1838 / 104 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Herzog von Wellington, der edle Viscount scheine verges⸗ en zu haben, daß in der von ihm erwaͤhnten Bill im Unter⸗ hause alle auf die Ablösung des Zehnten bezuͤgliche Klauseln gestrichen worden seyen, daß sie dadurch ihren urspruͤnglichen Tharakter und Zweck ganz verloren gehabt und das Oberhaus sie deshalb rerworfen habe. Zugleich erklaͤrte der Herzog mit Hinsicht auf den kuͤrzlich im Unterhause von Lord J. Russell vorgelegten Plan zur Erledigung der Irlaͤndischen Kirchen⸗ Frage, daß er fuͤr sein Theil sich demselben aufs entschiedenste widersetzen wuͤrde, wenn es eine der Bestimmungen der Maß⸗ eegel seyn sollte, der Kirche ihr Eigenthum zu encziehen, um s den Haͤnden der Regierung zu uͤbergeben und die Geistli⸗ hen aus dem konsolidirten Fonds zu besolden. (Hoͤrt, hoͤrt!) Uebrigens, versicherte er, werde es sein eifrigstes Bestreben seyn, aus allen Kraͤften zur Erledigung jener Frage beizutragen und er waͤnsche, dieselbe zum wahren Besten der Regierung ausgeglichen sehen, aber der Regierung im weitesten Sinne des Worts, ohne lie Ruͤcksicht darauf, in wessen Haͤnden dieselbe gerade befind⸗ ich sey. Lord Melbourne versicherte seinerseits, er werde ge⸗ viß Alles thun, was in seinen Kraͤften staͤnde, um das Wohl der Kirche zu foͤrdern; wenn der edle Herzog aber darunter ie Anweisung größerer Revenuͤen fuͤr die Geistlichen und fuͤr irchliche Zwecke verstehe, als es sich mit dem allgemeinen Wohl nd Vermoͤgen des Landes vertrage, so wuͤrde er auf einen sol⸗ hen Vorschlag nicht eingehen koͤnnen.

Unterhaus. Sitzung vom 6. April. Nach Verwer⸗ fung des bekannten Stuartschen Amendements ging die mini⸗ sterielle Bill zur Verbesserung des Zustandes der Reger⸗Lehr⸗ linge durch den Ausschuß. Sonst kam in dieser Sitzung nichts

veiter von Interesse vor, als daß das Haus auf den Antrag des Herrn Blackstone, als Praͤses des Wahl⸗Ausschusses fur EShafterbury, beschloß, am Montage den Drucker der „Mor⸗— ning Chronicle“ und Herrn Poulter, dessen Wahl in jenem Ausschusse fuͤr unguͤltig erklaͤrt worden, wegen Verletzung der Privilegien des Hauses vor die Schranken zu laden, weil je⸗ nes Blatt ein Schreiben des Herrn Poulter aufgenommen, in welchem dieser in den ehrenruͤhrigsten Ausdruͤcken uͤber die Ent⸗ scheidung des besagten Wahl⸗Ausschusses spricht.

London, 7. April. Die Parlaments⸗Mitglieder sind zum Theil bereits nach Hause gereist, um die Osterfeiertage im Schooße ihrer Familien zuzubringen und um sich zu neuen par— lamentarischen Kaͤmpfen vorzubereiten, die, allem Anscheine nach, bald nach den Osterferien zu erwarten sind. Die Tories besonders sind nicht ohne Erwartungen und begruͤndete Hoff⸗ nungen, denn die letzten Abstimmungen im Unterhause waren wieder sehr guͤnstig fuͤr sie ausgefallen, und die Siege der Whigs sind bei den sehr kleinen Majoritaͤten, durch die sie er⸗ reicht wurden, eher als Niederlagen zu betrachten. Besonders der Antrag, den der Marquis von Chandos am 3. d. M. ge⸗ macht, die Ausgaben fuͤr die Kanadische Mission des Marquis

