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“ 8 8 .““ 8 ken, ats Verschwoͤrungen zu entdecken und Attentaten vorzubeugen.“ (Neues Murren auf den Baͤnken der Pairs.) Der Praͤfident: „Ich ermahne den Redner, in den Schranken der Vertheidigung zu bleiben. Er entfernt sich bestaͤndig von seiner Sache.“ Fieschi aͤu⸗ ßert mittlerweile eine lebhafte Unruhe; er steht auf, setzt sich aber gleich wieder, und man hoͤrt ihn mit gedaͤmpfter Stimme sagen: „Patorni, schweigen Sie!“ Herr Patorni fährt fort: „Man nimmt keine Ruͤcksicht auf sein Betragen seit 1830, sondern berechnet, wie viel er dem Schatze dadurch entzogen hat, daß er sich fuͤr einen politischen Verurtheilten ausgab. Herr Thiers, ein Minister, der mit dem Staats⸗Vermoͤgen bekanntlich sehr okonomisch umgeht, (Murren) findet wahrscheinlich, daß seine Verantwortlichkeit in An⸗ spruch genommen werden koͤnnte. Der Praͤsident: „Ich sehe mich genoͤthigt, Sie neuerdings darauf aufmerksam zu machen, daß dies der Vertheidigung Ihres Klienten ganz fremd ist.“ Herr Patorni: „Dies gehoͤrt allerdings zur Sache. Ich erzaͤhle, wie Fiescht zur Verzweiflung getrieben worden ist; ich veleidige Niemanden.“ Der Praͤsident: „Sie muͤssen die Achtung, die Sie den Beboͤrden schuldig sind, mit den Erfordernissen Ihrer Vertheidi⸗ gung zu vereinigen wissen. Berathen Sie sich mit Ihren Kollegen, ob diese glauben, daß die Sprache, die Sie fuͤhren, Ihrem Klienten nuͤtzlich seyn kann.“ Herr Chaix⸗d'Est⸗Ange: „Wir muͤssen dem Gerichte bemerklich machen, daß wir, Herr Parquin und ich, der Vertheidigungs⸗Rede des Herrn Patorni fremd sind. Wir haben es ihm uͤberlassen, zu erwaͤgen, was er zu Gunsten unsers Klieuten sa⸗ gen koͤnne. Herr Patorni. „FIch bin nicht bier, um meinem Klien⸗ en zu schaden“ Der Praͤsident: „Das wuͤrden Sie aber, wenn Sie in dem fruͤheren Tone fortfuͤhren. Erzaͤbken Sie die Thatsachen, ohne denselben eine fuͤr die Beboͤrde beleidigende Farbe zu geben. Sie greifen einen Minister an; Sie legen ihm eine Ver⸗ olgung zur Last, obgleich Sie wissen, oder wenigstens wissen soll⸗ ten, daß dergleichen Verfolgungen von der Justiz angeordnet wer⸗ den, und daß ein Minister sich denselben nicht in den Weg stellen kann. Streichen Sie aus Ihrem Plaidoyer, was nicht darin fie⸗ hen darf.“ Herr Patorni: „Unter solchen Umstaͤnden wird die ertbeidigung unmöglich. Ich will darthun, daß ein Mann, der der Regierung mit Gefahr seines Lebens gedient hat, nicht um ei⸗ ner Kleinigkeit willen den Gerichten denuncirt und mit lebenslaͤng⸗ licher Galeerenstrafe bedroht werden muß.“ Der Advokat setzte hierauf sein Plaidoyer fort, und suchte demnaͤchst zu beweisen, daß Fiescht, in Folge der traurigen Lage, in der er sich befunden, gleich⸗ sam geistesverwirrt geworden sey. „Wie dem aber auch sey,“ rief er aus, „was sehen Sie in Fieschi bis zu dem unseligen Augenblick seines Verbrechens? Einen treuen Diener der Regierung, der gluͤck⸗ lich gewesen war, und dem die Regierung sein Brod raubt, und mit den Galeeren drobt. Diesen Krieg auf Leben und Tod, den die Regierung einem Einzelnen erklärt, nimmt Fiescht an; er bereitet sich seinerseits dar⸗ auf vor. Es handelte sich darum, wer unterliegen sollte, der Einzelne oder die Regierung? (Unterbrechung.) Die Regierung waͤre bei⸗ nahe unterlegen, aber der Einzelne ist auf dem Schlachtfelde ver⸗ wundet (heftiges Murren) und zum Gefangenen gemacht worden Thor, der er war, zu glauben, daß ein einzelner Mensch eine Re⸗ gterung umstuͤrzen koͤnne, die an der Spitze von 32 Millionen Men⸗ schen steht. Auch im Fall des Gelingens waͤre er nothwendig das erste Opfer geworden. O, edle Pairs, Fiescht muß Ihnen allerdings Abscheu einsloͤßen; aber der Beweis seiner Geistesverwirrung wird Sie ohne Zweifel veranlassen, ihn dem Gesetze gemaͤß zu behandeln, welches auf die Schwaͤche der geistigen Faͤhiakeiten Ruͤcksicht nimmt. Und wie sollte ein Mann von Fleschi's Charakter nicht verruͤckt vor Widerwillen und vor Wuth geworden seyn, als er sah, daß ein Minister des Innern ihn wegen 230 Fr. verfolgte und auf die Galeeren schicken wollte!“ (Stuͤrmische Unterbrechung.) Zahlreiche Stimmen: „Genug, genug!“ Andere Stimmen: „Herr Chaix⸗d-Est⸗Ange! Herr Chaix⸗d'Est⸗Ange“ Herr Pa⸗ torni: „Das Verbrechen Fteschi's war ein Resultat der gegen ihn gerichteten Verfolgungen. Fieschi lebhaft: „Genug, Patorni, genug! Lassen Sie diese Frage unberuͤhrt!“ Herr Patorni sagte, nach einem abermaligen strengen Verweise des Praͤsidenten: „Ich habe es üͤbernommen, in meinem Plaidoyer zu beweisen, daß Fieschi durch das unpolitische Benehmen des Ministers des Innern zur Verzweiflung getrieben worden ist, und daß, waͤhrend man gegen Andere die Gesetze unausgefüͤhrt ließ, man mit unerklaͤrlicher Er⸗ bitterung einen Mann verfolgte, der so ergeben, so.. Fieschi, der sich schon lange Zeit die groͤßte Gewalt angethan hatte, um rubig zu bleiben, sieht ploͤtzlich auf, schlaͤgt sich mit den Haͤnden vor Brust und Stirn, und ruft mit lauter kretschender Stimme aus: „Haben Sie denn den Verstand verioren, Patorni? Horen Sie auf, lassen Sie meine anderen Vertheidiger sprechen!