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Wissenschaft, Kunst und Literatuuir. In vier Opern, drei alten, naͤmlich „die Puritaner“, „der Bar⸗ bier von Sevilla“ und „Fra Diavolo“ und einer neuen, „das „Nachtlager in Granada“ hat nun der Direktor des Koͤnigstädtischen Theaters sein neu engagirtes Personale den Augen und Ohren des Publikums vorgeführt, und ein immer volles Haus hat ihm mit sehr lebhaftem und scheinbar ziemlich allgemeinem Beifall die Zufrieden⸗ heit mit seinem Eifer fuͤr das Vergnügen der zahlreichen Musik⸗ freunde unserer Stadt und dadurch zugleich das Anerkenntniß des Werths des neuen Persanals zu erkennen gegeben. 1 Es ist nicht unsere Absicht, in eine genaue kritische Würdi⸗ gung der Talente der einzelnen neuen Mitglieder einzugehen, nur im Allgemeinen wollen wir auf den Gesichtspunkt hinweisen, aus wel⸗ chem sie und ihre relative Tüchtigkeit für die Gattung Opern, zu welchen diese Bühne nach ihren Statuten berechtigt ist, und die ihr, gut ausgeführt, auch seit ihrem Bestehen vielen Besuch „und Beifall verschafft haben, betrachtet werden müssen. Wir setzen übri⸗ gens als bekannt voraus, daß die Direction von dem alten Persouale nur Dlle. Hänel, aber gerade auch das vorzüglichste Talent, man mag auf Naturgabe oder Bildung sehen, beibehalten hat; diese, sobald sie zurückgekehrt seyn wird, ergänzt erst das gegenwärtige Personal und macht eine größere Zahl und Mannigfaltigkeit von Opern⸗Vor⸗ stellungen möglich, doch wird bei allen immer der Hauptge⸗ sichtspunkt, auf den wir oben hinweisen wollten, bleiben, daß hauptsächlich auf Singspiele in der sogenannten Italiänischen Manier alter und neuer Meister, der Passiello, der Ci⸗ marosa, der Rossini und Bellini u. s. w. diese Bühne angewiesen ist. Hält man diesen Gesichtspunkt nicht fest, so muß natürlicher⸗ weise das Urtheil über den Werth des neuen Personals anders lau⸗ ten. Eine Bühne, die Glucksche, Cherubinische, Mozartsche, Spon⸗ tinische und Beethovensche Opern geben soll, bedarf eines Personals mit anderen, wenn auch nicht reicheren, doch anders gerichteten und gebildeten Naturgaben, und ein Zuhörer, der nur für Gluck's und Beet⸗ hoven's Musik Sinn hat, demrwird Ein Seelenton der Schechner unend⸗ lich mehr werth seyn, als alle Kunst und Kunststücke in den schwierigsten Rouladen und den ausgedehntesten, auf⸗ und abgleitenden Tonläufen. Wenn nun auch Rossinische und andere dergleichen Musiken nicht solche Küuste unbedingt fordern, so geben sie doch dazu reichlichen Anlaß und dem Sänger und der Sängerin volles Recht, das im Superlativ auszuführen, was sie mit Noten bezeichunet haben; ja, (denn das wird man wohl einräumen müssen), der geschmeidigsten, wenn auch über das Maaß hinausgehenden, vollkommen fertigen, sicheren und dem Ohr schmeichelnden Ausführung haben sie haupt⸗ sächlich den großen Beifall zu verdanken, den ihre Armiden und Bar⸗ biere gefunden haben. — Was braucht es nach dieser Voraussetzung noch einer weiteren Rechtfertigung der Auswahl, die der Direktor dieser Bühne Behufs der Restauration des Singspiels getroffen hat; möglich, daß es noch bessere Sänger und Sängerinnen für dies Fach giebt, oder doch, daß man sich noch bei weitem bessere in der Einbil⸗ dung denken kann; aber schafft die Einbildung das Wirfliche, ruft der Wille die That herbei? Gewiß hat die in Rede stehende Bühne an Mad. Pohl⸗Beisteiner wieder eine Sängerin erworben, die, — zwar nicht mit der volltönendsten und in allen Lagen wohllautenden Stimme begabt, doch mit den berühmtesten Sängerinnen in jener Art der Gesangs⸗ Virtuosität, in der geschmeidigen Ausführung der größten Schwie⸗ rigketten, ja selbst im Wetteifer mit den Künsten der Bogen⸗Instrumente, an Fermaten, Passagen und Trillern, den Kampf wagen und, wenn
ihr auch nicht der Preis zuerkannt wird, auf ein Accessit Anspruch machen kann. Und Dlle. Limbach, der zweite neue weibliche Gewinn, an Schönheit der erste, verspricht die wünschenswertheste Entwicke⸗ lung und in jedem Fall einen zahlreichen Besuch dieses Theaters. Vorzüglich an Fähigkeiten und Bildung zu ihrem Beruf sind die neuen mänulichen Acquisitionen; Herr Erl, an Gestalt schon ausge⸗ zeichnet, ist es auch an Naturell und Bildung für den ersten Teuor; nicht minder für den Baß und Bariton die Herren Höfer und Höl⸗ zel und für den zweiten Tenor Herr Voß. So haben sie sich uns und zum Beifall des gesammten zahlreichen Publikums in der Auf⸗ führung der vorgenannten Opern erwiesen.
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Den 24. Oktober 1836.
Amtlicher Fondés- und Gweld-Couns-Zet!nenl. Pr. Cour.
8 Fr. Cour. 8 Fr Brief. [ Geld. 8Brief. Geld. 101 ⅞ [ 101 ⅞ 19 99 ½ 99 ¾ 102 ½ 62 Kur- u. Nourm. do. 100 % 101 do. do. d0. 32 98 ½ 4 —
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Ostpr. Pfandbr.* do. 4 4
St.-Schuld-Sch. Pr. Engl. Obl. 30. PrämSch. d. Sech Kurm. Obl. m. I. C. Nm. Int. Sch. do. 4 Berl. Stadt-Obl. Königsb. do.
