1836 / 75 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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kann, waͤhrend man von den Folge

n des von dem 18g 5 (

rschlages keine Besorgnisse zu hegen braucht.“ L1u““ Secretair fuͤr Irland, uͤbernahm die Vertheidigung der ministeriellen Maßregel, gab jedoch 187 509 mehrere Bestimmungen derselben geeignet seyen, im W naͤher berathen zu werden. Die Bestimmungen der Bi a 8. welche den meisten Tadel gefunden, weil man sie nicht der a geregten Zustande Irlands fuͤr angemessen halte, 9. riodisch wiederkehrende Wahl der Behoͤrden, die Verhandl ngen im Munizipal⸗Conseil, kurz Alles, was das Wesen ““ waltung ausmache, wuͤrden seiner Ansicht nach 88b Zustand der Dinge sehr geeignet seyn, da sie dazu eitragen wuͤrden, die Bitterkeit und Parteiaufreaung, von der di Rede gewesen sev, zu beschwichtigen. Wenn die Leute daran ge⸗ woͤhnt wuͤrden, ihre Aufmerksamkeit auf ihre Lokal⸗Interessen zu senken, so werde ihnen sowohl Gelegenheit als Neigung ge⸗ nommen werden, die Rolle eines Catilina oder Cromwell zu spie⸗ len. Allerdings muͤsse man zugeben, daß Verhaͤltnisse in Irland epistirten, welche die Centralisirung eines Theiles der Angelegen⸗ heiten des Landes in Dublin oder London erforderten. ser Ansicht sey denn unter Anderem auch die so viel besprochene Bill zur Regulirung der Konstablermacht entsprungen; sie bezwecke die wirksame Unterdruͤckung der sogenannten agrarischen Agitation, welche ungluͤcklicher Weise haͤufig in Irland vorherrsche. Was aber die finanziellen Angelegenheiten betreffe, so scheine man einen anderen Weg einschlagen zu muͤssen und, statt den unverantwort⸗ lichen großen Juries das Recht der Besteuerung zu verleihen, die Kontrolle uͤber die Lokal⸗Interessen auch in dieser Beziehung Personen uͤbertragen zu muͤssen, welche von denjenigen gewaͤhlt waͤren, die ein Interesse an weiser und umsichtiger Verwaltung haͤtten und ihre Revpraͤsentanten selbst kontrollirten. Uebri⸗ gens muͤsse er dem Antrage der Gegenpartei schon aus dem Grunde widersprechen, weil derselbe die formelle Anerken⸗ nung enthalten wuͤrde, daß das Irlaͤndische Volk unfäͤhig sep, die Rechte, Privilegien und Pflichten auszuuͤben, in deren Ge⸗ nuß sich seine mehr beguͤnstigten Mitunterthanen in Großbrita⸗ nien befaͤnden. Die Annahme des gegnerischen Antrages wuͤrde ohne Weiteres die Verurtheilung Irlands zu einer Ungleichheit im Genuß buͤrgerlicher Rechte enthalten. Das Mitglied fuͤr North⸗Lancashire (Lord Stanley) habe in einer fruͤheren Sitzung erklaͤrt, daß seine Opposition gegen die ministerielle Bill auf reli⸗ gioͤsen Gruͤnden beruhe. Er (Lord M.) seinerseits wolle den re⸗ ligioͤsen Gefuͤhlen desselben alle Achtung widerfahren lassen, aber wenn sie bei der Beurtheilung rein weltlicher Angelegenheiten zum Grunde gelegt werden sollten, so muͤsse die Vernunftgemaͤf⸗ heit eines solchen Verfaͤhrens sehr in Zweifel gezogen werden. Im l9ten Jahrhundert, nach der Annahme der Bill wegen Emancipa⸗ tion der Katholiken, nach der Annahme der Reform⸗Bill, wuͤrde esab⸗ surd seyn, zu glauben, daß die protestantische Religion Kraft und Bei⸗ stand durch irgend etwas erhalten koͤnne, was den Anstrich des Monopols, der Unterdruͤckung oder des Mißbrauchs an sich trage. Man wolle doch nicht behaupten, daß die protestantische Reli⸗ gion, welche den Donnern des Vatikans und den Waffen eines Alba getrotzt habe, im mindesten bei dem Schicksale der verrot⸗ teten Burgflecken Irlands betheiligt sey. Allerdings haͤtten Miß⸗ braͤuche vorgeherrscht in den alten, selbsterwaͤhlten, ausschließlichen, verderbten und protestantischen, ja leider protestantischen Muni⸗ zipalitaͤten; aber ehe man zu dem heftigen Mittel der Vernich⸗ tung schreite, sey es nicht mehr als billig gegen die Masse von Individuen, welche bei der Verwaltung der verschiedenen Irlaͤn⸗ dischen Munizipalitaͤten interessirt seyen, daß man den Versuch mache, ob sich die Verwaltung der staͤdtischen Angelegenheiten nicht mit Gerechtigkeit, mit Vortheil, mit Sicherheit fuͤr die Nation im Allgemeinen und mit Nutzen fuͤr die Ge⸗ meinde⸗Mitglieder unter einem neuen Systeme fortfuͤhren lasse. Sollten die Munizipal⸗Behoͤrden, nachdem man ihnen einen solchen Versuch gestattet, dieses Vertrauens unwuͤrdig be⸗ funden werden, dann sey es an der Zeit, zur Aufhebung der Munizipalitaͤten zu schreiten. (Großer Beifall.) Der Sergeant Jackson behauptete, die vorliegende Bill sey bei weitem liberaler, als die Englische Munizipal⸗Reform⸗Bill es gewesen, denn in letzterer habe man keine erloschene Corporation wieder aufge⸗ weckt, in der Irlaͤndischen Bill aber kaͤmen mehrere solche Faͤlle vor; uͤberhaupt wichen beide Maßregeln sehr von einander ab, und die Minister haͤtten sich in Bezug auf die Irlaͤndischen Munizipalitaͤten Willkuͤrlichkeiten erlaubt, fuͤr die sie gar keine Gruͤnde anzufuͤhren fuͤr gut gefunden. Nach der ministeriellen Bill wuͤrden Leute, die nicht ein Wort Englisch sprechen, die nicht einmal ihren Namen schreiben koͤnnten, das Recht erhal⸗ ten, an der Wahl des Stadtraths und der Munizipal⸗Beamten

Theil zu nehmen. Der Redner theilte dann mehrere Auszuͤge zus dem Bericht der Kommission zur Untersuchung der Ein⸗

huͤchterungen bei den Wahlen mit, um zu zeigen, wie es dabei in Irland zuginge, und welchen verderblichen Einfluß die katho⸗ lische Geistlichkeit schon jetzt dort darauf ausuͤbe, was, wie er behauptete, noch viel schlimmer werden wuͤrde, wenn man die ministerielle Maßregel annaͤhme.

