1838 / 18 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

volution bis an die

das Glück ihr den Rücken zuwendet, Frankrei für sie gehegt hatte, ein Mehreres aber für eine nicht thun konnte.“

Die Versammlung trennte sich erst um 6 Uhr in großer Aufregung.

Sitzung vom 11. Januar. An der Tagesordnung war die Fortsetzung der Debatte uͤber den Aten Paragraphen der Adresse. Herr Passy: „Die Frage, die uns beschaͤftigt, ist gestern klar und deutlich festgestellt worden. Zwei verschie⸗ dene politische Ansichten machen sich geltend. Die eine, und zwar die Ihrer Kommission, laͤßt der Regierung die Freiheit, alle diejenigen Maßregeln zu ergreifen, die mit dem Quadrupel⸗ Allianz⸗Traktate im Einklang stehen; die andere, die Herr Hẽ⸗ bert weitlaͤuftig entwickelt hat, glaubt fuͤr die Sache der Koͤni⸗ gin nur Wuüͤnsche aussprechen zu koͤnnen. Der Traktat vom April 1834 hatte den Zweck, die beiden Praͤtendenten aus der Halb⸗ insel zu vertreiben. Frankreich verpflichtete sich zur Mitwirkung, falls dieselbe verlangt wuͤrde. Als spaͤter Don Carlos in Spanien einge⸗ drungen war, wurden dem urspruͤnglichen Traktate noch einige Sup⸗ plementar⸗Artikel hinzugefuͤgt. In diesen Artikeln war nicht mehr von der Mitwirkung Frankreichs die Rede; aber in dem letzten derselben wurde gesagt, daß der Traktat selbst keine Veraͤnde⸗ rung erleide. Die in demselben von Seiten Frankreichs uͤber⸗ nommene Verpflichtung dauert daher fort. Man hat gesagt,

Frrankreich selbst habe von einer Contre⸗Revolution in Spanien

nichts zu fuͤrchten. Glauben Sie, m. H., daß, wenn Don Carlos in Spanien regierte, die legitimistische Partei in Frank⸗ reich nicht aufs neue ihr Haupt erheben wuͤrde? Und glau⸗ ben Sie, daß einige fremde Maͤchte, wenn sie die Contre⸗Re⸗ Pyrenaͤen bewerkstelligt saͤhen, nicht versu⸗ chen wuͤrden, dieselbe bis zum Rhein auszudehnen? Der Con⸗ seils⸗Praͤsident hat behauptet, daß wir nicht das Recht haͤtten, uns in die inneren Angelegenheiten Spaniens einzumischen.“ (Herr Molé von seinem Platze: „Herr Passy irrt sich. Als ich sagte, daß eine Nation sich nicht in die inneren Angelegen⸗ heiten anderer Nationen einmischen duͤrfe, sprach ich von dem allgemeinen Rechte, aber nicht von den Spanischen Angelegenheiten insbesondere.

Frankreich doch gute Wünsche befreundete Nation

Ich bin immer der Meinung gewesen, daß eine fremde Einmischung verderblich fuͤr das be⸗ setzte Land sey; aber dies hindert nicht, daß man einen Krieg beginnen koͤnne, wenn dieser Krieg im Interesse derjenigen Macht liegt, die ihn unternimmt; und dies kann sich wohl in Bezug auf Spanien auch ereignen. Der Quadrupel⸗Allianz⸗ Traktat laͤßt der Franzoͤsischen Regierung volle Freiheit, das⸗ jenige zu thun, was sie ihrem Interesse fuͤr angemessen haͤlt.“) Herr Passy fortfahrend: „Die Franzoͤsische Intervention in Spanien liegt nicht allein im Interesse Frankreichs, sondern sie bietet auch durchaus keine Gefahr fuͤr uns dar. Man spricht bestaͤndig von der Franzoͤsischen Invasion im Jahre 1808 und von deren Folgen. Aber die Lage der Dinge ist ganz und gar nicht dieselbe. Der Krieg im Jahre 1808 ward aus dem ungerechtesten Beweggrunde unternommen. Wir wollten da⸗ mals in Spanien die National⸗Unabhaͤngigkeit zerstoͤren, waͤh⸗ rend uns jetzt Spanien als seine Befreier zu Huͤlfe ruft. Außerdem verpflichtet uns unsere Ehre, die Koͤnigin Isabella aufrecht zu erhalten. Sobald der Tod Ferdinand's VII. in Paris bekannt war, begab sich ein Direktor aus dem Departe— ment der auswaͤrtigen Angelegenheiten mit einem Schreiben nach Madrid, in welchem der Koͤnigin aller Beistand verspro⸗ chen wurde, dessen sie beduͤrfen moͤchte. Unsere damaligen Ver⸗ sprechungen wiederholten wir in dem Quadrupel⸗Allianz⸗Trak⸗ tate. Indem wir in Spanien interveniren, erfuͤllen wir daher nur eine uͤbernommene Verbindlichkeit. Der Conseils⸗Praͤsi⸗ dent hat durch seine Erklaͤrung, daß er niemals in Spanien interveniren werde, die Krone Isabella's mehr als jemals in Gefahr gesetzt. Er hat dem Don Carlos mehr genuͤtzt, als alle die Millionen, die derselbe von fremden Maͤchten erhaͤlt. Er hat Frank⸗ reich vielleicht fuͤr immer seines getreusten Verbaͤndeten beraubt, und eine furchtbare Verantwortlichkeit lastet auf dem Ministerium.“ (Lebhafter Beifall zur Linken.) Der Conseils⸗Praͤsident: „Die Rede, die Sie so eben vernommen haben, beweist, daß die Frage keinen Schritt vorwaͤrts gethan hat. Man legt mir Worte in den Mund, die ich nicht gesprochen habe, und zieht daraus Folgerungen, die ich nicht annehmen kann. Man be⸗ hauptet, daß ich Frankreich das Recht, in Spanien zu interve⸗ niren, abgesprochen haͤtte. (Lebhafte Unterbrechung. Stimmen aus dem linken Centrum: „Nicht doch! Nicht doch! Sie wol⸗ len die Sache wieder unklar machen!“) Niemals habe ich Frankreich das Recht abgesprochen, uͤberall so zu handeln, wie es sein Interesse erheischt. Aber ich habe behauptet, daß der Quadruvpel⸗Allianz⸗Traktat Frankreich nicht verpflichte, selbst ge⸗ gen sein Interesse zu interveniren. Ich habe gesagt, daß wir uns zu einer vielleicht mit unserm Interesse in Widerspruch Intervention nicht verpflichten koͤnnten. Aber wir haben der Koͤnigin Isabella wirkliche und wesentliche Dienste geleistet, indem wir dem Don Carlos jede Verproviantirung und Rekrutirung aus Frankreich unmoͤglich machten. Wir ha— ben der Regierung der Koͤnigin sogar erlaubt, in Paris Sol⸗ daten anzuwerben, und es ist nicht unsere Schuld, wenn es an dem noͤthigen Gelde dazu gefehlt hat. Wir haben Dampfschiffe geliefert, die man von uns zum Transport der Truppen ver⸗ langte, und dergleichen mehr. Man kann daher nicht sagen, daß wir uns auf bloße Wuͤnsche fuͤr die Sache der Koͤnigin be⸗ schraͤnkt haͤtten. Man halte sich fest uͤberzeugt, daß, wenn wir nicht mehr thun und nicht weiter gehen, es nur geschieht, weil das Interesse Frankreichs es uns verbietet. Unser ganzes Le⸗ ben ist dem Wohle des Landes gewidmet gewesen, und wenn wir bei dieser Frage die Ansicht unserer Gegner nicht theilen, so glauben wir, deshalb Frankreich nicht weniger zu lieben. (Beifall im rechten Centrum.) Wir habenznicht gesagt, daß wir niemals in Spanien interveniren wuͤrden, sondern nur, daß wir uns nicht im Voraus dazu anheischig machen koͤnnten; und ich erklaͤre nochmals, daß, wenn wir je in Spanien eindringen, dies nur im Interesse Frankreichs geschehen wird, wogegen eine Inter⸗ vention unter den gegenwaͤrtigen Umstaͤnden eine Maßregel le⸗ diglich im Interesse Spaniens seyn wuͤrde. Herr Passy be⸗ hauptet, daß die Umstaͤnde nicht dieselben waͤren, wie im Jahre 1808, und daß die Franzosen, statt wie Feinde behandelt zu werden, wie Freunde aufgenommen werden wuͤrden. Wer steht dafuͤr ein, daß man uns so aufnehmen wird? Wer giebt uns die Versicherung, daß diejenigen, die uns jetzt zu Huͤlfe rufen, nicht die Ersten seyn werden, die gegen uns auftreten? Ich wuͤrde betruͤbter alis irgend Jemand uͤber eine Contre⸗Revolution in Spanien seyn; aber ich glaube nicht an die Gefahren, mit de⸗ nen man uns bedroht, wenn dieselbe wirklich stattfaͤnde. Nein, meine Herren, wenn Don Carlos in Madrid waͤre, wuͤrde er sich wohl huͤten, die legitimistische Partei in Frankreich zu unter⸗ stuͤtzen, denn er wuͤrde einsehen, daß auf einen solchen Versuch von seiner Seite unmittelbar der Krieg folgen wuͤrde; und man wuͤrde mich alsdann eben so kriegerisch gesinnt finden, als

