zum General⸗Lieutenant befoͤrdert. Nach seiner Ruͤckkehr nach Frankreich (1832) erhielt er das Kommando der 8ten Militair⸗ Division, und am 12. Februar 1837 wurde er zum General⸗ Gouverneur der Franzoͤsischen Besitzungen in Nord⸗Afrika er⸗ nannt. Der General Danrémont war Groß⸗Offizier der Eh⸗ ren⸗Legion seit 1827, und Pair seit dem 15. September 1835.
Das Journal de Paris bemerkt zu dem (gestern mit⸗ getheilten) Schreiben des Herrn Laffitte: „Seit Herr Laffitte durch den rechtmaͤßigsten aller Gruͤnde, naͤmlich durch die Un⸗ faͤhigkeit zum Verwalten, von der Leitung deroͤffentlichen An⸗
elegenheiten entfernt worden ist, hat er sich als einen Maͤrty⸗ er der Revolution ausrufen lassen. In allen denen, die seinen Grundsaͤtzen keinen Geschmack abgewinnen koͤnnen, die sein Sy⸗ stem nicht billigen, die sich von seiner Fahne getrennt haben, erblickt er Feinde, die ihn mit aller Gewalt verderben wollen. Und da ungluͤcklicherweise die Zahl der Leute, die die Politik des Herrn Lafsitte nicht lieben, in Frankreich sehr betraͤchtlich ist, so folgt daraus, daß Herr Laffitte fast uͤberall Feinde zu bezeichnen hat. Die Oppositions⸗Journale haben uͤbrigens viel dazu I ihm diese Monomanie einzufloͤßen. In ihrer Hingebung fuͤr den ehrenwerthen Banquier haben sie so sehr die verschiedenen Formeln der Schmeichelei erschoͤpft, man hat ihm so oft gesagt, daß er die Juli⸗Revolution gemacht und fast al⸗ lein uͤber die Krone von Frankreich verfuͤgt habe, daß er sich jetzt virklich fuͤr eine große und anerkannte Macht haͤlt. Aber diese ungluͤckliche Einbildung, die hauptsaͤchlich durch seine Freunde zuwege gebracht worden ist, muß nachgerade dem kaltbluͤtigen eobachter etwas seltsam erscheinen. Wenn Herr Laffitte feier⸗ lich daran erinnert, daß er im Jahre 1839 in seinem Hotel ausgerufen habe: „„Napoleonisten, Eure Zeit ist voruͤber! Re⸗ publikaner, Cure Zeit ist noch nicht gekommen!““ wenn er hin⸗ zufuͤgt: „„Darauf wurde der Herzog von Orleans GEI. als ob das einzig von diesem Worte abgehangen haͤtte, so ist das Gefuͤhl, welches der Leser empfindet, sicherlich nicht das der Bewunderung. Herr Laffitte muß in seinem eigenen Interesse ein fuͤr allemal von jenem Olymp, von wo er uns unaufhoͤrlich seine eiteln Taͤuschungen zum Besten giebt, herabsteigen und wie⸗ der ein natuͤrlicher Kenich werden, — weit weniger Maͤrtyrer, als man ihm einredet, und noch nach seinem Untergange weit reicher, als neun Zehntheile derer, die er mit seinen majestaͤtischen Klagen verfolgt. Herr Laffitte gehoͤrt gegenwaͤrtig zu einer Partei, die Anspruch darauf macht, den Koͤnigen viele Wahrheiten zu sagen. Wohlan, wir sagen ihm, daß er auch seinerseits noch drei bis vier zu vernehmen hat. Eine der ersten ist die, daß er nicht die Juli-Revolution gemacht hat; daß es nicht in sei⸗ ner Gewalt stand, die Monarchie von 1830 zu gruͤnden, oder ihre Gruͤndung zu verhindern; daß ganz Frankreich dieselbe wollte, und daß, wenn er damals, als er sich einbildete, in sei⸗ 'nem Hotel uͤber die Zukunft des Landes verfuͤgen zu koͤnnen, etwas anderes haͤtte gruͤnden wollen, ganz Frankreich protestirt und in kurzer Zeit sein Werk zerstoͤrt haben wuͤrde. Das Ver⸗ dienst des Herrn Laffitte besteht darin, daß er gewissermaßen den Instinkt des allgemeinen Willens gehabt, und gehandelt hat, wie das National⸗Interesse es daͤmals erheischte. Aber dies Verdienst theilt Herr Laffitte mit sehr vielen anderen Maͤn⸗ nern, und wenn man ihm selbiges zur Ehre anrechnen soll, so darf er sich nicht durch die Idee schmeicheln lassen, daß er dies Alles, wenn er gewollt, haͤtte veraͤndern und ganz anders haͤtte machen koͤnnen. Herr Laffitte sollte besser wissen als irgend Einer, daß es schwer gelingt, dem Lande einen anderen Impuls u geben, als den, zu dem es geneigt ist. Er hat auf der E“ gesagt, daß ihm der Antheil, den er an der Juli⸗ Revolution genommen, reue; hat dieses Bekenntniß Anklang gefunden?“
Der Moniteur enthaͤlt heute nachstehende telegraphische Depesche aus Bayonne vom 24sten um 8 Uhr Morgens: „Espartero zeigt an, daß, nachdem er am äten die Karlisten bei Huerta del Rey geschlagen und sie am 15ten bis Quinta⸗ nar verfolgt, er am folgenden Tage diese Verfolgung sortzusetzen Willens sey. Der General⸗Capitain von Aragonien ist von Logroßo aus benachrichtigt worden, daß 10 Karlisten⸗Bataillone, aus Castilien kommend, am 18ten Abends in der Gegend von Haro angekommen waͤren und sich anschickten, uͤber den Ebro zuruͤckzugehen. Auch hat derselbe aus Soria die Meldung er⸗ halten, daß die Karlisten, von Espartero verfolgt, am 17ten in Montenegro angekommen seyen. Der General Ulibarri hat am löten Peralta wiedergenommen; ein Theil der Garnison ist zu Kriegsgefangenen gemacht worden, und der Ueberrest hat die Waffen niedergelegt, um nach Estella zuruͤckzukehren. Der ge⸗ dachte General ist jetzt auf Lodosa marschirt.“
Großbritanien und Irland.