„In welcher Englischen Grafschaft“, sagte Herr Jackson, „hat man se gehoͤrt, daß in einer Assisen⸗Sitzung 36 Personen wegen Mordes vorgefuͤhrt worden waͤren? In der Grasschaft Tipperary aber stehen vor den jetzigen Assisen nicht weniger als so viel Indt⸗ vibuen, auf denen diese furchtbare Kiage lastet. (Hoͤrt, hoͤrt!) Seit dem Jahre 1829 sind in eben dieser Grafschaft nicht weniger als 700 Todtschlaͤge vorgekommen. (Hoͤrt!) Seit 1830 wurden in den Grafschaften Tipperary und Cork nicht weniger als 5 protestantische Geistliche ermordet, und in dem Fall der Ermordung des trefflichen Pfarrers Whitty, so wie in mehreren andern Faͤllen, mußte man die Verfolgung der Moͤrder fallen lassen, weil die Zeugen durch An⸗ diohung eines aͤhnlichen Schicksals abgeschreckt wurden, etwas aus⸗ zusag en. Beti einem solchen Zustande der Dinge ist es voͤlliger Wahn⸗ finn, davon zu sprechen, daß die Gesetzgebung fuͤr Irland auf den⸗

selben Grundsaͤtzen veruhen muͤsse, wie die fuͤr England. Die

Wirkung der Bill wird nur eine Uebertragung der Ge⸗ walt und des Einflusses der Corporationen Von den Haͤnden

derzenigen, die sie bisher besaßen, in die Haͤnde der Irlaͤndischen Katholiken seyn, und zwar nicht sowohl in die Haͤnde des Volks im Fügemeinen, sondern eines gewissen Theils der Bevoͤlkerung, dem selbst das ehrenwerthe und gelehrte Mitglied fuͤr Dublin, so talent⸗ voll und elnflußreich es auch ist, nur als Werkzeug dient. (Hort!) Ein bedeutender Grund zur Furcht in Bezug auf diesen Theil der Bevoͤlkerung, den ich. meine, ist der, daß sie gewissermaßen eine vesondere Zunft bilden, daß sie unverheirathet sind und dem Staat aiso keine Buͤrgschaft gewaͤhren. Der sehr ehrenwerthe und gelehrte General⸗Prokurator fuͤr Irland hat auf Dungarvon hingewiesen, als aufeinen Ort, wo ein Protestant von einer katholischen Waͤhlerschaft einem Katholiken vorgezogen und zum Parlaments⸗Mitgliede gewaͤhlt woeden, und er hat daraus beweisen wollen, daß die Katholiken nicht nach einem ausschließenden Grundsatz verfuͤhren. Ich muß aber darauf entgeg⸗ mnen, daß in diesem, wie in anderen Faͤllen, kein protestantischer Kan⸗ didat gewählt worden waͤre, wenn er sich nicht als einen Repealer dargestellt und dazu verpflichtet haͤtte, Alles zu thun, was die ka⸗ tholischen Waͤhler von ihm verlangen moͤchten. Das ehrenwerthe und gelehrte Mitglied fuͤr Dublin duldet nicht einmal Neutralitaͤt in Irland; er (O' Connell) denunziirt einen Jeden, der nicht so weit

308 „„Neutralitaͤt““, sagte er irgendwo, „„ist Jeder, der jetzt ein Reutraler ist, muß ein Eumberlander seyn.““ Ein Priester Namens O'Sullivan sagte vor einer Wahl vom Altare berab: „„Einen Jeden, der fuͤr den Rene⸗ gaten, den Ritter von Kerry, stimmt, werde ich nicht zum Tode vorbereiten, sondern ihn sterben lassen, wie das Vieh, und ich werde seine Kinder nicht taufen.““ Am 14. Juni vorigen Jahres, als es sich um die Wahl der von O'Connell unterstuͤtzten Kandida⸗ ten fuͤr Carlow, der Herren Vigors und Raphael, handelte, sagte der Pater Keogh zu seiner Gemeinde: „„Kinder, Ihr werdet mir zugeben, daß Bruen und Kavanagh die damaligen konserva⸗ tiven Kandidaten und jetzigen Mitglieder fuͤr Carlow) weder taug⸗ liche, noch vernuͤnftige, noch rechtliche Maͤnner sind. Vigors aber ist ein braver Mann. Beifall und Gelaͤchter von der Opposition.) Wir wollten gern einen Irlaͤnder haben und wandten uns an meh⸗ rere andere Maͤnner in dieser Grafschaft, daß sie sich an Vigors Seite stellen follten, aber sie wollten alle nicht. Da trat ein Eng⸗ laͤnder freiwillig auf, Herr Raphgel (großes Gelaͤchter), Ober⸗ Sberiff von London, der Geld die Fuͤlle hat (Beifall von den Op⸗ positions⸗Baͤnken) und auch Rechtlichkeit die Fuͤlle (Gelaͤchter);

gehen will, wie er. jetzt ein Verbrechen:;

stimmt denn fuͤr Vigors und Raphael, und ihr werdet fuͤr euch, euer Vaterland, eure Religion und euren Gott stim⸗ men. Wird Jemand behaupten wollen, die Aufregung habe

in Irland nichts ausgerichtet? Wo sind die Zehnten jetzt? Ihr habt keine Zehnten mehr zu bezahlen, sondern nur noch eine jammervolle Grundsteuer, und der werden wir auch bald ein Ende machen. Ich sage euch, Bursche, wenn die Konservativen in dieser Wahl stegen was sie nicht koͤnnen aber wenn sie durch Meineid, Drohungen und Gewaltthaͤtigkeiten siegen, wie bei der letzten Wahl, so wird mehr Blut fließen, als Wasser in dem Bar⸗ row⸗Strom ist.““ (Hoͤrt, hoͤrt!) Da haben Sie einige Proben von der Toleranz der katholischen Partei; doch ich glaube genug ge⸗ sagt zu haben, um zu zeigen, daß in Irland eine Macht vorhanden ist, die es in England nicht giebt, die dem dortigen gesellschaftlichen Zustande ein eigenthuͤmliches Gepraͤge aufdruͤckt, und die es unmoͤg⸗ lich macht, dort dieselben Maßregeln einzufuͤhren wie in England.“ (Beifall.) .

Herr Woulfe uͤbernahm die Vertheidigung der Katholiken gegen die von dem vorigen Redner wider sie erhobenen Beschul⸗ digungen, daß es ihnen nur um sektirerische Zwecke zu thun sey; wo sie den Protestanten gleichstaͤnden, sagte er, waͤren sie nie als religioöͤse Partei aufgetreten, und wo sie ihnen nachgesetzt waͤren, haͤtten sie nur die Rechte zu erlangen gesucht, die allem Volk zukaͤmen, und die das Englische Volk bereits genieße; seit 1829 sey in Irland nichts von ihnen erstrebt worden, wobei die Irlaͤndischen Protestanten nicht eben so interessirt waͤren. (Nein, nein! von der Opposttion.) Was die von dem Ministerium vor⸗ geschlagene Munizipal⸗Reform anbetresse, so hoͤtten von den 8 Millionen Irlaͤndern 7 Millionen ein direktes Interesse dabei, daß dieselbe angenommen wuͤrde. Diese Bill werde Nie⸗ manden eine Macht nehmen, die ihm nicht genommen werden muͤsse, und Niemanden Macht verleihen, dem sie nicht zukaͤme. (Gelaͤchter und Hoͤrt!)

