sie sich mit c schnelle durch alle Quartiere, durch alle Klassen der Eenus⸗ Hier, wo er unter den Hoffnungen aller Staͤnde heran b und gebildet worden war, wo er, einer der ersten Großege⸗, mens, zuerst in das oͤffentliche Leben trat, und alle sein 5. und Handlungen mit Hochsinn und Wohlthaͤtigkeit däern mußte ein so unerwartetes Ereigniß die groͤßte Bestuͤrzung Heute um 7 Uhr Morgens langte der rauerwagen Leichnam des Fuͤrsten nach Budenitz zur Bestattung f F den Thoren unserer Stadt an. Bei dem vielfach aucgan. nen Wunsche der hiesigen Einwohner, dem Verhlichenen
Prag, 1. Febr.
gen, die uns beseelen, nicht
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n Ehren zu erweisen, wurde der Sarg in bas fuͤrstliche aus auf der Altstadt gefuͤhrt, daselbst um 2 Uhr Nachmittags won dem Pfarrer an der hiesigen Hauptpfarr⸗Kirche am Tein, im Beiseyn fast saͤmmtlicher Mitglieder des hiesigen hohen Adels und der politischen Behoͤrden, feierlich eingesegnet, und dann, ünter zahllosem Geleite aus allen Staͤnden, uͤber die Bruͤcke, die leinseite und den Hradschin abgefuͤhrt. Es 8b densel⸗ hen bis zum Strahower Thore die Grafen Schoͤnborn und Folloredo, als erste Leidtragende, der Oberstburggraf Graf Chotek, Graf Kaspar Sternberg, sehr viele Personen des hiesigen hohen dels und Mitglieder des Landes⸗Guberniums, des Magistrats
s. w. Aus eigenem Antriebe schloß sich dem Zuge die hiesige bürgerliche Scharfschuͤtzen⸗Gesellschaft, deren Protektor der Se⸗ lige gewesen war, und das Corps der buͤrgerlichen Grenadier⸗ unde, nebst einer Abtheilung der berittenen Scharsschuͤtzen, so wie sehr viele ausgezeichnete Buͤrger an. Obgleich nach dem gunsche des fuͤrstlichen Hauses dieser Zug nur ein stiller Durch⸗ ug seyn sollte, so hat doch Prag seit geraumen Jahren kein feier⸗ icheres und ruͤhrenderes Trauergeleite gesehen, als es das heu⸗
Lemberg, 27. Jan.
etzte
Am 22sten d. ist hier der gewesene
General der Polnischen Armee, Vinzenz Szeptycki, im 53sten qahre seines Lebens gestorben.
Gvoinien
Cortes ⸗Verhandlungen. Proceres⸗Kammer. Sizung vom 22. Jan. Bei Eroͤffnung der Sitzung machte der kaͤsident folgende Anzeige: „Da mehrere Mitglieder der Kammer eine Bittschrift entworfen und unterzeichent und zwei Kommissarien entschieden haben, daß der oͤffentlichen Diskussion dieser Schrift kein Hinderniß im Wege stehe, so sind die Mit⸗ glieder dieser Kammer in ihren Wohnungen davon benachrichtigt worden, daß die Diskussion heute stattfinden wuͤrde.“ Der Marquis von Espega verlas hierauf die Petition, die folgen⸗ dermaßen lautet: „Sesora! dem Gefuͤhle eines großen Schmer⸗ es und eines tiefen Kummers nachgebend, erscheinen die Pro⸗ zeres des Koͤnigreichs zu den Fuͤßen des Thrones Ew. Majestaͤt mitder Bitte, daß Ihre Regierung dem Estamento uͤber die beklagens⸗ wethen Ereignisse in Barcelona Auskunft ertheile und zugleich, um Ew. Majestaͤt ihre Mitwirkung anzubieten, wenn Sie dieselbe zur Vertheidigung der Gesetze und der oͤffentlichen Ordnung fuͤr nothwendig erachten sollten. Im Palast des Estamento, den 5. Januar 1836." (Folgen die Unterschriften.) Der Praͤsi⸗ dent: „Die Diskussion ist eroͤffnet.“ Der Conseils⸗Praͤ⸗ ident, welcher hierauf das Wort nahm, sagte: „In der so ben verlesenen Petition sind zwei verschiedene Ideen ausgespro⸗ hhen. Die Kammer erklaͤrt zu Anfang, daß sie die Nachricht von den beklagenswerthen Excessen, deren Schauplatz Barcelona ge⸗ wesen ist, nicht ohne das Gefuͤhl des lebhaftesten Unwillens em⸗ pfangen habe. Dasselbe ist mit der Regierung und dem ver⸗ muüͤnftigen Theile der Spanischen Nation der Fall ge⸗ wesen. Die Regierung hat alle erforderlichen Maßregeln rgriffen, um die Wiederholung so aͤrgerlicher Auftritte zu verhindern. Die Kammer druͤckt hierauf den Wunsch aus, on der Regierung eine Mittheilung uͤber die Vorfaͤlle in Bar⸗ lona zu erhalten. Das