Loondon, 25. Okt. Die Koͤnigin ist in Brighton stets von einigen ihrer Minister umgeben, woraus der Brighton Herald den Schluß zieht, daß Ihre Majestaͤt mit dem Kabi⸗ net sehr zufrieden seyn muͤsse. Gestern speisten Lord und Lady Russell an der Koͤniglichen Tafel, und der Marquis von Lans⸗ downe und Lord Gleneig werden auch dieser Tage wieder in Brighton erwartet. Dem neu gewaͤhlten konservativen Parlaments⸗Mitgliede fͤr Nord⸗Staffordshire, Herrn W. B. Baring, wurde am vo⸗ rigen Dienstage zu Burton am Trent ein oͤffentliches Diner gegeben, an welchem uͤber 300 Personen Theil nahmen. Als unter den Toasts auch einer auf Sir R. Peel und die konser— vativen Mitglieder des Unterhauses ausgebracht wurde, erhob sich Sir Francis Burdett und sagte: „Ich brauche die Gesellschaft nicht mit einer Lobpreisung des Charakters Sir R. Peel's zu ermüden. Die unbestreitbaren Ver⸗ dienste dieses Staatsmannes müssen, denke ich, allen Parteien ein⸗ leuchten. Wer Redlichkeit, streng rechtliches Benehmen, hohe Ein⸗ sicht und seitenes Talent zu schätzen weiß, der wird auch ohne Be⸗ denken dem sehr ehrenwerthen Baronet das Zeugniß geben, daß er alle diese ausgezeichneten Eigenschaften in außerordentlichem Grade besitzt. Die Konservativen müssen natürlich vor Allen ein iebhaftes Interesse für diesen talentvollen Mann empfinden. Wer heilsame Reformen wünscht, wer sein Ohr nicht bloßen volitischen Abenten⸗ rern und wilden Speculationen leiht, dieser Frucht einer ungemesse⸗ nen Ruhmsucht und Eitelkeit, wem wirklich die Befestigung der herrlichen Institutionen, die dieses Land vor allen aunderen bekann⸗ en Staaten auszeichnen, durch Beseitigung noch vorhandener Mängel und durch Abstellung wesentlicher Beschwerden am Herzen liegt, wer die Britische Verfaffung durch Ausbesserung der 2r 5 der füh nvollkommenheiten aufrecht erhalten und dies durch ein Individuum bewirkt sehen möchte, welches nicht qur die Fähigkeit, sondern auch die Macht dazu hätte, der muß und ann nur auf einen einzigen Mann binblicken, und dieser Mann ist Sir Robert Peel. Ich tadle die jetzigen Mintster nicht, weil sie Re⸗ ormer, sondern well sie keine Reformer sind. Das Land hat Pro⸗ en von ihren Leistungen. Sie haben demselben Uebel aufgebürdet, weil sie es zu vielen einsichtslos begonnenen Reuerungen aussetzten, ind weil sie fortwährend gefährliche Fragen anregten, welche Anderen u Gefallen, und um sich selbst am Ruder zu erhalten, aufs Tapet
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ebracht wurden. Wem es wirklich um nützliche Reformen zu thun
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ist, der muß ein ganz anderes Ministerium am Ruder zu seben wüͤn⸗ schen, als das, unter dessen Verwaltung die Natton jetzt seufzt. Ich bin deshalb gegen die Minister, weil sie uicht einmal ihre eigenen Maßre⸗ geln durchzusetzen, nicht einmal ihre eigenen Zwecke zu erreichen vermögen. Sie sind am Ruder und was haben sie gethan? Partei⸗Leidenschaft treibt sie, Partei⸗Leidenschaft führt sie irre. Jede ihrer politischen Maß⸗ regeln beweist dies, denn jede hatte nur eine Whigistische Taschenspie⸗ lerei zum Ziel. Betrachten Sie zum Beispiel ihre Registrirungs⸗Akte. Richts fann unheilpoller seyn als diese. Was für Tribunale haben sie eingerichtet! Eine Reihe Whigistischer Advokaten wird jährlich durch das Land ausgesandt, nicht um das Gesetz zu sichern, sondern um es unsicher zu machen. Der eine Advokat fällt cin solches, der andere ein anderes Urtheil, und so werden hitzige und erbitterte Kampfe genährt und das Land der Ruhe und Ordnung beraubt, die es geuießen könnte und sollte. Die Folge dieses legislatiren Unfugs ist, daß jeder Bezirk, jedes Kirchspiel in jeder Englischen Grafschaft von inneren Zerwürfnissen getrübt wird. Jede angenommene Maß⸗ regel dagegen, die sich mit Nutzen ausführen läßt, verdankt den Kon⸗ servativen ihre Brauchbarkeit, ist von diesen in eine ordent⸗ liche Gestalt gebracht worden. Ich freue mich, hier vor einer Versammlung echter Engländer zu stehen, die gleich mir entschlossen sind, an der Verfassung festzuhalten. Es demüthigt mich, ein Mini⸗ sterium mit einer Irländischen Papistischen Priesterschaft verbündet zu sehen, die selbst wieder das Irländische Volk nur nach eigennützi⸗ gen Zwecken regiert; die Priester sind leidenschaftliche Freunde des Ministeriums, und weil die Priester, um ihre selbstischen Zwecke zu fördern, das Volk in Ruhe erhalten, wird das solchergestalt verbün⸗ dete Ministerium von seinen Anhängern ein wirksames genannt. Aber noch vor kurzer Zeit bückte sich O'Connell in den Staub vor einem Papistischen Priester; ein Mann von männlicher Gesinnung hätte dies nimmermehr gethan; warum aber that es O'Cennell? Um das Irländische Volk dadurch fester an die Priesterschaft zu ketten, damit diese leichter zu ihren Zwecken ge⸗ lange; um die Macht der Priester über ihre Heerden zu verstärken, damit diese ihre Pläue besser fördern könnten, ihre Pläne, die mit der Freihrit und mit der ungchinderten Wirkung der Constitution dieses Königreichs unverträglich sind. Doch das starke England wird solchen Machinationen so leicht nicht weichen. Wenn auch auf man⸗ cherlei Weise herabgewürdigt, wird es sich doch wieder aufrichten. Blicken Sie, um ein anderes Beisviel zu geben, auf unsere auswär⸗ tige Politik, auf die wunderbare Lösung des Versprechens, in Spa⸗ nien nicht interveniren zu wollen. Welche Posse war dies Versprechen, so wie das ganze Verfahren des Ministerinms in Bezug auf jenes Land! Welche traurige Vergendung Englischen Blutes und Geldes haben wir hier sehen müssen! Indeß, England wird sich einer solchen Politik nicht unterwerfen, wird sich nicht unter das Joch besoldeter Patrio⸗ ten, Irländischer Priester und tumultuarischer Aufwiegler beugen. Läge die Hand des Himmels auf England, so müßten wir trauern, aber dennoch würden wir auch im Untergauge unsere Mannhaftigkeit bewahren; daß jedech der Staat gezwungen werden soll, sich der Herrschaft der Papistischen Priester zu unterwerfen, denen es nur um Vergrößerung zu thun ist, das wird das Englische Volk nimmer⸗ mehr geschehen lassen.“