„Ich kann mich“, sagte der Redner, „auf die Autoritaͤt des sehr ehrenwerthen Baronets gegenuͤber (Sir R. Peecl) berufen, der, als er im Jahre 1829 die Emancipation der Katholiken vorschlug, von dem Grundsatze ausging, daß Civil⸗Befaͤhigung die einzige Norm fuͤr die Vertheilung der Volks⸗Gewalt seyn muͤsse. Eine bessere Regel läͤßt sich nicht auffinden; sie folgt einem hoͤheren Ge⸗ setz, als dem der Legislatur, sie folgt dem Naturrecht selbst. Die Maßregel von 1829 beruhte auf dem Grundsatz, daß man dem Volke vertranen muͤsse. Die von 1830, welche der edle Lord (Egerton) vorschlaͤgt, ist eine Maßregel des Mißtrauens. Ein Umstand ist auch nicht zu uͤbersehen. Die protestantische Bevoͤlkerung ist im Norden Irlands weit groͤßer als im Suͤden; ja, sie ist dort groͤßer als die katholische; im Norden wird also die ministerielle Maß⸗ regel dem protestantischen Interesse das Uebergewicht geben. Auch ist zu beruͤcksichtigen, daß die katholische Bevoͤlkerung in den Staͤdten weit einsichtsvoller ist und unter einer weit besseren Kontrolle in Civil⸗ und geistlichen Angelegenheiten steht, als ihre Bruͤder auf dem Lande. (Hoͤrt, hoͤrt!) In den Staͤd⸗ ten ist sie in engeren und eintraͤchtigeren Verkehr mit Personen von anderem religidsen Glauben gekommen; in der Stadt Dublin hat bei wiederholten Wahlen, so groß auch dort die Partei⸗Aufregung ist, niemals eine ungeziemende Denunciation vom Altar herab jatt⸗ gefunden. (Hoͤrt, hoͤrt!) Fast uͤberall aber, wo Aufregung in Ir⸗ land stattfand, war die Ursache, daß die protestantischen Gutsbesiz⸗ zer eine ungebuhrliche Gewalt und eine unrechtmaͤßige Kontrolle üͤber ihre Paͤchter ausgeuͤht hatten; das wird Niemand bestreiten koͤnnen. (Hört!) Diese Aufregung war nur die natuͤrliche Reac⸗ tion derjenigen, die den schwersten Antheil an den 8 Millionen Pfund Steuern zu haben, die jaͤhrlich in Irland erhoben werden.“ (Hort, hoͤrt! 1 t

Sir Hardinge, der in dem Peelschen Ministerium Secretair fuͤr Irland war, meinte, das Gestaͤndniß des vorigen Redners, daß die katholische Bevoͤlkerung auf dem Lande in Ir⸗ land nicht so gut sey wie in den Staͤdten, sey schon allein ein hinreichender Grund, die ministerielle Maßregel zu mißbilligen; die Opposition werde beschuldigt, daß sie das Geschrei: „Kein Papstthum!“ erhoben habe, aber er koͤnne versichern, daß viele Mitglieder derselben, darunter er selbst, gar manches Opfer zu Gunsten der Katholiken gebracht haͤtten. (Hoͤrt) Der Redner schrieb vielmehr den Ursprung jenes Geschreis Herrn O Connell selbst zu, dem er unter Anderem vorruͤckte, daß er mit seiner gewoͤhnlichen Gutmuͤthigkeit dem Geistlichen seines eigenen Kirch⸗ spiels geschrieben habe, er koͤnne ihm jetzt den Zehnten nicht be⸗ zahlen, weil er sich sonst um seinen Parlaments⸗Sitz bringen wuͤrde. (Hoͤrt, hoͤrt)) Alles, was Irland be⸗ duͤrfe, sagte Sir H. Hardinge, nachdem er aͤhnliche Bei⸗ spiele von Aufreizung citirt hatte, wie Herr Jackson, sey Ruhe, und so lange das Leben von Privatmaͤnnern dort noch in Gefahr sey, koͤnne er nicht einwilligen, daß der Irlaͤndischen Bevoͤlkerng mehr Macht in die Haͤnde gegeben wuͤrde. Lord Howick, der Kriegs⸗Secretair (Sohn des Grafen Grey), war der letzte Redner, der sich an diesem Abend noch uͤber die dem Hause vorliegende Frage vernehmen ließ; er machte den vorigen Redner besonders darauf aufmerksam, daß er bei seinen Klagen uͤber die in Irland herrschende Aufregung ganz vergessen zu ha⸗ ben schiene, daß eben die bisherigen Corporationen ein Haupt⸗ grund dieser Aufregung gewesen seyen. Er sprach nun uͤber die Details der Bill und raͤumte, wie Lord Morpeth, ein, daß

noch manche Bestimmung darin wuͤrde geaͤndert werden koͤnnen; namentlich stimmte er mit Lord Egerton in dem Punkt uͤberein, daß er es fuͤr besser hielt, die Ernennung der Friedensrichter der Krone anheimzugeben. (Hoͤrt, hoͤrt!) Die Debatte wurde dann

Herr Philipp Friule und Maulwih als Gesandte des Koͤnigs von

(wie gemeldet) auf den folgenden Abend vertagt.

9 London, 8. Merh Mahomed Ismail Chan hatten, , Naah⸗ Undzuür Vorbereitung auf ihre Vorstellung bei Hofe, gestern eine Unterredung mit Sir John Hobhouse, dem Praͤsi⸗ denten der Ostindischen Kontrolle.

Trotz aller Hoffnungen, welche die ministeriellen Blaͤtter, wie die radikalen, bisher gehegt, hat es nun doch den Anschein, daß die Untersuchung uͤber die Wahl des Herrn Daniel O'Con⸗ nell fuͤr Dublin eine uͤble Wendung fuͤr ihn nehmen duͤrfte, und schon sind seine Anhaͤnger dafuͤr bestrebt, falls sie fuͤr unguͤltig

erklaͤrt wuͤrde, ihm die fuͤr die Grafschaft Kildare zuzuwenden statt des Herrn Ruthven des Juͤngern, der in diesem Fall gleich resigniren wuͤrde.

Der (neulich erwaͤhnten) Erklaͤrung des großen Ausschusses der Orangisten⸗Logen in Dublin ist bald darauf die ordentli Monats⸗Versammlung der großen Distrikts⸗Orangisten⸗Loge 8- Stadt Dublin gefolgt, wobei 28 Logen desselben Distriktes re⸗ praͤsentirt waren und Resolutionen gefaßt wurden, welche Be,⸗ dauern und Erstaunen uͤber die an sie ergangene Adresse des Großmeisters und Anderer von der Bruͤderschaft, so wie inni en Dank an den großen Ausschuß fuͤr seine Beschluͤsse ausdruͤcken

Die hiesigen Blaͤtter fuͤhren an, daß am 1. Juni 1713 die Grafen von Seafield und Findlater im Oberhause einen Antrag auf eine Bill zur Aufhebung der Union mit Schottland gemacht die nur mit einer Mehrheit von 4 Stimmen verworfen worden Von den 108 anwesenden Pairs war die Haͤlfte fuͤr, die anden; wider den Antrag, von den durch Vollmacht stimmenden 13 a,

fuͤr, 17 dawider.

