1836 / 128 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

geht, besichtigen wuͤrde. Allgemein heißt es, daß diese Expedi⸗ tion nach den Levantischen Gewaͤssern bestimmt sey und sich zu einer Evolutions⸗Flotte bilden solle, wenn die politischen Angele⸗ genheiten eine friedliche Wendung nehmen.“

Vierzehn der Polnischen Fluͤchtlinge, die die Confoͤderation unterzeichnet hatten, haben gestern Paris verlassen, um sich nach London zu begeben; unter ihnen befinden sich die Herren Dwer⸗ nicki, Ledochowski und Dunin. Ersterer hat sich vor seiner Ab⸗ reise mit einer jungen und reichen Franzoͤsin vermaͤhlt.

Gestern fand im Theater am Thore Saint⸗Martin die erste Vorstellung des „Don Juan de Marana“ von Alexander Du⸗ mas statt. Das Stuͤck scheint den allgemein gehegten Erwar⸗ tungen nicht entsprochen zu haben; der Beifall war nicht sehr lebhaft, aber leicht haͤtte ein Vorfall sehr stuͤrmische Auftritte nach sich ziehen koͤnnen. Dem Schauspieler Bocage, der die Hauptrolle spielte, wurde naͤmlich mehreremale zugerufen, er moͤge lauter sprechen, was denselben zuletzt so unwillig machte, daß er sich an das Publikum mit den Worten wandte: „Es kann nur boͤser Wille seyn, wenn man mich nicht versteht, da ich mir alle Muͤhe gebe, deutlich zu sprechen.“ Auf diese Worte folgte ein allgemeines Pochen und Pfeifen, worauf Herr Bo⸗ cage, immer mehr in Zorn gerathend, ganz vorn auf das Pro⸗ scenium trat und zu dem Publikum sagte: „Meine Herren, wir leben nicht mehr in den Zeiten, wo man den Schauspieler vor⸗ zugsweise mißhandeln zu koͤnnen glaubte. Wir sind Menschen, so gut wie Sie; wir haben unsere Ehre, so gut wie Sie!“ Das Publikum ließ sich, wider Erwarten, die Lehre gefallen, klatschte dem Herrn Bocage Beifall zu und ließ die Vorstel⸗ lung ihren Lauf fortgehen.

Im Moniteur liest man: „Am 16ten d. wurde der Ge⸗ neral Bernelle auf den Hoͤhen von Larasoana von sieben Karli⸗ stischen Bataillonen unter den Befehlen Garcia's angegriffen. Der General Bernelle hatte ihnen nur 500 Mann und 4 Stuͤck Geschuͤtz entgegenzusetzen. Das Gefecht dauerte fuͤnf Stunden und endigte mit dem Ruͤckzuge der Karlisten, die mit betraͤchtli⸗ chem Verlust nach Esain zuruͤckgeworfen wurden. Der General Bernelle ist leicht verwundet und 85 Mann sind ihm kampf⸗ unfaͤhig gemacht worden. Am anderen Tage hielten es die Karlisten, trotz ihrer großen numerischen Ueberlegenheit, doch nicht fuͤr gerathen, aufs neue anzugreifen.“

Das Hauptquartier des Don Carlos war am 23. April noch in Clorio. Der Graf von Casa⸗Eguia hatte das seinige Tages zuvor von Ochandiana nach Miravalles verlegt.

Der Bischof von Leon ist am 27ͤsten v. M. von Bordeaux nach Straßburg abgereist, wo man ihm Paͤsse nach Deutschland ertheilen wird.

Das Journal des Doébats enthaͤlt Folgendes: „Den neuesten Nachrichten aus den Vereinigten Staaten zufolge, scheint es gewiß, daß die Amerikanische Union sich noch in die⸗ ser Session um zwei neue Staaten, Mitchigan und Arkansas, vermehrt sehen wird. Beide haben eine Bevoͤlkerung von mehr als 60,000 Seelen nachgewiesen. Der Senat hat die Zulassungs⸗ Bill nach einer sehr heftigen Diskussion votirt. Die Opposition wollte die Zulassung des Staates Mitchigan vertagt wissen, bis derselbe den Artikel aus seiner Verfassung gestrichen haͤtte, der den Auslaͤndern vor dem durch die Naturalisations⸗Gesetze der Union Festgesetten Termin das Stimmrecht bei allen Wahlen, selbst bei der Wahl-des Praͤsidenten und des Kongresses, giebt.“

Großbritanien und Irland.

Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Siz⸗ zung vom 26. April. (Nachtrag.) Folgendes ist ein Aus⸗ zug aus dem (gestern erwaͤhnten) Vortrage, womit Herr Rip⸗ pon seine Motion auf Ausschließung der Bischoͤfe aus dem

Oberhause begruͤndete:

„Einige der ehrenwerthen Herren“, sagte der Redner, „werden sich wohl noch erinnern, daß ich vor zwei Jahren schon eine ähnlti⸗ liche Maßregel in diesem Hause beantragte. Sie wurde von Lord Althorp, dem damaligen ministeriellen Wortführer, mit Verachtung aufgenommen und kaum einiger Worte gewürdigt. „„Wenn ich dächte““, sagte jener edle Lord, „„daß außer dem Antragsteller und dem Unter⸗ stützer dieser Motion noch Jemand damit einverstanden wäre, so würde ich die Grüude darlegen, weshalb ich mich ihr widersetze.““ Die Abstimmung zeigte, wie es sich mit der Divinations⸗Gabe des edlen Lords verhielt, denn wenn auch 128 Stimmen gegen den Vor⸗ schlag waren, so stimmten doch nicht weniger als 58 zu Gunsten desselben. Da mir nun die Zurückhaltung des edlen Lord alle Gele⸗ enheit zur Aufklärung raubte, so sehe ich mich genöthigt, meine Argumente noch einmal zu wiederholen. Die Sache hat seitdem an allgemeinem Interesse noch gewonnen, und ihr Gedeihen wurde durch die Aufnahme, welche sie damals fand, nicht gehemmt, sondern vielmehr gefördert. Es geht in diesem Augenblick ein Geist der Re⸗ ligions⸗Reform durch die Gesellschaft, den man nicht wegspotten, und dem man sich eben so wenig widersetzen kann. Ich fordere die ehren⸗ werthen Herren auf, aus ihren: Gemüth jene Hindernisse der Ver⸗ besserung, jene Verehrung des Alterthums und der bestehenden Ge⸗ bräuche zu verbannen, und ersuche Sie, zu erwägen, ob die Sitte, über die ich Beschwerde führe, der Sache der Religion wirklich för⸗ dersam und der großen Masse des Volks von Nutzen ist. Urtheilen Sie unparteiisch und entscheiden Sie kühn in der Sache der Wahr⸗ heit. Ich will keine affektirte Feierlichkeit annehmen, aber ich will diese Frage auch ohne Herbheit erörtern und ohne den Gefühlen oder Vorurtheilen irgend Jemandes Aergerniß zu geben. Es ist nicht meine Absicht, das Haus mit einer Schilderung des Ursprungs und der Aus⸗ bildung unseres Kirchen⸗Systems zu ermüden. Ich bin kein Vereh⸗ rer des Alterthums. Ich werde weder von den Veränderungen, die Konstantin vorgenommen, noch von den Edikten Justinian's spre⸗ chen. Ich werde nichts davon sagen, wie die Geistlichkeit in Groß⸗ britanten sich vor der Zeit, wo die Krone an die Stelle der Tiara trat, weltliche Macht anmaßte. Auch die Ereignisse einer späteren Periode in unserer Geschichte, als Souverain und Unterthanen in religiöbsem Kampf gegen einander gewappnet waren, als das Ge⸗ schrei: „Kein Bischof und kein König!“ erhoben wurde, will ich nicht berühren. Es reicht hin, daran zu erinnern, daß Karl auf dem Schaffotte starb, daß Jakob aus seinem Lande vertrieben und das Haus Stuart für immer vom Thron verbannt wurde. Mein Zweck ist, die zahlreichen, schweren und immee mehr zunehmenden Pllichten zu betrachten, die mit dem Amt eines Bischofs verknüpft sind, um

