1836 / 74 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

nicht ein protestantischer Advokat, Herr Jehn O'Doyer, von dem Posten eines Anwalts der Krone bei dem noͤrdlichen Be⸗ zirks Selicht in Irland entfernt und sein Platz durch einen Ka⸗ tholiken ausgefuͤllt worden sey, worauf Herr O'Loghlen erwie⸗ derte, diese Veraͤnderung sey aller dings vorgenommen worden, aber nicht von ihm, sondern von dem vorigen General⸗Prokurator fuͤr Irland. (Hoͤrt, hoͤrt!) Sir R. Peel wuͤnschte die von ihm in der vorigen Session mit Hinsicht auf die freiwillige Zehnten⸗ Umwandlung vorbereitete Maßregel zur Kenntniß des Hauses zu domgen und sagte, er wolle sich darauf beschränken, die Einbrin⸗ gung dieser seiner Bill bloß zu dem Zweck, daß ste gedruckt werde, zu beantragen, wozu ihm die Erlaubniß bewilligt ward. Ehe er sich niederließ, fragte er noch, wann der Minister des Innern mit seinen Maßregeln in Betreff der Registrirung der Geburten und Heirathen vorschreiten wolle, worauf Lord John Russell erklaͤrte, daß am Donnerstage die Veranschlagungen fuͤr die Armee dem Hause vorgelegt werden sollten, daß er am Frettage die Englische Zehnten⸗Bill in den Ausschuß zu bringen hoffr, und daß er dann am Montag auf die zweite Lesung der Reristrirungs⸗Bill anzutragen gedenke. Als der Minister darauf bdie Tages⸗Ordnung in Antreag brachte, naͤmlich daß das Haus sich in den Ausschuß uͤber die Muniz pal⸗Reform⸗Bill verwan⸗ dein moͤge, erhob sich Lord F. Egerton und trug angekuͤndig⸗ termaßen darauf an, das der Ausschuß dahin instruirt werden solle, Maßtegeln zur gaͤnzlichen Aufhebung der Irlaͤndi⸗ schen Corporationen und demnaͤchst die noͤthigen Anordnungen zur Sicherung einer wirksamen und unparteiischen Rechtspflege und zur Erhaltung des Friedens und einer guten staͤdtischen Berwaltung in Irland zu troffen. Er bedauerte es zuerst, daß sich genoͤthigt sehe, eine Debatte zu verlaͤngern, in welcher man sich bisher mehr an dir Sache gehalten und weniger Bit⸗ erkeit habe einfließen lassen, als es sonst bei Fragen gewoͤhnnich sey, bei denen die beiden streitenden Parteten ihre Staͤrke gel⸗ tend zu machen suchten, namentlich wenn Irland der große Kampfplatz sey. Der Redner sagte dann, er stimme mit der ersten Klausel der von dem General⸗Prokurator fuͤr Irland eingebrachten Bill vollkommen uͤberein und gebe 3 daß den jetzigen Irlaͤndischen Corporationen ihre schwache und muͤhevolle Ex stenz nicht laͤnger gefristet werden buͤrfe, weil sie der Gesellschaft keinen Nutzen braͤchten, und so sehr er auch im Allgemeinen vor allem durch das Alter Gehei⸗ liaten Ehrfurcht hege, so trage er doch auf Abschaffunz jener Sitze angeblicher Mißbräͤuche und Ausschließungen an, aber nicht so koͤnne er mit der zweiten Klausel der Bill uͤbereinstimmen, beren Zweck es sey, unter den Truͤmmern ein neues Gebaͤude zu errichten; hier muͤsse er anstehen und erst untersuchen, ob das neue Gekaͤude nicht schlechter werden wuͤrde, als das alte veieorsen. Er bestritt, daß er durch Substituirung der Abschaf⸗ ung an die Stelle der von dem Ministerium vorgeschlagenen Roform Irland die Wohlthaten vorenthalten wolle, die, nach den Worten des Herrn O’'Loghlen, das Parlament auf anvere Theile des Reichs auszudehnen nicht angestanden habe, aber, sagte er, ee nuͤrde nicht aufrichtig seyn, wenn er behaupten wollte, daß in den Verhaͤltnissen Irlands nichts vorhanden sey, wodurch dieses Land sich sehr von England und anderen Laͤndern unter⸗ scheide, und wodurch es wohl in gewissen Faͤllen sich als un⸗ geeignet fuͤr Institutionen erweisen koͤnne, die an sich selbst zu einer guten Verwalkung gar nicht unumgaͤnglich nothwendig, sondern nur als Maschinerie zu diesem Zweck von Werth seyen; wenn er nun Massen in Harnisch gegen das Eigenthum faͤnde, wenn er eine an Reichthum und Intelligenz maͤchtige Minori⸗ tat ciner Majoritaͤt, die jenes beide nicht besitze, gegenuͤber⸗ tehen, wenn er die National⸗Huͤter des weltlichen und geiclchen Interesses der niederen Staͤnde mit einander im Kon⸗ flit sehe, so wage er zu behaupten, daß zwischen England und Irlond ein trauriger Unterschied sey, der gerade auf die vorlie⸗ Jeude Frage einen wesentlichen Einfluß ausuͤben müsse, weil es sich hier um die Rechtspflege, um den Schutz des Eigenthums und um die Ruhe derjenigen handle, die unter diesem Schutze eben sollten; in ein solches Land sey es nicht wuͤnschenswerth, ein Sostem einzufuͤhren, wonach derjenige, der die Gerechtigkeit auszuüben habe, diese seine Stellung einigen Wenigen zu verdanken haben und sich durch den Privat⸗ Zu⸗ gang einer Factton in dieselben einschleichen oder auf den Schultern eines Poͤbelhaufens in die Halle getragen werden in der die Munizipal⸗Justiz ihren Sitz habe. Herr Lefroy, Herr Sergeant Jackson und Sir Henry Hardinge unterstützten den Antrag Lord Egerton's, wogegen Lord Mor⸗ betb, der Sergeant Woulfe und Lord Howick ihn bekaͤmpf⸗ en und den Reform⸗Plan des Ministeriums vertheidigten. Die Zehatte rourde um 1 Uhr, auf den Antrag des Herrn Brother⸗ n, auf den folgenden Abend vertagt.

