Die heute Abend ausgegebene Hof⸗Zeitung enthaͤlt die Ernennung des Grafen von Upbridge, aͤltesten Sohnes des Marquis von Anglesea, zum Kammerherrn der Koͤnigin an die Stelle des verstorbenen Lord Templemore. Auch meldet sie,
daß der Herzog von Cambridge den Oberst⸗Lieutenant Corn⸗ wall von der ea, Waehe und den Oberst⸗-Lieutenant Schluͤtter und Capitain Baron von der Knesenbeck, Beide von der Hannoverschen Armee, zu seinen Stallmeistern ernannt habe. Die Graͤfin Mulgrave kam gestern Abend von Dublin hier an und will sich morgen nach Brighton begeben, um dort die Stelle der Graͤfin von Charlemont, als Kammerdame der Koͤ⸗ nigin, einzunehmen.
Der Ausfall in den Staats⸗Einnahmen, welchen die vor⸗ estern publizirte Quartal⸗Bilanz ergiebt, war, ungeachtet der vorbereitenden Andeutungen der ministeriellen Presse, doch nicht fuͤr so bedeutend gehalten worden, als er sich jetzt wirklich zeigt,
und scheint, obgleich die Consols in Folge desselben nur wenig efallen sind, doch einige Besorgniß fuͤr die Zukunft zu erregen. In einem Boͤrsen⸗Artikel der Times heißt es in dieser Be⸗ iehung: „Ein so bedeutender Ausfall in der Staats⸗Einnahme at die Meisten uͤberrascht und ein sehr unbehagliches Gefuͤhl n der City verbreitet, obgleich an ein anderes als an ein un⸗ uͤnstiges Resultat von Niemand gedacht worden war. Daß der ustand des Handels schlecht ist, wußte Jedermann, und man bdatte daher allgemein seine Erwartungen in Bezug auf die Einnahmen danach eingerichtet, aber die besorglichsten Vermu⸗ thungen, die man nur hegen konnte, sind noch uͤbertroffen wor⸗ den. Nichts kann deutlicher die furchtbare Ausdehnung dar⸗ thun, welche die letzte Handels⸗Krisis erlangt hat, und ohne einen solchen Beweis haͤtte man gar kein richtiges Urtheil daruͤber faͤllen koͤnnen. Die Maßregeln der Abhuͤlfe, welche die Bank von Eng⸗ land und EE Kaufleute und Banquiers getroffen ha⸗ ben, um die ahlungsunfaͤhigen aufrecht zu erhalten, haben dazu ge⸗ dient, das Uebel theilweise den Augen des Publikums zu ent⸗ ziehen, aber hier zeigt es sich in seiner ganzen Entwickelung. Der groͤßte Minderertrag sindet sich in demjenigen Theile der Einnahme, welche vom Handel herruͤhrt, und in dieser Bezie⸗ hung steht die gegenwaͤrtige Bilanz ohne Beispiel da, mag man auch eine große Anzahl Jahre zuruͤckgehen. Es ist dies um so bemerkenswerther, weil man weiß, daß der Schatz bedeutende Summen durch die Getraidezölle waͤhrend des letzten Viertel⸗ jahres erhalten hat, und in der That wuͤrde das Desfizit, so bedeutend es auch ist, sehr vergroͤßert worden seyn, wenn jenes guͤnstige Ereigniß nicht eingetreten waͤre. Die wahren Ursachen des Ausfalles scheinen geflissentlich den Augen des Publikums entzogen zu werden und koͤnnen nur denjenigen bekannt seyn, welchen die Rechnungen zugaͤnglich sind; gewiß ist es aber, daß keine der von den ministeriellen Blaͤttern mitgetheilten Ursachen in der City den Glauben gefunden, den man ihnen beigemessen wuͤnscht. Weit entfernt daher, daß die Kaufleute hoffnungsvoll in die Zukunft blicken sollten, wie das gewoͤhnlich nach einem unerwarteten und bedeutenden Unfalle zu geschehen pflegt, er— warten sie ziemlich allgemein ein noch groͤßeres Defizit zur Zeit der naͤchsten Bekanntmachung.“
Der Marquis von Chandos hielt neulich auf dem Markte der Paͤchter zu Aylesbury eine Rede an sie, worin er ihnen ihrer Lage und ihrer Aussichten wegen Gluͤck wuͤnschte, aber zugleich bemerkte, daß sie dafuͤr nicht den Ministern, sondern ihren eignen Bestrebungen Dank schuldig waͤren. Er⸗ ermahnte sie, in diesem loͤblichen Bemuͤhen zu beharren und die Legisla⸗ tur von Zeit zu Zeit zu erinnern, welchen wichtigen Platz sie in der Nation einnaͤhmen. Insofern das Wetter und die Frucht⸗ barkeit des Bodens nicht unter legislativer Kontrolle staͤnden, meinen ministerielle Blaͤtter, habe der Lord freilich nicht Un⸗ recht; indessen muͤsse ein Element des verbesserten Agrikultur⸗ Interesses, naͤmlich die verminderte Last der Armensteuer und die hoͤhere Schaͤtzung der Arbeit des Landbaues, nicht vergessen werden, wofuͤr der Dank allerdings den Ministern gebuͤhre.
Die Zahl der gegenwaͤrtig bei der Britischen Landmacht, mit Ausnahme der von der Compagnie in Ostindien besoldeten Heere, im aktiven Dienst Befindlichen betraͤgt nur 81,331 und die Zahl der Pensionaire 93,336; 6592 Offiziere erhalten Pen⸗ sion, waͤhrend der im Dienste befindlichen Offiziere nur 4515 sind. In der Marine sind 1513 Offiziere, die 277,063 Pfund kosten, im aktiven Dienst, und 5986 leben von 810,771 Pfund
ensionen. Die folgende vergleichende Liste ist den offiziellen isten der Forderungen fuͤr den See-Etat auf die Jahre 1837 und 1838 entnommen: 11 Admirale mit 24,455 Pfd. Gehalt sind in Thaͤtigkeit, 212 Admirale mit 117,037 Pfd. leben im Ruhe⸗ stande; 61 Capitaine im aktiven Dienst empfangen 30,850 Pfd.; 623 Capitaine sind mit 131,526 Pfd. pensionirt; 65 Comman⸗ deure im Dienst empfangen 19,502 Pfd., 979 pensionirte Com⸗ mandeure kosten 150,909 Pfd.; auf 393 Lieutenants in Akti⸗ vitaͤt mit 49,538 Pfd. Gehalt kommen 2219 Lieutenants in Ruhestand mit 218,041 Pfd. Pension.
