1836 / 38 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Literatur und Kunst.

Andeutungen uͤber Landschafts⸗Gaͤrtnerei, verbun⸗ den mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau. Vom Fuͤrsten von Puͤckler⸗Muskau. Mit 44 Ansichten und 4 Grundplaͤnen. Stuttgart, 1834.

Wenn uns Homer den Garten des Alkinous schildert, legt er nur ein Gewicht darauf, daß die Baͤume immer zugleich blöhen und Fruͤchte tragen, er preist nur ihre Fruchtbarkeit, nicht ihre Schoͤnheit, und nichts begegnet, was auf sinnreiche Kunst der Anlage schließen laͤßt: mit Einem Wort, es sind nicht Kunst⸗ gaͤrten, sondern Nutzgaͤrten. Man hat gesagt, die großartig schoͤne Natur habe die Griechen durchaus abgeschreckt, sich mit ihr in Wettstreit einzulassen: allein ein viel naͤherer Grund liegt wohl eben darin, weshalb auch ihre Privat⸗Wohnungen eng und schmucklos waren: in dem großartigen Staatssinne, wonach sie Alles an das Religioͤse und Oeffentliche wandten, statt ihr Pri⸗ vatleben prachtvoll und genußreich auszustatten. Die Roͤmer, wel⸗ che uͤbrigens noch mehr Neigung fuͤr Landleben besaßen, hatten, so lange die Republik bluͤhte, bierin dennoch denselben Sinn; in der Augusteischen Zeit aber findet sich hier eine ganz ausgebildete Gartenkunst. Man schaͤtzte die Kunst als Pracht; aber Pracht⸗ Rebe scheint uͤberhaupt in der Kunst zur Ausartung, zum Ba⸗ rocken fuͤhren zu muͤssen. Diesen Charakter tragen denn auch die Garten⸗Anlagen damaliger Zeit, von denen wir durch des zungeren Plinius Beschreibung seiner Tuscischen Villa (V. 6) eine so anschauliche Vorstellung erhalten. Regelmaͤßig gedflanzte Buͤsche, mit Buchsvbaum eingefaßte Blumenrabatten, in geome⸗ rrischen Figuren gezogene und geschorene Baͤume, untermischt mit Statuen und Brunnen, spielen darin eine Hauptrolle Mit ge⸗ schorenem Buchsbaum stellte man in Beeten Thierfiquren dar (bestiarum effigies invicem adversas buxus inscripsit. PLlin.); ja, es war in der Tuscischen Villa eine ganze Rennbahn mit ihren amphitheatralischen Sitzen durch geschorene Gebuͤsche vorgestellt. Wer erkennt nicht die genaue Verwandtschaft dieser Gartenkunst mit der Franzoͤsischen des vorigen Jahrhunderts. Man hat sie aüch aus der antiken ableiten wollen, ja, geradezu als Nachahmung der Plinianischen Beschreibung, allein es hat vielmehr durch die Roͤ⸗ mische Kaiserzeit und durchs ganze Mittelalter eine Ueberlieferung dieser Gartenkunst stattgefunden, wiewohl sie erst in Frankreich,

uptsaͤchlich durch Le Notre, einen kolossalen Maßstab erhielt. Der Geschmack von Versailles wurde nach Sanssouci uͤbertragen, von

hier aus verbreitete er sich in unsern Gaͤrten, und ist erst in juͤngster Zeit daraus verdraͤngt worden. Wie nicht zu ver⸗ vundern, hat man ihn in einer nachfolgenden Periode durch⸗ us nur laͤcherlich gefunden, und Gedanken von Einzwaͤngung

nd steiser Unnatur liegen allzu nahe: weil dieser Kunstgeschmack aus dem Lande der Moden zuglrich mit den Reifroͤcken und Peruͤcken zu uns gekommen war, wollte man ihn auch gleichem Schicksal unterwer⸗ fen. Daß die Franzoͤsischen Kunstgaͤrtner manches uͤbertrieben, daß sie die Scheere mitunter zu weit ausgedehnt, laͤßt sich immer zugeben, aber dabei bleibt doch der lieblich phantastische Eindruck. Ein reiches Schloß im Hintergrunde, mit einem Uebermuth von Zierrathen, davor ein goldenes Gitter und ein buntes Blumenparterre, dann die impo⸗ santen geschorenen Waͤnde und Laubgewoͤlbe, die ganze gruͤnende Architektur mit ihren Pforten, Kronen und Thuͤrmchen, und vollends mit den unzaͤbligen tanzenden Wassersaͤulen, mit den Marmor⸗Sta⸗ tuen in gruͤnen Laub⸗Nischen, und mit allen Tritonen und Delphinen, welche sämmtlich Wasser unter die Blumen speien sollte man nicht glauben, auf einer verzauberten Insel und in den Gaͤrten der Ar⸗ mide zu seyn? Die Kunst ist ja an sich ein Uebermuth, es ist falsch, wie gleichzeitig Franzoͤsische Theoretiker thaten, ihr in jeder Ruͤck⸗ sicht Nachahmung der Natur vorzuschreiben.

