ler seiner Gedanken und Bestrebungen. Aber auch hier zeigte sich bald wieder die Hand jener unsichtbaren Lenkung, welche den regel⸗ meßigen Gang seiner Studien uͤberall abschnitt, um ihm eine desto freter? En:wickelung zu goͤnnen. Er hatte nur eben den An⸗ soß erhalten, er hatte noch kein volles Bild von der Wissen⸗ schaft erwerben koͤnnen, füͤr die er gluͤhte, als mitten im Se⸗ mester zu Goͤttingen eine Spannung zwischen den Studirenden und ihren Lebrern ausdrach; die Professoren schlossen, die Studenten ver⸗ ießen Goͤttingen. In dieser Verlegenheit begab sich Hoffmann in den benachbarten Haͤrz und machte bier, unvollkommen vor⸗ bereitet, die erste eigene Bekanntschaft mit der Natur; darauf erwarb er in Gbtringen das Doktor⸗ Diplom in der medizt⸗ nischen Fatultaͤt. Als er Ostern 1819 nach Berlin zuruͤckkehrte, drachte er schon eine kleine Sammlung von Grbirgsarten mit, als die Ausbeute seiner ersten Wanderungen. Bereits mit unbefan⸗ e Naturanschauungen ausgeruͤstet, begann er nunmehr zu Ber⸗ Un unter Weiß ein geregelteres Studium der Mineralogte und Geo⸗ onosie⸗ aber der einmal gekostete Reiz eigner Beobachtung zog ihn ald (1820) in den Harz zuruͤck. Er kam nicht einmal bis in den Harz, sondern blieb ganz in der Naͤve von Magdeburg in der Ebene. Schon hier fand er viel Beachtenswerthes, und gewiß ist es ein Zeugniß fuͤr seinen wissenschastlichen Charakter, daß er bei aller Feurigkeit seines jugendlichen Enrhusiazmus nicht der Größe der Erscheinungen vielleicht fuͤchtig nachging, sondern, bei dem Un⸗ scheinbaren verweilend, das Beduͤrfniß hatte, bis zur scharfen Loͤsung der aufgefaßten Proobleme durchzudringen. Diese Sinnesart be⸗
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ohnte sich darch interessante Resultate uͤber die Beschaffenheit der
Ober flaͤch⸗ des flachen Landes und ihr Verhaͤltniß zu den in der Nach⸗ arschoft anstehenden Gebirgearten.
In seiner ersten Schrift (Versuch elner systematischen Anord⸗ Zung der Gebirgsarten u s w.) zollte er der damals beliebten Ne⸗ lur⸗Phorlosophir seinen Tribut, die Gebirgsarten werden nach pola⸗ rischen Gegensaͤtzen klassisizirt; weiterhin aber ließ er diese Rich⸗ tung immer mehe zuruͤck. Die naͤchsten Jabre wurden der Fort⸗ sebung seiner Beobachtungen gewidmet: der Harz murde immer ge⸗ auer durchforscht, er wandte sich zugleich bis nach den We⸗ sergegenden und studirte die Flözbildungen Helgolands, Eine Zusammenstellunz des Gefundenen vernochte schon die Auf⸗ merksamkeit der vornehmsten Gebdlogen, namentlich Leopold's von Buch, zu erwerben, der ihn zur Herausgabe aufmunterte; das Werkchen fuͤhrt den Tite!: Beitraͤge zur geognolischen Kenntniß Nord⸗Deutschlands (1823). Fhambodiloforbische Ideen schimmern auch hier noch durch, dagegen erscheint eine Fuͤlle genauer Brobach⸗ ungen und scharfer Bestimmungen: die Richtung war hiermit ge⸗ geben, aber noch jahbrelanger Studien bedurfte es, ehe sein beruͤhm⸗ tes Buch uͤber das nordwestliche Deutscyland erwachten konnte.
Mittlerweile hatte er sich in Halle als akademischer Hocent ha⸗ ilitirt, allein mit Ungeduld eilte er jedesmal in den Somm reerien und bald auch den ganzen Sommer lang in das nordwestliche Deunschland, das er nunmehr schon als seine Provinz ansab. Von Jahr zu Jahr machte er neue Eroberungen, er dehnte sich westwaͤrts bis an das Rheinische Schiefergebirge aus (1824), durchforschte die nordweßlichsten Ver⸗ zw igäangen des Deutschen Huͤgellandes von Bentheisn und Muͤn⸗ kter (1825), untersuchte darauf das Erz⸗ und Fichtelgebirge (1825); endlich die Gegenden zwischen dem Harz und Thͤringer Walde 1827). SEy wae denn nach 8 Jahren methodischer For⸗ Cyelus zusammenhaͤngender Beobachtungen geschlos 1 Von Jahr zu Jahr batte er bereits das Gefundene in Larten eingetragen; diese bedurften jetzt einer Erklaͤrung, und der ganze Schatz mußte der Wissenschaft als Gemeingut uͤber⸗ geben werden. Durch die Anerkennung seiner Leistungen von Set⸗ ten des Koͤnigl. Miristeriums wurde ihm die Muße, in Berlin von 1827 — 1880 endlich sein großes Werk zusammenzufassen: „Neber⸗ sicht der orographischen und geognositschen Verhältnisse vom nord⸗ westlichen Deutschland”“ (Letoöz. 1830, mit einem grognostischen At Ias). Das Feld dieser Untersuchungen beträgt nicht weniger als 650 Geptertmeiten, und ein Blick auf die schoͤne Uebersichts⸗Karte Nigt eine merkwuͤrdige Verwickelung von hoͤchst schwierigen Verhaͤltn sen. Nur mit unermuͤdlichem Fleiß und in eolize⸗ Hinzegung an die Sache konnte ein Einziger in so kurzer Zeit diese unzeheure Arbeit zu Stande bringen, wahrend in einem benachbarten Staͤate bel greßem Kostenaufwande binnen 50 Jah⸗ ren uͤber einen viel geringeren Raum hoch nichte Aehnliches zur Publizitaͤt gekommen ist. Aber die Masse der Detzil⸗ üudien erdruͤckte det Hoffmann den freien geistigen Ueverblick nicht: t lichtvoller Oednung stellte er die Oberfldchengenalt nach mehr 1s 2000 Sbbhenm sungen) und die komplizirtesten gevgnostischen Berhaͤltnisse des vielgestalteten Landes zusammenbvaͤngend und uͤrer⸗ schtlich dac, uͤberall mit klarer Beziehung auf die allgemeine Lehre der Erdbildung und nicht ohne bedeutende Foöͤrderung derselben. Werner hatte nur die Tduͤringer Floͤtschichten in sein System aufgenommen, an iner vollstaͤndigen Kenntniß der Norddeutschen Flotzformatton feblte noch viel. Hotmann war der erste, der sie erreichte . ahl der Schichten hatte sich ibm fast verdorpeit sie erhielten ietßt auch erst ihre genane Bestimmung gegen einander; eine Vergleichung mit den Floͤtzschichten anderer Gegenden und Laͤnder wurde ievzterstmbg⸗ lich gemacht. Wir danken seinem geistreichen rastlosen Fleiß die 8.⸗ naue Kenntniß eines betraͤchtlichen Theils unsers Vaterlandes und zugleich ein Muster, das noch nicht erreicht ist. Hatte er nichts mehr geleistet als dies, so muͤßte seinem Ramen rin ebrende? Andenken gesichert seyn, so lange die Nation auf die Kenntniß ihres Landes und die Wissenschaft auf die genaue Kunde eines Theils der Erdober⸗ flaͤche Werth legen wird.