221 z9,

koͤnnte,

London, 8. Maͤrz. Ihre Majestaͤten werden am 24sten d. Chren des Prinzen Don Fernando von Portugal, der mit einem Bruder, dem Prinzen August von Sachsen⸗Koburg, bis Lahin hier erwartet wird, ein großes Fest geben. De Prinzessin Sophie ist von dem Unfall, der sie neulich zetroffen, fast ganz wieder hergestellt. Marquis von Barbacena ist mit einem speziellen Auf⸗ 1 Brastlanischen Hofes an die Franzoͤsische Regierung nach rris abgegangen, begleitet von seinem Schwiegersohn Visconde von G. Amoro und dessen Gattin, seiner Tochter.. Die drei Radikolen Hume, Grote und Roebuck waren die einzigen Mitglieder des Unterhauses, welche die Verstaͤrkung der Marine nicht billigten, wenn sie sich ihr auch nicht geradezu wi⸗ dersetz Herr Grote meinte, eine solche Maßregel sey so weit entfernt, den Krieg zu verhindern, daß sie vielmehr, wie der f der Geschichte beweise, immer zu Erbitlerung und Feindse⸗ it gefuͤhrt habe, und er wollte nur darin einige Beruhigung „Iraß der Vice Praͤsident der Handels⸗Kammer, Herr La⸗ here, im Lauf der Debatte versichert hatte, die jetzige Er⸗ des Marine⸗Bestandes solle nicht permanent seyn. Herr hielt es zwar fuͤr unumgaͤnglich, daß Rußland Konstaͤntinobels bemäaͤchtigen und England aus dem Schwarzen Mrere ausschließen wuͤrde, wenn die Britische gierung nicht ein anderes Versahren einschluͤge, als isher, aber er wollte darum doch nicht, daß England sich nüͤt seiner Secmacht in Rußlands Plaͤne einmischen und dieselbe bioß dazu vermehren sollte, um das Europaͤische Gleich⸗ gewicht aufrecht zu erhalten, sondern der einzige Zweck, zu wel⸗ em es seine Seemacht gebrauchen muͤsse, sey die Ahndung of⸗ teressen. Herr G. Robinson und Capitain Pechell spra⸗ hen beide sehr eifrig fuͤr die Verstaͤrkung der Englischen See⸗ zocht. Ersterer versicherte, mehrere nach Suͤd⸗Amerika Handel rerbende Kaufleute haͤtten sich daruͤber beschwert, daß England in den meisten dortigen Haͤfen weniger Schiffe habe, als die reinigten Staaten, und Letzterer behauptete, daß das Peelsche Meinisterium nur darum den Britischen Fischereien an den Kuͤ⸗

18. e —⁸ε0 .*

X.

,——

sten von Kent und Essex nicht den erforderlichen Schutz habe gewaͤhren koͤnnen, weil es nicht Schiffe genug gehabt, was Sir R. Peel jedoch nicht zugeben wollte.

Der Gemeinde⸗Rath hat eine Petition an das Parlament beschlossen, daß die Munizipal⸗-Beamten der durch die Munizi⸗ pal⸗Reform⸗Akte von ihnen erforderten Erklaͤrung in Beziehung auf die hohe Kirche Englands, deren Bischoͤfe und Geistliche uͤberhoben werden moͤchten.

In der Gemeinde⸗Halle wurde gestern eine Versammlung gehalten, um uͤber die dem Parlament in Betreff der Abschaffung des Zeitungs⸗Stempels zu machenden Vorstellungen zu berath⸗ schlagen. Diese Versammlung war fast nur von den Mitglie⸗ dern der Bewegungs⸗Partei des Unterhauses besucht, worunter besonders die Herren Hume und O'Connell hervorragten, deren Reden zu Gunsten der Abschaffung jenes Stempels mit großem Applaus aufgenommen wurden. Der Courier, der, wie alle

edeutendere Blaͤtter, gegen diese Maßregel ist, weil er dadurch zu verlieren fuͤrchtet, kann nicht umhin, jenen beiden Herren des, halb einen kleinen Hieb zu versetzen. „Beide“, sagt er, „ha⸗ ben, wir geben es zu, ihrem Vaterlande dadurch, daß sie das jetzige Ministerium im Parlament unterstuͤtzen, einen Dienst ge⸗ leistet und leisten ihn noch, aber wir moͤchten keinen von Bei⸗ den im Kabinet oder uͤberhaupt nur bei der Verwaltung der Angelegenheiten einer großen Nation betheiligt sehen; und doch ist dies ihr großes Ziel, zu dessen Erreichung ihnen, wie sie sehr wohl wissen, nichts so sehr behuͤlflich seyn wuͤrde, als die Macht, welche sie uͤber die Presse ausuͤben wuͤrden, wenn dieselbe in andere Haͤnde kaͤme, als die, weiche jetzt die Kontrolle daruͤber fuͤhren.“ Herr Hume sagte in seiner Rede unter An⸗ derem, er unterstuͤtze die Whigs nur, um die Tories, einen groͤ⸗ ßeren Feind, aus dem Felde zu halten, er wuͤrde sich aber schaͤmen, einem Ministerium beizustehen, das die Stempelsteuer beibehielte; wenn es dies wolle, so liege ihm das Wohl des Volkes nicht am Herzen, so wuͤnsche es das Volk nicht aufzu⸗ klaͤren, so handle es hoͤchst abscheulich. Herr O'Connell pries einen gewissen Cleave, der wegen grober Verletzung des Stempel⸗ Gesetzes verurtheilt worden, und druͤckte sein Bedauern uͤber diese Verurtheilung aus. Maͤnner, die dergleichen sagten, meint nun der Courier, koͤnnten wohl der Regierung durch ihre Stimmen von Nutzen seyn, haͤtten aber nicht den gevingsten Anspruch auf das Vertrauen des Volks und seyen Menschen ohne Grundsaͤtze.“

Am 27sten v. M. in der Versammlung zur Stiftung des Ostindisch⸗Chinesischen Handels⸗Vereins gab der Vorsitende, W. Crawford (Parlaments⸗Mitglied) die Absicht dieser Association dahin an, bei der Regierung zum Zweck der Abhuͤlfe von Be⸗ schwerden und Aenderung von Abgaben diejenige Achtung und Aufmerksamkeit zu erlangen, auf welche Einzelne selten zaͤhlen koͤnnten. Herr Horsley Palmer (Bank⸗Direktor) gab in die⸗ ser Hinsicht folgende naͤhere Auskunft: Die Thee⸗Kaufleute be⸗ steebten sich, durch eine Denkschrift Konzesstonen in Hinsicht der Abgaben⸗Zahlung zu erhalten, und haͤtten vor zwei Ta⸗ gen daruͤber eine Unterredung mit dem Kanzler der Schatz⸗ kammer gehabt. Haͤtte nun ein Verein bestanden, so wuͤrden die Wuͤnsche der nach China handelnden Kaufleute mit mehr Nachdruck vorgetragen worden seyn. Ein hoͤchst wichtiger Punkt der Erwaͤgung fuͤr einen solchen Verein werde die kuͤnftige finan⸗ zielle Haushaltung der Ostindischen Compagnie seyn, denn es sey fuͤr alle nach Indien und China Handel treibende Kaufleute hoͤchst wichtig, den Belauf zu kennen, den die besagte Compagnie zu den Territorial⸗Beduͤrfnissen Indiens erhalte, da dies auf den Cours wirke und ihn jetzt so hoch halte. Die Britischen Fabrikanten wäaͤren vornehmlich hierbei betheiligt, indem, wenn der Belauf auf 2, 3, 4 Millionen Pfd. Sterl. vermehrt wuͤrde, ein System uͤbermaͤßzigen Handels entstehen muͤsse, das sehr schaͤdlich wirken werde. Die Regierung sollte von der Compag⸗ nie verlangen, daß sie den erforderlichen Belauf in jedem folgen⸗ den Jahre anzeige; nicht, als hege man den Wunsch, der Ost⸗ indischen Compagnie das geringste Hinderniß in den Weg zu stellen. Noch ein Punkt zur Erwaͤgung fuͤr den Verein werde es seyn, der Regierung kraͤftig vorzustellen, daß der Repraͤsentant des Koͤnigs in China noch nicht von den Chinesen anerkannt sey, und daß das Interesse der Kaufleute Englands in Canton nicht dem Zufall uͤberlassen bleiben duͤrfe (hoͤrt!). Herr Wor⸗ ding erwaͤhnte des Umstandes, daß der Repraͤsentant des Koͤ⸗ nigs in Canton seine Stelle niedergelegt habe, um eine Anstel⸗ lung im Finanz⸗Departement der Ostindischen Compagnie anzu⸗ nehmen; dies sehe er als erniedrigend fuͤr den Einfluß der Bri⸗ tischen Regierung in Indien an; durch die Errichtung des Ver⸗ eins aßer wuͤrden die Chinesen einen hoͤheren Begriff von den Englischen Kaufleuten erhalten.