Gestern langten Lord und Lady John

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irgend einen meiner jetzigen Gegner. (Beifall zur Rechten. Stimmen von der linken Seite: „Wenn dies Ihre Ansicht ist, warum hat man denn uͤberhaupt den Quadrupel⸗Allianz⸗Traktat abgeschlossen?“) Wir wollen die Intervention nicht, und des⸗ halb unterstuͤtzen wir das Amendement des Herrn Hébert. Der Paragraph der Kommission bindet die Regierung; das Amen⸗ dement läßt ihr volle Freiheit, einen Krieg zu beginnen, ohne sie zur Intervention zu verpflichten.“ Nach dieser Rede be⸗ stieg Herr Jouffroy die Rednerbuͤhne, ohne daß es ihm je⸗ doch bei der großen Aufregung, in welcher die Versammlung sich befand, gelingen wollte, die Aufmerksamkeit zu fesseln. Die Ruhe stellte sich erst einigermaßen wieder her, als Herr Mau⸗ guin auf der Rednerbuͤhne erschien. Derselbe suchte haupt⸗ saͤchlich darzuthun, daß Frankreich insofern ohne Gefahr inter⸗ veniren koͤnne, als es von keiner der großen Europaͤischen Maͤchte in diesem Augenblick etwas zu befuͤrchten haͤtte. Bei

Abgang der Post hatte Herr Mauguin seinen Vortrag noch nicht beendigt. 8

Pearis, 11. Jan. Der Koͤnig empfing gestern den Fuͤr⸗ sten von Talleyrand und den Marschall Gerard.

Die heute fruͤh erschienenen Blaͤtter stimmen alle darin uͤberein, daß das heute zu erwartende Votum der Deputirten⸗ Kammer in Bezug auf das Amendement des Herrn Héebert von der hoͤchsten Wichtigkeit fuͤr das Ministerium sey, indem, falls dasselbe verworfen wuͤrde, der Sturz des Kabinets kaum zu verhindern seyn duͤrste. Das Journal des Débats aͤußert sich uͤber diesen Gegenstand in folgender Weise: „Herr Hébert hat ein Amendement vorgeschlagen, welches durch die Einschal⸗ tung eines einzigen Wortes feststeilen soll, daß die Regierung bis jetzt den Traktat der Quadrupel⸗Allianz getreulich ausge⸗ fuͤhrt habe, und daß demzufolge dieser Traktat sie nicht zu einer bewaffneten Intervention zwinge. Dieses beim ersten Anblick nicht sehr wichtige Amendement ist durch die Explicationen des Hrn. Thiers und des Conseils⸗Praͤsidenten entscheidend geworden. Wird es ver⸗ worfen, so traͤgt die Interventions⸗Politik den Sieg davon, wird es angenommen, so schließt es den Krieg nicht aus, wie dies der Graf Molé sehr deutlich auseinandergesetzt hat, falls das au⸗ genscheinliche Interesse Frankreichs ihn in Spanien erheischen moͤchte; es schließt nur, wenn wir uns so ausdruͤcken duͤrfen, die rein Spanische Intervention aus, eine Intervention, die nicht unternommen wuͤrde, um die Ehre Frankreichs zu raͤchen oder seine Sicherheit zu vertheidigen, sondern um einen direkten Einfluß auf die inneren Angelegenheiten Spaniens zu uͤben. Die Interventions⸗Politik ist, wie wir glauben, nicht die Politik der Kammer. Wenn die Regierung Soldaten und Geld zum Interveniren verlangte, so sind wir uͤberzeugt, daß die Kammer Beides verweigern wuͤrde.“ Die Presse sagt: „Die heutige Sitzung wird entscheidend seyn. Die Majoritaͤt wird sich daruͤber auszusprechen haben, ob sie die Entlassun des Herrn Meolé und die Ruͤckkehr des Herrn Thiers will. Gedenkt die Majoritaͤt, unter dem Vorwande, ein Koͤnigthum in Spanien zu unterstuͤtzen, das Koͤnigthum in Frankreich den Gefahren eines Europaͤischen Krieges oder einer neuen Revo⸗ lution auszusetzen?“

