1836 / 43 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Die gestern verbreitet gewesene Nachricht von neuen Un⸗ ruhen in Barcelona hat sich bis jetzt nicht bestaͤtigt.

Großbritanien und Irland.

Eroͤffnung des Parlaments. Donnerstag, der 4. Fe⸗ bruar, war der zur de der diesjaͤhrigen Parlaments⸗ Session bestimmte Tag. Se. Majestaͤt der Koͤnig erschien um 2 Uhr Mittags im Oberhause und wurde am Eingange mit den gewoͤhnlichen Ceremonien empfangen. Das Haus selbst und die Gallerieen waren dicht besetzt. Nachdem der Koͤnig sich auf dem Throne niedergelassen hatte, erhielt der Ceremonienmeister des Hauses den Befehl, die Gemeinen vor die Barre Ihrer Herrlichkeiten einzuladen. Als die Mitglieder des Unter⸗ hauses, von ihrem Sprecher gefuͤhrt, erschienen waren, uͤberreichte der neue Lord⸗Kanzler knieend Sr. Majestaͤt die Thron⸗Rede. Kaum aber hatte der Koͤnig dieselbe vorzule⸗ sen begonnen, so bemerkte er, daß er durch Mangel an Licht ver⸗ hindert werde, die Schrift deutlich zu sehen. Der Theil des Hauses naͤmlich, wo der Thron sich befindet, ist sehr dunkel, in⸗ dem das Licht dorthin nur durch zwei Glasthuͤren faͤllt, die sich hinter dem Thron zu beiden Seiten desselben befinden. Die

Staats⸗Beamten, welche zwischen diesen Thuͤren und dem Thron standen, traten zwar augenblicklich bei Seite, und die Thuͤren wurden sogar geoͤffnet, aber immer noch war das Licht nur sehr matt, da beide Thuͤren in ein nicht sehr helles Vorgemach hinausgehen. Dessenungeachtet fuhr der Koͤnig fort, die Rede mit lautem Ton zu verlesen, war indeß zuweilen in einiger Verlegenheit und gebrauchte auch ein paarmal ein unrich⸗ tiges Wort, so daß Lord Melbourne Sr. Maj. einhelfen mußte. Als der Koͤnig ungefaͤhr bis an die Stelle gekommen war, wo von der Vermehrung der Veranschlagungen fuͤr die Marine die Rede ist, brachte der Bibliothekar Herr Leary eine Wachskerze herbei, und Se. Maj. sagten: „Mylords und Herren! Ich bin durch Mangel an Licht verhindert worden, die Rede so zu lesen, wie es haͤtte geschehen muͤssen, um Ihre Aufmerksamkeit zu fesseln; Ich hoffe jedoch, daß es Mir jetzt, wo Ich sie wiederholen will, moͤglich seyn wird, die Aufmerksamkeit Ew. Herrlichkeiten und der Herren vom Unterhause hinreichend auf die verschiedenen Punkte dersel⸗ ben hinzulenken.“ Se. Majestaͤt begannen nun noch einmal mit auter, vernehmlicher Stimme die Verlesung der ganzen Rede, ie folgendermaßen lautete: „Mylords und Herren!

„Mit ungemeiner Genugthuung versammle ich abermals

den im Parlamente vereinigten großen Rath der Nation. Ich sehe Mich immer gern von Ihrem Rath und Beistand unter⸗ stuͤtzt und freue Mich, daß der gegenwaͤrtige Zustand der oͤffent⸗ lichen Angelegenheiten, sowohl in der Heimath als im Auslande, von der Art ist, daß Sie ohne Verzug oder Unterbrechung zu der ruhigen Pruͤfung derjenigen Maßregeln schreiten koͤnnen, die Ihrer Erwaͤgung vorgelegt werden sollen.“

„Fortwaͤhrend erhalte ich von Meinen Verbuͤndeten, so wie

m Allgemeinen von allen auswaͤrtigen Maͤchten, Zusicherungen

on ihrem unveräͤnderten Wunsche, diejenigen freundschaftlichen Verhaͤltnisse mit Mir fortgesetzt zu sehen, welche mit ihnen auf⸗ recht zu erhalten auch Mein Wunsch ist; die innige Ein⸗ tracht, welche gluͤcklicherweise zwischen diesem Lande und Frank⸗ reich besteht, ist fuͤr Europa eine Buͤrgschaft fuͤr die Fortdauer des allgemeinen Friedens.“

„Bei allen Gelegenheiten den Wunsch hegend, Meine freundschaftliche Verwendung da eintreten zu lassen, wo Ursachen zur Mißhelligkeit zwischen anderen Maͤchten zu beseitigen sind, habe Ich Meine Vermittelung angeboten, um die zwischen Frank⸗ reich und den Vereinigten⸗Staaten ausgebrochene Differenz zu ordnen. Dieses Anerbieten ist von dem Koͤnige der Franzosen angenommen worden, die Antwort des Praͤsidenten der Verei⸗ nigten⸗Staaten ist noch nicht eingegangen, doch hege Ich die ver⸗ trauensvolle Hoffnung, daß ein Mißverstaͤndniß zwischen zweien so aufgeklaͤrten und hochgesinnten Nationen auf eine mit den Gesinnungen und der Ehre beider uͤbereinstimmende Weise ge⸗ schlichtet werden duͤrfte.“

„Ich habe immer noch die Fortdauer des Buͤrgerkrieges in den noͤrdlichen Provinzen von Spanien zu beklagen. Die Maß⸗ receln, die Ich genommen, und die Verpflichtung, die Ich ein⸗ gegangen, thun zur Genuͤge dar, wie sehr Ich die Beendigung desselben wuͤnsche; auch floͤßt Mir das kluge und energische Ver⸗ fahren der gegenwaͤrtigen Spanischen Regierung die Hoffnung ein, daß die Autoritaͤt der Koͤnigin bald uͤberall in ihren Staa⸗ ten befestigt seyn und daß die Spanische Nation, so lange durch Freundschaft mit Großbritanien verbunden, wieder die Segnun⸗ gen innerer Ruhe und Eintracht genießen werde.“

„Ich habe Befehl ertheilt, Ihnen den Vertrag vorzulegen, den Ich mit der Koͤnigin von Spanien zur Unterdruͤckung des Sklavenhandels abgeschlossen habe.“

b „Herren vom Hause der Gemeinen!