Aber das Eingesammelte wurde in dem Werk langt nicht er⸗ schoͤpft, es war genug an genauesten Detatlstudien da, um einen zweiten Band folgen zu lässen; allein hiezu fehlte dem rüstig Fortstrebenden nunmehr die Geduld. Forschen, selbst das muͤhsamste⸗ war ihm eine Lust, aber zu schreiben und auszuarbeiten war ihm laͤstig. Er sehnte sich nach einem andern Felde der Untersuchung,
ch eineer neuen Aufgabe fuͤr seine wachsenden Kraͤft”.
Das Studium der Vulkane ist in neuerer Zeit von boͤchster Wichtigkeit geworden, seir naͤmtich der Vulkanismus uͤber den fruͤ⸗ heren, zumal in Deutschland geltenden Neptunismus den Sieg da⸗ von Seeses und sich die Ansicht unwiderleglich festgestellt hat, daß die köͤrnigen krystallinischen Gebirgs⸗Arten, die fruͤber sogenannten U gcbirge, Produkte eines feurigen Flusses seyen, analog den Loven der Valkane, ja daß sie nur eden, dervorbrechend aus Spalren der Erdrinde, zugleich auch diejenigen Stoͤrungen und Erhebungen in den
Fibzschichten bervorgebracht basen. die ohne diese Annahme uner⸗ klaͤrlich seyn wuͤrden. Auf diesem Felde hatte Leopold von Buch sich vereits einen unvergaͤnglichen Nimen erworben: Hoffmann mute wen gsteus wuüͤnschen, diese nunmeor so wichtigen vulkanischen Er⸗ scheinungen auch mit eigenen Augen kennen zu lernen. Darch die liberale Unterstuͤtzung des Koͤnigl. Ministeriums wurden ihm die Mittel zu einer Reise nach Italien und Sicilien gewöhrt, und ein
Urlaub auf vier Jahre. Mit Ende des Jabres 1829 ging er uͤber Wien nach Italten. Er hatte das Gluͤck, den Vesuv thaͤtig zu eben, und das noch seltenere, daß sich gleichsam vor seinen Augen ine neue vulkanische Insel aus dem Scoooß des Meeres erhov — und bad wieder versank. Auf dem gleichsam klassischen Bo⸗ den des Vulkanismus wandte Hoffmann dem Siudium der Vulkane, sowohl der erloschenen als der noy thaͤtigen, serne Forschung zu, studirte den Vesuv und Aerna, besuchte Elba, die Livarischen Inseln und Panrellaria; aber necht minder verfolgte er auch die E scheinangen der Floͤtzformation auf en Apenninen und in Scilien. Von der letzten Insel hat er in allen ihren disber fast genzlich unbekannten Theilen eine geognosltsche Karte entworfen mit seiner g wohnten Gewissenhafteg⸗ keit und mit einer Anstrengung seiner Kraôfre, die zu seinem fruͤhen
Tode mitgewirkt haben mag. Die Karte sindet sich in seinem Nachlaß vollendet vor. .
Bei solcher Arbeit mußte ein Gewinn fuͤr die Wissenschaft er⸗
“
nicht nur die
gooͤßten Theil zugebracht. Barometer auf dem Ruͤcken,
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wachsen. Viele schon gekannten und beleuchteten Erscheinungen faßte Hoffmann in groͤßerer Schaͤrfe und zusammenhaͤngender auf, aber in anderen Punkten wurde er auch gendothigt, Ansichten fruͤhe⸗ rer Forscher zu verlassen, die er seibst nach Ftalien mitgebracht, und anfangs bestäͤtigt zu finden geglaubt hattck. Hieher gehort ganz besonders die weiterbin so viel desprochene Streitfrage uüͤber die Er⸗ hebungs Kratere. Von Hoffmann angeregt, wurde siec von Engli⸗ schen, zum Theil auch Franzdͤsischen Naturforschern, welche seine Beobachtungen bestaͤtigen, mit Eifer aufgenommen, doch bis jetzt noch sind die Forscher nicht einig. — Nach beinahe vierjaͤhriger Ab⸗ wesenheit kehrte Hoffmann nach Berlin zuruͤck, aber es war ihm nicht vergoͤnnt, die reichen Schaͤtze, die er mitbrachte, geordnet er⸗ scheinen zu lassen. Er mußte seinen Kraͤften eine ganz andere Rich⸗ tung geben, um sich als Lebrer geltend zu machen. Die Pudlica⸗ tion seiner Ftaliaͤnischen Reise verschob sich von Semester zu Se⸗ mester, der nuterdetz ausgebroch ne wisenschaftliche Streit forderte um so mebhr dazu auf, aber sein naͤchster Beruf, das Lehr⸗Amt, machte die Ausführung seines Bunsches unmoͤglich. Schon hatte er sich entschlossen, wensgstens die zunaͤchst auf die streitig guwordenen Fra⸗ en bezuͤglichen Beobachtungen in einer Denkschrist zusammen zu jellen, die gewiß manches Mißverstaͤndniß haͤtte aufklaͤren koͤnnen; aber auch dies blieb ihm versagt. Als er sich spaͤter uͤber seine Krankheit nicht mehr taͤäaͤschen konnte und sie ihm das 2 hren schon verbot, hatte er, vol von Ledens⸗Hoffnung, die Ausarbeitung seiner Itütaͤneschen Untersuchungen sich fuͤr die Genesung be⸗ simmt. Wehlgeordnete Tagebuͤcher und Notizen sind jetzt im Rach⸗ laß da, aver es wird dee belebende Hand fehlen, um uͤverall das in⸗ re ste Verstaͤndniß hinzuzuhrꝛngen. Was bier geleistet worden,