Himmelweit nun von dieser antiken, Italiaͤnischen und Franzoͤ⸗ sischen Gartenkunst steht die Englische entfernt, ihr Prinzip ist ein anderes, entgegengesetztes. Statt der geschorenen Boskette herrschen hier große freie Baumgruppen, statt der mit Buchsbaum umzogenen Ra⸗ batten herrschen Grasflaͤchen und Wiesen, statt der Terrassen Abhaͤnge, statt der Springbrunnen Wasserfaͤlle, statt der Statuen regellos zerstreute Steine und Felsen, uͤberwachsen mit Moos, mit Schilf und großblaͤttri⸗ gen Kraͤutern. Kurz, wie die Kunst sich dort geltend macht und selbst den Zwang nicht verleugnet, tritt sie hier zuruͤck und will nichts als Natur seyn. Nicht fremde Formen legt hier die Kunst den Natur⸗ Gegenstaͤnden an, sondern sie lauscht ihnen ihre freien Gesetze und gleichsam Sitten ab, und schaltet nur innerhalb dieser, sa sie zieht ote ganze Natur in sich herein: Berge und Waͤlder, Fluͤsse und Seen, Meierboͤfe und Doͤrfer. Der Englaͤnder haͤlt Kornfelder und weidendes Vieh in seinen Parks fuͤr unentbehrlich. Es ist recht eigentlich eine Landschaftsmalerei, nur nicht mit Farben und auf Leinwand, sondern in der Natur und mit der Natur. Gleich jener wirkt sie mit den Kontrasten der Licht⸗ und Schattenmassen, des Heiteren und Duͤsteren, des Offenen und Eingeschlossenen, des Wirth⸗ lichen und Einsamen; auch sie muß sich auf Zusammenstellung der Farben verstehen, auf ihre Fernen, ihre Mittel⸗ und Vordergruͤnde; auch sie kennt die Reize des Halbverhuͤllten, auch sie studirt uͤber die Schlingungen der Ufer, und hilft den Linten der Terrains, den Con⸗ touren der Waͤlder und Gebuͤsche, den Silhouetten der Baum⸗ gruppen nach. In der That hat die Landschafts⸗Gaͤrtneret auch historisch einen unleugbaren und wesentlichen Zusammenhang mit der Kunst des Landschafts⸗Malers: von der Entwickelung dieser Kunst haͤngt jene ab, sie mußte vorangehen, der Sinn und das Auge mußte erst durch die Malerei vorgebildet seyn, ehe an diese jandschaftliche Kunst zu gedenken war. So maͤchtig und vielseitig auch die Kunst der Griechen ist, so fehlte ihrer Malerei doch die Landschaft; nicht als ob sie solche nicht gemalt haͤtten, allein sie ließen darin die hoͤheren Stufen unerreicht; dies ist der wahre Grund, weshalb man bet ihnen auch die Kunst der Landschafts⸗Gaͤrtne⸗ rei nicht zu suchen hat Ihre spaͤte Ausbildung faͤllt einem nordischen Volke anheim, und dies ist nicht zufaͤllig, denn dem Gemuͤth des Nordlaͤnders, vielleicht weil er einen so großen Theil des Jahres von der Natur geschieden ist, wohnt eine eigenthuͤmliche zarte Liebe zu seinen schattigen Waͤldern und sonnigen Wiesen inne. Nicht un⸗ ter den Italtänern, sondern uͤnter den Nordlaͤndern, die Italien sahen, finden wir die großen Landschafts⸗Maler; desgleichen kommt bei nordischen Dichtern ungleich mehr und ungleich innigere Schil⸗ derung landschaftlicher Schoͤnheit vor; namentlich kann eine Durch⸗ musterung der Britischen Dichter, im Vergleich mit denen anderer Nationen, schon auf den Gedanken fuͤhren, in diesem Lande moͤchte der Sinn fuͤr die feineren Reize der Natur besonders heimisch seyn.

Die landschaftliche Poesie der Englaͤnder und die poetische Anlage ihrer Parks hat dieselbe Quelle; aber mit dieser Sentimentalltat vereinigt sich auch zugleich eine echt Germanische Gemuͤthlichkeit, und jenes Englische Comfort: dies zusammen, bestimmt den Charak⸗

ter Britischer Anlagen.

Den Deutschen fehlt wenigstens der Schoͤnheitssinn nicht; auch uns ist eine große Liebe fuͤr die Natur eigen, und in Deutschen Dich⸗ tern ist kein Mangel an landschaftlicher Malerei. Uns Norddeutschen aber, die wir auf dem Boden eines alten Meeresbeckenz wohnen, ist dieser Umstand noch eine besondere Aufforderung, durch Kunst ein⸗ zuholen, was uns durch Natur versagt ist.

Auch der Fuͤrst Puͤckler befand sich in diesem Fall, denn die Herrschaft Muskau, in der Lausitz, liegt zwar schon am Fuße der Vorberge des Riesengebirges, ließ aber dennoch in ihrer naͤchsten Umgebung der Kunst Alles zu thun uͤbrig.

1 Vergleichen wir die Schilderung dessen, was er vorfand, mit dem was er daraus gemacht, und dies liegt in vielen groͤßtentheils treff⸗ lichen Lithographieen vor Augen, so uͤberzeugen wir uns bald, daß wir es hier mit keinem abstrakten Theoretiker, sondern mit einem vraktisch durchgebildeten Kuͤnstler zu thun haben. Durch sinnreiche Anbauten hat die Architektur des alten Schlosses, inmitten trefflich benutzter Baumgruppen, mit schoͤnen Wiesen⸗Plaͤnen um sich her, in der That etwas Idealisches, das stark kontrastirt gegen die natuͤrliche Trau⸗

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mer anziehenden Ansichten, welche hier die Kunst hervorbrachte, muß mit Vertrauen zu derselben erfuͤllen, und die schoͤnen Bllder muͤssen einladen und spannen auf die Lektuͤre des Text⸗Bandes.

„Andeutungen“ nennt der Fuͤrst sein Werk, gleichwohl duͤrfte es, nicht dem Volumen, sondern dem Inhalt nach, wohl das Um⸗ fassendste seyn, was uͤber den Gegenstaͤnd vorhanden ist. Es giebt allerdings keine foͤrmliche Theorie, aber eine Menge, zwar zerstreu⸗ ter, doch in sich wohl zusammenhaͤngender theoretischer Momente, die darum nicht weniger eigenthuͤmlich sind, weil sie in seiner Dar⸗ stellung unmittelbar einleuchten. Des Prakttschen aber ist eine Fuͤlle, und hier ist sehr viel zu lernen. Der Schriftsteller geht bis ins kleinste Detail und verschmaͤht nicht, Anweisungen uͤber die verschiedenen Gaͤrtner⸗Arbeiten zu geben; auch fehlt es nicht an neuen praktisch erprobten Recepten zur Gewinnung eines schoͤnen Rasens, auf den die Englaͤnder laͤngst ein so großes Gewicht gelegt haben.

Der Englischen Landschafts⸗Gaͤrtner wird uͤberhaupt mit billiger Hochachtung gedacht, und doch wird ihnen hier nicht so durchgaͤn⸗ gig beigestimmt, als man es in anderen Buͤchern gewohnt ist. Der Verfasser theilt ihre Prinzipien nicht alle, und es wird ihm nicht schwer, uns zu uͤberzeugen; nach der Beschreibung aber, die er von manchen Englischen Parks entwirft, waͤren wir allerdings geneigt, den seinigen um so hoͤher zu stellen. Der ruhige Ton und der uͤberall herrschende billige Sinn macht dabei den Eindruͤck der Wahr⸗ beit und Unvarteilichkeit. Daß sich mit aller theoretischen und prak⸗ tischen Gruͤndlichkeit doch im Vortrag die leichte Anmuth eines beiteren Erzaͤhlers vereinige, wird man annehmen ohne unsere Ver⸗ sicherung.

