1836 / 89 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

noͤthigt sehen wuͤrde, die Fremden⸗Legion zuruͤckzurufen, und al⸗ len Franzesen, die in der Armee der Koͤnigin Dienste genemmen bätten, den Befehl, in ihr Vaterland zuruͤckzukehren, zugehen zu lassen. 1 Am Schlusse der heutigen Boͤrse wollte man wissen, die Kammer habe den Antrag der Kommission wegen Vertagung der Renten⸗Reduction angenommen. (Diese Nachricht scheint voreilig, da die Boͤrse um 4 Uhr geschlossen wird, und der obige Bericht um halb 5 Uhr aus der Deputirten⸗Kammer abgesandt worden ist.) Auch sprach man an der Boͤrse von einem großen Siege, den die Christinos bei Salvatierra erfochten haͤtten. An naͤheren Details daruͤber fehlte es aber gaͤnzlich. Die Neapoli⸗ tanischen 5proc. Papiere haben an der hiesigen Boͤrse den Cours von 102 pCt. erreicht, den sie bisher noch nie gehabt haben.

Großbritanien und Irland

Pa rlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung vom 21. Maͤrz. Eine Bittschrift gegen die Peitschenstrafe in der Armee wurde von den Sheriffs von London an die Barre des Hauses gebracht und durch einen kurzen Vortrag des Alderman W ood un⸗ terstuͤtzt, der die Hoffnung aussprach, daß alle Staͤdte und Flecken des ganzen Koͤnigreichs aͤhnliche Petitionen gegen ein Straf⸗System, welches die Marine und die Armee entehre und dem ganzen Lande zur Schmach gereiche, einsenden wuͤrden. Der Marquis von Chandos zeigte an, daß er nach Ostern die Auf⸗ merksamkeit des Hauses auf die schwere Besteuerung der acker⸗ bautreibenden Klasse lenken und daß er am naͤchsten Mittwoch darauf antragen werde, am Donnerstag den 21. April den Na⸗ mensaufruf im Hause vorzunehmen. (Man bezieht diese Absicht auf die von Herrn Hardy in Betreff des Berichts der Kommis⸗ sion zur Untersuchung der Carlower Wahl angekuͤndigte Motion.) Herr Hume uͤberreichte eine Bittschrift, worin um Milderung der Strafe fuͤr Falschmuͤnzerei ersucht wird, und benutzte diese Gelegenheit zu einigen Bemerkungen gegen alle harte Strafen, wodurch, wie er meinte, die Verbrechen nur vermehrt wuͤrden; so habe sich in den fuͤnf Jahren vor 1829, wo 37 Individuen wegen Pferdediebstahls hingerichtet worden, die Zahl dieser Ver⸗ gehen auf 990, in den fuͤnf Jahren vor 1834 aber, in denen nicht Einer deshalb gehaͤngt worden, die Zahl derselben nur auf 966 belaufen. Aehnliche Resultate, sagte er, boͤten die Strafmilderungen in Belgien und Preußen dar, und er hoffte, die Todesstrafe werde bald nur noch fuͤr Mord verhaͤngt wer⸗ den. Sir R. Peel fragte hierauf, ob heute Abend mit der Englischen Zehnten Bill vorgeschritten werden solle, und Lord Howick erklaͤrte, daß die weitere Diskussion dieser Bill wegen Unpäͤßlichkeit seines edlen Freundes (Lord John Russell's) bis zum Freitage aufgeschoben werden muͤsse, zugleich aber wuͤnschte er zu wissen, ob der sehr ehrenwerthe Baronet sich mit dem edlen Lord hinsichtlich seiner (Sir R. Peel's) Maßregel zur Umwandlung des Zehnten verstaͤndigt habe, worauf Sir R. Peel erwiederte, er wolle mit seiner Maßregel nicht eher vor⸗ schreiten, bis das Haus uͤber die des Lord John Rus⸗ sell zu einem Entschluß gekommen waͤre. Herr Hodges woͤnschte, daß die fernere Eroͤrterung der letzteren bis nach Ostern ausgesetzt werden moͤchte, damit die Mitglieder waͤh⸗ rend der Feiertage erst mit ihren Konstituenten daruͤber Ruͤcksprache nehmen koͤnnten. Herr Hume hielt dagegen eine Beschleunigung deyr diesfaͤlligen Debatten fuͤr wuͤnschenswerther, damit das Land recht bald die Absichten der Regierung in dieser Beziehung erfahre, womit auch Lord Howick uͤbereinstimmte, indem er meinte, die ehrenwerthen Mitglieder koͤnnten sich nach der Eroͤrterung der Maßregel weit besser mit ihren Waͤhlern dar⸗ uͤber besprechen. Herr Shaw fragte, ob die Irlaͤndische Zehn⸗ ten⸗Bill auch noch ver Ostern eingebracht werden wuͤrde, was ze⸗

doch Lord Morpeth noch nicht bestimmen konnte. Hr. Roebuck

wuͤnschte zu wissen, ob die Regierung von den Kanadischen Kommissa⸗ rien in Bezug auf den von dem Versammlungs⸗Hause von Unter⸗Ka⸗ nada gefaßten Beschluß, die Subsidien jetzt zu bewilligen, weil zwei der Kommissarien dem Verlangen dieser Versammlung nach einem gewaͤhlten Rath geneigt schienen, Depeschen erhalten habe, und was sie nun zu thun gedenke, worauf Sir G. Greyerwiederte, es seyen keine Depeschen dieser Art im Kolonial⸗Amte eingegangen. Sir C. Knightley zeigte an, daß er bei dem naͤchsten Vor⸗ schreiten mit der Maßregel zur Reduction des Zeitungs⸗Stem⸗ pels darauf antragen werde, statt dessen die Abgabe von der Seife aufzuheben. Die Bill zur Verbesserung der Englischen Munizipal⸗Akte passirte sodann den Ausschuß, bei welcher Gele⸗ genheit ein von Sir E. Knatchbull vorgeschlagenes Amende⸗ ment mit 111 gegen 42 Stimmen verworfen wurde. Auch die Iriaͤndische Pol zei⸗Bill ging an diesem Abende durch den Aus⸗ schuß. Als das Haus sich sodann auf den Antrag des Kanz⸗ lers der Schatzkammer in einen Subsidien⸗Ausschuß verwandeln wollte, beschwerte Herr Borthwick sich daruͤber, daß ihm keine Zeit gelassen worden sey, seine Motion in Bezug auf den Zustand der Neger⸗Bevoͤlkerung von Mauritius vorzubrin⸗ gen, und sagte, er sey entschlossen, darauf zu bestehen, daß der Regierung vorher nicht ein Shilling Subsidie bewilligt wer⸗ den solle (Gelaͤchter), woran sich jedoch das Haus nicht kehrte, denn es bewilligte an diesem Abende noch 349,661 Pfund fuͤr Besoldung der Handwerker und Arbeiter auf den Werften, 300,000 Pfd. fuͤr Schiffsbauholz und andere Marine⸗Vorraͤthe, 113,985 Pfd. fuͤr den Halbsold der Marine⸗Offiziere, 538,237 Pfd. uͤr Militair⸗Pensionen und Gratificationen, und 210,614 Pfd.