wird sich erft bei der wohl zu Hoffenden Herausgabe seiner Papiere uͤber⸗
sehen laͤssen. Als Friedrich Hoffmann im Jahr 1833 an der Berliner Univer⸗ sitaͤt seine Proft sur antrat, hegten alle, welche die Fortschritte seiner Ausbildung bis dahin begleitet und Hoffnungen auf ihn gesetzt hatten, das deßtmmte Vertrauen, daß er ein mit reichem Wissen ausgestatte⸗ ter tuͤchtizer Lehrer seyn werde; aber er entwickelte nunmehr auch noch Vorzüge ganz anderer Art, auf die man nicht gerechnet hatte. c; treufleikigen, umsichtsveller, schamstnniger Beodachter besaß er je6 berelts einen Eurapaͤischen Nuf. aber wer haͤtte in ihm ein Redner⸗Ta⸗ lent vermuthen sollen! Gewiß war seine Gabe einer binreißenden, natuͤrlichen Btredtsamkett, die uͤberhaupt bel den Deutschen nicht häufig ist, und bet einem Gelehrten, zumal einem Naturforscher noch weniger g sucht wird, eine seltene Vereinigung. Von Rhetorik konn daber nicht die Rede seyn, denn er hatte sie nie kennen gelernt, und voͤllig fremd war ihm, nach Katheder⸗Effekten zu huschen; es war nur seine Lebe for die Wissenschaft, die Klarheit und Anschaulichkeit aller seiner Vorstelungen. Wie eine warme Quelle und ein nie floß die Rede von seinem Munde; treffenden Ausdrucks zu Gebot, man
zu aberkt firn und Verdienft anzuerkennen. Nicht bloß wenn er die zranzenden Pbaͤnomene vulkanischer Thaͤtigteit, oder die Formen der tropischen Vegetation schilderte, diese Anschaulichkeit verliet ihn wirgend, in seiner Hand belebte sich alles, er fesselte uͤberall durch den Reschthum des auserlesensern Materlals und durch den kiaren geisti⸗ gen Zusammenhauzg. Die Universitaͤt besaß in ihm einen Lehrer von außevordentlicher Art, ee erwarb fuͤr seine Wissnscheft unter den Studtrenden eine zuvor nicht gekannte Thrilnatme, seine Begeistt⸗ rung mußte anregend auf die Zuhhrer wirken. Ueberdies stand ihnen kine Wohnung offen, -9g Zeit,
bnn zur Sache fand, ließ er gicht ab, junge Kraͤfte fuͤr die Wissen⸗ schaft zu gewinnen; so kurz seine Wirksamkeit war, so werden doch sichtrlich nach Jahren die Fraͤchte davon sichtbar werden. Besonders viel versprach er sich von geognostischen Excursionen, die er ahjjaͤbr⸗ lich mit seinen Schülern machen wollte, einmal in den Harz, das an⸗ dere mal ins Erzgebirge. Die Wanderung in den Harz war sEhon ganz bestimmt feslgeseßt füͤr den Bugust des vorigen Jahres. Hoff⸗ mann war um Pfingsten, damals schon erkrankt, in diese Gegenden gegangen, um den Weg zu ersorschen, der am lehrreichsten waͤre, eine Karte, welche seinen Begleitern das Verstaͤndniß erleichtern sollte, war keleits geslochen; aber die husfuͤhrung unterblieb. Man fing an sar Hoffmann's Leben zu fuͤrchten; er mußte nach Ems; lei⸗
Hofsmann’s akademische Thatigkeit in
graphie und uͤber Bulkane und Erdbeben, in den deiden Sommer⸗ Semestern Geognoste, danehen uͤber Verßeine ungen und Hydrogra⸗ vie. Sein Wunsch war, sich weiterhin auszudehnen auf allgemeine Raturgeschichte, um mit den auf einandee felzenden Epochen, wel che die Bildungs⸗Geschichte unseres Erdkoͤrpers bezeichnen, die ent⸗ h echenden auf einander folgenden Generaronen der Pflanzen⸗ und Thierwelt zu verbinden, und von den urweltlichen Geschoͤpfen uͤberzu⸗ geben zu denen der gegenwaͤrtigen Epoche.
Oas Verzeichniß Hossmannscher Schriften, zumal aller zerstreuten Abhandlungen, wovon keine obne Werth und viile bedeutend, ist zu grotz, als daß wir es hier mittbeilen koͤnnten. Außerdem besitzt as Kbnigliche mineralogische Museum in Hoffmanne s Sammlungen ereits ein bleidend es Denkmal; nam eztlich uͤbertrifft seine Samm⸗ lung Jialiaͤnischer und Sleilischer Gebirgsarten gewiß an Volsstaͤn⸗ digkeit, Auswahl und wissenschaftlicher Zusammenstehung alles, was in Flalien selbst der Art unternommen ist.