Elbinger do. 4½ Danz. do. in Th. —43 Westpr. Pfandbr. 4 102 Grofsh. Pos. do. 4] 103 ½
—1020 Pomm. 192
102
Schlesische Rückst. C. und Z. Sch. d. K. n. N. Gold al marco Neue Duk. Friedrichsd'or. Disconto.
86 215 ½ 18 ¾ 13 ½
Auswärtige Börsen. Amsterdam, 19. Oktober. Schuld 52 .. 5 % do. 101. 22. Passive —. Ausg. Sch. —. Poln. —. Oesterr. Met. 98 ¼.
Kanz-Bill. Linsl. 8 ¼.
Niederl. wirkl. 211 ⁄6. 5 % Span.
Preuss. Präm.-Sch. —.
Antwerpen, 18. Oktober. Peassive —. Ausg. Sch. 23 ¾. G. Zinsl. 9 ¾. Neue Anl. 22 ¼ Frankfurt a. M., 21. Oktober. Oesterr. 5 % Met. 102. 101 ¼⁄. A4 % 98 ¼. Rr. S. 1 % 251/6. Br. Bank-Actien 1589. 1587. Loose zu 500 Fl. 112 ⅛. 112 H¼. Loose zu 100 Fl. 218. G. Priüm.-Sch. 61 ¼. do. 4 % Anl. 992, 3, Poin. Loose 6358. 5 % Xpan. Anl. 19. 18 àl¼. 2 ½ % Holl. 5191. 517/16. Paris, 18. Oktober. 50% Rente pr. compt. 105. 35. fin cour. 105. 55. 3 % pr. campt. 78. 20. fin cour. 78. 30. 5 % Neap. 97. 5. 5 % Span. Kente 20 ¼. Passive 5 ½. Neue Ausg. Sch. —. Ausg. Sch. —. 3 % Lortug. 32 V1ns109. Oktobon. 3 % Met. 103 ½. 4 % 160. 3 % 735 ½. 2 ⁄½ % 55 ½. —. Bank-Actien 1344 ½. Neue Aul. 570. Br. 5651 ¼&. G.
Deen
Koͤnigliche Schauspiele. ag, 25. Okt. Im Opernhause, zum erstenmale derholt: Undine, Feen⸗Ballet in 3 Abth., von Paul Taglioni Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen des ersten Ran ges 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc. Im Schauspielhause: Clozel: 1) Michel et Christine, vaudeville par Seribe. 2) la demoiselle à marier, vaudeville par Scribe. 3) La premibre représentation de: Moiroud et Compagnie, vaudeville non. veau eu 1 acte, par Mr. Bayard. Dans la première pidee Mr. Clozel remphra le rôle de Stanislas, et dans la seconda- Mlle. Clozel débatera par celui de Camille. — Mittwoch, 26. Okt. Im Schauspielhause: Das Fraͤufen vom Lande, Lustspiel in 5 Abth., vom Verfasser von „Luͤge unh Wahrheit.“ Hierauf: Ein Stuͤndchen vor dem Potsdane Thore, Vaudeville in 1 Akt, von C. Blum. Donnerstag, 27. Okt. Im Schauspielhause: Johann np Paris, Singspiel in 2 Abth., mit Tanz. Musik von Boieldia (Herr Marrder: den Groß⸗Seneschall, als Gastrolle.) Im Opernhause, auf Allerhoͤchsten Befehl: F rei⸗Redoute⸗ Es werden zu derselben vorzuͤglich anstaͤndige Charakten Masken gewuͤnscht, schwarze Dominos und Chauve-sonris abe verbeten. — Besondere Billets zu den Logen werden nicht ale gegeben; es steht den Masken frei, darin Platz zu nehmen. — Waͤhrend des Aufenthalts in den Logen ist es erlaubt, sich 8
demaskiren, waͤhrend der Anwesenheit im Saale erst von 1Uh- an. Die im Saale selbst angebotenen Erfrischungen werden unentgeltlich gereicht.
Die Eroͤffnung des Hauses geschieht um 8 Uhr. Anfan der Redoute um 9 Uhr. Ende 4 Uhr. —
In Potsdam, zum erstenmale: Hummer und Compagme Lustspiel in 1 Abt, nach dem Franzoͤsischen. Hierauf: faͤhrliche Tante, Lustspiel in 4 Abth., von Albini
1 J ““ Koöͤnigstaͤdtisches Theater. Dienstag, 25. Okt. Zum erstenmale wiederholt: Das Nah lager in Granada. Oper in 2 Akten, nach dem Schauspic gleichen Namens von Friedrich Kind, bearbeitet von Carl hij herrn von Braun. Musik vom Kapellmeister Conradin Kreugh (Der Jaͤger: Herr Hoͤlzel. — Vasco: Herr Hoͤfer.) 1 Mittwoch, 23. Okt. Zum erstenmale: Amazampo, oh Die Entdeckung der Chinarinde. Historisches Drama in 4 1 ten und 7 Abth., aus dem Franzoͤsischen von Montigny wh 11G1 Redacteur Cottel.
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Gedruckt bei A.
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Allgem
Bekanntmachung wegen Holz⸗ Verkauf. Sas Es sollen aus dem pro 1837 zum Abnutz bestimmten oͤffentlich Schlaͤgen in den diesseitigen Koͤnigl. Forsten folgende und zwar:
den
einer Anzeiger fuͤr die
kanntmachungen.
Bau⸗Nutz⸗Hoͤlzer in dem dazu anberaumten Termine 1 6. 1 an den Meistbietenden verkauft werden,
Vanderlin (98) Das
1t Italien. Van Dyck in Genua (94). zu Mailand (100).