Durham bedeutend einzuschraͤnken, hat wiederum den Tories Gelegenheit gegeben, ihre Staͤrke zu zeigen. Bei einer Ver⸗ ammlung von 318 Mitgliedern war die ministerielle Seite nur uim zwei Stimmen ansehnlicher, als die der Opposition. Die „glorreiche Majoritaͤt der Zwei“ (the glorions majority of two) wird dem Standard und der Morning⸗Post lange noch ein Stichwort bleiben, das sie ihren Gegnern sarkastisch zurufen werden. Ja, die Minister haben in der That bei diesem An⸗ trage, der doch ganz im Sinne der Sparsamkeit gemacht war, nur dadurch die Mehrheit fuͤr sich erhalten, daß der geschwo⸗ zene Kaͤmpe der Oekonomie, der bestaͤndige Controlleur der Ver⸗ waltung so oft es auf Pfund, Shilling und Pence an— kommt diesmal seinen oͤkonomischen Grundsaͤtzen untreu ge⸗ worden und fuͤr den Luxus gestimmt hat, mit welchem Lord Durham seine Sendung nach Kanada antritt. Herr Hume hat den Tories zuweilen schon solchen Streich gespielt; es ist einmal sein Beruf, nachzurechnen und zu moniren: das Budget scheint allemal mit ganz besonderer Ruͤcksicht auf seine eigen⸗ thuͤmlichen Einwuͤrfe abgesaßt zu seyn; aber so oft er wahr— nimmt, daß sich die Tories seiner Opposition als ein Mittel zu ihren Zwecken bedienen wollen, kehrt er ploͤtzlich um und steht nit einemmale wieder auf der Seite der Minister. Natuͤrlich zieht ihm dieses Verfahren auch jetzt manche ironische Bemer— kung der Oppositionsblaͤtter zu; sie weisen nicht undeutlich darauf hin, daß seine Oekonomie nur ihm selber ein⸗ traͤglich sey, doch die ministeriellen Blaͤtter geben diesen Spott zwiefach zuruͤck. Seht doch die sparsamen Tories! rufen sie; seht doch, wie sie, die sonst mit Pensionen und Si— nekuren um sich warfen, die noch heutiges Tages die enorme Staatsschuld zu verantworten haben, mit der das Land bela⸗ stet ist, mit einemmale auf den Beutel des Volkes, des ar— men Volkes von Großbritanien und Irland, bedacht sind! Auch die Art und Weise, wie die Abstimmung am 3ten d. er— langt worden, wird wiederum als ein Kunstgriff dargestellt. Es wird naͤmlich von den Whig-Blaͤttern behauptet, daß der Marquis von Chandos das Haus Hanz unvorbereitet zu einer Stimmentheilung gedraͤngt habe. en ganzen Abend hatte es naͤmlich geheißen, man wuͤrde die Motion, wie dies in solchen Faͤllen oft geschieht, als bloßes Motiv zur Debatte benutzen und die Sache dann fallen lassen, ohne auf eine foͤrmliche Ab⸗ stimmung anzutragen. Viele Mitglieder hatten sich daher be⸗ reits entfernt, als lange nach Mitternacht, wo es den Anschein hatte, daß die ministeriellen Baͤnke nicht mehr so besetzt seyen, wie die gegenuͤberstehenden, der Marquis von Chandos den Sprecher veranlaßte, die Frage an das Haus zu richten, und nun doch unerwartet fuͤr den Antragsteller die „glorreiche Ma⸗ joritaͤt der Zwei“ sich zeigte. „Waͤren nicht jene zwanziz Sitze“, ruft die Morning⸗Post, „welche die Minister durch die eben so arglistige als illegale Entscheidung der Wahl⸗Co⸗ mites erlangt haben, so wuͤrden, wie man sieht, die Whigs schon laͤngst wieder, wie von der Majoritaͤt des Oberhauses, so auch von der des Unterhauses verdraͤngt seyn!“