—
Hoftfmann’s Individualiteͤt war eine vedeutende, seine Persoͤn⸗
lichtelt war hervoͤrstechend, und sein Charakter hat einen wesentlichen
Zusammenhang mit dem, wasz er der Wissenschaft geleistet, ig es zils hier üidee eiwenast recht klar, wie die hdheren Stufen der Wis⸗
senschaft nur edlen Cbharakteren zugaͤnglich werden koͤnnen. — Von
tenen ersten Spaziergaͤngen an der Hand des Vaters blieb ibm sein Leden hindurch eine entschiedene Vorliebe fuͤr die freie Natur: sein eben war meistens ein Wanderleben, in frischer Luft hat er es zum Mit der Jagdtasche uͤber der Achsel, dem dem Hammer in der Hand, ging kletterte von Klippe zu Klippe. So befriedigte er seine Neigung fuͤr Natur Schöͤnbeit zugleich mit seinem Trieb des Forschens; aber seine einsamen Gebirgsreisen machten ihn eben so wenig menschenscheu, als die gewonnenen Einsichten solz. Des Abende stieg er in die Thaͤler binab zu den einfachen Gebirgs⸗Bewohnern, und machte, fuͤr einen Bergmann oder Faͤger gebalten, ibre Sitten mit. Hatte die Herzlichkeit Deut⸗ scher Lundbeworner ihm vorzuͤglich zugesagt, so entsorach ihm nicht minder die L bendigkeit und natoöͤrliche Humaniteͤt der suͤdlichen Voͤl⸗ ker. Ibrer Sprache maͤchtig, ihrer Sitte kandig, lebte er im vun⸗ testen Wechsel mit allen Staͤnden des Ftalitaͤneschen Volkes, leicht und gern, und genoß der freundlichsten Aufnahme in den entlege⸗ nen Gegenden, die von Reisenden selten oder nie besucht werden. Geselligkeit war ihm eben so sehr ein Beduͤrfniß, als die freie Na⸗ tur; aber das unbefangene Leben unter Naturmenschen war freilich viel anders, als die Verbaͤltnisse saͤdtischer Konvenienz. Hoffmann hatte von dort her eine Frische, Offenbeit und Geradheit des Cha⸗ rekters, welche hier oft fremd erscheinen konnte, die ihm aber alle gleich Gesinaten auf der Stelle gewann Er bewahrte sich so die unterstörda e Laꝛne, die gluͤckliche Unbefangenheit und den freien Blick; allen Verbaͤltnissen war er gewohnt klar ins Angesicht zu se⸗ hen; bei aller Ruͤckhaltlosigkeit konnte er nicht verletzen, denn er meintt es von Grund aus treu und gut. Er war jeder Aufopferung faͤhig: an sich selbvst dachte er zuletzt, an seine Zukunzt gar nicht; er schte an ein Vorbaben iedesmal die ganie Kraft und konnte boͤse werden, wenn man ihm vorbielt, Gesundheit und Leden zu Rath zu halten. Hieraus erklaͤrt sich sein ganzes Wesen, und bierin ruben alle se ne Vor ge. Sein Wissen und Wirken war wesentlich ein leben⸗ diges; ouf todtes Wissen legte er keinen Werth, eben so wenig auf ab⸗ strakte Theorieen und philosophische Construction. Sein Tod erfolgte luͤr die Wissenschaft viel zu fruͤb, aber auch in einem kurzen Leben
ee von Berg zu Berg und
hat er genug gestittet, dies Leben war reich und ruͤstig, im Ganzen
versiegender Strom ungesucht stand ihbm eine Fuͤlle sah idm die Lust und Freude an, die es ihm machte, die Aufschluͤsse siner großartigen Wissenschaft
er opferte ihnen fast seine ganze Zeit, und wo er
Berlin umfaßt nur vier Semesten, er las in den beiden Winter⸗Sem stern vhysikalische Geo⸗
gluͤcklich und sogar beneidenswerth: er durfte seine Anerkennan nicht erst von der Nachwelt erwarten, sondern hat sie zum grif ten Theil selbst erlebt und genossen. Er besaß die Achtung un Freundschaft edler Männer des verschiedenartigsten Treibens, und im Auslande. Sein Gedaͤchtniß in der Wissenschaft und den in em gesichet. — 1
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Den 25. Februar 1836.
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Imtlicher FVonds- uad Gelad-Cours-Zetten Fr. Tour. A Fr. Cor. — Brief. Geld. 8 Brief. 6,9 101 ⅛ 10 ½ Ostpr. Ptandhbr. 4 103 1095 101 100 pomm. do. 4 105 2 61 1 60 1 [Kur- n. Neum. do. 4 1011 91011, 102 ½ 1062 do. do. do. 3 ⅛½ 1928
En 101 314 chlesische do. 4 — 107 6 103 % 102 G Rückst. C. und Z. Königsb. do. — — 80
Sch. d. K. u 8.— 1 Elbinger do. 99 21017¾ 2
b Gold al marco — 5 Danz. do. in Th. 43 H Neue Duk. . 4 Westpr. Pfandbr. 103
102 ½ Friedrichsd'or 13 1 Grofsh. Pos do. 104
193 ½ mechsel-Cours.
mtliche Nachrichten. ö““
St.-Schuld-Sch.
Pr. Engl. Obl. 30. PrämSch. d. Seeh Kurm. Obl. m. I. C. 4 Nin. Int. Sch. do. Berl. Stadt-Obl.
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Se. Masestaͤt der Koͤnig haben geruht, den bisherigen Ober⸗ andesgerichts⸗Rath Friedlaͤnder von dem Ober⸗Landesgerichte u Naumburg als Rath an das Kammergericht, und den Ober⸗ andesgerichts⸗Rath Dr. von Muͤhlenfels zu Seettin in glei⸗ er Eigenschaft an das Ober⸗Landesgericht zu Naumburg zu
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250 Fl. UI L 16““ 250 Fl. - b un uk. tungs⸗Nachrichten.
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300 Mk. Frankreich.
1 LSt. 3000) Fr. 130 Fl. 130 Fl.
18 gg. Paris, Februar. Der Fuͤrst von Talleyrand hatte ge⸗ B“ n Nachmittag eine Unterredung mit dem Koͤntge. Auch em⸗ 100 Rki. agen Se. Majestaͤt den Herzog v. Broglie, Herrn Thiers, den G cafen v. Aegout und den Grafen v. Montallvet.
Der Koͤnig hat ein Schreiben des regierenden Herzogs von achsen⸗Koburg⸗Gotha in Bezug auf die Vermaͤhlung seines efn, des Prinzen August, mit der Koͤnigin von Portugal ulten.