Civil⸗Pensionen und Gratisicationen in der Marine.

London, 22. Mäͤrz. Gestern gab Lord Palmerston dem Prinzen Ferdinand von Portugal und dem diplomatischen Corps ein glaͤnzendes Diner. Am Freitage tanzte der Prinz, den man als sehr liebenswuͤrdig schildert, mehrere Auadrillen mit seiner Cousine, der Prinzessin Victoria.

Lord John Russell ist wieder ein paar Tage ernstlich unpaͤß⸗ lich gewesen, befindet sich jedoch heute in der Besserung.

O’'Connell und mehrere andere Irlaͤndische Mitglieder hat⸗ ten gestern eine Unterredung mit dem Kanzler der Schatzkammer in Betreff einer zwischen London und Dublin in zwoͤlf Stunden zu bewerkstelligenden Communication uͤber Portdynllaen.

Der Spectator sagt: „Es ist zu einem System bei den Tories geworden, Kandidaten von ihrer Partei aufzustellen, die keine Aussicht haben, ins Parlament gewaͤhlt zu werden, und es auf den moͤglichen Fall ankommen zu lassen, daß sie hernach durch eine kostspielige Petition ans Unterhaus doch zu einem Sitze kommen. Diese neue Methode, Sitze zu kaufen, ist, wir wie⸗ derholen es, durch die thaͤtigen Mitglieder des Carlton⸗Klubs zu einem voͤlligen System ausgebildet worden. Koͤnnen wir nicht, so rechnen sie, die Wahl von Tories durchsetzen, so koͤnnen wir doch, da wir Geld genug haben und geschickt in der Kunst sind, Wahl⸗Ausschuͤsse zusammenzusetzen, die Gewaͤhlten wieder von ihren Sitzen vertreiben und die, welche durchgefallen sind, an ihre Stellen setzen. Und dies ist ganz wahr, ist

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des Feinde

so wahr, daß es Mitglieder jenes Klubs giebt, die davon sprechen, Sir Robert Peel wieder ans Ruder zu bringen, und zwar vermittelst Petitionen wider die Wahlen aller Reformer, die bei der naͤchsten allgemeinen Wahl in Irland ge⸗ waͤhlt werden wuͤrden. Man nimmt an, daß auf diese Weise 30 bis 40 pCt. von den gewaͤhlten Irlaͤndischen Reformern durch eben so viele durchgefallene Konservative wuͤrden ersetzt werden koͤnnen. Und in der That waͤre die Speculation keine uͤble gewesen, waͤre nur nicht die oͤffentliche Aufmerksamkeit durch ein solches Ereigniß, wie die beabsichtigte Verdraͤngung des Mitglie⸗ des fuͤr Irland (D. O'Conn ll) aus dem Parlament, auf diesen Plan gelenkt worden. Gerade der Erfolg der Petition gegen O'’'Connell's Wahl fuͤr Dublin wird den Plan der Konservativen vereiteln. Schon haben sieben Parlamentsglieder, wie wir aus guter Quelle wissen, sich erboten, zu seinen Gunsten zu resigni⸗ ren; ganz Irland steht ihm offen, und auch, wie wir Grund haben, zu glauben, nicht wenige Orte in England und Schottland.“

Der Globe faͤngt heute an, auch die Vernehmung des Herzogs von Wellington vor der Kommission zur Untersuchung der Disziplin in der Britischen Armee mitzutheilen. Der Her⸗ zog erklaͤrte sich sehr entschieden gegen die Abschassung der koͤr⸗ perlichen Zuͤchtigung des Militairs und behauptete, daß die Bri⸗ tische Armee bei ihrem jetzigen Straf⸗System alle uͤbrige Euro⸗ paͤische Truppen an Mannszucht uͤbertreffe.

Nach Berichten aus Portsmouth findet dort, in Folge der Ausruͤstung mehrerer Linienschiffe, lebhafter Verkehr statt. Man glaubt, daß unmittelbar nach dem 1. April, von welchem Tage das Marine⸗Budget datirt wird, noch mehrere Schiffen werden ausgeruͤstet werden. Vier der neu ausgeruͤsteten Schiffe werden uͤbrigens dazu verwandt werden, vier andere Linienschiffe im Mittelmeere, deren dreijaͤhrige Dienstzeit abgelaufen ist, abzulsͤ⸗ sen, und koͤnnen daher nicht als eine Vermehrung der segelferti⸗ gen Macht angesehen werden. Wozu uͤberhaupt die neuen Ruͤ⸗ stungen bestimmt sind, bleibt noch immer ein Geheimniß.

Nach der Angabe eines hiesigen Blattes waͤre Nina Lassave, die vor einigen Tagen mit Zuruͤcklassung aller ihrer Habseligkei⸗ ten aus dem Pariser Kaffeehause, in welchem sie Demoiselle de comptoir war, entflohen ist, hier angekommen.

Die neuesten Berichte aus Kanada lauten hoͤchst unerfreulich; der Haß zwischen der Englischen und Franzoͤsischen Bevoͤlkerung nahm taͤglich zu, so daß die Regierung sich fast darauf beschraͤn⸗ ken muf, sie von gegenseitigen Angriffen abzuhalten. In Nie⸗ der⸗Kanada bilden die Franzoͤsischen Abkoͤmmlinge bekannllich die Majoritaͤt in der Legislatur und hatten Miene gemacht, die Steuern verweigern zu wollen, und in Ober⸗Kanada, wo die Englischen Kolonisten zahlreicher sind, verlangt man einen See⸗ hafen am Lorenz⸗Flusse oder das Recht des Transits durch die Vereinigten Staaten, um aller Verbindungen mit der anderen Provinz entbehten zu koͤnnen. Die Blaͤtter beider Parteien ent⸗ hielten hoͤchst revolutionaire Aufsaͤtze und Lieder. Der Ober⸗ Commissair, Lord Gosford, konnte es keiner Partei recht machen.