Um dieser Rede willen hat Sir Francis Burdett wieder bittern Spott von Seiten der ministeriellen Blaͤtter zu erleiden. Die Morning Chronicle meint, es habe dem Manne, der noch vor kurzem der Vertheidiger des allgemeinen Stimmrechts und der jaͤhrlich oder noch oͤfter zu erneuernden Parlamente gewesen, vortrefflich gekleidet, jetzt im Namen der Tories, der Feinde jeder Art von Reform, fuͤr einen auf das Wohl Sir R. Peel's ausgebrachten Toast zu danken und in der Verdam⸗ mung alles desjenigen, was er fruͤher geliebt und gelobt, noch weiter zu gehen, als der eingefleischteste Tory; unter der Schil⸗ derung der politischen Abenteurer habe er sich selbst abkonterfeit, und die Tories wuͤrden sich wahrscheinlich seiner so selten als moͤglich bedienen, da er ihrer Sache nur schaden koͤnne. Der Globe faßt besonders die Stelle der Rede auf, wo Sir Fran⸗ cis Burdett sagt, die Irlandischen Geistlichen erhielten das Volk in Ruhe, und stellt dieselbe den fortwährenden Behaup⸗ tungen der Tory⸗Blaͤtter gegenuͤber, daß Irland sich von Cape⸗ Clear bis zum Riesendamme in offenem Aufruhr-⸗Zustande befinde, daß Verrath und Mord in diesem Lande an der Ta— gesordnung, daß Leben und Eigenthum der Protestanten nicht einen Augenblick sicher seyen, daß uͤberall eine hochverrraͤtherische Verschwoͤrung ihr Wesen treibe, und eine fruͤhere Aeußerung Sir F. Burdett's selbst, daß jetzt in Irland taglich protestan⸗ tisches Blut aufs grausamste vergossen werde. Dies Alles, meint das genannte Blatt, erweise sich nach dem nunmehrigen Eingestaͤndniß Sir F. Burdett's als eine leere Phantasmagorie, als eine von den Tories erfundene Fabel, um der Subscription fuͤr den Fonds zur Unterstuͤtzung von Petitionen gegen Irlaͤndische Wahlen dadurch fortzuhelfen.
Graf Durham machte es in seiner (vorgestern beruͤhrten) Rede, die er in der Versammlung des Durhamer Neform⸗Ver⸗ eins hielt, den Waͤhlern der Grafschaft Durham zum Vorwurf, daß sie sich nicht mehr angestrengt haͤtten, um die Wahl eines Tory's zu einem ihrer Repraͤsentanten zu verhindern, und er⸗ klaͤrte, daß ein solcher Fall in dieser Grafschaft nicht wieder vorkommen solle, so lange er lebe. Zum Schluß sagte der Lord, er glaube, als unabhaͤngiger Mann, der in keiner engeren Ver⸗ bindung mit Lord Melbourne stehe, aufrichtig versichern zu koͤn⸗ nen, daß Lord Melbourne des Vertrauens der Liberalen wuͤrdig sey, und daß die Minister in der naͤchsten Sitzung des Parla⸗ ments einen Weg verfolgen wuͤrden, der ihnen das Vertrauen aller Reformer, welches auch ihre Meinung seyn moͤge, gewin⸗ nen werde. Viel Beifall fand auch die Aeußerung des Lords uͤber die Nothwendigkeit des Volks⸗Unterrichts, da ohne eine edle Bildung weder, die Oberen noch die Unteren ihre politi⸗ schen Pflichten erfuͤllen koͤnnten. Die Bemerkungen der oͤffent⸗ lichen Blaͤtter uͤber diese Rede richten sich natuͤrlich nach der Parteifarbe, die sie tragen. Die Times nennt das ganze Gast⸗ mahl ein lumpiges und behauptet, Graf Durham's Mei— nungen seyen unendlich verschieden von denen, die er ehe⸗ mals ausgesprochen. Die ministeriellen Blaͤtter nennen die Rede ein Meisterwerk, und waͤhrend der Courier besonde⸗ ren Nachdruck auf die Aeußerungen des Lords uͤber Ir⸗ lands Emancipation legt, hebt die Morning Chronicle besonders die gegen die Reform des Oberhauses ausgesprochenen Worte hervor. Dasselbe thut, freilich in anderem Sinne, der radikale True Sun, der bisher nur die auswaͤrtige Politik und Lord Palmerston angriff, aber in neuester Zeit auch ein Mißtrauen gegen die naͤchsten inlaͤndischen Maßregeln des Mi⸗ nisteriums ausspricht, was der Spectator schon lange und in einer solchen Weise that, daß die Whigsblaͤtter ihm vorwarfen, er sey von den Tories erkauft, um unter liberaler Maske einem konservativen Ministerium den Weg zu bahnen. Der ECya⸗ miner, das dritte radikale Blatt, und zwar ein Journal, das von Tory⸗ und Whicgblaͤttern mit gleicher Achtung behandelt wird, bleibt sich gleich, predigt Vereinigung al— ler Liberalen und setzt, gleich O'Connell und den Ir⸗ laoͤndischen Repraͤsentanten, Vertrauen in das Ministerium, als ein solches, das den Fortschritt und die nothwendigen Re— formen wolle und sie im gegenwaͤrtigen Augenblick allein durch⸗ fuͤhren koͤnne. Der vorgestrige True Sun, der sich ausschließlich mit Lord Durham's Rede beschaͤfti t, sagt in dieser Hinsicht: „Diejenigen, welche Lord Durham fuͤr einen Fuͤhrer des Volks
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ehalten haben, koͤnnen nur sich selbst ihre Taͤuse hung züschrel⸗ 82n. Das Uebergewicht der Aristokratie ist der Standpunkt, von welchem Lord Durham herabspricht. Nie haben wir etwas Anderes von ihm erwartet. Und eben so wenig haben wir gefunden, daß das Volk vorbereitet war, das Joch der Aristokratie abzuwerfen und fuͤr Selbstregierung in die Schranken zu treten. Unsere naͤchste Aussicht auf verbesserte Regierung beruht nur auf der Gnade der Aristokratie, und wir koͤnnen einzig hoffen, daß die Lenker der Verwaltung
aus den erleuchtetsten Aristokraten gewaͤhlt werden. Viel wird von Zufaͤllen und Hof⸗Intriguen abhaͤngen, die Bestrebungen des Volkes werden wenig vermoͤgen. Seine Zeit ist nun vor⸗ bei. Auf sieben Jahre hat es sein Geschick den unbestimmtesten Aussichten hingegeben. Moͤge es sich kuͤnftig auf entschiedenere
Weise zur Schlacht vorbereiten. In der Zwischenzeit moͤge die
Nation sich so gut als moͤglich in der Lage zu helfen suchen, in
welche ihre eigene Schwoͤche sie versetzt.“
Das hiesige Polen⸗Comité, dessen Praͤsident der General Dwernizki ist, bittet in den oͤffentlichen Blaͤttern um Beschefti⸗ gung fuͤr 400 Polnische Fluͤchtlinge, die sich in der groͤßten
Noth befinden.