“ Der Praͤsident: „Ich will Ihnen beweisen, daß das Gericht ge⸗ neigr ist, eine Vertheidigung zu hoͤxen, aber eine Vertheidtgung, die sich schickt. Die Sitzung wird auf morgen verschoben. Ich hoffe, daß Sie bis dahin Ihr Manuskript durchsehen, und Alles ausstrei⸗ chen werden, was zu neuen Unterbrechungen Anlaß geben koönnte — Die Mitglieder des Gerichtz erhoben sich, und waren im Begriff, sich zu entfernen, als Ficschi noch das Wort verlangte. Man hoͤrt ihn wieder⸗ holentlich die Herren Caair:d Est⸗Ange und Parquin bitten, einige Worte zu sagen. Der Prasident: „Fieschi, was wollt Ihr sagen?“ Fieschi: „Ich bedaure es, daß mein Advokat und Landsmann Dinge gesagt hbat, die dem Gerichte mißfallen haben. Die Nacht wird ihn besser belehren, und ich hoffe, man wird ihn den uͤbrigen Theil seines Plaidoyers lesen lassen. Auch bitte ich das Gekicht, Herrn Chaix⸗d’'Est⸗Ange ein kurzes Gehoͤr zu schenken.“ Der Pra⸗ sident: „Wuͤnscht Herr Chaig⸗d'Est⸗Ange sogleich zu sprechen?“ Herr Chair⸗d’'Est⸗Ange: „Ich bin eigentlich gar nicht darauf vor⸗ bereiten, das Wort zu nehmen. Herr Patorni hatte die Vertheidi⸗ gung uͤvernommen, und Here Parquin sich der Replik unterzogen. Wenn indes das Gericht mir Gehoͤr schenken will, so bitte ich mor⸗ gen um eine Viertelstunde.“ — Die Sitzung wird aufgehoben. Die Sitzung vom 11. Februar erdffnete sich auf eine sehr interessante Weise, indem Pepin am Morgen in Gegenwart des Praͤ⸗ sidenten einige Gestaͤndnisse gemacht hatte. Er hat eingeroͤumt, daß er dem Boireau zu dem pielvesprochenen Spazierritt siin Pferd ge⸗ liehen, aber nicht gewußt habe, zu welchem Zwecke. „Fievcht und Boireau seyen einverstauden, ihn ins Verderben zu stuͤrzen. Boi⸗ reau, erbittert uͤber diese Erschwerung seiner Lage, machte nun auch im Laufe der Sitzung noch weitere Gestaͤndnisse. Wir behalten uns, wegen Mangels an Zeit, eine ausfuͤhrlichere Mittheilung zu mor⸗ gen vor.)
Paris, 11. Februar. Gestern wurde der Graf Molé von dem Koͤnige empfangen, der darauf nach einander mit den Her⸗ ren v. Broglie, v. Argout, Guizot, Thiers und Duchaͤtel arbei⸗ tete. Um 4 Uhr hatte wieder der Fuͤrst v. Talleyrand eine Un⸗ terredung mit Sr. Majestaͤt. Bald darauf verbreitete sich das Geruͤcht, daß die Herren Dupin, Passy und Sauzet auf heute Mittag abermals zum Koͤnige beschieden worden waͤren. So viel ist gewiß, daß bis gestern Abend noch nichts beschlossen war.
Die Regierung hat gestern durch den Telegraphen von der neuesten Botschaft des Praͤsidenten Jack on Keuntniß erhalten. Die betreffende Depesche des diesseitigen Botschafters in London, datirt vom 9. Februar um 2 ½ Uhr Morgens, lautet also: „Der Praͤsident Jackson hat am 19. Januar an den Koagreß eine Botschaft erlassen, worin er die Annahme eines Gesches anem⸗ pfithit, das den Franzoͤsischen Fahrzeugen die Amerikanischen Haͤ⸗ fen verschließt.“ — Ueber den Einfluß, den diese unerwartete Nachricht auf das Schicksal der doctrinairen Partei ausuͤben dürfte, ist man hier getheilter Meinung. Einige glauben, dag die von dem Praͤsidenten Jackson in seiner Botschaft aufgedeck⸗ cen angeblichen Mißgriffe des Broglieschen Ministeriums den Wie⸗ dereintritt der Doctrmarrs in das Kabinet unmoͤglich machten; An⸗ dere sind dagegen der Ansicht, daß jene Botschaft gerade umgekehrt den Do 1 5 ch seyn toͤnne, da sich
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nunmehr die Vern⸗ I.
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haͤltnisse mit den Vereinigten Staaten durchaus nicht in einer Weise gestalteten, daß eine Reduction des Zinsfußes der Rente schon jetzt als rathsam erscheinen koͤnne. Das Journal des Döbats aͤußert sich folgendermaßen: „Wir sind zwar weit ent⸗ fernt zu glauben, daß der Kongreß auf den Antrag des Praͤsi⸗ denten eingehen sollte; vielmehr vertrauen wir auch jetzt noch der Einsicht des Kongresses und dem heilsamen Einflusse der Vermittelung Englands, daß es zu einem entschiedenen Bruche, der von der ganzen civilisirten Welt gemißbilligt werden wuͤrde, nicht kommen werde; indessen erheischt doch unsere Pflicht, auf alle Dinge gefaßt zu seyn. Wir wußten nicht, daß wir so wahr sprachen, als wir noch vor wenigen Tagen auf die Gefahren hinwiesen, die uns moͤglicherweise in unserem sichern Zustande uͤberraschen koͤnnten, der noch zu neu und zu ungewiß ist, um schon so rasch discontirt werden zu koͤnnen.“
Der Schiffs⸗Capitain von Choisy ist statt des Herrn Jube⸗ lin, der Kraͤnkuchkeits halber nach Frankreich zuruͤckkehren muß, zum Gouverneur des Franzoͤsischen Guiana ernannt worden.