Nach Berichten aus New⸗Orleans vom 14ten v. M. stockte dort aller Handel, weil die Fluͤsse fast saͤmmtlich mit Eis

Ilbc v“ Aus dem Haag, 22. Maͤrz. Dem Vernehmen nach, heißt es in hiesigen Blaͤttern, sind nunmehr die Schwierigkeiten, die bisher dem Eintreffen des neu ernannten Franzoͤsischen Ge⸗ sandten, Baron Mortier, entgegenstanden, beseitigt und duͤrfte man diesen Minister binnen kürzem in der hiesigen Residenz erwarten. Es heißt, daß die Regierung damit umgehe, das gewoͤhnliche den Generai⸗Staaten vorgelegte zehnjaͤhrige Budget in ein drei⸗ jaͤhriges zu verwandeln.

Bruͤssel, 22. Maͤrz. Die Koͤnigin und Hoͤchstderen Bru⸗ ber, der Herzog von Orlreans, machten gestern in einem offenen Wagen eine Ausfahrt nach Laeken.

Die Repraͤsentanten⸗Kammer hat sich, nachdem sie das Finanz⸗ Budget einmuͤthig angenommen, bis zum 12. April vertagt.

Bei den vorjaͤhrigen Uebungen der Koͤnigl. Belgischen Ar⸗ tillerie im Lager zu Brasschaet bei Antwerpen sind verschiedene Versuche gemacht worden, welche von den riesenhaften Fortschrit⸗ ten zeugen, in welchen diese Waffe begriffen ist. Einer der in⸗ teressantesten dieser Versuche ist unstreitig der gewesen, welchen man mit der neuen Vorrichtung, die Feldgeschuͤtze zu richten, und die (bei der Englischen Artillerie eingefuͤhrten) segenannten Gra⸗ nat⸗Kartaͤtschen zu schießen, ausgefuͤhrt hat. Zwei Gegenstaͤnde, welche vereint ein ganz neues System der Anwendung der Feld⸗ Artillerie bilden, und dessen Erfinder der Artillerie⸗Capitain C. Bormann ist, der fruͤher in Koͤnigl. Saͤchsischen Diensten stand. Auf Befehl des Kriegs⸗Ministers, Barons Evain, wurde hierzu eine aus Artillerie⸗Offizieren bestehende Pruͤ— fungs⸗Kommission ernannt. Der Bericht derselben, nament⸗ lich uͤber den Erfolg der Granat⸗Kartaͤtschen, ist vollkommen guͤn⸗ stig ausgefallen, indem die Wirkung des Geschosses Alles uͤber⸗ troffen hat, was man unter gleichen Umstaͤnden bis jetzt mit Feldgeschuͤtzen leisten konnte. Diese Wirkung ist wahrhaft moͤr⸗ derisch zu nennen, und die ungemeine Sicherheit in dem Ge⸗ brauche der Geschuͤtze erhoͤht die moralische Wirkung der Artille⸗ rie in gleichem Verhaͤltniß. Im Vergleich dieses Geschosses mit jetzt uͤblichen Kartaͤtschen hat man aus einer Feld⸗Haubitze, in der Entfernung von 400 Schritten, eine mehr als vierfache Wir⸗ kung erlangt; und auf 1000 bis 1200. Schritte (Entfernungen, auf welchen bekanntlich sonst Kartaͤtschen keine Wirkung mehr haben) ist der Efsekt noch immer mehr als das Doppelte jener Wirkung gewesen, die man mit gewoͤhnlichen Kartaͤtschen auf 400 Schritte erlangt hat. Die Bedienung des Geschuͤtzes ist uͤberdies durch diese Erfindung außerordentlich erleichtert und vereinfacht, so daß 1g System zugleich in der groͤßten Naͤhe endbar ist.

8 FFeeutsslan d. Hannover, 25. Maͤrz. Der Kaiserl. Oesterreichisch marschall⸗Lieutenant Graf von Wallmoden ist aus der Lombardei, und der diesseitige Geschaͤftstraͤger am Koͤnigl. Bayerischen Hofe, Rittmeister und Kammerherr Graf von Kielmansegge, aus Muͤn⸗

chen hier eingetroffen. 1 1 Leipzig, 26. Maͤrz. Eine große, fuͤr das gesammte must⸗ kalische Publikium Kenner und Sammler, Literatoren und oͤffentliche Bibliotheken, Orchester⸗Directionen und Sing⸗Akade⸗ mieen sehr interessante Auction von ungeschriebenen, unge⸗ druckten und gedruckten, aͤlteren und neueren Musikalien aller Gattungen wird den 1. Juni 1836 und folgende Tage in Leip⸗ zig öͤffentlich gehalten werden. Die hiesige Buchhandlung Breitkopf und Haͤrtel, deren im Jahre 1760 errichtetes Musik⸗Handlungs⸗ Geschaͤft durch ihren Verkehr mit den ausgezeichnetsten Kompo⸗ nisten, sowie mit Sammlern und Liebhabern, durch ihren wich⸗

Feld⸗

tigen Verlag und durch die von ihr vor etwa 40 Jahren gruͤndete mustkalische Zeitung die erste in Deutschland 88 bereits neunzig Jahren einen Europaͤischen Ruf sich erworl hat, bringt den von ihr nach und nach gesammelten reiche Schatz zum oͤffentlichen Verkauf. Schon der gut geordnete gn talog ist eine Merkwuͤrdigkeit in der musikalischen Literatur 8 enthaͤlt auf 443 S. in gr. 8. in 12,166 Nummern die Namas der Komponisten und die Titel der Werke, und bei jedem 8 druckten die Angabe des Orts der Erscheinung und des Lado⸗ preises; bei den geschriebenen die Zahl der Bogen. Hier finte der Kenner viele ungebruckte Werke der aͤlteren klassischen Kon⸗ ponisten aller Nationen, und unter diesen sehr schaͤtzbare Dein nal⸗Handschriften. Er begegnet den Namen Palestrina, kas Bernabei, Marcello, Caldara, Lotti, Haͤndel, Bach, s Beethoven u. A. m. An ungedruckten Sinfonieen allein jäͤhl- nan 48 von J. Haydn und 33 von W. Mozart. Muͤnchen, 21. Maͤrz. Mit dem Eintritt der besserne reszeit wurden in Ingolstadt die Festungs⸗Arheiten wieder n aufgenommen. Die Festungs⸗Bau⸗Direction nimmt zu der säsh vorhandenen großen Anzahl von Arbeitern noch 3000 Hunddan ger und 1500 Maurergesellen in Arbeit, welche vom Apn bs in den Spaͤtherbst reichlichen Verdienst haben werden.

Maurer⸗Arbeiten werden alle nach dem Ausmaß in Accord a,

geben, eben so auch die Erdaushebungen.