Islaͤndische Skizzen.
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1939 158 412 379
420
1233 450 140
2
Poruschowitz . . . . 3 Proskau 1 . 130 Grudschuͤtz. 167 601 170 Dembio. . . 296 1 oppelau.. 426 9490 814 öu.““ 672 1437 871 eSSee“”“; 949 589 13 Budkowitz . . . . 40 79 18 Badland.. ““ 148 208 — Cosel.. [84 190 1 105
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SSAENgE’nr
645
398 Ostin dien.
— Militairische Uebungen
Paria's (1603). Nord⸗Ameri
2049 11 92 1 202 Aferin “ 7 Eine Misston nach Tunis.
77 ö1“ 181
Summa 1155 3103 6032 2002 12382
Zahlungsfaͤhige Kaͤufer werden eingeladen, sich
le der unterteichneten Koͤniglichen Regierung vor
eben.
schaffenheit nach im Licitations⸗Termine speciell be⸗ zeichnet, dem Kauflustigen aber auch vorher schon im Walde von dem betreffenden Forst⸗Beamten auf Verlangen vorgezeigt werden. 8
Oeffentliches Aufgebot. Hamburger Certificaten werden schon von heute ab zum hoͤchstmoͤglichsten Coarse durch uns realisirt. Berlin, den 24. Oktober 1836.
Auf dem Grundstuͤcke der Christian Gieseschen Ehe⸗ leute zu Kampangen Nr. 5, welches ehemals einem gewissen Isaae Borrieß gehoͤrte, sind Rabrica III. No. 1 noch 352 Thlr. 10 sar 2 ⅞ pf., naͤmlich 528 Flor. 15 gr.
Die Bedingungen sind jederzeit in unserer dem obengenannten Termine im Geschaͤfts⸗Lo⸗ Registratur, so wie auch am Termine selbst einzusehen. . in Viertel des Werths der verkauften Hoͤlzer muß m ernannten Kommissarius Herrn Regierungs Forst⸗ dei Abgabe des Gebots in der Liestation zur Sicher⸗ ssessor Krause einzufinden und ihre Gebote abzu heit des Letzteren deponirt werden, und wird im Li eitatlons⸗Termine
Die Holz⸗Quantitaͤten werden der Zahl und Be⸗ Tavxe erfuͤllt ober uͤberstiegen wirrd. Oppeln, den 15. Oktober 1836. Koͤnigliche Regierun Abtheilung fuͤr Domainen, direkte Steuern
[135 [ 770 1935 871 3711 Forst⸗
e b , La (9 der Zuschlag erfolgen, sobald die Fand 499).
1 — Geistesgegenwart (105). g,
Forst 8 dichter (101). Das Posthaus zu
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geschichte. (105).
8
Nathan & Comp., unter den Linden Nr. 13.
6 pf. fuͤr jedes der Geschwister JFohann und Jacob Steckmann an Vater⸗ und Brudererbtheil auf Grund des Theilungsrezesses vom 15. April 1773 und Rubrica 8 III. No. 2 noch 1000 Thlr. oder 3000 Flor. ruͤckstaͤn-⸗ dige Kaufgelder auf Grund des Kaufvertrages vom 18. Mai 1775 fuͤr den Martin Borriß eingetragen: die genannten Geschwister Steckmann und der ꝛc gen Inhaber dieser Forderung werden hierdurch aufge⸗ fordert, sich binnen 3 Monaten, spaͤtestens in dem auf den 26. November a. c. vor dem Heerrn Assessor Siewert anberaumten Ter⸗ mine zu melden und ihre Anspruͤche geltend zu machen, nien (102). widrigenfalls sie mit ihren Anspruͤchen auf das Grund⸗ stuͤck praͤcludirt und ihnen deshalb ein ewiges Still⸗ schweigen auferlegt werden wird. Marienwerder, den 2. August 1836.
ganim ().
Sin ah nmng
der Coupons von Russ. 5procentigen Silber⸗Briefe Ludwigs XVIII. Inseriptionen in Hamburger Certificaten Blick hinter die Coulissen der Oper (103⁸).
Diie am 1. September c. faͤllig gewesenen und am 29. Dezember c. in Hamburg zahlbar werdenden Cou⸗
Literarische Anzeigen. Magazin
Steckm fuͤr die Literatur des Auslandes.
⁄ F 8 2 . 4 8 Borriß, deren Erben oder Cessionarien oder die sonsti Verzeichniß der im Monat August 1836 von dieser Zeitschrift gelieferten Artikel:
Ein Privatball in Madrid (92). Briefe uͤber Spa⸗
Simon, Roman von Georg Sand (92) Bilder aus der Franzoͤsischen Provinz. Eine Wirthstafel (92). Franzosen in Englischer Kriegsgefangenschaft (94). Koͤnigl. Preuß. Land⸗ und Stadtgericht. Ei Gastmahl in dem Zelte des Bey's von Mostäͤ⸗
1 Griechische Tempel und Saͤulen in Paris (98). Schloß Malmaison (99). Die Anhaͤn⸗ ger der Lehre von der leiblichen Unsterblichkeit (101)
1 Sir Humphry Davy (95). Ueber Schulwesen und pons von Russ sprocentigen Silber⸗Inseriptionen in National⸗Unterricht in England 65,50gn Familie
allen Koͤnigl. Post⸗Aemtern mit 22 ½
das Hans gesandt wird. Am 23. Oktober erscheint: velle Bibliothèque de Haise, anglaise et und wird gratis ausgegeben bei
8 anien. 1 b 2. 8 unter den Linden Nr. 53.
Frankreich.
ist 80
plalz No. 1, eben Buchbandlungen versandt:
1
Dritte verbesserten Von aus England (101). Ein
England.