u zeigen, daß diese, wenn sie gehörig erfüllt werden, die Zeit und Aufmerksamkeit desselben hinlänglich beschäftigen und in Anspruch nehmen müssen. Nach der neuen Anordnung, wie sie in dem ersten Bericht der Kirchen⸗Kommissarien vorgeschlagen wird, werden in den 26 Diöcesen 10,400 Pfarren zu verwalten seyn: in Lincoln 780, in Ereter 635, in York 595, in Ely 5354; und angenommen, daß die ganze Zahl gleich vertheilt wäre, so würden einem jeden Bischofe 400 Pfarren zur Beaufsichtigung zufallen. Der zweite Bericht der Kir⸗ chen⸗Kommissarien verlangt noch eine Vermehrung der Kirchen ud der Geistlichen, um für den Religions⸗Unterricht einer rasch gestiegenen und noch immer zunehmenden Bevölkerung ge⸗ börig zu sorgen. Wenn also jede Pfarre, wie es seyn follte und wie es hoffentlich bald seyn wird, einen anwe⸗ senden Pastor erhält, so wird jeder Bischof durchschnittlich 400 Geist⸗ liche zu beaufsichtigen haben; und hier will ich die besondere Auf⸗ merksamfeit des Hauses auf einen höchst wichtigen, aber leider sehr vernachlässigten Punkt im Kirchenwesen hinlenken, ich meine die Auf⸗ rechthaltung etnes Pastoral⸗Verkehrs zwischen dem Bischofe und sei⸗ ner Geistlichkett. ie fönnen versichert seyn, daß die trefflichsten

8 524

moralischen und religiösen Eigenschaften keine gute Wirkung hervor⸗ zubringen vermögen, wenn der Aufseher an Stand und Lebensweise u wett über diejenigen erhaben ist, die seiner Leitung auvertraut. sind. Der Bischof muß seine Geistlichkeit oft besuchen und stets eine freundschaftliche Verbindung mit ihr unterhalten. Er muß sie ohne Zurückhaltung empfangen und sich ohne Vornehmheit ihr nähern. Er muß die Interessen der Kirche in den verschiedenen Sprengeln untersuchen, mit eigenen Augen sehen und mit eigenen Oh⸗ ren hören und sich nicht auf die Berichte parteiischer Offiziale verlassen. Wenn er von Zeit zu Zeit selbst auf den Kanzeln seiner Kirchspiele erschiene, so würden seine Predigten gewiß Leben und Energie in die Kircheupflege bringen. Er sollte auch den Anstalten für die erste geistige Bildung, den Dorfschulen, seine Aufmerk⸗ samkeit schenken und bei seinen Kirchspiels⸗Visitationen die Fähig⸗ keiten und das Verhalten der Schullehrer zum Gegenstande seiner Prüfung machen. Er sollte die Tauglichkeit derjenigen, die ordinirt zu werden wünschen, sorgfältig prüfen und nicht bloß die Masse des Latein und Griechisch abwägen, welches sie in ihren Köpfen aufge speichert haben, sondern ihre natürlichen Neigungen, ihre indi⸗ viduelle Vorliebe für ernste Gedanken und Sitten erproben, woraus allein sich hoffen läßt, daß ein Geistlicher seines rufs würdig seyn und⸗sich als tüchtig für das heilige Priesteramt bewähren werde. Es ist ferner seine Pflicht, Tausende von Kindern zu konfirmiren. Dann hat er noch eine sehr wichtige Function zu erfüllen, mit deren geziemender Ausübung die größte Verantwortlichkeit verbunden ist, nämlich die Vergebung der zu sei⸗ nem Bisthum gehörigen Pfründen, denn es ergiebt sich aus dem Be⸗ richt, daß sich jetzt 1248 Pfründen unter dem Patronat der Bischöfe befinden. Diese Pfründen muß er mit Rücksicht auf die geistlichen Bedürfnisse der Gemeinde, nicht mit Hinsicht auf die Forderungen lästiger Freunde und begehrlicher Bekannten vergeben;