Muͤnchen, 22. Maͤrz. Birkenfeld ist vorgestern eiligst nach Bamberg abgereist, da ser. Großvater, der Herzog Wilhelm von Bayern Durchl. bedenkieh krank danieder liegt. 1

Das Ministerium hat die von der in Regensburg bestehen den Wuͤrttembergisch⸗Bayerischen privilegirten Donau⸗Damy schifffahrts⸗Gesellschafts⸗Direction eingesendeten Statuten gemg⸗ migt. Von den vereinigten Staͤdten sind Regensburg mit 250,00 Straubing mit 90,000, Passau mit 120,000, Ulm mit 60 0

und Muͤnchen und Augsburg mit 80,000 Gulden bei dem Umebht

ternehmen betheiligt.

Bamberg, 22. Maͤrz. Majestaͤt der Koͤnig bald nach der Ankunft aus Griechenland ig Muͤnchen sich zur Grundsteinlegung des Main⸗ und Donauc nals nach Kelheim und Bamberg begeben werde, und daß zuke sem Zweck bereits die Vorbereitungen getroffen wuͤrden.

Stuttgart, 20. Maͤrz. Gestern wurde in der Reittzen. des Koͤnigl. Marstalles das fuͤr das Geburisfest Sr. K. Hahe des Kronprinzen angeordnete Karoussel wiederholt. Der Kronpeig welchen eine leichte Unpaͤßlichkeit verhindert hatte, der ersten Pnf stellung beizuwohnen, war diesmal mit dem ganzen Hofe gege waͤrtig. hatte aufs Neue Gelegenheit, die Gelenkigkeit und Kraft e groͤßtentheils aus den Koͤnigl. Gestuͤten stammenden Pferde, un die Ruhe, schulgerechte Bestimmtheit und Behendigkeet zu benm dern, mit welcher die Reiter die vielfach verschlungenen Bewe gungen ausfuͤhrten. Se. Koͤnigl. Hoh. Prinz Friedrich befehlig die Bewegungen und war zugleich Fuͤhrer der Ritter⸗Quadril Er stellte in Gestalt und Haltung den Deutschen Ritter ele so vollkommen dar, als Se. Hoheit der Prinz Hieronymu von Montfort, Fuͤhrer der Sarazenen⸗Quadrille, als solcher de rakteristisch war, indem seine Suͤd⸗Europaͤische Gesichtsbildum die Geschmeidigkeit seiner Bewegungen und die reiche geschman volle Kleidung ganz das Bild wiedergaben, welches man sicht einem Maurischen Ritter macht.

Karlsruhe, 20. Maͤrz. (Deutscher Cour.) Vor t paar Tagen wurde in dem Dorfe Oos, eine Stunde von Bade ein sehr interessanter Fund gemacht. Unweit der dortigen Kirt wurde ein irdener Topf mit Muͤnzen und mehreren Klumpeng schmolzenen Silbers entdeckt. Die Muͤnzen bestehen aus em 5000 Brakteaten und 500 Solidi. Die merkwuͤrdigsten darn ter sind: einige von dem Deutschen Koͤnig Konrad, 7—8r dem Venetianischen Dogen Ziani (gewaͤhlt 1172), und vielee der Sancta Colonia, von den Erzbischoͤfen Heinrich und 0n Keine dieser Muͤnzen hat eine Jahreszahl; vermuthlich sind im ersten Drittel oder Viertel des sechzehnten Jahrhunderts,g Zeit des Bauernkrieges, vergraben worden. Das eingeschme zene Silber ruͤhrt wahrscheinlich von Gefaͤßen her, die man a solche Weise in ein kleines, leichter zu bergendes Volumen un gen wollte. In einigen Klumpen sieht man noch Spuren h maliger Vergoldung der Gefaͤße. Uebrigens bestehen die Mh zen sowohl als die eingeschmolzenen Massen aus dem reihse Silber, ohne alle Beimischung. Das Bezirks⸗Amt in Halh hat sogleich von dem Fund Einsicht genommen und einen Bm daruͤber an Se. Koͤnigl. Hoheit den Großherzog erstattet, d sich bekanntlich aufs waͤrmste fuͤr alles historisch Merkwͤrte des Landes interessirt. 8

Ore steococlooo1u Preßburg, 21. Maͤrz. Am lIgten d. begingen die se anwesenden Reichsstaͤnde und mit ihnen die Bewohner diäe. Stadt, sowohl das Namens⸗, als das am 9ten d. eingettaa Geburtsfest Sr. Kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Joseph; vmm im großen Kostuͤme durch feierliche Anreden, letztere im Eiln durch fromme Wuͤnsche fuͤr das Wohlergehen des um des Viie landes Wohl so vielfaͤltig verdienten Reichspalatins. Veon ers ten der Magnaten war es Se. Excellenz der Oberstlandesrich Anton Graf Cziräky, und von Seiten der Staͤnde der Gtana Domherr, Georg v. Nömeth, welche in der an diesem Tageg. haltenen 44Alsten Reichstags⸗Sitzung die Gefuͤhle der Vereheun und Anhaͤnglichkeit an Se. Kaiserl. Hoh. in feierlich herzlice Worten richteten, Hoͤchstwelche dieselben huldvoll erwiederten. Dmm traten beide Tafeln zu einer gemischten Sitzung zusammen, in ne cher zwei neue Koͤnigl. Resolutionen publizirt wurden, die ü- datirt vom 18ten d., auf das angetragene Contributione Quantum, die zweite, datirt vom I1ten d., auf den uncert 3ten d. Sr. Majestaͤt uͤbersandten Artikel uͤber die Gerichtsd hoͤrden des Fiumaner Distrikts. Letztere ertheilt dem Artikel Allerhoͤchste Bestaͤtigung, in der erstern aber werden die Rei staͤnde aufgefordert, ein den Zeitumstaͤnden und dem darf angemesseneres Quantum anzubieten. c sich beide Tafeln wieder getrennt hatten, setzten die S Berathungen uͤber einige der noch obschwebenden Fragen Alr heute, am 2lsten, aber nahmen dieselben im Zirkel die⸗ hoͤchste Resolution wegen des Contributions⸗Quantums in 16 handlung, wobei die Mehrheit ihre Meinung dahin Last

das bisherige Quantum auch fuͤr die naͤchsten drei Jal bewilligen.