M„ Ich habe Befehl ertheilt, daß die Veranschlagungen des Jahres angefertigt und Ihnen unverzuͤglich vorgelegt werden. Sie sind mit der strengsten Ruͤcksicht auf eine wohlberathene Sparsamkeit entworfen worden.“

„Die Nothwendigkeit, die Seemacht des Landes aufrecht zu erhalten und dem ausgedehnten Handel Meiner Unterthanen einen gleichmaͤßigen Schutz zu verleihen, hat in den Veranschla⸗ gungen fuͤr den Theil des oͤffentlichen Dienstes, welcher die Flotte betrifft, einige Vermehrung veranlaßt.“

„Der Zustand des Handels und der Fabriken des Vereinig⸗ ten Koͤnigreiches ist ungemein befeiedigend. Ich beklage es, daß noch immer eine Klasse Meiner Unterthanen Noth leiden muß; die Schwierigkeiten, welche fortboauernd in wichtigen Zweigen des Landbaues empfunden werden, duͤrften sonach Ihre Erwaͤ⸗ gung verdienen, um sich zu uͤberzeugen, ob es nicht Maßregeln giebt, die das Parlament mit Vortheil zur Erleichterung jener Noth anwenden kann.“

„Mylords und Herren!

„Ich habe die Fortsetzung des Berichts der zur Untersuchung verschiedener Diözesen von England und Wales ernannten Kom⸗ mission noch nicht erhalten; Ich habe jedoch Ursache zu glauben, daß ihre Vorschlaͤge hinsichtlich der ihr uͤbertragenen wichtigen Gegenstaͤnde fast vollendet seyen. Sie sollen Ihnen unverzüg⸗ lich vorgelegt werden, und Sie werden baldigst Ihre Aufmerk⸗ samkeit auf das Kirchenwesen richten, um es fuͤr die heiligen Zwecke, um deren Willen es instituirt worden, wirksamer zu machen. Ein anderer Gegenstand, der Sie demnaͤchst beschaͤfti⸗ gen wird, ist der Zustand des Zehnten in England und Wales; es wird Ihnen eine Maßregel vorgelegt werden, um die Art der Beschaffung desselben fuͤr die Geistlichkeit sicherer und fester zu machen und sie von jener Ungewißheit und den Einwuͤrfen zu befreien, welchen sie bisher ausgesetzt gewesen ist.“

„Die Grundsaͤtze der Toleranz, denen Ich zu allen Zeiten gesolgt bin, muͤssen den Wunsch in Mir erregen, Alles zu besei⸗ tigen, was die Gewissensfreiheit irgend eines Theiles Meiner Unterthanen perletzen oder stoͤren koͤnnte, und Ich wuͤnsche daher,

daß Sie in Erwaͤgung ziehen moͤgen, ob nicht Maßregeln zu entwerfen seyen, welche, waͤhrend sie einerseits jede Beschwerde beseitigten, die diejenigen fuͤhren, die von der Lehre oder der Dis⸗ ciplin der bestehenden Kirche abweichen, andererseits auch von allgemeinem Vortheil fuͤr das ganze Land waͤren.“

„Eine schleunige und zufriedenstellende Rechtspflege ist die erste und geheiligtste Pflicht eines Souverains; Ich empfehle Ihnen daher, ernstlich in Erwaͤgung zu ziehen, ob nicht zu die⸗ sem großen Zwecke in einigen Justiz Departements, und besonders in dem Kanzlei⸗Gerichtshofe, bessere Bestimmungen zu treffen seyen.“

„Ich hege das Vertrauen, daß Sie im Stande seyn wer⸗ den, eine gerechte Schlichtung der Irlaͤndischen Zehnten⸗Frage nach solchen Grundsaͤtzen zu bewirken, die endlich dazu gereichen duͤrften, Eintracht und Frieden in jenem Lande herzustellen.“

„Sie sind bereits im Besitze des Berichtes der zur Unter⸗ suchung des Zustandes der Irlaͤndischen Munizipal⸗Corporatio⸗ nen ernannten Kommission, und Ich hege die Hoffnung, daß es Ihnen moͤglich seyn werde, jedem Fehler und Uebelstande, der in jenen Instituten nachgewiesen worden, nach denselben Prinzi⸗ pien abzuhelfen, die den, den gleichen Gegenstand betreffenden Gesetzen fuͤr England und Schottland zum Grunde gelegt worden.“

„Ein weiterer Bericht der Untersuchungs⸗Kommission in Bezug auf den Zustand der aͤrmeren Klassen Meiner Untertha⸗ nen in Irland wird Ihnen baldigst vorgeleat werden. Sie wer⸗ den diesen Gegenstand mit derjenigen Vorsicht behandeln, die von seiner Wichtigkeit und Schwierigkeit etheischt werden; auch kann die Erfahrung von dem heilsamen Erfolg der verbesserten Armen⸗ Gesetze in England und Wales Ihre Erwaͤgung in vielen Be⸗ ziehungen unterstuͤtzen.“

„Ich vertraue auf Ihre Klugheit und Weisheit, so wie auf Ihren Entschluß, die Gesetze und Institutionen des Landes eben so wohl aufrecht zu erhalten, als zu verbessern. Ich lege jene Fragen der innern Politik, die Ihnen vorzutragen Ich fuͤr Meine Pflicht gehalten, in Ihre Haͤnde, mit der Ueberzeugung, daß Sie dieselben so behandeln werden, daß durch Foͤrderung der Religion und Moralitaͤt Meines Volkes das Gluͤck und der Wohlstand desselben vermehrt werden.“

Oberhaus. Sitzung vom 4. Februar. Nachdem der Koͤnig die Thron⸗Rede verlesen und sich entfernt hatte, vertagte das Haus sich auf ein paar Stunden, und als es wieder zu⸗ sammenkam, erhob sich sogleich der Herzog von Leinster und brachte die Antworts⸗Adresse auf die Thron⸗Rede in Antrag, die bekanntlich immer nur ein reiner Wiederhall derselben ist, wenn kein Amendement angenommen wird. Der Redner lobte, als Irlaͤnder, vorzuͤglich die Stellen der Rede, die sich auf Irland bezo⸗ gen, und sprach die Hoffnung aus, daß die dortige Kirche reformirt, daß fuͤr die Armen des Landes gesorgt und daß besonders die Ein⸗ richtung der staͤdtischen Corpokationen auf denselben Fuß, wie in England und Schottland, gesetzt werden wuͤrde. Der Graf v. Burlington, ein noch junger Mann, der in England große Guͤter und viel Einsluß besitzt, unterstuͤtzte den Antrag. Der Herzog von Wellington aber gab zwar im Allgemeinen der Adresse seine Zustimmung, und bedauerte unter Anderem, daß die Englische Marine jemals von der Staͤrke, zu der sie jetzt, wie er glaube, wieder emporgehoben werden solle, heruntergebracht worden sey, tadelte jedoch denjenigen Theil der Thron⸗Rede und Adresse, welcher Irland eine Corporations⸗Reform nach eben den Grundsaͤtzen, wie die, wonach die Eng⸗ lische und Schottische Munizipal⸗Reform ausgefuͤhrt wor⸗ den, verheißt. Er schlug in dieser Beziehung folgendes Amen⸗ dement vor: „daß das Oberhaus unverzuͤglich zu der Erwaͤgung aller etwanigen Maͤngel oder Uebel (in dem Irlaͤndischen Muni⸗ zipal⸗Wesen) schreiten werde, um diejenigen Abhuͤlfemittel anzu⸗ wenden, wodurch gerechten Beschwerden begegnet und eine un⸗