Aber so sehr das Werk zunaͤchst der Landschafts⸗Gaͤrtnerei ge⸗ widmet ist, so wird daneben doch der Gartenkunst ihr Recht gelas⸗ sen. Daß die sogenannten Franzoͤsischen Gaͤrten nicht durchaus zu verwerfen seyen, hat schon ein Deutscher Schriftsteller von Gewicht zu einer Zeit ausgesprochen, wo dergleichen Aeußerungen nicht ohne Gefahr seyn mochten. Ludwig Tieck urtheilt im Phantasus sehr rich⸗ tig, daß geschorene Baumwaͤnde und Beete in Form geometrischer Figuren sich in der Naͤhe der Gebaͤude sehr vortheilhaft ausnaͤhmen, ja, daß sie einen passenden und anmuthigen Uebergang bildeten von der Architektur zur freien Vegetation. Dieselbe Meinung darf nun⸗ mehr wohl von den Einsichtsvollsten der Architekten als zugestanden und anerkannt gelten: ein Blick aber auf die wilden und nuͤchter⸗ nen Gaͤrten nach neuer Mode wird auch wohl jeden Empfaͤng⸗ lichen mit dem faͤlschlich verrufenen Buchsbaum wieder aussoͤhnen, der als ein uͤppig gruͤnes, und zwar immergruͤnes Gewaͤchs am geeignetsten ist, die dauernde Einfassung zu bilden. Es muß also freuen, daß auch der richtige Takt den Verfasser eben dahin gelet⸗ tet hat, wenn er z. B. geometrische Blumen⸗Parterres in der Naͤhe des herrschaftlichen Gebaͤudes vorschreibt und desgleichen auch vor der imposanten Treppe seines Schlosses abbildet. Ja, er geht noch weiter; er versagt sich auch kleine lustige Spielereien nicht, indem er uns auf einem Rasenplatz ein kolossales Fuͤllhorn mit Buchs zeich⸗ net, und es mit wirklichen, wachsenden Blumen und Buͤschen fuͤllt. Der Gedanke ist gewiß recht artig, allein die Ausfuͤhrung in einer Groͤße, welche nach der Abbildung schon einen landschaftlichen Ef⸗ fekt macht, scheint uns die billige Graͤnze eines Ornaments weit zu uͤberschreiten. Auch des Plinius in Buchsbaum dargestellte Thiere, je zwei einander zugekehrt, waren wohl anderer Art, wahrscheinlich als ornamentartige Wiederholung zu verstehen. Wie uns duͤnkt, muͤssen sol⸗ che Zierrathen nur in der Naͤhe erkannt werden, fuͤr die Entfernung dage⸗ gen sich in eine allgemeinere Form, etwa die eines Bandes, einer Raute, hoͤchstens eines Sterns oder einer Rose, aufloͤsen, und archi⸗ tektonischer Styl ist dabei durchaus zu empfehlen. Viel waͤre hier noch zu leisten, wenn man bei der Wahl der Blumen auf Zusam⸗ menstellung und Vertheilung der Farben ein kuͤnstlerisches Auge wenden wollte.

Endlich güebt es guch noch einen Uebergang von den Nutzgaͤrten sowoyl zu den Kunstgaͤrten, als zu den landschaftlichen: Fruchtbaͤume gehoͤren in der Bluͤthe und mit ihren Fruͤchten zu den schoͤnsen Und was koͤnnte malerischer seyn, als Wein⸗ und Kuͤrbiß⸗ ranken.

Ihrer Natur nach scheint es in der Landschafts⸗Gaͤrtnerei auf

ein Zwiefaches anzukommen, erstlich, wie man dem kuͤnstlich Her⸗ vorgebrachten den Anschein der Natur verleiht, sodann, wie man vorhandene Natur verschoͤnt, und uͤberhaupt uͤber die gewoͤhnliche Natur hinaus zu einer freien Schoͤnheit gelangt. Wie in den meisten an⸗ dern Kuͤnsten waͤre also auch hier ein nachahmender und wiederum ein idealer Theil; dieser ist das eigentlich Positive der Kunst, jener mehr negativ, weil es sich darin hauptsaͤchlich von den Fehlern handelt, die zu meiden sind. Nun scheint es, wenn wir zu⸗ sammenfassen sollen, allerdings, als ob das vorliegende Werk mehr Aufmerksamkeit dem negativen Theil schenke, und dies kam vielleicht daher, weil die Praxis bei der Beschaffenheit des Orts mehr darauf leitete, und weil uͤberdies die groben Ver⸗ sehen und falschen Grundsaͤtze Deutscher Landschafts⸗Gaͤrtner bestritten werden mußten, derentwegen denn auch vieles sehr Ele⸗ mentare vorzubringen war. Nicht ohne Ironie bekaͤmpft der Ver⸗ fasser die eirunden Inselformen, die mit Entengries bedeckten Graͤ⸗ ben, welche Fluͤsse vorstellen sollen, die ohne Grund schlangenfoͤr⸗ mig gefuͤhrten Wege u. s. w. Mit treffenden Zuͤgen und feinen Be⸗ merküungen weiß er uͤberall auf Eigenheiten der Natur zu leiten und verlangt Alles und Jedes durch irgend ein natuͤrliches Motiv gerecht⸗ fertigt, wenn es auch selbst nur ein scheinbares und kuͤnstliches waͤre. Eine eigentliche Entwickelung und positive Lehre des Schoͤnen hat freilich ihre besonderen tiefliegenden Schwierigkeiten; aber ein Blick auf die Kupser eignet dem Verfasser Gefuͤhl fuͤr Schoͤnheit reichlich zu, selbst wenn ein Theil davon auf den großen Architekten und ein anderer auf die verschoͤnernde Hand des Landschafts⸗Zeichners (Schirmer) billig zu rechnen ist. Kurz, in dem ganzen Werk herrscht Umsicht, Gediegenheit und kuͤnstlerischer Sinn, besonders noch klarer Verstand. Wir sehen darin einen Gewinn fuͤr die Deutsche Literatur, wie still es auch in der Journalwelt daruͤber geblieben ist. Unter den Werken des Ver⸗ fassers stehen wir aber nicht an, es fuͤr eines der gelungensten zu halten, und, nach unserm Geschmack, fuͤr das edelste und wuͤrdigste. Gr.

Meteorologische Beobachtung. Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger

6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung. aLaGAaAn, E ARacn

337 52 “‧Par.

+ 0,80 R.

+ 0,3 9 R. 97 pCt. heiter. O2D.

1836.

4 Februar.

Quellwärme 7,0 R. Flußwärme 1,3 0 R. Bodenwärme 1,4 0 R. Ausdünstung 0,029 ⸗Rh. Niederschlag 0.

Luftdruck 333 69" Par. 336,04 ‧Par. Luftwärme .. +Nh̊ 0,90 R. + 3,00 R. Thaupunkt †- 0,3 0 R. +† 0,80 R. Dunstfättig... 96 pCt. 82 pCt. Wetter. trübe. trübe. Wind.. SO V SO. Wolkenzug... SO. Nachtkälte 0,5 0 R Tagesmittel: 335 74“ Par... + 1,00 R. 010 R. 92 pvCt.

Be Ill68 Den 5. Februar 1836. Amtlicher Fonds- un I. Gweldt-Cours-Zettal.

. Pr. Cour. Pr. Cour- l Briet. [ Geld.

8 Brief. 1 Geld. 4 102 ¼ 101 ⁄¾¼ sowtpr. Ftandbr. s41007 102 2 101 27⁸ 100 [vomm. do. 4 105 61] 8 605 8 [Kur- u. Neum. do. 4⁄1 1015 8 101 10²⁸ 8 101 1* do. 98 ½¼ 97 1015 Schlesische do. 4] 107 1 ½ 102 ¼ Rückst. C. und2. 89 ½ Sch. d. K. u. N. Gold al marco

Neue Duk. Friedrichsd'or

—.