Den juͤnesten Nachrichten aus Dublin vom 2ten d. M. zufolge, scheint es sich mit der Widersetzlichkeit der dortigen Oran⸗ gisten merklich gelegt zu haben, und duͤrften sie sich, dem Vor⸗ bilde ihrer Haͤupter folgend, nach den Umstaͤnden fuͤgen, es sey denn, daß die Gegenpartei mit keiner Maͤßigung zu Werke ginge.

Der Morning Herald sagt, es seyen mehrere Vermu⸗ thungen daruͤber, wie man sich gewisse Orangisten⸗Briefe zum Zweck der öͤffentlichen Bekanntmachung in dem „Orangisten Port⸗ folio“ verschafft habe; einem dieser Geruͤchte zufolge, sey dies vermittelst einer Subscription unter Mitgliedern von Brooke's Klub bewirkt worden, dem der Oberst Fairman sie verkauft haͤtte.

Dr. Maltby soll als kuͤnftiger Bischof von Durham nur ein Einkemmen von 8, 9 oder 10,000 Pfd. Sterl. im Jahre, anstatt des bisherigen mehr als doppelt so großen, erhalten.

Bei Gelegenheit der Verhandlung uͤber die Peitschenstrafe in der Armee gab Herr Wakley folgende Beschreibung der cat o'nine tfails, der „neunschwaͤnzigen Katze“, mit welcher dieselbe vollzogen wird: Dieses Instrument besteht aus neun abgeson⸗ derten, aus Stricken zusammengedrehten Riemen, von welchen jeder drei Knoten hat und mit einem harten Koͤrper von der Groͤße einer Erbse endigt. Am Tage vor der Execution haben die Tambours die Peitsche einzuweichen und dann am Feuer zu trocknen, wodurch die Riemen hart wie Eisen werden. Die Tam⸗ bours werden auf die Anwendung der neunschwaäͤnzigen Katze eingeuͤbt. In ihrem Zimmer ist an der Wand ein menschlicher Ruͤcken abgebildet, an welchem sie so eingeuͤbt werden, daß keiner der sechsunddreißig Knoten daneben geht, sondern jeder eine tiefe Wunde zuruͤcklaͤßt. Unbegreiflich waͤre es, wie in England diese unmenschliche Strafe bis jetzt fortbestehen konnte, wenn man sich nicht erinnerte, daß die Englischen Soldaten nicht durch die Con⸗ scription eingereiht, sondern geworben werden. Bei der See⸗ macht ist uͤbrigens die gleiche Strafe in Gebrauch.

Herr George Brodie, ein Schottischer Advokat, ist an die Stelle des verstorbenen Herrn John Gilles zum Koͤniglichen Historiographen ernannt worden.

Es ist, nach dem Courier, im Werke, eine neue Bruͤcke uͤber die Themse, zwischen den Waterloo⸗ und Westminster⸗Bruͤk⸗ ken, zu bauen.

Der große Theeverkauf der Ostindischen Compagnie wurde am Freitag beendigt. Es war viel Nachfrage gewesen und in

den vorigen

den meisten Sorten fand eine Preiserhoͤhung gegen Verkauf statt.

Der Courier sagt, in Lissabon seyen jetzt Aller Augen auf Herrn Carvalho gerichtet, als den einzigen Mann, der Portugal von einem Staats⸗Bankerott retten koͤnne. Der Standard will wissen, daß man auch Herrn Oliveira als den muthmaßlichen Nachfolger des jetzigen Finanz⸗Ministers, Herrn Campos, nenne

Capitain Napier (der Portugiesische Admiral) ist vom 85 nige in seinen Rang auf der Liste der Marine⸗Capitaine wieden eingesetzt worden, und man glaubt, daß dasselbe auch mit dem Capitain Sartorius geschehen wird.

Der Courier hat heute fruͤh von seinem Korrespondenten in dem Hauptquartiere der Britischen Legion in Spanien, wel ches sich damals zu Armenon befand, ein Schreiben vom 2 Februar erhalten, welches von einem Tage spaͤter ist, letzte Korrespondenz, welche die Times von dort empfangen aber von der Wiedereinnahme Balmaseda's, die in letzterer be⸗ richtet wurde, nicht ein Wort sagt. Es heißt darin, daß Gen⸗,

als dir

ral Evans jetzt 18,900 Mann unter seinem Kommando hehe naͤmlich die Britische Legion, 6000 Mann, die Division Espar, tero's, 9000 Mann, und die Division Espeleta's, 3000 Mann „Wenn wir“, sagt dieser Korrespondent, „die Strecke Landeg

bis St. Sebastian im Westen, als den beiden Endpunkten un, seres Operations⸗Halbkreises, so ist die jetzige Armee Cordovaz zur Unterdruͤckung der Insurrection unzureichend.“ Dre Korrespondent klagt dann uͤber die in der Legion hen schenden Krankheiten; es waren schon uͤber 300 Offiziere un Gemeine an einem Typhus, mit welchem Absterben der Ext mitaͤten verbunden ist, gestorben, und uͤber 900 Mann lagen den Lazarethen; die Krankheit hatte auch viel Aerzte fortgeraft in den letzten Tagen schien sie jedoch etwas nachlassen zu wollen Die Strenge der Jahreszeit, die Entbehrungen, welche die Se daten zu leiden haben, die kalten Auartiere in feuchten Kloͤsten, die eigene Unvorsichtigkeit der Mannschaft, die Fehler einer schue⸗ len Organisation und die Nachlaͤssigkeit der Spanischen Behne den werden als Hauptursachen der Krankheit angegeben, um die Veteranen, die den Krieg auf der Halbinsel mitgemacht, sah len versichern, daß sie damals nicht halb so viel Strapazen u ertragen gehabt haͤtten, als jetzt.

