1836 / 248 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

der Nation seibst, wie bei jeder spaͤteren Nat onal⸗Frage in Spanien, durch Mangel an Einigkeit und Kraft verhindert wurde. Ob der gegenwaͤrtige Kampf eine Ausnahme machen und eine neue Aera beginnen wird, läßt sich unmoͤglich vorhersagen; allein wir glauben, daß die Warnung: Ne acvçesscris in concilium, antequam voce:- risee sich wenigstens eben so gut auf Buͤrgerkriege, als auf friedlichere Gegenstaͤnde anwenden laͤßt.“ b

Die Times enthaͤlt in ihrem heutigen Boͤrsen⸗Bericht folgenden Artikel: „Gestern ging allgemein das Geruͤcht, es sey dem Lord Palmerston der Wunsch des Koͤnigs der Franzosen, von der Quadrupel⸗Allianz auszuscheiden, offiziell not fizirt wor⸗ den, und dies habe zu einer lebhaften Korrespondenz zwischen der Britischen und Franzoͤsischen Regierung Anlaß gegeben.“ Die ministeriellen Abendb atter enthalten nichts hicruͤber und nehmen von dem Artikel der „Times“ keine Notiz.

Es sind Briefe aus Athen bis zum 29. Juli hier einge⸗ gangen. Wegen der bestaͤndigen Diebstahle hatte der Gemeinde⸗ Rath von Athen die Einfuͤhrung einer National⸗Garde beschlos⸗ sen, was der Regierung mißfallen haben soll. Der „Sotir“, dessen Redacteur am 3. Juli von vier Unbekannten angefallen worden, von denen sich einer in das Haus des Obersten Grivas haben soll, schrieb fortwäͤhrend gegen die Regierung und

atte sich deshalb mehrere Prozesse zugezogen. Das Volk be⸗

kuͤmmerte sich sehr wenig um dieses Treiben, denn die Getraide⸗ Aerndte war sehr gut gewesen, Wein und Oel versprachen die reichlichste Ausbeute, es wurde fortwaͤhrend gebaut, und das Tage⸗ lohn war hoch.

Nach Berichten aus Buenos⸗Ayres vom 3. Juni hatte die dortige Regierung die National⸗Bank aufgeloͤst. Die Plata⸗ Staaten waren vollkommen ruhig; das Verdienst hiervon wird dem General Rosas beigemessen.

. 8 . 8 GMG“ zu entscheiden, deren Loͤsung unter

1 8 Niederland e. v Aus dem Haag, 30. Aug. Heute ist der Koͤnig von hier nach dem Loo zuruͤckgekehrt. Der Preußische Justiz⸗Minister, Herr von Kamptz, ist nebst Familie hier eingetroffen und in dem Hotel Bellevue ab⸗ gestiegen.

Schweden und Norwegen. ckholm, 30. Aug. Nachdem dem General⸗Zoll⸗Direktor

Grafen A. Posse zur Fortsetzung seiner am 24. Juli begonne⸗ nen Inspections⸗Reise eine weitere Amtsentledigung bis zum 8 Okt. bewilligt worden ist, haben Se. Koͤnigl. Majestaͤt verordnet, daß der Präͤsident des Reichs⸗Kammergerichts, af Billbergh, mit der Verwaltung des Ober⸗Zoll⸗Direktor⸗Amtes bis dahin fort⸗ fahren solle.

In Landskrona sind am 17. August Deputirte von den Schonischen Staͤdten zusammengetreten, um wegen der Bildung einer Wirtwen Pupillen⸗Kasse fuͤr die Beamten der Schonischen Staͤdte zu berathschlagen. 8 Wegen Einrichtung einer Provinzial⸗Bank in Ost⸗Gothland, hat der Landeshauptmann, Freiherr Palmstjerna, alle Diesentgen, welche eine solche fuͤr vortheilhaft halten und dazu durch Rath und That beitragen wollen? zu einer am 5. Okt. auf dem Schlosse in Linkoͤping zu halte Persammlung eingeladen.

Daͤn l.

Kiel, 30 Aug. Se. Durch Landgraf Friedrich zu Hessen ist nicht bloß zum Statth er Herzogthuͤmer und zum Ober⸗Praͤsidenten der Schleswig⸗Holsteinschen Regierung, sondern auch zum Feldmarschall der Daͤnischen Armee ernannt worden. Außer dem Chef der Danischen Armee, Feldmar⸗ schall Landgraf Friedrich zu Hessen, besteht die Generalitaͤt der⸗ selben jetzt aus zwei Generalen, Ihren Koͤnigl. Hoheiten den

rinzen Christian und Ferdinand zu Daͤnemavk, drei General⸗ Lieutenants, von Kirchhof, von Vuͤlow und von Castonnier, und zwoͤlf General!⸗Majors. Außerdem sind noch sieben Gene— rale verschiedenen Ranges in der Suite der Armee oder auf Wartegeld. 4

Am heutigen Tage soll in Schleswig die Beisetzung der Leiche Sr. Durchl. des Landgrafen Karl erfolgen. Eine Batterie der Holsteinischen Artillerie⸗Brigade, ein Bataillon des Olden— burgischen und ein Bataillon des Schleswigschen Infanterie⸗ Regiments bilden das milttairische Gefolge, und zwoͤlf Majors tragen die Leiche. Von der hiesigen Universitat sind die Dekane der vier Fakultaten abgesandt, um dem Leichenbegaͤngnisse bei⸗ zuwohnen. Der Verstorbene war von der hiesigen Universitaͤt zum Doktor in allen vier Fakultaͤten ernannt worden.

Am 28sten d. starb in Rendsburg der Kommandant, Oberst W. von Bille.

Schleswig, 29. Aug. Der Franzoͤsische Gesandte am K. Danischen Hofe, Baron v. Talleyrand, hat von seiner Re⸗ gierung den Auftrag erhalten, jeder der beiden in Schleswig wodnenden Schwestern des bei dem Atrentat vom 28. Jult v. J. in Paris getoͤdteten National⸗Gardisten Friedrich Chri⸗ stian Andr. Benekter, eines gebornen Schleswigers, die Summe von 12.0 Fr. als einen Beweis der Theilnahme der Franzoͤsi⸗ schen Regierung an dem von ihnen erlittenen Verlust auszahlen u lassen. Die Zahlung dieser 2409 Fr. ist durch beigefuͤgte Wechsel auf Altona bereits erfolgt. Benetter hatte seine Fami⸗ lie stets redlich nach seinen Kraͤften unterstuͤtzt; sie verlor in ihm einen wichtigen Beistand. Das Vertrauen auf die Franzoͤsische Großmuth, die sich in den von der Deputirten⸗Kammer im Au⸗ gust v. J. votirten Pensionen fuͤr die Angehoͤrigen der Geblie⸗ benen kund gab, ermuthigte auch die verlassenen Geschwister, ih⸗ ren herben Verlust dem Koͤnige der Franzosen in einer Bitt⸗ schrift zu schildern. Nachdem durch die Gesandtschaft und die hiesigen Landes⸗Behoͤrden die Wahrheit der vorgetragenen Um⸗ staͤnde bestaͤtigt worden, sind die Schwestern durch jene Gabe erfreut worden, welche durch die Zartheit des ausgesprochenen Motevs und durch die darin beurkundete Humanitaͤt einen dop⸗

ster des Kurprinzen Regenten von Hessen, deren Gesundheits⸗

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suchte er um die Einwilligung der Gemeinde nach, den Weg etwas umzuleiten, und laͤßt jetzt nach dem Gerippe graben. In einigen Tagen wird in Derneburg der Besuch des Naturforschers Grafen von Muͤnster aus Bayreuth, des Mitarbeiters am Gold⸗ fußschen Werke uͤber die Petrefakten, erwartet, und waͤhrend seiner Anwesenheit soll die Ausgrabung mit groͤßter Sorgfalt betrieben werden.

