1836 / 64 p. 3 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

hauch in der Stadt Augusta in Georgien eine

durch Abstimmung verworfen worden war, wurde die Sitzung erst um 3 ¾ Uhr aufgeheben, ohne daß ein bemerkenswerthes Re⸗ sultat erzielt worden waͤre.

London, 26. Februar. Die Bischoͤfe von Ely, Peterbe⸗ rough und Salisbury liegen alle drei gefaͤhrlich krank danieder.

Der heutige Courier sagt in Bezug auf einen ihm ein⸗ gesandten und in seinem gestrigen Blatte abgedruckten Biief, worin der Verbreiter der nachtheiligen Geruͤchte uͤber Evans im schwaͤrzesten Lichte dargestellt wird, Folgendes: „Wir haben ge⸗ stern einen an uns gerichteten Brief, „Macnamara, vom 8ten Regiment der Hochlaͤnder bei der Britischen Legion“ unterzeich⸗ net, aufgenommen, und wir halten es fuͤr unsere Pflicht, hinzu⸗ zufuͤgen, daß es mit den von uns gemachten Erfahrungen uͤber⸗ einstimmt, daß vor einiger Zeit Uneinigkeiten der unangenehm⸗ sten Art zwischen dem Brigade⸗General Evans und cinigen hoͤ⸗ heren Offizieren der Legion ausgebrochen sind und die letzteren sich hierdurch bewogen fuͤhlten, ihrem Dienste zu entsagen und nach England zuruͤckzukehren. Inzwischen muß das Publikum vorsichtig seyn, sich jetzt schon ein Urtheil uͤber die Behauptun⸗ gen bisden zu wollen, die von der einen oder der andern Seite ausgehen.“

Vorgestern sand die Jahres Versammlunz der Actionaire der Londoner Universitaͤt statt, in welcher die Direkioren ihren Bericht ablegten und erklaͤrten, daß das Institut in fortdauern⸗ der Prosperitaͤt sey, welches besonders daraus hervorgehe, daß zum ersten Male seit der Bildung der Universitaͤt die Einnah⸗ men fuͤr das Jahr (1832 ½ ;) mehr als hinreichend seyen zur Deckung sowohl der gewoͤhnlichen als außergewoͤhnlichen Aus⸗

ben. Fuͤr das laufende Jahr duͤrfe man auf noch guͤnstigere Resultate rechnen, da die Zahl der Studirenden fortwaͤhrend zu⸗ nehme und der Betrag des erhobenen Honorars sehr bedeutend ey. Waͤhrend des verflossenen Jahres war der Brutto⸗Ertrag des letzteren 9 913 Pfod. Sterl. und fuͤr das gegenwaͤrtige Jahr wird derselbe auf 10,630 Pfd. Sterl berechnet. Hr. Warburton, ein Mitglied des Parlaments, welcher praͤsidirte, erklaͤrte, daß man binnen kurzem der Verleihung des Privilegiums der Promotion zu akademischen Wuͤrden an die Untversitaͤt der Hauptstadt ent⸗ gegen sehen duͤrfe; er wisse, daß bereits mehrere Ernennungen zu der a'sdann anzuordnenden Pruͤfungs⸗Kommissson vorgenom⸗ men seyen, und gl ube, doß der Lord⸗Kanzler selbst einer der Mitglieder dieser Kommission seyn werde.

Sonnabend in der Astatischen Gesellschaft fand ein sehr in⸗ teressantes Gespraͤch statt, woran Herr Urqhart, Sir A. John⸗ stone und Sr Gore Ousely Theil nahmen, uͤber den Versuch, einen litcrarischen Verkehr mit der Tuͤrkei, als dem Schluͤssel zu einem greßen Theile des Kontenents von Asien, durch Ueber⸗ setzung unserer klassischen Literaturwerke ins Tuͤrk;ische und um⸗ gekehrt der Tuͤrkischen ins Englesche, zu eroͤffnen. Herr Ura⸗ hart fuͤhrte an, daß die kuͤrzlich in der Tuͤrkei unter Autoritaͤt der Reuierung gestiftete Zeitung 5000 Exemplare in Umlauf setze, obgleich so wenige Mittel vorhanden seyen, ihre Verbrei⸗ tung in jenem Laͤnde allgemein zu machen. Er zeigte den be⸗ merkenswerihen Einfluß der Presse, da, bei diesem verhaͤltniß⸗ maͤßig beschraͤnkten Umsatz, doch mehrere Beamte, deren Namen bloßgestellt worden, hart erschreckt worden seyen. Es sey ein Palast suͤr die Herausgabe der Zeitung eingeraͤumt, die Drucker⸗ Dressen waͤren aus England gezogen worden, und das Blatt stehe unter der Aufsicht des Heren Blaque, vormaligen Redac⸗ trurs des „Courrier de Smyrne“. (Es scheint also vom Moni⸗ teur Ottoman, nicht von der Tekwimi Wekaji, die Rede zu seyn.)

Am l5ten d. M. wurde in Newcastle eine Versammlung der Subskribenten zu einem dem Grafen Grey zu errichtenden Monumente gehalten, in welcher unter vielen eingereichten Pläͤ⸗ nen der Vorzug dem Plan eines Herrn Green gegeben wurde, demzufolge das Denkmal aus einer 120 Fuß hohen Saͤule, die einer kolossalen Statue des Grafen, vom Bildhauer Bailey, zum Piedestal dienen soll, bestehen wird. Es wurde ein Ausschuß ernannt, welcher einen fuͤr die Errichtung des Denk nals schick⸗ 8 ½ Platz auszuwaͤhlen und dasselbe in Ausfuͤhrung zu bringen hat.

Eine Ausgleichung zwischen Marokko und dem Sardinischen Hofe wird in den hiesigen Zeitungen als zuversichtlich angekuͤndigt.

Nachrichten aus Havanna vom 10. Dez. zuso ge, hatte das Militair 50,000, die Insel Cuba 4 bis 500,000 Dollars zur Un⸗ terstuͤtzung des Mutterlandes unterzeichnet. Auch hieß es, die Regierung werde sich einer Million Dollars, die fuͤr Rechnung der Insel unbenutzt bei der St. Ferdinands⸗Bank laͤge, zum Dienste des Staates bedienen.