parteiische Ausuͤbung der Gerechtigkeit gesichert werden koͤnnte“, in⸗

dem er es als ganz ungebraͤuchlich bezeichnet, daß der Souverain, wie es in der Thron⸗Rede geschehen sey, den besonderen Grundsatz an⸗ deute, nach welchem eine Maßregel dem Parlamente vorgeschlagen werden solle. Lord Melbourne versicherte zwar, daß Ihre Herrlichkeiten sich durch jenen Ausdruck in der Thron⸗Rede und in der Adresse nicht gebunden zu fuͤhlen brauchten, indeß der groͤßte Theil der Versammlung zeigte sich mit der Ansicht des Herzogs einverstanden; namentlich unterstuͤtzten der Graf von Winchilsea und Lord Wharneliffe das Amendement. Der Erstere behauptete unter Anderem, daß an dem ganzen politi— schen Horizonte Englands nicht ein einziger heller Fleck zu sehen sey. Der Marquis von Lansdowne erklaͤrte darauf, daß er und seine edlen Freunde, um die Einmuͤthigkeit nicht zu stoͤren, sich in das Amendement fuͤgen wollten, indem sie jedoch dagegen protestiren muͤßten, daß dies etwa so angesehen wuͤrde, als ob sie fuͤr Irland den Grundsatz der Englischen Munizipal⸗ Reform⸗Bill aufzugeben bereit waͤren. Die Adresse wurde dem⸗ nach mit der von dem Herzoge von Wellington beantragten Ver⸗ aͤnderung angenommen.

Unterhaus. Sitzung vom 4. Februar. Der Sprecher eroͤffnete die Sitzung um 4 Uhr, und nach einigen unbedeuten⸗ den Verhandlungen wurde die Debatte uͤber die Adresse als Ant⸗ wort auf die Thron⸗Rede eroͤffnet. Sir John Wrottesley machte den Antrag, und Herr Parker unterstuͤtzte ihn. Sir Robert Peel, der hierauf das Wort nahm, erklaͤrte sich mit vielen Punkten der Adresse einverstanden, widersetzte sich aber der dem Hause, wie er sagte, darin gemachten Zumu⸗ thung, daß es sich in Bezug auf die Munizipal⸗Reform in Irland im voraus verpflichten solle, und beantragte in dieser Hinsicht ein ganz aͤhnliches Amendement, wie das von dem Herzoge von Wellington im Oberhause in Vorschlag ge⸗ brachte. (S. Oberhaus.) Lord John Russell widersetzte sich diesem Amendement und behauptete, das Unterhaus muͤsse, da es sich durch sein Votum in der letzten Session in Betreff der Corporations⸗Reform zu dem Grundsatze verpflichtet habe, die Corporationen unter die bestaͤndige Kontrolle des Volks zu stellen, auch nun die Erklaͤrung abgeben, daß derselbe Grund⸗ satz auf Irland ebenfalls angewandt werden solle, denn wenn man sich mit der vagen Erklaͤrung der Tories begnuͤgen wollte, daß Irland Gerechtigkeit werden solle, in dem Sinne, wie sie das Wort verstaͤnden, so wuͤrde das Unterhaus sich nur laͤcherlich machen und die Hoffnungen Irlands ganz und gar vernichten. Er erinnerte auch Sir R. Peel daran, daß dieser selbst, als er von der Stadt London das Buͤrgerrecht empfangen, zu den Buͤrgern gesagt habe, daß sie ihren katholischen Bruͤdern freundlich die Hand reichen und alle zeligioͤse Unterschiede im buͤrgerlichen Leben aufheben muͤßten. Lord Stanley unter⸗ stuͤtzte das Peelsche Amendement aufs eifrigste. Lord Howick meinte, es werde ja keine andere Verpflichtung von dem Hause gefordert, als die, daß es nach den Grundsaͤtzen der Verfassung handeln wolle, und er glaubte, daß man in Irland, wo ein Mann, wie Herr O' (Tonnell, einen so großen Einfluß be⸗

sitze, die Constitution nicht zu einem todten Buchstaben mach der 6

duͤrfe. Nach ihm erhob sich Lord Dudley Stuart besonders auf die auswaͤrtigen Angelegenheiten wendete und 9 Meinung aͤußerte, daß die Minister ihren Entschluß, das E 1 paͤische Gleichgewicht, Rußland gegenuͤber, aufrecht erhalten wollen, in der Thron⸗Rede deutlicher haͤtten aussprechen solln

indem er zugleich auf den 16ten Februar eine Motion zu 88

sten der Polen ankuͤndigte. Lord Palmerston erwiede hierauf, daß aus dem Schweigen der Thron⸗Iede üh die Orientalischen Angelegenheiten und uͤber Polen keineswe der Schluß zu ziehen sey, als ob der Regierug eine Verletzung derie stehenden Traktaten gleichguͤltig waͤre. Er wies auf frü Thron⸗Reden hin, um das Gegentheil zu beweisen, und 19 cherte, daß die Minister in diesem Punkte noch ganz thae daͤchten, wie fruͤher, daß sie es aber nicht fuͤr noͤthig gehaln dies in der diesjaͤhrigen Thron⸗Rede noch einmal zu wiedett len, weil in dem Stande der auswaͤrtigen Angelegenheiten 1 mentlich der Orientalischen, nichts vorgefallen sey, 1n sie dazu haͤtte veranlassen koͤnnen; er hoffte vielmehr versichtlich, daß der Friede jetzt besser als je⸗ begrüng sey. Nachdem sich sodann noch Herr Hardy, Oberst 808 thorp und Herr Shaw fuͤr das Amendement, Herr ge und Herr O'(Connell aber dagegen hatten vernehmen lst/ wurde zur Abstimmung daruͤber geschritten, und es ergabase fuͤr die urspruͤngliche Adresse 284 Stimmen gegen dieselbe B1“

G 4 wurmm also eine Majoritaͤt von.. 41 Stimmen zu Gunsten der Minister und gegen das Ang