Von der schoͤnsten Witterung beguͤnstigt, haben die Wett⸗ rennen in Celle in diesen Tagen fortgedauert. Bis zum vor⸗ gestrigen Tage waren 1238 Fremde angezeigt, welche auf einen Tag oder mehrere, um an der seltenen Festlichkeit Theil zu neh⸗ men, dort verweilten.

Schwerin, 2. Sept. Wegen des Ablebens Sr. Durch⸗ laucht des Landgrafen Karl von Hessen Kassel hat der Großher⸗ zogliche Hof vom 28sten v. M. an auf 14 Tage in zwei Ab⸗ stufungen Trauer angelegt.

Kassel, 1. Sept. Se. Hoheit der Kurprinz und Mit⸗ regent hat den Kriegs⸗Minister, General⸗Major von Hesberg, unter Verleihung des Charakters als General⸗Lieutenant in der Suite der Armee, in den Ruhestand versetzt und dagegen den bisherigen Commandeur der 2ten Infanterie⸗Brigade, General⸗ Mazjor von Loßberg, zum Kriegs⸗Minister ernannt.

Dresden, 3. Sept. Gestern Abend sind Se. Maj. der Koͤnig Otto von Griechenland, unter dem Namen ei⸗ nes Grafen von Missolunghi, von Muͤnchen hier angekommen und im Hotel de Saxe abgestiegen. Im Gefolge Sr. Maj. befinden sich der Adjutant Graf Saporta und die Oberst⸗Lieute⸗ nants Mauromichalis und Mulis. Auch Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog von Oldenburg nebst Gemahlin und Familie trafen gestern Abend, von Franzensbrunn kommend, hier ein und stiegen im Hotel de Pologne ab.

Weimar, 30. Aug. Eine Bekanntmachnng der Großh. Landes⸗Direction vom 11. August d. J. bringt den Bundes⸗ Beschluß vom 5. Juli 1832 in Erinnerung, wonach keine, in einem nicht zum Deutschen Bunde gehoͤrige Deutsche Zeit— schrift oder sonstige Druckschrift politischen Inhalts unter 20 Bogen in einem Bundesstaate, ohne vorgaͤngige Genehmigung der Regierung desselben, zugelassen und ausgegeben werden darf, und setzt Folgendes hinzu: „Wir verwarnen zugleich diejenigen Unterthanen und Bewohner des Großherzogthums, welche briefliche Mittheilungen revolutionairen Inhalts empfan⸗ gen, daß sie solche nicht weiter mittheilen und verbreiten, indem wir hiermit die gemessenste Aufforderung zur Ablieferung dersel⸗ ben an die naͤchste Polizei⸗Behoͤrde des Großherzogthums, be⸗ zuͤglich unter Hinweisung auf ihre Unterthanenpflicht verbinden, damit sie dadurch den Verdacht der Billigung und Theilnahme von sich abwenden und gesetzliche Nachtheile vermeiden. Wer, dieser Verwarnung und Aufforderung zuwider, in Briefen enthaltene oder Briesen beigefuͤgte oder sonst ihm zukommende Mittheilun⸗ gen revolutionairen Inhalts, Mittheilungen von Handschriften, Briefen oder sonstigen Niederschreibungen, deren Inhalt Her⸗ abwuͤrdigung oder Abschaffung der bestehenden Staats⸗Verfas⸗ sung, Schmaͤhung der fuͤrstlechen Herrschaft, der Personen oder Familien des Landes⸗Regenten, des Deutschen Bundes und sei⸗ ner Verfassung in einer, direkt oder indirekt zur Auflehnung oder Empoͤrung gegen gedachte Verfassungen, Staats⸗Gewalten oder Personen auffordernden Sprache zum Gegenstand haͤtte, dennoch Anderen heimlich oder oͤffentlich mitzutheilen unterneh⸗ men sollte, statt solche an die ihm naͤchste, fuͤr Polizeisachen zu⸗ staͤndige Obrigkeit abzuliefern, wird es sich lediglich selbst zuzu— schreiben haben, wenn auf dem Wege, den die Gesetze den Obrigkeiten vorschreiben, nach Befinden gegen ihn, als gegen einen staatsgefaͤhrlichen oder hochverraͤtherischer Umtriebe ver—⸗ daͤchtigen Staatsgenossen, sollte vorgeschritten werden muͤssen.“ Meiningen, 24. Aug. Unsere Herzogin, juͤngere Schwe⸗

Zustand in den letzten Jahren so viele ernste Besorgnisse ein⸗ floͤßte, ist zur Freube aller Einwohner des Landes fast voͤllig wiederhergestellt. In diesem Jahre haben die Aerzte nicht ein⸗ mal fuͤr noͤthig befunden, daß sie wieder das Bad in Ems be⸗ suche. Sie hat bloß einen Theil des Sommers in unserem Bade zu Liebenstein zugebracht. G

Muͤnchen, 30. August. Ihre Koͤnigl. Hoheit die Frau Herzogin von Leuchtenderg ist Sonntag Abends mit IJ. DD. dem Prinzen Max und der Prinzessin Theodolinde, so wie Ih⸗ rer Hoheit der Frau Erbprinzessin von Hohenzollern Hechingen, im erwuͤnschtesten Wohlseyn wieder hier eingetroffen.

Auf der Reise von Parts nach Prag ist Se. Königl. Ho⸗ heit der Prinz von Salerno am 30. August in Bamberg an⸗ gekommen. Der Koͤnigl. Staatsrath und Bundestags⸗Gesandte, Herr v. Mieg, ist von Fronkfurt in Muͤnchen angekommen.

Vermoͤge Allerhoͤchster Entschließung vom 24. August wer⸗ den nunmehr auch bei der gesammten Infanterie die Jäaͤger⸗ Offiziers⸗Saͤbel statt des bisherigen Degens eingefuͤhrt. Zu— gleich wurde von Sr. Majzestaͤt dem Koͤnig verordnet, daß der Feldmarschall Fuͤrst Wrede den Degen beizubehalten habe, nach— dem dieser Feloherr von den Offizieren des Heeres einen Degen zum Andenken erhielt. Der Sabel wird von den Generalen, so wie von den Regiments⸗Inhabern, auch wenn diese nur Ober⸗ sten sind, an einer Schwingkuppel von Silberborten, mit zwei Streifen von hellblauer Seide durchwebt und von sammtlichen Stabs⸗ und Ober⸗Offizieren der Infanterie an einer Schwing⸗ kuppel von schwarz lackirtem Leder mit vergoldeten Beschlaͤgthei⸗ len getragen.