Das Wahl⸗Kollegium zu Paimboeuf im Dept. der niedern Loire hat statt des aus der Kammer ausgeschiedenen Herrn Maös den ministeriellen Kandidaten Herrn Leray mit 71 gegen 26 Stim⸗ men, die sein Mitbewerber Herr Armand Carrel erhielt, zum Deputirten gewaͤhlt. Den neuesten Nachrichten von der Spanischen Gräͤnze zufolge, besand sich das Hauptquartier des Don Carlos auch am 2ten d. nech in Onate; am 31. Januar waren mehr als 150 Personen hoͤheren Ranges zum Handkusse zugelassen worden. Der Ober⸗Befehlshaber Graf von Casa⸗Eguia hat dagegen, auf den Grund der Bemegungen des Feindes, sein Hauptquartier von Escorjaza nach Durango verlegt, um einerseits die Belage⸗ rung von Lequeitio zu decken, andererseits aber sich den Ufern des Ebro mehr zu naͤhern. Der General Cordova hat seine Streit⸗ kraͤfte in drei Kolonnen getheilt, wovon sich die eine nach Castilien, die andere uͤber Logrono nach Navarra und die dritte nach Biscaya gewandt hat. Andererseits ist auch bereits die Vorhut des nach Neu⸗Castilien bestimmten Karlisten⸗Corps unter Anfuͤhrung eines gewissen Batanero, Ad⸗ jutanten Merino's, in jene Previnz vorgedrungen. Nachstehen⸗ des ist der amtliche Bericht, den der General Ituralde hieruͤber an den Kriegs⸗Minister erstattet hat: „Im Hauptquartiere zu Dicastillo den 31. Januar. Vorgestern mit einbrechender Nacht traf die nach Neu⸗Castilien bestimmte Kolonne aus Mendavia in Los Arcos ein. Der Uebergang uͤber den Ebro fand um 1 Uhr Morgens statt. Nachdem die ersten Reiter und Infanteristen, welche die Vorhut bildeten, am jenseitigen Ufer des Flusses angekommen waren, eroͤffaeten die in der Einsiedelei von San⸗Martin befindlichen Christinos das Feuer, das indessen von unseren Truppen eine Zeit lang erwiedert wurde, worauf sie ihren Marsch sortsetzten. Der Feind verlor dabei 8 Todte und 7 Gefangene, worunter 1 Oifizier. Wir hatten nicht einmal einen Verwundeten. Theilen Sie dies dem Koͤnige mit. (Unterz)) Francisco Ituralde. — Ein Schreiben aus Bayonne vom 6. enthaͤlt Folgendes: „Als bei einer kuͤrzlich in Vittoria stattgehabten Auswechselung der Gefangenen die Karlisten deren 15 weniger als die Christinos anzubieten hatten, gab der General Cordova nichts desto weni⸗ ger die Ueberzahl heraus, nachdem der mit dem Geschaͤfte beauf⸗ tragte Karlistische Offizier ihm sein Ehrenwort gegeben hatte, daß die fehlenden gefangenen 15 Christinos bei dee er⸗ sten Gelegenheit nachgeliefert werden sollten. Der ge⸗ dachte Offizier wurde dakauf von Cordova zu Tische geladen; auch die Offiziere der Koͤnigin bewirtheten die Karlistischen Offi⸗ ziere, und als bei dem Aufbruche dieser letzteren der Poͤbel Miene machte, sich zusammenzurotten, gab Cordova ihnen 50 Lan⸗ zen⸗Reiter mit, unter deren Bedeckung die ausgewechselten Kar⸗ listischen Gefangenen unangefochten die Stadt verließen.“
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Siz⸗ zung vom 9. Februar. Ueber den Antrag des Marquis von Salisburp auf eine Einbringung der Liste derjenigen Beam⸗ ten in den Grafschaften, welche ohne Beruͤcksichtigung der An⸗ sichten der Lord Lieutenants von dem Minister des Innern er⸗ nannt worden seyen, entspann sich eine lebhafte Debatte. Lord Melbourne und der Lord⸗Kanzler behaupteten, daß solche
Ernennungen gar nicht stattgefunden haͤtten, wenn gleich biswei⸗
len die Ansichten der Lord-Lieutenants nicht gebilligt worden seyen; indeß wurde der Antrag doch genehmigt.
Oberhaus. Sitzung vom 11. Februar. Graf Roden veranlaßte eine Debatte uͤber die Vorzuͤge und Nachtheile des Unterrichtes⸗Systems in den Irlaͤndischen National⸗Schulen, in welchen Kathollken und Protestanten gemeinschaftlich Unterricht erhalten. Diese Debatte fuͤhrte jedoch zu keinem Resultat. Der Marquis von Lansdowne, Lord Plunkett und Lord Mel⸗ bourne vertheidigten das in dieser Beziehung von der Reaie⸗ rung befolgte Verfahren gegen die Angriffe des Grafen von Ro⸗ den und des Bischofs von Exeter.
Unterhaus. Sitzung vom 9. Febr. Das Haus war außerordentl ch gefuͤllt, um zu hoͤren, welche Maßregel das Mi— nisterium mit Hinsicht auf die Abaͤnderung des Zehnten⸗Systems fuͤr England und Wales vorschlagen werde, und nach einigen vorlaͤufigen Verhandlungen erhob sich Lord John Russell, um den Plan der Regierung vorzutragen. Die wesentlichste Bestim⸗ mung ist die Einsetzung einer Central⸗ Behoͤrde, nach Art der fuͤr die Ausfuͤhrung des neuen Armen-⸗Gesetzes angeordneten, welche die freiwillig von den Betheiligten vorgenommene Umwand⸗ lung zu bestaͤtigen und uͤber einseitige Antraͤge auf dieselbe in der Art zu entscheiden haben soll, daß jedenfalls die Umwand⸗ lung bewirkt, und nur die Modrficationen derselben in jedem ein⸗ zelnen Falle nach dem Ermessen dieser Behoͤrde regulirt werden. Als Maximum des Belaufes der konvertirten Abgabe schlaͤat Lord Russell 70 pCt., und als Minimum 60 pCt. des Brutto⸗Crtra⸗ ges der urspruͤnglichen Zehnten ver. Die Konversion soll in eine anstatt der Zehnten zu erlegende Geldsumme geschehen, deren Be⸗ trag nach dem Werihe des Waizens, der Gerste und des Hafers waͤhrend der letzten 7 Jahre ein fuͤr allemale bestimmt werden soll. Opposition fand der Vorschlag bei der ersten Entwickelung desselben nur von Seiten des Sir Rob. Inglis, welcher ge⸗ gen alle und jede Reduction der Zehnten peotestirte. Sir R. Peel meinte, der Vorschlag des Ministers sey nur ein Plagtat der von ihm selbst im vorigen Jahre beabsichtigten Maßregel, und er beklagte nur, daß der edle Lord sich dieselbe nicht ganz angeeig⸗ net habe. Die nachgesuchte Erlaubniß zur Einbringung der ministeriellen Bill wurde dann von dem Hause ertherlt. Lord John Russell trug demnaͤchst auf die Erlaubniß an, ene Bill wegen Einregistrirung der Fremden ein⸗ bringen zu duͤrfen. Es gebe allerdings, bemerkte er, schon ein Gesetz fuͤr diesen Gegenstand, wodurch die Fremden gezwun⸗ gen waͤren, sich einregistriren zu lassen und sich gewissen Formen zu unterziehen, als: ihre Namen, Adressen, Beschaͤftigung u. .. w. anzugeben; auch bestehe ein nicht sehr großes und kostbares
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Fremden⸗Amt, welches mit dieser Angelegenheit sey. Er schlage vor, Beides, sowohl das Geses 1- geng den⸗Amt, aufzuheben (hoͤrt, hoͤrt!) und die Einregistrirun Departemenr des Ministeriums des Innern zu übertrage bezwecke damit weiter nichts, als daß, wie bishen der in England ankommende Fremde seinen * h
angebe. .
