1838 / 44 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

ein Beispiel anfuͤhren, welches uns zu nahe liegt, als daß es schon vergessen seyn sollte. Als vor zwei Jahren die Regie⸗ rung das Andenken des Marschalls Mortier, der unter den Ku⸗ geln eines Koͤnigsmoͤrders gefallen war, ehren wollte, schlug sie vor, der Wittwe des Marschalls Mortier eine Pension von Zwanzigtausend Francs zu bewilligen, und die Kammer genehmigte diesen Antrag ohne Eroͤrterung, ohne Amendement. Damals erhob sich keine einzige Stimme, um das Gesetz uͤber die Militair⸗Pensionen anzurufen. Wie geht es nun zu, daß man sich heute desselben als einer Waffe gegen die Wittwe und die Kinder des Generals Danrémont bedient? Und wie geht es zu, daß sich Stimmen finden, die sich dahin vernehmen las⸗ sen, daß der ruhmvolle Tod des Generals und das Ungluͤck sei⸗ ner Familie doch am Ende nur ein Zufall sey? Und einer Fran⸗ zoͤsischen Kammer legt man dergleichen Argumente vor? Eine Franzoͤsische Kammer nimmt keinen Anstand, dieselben durch ihr Votum gutzuheißen!“ 1

Die Regierung publizirt heute (außer den beiden bereits gestern mitgetheilten) nachstehende telegraphische Depesche gus Bayonne vom 4ten d.: „Die am 256sten v. M. in den Cor⸗ tes begonnenen Interpellationen sind durch eine mit 103 gegen 125 Stimmen angenommene motivirte Tagesordnung beendigt worden.“ (Die hier angegebenen Zahlen beruhen ohne Zweifel auf einem Jerthume.)

Paris, 7. Febr. Der Koͤnig arbeitete gestern mit den Ministern des Krieges, des Handels und der Justiz. 1

Die Pairs⸗Kammer beschaͤftigte sich in ihrer heutigen Sitzung mit dem Gesetz⸗Entwurfe uͤber die Behandlung der

Geisteskranken in den Irrenhaͤusern und namentlich mit dem

isten Artikel desselben, der dahin lautet, daß jedes Departement

in der Folge gehalten seyn soll, eine Anstalt zu besitzen, in wel⸗ cher Geisteskranke aufgenommen und zweckmaͤßig behandelt wer⸗ den koͤnnen. Bei Abgang der Post war die Berathung uͤber diesen Artikel noch nicht geschlossen. . ö

Man versichert, der Koͤnig habe beschlossen, die 4000 Fr., um welche Summe die Deputirten⸗Kammer die Pension fuͤr die Ge⸗

neralin Danrémont verkuͤrzt hat, aus seiner Chatoulle zu bezahlen.

Andererseits glaubt man, daß die Pairs⸗Kammer die urspruͤng⸗ lich von der Regierung vorgeschlagene Summe bewilligen, und daß dann die Deputirten⸗Kammer bei einer zweiten Abstim⸗ mung nicht laͤnger auf ihren oͤkonomischen Grundsaͤtzen behar— ren werde. 8

Die Wittwe des Generals Daumesnil widerspricht in den hiesigen Blaͤttern der bei Gelegenheit der Debatte uͤber die Pension fuͤr die Wittwe des Generals Danrémont aufgestell⸗ ten Behauptung, daß sie eine jaͤhrliche Pension von 3000 Fr. genieße. Sie besitze nichts als das gewoͤhnliche Wittwengehalt von 1500 Fr.

Gestern fand eine vorbereitende Versammlung der Waͤhler des öten hiesigen Wahl⸗Bezirks statt, zu der sich mindestens 14 1590 Persenen eingefunden hatten. Den Vorsitz fuͤhrten die Herren Barbier, Lanne und Goudchaux. Als Kandidaten erschienen die Herren Jacques Laffitte, Alexander von Girar⸗ din, Maffioli und Masse. Herr Goudchaux nahm das Wort und zeigte der Versammlung an, daß die drei ersteren Kandidaten sich schon vor einiger Zeit gemeldet haͤtten, der letz⸗ tere aber erst gestern aufgetreten sey. Die Herren Girardin, Maffioli und Massé seyen den Waͤhlern gaͤnzlich unbekannt. Das Leben und die Dienste des Herrn Laffitte kenne dagegen Jedermann. Die Waͤhler des 6ten Bezirks waͤren dazu be⸗ stimmt, einen auffallenden Undank wieder gut zu machen, den die Nationen sich leider so oft zu Schulden kommen ließen. (Allgemeiner Beifall.) „Herr Laffitte“, fuhr der Redner fort, „hat vLersorochen, nach Kraͤften zu einer Wahl⸗Reform, zur Verbesserung unseres Finanz⸗ Systems im Interesse der arbeitenden Klasse mitzuwirken, sich jedem Apanage⸗Gesetze zu widersetzen, die Abschaffung der September⸗Gesetze, die Ver⸗ vollstaͤndigung der Amnestie, die Beibehaltung unserer Afrika⸗ nischen Besitzungen und die Ausfuͤhrung des Quadrupel⸗Allianz⸗ Traktates zu verlangen. Endlich hat er versprochen, noch in dieser Session einen Vorschlag zur Reduction der Rente zu machen, wenn das Ministerium nicht bald die Iniative in die⸗ ser Angelegenheit ergreifen sollte.“ Herr Goudchaux ward im weitern Verlauf seiner Rede, in welcher er die Regierung auf das Heftigste angriff, von einem Theile der Versammlung so lebhaft unterbrochen, daß er sich zuletzt genoͤthigt sah, zu schwei⸗ gen, und Herrn Laffitte das Wort zu ertheilen, der sich etwa folgendermaßen vernehmen ließ: „Die Kandidatur des 6ten Bezirks ist mir angeboten worden, und ich habe sie mit Freuden angenommen. Soll ich Ihnen sagen, wer ich bin, was ich will, wel⸗ ches meine Gesinnungen und Meinungen sind? Denen, die mich nicht kennen und die sie zu wissen wuͤnschen, werde ich sie nicht vorenthalten. Denen aber, die mich kennen, habe ich nichts zu sagen, und ich glaube, von vielen unter Ihnen gekannt zu seyn; denn ich wohne seit 50 Jahren in Paris und habe 23 Jahre lang in der Kammer gesessen. Ich bin alt; ich war Zeuge der ersten Revolution, und was ich im Jahre 1789, was ich im Jahre 1830 wollte, das will ich auch heute noch. Man hat oft meine Absichten verleumdet, und die Verleumdungen sind fast immer dieselben gewesen. Waͤhrend der Restauration sagte man, daß ich 200 Millionen zu meiner Verfuͤgung haͤtte, die ich zur Anstiftung von Revolutionen verwendete. Ich habe aber nie gegen die damalige Regierung konspirirt. Die Revolution von 1830 hat viele Wahrheiten ans Licht gezogen und viele Irr⸗ thuͤmer aufgedeckt; sie hat auch bewiesen, daß ich nicht zu der Zahl der Verschwoͤrer gehoͤrte. Ich hatte immer Reformen ver⸗ langt, in der Ueberzeugung, daß man durch Reformen den Re⸗ polutionen vorbeuge. Meine Meinung ist noch immer dieselbe. Ich liebe die Revolutionen nicht. Wenn auch zuweilen die Feh⸗ ser der Regierungen dieselben nothwendig machen, so duͤrfen doch die Voͤlker sie niemals wuͤnschen oder herbeifuͤhren.“ (Leb⸗ hafter Beifall.) Nachdem auch noch die uͤbrigen Kandidaten einige Worte an die Waͤhler gerichtet hatten, ward die Ver⸗ sammlung aufgehoben, und man glaubt, daß Herr Laffitte mor⸗ gen ohne bedeutenden Widerspruch gewaͤhlt werden wird.