Das Programm zu dem diesjaͤhrigen Central⸗Landwirth⸗ schaftsfeste in Muͤnchen ist erschienen. Dieses Fest wird in die⸗ sem Jahre am 2. Oktober, als am ersten Sonntage in diesem Monzte, auf der Therestenwiese bei Muͤnchen gefeiert. Demsel⸗ ben werden nicht nur Se. Maj. der Koͤnig, sondern auch Se. Maj. der Koͤnig von Griechenland beiwohnen.

Aus der Werkstaͤtte Thorwaldsen's in Rom ist dieser Tage das Gyps⸗Modell zu der kolossalen Reiter⸗Statue Maximilianss I., Kurfuͤrsten von Bayern, fuͤr den Wittelsbacher Platz bestimmt, hier angekommen. Se. Maj. der Koͤnig haben befohlen, daß

pelten hohen Werth erhalten hat. Heutschland. 8

Hannover, 2 Sept. Der Koͤnigl. Preußische Gesandte am hiesigen Hofe, General⸗Major von Canitz, ist von Kassel hier angekommen.

In verflossener Woche wurden beim Vertiefen eines Brun⸗ nens zu Wartjzenstaͤdt, Amts Wohlden erg, sossile Ueberreste eines großen urweltlichen Thiers gefunden. Herr Dr. med. Schreiber sandte davon die Haͤlfte eines großen Stoßzahns an den Herrn Mintster und Erb⸗Landmarschall Grafen von Muͤn— ster zu Derneburg, welcher 88 werthvolle Sämmlung solcher

n jener Gegend ausgegrabener Ueberreste besitzt. Da der Herr Minister, der sich sofort an Ort und Stelle begab, aus der Lage des Zahns schloß, daß das Skelett des Thieres unter dem am Garten herlaufenden Gemeindewege verborgen seyn muͤsse, so

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diese Statuͤe von heute an bis naͤchsten Sonntag den 4. Sep⸗ tember zur Ansicht ausgestellt bleiben soll, wonach die Vorar⸗ beiten zum Guß dieser Statue beginnen werden.

Die Sitzungen der Bevollmaͤchtigten zur Errichtung von Eisenbahnen sind bereits geschlossen und damit die Errichtung

derselben positiv ausgesprochen.

Wiesbaden, 29. Aug. Dem Vernehmen nach kehrt Herr Regierungs⸗Direktor Magdeburg, der sich bei dem Zoll⸗ Vereins⸗Kongreß in Muͤnchen befindet, gegen die Mitte des naͤchsten Monats nach Wiesbaden zuruͤck. In ungefaͤhr 14 Ta⸗ gen sollen die Arbeiten des Zoll⸗Kongresses, von welchen viele nur vorbereitender Natur seyn und erst bei dem naͤchsten Kon⸗ gresse zur ernsteren Betrachtnahme kommen sollen, beendigt seyn.

Der Wein wird den Erwartungen nicht entsprechen, die man sich im Monat Juli davon machte. Die Witterung des Augusts war nicht anhaltend heiß genug, und wegen Mangels an Regen wurde sein Wachsthum auch zuruͤckgehalten. Von

dem vorzährigen Erwachs liegt noch viel auf Lager trotz des

großen Marktes, den unsere Weinbauer jetzt zum Absatz haben Von dem oft erwaͤhnten Schloßbau vernimmt man in Wien, baden noch nichts Gewisses; fuͤr dieses Jahr ist die Zeit wohl zu weit vorgeruͤckt.

Frankfurt a. M, 2. Sept. Von den in England ange, kommenen politischen Deutschen Fluͤchtlingen, welche in der Schweiz ausgewiesen und durch Frantreich gefuͤhrt wurden, sollen viele aus Mangel an Subsistenzmittela gesonnen seyn Dienst bei der Englischen Legion in Spanien zu nehmen. Un. ter diesen Flüchtlingen defindet sich auch Kaufmann (zulet Lohnbediente) Rottenstein von hier, dessen hier sitzender Brude neulich vom hiesigen Appellationsgerichte, politischer Vergehen wegen, zu mehrjaͤhriger Zuchthausstrafe verurtheilt wurde, wo⸗ gegen er appellirt hat.

Oe st evv ett

Wien, 31. August. Nachrichten aus Ofen zufolge, is Ihre Kaiserliche Hoheit die Frau Erzherzogin Maria Dorothen, Gemahlin Sr. Kaiserlichen Hoheit des Erzherzogs Palatinut, am 23. August Vormittags um 19 ¼ Uhr im Koͤniglichen Schlost daselbst, gluͤcklich von einer Erzherzogin entbunden worden. Tauß⸗ pathe waren Ihre Majestaͤt die Kaiserin, deren Stelle Ihr Kaiserliche Hohcit die Erzherzogin Hermine vertrat. geborne Erzherzogin erhielt die Namen Maria Henrica Ann⸗. Der gesammte Erzherzogliche Hofstaat Ihrer Kaiserlichen Hof heiten wohnte in Galla dem feierlichen Akte bei. Das Befie den Ihrer Kaiserlichen Hoheiten, der Frau Woͤchnerin und deß jungen Erzherzogin Maria ist, nach Beschaffenheit der Umstaͤnde fortwaͤhrend erwuͤnscht.

Der General Major Eugen Graf v. Wratislaw ist zun Feldmarschall⸗Lieutenant mit Zutheilung beim Hoftriegsrathe be foͤrdert worden.

Prag, herzoͤge Karl, Franz die meisten fremden men. Eine Menge Erzbischoͤfe, Bischoͤfe und Praͤlaten sind; gegen und zwar die Erzbischoͤfe von Ollmuütz und Lemberg, die Bischoͤfe von Budweis, Leitmeritz, Koͤniggraͤtz, Bruͤnn u. A. Kabinets⸗Couriere kommen haͤufig an und gehen wieder ah Die Wirren in Spanien geben viel zu deliberiren. Morge

31. Aug. Seit drek Tagen sind die Erg Karl, Maximilian und Ferdinand Este, dam

—nle beim Einzug wird ganz Prag auf den Beinen seyn. Da man die Equipagen und alles Andere schon gesehen hat, so ist es nu der Anblick des sehr geliebten Herrscher⸗-Paares, auf welche mehr als hundertausend Augen warten. Von dem Bilde, wer ches die Stadt mit ihren tausend und aber tausend Fahnen af allen Thuͤrmen und von allen Haͤusern herab darbietet, kan man sich schwer einen Begriff machen. Die Stadt gleicht von fim einem Hafen mit vielen Tausend Segeln und Wimpeln. Durch die Lielen Fremden verbreitet sich der Larm von der Cholern uͤberall hin. Die Furchtsamen reisen ab, und so wird die Fam kuͤnstig nicht mehr so stark ins Horn blasen. 2