Am 3. Oktober verließ der zum Oberbefehlshaber der Sta⸗ tion in Ostindien ernannte Contre⸗Admiral Sir F. Maitland am Bord seines Flaggenschiffes „Wellesley“, mit 74 Kanonen, den Hafen von Portsmouth, um sich an seinen Bestimmungs⸗ ort zu begeben. Auf der neuesten Liste der Befoͤrderungen in der Marine 1 als neu ernannter Lieutenant auf dem „Wel⸗ lesley“ Selim Mustapha, ein Aegypter.
Es heißt, einer der unter dem Namen der Nadeln der Cleopatra bekannten Obelisken solle naͤchstens nach England ge⸗ bracht und in Trafalgar⸗Square aufgestellt werden.
Nach einem Briefe aus Lissabon vom Aten d., hatte sich dort der Poͤbel, als er erfuhr, daß der Herzog von Terceira mit zwei Adjutanten und acht anderen Offizieren an Bord des Englischen Schiffes „Malabar“ sich befaͤnde, vor den Thuͤren des Ministers des Innern zusammengerottet und daruͤber gewuͤthet, daß dieser den beruͤhmten Verbannten nicht sogleich aus dem Schiffe habe holen und ins Gefaͤngniß bringen lassen. Der Minister beruhigte das Volk mit einem Briefe des Herzogs, worin die⸗ ser auf sein Ehrenwort versichert, er sey nur seiner Gattin we⸗ gen nach Lissabon gekommen und wolle augenblicklich abreisen.
Briefe aus Aegypten vom Ende August waren voll Be⸗ sorgnisse, daß die Ueberschwemmung des Nil nicht die noͤthige Hoͤhe erreichen moͤchte, da sie nur 16 Kubits gestiegen und man eer daß 20 ½ Kubits zu einer reichlichen Aerndte erforder⸗ lich sind.
Mit dem Packetschiff „Sheffield“ angekommene Nachrich⸗ ten aus New⸗York gehen bis zum 26. September. Eine stei⸗ gende und bedeutende Verbesserung der Handels⸗Angelegenhei⸗ ten war unverkennbar. Herr Jourdan, der Kassirer der Bank der Vereinigten Staaten, wollte New⸗York mit dem am 8. Oktober abzufertigenden Packetschiffe verlassen, in der Absicht, in London die gegenseitigen Bank⸗Geschaͤfte und Handels⸗An⸗ gelegenheiten der beiden Länder zu ordnen. Der Senat hatte nach laͤngerer Diskussion die von dem Finanz⸗Ausschusse vor⸗ geschlagenen Maßreg enehmigt. Das Resultat der Verhand⸗
8—
9g
lungen im Hause der Repraͤsentanten war noch ein Gegenstand streitender Vermuthungen. Doch schien sich die Meinung zu Gunsten der Regierung hinzuneigen, welche in den Hauptfra⸗ gen die Majoritaͤt behalten und dem Handelsstande die ge⸗ wuͤnschten Modificationen in Bezug auf die Ausgabe von Schatzbillets und die Ausdehnung der Frist fuͤr die Zoll⸗Ge⸗ huͤhren bewilligen wuͤrde.
Ein New⸗Yorker Blatt versichert, aus guter Quelle er⸗ fahren zu haben, daß die Britische Regierung den Lord Gos⸗ ford, den General⸗Gouverneur von Kanada, beauftragt habe, die ruͤckstaͤndigen Beamten⸗Besoldungen zu bezahlen, welche zu bewilligen das Haus der Abgeordneten von Nieder⸗Kanada sich geweigert hat. New⸗York eingetroffen, um durch den Verkauf von Wech⸗ seln auf die Britische Regierung die erforderlichen Fonds an⸗ zuschaffen.
Die guͤnstigen Nachrichten aus Peru haben einiges Leben in die Geschaͤfte mit Fonds dieser Republik gebracht, und diese sind in Folge davon um 1 pCt. gestiegen. Die Englischen Con⸗ sols sanken nach der Bekanntmachung der Quartal⸗Einnahme anfangs ein wenig, gingen aber spaͤter wieder in die Hoͤhe.
Nus Montreal sind uͤber New⸗York Briefe bis zum 22. September angekommen. Die Handelsbank von Kingston in Ober⸗Kanada hat, nachdem sie den letzten Heller aus 188 Kassen ausgegeben, durch allzugroße Forderungen aus den Ver⸗ einigten Staaten gedraͤngt, ihre Zahlungen einstellen muͤssen.
Aus den Barbadoes⸗Zeitungen geht hervor, daß auch die Inseln St. Thomas und Tortola von dem Orkan Anfangs Augusts sehr gelitten hatten. Die Pflanzen in Tortola sahen aus wie verbrannt. In St. Thomas waren 36 Schiffe ver⸗ sunken oder vernichtet worden und 18 Menschen dabei ertrun⸗ ken. Auf der Insel selbst sollen 32 Menschen ums Leben ge⸗ kommen seyn. Kaum hatte der Orkan nachgelassen, als in der Nacht um 11 Uhr ein Feuer ausbrach, das anfangs große Ge⸗ fahr drohte, aber doch sehr bald, nach Vernichtung von bedeu⸗ tendem Eigenthum, unterdruͤckt wurde. In Tortola waren 15 Menschen ums Leben gekommen. Auch an den Kuͤsten von Flo⸗ rida und beider Karolina's, so wie insbesondere auf Puerto⸗ Rico, hat der große Orkan zu Anfang August furchtbare Ver⸗ heerungen angerichtet.
Niederlande.
Aus dem Haag, 13. Okt. Ein außerordentliches Supple⸗ ment zur Staats⸗Courant vom gestrigen Tage enthaͤlt uͤber das Ableben Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin folgende Anzeige: „Es hat der goͤttlichen Vorsehung gefallen, Ihre Majestaͤt die Koͤnigin heute Mittag um 12 ¾½ Uhr zu sich abzurufen. Nach⸗ dem Allerhoͤchstdieselben waͤhrend der letzten Zeit Ihres Aufenthal⸗ tes im Loo an zunehmender Schwaͤche gelitten, welche Ihre Majestaͤt jedoch nicht verhinderte, am 4ten d. nach der Residenz zuruͤckzukehren, haben Ihre Kraͤfte seit dieser Zeit fortwaͤhrend abgenommen und sind Ihre Majestaͤt, nachdem sich besonders seit gestern Abend Ihr Zustand stets mehr und mehr verschlim⸗ mert hatte, sanft entschlafen.“
In Folge dieses Ereignisses, durch welches nicht bloß die Koͤnigl. Familie, sondern auch das ganze Land in die tiefste Trauer versetzt worden, sind saͤmmtliche Theater und Vergnuͤ⸗ gungsorte hier und in allen uͤbrigen Staͤdten des Reiches ge⸗ schlossen und ist das gewoͤhnliche Glockenspiel auf den Thuͤrmen eingestellt worden. Die Hollaͤndischen Zeitungen sind heute alle mit schwarzen Trauerraͤndern erschienen.