Der Gemeinderath der Stadt London, der bekanntlich alle Jahre von den Bezirken der Hauptstadt gewaͤhlt wird und der daher, als Repraͤsentativ⸗Koͤrper, wohl in gewissem Maße fuͤr einen Anzeiger der oͤffentlichen Meinung in der City gelten kann, scheint sich seit Annahme der Reform⸗Bill allmaͤlig wie⸗ der mehr zu konservativen Grundsaͤtzen hinzuneigen. Mehrere Umstaͤnde deuten dies an. Vor zwei Jahren, als der durch die Reform-Bill im Lande hervorgerufene Geist der Neuerung noch frischer war, ging im Gemeinderathe ein Vorschlag, daß die Aldermaͤnner von London —r. gewaͤhlt werden sollten, mit grotzer Majoritaͤt durch. or sechs Wochen aber wurde dieser Beschluß durch eine Gegen-Resolution wieder auf⸗ gehoben und der alte Gebrauch, daß dieselben lebens⸗ känglich im Amte bleiben sollen, von Neuem hergestellt. Herr Grote, das bekannte radikale Parlaments⸗Mitglied fuͤr die City, stand bei der ersten Wahl nach der Parlaments⸗ Reform auf der Wahlliste obenan und hatte einige hundert

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Stimmen mehr, als der naͤchste Kandidat. Als Sir R. Peel⸗ im Jahre 1835 wieder an das Land appellirte, nahm Herr Grote schon die unterste Stelle unter den vier fuͤr die City ge⸗ waͤhlten Parlaments⸗Mitgliedern cin, hatte aber immer noch 356 Stimmen mehr als der konscrvative Kandidat, der auf der Liste dieser Partei obenan stand. Im verflossenen Herbst aber

war der Unterschied der Stimmen zwischen ihm und sei— nem keonservativen Gegner, Herrn Palmer, so gering, daß Letzterer gegen die Wahl petitionirte und seine Partei die zu Gunsten des Herrn Grote ausgefallene Entschei⸗ dung des Untersuchungs⸗Ausschusses nur der Parteilichkei dieses Tribunals, das der Mehrheit nach aus Liberalen bestand, zuschreibt. Endlich hat sich der Gemeinderath am

letzten Mittwoch auch gegen den Lieblingsplan des Herrn Grote,

gegen die geheime Abstimmung bei den Parlamentswahlen er⸗

tlaͤrt, deren Vorfechter im Parlamente dieser Radikale stets ge⸗ wesen ist. Es wurde naͤmlich ein Antrag auf Unterstuͤtzung der

Groteschen Bemuͤhungen um Einfuͤhrung des Ballottements im Gemeinderath mit bedeutender Majoritaͤt verworfen und eine Resolution angenommen, in welcher diese Behoͤrde zwar die bei den Parlamentswahlen herrschenden Mißbraͤuche der SEinschuͤchtctung und Bestechung sehr beklagt, aber zugleich die Ansicht ausspricht, daß die geheime Abstimmung jenen Uebeln

nicht abhelfen wuͤrde.

Der Herzogin von Leinster war in Irland kuͤrzlich ein Schmuck zum Werth von 13,090 Pfund gestohlen worden; die Polizei hat denselben jetzt in einem Dubliner Privathause ent⸗ deckt, dessen Eigenthuͤmer behauptete, daß ihm der Inhalt des Kaͤstchens ganz unbekannt gewesen sey.

Die aus dem Boͤrseabrande geretteten Baumaterialien wer⸗ den jetzt oͤffentlich versteigert; die erste Auction, welche am 3ten d. stattfand, brachte 2000 Pfund Sterling ein.

Sir John Colborne, der am 27. Februar zu Montreal als interimistischer Nachfolger des am 21. August 1835 ver⸗ eidigten General⸗Gouverneurs von Kanada, Grafen Gosford, im dortigen Regierungsgebaͤude installirt wurde, ließ gleich dar— auf 41 der gefangenen Aufruͤhrer, nach einem von dem General⸗ Prokurator vorgenommenen Verhoͤr derselben, auf freien Fuß setzen.

Das Transportschiff „Alonzo“ ist mit 256 Mann von der

Britischen Legion am Bord in Plymouth angekommen; diese V

Leute befinden sich im duͤrftigsten Zustande und schlagen ihre Sold⸗Obligationen zum ersten besten Preise los. Den Weg

von dem Hafen nach ihrer Heimath muͤssen sie zu Fuß zuruͤck— legen, und man fuͤrchtet, daß sie, wie ihre Vorgaͤnger, den west⸗ lichen Grafschaften Englands sehr zur Last fallen werden.

