1838 / 101 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Man hat berechnet, daß jetzt fast eine Million mehr Geld in der City im Umlauf ist, als zu derselben Zeit im vorigen Jahre.

Niederlande.

Aus dem Haag, 5. April. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben den Baron von Sytzama, Praͤsidenten der zweiten Kam⸗ mer der Generalstaaten wäͤhrend der letzten Session, zum Staats⸗ rath in außerordentlichem Dienst ernannt. 3 1

Der Magistrat von Amsterdam hat den Beschluß gefaßt, daß die in dieser Stadt neu zu erbauende Boͤrse unter freiem

Himmel und ohne Bedachung eingerichtet werden soll.

*ꝙꝑSe. Koͤnligl. Hoheit der Erbprinz von Oranien ist am Zten von hier abgereist und noch an demselben Tage in Breda an⸗ gekommen. Hier stattete er dem Festungs⸗Kommandanten, Ge⸗ neral Chassé, einen Besuch ab. Von dort reiste der Prinz nach Elten, wo er uͤber die unter seinem Befehl stehende erste Brigade der ersten Division Revue hielt. . sich nach Bergen,op⸗Zoom, um hier uͤber die Bataillone des Ften Regiments Revue zu halten.

Belgien. Einer so eben hier eingehenden Nach⸗ richt zufolge, hat der Koͤnig den Beschluß des Kommunal⸗Raths in Tilff sowohl, als die Verfuͤgung der Provinzial⸗Deputation annullirt. Sonach wird es den Redemptoristen wieder gestattet seyn, auf oͤffentlichem Markte ihre Missions⸗Predigten zu halten.

Das Journal de Liège giebt in einem Schreiben aus Tilff eine geschichtliche Darlegung der dasigen Vorgaͤnge. „Fuͤr jeden Unparteiischen“, heißt es darin, „wird eine kurze Auseinan⸗ dersetzung der Thatsachen genuͤgen, um sich zu uͤberzeugen, wie sehr der Parteigeist sie entstellt und sich bemuͤht hat, sie in einem seinen Plaͤnen guͤnstigen Lichte darzustellen. Vor ungefaͤhr drei Wo⸗ chen verkuͤndete der Pfarrer in Tilff von der Kanzel herab, daß die Missionaire auf sein Ansuchen ohne die städtische Behoͤrde davon in Kenntniß gesetzt zu haben, hierher kommen wuͤrden, um ihre gewoͤhnlichen Uebungen vorzunehmen; Predigten unter freiem Himmel und die Aufrichtung eines Kreuzes mit drama⸗ tischem Gepraͤnge, wie es am besten geeignet ist, die Gemuͤther aufzuregen, verstanden sich dabei von selbst. Die sonst so friedfertige Gemeinde kommt jetzt in Bewegung und es beginnt die Opposition gegen den unzeitigen Aufruf des Pfarrers. Der versammelte Gemeinde⸗ Rath erklaͤrt ein⸗ stimmig, sich der Aufrichtung jedes Monuments auf dem Ge— biete der Gemeinde ohne Genehmigung des Kollegiums wider⸗ setzen zu wollen. Auf den Pfarrer machte diese Bekanntma— chung keinen Eindruck; am Abend des 2ästen erscheinen die Missionaire und es ziehen ihnen einige Frauen und ein Haufe Kinder entgegen, welche die Neugierde ihnen zufuͤhrte. Es waren nur zwei Naͤnner dabei; das hinderte indeß den Pater Bernard nicht, in seiner Eroͤffnungsrede in der Kirche seine Freude uͤber das zahlreiche Zusammenstroͤmen der Gemeinde auszusprechen. Am solgenden Tage, einem Sonntage, kamen viele Fremde aus der Umgegend an und besuchten die Kirche. Jetzt verkuͤndeten die Missionaire, daß sie unter freiem Himmel predigen und ein Kreuz anfrichten wuͤrden. Die Einwohner der benachbarten Gemeinden schlossen sich den Missionairen an und ahmten sie in ihrer Verachtung gegen die Ortsobrigkeiten nach, die von der Kanzel herab verlaͤstert wurden. So erhitzen sich die Gemuͤther auf beiden Seiten, denn die Einwohner von Tilff beharren ebenfalls in der den Gesetzen gebuͤhrenden Ach— tung. Der Gemeinderath erlaͤßt darauf seinen zweiten Beschluß. Dies war der Stand der Dinge, als am vergangenen Sonn⸗ abend der Bischof die Verfuͤgung des Provinzial⸗Gouverneurs uͤbersendete, in Folge deren die beiden Beschluͤsse des Ge— meinde⸗Rathes aufgehoben wurden. Am darauf folgenden Sonntage liest ein Missionair nach der Messe den Kirchgaͤngern den Brief des Bischofs vor, und begleitet denselben mit den beleidigendsten Ausdruͤcken fuͤr den Gemeinde-⸗Vorstand, der sich bis zu diesem Augenblick in den Schranken der vollkom⸗ mensten Maͤßigung gehalten hatte. Als indessen die Missionaire die bestimmte Erklaͤrung abgaben, an welchem Tage und in welcher Stunde sie die Eigenthums⸗Rechte der Ge⸗ meinde verletzen wollten, forderte die Obrigkeit jene Fremd⸗ linge auf, ihre Paͤsse vorzulegen. Diese Aufforderung ließ man ihnen nach Beendigung des Hochamtes zukommen, waͤhrend dessen der Pater Bernard den Brief zum zweitenmale verlesen und mit nicht weniger beleidigenden Ausdruͤcken beglei⸗ tet hatte. Die Herren forderten eine Viertelstunde Aufschub, um ihre Papiere zu durchsuchen, und begaben sich dann in das Haus des Pfarrers. Der Gemeinderath begab sich in das Buͤ⸗ reau der Mairie, wo die Herren versprochen hatten, sich einzu— finden. Eine Stunde verging unterdeß: darauf verfuͤgte sich der Buͤrgermeister nebst dem Schoͤppen und dem Brigadier der Gendarmerie nach dem Pfarrhause. Die Thuͤr wurde geoͤffnet, die Herren kamen in Masse herbei und erklaͤrten, sich der ver— langten Formalitaͤt nicht unterwerfen zu wollen, weil sie Bel— gier seyen. Nun wurde den Gendarmen der Befehl er⸗ theilt, sie festzunehmen, sobald sie das Haus verlassen wuͤr— den. Nach zwei Stunden ging ein Missionair, ein frem⸗ der Priester und die Herren Pfarrverweser von Tilff und Esneux aus dem Hause. Die Missionaire wollten dem Bri⸗ gadier nicht Rede stehen, und schienen Maͤrtyrer werden zu wol⸗ len. Dies haͤtte indeß kein anderes Resultat, als daß sie von wei Gendarmen nach der Graͤnze des Gemeinde⸗Bezirks trans⸗ portirt wurden; dort gab sich der eine fremde Priester als den Secretair des Bischofs zu erkennen, was indeß auf Niemand einen Eindruck machte. Vergeblich erwartete man am Abend die Ruͤckkehr desselben, denn bei seinem Abschied hatte er wie— derholt erklaͤrt, noch an diesem Tage zuruͤckkehren zu wollen, und sollte er auch den Weg zu Pferde machen. Indessen gin⸗

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Luͤttich, 5. April.