Die am naͤchsten Montag stattfindende Eroͤffnung der bei⸗ den Kammern wird im Namen Sr. Majestaͤt durch eine Mini⸗ sterial-Kommission geschehen und duͤrfte in Folge des Ablebens Ihrer Maj. der Koͤnigin besonders feierlich ausfallen 1
Feutschland. “ Detmold, 11. Okt. Der von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige von Preußen am hiesigen Hofe akkreditirte außerordentliche Ge⸗ sandte und bevoͤllmaͤchtigte Minister, Oberst und Fluͤgel⸗Adju⸗ tant von Thun, hat heute unserem Fuͤrsten sein Beglaubigungs⸗ schreiben uͤberreicht.
Gotha, 13. Okt. Durch eine im heutigen Regierungs⸗ blatt erschienene hoͤchste Verordnung sind die kuͤndbaren Schul— den der Kammer des Herzogthums Gotha, im Betrag von 800,000 Rthlr. in ein geschlossenes Anlehn verwandelt worden, dergestalt, daß statt der bisherigen, auf den Namen des Inha⸗ bers lautenden kuͤndbaren Obligationen, vom 1. April 1838 an⸗ fangend unaufkuͤndbare Schuldbriefe au porteur, zu 3 ½ pCt. verzinsbar, ausgegeben werden sollen, und zwar 300 Stuͤck zu 1000 Rthlr., 400 zu 500 Rthlr., 800 zu 280 Rthlr., 1200 zu 100 Rthlr. und 400 zu 50 Rthlr. Die ganze Summe soll laͤng⸗ stens binnen 44 Jahren zuruͤckgezahlt werden, indem jaͤhrlich zu An⸗ fang des Monats Oktober eine gewisse Anzahl Obligationen und zwar aus jeder der bestehenden 5 Klassen ein verhaͤltnißmaͤßiger Betrag ausgeloost wird. Zur Verzinsung sind jaͤhrlich 28,000 Rthlr. und zur Tilgung mindestens 8000 Rthlr. angewiesen. Die Num⸗ mern der ausgeloosten Schuldbriefe werden dreimal im Go— thaischen Regierungsblatte, in dem in Gotha erscheinenden all⸗ gemeinen Anzeiger, so wie in drei am meisten gelesenen oͤffent— lichen Blaͤttern, welche in Frankfurt am Main, Leipzig und Berlin erscheinen, bekannt gemacht werden. Nebst den Schuld⸗ briefen werden Zins⸗Coupons auf 10 Jahre ausgegeben, welche bei jeder herrschaftlichen Kasse als baares Geld benutzt werden koͤnnen; naͤch Ablauf von 10 Jahren werden immer neue Zins⸗ Abschnitte auf die naͤchsten 10 Jahre ausgegeben.
Muͤnchen, 13. Okt. Ihre Majestaͤten der Koͤnig und die Koͤnigin sind gestern Abend in erwuͤnschtestem Wohlseyn hier eingetroffen.
Diesen Nachmittag 3 Uhr ist Ihre Majestaͤt die Koͤnigin von Sachsen von Tegernsee hier eingetroffen, und wird nach einigen Stunden die Reise nach Dresden fortsetzen.
Diesen Morgen hatte, wie alljaͤhrlich an diesem Tage, in der Michaelis Hofkirche der Trauer⸗Gottesdienst fuͤr die ver⸗ storbenen Max⸗Joseph⸗Ritter statt, dem Se. Majestaͤt der Koͤ⸗ nig beiwohnte. Abends begann die Gedaͤchtniß⸗Feier des hoͤchst⸗ seligen Koͤnigs Max. Wie heute den Vigilien, wird der Mo⸗ narch morgen auch dem Requiem beiwohnen. Das Theater bleibt geschlossen. 8
Darmstadt, 13. Oktober. Der Graf Dietrichstein hat gestern sein Kreditiv als außerordentlicher Gesandter und be⸗ vollmaͤchtigter Minister des Kaisers von Oesterreich in feierlicher Audienz dem Großherzoge zu uͤberreichen die Ehre gehabt.
Se2 Turin, 2. Okt. (Allg. Ztg.) Wer die redlichen Bemuͤ⸗ ungen unseres jetzigen Köniss um Aufrichtung des Landes durch industrielle und Kunst⸗Anstalten, Handels⸗Erweiterungen, oͤffentliche Bauten, Kunststraßen u. s. w., wer sein menschen⸗
freundliches und unerschrockenes Betragen in Genua zur Zeit
Ein Beamter war aus Nieder⸗Kanada in“
Cholera schrecklich heimgesucht wurde, waͤ
der Cholera betrachtet, der begreift nicht, wie neuerdings vof
seiner Regierung ein Cirkular ausgehen konnte, das allen M
tarien verbietet, Akte zu Gunsten von Protestanten aufzusetzen
selbst Kaͤufe und Verkaͤufe, an denen Protestanten Theil habe Noch mehr, Protestanten duͤrfen kuͤnftig im Koͤnigreich Sardinin
nicht mehr als Zeugen gebraucht werden. Dieser Geist der 8
toleranz, der das Volk zum Anfang des siebzehnten Jahrßu derts zuruͤckfuͤhren moͤchte, wo unser Staat bekanntlich eine der dunkelsten war, steht in genauem Einklange mit dem so ebc erschienenen Projekt eines neuen Civil⸗Gesetzbuches, an dem se sieben Jahren die ersten Rechtsgelehrten des Landes und ze Universitaͤt arbeiteten und von dem man sich viel versprach, mal da unsere buͤrgerliche Legislation bisher so zuruͤck war u an lang vergangene Zeiten erinnert. In diesem Projekt ven den die Protestanten bei buͤrgerlichen Vertraͤgen noch schlimne als die Juden behandelt. Auf keinen Fall ist dies ein Mitme den Piemontesern und Savoyern die Erinnerungen an n- Code Napoleon aus dem Sinne zu bringen.
Livorno hegt die Hoffnung, in wenig Tagen ganz von e Uebel der Cholera befreit zu seyn, indem mancher Tag 1p Sterbefall voruͤbergeht. Auch von der Umgebung Livornosg! sich Aehnliches berichten. Modena und Lucca sind noch imge von Toscana abgesperrt; man sagt aber, daß in einigen Tug jene Staaten, zum allgemeinen Vortheil, die Kordons ganze heben werden, denn Handel und Gewerbe liegen voͤllig darn der. Von Livorno gelangt man in 1 ½ Stunden nach Ii⸗ und in eben so vieler Zeit von da nach Lucca; nun ist es merkenswerth, daß Livorno zweimal in zwei Jahren vonz
S die Seuchen der in Pisa, noch in Lucca ausbrach; in beiden kamenn einige Sterbefaͤlle von gefluͤchteten Livornesen vor. Lucca „h in diesem Jahre ganz verschont. Dagegen lauten die Nact ten aus Catania betruͤbend. Diese Stadt zaͤhlt kaum 608 Einwohner, von denen bereits 14,600 hingerafft wurden. ist die groͤßte Sterblichkeit, die man bis jetzt in Eurgy lebt hat.