Die letzten Nachrichten vom Kap sind vom 20. Dezember. Am 12ten versammelten sich die Kaffern⸗Haͤuptlinge, welche den neuen Traktat mit der Britischen Regierung abgeschlossen haben, in Williams⸗Town bei dem Obersten Smith und leisteten dem Koͤnige von Großbritauien den Huldigungseid; sie wurden zu⸗ gleich als die obersten Beamten in ihren Bezirken vereidet und erhielten vom Obersten die aͤußeren Zeichen ihrer neuen Wuͤrde. Drei Häupilinge wurden zu Feldkornets in ihren Distrikten er⸗ E“ forderte die neuen Beamten auf, ihr Moͤglichstes zu thun, um Mord, Zauberei und Diebstahl bei ih⸗— ren Untergebenen zu verhindern. Aus der neuen Provinz Adelaide lauteten die Nachrichten nicht sehr guͤnstig. Die Haͤupilinge der Kaffern hatten um die Ruͤckkehr der vertriebenen Missionaire er⸗ sucht, welche die Furcht noch von ihren fruͤheren Wohnsitzen fern hielt. Hier und da erlaubten sich die Kaffern noch einige Dieb⸗ stahle, indeß hoffte man doch, daß die Ordnung binnen kurzem wieder hergestellt seyn werde. Laͤngs der Groͤnze waren neue Battericen abgesteckt und die bei Uitenhage schon vollendet und 1“ 9

Die Fortschritte, welche die insurgirten Indianer in Flori machen, haben nicht nur in den suͤdlichen T“ ten Staaten Besorgnisse erweckt, sondern auch in den noͤrdlichen Provinzen die oͤffentliche Aufmerksamkeit in Anspruch genommen In New⸗York werden Versammlungen gehalten, um uͤber die Mittel zu berathen, durch welche die Einwohner von Florida am sichersten und schleunigsten vor dem Tomaharmk und der Rache der Indianer gesichert werden koͤnnen. Zu demselben Zweck ist

Versammlung ge⸗ Freiwilligen haben S einigen anderen Staaten ge— die Truppen der Vereinigten Staaten zie⸗ nach dem Kampfplatze hin. Zufolge 1 Jan. hat die Escadre

1 „welche sich damals auf der Hoͤhe von e. Csnd, den Befehl erhalten, mit vcgahe ehe sich ianee ercnre 8,8 egG des Aufruhrs der In⸗ 8 eminolen, welche jetzt Florida mi

Raub und Mord durchziehen, ist der in 8 Belschaß⸗ des pra⸗ sidenten der Vereinigten Staaten erwaͤhnte Versuch der Ameri⸗

kanischen Regierung, eine Um Graͤnzen der Vereinigten C s. aller noch innerhalb der

halten worden. Zahlreiche Compagnieen von sich bereits in Karolina und und

zu veranlassen. Die Seminolen, welche sich zur Auswanderung nicht verstehen wollen, haben erklaͤrt, daß sie lieber ster⸗ ben als ihre Wohnsitze aufgeben wollen, und man kann daher erwarten, daß sie entschiedenen Widerstand leisten wer⸗ den, wie groß auch die Uebermacht der Vereinigten Staa⸗ ten ist. Die Indianer hatten zu Anfang des vorigen Monats eine bedeutende Streitmacht bei Capb Sable und New Rioer zusammengezogen und schienen die Absicht zu haben, auf diesen beiden Punkten hauptsaͤchlich Widerstand zu leisten. Am 6ten uͤberfielen sie die Wohnung eines Anstedlers am New⸗River, ermordeten die Lanze Familie, pluͤnderten das Haus, steckten es in Brand und fuͤh ten alles Vieh und die Sklaven weg. Die⸗ ses Ereigniß veranlaßte alle Bewohner aus der Nachbarschaft, von der Kuͤste in das Innere des Landes zu entfliehen, so daß selbst der Leuchtthurm auf dem Cap Florida verlassen worden it. Die Fluͤchtlinge suchten einen Zufluchtsort in Key⸗West, und nach ihrer Entfernung pluͤnderten die Indianer alle Haͤuser am New⸗Rüver ohne Ausnahme.

Der Courier aͤußert mit Hinsicht auf die Warnung des Praͤsidenten der Handels Kammer wider die Sprache, welche ein⸗ zelne Parlaments⸗Redner gegen Rußland fuͤhren: „Dies heißt wie ein Staatsmann und vernuͤnftig gesprochen. Das bestaͤndige Schmaͤhen Rußlands ist wie das auf O'Connell nur fuͤr diejeni⸗ gen nachtheilig, welche es sich gestatten. Was die Vaterschaft des Preußischen Zoll Vereins betrifft, so koͤnnte man sie, wie wir glauber, eben so gut dem Lord Dudley Stuart selbst, als dem vorigen oder jetzigen Kaiser von Rußland ausbuͤrden.“

London, 26. Febr. Wir leben deoch wirklich in ei ner wunderbaren Zeit, wo Dinge oft in einem Tage zu Stande kommen, die man entweder gar nicht, oder doch erst in Jahren zur Re fe kommen zu sehen erwartet hatte. Die Orangisten haben die Waffen gestreckt, und in wenigen Wochen werden wahrscheinlich alle Logen dieses Vereins auf⸗ geloͤst seyn. Dienstag Nacht brachte Hume seine versprochene Motion gegen diesen Verein vor, welche vorzuͤglich in einem Gesuch an den Koͤnig bestand, daß Se. Maj. geruhen wolle, alle als Mitglieder desselben gekannte Personen von gewissen Aemtern zu entfernen. Aber wichtiger als der Vorschlag selbst war eine Anzahl Briefe, die er dem Hause vorlegte, welche er sich auf irgend eine Weise hatte zu verschaffen gewußt, und welche das ganze Haus zu uͤberzeugen schienen, daß es die Ten⸗ denz dieses Vercins, in England und Schoitland wenigstens, sey, nicht nur das Militair in sein Interesse zu zichen, sondern auch unter der Masse des Veolkes ein Heer von Bruͤdern zu werben und so zu organisiren, daß sie auf den ersten Ruf be⸗ waff iet dastaͤnden, um die Regierung der Whigs gewaltsam umzustoßen und das Land der Herrschaft ultraprotestantischer und antiliberaler Grundsaͤtze zu unterwerfen. Als Hauptpersonen bei diesen Bestrebungen erschienen, nebst dem bekannten Fairman, die Lords Kenyon und Wynford. Schon das, was in der vorjaͤhrigen Untersuchung zu Tage gekommen war, schien, auch ohne die Beschuldigungen, wesche der verstorbene Haywood gegen Fairman und Kenyon vorgebracht hatte, nebst dem Davonlaufen Fairman's mit den Buͤchern und Papieren des Instituts, eine solche Absicht wahr⸗ scheinlich zu machen. Die Entdeckungen Hume's, gegen deren Echtheit sich im Unterhause kein Zweifel erhoben hat, bestätigten diese Voraussetzung. Unter diesen Umstaͤnden wurden die Mi⸗ nister, gegen die jene Bemuͤhungen der Orangisten vorzuͤglich ge⸗ richtet waren, von Manchen getadelt, daß sie sich so nachsichtig bewiesen. Aber theils die Furcht, dadurch wirklich das Feuer einer Insurrection anzufachen, noch mehr aber Ruͤcksichten gegen den Monarchen und die Ueberzeugung, daß die Gefahr vorüͤber und eine Erneuerung Les Versuchs unmoͤglich sey, bewogen sie, den Weg der Milde einzuschlagen. Lord John Russell begnuͤgte sich also, nach einer Rede, deren Maͤßigung und Klugheit nicht nur Lord Stanley, sondern selbst die bittersten Gegner der Re⸗ gierung lobten, Hume⸗'s Verschlag dahin zu mildern, daß die Adresse den Koͤnig bitten soll⸗, Se. Majestat wolle geruhen, die, jenigen Mittel zu ergreifen, die Seiner Weisheit gut duͤnken moͤchten, um alle politische Gesellschaften, welche durch geheime Zeichen und religioͤse Bande vereinigt und auf besondere Glau⸗ bensgenessen beschraͤnkt seyen, zu hintertreiben, namentlich die Orangisten Logen. Da nun Jeder nach dem Vorgefallenen uͤber⸗ zeugt war, daß diese Logen aufhoͤren muͤßten, so erklaͤrten Herr Moyxwell und die Obersten Verner und Perceval, daß, sobald Se. Maj. Hoͤchstihren Wunsch in dieser Beziehung erklaͤrt ha⸗ ben wuͤrden, sie selbst austreten und ihren Einfluß gebrauchen wollten, um deren gaͤnzliche Aufloͤsung zu bewirken. Nur ba⸗ ten sie (und Lord Stanley und Peel unterstuͤtzten sie in der Bitte), man moͤchte das Ehrgefuͤhl der Mitglieder schonen und das Jastitut nicht namhaft machen. Lord Stanley that Alles, was Schmeichelei vermochte; Sir R. Peel unterstuͤtzte seine Be⸗ muͤhungen, selbst O'Connell aͤußerte sich ziemlich gelind und er⸗ kannte die Versoͤhntichkeit an, welche die Orangisten bei dieser Debatte gezeigt; aber der Minister blieb unbeweglich, indem er zu verstehen gab, daß nach Allem, was ans Licht gekommen, diese Gesellschaft mit Namen geruͤgt werden muͤsse; und die Orangisten und ihre Freunde, wahrscheinlich um eine Trennung unter den Tories zu vermeiden, ließen es sich gefallen, so daß der Beschluß der Regierung einstimmig angenemmen ward. Selbst die „Times“ kann dem Ministerium diesmal das Lob nicht verweigern, daß es mit Klugheit zu Werke gegangen, und obgleich sie den Verein in Irland entschuldigt, indem sie dort