von den 9 Bureaus der Deputirten⸗Kammer haben nun bereits 7 ihre Kommissarien fuͤr das Budget⸗Comité ernannt; 16 derselben gehoͤren dem linken Centrum und der Opposition, und 12 dem Ministerium und der Doktrine an. Sehr ge⸗ spannt ist man darauf, wer zum Praͤsidenten der Budgets⸗ Kommission ernannt werden wird. Die Stimmen werden sich wahrscheinlich zwischen den Herren Passy und Duchatel theilen. Die Wahl des Erstern muͤßte als eine Niederlage des Ministe⸗ riums betrachtet werden, da dasselbe Alles aufbietet, um die Ernennung des Herrn Duchatel zu sichern.

Das Wahl⸗Kollegium von Avesnes hat den Kandidaten der Opposition, Herrn Marchand, zum Deputirten ernannt.

Den neusten Nachrichten aus Algier zufolge, sind die Truppen, die gegen Abdel⸗Kader ausgesandt waren, um einen

Abgange der Post seine Rede noch nicht beendigt.

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Einfall des Emir in das Franzoͤsische Gebiet zu verhindern,

sämmtlich wieder nach Algier zuruͤckgekehrt, und der Friede scheint wenigstens fuͤr eine Zeitlang gesichert zu seyn.

Die hiesige Sparkasse hat in der abgelaufenen Woche an neuen Lahtefsgen die Summe von 786,376 Fr. erhalten. Die Ruͤckzahlungen beliefen sich auf 342,500 Fr.

Im Messager liest man: „Der Marquis von Espeja hat haͤufige Konferenzen mit dem Conseils⸗Praͤsidenten, und noch gestern Morgen hat er uͤber eine Stunde in dem Kabinette des Grafen Molé zugebracht. Man behauptet, daß der Gesandte in Folge neuerer ihm zugegangenen Depeschen, abermals eben so bestimmte als dringende Fragen an die Regierung in Be⸗ treff ihrer Absichten in Bezug auf Spanien gerichtet habe.”“

Der Courrier de Bordeauyx vom Zten d. enthaͤlt Fol⸗

gendes: „Die Polizei hat gestern hier vier Spanische Offiziere verhaftet, und dieselben zur Verfuͤgung des Praͤfekten gestellt.

Man versichert auch, daß in Folge einer kuͤrzlich entdeckten Kar⸗

listischen Verschwoͤrung mehrere vornehme Spanische Fluͤchtlinge

den Befehl erhalten haben, Bordeaux zu verlassen, und sich nach anderen Staͤdten im Inneren von Frankreich zu begeben.

Großbritanien und Irland.

Parlaments⸗Verhandlungen. Oberhaus. Siz⸗ zung vom 5. Febr. Die Versammlung war zahlreicher als gewoͤhnlich, weil Herr Roebuck heute seine Vertheidigungsred: zu Gunsten Kanada's und gegen die Kanadische Bill an der Barre des Hauses halten sollte. Viele der Lords, namentlich auch der Herzog von Wellington, Lord Lyndhurst und einige andere ausgezeichnete Tories, hatten sich in die Naͤhe der Barre gesetzt, um den Redner besser zu hoͤren. Der ⸗Raum jenseits der Barre war von Herrn Hume und mehreren anderen Freun⸗ den des Herrn Roebuck eingenommen. Letzterer hatte 5* Man be⸗

merkte, daß Lord Melbourne sich bei mehreren Stellen von

Herrn Roebuck's Vortrage Notizen aufschrieb.

Unterhaus. Sitzung vom 5. Februar. Der Haupt⸗ gegenstand der heutigen Verhandlungen war die Bill uͤber die Irlaͤndische Armenpflege. Herr O'Connell, der, von Irland zuruͤckgekehrt, wieder im Unterhause erschien, sprach sich aufs entschiedenste gegen die Maßregel aus und erklaͤrte, er werde sich ihr bis zu ihrer letzten Sration widersetzen, und sollte er auch ihr einziger Gegner seyn. Fuͤrs erste zeigte er an, daß er dem Antrage auf das Uebergehen in den Ausschuß uͤber die Bill ein Amendement entgegenstellen werde.

London, 5. Febr. Ihre Majestaͤt die Koͤnigin ertheilte heute dem Premier-Minister und dem Grafen von Albemarle Audienz. 1

Der Morning Herald will wissen, daß der Sprecher des Unterhauses, Herr Abercromby, sich zu schwach fuͤhle, die Anstrengungen dieser Session auszuhalten, und daß er daher den Wunsch zu erkennen gegeben habe, das Haus moͤchte ihn von seinem Amte entbinden.

Eben diesem Blatt zufolge, wuͤrde von wohl unterrich⸗ teten Personen versichert, daß es beinahe schon zu einem Bruch zwischen dem Grafen Durham und den Ministern gekommen sey. Etwas Aehnliches wollte auch wohl Lord Brougham am Freitage im Oberhause andeuten, als er es in Zweifel stellte, ob der Graf uͤberhaupt noch seine Mission nach Kanada antre⸗ ten werde. Als Grund dieses angeblichen Zerwuͤrfnisses wird die vorzeitige Veroͤffentlichung der von Lord Glenelg dem Gra⸗ fen Durham ertheilten Verhaltungsbefehle angefuͤhrt.