Vaterland und den Ort, wohin er reisen wolle, halte dann einen Schein, den er, bei seiner Abreise 89; land, wieder dem Fremden⸗Amte zuruͤckgeben muͤsse. Dies 8 wuͤrde alle die Geldstrafen aufheben, denen Fremde fuͤr 8 Uebertretungen des jetzt bestehenden Gesetzes unterworfen 1 Der Zweck dieser Bill sey in der That nur der, die Regiezt in den Stand zu setzen, stets die Zahl der im Lande
Fremden zu kennen. Herr Roebuck wauͤnschte zu wissen wiefern uͤberhaupt ein Fremden⸗Gesetz fuͤr England notzt sey. „Warum“, sagte er, „sollte es hier nothwendiger scun in jenem Lande, wo man Länderstrecken so gros ”g Europa und zwanzig Staaten mit unabhaͤngiger Gestz hn durchreisen kann, ohne daß man auch nur nach dem hyn Vaterland, Bestimmungsort oder Paß gefragt wird. rn Laͤndern, wo Paͤsse noͤthig sind, hat man doch gefunden, 8 da Sovstem nicht hinreichend ist, um das Eindringen dersenta e verhindern, die man nicht im Lande haben will. ’
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8 Dies 1 die große Zahl derer, die durch Frankreich nach Spanien ga gen sind. Als ich z. B. kuͤrzlich in Frankreich war, sunn uͤberall, wo man mir den Paß abforderte, um den Leuten 6 b8 rigkeiten zu machen, ich sey Don Carlos, dies hinderte ahag Fortsetzung meiner Reise nicht. Ich haͤtte wirklich Den gnf Dom Miguel oder Fieschi seyn koͤnnen, und waͤre doch durcha men.“ Herr Spring Rice sagte, die Bill lege den Fremden de aus keine Beschraͤnkungen auf, ihr Zweck sey im Gegentheir, diejenigen, woruͤber man sich beschwere, zu entfernen. Das wuͤrde allerdings zu falschen Angaben Gelegenheit geben, da Niemanden eine Beschraͤnkung auferlegt werde, so sey kein Grund zu einem Betruge dieser Art vorhanden. Hr. 8 burton fragte, warum die Regierung, wenn sie einmal so gegangen sey, nicht auch noch weiter gehe, und wozu uͤberse eine Einregistrirung nuͤtze, wenn man keine Mittel besitze, s erzwingen? Der Doktor Bowring war der Meinung, es besser sey, jede Anordnung in Betreff der Fremden auft ben. Es habe ihm Jemand, der in Frankreich ein hohes⸗ bei der Polizei bekleide, versichert, daß das Paß⸗System site Zwecke nicht entspreche, denn man habe gefunden, daß diteng Personen, welche etwas Unrechtes thun wollten, ihre Payler⸗ der groͤßten Ordnung haͤtten. Herr Hume fragte ten el Lord, ob, da er das Wesentliche des Gesetzes durch seine Pal schlag entsernt habe, es wohl Recht sey, auch nur noch üe Schatten davon uͤbrig zu lassen. Er koͤnne den Nutzen ein Bill, wie sie der edle Lord beantragt habe, nicht einsa da man keine Mittel besitze, sie zu erzwingen. Herr O'Comg sagte, man muͤsse auf alle Faͤlle die Einbringung der Pil statten, da ihr Hauptzweck die Aufhebung des jetzt bestehe Gesetzes sey. Wenn sie in den Ausschuß kaͤme, so koͤnne! ja sehen, inwiesern sie modifizirt werden muͤsse. Der Falli England und Irland ganz verschieden. In England koͤnmn einen Fremden Beschraͤnkungen unterwerfen, welches Landes Glaubens er auch seyn moͤge, aber in Irland werde ein Fmn wenn er ein Protestant sey, bei seiner Landung de facto natucl Lord John Russell erwiederte hierauf, er wisse wohln die vorgeschlagene Bill das Eindringen verdaͤchtiger und sal Leute in das Land nicht verhindern werde, aber sie werg Mittel darbieten, die Zahl der im Lande befindliche Fremden nen. Man habe zuweilen einen Census der Bevoͤlkeruna wirsh werth gefunden, und fuͤr diesen Zweck sey eine Art von Registn vorgenommen worden. Er sehe nicht ein, warum Fremde alle diesem Census ausgenommen seyn sollten. Lord D. S tuart glau die Fremden muͤßten das unbeschraͤnkte Recht besitzen, das! nach Gefallen zu bereisen und verlassen zu koͤnnen. Der e— tain Pechell machte den Lord darauf aufmerksam, daß mehen Personen, obgleich sie 25 — 30 Jahre dem Lande gediert, d noch nicht naturalisirt werden koͤnnten, weil man ihnen so we Schwierigkeiten mache. Es wurde hierauf die Frage gtell un Erlaubniß zur Einbreingung der Bill gegeben. Here Hum versuchte in dieser Sitzung noch, jedoch vergeblich, ein Aneanj ment zu dem Antrage uͤber den Bau der Parlamentehi ducchzusetzen, demzufolge dieselben an der Stelle, wo jetze Nh borough⸗House steht, aufgefuͤhrt werden sollen. Sein ment wurde durch 141 gegen 42 Stimmen verworfen. Eh ging es seiner Motion, daß den Beamten des Unterhauses c Gebuͤhren mehr von den Mitgliedern gezahlt, sondern dißt selben vom Staat ein Gehalt bekommen sollten; dieser Am fiel mit 171 gegen 73 Stimmen durch. 1
Unterhaus. Sitzung vom 10. Februar. Das 9 war nur ganz kurze Zeit versammelt und nahm kein Gist von Bedeutung vor; es vertagte sich schon um 5 Uhr. 8. Courier meint, es werde wahrscheinlich wieder, wie in 2 rigen Session, sich an jedem Mittwoch einige Erholung gum, diesmal habe 1ℳ9 es in Finsbury viele Mitglieder vn Sitzung fern gehalten.