Rom, 6. Okt. (Allg. Ztg.) Seit den letzten fuͤnf ren wurden zu wiederholtenmalen Revisionen der Gesezbi begonnen, ohne daß die Rechtspflege dadurch irgend wesentz Veraͤnderung erfahren haͤtte. Jetzt sieht man sich genmtt wieder eine Kommission zusammentreten zu lassen, welche Administration, wie den Kriminal⸗ und Civil⸗Kodex einer) fung zu unterwerfen hat, um die immer lauter gewore Klagen zu beschwichtigen. Zu dieser Kommission sind die n Kardinaͤle Falzacappa, Gamberini, Alberghini und Tilma nannt, und ihnen als Secretair der Monsignore Bontnnis bir⸗ gegeben. Die Rechtsgelehrten, welche an dieser wichtige N beit Antheil nehmen werden, sind noch nicht namhaft gemath
Der Monsignore Capaccini, Unter-Staats-Secretar, vorgestern von seiner Reise aus Deutschland hier eingetref Er ist, nach seinen Aeußerungen, mit dem Aufenthalt in verschiedenen Hauptstädten, die er besucht, sehr zufrieden wesen.
Dem Dr. Dietz aus Wien, welcher in diesen Blaͤttern ste fruͤher ruͤhmliche Erwaͤhnung gefunden hat, ist ein sehr fiem liches Schreiben von der “ von Parma zugekomnen worin sein eifriges Betragen waͤhrend der Cholera in den schme chelhaftesten Ausdruͤcken anerkannt wird. Er wie die ander Deutschen Aerzte, welche sich hier aufhalten, haben sch die Ac tung und Dankbarkeit der rechtlich denkenden Roͤmer im Hec sten Grade erworben, aber auch an Neidern fehlt es ihnen ni unter ihren Italiaͤnischen Kollegen.
Bei der hiesigen Sparkasse, wo man sich auf Saa großer Summen vorbereitet hatte, sind waͤhrend des Verl der Cholera im Ganzen nur 15,000 Scudi erhoben won was zum Beleg dienen kann, wie groß das Zutrauen des likums zu dieser nuͤtzlichen Anstalt ist.
Die letzte Cholera⸗Verordnung hat bei dem gemeinen Unwillen erregt, da er nicht mehr an das Ansteckende Krankheit glaubt, waͤhrend die Aerzte noch steif und f der Kontagiositaͤt halten, vermuthlich um ihren fruͤheren! sagen getreu zu bleiben, oder um den Erfahrungen der am dischen Doktoren nicht beizupflichten. In einem der bewe sten Theile der Stadt wurde ein Haus, worin ein Cheln vorkam, abgesperrt, wogegen sich die uͤbrigen Bewohner m walt setzten, so daß die Maßregel nicht durchgefuͤhrt werdenih Durch diplomatische Vermittelung ist man in Neapel vud vorgehabten Sperr⸗System abgekommen; die Graͤnze ist si gen Tagen fuͤr Reisende wieder offen, und sonach hat die hitzeh gierung vorgestern Befehl “ auch den diesseitigen Km⸗ visorisch von Terracina bis Frosinone aufzuheben, und ehe welche diesen Weg kommen, keinem Aufenthalt zu untmct
Z1111“““
Die Morning Chronicele enthaͤlt folgendes Steg aus Madrid vom 3. Oktober: „Was man nach dem! der Cortes, welches uͤber Pita Pizarro das Urtheil spract her oder spaͤter erwartete, ist gestern geschehen. Die Nal tion aller Kabinets-Minister, mit Ausnahme des Hemn daxi, wurde in den Cortes angezeigt. Dies Ereignz in Niemand uͤberraschen, der die Bestandtheile des Kabintm— die Umstaͤnde, unter denen es gebildet worden, kannn, g den Schultern einer Handvoll mißvergnuͤgter Sebeaeg Macht erhoben, konnte es weder die Achtung der fremenI. besitzen, noch den Beistand der Volksvertreter gewinmn, neg deren Wuͤnsche es zusammengesetzt wurde. In seinem ügen Schoß aber fanden sich keine Eigenschaften, um diese Hindernis besiegen. So ist sein Sturz eine nothwendige Folge der staͤnde. Mit Ausnahme desjenigen, was Pita Pizarro 9. verdient auch diese kurze Verwaltung kaum eine Bemeigg In einem Lande, wo die Gesetze geachtet waͤren und die fassung in voller Kraft bestaͤnde, koͤnnte natuͤrlich uͤber die setzwidrigkeit einiger der Handlungen Pita Pizarro's kein fel obwalten. Das Dekret vom 2. September, welches⸗ Zuratheziehung der Volksvertreter den Staat fuͤr bankeröt; klaͤrte und das Eigenthum der Bevoͤlkerung dem S nehmer preisgab, war ein . welches kein Lan 8 nur den geringsten Anspruch auf Selbstregierung macht, Nn koͤnnte. Unter welchem Einfluß und aus welchem Antri in diesem Falle handelte, oder wie weit er die kundgegebenen Grundsaͤtze ausgedehnt haben wuͤrde, ist jetzt keiner Untersüuchung werth. Seine G 8 selbst die, welche seine Absichten leidenschaftsloser beurah. haben zu starke Gruͤnde, zu glauben, daß es nicht ein! fG bener Patriotismus war, der ihn zum alleinigen Hei Vaterlandes einen solchen ausschweifenden Schritt thun Sein fruͤheres politisches Leben und die allgemeine veh ung, die man hier hegt, daß er der Koͤnigin die gefah
sternative vorgeschlagen habe, die Cortes aufzuloͤsen ü