Prag, 2. Sept. Ihre Majestaͤten der Kaiser und dᷓ. Kaiserin haben gestern frös vei dem schoͤnsten Wetter, in da Weise, wie es das schon vor einger Zeit ausgegebene Programm (s. Nr. 233 der Staats⸗Zeitung) bestimmte, den feierlichen Ein⸗ zug in diese Hauptstadt gehalten. Die Anrede, welche der Oberste Burggraf, Graf von Chotek, vor dem Koͤnigl. Schfosse in Boͤf⸗ mischer Sprache an Se. Majestaͤt hielt, laͤutet in der von der hiesigen Zeitung mitgetheilten Uebersetzung fotgendermaßen:

„Atterdurchlauchtigster, großmächtigster Katser und König, allen gnädigster Herr! Immitten des Jubels einer sänzen Nation, welcht diese glorreiche Antunft beglückt, trete auch ich mit dem Gefühle da höchsten Freude, au der Spitze der obersten K. K. Landes⸗Ofsfizien und des Guberniums, vor die gehreiligte Persen Ew. Kaiserl. Maje⸗ stät. Ew. Kaiserl. Majestät haben die Hauptstadt des Reichs ven⸗ lassen und Ihre getreuen Böhmen besucht, damit durch die Böhmu sche Königl. Krönung sowohl Ew. Majestät, als auch unserer aller gnädigsten Kaiserin und Königin, das gegenscitige alte Bam der Liebe und Ergebenheit zwischen dem Monarchen und deu Unterthanen noch fester geknuͤpft werde. Kaum ist ein Jant feitdem verflossen, wo alle Boöhmen sich der Anwesenheit En. Maäjestät und der erlauchten Gemahlin Ihrer Majestät der Kaiserin mehrere Wochen lang erfreuten, indem sie mit eigenen Augu jene hohe Froömmigkeit, unvergleichtiche Güte, Gerechtigkeit und Her⸗ ablassung gegen Alle schauten, welche Ew. Majestät höher als jeda andere Schmuck zieren und allen Unterthanen zugleich ihr Glück un das Wohl des Vaterlandes verbürgen. Vahr und aufrichtig ist dar⸗ um die Freude in allen Böhmischen Ganen hei diesem frierliche Willkommen eines geliebten Monarchen Geruhen Ew. Majestät dieser allgemeinen Bewegung der Herzen und Gefühle der Böhmen, Allergnädigst auch auf die Mitglieder der hiesigen Regierung Er Majestät herabzublicken, die sich glücklich schätzen, daß sie bisher al Organe der erhabensten Absichten und Sorgen des mildesten Seu— verains dienen durften und in tiefster Ehrfurcht ihre herzliche Wünsche einer glücklichen und langen Regicrung Ew. Majestät f Füßen legen.“

Prag, 30. Aug. Wir geben hier den Schluß des (gestern abgebrochenen) Programms uͤber das bei der Kroͤnung Sr. Majestaͤt des Kaisers als Koͤnigs von Boͤhmen zu beobach tende Ceremoniel:

„Sobald es zur Kommunion kommt, begeben Sich Seine Maze⸗ stät, bloß unter Vortretung des Oberst⸗Land⸗Hofmeisters mit dele Stabe, zwischen Allerhöchstihren assistirenden Bischöfen nach den Hochaltar, wohin zugleich der Oberst⸗Burggraf sich verfügt. Allao⸗ göchtdieselben knieen auf die oberste Altarsstufe, eine Stufe tiefa aber iniren die zwei Assistenten nieder; der ebeufalls niederknieende Klerus betet mit lauter Stimme das Confiteor und Seine Majesitl empfangen sodann von dem Konsekrator das Hochwürdigste und die Absolution, wozu der Hof⸗Ceremontar den Wein in den Kelch ein⸗ chenft.

6 Bei dem Empfange des Hochwürdigsten wird Sr. Majestät vol dem Oberst⸗Burggrafen und dem Oberst⸗Land⸗Hosmeister die gegen einander, jeuer zur rechten, dieser aber mit dem Stabe in der Han⸗ zur linken Seite des Altars knteen, ein Altartuch untergefalten. Wäͤh⸗ rend der Kommunion werden die Spitze des Schwertes des heiligen Wenzel, die Paniere und der Heroldsstab zur Erde gesenkt und 9 lange in dieser Lage belassen, bis Se. Majestät Sich wieder im Thront befinden, zu welchem Allerhöchstsie Sich nach dem Genusse des heill⸗ gen Abendmahls unter Vortretung des Oberst⸗Land⸗Hofmeisters mit dem Stabe, wie anch in Begleitung der assistirenden zwei Bischäft und des Oberst⸗Burggrafen begeben: Daselbst wird Sr. 1⸗ jestät von dem Oberstland⸗Kämmerer das von dem Stellvertreter des Vice⸗Land⸗Kämmerers dargereichte atlassene Käppchen, und von demt Obern⸗Burggrafen die Krone aufgesetzt. Der Herold bedeckt sich nun.

Allerhöchstdieselben kniren am Betschämel nieder und werden von dem mit dem Angesichte gegen Se. Majestät vor dem Altare ste⸗ henden Konsekrator, welcher mit ausgesetzter Iufel sich mittlerweile die Hände gewaschen hat, mit folgenden ohne Infel verrichteten Ge⸗ beten gesegnet: Omnipatens Deus, qui Te populi sui voluit ens⸗

Von wesentlichen Modificationen des Zoll⸗Vereins⸗Tarifs ist keine Rede.

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rectorem etc. dann: Concedatque Tibi contra omnes ete. und: Quatenus Te gubernacula regni tenente etc. 1

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Gesandten am Kaiserl. Hofe hier angekom

Das Hochamt geht nun zu Ende. Nach Ablesung des letzten Evan⸗ jums ertheilt der Konsekrator der feierlichen Segen, wobci man das deitte Mal die Kanonen auf den Stadtwällen löset und alle Glocken läu⸗ tet, zugleich aber die bisher geschlossenen Burgthöre öffnet, um bei dem erausgehen Sr. Majestät aus der Kirche dem harrenden Volke den nblick seines rechtmäßigen Erb⸗Königs in der Königl. Kleidung und mit der Königl. Krone auf dem Haupte zu gewähren.

Indessen nehmen Seine Majestät den Scepter in die rechte und den Reichs⸗Apfel in die linke Hand, und wenn Allerhöchstdieselben von dem Throne Sich erheben, legt der Konsekrator, der Klerus, die Oberst Landes⸗Offizicre und der anwesende Adel unter Trompeten und Pautenschall den Glückswunsch öffentlich ab. 8

in cben der Ordnung, in welcher man aus der St. Wenzels⸗ gapelle zum hohen Altar sich begeben hat, geht unn der Zug aus der Kirche vor sich, wobei die bis dahin am Eingange in das Pres⸗ boterium gestandenen sechs Arzieren⸗ und sechs Ungarischen Leibgar⸗ den zu beiden Seiten Se. Mazestät die Begleitung leisten.—

Bei der gegen den Huldigungssaal führenden Seitenthür, durch elche der Rückzug aus der Kirche geschieht, hleiben der Konsekrator, der sämmtliche Klerus und die zwei Königlichen Assistenten zurück. da Se. Majestät die Krone mit dem darunter befindlichen Käpp⸗ chen, den Scepter und den Reichsapfel nicht ablegen⸗ so tragen der Oberst⸗Burggraf, der Oberst⸗Landschreiber und der Oberst⸗Läandrich⸗ ler die leeren Polster und der Oberst⸗Land⸗Kämmerer nur die Tasse.