Die ruͤckstaͤndigen Forderungen der Britischen Legion an die Madrider Regierung sollen sich auf 200,000 Pfd. Sterling belaufen, und dem Vernehmen nach, wird in der bevorstehen⸗ den Session Sir Henry Hardinge einen Antrag auf Unter⸗
suchung der Anspruͤche dieser ungluͤcklichen Leute stellen.
Der Times wird aus Quebek vom 26. September ge⸗ schrieben: „Gestern gingen hier verschiedene Geruͤchte uͤber das Einruͤcken der Miliz von Maine in das streitige Gebiet, um die Graͤnzstreitigkeit auf gewaltsamem Wege zu erledigen und Greely zu befreien, der, da er nach Madawaska zuruͤckgekehrt war, um dort eine Volkszaͤhlung vorzunehmen, verhaftet worden und sich in dem Gefaͤngniß von Frederictown befindet. Einige woll⸗ ten sogar wissen, die Miliz von Maine sey schon in die Kolonie Madawaska eingedrungen, und es sey zwischen ihr und den Truppen Ihrer Majestaͤt zu einem Gefecht gekommen, worauf der Gouverneur von Neu⸗Braunschweig sich an Ort und Stelle begeben habe, um die Invasion zuruͤckzuschlagen. Der wahre Stand der Dinge scheint indeß folgender zu seyn: Greely, der Agent von Maine, wurde nach Frederictown in Haft gebracht, der Gouverneur des Staats Maine drohte darauf, einen ande⸗ ren Agenten, von einem Miliz⸗Detaschement unterstuͤtzt, abzu, senden, um die Zaͤhlung zu beendigen, und es wurden deshallb 2 Compagnieen des 43sten leichten Infanterie⸗Regiments von Frederictown nach Woodstock und nach den großen Wasserfallen beordert, um fuͤr alle Faͤlle in Bereitschaft zu seyn; eine andere Compagnie von demselben Regiment wurde in Folge dessen von St. John nach dem Sitz der Regierung abgefertigt; der Gou⸗ verneur aber stand im Begriff, mit seiner Gattin und Tochter dem Sir John Caldwell an den großen Wasserfaͤllen einen Besuch
zu machen.“
Ein Privatbrief aus New⸗York vom 30sten v. M. ver⸗ sichert, daß die Mission der Bank der Vereinigten Staaten nach England von den dortigen Kaufleuten mit sehr eifersuͤchti gen Augen angesehen werde, indem sie glauben, der Zweck der⸗ selben koͤnne keine bloße Bank⸗Operation seyn, und daher einen
Eingriff in die Handelsgeschaͤfte darin erblicken.
In den Vereinigten Staaten giebt es jetzt nahe an 1200 Zeitungen, von denen jaͤhrlich zusammen gegen 100 Millionen Bogen Papier bedruckt werden; wenn man diese 100 Millionen Bogen Papier an einander heftete, so wuͤrden sie, wie ein Amerikanisches Blatt berechner, viermal von Pol zu Pol rei⸗ chen, und wenn man sie einbaͤnde, so wuͤrden auf jede Minute
im Jahre sechs so starke Baͤnde wie die Bibel kommen.
1111““
Kassel 24. Okt. (Leipz. A. Z) Die durch die Entlaß⸗ sung des Hrn. Hassenpftug aus dem Kurhessischen Staats⸗Mi⸗ nisterium erledigten zwei Ministerien der Justiz und des In⸗ nern, die geraume Zeit hindurch interimistisch verwaltet worden waren, sind nunmehr beide besetzt, da, nachdem schon fruͤher dem Praͤsidenten der hiesigen Provinzial⸗Regierung, Geheimen Rathe von Hanstein, das Ministerium des Innern zu Theil geworden war, vor einigen Tagen auch die Ernennung eines Vorstandes fuͤr das Justiz⸗Ministerium durch den Kurprinzen⸗ Regenten erfolgt ist. Zur Wiederbesetzung dieser letztern Stelle ist die Wahl auf den Ober⸗Appellationsgerichts⸗Rath Mackeldey zu
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Kassel gefallen. Im Reskripte wird demselben zwar nur der Charakter eines provisorischen Ministerial⸗Vorstandes fuͤr das Departement des Justizwesens beigelegt mit dem Titel eines Staats-Rathes; aber er gilt als bestimmt fuͤr diese Stelle ausersehen, wie denn auch Andere vor ihm, und namentlich Hassenpflug, anfangs nur provisorisch ein Departe⸗
ment im Ministerium bekamen, spaͤterhin aber definitiv in einem solchen Amte bestaͤtigt wurden. Da gleichzeitig, als im
Publikum verlautete, daß damit umgegangen werde, der in
terimistischen. Verwaltung des Justiz⸗Ministeriums, womit Mi⸗ nisterial⸗Rath Koch beauftragt war, ein Ende zu machen, der Kurhessische Bundestags⸗Gesandte von Ries aus Frankfurt a. M. hier eintraf und, wie man hoͤrte, vom Prinzen⸗Regenten hier⸗ her berufen worden war, so fand eine Zeit lang die Vermu⸗ thung Glauben, daß dieser zum Justiz⸗Minister bestimmt sey. Indessen hat derselbe stets versichert, daß er nichts mehr wuͤnsche, als auf seinem Posten in Frankfurt zu bleiben, und es ist wahrscheinlich, daß, wenn ihm auch das fragliche Ministerium angetragen worden ist, er dasselbe abzulehnen gesucht hat. Herr
Hassenpflug verweilt mit seiner Familie noch fortdauernd in hiesiger Stadt, ohne jedoch mit dem Hofe in Beruͤhrung zu
kommen.
Muͤnchen, 26. Okt. Gestern Abend fand die Auffuͤhrung von Lachner’'s großer Cantate: „Die vier Menschenalter“, im Saale des Odeons statt, welcher auch Ihre Majestaͤten beiwohn⸗ ten. Die Tondichtung des verdienten Meisters fand rauschen⸗
den Beifall.