eine treffliche Gegenwirkung gegen die Umtriebe der Katholiken

darin sehen will, verwirft sie denselben in England, als unnoͤthig

in seinem Entstehen und verderblich in seinem Fortgange; auch giebt sie zu verstehen. daß den Konservativen durch die aufgezwun⸗ gene Verbindung mit heftigen Maͤnnern, wie Fairman, Kenyon

und Wynford, nur schlecht gedient sey. Der „Standard“ dagegen will den Ausgang durchaus nicht als einen Triumph fuͤr die Mini⸗ ster gelten lassen, indem er versichert, die Orangisten, einsehend, daß eine Unterscheidung unter Protestanten, jetzt, da alle Prote⸗ stanten einig seyen, schaͤdlich waͤre, haͤtten schon fruͤher den Ent— schluß gefaßt gehabt, ihren Verein aufzuloͤsen, damit ein großer „Protestantischer Verein“ drsto eher zu Stande komme. Doch ist noch vor wenigen Tagen bei Lord Kenyon eine große Loge gehalten worden, worin eine Erklaͤrung erlassen wurde, welche den Entschluß anzeigt, allen Feinden zum Trotz das Institut auf⸗ recht erhalten zu wollen. Man wundert sich uͤbrigens, daß nicht eine einzige Stimme sich gegen die Echtheit der von Hume vor⸗ gebrachten Briefe erhoben und daß selbst der „Standard“ kein Wort gegen eine Reihe anderer vorgebracht hat, welche gestern un⸗ ter dem Titel „Orangisten⸗Portfolio“ von der „Morning Chro⸗ nicle“ mitgetheilt wurden. Die ministeriellen Blaͤtter triumphi⸗ ren uͤber den Ausgang, den diese Angelegenheit genommen hat, und wollen darin den ersten Schritt zur gaͤnzlichen Vernichtung der Macht der Tory⸗Partei erblicken. Sie erinnern daran, daß Peel's

dlichen Indianer⸗Horden

Verwaltung den Koͤnig auf mehrere Orangisten⸗Adressen die

gnaͤdigste Antwort habe ertheilen lassen, obgleich schon damals die gesetzwidrigen Bestrebungen dieser Gesellschast in Irland laͤngst der Gegenstand allgemeiner Klagen gewesen sey. Wenn die gemaͤßigten Tories daher wieder Einfluß bei der Nation er⸗ langen wollten, meinen jene Blaͤtter, so muͤßten sie sich gaͤnzlich dieser Verbindung entziehen, was dann aber fuͤrs erste eine Spaltung unter den Tories und also eine Schwaͤchung dieser Partei zur Folge haben wuͤrde. Ich will Sie heute nur noch auf zwei Dinge aufmerksam maͤchen, erstlich auf die Klagen des Lord Londonderry im Oberhause, daß sein Name mit der Sache der Orangisten⸗Legen vermengt worden, und die Versicherung desseiben, daß er nie mit denselben etwas zu thun gehabt habe, und zweitens auf eine Scene im Unterhause, wo ein Haͤuflein von 34 Ultra Tories, durch die Formen des Hauses beguͤnstigt, ge⸗ stern Nacht die Minister, obgleich es dreimal durch eine große Mehrheit uͤberstimmt wurde, dennoch durch ihr ungestuͤmes Bo nehmen es durchsetzte, eine Debatte auf heute zu verschieben. Da aus koͤnnen Sie auch umgekehrt ersehen, was O'Connell mit seis nem Anhang gegen ein ihm feindseliges Ministerium vermoͤgen wuͤrde, besonders da er fast von der ganzen Irlaͤndischen Nation unterstuͤtzt wird. Der Koͤnig hat bereits seine Antwort auf die Adr sse des Unterhauses wegen Unterdruͤckung des Orangisten⸗ wesens ertheilt, und zwar ganz in dem Sinne der Ahdresse selbst, und man ist nun sehr gespannt auf den Erfolg dieser Koͤniglç⸗ chen Erklaͤrung.