Nation nach Willkuͤr zu beherrschen, tragen auch dazu bei, nicht die beste Meinung von ihm zu geben und seine Resignation nicht bedauern zu lassen, um so mehr, da seine Maßregeln, er mochte nun ein despotischer oder ein patriotischer Minister seyn, hoͤcsst plump und ungeschickt waren. Indeß muß man ihm so viel Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sein Eifer wenigstens in den schlaffen und fast hoffnungslosen Zustand der Armee wieder ei⸗ niges Leben brachte und sie durch bessere Sorge fuͤr ihre Beduͤrfnisse auf eine Zeit lang in Bewegung setzte. Auch das muß bemerkt werden, daß die Cortes gegen seine Fehler minder nachsichtig waren, als gegen die seiner Vorgaͤnger. Daß sie geneigter wa⸗ ren, sich fuͤr die ihnen zugefuͤgte Beleidigung zu raͤchen, als das Gute aus dem Schlechten heraus unehmen, leuchtet aus ihrem ganzen Benehmen gegen Pio Pita und seine Kollegen hervor. Es zeigte sich in diesem Fall mehr Parteilichkeit und Eifersucht, als man nach fruͤherem gemaͤßigterem und vernuͤnftigerem Verfahren haͤtte er⸗ warten sollen, und diese Eifersucht, auf die den Cortes von dem Volke uͤbertragenen Rechte wurde, dem letzten Kabinet ge⸗ genuͤber, weit uͤber die Graͤnzen der Klugheit hinausgetrieben, denn fuͤr Spanien kann im Innern und nach außen hin nichts schaͤdlicher seyn, als dieser ewige Wechsel der Personen und Maßregeln. Obgleich den Cortes auch schon die Namen der neu ernannten Minister angezeigt worden sind, so duͤrfte doch das neue Kabinet noch nicht als organisirt anzusehen seyn, denn Einige der Ernannten wollen nicht acceptiren, namentlich Herr Balanzat und Herr Castejon. (Vergl. den Art. Paris, wo bereits die an Stelle dieser Beiden ernannten Minister angegeben sind.) ausersehen, war Capitain⸗Inspecteur zu Cadix und ist bei der Armee und hier sehr geachtet; er befindet sich aber in zu leidendem Gesundheits⸗Zustande, um den ihm angebotenen Posten uͤberneh⸗ men zu koͤnnen. Der Andere, dem man das Ministerium der Justiz
und der Gnaden zugedacht, ist ein ganz obskurer Mann. Herr Ulloa
verwaltete zwar schon fruͤher einmal die See- und Handels⸗ Angelegenheiten, eignet sich aber nicht dafuͤr. Die beiden Pe⸗ rez, denen die Ministerien des Innern und der Finanzen be⸗
timmt sind, werden diese Stellen wohl annehmen, da es ihnen
sehr darum zu thun ist; der Eine ist jetzt politischer Chef v Madrid, der Andere war Unter⸗Seeretatr 16 ment unter Pio Pita. Sie sind Bruͤder und sollen nicht ta— lentlos seyn. Indeß auf lange Dauer hat das neue Kabinet sedenfalls keine Aussicht. Daß nicht ein einziges Mitglied aus der Mazoritaͤt der Cortes darin ist, zeigt, wie wenig die Koͤni⸗ gin auf ihre treuen Gemeinen Ruͤcksicht nimmt.“
— Ueber die (mehrfach erwaͤhnte) von San Sebastian aus unternommene mißgluͤckte Expedition zur Aufhebung des Karlistischen Gefangenen-Depots zu Marquina geben sett auch Englische Blaͤtter einige naͤhere Details. Der Fiha , gehr vor kurzem aus dem Depot entkemmen war und die Meldung gemacht hatte, daß gegen 9000 Christinos in dem Depot vechb ahke waͤrden, 1 b Expedition in Anregung. Sie wurde von 2000 Mann der Besatzung von San Sebastian, bei welchen sich auch zwei Compagnieen der Britischen Legion befanden, unter dem Be— fehl eines Spanischen Offiziers, Namens uagsnavar, unter⸗ nommen. Die Truppen wurden von zwei Britischen Dampfboͤten in zwei Divisionen in der Nacht vom 3ten d. einige Meilen west⸗ lich von San Sebastian gelandet, um von dort aus ihren Marsch in das Innere anzutreten. Die eine dieser Divisionen erreichte ihren Bestimmungsort zur rechten Zeit, waͤhrend die andere staͤr⸗ kere, zwei Stunden zu spaͤt, und zwar gerade bei Tagesan⸗ bruch, daselbst anlangte. So wurden die Karlisten noch zeitig genug benachrichtigt, um sich nebst saͤmmtlichen Gefangenen weiter in das Innere zu fluͤchten. Die Christinos zogen sich darauf wieder an die Kuͤste zuruͤck und wurden am Aten, zwar
Hmit reicher Beute beladen, die sie unterwegs zu machen Gele—
genheit fanden, und nachdem sie drei kleine Fischerdoͤrfer zer⸗
stoͤrt hatten, aber ohne ihren Zweck erreicht zu haben, in San
Sebastian wieder ans Land gesetzt. Man fuͤrchtete, daß sich die Kar⸗ listen fuͤr die Zerstoͤrung jener Doͤrfer an 6 Christths raͤchen wuͤrden. Jene Briefe melden noch, daß die Britische Legion jetzt auf ein Regiment Infanterie, 850 Mann stark, nebst 220 Artilleristen und 250 Kavalleristen, reduzirt sey. Sie sowohl, wie die Reste der alten Legion, warten noch immer vergebens auf Geld aus Madrid zur Bezahlung der Soldruͤckstaͤnde.
Poven g .