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gen vom Pfarrhause allerlei aus, und dasselbe fuͤllte sich mit fremden Gestalten. Die Aufrechthaltung der Ordnung an diesem Tage verdankte man nur der Weisheit des Schoͤppen⸗ Gerichts und der 1 des Brigadiers der Gendarmen. Die Einwohner von Tilff selbst leisteten den Orts⸗Be⸗ hoͤrden den loͤblichsten Beistand. Der folgende Tag ging ganz ruhig hin, und die Fremden verliefen sich. Indessen kam der Tag heran, an welchem die Missionaire, wie sie offiziell ver⸗ kuͤndet hatten, den Gesetzen oͤffentlich Hohn sprechen wollten. Heute, am Mittwoch, wollten sie mit allen dabei uͤblichen Ge⸗ braͤuchen das Kreuz aufrichten. Der Gemeinderath hatte be⸗ schlossen, nicht zu wanken. Bei dieser Spannung der Gemuͤther kann man sich leicht das allgemeine Erstaunen denken, als die Missionaire gestern Abend in der Predigt verkuͤndeten, daß sie in Betracht der zahlreich herbeistroͤmenden Beichtkinder diese Schluß⸗Ceremonie auf einen andern Tag verlegen wollten. Vor⸗ her hatten sie Listen auslegen lassen, in welche sich die jungen Leute, die das Kreuz tragen wollten, einschreiben lassen sollten. Leider hatte sich kein Einziger gemeldet. Eine zahlreiche Men⸗

Sodann begab er

4 II war aus der Umgegend herbeigestroͤmt, aber es war

auch eine Abtheilung Gendarmen zur Verfuͤgung der Behoͤr⸗ den gestellt worden. Was den Herren nun noch weiter belie⸗

ben wird, steht noch dahin.“

Auf der kuͤrzlich eroͤffneten Section der Eisenbahn von Lüttich nach Tirlemont zerbrach gestern eine Berline; sie war zwar mit Reisenden besetzt, aber es wurde niemand beschaͤdigt, und es verursachte dieser Unfall nur einen halbstuͤndigen

Aufenthat.

8. eutschland. Die hiesige Zeitung theilt

Hannover, 7. April. 1 u heute nachtraͤglich die Erwiederung mit, die das Kuratorium

der Universitaͤt Goͤttingen unterm 22. November v. J. an die bekannten und seitdem entlassenen sieben Professoren auf deren Vorstellung vom I8ten desselben Monats ertheilt hat. Diese Erwiederung lautet folgendermaßen: BE11“ b

„Wir achten die Freimüthigkeit, mit welcher die Hofräthe und Professoren Dahlmann, Aibrecht, Jakob Grimm, Wilhelm Grimm, Gervinus, Ewald und Weber in ihrer Vorstellung vom 18ten d. M. die durch das Patent vom 1sten d. M. hervorgerufenen Zweifel und Bedenken offen uns mitgetheilt haben, und finden dadurch zu nach⸗ stehender vertraulichen Erwiederung uns veranlaßt: Wir wollen kei⸗ nesweges verkennen, daß die vorliegende allerdings höchst wichtige Angelegenheit aus einem verschiedenen Gesichtspunkte angesehen und daß darüber abweichende Ansichten gehegt werden können, wie denn auch Se. Majestät der König die von Allerhöchstihnen jetzt verfügte Aufhebung des Staats⸗Grund⸗Gesetzes nicht ohne vorgängige genaue Untersuchung zu beschließen geruht haben. Inzwischen müssen wir um so mehr Anstand nehmen, auf eine Erörterung der Gründe, welche Se. Königl. Majestät zu der Erlassung des Patents vom isten d. M. bewogen haben, so wie der von den Herren aufgestellten staatsrechtlichen Grundsätze näher hineinzugehen, als wir überhaupt nicht dafür halten können, daß es die Sache des einzelnen Staatsdieners und Unterthans sev, die in dieser Beziehung dem Landesherrn zustehenden Befugnisse irgend einer Diskussion zu unterziehen und darüber gewissermaßen mit Allerhöchst⸗ demselben zu verhandeln, oder sogar der Befolgung der Allerhöchsten Königlichen Bestimmung eigenmächtig den Gehorsam zu versagen. Den Unterthanen liegt vielmehr ob, in ruhiger Ergebung zu erwar⸗ ten, wie auf dem allein zulässigen Wege, nämlich auf dem der Bera⸗ thung mit den jetzt zu koͤnvozirenden Ständen, die öffentlichen Auge⸗ legenheiten Unseres Vaterlandes werden geordnet werden, nicht aber wird ihnen zugestanden werden können, ein Jeder nach seiner beson⸗ deren Ansicht zu verfahren, indem dieses einleuchtendermaßen zur 9 fenbaren Anarchie führen würde. Eben so wenig können Wir aber dafür halten, daß die Staatsdiener hierunter von der allen Unterthanen obliegen⸗ den Verpflichtung sich absondern können. Die ihnen früher aufgelegte Ver⸗ pflichtung, das Staats⸗Grundgesetz zu beobachten, kann nicht anders, als wie eine ausdrückliche Anweisung zur Befolgung dessen betrachtet werden, was ihnen in Beziehung auf alle Gesetze überhaupt in glei⸗ chem Maße oblag. Diese Dienst⸗Anweisung wurde ihnen von ihrem rechtmäßigen angestammten Landesherrn, von welchem die Feststel⸗ lung des Diensteides abhängt, und welchem allein der Diensteid ge⸗ leistet wird, aufgelegt; sie ist jetzt auf eben die Weise von dem recht⸗ mäßigen und angestammten Landesherrn durch ein öffentliches Pa⸗ tent wieder aufgehoben, und die Staatsdiener werden daher, unbe⸗ schadet ihrer Gewissenspflicht, dieser neuesten höchsten Anweisung zu folgen haben und derselben Folge leisten müssen, da der Landesherr unter keiner Bedingung es zugeben kann, daß einer seiner Staats⸗ diener ihm den Gehorsam aufsage und dem öffentlich verkündeten Willen des Ersteren ausdrücklich entgegen handeln zu wollen erkläre. Wir halten Uns auch versichert, daß diese Ansicht unter der Staatsdienerschaft aller Klassen die allgemein herrschende sev, wie solches schon daraus hervorgeht, daß die Herren die ersten und ein⸗ zigen sind, welche, so viel Uns bekannt geworden, zu einer derar⸗ tigen Erklärung sich veranlaßt gefunden baben, wohingegen die übri⸗ gen Staatsdiener es für unbedenklich, ja vielmehr als ihrer Pflicht gemäß erachtet haben, in ihrem Berufe zu bleiben und dem von dem Landesberrn erlassenen Allerhöchsten Patente gehorsame Folge zu lei⸗ sten. Daß aber diese anderen Staatsdiener nicht ebenfalls nach ihrer gewissenhaften inneren Ueberzeugung hierunter gehandelt haben soll⸗ ten, das werden die Herren mit ihren in der That sehr auffallenden Aeußerungen am Schlusse ihrer Vorstellung sicher nicht haben andeu⸗ ten wollen, vielmehr werden ste selbst nicht verkennen, daß in Ange⸗ legenbeiten dieser Art es Niemanden gestattet ist, den ihm vielleicht richtig scheinenden Grundsatz als allgemeine Norm auszusprechen und sich dadurch gleichsam zum Richter über das Gewissen Anderer aufjuwersen. Es würde llus nun obliegen, die Vorstellung der Her⸗ ren Sr. Majestät dem Könige vorzulegen. Wenn wir inzwischen uns gern überzeugt halten, daß dieselben in vollkommen redlicher Absicht an uns, als ihre zunächst vorgesetzte Behörde, sich gewandt baben, wenn wir ferner die nachtheiligen Folgen voraussehen, welche diese Vorstellung, wenn solche an Se. Majestät gelaugt, nur zu wahrscheinlich herbeiführen würde, so haben wir noch zur Zeit Anstand genommen, dieselbe Sr. Majestät zu überreichen, viel⸗ mehr haben wir solche vorjetzt nur als eine uns im engsten Ver⸗ trauen gemachte Mittheilung betrachtet, müssen aber zusleich auf das Angelegemtlichste wünschen und bestimmt beporworten, daß die Her⸗ ren die vorstehenden Bemerkungen einer anderweiten sorgfältigen Er⸗ wägung unterziehen und dabei die Gefahr beherzigen, welcher sie durch eine solche Erklärung sich selbst, ihre dienstliche Stellung, ja selbst das Wokl und-den Flor der Universität aussetzen und daß sie zur Ver⸗ meidung aller dieser unglücklichen Folgen zu dem Entschlusse sich be⸗ wogen finden mögen, der Allerhöchsten Bestimmung des Patents vom isten d. M. in Ruhe sich zu fügen, auch demnächst, wenn die Univer⸗ sttät zu der Absendung eines Deputirten zur allgemeinen Stände⸗ Versammlung aufgeferdert werden wird, dieser sich um so weniger ent⸗ gegenzusetzen, als es in dem höchsten Interesse des ganzen Landes und aller Unterthanen liegt, daß