Mied elaäan de

Amsterdam, 27. Februar. Der Handel in Staats⸗Pa⸗ pieren war waͤhrend dieser Woche im Ganzen ziemlich belebt: sind wieder erhebliche Geschaͤfte in Spanischen Ardoin⸗Obligatio⸗ nen gemacht worden, wozu deren veraͤnderlicher Preisstand an den au waͤrtigen Boͤrsen die Veranlassung gegeben bat. Die zu Anfang der Woche von Antwerven erhaltenen Notirungen waren taͤglich etwas niedriger; der hiesige Markt wurde aber durch mehrere Ein⸗ kaͤufe unterstuͤtzt, so daß die Course nicht verhaͤltnißmaͤßig herunter⸗ gingen; die vorgestrige Post meldete zugleich von London und Ant⸗ werpen, daß Ardoin⸗Obligationen daselbst auf allerlei Geruͤchte

ploͤtzlich um mehr als 1 pCt. zuruͤckgewichen seyen, und obgleich

jene Geruͤchte wenig Zuverlaͤsstges darboten, ging der Preis der be⸗ sagten Effekten hier doch von 473 ½ à 48 ¾ auf 46 ½ à 477 ½¼ vCt. herunter; die gestrigen Rotirungen von Antwerpen waren zwar wieder etwas besser, doch anhaltende Verkaͤufe verhinderten, daß der Preis sich erholen konnte; in den uͤbrigen Spanischen Schuld⸗Deo⸗ kum'nten war nur unbedeutender Handel; außer ausgesetzter Schuld, welche sich ungefaͤhr auf 22 ½4 pEt. erhirlt, folgten sie dem Gange der Ardoin⸗Obligationen; alte ausgesehte Schuld ging von 18 ¼ auf 18 und hob sich gestern wieder auf 18 ½ pCt.; passive, von 16 auf 155 sinkend, wurde wieder zu 153 ¾ vCt. abgenommen. Auf Hollaͤndische Staats⸗Papiere hat dieser Umstand, wie sonst ge⸗ woͤhnlich, beinahe keinen Eindruck gemacht, weil sich dafuͤr durch⸗ weg immer einiger Begehr zeigte; Integrale haben den Preis von 55916 „Ct, 5 proc. wirkliche Schuld 103 pCt und Kanz⸗Billetz 249, 16 Fl. gut kehauptet; die Actien der Handels⸗Gesellschaft sind durch eifrige Frage neuerdings zum Steigen gebracht und dieser Tage mit 132 ¾⅜ „Ct. bezahlt worden. Waͤhrend dieser Woche war der Umsatz in Oesterreichischen und Russischen Fonds sehr unwichtig bei geringem Preis⸗Wechsel.

689 Fl. angelegt wurden. Von Suͤd⸗Amer kanischen Obligationen behaupteten sich Brastltanische ziemlich, die uͤbrigen wurden etwas mehr ausgeboten und blieben flauer. Der Geld⸗Cours ist unver⸗ aͤndert. Auch diese Woche wurden wieder eintge kleine Partieen

rothen und auch weißen Weizens durch Spekulanten aus dem Markt lieben; dagegen herrschte fuͤr die uͤbrigen Getraide⸗Sorten eine allgemeine Stille. Gestern zahlte

genommen, wodurch die Preise fest

man fuͤr 132. 133 pfuͤnd. weißbunten Polnischen Weizen 240. 245 Fl.: fuͤr 126pfüͤnd bunten dito 197 Fl.: fuͤr 129 pfüͤnd rothen Mäͤrkischen 190 Fl.; fuͤr 128pfuͤnd. Pommerschen 186 Fl.; fuͤr 128pfuͤnd. Luͤ⸗ becker 181 Fl. In Folge einer ministeriellen Bekanntmachung sind die hiesigen Eingangsrechte fuͤr des naͤchsten Monat Maͤrz festgesetzt wie folgt: von Weizen und Spelt 75 Fl., von Roggen und Buch⸗ weizen 30 Fl., von Gerste und Malz 22 Fl. 50 C., von Hafer 30 Fl., alles pr. Last, und regulirt nach den Mititelpreisen von 154 ½ Fl. fuͤr Weizen, 129 Fl 30 C. fur Roggen, 1907 Fl. 40 C. süͤe Gerste und 63 Fl. 90 C fuͤr Hafer.

1I6“ Bruͤssel, 27. Febr. Wegen des

blebens Ihrer Hoheit der Großherzogin von Hessen legt der Koͤnig von heute ab die Trauer auf erlf Tage an.

Freie Stadt Krakau.

Koͤnigl.

Krakau, 27. Februar. Vorgestern gab die hiesige Buͤr⸗ gerschaft dem General Kaufman von Trauensteinburg, Befehls⸗ haber der das Gebiet der Stadt Krakau im Namen der drei Schutzmaäͤchte besetzt haltenden Truppen, und dem ganzen Off⸗ zier⸗Corps dieser Truppen ein glaͤnzendes Diner, bei weichem em Toast auf das Wohl des Commandeurs ausgebracht und dem⸗ selben suͤr die Menschenfreundlichkeit und Besonnenheit, womit er die ihm uͤbertragene Mission ausfuͤhrt, gedankt wurde. Der General brachte seinerseits einen Toast auf die Wohlfahrt der freien Stadt Krakau, ihrer Einwohner und des Senats⸗Praͤsi⸗ denten aus, mit Hinzufuͤgung des Wunsches, daß die in dem Gebiet als Gaͤste befindlichen Truppen fuͤr wahre Freunde ange⸗ sehen werden moͤchten.

1114“

Kassel, 24. Febr. Bekanntlich waͤhlte der Stadtrath un⸗ serer Residenz den bisherigen Buͤrgermetster in Rinteln und Mit⸗ glied des staͤndischen Ausschusses, Herrn Wippermann, zum zwei⸗ ten Buͤrgermeister Kassels. Die Regierung fand sich aber bewo⸗ gen, ihn nicht zu bestaͤtigen. Demnach entschloß sich der Stadt⸗ rath, diese Stelle vakant zu lassen und Herrn Wippermann zum Stadt Secretair zu ernennen, als welcher er nicht die Bestaͤtigung bedarf.

Fch in unserem Kurstaat wirft die bemittelte ackerbautrei⸗ bende Klasse ihren Blick auf Anpflanzung von Runkelruͤben, da bereits die Anlegung mehrerer Rubriken von Runkelruͤben⸗Zucker projektirt ist und der Getraidebau immer uneintraͤglicher wird.