Se. Majestaͤt der Koͤnig, Alllerhoͤchstwelcher bereits im Be⸗ sitze von 50 Actien der Gesellschaft zur Befoͤrderung der Sei⸗ denzucht in Bayern sind, haben durch Abnahme der noch uͤbrie gen 60 Actien einen neuen hochherzigen Beweis gegeben, wie sehr es in Allerhoͤchstihrer landesvaͤterlichen Absicht liege, den Seidenbau zum Wohle des Vaterlandes hoͤheren Aufschwung
zu geben.
Sir Robert Peel hat diesen Mittag unsere Stadt wieder verlassen. (Nach einigen Blaͤttern hatte Sir Robert die Ehre, Sr. Majestaͤt dem Koͤnige durch den Englischen Gesandten, Lord
Erskine, vorgestellt zu werden.)
In Tuͤbingen verstarb am 24. Oktober Dr. Steudel, Pro⸗ fessor der Theologie, erster Superintendent des evangelischen
Seminars, im 58sten Lebensjahre.
Karlsruhe, 24. Okt. (Allg. 3t Das Geruͤcht von einer bevorstehenden Einberufung der
eruͤber, dem Vernehmen seyn soll. Jenes Ge⸗ eien getheilte Erwar⸗ cht bloß auf hrung naͤher zu einer Bahn eicht bis Tussis) unzeitig ode
ie Eisenbahn erhe nach, hoͤchften Orts noch nichts beschlo ruͤcht scheint daher wenigstens eine von Vi tung und einen Wunsch an der Nordsette des L rüͤckt, sondern auch
zudeuten, der jetzt, da ni andes (in Hessen) die Ausfü in der Schweiz Entwuͤrfe von Basel bis gegen den Spluͤgen hin (vielle besprochen werden, wohl
nicht mehr fuͤr zu halten seyn moͤchte.
ggnmnien,
Wie es heißt, wird heute Abend ein
itung erscheinen und ei Gut unter
Bericht ohne alles
r sich darauf be
anzugeben, un
Madrid, 17. H Supplement der Hof⸗Ze des Generals Espartero enthalten. wollen jedoch wissen, d sey, indem der Ober-Befehlshabe des Feindes die Details eines Gefechts be gene gemacht.
Die Spannung zwischen Espartero und L immer fort, und die Ultra⸗Liber Stelle des Gra Man haͤlt dies jed wohl die Koͤnigin als
Die Wahlen in Valladolid sind guͤn Die hiesigen zweiten
nen Bericht Personen daß dieser Vers beschraͤnke, die d dann sehr umstaͤndlich
Stellungen g G schreibe, in welchem er
60 Gefan⸗
orenzo waͤhrt noch , der General Orag fen von Luchana das Kommando och nicht fuͤr wahrscheinlich inister den Oberbefehlshaber un—⸗
alen behaupten werde an der
fuͤr die gemaͤßigte Partei ausgefallen. ahlen werden am
2usten beginnen.
Saras ossa, weiß man hier noch man, er werde sich nach Aragonien
Die Karlistischen Streifcorps, welche unsere wuͤsten, vermehren sich taͤglich. drid kommende Post an, spannten die ßen den Wagen auf der Landstraße steh
Barcelona, 13. ruͤcht, es wuͤrden eine große Anzahl von Einwo Umgegend oder auf den Sch g jedoch ganz ruhig.
den jetzt in allen Distrikten fortgesetzt und
2909 S die Bewegungen Oraa's
Von Don Carlos glaubt
Provinz ver⸗ die von Ma— Maulthiere ab und lie⸗
Gestern hielten sie
Gestern verbreitete sich das Ge— cht Unruhen stattfinden, we adt verließ und ent⸗ iffen Zuflucht suchte.
in der Na hnern die St weder in der Die Nacht vergin Wahlen w sind bald beendigt.
P „9og In einem von der Times mitgethe kissabon vom 17. Oktober heißt es: ternehmen, die Charte von 1826 mit d wiederherzustellen, hat die Deputirten in die durch die wahnsinnige welche wieder durch die Klubs in Lissabon angefacht worden ist. Wung der Constitution v einflußreiche luͤckliche Ereis venszeit ernannt und die Pai de. Herr daß diese obere bestehen solle, welche bestimmtes
ilten Schreiben aus „Das ungluͤckliche Un⸗ affen in der Hand große Leidenschaftlich⸗ lufregung des Volks, und Porto unterhal⸗ Diese Klubs wün⸗ hne die ge— Personen sind der niß die N
keit versetzt,
ten wird, noch mehr schen die Einfuͤhr ringste Modification. Meinung, daß ohne jenes ung der ersten Kammer auf Le hoͤchst wahrscheinlich erblic Midosi hat in den 6
on 1820 o
e h gemacht worden seyn wuͤr hat i Cortes darauf angetragen, oder zweite Kammer nur aus Personen
besaͤßen. Kammer ernannt und aus diesen drei Listen sollen dann von der die Pairs gewahlt werden. neun Jahre festgesetzt und ein Drittheil ihrer Jahre erneuert werden; dieselben werden. — Am vorigen Sonnabend ist der Visconde S deira, begleitet von dem Brigade⸗General Visconde Schwager des Visconde Palmella, den Obersten? Joze da Silva Passos, Civil⸗K rovinzen, mir dem Dampfboote Ihre Annaͤherung an die Hauptsta dem Arsenal ufsteigende Raketen dung wurde der garde empfange meßzßrere die Gallerie Kammer bei
Einkommen Mitglieder zweiten Die Dauer der Kammer soll auf Mitglieder alle drei Personen koͤnnen wiede a da Ban⸗ de Beira, ung und Coste und il⸗Kommissar der Nord⸗ „Porto“ hier angekommen. dt wurde durch mehrere von verkuͤndigt. von allen Offizieren der National und mit lauten Vivas begruͤßt. ser Buͤrger
dem Herrn
Visconde Hierauf be⸗ Offiziere in voller Uni⸗ Diskussion Dies machte großes aron Ribeira de Sabrozo er— wenn sie etwa die Absicht haͤtten, inzuschuͤchtern und auf ihm ihren Zweck wie er glaube, Um eine groͤßere Auf⸗ erneur von Portugals, ilich den Gefallen er⸗ a ihre Gegenwart große zogen sich hierauf sogleich hat seinen Kollegen, den
üͤber die zweite zuwohnen. Aufsehen in Joe Kammer hob sich und erklaͤrte, eß;,
durch ihre Ergenwart die N zuwirken, sie ht erreichen sollten, denn er daß es dem Lande am zutra regung zu verhindern, ford Lissabon, Soares C die Offiziere auf, zeigen und die Kammer verla Aufregung veranlasse.