schenmenge

die Frage über die künftige Ver⸗ fassung des Königreichs, welche vach dem Patente vom Isten d. M. bei der nächsten Stände⸗Versammlung zur Berathung kommen wird, von allen Seiten auf das ruhigste erwogen und auf solche Weise gelöst werde, wie selbiges dem Besten des Königs und des Landes gleich⸗ mäßig am meisten entsprechen wird, wobei es übrigens sich von selbst versteht, daß es einem Jeden von ihnen unbenommen ist, die auf ihn etwa fallende Wahl um so mehr abzulehnen, als ohnchin nicht zu verkennen ist, wie wenig die damit verbundene längere Abwesenheit mit ihren Geschäfts⸗Verhältnissen sich vereinigen lassen möchte. End⸗ lich aber erwarten wir von der Rechtlichkeit der Herren mit Zuver⸗ sicht, daß sie in allen ihren Aeußerungen über die vorliegende wich⸗ tige Verfassungs Frage die größte Vorsicht beobachten und sorgfältig Alles vermeiden werden, was unter der dort studirenden Iugend ir⸗ gend eine Aufregung herbeiführen und dieselbe in unbedachtsamer Aufwallung vielleicht zu Schritten veranlassen möchte, welche für sie selbst und für das Wohl der ganzen Universität von den verderblich⸗ sten Folgen seyn könnten. Hannover, den 22. November 1837. Königlich Hannoversches Universitäts⸗Kuratorium. Arnswaldt.“ Muͤnchen, 3. April. Gestern war im Saale des Kunst⸗ vereines das schoͤne Geschenk ausgestellt, welches die Stadt Muͤnchen Sr. Majestaͤt dem Koͤnige Otto darbringt. Es ist ein schoͤnes praͤchtig gefaßtes Tableau von 13 Porzellangemaͤlden, die von dem schon bekannten Kuͤnstler Heinzmann und zwei juͤngeren, ebenfalls tuͤchtigen Kuͤnstlern: Belgadeère und Le Feu⸗ bure, ausgefuͤhrt sind. Das groͤßere Mittelbitd stellt Muͤnchen dar; uͤber demselben und unter demselben sind vier und rechts und links zwei kleinere Bilder zu einem Ganzen kunstreich ein⸗ gerahmt, welche die vorzuͤglichsten Plaͤtze Muͤnchens: den Mayx⸗ Platz mit dem Koͤnigsbau, dem Theater und dem neuen Post⸗ gebaͤude, den Schrannenplatz, den Obelisk u. s. w. darstellen; andere aber Ansichten der Städte: Insbruck, Salzburg, Aschaf⸗ fenburg.

Stuttgart, 6. April. (Wuͤrtt. 2 In der gestte Sitzung der Kammer der Abgeordneten kamen bei der fen setzten Berathung uͤber das Strafgesetzbuch einige interesss Paragraphen zur Sprache, durch welche besonders die 8 lichen beider Konfessionen zur lebhaftesten Opposition here⸗ gefordert wurden. Die fraglichen Artikel handeln von Rechts⸗Befugnissen der Regierung, dem Mißbrauch geistlit Gewalt entgegenzutreten. Der erste Artikel lautet: „Geisi welche ihr Amt dazu mißbrauchen, daß sie in oͤffentlichen 8 traͤgen oder in amtlich erlassenen Schriften Schmäͤhungen ehrenruͤhrige Beschuldigungen gegen die bestehenden Religia Gesellschaften sich erlauben, sind, 1

neben der hierdurch verm ten gesetzlichen Strafe, noch mit einer Geldbuße von 25—2 Fl., in besonders schweren Faͤllen aber oder bei einem Ruͤck mit Dienst⸗Entlassung zu bestrafen.“ Im folgenden Paragran wird eine Ehren⸗Beleidigung gegen Einzelne oder ganze Käönz schaften in Predigten mit derselben Strafe belegt, und in einen; dern Paragraphen oͤffentlicher Tadel der Staatsverfassung, Nen rung oder Verwaltung mit 50 500 Fl. bestraft. Die Kommis der Kammer hatte auf Weglassung dieser Artikel angetrag weil ihr Inhalt schon aus den uͤbrigen Bestimmunge g Strafgesetzbuches hervorginge. Die Regierung beharrte inf auf der ausdruͤcklichen Erwaͤhnung dieser Vergehungen. erhob sich denn eine ziemlich lebhafte Debatte und alle ruach tikel wurden mit großer Majoritaͤt verworfen. Dani si die Berathungen uͤber das Strafgesetzbuch beendet.