v11““

4 högo⸗ Be⸗

es ist seine Pflicht, die Würdigen und Verdienstvollen auszuwählen und zu be⸗ fördern, von denen er voraussetzen kann, daß sie gewissenhafte Seel⸗ sorger seyn, durch ihr Beispiel ausmuntern und sich der Sache der religiösen Wahrheit getreu erweisen werden. Dies sind die Pflich ten des Bischofs; und nun frage ich, ob diese geistlichen Functionen nicht hinreichend und mehr als hinreichend sind, um die Zeit eines Bi⸗ schofs auszufüllen, so thätig derselbe auch in seinen Bemühungen, so eifrig in seiner Sorgfalt seyn mag; und wenn dies der Fall ist, so frage ich weiter, ob es vernünftig ist, einem solchen schwer beladenen getst⸗ lichen Hirten noch ein gewichtiges und verantwortliches Staatsamt aufzubuͤrden, und ob Sie zwischen einem christlichen Aufseher und einem politischen Agenten irgend einen Zusammenhang entdecken kön nen? Die Zwecke, um deren willen die christliche Kirche gestiftet wurde, sind geistlicher Art und beziehen sich ganz allein auf die künf⸗ tige Welt, und die Verbreitung ihrer Lehren kann nie in echt religib⸗ sem Geiste geschehen, wenn das Leben und Benehmen ihrer erklärten Lehrer nicht mit dem Geist des Evangeliums übereinstimmt. Wie paßt der Prälaten⸗-Pomp, der Thron, der Palast und der Lords⸗Titel zu dem reinen Protestantismus und dem schlich⸗ ten Cbristenthum? Ist dies nicht vielmehr ein Ueberrest von dem Papstthum aus seinen verderbtesten Zeiten, ein Mißbrauch jener Kirche, deren Lehren wir verworfen haben, deren Prunf aber eiferfüchtig beibehalten worden ist? Ziemt eine Anhänglichkeit an solche Eitelkeiten denjenigen, die ein Muster der Demuth, des Wohl⸗ wollens und eines auf den Himmel gerichteten Sinns sevn sollten? Kann es nicht den Glauben erregen, daß sie, während sie Andere von ihren Pflichten belehren, nicht ganz an ihre eigenen dächten, und kann das Volk dadurch nicht veranlaßt werden, ihre Lehren mit Argwohn aufzunehmen, wo nicht gar mit Verachtung zurückzuweisen? Diese Gefahren der geistlichen Erhebung sollten Sie wohl bedenken, ehe Sie meinen Vorschlag als chimärisch und ausschweifend verwerfen. Ich bin und war stets ein Mitglied der herrschenden Kirche; ich bin, den⸗ fe ich, frei von sektirerischem Vorurtheil, aber so lange man mir die Uebel und Gefahren nicht aufzeigt, die aus einer solchen Veränderung hervorgehen würden, muß ich bei meiner ehrlichen und gewissenhaften Ansicht von ihrer Nothwendigkeit und von ihrem Nutzen beharren. Und nun lassen Sie mich den einzigen Vorwand erwägen, den ich zur Rechtfertigung des Gebrauchs, daß Bischöfe im Parlamente siz zen, habe anführen hören, nämlich daß sie die Interessen der Kirche repräsentiren und deren Rechte vertheidigen müßten. Die Kirche aber hat, als ein geistliches Gemeinwesen, mit der weltlichen Regie⸗ rung gar nichts zu schaffen. Sie hat Eigenthum, welches gebührend repräsentirt ist; ihre Diener genießen dasselbe Recht wie andere Bür⸗ ger, bei der Wahl der Mitglieder dieses Hauses mitzustimmen, und so viel ich bemerkt habe, üben sie ihre Befugniß mit einem Eifer und einer Beflissenheit aus, die nicht zu übertreffen sind. Wenn man aber wirklich die Bischöfe für die Repräsentanten der Kirche hielte, so müßten sie zweifelsohne von der Geistlichkeit gewählt werden, während doch no⸗ minell die Krone, in Wahrheit aber das jedesmalige Ministerium sie ernennt, und zwar stets mit Rücksicht auf ihre politischen Ansich⸗ ten. Im Oberhause bilden sie ihrer Zahl nach eine unbedeutende Kör⸗ perschaft; sie haben kein Veto in Kirchen⸗Angelegenheiten, und es ist also klar, daß, wenn die Laien in den beiden Hänsern der herrschen den Kirche nicht günstig wären, die vereinten Kräfte von 30 Bischö fen in einer Versammlung von nahe an 400 Mitgliedern. dieselbe nicht aufeecht erhalten könnten. Aber dieser Gebrauch ist nicht nur

nutzlos, er ist auch geradezu nachtheilig; es entspringen ernst⸗ liche Uebel aus ihrer Einmischung in politische Angelegenhei⸗ ten; ihr Votum hat ihnen oft den erbittertsten Haß des Volkes zugezogen, und nicht nur ihnen, sondern auch ihrem Amte. Warum sie dem Verdacht politischer Servilität aussetzen und die

Wirkung ihres geistlichen Einflusses dadurch schwächen? Im Namen der Religion fordere ich die von mir beantragte Veränderung, und ich kann nicht glauben, daß die Bischöfe von einem so ganz weltli⸗ chen Sinn durchdrungen seyn und die Beibehaltung des jetzigen Sy⸗ stems wünschen sollten, wodurch sie nur dem Argwohn, daß sie von Ehrgeiz, Habgier und Stolz erfüllt seven, neue Rahrung geben wür⸗ den. So schließe ich denn meine Rede mit dem Antrage: Daß die Anwesenheit der Bischöfe im Parlament für die Sache der Religion nachtheilig ist.“

(Daß der Antrag mit großer Stimmen⸗Mehrheit verworfen worden, haben wir bereits gemeldet.)

Unterhaus. Sitzung vom 27. April. (Nachtrag.) Herr Gillon, Herr Wallace und der General⸗Prokurator uͤber⸗ reichten Bittschriften gegen die laͤngere Beibehaltung einer Auf⸗ lage von 6 pCt., die von einem Theil der Einwohner von Edin⸗ burg zu Gunsten der Geistlichkeit dieser Stadt erhoben wird. Die von Herrn Gillon uͤberreichte Petition ruͤhrte von einem Herrn Chapman her, der sich jetzt in dem allgemeinen Gefaͤng⸗ niß von Edinburg befindet, weil er sich aus religioͤsen Gruͤnden geweigert, zur Erhaltung einer Geistlichkeit beizusteuern, mit deren Lehren er nicht uͤbereinstimmt. Herr Wallace legte eine Bittschrift von einem der Edinburger Stadtraͤthe, Herrn Tho⸗ mas Russell, vor, der aus demselben Grunde verhaftet worden, und der General⸗Prokurator von mehreren Einwohnern Edin⸗ burgs, die uͤber jene Auflage klagen. Sir G. Clerk und einige andere Tories suchten zwar eine Eroͤrterung dieses Gegen⸗ standes zu verhindern, was ihnen jedoch nicht gelang, und Lord John Russell erklaͤrte zuletzt, daß die Sache auf irgend eine Weise in's Reine gebracht werden solle, sobald der Bericht der Kirchen-Kommissarien eingegangen und eine neue An⸗ ordnung in Betreff der Besoldung der Geistlichkeit angenommen seyn wuͤrde. Hierauf erhob sich der Marquis von Chandos und brachte angekuͤndigtermaßen die Bedraͤngnisse der ackerbau⸗ treibenden Klasse von neuem zur Sprache. Er fuͤhrte an, wie von den seit einigen Jahren eingefuͤhrten Steuer⸗ Reductionen zum Belaufe von 8 Millionen Pfd. dem Landbau nur etwa ½ Mill. Pfd zu Gute gekommen sey, und schlug daher vor, daß, sobald sich wiederum ein Ueberschuß der Staats⸗Ein⸗ nahme uͤber die Staats⸗Ausgabe ergaͤbe, derselbe zur Ver⸗