Ministerium hat sich schon in einer nͤheren Sitzung uͤber diesen Punkt ausgesprochen. Da indeß die Kammer die lobenswerthe Absicht hat, der Regierung ihre Mitwirkung zur Unterstuͤtzung des Thrones Ihrer Majestaͤt und der Fundamental⸗Gesetze anzubieten, so glaubt die Regierung, daß der Augenblick nicht geeignet sey, den Cortes jene Aufschluͤsse zu gihen; allein sie hofft zu gleicher Zeit, daß ein Tag kommen vitd, wo sie die Nachrichten wird mittheilen koͤnnen, deren Bekanntma⸗ tzung jetzt nicht ohne Nachtheil geschehen koͤnnte. Was die angebotene Müwirkung der Kammer betrifft, so glaubt die Regierung, in diesem Augenblick ihrer nicht zu beduͤrfen, hofft jedoch, daß, wenn je eines Tages dieselbe fordert, sie ihr dann auch in derjenigen Ausdehnung gewaͤhrt werden wird, die man mit Recht von die⸗ ser erlauchten Koͤrperschaft erwarten darf, welche sich so sehr fuͤr die Aufrechhaltung des Thrones Ihrer Majestaͤt und unserer Institutionen interessirt.“ Der Herzog von Ossuna bemerkte hierauf: „Man wuͤrde diejenigen, welche die Bittschrift unter⸗ zeichnet haben, falsch beurtheilen, wenn man glaubte, sie wollten etwas Anderes, als Gerechtigkeit. Die Nachrichten aus Cata⸗ lonien lauten sehr beunruhigend, und alle in Betreff derselben zu gebenden Erlaͤuterungen wuͤrden sehr unnuͤtz seyn. Ich halte es fuͤr sehr wichtig, die Aufmerksamkeit auf Thatsachen zu len⸗ ken, die, obgleich sie isolirt zu seyn scheinen, den Zweck haben, die Instnutionen des Landes umzustuͤrzen. Diejenigen Personen, die das Blutbad in der Citadelle veruͤbten, haben auch den Con⸗ litutions⸗Stein aufgerichtet, und ohne mich in eine Analyse von Thatsachen einlassen zu wollen, die ich nicht kenne, erklaͤre ich, daß bei dem Zusammentreffen dieser Thatsachen mit dem Er—⸗ tnen einer Flugschrift in Paris, worin die Constitution von 8n2 gepriesen und als der kuͤnftigen Republik guͤnstig geschil⸗ 8 wird, daß, sage ich, in Erwaͤgung dieser Umstaͤnde, ie Regierung aufgefordert werden muß, eine Untersuchung aller Ursachen, die auf jene Ereignisse von Einfluß gewesen seyn koͤn⸗ nen, zu veranlassen. Man wird vielleicht sagen, daß dergleichen Fragen gefaͤhrlich seyen und daß die Kammer sich bei Vorlegung derselben kompromittire; sollen wir etwa durch ein strafbares Stillschweigen jene Abscheulichkeiten gutheißen? Ich glaube sicht, daß die Furcht uns den Mund verschließen wird, und wel⸗ ges auch unser kuͤnftiges Se seyn mag, es wird die Gesinnun⸗ . 1s aͤndern. Ich unterstuͤtze die Petition.“ n Praͤsident: „Da der Conseine⸗Präsid nberklsreo tione se Aufschluͤsse jetzt unzeitig seyn wuͤrden, so hat die Kammer zu entscheiden, ob die Eroͤrterung der Petition stattfinden soll.“ Der Justiz⸗ Minister erwiederte: „Die Regierung kann in diesem zugenblick die Eroͤrterung nicht gestatten, weil es sich um eine aongelegenheit handelt, in Betreff deren die Regierung Maßregeln Ee ha. die ee verfehlen wuͤrden, wenn man sie 1 ie Petition wurde hi und die Sehung 1“ e hierauf zuruͤckgenommen
Madrid, 23. Januar. (Franz. Blaͤtter.) Die V hcen theilt heute einen Bericht d8, Generals Cordova 688 n Indalt nicht ganz der allgemeinen Erwartung entspricht. 9* ist (so sagt man) siegreich gewesen, aber der, leb⸗ dal fic 8 man glaudte, bestrittene Triumph sichert uns nicht Hoff ie Vortheile, auf die man rechnete. Man hatte große 89- sungen auf einen entscheidenden Erfolg gegruͤndet, und sieht 66 daß man wichtigere Dinge erst noch erwarten muß. Alle à” e stimmen darin uͤberein, daß die Fremden⸗Legion von 9G 6 er große Unerschrockenheit gezeigt und daß die Englische Le⸗ n 9 be 2 1GeG habe. b on Rayneval hat ein glaͤnzendes Fest gegehen 1 l⸗ Meinungen repraͤsencirt wanine Men denesa⸗ 9 werren von Toreno und Martinez de la Rosa, Isturiz und Fer⸗
rer, von Villalba und den Herzog von Rivas. Auch das diplo⸗
matische Corps war zugegen.