Seine Mjestät ziehen unter dem Pracht⸗Himmel und unter iben der Begleitung, mit welcher Allerhöchstdieselben Sich aus der Königl. Burg in die Dom⸗Kirche verfügt haben, über den von der Seitenhür der Dom⸗Kirche zum Huldigungs⸗Saale eigens hergestell⸗ ten zu beiden Seiten mit Trabanten⸗Leibgarden besetzten Weg in den eben genannten Saal und durch diesen in die Landstube, vor welcher der Erb⸗Thür⸗Hüter mit seinem Amts⸗Schlüssel stehit.

In diese Stube treten nur der Stell⸗Vertreter des K. K. Oberst⸗ Kämmerers und die zum Tragen der Köuigl. Insignien berufenen Oberst⸗Landes⸗Offiziere mit Seiner Majestät ein, welche Letztere aber nach Riederlegung des Schwertes, der Polster und der Schale in den roßen Saal zurückkehren, wo alle Uebrigen, die Seine Majestät begleitet haben, mit Einschluß der beiden Erb⸗Paniere versammelt

iben.

Erbthürhüter nimmt seine Stellung an der Landstuben⸗ thür. Die Garden der Begleitung bleiben gleichfalls im großen Saal urück und schließen sich daselbst den übrigen dort bereits unter der breiten Bühne, worauf die Königl. Tafel steht, aufgestellten Garden an.

Ein Posten der Arzieren⸗ und der Ungarischen Leib⸗Garde hält die in die Landstube führende Thür und auch von innen den Ein⸗ gang in den Saal, ecin Trabanten⸗ Doppelposten aber hält letzteren von außen besetzt. 1 8. 1

Der große Saal ist zur Krönungs⸗Tafel bestimmt. Diese wird auf einer mit rothem und weißem Tuche belegten Bühne unter Lei⸗ tung des Erb⸗Silber⸗Kämmerers gedeckt, über den Sessel Sr. Maj. ist ein Baldachin aufgerichtet, unter demselben ein T ürkischer Tep pich ausgebreitet. Zu der Königl. Tafel ist der Fürst⸗Erzbischof von Prag als der Konsekrator geladen. Der Erb⸗Küchenmeister führt die Auf⸗ sicht über die Art, die Speisen zu stellen Demselben und dem Erb⸗ Silber⸗Kämmerer geht der K. K. Oberst⸗ Küchenmeister sowohl in dieser seiner Eigenschaft, als auch in Vertretung des K. K. Oberst⸗ Silber⸗Kämmerers an die Hand. Sobald es zum Auftragen kommt, werden unter Vorlretung des Erbtruchsessen⸗Stellvertreters mit dem Amtsstabe die Speisen von jenem K. K. Kämmerer und ständischen Mitgliedern, welche der Stellvertreter des Erbtruchsessen hierzu ge⸗ sjaden hat mit Beihülfe K. K. Edelknaben unter Neben⸗Begleitung von Trabanten⸗Leib⸗Garden aufgetragen. h““

Der Obersi⸗Land⸗Hofmeister macht nun Sr. Mazestät die Mel⸗ dung; Allerhöchstdieselben lassen Sich die Köuiglich Böhmische Krone von dem Oberst⸗Land⸗Kämmerer, welcher sie vorhin in der Land⸗ siube von dem Haupte Sr. Majestät abgenommen hat, sammt dem Käppchen wieder aufsetzen und verfügen sich unter Vortritt des Oberst⸗Land⸗Hofmeisters mit dem Stabe des Herolds und des Oberst⸗ Landmarschalls mit dem aufrecht gehaltenen Schwerte des heiligen Wenzel, wie auch unter Vortragung des Reichsapfels, des Scepters und des für die Krone bestimmten Polsters in den Speisesaal. Alda waschen Allerhöchstdieselben Sich die Hände, wozu der Erb⸗ Vorschneider das von einem K. K. Edelknaben demselben eingehändigte Becken unterhält und das Wasser aufgießt, der Oberst⸗Land⸗Hofmeister aber das von dem Erb⸗Silber⸗Kämmerer empfangene Handtuch dar⸗ reicht. Der Oberst⸗Land⸗Hofmeister rückt den Sessel, Se. Majestät lassen Sich unter Trompeten⸗ und Paupenschall zur Tafel nieder. Der Oberst⸗Land⸗Kämmerer nimmt’ die Krone ab und übergiebt dieselbe dem Stell⸗Vertreter des Erb⸗Mund⸗Scheufen, der sie auf den kleinen uͤr rechten Seite Seiner Majestät vorbereiteten Tisch, worauf man on vorläufig das Schwert des heiligen Wenzel, den Reichs⸗Apfel, den Scepter und den für die Krone bestimmten Polster gelegt hat, hinstellt. e Insignien trägt der Oberst⸗Land⸗Kämmerer,

Ueber dies

und sobald sich dieser zu seiner Oberst⸗Landes⸗Offizier⸗Tafel begiebt,

der Stell⸗Vertreter des Vice⸗Land⸗Kämmerers die Aufsicht. Der Konsekrator spricht unter Assistirung des Hof⸗Ceremoniars des Bene- dicite und setzt sich ebenfalls nieder. Der Erb⸗Küchen⸗Meister über⸗ reicht Seiner Majestät unter einer tiefen Verbeugung das Verzeich⸗ niß der Speisen und die Tafel⸗Musik heginnt. Ihre Majestät die Kaiserin und die übrigen höchsten Herrschaften befinden Sich, wie bei der Huldigungs⸗Feierlichkeit auf der dekorirten Tribunc.

Beim Anfang der Tafel warten Sr. Maj. die Oberst⸗Landes⸗ Offiziere, die ständischen Deputirten von Mähren und Schlesien und der K. K. Hofstaat auf. 1

Der Oberst⸗Land⸗Hofmeister mit dem Amtsstabe stellt sich hinter den Sessel Sr. Maj., links an denselben reiht sich der Erb⸗Hofmei⸗ sir ebenfalls mit dem Amtsstabe. Zu beiden Seiten gleichfalls rück⸗ wärts des Sessels Sr. Maj. steben die Garde⸗Capitaine und der Ge⸗ neral⸗Adjutant, zur rechten Seite Sr. Maj. steült sich der erste K. K. Oberst⸗Hofmeister mit den übrigen Oberst⸗Hofämtern und dem Stell⸗ vertreter des K. K. Oberst-Kämmerers auf der linken Seite je⸗ doch unter der Bühne der Stellverkreter des Erbtruchsessen mit dem Amtsstabe, und links neben denselben der Erb⸗Küchenmeister, welche Beide bis zu Ende der Königl. Tafel aufwarten.