Herr Edward Ellice der Juͤngere hat seinen Konstituenten angezeigt, daß er den Grafen Durham als dessen Privat⸗Se⸗ cretair nach Kanada begleiten werde und deshalb bereit sey, seinen Parlamentssitz aufzugeben, wenn die Waͤhler von St. Andrew's es wuͤnschten. Fuͤr diesen Fall ist bereits Herr Mait⸗ land Macgill, ein Ultra⸗Tory, der sich schon bei den allgemei⸗ nen Wahlen um diesen Parlamentssitz bewarb, wieder als Kan⸗ didat aufgetreten. ·

Herr Lynch, der neue Kanzleigerichts⸗Direktor, ist von hier nach Galway abgereist, um sich einer neuen Wahl zu un⸗ terwerfen, da sein Amt mit einem Sitz im Parlamente nicht uUnvertraͤglich ist. Ministerielle Blaͤtter ruͤhmen seine Verdienste um die Verbesserung des Rechtswesens und halten es fuͤr wuͤn⸗ schenswerth, daß er im Parlament bleibe; sie hoffen daher, daß Sir John Burke zuruͤcktreten werde, um nicht die libe⸗ rale Waͤhlerschaft von Galway zu zerspalten und auf diese Weise daselbst einem Tory den Weg ins Parlament zu bahnen.

Die Waͤhler des Distrikts Elgin in Schottland bedauern es sehr, ihren Repraͤsentanten Sir A. Leith Hay zu verlieren, der von der Regierung zum Gouverneur der Bermudas⸗In⸗ seln ernannt ist. Als Kandidaten fuͤr den erledigten Parla⸗ mentssitz treten die Herren Foxr Maule, der Unter⸗Staats⸗Se⸗ cretair fuͤr die auswaͤrtigen Angelegenheiten, der bekanntlich bei den letzten allgemeinen Wahlen durchfiel, und Herr Holt Mackenzie auf, von welchem Letzteren man nicht recht weiß, zu welcher Partei er gehoͤrt, da er einst aͤußerte: „Wenn ich kein Whig bin, so bin ich wenigstens auch kein Tory.“

Man spricht von der Ernennung des Herrn James Hook zum Gouverneur von Gambia, doch soll das Ministerium noch nicht daruͤber einig seyn. 2 8

Am Freitag Abend verließ Herr O'Connell Dublin, um nach England zuruͤckzukehren. Kurz vor seiner Abreise begab sich eine Deputation des Handwerker⸗Vereins in 15 Wagen nach seiner Wohnung, um ihm eine Adresse zu uͤberreichen, worin der Verein sein Vertrauen, seine Dankbarkeit und Hoch— achtung ausspricht. Herr O'Connell empfing die Deputation in seinem Studirzimmer, wo ein Mitglied derselben die Adresse

Morgen und am Donnerstage werden die Ausschuͤsse zur Pruͤfung der Wahlen von Roxburgh, Ipswich, Salford, Can⸗ terbury und Longford im Unterhause zusammengestellt; die mi⸗ nisteriellen Blaͤtter fordern daher alle liberalen Parlaments⸗Mit⸗ glieder auf, an diesen Tagen auf ihren Plaͤtzen zu seyn, da die Tories gewiß nicht fehlen wuͤrde 1. 88

Die Regierung will zu Anfange des Fruͤhlings mehrere Dampfboͤte nach dem St. Lorenz⸗Strom und den Kanadischen Seen senden. Wie es heißt, ist dem Commander Austen die Ausruͤstung dieser Fahrzeuge uͤbertragen worden.

Man ist sehr gespannt auf die Ankunft der New⸗Yorker Post vom löten v. M., durch die man die Entscheidung des Kongresses uͤber die letzte Botschaft des Praͤsidenten der Ver⸗ einigten Staaten zu erfahren hofft, welcher zufolge eine Art von Ehrenerklaͤrung von Seiten der Britischen Regierung fuͤr die durch den Angriff auf das Dampfboot „Caroline“ den Ver⸗ einigten Staaten zugefuͤgte Beleidigung gefordert werden sollte. Der Courier glaubt von dem gesunden Sinne der Amerika⸗ nischen Staatsmaͤnner erwarten zu koͤnnen, daß sie es um einiger verzweiselter Abenteurer willen nicht zu einem Bruch mit England

wuͤrden kommen lassen, wie denn auch H MeLean, der F. Head mit Depeschen nach Washington gesandt worden von sojj . Eeroise in „Dyor 5, nbbe. 4.5 , sich seiner Ruͤckreise in New⸗York sehr zufrieden uͤber den g. seiner Sendung geaͤußert habe. Der Sun meint, der 4 dent der Vereinigten Staaten habe von England gar- Genugthuung zu fordern, vielmehr sey letzteres zu einer se⸗ Forderung berechtigt, denn Navy⸗Island gehoͤre zu Enac Besitzungen, und die Buͤrger der Amerikanischen Unicn n kein Recht, die Rebellen, welche von jener Insel Besitz n men, zu unterstuͤtzen.

Der Standard theilt ein Schreiben von einem schen Offizier aus Quebek vom 1. Januar mit, in we von neuen Unruhen die Rede ist, die zu Chambly 8 wuͤrden; daraus, meint das genannte Blatt, brauche gens keine Besorgniß zu schoͤpfen, daß der Aufstand noch; unterdruͤckt sey, denn natuͤrlich solgten auf eine Insurren immer noch einige Nachwehen, verursacht durch zerstreute rodeur⸗Haufen, die sich nach Aufloͤsung der rebellischen 9 kraͤfte eine Zeit lang im Lande herumzutreiben pflegten.

Aus St. John's in Neu⸗Braunschweig hat man; richten vom 31. Dezember, denen zufolge die gesetz gebenze sammlung dieser Provinz zu Fredericton am 29. Dezenbe dem Gouverneur Sir J. Harvey eroöffnet worden war, dem sie am Tage vorher dee Sprecherwahl vollzognr a Der Gouverneur sagte in seiner Rede: „Ich hai meine Pflicht gehalten, Sie so fruͤhzeitig zusammenzaft um Ihre Aufmerksamkeit auf den traurigen Zustand 6g in welchen das verraͤtherische und rebellische Venehna an Theils der bethoͤrten Einwohner Nieder-Kanada's diese eaa barte Proainz versetzt hat, die jetzt gegen die verzweifätag ternehmungen einer revolutionairen Faction ankaͤmpft, m und den Nachkommen die unschaͤtzbaren Segnungen der Je dung mit England zu bewahren. Was und wie viel Sie zu ihen terstuͤtzung thun koͤnnen, das wird Ihnen Ihre Loyalitäͤt undxh heit am besten selbst sagen; ich will nur hinzufuͤgen, daß g mein Theil Alles, was meine Kraͤfte mir erlauben, zur s rung der guten Sache beizutragen bemuͤht seyn werde“ 18. Dezember wurden die zu Frederickon in Garnison stehe Truppen durch die Jaͤger⸗Compagnie des 1sten Miliz⸗Vatiit der Grafschaft York abgeloͤst. Zu Miramichi ist eine Verig lung gehalten worden, in welcher man uͤber die Errichtungt ner Bank berathschlagte, deren Kapital fuͤrs erste aus Me Psd. bestehen und noͤthigenfalls auf 60,000 Pfd. erhoͤht nes sollte. Es wurden sogleich 10,600 Pfd. in Actien zu A subskribirt.