Die Sitzung, die heute die Deputirten⸗Kammer hielt, ar fast aussch.ießlich den bei der Kammer eingegangenen Bitt⸗ hriften gewidmet und dauerte nur eine Stunde. Den Vorsitz Mderselben fuͤhrte der Vice⸗Praͤsident, Baron Pelet. Von den mmistern war bloß Herr Gunot zugegen, und auch er blieb ht bis zum Schlusse der Sitzung. Die meisten der vorgetra⸗ nen Petitionen betrafen Privat⸗Reclamationen und wurden ich die Tagesordnung beseitigt. Der Graf Jaubert unter⸗ ach die desfallsigen Berichte auf kurze Zeit, um seinerseits uͤber
Proposition des Herrn Anisson⸗Duperron wegen der Urbar⸗ achung der Waldungen zu berichten. Die Berathungen uͤber sen Gegenstand wurden auf den naͤchsten Sonnabend angesetzt. achdem darauf noch Deputirte, deren ö ausge⸗
“ at worden war, zugelassen worden, entwickelte Herr Magnon⸗ 597⁄2. Br. 1 % 25 ½. G. Bauk-Actien 1641. (640 P'artial-0b1,,gurt seine 11.““ des Huͤtungsrechts, die G. Loose z9u 500 Fl. 114 ½ 114 ¼. Loose zu 100 Fl. WM Widerr in Ermn 6. beschloß ꝙ Preuss. l'räm.-Sch. 60 ½. 60 %. do. 4 % Anl. 992 ½ 6. a hrter iderrede 11 Erwaͤgung zu ziehen eschloß. — 1I1IIu“ Loose 69 ⁄1⁄. Br. 5 % Span. Anl. 575 ⅛. à7 ½. 2 ½ 0 M weeenben Deputirten gingen bereits um 3 ½ Uhr wieder E11“ heute sind die hiesigen Blaͤtter noch fast ausschließlich t Details uͤber die gestern stattgehabten Hinrichtungen ange⸗ Ult. Die Gazette des Tribunauvx berichtet am ausfuͤhrlich⸗ n daruͤber, und da ihre Angaben uůͤber dergleichen Gegenstaͤnde e Art von Authentizitoͤt haben, so folgen (zur Ergaͤnzung und weisen Berichtigung des gestern Mitgetheilten) nachstehend ch einige Auszuͤge aus dem genannten Blatte: „Um 7 Uhr traf Nachrichter mit neun Gehuüͤlfen im Gefaͤngnisse des Luxem⸗ rg ein und uͤbergab den Befehl zur Hinrichtung dem Di⸗ tor, der die Verurtheilten augenblicklich in den Saal fuͤhren 8, um dort die letzten Vorbereitungen zu treffen. In dieses mlich geraͤumige Zimmer ließ der Nachrichter zwischen zwei eilern eine Bank setzen, hinter welche sich drei Gendarmen, des Gewehr im Arm, stellten. Der Bank gegenuͤber, dicht an der
aand, befanden sich drei Stuͤhle. — Fieschi, von seinen Waͤch⸗
n begleitet, erschien zuerst. Seine Kleidung bestand in blauen ——————y einkletdern und einer wollenen Jacke; auf dem Kopfe trug er eine
warzseidene Muͤtze. Er trat unbefangen herein, sah sich mit
haften Bicken um und setzte sich schweigend auf die ihm be⸗ chnete Bank. Drei Gehuͤlfen naͤherten sich ihm; der eine agte ihn, ob er keinen Ueberrock habe „¶„Wozu?““ fragte tschi. — „„Weil es kalt ist.““ — „„Ay, Bah! ich werde cht lange zu leiden haben... Aber Sie haben doch Recht. an hole mir meinen Ueberrock. Nehmt das Geld heraus, was hdarin befindet. Lasset nichts in den Taschen.““ — In dem genblick, wo man ihm die Haͤnde auf den Ruͤcken band, bat daß man sie ihm nicht zu fest zusammenschnuͤre. „„Das zu fest““, wiederholte er mehremale, „„ich will mich frei wegen koͤnnen. . Das ist zu fest... Ihr thut mir weh.““ iner der Gehuͤlfen machte den Strick etwas loser und schickte h dann an, ihm die Fuͤße zusammenzubinden. „„Sieh da““, hie geeschi⸗ „nich habe gerade diese Nacht getraͤumt, daß mir a. gebunden wuͤrden.« Waͤhrend diese Vorbereitungen Der M. Uedigen A“ 8 1he ensich G
s 2 Abth., von E. G. Klair. Hierauf: Det. ehr 3on . 11144* ducsaen e e nae0 zder: Der gesteseite Kater, tomisht 3 hr an. 86, ehülfen, des Senceense e enamnen arlern
2uee. ,2 ien, Gefaͤngnisse kennen gelernt Valg 8 S. a. gnans Der Oheim, Lustpiel in 5 Ngne Zan’vhl bist Du dane,, sagte er zu einem seiner Woͤch⸗
e edf. Warum? Lustspiel in 1 Akt, von L. Angel “ koͤmmst hierher, Du’ Ah, das ist nicht Recht von
Hierauf: 1“ Und Du auch, Petit, Du, der mein Freund war, Du ist zu, wie man mich bindet?. Entferne Dich Geh' fort le diese Herren, die hier sind, fuͤhrt icht he Sn
h; . er sind, fuͤhrt ihre Pflicht her; aber Du
ier nichts zu suchen.. Entferne Dich!¼“ Hierauf schwieg tscht einige Augenblicke, senkte den Kopf und schien nachzu⸗ iken; dann sagte er ploͤtzlich mit feierlichem Tone: Mein btt, warum habe ich meine Gebeine nicht an der Moskowa saseen, anstatt daß ich mir hier, in der Heimath, den Kopf schneide klaͤre C11“ — n lassen muß? Abber ich erklaͤre es Ihnen, meine
erren, die Sie hier gegenwaͤrtig sind, ich habe meinem Vater⸗ 1 einen Dienst geleistet, ich habe die Wahrheit gesagt; hhe- ereue es nicht; ich muß auf dem Schaffott als Bei⸗ dienen.“„ Dann mit lauter Stimme einen der Beam⸗ des Gefaͤngnisses rufend: „„Herr Boudeau, umar, ie mich, ich bitte Sie darum; oder fuͤrchten Sie etwa orxu umarmer ? Herr Boudeau trat zu ihm und manger g 57„„c danke““, sagte Fieschi. Als die Vorbe⸗ 1'ugsne eendigt waren, stand Fieschi auf, warf die Blicke um⸗ gte: „„M. H., ich nehme Sie saͤmmtlich zu Zeu⸗
Amsterdam
do. Hamburg do. London.. d. 8 1u EIV“ Augsburg Breslau Leipzig Frankfurt a. M. Petersburg. .
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29.