T““ Sitzung vom 11. Februar. Mllce Abend wurde die Zeit des Hauses fast nur durch eine jemdc unregelmaͤßige, durch einen Antrag des Herrn Hardy aubtg Diskussion uͤber die Wahl von Carlow, bei welcher der bekamn Raphael, obgleich von O'Connell unterstutzt, durchgefallen . in Anspruch genommen. Nachdem mehrere auf diese Angelic heit bezuͤgliche Petitionen eingereicht und zum Druch benn worden waren, wurde die Sache bis zum löten ausgesetzt. J. Russell brachte dann seine Englische Zehnten⸗Bill ein, um erstenmal verlesen und deren zweite Verlesung auf den hegrcen anberaumt wurde. 8 8
London, 12. Febr. Am Montage hielt der Koͤnit Geheime⸗Raths⸗Sitzung, welche von allen Kabinets⸗Ministam sucht wurde, und in welcher beschlossen worden ist, daß im 1 senden Jahre 33,000 Matrosen besoldet werden sollen, d. h. 8 5000 mehr als bis jetzt. Am Dienstag Abend langten Jöro, jestaͤten wieder in Brighton an. Se. Maj. haben dem Parry den Hannoverschen Guelphen⸗Orden verlichen. man
Der Herzeg von Wellington ist bereits wieder in z eingetroffen, und die Morning Post crklaͤrt, daß sein 1us halt in Strathfieldsaye nur durch nothmendig gewordene w1 serungen an seinem dortigen Wohnhause veranlaßt worden
Die Hof⸗Zeitung vom g9ten d. enthaͤlt die Ernennung Herrn John M Neill zum bevollmaͤchtigten Minister am des Schachs von Persien. 8
Herr Edward Ellice, der den Grafen Durham bis vnh begleitet hatte, ist von Paris, wohin er zu Lande von HKon tinopel gekommen war, wieder hier eingetroffen. teht
Mit dem Befinden des Grafen Pozzo di Borgo stehe wieder besser; er hat bereits ausfahren koͤnnen.
angt worden seyen, und daß demgemäaͤß die Handelssperre beiden Laͤndern aufgehoͤrt habe.
ittrria garnisonirende folgen sollte. Blatte unterm 29. Jan. aus Vittoria in folgenden Ausdruͤcken: „Ich abe nur Zeit, Ihnen zu sagen,
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Iq . 1 Sun sagt, daß am 3ten d. bei der Zusammenkunft Sir n. Peel's Hause uͤber den in Hinsicht der resse einzuschlagenden Gang der genannte Baronet sich wider 6 Amendement ausgesprochen habe, allein von seinen eifrigeren d hitzigeren Anhaͤngern uͤberstimmt worden sey. .
Der Capitain Deans Dundas ist vorgestern einstimmig an „Stelle von Sir P. H. Durham zum Parlaments⸗Mitgliede r Devizes gewaͤhlt worden. Das Geruͤcht, daß derselbe zum ggen⸗Capitain des Admiral Durham ernannt werden solle, nder Courier fuͤr ungegruͤndet und glaubt, er werde den t im Unterhause diesem Posten vorziehen. Eben dieses Blatt Zganz bestimmt wissen, daß der Capitain Anthony Maitland Kommando uͤber eines der neu auszuruͤstenden Schiffe er⸗ sten werde, und billigt diese Eruennung vollkommen, indeß gt er hinzu, wenn auch dergleichen populaire Ernennungen all⸗ meinen Beifall faͤnden und das Ministerium verdientermaßen der Neigung des Volks befestigten, so sollten die Minister h nicht glauben, daß sie so maͤchtig seyen, um das Volk etwa
mit solchen Maßregeln abfinden zu koͤnnen, sondern sie soll⸗
stets eingedenk bleiben, daß sie ihre Macht nur vom Volke en und sie nur zu dessen Vortheil und zu keinem anderen heck ausuͤben duͤrften. .
Lord Wm. Bentinck hat die Kandidatur fuͤr Glasgow in ei⸗
Schreiben an die Waͤhler, das der TCourier ungemein lobt, genommen. Er bezeichnet darin die Irlaͤndische Zehnten⸗Bill mn vorigen Jahre als unvollstaͤndig, doch will er sie unterstuͤtzen,
eine der Nothwendigkeit der Sache entsprochendere einge⸗
acht seyn werde. 8 b
Das bekannte Haus William Ward und Compagnie, dessen ef einer der Bank⸗Direktoren und als Tory⸗Kandidat fuͤr
City bei den letzten Wahlen durchgefallen ist, haͤt am Son⸗ bend seine Zahlungen eingestellt, was jedoch keine bedeutende Fol⸗ wan unserer Boͤrse gehabt.
Die Ausfuhr von Wollen⸗Waaren aus Großbritanien ist den letzten eilf Monaten um fast 1 Mill. Pfund gestiegen, lich von 5,515,960 auf 6,460,144 Pfund.
Am 27sten v. M. wurde die achte Halbjahrs⸗Versammlung Actien⸗Inhaber der Liverpool⸗Manchester⸗Eisenbahn⸗Gesell⸗ aft gehalten. Die Einnahme fuͤr die sechs letzten Monate des wichenen Jahres belaͤuft sich nahe an 118,000 Pfd., was nach zug der Ausgaben einen reinen Ertrag von gegen 46,000 Pfd. baͤhrt. Es wurde daher beschlossen, eine Dividende von 5 Pfd. Actie fuͤr das letzte Halbjahr auszuzahlen und 6000 Pfd. fuͤr Ankauf schwererer Schienen auszusetzen.
Die Zahl der Liverpooler im auswaͤrtigen Handel beschaͤf⸗ en Schiffe hat sich auf mehr als 1000 vermehrt.
Die Nachrichten aus Lissabon reichen bis zum 5ten d.
Das Comité der Kriegs⸗Angelegenheiten in der Kammer
Deputirten hatte sich dahin ausgesprochen, daß weder der
ahl der Koͤnigin noch irgend ein anderer Auslaͤnder jemals
Ober⸗Befehl des Heeres fuͤhren koͤnne. Dem Courier zu⸗ he, soll sogar ein darauf bezuͤglicher Antrag des Comité's schon mal verlesen worden seyn. Auch war in dieser Kammer uͤber Thronfolge und uͤber die Aushebung von 8700 Mann Trup⸗
verhandelt worden. Der Marquis von Loulé hatte durch öffizielle Zeitung, die Anzeige gemacht, daß die Differenzen
Sardinien durch Vermittelung der Britischen Regierung be⸗ zwi⸗ Die zweite und dritte vgade des Portugiesischen Huͤlfs Corps haben in Folge der
mönisse zu Madrid Befehl bekommen, sich so wenig als moͤg— von der Portugiesischen Graͤnze zu entfernen. Der Marschall lbanha hat sich fuͤr jetzt vom politischen Leben ganz zuruͤckge⸗
n 6 b1 an der Portugiesischen Staats⸗Verwaltung gar en Theil.