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wenigstens bei werde stimmen, glichsten sey. erte nun der Civil-Gouv aldeira, der sogenannte Lafayette sie möͤchten
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Die Offiziere e das Antas Bandeira, Einschiffung bei einem 1t und Schenkel sehr beschaͤdigt und sich außerdem vier Vorderzaͤhne ausgefallen at. Einige Damen, dies sahen, schrieen laut, auf und rief den Damen schoͤnen Damen, sten Sonntag hi aͤnderung nicht z tag des jungen Prinzen Gelegenheit im die Koͤnigin die Britische Bre und ander am 7ten auf der schaft und der muͤdlichen Anstr
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allein der Visconde sprang sogleich „„Beruhigen Sie sich, meine werde am naͤch⸗ e Minister⸗Ver⸗
es ist nichts !“⸗ er eintreffen, bis wohin an ein st. — Uebermorgen ist der Namens— lleantara, bei welcher gehalten werden und pfangen wird. — Die „ von Porto mit Wein n bestimmt, Die Mann⸗
Man sagt, er
denken Dom Pedro de? Ajuda⸗Palast ein Lever uͤblichen Gluͤckwuͤnsche em 77 . .
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to gestrandet. Ladung sind durch die uner⸗ annschaften der im a Chamaͤleon“ Die Kaufleute 1 eleuten ihren Dank dafuͤr ch dem Lieutenant Bradle
der dreimal mit Gefahr seines ng nach dem Wrack fuhr, als Durch seine Be— er uͤbrigen Schiffe Ladung, etwa 25,000 uͤbrigens nicht das erste aͤhnliche Zwecke sein Leben rettete er
Offiziere und N itischen Schiffe „Scyll gerettet worden. ren und Se vor Allen Chamageleon“, heftige Br die Fahrt 1 vereinigte werthvollste zu retten. tapfere O
Lebens durch eine kein Lootsen⸗Boot harrlichkeit und die gelang es, Pfd. an Wer I, daß dieser Vor etwa vier
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toͤnde in Bezug aus Jahren
Brigg, Philippa“ wofuͤr ihm sswohl das Lloyds⸗Comité als die Admiralitaͤts⸗Kommissarien ihren Dans zu erkennen gaben. Auch im Jahre 1835 rettete er bei Brighton zehn Menschen aus ei—⸗ nem Boote, das dem Untersinken nahe war.“
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— — Konstantinopel, 11. Okt. Die Ruͤckkehr der zu den Manoͤvern bei Wosnesensk eingeladen gewesenen hohen Herrschaften hat uns hier die seltene Erscheinung des Zusam⸗ mentreffens mehrerer Europaͤischer Prinzen, wie Ihrer Koͤnigl. Hoheiten der Prinzen August und Adalbert von Preußen, Sr. Kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Johann von Oe erreich, Sr. Hoheit des Herzogs Vernhard von Sachsen⸗Weimar u. A. verschafft, und die ausgezeichnete Aufnahme, die denselben von Seiten des Großherrn zu Theil geworden, bekundet aufs neue den Wunsch Sr. Hoheit, sich je mehr und mehr den Fursten Europa's zu naͤhern. Daß Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz August von Preußen am 25sten v. M., in Begleitung Sr. Durchl. des Herzogs Maximilian von Leuchtenberg und mit einem zahlreichen Gefolge Preußischer und Bayerischer Offi⸗ ziere von Odessa hier eingetroffen ist, werden Sie bereits auf anderem Wege erfahren haben. Weniger bekannt ist Ihnen vielleicht, daß der Sultan beim Empfange Sr. Koͤnigl. Hoheit des Prinzen Au— gust die bisher gegen fremde Prinzen beobachtete orientalische Etiquette, die fuͤr den Besuchenden noch manches Zuruͤckstoßende an sich hatte, gaͤnzlich bei Seite gesetzt und eine außerordent⸗ liche Zuvorkommenheit und Hoͤflichkeit gegen den gedachten Prinzen, der schon durch seine Persoͤnlichkeit nothwendig einen vortheilhaften Eindruck auf die Tuͤrken hervorbringen muß, beobachtet hat. Se. Koͤnigl. Hoheit sind im Hotel der Preu⸗ ßischen Gesandtschaft in Buyukdere abgestiegen, wo Hoͤchstdie⸗ selben von dem Unter⸗Staats⸗Secretair der auswaͤrtigen Ange⸗ legenheiten, der bis zur Ruͤckkehr Reschid-Bey's von London diesem Ministerium provisorisch vorsteht, bewillkommnet wurden. Einige Tage darauf erschienen auch die beiden Schwie⸗ gersoͤhne des Großherrn, Halil und Said Pascha, um den Prinzen zu begruͤßen. Als der Großherr erfuhr, daß Se. Koͤnigl. Hoheit durch eine auf der stuͤrmischen Ueber⸗ fahrt von Odessa hierher erhaltene leichte Verletzung behindert wuͤrden, sich ihm unverzuͤglich vorzustellen, ließ er sich durch seinen ersten Leibarzt nach dem Befinden des Prinzen erkundi⸗ gen, indem er ihm zugleich die Huͤlfsleistungen desselben anbot. Die Vorstellung des Prinzen fand am üten im Serail von Beglerbeg statt, wobei der Sultan waͤhrend der ziemlich lan⸗
den Lehnsessel Platz nehmen ließ, — eine Auszeichnung, die bisher noch keinem anderen Prinzen zu Theil geworden war. An demselben Tage, wo der Prinz August sich dem Sultan vorstellte, trafen Se. Kaiserl Hoheit der Erzherzog Johann von Oesterreich und Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Adalbert von Preußen hier ein. Seit dieser Zeit beeifern sich die beiden Schwie⸗ gersoͤhne des Großherrn, sowohl diesen beiden Prinzen als dem Prin⸗ zen August ihren Aufenthalt in der Tuͤrkischen Hauptstadt moͤglichst angenehm zu machen. Zu Ehren des Erzherzogs haben bereits im Seraskariat und in der Kaserne von Skutari Truppen⸗ Aufstellungen stattgefunden, und wie es heißt, werden noch aͤhn⸗ liche Paraden vor Sr. Kaiserl. Hoheit und Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Prinzen Adalbert von Preußen abgehalten werden. — Gestern waren die drei erwaͤhnten Prinzen, wie auch der am 7ten hier eingetroffene Herzog Bernhard von Sachsen⸗Weimar mit seinem Sohne, dem Prinzen Wilhelm, ferner die Repraͤ⸗ sentanten der fuͤnf großen Maͤchte und mehrere andere Mitglie⸗ der des diplomatischen Corps, auch einige Personen aus dem Gefolge der hohen Gaͤste, im Serail von Beglerbeg zur Groß⸗ herrlichen Tafel geladen. Die beiden Schwiegersoͤhne des Sultans, der Groß⸗Wesir, so wie die uüͤbrigen Minister der Pforte, die an dem Gastmahle Theil nahmen, machten an der Tafel auf das zuvorkommendste und freundlichste die Honneurs, und der Groß⸗Wesir und Halil⸗Pascha erwider⸗ ten die von dem Erzherzoge Johann und dem Prinzen August ausgebrachten Toaste auf da: Wohl des Großherrn, seiner bei⸗ den Schwiegersoͤhne und seiner uͤbrigen versammelten treuen Diener durch Trinkspruͤche auf das Wohl und die Eintracht der Souveraine Europa's, die bei dem Mahle durch Prinzen ihrer
Haͤuser oder durch ihre Botschafter und Gesandten repraͤsentirt
wuͤrden, so wie auf das Wohl der versammelten Prinzen selbst. Der Großherr, der den hohen Gaͤsten wiederholt seine Freude daruͤber ausdruͤckte, sich in ihrer Mitte zu sehen, unterhielt sich einzeln mit jedem der anwesenden Prinzen und richtete auch einige freundliche Worte an die Botschafter Frankreichs und Englands, so wie an die Gesandten Oesterreichs und Preu— ßens. Am Schlusse des Festes ließ der Sultan seinen juͤngsten Sohn, ein sehr liebes, wohl aussehendes Kind von etwa zwei Jahren, in das Gesellschafts⸗Zimmer bringen, und indem er dasselbe mit dem Ausdrucke groͤßter Zaͤrtlichkeit liebkoste, nahm er ihm selbst das Fes ab, um solchergestalt die hohen Gaͤste auf Europaͤische Weise zu begruͤßen.