Eine Limerick⸗Zeitung meldet, es sey viel Spanischen und Portugiesisches Kirchen⸗Eigenthum, das der Raubgier jener Kegierungen entgangen, in baares Geld verwandelt, in Irland angekommen.

In Indien war, nach Berichten von dort, alles Eis e Erfrischungen ausgegangen. Man hatte es zum Ungluͤck in Kail⸗ lern gelagert, die 20 Jahre lang zur Aufbewahrung von Sag⸗ peter benutzt worden, und bloß den Boden mit Tannenbohlen,

betrachten, die wir zu besetzen haben, von Pampelona im Osie

etwa drei Fuß dick, belegt. Diese waren kaum mit Feuchtigkeit gesaͤttigt, so beruͤhrte der Salpeter das Eis, und es schmolz sehr schnell.

Der „Pantaloon“ ist in zwanzig Tagen von Norfolk in Vir⸗ ginien mit Depeschen fuͤr Lord Palmerston und die Franzoͤsische Botschaft in England angelangt. Die Nord⸗Amerikanischen Zeitungen, welche dies Schiff mitgebracht, melden, daß der Krieg mit den Indianern in Florida immer bedeutender wurde. Tallahassee soll uͤberfallen und gepluͤndert worden, Apalachicole im Besitz der Indianer seyn und Columbus ein gleiches Schick⸗ sal zu befuͤrchten haben, wie die Staͤdte und Forts von Florida.

Aus Rio Janeiro hat man hier Zeitungen bis zum 12. Januar empfangen, die ein Dekret enthalten, wodurch der im

Jahre verliehen wird. Auch melden diese Blaͤtter von Ruͤstun⸗ gen zur Wiedereroberung von Para. Die Expedition sollte un, ter den Befehlen des St. de Sousa Soares am 31. Januar Rio Janeiro verlassen, und man hoffte, die Staͤrke derselben, die aus einer Korvette, 14 kleineren Schiffen und einem Dampfe boote bestand, auf 3000 Mann zu bringen und in der Nationat Garde und den Buͤrgern von Para eine kraͤftige Stuͤtze zu fm⸗ den. Die Portugiesische Regierung hatte den Befehlshaber des Geschwaders beauftragt, noͤthigenfalls von der Seemacht der Vereinigten Staaten Unterstuͤtzung nachzusuchen.

Belgien.

Bruͤssel, 7. Maͤrz. Der hier akkreditirte Kaiserl. Oester⸗ reichische Geschaͤftstraͤger, Graf von Dietrichstein, ist aus Paris hierher zuruͤckgekehrt.

Die wegen der Vorfaͤlle im Buͤreau des „Liberal“ verhef⸗ teten Guiden sind gestern nach Mons abgefuͤhrt worden, un dort vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden.

Deutschland.

Hamburg, 1. März. (Allg⸗ Ztg.) Unsere Boͤrse hat diesem Jahre durch auswaͤrtige Fallimente schon empfindliche Verluste erlitten. Zuerst kamen die in Preußischen Ostseehaͤfan ausgebrochenen, dann die in Malaga und Kopenhagen, vor t nigen Wochen wieder der von B. und W. in Luͤbeck und nun in Hamburg, einem Hause, welches zwar erst vor einigen Jaßren wie ein Phoͤnix aus seiner Asche erstand, sich aber bei den hiesigen Banquiers in so bedeutenden Kredit zu setzen gewußt hatte, daß eh den groͤßten Theil seiner Passiven, die sich auf eine Million Fran, ken belaufen sollen, hier schuldet. Saͤmmtliche Verluste sind indeh unter vielen der reichsten Handlungen vertheilt, so daß sie von keinem Einzelnen besonders gefuͤhlt werden. Auch unsere Asseku⸗ ranz⸗Compagnieen haben seit dem Anfange dieses Jahrs statt Schaͤden zu ersetzen gehabt. Zuletzt den totalen des Schwedi schen Schiffes „Solid“, Capitain Lundberg, von Rio⸗Janeir- kommend, welches bei der Einfahrt in der Elbe auf Vogelsand strandete. Dagegen nimmt das Versicherungs, Geschaͤft bei unsg immer mehr zu. Die Ursache hiervon ist, theils weil die Gesel⸗ schaften auf sehr soliden Grundlagen ruhen, theils weil die 2s kuranz⸗Gesetze hier einfacher und in den meisten Faͤllen vortheit hafter fuͤr die Versicherten als anderswo sind, und der Polic Stempel sehr gering ist. Allerdings haben manche Gesellschaf ten schlechte Geschaͤfte gemacht und die Actionaire nicht ihren Einschuß, der gewoͤhnlich 25 pCt. der Actien 8 traͤgt, zuruͤck erhalten, ja zuweilen noch zuschießen muͤssen; das ruͤhrt aber gewoͤhnlich von schlechten Dispositionen, seltenen von besondern Ungluͤcksfaͤllen her. In keinem Falle aber koͤne nen die Versicherten dabei gefaͤhrdet werden, und das haͤufige Entstehen neuer Associationen zeigt, daß das Geschaͤft im Allge⸗ meinen gut seyn muß. Wir haben fortwaͤhrend schoͤnes Fruͤh⸗ lingswetter, welches mit der Stille, die noch immer im Handet herrscht, durchaus nicht uͤbereinstimmend ist. Es faͤngt indeß q in einige Artikel etwas Leben zu kommen. Kupfer z. C sa auf Nachrichten aus England stark gekauft worden, vermuthlich wird dort jetzt viel zum Schiffbau gebraucht. Auch in N Uschen und andern Waaren, die hier oft niedriger als in den L

August 1832 von S. Diego Sturz in London gebildeten Riy Doce⸗Compagnie das ausschließliche Privilegium zur Beschiffunz dieses Stroms und seiner Nebenfluͤsse mit Dampfboͤten auf 40