Schwe 1 1 In der Allgemeinen Schweizer Zeitung liest ng

„Von dem Franzoͤsischen Kabinet ist unterm 8. Maͤrz eine an den Vorort uͤber die Wahlsche Angelegenheit eingegang Sie soll diese sehr gruͤndlich und ausfuͤhrlich behandeln, jedoch einige Hoffnung zu gewaͤhren, den Strei

radikalen Freunde von Basellandschaft siegreich zu

3 b C11“

Der Herzog Max von Bayer, b

Man will hier wissen, daß 8,

Alles gelang wieder auf das vollkommenste, und uahh

on dieser Seite sich geschmeichelt, daß der Wechsel Man hatsaer auch einen Wechsel der Ansichten uͤber die streitige der eherbeifuͤhren wuͤrde. Nun vernimmt man aber, daß alle Fhaßregeln Frankreichs in dieser Beziehung im versammel⸗ h Ministerrath einhellig und mit voller Zustimmung des ge⸗ tenwaͤrtigen Praͤsidenten, Herrn Thiers, be zepen, der denn auch schwerlich von seiner ersten An⸗ icht zuruͤckkommen duͤrfte. Man will wissen, daß in muͤndlicher Mittheilung Herr Thiers sich geaͤußert habe, die angeordneten Sperr⸗ Maßregeln koͤnnten nur dann aufgehoben werden, wenn dem Verlangen Frankreichs entsprochen worden sey. In Hinsicht der Ausfuͤhrung der Sperre seyen jedoch Befehle ertheilt worden, einige mildernde Ruͤcksichten eintreten zu lassen, sowohl um Ba⸗ fellandschaft Zeit zu besserer Ueberlegung zu gewaͤhren, als um derselben mit dem Beispiel der Maͤßigung voranzugehen.“

Spaoanten

Aus einem Briefe des Generals M Dougall, General⸗ Auartiermeisters der Britischen Huͤlfs⸗Legion, welchen der Cou⸗ rier mittheilt, geht hervor, daß die Sendung nach Madrid, der er sich in Begleitung des Obersten Wylde, Britischen Commis⸗ sairs bei der Spanischen Armee, unterzogen hat, von gluͤcklichem Erfolge gewesen ist. Sowohl Mendizabal als der Kriegs⸗Mmister aben alle Beschwerden uͤber Mangel an gehoͤrigen Vorraͤthen und uͤber den lange ausbleibenden Sold als begruͤndet anerkannt und versprochen, dem Uebel abzuhelfen. General M'Dougall wollte am 11ten d. M. von Madrid nach Vittoria abgehen und war bereits mit einem Dokumente von Seiten des Finanz⸗Mi⸗ nijsters versehen worden, durch welches alle Forderungen des ommandirenden Generals der Britischen Legion bewilligt wer⸗

den. Er selbst, so wie mehrere andere Offiziere, hatten in Be⸗ tracht der Geldverlegenheit der Spanischen Regierung auf ihren Sold verzichtet. Berichten aus Vittoria vom 8. a zufolge, welche dem Courier zugekommen sind, waren 1500 Bewohner dieser Stadt an dem Typhus erkrankt, welcher bisher so große Verheerungen unter der dort garnisonirenden Legion angerichtet hatte. Ein offizieller Bericht des General⸗Adjutanten der Legion vom lsten giebt die Zahl der dienstfaͤhigen Mannschaft derselben ag jenem Tage zu Vittoria auf 5763 Mann und im Depot zu Santander auf 300 Mann an; in den Hospitaͤlern befanden sich 1720 Mann, unter denen 64 Offiziere, in der Rekonvalescenz begriffen waren 820 Mann. Die Legion war von 5 Brigaden auf 3 reduzirt worden. 8 8

Lissabon, 8. Maͤrz. Aus dem Budget, welches der Fi⸗ nanz⸗Minister, Herr Campos, den Cortes nebst einem Exposé vorgelegt hat, geht hervor, daß das Gesammt⸗Defizit am 30sten Juni d. J. 8510 Millionen Reis oder etwa 2,100,000 Pfd. betragen wird. Die Veranschlagungen der Ausgaben fuͤr das haͤchste Finanz⸗Jahr, vom 1. Juli d. J. bis zum 30. Juni 1837, werden etwa 13,077 Millionen Reis und die Einnahme nur 9491 Millionen Reis betragen, wodurch sich denn auch fuͤr das

folgende Jahr wieder ein Defizit von 3585 Millionen Reis oder

850,000 Pfd. ergeben wird. Von den Zoͤllen erwartet man in⸗ deß eine Vermehrung der Einnahme, und an dem Belauf der

Interessen der Staatsschuld werden 400 Contos oder 100,000 Pfd., in dem Kriegs⸗Ministerium und andern Departements 850 Con⸗ tos erspart werden koͤnnen; auch hofft man, sich durch eine stren⸗ gere Eintreibung der Zehnten und durch die Einfuͤhrung einer Luxus⸗Steuer zu helsen. Bei Gelegenheit der Diskussion uͤber das Budget warf der fruͤhere Finanz⸗Minister, Silva Car⸗ valho, dem Herrn Campos vor, daß er ein viel zu duͤsterrs Gemaͤlbe von dem Zustande der Finanzen des Reiches entworfen und namentlich mehrere bedeutende Sum⸗ men, auf deren Erwerb sicher gerechnet werden koͤnne, nicht mit in Anschlag gebracht habe. Insbesondere bezog er fich auf das von ihm binnen kurzem herauszugebende Memoire, in welchem er zu beweisen suchen wird, daß, wenn man der von ihm eingelei⸗ teten Regulirung der Finanzen Folge gegeben und nicht aus bloßer Sucht nach einem besonderen Systeme sich zu andern Maßregeln entschlossen haͤtte, der Zustand der Finanzen jetzt keinesweges so bedauernswerth seyn wuͤrde. Daß die Noth seße groß seyn muß, beweist der Umstand, daß die in monatlichen Raten zu bezahlenden Apanagen der Infantin Donna Isabella Maria und der Marquise von Loulé wegen Mangels an Geld fuͤr den letzten Monat nicht ausbezahlt worden sind.

Die Konferenzen uͤber den neu abzuschließenden Handels⸗ Traktat zwischen Großbritanien und Portugal werden von dem Marquis von Loulé und Lord Howard de Walden fortge⸗ setzt, scheinen aber bis jetzt zu keinem fuͤr das Englische Inter⸗ esse besonders guͤnstigen Resultate fuͤhren zu wollen.

Die Miguelisten erheben hier und da wieder das Haupt

und haben in einer Provinzialstadt einen Apotheker auf grau⸗

same Weise um's Leben gebracht.