Nach einem in der Times befindlichen Schreiben aus Washington vom 6. Maͤrz waͤre die sogenannte Neutrali⸗ taͤts⸗Bill im Repraͤsentanten⸗Hause doch noch nicht vollstaͤndig angenommen, vielmehr zweifelte man sehr an der Annahme ei— nes Amendements des Senats, in welchem die Repraͤsentanten eine goͤnzliche Verhinderung jedes Handels mit Waffen und Kriegs⸗Beduͤrfnissen, und wenn derselbe auch auf gesetzlichem Wege betrieben wuͤrde, erblicken wollten. Die Bill war naͤmlich urspruͤnglich im Repraͤsentanten⸗Hause eingebracht und ange— nommen worden; im Senat aber hatte sie mehrere Veraͤnde⸗ rungen erlitten und mußte daher wieder an das Repraͤsentan⸗ ten⸗Haus zuruͤck, welches bis zum öten v. M. zwar die uͤbri⸗ gen Amendements, aber jenes eine noch nicht genehmigt hatte. Derselbe Washingtoner Korrespondent versichert uͤbrigens, daß die große Mehrheit der Bevoͤlkerung und alle Regierungs⸗Be⸗ hoͤrden der Vereinigten Staaten der Kanadischen Rebellion durchaus abhold seyen, und daß sich uͤberall eine entschieden guͤnstige Stimmung fuͤr England zeigen wuͤrde, wenn nicht zwei Umstaͤnde das National⸗Gefuͤhl der Amerikaner gereizt haͤtten: einmal die Graͤnz⸗Streitigkeit mit England zwischen dem Staate Maine und der Provinz Neu⸗Braunschweig, und dann die Wegnahme und Verbrennung des Dampfschiffs „Caroline“ auf dem Niagara.

Das Paketschiff „Hope“, welches Tampico am 14. Fe⸗ bruar verließ, hat uͤber eine Million Dollars von Mexiko nach England gebracht. Den mit demselben eingegangenen Nachrich⸗ ten zufolge, hatte der Mexikanische Kongreß sich genoͤthigt ge— sehen, die Regierung zu einer Anleihe von 8 Millionen Dol⸗ lars zu ermaͤchtigen. Es wurde uͤbrigens ein baldiger Mini— sterwechsel erwartet. In Veracruz herrschte einige Aufregung, weil sich das Geruͤcht dort verbreitet hatte, daß die Franzoͤsische Regierung unverzuͤglich ein Geschwader

dorthin senden wolle, um Befriedigung ihrer Forderungen an Mexiko zu erzwingen. Die Berichte aus den Bergwerken von Real del Monte lauten zufriedenstellend.

Die Times theilt Nachrichten aus Chili vom 29. De⸗ zember mit, denen zufolge man dort uͤber den Abschluß des Friedens⸗Traktates mit Peru immer noch sehr erbittert war. Die Generale Blanco und Irisari, die ihn abgeschlossen haben, wurden oͤffentlich fuͤr feige Verraͤther erklaͤrt, und man sprach von einer neuen Expedition gegen Peru, welche der Praͤsident Prieto selbst befehligen wollte. In Lima hegte man indeß, nach Berichten vom 4. Januar, sehr wenig Besorgniß vor einer solchen neuen Expedition und rechnete darauf, daß die Vermit⸗

Englands den Frieden erhalten werde.

Niederlande.

Aus dem Haag, 7. April. Der Prin und der Erbprinz sind von ihrer Reise nach hier wieder eingetroffen. 8

Folgendes ist eine Uebersicht der jetzigen Offiziere und Be— amten unserer Marine: Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Friedrich der Niederlande ist Admiral und General⸗Oberst; naͤchst diesem giebt es 3 Vice⸗Admiraͤle: Gobius, Ruysch und Wolterbeeck; 6 Contre⸗Admiraͤle: Twent, von Man, Ziervogel, Dibbelz, Lucas, Pool; sodann 18 Capitaine, 41 Capitain⸗Lieutenants, 84 Lieutenants erster Klasse, unter denen sich auch der Prinz Wilhelm Friedrich Heinrich befindet; 174 Lieutenants zweiter Klasse; 77 Fahnriche erster Klasse; 6 Ober⸗Chirurgen erster Klasse, 9 zweiter Klasse, 12 dritter Klasse; 13 Chirurgen zweiter Klasse, 17 dritter Klasse.