88

St.-Schuld-Seh. Pr. Engl. 0bl. 30. PrämSch. d. Seeh Kurm. 0 bl. m. l. C. Nm. Jut. Sch. do. Berl. Stadt-Obl. Königsb. do.

Elbinger do.

Danz. do. in Tb. Westpr. Pfandbr.

do. do.

102 ⁄¾ 88 99 44 103

216 ½ 183⁄G 13514

102 ½

rigkeit des Landstrichs. Der Reichthum der immer neuen und im⸗

88

Amsterdam, 31. Januar. Schuld 55 ½l. 5 % do. Neue Anl. 50 ³.

Niederl. wirkl. 8 24115c. Zinsl. 19 ¾½. Kanz ,a Antwerpen, 30. Januar.

2. Ausg. Schuld —. Zinsl. 19 ¼. Neue Aal. 19 ½˖

1 Passive 161

Frankfurt a. M., 2. Oesterr. 5 % Metall. 103. 102 ⅞. 21 59 ¾. 1 % 25 G. Bank-Actien 1647. 1655. Partial-Ob, üisz G. Loose zu 500 Fl. 118 1. 117 ⁄8. Loose zu 100 F; 1 ¾ Br. Preuss. Prüm.-Sch. 60 59 ¾. pel⸗

do. 4 % Anl. 991 ¼. G. p. 2 2 4. 8 892 78; 1.

L.ose 70 ¼. Br. 5 % Span. Anl. 49 6. 48 %6. Zi o, ba 55 6. 55. 8 82

Februar

4 % 99 ¾. 99 ⁄¾.

70

8 Paris, 30. Januar. 5 % Rente 109. 25. 3 % do. 80. 20. 5 % Neap. 99. 29. 8- Span. Rente 49. Passive 16 ⅛. Ausg. Schuldl 18 ⁄. 30⁄G Poruua -

Ree.

EEE1ö1öA1232“ Rußland. St. Petersburg, 30. Jan. Se. Majestaͤt der Kaiser aben dem Staats⸗Secretair, Baron von Korf, den Annen⸗Or⸗

KAKeoͤnigliche Schauspiele. Sonnabend, 6. Febr. Im Schauspielhause: Der T Ellerbrunn, Lustspiel in 3 Abth., von C. Blum. Hierauf 98 erster Klasse verliehen.

L. 116“ 1 das Holhg 8 Se. Kaiserl. Majestaͤt haben die Errichtung einer See⸗Asse⸗ rvoh, Instr rangirt und vorgetragen von Hexrn i Hesells in Odesse rlaͤufig a kow. Dann: Der Empfindliche, Lustspiel in 1 Akt, von 8 Seheeeeeh üaün⸗ und zwar vorlaͤufig auf zehn Jahre, brun. Und: Großes Peotpourri, arrangirt und vorgetragen n Im Laufe des vorigen Jahres hat zu Odessa doch noch eg Gusikow. e; 8 5 ne ziemlich bedeutende Ausfuhr an Getrande stattgefunden. Die

Im Konzert⸗Saale des Schauspielhauses: Subseriptions e zfuhr des Weizens fand meistentheils statt nach der Tuͤrkei, . Sonntag, 7. Febr. Im Opernhause⸗ Don Juan, he gricchenland, dem Adriatischen Meere, Livorno, Genua und, in 8 2 Abth. Musik von Mozart. (Mad. Franchetti Wa üiteringerer Quantitaͤt, nach Marseille; im ersten Halbjahre 125,608 Donna Anna, als Gastrolle. Dlle. Stephan: Elvira, als Gastii schewert und im zweiten 252,492 Tschetwert, im Ganzen also Herr Eichberger: Octavio.) 8 s0o0 Tschetwert, fuͤr die Summe von 6,673,091 Rbl.

Im Schauspielhause: Die Muͤndel, Schauspiel in 5 Alt ongen wurde fast durchgaͤngig in das Adriatische Meer und von A. W. Iffland. (Herr Rott: Kanzler. Herr Gemnt herste nach der Tuͤrkei ausgefuͤhrt. Diese beiden Getraide⸗Ar⸗ Philipp Broock.) ö ncebst 7464 Tschetwert Weizenmehl gehen zusammen 29,946

Montag, 8. Febr. Im Schauspielhause: Zum erstenme schtwert, an Werth 392,995 Roöl.

wiederholt: Der Prinz und die Baͤuerin, Trauerspiel in Man hat sich seit einiger Zeit viel damit beschaͤftigt, den Aufzügen, von E. Raupach. ““ sen Weg fuͤr die aus Rußland nach Tiflis gehenden Waaren

Dienstag, 9. Febr. Im Schauspielhause: ufinden. Gewoͤhnlich werden sie uͤber Astrachan, das Kas⸗ geg Lustspiel in 1 Akt, von Kotzebue. Hierauf: sche Meer und Baku und von da zu Lande weiter gesandt, Lustspiel in 5 Abth. der sie gehen direkt durch die Steppen, uͤber Katherinograd, Meittwoch, 10. Fehr. eKabarda und die Militair⸗Straße von Georgien. Ein Hand⸗ Die Puritaner, ings⸗Haus in Tiflis hat im vorigen Jahre folgenden neuen 88 epoli⸗ ersuch gemacht. Es kaufte eine Partie verarbeitetes Eisen in Bellini. Noskau, theilte sie in zwei Theile und sandte den einen im Zu dieser Oper bleiben die bereits geloͤsten, mit Dinsag ujpril bei Eroͤffnung der Schifffahrt die Wolga hinunter, dann bezeichneten Opernhaus⸗Billets guͤltig; auch werden die wcha.

1 IöH ö“ Wer f dem Kaspischen Meere und dem Terek bis Kisliaz und von zu verkaufenden Billets ebenfalls mit Dienstag begiche weiter uͤber Katherinograd, die Kabarda und die Militair⸗ eyn. 1—

bötraße von Georgien. Die andere Expedition ging im Mai W on Moskau ab, die Wolga bis Dubowka hinunter, dann Lande nach der Stanitza Katschalinskaja, von da auf dem u.“ on, dem Asoffschen und Schwarzen Meere nach Redoute⸗ aleé, und von diesem Punkte zu Lande nach Tiflis. Diese letz⸗ rte Expedition, deren Kosten 60 Kopeken füͤr das Pud mehr erugen, als bei der ersteren, kam fuͤnf Monate sfruͤher an ihrem besimmungsorte an, naͤmlich im Juli, waͤhrend der fruͤher ab⸗ esandte Transport erst im November daselbst eintraf. Aus Kjachta wird unterm 28. November 1835 Folgendes eischrieben: „Der Chinesische Bogdo⸗Chan, welcher den Ge⸗

Der Gei Der Ohen

1 Im Opernhause: Zum erstenm große Oper’ in 3 Abth., nach dem Itallaͤnisch von dem Freiherrn v. Lichtenstein. Musk mn

Schauspielhause: Franzoͤsische Vorstellung

v 111XAX“;

Koͤnigstaͤdtisches Theater. Sonnabend, 6. Febr. Lestocq, oder: Intrigue und bich Oper in 4 Akten. Musik von Auber. Fuͤr die Deutsche Bihu bearbeitet vom Freiherrn von Lichtenstein. (Dlle. Beckaͤr win von ihrer Krankheit hergestellt, hierin wieder auftreten.) Sonntag, 7. Febr. Eulenspiegel, oder: Schabernack e Schabernack, Wiener Lokal⸗Posse mit Gesang in 4 Akten.

von Rossini.