Man wundert sich hier, daß der General Mina, statt die wahren Anstifter und Theilnehmer der blutigen Auftritte in Bar⸗ celona zu bestrafen, die Ruhe dadurch zu sichern glaubt, daß er einige Karlisten und Exaltirte, an deren Spitze Avarineta und Gironella stehen, ohne richterliches Verfahren verbannt. In Be⸗ zug auf die geheimen Gesellschaften, welche so viel zu den letzten Unruhen beigetragen haben, ist noch nichts geschehen, und doch sind sie gerade der Sitz des Uebels, und man sollte ihnen daher groͤßere ufmerksamkeit widmen.
„— Die Allgemeine Zeitung meldet von der Italiaͤnischen Graͤnze: „Die in Genua eingegangenen Nachrichten aus Bar⸗ celona enthalten uͤber die dort vorgefallenen blutigen Auftritte schauderhafte Details. Die Ruhe war scheinbar in der Stadt wieder hergestellt, und Mina schickte sich an, seinem alten Hang zu Executionen freien⸗ Lauf zu geben. Er moͤchte jedoch auf sei⸗ ner Hut seyn, indem, wie es scheint, die Exaltados auf ihn ge⸗ rechnet haben, und in dieser Voraussetzung den Constitutionsstein aufstellen ließen. Ueberhaupt hat Mina seit seinem letzten Feld⸗ zug in Navarra bei allen Parteien an Ansehen verloren, und das Einhalten der richtigen Mitte, zu der er sich jetzt zu neigen scheint, moͤchte ihm schwer gelingen. Mina, der Aster⸗-Lafayette Spaniens, hat schon in der ersten Periode der Spanischen Re⸗ volution den groͤßten Theil seiner Popularitaͤt eingebuͤßt; er wird im zweiten Akt den Ueberrest schwerlich retten. Hier wie in Barcelona ist man voll Mißmuth uͤber das Betragen der Engli⸗ schen Nation vor jener Stadt, da sie dann erst einschritt, als das Aergste der Verbrechen schon begangen, und Hunderte wehrloser Menschen das Opfer der Volkswüuth geworden waren. Man kann sich dies nicht erklaͤren, und fuͤhlt sich gegenuͤber den nach⸗ traͤglichen philanthropischen Bemuͤhungen des Englischen Komman⸗ danten, um den Behoͤrden Christinens Unterstuͤtzung zu verlei⸗ hen, zu wenig Dank verpflichtet. Ob, wie einige Blaͤtter ver⸗ sicherten, der Sardinische und der Russische Konsul waͤhrend der Schreckenstage zu Barcelona zu gefaͤnglicher Haft gebracht worden sind, davon wußte man zu Genua nichts. Die Sache ist nicht wahrscheinlich. Waͤre es der Fall, so koͤnnte dieser Um⸗ stand dazu beitragen, die Lage des Madrider Kabinets noch zu verschlimmern. 8
Barcelona, 22. Jan. In der Gegend von Ober⸗Aragonien hat ein bedeutendes Gefecht stattgefunden, in welchem, der hiesigen Zeitung zufolge, die Christinos gesiegt haben sollen. Diese Blaͤtter melden auch von einem Siege, den der Oberst Villapadierna uͤber die von Cabrero befehligten In⸗ surgenten davongetragen haͤtte, und wobei 10 der Letzteren ge⸗ toͤdtet und mehrere gefangen genommen worden waͤren. Der General⸗Capitain von Aragonien hat Saragossa verlas⸗ sen, um sich