Die Polizei war davon in Kenntniß gesetzt worden, daß ein Duell zwischen dem Praͤfekten des Departements des Mor⸗ bihan, Herrn Loroie, und dem Herrn von Sivry stattfinden sollte. Ihre Schritte wurden deshalb von einer Menge von Polizei⸗Agenten bewacht. Die genannten beiden Herren bega⸗ ben sich heute Vormittag um 1! Uhr nach dem Boulogner Ge⸗ hoͤlz, um ihre Ehrensache auszukaͤmpfen; in dem Augenblick aber, wo sie die Degen zogen, erschien der Polizei⸗Kommissa⸗ rius Noel in Begleitung mehrerer Beamten und zwang die Kaͤmpfenden, sich zu trennen. Man glaubt uͤbrigens nicht, daß durch diese Dazwischenkunft der Polizei das Duell verhindert werden wird.

Seit heute fruͤh hat die Seine angefangen, Eis zu treiben.

Großbritanien und Irland.

London, 10. Januar. Die kalte und stuͤrmische Witte⸗ rung hat Ihre Majestaͤt die Koͤnigin in den letzten Tagen ver⸗ hindert, ihre gewoͤhnlichen Spazierfahrten in Windsor zu machen. Russell nebst Familie, Miß Ponsonby und Lord Duncannon zum Besuch bei Ihrer Majestaͤt in Windsor an. Lord Melbourne ist dagegen bereits gestern wieder von dort in London eingetroffen und hat gleich nach seiner Ankunft eine Konferenz mit Lord Glenelg im Ko⸗ lonial⸗Amte gehabt.

Die Morning Chronicle zweifelt an der waͤhnten) Gruͤndung eines neuen Ordens.

Ueber die Bewegungen in der Armee und Marine enthält die Times neuerdings nachstehenden Bericht: „Eine unmittel⸗ bare Folge der Entfernung der nach Kanada beorderten Trup⸗ pen wird die unverzuͤgliche Entfernung aller in Irland befind⸗ lichen Regimenter seyn. Das erste Bataillon der Coldstream⸗ Garde, welches jetzt in Dublin steht, wird hoͤchst wahrscheinlich nach London zuruͤckkehren, um an dem Hofdienst Theil zu neh— men. Der „Herkules“ von 74 Kanonen wird 500 Mann von den nach Kanada bestimmten Truppen an Bord nehmen, und auf dem „Inconstant“ befindet sich schon der groͤßte Theil des 93sten Regiments Hochlaͤnder; die uͤbrigen Compagnieen und den Stab soll der „Pique“ aufnehmen, den man taͤglich in Cork erwartet. Der General⸗Major Sir W. M'Bean, der das Kommando im Distrikt Limerick uͤbernehmen sollte, hat den Befehl erhalten, sich in Cork auf dem „Inconstant“ nach Halifax einzuschiffen, um die Stelle eines zweiten Befehlshabers in Kanada einzu⸗ nehmen. Sir Frederick Stovin wird sich als General⸗Adjutant eben dahin begeben. Das Transportschiff „Boadicea“ wird mit den Kommando's des l1ten und 73sten Regiments nach Gibraltar segeln, von wo diese mit den Dienst⸗Compagnieen derselben Regimenter durch Kriegsschiffe nach Auebek ge⸗ bracht werden sollen. Ein Korrespondent empfiehlt, den Garde⸗Offizieren keine Entlassungen zu bewilligen, bis sie sich ihren Regimentern in Kanada anschließen, und die dadurch entstehenden Vakanzen durch Befoͤrderungen aus den Linien-Regimentern zu ergaͤnzen. Der Major W. F. Williams ist auf dem letzten Packetboote mit Depeschen fuͤr Sir John Colborne nach Kanada abgegangen. Dieser gpcgeegca Offizier stand fruͤher im 8östen leichten Infante⸗ rie⸗Regiment und erhielt in dem Kriege in Spanien mehrere Wunden. Er ist auch bekannt durch seine genaue topogra⸗ phische Aufnahme der Insel Malta. Wir halten es noch fuͤr noͤthig, zu bemerken, daß die von der „United⸗Service⸗Gazette“ angegebene Zahl der nach Kanada bestimmten Truppen unrich⸗ tig ist, denn nicht 3900 Mann, sondern, mit Einschluß der Ar⸗ tillerie, fast 7000 Mann sind bis jetzt dorthin beordert worden. Man wird es kaum glauben, daß der Oberst Thompson, welcher vor einigen Tagen in der Kron⸗ und Anker⸗Tavern eine so verraͤtherische Rede uͤber die Kanadischen Angelegenheiten hielt,

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(gestern er⸗

wirklich Oberst⸗Lieutenants⸗Rang in der Britischen Armes kleidet, wenn er auch kein Kommando hat. Und doch ist ee Lord Hill hat jedoch die Macht, der Koͤnigin die Entfern desselben aus einem Dienste zu empfehlen, den er durch Grundsaͤtze und seine Rede so entehrt hat. Wir hoffen, a Majestaͤt wird von ihren Praͤrogativen Gebrauch machen die Ausstreichung des Obersten Thompson von der Armeet⸗ befehlen, als eine Warnung fuͤr Andere, die jetzt geneigt moͤchten, in seine Fußstapfen zu treten. Oberst Sir G Arthur hat sich am Sonntage auf dem New⸗Yorker Pa boote nach Toronto in Ober⸗Kanada, seinem Regierunge eingeschifft. Mit ihm zugleich begaben sich mehrere Offtzien ihren Regimentern in Kanada.“ .