Nach einem Koͤnigl. Beschlusse vom 31. Maͤrz sollen die Beguͤnstigungen, die in dem am 3. Juni 1837 zwischen den Niederlanden und Preußen abgeschlossenen Traktate fuͤr die Preußischen Schiffe ausbedungen sind, auch auf die Schiffe der freien Stadt Frankfurt waͤhrend der ganzen Dauer des Vertrages ausgedehnt werden. 1 G

Es findet jetzt ein lebhafter Courierwechsel zwischen dem Haag und einigen Deutschen Hauptstaͤdten e“

Bruͤssel, 8. April. In Bezuͤg auf die obschwebenden Verhandlungen uͤber die Annahme der Artikel macht das

von Oranien ord⸗Braband

Antwerpener Journal du Commerce bemerklich, daß die

beiden Länder Holland und Belgien ihre Rollen jetzt verte 1

haͤtten. Jetzt sey es naͤmlich Holland, das zum definittvenz

dens⸗Abschlusse gencigt sey, waͤhrend dagegen Belgien, das

Einwilligung schon vor sechs Jahren ertheilt habe, mit „e male retraktire. Wenn man also fruͤher dem Koͤnige der! derlande den Vorwurf gemacht, daß er durch seine Stellan,

Europaͤischen Frieden bedrohe, so muͤsse sich dieser Vorwurf

gegen den Koͤnig der Belgier richten. Auch die Opposcta den Niederländischen Generalstaaten sey nunmehr, fuͤgt du nannte Blatt hinzu, entwaffnet und die Verant vortlichken bisher die Regierung im Haag uͤbernommen gehabt, ruße, ganz und gar auf den Machthabern in Bruͤssel. hj

Luͤttich, 8. April. In Tilff herrscht nech immer Aufregung. Die Missionsprediger, die sich auf die von zei wegen geschehenen Recherchen mit Reisepaͤssen, und zum Theil nach Aachen visirt, versehen hatten, sind san. wieder dort versammelt. Inzwischen ist unter den Landes eine Art von Nationalgarde zuͤsammengetreten, die sich sieg

lig erboten haben, dem Kommunalrathe in seinen Bemihens

zuͤr Aufrechthaltung der Ordnung beizustehen. In dem Bruͤsseler Blatte 1“&E mancipation hat s, Mitglied der Repraͤsentanten⸗Kammer, Herr Dechamp; Vertheidiger der Koͤniglichen Verfuͤgung erhoben, dure die Redemptoristen in Tilff wieder die ihnen vom Kengp Rathe verweigerten Befugnisse erhielten. Der Staat ster Graf Felix von Merode, der bekanntlich zu den der ultramontanen Partei gehoͤrt, entgegnet darauf, daß⸗

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sich die Kommunalraͤthe jetzt mancherlei anmaßten, dien Herrn Dechamps zu keiner Klage Anlaß geben sollte, nh selbst fruͤher das Kommunal-Gesetz eifrig gefoͤrdert hihe⸗ nun also selber den Vorwurf tragen muͤsse, daß sich emg liche Behoͤrde uͤber die geistliche asch in Angelegenheita, die jetzt besprochene, gestellt glaube

Der Buchdrucker Alberts in Sittard macht sich berete laͤngerer Zeit ein Geschaft daraus, aufruͤhrerische Schrin Deutscher Sprache zu drucken und sie auf heimlichen àe im Auslande zu verbreiten. Gegenwaͤrtig ist nun der gene Buchdruckerei⸗Besitzer in einige Verlegenheit gerathen, n ein Setzer desselben ihn verlassen und den groͤßten Thelf Korrespondenz, so wie der Manuskripte, mitgenommen hu wird die Besorgniß gehegt, deß durch diese Briefe und üe schriften mancher Helfershelfer des Herrn Atberts in une nehme Kollisionen gebracht werden moͤchte. Dem Indem dant zufolge, ist man in Sittard auch sehr aͤngstlich dare daß dieser im Limburgischen gelegene Ort, in Gemihen 24 Artikel, an Holland abgetreten werden wuͤrde.