Die Amerikanischen Paketschifse „Ontario“ und „Tem liegen noch immer in den St. Katharinen-Docks im Est

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man i

Den Dampf⸗Bugsir⸗Gesellschaften sind am Sdnnebem 87,0

geboten worden, wenn sie dieselben den Fluß hinuntersctif allein es wollte sich keine dazu verstehen. Die Eigenthlrng „Ontario“ haben allein an Passagieren 500 Pfd. verlm n den St. Katharisten⸗Docks liegen noch funfzehn andere em mit ihren Ladungen und darunter fuͤnf Ostindienfahrer; auct den West⸗- und Ostindischen Docks werden eine große An Schiffe zuruͤckgehalten. Die Noth der Schiffer ist groß, da seit fast sechs Wochen keine Beschaͤftigung haben, und der Fo der Schiffer⸗Gesellschaft so gering ist, daß nur den alten sionairen und den Wittwen die gewoͤhnlichen Unterstuͤtze verabreicht werden koͤnnen. Nicht weniger als 1500 Kohle ger und beim Einladen des Ballastes beschaͤftigte Arbeita brodlos, und Viele sterben mit ihren Familien vor Hungt sie nichts haben, um sich Kohlen, Nahrung oder Kleidung schaffen zu koͤnnen. 1 Ungeachtet der anhaltenden Kaͤlte und inden welche die Hemmung der Binnen⸗Schifffahrt den Gesch in den Weg wirft, hoͤrt man doch von keinen Klagen aut Manufaktur⸗Distrikten. Die Arbeiter haben uͤberall vebaf thun, und die Fabriken⸗Besitzer sinden zu guten Preisen N fuͤr ihre Waaren. Die hiesigen Kaufleute sind der Meing die naͤchste Zeit biete so gute Aussichten dar, daß die un nehmlichkeiten des Jahres 1837 bald vergessen seyn wuͤrden Die Weigerung der Bank der Vereinigten Staaten der Konferenz in New⸗York, sich binnen einer bestimmten zum Wiederbeginne der Baarzahlungen zu verpflichten, hat rere Blätter zu Angriffen auf jenes Institut veranlaßt, in! chen es oͤffentlich beschuldigt wird, daß es so handele, um Speculationen in Baumwolle und anderen Produtten zu guͤnstigen. Die Times bemerkt, es leide keinen Zweifel,! da die Krisis voruͤber, der Preis der Baumwolle jetzt sey, als der Begehr nach diesem Artikel es rechtfertige, und so gewiß sey es, daß, wenn jener Preis durch SpecVlatzn halten werde, die Ruͤckkehr zu den Baarzahlungen von en der Amerikanischen Staaten das Fallen der Baumwolleneme herbeifuͤhren wuͤrde. 8 Privatbriefen aus New⸗NYork zufolge, soll die um des Herrn Jaudon in London fuͤr die Bank der Vumtn Staaten den dortigen Kaufleuten eben so ungelegen senn den hiesigen, und die auf ihn gezogenen Wechsel she aufs bereitwilligste honorirt werden. Man legt ihm 86 geblich nicht so viel Gewicht bei wie hier in London, ℳ0 man zugiebt, daß er, wenn die Bank und die Kaufleut land's ihn unterstuͤtzen sollten, sehr bald große Macht in den haben duͤrfte. 88 irge Bei Lloyds ist folgendes Schreiben von dem Brn Konsul auf Teneriffa eingegangen: „Ich habe 1 gnuͤgen, Ihnen mitzutheilen, das durch eine Koͤnigl. Stung Verordnung der Hafen von Santa⸗Cruz auf Tenerist, Niederlags⸗Hafen erster Klasse erklaͤrt und dem Hande 1 Nationen geoͤffnet worden ist. Die Haͤfen von Orenag Teneriffa und Las Palmas auf Gran Canaria sind fuͤr hag lags⸗Haͤfen zweiter Klasse erkaͤrt und ebenfalls allem N. geoͤffnet worden.“ b b Offiziellen Nachrichten aus Tripolis vom 1 zufolge, war der Britische General⸗Konsul Warringten e gh 19. eingetroffen und hatte seine Functionen als Britis drcha bei jener Regentschaft angetreten. Das beste 86n 1 herrschte zwischen ihm und Hassan Pascha; Letzterer heten zu einer Niederlassung von Maltesern zur Kultivirung Geh angebautem Boden seine Zustimmung gegeben. 71 heitszustand der Regentschaft war wieder gut, nachdem Pest nicht weniger als 70,600 Menschen gestorben v adt Briefen aus Mexiko zufolge, wurde diese Hauptsteong 23. November um 12 Uhr 8 Minuten Nachts wieder Mg nem Erdbeben heimgesucht. Die Stoͤße waͤhrten⸗ a sch⸗ ten. Es war eines der staͤrksten Erdbeben, deren man hans innerte. Die Bewegung war wellenfoͤrmig. Deraster u ist so beschaͤdigt worden, daß wenigstens 12,609 Pi Vorstch rer Ausbesserung erforderlich seyn werden. In den. n unsk sind mehrere Haͤuser eingestuͤrzt und mehrere Memshee ben gekommen.

der Hindern

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1! 4 2 *

„Einige Briefe aus Mexiko Thatsache, daß große Bestellungen von Spinn⸗ von dort in den Vereinigten Staaten ge⸗

cht worden seyen, weil die Ausfuhr solcher und jeder ande⸗ mncArt von Maschinen aus England verboten sey. Es scheint, ren die Manufakturen, und besonders die der Baumwolle, groͤ⸗ deh, Fortschritte in Meriko machen, als das Publikum zu wis⸗ e scheint. Die Zahl der Webstuͤhle zum Weben von Baum⸗ Zeugen 5*8G 11“ die Aussuhr von Baumwollen⸗Garn von d. ganz abgesehen von der in Meriko produzirten und mit der Hand gesponnenen Quantitaͤt, in Anschlag bringt. Nach den o eben publizirten Angaben belief sich die Ausfuhr von Baum⸗