Der Courier enthaͤlt ein Schreiben aus Vigo vom 5. Oktober, worin es heißt: „Alle achtbaren Buͤrger von Porto be⸗ trachten den Sieg der Constitutionnellen als ein großes Natio⸗ nal⸗Ungluͤck und sagen, daß derselbe sie eher an jene traurigen Tage erinnere, wo unter der Miguelistischen Regierung zehn der achtbarsten Buͤrger hingerichtet wurden, als daß er fuͤr sie tine Veranlassung zur Freude sey; denn sie betrachten die jetzige Regierung von Portugal als eine bloße Junta verzweifelter Abenteurer, die entschlossen sind, ihre eigenen selbstsuͤchtigen Zwecke durchzufuͤhren, sollten dieselben auch, wie es ohne Zweifel bald gesche⸗ hen wird, die Vernichtung des Handels und der Haupt⸗Interessen des Landes herbeifuͤhren. Aber man muß nur nicht glauben, daß die sogenannten Minister wirklich an der Regierung des Landes Theil nehmen; sie sind vielmehr die bloßen Gliederpup⸗ ven des Hberst Mantes und seiner Gehuͤlfen. Dieser Mann, fruͤher ein unbekannter Schreiber in einem Regierungs⸗Buͤreau, gewann eine gewisse Beruͤhmtheit unter den Revolutionairs durch den thaͤtigen Antheil, den er an der Ermordung des Mi⸗
nisters Freire nahm. Er und seine Anhaͤnger erwaͤgen und
nüscheiden jede Frage in den Klubs, und unterstuͤtzt durch die sisenal⸗Garde, d. h. durch 2000 Mann aus dem rohesten Poͤ⸗ zwingen sie das Ministerium zur Annahme jeder Maßre⸗ 89 die sie fuͤr gut halten. Dieser Zustand der Dinge kann gNang. dauern. Ohne Geld und Kredit kann keine Regie⸗ r. ag und es ist bekannt, daß nicht ein Pfennig im Schatze ir dit Aus nahme der Arsenal⸗Garde, werden die Truppen sin theilweise besoldet, die der Koͤnigin bewilligten Summen 88 so sehr im Nuͤckstande, daß sie genoͤthigt gewesen ist, von hüe reichen Marquis die zur Unterhaltung ihres Hofstaats noͤthigen Summen zu leihen; die aus den Kirchenguͤtern geloͤ⸗ nün ummen schmelzen schnell hinweg, die Einkuͤnfte sind auf ” unsgliche Weise schon im Voraus verausgabt, und die letzte 9 Thandlung mit der Bank wegen 690 Contos hieß wirklich, des goldenen Eies wegen zu toͤdten, und bald wird 85 weiter Ubrig bleiben, als eine gezwungene Anleihe von 8 Drivat⸗ Eigenthum zu erheben. — Mit dem Englischen
nfluß in Portugal scheint es aus zu seyn, und wer jetzt in
den Straßen von Lissabon als ein Englaͤnder erkannt wird, . at nur Beleidigungen zu erwarten. Der Handel mit England
es hans höchstnachtheilig fuͤr die Interessen der Nation dargestellt. 88 Portugal sey bei seinen Anleihen von England gepluͤn⸗
8 orden, obgleich es allgemein bekannt ist, daß von allen Anleihen niemals ein Pfennig, weder an Kapital, noch an Zin⸗
Der Erstere, den man zum Kriegs⸗Minister
sen zuruͤckgezahlt worden ist. Alles politische oder kom t Unheil wird Englischen Intriguen aehs seh Der acerzeele geachtete Englische Konsul in Porto ist im „Nacional“ groͤblich beleidigt worden, und dies Blatt erscheint in Lissabon unter der direkten Kontrolle der Regierung und enthaͤlt nie eine Zeile die nicht von den Ministern selbst geschrieben oder doch von 192 gebilligt waͤre. Flotte im Tajo waͤre in der That Britisches Leben und Eigenthum nicht einen Augen⸗ blick in Lissabon gesichert. Ungeachtet der zwischen bei⸗ den Laͤndern getroffenen Uebereinkunft zur Abschaffung des Sklavenhandels wird derselbe noch ganz offen betrieben und in diesem Augenblick werden im Duero zwei der schoͤnsten Schiffe fuͤr diesen Handel ausgeruͤstet. Die Weinlese hat bereits begonnen und verspricht gut auszufallen, namentlich wenn noch eine Woche gutes Wetter bleibt; auch die Kastanien⸗ Aerndte, von der die Landbewohner so sehr abhaͤngig sind ist gut. Die Straßen im noͤrdlichen Portugal sind mit den aus dem constitutionnellen Feldzuge zuruͤckkehrenden Truppen ange⸗ fuͤllt. Die Soldaten der Portugiesischen Huͤlfs⸗Truppen in Spanien unter das Antas stellen hinsichtlich ihrer Ausruͤstung die Westminster⸗Grenadiere oder alstaff's furchtbare Rekruten voͤllig in Schatten. Die von dem Baron Leiria so tapfer ver⸗ theidigte Stadt Valença hat durch die Belagerun sehr gelit⸗ ten; kaum ein Haus ist verschont geblieben. Alle Geleahen sind mit zersprungenen Bomben bedeckt, von denen in vierzehn Tagen 5075 in die Stadt geworfen wurden. Selbst die Stadt Tuy, auf der Galicischen Seite des Minho, ist durch das Bombardement bedeutend beschaͤdigt worden. — Fh den jetzigen Zeiten wird jeder Fremde als verdaͤchtig betrachtet. So sollte erst gestern der General Romarino, der sich zu Espar⸗ tero begeben will, auf Befehl des Gouverneurs von Braga ver⸗ haftet werden, weil man ihn beschuldigte, er wolle eine Migue⸗ listische Verschwoͤrung anzetteln. Er erhielt indeß einen freund⸗ schaftlichen Wink hiervon, und es gelang ihm, zu entkommen. Ein Englischer Offizier wurde 48 Stunden in ein Gefaͤngniß ohne Tisch und Baͤnke eingesperrt, weil ihm in seinem Passe der Titel Major gegeben worden war. Ich die schoͤn ge⸗ legene, aber ziemlich schmutzige Fischerstadt igo noch nie so froͤhlich gesehen, wie in den letzten vierzehn Tagen seit der An⸗ kunft von etwa 50 Chartistischen Offizieren, die sich hier nach England einschiffen wollen. Am Abend war, angelockt durch das neue Schauspiel der Uniformen, die ganze vornehme und schoͤne Welt auf der Alameda. Aus der Achtung, mit der jene Offiziere behandelt werden, geht deutlich hervor, daß die Be⸗ wohner von Vigo den Ausgang des Kampfes sehr bedauern. In voriger Woche war auch der Herzog von Terceira hier, ist ber mit dem Dampfboote nach Lissabon abgereist.“
Eöö1“
Konstantinopel, 27. Sept. (Oest. Beob.) Am 25sten d. M. sind auf dem Russischen Dampfboote „Nikolaus I.“ Se. Koͤnigl. “ der Prinz August von Preußen und Se. Durch— laucht der Herzog von Leuchtenberg in dieser Hauptstadt einge⸗ troffen. Ersterer stieg mit seinem Gefolge beim Koͤnigl. Preuß. Gesandten, Grafen von Koͤnigsmark, Letzterer hingegen beim Koͤnigl. Griechischen bevollmaͤchtigten Minister, Herrn Zografo, ab. Der Sultan hat bereits den Dachilie Muͤsteschart (Staats⸗ rath fuͤr die inneren Angelegenheiten) Scherif Bey beauftragt, beide Prinzen in seinem Namen zu bewillkommnen. — Auf demselben Dampfboote ist der Oesterreichische Feldmarschall⸗ Lieutenant Freiherr von Hammerstein, mit zwoͤlf anderen Oester⸗ E Offizieren, von Wosnesensk und Odessa hier ange⸗ ommen. 8
Der vormalige Ottomannische Botschafter am Kaiserli Oesterreichischen Hofe, dermaliger Musehsch - vEn 89 Fethi Pascha, ist heute auf dem Oesterreichischen e sa de⸗ „Fuͤrst Metternich“ ebenfalls aus Odessa hier angelangt.