Deutschland

Kassel, 9. April. Zu Deputirten der Stadt Kassel den heute Ober-Buͤrgermeister Schomburg mit Stimmen⸗ helligkeit und Buͤrgermeister Wippermann mit 20 gegen len gewaͤhlt. Stellvertreter sind Kommerzienrath Pfeiffer vyth mann Gundlach. Von den Staͤdten Rinteln ꝛc. 1c,78 Gieseler in Oldendorf zum Deputirten und Herr Reiscan Rinteln zum Stellvertreter erwaͤhlt. Die Wahlmum Stadt Marburg haben am 7ten d. M. den Ober⸗Gerts Wiederhold daselbst zum Abgeordneten, und den Oberde meister Volkmar zum Stellvertreter fuͤr den bevorfiü Landtag erwaͤhlt.

Bremen, 7. April. (Leipz. Allg. Ztg.) Das! nsers Staatshaushaltes vom vorigen Jahre hat folgemn

at geliefert: 536,077 Thlr. Einnahmen und 580,23 usgaben. Unter den Ausgaben sind die bedeutendsten: 67, r den Senat, 73,727 Thlr. fuͤr das Militair, 39, uͤr die Polizei⸗Anstalten. Die Zinsen unserer Staatsst. aufen sich jaͤhrlich auf 101,600 Thlr. Von den Eina ind bemerkenswerth: Die Grund⸗ und Erbesteuer mit 33,09% die Consumtionsabgabe mit 132,000 Thlr., der Aeccise und serzoll mit 110,690 Thlr., der Stempelauf Wechsel mit - Wb die Thorsperre mit 15,909 Thlr. und die Abgabe von znn tigallen mit 25 Thlr. Im vorigen Jahre wurden 38 hn hier als Buͤrger aufgenommen, darunter eine Judenfamite

um protestantischen Glauben uͤbertrat.

Muͤnchen, 8. April. (Bayer. Bl.) Gesten eine Deputation der in Augsburg errichteten Gesellsch⸗ mechanische Baumwoll⸗Spinnerei und Weberei die Ehke Maj. dem Koͤnige fuͤr die der Gruͤndung des bedeutendan blissements Allergnaͤdigst zu Theil gewordenen Begunfig den ehrfurchtsvollsten Dank des Vereins auszusprechen beiden Abgeordneten Großhaͤndler G. Heinzelmam Bankier Gustav v. Froelich sollen aus dem Mund, Maj. nur Worte des Wohlwollens, der Ermunterung unn⸗ reichster Anerkennung des Strebens der Gesellschaft d haben. Vorgestern Nachmittag traf die kleine Ortschen hanniskirchen, nordoͤstlich von Muͤnchen bei Voͤhring dc— das Ungluͤck, durch eine Feuersbrunst bei heftigem Stum⸗ mit Ausnahme der Kirche, fast gaͤnzlich in Asche erwanyeg werden.

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Karlsruhe, 9. April. Die hiesige Zeitunge nunmehr die von einem sehr ansehnlichen Verein zar Maͤnner ausgegangene Aufforderung zu Beitraͤgen fir 1 Andenken des verstorbenen Ministers Winter gewid mele⸗ des Monument. Unter denjenigen, die sich zur Emyfeamg von Beitraͤgen bereit erklaͤrt haben, bemerkt man amt Mittermaier aus Heidelberg, Duttlinger aus Freuch Beck aus Mannheim.

Oesterreich. Pesth, 3. April. Mit dem gestern hier eigetroffan 29. Maͤrz von Semlin abgegangenen Dampfboot „an sind hier eingetroffen: Rifat Bey, Kaiserl. Tuͤrk. Ge 8, Wiener Hofe, und Kiamil Pascha, Gesandter am Betln nebst zwei Gesandtschasts⸗Secretairen, einem Dolmetz Fic Derwisch, und 30 Personen Gefolge. Saͤmmtliche 1 sind in dem Gasthofe „zum Jaͤgerhorn“ abgestiegen d dem Vernehmen nach, einige Tage hier verweilen un ihre Reise nach Wien und Berlin fortsetzen.