Ausvwvärtige Börsen. “ 8 Amsterdam, 20 Februar. Niederl. wirkl. Sehuld 553⁄2⁄36 5 % do. 103 à. 24 ½. 5 % Span. 482 ⁄6 Passive 16 ⅛. Ausg. ZLinsl. 18 3. P. Präm.-Scheme 106 ½. P Met. 99 ..
Kanz- Schuid 29. 23³½. Hevleh
Antwerpen, 19. Februar. Passive 1612. Ausg. Schuld —. ZinsbtL. 18
183½.
Frankfurt a. M., 22. Februar Oesterr. 5 % Metall. 103 ⅛. 103. 20 % 9912 ⁄⁄ 6. 2912/1 ½. 29
Hamburg, 23. Februur. 354. 1352. Engl. Kuss. 1061% eue Aul. 45 ¼4.
aris, 19. Februar. 5 %, Kente pr. compt. 109. 00 fin cwur. 109 10. 392 coinpt. 80 70 ün cour. 80, 80 59% Neap. 99. 35 29 8 Rente 57. Fassive 153%. Neue Ausg. Seh. Ausg. Sch.¹
wien, 20 Februar. Met. 103 ½. 4 % 99³ 10 300
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Königliche Schauspiele. „
Freitaa, 26. Febr. Im Opernhause: Zum erstenmae derholt: Die Puritaner, große Oper in 3 Abth., mit nach dem Italiaäͤnischen des Pepoli, von dem Freiherrn . tenstein. Musik von Bellini. (Die neue Decoratten Uim a0 Akte ist von dem Koͤnigl. Decorations⸗Maler Herrn Ga die im dritten Akte, von dem Koͤnigl. Decorations⸗Maler He 8 Schauspielhause: 1) L'ami grandet, ou: L8* raseg corrigée, comédie en 3 actes et en prose, par- Mr. Lne 2) Ln L Hchn . 98 ie 0ü: ante Rose, vaudeville nouveau en l ackte. 86 Sonnabend, 27. Febr. Im Schauspielhause: zun uß male: Die Leibrente, Schwank in 1 Akt, von G. 1.8 Hierauf: Der Zeitaeist, Possen spiel in 4 Abth., von E. Nahg
Sonntag, 8. Febr. Im Opernhause: Die Lolter
Koͤnigstaͤdtisches Fhraesen 3
reitag, 26. Febr. Zum erstenmale wiederh li⸗
1““ hn Seock, oder: Launen des Gluͤckes, 1ℳ9g
mit Gesang in 3 Akten, ven J. Nestroy. Musit 1878
Muͤller. Die neuen Decorationen sind vom Decorateo
vHerrn Deny.
3 b den 27sten und Sonntag den 28sten wir obige Vorstellung 1“
Redaecteur Ed. Cottel.
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Gedruckt bei A. W. Hahl⸗
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Sven na hen d dee n. 27 en Feblhnasgs
gen, daß ich meinen Kopf dem Herrn Lavocat vermacht habe;
ich habe es schriftlich aufgesetzt, und ich hoffe, daß mein letzter Wille erfuͤllt werden wird. Wo iß der, der meinen Kopf auf⸗ heben wird? Ich erklaͤre, daß er nicht ihm, sondern dem Herrn Lavecat gehoͤrt. Ja, mein Kopf dem Herrn Lavocat, meine Seele Gott und mein Koͤrper der Erde.““ Kaum hatte Fieschi diese Worte gesprochen, als der Nachrichter ihn beim Arm nahm und ihn zu einem Stuhl fuͤhrte. In demselben Augenblick naͤherte sich ihm der Abbé Grivel. Fieschi erblickte ihn kaum, als er ihm lebhaft das Gesicht entgegenstreckte, zum Zeichen, daß er ihn zu umarmen wuͤnsche. Der wuͤrdige Geist⸗ liche druͤckte ihn sogleich an seine Brust und umarmte ihn zu verschiebenen Malen mit einer Herzlichkeit, die alle Umstehende tief erschuͤtterte. Als Fieschi auch in den Augen seines Beichtt⸗ gers Thraͤnen sah, rief er aus: „„Wie, Sie weinen auch? Also ich muß Ihnen Muth ein prechen? Ich sterbe mit ruhigem Ge⸗ wissen und ohne Furcht.““ — „„Ich weiß es, mein Freund““, entgegnete der Abbé Grivel, „„ich weiß es, ich zweifle nicht an Euch ... aber Ruhe, denket an Gott; sammeit Euch!““ —
Jetzt wurde Morey hereingefuͤhrt. Er war gekleidet, wie waͤh⸗ rend des Prozesses vor dem Pairsheofe, setzte sich auf die Bank und ließ sich alle Varbereitungen gefollen, ohne ein Wort zu sprechen. Nur von Zut zu Zeit richtete er ganz unbefangene Blicke auf die Umstehenden. Dieses Stillschweigen und diese Uabeweglichkeit kontrastirten auf eine seltsame Weise mit der Beweglichkeit des gegenuͤber sitzenden Fieschr'’s, der nicht aufhoͤrte zu sprechen. „„Wo bleibt Herr Lavocat?““ sagte er unter An⸗ berm, „„wie, sollte er nicht kommen? Hat man ihm denn nicht gesagt, daß ich ihn zu sehen wuͤnsche? Ich will, daß er komme. Wenn Herr Lavocat nicht koͤmmt, so sterbe ich verdammt.““ Bei diesen Worten legte ihm der Abbé Grivel die Hand auf den Mund und sagte ihm mit Sanftmuth: „„Ah, mein Freund, welch' ein Wort! Schweiget; ich habe an Herrn Lavocat geschrieben.