In der Leichtigkeit, womit das Unternehmen des §. M'Kenzie in Ober⸗Kanada unterdruͤckt worden seyn soll, die Morning Chroniele den Beweis finden, daß der; ruhr in Kanada sich keinesweges allgemein verbreiten w. sondern daß die Mißvergnuͤgten in der oberen Provinz n einen bedeutenden, noch einen maͤchtigen Theil ihrer Be rung ausmachten. Ein Korrespondent des Standarh, auch jenes Blatt fuͤr wohl unterrichtet haͤlt, versichert er habe allen Grund, zu glauben, daß M⸗Kenzie und Anhaͤnger gar nicht in Toronto eingedrungen, sondern Stadt nicht naͤher als bis auf 2 Englische Meilen kommen seyen, und daß ihre Zahl sich, den glau digsten Nachrichten zufolge, auf hoͤchstens 700 belaufen habe. Dem moͤchte nun seyn, wie ihm wolle, die Chroniecle, so sey schon das von großer Wichtigkei dieser Insurgenten⸗Haufen nicht von Truppen, von dem Provinz Ober⸗Kanada ganz entbloͤßt gewesen, sondern vo loyalen Einwohnern selbst zuruͤckgeschlagen worden. DM Blatt spricht sich dann nochmals sehr entschieden gegen die den Rednern in der Kron⸗ und Anker⸗Tavern aufgestelln hauptung aus, daß es sich nur um einen Kampf zwischn Kanadiern und der Britischen Regierung handle. Wenn britanien, meint es, auf die Kolonie morgen Verzicht! wollte, so wuͤrde es sie erst recht allen Schrecken des B. krieges preisgeben. Die „Chroniele⸗ giebt in dieser Bezit dem Korrespondenten des „Standard“ vollkommen Recht, cher sagt, es sey kein Streit zwischen den Franzoͤsischen diern und den Beamten der Kolonie, sondern zwischen den heren und den Britischen Ansiedlern, nicht allein in N Kanada, sondern in allen Nord⸗Amerikanischen Kolonieen. Korrespondent des Manchester Guardian, der Pfarra vid Brown, der die letzten fuͤnf Jahre in Nieder⸗Kanad lebt hat, versichert, der Zweck der Franzoͤsischen Kanadin jeden Britischen Unterthan aus dem Lande zu vertreiben eine Franzoͤsische Demokratie zu begruͤnden; die habiean werden die Franzoͤsischen Einwohner Kanada's gewoͤhnlich gem seyen zwar ein ruhiges und harmloöses Volk, aber auch sehr wissend, leichtglaͤubig und erregbar; auch schienen Herr und Sir William Molesworth in ihren in der Kreny— Anker⸗Tavern gehaltenen Reden ganz vergessen zu habat Nieder⸗Kanada eine Bevoͤlkerung von 150,000 Briten’ h. die entschlossen seyen, den Verband mit dem Mutterlamch recht zu erhalten und sich eine angemessene Vertretungae Provinzial⸗Versammlung, so wie gleiche Rechte und Privis mit den habitans, zu bewahren. Deshalb besonders um Englands Ehre willen, bemerkt die Chronicle, eoͤnne jene Kolonie nicht sich selbst uͤberlassen, die sonst freilich England eher eine Last als ein Vortheil sey, da sie dem 2 terkande bedeutende Kosten verursache und es noͤthige, schles Bauholz von ihr zu beziehen, während es viel besseres auts Ostsee⸗Haͤfen erhalten koͤnnte.

In der Times liest man: „Die Dubliner Zeitunge heben eine Frage in Bezug auf die Bank von Irland, wesentlicher Beziehung zu unserer Londoner Bank steht,! die Politik der Whigs hinsichtlich solcher Monopole zeigt. wird naͤmlich gesagt, daß der Freibrief der Irlaͤndischen? am 1. Januar 1837 abgelaufen sey und nach den Bedünung desselben 9s zuruͤckgenommen werden koͤnnen, wem Fn Spring Rice ein Jahr vorher angezeigt haͤtte, daß an sey, die von der Britischen Regierung dieser Bank scuͤde Summe von 2,600,000 Pfd. abzuzahlen. Haͤtte er dies gehoͤrigen Zeit gethan, so waͤre der Freibrief natl am 1sten d. M. ganz zu Ende gewesen; man glaubt abe Dublin, daß Herr Spring Rice, statt einen solchen entschen den Schritt zu thun, wie gewoͤhnlich gezoͤgert und die an den Ausschuß des Unterhauses uͤber die Actien⸗Banken wiesen habe. Dies ist jedoch zweifelhaft; mehr Wahrsche keit hat es fuͤr sich, daß er die Sache ganz ruhig gehe die Bank von Irland auf unbegraͤnzte Zeit im Genuß alg rer ausschließlichen Privilegien laͤßt. Es steht indeß zu daß man die Sache bei der Zusammenkunft des Parlg nicht mit Stillschweigen uͤbergehen, sondern die Frage offen aufstellen und zur Entscheidung bringen wird, ob dit dauer solcher Monopole angemessen ist oder nicht. man irgend eine Art von Versuch in diesem Falle fuͤr erf lich halten, der in der That nicht erforderlich ist, so wi ein großer Vortheil, mit der Bank in Dublin den Anfan machen; durch die Wirkung eines neuen Systems in wuͤrde die Regierung sich am besten belehren koͤnnen, ug die uns naͤher liegende groͤßere Beschwerde zu behandeln Die Wiederaufnahme der Geschaͤfte von Seiten der Acka und Handelsbank in Irland, deren Streitigkeiten mit Actionairen so haͤufig besprochen worden, ist ein Ereignit, hier einiges Aufsehen erregt hat. Wenn die dabei Bechh ten, wie jetzt behauptet wird, im Stande sind, ihre Ges mit einem Kapital von 250,000 Pfd. wieder zu beginnen bloß einen Verlust von 100,000 te sis ergeben wuͤrde, da das urspruͤngliche Kapital sich auf 352, 7. belief, so haben sie in der That weit weniger gelitten, als! erwarten durfte. Die Prozesse, welche die Eigenthuͤmer 8 einander eingeleitet hatten, sollen groͤßtentheils freundsches ausgeglichen worden seyn. Den ernstlichsten Widerstand - eine desinitive Regulirung ihrer Angelegenheiten scheint Bank bei ihren in Belfast ansaͤssigen Actionairen gefunde haben, die sich lange Zeit gegen jeden guͤtlichen Vergleich 8 ten. Alle beschweren sich, wie es scheint, uͤber die harte? rt und? h wie ihnen in dem Ausschusse des Unterhauses uͤber die Actien⸗Ban mitgespielt worden, was sie um so mehr aͤrgern und empoͤren . als sich in diesem Ausschusse zwei Irlaͤndische Parlaments⸗ glieder befanden, die selbst Direktoren oder Actionaire oder wie bei zwei mit einander wetteifernden Irlaͤndischen Bag betheiligt waren. Obgleich es heißt, daß die Ackerbaus Handels⸗Bank durch Irlaͤndisches Kapital erhalten werde doch ein sehr betraͤchtlicher Theil ihrer Actionaire in den lischen Grafschaften York und Lancaster ansaͤssig Die zahl der Actien dieser Bank ist sechstausend.“