dement. Die Adresse wurde danach unveraͤndert angenomma

London, 5. Febr. Ihre Majestaͤten kamen vorgestern ig Brighton hier an, und der Koͤnig hielt im St. James⸗Put eine Geheime⸗Raths⸗Versammlung, in welcher die Anordnung in Bezug auf die Eroͤffnung des Parlaments beschlossen wutz Auch genehmigten Se. Majestaͤt die neue Sheriffs⸗Liste und, ließen zwei Proclamationen, wovon die eine die Ausgabe ein neuen Silbermuͤnze, 4 Pence an Werth, und die andere die d theilung von Prisengeldern fuͤr Beschlagnahmen im Sklavenge del anbefiehlt. Dann war Cour bei Sr. Majestaͤt. Der e tugiesische Gesandte, Baron del Torre de Moncorvo, der Tie sche Gesandte, Nuri Esfendi, begleitet von dem Orientaliste Dolmetscher, Herrn Salame, und der Saͤchsische Gesandte, Hn von Gersdorff, hatten Audienzen beim Koͤnige und uͤberrrictn Sr. Majestaͤt Schreiben von ihren Souverainen. Der Puas⸗ lianische Gesandte, Herr Galvao, und der mit einer außerng, dentlichen Mission von der Brasiltanischen Regierung beauftegn Marquis von Barbacena uͤberreichten darauf dem Koͤnige ihte Beglaubigungsschreiben. Lord Melbourne stellte Sr. Mifest den Oberst Loith Hay vor, dem der Koͤnig die Ritterwͤrde ver⸗ lieh. Gestern Mittag, kurz vor zwei Uhr, begaben sich Se. Mo jestaͤt vom St. James⸗Palast nach dem Oberhause. Da t stark regnete, so hatte sich keine große Volksmenge versamme um den Zug mit anzusehen. Ihre Majestaͤten gedenken a Montage wieder nach Brighton zuruͤckzukehren; die Brighn Gazette meint jedoch, daß die Minister sich vielleicht in e Lage versetzt sehen moͤchten, welche ein laͤngeres Verweilen Koͤnigs in London noͤthig machen koͤnnte, und daß die Hyis tung Sr. Maj. fuͤr einen solchen Fall schon die erforderle Instructionen erhalten habe.

Die ministeriellen Blaͤtter triumphiren uͤber die gestrige stimmung im Unterhause. Der Globe meint, es koͤnne nun Jeder selbst urtheilen, ob seine Vermuthung, daß die Staͤrten Liberalen im Unterhause sich vermehrt habe, richtig gemt sey. Die Behauptung einiger Tory⸗Blaͤtter, daß die Aöhes mung sich anders gestaltet haben wuͤrde, wenn nicht von dert servativen Seite noch viele Mitglieder abwesend gewesen win bestreitet der Globe und nennt vielmehr 7 Liberale, die Hen St. Barry, Dr. Baldwin, Gisborne, Oberst Butler, son, Callaghan und Sir R. Musgrave, die zu soitit Unterhause angekommen seyen, um noch mitstimmen zu käömm und die daher die Majoritaͤt fuͤr die Minister noch um 7 Siin men vermehrt haben wuͤrden, so daß man dieselbe fuͤr sezt au 50 Stimmen schaͤtzen koͤnne. Das genannte Blatt mennt, doh von Sir R. Peel zu der Adresse vorgeschlagene Amendement welches sich auf die Irlaͤndische Munizipal⸗Reform besog, hat den Zweck gehabt, die katholischen Einwohner der Irläͤn. schen Staͤdte von der Verwaltung der Orts⸗Angelegenheiten aus zuschließen. Der Courier behauptet, Sir R. Peel habe schli wider seinen eigenen Willen, und nur dem Gebot Utt Partei gehorchend, das Amendement zu der Adresse vorgate gen, denn im Anfange seiner Rede habe er die Thron⸗Rede die Adresse im Allgemeinen gebilligt; erst als das Resultat Debatte des Oberhauses und die dort erfolgte Annahmt de vom Herzoge von Wellington vorgeschlagenen Amendemen durch Herrn Roß dem Unterhause mitgetheilt worden st habe der Baronet seinen Ton veraͤndert und wahrschen geglaubt, daß nun auch das Unterhaus seinem Amenl ment beistimmen werde, sonst waͤre er vielleicht gar lc damit hervorgetreten. Eben dieses Blatt versichert alch daß O' Connell von dem Unterhause sehr beifaͤllig enpsinan worden, und daß es seiner Rede mit der groͤßten Aufmetsme, keit zugehoͤrt habe. Schließlich hebt das genannte Blatt eca ders noch den Umstand hervor, daß Lord Stanley, Sir In Graham und ihre Partei, die an Staͤrke gewaltig verloren 5 nun entschieden feindselig gegen die Minister aufgetreten seagg und ihren Platz auf der Oppositions⸗Seite des Hauses genor men haͤtten, so daß es nun keine schwankende oder neunn Stanleysche Partei mehr gebe, sondern nur noch g etwa aus fuͤnf Stimmen bestehende Stanleysche Tory⸗Secn „Der Anhang Lord Stanley's,“ sagt der Courter weiterhg „besteht aus den bekannten Schottischen Wetterfahnen d1g Sinclair, Sir A. Agnew, Herrn Plumptree und Sir Fane Graham, wenn dieser im Hause anwesend ist; aber die Na Moseley, YNoung, Stewart, Robinson und Andere finden nicht mehr auf seiner Liste; denn diese Letzteren haben ge mit den Ministern gestimmt.“ „Gelen

Die Polnischen Fluͤchtlinge in England haben bei Ge 8” heit der Eroͤffnung der Parlaments Session eine Adresse 1 Britische Nation gerichtet, die sie durch die Zeitungen oͤffentlichen. .“ . An

Der Globe sagt: „Wir koͤnnen keine hinreichende n h ritaͤt fuͤr die Geruͤchte auffinden, die in Betreff einer baldige 98 deutenden Verstaͤrkung unserer Marine im Umlauf sind, Ha sonders fuͤr die naͤheren Einzelnheiten, die daruͤber ver Iac Indeß koͤnnen wir versichern, daß die Regierung von 1eec wendigkeit, diesen Dienstzweig in gehoͤrigem Zustande zu n - vollkommen durchdrungen ist; und diejenigen Kapitalätennsg Kaufleute, auf deren Geschaͤfte die auswaͤrtige Poliut ang hat, koͤnnen glauben, daß das Benehmen unserer Verwa fen dieser Hinsicht den festen Entschluß kundgeben wird, keine

19,

welche damals nur eine

ngriffe auf die Unabhaͤngigkeit einer mit England verbuͤndeten Nacht zu dulden.“

Eben dieses Glatt meldet, daß die Argentinische Repu⸗ lit eine Kommission ernannt habe, um mit dem Britischen Ge⸗ indten in Buenos⸗Ayres uͤber die Abschließung einer Conven⸗ on gegen den Sklavenhandel zu unterhandeln.

Der große Wechselmaͤkler und nahe Verwandte des Herrn on Rothschild, Herr Montesiore, der sich zum mosaischen Glau⸗ en bekennt, ist mit 32 gegen 20 Stimmen zu einem der Gou⸗ erneure des Christ⸗Hospitals gewaͤhlt worden.

Die Nachrichten aus Lissabon reichen bis zum 23. Ja⸗ var, enthalten jedoch nichis von Wichtigkeit, außer daß die Ppannung zwischen der Koͤnigin und der Kaiserin taͤglich groͤßer

jrde. her; Courier hat heute eine Mittheilung aus Vittoria 22. Januar erhalten, die aus guter Auelle kommen soll, der aber von den Operationen der Evansschen Brigade in den hefechten am 16. und 17. gar keine Rede ist. (S8. den Art. panien.) Das genannte Blatt glaubt daher, die Englischen büͤlfstruppen moͤchten so placirt gewesen seyn, daß sie wenig ber gar nichts dabei zu thun gehabt, außer der Algterischen Le⸗ ion, als dieselbe angegriffen wurde, zum Stuͤtzpunkt zu dienen. Has schlechte Wetter und die Hindernisse, welche Cordova auf dem lin⸗ n Fluͤgel bei seinen Operationen gefunden, meint der Courier, ünten den rechten Fluͤgel am Vorruͤcken verhindert und den Eng⸗ andern nichts weiter zu erwagen gegeben, als die Strenge und ufteundlichkeit der Jahreszeit, worauf sie in ihre Quartiere zu⸗ ickgekehrt seyen.