Frankfurt a. M., §. April. In unserer gesetzgetnn Versammlung kam folgender Senats-Vorschlag vom 20. †8 zur Sprache: „Auf der Zoll⸗Konferenz zu Muͤnchen im Fce 1836 ist ein Entwurf einer fuͤr alle Zoll⸗Vereinsstaaten I maͤßigen Zoll⸗Gesetzgebung zur Berathung gekommen, da ln hierin in den suͤdlichen und noͤrdlichen Vereinsstaaten nech deutende Abweichungen stattgefunden hatten. Dieser Entz erhielt auch bis auf wenige Paragraphen, welche seitdem n einbart wurden, allseitige Genehmigung. Er liegt mit deme gen Modificationen, welche die Anpassung auf die hiesigeng⸗ haͤltnisse erfordert, diesem Vortrage bei. Weil erst im Arsag des Jahres 1836 hier und im Herzogthum Nassau die Zolhit publizirt worden sind, so wurde zugleich bestimmt, daß derm Entwurf in diesen beiden Staaten zuletzt als Gesetz versfe licht werden koͤnne. Obwohl nun zwar die Anhaͤufung sof ler neuen Gesetze an und fuͤr sich nicht erwuͤnscht seyn kam, hat doch jetzt die Publication jenes Entwurfs beinahe (be und auch in Nassau stattgefunden, daher hier um so wemg damit zuruͤckzuhalten ist, als auf der andern Seite allerdine moͤglichste Gleichfoͤrmigkeit der Zollgesetzgebung in allen Vam staaäten wuͤnschenswerth erscheinen muß, und als jener Enta— namentlich in dem Zollstrafgesetz viele mildernde Bestimmmg enthaͤlt. Der Senat traͤgt sonach darauf an: daß die gesecze bende Versammlung dem beiliegenden Entwurf eines neuen h Gesetzes, einer neuen Zollordnung und eines neuen Zollstrah setzes die Genehmigung ertheilen wolle.“ Der Vorsth wurde einer Kommission uͤberwiesen.

Schweiz.

Bern, 3. April. In der Schweizer Allgerme Zeitung liest man: „Die Intervention des Franzoͤsischat sandten zu Gunsten der Gebruͤder Cellard gestaltet sichem einem Streit zwischen der Eidgenossenschaft und Frankreich. der Angelegenheit ist die Eidgenossenschaft unmittelbar beth wenn auch der Entscheid Luzern zunaͤchst beruͤhren mag,“

Zuͤrich, 27. Maͤrz. (Leipz. A. Z.) Gestern hatten einen merkwuͤrdigen Aufzug. Die Zunft zur Schmidstube ihr politisches Banner auf dem Lindenhofe beerdigt, um Leichenbegleitung die uͤbrigen zwoͤlf Zuͤnfte eingeladen, Trauermusik, der Sarg mit dem rothen Banner, der 8 meister Braun (Richter der 13 Zuͤnfte) in mittel“alten Tracht als erster der Leidtragenden, dann alle Zunftgene Paar und Paar hinter ihren Bannern es war sehr siinlc Eb enso war es ergreifend, als der Sarg auf dem herrech Lindenhof in das Grab gesenkt wurde mit dem Banner - Zunft, und als abgelesen wurde die kurze Schrift, deß in 500jaͤhrigem Bestande hier die politische Zunft zur Schmndsc beerdigt sey, in Folge eines Beschlusses des großen Rathes,“ moͤge welchem in Zukunft in Zuͤrich statt 13 nur Eine Zuft! stehe. Stadtrath Heß hielt dem Begrabenen eine schoͤne chenrede, in der er an die Verdienste des Verblichenen in nerte. Buͤrgermeister Hirzel brachte dem auferstehenden ie Zuͤrich, das dem Kanton das Eine Banner vortrage, ing; die Farben des Kantons auch die Farben der Stadt seyen, Lebehoch. Der Eine hat mehr getrauert, der Andere mehe laͤchelt; der Eine hat mehr nach der Vergangenheit, der nncg mehr in die Zukunft gesehen. Thatsache ist es, die Bnf Zuͤrichs haben die alte Zeit zu Grabe getragen. Zuͤrich ie der Entwickelung seines Staatslebens wieder um einen üt⸗ gen Schritt vorwaͤrts gekommen, wiewohl unter Stuͤrmen allen Seiten; doch der neue große Rath ist fest seinen Weh. gangen und hat sich uͤber die Partheien erhoben.

Von der fortwaͤhrenden Lauterkeit des Styls gewiste tungen in der Schweiz, wie von der Moralitaͤt unde rakterhaltung Derjenigen, welche sie schreiben, kann man (wie ein Korrespondent der Leipziger Allgemeinen 9 tung bemerkt) nach folgenden sehr zusammengedraͤngten e spielen einen oberflaͤchlichen Begriff machen. Regierungs'e Sulzer von Zuͤrich sagt in seiner Zeitung „der Conffiun nelle“: daß Regierungs⸗Rath (gegenwaͤrtig Landammanl, 1 Schnell in Bern nur darum gewoͤhnlich gelbe Beinkleide nug damit die Zeichen seines Heldenmuthes den Leuten niche in die Augen springen. Darauf entgegnete der Letztenneg⸗ ner in Burgdorf erscheinenden Zeitung, „Berner Volksstanf „Wenn den Einwohnern von Zuͤrich zwischen einem Spucne und dem Gesichte eines gewissen Regierungs⸗Rathes dn s gelassen wuͤrde, sie vorzugsweise immer in das lehter, v wuͤrden.“ Die in Sursee von dem gewesenen Regieg Rathe Steiger und einem Herrn Schnyder geschriebe t tung, der „Eidgenoß“, nennt den Landammann Schmnh Schwyz einen schlechten Kerl, einen schamlosen Fant unhan versoffenen Stier. Darauf titulirt der „Waldstaͤtter 4 Schmid's Organ in Schwyz, die Regierung von Luzer! Masse von Narren und Buben. Der „Volksfreund 9 regelmaͤßig alle acht Tage mit irgend Jemand einen 29 beginnen muß, um oͤffentlich seinen Witz uͤben zu nen, nannte letzthin den Professor Dr. Trorler 28 grege Epicuri. Der Beleidigte entgegnete in seinem „Seg zerischen Beobachter“, daß, wenn der Schweinestall in dorf fortfuͤhre zu schweinen (mit schmutzigen Anzuͤglichke dnt sich zu werfen), der „Beobachter“ ihm auf eigene vwith hin, wenn er es erheblich finden sollte, die schon ofr teft erfundene Peitsche angedeihen lassen wuͤrde. Der „Vol

9 rscheinende

neriums.