Lexicon-Format.
9 Diorama des Sesia⸗Thals E und der Kirche Santa Croce in Florenz (10⁴).
Das Puppentheater
Von X. Marmier (92). Ueber das Alter der Slawen in Eurova. (02)
Kisil Koba, die rothe Hoͤhle in der Krimm (94) Das Neujahr in Moskau im Jahre 1635 und im Jahre 1700 (100). Russische Universitaͤten und Schu⸗
Ein Besuch in den Moscheen Konstantinopels (105).
der Indier (05).
Das Leben des schwarzen Falken (163).
Zweiter Artikel Anstalien Die Verwaltung von Van Diemens Land (43). ISEgzges.
Ein Spanisches Kloster, wie es jetzt aussteht (92) Italienische Kirchen⸗Reform. — Kaspar Hauser. — Eine Spanische Kuͤche (932). Geschichte der Spantschen Artillerie (94). Das Leben Wasoingtons, Deutsch (65). Skizzen zu Shakespeare's Sturm (98). Van Dtemens Lagarde und der Marquis d'Argens. — Eine Kriegslist — Das Innere des Mailaͤnder Doms Raumer's 2 neuern Geschichte. — Statistik des Franzt gets — Logik eines Vetturino. — Russische Narur geselligen Verhaͤltnisse zu Mailand (103). sches Raisonnement uͤber Italien (104). bei Tageslicht. — Paul de Kock. — Zur
Mit dem 1. Oktober hat ein neues Quartal des „Magazins“ begonnen und werden Abonnements auf dasselbe sowohl in Berlin (Mohrenstraße Nr. 34 in sder Expedition der Preuß. Staats⸗Zeitung), als bei z sor angenommen, wofuͤr die Zeitschrift drei Mal woͤchentlich mit des Post abgeht und den hiesigen Abonnenten frei in
II. Sapplément du catalogune de la Lrec italienne:
In der Nanckschen Buchheandla
1 ersecomnenne
I 1g 1
Lehrbuch der Geburtskunde.
Ein Leitfaden bei akademischen Vollesunzen und bei dem Studium deos Faches.
vermehrte Aullage.
Dr. Dietr. Wilh. leinr. Königl. Preufs. Medicinal-Rathe, ord. Professor den Medicin an der Universität zu Berlin, Direktor des
klinischen Inslituts für GCebhurtshülle ete. Preis: gehellet 3 Thle. 10 sgr.
— 4 ₰ Sklaal
“ “ zur Subscription fuͤr Kaufleute, Fabhrikar⸗ 2 2 2902Q ten, Oekonomen, Rechnungsfuͤhrer n. Im Verlage des Unterzeichneten erscheint bvinm
kurzem: Vollstaͤndiges Lehrbuch der gesammten Buchhaltungskunde 8 in ihren verschiedenen Methoden,
fuͤr Alle, welche dieser Wissenschaft zu ih⸗ rem Geschaͤft beduͤrfen oder sich in dersel⸗
dben vervollkommnen wollen,
von * Kaufmannn Lehrer der Handelswissenschaft in Dreidm Dieses Werk des durch mehrere kaufmaͤnnische un andere Schriften schon ruͤhmlich bekannten Versff sers wird die saͤmmtlichen gebraͤuchlichen Buchhel⸗ tungsformen, naͤmlich: die ein fache, die deutsche die doppelte italienische, die englische uf
die vom Verfasser seibst erfundene vereinfachte
Die a.
abhandeln und in ihrer Anwendung auf ein kau maͤnnisches Geschaͤft praktisch darstellen und ist so⸗ nach besonders den juͤngeren Mitgliedern des Kau⸗ mannsßandes, Kommis, Lehrlingen ꝛc. um so mche zu empfehlen, da auch die Anschaffung erleichtert ul selbst dem Unbemittelten moͤglich gemacht ist. Ah Werk, dessen Umfang auf 24 Bogen in Median Quun berechnet ist, erscheint naͤmlich in einzelnen Moluls⸗ Lieferungen von A4 Bogen, auf feines Velinpapier ge⸗ druckt, zum Subscriptions⸗Preise von 10 sgr. preKe⸗ ferung, an dessen Stelle jedoch nach Erscheinen de Lraͤge zur etzten Lieferung ein bedeutend hoͤherer Ladenmns. ben Bud⸗tritt. Die erste Lieferung wird noch in diesem NM⸗ ausgegeben und das Ganze bis zur Ostmese
7902) S9).
chen Bud 8 tate
1837 bestimmt beendigt. — Subscription nehmäa ahe. Buchhandlungen an, bei denen auch ausfuͤbrlchter Anzeigen zu baben sind. Subscribentensammler t⸗⸗ halten auf 12 bezahlte Exemplare ein Frei Exemvlar. In Berein wendet man sich an die Stuhrsce Buchhandlung, Schloßplatz Nr. 2. Leipzig, Anfang Oktober 1836.
Trannsn Franzdit⸗ An alle Buchhandlungen ist versandt: 2 1., 1.s P. Virgilii M. Opera ad apti: lihror. ü J I ing ol iornmn a, oühiim. lihror. lidem edidit. Perpetua et attahh- et sua annotalt. illustr., commentationem de vis- carminihusqyue Virgilit et Indices necessari"s ackiech AIb. Forbiger. Pars I. Bucolica el Geofeiess 3 8maj. (VIn. 558 S.) 1836. 1 ¾ Thlr. Griechisch-dentsches Hand-Lexiken von Dr. Gustav Pin 88 Ze 8 Lorlgesetzt von 2 8 1 De. Karl Jacobitz und Fr. Ernst Eduard Seiler. In 8 Ligiern. gen. — I8tc Lieferung. 12 Bog. Ler-80. Geh. 1836. ½ Ph le. Subscriplions-Preis Ein auslührlicher Prospect üher eltig
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Werk ik in jeder Buchhandlung. in Berlin in des Plabhnschen Bnehhandlung (L. Nitz e) Jögerstralae Nd. 37, auch bei Mittler, Enslin clec. 2u findten. Leipzig, im Soptember 1826.