Inlan

Berlin, 28. Maͤrz. In einer Kiesgrube unweit des im Saal Kreise (Reg. Bez. Merseburg) gelegenen Dorfes Osendorf wurden schon im Jahre 1833 flach unter der Erde mehrere mensch⸗ liche Gerippe in sitzender Stellung und dabei Urnen und metal⸗ lene Geraͤthe gefunden. In der Mitte der Kiesgrube fand man eine besondere Grube, die von Menschen⸗ und Thier⸗Knochen angefuͤllt war. Aehnliche Gegenstaͤnde entdeckte man auch in den Jahren 1834 und 1835. So fand man unter anderen ein menschliches Gerippe von ausgezeichneter Groͤße auf der Seite krumm liegend und dicht dabei eine Urne. Durch den Schul⸗ lehrer Weidlich zu Radewell sind von den hier ausgegrabenen Sachen 3 Urnen, 3 silberne Fibeln und ein silberner Draht, so wie eine dicht bei der Kiesgrube gefundene kleine Streitaxt von Stein an die Sammlungen des Thuͤringisch⸗Saͤchfischen Vereins zu Halle abgegeben worden. So weit die Nachrich⸗ ten uͤber die in der Umgegend von Halle gefundenen Gegenstaͤnde aus demselben hohen Alterthum reichen, ist dies (Roͤmische Muͤn⸗ zen abgerechnet) das erste Mal, daß hier Geraͤthe von edlem Metall 88 siüet g vorgekommen sind.

In der Nacht vom 23sten zum 24sten d. M. zwischen 12 und 1 Uhr zog uͤber die Stadt Halle 9 11“ 17 diesem Jahre. Dasselbe war von einem heftigen Regenguß be⸗ gleitet, zog aber außerordentlich schnell und ohne weiteren Scha⸗ den voruͤber.

In Koͤln verschied am 2lsten d. M. der ehemali Direktor der Rheinisch⸗Westindischen Compagnie, E. 8 ge c hn geleitete „Handels⸗Organ“ wird von seinem Sohne A. Becher u i elehr i dthege nere nd noch einem andern Gelehrten einstweilen fort⸗

beschlossen worden

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Erinnerung an einige Verhaͤltnisse, welche bei Wuͤr⸗ digung der Wirksamkeit unsrer Universitaͤten zu 11““]; 8 (Schluß.) ch

eitalter, worin die Universitaͤten entstanden, fand in dem Erfolge oͤffentlicher Disputationen die wesentlichste Probe des Berufs zum akademischen Lehramte. Die Promotion zu den Graden, ohne deren Besitz Niemand das Recht auf Univer⸗ sitaͤten zu lehren erhielt, erfolgte nur nach wohlbestandner Ver⸗ theidigung oͤffentlich vorher bekanntgemachter Lehrsaͤtze (Thesen). Der Graduirte selbhst mußte seine Befaͤhigung zur Aufnahme in einem besondern Kreis von Lehren wiederum durch den sieg⸗ reichen Erfolg einer Disputation nachweisen (sich habilitiren). Unsre Zeitgenossen haben diese Form beibehalten, aber der Geist, welcher sie belebte, ist entwichen. Damals regte die Ankuͤndi⸗ gung einer Disputation die ganze Universitaͤt auf; die am schwar⸗ zen Brette angeschlagnen Thesen wurden von der Menge begie⸗ rig aufgefaßt; die Voreroͤrterung des Fuͤr und Wider ward das allgemeine Gespraͤch. Am Tage der Disputation vermochte der weite Hoͤrsaal fuͤr solche Feierlichkeiten den Andrang lebhaft theil⸗ nehmender Zuhoͤrer nicht zu fassen. Der Held des Tages er⸗ schien nach Verschiedenheit der Verhaäͤltnisse, bald als Respon⸗ dent unter dem Schutze eines angesehnen Gelehrten, welcher der Feierlichkeit praͤsidirte; bald ohne solchen selbststaͤndig; bald selbst als Praäͤses unter Begleitung eines gewaͤhlten Responden⸗ ten. Er forderte die Versammlung zur Bestreitung seiner The⸗ sen auf. Nicht blos erbetne Opponenten traten in die Schran⸗ ken: jedes graduirte Mitglied der Fakultaͤt konnte opponiren, und sehr oft ward von dieser Freiheit Gebrauch gemacht. Der Nei⸗ gung sich geltend zu machen, dem Wunsche Nebenbuhler nicht aufkommen zu lassen, war damit Bahn eroͤffnet, und wehe dem, der seinen Widersacher nicht auf der Stelle so schlagend zu wi⸗ derlegen vermochte, daß er endlich verstummen mußte. Sein ge⸗ lehrter Ruf, seine Aussicht auf Wirksamkeit als Universttaͤtsleh⸗ rer war damit verloren. Dieser Streit, der die wissenschaftliche Existenz des zu Pruͤfenden galt, ward mit der vollen Kraft auf⸗ geregter Leidenschaften gefuͤhrt; er verlaͤngerte sich bisweilen in die Nacht hinein, oder ward selbst mehre Tage lang feortgesetzt. In der That waren die Bedingungen des Kampfes ungerecht: der Einzelne, selbst mit der Huͤlfe eines Praͤses, oder eines Re⸗ spondenten, stand einer unbestimmten Anzahl von Widersachern gegenuͤber. Wie sorgfaͤltig vorbereitet er auch sein mochte: ganz unerwartete Angriffe blieben doch sehr moͤglich; und er mußte Geistesgegenwart genug besitzen, auch diese sofort abzuwehren. Es darf hierbei nicht verkannt werden, daß in der Regel doch noch guter Ruf und persoͤnliche Achtung die Opponenten bestimmen mußten, sich nicht des ganzen Vortheils ihrer Stellung zu bedienen; und daß demnach ein guͤnstiger Erfolg der Disputationen auch von sitt⸗ licher Wuͤrde naͤchst der geistigen Kraft abhing.

Es bedarf keiner Darstellung des Kontrastes, welchen die Disputationen unsrer Tage in der Regel mit jener Feuerprobe bilden. Vergebens sind auch alle Versuche, die Kraft dieses Pruͤfungsmittels wieder herzustellen. Disputiruͤbungen, Aneig⸗ nung großer Gelaͤufigkeit im Lateinsprechen, oder auch Gestat⸗ tung des Gebrauchs der Muttersprache bei akademischen Dispu⸗ tationen, fuͤhren in hoͤchster Wirksamkeit jetzt nur noch zur Ver⸗ geudung der beßten Geisteskraͤfte an ein sinnreiches Spiel. Die Wissenschaft selbst ist diesen Kaͤmpfen entwachsen: nicht einmal Streitschriften, noch weniger Streitreden bieten ihr einen Gewinn, welcher des Kraftaufwandes werth waͤre. Das Koͤst⸗ lichste, was die Wissenschaft hat, wird unbefangen gegeben und mit stiller Anerkennung empfangen: die Streitigkeiten, die Par⸗ theiungen erheben sich selten uͤber die mitlere Region.