Pater Antonio

einen chtv

EETEEETEETT“

uͤnscht nun zu wissen, wie ein Schweinestall mit der Peitsche

2 uͤchtigt werden koͤnne, und raͤth dem Professor Troxler, daß, gehmn er ein unsauberes Geschoͤpf durchpruͤgeln wolle, er sich vlost die erste Geißelung angedeihen lassen solle. Der saubere Streit ist noch nicht beendet, und es laͤßt sich voraussehen, daß r wo moͤglich noch pikanter werden wird. Das grellste Muster es in Rede gestellten Zeitungsstyls bietet jedoch die in Baden ¹ von dem dortigen Wirthe zum Loͤwen und Mit⸗ liede des großen Rathes, Baldinger, geschriebene „Aargauer gliede yls Nutzanwendung des Vorstehenden muß man in and wissen, daß gerade von Denen, welche eine solche fuͤhren, das schaͤndliche Gewerbe der Nachdruckerei, llches jetzt nicht allein in Basel⸗Landschaft, sondern auch in Biel, n Solothurn, in Herisau und an andern Orten festen Fuß ge⸗ winnen zu wollen scheint, vertheidigt, gelobt und nach Kraͤften

befoͤrdert wird. 27 1

Heutschl 9 prache

Spanien

Madrid, 27. Maͤrz. Die Deputirten-Kammer beschaͤf⸗ igte sich gestern und heute mit dem Budget des Kriegs⸗Mini⸗ Herr Caballero verlangte, daß die Minister der Kam⸗ nerr eine Denkschrift uͤber die Anleihe vorlegen sollten, ehe die Diskussion uͤber diesen Gegenstand beginne. Die Kommission, je mit der Pruͤfung des Gesetz⸗Entwurfs in Bezug auf die eabsichtigte Anleihe beauftragt war, hat denselben angenomnen. Das Eco del Comercio versichert, der Madrider Agent des Herrn Laffitte habe der Regierung angezeigt, daß das von m repraͤsentirte Haus bereit sey, billigere Bedingungen zu kellen, damit die Anleihe nicht in die Haͤnde des Herrn Aguado omme. 8 8 . Man will wissen, daß das Projekt, ein Polizei⸗Corps in

er Hauptstadt zu errichten, aufgegeben worden sey.

Saragossa, 29. Maͤrz. Heute fand hier die Auswechse⸗ ung von 200 Karlisten gegen ebenso viel von Cabrera am 5ten efangen genommene National⸗Gardisten statt. Unter den Er⸗ eren besand sich auch der kuͤhne und unternehmende Guerilla⸗ fuͤhrer Asnar. In diesen Tagen sind hier 15,000 Piaster fuͤr je Franzoͤsische Legion angekommen.

Lissabon, 27. Maͤrz. Ihre Majestaͤten machen fast taͤg⸗ ch eine Spazierfaͤhrt durch die Straßen der Hauptstadt in inem offenen Wagen und scheinen sich der besten Gesundheit

erfreuen. Der Tag, an welchem die Koͤnigin die Cortes— Deputation empfing, die ihr die neue Verfassung uͤberbrachte, nd auf ihrem Wege nach dem Palast von der Kavallerie der National⸗Garde und einer Schwadron Lanciers eskortirt wurde, ing ohne Ruhestoͤrung voruͤber. Bei Einbruch der Nacht aber am es zu einer Rauferei zwischen einem Poͤbelhaufen und

einigen Soldaten von der Linie, die im Vorbeigehen vom Volke it Schimpfworten verfolgt wurden. Sie kehrten um, griffen ie Schimpfenden an, und Einer aus dem Haufen wurde er⸗ chen, denn die Truppen haben Befehl, auch wenn sie cht im Dienste sind, stets ihre Seitenwaffen zu tragen. Nun st liefen beide Parteien aus einander, um den Handen der berechtigkeit zu entgehen.

Die Portefeuilles des Krieges und der Marine werden mer noch interimistisch von dem Praͤsidenten des Minister⸗ raths, Visconde Sa da Bandeira, ver valtet; doch heißt es, das erstere werde der Visconde von Reguengo erhalten, der

Truppen gegen die aufruͤhrerischen Naltonal⸗Garden fuͤhrte, d zum Marine⸗Minister soll auch ein Mann von gemaäͤßig⸗ n politischen Grundsaͤtzen bestimmt seyn, seinen Namen aber unt man noch nicht. Der Baron von Bomfim ist zum Mi⸗ air⸗Kommandanten der Provinz Estremadura ernannt.

Die jetzigen Cortes werden wahrscheinlech ein oder zwei age nach Bekanntmachung des neuen Grundgesetzes, die auf n’ 1. April anberaumt ist, aufgeloͤst werden. Um die wenigen eschaͤte, welche ihnen noch vorliegen, schneller zu erledigen, llen sie auch die Nacht hindurch Sitzungen halten. In den zten Tagen waren sie hauptsaͤchlich mit der Diskussion der tschiddenen Buͤdgets beschaͤftigt. Bei dieser Gelegenheit wurde r Finanz⸗Minister von mehreren Deputirten befragt, ob er ch die Summe nicht außer Acht gelassen habe, welche Herr Kendizabal der Portugiesischen Nation noch schuldig sey. Der inister antwortete, er habe die Sache kuͤrzlich wieder aufge— ommen, aber Herr Mendizabal behaupte, seine Schuld belaufe

ch nicht auf 220,000, sondern nur auf 23,000 Pfd. Sterling, 8 er wolle diese Behauptung durch Dokumente beweisen. H8 Schuld, wesche Brasilien an Portugal zu zahlen ahn hie auf 470,000 Pfd. Sterling berechnet ist, hat r Finanz⸗Minister, wie er erklaͤrte, in London ebenfalls Uin⸗ rhandlungen angeknuͤpft und verspricht sich ein guͤnstiges Er bniß davon. 8 1S 8 gnstiges Er⸗

ß davon. Im Publikum wird mit großer Bewunderung en der geraden, maͤnnlichen und ehrenwert Handlungs eeise dieses Ministers (Herrn S hrenwerthen Handlungs—