Grossh. Pos. do. 4 104

.

103 ½

Disconto

Montag, 8. Febr. Zum erstenmale: Zriny, oder: 2 Bestuͤrmung von Sigeth, Melodrama mit Choͤren in 5 Allk von Theodor Koͤrner. Musik vom Kapellmeister Franz Glg Die neuen Decorationen sind vom Decorations⸗ Maler Ha Deny.

Dienstag, 9. Febr. Zum Besten der hiesigen Armen: M ses, oder: Der Auszug aus Aegypten, Hper in 3 Akten, die Koͤnigstaͤdtische Buͤhne eingerichtet von Friedr. Genée. van

etstag seiner Mutter, der verwittweten Kaiserin, bei Anlaß es von ihr erreichten sechzigsten Jahres, festlich zu begehen huͤnschte, bat sie um ihre Einwilligung zur Anordnung einer ohen Feier in allen Theilen des Reiches. Die Kaiserin war Unfangs nicht dazu zu bewegen, in der Folge jedoch gab sie den Bitien ihres regterenden Sohnes nach, und uͤberließ es ihm, habei nach eigenem Gutduͤnken zu verfahren. Demzufolge er⸗ chien ein Manifest, durch welches der Anfang dieser Feier im 8 hanzen Reiche auf den Eten Tag des 10ten Mondes (16. No⸗ ““ dember) angeordnet und festgesetzt wurde, daß dieselbe in Peking „Wir ersuchen unsere lieben Mitbuͤrger, die wohlwollende Eit⸗ unfzehn, in den Provinzial⸗ Hauptstaͤdten sechs und in schließ ung des Koͤniglichen Kommissions⸗Rathes und Direkvrs d den Kreisstaͤdten drei Tage dauern solle. Der Dsargut⸗ Koͤnigstädtischen Theaters, Herrn Cerf, den Ertrag der Vorstellung chej von Kjachta, welchem der betreffende Befehl durch des. Sher 7, Ie., bi, heenggg chem der heteeffende Defehl durch Spei 1 eminas⸗ 1lrinen Expressen von der Graͤnz⸗Behoͤrde von Urginst mitgetheilt Speisung der Armen und halb fuͤr die Versorgung annoch feumngs⸗ 8 beduͤrftiger Famitien mit kleingehauenem Brennbolze zu wne,worden, vegann die Feier bei sich in Majmatschen am 16. No⸗ durch zahlreichen Besuch der ausgezeichneten Opern Vorstellung kai⸗ pember, uͤbrigens ganz so, wie dieselbe alljaährlich zu Anfang des tig zu fördern. weißen Monats (zu Neujahr) stattfindet. Fruͤh Morgens be⸗ Beim Verkaufe der Billets werden von morgen ab dieseitggab sich der Dsargutschej mit seinem Botcho und mit allen Ch⸗ Deputirte in dem Biclet⸗Verkaufs⸗Buͤrcau gegenwartig seyg. 6. ünesischen Kaufleuten, in festlichen Gewaͤndern, wie die Chinesi⸗ ben, welche uͤber die gewoͤhnlichen Eintritts⸗Preise hinaus, ruücksie schen Beamten gewoͤhnlich bei Hofe erscheinen, in den Tempel. lich des wohlthaͤtigen Zwecks, gespendet werden moͤchten, were whög aselbst vor den offenen Pforten, auf der mit Teppichen belegten den ge eng tg tcge a 1836. Diele, warf sich der Dsargutschej unter neun Kanonen⸗Salven Die Armen⸗Direction und die Direc eun Mal zur Erde. Nachdem er so die religioͤse Ceremonie 8b Speisung. dendigt, kehrte er unter den Gluͤckwuͤnschen seiner Beamten und de Kaufmannschaft in seine Gemaͤcher zuruͤck, und gab sogleich das Zeichen zum Beginne verschiedener Belustigungen und bewirthete so⸗ woßlan diesem, als an den beiden folgenden Tagen, alle vornehme 8 Ehinesen; demnaͤchst besuchte er sie selbst und wurde von ihnen, nter dem betaͤubenden Schalle der Trompeten und Pauken und dem Geprassel unzaͤhliger Raketen, bewirthet. Waͤhrend dieser breitägigen Feier und des ununterbrochenen Schmausens ver⸗ summten die verschiedenartigsten Toͤne nur selten, welche von Straßen⸗Komoͤdianten und Maskenzuͤgen herruͤhrten, denen ein Haufe von Gauklern mit Trommeln und großen kupfernen Bek⸗ ken vorausgingen; Abends aber und die ganze Nacht hindurch waren alle Hauptplaͤtze von Majmatschen mit bunten Laternen erleuchtet.“

der Armis⸗

Markt⸗Preise vom Getraide.

Berlin, den 4. Februar 1836.

Zu Lande: Weizen 1 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf., auch 1 M. 10 Sgr.; Roggen 1 Rthlr. 5 Sgr. 8. Pf, auch 1 Rthlr. 4 ght. große Gerste 28 Sgr. 9 Pf., auch 25 Sgr.; kleine Gerste 1 Ml. 1 Sgr. 3 Pf., auch 25 Sgr.; Hafer 25 Sgr., auch 21 Sar. 1N Eingegangen sind 780 Wispel 15 Scheffel.

Zu Wasser: Roggen 1 Rthlr. 10 Sgr.; Hafer 23 auch 22 Sgr. 6 Pf.

Mittwoch, den 3. Februar 1836.

Das Schock Stroh 7 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf., auch 5 Rthle⸗

der Centner Heu 1 Rthlr. 10 Sgr, auch 20 Sgr

Sgr. 99h.

Februar. Die heutigen Zeitungen enthalten

Warschau, 1. noch eine weitere Anzeige von Guͤter⸗Schenkungen im Koͤnigreich olen, womit Se. Majestaͤt verschiedene ausgezeichnete Militairs, Militair- und Civil⸗Beamte beliehen haben; es sind deren außer

Branntwein⸗Preise vom 29. Januar bis 4. Februar 1836.