Die Behauptung der Tory⸗Blaͤtter, daß unter den Migse, dern der Koͤniglichen Kommission zur Schlichtung der Straälg⸗ keiten in Kanada, und namentlich zwischen Lord Gosford und Sir George Grey, heftiger Zwiespalt entstanden sey, wird von der Morning Chroniecle fuͤr unwahr erklaͤrt.

Die Times will wissen, daß, nachdem das Einkommen deß Bisthums Durham auf 8000 Pfd. im Jahre herabgesetzt so, das dadurch Ersparte an die Kommissarien der Stiftung da Koͤnigin Anna zur Verbesserung der geringeren Bischofs⸗Sige gezahlt werden solle. Der erst kuͤrzlich zum Bischofe von Ba⸗ stol ernannte Dr. Allen werde nach Chichester versetzt und hi, durch zugleich eine mit seinem bisherigen Sitze vereinigte Pfruͤm in Westminster erledigt werden. Bristol werde als Bischofest erloͤschen oder mit den benachbarten zusammenfallen und Dr. Long ley der erste Bischof von Ripon, einem neuen Bisthum, werden, wofuͤr die Einkuͤnfte gleichfalls von dem Bisthum Durham aêh gesondert wuͤrden.

Man macht gegenwaͤrtig in England einen interessanten Ve⸗ such, die große Einfuhr von fremdem Flachs und Hanf (welce etwa 3 Millionen Pfd. Sterl. jaͤhrlich betraͤgt) durch die Kultu neuer Pflanzen⸗Arten, welche spinnbare Fibern liefern, zu erste zen. Diese bestehen in Neuseelaͤndischem Flachs (phormium te. nax) Musa textilis. Urtica tenacissima und Sita, oder Seiden, gras (die soie végétale der Franzosen). Es haben sich zwei Ge sellschaften gebildet, welche die Patente, die der Hauptmam Harris fuͤr Fabrication von Zeugen aus diesen Fibern erhal! ten hat, angekauft haben. Die eine fabrizirt Taue und Sege⸗ tuch, die andere Zeuge zu Kleidern und Moͤbeln. Man hu gefunden, daß Taue von Neuseelaͤndischem Flachs staͤrker sind als gewoͤhnliche, von der Naͤsse nicht leiden und ein Fuͤnsthel leichter sind. Die Zeuge, welche daraus gewoben werden, habe einen Seidenglanz, sind aber bedeutend staͤrker als Seide umd koͤnnen daher uͤberaus duͤnn gewoben werden, wodurch sich die Steifigkeit verliert, welche sie von der Seide unangenehm un⸗ terscheidet. Man webt aus Seidengras Teppiche, welche von großer Dauerhaftigkeit sind, aber es fehlt ihnen noch an der Weiche der wollenen Teppiche, dennoch nimmt der Gebrauch derselben schnell zu, und die Fabriken dieser Art in Varnsley werden fast taͤglich vergroͤßert. Die Gesellschaften haben einen Agenten nach Neu⸗ seeland geschickt, um das Material, dessen sie beduͤrfen, an Ort

und Stelle zu kaufen und ihnen regelmaͤßig zu schicken; da aber

der jaͤhrliche Ertrag, der sich bei der gegenwaͤrtigen Barbarei der Neuseelaͤnder erhalten laͤßt, sich auf nicht mehr als 20— 30,. Centner erhebt, so wuͤnschen sie die Kultur diefes Flachses in England und besonders in Irland einzufuͤhren und haben ihren Agenten befohlen, jedem Schiffe, das Flachs ladet, einige Tau⸗ send Pflanzen mitzugeben. Man hat mit diesen Versuche ange stellt und gefunden, daß die Pflanze etwa dreimal so viel Flache liefert, als die gewoͤhnliche, und dabei fast keine Kosten verursach, indem die 7 nicht abstirbt, sich durch die Wurzel fortpflang und nicht zum Gebrauch ausgerissen werden muß, indem man nur ihre Blaͤtter braucht. Eine Pflanze trug im 1839 in einem Garten in Irland 700 Blaͤtter, welche 6—7 Fuß lang waren. Sie waͤchst in Suͤmpfen und auf Wiesen, welche Ueba⸗ schwemmungen ausgesetzt sind, scheint aber keinen hohen Gmd von Frost ertragen zu koͤnnen. Die Admiralitaͤt hat einen Van trag mit dem Hause Swansborough gemacht, nach welchem die ses die Elle Segeltuch aus Neuseelaͤndischem Flachs zu di Pence liefert, von einer Qualitaͤt, die in gewoͤhnlichem Hans 18 20 Pence kostete. In feineren Zeugen hoffen die Fabn⸗ kanten den neuen Flachs zu 30 40 pCt. unter den bisherign Preisen liefern zu koͤnnen. 1

In Lissabon dringen die Gesandten Spaniens und Eng lands fortwaͤhrend darauf, daß die Portugiesischen Huͤlfstrupyn nach den Baskischen Provinzen vorruͤcken sollten, und der Ma quis von Loulé soll sich endlich dazu verstanden haben. Auchz den Cortes erklaͤrten viele Deputirte es fuͤr nothwendig, dieße Corps auf 10,000 Mann zu verstaͤrken.

Aus St. John’s in Neu⸗Braunschweig wird vom N. Januar gemeldet, daß der Koͤnigliche Unter⸗Statthalter die Elt sion der Legislatur am 20sten eroͤffnet hatte, und daß man aus seiner Rede eine hoͤchst erfreuliche Zunahme der oͤffentlichen Emn⸗ kuͤnfte ersehen. Am 26sten zeigte er durch eine Botschaft die Koͤnigliche Genehmigung der Akte wegen Aufhebung der Au

Niederandee

Aus dem Haag, 9. Maͤrz. Der als Literaturf ruͤhmlichst bekannte Archiv⸗Direktor des Koͤniglichen Hauses, H. Groen van Prinsterer, ist zugleich zum Mitgliede des Staals Raths fuͤr den außerordentlichen Dienst ernannt worden.