1 Minis er (Herrn Joao d'Oliveira) gesprochen, be⸗ nders lobt man die Art, wie er sich waͤhrend der letzten Un⸗ hen in Lissaboen benommen hat. Er verwaltete waͤhrend die⸗

ir Zeit bekanntlich interimistisch auch das Ministerium des In⸗ rin und erließ als solcher unterm läten d. M. einen Befehl odurch der Civil⸗Gouverneur von Lissabon, Herr Costa E 8 1 gewiesen wurde, unverzuͤglich stren L1

unverzuͤglich zu einer strengen Untersuchun r letzten Vorfaͤlle zu schreiten und so bald als moͤglich her zu berichten, wie viel und welche National⸗Gardisten sich . . unbefugter Weise, gegen den ausdruͤcklichen Willen EE1“ und dadurch in voͤlligen Aufruhr⸗

r. jetzt haͤtten. 11AX“ scen921ee g ,das der Ex⸗Befehlshaber des bekannten re—

elllt werden solle 788g E11A1“ . Gug en är⸗ . hier eingegangenen Depesche des s Antas, der aaf ü eehc hervor, daß der Visconde hen sich mit seintn te erste achricht von den Lissaboner Un⸗ v jetzt dort bleiben den hierher in Marsch setzen wollte, T1““ ird. Er berichtet an den Kriegs⸗Mini⸗ sten d., daß er das Miguel Gueri 1 EWEE“ er riguelistische Guerilla⸗Corps, 1 umgegend der Stadt Miranda do Corvo eunruhigt worden, ganz zerspe Kiranda do Corvo so lange G Fnun9g z zersprengt haße Der Chef derselben, „und mehrere seiner Anhaͤnger sind ge⸗

hoötet, andere gefangen genommen worden.

Tuͤrkei.

Konstantinopel, 11. Mz

. , I1. Maͤrz. (Times.) Der aͤlteste

1. den Sultans, Prinz Abdul Medschid, 21 nachdem 58

eshalb be eee ae hatte, wieder gefaͤhrlich erkrankt, er der 8

ischen Aerzte konsultirt hat. eruͤhmtesten hier ansaͤssigen Euro⸗

D 3 He 8 59 * 87

man⸗ enenerabvaͤchte der Einkuͤnfte, Nafiz Efendi, ist zum 9 3 ; 2

brellung die K annt worden. Er hatte in seiner fruͤheren

innahme es Schatzes dadurch verdoppelt, daß

v.

E. A 407 Sarn

er die Verwaltung der Distrikte in den Provinzen dem Meist⸗ bietenden uͤberließ und dadurch das verderbliche Monopol⸗System befoͤrderte, welches den Ackerbau- und Handels⸗Interessen der Tuͤrkei so nachtheilig geworden ist. Er fuͤhrt jetzt auch die Ober⸗Aufsicht uͤber die den Moscheen gehoͤrigen Ländereien, die bisher von den Ulemas verwaltet wurden. Eine von ihm er⸗ nannte Kommission hat uͤber 100 Personen, die sich durch fal⸗ sche Dokumente in den Besitz von Haͤuüsern gesetzt hatten, aus ihren Wohnungen vertrieben, in denen sie bereits seit mehreren Jahren in voͤlliger Sicherheit lebten.

Das von Herrn Rhodes hier erbaute Dampfboot hat seine erste Probefahrt auf dem Bosporus in Gegenwart des Sul⸗ tans gemacht. Der Kapudan⸗Pascha will sich auf demselben nach Gallipoli begeben, um den Grundstein zu dem, am Ein—⸗ gange des dortigen Hafens zu errichtenden Leuchtthurm zu legen.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 16. Febr. Sie wouͤnschten und ich versprach Ihnen Mittheilungen uͤber den Zustand des Volks⸗ Unterrichts in den Staaten von Neu⸗England, namentlich in New⸗York, Connecticut und in dem vor Allem geistig regsamen Massachusets. Da ich nun waͤhrend des vergangenen Winters mich laͤngere Zeit in letzterem Staate aufgehalten, Vieles mit eigenen Augen gesehen, noch Mehreres aus dem Umgange mit kundigen Maͤnnern kennen gelernt habe, so lohnt es vielleicht der Muͤhe, davon zu berichten. Fuͤr's erste habe ich mich uͤber⸗ zeugt, daß Alles, was hier zu Lande fuͤr die Verbesserung des Volks⸗Schulwesens geschieht, von der Partei der Konservativen, der sogenannten Aristokraten, mit einem Wort, von der Min⸗ derzahl der Reichen und Wohlhabenden ausgeht. Diese Min⸗ derzahl sieht sich von der Staatsgewalt verdraͤngt, von einer maßlos uͤberhand nehmenden Demokratie uͤberfluͤgelt; ihrem Be⸗