Das Faß von 200 Quart nach Tralles 54 pCt. oder 40 v0. Richter gegen baare Zahlung und sofortige Ablieferung. Korn⸗ Branntwein 16 Rthlr., auch 16 Rthlr. 22 Sar. 6 Pf.; Kartoftl⸗ Branntwein 14 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf., auch 15 Rthlr. 13 Sgr.

den bereits gemeldeten noch neun, saͤmmtlich zu 5000 Gulden jaͤhr⸗ icher Revenüen, und zwar 1) die Schenkung der in der Woje⸗ wodschaft Masovien belegenen Zalubicer Guͤter an den Comman⸗ deur des Brjansker Jäͤger⸗Regiments, Oberst Rubiez; 2) der in der Wojewodschaft Lublin belegenen Okorzer Guͤter an den Com⸗ mandeur des JaͤgerRegiments des Feldmarschalls Fuͤrsten von Warschau Grafen Paskewitsch von Eriwan, Oberst Burmann; 13) der in der Wojewodschaft Krakau besegenen Sercho⸗

* dicer. Guͤter an den Commandeur der Sten Artillerie⸗Brigade, Oberst Czapliz; 4) der Sieluner Guͤter an den Commandeur der ten Artillerie⸗Brigade, Oberst Sachnomski; 5) der in der Wosewodschaft Masovien belegenen Guͤter Klobia, Golembin und koßanow an den Commandeur der 3ten reitenden Artellerie⸗

8 tigade, Oberst Froloff; 6) der in der Wojewodschaft Plozk be⸗ „Lenen Trombiner Guͤter an den Gendarmerie⸗Oberst Wlossoff; der in der Wojewodschaft Podlachien belegenen Zbuczyner

——

Kartoffel⸗Preise vom 28. Januar bis 3. Februar 1836. Der Scheffel 17 Sgr. 6 Pf., auch 12 1-21 81

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der Kanzlei des Oberbefehlshabers der aktiven Armee, Staatsrath Janowitsch; 8) der in der Wojewodschaft Masovien belegenen Guͤter Lazenow und Popielawy an den Direktor der Kanzlei des Statthalters im Koͤnigreich Polen, Kollegialrath Brujewitsch; 9) der in der Wojewodschaft Sandomir belegenen Stenzycer Guͤter an den Fluͤgel⸗Adjutanten vom Wolhynischen Leibgarde⸗Regiment, Capi⸗ tain Gogel.

Gestern haben hier die Karnepals⸗Belustigungen begonnen: alle Spaziergaͤnge und oͤffentliche Vergnuͤgungsorte waren den Tag uͤber bei schoͤnem und gelindem Wetter zahlreich besucht, und war große Redoute, auf der sich an 2000 Personen be⸗ anden

Guͤter an den Direktor

Frankreich. 8

Fieschi's Prozeß. Sitzung vom 30. Januar.

(Fortsetzung.) Der Praͤstdent faͤhrt mit dem Verhoͤre Fieschi's in

folgender Weise fort: Fr. „Erkennt Ihr dies Portrait des Herzogs

von Bordeaux, welches man in Eurem Zimmer gefunden hat?“

Antw „Ja.“ Fr. „Wo habt Ihr es gekauft?⁷ Antw. „Bei

einem Kaufmanne, in einer kleinen Straße, nahe bei der Place des

Victoires. Fr. „In welcher Absicht?“ Antw. „Um die Re⸗

gierung zu taͤuschen, im Fall mein Verbrechen gelungen wäͤre. Man

sollte in Ungewißheit bleiden, ob die Karlisten oder die Republika⸗

ner den Streich ausgefuͤhrt haͤtten. Man hatte mir auch gerathen,

legitimistische Journale zu kaufen; ich habe aber nicht daran ge⸗

dacht.“⸗ Fr. „Nach der Anzahl der Huͤte zu urtheilen, die man

in Eurem Zimmer gefunden hat, muͤßten drei Personen bei dem At⸗

tentate zugegen gewesen seyn.“ Antw. „Ich wiederhole, daß ich

allein war; seit mich Morey Abends zuvor verlassen hatte, ist Nie⸗

mand in mein Zimmer gekommen.“ Fr. „Habt Ihr keinen

andern Aufschluß uͤber die beiden Huͤte zu geben?“ Antw. „Nein.