*Im verflossenen Jahre sind in England 82 23

Pfd. waͤhrend der letzte

eingefuͤhrt worden, davon 16,628 aus Deutschland, 10,326 aus Spanien, 12,571 aus Neu⸗Suͤd⸗Wales, 10,333 aus Vandie⸗ mensland, 1780 vom Vorgebirge der guten Hoffnung, 10,371 aus Suͤd⸗Amerika, 802 aus Italien, 11,983 aus Rußland, 1546 aus Ostindien, 5511 aus den Barbaresken⸗Staaten und der Tuͤrkei und 385 aus verschiedenen anderen Gegenden. Die Morning⸗Chronicle bemerkt, man werde mit Erstaunen ehen, wie schnell die Woll⸗Production in Englands Australi⸗ schen Kolonieen zunehme, die jetzt schon zwei⸗ bis dreimal so viel produzirten, als Spanien, von wo England noch vor we⸗ nigen Jahren seine meiste Wolle bezogen habe; Australien komme fast Deutschland und dem noͤrdlichen Europa nahe, und es werde wahrscheinlich nicht mehr lange dauern, so werde England sich mit feiner Wolle ganz allein aus seinen wichtigen Kolonieen in der suͤdlichen Hemisphaͤre versorgen koͤnnen.

Aus hier eingegangenen Lissaboner Privatbriefen erfährt man, daß einige der am 16. September v. J. von der Portu⸗ giesischen Regierung ausgegebenen Obligationen oder Schatz⸗ scheine, die ein Englisches Handelshaus von Porto im Ha⸗ fen Viana bei der Zahlung von Zoͤllen angeben wollte, zuruͤck⸗ gewiesen wurden, daß jedoch, als man sich deshalb an die Re⸗ gierung in Lissabon wendete, diese den Irrthum sogleich berich⸗ tigen ließ. Dies stellte das Vertrauen der Kaufleute von Porto zu dieser Regierung wieder her, denn sie waͤren ohne jene schnelle Abhuͤlfe in große Verlegenheit gekommen, da sie meist die Zoͤlle in solchem Papier zu entrichten beabsichtigten.

Ueber den Vorschlag des Portugiesischen Finanz⸗Ministers, das alte Papiergeld, welches am 1. Januar haͤtte eingeloͤst wer⸗ den sollen, zu fundiren, bemerkt der hiesige Sun: „Dieser Gesetzes⸗Vorschlag beginnt mit der Erklaͤrung, daß es unmoͤg⸗ lich sey, die Bestimmungen des Gesetzes von 1834 in Bezug auf die Liquidirung der Schuld zu erfuͤllen, und hebt fͤr ein Jahr das Privilegium auf, welches die Inhaber jenes Papiers bisher hatten, die Haͤlfte ihrer Zoͤlle und Abgaben darin zu entrichten; nach Ablauf eines Jahres soll wieder ein Viertel der zu entrichtenden Auflagen in solchem Papier bezahlt werden koͤnnen. Die neuen Certifikate oder Inscriptionen, die man an dessen Statt ausgeben will, sollen 5 bis 6 pCt. Zins tragen, und 2 pCt. sollen jaͤhrlich in einen Tilgungs⸗Fonds fuͤr dieselben gezahlt werden. Dieser Beschluß duͤrfte wohl bei den Bank⸗ Direktoren und anderen Regierungsglaͤubigern einige Unzufrie⸗ denheit erregen; die Assoctation der Kaufleute wollte am 2ten d. dieserhalb eine Versammlung halten. Jenes Auskunftsmittel uͤberhebt die Regierung nicht nur der Nothwendigkeit, die Schuld sogleich abzuzahlen, sondern es wird auch die Abgaben inskuͤnftige doppelt so eintraͤglich fuͤr die Regierung machen, da sie nunmehr in baarem Gelde, statt zur Haͤlfte in Papiergeld, entrichtet werden muͤssen. Es laͤßt sich nicht leugnen, daß dies ein Treubruch gegen die Glaͤubiger der Portugiesischen Nation ist; aber die Umstaͤnde scheinen diese Maßregel gebieterisch er⸗ heischt zu haben, da man ohne dieselbe nicht die Mittel hat, das Land zu regieren.“

Mit dem Dampfboote „Soho“, das schon lange erwartet wurde, sind endlich Nachrichten aus Gibraltar bis zum 26. und aus Cadix bis zum 27. Dezember hier eingegangen. In Gibraltar hatte der Gouverneur die Anordnungen der Sa⸗ nitaͤts⸗Behoͤrde vom 11ten v. M. wieder aufgehoben. Cadix schien sich noch immer in einem sehr unruhigen Zustande zu befinden, und es war eine ganz besonders gegen Auslaͤnder ge⸗ richtete Proclamation erlassen worden, worin man diese der Anstiftung von Aufruhr und einer hervorragenden Theilnahme an den letzten Unruhen beschuldigt; sie werden vor solchem Be⸗ nehmen gewarnt und auf die darauf stehenden gesetzlichen Stra⸗ en hingewiesen.

In Folge des nebligen Wetters fehlen seit gestern fast alle Posten; auch die fremden sind ausgeblieben. In der vorletzten Nacht war es so kalt, daß das Wasser in den Haͤusern und in den Wasserleitungs⸗Roͤhren fror; von den letzteren sind meh⸗ rere gesprungen. Der Wind weht sehr scharf aus Nordost.

Die Zahlung der Zinsen der Consols und anderen Papie⸗ re, welche gestern begann, hat an der hiesigen Boͤrse ploͤtzlich einen Ueberfluß an Geld geschaffen, so daß es schwer ist, das— selbe unterzubringen, außer gegen sehr geringe Zinsen. Selbst fuͤr fremde Papiere haͤlt es schwer, obgleich Geld unter billi⸗ gen uu“ auf kurze Zeit ausgeboten wird. Wenn sich der jetzige Ueberfluß erst uͤber die ganze Insel verbreitet haben vird und mit dem Fruͤhling die Geschaͤfte wieder beginnen, dann erwartet man mehr Nachfrage. Boͤten die Kolonial⸗An⸗ gelegenheiten nicht eine so unguͤnstige Aussicht dar, und fuͤrch⸗ ete man nicht, mit der naͤchsten Post aus Kanada unguͤnstige Nachrichten zu erhalten, so wuͤrde dieser Ueberfluß an Geld, zu einer Zeit, wo im Handel und in den Manufakturen hewoͤhnlich ein Stillstand eintritt, ein groͤßeres Steigen der egierungs⸗Papiere bewirkt haben. Die Spanischen Fonds sind ein wenig in die Hoͤhe gegangen, weil man den auf Spanien bezuͤglichen Satz in der Adresse der Franzoͤsischen De⸗ hutirten-⸗Kammer als ziemlich guͤnstig betrachtete.