Amsterdam, 9. Maͤrz. An der hiesigen Boͤrse war heill das Geruͤcht verbreitet, daß die Griechische Regierung Willene sey, die alte Griechisch⸗Englische Anleihe anzuerkennen, was eine Courssteigerung dieser Effekten zur Folge gehabt hat. Es heißt die Regierung wolle zu diesem Behufe eine neue Anleihe ml

den alten Kontrahenten abschließen und aus dem Ertrage derselbm

das Kapital der alten Schuld, jedoch nicht auch die ruͤckstaͤndigen Zinsen, abbezahlen. 1uA“

Bruͤssel, §8, Maͤrz. In der gestrigen Sitzung der Repra sentanten⸗Kammer geschah die zweite Abstimmung uͤber das Kom⸗ munal⸗Gesetz. Der zweite Artikel, welcher den Koͤnig zur Er⸗ nennung der Buͤrgermeister und Schoͤffen, aus den Mitglie⸗ dern des Gemeinde⸗Raths, ermaͤchtigt, wurde mit 54 gegen 39 Stimmen definitiv angenommen. Hinsichtlich der Attribu⸗ tionen des Gemeinderathes gab bereits fruͤher eine Frage nn lebhaften Debatten Anlaß; es handelte sich naͤmlich darum, wissen, ob dem Kollegium der Buͤrgermeister und Schoͤffen di Censur von Theaterstuͤcken in dem Sinne zu uͤbertragen sey, caß es die Auffuͤhrung jener, welche es den Sitten oder der oͤffen

lichen Ruhe gefaͤhrlich glaube, untersagen koͤnne. Dieser von dem Ministerium in Vorschlag gebrachte Artikel wurde in vier aufeinander solgenden Tagen lebhaft bekaͤmpft und endlich mit einer Majoritaͤt von inf Stimmen angenommen. Eine gewisse Anzahl von Mitglie⸗ dern, welche gewoͤhnlich nicht mit der Opposition stimmt, schloß sich derselben diesmal an, um jenen Vorschlag zuruͤckzuweisen, weil sie in demselben die Absicht der katholischen Majoritaͤt zu erblicken glaubte, im Geheimen Alles zu untergraben, was sich auf dramatische Kunst bezieht, welche von dieser Partei als unheilvoll ir die Religion und verletzend fuͤr die guten Sitten betrachtet „so daß eine Gemeinde⸗Verwaltung, welche unter dem Ein, der Gesstlichkeit stuͤnde und diesem Einfluß ihre Ernennung um Munizipalrath und folglich ihre Kandidatur zum Saooöͤffen⸗ Kollegium verdankte, auf jene vagen Worte gestuͤtzt, gar leicht nach ihrem Gutduͤaken jedes Stuͤck verbieten koͤnnte, welches als unsittlich angeklagt waͤre. Was aber z. B. in Luͤttich als unsitt⸗ ich von der Buͤhne verbannt wird, koͤnnte gar leicht in Bruͤssel fir sehr moralisch gelten und mit Beifall aufgefuͤhrt werden, und so umgekehrt. 8 ““

Gestern ist der Herzog Ferdinand von Sachsen Koburg aus Kien hier eingetroffen; seine beiden Soͤhne werden heute Abend nach Paris abreisen. 8 8

wird

M Hannover, I11. Maͤrz. Se. Koͤnigl. Hoheit der Vice⸗ Koͤnig Herzog von Cambrioge ist gestern Nachmittags in er⸗ wuͤnschten Wohlseyn von Berlin hier wieder eingetroffen. Stuttgart, 6. Maͤrz. Gestern fand hier zur Vorfeier des auf heute fallenden Geburtssestes Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen vor dem Hof und einer großen Anzahl Zuschauer ein glänzendes Carroussel⸗Reiten siatt, an welchem Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Friedrich, der Prinz von Montfort, der Graf Wilhelm von Wuͤrttemberg u. s. w. Theil nahmen. Der Kron⸗ prinz legt heute sein dreizehntes Jahr zuruͤck. Darmstadt, 7. Maͤrz. Seit ungefaͤhr acht Tagen huͤtet e. Hoh. der Prinz Emil von Hessen das Bett. Gestern und vorgestern gingen beunruhigende Geruͤchte uͤber sein Befinden. Die Gicht hat sich ihm auf den einen Arm geworfen und diesen zu jeder Bewegung unbrauchbar gemacht. Sobald das Befin⸗ ben des Durchl. Patienten es erlaubt, wird derselbe das Groß⸗ herzozliche Landhaus bei Bessungen unweit Darmstadt wieder be⸗ ziehen und spaͤter sich nach Wiesbaden begeben, wo das Bad ihm schon mehrmals gute Dienste gechan hat.

SITTTböb556. Preßburg, 7. Maͤrz. Die Donau⸗Dampfschifffahrt ist seit dem Aten d. M. wieder eroͤffnet. An diesem Tage fuhr die „Pannonia“ von Pesth stromaufwaͤrts nach Preßburg und am folgenden Tage der Zrinyi stromabwaͤrts nach Moldova. Des niedern Wasserstandes wegen, der sich in diesen Tagen kaum auf zwei Schuh erhoben, heut fruͤh aber doch wieder 4 Schuh stand, konnte die „Pannonia“ erst gestern Abends gegen halb 8 Uhr hier eintreffen. Morgen fruͤh geht das Schiff mit Passagieren und Guͤtern wieder von hier nach Pesth zuruͤck.

Vorgestern ist hier bereits die 430ste Sitzung des gegenwaͤr⸗ tig versammelten Ungarischen Reichstages gehalten worden.

Die Eisenbahn⸗Projekte in Deutschland fangen auch an in Ungarn Anklang und Widerhall zu finden; besonders scheint jene von Wien nach Gallizien hier lebhaft die Nachahmung anzure⸗ gen, um so mehr, da man schon die Nachtheile berechnet, die aus jener kolossalen Unternehmung fuͤr Ungarn erwachsen koͤnn⸗ ten. Es duͤrfte dann mit mehreren seiner Landes⸗Produkte in der Ausfuhr nach Oesterreich mit Gallizien nicht leicht rivalisiren koͤnnen. Wir wollen des einzigen Artikels, Ochsen, erwaͤhnen, deren Transport auf der Eisenbahn von Bochnia nach Wien in 20 Stunden moͤglich seyn wird, waͤhrend von Ungarn dahin mehrere Wochen dazu erforderlich sind. Die erste in Unaarn zu projektirende Eisenbahn waͤre auf der Strecke von Pesth nach Debrezin. Daß die Staͤnde⸗Tafel zu Preßburg bereits ein Ex⸗ propriationsgesetz zum Behuf der Eisenbahnen und Kanaͤle vo⸗ tirte, ist bekannt. b

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Schwei;. b Bern, 6. Maͤrz. Die Aufregung im Jura⸗Bezirk hatte am 3. Maͤrz eine bedenkliche Hoͤhe erreicht; in Delspreg wurde eine roth und schwarze Fahne mit insurrectionellen Inschriften aufgepflanzt, jedoch auf Veranstaltung der Behoͤrde weggenom⸗ men; in Pruntrut wollten die Fanatiker den Freiheitsbaum von 1830 umhauen, wurden aber durch die Haltung der Patrioten abgeschreckt, das Land wird mit aufwieglerischen Anschlaͤgen uͤber⸗ schwemmt. Herr Schultheiß Tscharner berichtete dem großen Rathe, waͤhrend der Sitzung vom 4. Maͤrz, zweimal uͤber die eingelaufenen Berichte mit der Anzeige, daß zwei Abgeordnete des Regierungsrathes, unter militairischer Bedeckung, den Jura bereisen und eine Untersuchung einleiten werden, und daß eine uͤbereilte Maßregel den Buͤrgerkrieg herbeifuͤhren koͤnnte. Bin⸗ nen acht Tagen wird sich eine wichtige Krisis entscheiden.