Dasselbe Blatt theilt ein von dem Baron Haber in date an den Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten des Don Carlos, Herrn Cruz Mayor, gerichtetes Schreiben mit vergl ebenfalls Spanien), aus welchem hervorgeht, daß den Berwendungen desselben vorzuͤglich die Milderung des fruͤher don Don Carlos mit Bezug auf die gegen seine Armee dienenden Ausaͤnder erlassenen Dekrets zu verdanken ist, wofuͤr der Cou⸗ ier ihm die vollste Anerkennung widerfahren läßt, indem er hin⸗ uüslgt, daß Herr von Haber schon waͤhrend seines Aufenthalts

England großes Bedauern uͤber jenes Dekret geaͤußert habe.

Aus Texas ist uͤber Charleston die Nachricht hier einge⸗ angen, daß die Texianer die Stadt San Antonio eingenommen aben. Der General Cos soll in dem Treffen geblieben seyn.

n den Charlestoner Zeitungen befindet sich auch das Geruͤcht, daß der Konsul der Schweiz in Mexiko in seinem Bett ermor⸗ et worden sey, und daß dort die groͤßte Erbitterung gegen alle Auslaͤnder herrsche.

Im heutigen Boͤrsen⸗Bericht des Globe heißt es: „Die gsstern von Sr. Majestaͤt gehaltene Thron⸗Rede scheint allge⸗ nein mit großer Zufriebvenheit aufgenommen worden zu seyn. An der Fonds⸗Boͤrse betrachtete man sie als das guͤnstigste Do⸗ ument dieser Art, das seit mehreren Jahren erschienen, und die fonds gingen daher auch bedeutend in die Hoͤhe. Consols stie⸗ en um ½ pCt. gegen die gestrigen niedrigsten Notirungen.“

London, 5. Febr. Der Koͤnig hat gestern das Parlament neigener Person eroͤffnet, und es freut mich, Ihnen melden zu oͤnnen, daß, trotz aller Andeutungen der Journale, die Eroͤff⸗ ungsrede durchaus nichts enthaäͤlt, was einen aufgeklaͤrten und noarteiischen Freund der Kirche und der Monarchie beunruhigen oͤnnte, wenn ihn anders das, was schon in der vorigen Session don den Ansichten des Ministeriums bekannt war, nicht bereits pit Besorgnissen erfuͤllt hat. Sie giebt Punkt fuͤr Punkt alle hie Reformen an, die das Ministerium vorzuschlagen gedenkt, und die faf ohne Ausnahme dieselben Gegenstaͤnde und Institutionen hetreffen, die auch Peel zu resormiren versprochen hat. Die wich⸗ igste Ausnahme davon ist das Irlaͤndische Staͤdtewesen; und jerbei machten die Tories in beiden Haͤusern keine Einwen⸗ bung gegen die Sache selbst, sendern nur dagegen, daß man im Voraus denselben Maßstab vorschreiben wollte, wonach dieselben Institute in England und Schottland reformirt worden sind. Auch üratten sie in beiden Haͤusern ihre Opposition auf diesen Punkt und schlugen vor, die Klausel in der Adresse (welche bekanntlich

nur immer ein Wiederhall der Thron⸗Rede ist) dahin zu veraͤn⸗

dern, daß das Parlament an kein besonderes Prinzip gebunden

wuͤrde. Da die Minister natuͤrlich im Voraus wußten, daß ihre Wi⸗

dersetzlichkeit im Oberhause nichts fruchten wuͤrde, und es zu allen

Zeiten das Bestreben der Regterung ist, solche Adressen, wo nur ummer moͤglich, einstimmig zu vottren, so ließen sie die Veraͤnde⸗

rung geschehen. Im Unterhause aber hielten sie es der Muͤhe werth, ihre Stärke zu versuchen, und weigerten sich daher stand⸗ haft, Sir Rob. Peei's Amendement zuzulassen, obgleich derselbe sich große Muͤhe gab, sie zu bereden, es handle sich bloß um eine Foͤrmlichkeit. Sie konnten hier um so weniger nachgeben, als Lord Stanley die Partie der Tories nahm, und er sowohl als Herr Shaw deutlich blicken ließen, daß man wirklich das prinzip bekaͤmpfe, indem man den Irlaͤndischen Staͤdten nicht die⸗ selbben Rechte zugestehen wolle, wie den Britischen, weil sie solche ge⸗ gen die Protestanten gebrauchen wuͤrden. Unmirtelbar also kamen die Grundsaͤtze in's Spiel, welche vorzuͤglich die beiden Parteien trennen, naͤmlich ob irgend ein Theil der Nation, seines Glau⸗ bens wegen, eine buͤrgerliche Zuruͤcksetzung erlerden duͤrfe oder nicht, und somit auch die Frage, welche unmittelbar Peel's Mi⸗ nisterium stuͤrzte. Die Entscheidung war also fuͤr die Minister von der groͤßten Wichtigkeit, und das Resultat, welches ihnen eine Mehrheit von 41 Stimmen gab, mußte ihnen selbst uͤber⸗ raschend seyn, da von Seiten der Tories so uͤbermaͤßige Anstren⸗ gungen gemacht worden waren, damit ihre Anhaͤnger an diesem ersten Tage recht vollzaͤhlig erscheinen sollten. Freilich waren noch immer nicht so viele da, als bei den Abstimmungen uͤber die beruͤhmte Appropriations⸗Klausel; dennoch ist es fuͤr die To⸗ 166 ein uͤbles Zeichen, daß, bei all' ihrem Gewinn bei den neu⸗ ichen Wahlen, das Verhaͤltniß sich zum Vortheile der Whigs, 1ae;. eine Mehrheit von 33 hatten, verbessert . Es ist demnach klar, daß es noch immer dem

erhause uͤberlassen bleibt, den Kampf fuͤr die Tories auszu⸗ segten; und da die Minister, ihren Ankuͤndigungen nach, ihre kaßregeln schon vom nächsten Montage an schnell hinter ein⸗ ander ins Unterhaus bringen werden, so wird jenes bald Gele⸗ genheit finden, wenn es solches fuͤr gut findet, sich mit diesem in Collision zu setzen. Die Minister werden freilich ihr Moͤg— lichtes thun, das Unterhaus zu bewegen, wenn es nicht alles er⸗ langen kann, immer mit einem Theil vorlleb zu nehmen, und 88 Lords werden ohne Zweifei wenige Bills gaͤnzlich verwerfen; 98 groͤßte Schwierigkeit aber wird sich eben in der Corpora⸗ kans⸗Reform zeigen, da O Connell entschlossen scheint, sich mit keinem geringeren Maaß fuͤr sein Vaterland zu begnuͤgen, als b beiden Britischen Koͤnigreichen bewilligt worden ist. Was das Ausland „Hvetrifft, so ist die Koͤnigliche 3 ee Kemlich der des Koͤnigs der Franzosen aͤhnlich, und 8 heflangt⸗ Vermehrung der Sermacht wird lediglich * Rothwendigkeit, unserem Seehandel mehr Schutz zu ge⸗