J. C. flinrichssche Buech handlang. 4 Eunglische Taschenbücher für 183771-, Busch, Buaok o GCems 11 Thlr. Book oF Beauty 7.Im Edelstein und Perle 12 Thir. 15 sgr. Henssehe Faschenbuch 4 Thlr. 5 sgr. Albion 6 Thlr. Ehre lie Frauen 4 Tblr. Keepsake frangais 4 Thlr. A. Asher, Linden No. 20.-
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doppelte italienische Buchhaltung, gruͤndlich
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. 827 .-I. S.est.
Berlin, Mittwoch den 26sten Oktober
Amtliche Nachrichten.
Kronik des Tages.
Des Koͤnigs Majestaͤt haben den bisherigen Land⸗- und bradtgerichts⸗Rath Kaßner zu Schubin und den bisherigen ind, und Stadtgerichts⸗Direktor Fuchs zu Neustadt in Ober⸗ schlesien zu Ober⸗Landesgerichts⸗Raͤthen und Mitgliedern des sber⸗Landesgerichts zu Marienwerder zu ernennen geruht.
Se. Koͤnigl. Majestaͤt haben dem pensionirten Land⸗ und ztadtgerichts⸗Assessor Liebelt in Querfurth den Charakter als fusttzrath Allergnaͤdigst zu verleihen geruht.
Im Bezirke der Koͤnigl. Regierung
zu Magdeburg ist die durch den Zuruͤcktritt des Predigers
geimann erledigte evangelische Pfarrstelle zu Diesdorf und der u gehoͤrigen Filiale Abbendorf, Dankensen, Fahrendorf und Haddekath, Dioͤzes Salzwedel, dem Prediger Itzeroth in Abben⸗ de; die erledigte evangelische Pfarrstelle in Gehrendorf, Dioͤzes heferlingen, dem Kandidaten des Predigtamts Poppendieck; erledigte evangelische Pfarrstelle der Parochie Wahrenberg, zes Seehausen in der Altmark, dem Kandidaten des Predigt⸗ b und Lehrer an der hoͤheren Toͤchterschule zu Magdeburg, unrad, verliehen; ferner sind: der Kandidat des Predigt⸗ w, Rektor Koͤnnecke, zu der erledigten evangelischen zweiten kdigerstelle in Kroppenstedt; der Kandidat des Predigtamts irschberg zu der erledigten evangelischen Pfarrstelle in Kruͤs⸗ „Thessen und Brandenstein, Dioͤzes Moͤckern; der Kandidat Predigtamts Busse zu der erledigten Pfarrstelle in Menz, ahlitz und Koͤnigsborn, Dioͤzes Moͤckern; und der Kandidat ‚Predigtamts Behrends zu der erledigten evangelischen arrstelle in Doͤnstedt, Dioͤzes Alvensleben, berufen und landes⸗ rlich bestaͤtigt worden;
zu Koͤln ist zu der erledigten Pfarrstelle in Blatzheim der zherige Pfarrverwalter zu Niedeggen, D Smets, als Pfar⸗ r ernannt worden.
Angekommen: Der Fuͤrst Alexander Wolkonsky,
hon St. Petersburg.
Abgereist: Se. Excellenz der General⸗Lieutenant und pmmandeur der 2ten Division, von Rummel, nach Danzig.
—
Zeitungs⸗Nachrichten. vD“ Frankreich. —
Paris, 19. Okt. Der Koͤnig arbeitete heute mit den Mi⸗ ern der Finanzen, des oͤffentlichen Unterrichts, des Innern dder auswaͤrtigen Angelegenheiten.
Der Koͤnig der Belgier ertheilte heute dem Baron von othschild eine Privat⸗Audienz. Es hat sich demzufolge das eruͤcht verbreitet, daß die Belgische Regierung in Begriff stehe, eneue Anleihe abzuschließen. 1
Die Prinzessin Adelaide, die Schwester des Koͤnigs, soll n einer bedeutenden Unpaͤßlichkeit befallen seyn.
Sir Robert Peel ist vor einigen Tagen nach London abge⸗ ste er wird indeß nur zwei bis drei Wochen abwesend seyn, seine Reise keinen andern Zweck hat, als sich einer Einladung ner Kommittenten, die ihm ein großes Gastmahl geben wol— „zu fuͤgen. Lady Peel und ihre Tochter sind in Paris zu⸗ skgeblieben, und Alles deutet darauf hin, daß sie einen großen heil des Winters in dieser Hauptstadt zubringen werden.