““ Fieschi schien sich darauf zu beruhigen; aber noch mehreremale hoͤrte man ihn die Abwesenheit des Herrn Lavocat beklagen. Waͤhrend die Vorbereitungen fortgesetzt wur⸗ den, die Morey stillschweigend erduldete, sah man an einem Pfeiler einen Mann stehen, in einem weiten grauen Ueberrock, mit einer Pelzmuͤtze auf dem Kopfe, der, seine Pfeife rauchend, das, was um ihn her vorging, als gleichguͤltiger Zeuge zu betrachten schien und kaltbluͤtig einige Worte an seine Nachbarn richtete. .. Es war Pepin! Auf ein Zeichen des Nachrichters setzte er sich ne⸗ ben Morey und legte seinen Ueberrock und seine Halsbinde ab, die er einem seiner Waͤchter mit den Worten uͤberreichte: „„Ge⸗ ben Sie das dem Herrn Direktor.““ Waͤhrend man ihm die Haͤnde auf dem Ruͤcken zusammenband, behielt er die Pfeife im Munde und rauchte fort. In seinem Gesichte gab sich keine Bewegung kund; seine Stimme war fest, aber er sprach wenig. In dem Augenblicke jedoch, wo die Gehuͤlfen ihm den Kra⸗ gen seines Hemdet abschnitten, wandte er sich zu Mo— rey und sagte mit ruhiger Stimme: „„Nun, mein alter Morey, es scheint, daß wir zusammen in die andere Welt gehen werden!““ — „„Ein wenig fruͤher, ein wenig spaͤter, as liegt daran““, entgeanete Morey. Einen Augenblick dar⸗ auf warf Pepin den Blick auf Fieschi: „„Wohlan, Fieschi““, sagte er ihm halblaͤchelnd, „„Du bist zufrieden; da stehst Du Deinem Opfer gegenuͤber.““ Fieschi wollte antworten, aber der Abbé Grivel bat ihn, zu schweigen. Um ein Viertel auf 8 Uhr waren die Vorbereitungen beendigt; die Verurtheilten standen auf, um abgefuͤhrt zu werden. „„Meine Herren““, sagte Pe⸗ pin, noch immer mit der Pfeife im Munde, „„das Verbrechen Fieschi's liegt allein in Fieschi. Es ist hier kein anderer Schul⸗ diger, als er.““ — Fieschi seinerseits sagte: „„Ich habe meine Pflicht gethan; ich bedauere nur, daß ich nicht noch vierzig Tage zu leben habe, um viele Dinge niederzuschreiben.“”“ — Die Verurtheilten wurden nun aus dem Saale, durch lange Korri⸗ dors, in den Hof gefuͤhrt, wo drei Wagen ihrer warteten. Fieschi ging voran und sprach unaufhoͤrlich mit denen, die ihn umgaben. Pepin folgte rauchend. Morey war der letzte; er konnte sich kaum schleppen und mußte von zwei Gehuͤlfen beinahe getragen werden. „„Laßt mich nicht los““, sagte er, „„ich wuͤrde wie ein Stuͤck Holz zur Erde fallen.““ — „„Nur Muth, Muth!““ antwortete man ihm. „„Oh!““ entgegnete er mit Ruhe, „„der Muth versagt mir nicht, nur die Beine.““ Jeder der Verur⸗ theilten wurde mit seinem Beichtiger und zweien Gendarmen in einen besonderen Wagen gesetzt. Die Thuͤren der drei Wagen blieben offen. Auf dem Wege unterhielt sich Fieschi bestaͤndig mit seinem Beichtiger und beklagte sich gegen ihn noch uͤber die Abwesenheit des Herrn Lavocat. „„Er hat mich nicht noch ein⸗ mal besucht““, sagte er, „„das ist nicht huͤbsch von ihm.““ — „„Setzt Euch an seine Stelle““, entgegnete ihm der Abbé Gri⸗ vel, „„wenn Ihr einen Freund in dieser Lage haͤttet, wuͤrdet Ihr nicht auch eine so schmerzliche Zusammenkunft vermeiden.““ — „„Ich verstehe Sie, mein Seelsorger““, erwiederte Fieschi mit einer Art von Ehrerbietung, „„Ihre Bemerkung ist richtig; ich fuͤge mich darein.““ Pepin legte seine Pfeife sogleich fort, als ihm der Geistliche bemerklich machte, daß er besser thun wuͤrde, nicht zu rauchen, um ihm mehr Aufmerksamkeit schenken zu koͤnnen. In einem nahe bei dem Hinrichtungs⸗Platze liegenden Hause befanden sich der Instruc⸗ nons⸗Richter Zangtacomi und die Herren Cauchy und Lachau⸗ vinière, Protokollfuͤhrer des Pairshofes. Sie waren dorthin beordert, um die Gestaͤndnisse Pepin's aufzunehmen, falls er de⸗ ren noch machen sollte. Als die Wagen bei dem Schaffotte an⸗ gelangt waren, stiegen alle drei Verurtheilte mit unveraͤnderter Ruhe und Gelassenheit aus. Der Polizei⸗Kommissarius Vassal, der einen Auftrag ad hoc erhalten hatte, naͤherte sich dem Pe⸗ pin und sagte: „„Herr Pepin, Sie nahen sich dem letzten Augen⸗ blick Ihres Lebens. Sie haben keine Interessen mehr zu scho⸗ nen, Sie muͤssen daher die ganze Wahrheit sagen. Wenn Sie noch Gestaͤndnisse zu machen haben, so ist man bereit, sie zu hoͤ⸗
ren.“ Pevpin erwiederte mit einer ungewoͤhnlichen Festigkeit: „„Ich habe den von mir gemachten Aussagen nichts mehr hinzuzufuͤgen.