In der Times lies man: erwaͤhnen der 9 Maschinen kuͤrzlich

und Zwirn nach Mexiko im Jahre 1836 nur auf ollen⸗Garn und Zwirn nach Merito im Jahre 18. 825,300 Pfund, aber im Jahre 1837 schon auf 1,990,200 Pfund,

Jahre ein Zuwachs von 1,685,000 Pfund.“ 8

also in einem Je

Belgien. Bruͤssel, 29. Jan. (Allg. Ztg.) Kein Schritt der Bi⸗ schoͤfe ist in neuester Zeit mit einem solchen Sturme von Zei⸗

tungs⸗Artikeln, von der Karrikatur bis zum ernsthaften Raison⸗

nement, angegriffen worden, als der Hirtenbrief an die Pfar⸗ rer gegen die Freimaurer⸗Logen. Unter der vorigen Regierung herrschte in den Belgischen Logen ein antikatholischer Geist. Er blieb auch nach der Revolution und komplizirte sich mit einer Abneigung gegen die neue Ordnung, die an einzelnen Orten in unverholene Feindseligkeit uͤberging. Diese Abneigung nahm in⸗ dessen bei vielen Bruͤdern ab, denn sie hatten Aemter oder son⸗ stige vortheilhafte Beziehungen zur neuen Regierung. In Bruͤssel wurde sogar durch besonderen Einfiuß Herr v. Stassart, Praͤsident des Senats und Gouverner der Provinz Brabant, zum Ober⸗ stuhlberrn gewaͤhlt. Der antikatholische Geist aber blieb als Grund⸗Tendenz, wenn auch nicht jeder Bruder gerade in dieser Absicht die Loge besuchte. Aus der Bruͤsseler Loge ging das Pro⸗ jekt der hiesigen liberalen Universitaͤt hervor, deren Eroͤffnungs⸗ Rede eine Erklaͤrung gegen die Bischoͤfe und die katholische Reli⸗ gion enthielt. Bei den letzten Wahlen fuͤr die Kammern arbei⸗ teten einige Logen gegen die katholischen Kandidaten. In Ver⸗ waltungs⸗Kollegien, wo Freimaurer Sitz und Stimme haben, hat man ihren, den katholischen Anstalten nachtheiligen Einfluß er⸗ fahren. Mit Eifer sah man auch bekannte Anti⸗Katholiken an Vermehrung der Logen arbeiten und sich allenthalben Stuͤtz⸗ punkte fuͤr ihre Bestrebungen schaffen. Doch wuͤrden schwerlich die Bischoͤfe ihre Stimme erhoben haben, wäͤre nicht folgender Umstand hinzugekommen. In Gent war die Maurer⸗Loge ent⸗ schieden orangistisch geblieben. Diesem Geiste entgegenzuarbei⸗ ten, kamen einige hoͤhere Beamten auf den Gedanken, eine Gegen⸗Loge fuͤr die dortigen Patrioten zu errichten. So wurde dann auch anderwaͤrts das Eintreten in den Orden als eine pa— triotische Sache betrieben, und hierdurch viele Katholiken, die durchgehends die besten Patrioten sind, dazu beredet. Den mei⸗ sten derselben waren die Dekrete der Paͤpste gegen den Frei⸗ maurer⸗Orden unbekannt. Dire Bischoͤfe, in ihrer strengen Orthodoxie und Treue gegen Rom, hielten es daher nun fuͤr nothwendig, den Glaͤubigen jene Dekrete der Paͤpste in Erin⸗ nerung zu bringen, und sie, im Falle des Ungehorsams, mit den geistlichen Strafen der Kirche zu bedrohen. Vom constitution⸗ nellen Standpunkte aus laͤßt sich gegen diesen Schritt nichts einwenden, denn es ist Alles eine rein kirchliche Angelegenheit, die jeden bei seiner Freiheit vor dem buͤrgerlichen Gesetze laͤßt. Die Katholiken werden zwischen der Loge und der Kirche zu waͤhlen haben. Vom Standpunkte der Politik und Klug⸗ heit aus haben aber selbst Freunde der katholischen Sache den Schritt nicht billigen wollen. Man will behaupten, die Zahl der Maurer habe sich seitdem, aus Widerspruchsgeist, vermehrt. Gewiß ist es, daß saͤmmtliche Logen nun die fruͤhere Geschie⸗ denheit in Orangisten und Patrioten einstweilen vergessen und in Einem Geiste den Katholiken entgegenarbeiten werden, und alerdings duͤrfte der Nachtheil, der den Letzteren hierdurch er⸗ wachsen wird, den Vortheil nicht aufwiegen, den der Rauͤcktritt einzelner Maurer gewoͤhren mag. 1

Schwed

Stockholm, 2. Febr. Nach einwoͤchentlicher Krankhei verstarb am 30sten v. M. der Staatsrath Graf Adolf Goͤran Moͤrner im 65sten Jahre seines Lebens. Der Verstorbene be⸗ kleidete nach dem Grafen Wetterstedt interimistisch das Amt als Staats⸗Minister des Auswaͤrtigen, zu welchem man ihn naͤchstens de⸗

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mfinitiv ernannt zu sehen erwartete; außerdem die wichtigen Stellen

eines Staatsrathes und des Direktors der landwirthschaftlichen lkademie. Was die Besetzung des Staats⸗Ministeriums betrifft, iegehen sich unsere Blaͤtter in vielfachen Vermuthungen. Als Perster Competent scheint der Gesandte in Paris, Graf Gustaf Loͤwenhjolm, in Betracht zu kommen.

IIIland. Osnabruͤck, 7. Febr. (Bremer Ztg.) 3ten d. zwischen dem Magistrat und der Buͤrgerschaft Verhan⸗