Am 23sten d. M. stattete der Kaiserl. Russische esandte, Herr von Butenieff, beim Groß⸗Wesir, beim Minister des In⸗ nern, Akif Pascha, und beim Seriasker, Halil Pascha, seinen Abschieds⸗Besuch ab. — An demselben Tage wurden von Sr. Hoheit vier Decorationen des Ottomanischen Ordens verliehen naͤmlich Herrn de Voisins, zweitem Secretair, den Herren Dantan und Lauxerrois, Dolmetschen der hiesigen Franzoͤsischen Botschaft, und dem Vicomte de Chabannes, eheman em Kom⸗ Nadare enh tr — Lnota ntg ” „Argus“. Bei diesem
nlasse erhielt der erste Botschafts⸗Dolmet 1 mit Diamanten besetzte Dese f e (lö
In den Staats⸗Aemtern haben mehrere Veraͤnderungen stattgefunden. Der Ameddschi 8. ifaat Bey ist zum Ottomani⸗ schen Gesandten in Wien ernannt und ihm Rauf Bey als er⸗ ster Secretair beigegeben worden. An seine Stelle ist Schekib Efendi, derselbe, welcher unlaͤngst mit Auftraͤgen nach Griechen⸗ land geschickt worden war, zum Ameddschi der hohen Pforte ernannt worden. Der Titel Umuri⸗Muͤlkie⸗ 6 (Minister der Angelegenheiten des Reichs) wurde in Umuri⸗Dachilie⸗Na⸗ siri (Minister der inneren Angelegenheiten) verwandelt. Somit heißt der Muͤlkie⸗Kiatibi (Secretair des Ministers des Innern) nunmehr Dachilie⸗Kiatibi und es wurde zu diesem Posten Ali Schehab Efendi, so wie Mahir Bey, bisher Beamter im Buͤ⸗ reau des Ameddschi, zum Charidschie⸗Kiatibi ernannt.
Am 22sten, 23sten und 24sten d. M. fanden auf Befehl des Sultans oͤffentliche Belu Saüns auf der Ebene von Hai⸗ dar⸗Pascha statt, bei welchem Anlasse die Kunstreiter⸗Gesellschaft der Madame de Bach sich abermals produzirte und eine Tuͤr⸗ kische Komoͤdie im Feuer unter den Fenstern des Sultans auf⸗ gefuͤhrt wurde. Wiewohl diesmal das diplomatische Corps keine Einladungen erhielt, so hatte doch der Sultan es dem Oester⸗ reichischen Internuntius, Freiherrn von Stuͤrmer, freigestellt, ob er sich bei diesen Festlichkeiten einfinden wollte. Derselbe verfuͤgte sich demnach am 23sten nach Haidar⸗Pascha, wo er in einem eigenen Zelte vom Großherrlichen Schwiegersohne Said Pascha empfangen und mit den uͤblichen Erfrischungen bewir⸗ thet wurde. Bevor er sich entfernte, stattete der Freiherr von
tuͤrmer dem Groß⸗Wesir, der sich nebst dem Mufti und den Ulema's im naͤchststehenden Zelte befand, einen Besuch ab.
Im Gesundheits⸗Zustand der Hauptstadt hat sich in den letztverflossenen 8 Tagen keine Veraͤnderung ergeben.
— Die Allg. Ztg. enthaͤlt folgendes aͤltere Schreiben aus Konstantinopel vom 20. Sept.: „Die Verhaͤltnisse bilden sich hier besser aus, als man vermuthet hatte. Akif Efendi be⸗ nimmt sich mit vieler Klugheit; er ist zuvorkommend gegen Lord Ponsonby, und hat eine Art von Programm mittelst eines Schreibens abgegeben, wodurch er sich demselben zu naͤhern hofft. Dies koͤnnte vielleicht geschehen, wenn nicht vielfache Interessen sich kreuzten, die den Absichten des neuen Ministers des Innern hinderlich sind. Einstweilen hat Lord Ponsonby fuͤr gerathen gefunden, die Erklaͤrung Akif Efendi's fuͤr baare Muͤnze zu nehmen, und keine Art von Mißfallen wegen der Churchillschen Sache mehr laut werden zu lassen. Pertew Pascha ist nun voll⸗
kommen verdraͤngt, und duͤrfte schwerlich wieder in die des Großherrn treten. Die offizielle Zeütung giebt Sete an, warum er das Vertrauen Sr. Hoheit verloren habe. Dies sind jedoch nur Scheingruͤnde. Die wahren Motive sind: 1) daß er eine mehr als verfaͤngliche Korrespondenz mit Leuten unter⸗ hielt, uͤber welche das Großherrliche Anathem verhaͤngt ist; 2) daß er nicht ganz rein bei den Aegyptischen Unterhandlungen sich wußte; 3) daß er ein fremdes Journal fuͤr sich zu gewinnen wußte, um sich darin auf etwas uͤbertriebene Art loben zu las⸗ sen, so daß der Sultan, als man ihn darauf aufmerksam machte, veig en daran nahm, und ihn zu entfernen beschloß, um der Welt zu beweisen, daß er unter keiner Art Einfluß stehe, und allein das Regiment zu fuͤhren verstehe. Deshalb sagte auch die hiesige offizielle Zeitung, indem sie der Ausweisung Pertew Efen⸗ dies aus dem Ministerium gedenkt, in ziemlich hoͤhnischem Tone, daß es mit seinen Faͤhigkeiten nicht viel auf sich habe; daß er allein durch die Gunst des Großherrn gestiegen sey, wel⸗ cher in seine Ergebenheit, nicht aber in seine Geschaͤftskenntni Vertrauen gesetzt, und ihn habe fallen lassen, sobald er sich dari beb gesehen. Man sieht, daß die Presse hier nicht un⸗ eachtet bleibt, daß sie mehr Einfluß uͤbt, als man gewoͤhnlich angimmt. Schon zu verschiedenenmalen ward dies beruͤhrt, und es kann nicht oft genug gesagt werden, daß die Presse in der Tuͤrkei sich bereits einen Weg bis zum Throne gebahnt hat. Dies ist wichtig, und wird in der Folge noch bedeutender wer⸗ den, wenn der oͤffentliche Unterrich t, dem man jetzt bei den Tuͤr⸗ ken einige, obgleich noch geringe Sorgfalt widmet, mehr beher⸗ zigt werden sollte. Akif⸗Efendi hat in dem Eingangs erwaͤhnten Schreiben des Lord Ponsonby versichert, daß er an den Miß handlungen, die Churchill erlitten, unschuldig gewesen, daß Sub⸗ alterne allein sie veranlaßt