1 Der Constitutionnel Neuchatelois enthält folgende Betrachtungen uͤber die Streitfrage zwischen Frankreich und Ba⸗ sel⸗Landschaft: „Wir glauben, daß bei Streitigkeiten zwischen Nationen ein bloßes Raisonnement nicht am rechten Orte sey, und daß eine ruhige und uͤberdachte Untersuchung der Streitfrage nüͤtzlicher ist, als die heftigsten Declamationen. Leider fehlen uns die Elemente zu einer solchen Untersuchung, und ungeachtet alles dessen, was bis jetzt uͤber diesen Gegenstano gesagt und geschrie⸗ ben worden, muͤssen wir noch immer fragen: Giebt es in Lie⸗ stal ein Gesetz, welches den Irsraeliten die Erwerbung

von unbeweglichem Eigenthum in dem Kanton untersagt? Hatte die Regierung das Recht, eine solche Autoristrung

zu bewilligen? Nach Allem, was wir von der einen oder der anderen Seite gesehen haben, ist man auf eine Weise verfahren, die geeigneter ist, den Streit zu vergroͤßern, als ihn beizulegen. Von der einen Seite Leichtsinn, nicht zu entschuldigende Uabe⸗ sonnenheit und dann ein eben so unüuͤberlegter Zorn; von der anderen Seite Eigensinn, Vergessen, oder, wenn man will, Un⸗ tenntniß der Formen und bes Schicklichen, die wohl geeignet waren, einen maͤchtigen Nachbar in uͤble Laune zu versetzen. Als uͤbrigens die Differenzen bis dahin gediehen waren, haudelte es sich weniger darum, zu untersuchen, wie sie entstanden, als vielmehr, wie sie auf die beste Weise beizulegen seyen, und wir haben mehr als einen Friedens⸗Vertrag gesehen, in welchem die

treitigkeit, welche den Krieg veranlaßte, mit keinem Worre er⸗ waͤhnt wurde. Der Franzoͤsische Minister hat die Feindseligkei⸗ ten begonnen, indem er gegen Liestal Maßregeln ergriff, die wir um so mehr tadeln muͤssen, als er zuvor nicht auf dem Wege der Unterhandlungen Alles versucht, ja selbst ehe er einmal wußte, um was es sich eigentlich handle. Diese Maßregeln schaden den Franzosen, wie den Bewohnern von Basel⸗Landschaft. Bis jetzt

dieser letztere Staat dem Beispiele der Franzosen nicht gefolgt, was wir lohen muͤssen; wenn er aber bei seinem System der Un⸗

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beugsamkeit beharrt, so wird er fruͤher oder spaͤter genoͤthigt seyn, Repressalien zu gebrauchen, und das Uebel wird dann auf beiden Seiten nur groͤßer seyn. Nehmen wir an, die Eidgenossenschaft sey uͤberzeugt, daß Liestal das gute Recht fuͤr sich ha⸗

be, und daß sie daher diesen Kanton unterstuͤtzen muͤsse, so wird dies nur durch aͤhnliche Maßregeln geschehen koͤnnen, die Frankreich dann natuͤrlich erwiedern wuͤrde,

und der Stand der Dinge wuͤrde immer aͤrger werden, bis ihm endlich dadurch ein Ende gemacht wird, daß der Schwaͤchste oder der Vernuͤnftigste nachgiebt und dem Gegner die Hand bie⸗ tet. Wenn nun Frankreich wie nach dem Verfahren des Vororts gegen Liestal wohl anzunehmen ist geneigt waͤre, bie Streitigkeit auf freundschaftliche Weise beizulegen, indem es sich unparteiischen Richtern unterwirft, so wuͤrden wir wahrlich nicht begreifen, wie man einen so vortheilhaften, fuͤr beide Theile nur ehrenvollen Ausweg wuͤrde zuruͤckweisen koͤnnen. Es ist dies jetzt nicht mehr eine bloße Frage uͤber die Kompetenz oder Inkompetenz der Liestaler Gerichtshoͤfe, son⸗ dern es ist eine politische Frage geworden, ein Streit zwischen zwei Staaten, der auf guͤtlichem oder auf gewaltsamem Wege beige⸗ legt werden soll. Wir unsererseits wuͤrden uͤber die Wahl nicht zweifelhaft seyn. Wir halten es fuͤr die Pflicht einer jeden Re⸗ gierung, die mit einem anderen Staate in Streit ist, jedes ihr dargebotene ehrenvolle Mittel zur Beilegung der Differenzen an⸗ zunehmen. Wir geben unsere Meinung in dieser Beziehung ohne Ruͤcksicht auf die respektive Staͤrke oder Schwaͤche der Parteien und auf die Chancen eines Kampfes; sie wuͤrde die⸗ selbe bleiben, wenn wir 100,000 Franzoͤsischen Bajonnetten eben so viele Schweizerische entgegenzustellen haͤtten und uns schmei⸗ cheln duͤrften, die Zeit des Feldzugs von Dijon wiederkehren zu sehen. ö11111X1X“

Rom, 29. Febr. (Allg. Ztg.) Nach dem gegenwaͤrtigen Stande der Angelegenheiten in Spanien scheint man hier, wie in ganz Italien, die Ueberzeugung zu hegen, daß Don Carlos doch am Ende den Sieg davontragen und seinen Einzug in Madrid als Koͤnig von Spanien halten werde. Von einer Ein⸗ mischung oder Anerkennung von Seiten der Italiaͤnischen Fuͤrsten fuͤr Don Carlos ist wohl eigentlich nie ernstlich die Rede gewe⸗ sen, wohl aber sucht man durch Geld⸗Unterstuͤtzung, die in die⸗ sem Augenblick recht eifrig betrieben werden soll, seine Sache zu

befoͤrdern. Die maͤchtigsten Freunde dieser Sache sind die Or⸗ dens⸗Geistlichen. Diese werden mit allen Mitteln, die ihnen zu

Gebote stehen, nicht aufhoͤren, den Verfechter ihrer Existenz nach Kraͤften zu unterstuͤtzen. Der bisherige Nuntius in Madrid, L. Amat di S. Filippo e Sorso, Bischof von Nicaͤa, ist hier eingetrossen. Wie man hoͤrt, hat er einen Geschaͤftsfuͤhrer zu⸗ ruͤckgelassen, der die kirchlichen Angelegenheiten dort besorgen soll.

Man kuͤndigt uns zu Ostern eine Promotion von sieben neuen Kardinaͤlen an, von denen schon mehrere die Anzeige er⸗ halten haben sollen; darunter befindet sich Monsignore Mai, Secretair der Congregation de propaganda side. Monsignore

Alberghini ist zum Auditore der Sancta Rota fuͤr die Stadt

Bologna ernannt.

Bei unserer inneren Verwaltung gehen die Geschaͤfte ihren ruhigen Gang, aber von Sekularisirung der Gerichte ist seit Kardinal Bernetti's Ruͤcktritt nicht mehr die Rede; diese Reform musß der Zukunft uͤberlassen bleiben, jetzt ist nicht daran zu den⸗ ken. Man ist einsig mit Entwerfung des Budgets beschaͤftigt; doch ist noch nichts Naͤheres daruͤber im Publikum bekannt.