Die Erbpaniere stellen sich mit den Landesfahnen, und zwar jener des Herrenstandes unter der breiten Bühne rechts, und ihm ge⸗ enüber jener des Ritterstandes auf. Der Herold stellt sich zur echten des Erbpaniers vom Herrenstande. 1 1

Der Stellvertreter des Erbmundschenken schenkt Sr. Majestät ein, und der Erbvorschneider schneidet vor; bei dem mitspeisenden Fürst.⸗ Erzbischofe von Prag verrichtet beides ein auf Allerhöchsten

efehl vom Oberst⸗Burggrafen benanntes Mitglied des Ritterstandes.

Bei dem ersten Trunke Sr. Majestät werden die Kanonen ge⸗ löst, und begeben sich die Oberst⸗Landes⸗Offiziere mit den von ihnen geladenen Gästen zu ihren zwölf Tafeln. Diese sind unter der Bühne zu beiden Seiten der Königlichen Tafel so georduet, daß oben rechts jene des Oberst⸗Burggrafen, links oben die Tafel des Oberst⸗Land⸗ Hofmeisters sich befindet, und auf diese Art nach dem Range der Oberst⸗Landes⸗Offiziere die übrigen Tafeln rechts und links abwech⸗ seln. Für die Erbamts⸗Besitzer ist in der sogenannten grünen Stube eine besondere Tafel gedeckt, zu welcher sich dieselben nach aufgehobe⸗ ner Tafel Sr. Majestät begeben. 1

Für jede dieser Tafeln ist ein eigener Stabelmeister bestimmt, welcher beim Auftragen der Speisen jedesmal vorangeht und sich dann hinter den Sessel des Oberst⸗Landes⸗Offiziers stellt. Für die Deputirten der Hauptstadt Prag und der übrigen Königlichen Städte befindet sich eine eigne Tafel in einem andern Saale des Schlosses, wohin sich dieselben gleichfalls nach dem ersten Trunke Sr. Maj. begeben. Sowohl bei dem ersten, als auch bei jedem nachfolgenden Trunke Sr. Ma⸗ sestät erschallen Trompeten und Pauken der Fürst⸗Erzbischof aber sieht jedesmal auf und bleibt so lange stehen, bis Allerhöchstdieselben das Glas vom Munde absetzen.

Sobald man sich bei den Tafeln der Ober⸗Landes⸗Offiziere ge⸗ setzt hat, lassen nach einer Weile Seine Majestät durch den Stellver⸗ ireter des Erbschenken dem Oberst⸗Burggrafen ein mit Wein gefüll⸗ ies Glas überbringen und melden, daß Allerhöchstdieselben die Ge⸗

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sundheit auf das Wohl des Landes zutrinken. Der Oberst⸗VBurg⸗ graf dankt ehrerbietigst und bittet zuerst auf die Gesundheit, hrer Majestäten und der Durchlauchtigsten Familie, dann aber auf eine lange glorreiche Regierung trinken zu dürfen. Nach erhaltener höch⸗ sten Erlaubniß trinkt derselbe stehend dem Oberst⸗Landhofmeister auf die erwähnten Arten zu, steilt jedoch das Glas nicht zurück, sondern behält es zum tief verehrlichen Andenken an das glückliche Ereigniß dieses Tages. Ebenso trinken die übrigen an der Tafel des Oberst⸗ Burggrafen besindlichen Gäste und nach und nach die Oberst⸗Landes⸗ Offiziere und Gäste aller übrigen Tafeln.

Auch der Fürst⸗Erzbischof von Prag trinkt während der Mahlzeit stehend auf das Wohlsevn Seiner Majestät und lassen Allerhöchstsie die Gesundheit durch den K. K. Oberst⸗Kuͤchenmeister be⸗ beuten.

Während der Tafel ertönt Vokal⸗ und Instrumental⸗Musik.

Wenn das Desert (welches, so wie auch schon früher die zweite Tracht von den K. K. Edelknaben allein und ohne Vortretung des Erb⸗ Truchsessen⸗Stellvertreters auf die Tafel getragen wird) einige Zeit da gestanden hat, meldet der K. K. Oberst⸗Küchenmeister dem an der Königlichen Tafel sitzenden Fürst⸗Erzbischofe und den an den zwölf Seitentafeln speisenden Oberst⸗Landes⸗Offizieren, daß Seine Majestät aufzustehen willens seyen, worauf ersterer an der Königlichen Tafel aufsteht und vor seinem Sessel stehen bleibt, die Oberst⸗ Landes ⸗Offiziere nebst allen ihren Gästen aber gleichfalls aufstehen, wobei die Oberst⸗Landes⸗ Offiziere und jene von ihren Gästen, welche zur Aufwartung und Begleitung berufen sind, sich bei Sr. Majestät, Allerhöchstwelche sitzend Sich indessen auf die frühere Weise die Hände aeshen wieder eingfinden. Der Oberst⸗Land⸗Kämmerer setzt Sr. Majestaͤt die Krone, jedoch ohne Käppchen, auf der Oberst⸗Land⸗Hofmeister rückt den Sessel, und Allerhöchstdieselben erheben Sich. Sobald der Konsekrator unter Assistirung des Hof⸗Ceremoniars das Gratias agimus gesprochen hat, entfernen Sich Se. Majestät unter Vortragung des Reichsapfels, des Scepters und des für die Königliche Krone bestimmten Polsters, worauf das Käppchen liegt, unter Vortretung des Oberst⸗Landmar⸗ schalls mit dem entblößten Schwerte des heiligen Wenzel, des He⸗ rolds und des Oberst⸗Lard⸗Hofmeisters mit dem Stabe und unter Be⸗ gleitung des Adels, der Toisonisten, Großkreuze, Hofchargen, Garde⸗ Hauptleute und des General⸗Adjutauten, von den Leibgarden rechts und links umgeben, unter Trompeten⸗ und Paukenschall aus dem Saale über den mit Grenadieren besetzten Gang nach Allerhöchstih⸗ ren Avartements, in dessen Vorgemächern Leibgarde⸗Spaliere aufge⸗ stellt sind.

Bevor Seine Majestät Sich in Ihre Wohnzimmer verfügen, treten Allerhöchsidieselben auf den großen Balkon hervor, um Sich dem auf dem Platze versammelten Volke zu zeigen. Das Militair und die bewaffnete Bürgerschaft paradirt daselbst, das Spiel wird beim Anblicke Seiner Majzestät gerührt, die Fahnen der Truppen und Bürger⸗Miliz gesenkt und die Zünfte schwingen ihre Fahnen.