Koͤniglichen Richter auf Malta, zum Ritter geschlagen wun

11 8 1““ 8

minderung solcher Buͤrden angewandt werden moͤchte, welch insbesondere auf dem Landbau lasteten. Herr W. D combe unterstuͤtzte diesen Antrag. Lord John Rutb⸗ sell aber war dagegen; die zur Untersuchung der Lage 8G Landbauer niedergesetzte Kommission des Parlaments sitze na in diesem Augenblick, und ihr Bericht muͤßte erst abgewart

werden. Die Landbebauer muͤßten sich mit demjenigen, was üh bisher zugekommen sey, einstweilen zufrieden geben. In Ackerbau⸗Bezirken habe das neue Armengesetz eine Ersparniß Cüh 49 pCt. zu Wege gebracht; solche Maßregeln allein koͤnnten 1hh Huͤlfe gewaͤhren. Die Regulirung der Zehntenfrage wuͤrde fer ner demnaͤchst viel Gutes erzeugen; nicht weniger eine besser⸗ Verwaltung der Grafschaftssteuer. Der Graf v. Darlington unterstuͤtzte den Vorschlag, raͤumte aber den Nutzen der neutn Armengesetze ein und hoffte, daß solche im Laufe einiger Jahe noch groͤßere Ersparniß gewaͤhren wuͤrden. Wenn der Kanr der Schatzkammer seinen Irrthum wegen des herabzusetzen Zeitungs⸗Stempels noch nicht eingesehen habe, so sey es ni jetzt Zeit dazu, um die Ackerbautreibenden an dem Ueberschußm Revenuͤe Theil nehmen zu lassen. Hr. Hume meinte, die Lam. 2 bebauer waͤren seit dem Jahre 1816 um 1 Million Pfd. Steueng jaͤhrlich erleichtert worden, und sie waͤren in vieler Hinsicht wei besser daran, als die ackerbautreibende Klasse in Preußen, Fraut reich und Belgien. Sir J. Graham bedauerte es, daß de edle Marquis seine Motion so zur Unzeit vorgebracht habe, di auch er, wenn derselbe auf Abstimmung daruͤber bestehe, st ihr wuͤrde widersetzen muͤssen. Ueberdies habe die Lage de Agrikulturisten sich keinesweges in der letzten Zeit so sehr deh schlimmert, wie der Antragsteller behaupte, denn mit Aug nahme des Weizens seyen alle andere Ackerbau-Erzeugnise Gerste, Hafer, Bohnen, Wolle und Fleisch, im Preise gestt gen; der Thonboden, der sonst am schlimmsten daran sey, hab durch die drei letzten trockenen Jahre gewonnen, und es sey de her viel mehr Weizen auf den Markt gebracht worden, als song und so haͤtten natuͤrliche und kuͤnstliche Ursachen zusammenge wirkt, um den Preis des Weizens in England herabzubringen jetzt sey aber nicht der Augenblick, diese Frage zu eroͤrtern, un er fordere daher den edlen Marquis auf, nicht auf seiner M tion zu bestehen. Oberst Sibthorp und Herr Cayley woe gen unterstuͤtzten den Antrag, der schließlich noch vom AHeest Thompson und von Sir R. Peel bekaͤmpft wurde. Aie⸗ rer meinte unter Anderem, das Benehmen der Argrikultursien sey hoͤchst merkwuͤrdig, denn nachdem sie den Handel des kͤm⸗ des gefesselt und seine Manufakturthaͤrigkeit gehemmt hättn, kaͤmen sie und sagten: „Ehrenwerthe Mitglieder, Pachte und Pachtleute, wir haben Alles in unsere Häarnd bekommen, es ist Alles nach unseren Wuͤnschen gegange die Folge aber war, daß wir und Ihr in elenderem Zustant sind, als irgend eine andere Einwohner⸗Klasse.“ Dafuͤr, sag der Redner, seyen die Agrikulturisten nur ihren herrlichen Komf Gesetzen Dank schuldig, durch die England verhindert wuͤlnd seine unermeßlichen Kraͤfte gehoͤrig zu entwickeln. Der Letzte (Sir R. Peel) sprach sich in ähnlicher Weise aus wie Sir Graham, indem er sagte, er koͤnne unmoͤglich dazu beitrager Hoffnungen unter der ackerbautreibenden Klasse zu erwecken,! am Ende nicht zu erfuͤllen seyn wuͤrden, so sehr ihm auch Wohlfahrt dieser Klasse am Herzen liege. Die Malz⸗Steur fuͤgte er hinzu, sey die einzige, die ausschließlich auf dem Lan bau laste; diese wuͤrde sich aber nicht abschaffen lassen, ohm eine Vermoͤgens⸗Steuer an deren Stelle einzufuͤhren, fuͤr die n (der Redner) unmoͤglich stimmen koͤnne. Die Chandossche No tion wurde hiernaͤchst (wie bereits gemeldet) mit 208 gegen 17 Stimmen verworfen.

London, 29. April. Bei dem vorgestrigen Lever wu Sr. Majestaͤt der Graf Gustav Bluͤcher von dem Preäußisce Gesandten vorgestellt, und Lord Erskine, der nach Muͤnchen zu ruͤckkehrt, hatte seine Abschieds-Audienz. Sir J. R. Carna Praͤsident der Ostindischen Compagnie, und Herr J. Loch, Ve Praͤsident derselben, uͤberreichten dem Koͤnige mehrere von he Truppen der Compagnie in Indien eroberte Fahnen. Nach doe Lever hielt der Koͤnig ein Kapitel des St. Michael⸗- und d Georgs⸗Ordens, in welchem Sir Ignatius Bonavita, einer h

und das Commandeur⸗Kreuz jenes Ordens erhielt.

Graf Grey kehrte erst gestern aus Schloß Windsor, wog am Sonnabend auf die Einladung des Koͤnigs dem großen W⸗ kett, welches Se. Majestaͤt den Rittern des Hosenband⸗Orhe gab, beigewohnt hatte, nach London zuruͤck. Der Graf hat sit Stimme am Dienstag Abend zu Gunsten der ministeriellen —h nizipal⸗Reformbill fuͤr Irland im Oberhause durch Vollmt abgeben lassen.

Der Morning Herald will jetzt wieder wissen, daß G. Pozzo di Borgo, wenn es sich mit seiner Gesundheit nichetet serte, sich ganz aus dem oͤffentlichen Leben zuruͤckziehen win⸗

Der Courier stimmt zwar mit der Ansicht Lord I— sell's uͤberein, daß weder das Unterhaus noch das Land neigt seyen, die Frage in Erwaͤgung zu ziehen, ob die Böjti noch ferner ihre Sitze im Oberhause behalten sollten, doch dieses Blatt es fuͤr gut, daß die Sache zur Sprache gebraß worden, weil dadurch Manchem die Augen daruͤber geoͤffnet we den wuͤrden, welche ernstliche Uebel aus der Einmischung! Bischoͤfe in'die Staats⸗Angelegenheiten hervorgingen. „Ueh dies“, fuͤgt das genannte Blatt hinzu, „beweist das Beispiel Kirche von Schottland zur Genuͤge, daß es weder mit Hinse auf das Interesse der Religion, noch mit Hinsicht auf die Wür ihrer Diener nothwyndig ist, daß einige derselben einen Sit Parlamente haben. Wir fuͤr unser Theil brauchen nur zu derholen, was wir bei einer fruͤheren Gelegenheit sagten, wir unsere hoͤchste Pflicht vernachlaͤssigen wuͤrden, wenn wir⸗ nen einzigen Augenblick Anstand naͤhmen, zu sagen, daß! durchaus weiter keine Thatsache und kein Argument bekannt wodurch es gerechtfertigt wuͤrde, daß die Bischoͤfe der Angs nischen Kirche einen so hedeutenden Antheil an der legislale Gewalt des Landes haben, außer dem Faktum, daß jetzt Bischoͤfe im Oberhause sitzen.“ 6

Es heißt, die Bischoͤfe gedaͤchten im Oberhause, wemn d Bill zur Herabsetzung des Zeitungs⸗Stempels vorkomme, dacähee zu bestehen, daß alle Sonntagsblaͤtter von dieser Herabsehue ausgeschlossen wuͤrden. Mehrere Pralaten sollen auch wi 1 seyn, jeder Erlaubniß zur Anlegung von Eisenbahnen eine Kee sel beizufuͤgen, wonach das Reisen auf Eisenbahnen an Con tagen gaͤnzlich verboten werden sollte.