an die Spitze von dreitausend Mann In⸗ fanterie und 400 Mann Kavallerie zu stellen, die in Ober⸗ Aragonien versammelt sind und der Karlistischen Kolonne, die unter dem Grafen von Villemur aus Navarra in Catasonien einzudringen beabsichtigt, den Weg versperren sollen. General Velto von der Nord⸗Armee wird die Division des General⸗Ca⸗ pitains von Aragonien bei dieser Operation unterstuͤtzen. Gene⸗ ral Mina hat so eben an alle hier in der Stadt befindliche Of⸗ fiziere den Befehl ergehen lassen, sich ihren Corps anzuschließen, und hat erklaͤrt, daß diejenigen, welche bei der im Februar abzuhaltenden Musterung nicht auf ihrem Platz seyn wuͤrden, aus dem Dienst entlassen werden sollten. Mit der Belagerung des Forts del Hort steht es noch beim Alten. Von Lissabon wird der Oberst Borso mit dem Rest der Portugiesischen Division hier erwartet, der aus 3000 Mann be⸗ stehen und sogleich ins Feid ruͤcken soll. General Gurrea soll an der Spitze eines starken Corps die Ebene von Tarragona be⸗ schuͤtzen, Aspiroz die Hoͤhen besetzen und Espinosa die Linie zwi⸗ schen Valencia und Catalonien decken. v XXX“
Alt.
Der Korrespondent der Times meldet aus Konstantino⸗ pel vom 29. Dezember, daß aus dem Tuͤrkischen Hauptquartier zu Harpuht in Kleinasien die Nachricht eingetroffen sey, Reschid Mehmed Pascha sey an der Spitze seiner irregulairen Kavalle⸗ rie nach Mussuhl aufgebrochen, und die regulairen Truppen soll⸗ ten in zwei Kolonnen nach Malattia abgehen. Es hieß, daß diese Bewegungen durch einen neuen Aufstand der Kurden hervor⸗ gerufen worden seyen, doch wollten gutunterrichtete Personen wissen, daß derselbe, wenn er auch stattgefunden haben sollte, nicht von
so großer Bedeutung seyn koͤnne, um die Entwickelung der gan⸗
zen Streitmacht des Tuͤrkischen Befehlshabers zu veranlassen, und man glaubte daher, daß dieselbe durch unmittelbare Befehle von Konstantinopel aus hervorgerufen sey, zumal da un⸗ mittelbar vor dem Aufbruche der Truppen des Sultans im Lager eingetroffen war. — Derselbe Korrespondent behauptet, daß der mehrerwaͤhnte Firman gegen die Aegyptischen Monopole dem Lord Ponsonby am 27. Dezember zugestellt worden sey; indeß soll Mehmed Ali schon vorher, als er von den in Konstantinopel gefuͤhrten Unterhandlun⸗ gen hoͤrte, dem Britischen Residenten in Alexandrien, Obersten Campbell, erklaͤrt haben, daß er geneigt sey, allen Beschwerden der Englaͤnder in Betreff ihres Handels mit Aegypten und Sy⸗ rien abzuhelfen; eine Bereitwilligkeit, welche jener Korrespondent sehr in Zweifel ziehen zu muͤssen glaubt, da noch im vorigen Fruͤhjahr Mehmed Ali nur durch ernste Drohungen dazu bewo⸗ gen werden konnte, der Euphrat⸗Expedition unter Oberst Ches⸗ ney freien Durchzug durch Syrien zu verstatten.
Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.