sitz, ihrer Existenz droht eine Willkuͤrherrschaft des großen Hau⸗

fens. Aber sie ist auch einsichtig genug, zu erkennen, daß sich hier nichts mit Gewalt, noch mit List ruͤckgaͤngig machen laͤßt, daß die Gefahr einzig und allein durch Sittigung, Aufklaͤrung und Veredlung der niedrigsten und aͤrmsten Volksklassen zu be⸗ schwoͤren ist. Darum liegt ihnen das Schulwesen so am Her⸗ zen, und sie arbeiten eifrigst darauf hin, uͤberall Freischulen zu errichten. Wenn ich aber hoͤre, daß Maseachusets hierin allen anderen Staaten weit voraus, und zugleich betrachte, wie we— nig doch eigentlich bis jetzt und wie mangelhaft dieses Wenige ausgerichtet worden ist, so kann ich daraus ungefaͤhr abnehmen, wie sehr der Volks⸗Unterricht anderwaͤrts noch im Argen liegen muß. Jeder Versuch, ein Schulwesen zu organisiren, stoͤßt bei der demokratisch⸗republikanischen Regierungsform auf unzaͤhlige Schwierigkeiten. In Massachusets, Connecticut und New⸗York verordnet das Gesetz, daß es in jeder Ortschaft (township) min— destens eine oͤffentliche Schule, und ein Comité zu deren Be— aufsichtigung geben soll. Weiter-geht das Gesetz nicht: es ord⸗ net keine Leitung, keine hoͤhere Kontrolle an, dergleichen wuͤrde unpopulair seyn. Die Legislatur pon Massachusets hat kuͤrzlich einen Schritt vorwaͤrts gethan, aber mit aͤußerster Vor⸗ sicht. Denn ganz leise, ganz allmaͤlig, auf versteckter Faͤhrte muß man hier zu Lande dem niederen Volke mit dem beikom— men, was ihm heilsam ist. Es ist stoͤrrig und argwoͤhnisch, und wenn es nur den entferntesten Verdacht schoͤpft: „Hm! die Aristokraten wollen uns schulmeistern!“, so ist Alles vereitelt; mit Trotz und Ingrimm wuͤrde es alsdann den dargebotenen Unterricht zuruͤckweisen. In Massachusets hat man sich daher fuͤrerst begnuͤgt, ein sogenanntes board of education zu errichten, dessen Thaͤtigkeit sich zuͤnaͤchst darauf beschraͤnken soll, Nachrich⸗ ten uͤber die verschiedenen im Staate bestehenden Schulen zu sammeln, freiwillige Associationen in den einzelnen Grafschaften zu bilden, sich mit denselben in Korrespondenz zu setzen und so allmaͤlig einen Einfluß auf das Schulwesen zu erlangen, der mit der Zeit in eine foͤrmliche Kontrolle uͤbergehen duͤrfte. Der Praͤsident des Senats von Massachusets sein Name ist Mann hat freiwillig seine Stelle niedergelegt und sich zum Secretair jenes board ernennen lassen; als solcher reist er jetzt umher, um die noͤthigen Erkundigungen einzuziehen und die vom Gesetze beabsichtigten Associationen in Gang zu bringen. Das Preußische Schulwesen ist hier durch Cousin's Bericht be⸗ kannt geworden und steht im Rufe der hoͤchsten Trefflichkeit. Fast durchgaͤngig fand ich es jedoch hier mit den Schulen sehr mittelmaͤßig oder schlecht bestellt. Es fehlt naͤmlich erstens und Ne an guten Lehrern. Schullehrer-Seminare und Normal⸗Schulen sind nacht vorhanden, und wollte man derglei⸗ chen einfuͤhren, so wuͤrden hier zu Lande nicht Schulmaͤnner, soͤndern Staatsmaͤnner daraus hervorgehen. Man denke sich einen verstaͤndigen und wohlunterrichteten Dorf⸗Schullehrer, wie wir deren in Preußen Viele haben, in gleichem Berufe nach Amerika versetzt, so leuchtet er durch Bildung und Kenntnisse unter seinen hiesigen Mitbuͤrgern als ein großes Licht, wird zu den Staats-Geschaͤften herangezogen und macht eine politische Carrire. In der That sind viele Maͤnner, die jetzt hohe Stellen in der Regierung bekleiden, anfaͤnglich Schulmeister gewesen, so z. B. der jetzige Gesandte in Paris, James Caß; der Schatz⸗Se⸗ cretair Levi Woodbury; der General⸗Postmeister Amos Kendal; der Senator Daniel Webster; der Gouverneur Everett u. A. m. Zweitens ist die Besoldung der Schullehrer klaͤglich gering. Oft wohnen in einem kleinen Orte drei oder vier verschiedene Religions⸗Parteien neben einander; jede besoldet ihren Geistli⸗ chen mit 1200 bis 1600 Dollar; der gemeinschaftliche Schulleh⸗ rer muß sich mit 9 Dollar woͤchentlich begnuͤgen. Drittens bestehen die Schul⸗Comité's der einzelnen Ortschaften, welchen die Pruͤfung der anzustellenden Lehrer obliegt, meistens aus ganz ungebildeten und unfaͤhigen Menschen. Niemand hat Lust, Mitglied des Schul⸗Comité zu werden, und die Waͤhler be⸗ trachten die Ernennungen zu dieser Behoͤrde als ganz und gar unwichtig und gleichguͤltig. Gilt es ein Amt, durch dessen Ver⸗ waltung ihr Vermoͤgen gefaͤhrdet werden kann, ja dann pruͤfen sie und erwaͤgen sorgfaͤltig, wem sie ihre Stimme geben; fuͤr das Schul⸗Comité ist ihnen Jeder gut genug. Das board of education hat daher unter Anderen auch den Vorschlag gemacht, die Mitglieder dieser Comite's kuͤnftig zu besolden. Einen vier⸗ ten Uebelstand fuͤhrt das Sektenwesen herbei, welches hier ganz unglaublich überhand genommen hat. Die verschiedenen Glau⸗ bens⸗Parteien schließen sich mit einer fast bigotten Engherzigkeit gegen einander ab. Aeußerlich zwar, vor dem Staatsgesetz, er⸗ kennen alle Konfessionen einander als gleich berechtigt an, aber in den Gesinnungen herrscht eine Intoleranz, welche Familien⸗ glieder mit einander entzweit und alle Verhältnisse des geselli⸗ gen Leben unfreundlich affizirt. In Folge dessen ist aller reli⸗ gioͤse und moralische Unterricht aus den Schulen verbannt. Dazu kommt nun fuͤnftens die schlechte Methode des Unterrichts. Die Schulbuͤcher sind, wie in England, in Fragen und Antworten abgefaßt; durch eine Frage, die nicht im Buche steht, setzt man Lehrer und Schuͤler in die groͤßte Verlegenheit. Das Nachdenken wird nicht geweckt, der Ver⸗

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stand nicht ausgebildet; Alles reduzirt sich auf ein gedankenloses

Auswendiglernen, womit es darauf abgesehen ist, bei d bestandig wiederholenden oͤffentlichen Flaaee be. zu 2—. Endlich 42* noch die Privatschulen dem Gedeihen der oͤffent⸗ lichen im Wege. Ueber diesen Punkt kam es in der oben er⸗ waͤhnten Deputirten⸗Versammlung zu sehr interessanten und aͤußerst lebhaften Debatten. Die Gegner der Privatschulen klagten uͤber den Mißbrauch, daß die meisten Aeltern, die es nur irgend erschwingen koͤnnen, und gerade solche, welche sich bei oͤffentlichen Gelegenheiten als Ultra⸗Demokraten auszuzeich⸗ nen pflegen, ihre Kinder vorzugsweise in Privatschulen schicken. Ja nicht selten zeigen die Kinder auf der Straße mit den Fin⸗ gern auf solche, die in die oͤffentliche Schule gehen, so daß manche arme Aeltern es als eine Schande betrachten, ihre Kin⸗ der dahin zu schicken und sie lieber zu Hause behalten. So wird die Lehre von der allgemeinen Gleichheit in dem freien demokratischen Amerika schon von den Kindern verstanden und geuͤbt! Darauf schlugen Einige vor, Jedermann solle gehalten seyn, seine Kinder zuerst in die oͤffentlichen Schulen zu schicken wolle er ihnen eine hoͤhere Bildung geben, so koͤnne er sie spaͤ⸗ ter in eine Privatschule gehen lassen. Allein an dem Worte „hoͤhere Bildung“ nahmen die Erzdemokraten Anstoß; sie wit⸗ tern dahinter etwas von geistiger Aristokratie, die man nicht aufkommen lassen darf. „Nichts da!“ rufen sie es wird schon in den oͤffentlichen Schulen viel zu viel gelehrt Und so wurde hin und her gestritten, ohne daß man zu einem Be⸗ schlusse kam. 8