Die Charte de 1830 widerspricht der von einigen Blaͤt⸗ eenen Nachricht, daß der General Athalin, Adjutant 8 Köͤnigs, nach St. Petersburg abgereist sey. bö Minister des oͤffentlichen Unterrichts hat unterm 18ten M. an den Herrn Villemain folgendes Schreiben erlassen: langer Zeit ist die Regierung damit beschaͤftigt, den be— nte Nachtheil zu erwaͤgen, der nicht allein fuͤr den Buch— ndel, sondern auch fuͤr die Wissenschaften und fuͤr die Litera— 8 dem Nachdrucke der Franzoͤsischen Buͤcher im Auslande Penage,- Die Pariser Buchhaͤndler haben mir uͤber diesen deeen 1 Bemerkungen eingereicht, die ich mit all dem a s verdienen, gepruͤft habe. Ich bin zu der Ue⸗ . Franzoschengt; daß es im Interesse der Wissenschaft wie fuͤr 1”ng nes Buchhandels unumgaͤnglich noͤthig geworden gländischen Fb ein wirksames Heilmittel aufzufinden. Die sebindungen a * rucker, durch den Erfolg ermuthigt, dehnen ihre erpflichrus n er ganzen Welt taͤglich mehr aus; da sie von jeder befreitsänd gen die Schriftsteller und von den verschiedenen Ko⸗ ig eeine Original⸗Ausgabe nothwendig mit sich fuͤhrt, un verspria 9 nicht Gefahr laufen, ein Werk, das keinen Ge⸗ rueen 19 zu publiziren, indem sie nur solche Schriften erke, die 1 18 P im Voraus gesichert ist, so koͤnnen sie end P viele Studien und bedeutenden Kosten⸗ E1“ haben, zu ungleich billigeren Preisen ver⸗ ankreich fuͤr deneh Zustand der Dinge fortdauert, so wird r Gede Fenhst der Buͤcher bald ausschießlich auf wissenschaftlia beschraͤnkt seyn; ausgezeichnete literarische Igen finden erke werden keinen Absatz mehr nach geben werden, 1 rens wissenschaftlichen Arbeiten werden auf⸗ ublication der Franzoͤsische Verleger wird sich auf die set einigen Jaßohemeren Schriften beschraͤnkt sehen, deren Zahl egierung, aud allen Kurzu sehrvermehrt hat. Es ist die Absicht der hinzuarbeiten 3. raͤften auf die Unterdruͤckung jener Mißbraͤu⸗ Schriftstellern- ebe daher beschlossen, daß eine besondere, ariser Buchhaͤndler velehrten und einigen der vorzuͤglichsten
rbestehende Kommission gebildet werde, um,
alle Mittel aufzusuchen, die zur Errei⸗
dienen koͤnnen, sey es durch legislative sst Unterhandlungen mit den fremden
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Maͤchten. Ich wuͤnsche, daß die Kommission sogleich trete, daß sie alle Thatsachen, alle Dokumente, die rung jener Frage geeignet sind, zusammentrage und nem ausfuͤhrlichen Berichte ihre motivirte Ansicht uͤber die zweck⸗ dienlichsten Maßregeln mitzutheilen die Guͤte 1 be. Indem ich Ihre Mitwirkung, wie die der Kommissions⸗Mitglieder in An⸗ spruch nehme, habe ich das feste Vertrauen, daß Sie alle mich in meinem Unternehmen, welches die Wissenschaften und einen der wichtigsten Zweige unserer National⸗Industrie im hoͤchsten Grade interessirt, eifrig und wirksam unterstuͤtzen werden. Ge nehmigen Sie ꝛc. ꝛc. 1 (gez.) Guizot.“
Die gedachte Kommission ist von dem Minister in folgen⸗ der Weise zusammengestellt worden: Herr Villemain, Praͤsident, der Baron Thénard, Herr Dumon, Herr Arago, Herr von La⸗ martine, Herr Dubois (Universitaͤts⸗Inspektor), Herr Letronne, S Professor Rossi, Herr Victor Hugo, die Herren Cavé und Hippolyt Royer⸗Collard (Diwisions⸗Chos bei den Ministerien des Innern und des oͤffentlichen Unterrichts), die Pariser Buch⸗ haͤndler Firmin⸗Didot, Renouard und Hachette, und Herr Alphons Royer, als Secretair. Die Kommission besteht hier⸗ nach aus 15 Mitgliedern.
Die legitimistischen Blaͤtter gehen uͤber die Freilassung der Herren Peyronnet und Chantelauze sehr leicht hinweg und be— merken nur, daß die Maßregel nicht vollstaͤndig sey, da sie nicht auf die Herren Polignac und Guernon⸗Ranville ausgedehnt worden. Ausfuͤhrlicher aͤußert sich uͤber diesen Gegenstand der Courrier frangais und zwar in folgender Weise: „Der durch den gestrigen „Moniteur“ verkuͤndete Beschluß war schon fruͤher bekannt. Die Reise des Herrn Gauthier nach Ham konnte nur als der Vorlaͤufer einer Maßregel der Milde be⸗ trachtet werden. Man sagte, daß er beauftragt sey, die Bedin⸗
zusammen⸗ zur Aufklaͤ⸗ mir in ei
gungen mitzutheilen, die der Koͤnig an eine Begnadigung knuͤpfe.