Der Kanzler der Schatzkammer soll der Deputation, wegen des Zeitungs⸗Stempels eine Unterredung mit ihm haun erklaͤrt haben, daß die Papier-Steuer reduzirt werden wüͤr Der Courter äußert seine Freude daruͤber und glaubt, diese Reduction von großer Wichtigkeit seyn werde. macht sich dieses Blatt uͤber Herrn Wakley, Oberst und die anderen Herren jener Deputation lustig,

d

siattfindenden Hindernisse der Bef

die Hofdamen

sagt/ Straflosigkeit fuͤr alle diejenigen verlangt haͤtten, denen es beliebe, die Stempel⸗Akte zu uͤbertreten oder, mit anderen Wor⸗ ten, den Staats⸗Schatz zu betruͤgen und den das Gesetz Achten⸗ den zu schaden. „Oberst Thompson“, sagt der Courier unter Anderem, „soll geäußert haben, er wuͤrde kein Bedenken tragen, sich zum Besten einer so vortrefflichen Sache ins Gefngniß gecken zu lassen. Vielleicht moͤchten Einige, wenn sie die Reden des tapferen Offiziers über diesen Gegenstand und die am Mitt⸗ woch Abend von ihm im Unterhause gehaltene lesen, der Mei⸗ nung seyn, daß das Land ganz gut fertig werden würde, wenn er auch eine Weile in Haft sitzen muͤßte.“

Lord Holland sprach am Dienstage im Oberhause seine Ver⸗

wunderung daruͤber aus, daß Lord Lyndhurst bei der Irlaͤndi⸗

schen Munizipal⸗Reformbill den Instructions⸗Antrag, sein eigenes Find, statt sich selbst desselben anzunehmen, den Handen eines Pflegevaters, des Lords Fitzgerald und Vesci, uͤbergeben habe; wahrscheinlich schaͤme er sich, der Nachrichter jener Corporatio⸗ nen zu seyn, die er noch vor einiger Zeit in diesem Hause so warm vertheidigt habe. Daß die Muniz wal⸗Reform eine Ueber tragung sey, gab Lord Holland zu, aber, meinte er, eine Ueber⸗ sragung von dem Agenten an den Prinzipal, oder von dem Usur⸗ ator an den rechtmaͤßigen Besitzer.

Vorgestern versammelte sich ein großer Theil der Konsti⸗ züenten des Herrn H. L. Bulwer in Marylebone, um den Um⸗ stand in Erwaͤgung zu ziehen, daß derselbe sein feierliches Ver⸗ sorechen gegen sie gebrochen und nicht gegen die Pensions-Liste gestimmt habe. Er wurde einmuͤthig des ferneren Vertrauens der Waͤhler fuͤr unwuͤrdig erklaͤrt. In einer Liverpooler Zeitung als 14 neue Actien⸗Compagnieen angekuͤndigt, deren Kapitalien sich zusammen auf 5,480,900 Pfund belaufen, naͤm⸗ lich eine Apotheker⸗Compagnie, eine Transport⸗Compagnie, eine

werden nicht weniger

Bau⸗Compagnie, eine Salz⸗Compagnie, eine Irlandische Bank⸗

Compagnie, eine Lohgerber⸗Compagnie, eine Seif⸗Compagnie, eine Zuckerraffinirungs⸗Compagnie, eine Baumwollen⸗Compagnie, eine Hafen⸗Compagnie, eine Destillir⸗Compagnie, eine Waͤlische Packet⸗Compagnie, eine Baͤckerei⸗Compagnie und eine Güͤter⸗ kaufs⸗Compagnle.

Das Blei, von welchem die T

II Pfund Sterling zu haben war, ist gestiegen. 1 Auf dem Schiffe „Amelia Thompson“ sind gestern 280 weibliche Auswanderer nach Vandiemensland abgegangen. Die neu eingerichtere woͤchentliche Dampfschifffahrt zwischen hier und den Haͤfen der beiden Koͤnigreiche der Pyrenaäͤischen albinsel wiro jetzt schon regelmaͤßig ausgefuͤhrt und geht so schnell von Statten, daß unser Markt bereits seit acht Tagen mit solchen frischen Huͤlsenfruͤchten und Gemuͤse⸗Arten aus den Ländern unter jenem herrlichen Himmel versehen wird, die wir ier erst im Juni und ZJuli in einiger Fuͤlle erhalten koͤnnen. s ist dies die Einleitung zu einem noch nie geahneten Grade des Verkehrs, welcher in wenig Jahren, nachdem die Halbinsel ihre Wirren uͤberstanden haben wird, zwischen derselben und Großbritanien sich ausbilden muß. Die Fahrt wird in 4 bis 5 Tagen vollendet. Es ist also gar nicht uͤbertrieben, wenn man in prak⸗ tischem Sinne England als den naͤchsten Nachbar von Spanien und Portugal jetzt betrachtet. Die Dampfkraft bringt nun ein⸗ mal Veraͤnderungen hervor, welche keine menschliche Macht auf die Laͤnge aufhalten kann.

Der Griechische Gesandte am Madrider Hofe, Graf An⸗ drea Metaxa, war, Nachrichten aus Malta vom 6. April zu⸗

e.

on vor kurzem noch fuͤr jetzt auf 30 Pfd. Sterl.

folge, auf dieser Insel angelangt.