— Der Times wird von ihrem Korrespondenten in Kon⸗ stantinopel unterm 39. September Folgendes gemeldet: „Am 2ästen d. M. brachen zwei sehr schoͤne Tuͤrkische Regimenter, 70980 Mann stark, von Stutari nach Kurdistan auf. Vor ih⸗ rem Abmarsch stellten sie sich auf dem Hofe der Kaserne auf und wurden von dem Seriasker Said Pascha gemustert. Hier⸗ auf schlossen sie ein Viereck um die Offiziere, die sich in einem Halbkreise aufgestellt hatten, in dessen Mitte der Seriasker und an dessen Enden die Priester standen. Letztere lasen die Marsch— Gebete, welche von den Soldaten mit Amen beantwortet wurden. Nach Beendigung dieser Ceremonie traten boide Regimenter in der froͤhlichsten Stimmung ihren Marsch an, und Niemand wuͤrde geglaubt haben, daß sie eine Reise von 290 Meilen vor sich haͤtten. — Vor einigen Tagen hatte ich das Gluͤck, einige von den Odalisken des Sultans zu sehen. Sie saßen in so hohen Kutschen, daß man sich einer Leiter bedienen muß, um hinein⸗ zukommen. Die Damen waren sehr reich gekleidet, aber so verschleiert, daß ich ihre Zuͤge nur unvollkommen erkennen konnte, doch schienen sie mir außerordentlich schoͤn P Die Wachen hielten mich indeß in zu großer Entfernung, um genau sehen zu koͤnnen. Die sehr reich verzierten Kutschen wurden von Rindern gezogen, die ein sonderbares Geschirr hat⸗ ten und mit kleinen Spiegeln bedeckt waren. — Die gestern hier angekommenen Pariser Zeitungen sind voll von absurden Artikeln uͤber die Bestimmung der Ottomanischen Flotte, die niemals die Absicht gehabt hat, nach Tunis zu gehen, wie jene Blaͤtter behaupten. Der Sultan gab dem Contre⸗Admiral Roussin die bestimmtesten Versicherungen hieruͤber und befahl, um jeden Zweifel in dieser Beziehung zu heben, dem Kapu⸗
dan⸗Pascha, mit der Flotte nach Konstantinopel zuruͤckzukehren.“
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ie Wiener Zeitung giebt nach dem Griechischen Cou rier vom 15. September folgende naͤhere Beschreibung der Au dienz, in welcher der Oesterreichische Gesandte dem Koͤnige von Griechenland den Stephans⸗Orden uͤberreicht hat: „Vergan⸗ genen Mittwoch hatte der Kaiserl. Oesterreichische Gesandte Prokesch Ritter von Osten, die Ehre, Sr. Majestaͤt dem Koͤ⸗ nige in feierlicher Audienz die Insignien des Koͤnigl. Ordens des heiligen Stephan, des aͤltesten und angesehensten der Oester⸗ reichischen Haus⸗Orden, zu uͤberreichen. Der Oesterreichische Gesandte begab sich zu diesem Zwecke in voller Galla nach Hofe begleitet von dem Legations⸗Secretair Freiherrn von Testa und dem Legations⸗Commis Edlen von Kleinmayrn, und wurde von Sr. Maj im Thron⸗Saale, in Gegenwart des Ministers des Koͤnigl. Hauses, aller hohen Hof⸗Chargen, Adjutanten und Ordonnanz⸗Of⸗ fiziere empfangen. Als Herr v. Prokesch Sr. Majestaͤt sich naͤherte, richtete er an Hoͤchstdieselben folgende Worte: ““— Majestaͤt mein Kaiser und Herr haben mir den Auftrag ertheilt Ew. Majestaͤt die Insignien des Ordens des heiligen Stephans zu uͤberreichen. Es soll dies zur Erwiderung des Koͤnigl. Or⸗ dens seyn, womit Ew. Majestaͤt meinen Kaiser und Herrn uu schmuͤcken geruhten; es soll diese Erwiderung aber den innig⸗ sten Wunsch an den Tag legen fuͤr Ew. Majestaͤt, fuͤr Ihrecs Thrones und Reiches Heil und Wohlfahrt, einen Wunsch, den die nachbarlichen Verhaͤltnisse, die hohe Achtung fuͤr Ew. Ma— jestaͤt Koͤnigl. Haus, die Verwandtschaft endlich als einen na— tuͤrlichen hinstellen und der Hand in Hand geht mit demjenigen des immer steigenden Glanzes, Sire, und der geheilig⸗ ten Unabhängigkeit Ihres Thrones. Nehmen Ew. Ma⸗ jestaͤt aus meiner Hand also gnaͤdigst diese Insignien — und moͤgen sie ein Band des Vertrauens seyn, zweier tugendhafter Monarchen und zweier befreundeter Reiche wuͤrdig!““ — Mit den letzten Worten zugleich wendete sich der Kaiserl. Gesandte zu seinem Legations⸗Secretair, der auf silbernem Teller die In⸗ signien hielt, und diese nehmend, uͤbergab er sie in die Haͤnde Sr. Majestaͤt. Mit der Sr. Majestaͤt eigenen Anmuth beant⸗ worteten Hoͤchstdieselben die Rede des Herrn von Prokesch, indem sie ihn versicherten, wie sehr diese Aufmerksamkeit fuͤr Hoͤchstihre Person, und dieser neue Beweis der freundschaftlichen und aufrichtigen Theilnahme Sr. Maj. des Kaisers und Koͤnigs fuͤr das Wohl des Griechischen Thrones und Volkes Hoͤchstsie mit Ruͤhrunz erfuͤlle; wie nichts Ihrem Herzen naͤher liege, als allen Maͤchten, und namentlich Oesterreich, einer benachbar⸗
ten und verwandten Macht, zu beweisen, mit welcher festen Zu⸗