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Jene Bedingungen bestanden hauptsaͤchlich darin, daß jeder der Gefangenen ein Gesuch einreichen sollte. Es scheint, daß die Herren Peyronnet und Chantelauze diese Bedingung eingegangen sind, denn die betreffende Koͤnigl. Verordnung ist auf das Ge⸗ such jener Herren erlassen worden. Die Herren Polignac und Guernon⸗Ranville, die wahrscheinlich kein solches Gesuch einge— reicht haben, bleiben Gefangene in der Festung Ham. Die Re⸗ gierung hatte nicht Ursache zu fuͤrchten, daß die Vorwuͤrfe, die man ihr so oft und mit so vielem Rechte uͤber ihre legitimisti⸗ sche Tendenz macht, sich durch eine Begnadigung der vormaligen Minister noch mehr haͤufen wuͤrden. Die ation, die nach ih⸗— rem Siege im Juli so viel Großmuth in Bezug auf diejenigen zeigte, die sich ein Spiel daraus gemacht hatten, ihren Zorn her⸗ vorzurufen; die Nation, mit dem ihr eigenen ausgesuchten Tatt, hat vollkommen üngesehen⸗ daß das Zugestaͤndniß, welches man anscheinend ihrem Rachegefuͤhl machte, indem man die Gefan⸗ genschaft der vormaligen Minister in die Laͤnge zog, schon seit Jahren nur eine unnuͤtze Demonstration war, und daß es nicht mehr in dem Interesse des Landes lag, die Gefangenen noch laͤnger fest zu halten. Von dem Augenblick an, wo die jetzige Regierung Paris in den Belagerungs⸗Zustand versetzte, haͤtten die Pforten des Schlosses Ham sich oͤffnen muͤssen; denn von da an war es sonnenklar, daß das Beispiel der Minister Karl's X. ihren Nacyfolgern keine Fruͤchte getragen hatte, daß ihre Bestrafung denjenigen keine Furcht eingefloͤßt, die sich von dem Joche der Gesetze und der TConstitution befreien wollten, daß also die Festhaltung jener Minister bloß den Schmerz ihrer Familien unnuͤtzerweise verlaͤngerte, ohne der Nation eine Buͤrg⸗ schaft zu gewaͤhren. Diese Betrachtung loͤschte den Rest feind⸗ seliger Gesinnungen aus, die noch gegen die vormaligen Minister ob⸗ walten mochten, und von jenem Augenblick an waren sie Gefangene der Regierung, aber nicht mehr Gefangene der Nation. Man darf sich wundern, daß die von der Regierung ergriffene Maßregel nicht alle vier Gefangene in sich begreift, sondern zwei Katego⸗ rieen fuͤr Maͤnner aufstellt, hinsichtlich welcher eine vollkommene Gemeinschaft des Vergehens, des Schicksals und der Strafe besteht. Die Formalitaͤt des Gesuchs, die, wie es scheint, von zwei der Gefangenen nicht erfuͤllt worden ist, wuͤrde den Unterschied in der Behandlung nicht rechtfertigen. Wir haben unsere Meinung uͤber das Gehaͤssige, das in jener Forderung liegt, schon ausgesprochen. Erblickt man nicht augenscheinlich in dem von den Verurtheilten verlangten Gnadengesuche, nicht allein einen Widerruf ihres Verfahrens, sondern auch ihrer Meinungen, eine Art von Abbitte, die sie von ihrer Par⸗ tei trennt und sie der Regierung blindlings unterwirft? Wenn man die Regel, die die Regierung bei Ertheilung ihrer Gnade aufgestellt hat, streng auf die Gefangenen in Ham anwenden wollte, so hiehe dies in Wahrheit, eine neue Verurtheilung uͤber die beiden noch in Haft befindlichen Minister aussprechen; es hieße die Weigerung eines Gnadengesuchs zu einem Verbrechen stempeln, das durch die Gesetze weder vorher gesehen, noch mit einer Strafe belegt worden ist; es hieße, die beiden begnadigten Minister die Be⸗ deutung, die man an ihr Gesuch knuͤpft, noch um so bitterer empfinden lassen. Die von Herrn Persil erfundene Regel, um der Ausdehnung der Koͤniglichen Gnade Schranken zu setzen, ist hier nicht anwendbar, denn es waͤre im hoͤchsten Grade un⸗ billig, denjenigen ein verschiedenes Schicksal zu bereiten, uͤber die der Zorn des Volkes, durch die Organe des Gesetzes aus⸗ gedruͤckt, ein gemeinschaftliches Urtheil gefaͤllt hat. Dies ist uͤbrigens die zweite Maßregel der Gnade, die das gegenwaͤrtige Ministerium ergreift, und man versichert, daß sehr bald eine aus⸗ fuͤhrlichere publizirt werden wuͤrde, da von vielen Verurtheil⸗ ten Gnadengesuche eingegangen seyen. Selbst wenn man diese Formalitaͤt gut heißt, bei der man hoffentlich nicht beharren wird, so kann man nicht umhin zu bemerken, um wie viel liberaler sich das gegenwaͤrtige Ministerium, in Bezug auf Maßregeln der Gnade zeigt, als die vorige Verwaltung. Wie! Herr Sauzet, der in dem Prozeß der Minister plaidirt hatte, konnte nichts fuͤr sie thun? Wie, Herr Passy, Herr Pelet, jene Maͤnner des tiers-parti, jene Muster der Gemaͤßigten, jene Quasi⸗Liberalen, konnten die Pforten keines einzigen Gefaͤngnisses oͤffnen? Und
Herr Persil ist es, der ihnen beweisen muß, daß ihrer Ohnmacht der Mangel an gutem Willen zum Grunde lag, indem er weit zahlreichere Begnadigungen publizirte, als man von ihm erwar⸗ ten durfte! Welch ein Zuwachs von Vorwuͤrfen, die man den Ministern des 22. Februar zu machen berechtigt ist!“
„Herr Thiers arbeitet, wie ein hiesiges Journal versichert, auf seiner Reise an einer Geschichte von Venedig und beabsich⸗ tigt, seine Quellen an Ort und Stelle zu studiren.
Der General Damremont ist am I4ten d. M. in Toulon angekommen und hat sich sogleich an Bord des Dampfschiffes begeben, das ihn nach Afrika bringen soll, und welches um 11 Uhr Morgens die Anker gelichtet hat. Der Oberst Rancé scheint also nicht, wie fruͤher gemeldet wurde, die Reise gemein⸗ schaftlich mit dem General Damremont gemacht zu haben. Ddie HOperation zur Aufrichtung des Obelisken von Luxor ist auf kuͤnftigen Sonnabend, den 22sten d. M., festgesetzt.