dann zu haben sind, wo sie erzeugt werden, wird sich bald Spe⸗ rlation zeigen, da die innere Schifffahrt gaͤnzlich ʒfrei .— Das Fonds⸗Geschaͤft bleibt unbedeutend. Actien irgend einer eisenbahn⸗ oder Dampfschiffahrt⸗Gesellschaft sind nicht am Markte. Wechseh auf alle Plaͤtze, des niedrigen Diskontos wegen, gut zu assen nen, 10. Maͤrz. Im Bremischen Staate sind im vorigen Jahre 2036 Kinder geboren worden (wovon in der Stadt Bremen allein 1301) und 1552 Personen (wovon in der Stadt 1060) gesto’ ben. Der Ueberschuß an Geburten betrug mithin 14 (beinahe eben so viel als im Jahre 1833) waͤhrend er im Jhre 1834 nur 149 beteagen hat. 38* Muͤnchen, 6. Maͤrz. Der schon laͤngst aus Griechenland erwartete Cou ier, Lieutenant Freiherr v. Sravenreuth, ist end⸗ ich gestern Abend gegen 8 Uhr hier angekommen. bb““ Ueberbringer der Entschließungen Sr. Maj. des Koͤnigs auf viele 21 Se. Maj. dahin gesandte Antraͤge und Berichte, welche nun he den verschiedenen Ministerien abgegeben worden sind. *) Geine Ruͤckkehr wurde durch Unpaͤßlichkeit, die ihn auf Korfu und in Ankona zuruͤckhielt, verzoͤgert, ja selbst auf dem Brenner machte eine Schneelawine den Uebergang sehr beschwerlich, so daß sein Wagen üUnd das Gepaͤck uͤber diee ungeheuren Schnee⸗ haufen hinweggetragen werden mußten. Stuttgart, 8. März. In der gestrigen Sitzung der Ab⸗ geordneten⸗Kammer entwickelte der Abg. Menzel seine Motion, 9 S zt 21; . r & die Regierung zu bitten, das gluͤcklich begonnene Werk der Ju⸗ den⸗Emancipatton fortzusetzen.“ Nachdem der Redner seinen Vortrag geendet, erhob sich Schott mit der Erklaͤrung, er unter⸗ stuͤte diesen Antrag in seinem vollen Umfange. Viele Mitglie⸗ der, unter denen die Abg Pflanz, Murschel, Frhr. v. Welden u. A, beantragten den Druck der Motion, welcher mit 71 ge⸗ gen 9 Stinmen beschlossen ward. Menzel bat seinen An⸗ nrag an die Petitions Kommisston zu verweisen, da eine des⸗ salsige Petition bereits von dem Herrn Praͤlaten von Pahl in Referat genommen worden sey. Seine Motion me in keine bessere Hände kommen. Diese Verweisung ward beschlossen. Der Abgeordnete Schott erklärte, er wolle e Kammer mit Verlesung seiner Motion zur Wiederherstellung der verfassungsmoͤßigen Preßfreiheit nicht aufhalten. Er bitte, seine Motion vom J. 1835 als wieder eingebracht zu betrachten, da er bie Gruͤnde des neulichen Geheimeraths⸗Reskript im Voraus darin widerlegt habe. Er trage darauf an, daß sie an die staatsrecht⸗ liche Kommission gewiesen werde. Angenommen Der Ab⸗ geort nete Freiherr von Hornstein entwickelte seine Motion ge⸗ gen die Koͤnigl. Verordnung uͤber das Aufsichts⸗Recht des Siaa tes uͤber die katholische Kirche vom 30. Jan. 1830. Die Ka⸗ tholiten seyen mit bestimmten kirchlichen Rechten an die hohe Krone Wuͤrttemberg gekommen, was der Redner historisch nach⸗ wies. Er ging dann auf das Konkordat der Deut⸗ schen protestantischen Fuͤrsten mit dem Papste uͤber. Die Greundzätze der bekannten Frankfurter Kommission griff der bgeordnete durchgaͤngig an. Die oben erwaͤhnte Verordnung erklaͤrt der Antragsteller als dem Konkordat und der Verfassungs⸗ Uckunde zuwider. Das Piazet des Regenten koͤnne sich nur auf Anordnungen in Betreff der aͤußeren kirchlichen Angelegenhei⸗ ten beziehen. Man habe eine eigene Landes⸗Kirche sehr konse⸗ guent durchgefuͤhrt, aber die Gewissens⸗Freiheit der Katholiken ngetastet, da man die katholische Einheit und die Verbindung nit dem Papste zerrissen. Er stellte den Antrag: die Regierung zu bitten, die erwaͤhnte Verordnung, als den Bestimmungen der Verfassungs⸗Urkunde zuwider, aufzuheben. Freiherr von Horn⸗ stein wollte Verweisung an die staatsrechtliche Kommission; Schott, von Zwergern u. A. wollten Verweisung an eine besondere katholische Kommission. Der Bischof v. Rottenburg bestand auf Ver veisung an die staatsrechtliche Kommission. Nach einiger Debalte ward mit 49 gegen 34 Stimmen beschlossen, diese Mo⸗ tion an die staatsrechtliche Kommission zu verweisen. Wiest, Frhr. „Welden, Bollstettern u. A. trugen auf den Druck der von ornsteinschen Motion an, der mit 58 gegen 24 Stimmen be⸗ clossen ward. Der Abg. Menzel reproponirte seine Motion egen den Nachdruck. Er trug darauf an, ihn einer zu waͤh⸗ lenden Justiz⸗Kommisson zuzuweisen. Auf dem vorigen Landtage abe der Abg. Pfizer einen vollstaͤndigen Bericht daruͤbee gefer⸗ igt, der aber nicht zum Vortrag gekemmen sey. Diese Motion ide an die Justiz- Kommission verwiesen 1

IZI1I11

Bern, 4. Maͤrz. Man war hier allgemein der Meinung, cs wuͤrde die Annahme der Badener Konferenz⸗Artikel von un⸗ erer katholtschen Bevoͤlkerung ohne alle Ruhestoͤrungen aufge⸗ nommen werden. Leider hat man sich aber dennoch getaͤuscht, und die fortwaͤhrenden Aufreizungen der geistlichen Partei sind nicht ohne Wirkung geblieben. Im Amts⸗Bezirke Pruntrut ist es (wie bereits erwaͤhnt) zu Exzessen gekommen, die Anfangs Lanz unbedeutend schienen, denen man aber jetzt doch etwas mehr Wichtigkeit beilegt. Sie fingen damit an, daß in der Stadt

zuntrut sich die Weiber und Maͤdchen in bedeutender Anzahl uf der Straße zusammenfanden, mit Beihuͤlfe einiger jungen Burschen einen Freiheitsbaum errichteten, und, um diesen herum⸗ kanzend, Leder auf die Befreiung von der Tyrannei der Refor⸗ nirten gesungen haben sollen. Nach eingelaufenen amt⸗ ichen Nachrichten hat jener Unfug sich bereits uͤber 15 is 18 Doͤrfer verbreitet, und die Polizei⸗Behoͤrden sind nicht ehr im Stande gewesen, demselben zu steuern. In der gestri⸗ en Sitzung des Regierungs⸗Raths wurde daher beschlossen, eine theilung Dragoner, und in den Regierunge⸗Statthaltern Muͤl⸗ er von Nidau und Langel von Courtlary zwei Kommissarien ach dem Pruntrurschen zu beordern. Ein Theil verlangte stren⸗ ere Maßregeln, die Absendung von zwei Bataillonen Infante⸗ ie und die Anwendung des Aufruhr⸗Gesetz's. Da diese Mei⸗ nung aber nicht durchging, so sieht man, daß unser Regierungs⸗ ath die Sache noch nicht suͤc wichtig genug haͤlt. So viel man aber hoͤrt, beabsichtigen einige Mitglieder des großen Raths u der heutigen Sitzung noch einen Antrag zu stellen, um durch raͤftigere Maßregeln allenfallstgen schlimmeren Folgen vorzubeugen.