Schriftliche und muͤndliche Pruͤfungen, welche jetzt noch als einziges formelles Mittel zur Erforschung der Wuͤrdigkeit fuͤr das akademische Lehramt uͤbrig bleiben, sind bei geschickter und gewissenhafter Anwendung wohl hinreichend, das offenbar Ver⸗ werfliche, das klar erweislich Unbrauchbare von der großen Masse zu sondern, welche die ganze Reihe vom Vortrefflichen bis zum Ertraͤglichen enthaͤlt: aber aller Erfahrung nach sind sie nicht gecignet, das Ausgezeichnete mit Sicherheit herauszufinden. Strenge Verschaͤrfungen dieser Pruͤfungsmittel haben vielleicht die wahre Genialitaͤt oͤfter verscheucht, als hervorgezogen.

Hunderte bestehn alle vorschriftsmaͤßigen Pruͤfungen, und treten in die Reihe der Privat⸗Docenten, obwohl sie niemals vermoͤgen, ein wahrhaft wissenschaftliches Leben in ihren Zuhoͤ— rern anzuregen. Der Reiz einer freien Beschaͤftigung verleitet leicht zu dem Glauben an einen innern Beruf zum akademischen Lehramte. So waͤchst die Zahl der Privat⸗Docenten, mit ihr die Anforderungen auf Anstellung und Besoldung, die wenn auch Pgea⸗ anerkannt endlich doch unabweislich erscheinen.

ie Wuͤrde der Wissenschaft selbst verbeut hierbei jeden Gedanken an die Vortheile der Konkurrenz. Bei voller Aner⸗ kennung menschlicher Schwaͤche wollen wir uͤberhaupt vertrauen, daß die Wissenschaft sichrer gefoͤrdert werde durch den reinen Trieb, sich zu unterrichten, als durch das Treiben der Ehrsucht, den Wetteifer um Glanz und Gunst, und den gesammten Prio⸗ ritaͤtenkram. Aber wie viel Gewicht dennoch auch auf diese Foͤrderungsmittel gelegt werden moͤge; so darf doch wenigstens die Universität nicht die Rennbahn werden, worauf die Konkur⸗ renz ihren Kampf anstellt und ihre Kronen vertheilt. Wohl ist der hoͤchste irdische Lohn eines geistreichen und treuen Lehrers die dankbare Verehrung zahlreicher Schuͤler, welche die oͤffentliche Anerkennung ihm zufuͤhrt, und die Macht seines Geistes und Gemuͤths ihm aneignet: volle Hoͤrsaͤle bei reiner Lehr⸗ und Lern⸗Freiheit sind aus solcher Ansicht ein koͤstliches Zeug⸗ niß fuͤr die Trefflichkeit des Lehrers. Aber das Geistige will auch geistig gerichtet sein. Entscheidet nur die todte Zahl der Zuhoͤrer uͤber Gunst und Gewinn; so wird damit eine sehr arge Versuchung aufgestellt suͤr Lehrende und Lernende: jenen nach Frequenz zu haschen; diesen an unreine Absichten ihrer Fuͤh⸗ rer zu glauben. Das Vertrauen, daß nur Wenige, daß Nie⸗ mand sogar solcher Versuchung erliegen werde, wie gern es wohl⸗ wollend gehegt werden moͤge, wird deren Aufstellung doch nie⸗ mals rechtfertigen koͤnnen: wuͤrde sie durch ein ungluͤckliches Ver⸗ dennoch wirksam, so wuͤrde die Lehrfreiheit die Wissen⸗ chaft, und die Lernfreiheit die Disciplin verderben.

Auch reiner Eifer fuͤr die Foͤrderung der Wissenschaft um ihrer selbst willen kann wohl zu der Meinung verleiten, daß jede besondre Richtung der wissenschaftlichen Thaͤtigkeit ihren eignen Repraͤsentanten unter dem Lehrerpersonal einer vollstaͤndig be⸗ setzten Universitaät haben muͤsse. Da nun die Richtungen der wissenschaftlichen Thaͤtigkeit eben so verschieden sind als die In⸗ dividualitat der Personen; und da die Eigenthuͤmlichkeit sich in der Regel um so schaͤrfer auspraͤgt, je beschraͤnkter sie ist: so liegt in dieser Meinung theils ein unbegraͤnztes Streben nach Vermehrung der Lehrerzahl, theils eine Rechtfertigung der Auf⸗ nahme sehr fleißiger, aber beschraͤnkter Maͤnner in den Kreis der akademischen Lehrer. Die große Erleichterung des Zutritts in denselben, welche der zeitige Zustand des Promotions⸗ und Ha⸗

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bilitations⸗Wesens gewaͤhrt, erscheint aus dieser Ansicht sogar als ein wesentlicher Vortheil.

Es kann allerdings nicht verkannt werden, daß die fortschrei⸗ tende Erweiterung der Wissenschaften ins Unermeßliche hinaus eine gleichmaͤßig fortschreitende Theilung der Bearbeitung dersel⸗ ben erfordert. Je weiter aber diese Theilung vorruͤckt, um so dringender wird es auch, einer Zersplitterung der Wissenschaften in Notizensammlungen vorzubeugen.

Dieses ist der Beruf der Maͤnner, deren Geist Haupttheile der Wissenschaften in voller Klarheit uͤberschaut. Ueberall das Bedeutende, das Fruchtbare aus den Ergebnissen der einzelnen

Forschungen mit sicherm Blicke sondernd und ordnend, erweitern

sie zugleich das Reich der Wissenschaft und der Bildung; jenes, indem sie neue Ansichten schaffen; dieses, indem sie die gewonne⸗ nen Schaͤtze des Wissens in Umlauf bringen. Das sind die wahrhaft berufnen Universitaͤtslehrer, wenn zu solchen Geistes⸗ 3agi und Kenntnissen sich noch Gemuͤth und Macht der Rede gesellt.