Ein hiesiges Handlungshaus macht in der Times Folgendes

bekannt: „Die Capitaine der drei letzten Schiffe, die mit La⸗ dungen fuͤr uns im vorigen Herst von der Donau ankamen, sagten uns, daß sie sowohl beim Ein⸗ als beim Auslaufen in jenem Flusse von Russischen Wachtboͤten angehalten, daß ihre Papiere verlangt, von Russischen Beamten unterzeichner wor⸗ den und sie solche nicht haͤtten wieder erhalten koͤnnen, ohne zu⸗ vor einige Spanische Piaster zu zahlen, weil dies mit Hinsicht

auf alle die Donau befahrende Schifse gebraͤuchlich sey. Einer dieser Capitaine sagte weiter aus, er habe seine Mannschaft ans Land schicken wollen, um laͤngs des Russischen Ufers, da es an Wind gemangelt, das Schiff stromaufwaͤrts zu ziehen, wie es allgemein zu geschehen pflegt; allein Russische Kofaken haͤtten diesen Leuten ihre Lanzen auf die Brust gesetzt und gedroht,

sie in den Fluß zuruͤckzutreiben, wenn sie nicht an Bord führen.

s jedoch der Capitain eine Kanone geladen und ge⸗ droht habe, auf die Kosaken zu feuern, falls sie seine keute nicht in Frieden ließen, hatten diese davon abgelassen. chiffen unter anderer als Britischer Flagge wuͤrde es ungehin⸗ dert Pstattet, sich auf dem Russischen Ufer ziehen zu lassen. Eine Darstellung aller dieser Umstaͤnde, von der Declaration eines dieser Capitaine begleitet, sandten wir am 8. Dezember an das auswaͤrtige Amt und erhielten aus demselben unterm Ulten vigende Antwort: „„Ich bin von Visc. Palmerston beauf⸗ tragt, Ihnen zu melden, daß ohne Zeitverlust die Aufmerksam⸗ 9 is Botschafter Sr. Maj. in St. Petersburg und Konstan⸗ nopel auf die beiden in Ihrem Schreiben erwaͤhnten Punkte Leienkt worden ist, naͤmlich: die Seitens der Russischen Behoͤrden

tnd die Zoͤge⸗

nden schiffung der Donau und rungzu Konstant nopel im Ertheilen von Fermanen fuͤr Ihre Schiffe insosern diese Punkte resp. die Koͤniglichen Botschafter in beiden vauptstäͤdten angehen. Ich bin u. s. w. J. Ba khouse.““ LEELE1“ welches, direkt nach Konstanti⸗ persc S mnt, am 25. Jebruar Plymouth verließ, ist ganz hollen, und man fuͤrchtet, daß es unterweges von einem nglack betroffen worden. vur nagis die Rede davon, eine National⸗Subscription fuͤr eine pebitiontersuchung von Suͤd⸗ und Mittel-Afrika bestimmte Ex⸗ 5 nen. rshdove sollen die unbekannten Gegen⸗ Sassin u hen Litaku M ondgebirge, in welchen sich das Es ist Leicht die Auelle der Zaire befindet, erforscht werden. p. gossen, daß die Expedition vom Vorgebirge nen⸗See Poffuung ausgehen und sich üͤber den großen Bin⸗ u baß Ischad einen Weg bis an die Nordkuͤste von Afrika Pnen versuchen soll. ces b- ist hiet angekommen, wel⸗ voliomnen den Vergleich mit dem in England verfertigten ler als en aushaͤlt, sondern auch an Ort und Stelle wohlfei⸗ jeses zu stehen kommt. G

à Mdoerlklanbde. det Eöndem Haag, 2. Mai. In dem Gefolge Ihrer Maj. ie Hofn gin waͤhrend ihres Aufenthalts in Berlin befinden sich rendame Grän Baroninnen von Estorss und von Goltz, die Eh⸗ nouckaert 1nn von Oultremont, der Ober⸗Mundschenk Baron ten Enouch an Schauburg und der Koͤnigl. Kammerherr Ba⸗ dem Nam⸗ gert van Schauburg. Ihre Majestaͤt reisen untern en einer Graͤfin von Kamentz.

Vorgestern ist hier der Koͤnigl. General⸗Lieutenant van Doorn im 78sten Jahre seines Alters mit Tode abgegangen. Am 28sten v. M. starb die Graͤfin Elisabeth von Limburg⸗Sti⸗ rum, Hofdame Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Prinzessin von Oranien.

Der beruͤhmte Virtuose, Herr Kalkbrenner, ist hier einge⸗ troffen und wird hier Konzerte geben.

Schweden und Norwegen

Stockholm, 29. April. Se. Maj. haben den Landes⸗ Hauptmann im Skaraborgschen Lehne, C. Gillenhaal, auf vier Jahre zum Vorsitzenden der Gesellschaft und der Direction des Goͤta⸗Kanals ernannt.

Am Montag hielten Se. Majestaͤt ein außerordentliches Conseil, an welchem auch der Norwegische Staatsrath Theil nahm. Bisher haben nur solche juͤngere See⸗Offiziere, die in Englischen Seedienst eingetreten, auf Verlangen, Reise⸗Stipen⸗ dien erhalten. Gegenwaͤrtig hat jedoch der Koͤnig verfuͤgt, daß auch See⸗Offizier«, die in den Kriegsdienst einer anderen be⸗ freundeten Seemacht eintreten, zu solchen Stipendien vorge⸗ schlagen werden duͤrfen.

Die vorgeschlagene Dampfschifffahrt zwischen Stockholm Wisby hat die Koͤnigliche Genehmigung erhalten.

Wie die Statstidning meldet, sind dieser Tage Proben Runkelruͤbenzucker, in Gestalt theils von Rohzucker, theils Raffinade und Candis, aus Stettin, in dessen Naͤhe meh— Fabriken der Art angelegt worden, hierher gekommen und Maj, so wie dem Kronprinzen, dem Kommerz⸗Kollegium, Akademie der Wissenschaften und mehreren Privat⸗Perso⸗ üuͤberreicht worden.

und

von von 1e8 der

nen

C11 Frankfurt a. M., 30. April. (Braunschw. Nat. Ztg.) Der von Darmstadt kommende Eilwagen wurde in der Ge— gend von Arheiligen (zwischen Dar nstadt und Langen) vor einigen Tagen durch Leute von sehr verdaͤchtigem Aussehen an⸗ gefallen, die von den im Hinterwagen sitzenden beiden Passagie⸗ ren mit Dringlichkeit forderten, aufgenommen zu werden. Auf deren Ruf kam jedoch der Conducteur herbei, dem es auch mit Huͤlfe der Reisenden gelang, sich der Person eines der Angrei⸗ fer zu bemaͤchtigen, der hierauf gebunden und auf der Station Langen an die Behoͤrde abgeliefert wurde.