gen Unterredung seinen Gast auf einem ihm zur Seite stehen⸗ versicht Hoͤchstdieselben vertrauen in die Freundschaft und in
das Wohlwollen Aller, sowohl gegen Ihre Koͤnigliche Person, als gegen das Griechische Volk, dessen Unabhaͤngigkeit, die Grundlage jedes Fortschrittes, die Vorsehung als ein heiliges Pfand in Hoͤchstihre Haͤnde gelegt habe; wie insbesondere Hoͤchstdieselben die Insignien dieses erhabenen und ausgezeich⸗ neten Ordens mit Vergnuͤgen aus der Hand eines Ministers nehmen, dessen Liebe zu Griechenland, durch so viele That⸗ sachen bewiesen, Hoͤchstdenselben und allen Griechen be⸗ kannt sey. — Nach dieser glaͤnzenden und feierlichen Ce—⸗ remonie hatte die Oesterreichische Gesandtschaft die Ehre, Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin die Hand zu kuͤssen. Herr von Prokesch richtete auch an unsere junge und reizende Koͤnigin mehrere den Umstaͤnden angemessene Worte mit eben so viel Ehrfurcht als Ruͤhrung, und Ihre Majestaͤt beantwortete dieselben auf das gnaͤdigste, voll Koͤniglicher Wuͤrde und Feinheit des Geistes im Ausdruck und voll der Auszeichnung, die der Vertreter eines
großen Hofes verdient. — An demselben Tage empfingen Se.
Majestaͤt der Koͤnig den Kaiserlichen Gesandten, Ritter Pro⸗ kesch von Osten, in besonderer Audienz und geruhten, ihm das Eihentitus Hoͤchstihres Koͤniglichen Ordens des Erloͤsers zu ver⸗
„Wir entlehnen aus dem in der Allgem. Zeitung abge⸗ druckten Bruchstuͤck aus Semilasso's Tagebuch des fuͤr den Vice⸗ Koͤnig bekanntlich sehr eingenommenen Verfassers (des Fuͤrsten Puͤckler von Muskau) Unterredung mit Ali⸗Pascha. „Es ist ein so großes Ding Um einen Herrscher uͤber Millionen, die von seinem Winke abhaͤngen, daß ich nie einem solchen ohne eine gewisse innere Bewegung nahe, um wie viel mehr dann, wenn er zugleich ein so großer Mann ist als Mohammed⸗ Ali. Ich hoffe, man wird es mir daher Dank wissen, und auch keine thoͤrichte Eitelkeit darin suchen, wenn ich diesen er— sten Besuch bei Mohammed⸗Ali ausfuͤhrlich beschreibe, wobet ich freilich gezwungen bin, neben dem Großen auch vom Kiei⸗ nen zu sprechen, naͤmlich von mir. Seine Hoheit empfing mich in einem unteren Saale des Palastes, der mit einer ehrerbieti⸗ gen Menge seiner Hof⸗- und Staatsdiener angefuͤllt war. Erst als ich durch diese hindurchgedrungen, sah ich den Vice⸗Koͤnig, von den llebrigen getrennt, auf der Estrade vor seiner Otto⸗ mane stehen, nur Artim⸗Bei, den Dragoman, an seiner Seite. Meine Ueberraschung war groß — denn nach der in Alexan⸗ drien befindlichen Buͤste und einigen Portraits, die man fuͤr ahnlich ausgab, hatte ich mir einen streng, ja hart aussehenden Mann im orientalischen Schmucke gedacht, mit Zuͤgen, die, wie ich an der Buͤste bemerkt, auffallend an Cromwell's Bilder erinnerten. Statt dessen stand, in einen schlich⸗ ten braunen Pelz gekleidet, mit dessen weißem Besatz de ehrwuͤrdige Bart von gleicher Farbe seltsam zusammenfloß, de einfachen Fes, ohne Shawl und Edelsteine, auf dem Haupte, keine Ringe an den Fingern, noch, wie im Orient gewoͤhnlich, einen kostbaren Rosenkranz in der Hand (die uͤbrigens so schoͤn geformt ist, daß eine Dame sie beneiden koͤnnte), haltend, ein kleiner, freundlicher Greis vor mir, dessen kraͤftige, wohlpropor⸗ tionirte Gestalt nur durch eine fast kokett zu nennende Frische und Reinlichkeit geschmuͤckt war, dessen Gesichtszuͤge ebenso viel ruhige Wuͤrde als wohlwollende Gutmuͤthigkeit aussprachen, und der, obgleich seine funkelnden Adleraugen mich durch und durch zu schauen schienen, doch durch die Grazie seines Laͤchelns und die Leutseligkeit seines Benehmens mir nur unwillkuͤrliche Zu⸗ neigung und nicht die mindeste Scheu einfloͤßte. Auch hatte ich spaͤter hundertfache Gelegenheit, zu sehen, wie angebetet die⸗ ser Fuͤrst von Allen ist, die ihn umgeben, wie zutraulich und ungenirt sie ihm nahen, und mit welcher feinen Delikatesse und Nuancirung er selbst sie behandelt, wozu man noch bemerken muß, daß kein Herrscher leichter zuͤgaͤnglich seyn und weniger Praͤcautionen fuͤr seine Sicherheit nehmen kann als. Moham⸗ med⸗Ali, der sich taͤglich jedem Versuch unbesorgt preisgiebt, den ein Fanatiker auf sein Leben zu richten beabsichtigen koͤnnte. Wie moͤchte er dies wagen, wenn er der Tyrann waͤre, den alberne Unwissenheit und boͤsartige Absichtlichkeit in Europa so haͤufig aus ihm machen wollen? Nach der ersten Be— gruͤßung setzte sich der Vice⸗Koͤnig und winkte auch mir,