Bremen, 27. Febr. Gestern fand der erste diesjaͤhrige Buͤrger⸗Konvent statt, wozu, wie gewoͤhnlich, von Seiten des Praͤsidenten mehrere hundert Buͤrger eingeladen waren. Es ward der Buͤrgerschaft das Budget vom Jahre 1836 vorgelegt; dasselbe enthaͤlt zwar ein Defizit von circa 22,000 Rthlr., allein es ist nicht zu bezweifeln, daß sich dieses in einen bedeutenden Ueberschuß verwandeln duͤrfte, da die Einnahmen viel zu niedrig, die Ausgaben viel zu hoch angeschlagen sind; namentlich moͤchte die enorme Summe von circa 83,000 Rthlr., welche fuͤr das Militair angesetzt ist, einer großen Reduction zu unterwerfen seyn. Das Budget von 1835 hatte auch ein Defizit von circa 24,000 Rthlr. gezeigt, aber am Ende des Jahres ergab sich ein Plus von circa 57,000 Rthr. Bei diesem guͤnstigen Zustande unserer Finanzen denkt die Buͤrgerschaft, besonders die Kauf⸗ mannschaft, ernstlich daran, die in G der großen Ausgaben fuͤr den Bremer Hafen vor einigen Jahren dem Handel aufe

In Loosen sind wenige Geschaͤfte ge⸗ macht, wobei fuͤr Preußische 1063¼ à 107 Fl. und fuͤr neue Wiener

egten Lasten zu ermaͤßigen, indem unser Ein, und Ausfuhr⸗Zoll bedeutend hoͤher als der der Schwesterstadt Hamburg ist. Man erwaͤrtet auf einem der naͤchsten Konvente Antrag und Beschluß, den fruͤher auf 4 pEt. erhoͤhten Wechsel⸗Stempel we⸗ nigstens auf 3 pCt. herabzusetzen, und hinsichtlich der Accise eenstliche Diskussionen. Die Erwartung Vieler, gestern Einiges bon dem Resultat der fuͤnfjaͤhrigen Arbeit der Constitutions⸗ Derutation zu vernehmen, ward nicht erfuͤllt; allgemein sprach sich aber das lebhafte Verlangen nach einer anderen Verfassung aus, und ein Antrag von Seiten des Kollegiums Seniorum (der Aelter⸗ leute), in Betreff der desfallsigen Verhandlungen in den Kon⸗ venten zu Ende 1830 und zu Anfang 1831, ward von der Buͤr⸗ erschaft mit großem Beifall angenommen und einstimmig zum Burgerschluß gemacht. Zugleich entband die Buͤrgerschaft die Constitutions⸗Deputation ihres am 8. Februar 1831 geleisteten ides und forderte den Rath zu gleicher Maßregel auf. Nach anderthalbstuͤndiger Ueberlegung antwortete der Rath: Bei der Wichtigkeit der angeregten Angelegenheit enthalte er sich heute einer Antwort, werde sie aber ehestens der ehrliebenden Buͤrger⸗ schaft o 1“

Muͤnchen, 25. Febr. Obgleich der erwartete Courier aus Athen mit den Regierungs⸗Depeschen noch nicht angekommen ist, welcher jedoch stuͤndlich eintreffen kann, so melden doch Briefe aus Athen, daß die Abreise Sr. Maj. des Koͤnigs aus Griechen⸗ land in den letzten Tagen des Februars stattfinden werde. Wirk⸗ lich sgen auch Nachrichten aus Ancona, daß man der Ankunft Sr. Maj. daselbst auf den 2. Maͤrz entgegensehe. Nach gehal⸗ tener Quarantaine von neun Tagen duͤrfte sodann die Ruͤckkunft Sr. Maj. nach Muͤnchen in der Charwoche erfolgen, wie dies chon fruͤher gemeldet ward.

Unsere große tragische Schauspielerin, Madame Schroͤder, ist jetzt im Begriff, das hiesige Theater zu verlassen und ihrem Rufe nach Wien zu folgen, wo sie ihre dramatische Laufbahn beschleßen wird. Nachdem sie vor einigen Tagen die Medea ge⸗ piett, wird sie heute als Merope auftreten und damit ihre hie⸗ sigen Darstellungen beschließen. Ihre Tochter, die Saͤngerin Madame Schroͤder⸗Devrient, wird demnaͤchst hier ankommen und vor ihrer Reise nach Italien einige Gastrollen hier geben.

Stuttgart, 24. Febr. Sicherem Vernehmen nach ist das Kanal⸗Unternehmen einer Verbindung des Rheins mit der Donau, mittelst der Gewaͤsser der Kinzig und der Brigach, uͤber das Schwarzwald⸗Plateau von Tennenbronn und St. Georgen, gaͤnz⸗ lich aufgegeben worden. Die Niederlaͤndischen Kopitalisten, welche sich mit so bedeutenden Summen dafuͤr interessirt hatten, haben nach dem Tode des bekannten Baron La Floͤche de Keudelstein, welcher die Idee dieses Kanals zuerst angeregt, die Terrains und Hertlichkeiten naͤher untersuchen lassen. In Folge dieser Unter⸗ suchungen hielten sie füͤr noͤthig, bei den betreffenden Regierun⸗ gen sich durch das Gesuch um eine Garantie von 5 pCt. Zinsen fuͤr das aufzuwendende Kapital zu sichern. Wie sich von selbst versteht, ward diesem Ansuchen kein Gehoͤr gegeben, und so zer⸗ schlug sich denn der große Plan.

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Wien, 20. Febr. (Schwäb. Merk.) Was das Vor⸗ ruͤcken der seit den Feldzuͤgen im Jahre 1813 und 1814 noch nicht zu Stabs⸗Offizieren ernannten Offiziere betrifft, so versi⸗ chert man von allen Seiten, daß Se. Majestaͤt der Kaiser be⸗

reits den Befehl ertheilt habe, bei den zu machenden Vorschlaͤ⸗

gen auf solche Offiziere vorzuͤglich Ruͤcksicht zu nehmen.

Der Herzog Ferdinand von Sachsen⸗Koburg geht Donner⸗ stag mit einem Theile seiner Familte uͤber Bruͤssel nach London ab, um seinen Sohn vor seinem Abgange nach Lissabon noch einzuholen. 1

Aus der Gegend des Plattensees in Ungarn ist vorige Woche die Nachricht eingetroffen, daß waͤhrend eines Erdbebens am Rande des See⸗Ufers vulkanische Ausbruͤche stattfanden, indem zugleich der Himmel mit Donner und Blitz die geaͤngstigten Be⸗ wohner dieser Gegend entsetzte. Seitdem werden laͤngs des Ufers odte Fische in Unzahl ausgeworfen, welche gesotten zu seyn

scheinen.

Wien, 27. Febr. Se. K. K. Majestaͤt haben mittelst Al⸗ serhoͤchster Entschließung vom 20. Februar d. J. die Errichtung ines unbesoldeten General⸗Konsulats fuͤr das Gebiet der freien

tadt Frankfurt a. M. genehmigt und den Freiherrn Anselm on Rothschild, Sohn des Freiherrn Salomon von Rothschild nd Compagnon des Banquierhauses M. A. von Rothschild und

oͤhne in Frankfurt a. M., zum K. K. General⸗Konsul daselbst ernannt. Der Direktor der hiesigen Sternwarte, Herr Joseph Littrow, ist von Sr. Maj. dem Kaiser in den Adelstand erhoben worden.