Die Muͤnchener pol. Zeitung schreibt aus Bern vom Maͤrz: „Aus Basel⸗Landschaft vernimint man, daß die dortge Regierung, um ihre Existenz besorgt und stuͤndlich die Ausfuͤhrung eines Schlages gegen sich fuͤrchtend, Maßregeln zu hrer Sicherheit ergreife und aͤngstlich die Umtriebe einer dort kistirenden Partei bewache, die den Plan habe, eine Vereini⸗ ung der Landschaft mit einem benachbarten Kanton zu bewerk⸗ elligen. Die Beamten des neuen Freistaates fahren fort, sich n den oͤffentlichen Blaͤttern auf die gemeinste Weise zu beschim⸗

6 *) Die Nedaction der Allgemeinen Zeitung hat zugleich Briefe un Atben vom 5 Febr. erbalten, welche die erfreuliche Versiche⸗ 2 ö des von seiner Reise zuruͤck⸗

Koͤnigs von Bayern Majestaͤt und die voͤllige Wts 1 esung des Koͤnigs Otto berichten. ge Wiederge

15 8 EEII111“ pfen, und zeigen dadurch auf das klarste, wie schon gaͤnzlich zer⸗ ruͤttet und in sich zerfallen diese Schoͤpfung der Eidgenossenschaft ist. Die Verkehrssperre von Seiten Frankreichs dauert trotz der vielen Reclamationen immer noch fort.“

EETEPEEETIIn.

Mailand, 4. Maͤrz. In den letzten Tagen des vorigen Monats ist in unseren Gegenden ungewoͤhnlich viel Schnee ge⸗ fallen. Mehrere im Gebirge belegene Ortschaften sind in Folge dieses Schneefalles durch Lawinen verschuͤttet worden. So na⸗ mentlich der obere Theil des Ortes Gelora im Kreise Morbegro, wo zwanzig Wohnhaͤuser und ein großer Theil der aus 90 Per⸗ sonen bestehenden Einwohner vom Schnee begraben wurden. Eben so wurden in dem Orte Costa di Serina in der Provinz Bergamo acht Personen durch eine Lawine verschuͤttet. In Gi⸗ roniccv, Provinz Como, haben vier Personen auf dieselbe Weise das Leben verloren, und einzelne Ungluͤcksfaͤlle sind auch noch an anderen Orten vorgekommen. Man ist bereits eifrig damit be⸗ schaͤftist, die durch dieses Natur⸗Ereigniß unwegsam gewordenen Landstraßen in Ordnung zu bringen.

Ankona, 29. Febr. Der Franzoͤsische Kommandant unse⸗ rer Stadt, General Cubières, ist am 20sten d. nach Rom abge⸗ reist, von wo er sich nach Eivita vecchia begiebt, um sich von da nach Frankreich einzuschiffen. Er wird ungefaͤhr 6 Wochen von hier abwesend seyn.

Neapel, 25. Febr. Am gestrigen Tage kamen Se. Maj. der Koͤnig von Portici nach der Stadt, wohnten hier der Fa⸗ sten⸗Predigt in der Koͤniglichen Kapelle bei und kehrten dann wieder nach dem genannten Landsitze zuruͤck. Der junge Kron⸗ prinz befindet sich bei vollkommenem Wohlseyn.

oooE 1

Die Pariser legitimistischen Blaͤtter geben das nachstehende Manifest des Don Carlos:

„„Spanier, seit die goͤttliche Vorsehung Mich in Eure Mitte gefuͤhrt hat, bin ich der Gefaͤhrte und Zeuge Eurer Heldenthaten gewesen. Ihr habt, als die wuͤrdigen Erben Eurer Vorfahren, mehr als einmal jene glaͤnzenden Thaten wiederholt, ja uͤbertroffen, welche Spanien einen so ruhmwuͤrdigen Namen erwarben und die ganze Welt mit Bewunderung erfuͤllten. Auch heute richtet Europa seine Blicke auf Euch, auf diese unvergleichlichen Provinzen, und auf dle tapfere Armee, an deren Spitze Mich gestellt zu haben Ich Mir zur Ehre rechne. Mir wie Euch wuͤnsche Ich bhierzu Gluͤck, und im Namen der Religion wie des Vaterlan⸗ des danke Ich Euch fuͤr Eure hochherzigen Anstrengungen. Der Himmel selbst hat uns ein Zeichen gegeben, wie angenehm ihm Unsere Bemuͤhungen sind, indem er Uns durch seinen Schutz tau⸗ sendmal aus den groͤßten Gefahren errettet hat. Der Gott der Heerschaaren hat Euch gleichsam an seiner Hand zum Siege gefuͤhrt; ja, der Gott der Heerscharen, der Gott des heiligen Ferdinand, der Gott der Spanier. Ein katholischer Koͤnig kann keine andere Sprache fuͤhren, wenn er zu einem in hohem Grade gottesfuͤrchti⸗ gen Volke spricht, das uͤber die beschimpfte Religion weint und die Schmach ihrer Verfolger zu tilgen sucht. Der allmaͤchtige Herr hat Euch, so oft Ihr gefochten, den Sieg zugewendet; ihm gebuͤhrt der Ruhm ihm muͤssen wir unsern Dank zollen. Ehre aber auch und ewiges Andenken den Helden, die ihre Treue mit ihrem Blute besiegelt ha⸗ ben. Das Vaterland segnet sie; die Fama wird ihren Namen auf unsere Kindeskinder fortpflanzen, und Ich werde ihre Dienste wie ihre Hinterbliebenen niemals vergessen. Ihr Alle, denen es ver⸗ goͤnnt worden, ein so großes Unternehmen zu kroͤnen, fahrt fort in Eurem Muthe, in Eurer Beharrlichkeit, denn der Tag ist nicht mehr fern, wo Ihr Euch, unter den Segenswuͤnschen Eurer Bruͤder, der Fruͤchte Eures Sieges in Frieden werdet erfreuen koͤnnen. Ihr habt den Rebellen bereits bewiesen, daß ihre Anschlaͤge und Kunstariffe ohnmaͤchtig sind, und daß die Feigheit stets die Begleite⸗ rin der schlechten Sache ist. Ein Heer von Spaniern, das, meine legitimen Rechte verkennend, gegen seinen Souverain und die zu seiner Vertheidigung herbeigeeilten loyalen Maͤnner aus⸗ gezogen war; die Huͤlfsquellen, welche die Usurpation ihm eroͤffnet hatte, der Beistand der Revolutionairs anderer Laͤnder, Alles, Alles hat gegen uns nicht ausgereicht, und waͤhrend unsere Gegner in ihrem Stolze auf die Vernichtung Derer rechneten, welche sie die theokratische Faction nennen, haben sie ihre Generale erniedrigt, ihre Armeen besiegt, ihre Entwuͤrfe vernichtet, ihre Huͤlfs⸗Legionen ge⸗ beugt, ihre Hoffnungen vereitelt und ihre Koryphaͤen schmachbe⸗ deckt im Angesichte aller Nationen gesehen. Welchen Kontrast bie⸗ tet nicht jene Regierung des Betruges und der Zugestaͤndnisse, des Schreckens und der Anarchie, wenn man sie mit jener wahren Freiheit und jener freudigen Stimmung vergleicht, deren Ihr inmitten aller Eurer Beschwerlichkeiten genießet! Die Revolutionairs haben, in⸗ dem sie uͤberall Thraͤnen erweckten und den Tod verbreiteten, der Gott⸗ losigkeit Eingang verschafft, die Alles mit dem Siege der Verhee⸗ rung bezeichnet; sie haben unserm Vaterlande ein schweres und grau⸗ sames Joch aufgelegt; sie haben es schaͤndlich hintergangen, als sie die Rechte des Menschen anpriesen, um zugleich ihr Land der furcht⸗ baren Geißel der Tyrannei Preis zu geben. Laͤßt sich dasselbe von unseren Grundsaͤtzen, von der Lehre, die wir verfechten, befuͤrch⸗ ten? Wird es sich wohl, so lange man die gheche der Erde als die Repraͤsentanten des Hoͤchsten betrachtet, dem sie Macht und ihr Ansehen verdanken, so leicht ereignen, Aufruhr und Zwietracht unter den Voͤlkern ausbrechen, Vernichtungs⸗Kriege entzuͤnden, daß die Rube der daß die personliche Sicherheit gefaͤhrdet wird? Wird es so leicht geschehen, daß die Kuͤnste zu Grunde gehen, daß der Ackerbau ent⸗ werthet wird, daß durch den inneren Zwiespalt der Gemuͤther unsere Felder verwuͤstet, das Eigenthum gepluͤndert, Tempel und Altaͤre entweiht, die Diener Gottes beschimpft, verbrannt, gewuͤrgt werden? Laͤßt es sich so leicht befuͤrchten, daß die Hefe des Volkes, die ent⸗ artetsten, schlechtesten, blutduͤrstigsten Maͤnner sich zu Repraͤsentan⸗ ten und Richtern desselben aufwerfen, um abgeschmackte und laͤcher⸗ liche, barte und ungerechte Gesetze zu erlassen, den Unschuldigen zu strafen und den Schuldigen freizusprechen? Man lese die Geschichte aller Staaten, und namentlich die unsrige, und man wird sie frei von je⸗ nen Graͤueln finden: man wird sich uͤberzeugen, daß ohne demokra⸗ tische Theorieen der Friede, der Gewerdfleiß, der Handel, die Wissen⸗ schaften gebluͤht haben, und daß Spanien unter dem Schutze der Religion mit seinen Koͤnigen und seinen Grundgesetzen stets gluͤcklich gewesen ist. Habt also Muth: eine bessere Zukunft wird Eure Thraͤnen trocknen „und Ich werde Mich fuͤr den Gluͤcklichsten der Souveraine halten, so lange Ich zu Eurem Wohle mitwirken und unter Euch wie ein Vater unter seinen Kindern leben kann Ihr Alle seyd Meiner Liebe wuͤrdig, und es ist teoͤstend fuͤr Mein Herz, Euch diese vaͤterlichen Gesinnungen zu erkennen zu geben. Gleichwohl muß es Mich nothwendig betruͤben, wenn Ich anderer⸗ seits sehe, zu welchen Blutscenen die Revolution in Spanien Anlaß giebt: die schaͤndlichen Auftritte in Madrid, Barcelona, Saragossa und anderen Staͤdten, die abscheuliche Verfolgung, der in allen Theilen der Monarchse jeder Ehrenmann ausgesetzt ist; die Unter⸗ druͤckung und die schimpfliche Sklaverei, worin Meine Voͤlker inmit⸗ ten des Rufes der. Freiheit leben; Gefaͤngnizß, Verbannung, Consis⸗ cation und Tod fuͤr bloße Meinungs⸗Verschiedenbeiten, vorzuͤglich aber die Entweihung, Pluͤnderung und Einaͤscherung der Kirchen, die Erniedrigung, oͤffentliche Beschimpfung und ungestrafte Ermordung der Priester; die Einziehung der Kloͤster, dieser Zufluchtsorte der Tugend, die Verjagung der Moͤnche und Gott geweihten Jungfrauen, als Bettler fluͤchtend und nicht selten als Opfer der Barbarei fallend; Religion und Vaterland um Huͤlfe flehend, dies sind die Gegen⸗ staͤnde, die Meine Aufmerksamfelt in Anspruch nehmen, und wenn

ihre daß ‚daß sich Familien gestoͤrt,

. 1“ Ich auch Euch mit Schmerz an sie mahne, so geschieht es, damtt Ihr Mir behuͤlflich seyd, so großen Uebeln afnbasfen. Denket an die Archäned hen Metzeleien, die kuͤrzlich in Barcelona unter den Augen und mit der Zustimmung der von jener rebellischen Re⸗ gierung eingesetzten Behoͤrden (wenn anders uͤberhaupt eine Regie⸗ rung da erxistirt, wo so große Attentate veruͤht werden koͤnnen) begangen worden sind; bedenkt, wie hei dieser Gelegenheit die feterlichsten Vertraͤge verletzt, und wie selbst an den Leich⸗ namen der Geopferten Graͤuel begangen worden sind, zu groß, um hier angefuͤhrt zu werden, und wie sich nur eine bar⸗ barische und unmenschliche Nation deren schuldig machen kann.. Unwille bemäaͤchtigt sich Eurer, und Ihr habt Recht; aber jene Bei⸗ spiele fanden bei uns keine Nachahmung. Wenn auch die Rebel len keine Regierung, keine Gesetze, keine Religion, keine menschli⸗ che Gesinnungen haben, so besitzt⸗Ihr dagegen Helden⸗Tugenden, und die Gefangenen in den Depots, so wie diejenigen, die⸗Ihr juͤngst vor St. Sebastian, in Balmaseda und Mercadillo gemacht habt, werden am besten sagen koͤnnen, ob, Meine Armee disziplinirt ist, ob Mein Volk die Gesetze beobachtet. Verlaßt Euch indessen auf Mich: Ich werde die nachdruͤcklichsten Maßregeln ergrei⸗ fen, damit jene furchtbaren Erzesse sich nicht wiederholen. Eben so muͤßt aber auch Ihr, bei dem Anblicke des sichtlichen Schutzes, den der Himmel uns gewaͤhrt, bei unseren fortwaͤhrenden Siegen, bei der allgemeinen Stimmung des Spanischen Volkes und den Beweisen der Hingebung fuͤr Meine Sache, die Ich taͤglich im In⸗ nern, wie von Außen her, in der ruͤhmlichen Aadsicht erhalte, daß die Nation von den auf ihr lastenden Uebeln befreit werde, Eure