Die neuesten Briefe aus Vittoria reichen bis zum 29sten
Das Mißvergnuͤgen in der Britischen Legion uͤber die sultate der Gefechte vom 16ten und 17ten dauerte fort, und n war ziemlich einverstanden uͤber die Unfaͤhigkeit Cordova's. rselbe hatte indeß sein Kommando noch nicht abgegeben, sondern rmit einem Theile seiner Truppen und der Franzoͤsischen Frem⸗ Legion nach Pampelona abgegangen, wohin die bis dahin in Britische Legion ihm am 31sten v. M. Ein Korrespondent des Courier schreibt diesem
daß es hier sehr trage zugeht. Cordova
d Evans stimmen effenbar nicht zusammen. Tordova ist fort,
d unsere Truppen sind um Vittoͤria konzentrirt. Es scheint, werden fuͤr unseren Feldzug in nubibus Decorationen erhal⸗
„denn weder De Lancey noch Greville haben die Ehrenzeichen
fangen, die ihnen fuͤr die Reitung St. Sebastian's ver⸗
ochen worden; vielleicht werden wir „Kinder des Nebels“ unsere Orden auch in den Wolken holen muͤssen.“ Auch der obe theilt Korrespondenzen aus Vittoria vom 23. Januar die in aͤhnlichem Sinne geschrieben sind, und worin es un⸗
Anderem heißt, die Ansicht, daß Cordova eine zwei⸗
tige und vielleicht eine verraͤtherische Rolle spiele, gewinne
mner mehr Grund, und man glaube, daß er wahrscheinlich
Kommando entweder freiwillig niederlegen, oder daß es ihm
der Koͤnigin genommen werden wuͤrde. Das genannte Blatt
cht auf eine Stelle seiner Korrespondenz vorzuͤglich aufmerk⸗
„aus welcher hervorgehe, daß wirklich mehrere Englische Ge⸗
gene von den Karlisten erschossen worden seyen, naͤmlich Herr
reet, einer der Kommissariats⸗Beamten, der Quartiermeister
Sten Regiments und 5 Soldaten.
Dleltere Berichte aus Newyort (uͤber Liverpool) vom 16ten melden bereits, daß das Versammlungs⸗Haus des Staa⸗ ew⸗York am 9ten v. M. einmuͤthig die Bill wegen Autori⸗
ng der Munizipal⸗Behoͤrden zur Aufnahme einer Anleihe 6 Mill. Doll. zur Erleichterung derer, die durch die Feuers⸗
ust gelitten, angenommen habe. Ferner wurde am 12ten
M. in demselben Hause eine Resoluslon beantragt, des In⸗
is, daß die Anregung der Sklaverei⸗Frage die Constitution die Union zu gefaͤhrden geeignet sey und durch einen Skla⸗
des Landes zu vernich⸗
C. den Frieden und die Wohlfahrt e. Ueber die Franzoͤsisch⸗Amerikanische An 6 sisch⸗ Amerika gelegenheit enthaͤlt so⸗ Folgendes: „Die feindliche G des fchan 1 der Vereinigten Staaten gegen Frankreich bildet noch vaͤhrend den Gegenstand der Unterhaltung in der Citp. An rse war man jedoch der Meinung, daß die Angelegenheit sch Vermittelung Englands werde beigelegt werden. Diese cnht den Erfolg gehabt, den Speculationen in Kriegs⸗ cgsfen fast gaͤnzlich ein Ende zu, machen. Das Steigen 6 Pen 8 der Ostindischen Compagnie verkauften Salpeters * S bis 1 Sh. pro Cer. entstand zunaͤchst wegen des 8- G- dieses Artitels, indem 1700 Tonnen weniger, Zeit im vorigen Jahre, vorhanden waren. Anah u nimmt rasch zu, und man erwartet, die Preise gen hen W in. Krica. tmischen Transb,
1295 reich und Amerika Speculationen in diesem Kriegs⸗Beduͤrfnisse gemacht worden seyn, und die Preise waͤren bei dem gestrigen Verkauf gewiß um 10—15 Shilling fuͤr den Centner gestiegen. Fuͤr Lissabon sind starke Einkaͤufe gemacht worden. Obgleich hohe Preise fuͤr Ver⸗ sicherungen auf Franzoͤsische Schiffe verlangt wurden, so sind doch noch keine Geschaͤfte abgeschlossen worden. Hanf und Flachs sind nicht hoͤher im Preise, als gestern vor dem Eintreffen der Nachrichten aus Amerika. Handelsbriefe aus New⸗ York vom 17ten v. M. berichten, daß cin Courier von Washington abgegangen ist, um die Amerikanische Flotte aus dem Mittellaͤndischen Meere zuruͤckzurufen. — Der Amerikanische Gesandte am hiesigen Hofe hat Devpeschen erhal⸗ ten. — Die Geschaͤfte in New⸗York waren sehr lebhaft, und Kriegs⸗Artikel stiegen im Preise. Eine ungeheure Quantitaͤt von trockenen Waaren ist in New⸗York angekommen, um die durch das letzte Feuer vernichteten Vorraͤthe zu ersetzen. — Aus Washington wird gemeldet, daß der Franzoͤsische Konsul da⸗ selbst eine offizielle Mittheilung von seiner Regierung erhalten habe, wonach, in Folge eines Uebereinkommens zwischen der Franzoͤsischen und Britischen Regierung, der Britische Gesandte in Washington waͤhrend der Unterbrechung der diplomatischen Verbindungen zwischen Frankreich und Nord⸗Amerika die Inter⸗ essen der in den Vereinigten Staaten wohnenden Franzosen wahrnehmen werde.“
Das Paketschiff „Sheldrake“ hat die Posten aus Mexiko vom 16ten, von Veracruz vom 25. Dez. und Havana vom 9. Januar nach Falmouth gebracht, ingleichen 400,000 Dollars (der „Camden“, welcher Havana denselben Tag verlassen, sollte 600,000 mitbringen), worunter auf die Dividenden nur 1300 Dollars. Santana zog Truppen in S. Louis Potost zusammen, um damit Texas anzugreifen, allein es fehlte an Geld, jede oͤf⸗ fentliche Zahlung war eingestellt, und es sollte zu einer gezwun⸗ genen Anleihe geschritten werden. Die Aussichten im Innern des Landes waren sehr duͤster.
Belgien.
Bruͤssel, 11. Febr. Die heutige Sitzung der Revpraͤsen⸗ tanten⸗Kammer war sehr stuͤrmisch. Die Herren Lebeau und Dumortier geriethen so heftig an einander, daß ein foͤrmlicher Tumult entstand. Der Minister des Innern hatte der Kammer folgende Fragen in Bezug auf die neue Gemeinde⸗ Ordnung vorgelegt: 1) Sollen der Buͤrgermeister und die Schoͤffen bei der Ausfuͤhrung allgemeiner Gesetze mitwirken? 2) Soll der Koͤnig den Buͤrgermeister und die Schoͤffen aus der Mitte des Stadtraths erwaͤhlen? In Folge des erwaͤhnten Tumultes verließen sehr viele Mitglieder mit Hrn. Dumortier den Saal, und nur 48 blieben zuruͤck, die mit 45 gegen 3 Stimmen fuͤr die Schließung der Diskussion uͤber obige Fra⸗ gen stimmten.
Der Prinz Dom Fernando von Portugal und sein Bru⸗ der sind vorgestern Abend hier eingetroffen.
DeutshGland.