179 waͤhren, zugeschrieben. Die Tuͤrkische Frage, so wie die Polni⸗ schen Angelegenheiten, wurden natuͤrlich nicht dabei beruͤhrt, doch wurden dieselben im Unterhause von Lord Stewart zur Sprache gebracht, und Lord Palmerston, obgleich vorsichtig, zeigte sich in seiner Antwort doch weniger diplomatisch gewandt, als es die Franzoͤsischen Minister zu seyn schienen. Auch begnuͤgte sich das Haus damit und mit der Aussicht, sich uͤber diesen wichtigen Gegenstand in wenigen Tagen, wo Lord Stewart solchen foͤrm⸗ lich vorbringen will, vollstaͤndiger auszulassen, und die Adresse schweigt daruͤber. Diese kluge Maͤßigung scheint auch von allen Seiten erwartet worden zu seyn, indem selbst die schon vor ein paar Tagen laut gewordene Nachricht, daß die Regierung auf eine Vermehrung von § 10,000 Seeleuten antragen wuͤrde, fast gar keinen Einfluß auf die Stocks aͤußerte. Den Ministern wird sowohl ihr gestriger Sieg, als auch der Umstand, daß ihre Gegner keinen andern Punkt zum Angriff auf sie finden konnten, als den herausgehobenen, welcher, wie sie selbst behaupten, nur eine Foͤrmlichkeit betraf, von großem Nutzen seyn. Daß 4 oder 5 Mitgjieder, welche es sonst mit Lord Stanley zu halten pflegten, diesmal fuͤr sie gestimmt haben, ist nicht zu uͤbersehen. 8

Niederlande.

Amsterdam, 6. Februar. Im Staats⸗Papier⸗Handel ging es diese Woche etwas lebhafter her wie die vorige, da außer in Spanischen Fonds, welche noch immer den Ton angeben, auch in Hollaͤndischen ein erheblicher Umsatz stattfand. Die bedeutenden Fluctuationen, welche Ardoin⸗Obligationen diese Woche zu Paris und vornehmlich zu Antwerpen erlitten haben, fanden hier zwar einigen Wiederklang, jenen Plaͤtzen, weil sich fuͤr die vom Auslande zum Verkauf eingegange⸗ nen Partieen mehrere Auftraͤge fuͤr inlaͤndische Rechnung vorfanden. Der Cours der Ardoin⸗Obligationen stand nach einigen Schwankungen auf 491116 à 5054 „Ct., als vorgestern die Nachricht eintraf, daß der Spanische Finanz⸗Minister die Cortes⸗Versammlung aufgeldst habe, und der Preis dadurch auf 4813⁄1 6 à 49776 pCt. gedruͤckt wurde; doch gestern erfuhr man, daß die Geruͤchte von den uͤblen Folgen jener Maßregel ungegruͤndet seyen, weshalb Ardoin⸗Obliga⸗ tionen der Bewegung an der Boͤrse zu Antwerpen wieder folgten und sich bis 40 ½ à 50 ⅛¼ pCt. erholten; die rigen Spanischen Schuld⸗Dokumente machten bei maͤßigem Umsatz die verschiedenen Abwechselungen mit; alte ausgesetzte Schuld wich von 19 1% auf 19 8 zuruͤck und blieb gestern 193 36 vCt., passive hatte 1613 ⁄16 er⸗ reicht, siel vorgestern auf 16 ½ und galt gestern 16 ½ pCt.; deterred hatte den hoͤchsten Stand mit 25 und wurde gestern zu 25 ½ pCt. abgelassen. Die unstaͤte Haltung der Spanischen Fonds blieb wie⸗ der nicht obne Einfluß auf die Hollaͤndischen Staats⸗Papiere, ob⸗ gleich der Handel in letzteren ziemlich animirt war; Integrale wech⸗ selten zwischen 55 ¾ und 55 ⁄¶ pCt., doch wurde gestern wieder 55111 pCt. bezahlt; 5Zproc. wirkliche Schuld variirte um ½ vCt. und blieb zuletzt 103 ¼ pCt.; Kanz⸗Billets behaupteten sich auf 24 ¾¼ à 78 Fl. Die Frage nach Actien der Handels⸗Gesellschaft, wovon uns selten Einige vorkommen, war diese Woche so dringend, daß dafuͤr allmaͤlig bis 127 ¾ pCt. angelegt worden ist. In den Prei⸗ sen von Russischen und Oesterreichischen Fonds, welche stets wenig Umsatz sinden, ist keine wichtige Veraͤnderung eingetreten; auch Suͤd⸗ Amerikanische Obligationen behaupteten sich bei geringem Umsatz. De- Geld⸗Cours steht auf 2 ½ pCt. bei Leihungen und 23 4 à 3 p Ct. bei Prolongations⸗Geschaͤften. Am Getraide⸗Markt blieb es sehr still, weil außer Verbrauchern sich keine Kaͤufer einfinden und die Inhaber von schoͤnem Weizen sich nicht zum Verkaufe draͤngen. Von inlaͤndischem neuen Weizen kamen mehrere Partieen vor, welche aber muͤhsam unterzubringen waren, so wie 131. 132. 136pf̃ünd. Groͤ⸗ ninger zu 170. 17⁄4. 186 Fl, 128.129 pfüͤnd. Seelaͤndischer zu 170. 172 Fl.; 125pfuͤnd. inlaͤndischer Roggen galt 144 Fl.

Belgien.

Bruͤssel, 5. Febr. Die Repraäsentanten⸗Kammer beschloß in ihrer Abend⸗Sitzung vom 2. Februar, daß das Per⸗ sonal am Bruͤsseler Gerichtshofe durch einen Praͤsidenten, zwei Raͤthe und einen General⸗Advokaten vermehrt werden solle, und fuhr in der Sitzung vom 3. Februar mit der weiteren Diskus⸗ sion des Budgets fuͤr die oͤffentliche Schuld fort. Am 4. Fe⸗ bruar wurde die allgemeine Berathung des Kommunal⸗Gesetzes begonnen. Herr Deschamps zeigte besonders die Nothwen⸗ digkeit, auf die erste Abstimmung zuruͤckzukommen, welche dem Koͤnige die Ernennung des Buͤrgermeisters, jedoch aus den Mit⸗ gliedern des Kommunal⸗Raths, zugesteht.