Der bekannte Italiänische Graf Gonfalonieri, welcher schon viele Jahre als Staatsgefangener auf dem Spielberge saß und küͤrzlich in so weit Begnadigung erhielt, nach Amerika auswan⸗ dern zu duͤrfen, befindet sich noch immer hier, um durch die Geschicklichkeit hiesiger Aerzte von einem koͤrperlichen Leiden be⸗ freit zu werden. Er wird mit der groͤßten Schonung behandelt und genießt, insofern er in Begleitung eines gebildeten Polizei⸗ Namten und eines seiner Verwandten taͤglich herumfaͤhrt, um die Sehenswuͤrdigkeiten Wiens und seiner Umgebungen in Au⸗ genschein zu nehmen und sich die Beduͤrfnisse fuͤr die vorhabende Reise anzuschaffen, große Freiheit.

D’’ Agramer Zeitung meldet, daß im naͤchsten Maͤrz außer der „Argo“ auch das Dampfboot „Franz I.“ uͤber die Katarakten herabfahren und mit dem von Konstantinopel herauf⸗ fahrenden Dampfboote „Ferdinand“ zu Hirsova in Verbindung treten solle, so daß auf diese Weise eine fortwaͤhrende Wasser⸗ Lommuntcation zwischen Wien und der Tuͤrkischen Hauptstadt hen wuͤrde. In Galacz ließ noch nichts darauf schließen, auß die Regierung die dieser Stadt ertheiete Zusicherung, ihr die Votrechte eines Freihafens zu gewaͤhren, so bald zu verwirklichen gedächte. Das genannte Blatt bedauert es, daß einem Oester⸗ reichischen und einem Sardinischen Schiffe, die in den Donau⸗ Muͤndungen verungluͤckt, von den Russischen Strand⸗ und Cor⸗ dons⸗Wachten, ungeachtet der an sie ergangenen Bitten keine Huͤlfe habe geleistet werden koͤnnen, weil die Sanitaͤts⸗Vorschrif⸗ len es diesen Mannschaften nicht gestattet haͤtten. Auch spricht es seine Verwunderung daruͤber aus, daß Englische Bläͤtter noch faüe von Besatzungen in den Festungen Giurgewo und Brai⸗ da doch diese Plaͤtze in Folge des Traktats von diese Fope gaͤnzlich geschleift worden seyen; nur Silistria, sagt

1G Zeitung, und die von da uͤber Fokschan und Jassy nach Isebenb 71d. dilitair-Straße seyen noch von den Russen 18 Fetsckand es veen auf der genannten Straße, namentlich hes han un erdal, ungefaͤhr 5 6000 Mann vertheilt

s

—— Prag, 27. Febr. Verschiedene Deutsche Zeitungen haben unlaͤngst berichtet, daß die Gemahlin des Fuͤrsten Adciph Schwarzenberg, geborne Prinzessin von Liechtenstein, im

K.

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Theater zu Neapel auf eine ungluͤckliche Weise ums Leben ge⸗ kommen s. Hierauf kann als zuverlaͤssig gemeldet werden, daß die Fuͤrstin von Schwarzenberg, die wegen ihrer geschwaͤchten Gesundheit diesen Winter mit ihrem Gemahl in Italien zubringt, sich, nach gestern aus Neapel angelangten Briefen, gegenwaͤrtig eines bessern Wohlseyns zu erfreuen hat, als es seit langer Zeit der Fall war.

Triest, 19. Febr. (Schles. Ztg.) Unsere Nachrichten aus Skutari enthalten keine Neuigkeit von Belang. Es herrschte daselbst fortwaͤhrend Ruhe; unter der christlichen Bevoͤlkerung aber machte sich große Unbehaglichkeit bemerklich. Ohne daß die⸗ selbe uͤber offenbare Gewaltthat klagen kann, sieht sie sich von dem neuen Gouvernement auf jede Weise zuruͤckgesetzt und von der Tuͤrkischen Bevoͤlkerung mit Uebermuth und Verachtung be⸗ handelt. Es scheint, daß ersteres die Christen fuͤr ihre geringe Bereitwilligkeit bei Unterdruͤckung des Aufstandes buüßen lassen will, waͤhrend die Tuͤrkischen Einwohner aus dem entgegengesetz⸗ ten Grunde, d. h. weil sie keinen Antheil an der Rebellion ge⸗ nommen, Rache nehmen. Dies ist in der Tuͤrkei das gewoͤhn⸗ liche Loos der Christen. Gewiß wuͤrde es denselben jetzt auch nicht besser ergehen, wenn sie die Auferuͤhrer offen bekaͤmpft haͤt⸗ ten. Ein klares Beispiel fuͤr diese Behauptung haben wir na⸗ mentlich in der Herzegowina gesehen, wo Ali Pascha, der durch Huͤlfe der Christen die Statthalterwuͤrde erlangte, kaum im Be⸗ sitze der Gewalt, sich als echter Tuͤrke zeigte, die Christen nur mit Verachtung behandelt, von Jahr zu Jahr groͤßere Haͤrte gegen sie beweist und sich sogar große Ungerechtigkeiten gegen sie zu Schulden kommen laͤßt.

Schweiz.

Bern, 25. Febr. In der vorgestrigen Großraths, Sitzung war Vortrag der Justiz⸗Section uͤber mehrere eingekommene Bittschriften, die Aufhebung des Achtungs⸗Gesetzes betreffend. Der Berichterstatter R. R. Wyß bekaͤmpfte die Behauptung, daß dieses Gesetz ein Vorrecht sey und eine Beamten⸗Aristokratie bilde; denn derjenige, welcher mit Vollziehung der Gesetze beauf⸗ trast seyp, muͤsse durchaus einiges Ansehen genießen und dabei eschuͤtzt werden. Es sey hervorgerufen worden durch die unauf⸗

oͤrlichen Beschimpfungen und Beleidigungen, welche den neuen

Beamten zu Theil geworden; es sey nur anwendbar, wenn ein Beamter in seinen Amtsverrichtungen beleidigt werde, weil hier nicht die Person des Beamten, sondern der Staat angegriffen sey. Uebrigens werde es durchaus nicht mit Strenge gehandhabt, wie viele Beispiele bewiesen. Das freie Wort sey hierdurch nicht abgeschnitten; wer aber nur durch Schimpfen oder Drohen seine Meinung ausdruͤcke, verdiene Strafe oder Verachtung. Wolle man dieses Gesetz abschaffen und gar nichts an seine Stelle sez⸗ zen, so wuͤnsche er den Beamten Gluͤck. Er trug auf Beibehal⸗ tung an. Obrecht hielt den Nationalen auch gerade keine Lob⸗ rede uͤber diesen Antrag. Es sey unverschaͤmt, unbesonnen von den Nationalen, Radikalen, Liberalen und anderen fluͤchtigen Volksbegluͤckern, sagte er, solche unpatriotische Antraͤge zu stellen. Die ganze Berathung dauerte kaum fuͤnf Minuten, und mit 100 gegen 3 Stimmen wurde beschlossen, das Gesetz beizubehalten.