Fruchtbare Verwendungen der wissenschaftlichen Thaͤtigkeit auf ein sehr beschraäͤnktes Feld des Wissens entstehn in der Re⸗ gel erst im reifern Mannesalter, wo theils Standes⸗, Amts⸗ oder Geschaͤfts⸗Verhaͤltnisse dazu veranlassen, theils besondre Schicksale darauf leiten, theils eigenthuͤmliche Geistesanlagen zu selbststaͤndiger Entwickelung gelangen. Selbst in den hoͤchst selt⸗ nen Faͤllen, wo wirklich schon in den Juͤnglingsjahren ein unver⸗ kennbarer Trieb zur Geistesbeschaͤftigung in einer sehr beschraͤnkten Richtung vorwaltet, wird es nur um so raͤthlicher bleiben, das besondre Studium nicht ohne eine reiche Mitgift allgemeinerer Kenntnisse zu beginnen, als darin eben die sicherste Gewaͤhr liegt, daß ein den ruͤhmlichsten Bestrebungen gewidmetes Leben nicht in eiteln Visionen erliege. Weder das Lebensalter, noch die Vorbereitung unsrer Studirenden befaͤhigen dieselben, sich bereits auf der Universitaͤt einer Thaͤtigkeit hinzugeben, die sich extensiv in hohem Maaße beschraͤnkt, um intensiv desto kraͤftiger zu wirken. Ihre Bestimmung erheischt vielmehr grade das Gegentheil. Nur in allgemeinen Umrissen liegt sie vor ihnen. Nothduͤrftig scheidet sich auf dieser Bildungsstufe der Lehrstand in Kirchen und Schu⸗ len, der Staatsbeamte im richterlichen und Verwaltungs⸗Dienste, der Arzt, und der, welcher wissenschaftliche Vorbereitung auf ein Leben in gewerblichen Verhaͤltnissen uͤbertragen will: die Zukunft, welche jedem seine besondre Stellung in diesen weiten Kreisen anweist, liegt noch im Dunkeln; und diejenigen finden sich oft am meisten durch unerwartetes Schicksal uͤberrascht, die schon fruͤh sehr bestimmte Lebensplaͤne entwarfen. Zu vergessen ist nicht, daß in den Meinungen und Beduͤrfnissen der Zeitgenossen waͤrend der vierzig oder funfzig Jahre eines thaͤtigen Lebens Veraͤnderungen vorgehn, die nur dann mit Gluͤck uͤberstanden werden, wenn allgemeine Bildung dem Geiste große Freiheit in der Wahl seiner Richtung gestattet. Einer der wichtigsten Zwecke der wissenschaftlichen Bildung ist eben, der Einseitigkeit zu weh⸗ ren, welche das fruͤhe Anlernen fuͤr eine besondre Bestimmung erzeugt.

In der That ist es wohl auch die Meinung nicht, daß der Studirende schon auf Universitaͤten sich der Bearbeitung ganz spezieller Theile der Wissenschaft hingeben soll: die sehr wohlge⸗ meinte Absicht ist es vielmehr, dem Studirenden Gelegenheit zu geben, daß er Vortraͤge uͤber jede Kenntniß, worauf Neigung oder Zufall ihn leiten, bei einem Depositaͤr derselben hoͤren koͤnne, der sie bis an die aͤußerste Graͤnze des zeitigen Wissens verfolgt hat. Aber Geluͤste sollen nicht auf Kosten des Beduͤrf⸗ nisses befriedigt werden. Der Studirende, welcher mit großer Theilnahme einer uͤbersichtlichen Darstellung auch solcher Kennt⸗ nisse zugehoͤrt haͤtte, die nicht zunaͤchst zum Bestehn der Staats⸗ pruͤfungen gehoͤren, wird bald mit Einzelnheiten uͤbersaͤttigt, oder ganz zuruͤckgeschreckt durch den Zeit⸗ und Kraft⸗Autwand, den ein so weit gedehntes Studium erfordert. Zwischen einer Beschraͤnkung der Universitaͤtsstudien auf bestimmte Vortraͤze bei bestimmten Lehrern, und dem Eroͤffnen einer Aufforderunz sich zu unterrichten, welche sich ins Graͤnzenlose verliert, giebt es eine Freiheit, welche den Beduͤrfnissen und Kraͤften der Studirenden angemessen ist, und den Geist naͤhrt, ohne ihn zu zerstreuen.

Es ist eine Krankheit des Zeitalters, nichts vernuͤnftigem Ermessen uͤberlassen, sondern Alles entweder durch streng be⸗ stimmte Vorschriften regeln, oder unbedingt freigeben zu wollen. Die Besorgniß, menschlicher Wilkuͤhr zu verfallen, noͤthigt solche Extreme auf. Gleichwohl giebt es keinen unverständigern Herrn als den todten Buchstaben, und keinen herzlosern, als den entfessel⸗ ten Misbrauch. Wo die allgemeine Bildung soweit vorgeschrit⸗ ten ist, daß die oͤffentliche Meinung zugleich freimuͤthig und zuͤch⸗ tig erscheint; da darf kein erhebliches Verirren vom vernuͤnftigen Ermessen zu gehaͤssiger Wilkuͤhr besorgt werden: Vielmehr wal⸗ tet unter solcher Bedingung in den wichtigsten Lebensverhaͤltnissen sehr viel mehr wahre Freiheit, als unter dem Joche jener Extreme. Das moͤge dann auch hier Anwendung finden, wo Vorschlaͤge fuͤr neue Formen gesucht werden duͤrften, woran die Verleihung des Rechts zu lehren gebunden werden moͤchte. Ist das Beduͤrfniß richtig erkannt, so wird der reine Willen die Mittel zu dessen Befriedigung wohl finden, wenn dem vernuͤnf⸗ tigen Ermessen freier Raum gelassen, und das eitle Spiel mit den Formen weiland sehr bedeutender Anstalten aufgegeben wird, deren Geist laͤngst entwichen ist.

Zur Darstellung des Zustandes der preußischen Universitaͤten ist neulich eine gehaltvolle Schrift erschienen, deren Inhalt bereits ausfuͤhrlich in Nr. 72 der allgemeinen preußischen Staatszeitung besprochen, und mit verdientem Lobe gewuͤrdigt worden ist. Diese Schrift „geschichtliche und statistische Nachrichten von den Universitaͤten im preußischen Staate“ be⸗ weckt, wie es scheint, vornaͤmlich durch Aufstellung zuverlaͤssiger ahlen, jedem Sachkundigen die Bildung eines wohlbegruͤndeten selbststaͤndigen Urtheils moͤglich zu machen. Es sei daher gestattet, zum Schlusse dieses Aufsatzes, gewissermaaßen als Beispiel, woran die vorstehenden allgemeinen Bemerkungen erprobt werden moͤgen, folgende Uebersichten daraus zu entlehnen.

Es studirten hiernach auf den sechs vollstaͤndig organisirten Preußischen Universitaͤten und der akademischen Lehranstalt zu Muͤnster im Jahre 1834, und zwar im 1sten Semester 4,431 Inlñonder 891 Auslaͤnder 5,322 berhaupt im 2ten 2 4,245 843 8 5,088

EE111““ Summe 8,676 Inläͤnder 1,734 Auslaͤnder 10,410 uͤberhaupt Grrn vaersuxecenesseg swenae.

Durchschnitt aus 8 1 beiden 4,338 Inlaͤnder 867 Auslaͤnder 5,205 sñKberhaupt.

Das lehrende Personal bestand zu Ende des Jahres 1834 aus 223 ordentlichen Professoren, 104 außerordentlichen Professoren, 112 Privat⸗Dozenten, 85

43 Sprach⸗ und Exerzitien⸗Meistern; eee˙˙

482 Personen uͤberhaupt. SAEcTeFaN ; ACxeE rxmxen

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