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Ich habe Alles gesagt, was ich weiß. Ich sterbe unschuldig; ich
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din ein Opfer schaͤndlicher Machinationen. Ich empfehle meine Frau und meine Kinder.““ Als Pepin darauf bis dicht an das Schaffot gegangen war, erneuerte Herr Vassal seine Ermahnun⸗ gen. „„Es ist noch Zeit““, sagte er ihm, „„Sie koͤnnen noch Gestaͤndnisse machen, wenn Sie wollen; man wird die Hinrich⸗ tung, in so weit dieselbe Sie betrifft, sogleich aufschieben lassen.““ Diese letzte Bemerkung konnte Pepin einen Schimmer von Hoff⸗ nung geben; doch blieb er auch diesem zweiten Versuche, der so⸗ wohl in seinem Interesse, wie im Interesse der Wahrheit gemacht wurde, unzugaͤnglich, und das Haupt stolz emporhebend, antwor⸗ tete er: „„Nein, mein Herr, ich habe dem, was ich gesagt habe, nichts mehr hinzuzufuͤgen.““ Nach diesen Worten umarmte Pe⸗ vin den Abbé Gallard, kuͤßte das Kruzifix, und die Augen gen Himmel richtend, sagte er mit starker Stimme: „„Ich bitte Gott um Verzeihung, tausendmal um Verzeihung!““ Dann stieg er die Stufen hinauf, und oben angelangt, warf er einen Blick auf die Menge und sagte noch einmal: „„Adieu, meine Herren! Ich bin ein Opfer, ich sterbe unschuldig, Adien!““ — Jetzt kam die Reihe an Morey, der sich mit den Worten: „„Gott⸗ lob, nun geht es doch zu Ende!““ auf das Schaffott tra⸗ gen ließ und mit unerschuͤtterlicher Ruhe starb. — Fies⸗ chi's Mienen hatten sich waͤhrend dieser doppelten Hinrichtung nicht einen Moment verzogen. Er unterhielt sich mit den Umstehenden und sprach noch, als einer der Gehuͤlfen ihm die Hand auf die Schutlter legte, zum Zeichen, daß nun auch fuͤr ihn der verhaͤngnißvolle Augenblick gekommen sey. Begleitet von dem Abbé Grivel, den er beschworen hatte, ihn erst so nahe als moͤglich an der Ewigkeit zu verlassen, bestieg er das Schaffott und bat dann um die Erlaubniß, die Menge anreden zu duͤrfen. Der Polizei⸗Kommissarius Vassal gestattete es, empfahl ihm aber, sich moͤglichst kurz zu fassen. Fieschi nahm dar⸗ auf eine rednerische Stellung an und sagte mit lauter Stimme „„Ich bin im Begriff, vor Gott zu erscheinen. Ich habe die Wahrheit gesagt; ich sterbe zufrieden: ich habe meinem Vater⸗ lande einen Dienst geleistet, indem ich meine Mitschuldigen be⸗ zeichnete. Ich habe die Wahrheit gesagt; keine Luͤgen; ich nehme den Himmel zum Zeugen; ich bin gluͤcklich und zufrieden. Ich bitte Gott und die Menschen um Verzeihung; aber besonders Gott! Ich bedaure meine Opfer mehr als mein Leben!““ Dies gesagt, drehte er sich rasch um und uͤberließ sich dem Nachrichter! Um 7 Uhr 53 Minuten war der Zug auf der Richt⸗ staͤtte angelangt; fuͤnf Minuten spaͤter war Alles beendigt.“
Ein hiesiger Limonadier soll der Nina Lassave ein betraͤcht⸗ liches Gehalt geboten haben, um bei ihm als „Demoiselle du compioir“ einzutreten.
Man schreibt aus Bayonne vom löten: „Das Haupt⸗ quartier des Don Carlos ist von Mondragon nach Durango verlegt worden, wo es sich am 12ten befand. Der Oberbefehis⸗ haber Graf v. Casa Eguia, der sich am 10ten noch in Balmaseda be⸗ fand, ist am Ilten nach Mescadillo (auf der Straße nach Por⸗ tugalette) aufgebrochen und hat sich dieses Platzes sammt der dort befinblichen befestigten Kaserne bemaͤchtigt. Die Garnison hat sich nach einem schwachen Widerstande kriegsgefangen ergeben. Der Besitz von Balmaseda und Mevgcadillo setzt den General Eguia in den Stand, nachdruͤcklicher als bisher gegen Portugalette zu operiren, das der Schluͤssel von Bilbao ist. — Nachrichten aus St. Sebastian vom 12ten zu⸗ folge, war der Brigadier Iriarte Tags zuvor von dort nach Bil⸗ bao aufgebrochen, nachdem er erfahren, daß einige Karlistische Ba⸗ taillone auf diesen Platz in Anmarsch waͤren.“
Der General Cordova war am 15ten noch nicht in, Bayonne angekommen.
In Folge der bessern Notirung der Spanischen Fonds an der Londoner Boͤrse ist auch hier die aktive Rente heute wieder etwas in die Hoͤhe gegangen. Als Grund fuͤr dieses Steigen giebt man seltsamer Weise das Geruͤcht an, daß Spanien damit umgehe, seine Schuld zu vermehren, indem das Haus Rothschild (so hieß es) ihm 50 Mill. Fr. unter der Garantie von Eng⸗ land und Frankreich vorstrecken wolle.
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Siz⸗ zung vom 19. Februar. In dieser Sitzung wurde auf den am Tage vorher angekuͤndigten Antrag des Marquis von Lon⸗ donderry vom Hause mit Genehmigung der Minister eine Adresse an den Koͤnig beschlossen, worin Se. Majestaͤt ersucht werden, dem Hause eine Abschrift des im verflossenen Septem⸗ ber von Lord Palmerston an die Spanische Regierung gerichte⸗ ten Schreibens, in welchem dieser Staats⸗Secretair sich fuͤr die Freilassung der im Februar 1835 an Bord der „Isabella Anna“ gefangen genommenen und noch in Gefangenschaft gehaltenen 27 Spanier verwendete, so wie von der Antwort der Spanischen Regierung darauf, vorlegen zu lassen.
Unterhaus. Sitzung vom 19. Februar. Nach Ab⸗ machung einiger unerheblicher Angelegenheiten zeigte der Kanz⸗ ler der Schatzkammer dem Hause an, daß Lord Sidmouth (der als Herr Abdington Sprecher des Unterhauses und dann nach einander Premier⸗Minister, Kanzler der Schatzkammer und Staats⸗Secretair fuͤr das Innere war und jetzt im 79sten Jahre seines Alters steht) auf die ihm von Georg III. bewilligte und durch eine Parlaments⸗Akte bestaͤtigte Pension von 3000 Pfund verzichtet habe (hoͤrt, hoͤrt!), und fuͤgte hinzu, das Haus werde gewiß anerkennen, wie preiswuͤrdig der edle Lord gehandelt und wie sehr er den Dank des Landes verdiene. Herr Hume sprach bei dieser Gelegenheit die Hoffnung aus, daß jedes an⸗ dere Individuum, welches eine Pension bezoͤge und deren nicht beduͤrfe, eben so handeln wuͤrde. (Hoͤrt! und Gelaͤch⸗ ter.) Er verwies zugleich auf das uneigennuͤtzige Beneh⸗ men des Marquis von Camden, der seit einer Reihe von Jah⸗ ren nach und nach die ungeheure Summe von 250,000 Pfund zum gemeinen Besten aufgegeben habe. (Hoͤrt, hoͤrt!) Sir E. Codrington machte bemerklich, daß die Verzichtleistung auf eine Pension nichts so Unerhoͤrtes sey; Herr Maͤrsden, der