Deutschland.

Hannover, 11. Jan. (Hamb. Korr.) Mi⸗ r Ab⸗ eise mehrerer hohen Gaͤste haben auch die haf Mienlööe z ufgehoͤrt. Se. Majestaͤt haben in den letzten Tagen ununter⸗ rochen in Ihrem Kabinet gearbeitet. b

Der Koͤnig scheint Alles aufbieten zu wollen, um seine Re⸗ denz zu dem Range einer bedeutenden Stadt zu erheben und hr namentlich auch durch eine zahlreiche Garnison Glanz zu herleihen. Die ganze Hälfte der Armee wird in der Haupt⸗ adt vereinigt werden. Es heißt, daß Se. Majestaͤt einige Gaͤr⸗ ee vor dem Steinthore angekauft haben, um daselbst eine große aserne fuͤr die Husaren anzulegen. Auch spricht man von der Errichtung eines Leibregiments, dessen Kommando dem Oberst⸗ ijeutenant Wyneken uͤbertragen werden wuͤrde. Dadurch wi⸗ derlegte sich das von uns schon bezweifelte Geruͤcht der Ernen⸗ ung desselben zum Gouverneur der Provinz Goͤttingen.

e Herr v. Schele war seit mehreren Tagen bedenklich krank, ndet sich aber jetzt schon wieder in der Besserung. 8 Kassel, 8. Jan. Man ist jetzt in Kurhessen mit Aufstel⸗ dane S- Adels⸗Matrikel, die von Oben herab angeord⸗ be eschͤftigt. 8 Alle Personen, welche Adelstitel fuͤhren, beden 1 nde aufgefordert, die Titel, worauf ihre eün. 8 eruh nachzuweisen. Man hoͤrt, daß Benäge urvesen zheit sind, dieser Aufforderung befriedigend

Hamburg, 15. Jan. Die Elbe ist nun schon bis zu der aze. Snoscht zwei Meilen unterhalb Geann sche. mit Eis be⸗ h Fan5 ist der Elbstrom mit Treibeis angefuͤllt, 88 is Curhaven vorbei erstreckt; daher die zu erwar⸗ fehleen) ng 1n Dampfschiffe (die auch am 15ten Abends noch gen no e Zelgoland bleiben, die Briefe mit Helgolander Snig⸗

w uxhaven transportirt und die Hamburger Briefe eben

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so expedirt werden muͤssen. Aus obiger Ursache haben auch di beiden Leuchtschiffe ihre Stationen .ön, ist nach Cuxhaven, das andere wahrscheinlich nach Helgoland ge⸗ gangen. Seit vorgestern fährt man schon mit Pferden und Schlitten die Elbe auf und nieder, auch ist man sogar mit schwerbeladenen Frachtwagen von Ochsenwaͤrder her heruͤberge⸗ kommen. In der vorletzten Nacht ist nun auch der Strom zwischen Ruͤgenberge und oberhalb Harburg zugefroren und mit Sicherheit zu passiren. Aus Nyborg schreibt man, daß auch der Belt uͤberall mit Eis belegt sey.

Oesterreich.

Wien, 9. Jan. Die heute aus Venedig hi

1b Jan. 1 g hier eingegan⸗ uͤber das Befinden des ö- Frzebrich ind nicht geeignet, die ernsten Besorgnisse zu vermindern, welche e vchen 1 ir eee. Sr. 2,-, In Hoheit schon seit eini⸗ en Tagen hegt. rivatbriefe bezeichnen die Krankheit 1 schleichendes Nervenfieber. bta beaecafchat⸗

Wien, I1. Jan. Der als Gesandter nach 1 1 h Washin ton ernannte General, Baron von Marschall, hat seine Un⸗ babi. h.eics aezeresen „MNiach Berichten aus Herrmannstadt vom 30sten v. M. duͤrfte sich der Schluß des Landtags noch einige Zeit verzoͤgern, und man glaubt, daß Se. Koͤnigl. Hoheit der Erzherzog Fer⸗ dinand schwerlich vor Ende desselben hierher kommen wird. 127 g. Tagen x27 die des hiesigen Buͤrger⸗ meisters beginnen, zu welcher die Buͤrger⸗Ausscht Wagstra haufen sind. g 1” Die Hof-Kanzlei hat nunmehr die beruhigende offtzielle Nachricht erhalten, daß die wegen der Pest SeE regeln sich als voͤllig genuͤgend zeigen.

Pesth, 3. Jan. (Allg. Ztg.) Der Erzherzog Palatin, der in den letzten Tagen des vorigen Jahres üb. Gichtan⸗ fall betroffen wurde, ist in so weit wieder hergestellt, daß er bereits das Bett verlassen konnte. Der Winter zeigt sich diesmal ziemlich heftig; die Kaͤlte steigt bis 10 und 11 Grad. Die hochangewachsene Donau treibt große Eismassen, ohne daß diese zu einer festen Decke stehen bleiben. Die Communication zwischen Ofen und Pesth ist dadurch ungemein erschwert. Diese beiden Staͤdte, die von Jahr zu Jahr an Groͤße und Wichtig⸗ keit zunehmen, werden dadurch auf's Empfindlichste betroffen. Die Verlegenheiten und Beschwerlichkeiten sind noch selten so stark wie in diesem Winter gewesen. Die Ueberfahrt ist oft lebensgefaͤhrlich und manchmal ganz unmoͤglich. Es waͤre hohe Zeit, daß endlich die stabile Bruͤcke zwischen beiden Staͤdten, die nicht nur diese, sondern zwei Theile Ungarns verbaͤnde, zu Stande kaͤme.