Das neulich erschiene Edikt wegen der Heilighaltung des Sonntags ist noch immer Gegenstand des Gespraächs. Man glaubt, daß es wegen seiner großen Strenge nicht ausfuͤhrbar sey. Vorigen Sonntag, wo diese Verordnung schon in Kraft haͤtte treten sollen, hatten gleichwohl viele Wirthe ihre Haͤuser offen, ohne gestraft zu werden, und fuͤr morgen ist man nicht ohne Sorgen, wenn die Polizei es durchsetzen will; der gemeine Mann will nach dem Gottesdienst sich in den Weinhaͤusern laben

nd aͤußert dieses ziemlich laut.

Eine reiche Englaͤnderin, die sich schon seit vielen Jahren hier aufhaͤlt und fuͤr Kunst und gesellschaftliche Unterhaltung Vieles thut, Lady Conventry, wurde gestern Nacht in ihrer Woh⸗ nung, Palast Barberini, von einem wegen wiederholter Verun⸗ treuung entlassenen Bedienten in ihrem Bett uͤberfallen. Nur die Geistesgegenwart der Dame rettete sie vom Tode, da sie au⸗ genblicklich die Glocke zog und sich den Stichen des Moͤrders entwand. Ob sie gleich mehrere Wunden hat, so befindet sie sich doch außer Gefahr. Wie ich so eben hoͤre, ist der Thaͤter bereits in Haft, und man hofft, die Regierung werde gegen diesen Nichts⸗ wuͤrdigen nach der ganzen Strenge des Gesetzes verfahren, da⸗ mit solche Leute wissen, daß die Ängriffe auf Fremde nicht un⸗ geahndet bleiben, wie dieses bei Morden, die sie an ihresgleichen begehen, so oft der Fall ist.

Spanie b“

Madrid, 25. Febr. (Allg. Ztg.) Batanero setzt seine Streifzuͤge in der Nachbarschaft der Hauptstadt ungestoͤrt fort, und das Ossizier⸗Corps der ihm von hier aus nachgesandten Trup⸗ pen hat sogar in den hiesigen Blaͤttern bekannt gemacht, der See⸗ ges⸗Bericht vom Sten, welchen die Regierung amtlich bekannt ma⸗ chen ließ, sey eine reine Erfindung, und anstatt der dort angefuͤhr⸗ ten 60 Todten und 50 Verwundeten habe man nur 5 Todte und 14 verwundete Factiosen gefunden. Der Befehlshaber der von Guadalaxara ausgeruͤckten Truppen wird der groͤßten Nach⸗ laͤssigkeit beschuldigt. Gestern verbreiteten öie hiesigen anarchi⸗ schen Blaͤtter das Geruͤcht, die 16 Lanciers des Batanero, welche den Ex⸗Prokurabor Carrillo in das Hauptquartier des Praͤten⸗ denten fuͤhren sollten, haͤtten ihn unterweges aufgeknuͤpft; die Verbreitung dieses Geruüchts geschah augenscheinlich in der Ab⸗ sicht, die Leute hier zu blutigen Repressalien gegen die Karlisten aufzureizen. Desto erfreulicher war es, als gestern Abend Briefe von Herrn Carrillo eintrafen, mit der Nachricht, daß er, als seine Eskorte von den Truppen der Koͤnigin uͤberfallen wurde, die Flucht ergreifen konnte und gluͤcklich in Atienza angekommen ist. Nachrichten von vorgestern melden, daß Aueseda in Uceda eingeruͤckt und die Factiosen uͤber die Bruͤcke von Somosierra gegangen waren, vermuthlich um Sepulveda zu erreichen. In Segovia war man auf einen Ueberfall gefaßt gewesen, und in Alcala de Henares schlug man General⸗Marsch; es wies sich aber aus, daß der Civil⸗Gouverneur, welcher dort so rasch eine National⸗Garde organisirt hatte, in der Eile vergaß, sie mit Flinten zu versehen, und deshalb zogen nur 60 bis 80 mit Jagdflinten bewaffnete Studenten aus. Auch diese kehrten, als sie in der Entfernung eine Guerilla erblickten und nicht wußten, ob dieses Factiosen oder Truppen der Regierung seyen, wieder Zum. Nun hat die Regierung befohlen, daß acht Compagnieen der National⸗Garde von Madrid nach Santander marschiren sol⸗ len, um einen dort ausgeschifften Transport von 4000 Englischen Flinten hierher zu eskortiren. Dies gefaͤllt den National⸗Gar⸗

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disten schlecht, und sie nehmen jetzt ihren fruͤheren Namen als Urbanos in Anspruch, um auszufuͤhren, daß sie nur zum Schutze der Stadt bestimmt seyen. Gestern Mittag kamen 12 National⸗ Gardisten von Sevilla hier an, welche 4000 Flinten und 3000 Karabiner eskortirten. Sie waren 15 Tage unterwegs gewesen. Gestern Morgen brach in den Souterrains des Koͤniglichen Palastes ein heftiges Feuer aus, welches durch Unvorsichtigkeit entstanden war. Der Infant Francisco de Paula begab sich mit seiner Familie eiligst nach dem Prabo, wohin alle Stunden ein Courier abzing. Um zwei Uhr war das Fever gluͤcklich ge⸗ loͤscht, ohne daß eine Unordnung in der Stadt vorgefallen waͤre. 8 Man berechnet den erlittenen Schaden auf drei Millionen Realen.

Der Prinz von Capua haͤlt sich hier unter dem Namen O'Connor auf; außer der Lady Smith begleitet ihn Hr. O' Con⸗ nor, deren Bruder; beide Letztere haben Englische, von Sir Wil⸗ liam Temple in Neapel ausgestellte Paͤsse.

Madrid, 7. Maͤrz. Die Hof⸗Zeitung enthaͤlt das nachstehende Koͤnigliche Dekret zur Regultrung der inneren Schuld:

„Um meinen Vorsatz, das Loos der Staats⸗Glaͤubiger zu ver⸗ bessern, soweit es die jetzige Lage der Nation erlaubt und insofern guͤnstigere Umstaͤnde zu hoͤffen sind, auszufuͤhren und in Betracht der Verpflichtung, die meiner Regierung durch das Gesetz vom 16. Januar d. J. auferlegt worden ist, und in Uebereinstimmung mit dem Vorschlage des Minister⸗Conseils, dekretire ich im Namen meiner erhabenen Tochter, Isabella's II., Nachstehendes: Es wird zur all⸗ maͤligen Konsolidirung der anerkannten und liquidirten oͤffentlichen Schuld geschritten werden, die sich bis jetzt noch nicht dieses

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Vortheils erfreut, und die aus drei Theilen besteht, aus den nichtkonsolidirten Vales, der laufenden zinstragenden