Der Wachsamkeit unserer Sicherheits⸗Polizei ist es gelun⸗ gen, den Urheber des vor etwa vierzehn Tagen an den Gene—⸗ ral⸗Lieutenant Bruges zu Paris veruͤbten Diebstahls, den die Franzoͤsischen Blaͤtter als dessen Bedienten, Namens Shouverin, bezeichneten, zu entdecken und in gefaͤngliche Haft zu bringen. Derselbe war, mit einem regelrechten Passe, worin er Adler ge⸗ nannt wurde, versehen, hier angekommen und hatte bereits ein Privat⸗Logis bezogen, als die Behoͤrde durch einen von Paris hierher entsandten Agenten von seiner muthmaßlichen Anwesen⸗ heit in unserer Stadt benachrichtigt ward. Nicht lange waͤhrte es, so befand sich derselbe in den Haͤnden der ihn zu erspaͤhen beauftragten Polizei⸗Offizianten, die sich seiner bemaͤchtigten, als er eben einen auf der Briefpost fuͤr ihn poste restante ange⸗ kommenen Brief in Empfang nahm. Die Identitaͤt der Per⸗ son wurde mit Huͤlfe des vorerwaͤhnten Agenten sofort außer Zweifel gesetzt, auch war derselbe des von ihm veruͤbten Ver⸗ brechens alsbald geständig, zu dessen Begehung er durch die Nachlaͤssigkeit seines Herrn, der beim Ausgehen den Schluͤssel des Geldschrankes niemals abgezogen, verleitet worden zu seyn behauptete. Von der entwandten zum Betrage von 69,000 Fr. angegebenen Summe fanden sich noch etwa 56,000 Fr. vor. Das Fehlende war, nach Angabe des Uebelthaͤters, von ihm an den Pariser Spielbanken verloren oder zur Bestreitung der Reisekosten verwandt worden, die um so betraͤchtlicher gewesen, da er sich, um durchzukommen, fremder Mithuͤlfe hatte bedienen muͤssen.

87

Konstantinopel, 13. April. (Schles. Ztg.) Unter den Diplomaten herrscht fortwaͤhrend die groͤßte Lebhaftigkeit; Couriere folgen sich in kurzen Zwischenraͤumen von und nach Paris, London und St. Petersburg. Man erwartet eine Englische und eine Franzoͤsische Flotte in den Tuͤrkischen Gewaͤs⸗ sern und auch eine Russische wird sich naͤchsten; aus dem Nor— den auf den Weg machen, um ebenfalls im Mittellandischen Meere zu stationiren. Es heißt, die Ottomanische Flotte, welche An—⸗ stalten getroffen hatte, die Dardanellen zu passiren, habe Gegenordre erhalten. Das Geruͤcht von einer Veraͤnderung in der Person des Griechischen Gesandten hier hat kein Gewicht mehr. Hr. Zographos scheint bleiben zu sollen. Ob dieses aber politisch ist, moͤchte man nicht behaupten, da dieser trotz seines Talentes und ehren⸗ werthen Charakters bis jetzt eine Annaͤherung und Ausgleichung der Differenzen zwischen seiner Regierung und der Pforte durch— aus nicht zu Stande bringen konnte; die Sachen stehen noch auf ihrem alten Fuße. Wie man uns aus Syra vom 4ten d. M. meldet, wird Koͤnig Otto die beabsichtigte Reise nach Deutschland erst in der ersten Haͤlfte des Monats Mai antre⸗ ten und also vor dem Ende desselben Monats oder Anfangs Juni nicht in Muͤnchen eintreffen. Gestern soll die Pforte Nachrichten aus Bosnien erhalten haben, wodurch die dortigen Unruhen nicht so unbedeutend geschildert werden, als man bis⸗ her meinie. Es ist ein großes Ungluͤck fuͤr die Pforte, daß sie nie zur Ruhe kommen kann. Wenn sie bisher genoͤthigt war, ein wachsames Auge und die groͤßte Vorsicht der Graͤnze Syriens zuzuwenden, so erforderte doch der Zustand der diplo

matischen Verhaͤltnisse zwischen Rußland, England und Frank— reich sich auch fuͤr andere unvorhergesehene Faͤlle in Bereitschaft

zu setzen, und nun sollen nothwendigerweise auch Streitkraͤfte nach Bosnien geschickt werden! Wie soll die Pforte dies alles und ewig erschwingen? und wie soll bei solchen Verhaͤltnissen die Russische Contribution bezahlt werden, was doch England und Frankreich so sehr zu wuͤnschen scheinen? Gaͤben sich diese bei den Maͤchte mit der jetzigen Sachlage des Ortents zufrieden, so koͤnnte die Pforte sich weit leichter bewegen, auf ihre Finanzen und die innere Organisation uͤberhaupt mehr Kraft verwenden und somit immer mehr innerlich erstarken und damit den Grund zur groͤßeren Selbststaͤndigkeit legen, so aber geschieht das Ge⸗ gentheil, und man moͤchte schier glauben, dies sey der Zweck der Franzoͤsisch⸗Englischen Politik.

Das Journaldela Hay eenthaͤlt nachstehendes Schrei⸗ ben aus Konstantinopel vom 6. April: „Die Raͤumung Silistria's unter den bekannten fuͤr die Pforte sehr guͤnstigen Bedingungen hat von Seiten der Tuͤrkei ein Zugestaͤndniß zur Folge gehabt, das von der hoͤchsten Wichtigkeit ist. Der Arme nische Ober Patriarch hat bekanntlich seinen Sitz in Etschmtadsin also in dem Theile von Armenien, der vor wenigen Jahren mit Rußland vereinigt wurde. Die Pforte hat nun darein gewilligt,