Nach einiger Verweilung verlassen Seine Maäjestät den Balkon und begeben Sich in Ihre Zimmer, der Oberst⸗Land⸗Kämmerer hebt die Krone von dem Haupte Seiner Majestät ab, legt sie, so wie die übrigen Oberst⸗Landes⸗Offiziere die von ihnen getragenen andern Königl. Insignten auf die hierzu bestimmten Polster, und entfernen sich hieraͤuf dieselben ehrerbietigst aus den innern Gemächern. Das Militair, die bewaffnete Bürgerschaft und die Zünfte iehen ab, die Stände und der Adel verlassen allmälig die Königl. Burg und die Garden beziehen die gewöhnlichen Wachposten, womit diese Feierlich⸗ keit beendigt ist.“

Teplitz, 2. Sept. Gestern Abend sind die beiden Schwestern des Fuͤrsten Clary von Prag, wohin sie erst vor wenigen Tagen abgegangen waren, wieder hier angekommen. Der Fuͤrst und sein Schwager, der Fuͤrst Radziwill, werden noch heute erwartet. In dem Hause, das sie in Teplitz bewohn⸗ ten, sollen einige Personen an der Cholera gestorben seyn.

Schweiz.

Neuchatel, 27. August. Der hiesige Constitutionnel sagt: „Die Klagen der Schweizer Liberalen uͤber den Wankel⸗ muth Frankreichs versiegen nicht; man glaubt, die auf Naxos verlassene Ariadne zu hoͤren. Es ist leicht zu sehen, daß von allen Erniedrigungen, uͤber die sie sich beklagen, diejenige sie am empfindlichsten trifft, daß man sie fuͤr Troͤpfe gehalten; sie wie⸗ derholen sich alle Dummheiten, die sie seit sechs Jahren auf Antrieb Frankreichs etwa begangen haben, und tadeln dasselbe mit Bitterkeit, als ob es nicht von ihnen abgehangen haͤtte, sie zu vermeiden. Waͤren diese Herren weniger Neulinge in der Politik gewesen, so wuͤrden sie eingesehen haben, daß die Franzoͤsische Regie⸗ rung, wie alle Regierungen der Welt, ihre Politik nach den Umstaͤn⸗ den oder nach den Personen, welche die Leitung der Angelegenheiten uͤbernahmen, aͤndern konnte, und daß, wenn es ihr rathsam schien, eine gewisse Partei in der Schweiz momentan zu beguͤnsti⸗ gen, daraus nicht folgte, daß diese Partei dadurch ein Recht auf den immerwaͤhrenden Schutz Frankreichs, selbst zum Nach⸗ theil der eigenen Interessen dieser Macht, erlangt habe. Alle Vorwuͤrfe, die sie Frankreich machen, fallen auf sie selbst zuruͤck; wenn man im Auslande nicht als ein Tropf erscheinen will, so muß man die Interessen des Vaterlandes nicht den Haͤnden des Auslandes uͤbergeben. Man mußte die Schweiz nicht auf Befehl Frankreichs und zum Vortheil Frankreichs regeneriren; man mußte nicht jenen, wie man sagt, von Frankreich gesendeten Polen⸗ Schwarm mit offenen Armen empfangen, den, wenn man es gewollt haͤtte, ein einziger Gendarm sogleich wieder uͤber die Graͤnze gebracht haben wuͤrde; man mußte ihn nicht in Ver— bindung mit den anderen Fluͤchtlingen aller Nationen jenes Un⸗ ternehmen gegen Savoyen organisiren lassen, das nicht, wie man behauptet, durch die Anstrengungen der Schweizer Regierungen, sondern lediglich durch den Mangel an Sympathie bei der Bevoͤlkerung jenes Landes scheiterte; man mußte nicht Tag und Nacht die Thuͤr des Franzoͤsischen Gesandten belagern, um von ihm das Losungswort fuͤr die Politik des Tages zu empfaͤngen; man mußte nicht durch das Prahlen mit einer Unterstuͤtzung, die im Augenblicke der Noth ausblei⸗ ben konnte, alle anderen Staaten Europa's herausfordern und nicht drohen, das Kreuz der Confoͤderation auf den Thuͤrmen Wiens und Berlins aufzupflanzen. Wenn man dies Alles un⸗ terlassen und sich zur rechten Zeit erinnert haͤtte, daß die Politik der Kabinette sehr dem Wechsel unterworfen ist, wenn man auf den Rath eines treuen und uneigennützigen Verbuͤndeten gehoͤrt und kluͤglich uͤberlegt haͤtte, daß nicht derjenige, welcher den Rath giebt, Gefahr laͤuft, sich zu kompromittiren, sondern der, welcher ihn befolgt, so wuͤrde man niemals diese Verlegenheit und diese Kraͤnkungen erfahren haben. Jetzt erinnern uns die Klagen der revolutionairen Partei unwillkuͤrlich an die lakonische Korrespondenz zwischen Carnot und Fouché nach der Restauration im Jahre 1815: „„Wohin willst Du denn, daß ich mich nun wen⸗ den soll, Verraͤther?““ „„Wohin Du willst, Schwachkopf.““

In demselben Blatte liest man: „Die Berathung der Tagsatzung am 17ten uͤber die Angelegenheiten von Glarus ge⸗ ben uns Veranlassung zu zwei Bemerkungen: einmal, daß die Staͤnde, welche sich weigerten, den katholischen Deputirten an⸗

zuhoͤren, weil sie darin das Mittel zu einer Trennung des Kan⸗ tons zu sehen glaubten, gerade diejenigen sind, die durch Gewalt der Waffen die Trennung des Kantons Basel bewirkt haben;

ist das Inkonsequenz oder Reue? Zweitens bemerken wir, daß,

wenn jene Staͤnde wirklich diese Besorgniß hegen, sie ihren

Zweck verfehlen, denn nichts ist geeigneter, Spaltung zu vergroͤßern, als wenn man sich weigert, digte Partei anzuhoͤren, sobald dieselbe nach der Verfassung zu verlangen berechtigt ist, daß man sie anhoͤre.“

hinausgeschoben, dagegen (die drei Urkantone, der 1 e Aeußersten stehen St. Gallen, Zuͤrich, zern,

thurn, Glarus, Schaffhausen, Buͤndten, Waadt, Genf und Frei⸗ burg, indem sie nicht eine Vertretung nach der Volkszahl, son⸗ dern nach dem jetzigen Grundsatz der Kantonal⸗Souverainetaͤt empfehlen.

die schon vorhandene die belei⸗

Bern, 27. Aug. Der Entwurf zu einem Antwortschreiben

auf die Note vom 18. Juli liegt in diesem Augenblick de Kommission zur Pruͤfung vor. daß es der oͤffentlichen Meinun

Man sagt, es sey so abgefaßt, genuͤgen werde. undes⸗Revision ist jetzt wieder 6wanar, . u de Lu⸗ argau und Thurgau; einen Mittelweg empfehlen Solo⸗

Zuͤrich, 27. Aug. Die 13 Stimmen wollten eine Revision Wallis, Neuchatel und

Der Gesandte von Waadt aͤußerte dabei, wenn man nicht an die Revision gehe, so spiele man sie den Vereinen (d. h. der Gewalt und dem Zufall) in die Haͤnde. Die sonderbarste Rolle spielt Bern, das in dem neuen Einheits⸗Staat gern die erste Rolle spielen moͤchte und mit der Sprache zuruͤckhaͤlt.