Schuld in Papieren und der unverzinslichen Schuld. Diese Kon⸗ solidirung wird alle bis zum 29. Februar d. J. liquidirte und an-⸗ erkannte Forderungen umfassen, moͤgen dieselben in Certifikaten oder in Restanten, die von der Koͤniglichen Tilgungskasse ausgestellt, oder in andern Dokumenten bestehen, die von Koͤniglichen Behoͤrden zur Liquidirung der Schuld ausgegeben worden sind; alle diese Forde⸗ rungen werden in verschiedenen Obligationen umgewandelt. Die Forderungen, welche vom 1. Maͤrz d. J. an liquidirt und anerkannt werden, sollen, gemaͤß dem Koͤniglichen Dekret vom 16. Febr. d. J., auf eine von den Cortes zu bestimmende Weise konsolidirt wer den. Die Konsolidirung der obenerwaͤhnten drei Arten de Schuld wird in dem Zeitraum von sechs aufeinanderfolgende Jahren, das gegenwaͤrtige Jahr mitgerechnet, stattfinden. Die Re gierung hat das Recht, die Zahl dieser Termine zu vermindern, so bald der Zustand der Nation es erlaubt, allein sie darf dieselbe nich vermehren. Es soll eine Darstellung von dem Belauf der anerkann⸗ ten und nichtkonsolidirten Schuld, nach den erwaͤhnten drei Arten derselben, angefertigt und, nachdem sie meine Genehmigung erhal⸗ ten, zur Kenntniß der Nation und der Glaͤubiger gebracht wer den. Diese Darstellung wird zugleich die Summe anzeigen welche von jeder Schuld jaͤhrlich fuͤr die Konsolidirung be stimmt ist. Diese Konsolidirung geschieht freiwillig. Die In⸗ haber von Certifikaten der zu konsolidirenden Schuld koͤnnen shre Anspruͤche geltend machen, in welchem der sechs Jahre sie wollen. Am 1. Mäaͤrz eines jeden Jahres wird die Regierung diejenige Summe bekannt machen, die sie waͤhrend des Jahres zu konsolidiren denkt. In dem gegenwaͤrtigen Jahre wird wenigstens ¾ konsoli⸗ dirt werden. Von dem 15. Maͤrz bis zum 15. Mai incl. eines je⸗ den Jahres haben die Interessenten die Angabe der Summen, welche sie zu konsolidiren wuͤnschen, der Tilgungs⸗Kasse zu uͤversenden. Diese Angaben muͤssen die Klasse der Schuld, die Nummer und den Be⸗ trag eines jeden Certifikates, so wie die ganze Summe enthalten. Es findet keine Verlaͤngerung des Termins statt. Wenn die Forde⸗ rungen die zur Konsolidirung bestimmte Summe uͤbersteigen, so wird zu einer Verlosung geschritten, die im Juni stattfinden soll und de⸗ ren Resultat durch die Hof⸗-Zeitung bekannt gemacht werden wird. Die Regierung wird die Konsolidirung dadurch bewirken, daß sie Certisikate der 5 prozentigen Schuld ausgiebt, um sie nach dem je⸗ desmaligen Course in Geld realisiren zu koͤnnen. Der ebenerwaͤhnte Cours wird nach einem Durchschnitt aus allen Geschaͤften bestimmt, die in der bproc. Schuld waͤhrend eines Monats gemacht worden sind, der von der Regierung jedesmal am 1. Maͤrz, wenn sie die zu kon⸗ solidirende Summe bekannt macht, naͤher angegeben werden wird. Fuͤr die diesjäͤhrige Konsolidirung ist der Monat Juni bestimmt. Die Zin⸗ sen dieser neuen Konsolidirung beginnen am 1. Oktbr. d. J, so daß das erste Semester auf den 1. April 1837 faͤllig ist. Die Zinsen der auswaͤrtigen, jetzt unverzinslichen Schuld, die konsolidirt werden soll, werden in Madrid und nicht im Auslande gezahlt. Die Zahlung erfolgt auf Vorzeigung der Coupons, nachdem die Identi⸗ taͤt des Inhavers erwiesen ist. Doch ist den Inhabern gestattet, eine Vollmacht zur Empfangnahme der Zahlung auszustellen. Die Certifikate der neuen Konsolidirung koͤnnen nach dem Wunsche des Inhabers entweder in uͤbertragbaren Inseriotionen oder in solchen ausgestellt werden, die an den Inhaber zahlbar sind. Die Certifikate der Konsolidirung sollen spaͤtestens im August den Eigenthuüͤmern eingehaͤndigt werden. Auslaͤnder koͤnnen sie in Paris oder London durch einen von ihnen bevollmaͤchtigten Commissair in Empfang nehmen lassen. Alle Dokumente und Certifikate der obenerwaͤhnten drei Klassen der unverzinslichen Schuld werden nach ihrer Konsoli⸗ dirung oͤffentlich vernichtet, so daß sie nicht von neuem in Umlauf kommen koͤnnen. b GSegeben im Prado, den 28. Januar 1836. ssn mheznen Ich, die Khztkhln eöm 8 A. D. J. Alvarez Mendizabal.“ Ein anderes Koͤnigliches Dekret vom 25. Februar ernennt

eine Kommission zur Regulirung eines allgemeinen, fuͤr die ganze

Nation aunwendbaren Maß⸗ und Gewicht⸗Systems. Diese Kom⸗ mission soll nach Beendigung ihrer Arbeiten der Koͤnigin einen Gesetz⸗Entwurf uͤber diesen Gegenstand vorlegen. un In den (gestern erwaͤhnten) Briefen von Offizieren der Britischen Legion in Spanien aus Armenon vom 23. Februar, welche der Courier mittheilt, heißt es, daß, den neuesten von Madrid aus bestaͤtigten Anordnungen zufolge, General Evans den Befehl des linken Flügels der Operations⸗Armee erhalte habe. Ihm untergeordnet waren die Divisionen von Esparter und Espeleta, und seine ganze Macht belief sich auf ungefaͤh 18,900 Mann. In der Organisation der Legion waren mehrere Veraͤnderungen vorgenommen worden. Der Brigade⸗General Evans, dessen Gesundheit durch langen Dienst in Ostindien geschwaͤcht ist und der besonders durch einen Sturz mit dem Pferde neuerdings sehr gelitten hat, giebt das Kommando seiner Brigade auf, wird aber in Spanien bleiben. Der Brigade⸗General M'Dougall tritt an die Spitze des General-⸗Auartiermeister⸗Stabes, dessen Geschaͤfte bis⸗ her einigermaßen vernachlaͤssigt worden sind; vier Obersten ver⸗ lassen den Dienst gaͤnzlich. Zwei Regimenter, welche durch Krankheit so sehr gelitten haben, daß sie kaum auf den Namen von Bataillonen Anspruch machen koͤnnen, werden anderen Regi⸗ mentern einverleibt, und man wird diese Gelegenheit benutzen * um allen Ofsizieren, deren Tuͤchtigkeit sich bisher nicht erprobt 4 hat, den Abschied zu geben. Auf diese Weise hofft man die Le⸗ 2. gion fuͤr den effektiven Dienst im Felde, der ihr mit dem Be⸗ 88 ginne des Fruͤhjahrs angemuthet werden wird, tuͤchtig zu machen. 81 8) 522 Türkei. 1““ Das Journal de Smyrne enthaͤlt folgendes Bruchstuͤck

eines Briefes aus Chios vom 15. Januar: „Wir sind hier in der groͤßten Verzweiflung, fast soͤmmtliche zpfennnfan e2