Waͤhrend die „Aristokraten“ in diesem Lande zu der be⸗ scheidenen, menschenfreundlichen Einsicht gekommen sind, daß mit aller Verbesserung von unten auf, und zwar an ihren eige⸗ nen aͤrmeren, geistig verwahrlosten Mitbuͤrgern der Anfang ge⸗ macht werden muß, fuͤhren die machthabenden Demokraten un⸗ gleich groͤßere und glaͤnzendere Dinge im Schilde. Daheim sind sie fertig; es ist nun Zeit, mit der Kraft ihrer allein seligma⸗ chenden politischen Prinzipien auch nach außen, und namentlich auf Europa, zuruͤckzuwirken. Wenn die Welt bisher von ihrer gewaltigen geistigen Potenz nicht die geringste Ahnung gehabt hat, so liegt es nur daran, daß sie bisher nicht fuͤr gut gefun⸗ den haben, zu zeigen, was sie vermoͤgen. Aber sie duͤrfen nur den Mund aufthun, um die Welt und die Wissenschaft zu re⸗ formiren; sie duͤrfen nur in die Posaune ihrer demokratischen Prinzipien stoßen, um das alte Gebaͤude der monarchischen In— stitutionen und Doktrinen zu stuͤrzen. In solchem Geiste und mit solchen Praͤtensionen wird zu Washington eine Monats⸗ schrift: „The United-States-Magazine and Democratic Review“ re⸗ digirt, fuͤr welche alle Talente der demokratischen Partei in An⸗ spruch genommen werden sollen. Sie moͤgen nach einigen Pro⸗ ben von dem Tone des Ganzen urtheilen. Lachen koͤnnte man uͤber solche Prahlhanserei, waͤre die Verblendung, weiche zu Grunde liegt, nicht gar zu heillos und die Arroganz gar zu wi⸗ derwaͤrtig. Und doch laufen Gestaͤndnisse mitunter, welche dicht an die Wahrheit heranfuͤhren. „Die demokratische Partei der Vereinigten Staaten“, heißt es im Prospektus, „ist der Mit⸗ welt und Nachwelt verantwortlich als Verwahrerin, Verfechte⸗ rin und mustergebende Verkuͤndigerin der reinen politischen Glau⸗ benslehren, mit welchen die Sache des Volkes in jedem Zeit⸗ alter und in jedem Lande identifizirt ist. Es fehlte dieser Partei bisher an Mitteln, die geistige Thaͤtigkeit ihrer Anhaͤnger zu konzentriren; darum ist sie bisher in der Literatur und in der gelehrten Welt fast gar nicht repraͤsentirt gewesen, waͤhrend fuͤr die Ansichten und die Politik ihrer Gegner mit allen Kraͤften und Kuͤnsten des Talents und der Gelehrsamkeit gestritten wird.“ In der Einleitung zum ersten Hefte werden gleich vorn an die Grund⸗ saͤtze der demokratischen Partei entwickelt; sie schmecken stark nach Radikalismus. Hinterher aber wird die Frage aufgewor— fen: „Woher kommt's, daß 1 % 9 aller jungen Leute, welche die Gymnasien besucht haben, zur antidemokratischen Partei ge⸗ hoͤren?“ Antwort: „Das macht, weil unsere Literatur und unser Studienwesen ganz undemokratisch, im Grunde noch im— mer auf Englischem Fuß eingerichtet lst. Unser Geist ist der aͤl— teren und neueren Literatur Englands sklavisch ergeben. Aber in einer anderen Richtung liegt unsere Zukunft. Die Demo⸗ kratie muß das Prinzip, die belebende Seele einer kuͤnftigen Amerikanischen National⸗Literatur seyn. Ein weites Feld der Thaͤtigkeit ist uns eroͤffnet; pflanzen wir unser Banner darauf und die Voͤlker werden sich versammeln, die neu verkuͤndigte Wahrheit zu hoͤren. Die Voͤlker der alten Welt blicken auf uns; die Stimme Amerika's sollte einen maͤchtigen und wohlthaͤtigen Einfluß auf Europa ausuͤben, allein sie wird dort gar nicht vernommen. Man nimmt von Amerikanischen Schriften keine Notiz nan uͤbersetzt sie nicht, weil sie fast im— mer eine verduͤnnte und verspaͤtete zweite Edition Englischer Ideen enthalten. Wir muͤssen es ernster anfangen. Alle Geschichte muß noch einmal geschrieben, das ganze Gebiet der mo— ralischen und politischen Wissenschaften muß von neuem mit dem Lichte der demokratischen Grundsaͤtze beleuchtet und erforscht alle das menschliche Denken und Daseyn betreffenden Fragen muͤssen wieder aufgenommen und noch einmal aus diesem Ge⸗— sichtsunkte untersucht werden.“

Unter den Leuten, deren Federn die Regierung bis jetzt fuͤr diese gewaltigen Zwecke in Bewegung gesetzt hat, muß ich zwei namhaft machen: Herrn Bancroft und einen Deutschen, Herrn Franz Grund. Beide waren eine Zeit lang zusammen als Leh⸗ rer an einem College zu Northampton in Massachusets ange⸗ stellt, welches jetzt nicht mehr existirt. Franz Grund stand da— mals im Rufe eines guten Trinkers, wofuͤr man auch hier die Deutschen nur gar zu gern ansieht. Bancroft hatte von 1817 bis 1821 auf Kosten der Universitaät Cambridge in Berlin und Goͤttingen studirt, nach seiner Ruͤckkehr eine reiche Frau gehei⸗ rathet, mit Eleganz und Luxus gelebt und bestaͤndig zur Oppo⸗ sition gehoͤrt. Seit einiger Zeit aber wuͤnscht er eine Anstel⸗ lung, namentlich eine Mission nach Europa, und hat sich des⸗ halb der Administration angeschlossen. Er lebt zu Springfield, unweit Northampton, und schreibt eine Geschichte der Verei⸗ nigten Staaten, wovon der erste Band im vorigen Jahre er⸗ schienen und, wie ich vernehme, in Deutschland mehrfach guͤn⸗ stig beurtheilt worden ist. Es wird jedoch bei der Wuͤrdigung des Buches nicht außer Acht zu lassen seyn, daß es von aus⸗ schließlich demokratischem Gesichtspunkte und im Interesse der gegenwaͤrtig herrschenden Partei geschrieben ist. Herr Franz Grund hat es uͤbernommen, das Evangelium von den Ameri⸗ kanischen Dingen fuͤr seine Deutschen Landsleute abzufassen. Sie kennen das Buch; es hat in Deutschland einen beruͤhmten Verleger gefunden. Sie wissen, wie darin der plumpen Hof⸗ fart der hiesigen Demokraten geschmeichelt, wie alles Amerika⸗ nische gelobt und vortrefflich gefunden, die Demokratie und die . der gegenwaͤrtigen Regierung herausgestrichen wird;

ie wissen, wie der Verfasser sich nicht entbloͤdet, auf sein eige⸗

nes derb loszuziehen, seine Landsleute in den Augen

eer Al er herabzusetzen, ja, was noch schaͤndlicher ist, die

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