Der Verfassungsfreund berichtigt das kuͤrzlich erwaͤhnte Politisir⸗Verbot an die Lehrer der Berner Hochschule dahin, daß der Erziehungs⸗Rath, ohne hoͤhere Ermaͤchtigung, den Pro⸗ fessoren den Rath ertheilt habe, zu verhuͤten, daß sie ferner nicht als Verfasser von Artikeln gelten, die das Verfahren der Regierung entstellen, indem dadurch am Ende die Existenz der Hochschule und die Stellung der betreffenden Professoren ge⸗ faͤhrdet werden koͤnnte.

Juͤngst ist die Reserve⸗Kasse, die die Vororte insgeheim ge⸗ habt hatten, zur Sprache gekommen; die Tagsatzung hat die Sache „in das Meer der Vergessenheit versenkt’, wie Herr Tscharner sich ausdruͤckte. Freiburg und St. Gallen blieben mit einem Antrag auf Ersatzforderung in der Minderheit. Es zeigt sich hier eine gewisse Eiferfucht juͤngerer, nachstrebender Kantone gegen die drei (Bern, Zuͤrich, Luzern), die durch ge⸗ schichtliche Verdienste die Wuͤrde der Vororte besitzen und in einem Kreise von 6 Jahren mit der Fuͤhrung der Bundes⸗An⸗ gelegenheiten abwechseln.

Es ereignen sich in diesem Sommer hier ungewoͤhnlich viele Selbstmorde; viel Theilnahme erregt auch das Schicksal eines jungen Arztes aus Dresden, der zu Vollendung seiner Studien sich hier aufhielt. Er ruderte eines Abends auf den See hin⸗ aus, um zu baden, denn er war ein guter Schwimmer; der Wind trieb den leeren Kahn bei dem Lustorte Seefeld an das Ufer, der Leichnam ward sechs Tage lang vergebens gesucht, end⸗ lich stieß ihn das Wasser aus. Er soll der einzige Sohn einer Wittwe seyn. Das Zimmer, das er bewohnte, hat schon fruͤher 9 Bewohner auf unnatuͤrliche Weise verloren, den Fluͤchtling

essing.

Aus Tessin wird berichtet, die Cholera sey so im Abneh⸗ men, daß z. B. in Lugano das Hospital schon 3 Tage leer steht.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

Nach Berichten aus New⸗York vom 2. August, die von Englischen Blaͤttern mitgetheilt werden, erwartete man da⸗ selbst fast taͤglich die Nachricht von einem entscheidenden Treffen zwischen den Mexikanern und TPexianern. Die Avantgarden der⸗ selben standen nach den neuesten Berichten nur noch 21 Deutsche Meilen von einander entfernt. Gegen Santana stieg die Erbit⸗ terung der Texianer mit jedem Tage, schon hatten einige Sol⸗ daten den Versuch gemacht, ihn zu erschießen, und waren nur mit Muͤhe durch die Wachen des Gefangenen von ihrem Vor⸗ haben abgebracht worden; die Ursache der Erbitterung war die neue Invasion der Mexikaner. Die Mexikaner unter Urrea waren, 7000 Mann stark, uͤber den Fluß Nueces gegangen und erwarteten noch Verstaͤrkungen aus Vera⸗Cruz. Die Texianer waren nur 3000 Mann stark, doch hofften sie durch Rekrutirung in den Verei⸗ nigten Staaten ihre Truppen bis auf 6000 Mann vermehrt zu sehen. Sie hatten vierhundert Mexikaner als Gefangene bei sich, welche ermordet werden sollten, wenn die Mexikaner einen Angriff zu machen unternaͤhmen. Bedeutsam erscheint unter diesen Umstaͤn⸗ den die Meldung der Amerikanischen Zeitungen, daß General Gaines von der Armee der Vereinigten Staaten, welcher seit einiger Zeit an der Suͤd⸗West⸗Graͤnze der Vereinigten Staaten stand, uͤber den Sabine⸗Fluß gegangen und in Texas eingedrun⸗ gen ist, auf dringendes Ansuchen des Brigade⸗Generals Rusk, der die Texianischen Streitkraͤfte in jener Gegend befehligt. General Gaines hatte den Befehl an die Staaten von Missis- sippi, Kentucky, Tenessee und Louisiana geschickt, ihm jeder ein Regiment zu senden, und als Grund seines Vorruͤckens angege⸗ ben, daß die insurgirten Indianer mehrere Ermordungen an der Mexikanischen Graͤnze vorgenommen haͤtten. Fuͤr den wahren Grund hielt man aber den Wunsch, in der Naͤhe der Texianer zu seyn, fuͤr den Fall, daß dieselben durch die Mexikaner uͤberwaͤltigt wuͤrden, damit er ihnen dann seine Unter⸗ stuͤzzung angedeihen lassen koͤnne. Er hat mit den Trup⸗ pen unter seinem Befehle eine Stellung bei Nacogdot⸗ sches eingenommen. Schon das Ueberschreiten der Graͤnze, welches keinem Zweifel zu unterliegen scheint, verletzt natuͤrlich die Neutralitaͤt, welche der Präͤsident der Vereinigten Staaten behaupten zu wollen erklaͤrt hat. Die Nord⸗Amerikanischen Zei⸗ tungen berichten auch uͤber eine Korrespondenz, welche angeblich zwischen dem General Santana und dem Praͤsidenten Jackson gefuͤhrt worden ist und durch welche der Erstere beabsichtigte, die Garantie der Vereinigten Staaten fuͤr den von ihm mit den Texianern abgeschlossenen Vergleich in Anspruch zu nehmen. Die Antwort Jackson's soll keinesweges freundschaftlich ausge⸗ fallen seyn, vielmehr soll derselbe bei Empfang des Schreibens geaͤußert haben, Santana verdiene den schimpflichsten Tod, und nur die bedraͤngte Lage ihres Landes koͤnne die Texianer verhindern, an ihm ein Exempel zu statuiren. In Mexiko selbst finden Santana's Wuͤnsche eben so wenig geneigtes Ge⸗ hoͤr. Filisola, der auf seinen Befehl das Gebiet von Texas raͤumte, soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Der Ver⸗ trag, den Santana am 14. Mai mit den Texianern geschlossen hat, ist bekanntlich schon fruͤher fuͤr unguͤltig erklaͤrt worden. So eifrig indeß die Mexikanische Regierung bemuͤht ist, das Verlorne wieder einzubringen, so scheinen ihre Huͤlfsmittel doch sehr beschraͤnkt zu seyn. Neuerdings hat sie eine erzwungene Anleihe von 2 Millionen Dollars ausgeschrieben. Der Eng⸗ lische so wie der Franzoͤsische Geschäftstraͤger in Mexiko haben bei dieser Gelegenheit gegen jede außerordentliche Belastung ih⸗ rer Landsleute feierlich protestirt. Der Indianerkrieg in den Vereinigten Staaten ist noch immer nicht zu Ende. Die Wil⸗ den fahren fort, Schrecken und Tod uͤberall hin zu ver⸗ breiten. General Scott, den der Praͤsident Jackson vom Kommando abberufen hat, soll vor eine Untersuchungs⸗Kom⸗ mission gestellt werden und sich deshalb rechtfertigen, daß

der Krieg durch ihn in die Laͤnge gezogen worden ist.