New⸗York, 11. Jan. Das vereinigte Comité des Se⸗ nats und Repraͤsentanten⸗Hauses des Staates New⸗York, dem die auf den großen Brano bezuͤgliche besondere Botschaft des Gouverneurs und mehrere damit in Verbindung stehende Denk⸗ schriften und Gesetz⸗Entwuͤrfe uͤberwiesen worden sind, hat am öten d. M. dem Revpraͤsentanten⸗Hause seinen Bericht abgestattet. In demselben wird die Zahl der zerstoͤrten Gebaͤude, mit Ein⸗ schluß der oͤffentlichen, auf 674, und die Zahl der durch den Brand aus ihren Comptoiren und Lagern vertriebenen kaufmaͤn⸗ nischen Firmen auf fast tausend angegeben, welche ungefoͤhr 4000 Arbeiter jeder Art beschaͤftigten. Der Werth des verbrannten Eigenthums wird zu 18 bis 20 Millionen Dollars geschaͤtzt. Vor dem Ungluͤcke gab es zu New⸗York 25 Assekuranz⸗ Compagnieen, deren gesammtes Kapital sich auf 8,170,000 Dollars belief. Vierzehn von ihnen haͤlt man jetzt fuͤr insolvent, vier andere werden auf ein sehr unbedeutendes Kapital reduzirt, und von den uͤbrigen erleiden mehrere bedeutende Ver⸗ luste. Man schaͤtzt den Gesammtverlust aller Assekuranz⸗Compag⸗ nieen in New⸗York auf ungefaͤhr 7 Millionen Dollars, so daß sie wenig mehr als 1 Million Kapital uͤbrig behalten werden. Das Comité haͤlt es fuͤy die Pflicht des Staates, dem so um⸗
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Tomaris in
ein Adjutant
fangreichen Uebel nach Kraͤften abzuhelfen, und hat daher zu die⸗ fem Zwecke vier Gesetzes⸗Entwuͤrfe eingebracht, welche sogleich ohne Widerspruch zum ersten und zweiten Male verlesen wur den. Durch den ersten derselben wird die Municipalitaͤ von New⸗York ermaͤchtigt, die Policen der Assekuranz⸗Com pagnieen bis zum Belaufe von 6 Millionen Dollars innerhalb der naͤchsten 6 Monate einzuloͤsen, und dafuͤr Schuld-Scheine der Stadt New⸗York auszustellen, welche 5 pCt. Zinsen tragen sollen, der zweite enthebt die insolventen Assekuranz⸗Compagnieen der Unterordnung unter die Falliten⸗Kuratel; der dritte verfuͤgt streng Maßregeln gegen diejenigen Actionaire der Assekuranz⸗Com pagnieen, welche der Aufforderung zu Nachschuͤssen bis zum Be lauf des urspruͤnglichen Kapitals nicht genuͤgen; durch den vier ten endlich werden verschiedene oͤffentliche Anstalten ermaͤchtigt, ihre Kapitalien zum Behuf der Einloͤsung der nicht bezahlter Policen zu verleihen.
— 8
18 8.
Berlin, 5. Febr. Auf der vereinten Friedrichs⸗Università
Halle⸗Wittenberg sind in dem Zeitraume vom 12. Jul
vorigen bis 12. Januar dieses Jahres bei der theologischen Fa⸗ kultaͤt 1, bei der medizinischen 6, und bei der philosophischen 3, uͤberhaupt also 10 Kandidaten promovirt worden. Bei der juri⸗ stischen Fakultaͤt haben keine Promotionen stattgefunden.
— In Berlin sind in dem Zeitraume vom 1. Okt. 183 bis dahin 1835 JKRßerhaupt 21 Braͤnde vorgekommen, worunte die bedeutendsten diejenigen waren, die sich am 26. Oktober 183 in dem sogenannten Englischen Hause (Mohrenstraße Nr. 49 und am 18. Juli 1835 in der Zuckersiederei des Kaufmanns Re sener (Kochstraße Nr. 27) ereigneten. Die fuͤr jene 21 Braͤn de zu verguͤtigenden Entschaͤdigungs-⸗Gelder betragen uͤber haupt 20,691 Rthlr. 16 Sgr. 3 Pf., wovon allein in runden Summen 9426 Rthlr. auf den erwaͤhnten Bran in der Mohren-Straße und 6770 Rthlr. auf den in der Koch straße kommen. An Neben⸗Kosten, fixirten Besoldungen und Tan tième fuͤr die Stadt⸗Wachtmeister sind uͤberdies noch 7401 Rthlr 15 Sgr. 11 Pf. zu zahlen, so daß sich die ganze Summe de Bedarfs auf 28,093 Rthlr. 2 Sgr. 2 Pf. belaͤuft. Von dieser Summe geht der vorhandene Bestand mit 7162 Rthlr. 28 Sgr. Es hleiben mithin noch zu decken 20,930 Rthlr. 3 Sgr. 9 Pf. Da nun die ganze Versicherungs⸗Summe an 1I. Oktober v. J. 81,653,450 Rthlr. betrug, so ist ein Beitra von 1 Sgr. fuͤr jedes Hundert ausgeschrieben worden, wodurch 27,470 Rthlr. aufkommen, so daß ein Ueberschuß von 6539 Rthlr 26 Sgr. 3 Pf. dem kuͤnftigen Ausschreiben zu Gute kommt. Auße den erwaͤhnten 21 Braͤnden haben noch 26 Schornstein⸗ un
andere Braͤnde stattgefunden, wodurch kem zu verguͤtigender
Schade entstanden, sondern nur Loͤschungs⸗Kosten verursacht wor den sind. Drei Braͤnde ereigneten sich auf Grundstuͤcken, di außerhalb des Weichbildes der Hauptstadt liegen und daher nich zum Verbande der hiesigen Feuer⸗Societaͤt gehoͤren, wodurch abe Lärm in der Stadt entstanden, und der Societät Kosten er chsen sind linder Laͤrm hat Richt stattgehab 1 AAAEAKnmDmN
Aufgaben des Vereins zur Bef Gewerbfleißes in Preußen. Die goldene Denkmuͤnze und 400 Rthlr.