Es giebt Personen, die bei allen Gelegenheiten nur immer an

sich denken. Wahrscheinlich hat Jemand, als man in mein

Zimmer eindrang, meinen neuen Hut genommen und dafuͤr jene

beiden alten Filze hingelegt.“ (Man lacht.) Fr. „Ihr bleibt also

dabei, daß keiner Eurer Mitschuldigen, wenn Ihr deren uͤberhaupt

habt, Euch in jenem letzten und fuͤrchterlichen Augenblicke geholfen

oder beigestanden habe?“ Antw. „Ich bleibe bei dem, was ich ge⸗

sagt habe: ich befand mich ganz allein in meinem Zimmer.“ Fr. „Ihr kennt die Zahl, den Rang und das Alter der Personen, die Ihr getoͤdtet habt. Wie schrecklich aber auch die Folgen Eures Ver⸗ brechens gewesen sind, so ist dasselbe doch eigentlich mißlungen; denn waren nicht der Kbnig, dessen Stirn eine Kugel gestreift hat, und seine Soͤhne die Schlachtopfer, die Ihr Euch eigentlich ausersehen hattet? Antw. (Nach einigen Augenblicken des Zoͤgerns.) „Ich habe die Frage nicht recht verstanden und ersuche Sie, Herr Praͤ⸗ sident, dieselbe zu wiederholen’“ Der Praͤsident wiederholt die Frage und fuͤgt hinzu! „Ihr seht, daß ich Euch frage, ob es nicht Eure Absicht gewesen, den Koͤnig und die Prin⸗ zen zu treffen?“ Antw. „Ich habe die Wahrheit gesagt, ich werde sie wiederholen. Seit beinahe einem Jahre trug ich mich mit dem Gedanken herum, das Verbrechen zu begehen. Ich sowohl, wie meine Mitschuldigen, wir hatten die Absicht, den Koͤnig aus dem Wege zu raͤumen. Am Morgen des 2S. Juli, als ich den Herrn La⸗ vocat, meinen Wohlthaͤter, meinem Fenster gegenuͤber erblickte, wankte mein Entschluß. Leider wechselte die 8te Legion ihren Platz, und mein Vorsatz erwachte aufs Neue; ich dachte nun an weiter nichts, als wie mich meine Genossen verachten wuͤrden, wenn ich als ein Feiger vor ihnen erschiene.“ Fr. „Welcher Grund hat Euch ver⸗ anlassen koͤnnen, ein so scheußliches Verbrechen zu begehen?“ Antw. „Ich habe mich nur einer Ungerechtigkeit halber raͤchen wollen. Ich bitte Sie, Nachsicht mit meiner Sprache zu haben; ich spreche nur mittelmaͤßig Franzoͤsisch, und es wird mir schwer, meine Gedanken recht deutlich wiederzugeben. Ich war vormals Soldat; mein fruͤ⸗ heres Leben wird Ihnen von meinem Vertheidiger geschildert wer⸗ den. Ich wurde im Jahre 1815 durch eine Neapolitanische Militair⸗ Kommission zum Tode verurtheilt. Ich hatte an der ungluͤcklichen Erxpedition Murat's in Kalabrien Theil genommen und wurde mit ihm zum Gefangenen gemacht. Meine Strafe ward mir zwar er⸗ lassen; aber, nach Frankreich zuruͤckgekehrt, wurde ich zur Verfuͤ⸗ gung der Regierung gestellt. Man legte meine Theilnahme an der Muratschen Expedition auf die gehaͤssigste Weise aus, und ich wurde in das Gefaͤngniß zu Embrun gesteckt. Nachdem ich meine Freiheit wiedererlangt hatte, suchte ich nach der Juli⸗Revolution, als ein wegen politischer Vergehen Verurtheilter, eine Anstellung. Meh⸗ rere Personen beschuͤtzten mich, weil sie wußten, daß ich kein Anarchist sey. Ich war in der That nie weder ein Karlist noch ein Republikaner, sondern ein Anhaͤnger und Verehrer Napoleon’'s Man denuncirte mich spaͤter der Regierung und gab an, ich sey kein politischer Verurtheilter, und als ich den gerichtlichen Beweis fuͤr meine Behauptung nicht beibringen konnte, wurde ich entlassen. Ich befand mich nunmehr ohne alle Mittel zu meinem Unterhalte und wurde uͤberdies von der Frau verlassen, mit der ich bisher in der engsten Verbindung gestanden hatte. Da ich nicht mehr wußte, was ich anfangen sollte, da ich kaum noch ein Hemde auf dem Leibe hatte, so verband ich mich mit einigen Maͤnnern, die ich fuͤr muthig und entschlossen hielt. Sie ermunterten mich in meinemschrecklichen Vor⸗ satze, und verschafften mir das Geld zur Ausfuͤhrung desselben. Damals tauchte in mir der Gedanke auf, jene Maschine zu gebrauchen; ich war in dem groͤßten Elende; ich bereue meine That und bin be⸗ reit, sie auf dem Schaffotte zu buͤßen. Wenn ich meine Mitschuldi⸗ gen fruͤher genau gekannt haͤtte, so wuͤrde ich mich nicht auf das Unter⸗ nehmen eingelassen haben; sie sind nicht werth, einen Menschen wie mich zum Genossen zu haben.“ Fr. „Gehoͤrtet Ihr irgend einer politischen Gesellschaft an?“ Antw. „Nein, Herr Praͤ⸗ sident, niemals.“ Fr. „Ihr standet doch aber mit einer Menge von Leuten in Verbindung, welche Mitglieder ie⸗ ner Gesellschaften waren.“ Antw. „Durch die Frau Petit lernte ich mehrere Personen kennen, welche republikanische Gesinnun⸗ gen hegten; aber wir konnten uns nie verstaͤndigen, weil ich ein ei⸗ friger Bonapartist war.“ Fr. „Habt Ihr nicht haͤufig gesagt, daß Frankreich der Koͤnige muͤde, und daß die Republik die beste Verfas⸗ sung sey ? Antw. „Das ist unwahr.“ Fr. „Habt Ihr nicht gesagt, daß man noch von Euch sprechen wuͤrde, ehe Ihr stuͤrbet?“ Antw. „Auch das ist gaͤnzlich erlogen.“ Fr. „Gebet genau die Zeit an, wo Euch der erste Gedanke zu dem Attentat gekommen ist.“ Antw. „Der erste Gedanke dazu kam mir in einem Gespraͤch mit Morey; ich dachte fruͤher nicht daran, ein solches Attentat zu bege⸗ hen.“ Fr. „War es nicht zu Ende des Jahres 1834, oder im An⸗ fange von 18357 Antw. „Wenn ich mir alle Umstaͤnde ins Ge⸗ daͤchtniß zuruͤckrufe, so muß es im Dezember 1834, oder in den ersten Tagen des Januar 1835 gewesen seyn.“ Fr. „Seyd

1836.

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*. IN:

die Maschine anfaͤnglich nicht zu dem schrecklichen Gebrauch bestimmt

„Ich sagte mir eines Tages, als ich Soldat in Sicilien war: Wenn Du mit 300 Mann in einer Festung eingeschlossen waͤrest und eine ansteckende Krankheit die Haͤlfte der Garnison fortraffte, koͤnntest Du dann wohl mit der uͤbrigbleibenden geringen Mannschaft der Platz vertheidigen; Damals entwarf ich den Plan zu der Maschine⸗ die nach einem groͤßeren Maßstabe ausgefuͤhrt werden sollte. Als ich mich mit Morey uͤber die Kaͤmpfe in den Juli⸗Tagen unterhielt, zeigte ich ihm die Zeichnung mit der Bemerkung, daß man mit ei⸗ ner solcen Maschine Karl X. und seine ganze Familie haͤtte toͤdten koͤnnen. Er sagte darauf: Man koͤnnte dieselbe auch gegen Ludwig Philipp gebrauchen; er steckte die Zeichnung in die Tasche und sagte mir nicht einmal, was er damit zu machen gedaͤchte. Es vergingen hierauf einige Tage. Ich wurde damals von der Polizei verfolgt; ich befand mich ohne alle Mittel. Er fuͤhrte mich bei Pepin ein. Doch daruͤber werden Sie mich spaͤter vernehmen.“ Fr. „Nahmet Ihr nicht zu jener Zeit den Namen Alexis oder Bescher an?“ Antw. „Nein, damals nicht, denn Morey und alle meine Bekannte wußten, daß ich Fieschi hieß.“ Fr. „Seyd Ihr nicht spaͤter unter dem Na⸗ men Bescher in die Papier⸗Fabrik des Herrn Lesege eingetreten?“ Antw. „Ja.“ Fr. „Zu welcher Zeit war dies?“ Antw. Zu Ende Februar 1835.“ Fr. „Wer verschaffte Euch diese Anstel⸗ lung?“ Antw. „Morey; er gab mir Papiere zu meiner Legitimation, die auf den Namen Bescher lauteten.“ Fr. „Wußte der wirkliche Bescher darum, daß Euch diese Papiere zugestellt waren?? Antw. „Ich weiß es nicht.“ Fr. „Ihr behauptet, daß Morey Euch zuerst Eroͤffnungen uͤber den Gebrauch Eurer Maschine gemacht habe⸗ Ihr begreift die ganze Wichtigkeit dieser Anklage. Ich fordere Euch nochmals auf, auf Pflicht und Gewissen, ohne Leidenschaft und ohne Ruͤckhalt zu erklaͤren, ob das, was Ihr gesagt habt, die Wahrheit ist. % Antw. „FJa, es ist die Wahrheit.“ Fr. „Hat Morey sich nicht oft seiner Geschicklichkeit im Schießen geruͤhmt? Hat er nicht gesagt, daß, wenn der Koͤnig ihm in den Schuß kaͤme, er ihn nicht verfehlen wuͤrde?“ Antw. „Ja, Herr Praͤsident.“ Fr. „Hat Euch Morey dem Pepin unter dem Namen Bescher vorgestellt? Antw. „Nein, unter meinem wahren Namen.“ Fr. „Havt Ihr im Laufe Eurer Bekanntschaft mit Pepin nicht aus seinem Munde gehoͤrt, daß er mit einer Menge geheimer Gesell schaften und mit vielen fanatischen Republikanern in Verbindung stehe?“ Antw. „Ja.“ Fr. „Hat er nicht oft den Wunsch ausgedruͤckt, daß sich Jemand finden moͤchte, der den Koͤnig aus der Welt schaffte? Antw. „Ja, Herr Praͤsident.“ Fr. „Habt Ihr nicht gegen Ende des Monats Maͤrz bei Pepin einem Mittagomaele beigewohnt, zu dem auch Morey und einige andere Personen hoͤhe⸗ ren Standes geladen waren?“ Antw. „Ja.“ Fr. „Koͤnnt Ihr diese Personen naͤher bezeichnen?“ Antw. „Es waren Recurt (ein April⸗Angeklagter), Morey, ein Advokat, und ein Deputirter.“ Fr. „Wovon wurde hauptsaͤchlich gesprochen?“ Antw. „Von dem April⸗Prozesse.“ Fr. „Wenn Ihr mit Pepin so genau bekannt gewesen seyd, so werdet Ihr doch auch wissen, wie er lebte und wer seine naͤchsten Umgebungen waren?“ Antw. „Ich kuͤmmerte mich wenig um seine haͤuslichen Angelegenheiren; aber ich bin ein guter Beobachter, und obgleich ich nur 40 Jahre zaͤhle, so habe ich doch vienleicht fuͤr 60 Jahre Erfahrung. Ich sah bei Pepin Leute aus⸗ und eingehen, gegen die er stets sehr zuvorkom⸗ mend war: hatten sie aber einmal den Ruͤcken gewendet, so laute⸗ ten die Reden ganz anders. Dieses Wesen wollte mir nicht gefal len, und es that mir leid, daß ich mein Wort gegeben hatte; habe ich es aber einmal gegeben, so kann Nichts in der Welt mich ver⸗ moͤgen, es zu brechen.“ Fr. „Ihr habt fruͤher ausgesagt, daß Pepin Euch Anfangs die Flintenlaͤufe durch Cavaignac's Vermitte lung versprochen hatte und daß, nachdem Ihr sie auf diesem Wege nicht erhalten, Ihr sie selbst haͤttet kaufen wollen. Bleibt Ihr bei dieser Erklaͤrung?“ Antw. „Ja.“ Fr. „Euer Unternehmen ist offenbar dadurch verzoͤgert worden, daß am 1. Mai keine Revne stattfand. Sind Eure Verbindungen mit Pepin hierdurch seltener geworden?“ Antw. „Pepin's Betragen machte ste seltener. Ich thue nicht leicht etwas fuͤe Geld, auch bin ich eben nicht lecker, indessen verletzte es mich, daß Pepin mir an seiner Tafel nichts als ein Stuͤck Brod bot; uͤberdies klagte er stets uͤber die Opfer, die er bringen muͤsse, und beschwerte sich sogar uͤber seine Freunde; dies machte, daß ich mich seiner Bekanntschaft entzog. Ich wollte mit einem meiner Freunde nach Polen gehen, indessen fehlte es uns an den noͤthigen Mitteln dazu. Der gute Erfolg des Ver⸗ suchs, den ich mit dem Pulver auf dem Kirchhofe machte, bestimmte mich; auch glaubte ich, daß ich mich dem ein⸗ mal gegebenen Worte nicht entziehen duͤrfe.“ Hier wurde das Verhoͤr abgebrochen, und die Sitzung bis zum folgenden Tage aus⸗ gesetzt. Waͤhrend des ganzen Verhoͤrs zeigte Fieschi eine Ruhe, die sich nicht einen Angenblick verleugnete. Er druͤckte sich mit großer Leichtigteit aus, ohne die Woͤrte zu suchen, und sogar ohne viele Sprachfehler zu machen. Pepin und Morey verbielten sich vollkom⸗ men neutral. Nur einigemale hob Pepin den Kopf empor, um bes⸗ ser zu verstehen; aber er setzte den Aussagen Fieschi's in Betres seiner durchaus kein Zeichen des Widerspruchs entgegen.

In der Sitzung vom 31. Januar wurde das Verhoͤr Fies⸗ chi's fortgesetzt. Von den 176 Pairs, die nach dem Journal der Débats Tages zuvor bei der Eroͤffnung des Prozesses zugegen wa⸗ ren, fehlte bloß der Fuͤrst von Talleyrand.

Paris, 31. Jan. Der Koͤnig arbeitete gestern mit dem Conseils⸗Praͤsidenten und dem Finanz⸗Minister.

Die hiesige Regierung ist durch den Brasilianischen Gesand⸗ ten amtlich benachrichtigt worden, daß die Stadt Para nach den letzten Ereignissen, die sich daselbst zugetragen, in Blokade⸗Zu⸗ stand versetzt worden ist.

Die legitimistischen Blaͤtter geben heute ein Schrei⸗ ben des Grafen von Peyronnet, datirt aus Ham vom 29. Ja⸗ nuar, worin derselbe anzeigt, daß an diesem Tage drei Aerzte dort erschienen waͤren, daß er sie aber nicht habe empfangen wollen, da er sie nicht gerufen, und da er uͤberhaupt von Nie⸗ manden weder Beistand, noch eine Gunst, noch Gerechtigkeit verlange.

Man schreibt aus Bayonne unterm 2Östen: „Cordova hat sich wieder in Vittoria eingeschlossen, das er nicht verläßt; und der General Eguia haͤlt mit seiner Division die ganze Linie von Salvatierra bis Villareal⸗de⸗Alava besetzt. Die Karlistische Junta von Catalonien wird noch immer in dem Fort von Virgéen del Hort blokirt, an welchem bisher alle Bemuͤhungen Mina's gescheitert sind. Die Karlisten ihrerseits halten dagegen Stadt Lerida ziemlich eng eingeschlossen.“

II& die

Ihr nicht der Erfinder und Verfertiger jener Maschinen“ ntw. „Ja⸗ Fr. „Wenn, wie Ihr hehauptet,

Die Na⸗

Die Gazette de France enthaͤlt Folgendes:

war, in welcher Absicht entwarfet Ihr dann den Plan dazu?“ Antw.