haben, und daß, wenn nicht leiden⸗ schaftliche Zwischentraͤger sich bemuͤht haͤtten, den ganzen Vorfall zu entstellen, es gewiß nie zu unangenehmen Eroͤrterungen zwi⸗ schen ihm (Akif) und dem Lord gekommen waͤre. Er hoffe da⸗ her, daß diese Sache der Vergessenheit uͤberlassen bleibe, und daß der Englische Botschafter ihm das Vertrauen wieder schen⸗ ken werde, dessen er vor dem Churchillschen Auftritte sich zu er freuen gehabt habe. Lord Ponsonby antwortete darauf, daß ihm diese Erklaͤrung genuͤge, und daß er seinerseits jede Eroͤff nung, die ihm von dem Minister des Innern gemacht wuͤrde, mit Vergnuͤgen entgegennehmen werde. Bekanntlich wollte der Englische Botschafter bei⸗ Gelegenheit der Churchillschen Streitsache nicht mit der Pforte kommuniziren, wenn Akif⸗Efendi nicht von dem Posten eines Reis⸗Efendi entsetzt und in's Exil geschickt wuͤrde. Er trat auch erst nach der Ausweisung Akif⸗Efendi's wieder in direkte Beruͤhrung mit dem Ottomanischen Ministerium. Jene Antwort des Englischen Botschafters ist das Wahrzeichen, daß er sich vollkommen mit Akif⸗Efendi zu verstaͤndigen hofft. Nichts⸗ destoweniger bleibt der Austritt Pertew Efendi's ein großer
Verlust fuͤr das Londoner Kabinet, besonders in kommerzieller Hinsicht, obgleich Akif⸗Efendi zur Erleichterung der Damp Hehhheh die hier ungestoͤrt einrichten zu koͤnnen die Englan— der sehr wuͤnschen, einige Konzessionen zu machen sich vorge nommen haben soll. v
GClgah b
Berlin, 18. Okt. Se. Koͤnigliche Hoheit der Kronprin ℳ die Dedication des ersten Bandes der von der Ober⸗Lausitzi chen Gesellschaft der Wissenschaften herauszugebenden Scripfo
res rerum
in Goͤrlitz eine Abhandlung uͤber die neu 1 2 Frankreich vortrug. 2 este Philosophie in
— Vom 17ten bis 18ten d. M. sind in Berlin 13 Personen
an der Cholera erkrankt und davon 5 Personen gestorbe — In der Nr. 221 der St. 3. 1 s gestorben.
der Kaiserlich Russische Hof⸗Jaͤgermeister Wirkliche Staatsrath
Paul von Demidoff am Geburtstage Sr. Majestaͤt des Koͤnigs thlr. in Gold zur Verthel⸗ Diese Anzeige ist
der hiesigen Armen⸗Direction 500 lung unter die Armen habe zustellen lassen. dahin zu berichtigen, daß jene 500 Rthlr. nicht der hiesigen sondern der Armen⸗Direction in Potsdam zu Theil geworden sind. Dagegen hat jener große Wohlthaͤter aller Huͤlfsbeduͤrf⸗ tigen auch in diesem Jahre am Allerhoͤchsten Geburtsfeste der
hiesigen Armen⸗Speisungs⸗Anstalt die gleiche Summe von 500
Rthlr. Sbeeg — Sir Robert Peel ist auf der Reise von London nach Muͤnchen am 12ten d. M. nebst Familie in Aachen ans senmhen.
— Man schreibt aus Halle unterm 12ten d. M.: „Seit
einigen Tagen ist nach einer siebenjaͤhrigen Abwesenheit die un— ter dem Schriftsteller-Namen Talvy ö Nen.8 Ro⸗ binson (geb. Fraͤulein von Jakob) aus Amerika wieder in un⸗ sere Stadt zuruͤckgekehrt, um sich nach kurzem Verweilen nach Berlin und Stettin zu ihren Verwandten zu begeben. Ihr Gatte, seit dem Anfang dieses Jahres Professor am theologi⸗ schen Seminarium zu New⸗York, begleitet sie und beabsichtigt, in Deutschland Materialien zu einem groͤßeren literarischen Werke zu sammeln, vielleicht auch zu diesem Behufe noch eine Reise außerhalb Europa zu machen.
— Nach einer kuͤrzlich erschienenen Uebersicht von den Re⸗ sultaten der Verwaltung des Landarmen⸗Fonds und der Besse⸗ rungs⸗Anstalt zu Graudenz hat die Einnahme im verflossenen Jahre 36,239 Rthlr. und die Ausgabe 34,476 Rthlr. betragen, so daß zu Anfang d. J. ein Bestand von 1763 Rthlr. blieb. Der Abgang an Inhaftirten betrug 104 Maͤnner und 58 Frauen der Zugang dagegen 253 Maäͤnner und 93 Frauen, so daß am Iedes tshest e Weiber im Bestande blieben.
urchschnittlich befanden sich taͤglich ir Ans 7: r B bhche. ch taͤglich in der Anstalt 73 Maͤnner
— Die Zahl der Kurgaͤste, die das insbesondere bei rheu⸗ matischen Leiden und fuͤr Gichtkranke heilsame⸗ Nöeralbat u⸗ Polzin (Pommern) waͤhrend der diesjaͤhrigen Badezeit be⸗ nutzten, hat mit Einschluß von 40 Individuen, die am Armen⸗ bad Theil nahmen, zwar nur 71 Personen betragen, dagegen haben aber die Mineralquellen sich in diesem Jahre besonders wirksam gezeigt, indem viele bedeutend leidende Personen durch den Gebrauch dieser Quellen vollstaͤndig wiederhergestellt worden sind und nur wenige keine Erleichterung ihrer Leiden wahrge⸗ ““ 3 Häf
— In die 3 Haͤfen des Reg. Bez. Koͤslin liefen im Mo⸗ nat September 37 Schiffe und 27 Bon. ein, -aengs 44 Schiffe und 27 Boͤte seewärts ausgingen. Der Werth der nach dem Auslande gefuͤhrten Waaren, unter denen 187 —½ Ctr. Leinwand 915 Klafter Brennholz und einiges Getraide vorzugsweise zu erwaͤhnen sind, betrug 10,307 Rthlr.; derjenige der nach dem Inlande exportirten Waaren 28,177 Rthlr. Unter letzteren wa⸗ ren fuͤr 3906 Rthlr. Ruͤbsen⸗ und Rappssaat, fuͤr 5268 Rthlr. Butter, 200 Scheffel Leinsaamen, 83 Klafter Brennholz, fuͤr
Lusaticarum anzunehmen die Gnade gehabt. Am 9ten d. M. hielt die Gesellschaft ihre monatliche Versammlung, in welcher der Professor und Direktor der hoͤheren Buͤrgerschule
gemeldet worden, daß
—— —:qq—
— ———