In der Sitzung vom Zlien beschaͤftigte sich der Senat mit 9 5 der Kommissionen Behufs Pruͤfung der verschiedenen

udget⸗

1C8I 8 G „Stuttgart, 4. Febr. Die Kammer der Abgeordneten be⸗ schaͤftigte sich heute mit dem Berichte des Ausschusses uͤber die Fassung und den Druck ihrer Protokolle, zu welchem der Umstand Veranlassungen gegeben, daß die Kammer der Standesherren, auf⸗

gefordert durch die Druck⸗Kosten des Landtages von 1833, welche

die Summe von 20,250 Fi. crreicht, in einer an die Kammer der Ab⸗ geordneten gerichteten Note ihre Absicht ausgesprochen, gleichem Aufwande fuͤr die Zukunft vorzubeugen, und das Ansuchen ge⸗ stellt hatte, die Beschluͤsse, welche die zweite Kammer in Absicht auf den Druck ihrer Verhandlungen fassen wuͤrde, ihr der 1sten Kam⸗ mer mitzutheilen. Der Bericht, von der Ansicht ausgehend, daß die in Druck gegebenen Verhandlungen der Staͤnde, namentlich die der Kammer der Abgeordneten, eine Ausdehnung erhalten häͤtten, welcher zu begegnen ernste Aufgabe der Staͤnde seyn muͤsse, ent⸗ hielt mehrere Vorschlaͤge zu Vereinfachung und Abkuͤrzung der Protokolle. Der erste derselben, dessen Richtung mit Weglassunz alles Außerwesentlichen dahin geht, die Hauptmomente einer De⸗ batte geordnet und noͤthigenfalls unter Verlassung der dialogisi⸗ renden Form in Brennpunkte zusammenzufassen, statt aͤngstlich daruͤber zu wachen, daß wortgetreu jede gewechselte Rede wieder⸗ gegeben werde, der also dem Ermessen der Secretaire allzuviel anheimzugeben schien, wurde nicht angenommen. Als Gruͤnde gegen denselben wurden angefuͤhrt, daß es keinen andern Richter uͤber die Worte eines Abgeordneten geben koͤnne, als die oͤffent⸗ liche Meinung, sie muͤßten ganz und unverkuͤmmert wieder ge⸗ geben werden, gesammelt seien sie als Protokolle Ehrensache der Kammer, weiche im Kostenpunkte keimen Maaßstab fuͤr ihre Kuͤrze oder Laͤnge suchen duͤrfe. Eben so wurden die Antraͤge dieses Berichtes auf weitere Vereinfachung durch Einschraͤnkung der namentlichen Auffuͤhrung der Abstimmenden und der nodifizirten Abstimmungen verworfen, dagegen angenommen, daß der Druck der Motionen kuͤnftig nur stattsinden solle, wenn auf den Antrag ei⸗ nes Mitgliedes der Kammer dieser in geheimer Stimmgebung beschlossen worden sey. Eben so ward der Antrag angenommen, daß Noten, Adressen, Reskripte uͤber einfache Legitimations⸗Ge⸗ genstaͤnde kuͤnftig aus den Protokollen wegbleiben sollten, und endlich auch derjenige, einen der Secretaire von der Redaction der Protokolle zu entbinden, denselben aber dagegen mit der Aus⸗ arbeitung der Beschluͤsse, Adressen, Noten und Antworten der Kammer zu beauftragen. Durch Aeclamation wird der Abg. Du⸗ vernop mit diesem Geschafte beauftragt. An seine Stelle sollte

f. s 5 8 8 2 —— si so wi verfassungsmaͤßige Eroͤffnung der Stände⸗Versammlung dar. doch waren sie lange so wichtig nicht, wie an lalahe dosealseis ffnung 9

nun ein neuer Secretair gewaͤhlt werden, um die Zahl sechs voll zu halten. Als die Wahl zu dieser Stelle, welche gewoͤhnlich als eine große Last betrachtet wird, auf den Abgeordneten Wiest gefallen, erklaͤrt derselbe sie nicht annehmen zu wollen, und zwar ohne Anfuͤhrung anderer Gruͤnde, als daß er schon in Kommis⸗ sionen gewaͤhlt sey, und voraussichtlich noch in eine neue gewaͤhlt werden wuͤrde. Von dieser Erklaͤrung, welche nicht in allzu ge⸗ waͤhlten Ausdruͤcken gegeben war, will die Kammer zuerst ganz Umgang nehmen, beschließt aber nach einer ziemlich tumultuarischen Scene, durch Abstimmung zu entscheiden, ob die Ablehnung des Abgeordneten Wiest anzunehmen sey. Als das Resultat dieser Abstimmung bejahend ausfaͤllt, schreitet sie zu einer neuen Wahl, in welcher der Abgeordnete Bauer zur Secretair⸗Stelle berufen wird. Auch dieser lehnt die auf ihn gefallene Wahl ab, wonach

der Abgeordnete Stahl sich freiwillig zu dieser Stelle erbietet, welches Anerbieten dankbar angenommen wird.

tuttgart, 5. Febr. Se. Koͤnigl. Majestaͤt empfingen gestern die Deputationen der beiden Kammern der gegenwaͤrtig versammelten Staͤnde des Koͤnigreichs, und zwar diejenige der Kammer der Standesherren Mittags 12 Uhr, diejenige der Kam⸗ mer der Abgeordneten Nachmittags 4 Uhr, um die in beiden Kammern votirte Dank⸗Adresse auf die Thron⸗Rede bei Eroͤff⸗ nung des gegenwaͤrtigen Landtages entgegen zu nehmen. Die Dank⸗Adresse der ersten Kammer, welche deren Praͤsident, der Fuͤrst zu Hohenlohe⸗Langenburg vortrug, ist folgenden Inhalts; „Eurer Koͤnigl. Maijestaͤt bringt die treu geborsamste Kammer der Standesherren ihren ehrerbietigsten Dank fuͤr die abermaltge