daß dieses Oberhaupt der Armenischen National⸗Kirche, obgleich

—y=

es Unterthan eines fremden Landes geworden, dennoch dieselbe hoͤchste Gewalt uͤber den Patriarchen und alle uͤbrige Geistli⸗ chen seiner Glaubens⸗Partei ausuͤbe, wie zu der Zeit, wo der⸗ selbe Persischer Unterthan war. Rußland hat bei dieser Gele⸗ genheit wohl nur eine fuͤr dasselbe in der Natur der Sache lie⸗ gende Verpflichtung ausgeuͤbt, in dem es die Einheit der geistlichen Verwaltung unter dem Armenischen Volke herzustellen suchte; da jedoch der Einfluß des Armenischen Ober⸗Patriarchen sich nicht darauf beschraͤnkt, in Angelegenheiten der Disziplin und des Glaubens zu entscheiden, so hat diese Anordnung hier großes Aufsehen gemacht.“ 1 „Die verschiedenen Kabinette Europas koͤnnten sich leicht uͤber alle die Punkte, welche jetzt zu Diskussionen und Eifersucht Anlaß geben, verstaͤndigen, wenn sie den Sultan in eine Lage versetzten, die ihn gleich unabhaͤngig von Allen machte. Denn was man auch sagen moͤge, es ist gewiß, daß die Fortdauer des status quo in kurzem eine Umwaͤlzung im Ottomanischen Reiche herbeifuͤhren muß, die alle große Maͤchte zwingen wuͤrde, irgend eine Partei zu ergreifen, da man die Resultate derselben weder zu berechnen noch zu leiten im Stande seyn wuͤrde. Die auf⸗ geklaͤrteten Personen sind der Meinung, daß in Jahres⸗ frist entweder der Sultan oder Mehmed Ali gestuͤrzt ist, und daß die von allen Seiten ausgesprochene Neigung, den Frieden zu erhalten, es nicht werde verhindern koͤn⸗ nen, daß die Ruhe Europas hier wieder gestoͤrt wird. In diesem Falle wird der Sultan entweder von Rußland oder von Frankreich und England unterstuͤtzt, und die fortwaͤhrenden Eingriffe des Pascha's werden bald das Schicksal des Reiches 8 Entscheidung bringen. Den hier eingegangenen offiziellen Nachrichten zufolge, behauptet Mehmed Ali, er sey dazu berech⸗ tigt, das linke Euphrat⸗Ufer zu uͤberschreiten und die seiner Re⸗ gierung seindlichen Araber⸗Stäͤmme zu bekaͤmpfen; ja, er giebt auf die unzweideutigste Weise die Absicht zu erkennen, sich zum Herrn der Schifffahrt auf diesem Strome zu machen, indem er sich auch an anderen Orten festsetzt, nachdem er sich im Winter des Ortes Daer im Paschalik Orfa, das dem Sultan gehoͤrt, bemaͤchtigt und ihn befestigt hat. Um sich England geneigt zu machen, hat er in Syrien das Seiden⸗Monopol abgeschafft und dafuͤr eine uͤbermaͤßige Abgabe eingefuͤhrt, die ihm zwar eben so viel einbringt, aber mit den bestehenden Vertraͤägen und dem be⸗ kannten Großherrlichen Ferman nicht im Widerspruche steht. Die Armee des Pascha's ist zahlreich, aber der Sold der Truppen ist immer funfzehn Monate im Ruͤckstande, um im Falle eines neuen Kampfes mit dem Sultan als ein Unterpfand ihrer sehr zweifelhaften Treue zu dienen. Die Nachrichten von seinen Un⸗ faͤllen in Hedschas sind durch die aus jenem Lande einge⸗ gangenen offiziellen Berichte vollkommen bestaͤtigt worden. Der Sultan wird den Kampf nicht beginnen, ohne ei⸗ nige Verbuͤndete zu haben, die ihn im Nothfalle un⸗ terstuͤtzzen, und alle Vorbereitungen zum Kriege, die hier getroffen werden, muͤssen als von dieser Bedingung abhäͤngig angesehen werden, es sey denn, daß der Krieg nicht in Folge neuer fuͤr die Pforte unertraͤglicher Usurpation des Pascha's ausbreche.“ „Die uͤrkische Flotte, aus 20 Segeln bestehend, worunter 7 Linienschiffe und §8 Fregatten ersten Ranges, ist von neuer ausgeruͤstet und befindet sich im Bosporus. Eine andere Fre⸗ gatte wird im Arsenal segelferti gemacht, und der Kapudan⸗ Pascha wird in kurzem mit 12 Segeln, wie man sagt nach Tri⸗ polis, abgehen. Seitdem diese entlegene Besitzung unter die direkte Verwaltung der Pforte gekommen, ist sie bestaͤndig der Schauplat von Unordnungen gewesen, die von den an Anarchie gewoͤhnten Arabern begangen werden, welche sich keiner regelmaͤßigen Herrschaft unterwerfen wollen. Der Kapudan⸗Pascha, dessen Energie auf Samos so gluͤckliche Resultate herbeifuͤhrte, ist daher wohl am geeignetsten, jene barbarische Bevoͤlkerung zu unterwerfen. D

3 Die Abreise des Groß⸗Admirals zu dieser Expedition ist wohl ein hinreichender Beweis, daß man keine Ereignisse erwartet, die seine Gegenwart hier innerhalb mehrerer Monate nothwendig machten.“ „Die religioͤsen Ceremonien der Vermaͤhlung der Prinzes⸗ sin Mihrmah mit Said⸗Pascha sind heute mit der groͤßten Pracht im alten Serail vollzogen worden. Der Kisler⸗Aga oder Chef der schwarzen Eunuchen revpraͤsentirte dabei die erlauchte Braut, welche nach der Orientalischen Etikette von den Festlich⸗ keiten der Vermaͤhlung und von der Freude, welche dieselben erregen, nicht eher Zeuge seyn darf, als bis sie in ihren schoͤnen Palast eingefuͤhrt ist. Erst dann, und wenn die Pfor⸗ ten des Harems sich hinter ihr geschlossen haben, darf dee Prin⸗ zessin sich ihrem Gemahl zeigen. Die praͤchtigen vom Seras⸗ kier uͤbersandten Geschenke wurden heute Morgen zu den Fuͤßen des Kisler⸗Aga niedergelegt. Der Scheich Islam ließ sich nebst den beiden Kasit-Askern oder Ober⸗Richtern von Rumenen und Anatolien und mehreren TChefs Ulemas die mit Perlen und Gold verzierten Sophas die das große Gemach schmuͤcken, welches zur hung der ersten feierlichen Gebraͤuche bestimmt ist rl mit den schoͤnsten Blumen oder mit den ausgesuchtesten Tonf turen, Vasen von Chinesischem Porzellan mit Sorbet und an deren aus den schoͤnsten Fruͤchten bereiteten Getraͤnken wurden nach einander durch 150 elegant gekleidete jsunge Pagen herb gebracht. Endlich kamen diejenigen, welche die Ehre haben, die Parfuͤms und diejenigen Kleidungsstuͤcke zu tragen, die Prinzessin im Bade bedient. Alles, was die Einb kraft sich an reichen Stoffen und schoͤner Arbeit, an Perle steinen, die auf den Kleidern wie die Sterne an dem Azur des Himm glaͤnzten, sich vorzustellen vermag, war hier im Ueberfius vorhande Ihr Glanz wurde nur von dem Nischan oder dem Pfand S. einem kostbaren Diamanten⸗Schmuck, uͤbertroffen, un

der

,b-R 2 2 727 4

1 *

Mufti seinen Segen uͤber dasselbe aussprach, wuͤnschte er d erlauchten Vermaͤhlten ein eben so glaͤnzendes Loos und er eben so unvergaͤngliche Vereinigung. Die Lustbarkeiten beg: nen erst am 2östen d. M., und bis dahin dleibt die Prinzes

noch in dem vaͤterlichen Hause.

Die Ceremonien des Kurda Bairam oder des Opferfestes wurden nach dem jeszigen Sebrau bereits in voriger Woche beendigt. Dies Fest hat nichts Auße ordentliches dargeboten; es dat seit Vernichtung der Janttsch ren fast all seinen Glanz verlöoren. Ehemals gaben die Fede

2 822 Q- 1

3 buͤsche der Janitscharen⸗Obersten, die reichen wa

.⸗

der und die Kaschemir Shawls diesem Schauspiele eine Pracht, welche mit dem setzigen einfachen militairischen Kostüäm anz verschwunden ist. Auch das Kriegsspiel Dscherrid oder De

velot ist mit dem Uedrigen abgeschafft worden

8

IJulsunb.

WMWS22 Ab. 2

den Allerhöͤchsten Landtags⸗Ab reitwilligkeit der Staͤnde der 3 einer mit dem Schullehrer Semmnar zu P

un Praereee 32 Imnchtung

1 * eosen m Verbendang

988—8

zu dringenden Taubstummen⸗Anstalt wohlgefallig anzuerkemmes