Die durch den Geldmangel eingetretene Stockung des Sei⸗ den⸗Geschaͤfts in Lyon scheint, einem Schreiben aus jener Stadt vom 12ten d. zufolge, ihr Ende erreicht zu haben. „Es sind“, heißt es in jenem Schreiben, „mehrere Amerikaner hier einge⸗ troffen, um Ankaͤufe in Seide zu machen, wodurch die Preise derselben in wenigen Stunden um 4 bis 5 pCt. gestiegen sind, und da die Zeit nahe ist, wo die Bestellungen von anderen Laͤndern eintreffen, so ist die Nachhaltigkeit dieser Steigerung nicht zu bezweifeln.“
Der Messager sagt bei Eroͤrterung der letzten finanziellen Maßregel des Herrn Mendizabal, man sey allgemein der Mei⸗ nung, daß es der Wuͤrde der Spanischen Regierung weit an—⸗ gemessener gewesen waͤre, den Inhabern Spanischer Papiere offen zu erklaͤren, daß die Ereignisse ihr die Herbeischaffung der noͤ— thigen Geldmitrel nicht gestatteten, und daß der Schatz gens⸗ thigt sey, die Bezahlung der Zinsen bis nach Beendigung des Buͤrgerkrieges zu verschieben. 8
An der heutigen Boͤrse haben sich die Franzoͤsischen Fonds, die gestern durch den Fall der Spanischen Papiere mit beruͤhrr wurden, wieder erholt, da man erfuhr, daß der Bankerott Spa⸗ niens auf die ve Konsols keinen Eindruck gemacht habe. In den Spanischen Papieren war heute der Umsatz sehr geringe; der Cours derselben hielt sich bestaͤndig zwischen 20 und 20 ½⅛. Indessen sagte man, daß die Englische Stockboͤrse sich heute ver⸗ sammeln werde, um daruͤber zu berathschlagen, ob es unter den gegenwaͤrtigen Umstaͤnden nicht angemessen sey⸗ die Norirung der Course der Spanischen Fonds an der Londoner Boͤrte zu verbieten. Wenn die Stockboͤrse diese Maßregel annimmt, so wuͤrde ein neuer Fall der aktiven Schuld unvermeidlich seyn. Es war das Geruͤcht verbreitet, daß Gomez sich der Stadt Gra⸗ nada bemaͤchtigt habe.
Großbritanien und Irland.
London, 19. Okt. Die Hof⸗Zeitung meldet jetzt die Ernennung des General⸗Major Sir Lionel Smith zum Gene⸗ ral⸗Capitain und Ober⸗Statthalter der Insel Jamaika und ihrer Dependenzien, des Oberst Sir E. J. Murray Mac Gregor zum Gouverneur und Ober⸗Befehlshaber der Inseln Barbadocs, St. Vincent, Grenada und Tobago, des General⸗Major Sir “ Smyth zum Gouverneur und Ober⸗Befehlshaber von Britisch Guiana und des General⸗Major Sir H. F. Bouverie zum Gouverneur und Ober⸗Befehlshaber der Insel Malta.
Eben dieses Blatt zeigt an, daß der Koͤnig den Dr. der Theologie, Ch. Th. Longley, zum Bischof von Ripon empfohlen habe, welche Empfehlung zugleich die Ernennung in sich schließt, indem das Kapitel stets den vom Koͤnige ihm vorgeschlagenen Kandidaten waͤhlt.
Lord Palmerston befindet sich jetzt zum Besuch bei Lord Melbourne in Brockethall.
Lord Aberdeen, der Herzog von Richmond und Sir W. Rae haben die Ernennung zu Mitgliedern der Kommission, die der Schottischen Universitaͤten untersuchen soll, ab⸗ gelehnt. .
Die Konservativen von Devonport haben beschlossen, bei der naͤchsten Parlamentswahl wieder Herrn Dawson, den Schwa⸗ ger Sir R. Peel's, als Kandidaten aufzustellen.
Dem Parlament wurde vor seiner Prorogirung eine Reihefolge von Papieren uͤber den Zustand des Acker⸗ baus und die Verhaͤltnisse der Bevoͤlkerung in Europa vorge⸗ legt. Diese Aktenstuͤcke sind jetzt in Druck erschienen. Sie bestehen aus Antworten der Britischen Konsuln in den ver⸗ schiedenen Theilen von Frankreich, Preußen, Deutschland, Hol⸗ land, Belgien, Italien und den Oesterreichischen Staaten. Es war naͤmlich an jeden Konsul ein Cirkular befoͤrdert worden, welches 32 Fragen enthielt, worauf Antwort verlangt wurde. Die Times theilt aus diesen Dokumenten, die fast 200 Folio⸗ Seiten einnehmen, heute einige Auszuͤge mit. Ueber Calais und Guines wird Folgendes berichtet: „Die gewoͤhnliche Nahrung des Ackerbau⸗Arbeiters in diesem Theile von Frankreich besteht aus Brod, Kartoffeln, Gemuͤse und Suppe, die aus Brod, Kraͤutern und etwas Speck oder Poͤkelschweinefett gekocht wird. In dieser Beziehung sind sie nicht so gut daran, wie der Englische Arbeiter, denn Fleisch koͤmmt sehr selten, wenn uͤberhaupt jemals, bei ihnen vor. Im Fruͤh⸗ ling und Sommer sind die Weiber sehr viel auf dem Felde be⸗ schaͤftigt, besonders mit Ausjaͤten des Unkrauts unter dem Ge⸗ traide und Flachs, mit Kartoffelnstecken und mit dem Klopfen des Flachses, wenn dieser geaͤrndtet ist, was stets mit der Hand geschieht. Mit diesen Arbeiten koͤnnen sie sich 10 bis 12 Sous des Tages verdienen. Im Winter gehen sie spinnen. Eine waͤhrend der Aerndte gemiethete Frau bekoͤmmt 15 Fr. monat⸗ lich und Bekoͤstigung; wird sie auf den Tag gedungen, so erhaͤlt sie, außer der Bekoͤstigung, 15 Sous taͤglich. Wenn sie spinnen gehen, haben sie 5 bis 7 Fr. monatlich nebst Unterhalt und Wohnung. Sind sie im Sommer nicht verdungen, so gehen sie auf das wuͤste Land und in die Waͤlder Gras schneiden und sammeln es zum Winter fuͤr ihre Kuh, denn fast jeder Haͤusler, der ein Familie hat, besitzt auch eine Kuh. Die Arheits⸗Kleidung dey