Pesth, 6. Jan. Wir leben seit dem 3ten d. M. in Angst und banger Besorgniß und stehen noch immer in grauenvoller Erwartung der Dinge, die noch kommen duͤrften. Schon seit einigen Wochen schwoll der Donaustrom zu einer in dieser Jah⸗ reszeit ungewoͤhnlichen Hoͤhe an und hob sich am Aten d. M. dergestalt, daß er die Kais und Daͤmme unserer Stadt an vielen Orten uͤberschritt und das Wasser durch die Kanaͤle in die Keller und unterirdischen Waarenspeicher und Magazine der nahe der Donau liegenden Haͤuser drang und an Waaren, Viktualien und sonstigen Effekten großen Schaden anrichtete. Noch schlimmer sieht es in unserer Nachbarstadt Ofen aus. Dort sind die Niederungen der an der Donau liegenden Stadt⸗ theile, als der Raizenstadt, Wasserstadt, des Neustifts, ganz unter Wasser gesetzt, und die Communication kann nur mit⸗ telst Kaͤhnen stattfinden. Zudem fuͤhrte die Donau eine große Menge Treibeis mit sich, und in der Nacht vom äten auf den 5ten bildete sich ein sehr unsicherer und unverlaͤßlicher Eisstoß. Die regelmaͤßige Verbindung zwischen Ofen und Pesth ist seit drei Tagen ganz unterbrochen, und wir sind von der senseits der Donau wie abgeschnitten. Nur große Wagehaͤlse unter Anderen auch ein von Siebenbuͤrgen nach Wien eilen⸗ der Courier ließen sich fuͤr schweres Geld von kuͤhnen Schif⸗ fern in schwachen kleinen Fahrzeugen uͤber das Eis schleppen. Die Pesther Postpakets vom 2ten und 5ten d. M. konnten erst heute, am öéten, unter großer Gefahr nach Ofen expedirt werden, die Briefe blieben daher zwei Tage liegen. Der Wasserstand der Donau ist noch immer sehr hoch; er uͤberschreitet bereits das Maß, das er in dem Ueberschwemmungs⸗Jahr 1830 er⸗ reichte. Man ist auf Alles gefaßt bei dem bevorstehenden Ab⸗ zuge des Eisstoßes. Die Kanaͤle sind nun alle verstopft wor⸗ den, und man arbeitet thaͤtig daran, um das eingedrungene Wasser aus denselben auszupumpen. Der Schnee fiel so stark, daß er ellenhoch in den Straßen liegt. Es scheint nun entschieden zu seyn, daß der Ungarische Reichstag fuͤr den Oktober d. J. einberufen werden wird. Der Ver⸗ sammlungsort wird wieder Preßburg seyn. Nachschrift. vom 7ten Morgens. So eben hat das Publikum den Ue⸗ bergang uͤber den Eisstoß ertrotzt, und in diesem Augenblick, beim Abgang der Post, passirt die Menge die Donau. Es gehen bereis traurige Nachrichten von aen durch Ueberschwemmungen in den unteren Gegenden Ungarns ein. Oberhalb, namentlich in Wien und Preßburg, soll keine Ge⸗

fahr vorhanden seyn.

Tuͤrkei.

Konstantinopel, 20. Dez. (Allg. Ztg.) Man hatte esagt und geschrieben, daß die Lage Le-0n 8 8 echare edenklich sey, und daß er sich nur mit Muͤhe daselbst halten werde.

Es ist dies eine falsche Voraussetzung, denn die Mittel, uͤber welche Ibrahim gebietet, sind zu bedeutend, um ernstlich an⸗ nehmen zu koͤnnen, daß er von den Eingebornen etwas zu be⸗ sorgen habe oder wohl gar von der Pforte sich im mindesten bedroht glauben koͤnnte. Er ist und bleibt vielmehr der ge⸗ faͤhrlichste Rival des Sultans, und das, was sich in der neuesten Zeit in Syrien vorbereitet, scheint nur zu sehr dazu gemacht, der Pforte Fsenghsse einzufloͤßen und die Ueberzeugung zu liefern, daß Mehmed Ali und sein Sohn ihre Erobe⸗ rungsplaͤne nicht aufgegeben haben. Es herrscht naͤmlich eine ungewoͤhnliche Thaͤtigkeit bei der Aegyptischen Armee in Sy⸗ rien. Die Truppen werden in verschiedene Corps konzen⸗ rirt und erhalten ununterbrochen Verstaͤrkungen aus Aegypten, die theils zu Lande, theils zu Wasser zugefuͤhrt werden. Man versichert, daß im Laufe von sechs Wochen 10,000 Mann frische Truppen zu der Syrischen Armee gestoßen sind, daß die ganze Armee neu gekleidet worden und mit Puͤnktlichkeit bezahlt wird, was vermuthen laͤßt, daß man sie bei gutem Muthe er⸗ halten, ja denselben noch steigern will. Die Pfeorte sieht der⸗ gleichen mit sehr aͤngstlichen Augen an; sie fuͤhlt, daß dies Alles gegen sie gerichtet ist, und sie schickt sich auch an, da⸗

gegen Sicherheitz⸗ Maßregeln zu ergreifen, indem sie ihre Ar⸗

Welt

mee in Asien gleichfalls zu verstaͤrken sucht. nur muͤhsam einige Mannschaft auftreiben, weil es lich an einexercirten Leuten, dann an Geld gebricht. thut sie klug, in den Tagen der Gefahr sehr zu Statten kamen 2eeg— dazu beitrugen, der Armee Ibrahim's im Angesichte 8 ptstadt Halt zu gebieten. Vtel ward intriguirt, um diese ympathie zu schwaͤchen; der Sultan ist aber zu gut berathen sich abermals irre fuͤhren zu lassen. Er weiß sehr wohl, daß Mehmed Ali zuerst durch fremden Einfluß bestimmt worden sich gegen ihn aufzulehnen, und daß dieser Einfluß immer noch dahin wirkt, den maͤchtigen Vasallen auf Kosten seines Herrn an Kraft gewinnen zu lassen. Es ist seltsam zu sehen, wie widersprechend sich die Politik in den Verhaͤltnissen des Orients aͤußert. Man wird es kaum glauben, daß England, welches vor allen Mehmed abhold seyn sollte, nicht ungern sieht wie er sich befestigt und auszubreiten sucht. Dies laͤßt sich nicht anders erklaͤren, als daß das Londoner Kabinet ihn benutzen will um ein Gegengewicht fuͤr Frankreich zu haben, das zum Verdr usse Englands in Afrika immer mehr um sich greift. Mehmed Ali ist inzwischen zu gut berathen, um je wagen zu mollen, sich Frankreich feindlich entgegen zu stellen. Den Vorschub, den man ihm leistet, kann und wird er nur dazu benutzen um der Pforte zu schaden, und diese sollte daher nicht leichtglaͤubig auf die Versicherungen vertrauen, welche ihr Englischerseits gemacht werden, als sey Mehmed Ali weit entfernt, sich den einge⸗ gangenen Verpflichtungen gegen den Sultan zu entziehen, und von dem Willen beseelt, sie puͤnktlich einzuhalten. Daß Lord Ponsonby, welcher dergleichen Versicherungen zu geben bemuͤht seyn soll, anders uͤber Mehmed Ali denken muß, als er vor⸗ geht, duͤrfte schon daraus erhellen, daß der von dem Englischen abinet verlangten Herabsetzung der Zoͤlle, weshalb die Pforte mehrere Fermans auf den Wunsch des Englischen Botschafters ergehen ließ, keine Folge gegeben ward, was doch augenschein⸗ lich gegen den Sinn und Wortlaut der Convention handeln heißt, die der Vice⸗Koͤnig mit dem Sultan eingegangen ist. Es heißt, daß naͤchstens wieder große Veraͤnderungen in dem Per⸗ sonal der hoͤheren Verwaltung eintreten werden. Die Ver⸗ handlungen der großen Maͤchte mit der Pforte uͤber Reguli⸗ rung des Zoll⸗Tarifs dauern fort. 1 In der Agramer Zeitung vom 6. Januar liest man: „Ueber die anarchischen Angelegenheiten Bosniens theilt uns ein Graͤnzschreiben vom 26sten v. M. Nachstehendes mit: Der fuͤchtig gewesene Capitain Murat Bey Bessirevich hat sich end⸗ lich dem Bosnischen Statthalter Wesir Wedschihi Pascha g stellt und 8 unter Begleitung zweier Tuͤrken nach Travnik ab⸗ gegangen. Da nun dieser vormalige Capitain sich freiwillig ge⸗