Sie glaubt denselben nicht besser bethaͤtigen zu koͤnnen, als wenn sie bei Berathung der ihr vom vorigen Landtage zuruͤckgebliebenen und noch neu einzubringenden Gesetzes⸗Entwuͤrfe, fest an der Verfassüng haltend, jedes bestehende Recht und jedes wahre Beduͤrfniß des gacl⸗ zen Landes, wie der einzelnen Staͤnde desselben, zu beachten strebt/ und so den gewohnten Gang auch diesmal vefolgt, den ihr ihre Stellung im Staate vorschreibt, und dessen Befolgung ihr schon fruͤher die sie uͤberaus begluͤckende Zufriedenheit Eurer Kbͤniglichen Majestaͤt erworben hat. Mit Dank und Freude vernahmen wir, daß die Ergebnisse der Finanz⸗Verwaltung zu ei⸗ nem bluͤhenden Zustande derselben gefuͤhrt haben, und die Beruͤck⸗ sichtigung außergewoͤhnlicher Staats⸗Beduͤrfnisse und Verwendun⸗ gen moͤglich machen werden, von welchen uns eine, einer Abgaben⸗ Verminderung gleichkommende, zugleich aber wohlhergebrachte Rechte und Verhaͤltnisse achtende Erleichterung der Landwirthschaft verhei⸗ ßen ist. So wie wir auch hier Eurer Koͤniglichen Maiestaͤt stets reger und gleicher Fuͤrsorge fuͤr das Wohl aller Klassen Ihrer Un terthanen aufrichtigst vertrauen, so versichern auch wir, daß wir sorgfaͤltig alle Beduͤrfnisse und Anspruͤche derselben erwaͤgen und beachten werden. Die Erweiterungen, welche das Gebiet des Deutschen Zoll-Vereins in den letzten Jahren erlangt hat, und die vereits in ihren wohlthaͤtigen Folgen empfunden werden, sind der schoͤnste Lohn fuͤr die standhaften Bemuͤhungen, welche wir Ew. Koͤntglichen Majestaͤt ehrerbietigst verdanken, und denen es ge lungen ist, die Hindernisse zu beseitigen, die dem Aufbluͤhen des all⸗ gemeinen Verkehrs, der Befoͤrderung der Gewerbe, des Handels und des Wohlstandes fruͤher entgegen traten, und mit deren Wegraͤumung wir dem Ziele eines festen Anschließens aller Staaten an die gute Deutsche Sache naͤher ruͤcken. Ihre Wuͤrttemberger genießen da⸗ durch alle Segnungen, welche bei Frieden von Außen Ihre vaͤterlich fuͤrsorgende Regierung ihnen zuzuwenden unablaͤssig strebt. Wie wir abermalen unsere Arbeiten mit Vertrauen auf dieselbe beginnen, so bitten auch wir Ew. Koͤnigliche Majestaͤt ehrerbietigst, uns das Ihrige schenken und erhalten zu wollen, und ersterben in tiefster Ehrfurcht Ew. Koͤniglichen Majestaͤt unterthaͤnigst⸗treugehorsamste Kammer der Standesherren.“

Se. Koͤnigl. Majestaͤt geruhten hierauf zu erwiedern:

„Empfangen Sie Meinen aufrichtigen Dank fuͤr das Vertrauen ind die Anhaͤnglichkeit an Meine Person, welche Sie Mir im Na men der Kammer der Standeshersen ausgedruͤckt haben. Die gluͤck⸗ lichen Verhaͤltnisse unserer Finanz⸗Verwaltung machten es Mir mog lich, für außerordentliche Staats⸗Beduͤrfnisse wie fuͤr Erleichterung der Abgaben eines Theils Meiner Unterthanen Antraͤge an die Staͤnde⸗Versammlung zu bringen. Beide empfehle ich Ihrer reifli chen Erwaͤgung mit allem Vertrauen in die Umsicht und guten Gesinnungen der Kammer der Standesherren. Unseren Deutschen Zoll⸗Verein sehe Ich, wie Sie, als ein gluͤckliches Ercigniß und das sicherste Mittel an, die Bande unserer verschiedenen Deutschen Voͤl kerstaͤmme immer enger und fester zu knuͤpfen, indem das Wohler— gehen unseres gemeinsamen Vaterlandes auf die Zufriedenheit un Einigkeit aller seiner Theile unerschuͤtterlich gegrauͤndet wird.“

Die Dank⸗Adresse der zweiten Kammer wurde gleichfalls von deren Praͤsidenten, dem Ober⸗Tribunal⸗Direktor, Freiherrn v. Gaisberg, vorgetragen. (S. unser gestriges Blatt) Se. Koͤntgl. Majestaͤt er viederten hierauf:

„Mit Wohlwollen und Vertrauen bin Ich Ihnen entgegenge kommen, in der festen Ueberzeugung, daß die Kammer der Abgeord neten die ihr uͤbergebenen Gesetz⸗Entwuͤrfe mit pflichtmaäͤßigem Eifer berathen wird. Meine nun neunzehnjaͤhrige Regierung buͤrgt Ihnen fuͤr die Grundsaͤtze Meiner Staats⸗Verwaltung, welche Ich, bei oft sehr schwierigen Verhaͤltnissen, unausgesetzt mit festem Wil⸗ len gehandhabt habe, und von welchen Ich Mir auch die gluͤcklich Zukunft unseres Vaterlandes verspreche““ 8

Die Tagesordnung fuͤhrte in der heutigen Sitzung der Kam⸗ mer der Abgeordneten auf die Wahl der Kommissionen. In die staatsrechtliche Kommission werden folgende 9 Mitgliteder gewaͤhlt: von Hufnagel mit 65 Stimmen, von Cotta 52, von Gmelin 51, von Probst 50, von Rummel 509, von Feuerlein 48 von Mosthaf 46, von Ow 41, Schott 39. (Weitere Stimmen erhielten: Fuchs 38, Uhland 29, Camerer 27, Pfizer

27, Roͤmer 26, Duvernoy 25.) Die Finanz⸗Kommission besteht aus 15 Mitgliedern: von Hufnagel 63, Rapp 58, Widenmann 56, Feuerlein 53, von Rummel 53, Rautter 53, Prälat von Maͤrk⸗ lin 51, Baͤrdili 51, von Gmelin 50, Freiherr von Hornstein 45, Camerer 45, Schoffer 44, von Mosthaf 43, Deffner 43, Dom Dekan von Jaumann 38. Praͤlat von Maͤrklin bittet um Dis pensation und erhaͤlt dieselbe. Fuͤr ihn tritt Freiherr von Ples⸗ sen in die Finanz⸗Kommission. Die Zoll⸗ und Handels Kommisston hat 7 Mitglieder: Deffner 73, Schultheß 48, Doͤr⸗ tenbach 47. Freiherr von Cotta 43, Kaiser 42, von Preyß 49, Klett 36 Stimmen. Sch wetz Liestal, 4ü. Febr. Der „Rauracher“ erzaͤhlt: „Laut Nach⸗ richten eines in Muͤhlhausen wohnhaften Basellandschaftlichen Buͤrgers wurden letzten Sonntag den 31. Januar saͤmmtliche Basellandschastliche Angehoͤrige daselbst, 49 an der Zahl, vor die Mairie gefordert, wo man ihnen aus Auftrag des Praͤfekrten an zeigte, baß sie bis den 1. Maͤrz Frankreich zu verlasfen haͤtten, und daß man diejenigen, die bis zu diesem Termin nicht das Land raͤumen, durch die Gendarmerie fortbringen werde. Von diesen 49 erhielten jedoch 8 aus besonderer Beguͤnstigung die Erlaubniß, zu bleiben.“ 8

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Rom, 23. J (Allg. Ztg.) Die Differenzen zwischen Neavel und Oesterreich, wegen des erhoͤhten Zolls auf Oester⸗

keichische Schiffe in den Reapolitanischen Haͤfen, dauern noch