Die Franzoͤsische Gesandtschaft soll, wie bestimmt versichert wird, der Regierung von Bern vor den Groß⸗Raths⸗Sitzungen vom 19ten und 20sten d. eine Note gegen die Annahme der Ba⸗ dener Konferenz⸗Beschluͤsse eingereicht haben. Auch die Gesand⸗ ten Oesterreichs und Sardiniens sollen muͤndlich auf die Garan⸗ tieen des Wiener Vertrags aufmerksam gemacht haben, welche dem Jura die freie Uebung der katholischen Religion auf dem damaligen Fuße zusichern.

Die Allgemeine Schweizer Zeitung sagt: „Die der „Lausanner venahgh, enthobene Nachricht, als habe der Vorort der Franzoͤsischen Gesandtschaft eine kraͤftige Verwahrung gegen das Benehmen des Franzoͤsischen Kabinets in der Wahlschen An⸗ gelegenheit zugestellt, bestaͤtigt sich so wenig als die angebliche Drohung, eine außerordentliche Tagsatzung zusammenzuberufen, und die Einladung an die Staͤnde, die Mittheilung der Note einstweilen noch geheim zu halten.“

In eben diesem Blatte heißt es: „Jedermann ist uͤber die Austreibung Basel⸗Landschaftlicher Angehoͤriger aus Frankreich empoͤrt. Mit Recht sagt man, dies sey eine selbst zwischen krieg⸗ fuͤhrenden Nationen unerhoͤrte Maßregel. Doch ist gerade Ba sel⸗Landschaft der einzige Erdenwinkel, dem es nicht geziemt, die geringste Klage hier laut werden zu lassen. Die Austreibung der Baselschen Landgeistlichen und die Weise, wie dieselbe statt⸗ fand, wird in den Augen jedes unparteiischen immer eine noch groͤßere und unnatuͤrlichere Gewaltthat scheinen, als die Weg⸗ weisung jener Arbeiter aus Muͤhlhausen. Ueberhaupt hat Basel⸗ landschaft wenige Hoffnung auf einen guͤnstigen Entscheid des obwaltenden Streites mit Frankreich, wenn die Franzoͤsischen Minister in dieser Angelegenheit dasjenige Recht GB und uͤben, welchem dieser Halbkanton seine Trennung von Basel und seine Unabhaͤngigkeit verdankt.“

Zuͤrich, 22. Febr. Schweizer Blaͤtter schreiben: „Ein Kreisschreiben des Vorortes vom 10ten d. giebt den Ständen vorlaͤufige Kenntniß von den Ergebnissen der Unterhandlungen mit den Deutschen Vereinsstaaten. Der Graͤnz⸗- und Markt⸗ Verkehr ist ziemlich beguͤnstigt, und namentlich sind fuͤr die Ge⸗ traide, und Holz⸗Einfuhr und fuͤr einige Produkte der Land⸗ wirthschaft Erleichterungen zu erwarten. Alles ist indessen erst eingeleitet.“

Spanien.

Madrid, 15. Febr. Der Superior des hiesigen großen Franziskaner Klosters, von welchem die Franziskaner im gelobten Lande abhaͤngen, hatte kurz vor der Aufhebung jenes Klosters eine Summe von 40,000 Piastern, den Moͤnchen in Jerusalem gehoͤrig, nach Cadix zum Einschiffen remittirt. Herr Mendizabal, der dieses erfuhr, ließ dieses Geld in Beschlag nehmen und in die Staats⸗Kasse werfen. „Solche Entdeckungen“, sagt die Revista, „sind die besten Mittel, um den Krieg zu fuͤhren, ohne zu Auflagen zu schreiten und wir glauben, es wird nicht die letzte seyn.“

Auf fast allen hier niedergerissenen Kloͤstern hafteten betraͤcht⸗ liche Hypotheken, deren Inhaber nun mit Schrecken ihr Eigen⸗ thum vor ihren Augen verschwinden sehen, ohne die geringste Entschaͤdigung zu erhalten. dit großer Entschlossenheit ging man bei Aufhebung der Kloͤster in Toledo zu Werke; man jagte gegen Abend die Moͤnche ohne Weiteres auf die Straße, so daß die dem Bettel⸗Orden angehoͤrenden, nur mit einem groben haͤr⸗ nen Gewande angethan, die Nacht ohne Obdach in der Straße zubringen mußten und mehrere der heftigen Kaͤlte unterlagen.

Die Zusatz⸗Artikel zum National⸗Garden⸗Gesetze, welche das ganze Institut umaͤndern und von den Prokuradoren in der letz⸗ ten Legislatur bewilligt wurden, sind nun von Herrn Mendiza⸗

bal, kraft des Voto di Censianza, als Gesek

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ohne daß er sie den Proce res vorher zur Diskussion uͤbergeben

haͤtte.

Madrid, 17. Febr. Die heutige Hof⸗Zeitung enthäͤlt

ein Dekret, wodurch eine Kommission zur Liquidirung aller For⸗ derungen an den Staat ernannt wird.

Diese Forderungen nebst den darauf bezuͤglichen Dokumenten muͤssen bis zum 31. Dez. eingereicht werden. In der gestrigen Hof⸗Zeitung befindet sich ein Dekret vom l5ten, das sich auf einen Bericht Mendizabal's gruͤndet, und wonach in der Hauptstadt einer jeden Provinz eine Kommif⸗ sion mit der Aufsicht uͤber das durch Aufhebung der Kloͤster und andere Ursachen dem Staate zugefallene Eigenthum beauftragt wird. Diese Kommission hat dafuͤr zu sorgen, daß die Einkuͤnfte und Kapitalien dieser Besitzungen zu dem beabsichtigten Zwecke, naͤmlich zur Konsolidirung und Reduction der oͤffentlichen Schuld, verwendet werden.

Die Revista enthaͤlt in ihrem gestrigen Blatte folgenden Artikel uͤber die Feststellung der inneren Schuld Spaniens:

„Wir glauben nicht, uns einer Voreiligkeit schuldig zu machen, wenn wir sagen, daß die Regierung noch im Laufe dieses Monats mehrere Dekrete in Betreff der Anordnung der inneren Schuld er⸗ lassen wird. Das eine Dekret wird die Aufhebung aller Moͤnchs⸗ kloͤster aussprechen und zugleich Anordnungen hinsichtlich des hüst Nonnen enthalten, die aus dem Kloster auszutreten wuüͤnschen, wäh⸗ rend die uͤbrigen auf eine so geringe Anzahl von Klbstern be⸗ schraͤnkt werden sollen, wie nur moͤglich. Das Eigenthum der zu einem Orden gehoͤrigen Individuen beiderlei Geschlechts wird National⸗Eigenthum, doch wird ibnen aus anderen