Anstrengungen verdoppeln. Alle Spanier, die dieses Namens wahr⸗

haft wuͤrdig sind, alle, welche die Religion und den Konig lieben, moͤgen sich Meinen getreuen Vertheidigern anschließen; sie moͤgen sich unverzuͤglich und vertrauensvoll vor Mir oder den Be⸗ hoͤrden, die in Meinem Namen in den verschiedenen Provin⸗ zen Spaniens kommandiren, stellen, um zu der heiligsten aller Sachen mitzuwirken. Ich werde Mir ihre Dienste wohl merken und sie belohnen. Man muß endlich erfahren, daß das Spanische Volk un⸗ ter den Streichen einer verbrecherischen Faction von Maͤnnern ohne Religion, ohne Koͤnig und ohne Vaterland nicht zu unterliegen ver⸗ mag. Wenn alle Gutgesinnte sich vereinigen, so werden unsere Zwistigkeiten nur von kurzer Dauer seyn, und die augenblicklichen Opfer werden uns deren groͤßere und kostspieligere fuͤr die Zukunft ersparen. Es ist hohe Zeit, daß einem so grausamen und furchtba⸗ ren Kampfe ein Ende gemacht werde. Ihr Alle seyd Spanier und mithin Alle dabei interessirt, daß kein Zwiespalt, keine Unordnung, keine Anarchie im Lande herrsche. Sammelt Euch also um Euren Koͤnig, und seyd versichert, daß alle Voͤlker der Erde Euch um Euren Ruhm und Euer Gluͤck beneiden werden. Gegeben im Koͤnigl. Hauptquartier, am 20. Februar 1836. (gez.) Carlos.“

Barcelona, 28. Febr. (Franz. Blaͤt.) Herr Mendiza⸗ bal ist zum Prokurador fuͤr Barcelona erwaͤhlt worden. Die anderen fuͤnf Mitglieder sind geneigt, den Minister zu unterstuͤz⸗ zen, wenn er den Weg der Fortschritte einschlaͤgt. Von den uͤbri⸗ gen zwoͤlf fuͤr Catalonien zu erwaͤhlenden Prokuradoren sind sechs dem Minister guͤnstig und sechs nicht. Die Englaͤnder treiben hier, und zwar mit Wissen der Behoͤrden, einen bedeutenden Schleichhandel. Der Militairposten in der Citadelle von Atara⸗ zamars laͤßt um zehn Uhr die Schmuggler in die Citadelle ein, von wo die Waaren dann in die Stadt geschafft werden. Dies wiederholt sich in jeder Nacht von 10 bis 3 Uhr.

Portu g a l.

Aus Lissabon sind in London Nachrichten vom 28sten v. M. eingegangen, wonach man dort noch immer einen baldigen Minister⸗Wechsel erwartete, weil der Staats⸗Kredit taͤglich mehr sank. Von Terceira war ein Schiff mit Devpeschen in Lissabon angekommen, und es verbreitete sich das Geruͤcht, daß auf dieser Insel eine Miguelistische Insurrection ausgebrochen sey; Andere wollten wissen, daß zwar Unruhen dort stattgefunden haͤtten, aber nur aus Lokal⸗Ursachen, nicht gegen die Regierung der Koͤnigin. Um nur einiges Geld von der Bank zu bekommen, ungefaͤhr 10,000 Pfd., haͤtte Herr Campos diesem Institut die der Koͤniglichen Seiden⸗Manufaktur gehoͤrigen Seidenwaaren und auch einige ihrer Webstuͤhle verpfaͤnden muͤssen. In Folge des Mangels an Vertrauen, welches die Bank⸗Direktoren auf die Maßregeln des Finanz⸗Ministers setzten, hatten sie angezeigt, daß die Lissaboner Bank, da sie keine Regierungs⸗ Fonds in Deposito habe, nicht mehr, wie bisher, das Papiergeld auf Rechnung der Regierung zu 80 pCt., oder zu 20 konto annehmen werde, was einen panischen Schrecken hervor⸗ brachte; Niemand wollte nun das besagte Geld selbst zu 25 pC Diskonto annehmen, und der letzte Preis desselben am 27sten Nachmittags war 26 ½ pCt. Diskonto. Die Bank wurde fa gestuͤrmt, da sie sich aber schnell mit dem noͤthigen baaren Geld versehen hatte, so ließ der Andrang am 28sten wieder nach, ob⸗ gleich man glaubte, daß der Wechsel⸗Diskonto, hinsichtlich dessen das Institut bisher gegen alle achtbare Kaufleute so liberal ge⸗ wesen war, in Folge dessen betraͤchtlich reduzirt werden wuͤrde.

. Fügke⸗ ]

Konstantinopel, 3. Febr. (Journal de Letzten Sonntag warf die Englische Korvette „Volage“, die di direkt von Alexandrien kam, das sie am 16. Januar verlasse hatte, im Bosporus Anker. Dies ist dieselbe Korvette, die beauftragt gewesen war, nach Aegypten zu bringen, der Mehmed Alt befiehlt, auf sein Monopol⸗System in Syrien und uͤberhaupt besonders des Britischen Handels, zu verzichten. Dieser Fermar wurde zuerst dem Boghos⸗Bey uͤberreicht, der, trotz seiner Mil lionen stets kriechend und aͤngstlich, es nicht wagte, ihm dem Pasch zu uͤbergeben, dessen ersten Augenblick der Mittheilung er fuͤrchtete. Der Englische General⸗Konsul mußt also selbst nach Kahira abgehen, um Ali's eigene Haͤnde zu legen. den Ferman seines Herrn mit groͤßter

daß er nichts weniger als geneigt sey, Sultans zu unterwverfen, und daß er Absicht ausgesprochen habe, in seinem steme zu verharren, fenen Voͤlkern verfahren koͤnne, wie ihm gutduͤnke. Indessen mißbilligen selbst die begeistertsten Verehrer des ehrgeizigen Pa scha's laut seine Hartnaͤckigkeit, fuͤrc Seit der Ankunft der Efendi in bestaͤndiger des diplomatischen Corps. mit verdoppelter Thaͤtigkeit wieder aufgenommen, und eine von 55 Segeln wird bald bereit seyn, zu stechen. Einige Personen versichern, die Pforte suche sich in die Lage zu setzen, unverweilt ihre Schuld an Rußland voll

ends abzutragen, um wieder in Besitz Silistria's zu

Englischen Korvette besindet sich der Reis

8

Wuth auf eine solche

jenes Dokument in Mehmed Man versichert, der Pascha habe an sei Ehrerbietung entgegenge⸗ nommen; indessen behaupten Briefe aus Alexandrien vom 12. Jan., sich den Weisungen des sogar ziemlich offen seine Finanz⸗ und Handels⸗Sy⸗ da er mit den seiner Verwaltung unterwor⸗

Unterhandlung mit den Haupt⸗Mitgliedern

Die Arbeiten des Arsenals wurden 8 1t Flotte aufs erste Zeichen in See

kommen. In⸗

pCt. Dis⸗

den Ferman der Pforte

auf jede Hemmung des Europaͤischen,

deren Folgen sie fuͤrchten.

dessen ist die Summe, welche die Pforte noch schuldet, so groß,

daß es sich wohl nur von den fuͤr das laufende Zahlungen handelt.

Noch hoͤrt man nicht, daß die Englische Flotte von Malta fortwaͤhrend

abgesegelt sey. Ooͤgleich die meisten Handelsbriefe

melden, die Escabre werde jene Insel verlassen, um sich, wie

Jahr verfallenen