Hannover, 13. Febr. Einer Bekanntmachung unseres Finanz⸗Ministeriums vom 9ten d. M. zufolge, soll bei den oͤf⸗ fentlichen Kassen das ausläͤndische Conventions⸗Geld weder als solches, noch im Werthe von Courant, fernerhin angenommen werden duͤrfen.
Karlsruhe, 5. Febr. Die erst seit einem Jahre hier be⸗ stehende allgemeine Versorgungs⸗Anstalt hat im Inlande eine Theilnahme und im Auslande eine Wuͤrdigung gefunden, die jede Erwartung uͤbertrifft: sie zaͤhlt bereits nahe an 7000 Einla⸗ gen mit einem Kapital von 400,000 Fl. Der Zutritt zu dersel⸗ ben ist namentlich seit dem Monat November v. J. unverhaͤlt⸗ nißmaͤßig gesttegen, denn bis ult. Oktober zaͤhlte die Anstalt erst gegen 1500 Einlagen. Die Geschaͤfte haben sich durch jene so ploͤtzlich gesteigerte Theilnahme so vermehrt, daß die Verwaltung, die Unmoͤglichkeit einsehend, saͤmmtliche Receptions⸗ Scheine in⸗ nerhalb der statutenmaͤßigen Frist von 4 Wochen auszufertigen, dh diesmal eine Verlaͤngerung derselben hat ausbedingen muͤssen. 8 b
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Wien, 10. Febr. Im Oesterreichischen Beobachter liest man: „Der Allerhoͤchste Hof ist durch die heute hier ein⸗ getroffene Nachricht von dem Ableben Ihrer Majestaͤt der Koͤni⸗ gin Beider Sicilien in die tiefste Betruͤbniß versetzt worden. Die Trauer uͤber den unerwarteten Verlust dieser durch die herrlich⸗ sten Eigenschaften des Geistes und Herzens ausgezeichneten Fuͤr⸗ stin kann nur dem Jubel verglichen werden, mit welchem die Nachricht Ihrer gluͤcklichen Entbindung von einen Thron⸗Erben vierzehn Tage fruͤher das Koͤnigreich erfuͤllt hatte. Die schoͤnsten Hoffnungen gehen mit dem letzten Athemzuge einer Prinzessin zu Grabe, die sich waͤhrend der kurzen Zeit, in der sie den Thron schmuͤckte, die allgemeine Liebe und Verehrung der dem Scepter ihres erlauchten Gemahls gehorchenden Voͤlker erworben hatte.
Der Kaiserliche Hof legt am 12ten d. M. die Trauer fuͤr Ihre Majestaͤt die Koͤnigin Beider Sicilien auf 40 Tage an.
Der Kaiserliche Feldmarschall⸗Lieutenant, Herzog Ferdinand von Sachsen⸗Koburg, ist von Gotha hier wieder eingetroffen.
Preßburg, 8. Februar. Im Verlauf der von den Staͤn⸗ den am 4ten, 5ten und ôéten d. gepflogenen Circular⸗Berathun⸗ gen uͤber das Renuncinm der Magnatentafel in Betreff der sta— bilen Bruͤcke zwischen Ofen und Pesth, ist das Princip der Expropriation auch auf Eisenbahnen, Kanaͤle und Wege aus⸗ heehe worden, woruͤber nun ein besonderer Gesetz⸗Entwurf aus⸗ gearbeitet wird.
In der heutigen Circular⸗Sitzung wurde uͤber die Ludoviceische Militair⸗Akademie berichtet. Nach einer an die Staͤnde gelang⸗ ten Relation Sr. Kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Reichspalatin uͤber die noch noͤthigen Fonds dieser Akademie sind — wenn die⸗ selbe, nach dem Wunsche der Staͤnde, am 1. November d. J. er⸗ oͤffnet werden soll — dazu 309,000 Fl. C. M. erforderlich, welche Summe auch sogleich votirt worden ist.
1 1“ 8 8 — — Neapel, 2. Febr. Erst wenige Tage uͤber zwei Wochen sind verstrichen, seitdem ich Ihnen die gluͤckliche Nieder⸗ kunft unserer jungen Koͤnigin meldete, und schon muß ich diese freudige Nachricht in eine Trauer⸗ Botschaft verwandeln. Die Koͤnigin ist todt.*) Seit vorgestern, Sonntag den 31. Januar, Mittags, hat sie aufgehoͤrt zu leben. Ein Krankenlager von we⸗ nigen Tagen ging ihrem Hinscheiden voran. Ein fruͤheres Un⸗ wohlseyn hatte sie gluͤcklich uͤberwunden. Der Koͤnig soll untroͤst⸗ lich seyn, und im Volke beklagt man den Hintritt der jungen, schoͤnen Koͤnigin aufrichtig. Sie hatte sich besonders in der letz⸗
*) Die zuerst uͤber Florenz hier eingegangene Nachricht haben „ *4 148 4K8R
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wahrscheinlich, so wuͤrden schon bedeutende
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Volkes sehr gewonnen. Wie wir vor we nigen Wochen waͤhrend dreier Tage Morgens, Mittags und Abends, die frohen Kanonen⸗Salven wegen der Geburt des Kron⸗ prinzen hoͤrten, so vernehmen wir jetzt alle halbe Stunde den dumpfen Schall der Trauer⸗Kanone. Man meint, die Koͤnigin werde sechs Tage ausgestellt werden, und die Landes⸗Trauer soll auf sechs Wochen festgesetzt worden seyn. Daß bei diesem bekla genswerthen Todesfalle uͤber das Verfahren der Leibärzte mancherlei Geruͤchte im Umlauf sind, ist nicht zu verwundern. So spricht man von Mißgriffen in der Behandlung, sowohl der diaͤtetischen, als der kurativen. Unter Anderem sagt man, es sey, aus Scho⸗ nung fuͤr die Koͤnigin, ein nothwendiger Aderlaß verabsaäͤumt worden. Das fruͤhere Unwohlseyn der Koͤnigin soll ein leichtes Gallenfieber, die letzte todtbringende Krankheit eine Entzuͤndung gewesen seyn. Manche behaupten, die Koͤnigin sey, in Folge ei⸗ ner Gemuͤths⸗Affection uͤber die bekanntlich einen Tag vor ihrer Entbindung erfolgte heimliche Abreise des Prinzen Karl von Capua mit einer jungen Irlaͤnderin, zu fruͤh entbunden worden, und leiten hieraus ihre Krankheit und den Tod ab. Der junge Prinz, welchem in der Taufe der Name Duca di Caglabria bei⸗ gelegt wurde, soll, wenn nicht gerade krank, doch sehr schwaͤchlich und klein seyn. Man fuͤrchtet fuͤr ihn. — Alle oͤffentliche Fest⸗ lichkeiten und Lustbarkeiten fuͤr das Karneval sind natuͤrlich auf⸗ gehoben. Viele Familien haben außerdem ihre angekuͤndigten Baͤlle und Soirées abbestellt, und so wird Neapel jetzt sehr freudlos und leer. Mehrere Fremde haben sich auch schon nach Rom gewendet, in der Hoffnung, jetzt dort angenehmer zu leben. Turin, 6. Febr. Der Koͤnigl. Hof hat wegen des Able⸗ bens Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin Beider Sicilien die Trauer auf 20 Tage angelegt.