Fonds eine angemessene Unterstuͤtzung verabreicht. Ein anderes

DOekret wird Anordnungen enthalten in Betreff der schnellen Liqui⸗

dirung der noch nicht liquidirten Theile der inneren Schuld, je nach

der Klasse, dem Ursprunge und dem Nechte eines jeden Theiles. Ist

dies geschehen, so werden Verzeichnisse uͤber die beiden Arten der

Schuld den Cortes vorgelegt werden. Der Verkauf der National⸗

Guͤter wird der Gegenstand eines dritten Dekrets seyn. Dieser Ver⸗

kauf wird sich auf Alles erstrecken, was dem Staate gehoͤrt, welchen

Namen es auch fuͤhren mag, und der ganze Ertrag desselben wird

zur Tilung der oͤffentlichen Schuld verwendet werden. Durch ein viertes Dekret wird die ganze, als liquidirt anerkannte Schuld, die bis jetzt keine Zinsen traͤgt, in eine mit 4—5 pCt zu

verzinsende Schuld verwandelt, naͤmlich die Certifikate, die konso⸗

lidirten Vales und die 5proc. Papiere. Dies Alles geschieht in

Uebereinstimmung mit den von der Regierung in der Hof⸗Zeitung

vom 22. Dezember ausgesprochenen Grundsaͤtzen, die das Programm

derselben in Betreff der inneren Schuld bildeten. Personen, die wir

fuͤr gut unterrichtet zu halten berechtigt sind, glauben, daß bei den

Verkaͤufen auf lange Zeit Kredit gegeben und die Zahlungen in Pa⸗

pieren, welche Zinsen nach ihrem Nominal⸗Werthe tragen, werden

angenommen werden. Das baare Geld, welches fuͤr jene Verkaͤufe eingeht, soll zur Einloͤsung der umlaufenden Renten verwendet wer⸗ den. Die eingeloͤsten oder in Zahlung gegebenen Certifikate sollen verbrannt und die ganze Operation in den oͤffentlichen Blaͤttern be⸗ kannt gemacht werden. Wir haben geglaubt, diese Umstaͤnde mit⸗ theilen zu muͤssen, um der Unruhe der Staats⸗Glaͤubiger ein Ende zu machen und diejenigen uͤbelgesinnten Personen, die aus der Un⸗ wissenheit des Publikums in Betreff eines so wichtigen Gegenstan⸗ des Vortheil ziehen koͤnnten, zum Schweigen zu bringen.“

Der Kriegs⸗Minister, Graf von Almodovar, hat an saͤmmt⸗ liche General⸗Capitaine ein Circular erlassen, worin er ihnen an⸗ zeigt, daß die Britische Regierung der Spanischen eine bedeu⸗ tende Menge Gewehre uͤberlassen habe und sie zugleich auffor⸗ dert, ihm ein Verzeichniß der National⸗Gardisten in ihren resp. Provinzen einzusenden, damit dieselben mit den noͤthigen Waffen versehen werden koͤnnen. Derselbe Minister hat auch dem Ge⸗ neral Cordova, zum Gebrauch fuͤr die Armee⸗Hospitaͤler, vier Kisten mit Charpie uͤbersandt, die von der kleinen Isabella, der verwittweten Koͤnigin und der Infantin Dona Louisa Fernanda gezupft worden ist.

Barcelona, 17. Febr. Es sind hier sieben Spanische Schiffe mit 1000 bis 1200 Rekruten von der neuen Aushebung angekommen. Sie wurden von zwei Franzoͤsischen Schiffen, die zu der Station bei den Balearischen Inseln gehoͤren, begleitet. Die Truppen wurden nach Rosas gesandt, um sich von dort nach Figueras zu begeben. Die Provinz Valencia wird noch immer von kleinen Karlisten⸗Haufen durchzogen, und der letzte Courier aus Valencia ist zu Wasser hier angekommen. Der Oberst Buil hat eine dieser Schaaren in der Naͤhe der Berge von Morella geschlagen. Ein kleiner Haufen Karlisten erhob vor kurzem eine Contribution in einem Staͤdtchen bei Valencia, worauf die Munizipalitaͤt jener Stadt von der Provinzial⸗Behoͤrde mit einer Strafe von 130 Piastern belegt wurde, weil sie den Karlisten den Eintritt gestattet hatte

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Berlin, 3. Maͤrz. In der Versammlung des wissenschaft⸗ lichen Kunst, Vereins am 1. Maͤrz legte der Landschafts⸗Maler Herr Lorg, welcher, ehrenvollen Aufforderungen nachgebend, auch diesen Winter in Berlin zubringt, eine Mappe mit Stu⸗ dien von sich, Baron Reutern und v. Meuron, vor. Mit vielem Interesse sah darauf der Verein die geistreichen landschaft⸗ lichen Skizzen und architektonischen Entwuͤrfe des Baurath Stuͤler, auf seinen Reisen durch Frankreich, Italien und Si⸗ cilien gesammelt. Ein von dem Kunsthaͤndler Herrn Kuh eingesandtes ausgezeichnet schoͤnes Elfenbein⸗Relief mit kunstvoll geschnitztem Rahmen, aus der Dalbergischen Sammlung her ruͤhrend, welches angeblich Michel Angelo zugeschrieben wird, gab dem Heofrath Foͤrster Veranlassung zu einer Mitthei⸗ lung uͤber Michel Aangelo als Elfenbein⸗Arbeiter. So vortreff⸗ lich auch die vorliegende Arbeit war, so mußte doch in Zweifel gezogen werden, daß der gewaltige Buonarotti, der es unter sei⸗ ner Wuͤrde hielt, in Oel zu malen, weil dies eine Frauenzimmer⸗ Arbeit sey, sich jemals zu solcher Kleinmeister⸗Arbeit in Elfenbein herabgelassen habe. Der Architekt Herr Boͤtticher legte der Gesellschaft das bei Schenk erschienene erste Heft seines Orna⸗ mentenbuches vor, in welchem fuͤr den Kuͤnstler, Fabrikanten und Handwerker eine geschmackvolle Auswahl von Verzierungen in schoͤn ausgefuͤhrtem bunten Steindruck enthalten ist. Zur Ansicht lag das Englische Prachtwerk: Pyne, the history of the Royal Residences, von dem Kunsthaͤndler Herrn Kuhr eingesandt, vor.

Die Wittwe des Kaufmanns Wolf zu Heiligenstadt, welche vor zwei Jahren daselbst ein Waisenhaus fuͤr Maͤdchen katholischer Konfession gestiftet und hierzu ein Kapital von 5000 Rthlr. hergegeben hatte, hat diese Anstalt zum Erben ihres Nachlasses eingesetzt, der sich nach Abzug mehrerer Legate auf 2800 Rthlr. belaͤuft. Unter den Legaten befindet sich auch eins von 400 Rthlr. fuͤr die dasige Aegidien⸗Kirche zum Ausbau ihres Thurmes.

Berichtigung. Im gestrigen Blatte der St. Ztg. S. 260, Sp. 3 Z. 20, von unten statt: „vor zwei Jahren ver⸗ gebens noch“, lies: „vor zwei Jahren noch“.

vromulsairt worden.