delte, ist folgendes das amtlich ausgenommene Protokoll: „Actum Osnabrück, den 3. Febr. 1838. Nachdem die Mit⸗ glieder des Magistrats, mit Ausnahme des Herrn Senators Wie⸗ mann, auch die Aelterleute, mit Ausnahme des verreissen Herrn Ael⸗ jermanns Hoberg, in der Wohnung des Herrn Senators Schwartze beute sich eingefunden hatten, um die von Königlicher Landdrostei drteis gestern Abends an die einzeinen Mitglisder eingegangenen sitase, eszen egeit eines Reskripts aus dem Kabinet Sr. Maje⸗ 9 h nig vom z1sten v. M., gesorderte unbedingte Vollziehung 5 igungs Reverse in sreundschaftliche Besprechung zu nehmen, Büͤrgera ngeztigt, daß auf dem Rathhause eine große Anzahl von Margern si ) versammelt habe, um, in der Meinung, daß dort der Magistrat versammelt sey, mündlich demselben Wünsche vorzutragen. i Erfbrung . daß man bereit sey, dieselben in der Wohnung ngoße 1 Schgate zu empfangen, fand sich daselbst alsbald eine auf dem vr diesiger Bürger ein, welche vortrugen, daß sie in einer dn fol dahnedenn ass des Rathhauses eben gehaltenen Versammlung ücosge b fchiüstea sich bgeintet bätten: 1) dem Magistrate zu man daher 2) wünschen muͤßfe 8- dagge lc ft besibe; ingelegenbeiten ganz in denselben Haaden dlesne sünac, enischen fistar arfbester ganz in denßelben Händen bleibe, sonach 3) den Ma⸗ Feiches nh wolle, die Huldigung in dem Falle, wenn sich pure zu gewissenhaften Ueberzeugung vertragen möchte, versammelten” Bärgenn sir Bürgermeister Kemper dankte den und bemerkte soda rgein für, die ausgesprochenen Gesinnungen, Erfuchin 8 0 ah Hüsr Bärgermeister Stüve, daß dem gestellten begeten dessunc pure zu vollzichen, eine zweifache Dentung zung des Ste e daß der Magistrat die Vertheidi⸗ geachten disf sats⸗Srundgesetzes aufgeben solle, oder, daß derselbe, un⸗ tesedes Efger Huldigung, die zur Vertheidigung des Staats⸗Grund⸗ melten vläfsigen Mittel auzuwenden fortfahren möge. Die versam⸗ hre Mein ger cntgezueten auf diese Bemerkung sofort einhellig, wie seglich In ning, ed. daß der Magistrat das Grundgesetz auf jede ge⸗ ahren inz 1 8e Wetse si verlhedigen, Ungeachtet der Huldigung, fort⸗ Uben Bäege Herr Pürgermeister Stüve nahm hiervon Veranlassung, gern zu erkiären, daß der Magistrat, so weit es mit dem Ge⸗

seyn und sich sehr im Zunehmen be⸗

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wissen und der Ueberzeugung verträglich sey, auf die vorgetragenen Wünsche jede Rücksicht nehmen werde, ermahnte aber dieselben zu⸗ gleich nachdrücklich, nach Kräften dahin mitzuwirken, daß die Ruhe auf feine Weise gestört werde. Man versprach, dem nachzukommen. Die versammelten Bürger gingen hierauf auseinander. In fidem (gez.) Westerkamp, Dr., Stadtrichter.“

Die heutige Versammlung des Magistrats und der mit Vorbehalt gewaͤhlten (30) Wahlmänner hat beschlossen, gar kei⸗ nen Deputirten zur Stände⸗Versammlung zu senden und alle gesetzlich erlaubten Mittel ferner anzuwenden, das Staats⸗Grund⸗ gesetz aufrecht zu erhalten.

Harburg, 9. Februar. (Hamb. Bl.) Am gestrigen

Tage erfolgte in unserer Stadt die Wahl des Deputirten zur bevorstehenden allgemeinen Staͤnde⸗Versammlung, und ist Herr Dr. jur. Christiani zu Luͤneburg zum Deputirten fuͤr Harburg und zwar von den Wahlberechtigten der Buͤrgerschaft und des Buͤrger⸗Repraͤsentanten⸗Kollegiums einstimmig erwaͤhlt worden; anch zweifelt man nicht daran, daß er die Wahl annehmen werde. Meiningen, 25. Jan. (N. K.) Zum Bau einer katho⸗ lischen Kirche in Meiningen hat die hiesige kleine Gemeinde, außer einem Geschenke von Sr. Majfestaͤt dem Koͤnige von Bayern, abermals 4000 Gulden aus Bayern erhalten.

Muͤnchen, 7. Febr. Nachrichten aus Triest vom 31. Ja⸗ nuar zufolge, befand sich der Herzog Maximilian von Bayern seit fuͤnf Tagen daselbst, die Abfahrt des Dampfschiffes „Kolo⸗ wrat“ erwartend, um am Isten d. auf demselben uͤber Ancona, Korfu und den Piraͤus nach Syra und von dort auf dem Dampfschiffe „Metternich“ nach Alexandrien seine Reise fortzu⸗ setzen. Zufaͤllig traf ein Schwedischer Professor, welcher sruͤher schon zwoͤlf Jahre in Aegypten gewesen war und mit der naͤm⸗ lichen Gelegenheit wieder dahin reist, mit Sr. Hoheit zusammen.

In Erlangen verstarb am 4. Februar Dr. Michael Jäger, Professor der Chirurgie und Direktor der chirurgischen Klinik an dortiger Universitaͤt, im 43sten Lebensjahr.

Ein Ministerial⸗Reskript in Bezug auf die Ueberhandnahme der Schlaͤgereien und koͤrperlichen Mißhandlungen auf dem Lande lautet im Eingange wie folgt: „Um der wachsenden Zuͤ⸗ gellosigkeit der ledigen Bursche auf dem Lande mit Nachdruck zu steuern, und die immer wiederkehrenden Klagen der Vollzugs⸗ Behoͤrden uͤber Unzulaͤnglichkeit der deshalb zu Gebot stehen⸗ den polizeilichen Repressio⸗Mittel zu heben, sieht das Ministe⸗ rium sich veranlaßt, die hier einschlagenden, hie und da, wie es scheint, in Vergessenheit gekommenen Normen neuerlich ein⸗ zuschaͤrfen.“

Briefe, die aus Mittenwald hier ankamen, sprechen von einem bedeutenden Brande, der dort mehrere Haͤuser, nament⸗ lich auch die Niederlage der bekannten musikalischen Instru⸗ mente, die dort verfertigt werden und durch viele Laͤnder gehen, eingeaͤschert hat. Der Schaden soll sehr bedeutend seyn.

Stuttgart, 6. Febr. (Wuͤrttemberg. Bl.) Heute be⸗

richtete die Kommission der Abgeordneten⸗Kammer uͤber die an sie zur Begutachtung verwiesene Verfassungs⸗Frage. Sie spricht sich dahin aus, daß weder im Sinne noch in den Worten des Paragraph 135 der Verfassungs⸗Urkunde etwas liege, was ver⸗ hindern koͤnne, die Entziehung der buͤrgerlichen aktiven und passiven Wahlrechte mit dem Verlust der Ehren⸗ und der Dienst⸗ rechte zu verbinden. Der Bericht soll gedruckt und dann be⸗ rathen werden. Die Berathung geht sodann auf den noch un⸗ erledigten Artikel des Strafgesetzbuches uͤber. Frankfurt a. M., §. Febr. Wie man vernimmt, duͤrfte heute uͤber acht Tage wahrscheinlich noch nicht die erste Sitzung der Bundes-⸗Versammlung wieder stattfinden. Der Bundes⸗Praͤsidial⸗Gesandte, Herr Graf von Muͤnch⸗Belling⸗ hausen, duͤrfte schwerlich in diesem Monat noch von Wien hier eintreffen. Außer demselben, dem Großherzogl. Mecklenburgi⸗ schen Gesandten, Geheimen Rath von Schack, und dem der vier freien Staͤdte, Buͤrgermeister Dr. Smidt aus Bremen, sind alle Bundestags⸗Gesandten jetzt hier anwesend.