Allein sie kann ihr erst⸗

die Sympathieen zu bewahren,

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stellt hat, so glauben die Tuͤrken allgemein, der Statthalter

werde naͤchstens zur Untersuchung der Verhafteten schreiten und die minder Schuldigen, so wie die Weiber und Kinder, zu ih⸗ ren Haͤusern entlassen. Der Militair⸗Kommandant von Pridor⸗Arnauti, Bimpascha Ramanadaga, ist wegen Bedruͤk⸗ kung der dortigen Einwohner angeklagt und vom Bosnischen Statthalter seines Dienstes entlassen worden.“

Griechenland.

Athen, 28. Dez. Das ploͤtzliche Ausscheiden des Herrn v. Rudhart mußte um so mehr uͤberraschen, als man allgemein der Ansicht war, daß derselbe wenigstens noch mehrere Monate an der Spitze der Administration bleiben werde. Es hat dar⸗ um an den verschiedenartigsten Geruͤchten uͤber die Ursache sei⸗ nes Dimissions⸗Gesuches nicht gefehlt. Einige wollten dieselbe in wiederholten fremden Intriguen finden; Andere wollten sie durch die unguͤnstige Gesinnung einer Hofpartei erklaͤren; An⸗ dere durch eine Ungnade Sr. Maäjestaͤt, und endlich fehlt es auc nicht an Leuten, welche in der Resignatiovn des Herrn v. Rud hart nur das Verzweifeln an dem Gelingen seiner Mission er⸗ blicken. Wir haben Grund zu glauben, daß alle diese Vermu⸗ thungen unrichtig sind. Hr. v. Rudhart ist ein zu erfahrner Geschaͤftsmann, als daß ihn das Auftauchen irgend einer I

In

trigue unentschlossen und zweifelhaft machen koͤnnte, und sein

Auftreten in dem die Wuͤrde der Griechischen Regierung und

seinen eigenen Charakter tief beruͤhrenden Zerwuͤrfniß mit ei fremden Diplomaten bewies ö vv kungen der Art, sie moͤgen nun von innen oder außen kom men, durch Offenheit und Entschlossenheit zu begegnen weiß. Eben so wenig glauben wir, daß Herr v. Rudhart in hoffnungs 1 losem Aufgeben der Griechischen Sache seine Entlassung genom men hat. Das Land genießt der tiefsten Ruhe, das . in die Regierung waͤchst mit jedem Tage, und Handel und Ackerbau machen, wenn auch kleine, doch immerhin beruhigende und sichere Fortschritte. Herrn von Rudhart kann in seiner Stellung diese materielle Entwickelung und besonders jene uͤber raschende Entfaltung der moralischen Kraͤfte der Griechische Nation, welche in jeder griechenfreundlichen Brust die beste Hoffnungen fuͤr die Zukunft des Landes wecken, unmoͤglich en gangen seyn. Wir sind vielmehr der Gewißheit, daß Her v. Rudhart mit guten Hoffnungen fuͤr die Griechische Sache vor uns scheidet und die Beruhigung mit sich nimmt, auch seine Tribut auf deren Altar niedergelegt zu haben. Was man aber von einer Ungnade des Koͤnigs sagt, widerlegt sich durch die schmeichelhaften Ausdruͤcke, unter denen Herr von Rudhart seine Entlassung erhielt, und denen Se. Majestaͤt die Verlei⸗ hung des Großkreuzes des Erloͤser⸗Ordens beifuͤgte. Es scheint darum, daß eine Meinungs⸗Differenz uͤber den Umfang der Verantwortlichkeit und der Befugnisse des Minister⸗Prafiden⸗

ten zu obigem Resultate fuͤhrte, und diese Vermuthung wird

durch die Ordonnanz uͤber das Praͤsidium des Minister⸗Rathes, welches kuͤnftig Se. Majestaͤt selbst fuͤhren wird, —— SWi geben Herrn von Rudhart bei seinem Abgang gern das Zeug niß, daß er durch Rechtlichkeit und Entschiedenheit des Chara! ters die Achtung selbst seiner politischen Gegner sich erworber und das moralische Vertrauen und die Achtung fuͤr die Regie rung wesentlich befoͤrdert hat. 8 Unter den hier anwesenden Fremden erregt gegenwaͤrt: General Halberg (der Eremit von Gauting) das meiste Auf sehen. Der greise Reisende, dessen Zuͤgen man die nahen Acht⸗ zig ansieht, obgleich seine Haltung noch frisch und ruͤstig ist, kam von Konstantinopel und gedenkt, von hier aus nach Aegyp⸗: ten und Indien ju gehen. Der alte Wanderer fand bei Hofe eine freundliche Aufnahme. Die Griechen, doch sonst an aßen⸗ teuerliche Aufzuͤge gewoͤhnt, fanden in jenem lebensfrohen Ere⸗ miten einen solch absonderlichen Mann, daß sie ihm stets laͤchelnd fo gen, wenn er die Straßen Athens durchwandert. Seine rothe bis zu den Knieen reichenden Juchtenstiefel, der kurze schwarze

Sammtrock mit dem großen gestickten Stern auf der linken 8

Brust, die bunten Ordensbaͤnder mit den großen Insignien ur

den magern Hals, die schwarze Polnische Muͤtze auf dem kah⸗

len Haupte, der lange graue Bart, das immer dampfende klein im rechten Mundwinkel, bilden die abenteuerlichst

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