derung des
uͤr die Erfindung einer Steinmasse, die dem Sandstein an g
Brauchbarkeit gleichkommt. Die goldene Denkmuͤnze und 400 Rthlr. fuͤr die Erzeugung eines schoͤnen Weiß auf gelbem Seidenbast. Die goldene Denkmuͤnze und 400 Rthlr. fuͤr die Erzeugung einer echten schwarzen Farbe auf Seide. ) Die silberne Denkmuͤnze und 500 Rthlr. fuͤr die Darstellung einer rothen Farbe auf Baumwolle. ) Die goldene Denkmuͤnze und 600 Rthlr. fuͤr eine Verbesserung der kalten Indigokuͤpe zum Ausfaͤrb von Kattun mit mehrfarbigen Mustern. 8) Die goldene Denkmuͤnze und 400 Rthlr. 8 fuͤr die Erfindung einer Farbenleiter in Luft und Witteru ausdauernder Farben. Die goldene Denkmuͤnze und 300 Rthlr. fuͤr die Darstellung einer Glasur auf Bildwerker branntem Thon. — Die silberne Denkmuͤnze und 100 Rthhlhler. fuͤr eine neue Art, Hohlglas, wenn es noch in der Bearbei⸗ tung begriffen ist, an jeder beliehigen Stelle von der Pfeife abzusprengen. 9) Die silberne Denkmuͤnze und 500 Rthlr. fuͤr die Anlage einer Seiden⸗Moulinage. Die goldene Denkmuͤnze und 300 Rthlr. .
fuͤr die Darstellung hohler Kugelstuͤcke aus Glas fuͤr Raͤume
mit einfallendem Licht.
Die goldene Denkmuͤnze und 500 Rthlr.
fuͤr die Darstellung einer echten hellblauen Farbe auf Tuch.
Die goldene Denkmuͤnze und 590 Rthlr.
fuͤr die Foͤrderung von weißem Marmor im Schlesischen Ge⸗
birge.
Die goldene Denkmuͤnze und 500 Rthir.
uͤr die Anfertigung eines hydraulischen Cements aus inlaͤn⸗ dischen Materialten, von gleicher Guͤte als der Englische Roman Cement. 0
Die goldene Denkmuͤnze und 1000 Rthlr.
fuͤr ein Verfahren, Seide haltbar zu vergolden, so daß 6
zu Zeugen verwebt werden kann.
Die silberne Denkmuͤnze und 200 Rthlr.
fuͤr ein Mittel, die Oberflaͤche der Gypsgebilde zu haͤrten.
9) Die golden? Denkmuͤnze und 800 Rthlr. fuͤr die Ermittelung der Zugkraft, die zur Fortbewegung des Fuhrwerks auf Chausseen und gepflasterten Straßen erforderlich ist. Die goldene Denkmuͤnze und 800 Rthlr. fuͤr die Herstellung von wenigstens 3 Bobbinet⸗Maschinen mit Wickel⸗ und Spul⸗Maschinen. 1“ 8) Die goldene Denkmuͤnze und 1300 Rthlr. fuͤr dasselbe, wenn auch die erforderlichen Maschinen z Spinnen, Zwirnen und Sengen des Baumwollen⸗Garns mit aufgestellt sind.
Der Termin zur Einsendung der Preisschriften oder An⸗ meldungen ist mit dem 1. Oktober d. I. J. verflossen. — Das Naͤhere uͤber die Bedingungen der Bewerbung um die vom Verein aufgestellten Preis⸗Aufgaben, so wie die naͤheren Erlaͤu⸗ terungen einer jeden dieser 18 Aufgaben, enthaͤlt die erste Liefe⸗ rung der Verhandlungen des Vereins von 1835 und 1836.
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