Das Geruͤcht, welches den Koͤnigl. Franzoͤsischen bevoll⸗ maͤchtigten Minister am Bundestage, Baron Alloy de Cyprey, von hier abberufen ließ, war sehr voreilig, denn es ist in der That durchaus nicht die Rede von der Versetzung dieses Di⸗ plomaten.

Die staͤndige Buͤrger⸗Repraͤsentation bereitet, dem Verneh⸗ men nach, einen neueren, weitlaͤuftiger motivirten Beschluß vor, in Bezug auf die von ihrer Seite ausgesprochene Nichtaner⸗ kennung der Wahl des Dr. von Lersner zum Kanzleirath. Sie wird also auf ihrem ersten Beschluß beharren. Da der Senat diesen aber als unbegruͤndet erkannte und von seiner Ansicht nicht wohl abgehen wird, so ist man sehr gespannt, welchen Aus⸗ weg man diesem Vorfall bereiten werde. Daß Dr. von Lers⸗ zuruͤcktreten wolle, scheint bis jetzt nicht der Fall zu seyn.

Schon oͤfter ist daruͤber gesprochen worden, daß die Haupt⸗ straße unserer Stadt, die Zeil, eine Menge prachtvoller Laͤden seit kurzer Zeit aufzuweisen habe. In diesem Augenblick wer⸗ den wieder drei neue Laͤden, welche an Eleganz den uͤbrigen nicht nachstehen werden, auf der Zeil eingerichtet, trotz der enorm hohen Miethspreise, welche in dieser Lage bezahlt werden muͤssen. Daraus geht aber doch zur Genuͤge hervor, daß sich unsere Handels⸗Verhaͤltnisse immer verbessern, wenn auch auf der andern Seite nicht zu leugnen ist, daß der Englische Waa⸗ renhandel auf dem hiesigen Platze seine vor dem Zoll⸗Anschluß behauptete Bedeutung bereits verloren hat. Dieser Umstand bewaͤhrt aber gerade den Zweck des Deutschen Zoll⸗Vereins. Eine foͤrmliche Stockung des Handels hat die strenge Jahres⸗ zeit unserem Platze nicht bereitet, und trotz dem, daß alle Fluͤsse zugefroren, ist die Spedition doch ununterbrochen beschaͤftigt.

Die Klagen uͤber schlechte Zeiten, welche man so oft ver⸗ nimmt, werden wenigstens hier durch die unter allen Staͤnden statthabenden Lustbarkeiten widerlegt, denn selbst die „Auslau⸗ fer“ veranstalteten dieser Tage einen Ball. Die Ballmanie hat seit einigen Wintern unter den hiesigen niedern Staͤnden uͤber⸗ haupt stark zugenommen.

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Rom, 25. Jan. Das Diarso enthaͤlt nachstehenden Ar⸗ tikel: „Als wir im verflossenen Sommer von der Asiatischen Krankheit bedroht und leider bald darauf von ihr angefallen wurden, hatten einige Fromme den Gedanken, einen Verein unter dem Schutze des erlauchten heiligen Ignaz von Lojola zu bilden, damit er vom Herrn erlange, daß er die Mitglieder mit solcher Geißel verschone. Dies Vertrauen stieg um so mehr, als einer Ueberlieferung zufolge, da zu Zeiten Alexan⸗ der's VII. die Pest in dieser Stadt wuͤthete, Niemand von denen, die einem aͤhnlichen Institute angehoͤrt hat⸗ ten, von ihr ergriffen wurde. Der ehrwuͤrdige Priester Don Vincenzo Mazzetti, Direktor und eifriger Verbreiter die⸗

Familien sich ihr anschließen. Die Mitglieder verpflichteten sich durch Geluͤbde, dem Heiligen, wenn sie der Ansteckung entgin⸗ gen, ein Altar⸗Geschenk darzubringen. Außerdem ward festge⸗ setzt, daß L,2. der Gesellschaft zugehoͤrige Priester gehalten sey, zu bestimmter Zeit in der Kirche des heiligen Ignaz das unblutige Opfer darzureichen, und daß die Glaͤubigen da⸗ selbst vom Leibe des Herrn speisen sollten. Da nun durch besondere Gnade Gottes alle Mitglieder, ein einziges Indi⸗ viduum ausgenommen, gesund geblieben sind, so beschlossen sie, einen dreitaͤgigen Gottesdienst zum Dank des Allerhoͤch sten abzuhalten. Die Glaͤubigen kamen, und der oberste Prie ster selbst geruhte, jedem, der sich dabei einfand, volle Indulgenz u bewilligen. Der Zudrang war unglaublich, und am ersten age vertheilte der Kardinal⸗Vikar in Person das himmlische Brod einem unzaͤhlbaren Haufen von Glaͤubigen. Das Ge⸗ schenk, das gelobt worden, bestehet in sechs vergoldeten Leuchtern von herrlicher Arbeit und sieben Palmen hoch. Sie sollen ewig vor dem Altar dieses Heiligen stehen bleiben, als Zeugniß so großen Wunders und zur Belebung des Vertrauens der Chri⸗

sten zu einem bei Gott so einflußreichen Heros.“”“..

Portugal.