In unseren Gebirgen ist in den letzten Tagen wieber so
viel Schnee gefallen, daß dadurch die Ankunft der Franzoͤsischen Posten tagelang verzoͤgert wird.
Spanien.
Madrid, 3. Febr. (Journ. des Débats.) Alle b jetzt gepflogene Unterhandlungen haben nur zu einem Resultat gefuͤhrt: Herr Isturiz hat sich entschieden geweigert, in das Ministerium zu treten, und Herr Mendizabal sich gern entschlos⸗ sen, bis zum Monat Maͤrz, das heißt, bis zur Eroͤffnung der naͤchsten Session, die Leitung der auswaͤrtigen Angelegenheiten zu uͤbernehmen. Die ganze Zeit des Ministeriums ist jetzt den Konferenzen mit den einflußreichsten Deputirten, die fast alle der liberalen Opposition angehoͤren und sich noch vor ihrer Abreise in die Provinzen mit ihm zu verstaͤndigen wuͤnschen, so wie den Berathungen uͤber den Finanzplan gewidmet, der, einem allge⸗ mein verbreiteten Geruͤchte zufolge, in der naͤchsten Woche be⸗ kannt gemacht werden wird.
Die Generale Mina und Cordova haben das Großkreuz des Ordens Karl's III. erhalten.
Die heutige Hof⸗Zeitung enthaält ein Cirkular, das Herr Mendizabal in Betreff der Aufloͤsung der Cortes und der neuen Wahlen am 27. Januar an die Behoͤrden der verschiede⸗ nen Provinzen erlassen hat. Er erinnert darin an die unver⸗ aͤnderlichen Grundlagen, auf welche das freie und loyale System der Regierung gegruͤndet sey, und erklaͤrt, daß das Ministerium niemals von den in seinem Programm vom 14. September aus⸗ gesprochenen Grundsaͤtzen abweichen werde. Er fordert dann alle aufgeklaͤrte Patrioten und Freunde der wahren Freiheit und des Thrones auf, die oͤffentliche Meinung so zu lenken, daß, waͤhren die Regierung ohne die Unterstuͤtzung der Cortes sey, keine ge⸗ faͤhrliche Uebereilungen begangen wuͤrden, und spricht schließlich das unbegraͤnzte Vertrauen aus, welches die Regierung, bei der Herstellung des Friedens und der Begruͤndung der Wohlfahrt und des Ruhms Spaniens, in die Großherzigkeit der Spani⸗ schen Nation, in die Mitwirkung aller Gutgesinnten und in den Eifer aller Behoͤrden setze.
Die Aufloͤsung der Cortes ist in allen Provinzen sehr guͤn⸗ stig aufgenommen worden. Basdajoz, Caceres, Burgos, Valla⸗ dolid, Andujar und andere Staͤdte haben schon ihre Zustimmung zu dem Verfahren des Ministeriums zu erkennen gegeben.
Gestern, am 2. Februar, ist das von den aufgeloͤsten Cortes bewilligte Vertrauens⸗Votum mit allen uͤblichen Feierlichkeiten auf den oͤffentlichen Plaͤtzen bekannt gemacht worden. Eine Ka⸗ vallerie⸗Abtheilung der National⸗Garde war bei dieser Bekannt⸗ machung zugegen.
Der General Almodovar ist endlich gestern hier angekom⸗ men. Vor seiner Abreise von der Armee ist er mit dem Gene⸗ ral Cordova uͤbereingekommen, die guͤnstige Jahreszeit abzuwar⸗ ten, um etwas Entscheidendes zu unternehmen. Er glaubt, daß die Aushebung der 100,000 Mann gegen die Mitte des Aprils, wo die Operationen wieder beginnen sollen, vollendet seyn werde. Cordova denkt keinesweges daran, seinen Abschied zu nehmen; er hat vieimehr dem Premier⸗Minister eine Depesche vom 31. Januar uͤbersandt, worin er demselben wegen der Aufloͤsung der Cortes Gluͤck wuͤnscht und zugleich seine absolute Ergebenheit fuͤr die Sache der Koͤnigin aus vricht.
Die Hof⸗Zeitung vom Isten enthaͤlt in einer außerordent⸗ lichen Beilage einen Bericht uͤber die Einnahme des Forts del Hort durch die constitutionnellen Truppen. Die Besatzung ist, mit Einschluß ihrer Anfuͤhrer Moralis und Si⸗ rera, erschossen worden.
Vor einigen Tagen enthielt das Eco del Comercio einige heftige Artikel gegen den alten General Castaͤnos und dessen Adjutanten. Als einer der Letzteren, Herr Breton, dem Proku⸗ rador und Redacteur des genannten Blattes, Herrn Caballero, gestern begegnete, stellte er ihn uͤber jenen Artikel zur Rede. Es erhob sich cin Wortwechsel, der in Thaͤtlichkeiten uͤberging, doch wurde der Streit durch die Umstehenden beigelegt. Als Herr Mendizabal diesen Vorfall ersuhr, trat er sogleich als Vermittler auf, und es steht zu hoffen, daß es ihm gelungen ist, eine Ver⸗ soͤhnung herbeizufuͤhren. Das „Eco“ enthaͤlt nichts uͤber die⸗ sen Gegenstand. 8
Die verwittwete Koͤnigin hat durch eine vom 28. Januar da⸗ tirte Verordnung befohlen, daß taͤglich von der Hauptstadt ein Courier nach der aͤußersten Spanischen Stadt an der Franzoͤsi⸗ schen Graͤnze, auf der Seite von Oleron, abgehen soll. Dieser Dienst wird mit dem heutigen Tage beginnen. Der Courier geht am Dienstag, Donnerstag, Freitag und Sonntag um vier Uhr Abends in Begleitung eines Postillons, der die Depeschen der Regierung und die Briefe bei sich fuͤhrt, von hier ab. 8
Briefe aus Lissabon vom 27. Januar melden, daß man dort mit Ungeduld dem Bericht des Finanz⸗Ministers uͤber die Lage Portugals entgegen sieht. Die Deputirten⸗Kammer schont das Ministerium nicht. In der Sitzung vom 26. Januar wurde der Marquis von Loulé aufgefordert, uͤber die dreimonatliche Verlaͤngerung des Handels⸗Traktates mit England, der am 1. Ja⸗ nuar abgelaufen war, Auskunft zu ertheilen, was indeß nicht
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auf eine genuͤgende Weise geschah. Es scheint, daß diese Handels⸗ 1.“ 434. 8 .2 1 8 r. — 2