Lissabon, 16. Jan. Die Bemuͤhungen der Poͤbel⸗ Klubs, bei der Wahl der neuen Magistrats⸗Mitglieder von Lissabon fuͤr das Jahr 1838 Leuten von ihrer Farbe die Stim⸗ men⸗Mehrheit zu verschaffen, wurden von vollstaͤndigem Erfolg gekroͤnt. Fast die Gesammtheit dieser neuen Munizipalitaͤt be⸗ steht aus Individuen, die in der guten Gesellschaft ganz unbe— kannt sind. Der Praͤsident zum Beispiel ist ein Chirurg, der so viel Geschicklichkeit besitzt, daß kein Mensch sich seiner Huͤlfe bedient; der Vice⸗Praͤsident ist mit den Wasser⸗ und Kohlen⸗ Traͤgern seines Stadtviertels sehr vertraut, denn er schenkt ihnen in eigener Person den Branntwein ein. Diese neuen staͤdtischen Gesetzgeber waren in ihrer ersten Sitzung auf dem Rathhause nicht wenig verlegen. Viele von ihnen staͤubten sich, obgleich sie in ihrem Sonntagsstaat waren, erst ihre Kleider ab, ehe sie sich setzten, aus Furcht, die abgeschabten Sammtsessel, auf denen sie Platz nehmen sollten, zu beschmutzen. Nicht geringer soll ihre Verlegenheit seyn, wenn sie an den ersten Gallatag bei Hofe denken, da ihre Beine an seidene Struͤmpfe nicht gewoͤhnt sind. Auch hat man im Palaste fuͤr diesen Tag schon Vorkehrungen gegen die Beleidigung der Geruchsnerven getroffen und die Distanzen gehoͤrig ausgemessen. Welcher Un⸗ terschied in der Zusammensetzung der Munizipalitaͤten von 1834 und von 1838! Das sind die Folgen der Klubs⸗Herrschaft. Die von den Herzogen Palmella und Terceira, dem Marquis Saldanha und dem Rath Silva Mouzinho d'Albuquerque an die Cortes gerichtete Vorstellung erklaͤrt ganz entschieden, wenn man wolle, daß die neue Verfassung als Grundgesetz des Lan⸗ des anerkannt werde, so muͤsse man vorher der Nation eine Gelegenheit geben, sich frei daruͤber auszusprechen, das heißt mit anderen Worten, man muͤsse neue von Partei⸗Einfluß freie Wahlen anordnen und durch solchergestalt zusammenberufene Cortes, die allein fuͤr die wahren Vertreter der Nation gelten koͤnnten, dieser neuen Verfassung Gesetzeskraft geben lassen, wofern sie dieselbe nicht modifizirten oder ganz verwuüͤr⸗ fen. Die Sache ist in jeder Hinsicht von Bedeutung. Einer⸗ seits erkennen dadurch die Anhaͤnger der Charte den Grundsatz der Volks⸗Souverainetaͤt an, und andererseits wollen sie zu⸗ gleich die Revolution vom 9. September 1836, als eine von einer bloßen Faction herbeigefuͤhrte Umwaͤlzung, ungeschehen machen. Wenn man den Gang betrachtet, den die Statutisten zu Madrid seit einiger Zeit befolgen zu wollen scheinen, und wenn man die obige Vorstellung damit vergleicht, so muß man fast glauben, daß die Anhaͤnger der oktroyirten Verfassungen auf der Halbinsel sich genoͤthigt finden, dem Einfluß der beiden großen Maͤchte, von denen der Auadrupel⸗Allianz⸗Traktat aus⸗ gegangen, zu weichen und dem revolutionairen Prinzip der

olks⸗Souverainetaͤt den Vorzug zu geben. Bleibt dem Her⸗ zoge von Palmella und seinen erlauchten Kollegen kein anderes Mittel, so versuchen sie wenigstens, die constitutionnelle Prin⸗ zipien⸗Frage in ihrem Vaterlande auf friedlichem Wege zu lö⸗ sen; ich zweifle nur, ob der Kongreß, dem die Sache zur Ent⸗ scheidung vorgelegt worden, davon Nutzen zu ziehen wissen wird. Die verschiedenen Meutereien, welche unter einigen Garnisonen in der Provinz stattgefunden, haben keine politische Farbe. Die Soldaten verlangen nichts als Sold und Kleidung, denn sie haben nichts zu leben und koͤnnen ihre Bloͤße kaum be⸗ decken. Der Portugiesische Soldat allein ist im Stande, solche Entbehrungen zu ertragen.

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Aegypten.

Die Mo des Herrn Waghorn aus Kahira, welches in der letzten Haͤlfte des Dezember geschrieben zu seyn scheint: „Attmi⸗Bey, Gene⸗ ral der Artillerie und General⸗Inspecteur des Ingenieur⸗We⸗ sens, ist am öten d. M. mit einigen Aegyptischen Arbeitern, die in unseren Fabriken arbeiten sollen, von hier nach England ab gereist (wo er bekanntlich schon vor mehreren Tagen angekom⸗ men ist). Der Bey wird unsere Manufaktur⸗Distrikte bereisen um sich die noͤthigen Kenntnisse zu erwerben und dieselben bei seiner Ruͤckkehr Anderen mittheilen zu koͤnnen. Diese Sen⸗ dung Attmi Bey's nach England ist ein Beweis, daß der Pa⸗ scha den Wunsch hegt, sich mit unserem Lande durch die Bande gegenseitiger Vortheile zu verbinden; auch giebt sie ein schmei⸗ chelhaftes Zeugniß, daß er mit den Leistungen derjenigen sein Unterthanen, die eine Englische Bildung erhalten haben, zufrie⸗ den ist. Es ist in der That selbst von den hier ansaͤssigen Franzosen die Bemerkung gemacht worden, daß, waͤhrend die nach Frankreich gesandten jungen Aegypter, mit weni⸗ gen Ausnahmen, wenig mehr als die Thorheiten und L ster der Franzosen mit zuruͤckbrachten, die nach England ge⸗ sandten dagegen zwar mit geringerer Selbstgenuͤgsamkeit, aber mit groͤßeren praktischen Kenntnissen zuruͤckgekehrt sind. Sendung des Bey's ist ruͤhmlich fuͤr England und fuͤr Mehmed Ali; fuͤr England, weil darin ein auf Erfahrung begruͤndeter ehrenvoller Vorzug liegt, und fuͤr Mehmed Ali, weil er dadurch zeigt, daß er uͤber allen Eigennutz und selbst uͤber alle Vorur⸗ theile gegen uns, erhaben ist, mit denen das unweise und un⸗ gerechte Verfahren unserer Regierung ihn wohl hoͤtte erfuͤllen koͤnnen. Herr Cachelet, der neue Franzoͤsische General⸗Kon⸗ sul, ist am 9ten dem Pascha vorgestellt und mit großer Aus⸗ zeichnung empfangen worden. Er uͤberbrachte den lange erwar⸗ teten Ferman des Sultans, die Aufhebung der Weinzoͤlle in

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ten, wo dergleichen hier Wirkung that, sind vorbei. Sultan sich damit begnuͤgen, daheim gut zu regieren nicht in das Abgaben⸗System Aegyptens mischen. Es ist u hoffen, daß unsere Regierung ebenfalls einsehen wird, daß Fer⸗

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mane aus der Tuͤrket in Aegypten nichts mehr nü⸗

2 1 v ing Chronicle enthält folgendes Schreiben V

Aegypten betreffend; dieser Ferman ist jedoch unnuͤtz, die Zei-⸗