It alien. Florenz, 1. April. Gestern weilte Ihre die Herzogin Louise von Sachsen an unserm Ho Hoͤchstdieselbe nach Lukka abgereist. In acht man Se. Koͤnigl. Hoheit den Prinzen Johann Unsere Residenz ist noch immer voll Fremder; Fane waren waͤhrend des diesjaͤhrigen Winters sehr bri ag Jg iel Aufsehen erregte in den letzten Tagen die

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Shawnee Town

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3 Herzegs von St. Leu mit einer Ijaͤhrigen Techter des Narquis Stiozzi; doch versichert man jetzt, daß der Oheim der Zerlobten dieser Verbindung bereits in den Weg getreren sey.

Neapel, 29. Maͤrz. (Allg. 3. Se. Maz. der Koͤnig ist neseen fruͤh um 6 Uhr mit dem Koͤniglichen Dampfscheff „Fer⸗ inando II.“ von Halermo hier wieder angekommen. In Pa⸗ emo war der Koͤnig aufs freudigste empfangen worden; es vurden bei seiner Ankunft die Pferde ausgespannt, und der zagen von dem durch die Stadt bis zum Palast ge⸗

ISꝛglr,

Soile

dge Das Geruͤcht, daß der Erzherzog Karl von Oesterreich bald ver erwartet werde, bestaͤtigt sich nicht, dagegen joll derselbe, ¹ geht wenigstens die Sage, in Begleitung Sr. Majestaͤt des Paisers nach der Kröͤnung in Mailand hieher kommen, um dem n Koͤnigspaar einen Besuch abzustatten.

Leider hoͤrt man noch immer von den frechsten Straßen⸗ jubereien. Die Witterung hat sich noch immer nicht ge⸗ hessert; kaum glaubt man sich des schoͤnen Wetters freuen zu ürfen, so fangt es gleich wieder an zu regnen. Man befuͤrch⸗

et sehr, 5

hohe

daß diese große Naͤsse den Saatfeldern schaden moͤchte.

Da uͤberdieß die Fruchispeicher im ganzen Koͤnigreiche nur spar⸗

im mit Vorraͤthen versehen sind, so wird eine große Theurung sstehen, wenn die Witterung sich nicht bessert. Die vergan⸗ ene Nacht hatten wir einen fuͤrchterlichen Sturm mit anhal⸗ enden Regenguͤssen gleich einem Wolkenbruch; der Wind rehte sich diesen Morgen nach Norden, und verursachte eine zlte, wie wir sie den ganzen Winter uͤber nicht gehabt haben; je Besorgnisse fuͤr die Campagna sind groß. Der Vesuv ist is unterhalb des Eremiten mit Schnee bedeckt.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

New⸗York, 10. Maͤrz. Ein Amerikanisches Blatt nthaͤlt Folgendes uͤber den Staat Illinois: „Kein Staat der nion bietet fuͤr die Anlage von Eisenbahnen und Kanaͤlen roͤzere natuͤrliche und oͤrtliche Vortheile dar, als Illinois. Die bichtigste Eisenbahn ist diejenige, welche durch die Mitte von Flmois geht und sehr passend das Ruͤckgrat des Staates ge⸗ annt wird. Sie beginnt bei Cairo, an der Vereinigung des Dhio und Mississippi, geht durch Vandalia, Shelbyville, De⸗ atur, Bloomington und setzt bei Peru uͤber den Illinois und Michigan; von da geht sie durch Savannah und endigt bei Galena. Ihre Länge betraͤgt uͤber 450 Englesche Meilen, und e fuͤhrt durch eines der schoͤnsten Ackerbau⸗Laͤnder in der Welt

den Bergwerks⸗Regionen im fernen Westen. Von dieser isenbahn sollen Seitenbahnen nach der am Mississippi gelege⸗ en Stadt St. Louis uͤber Belville, Alton, Quincy und Warshaw angelegt werden; ferner nach den Stadten Lafayette, Terre⸗Haute und Mount Carmel am Wabash, und nach am Ohio. Diese Seiten⸗Bahnen wer⸗ en fast alle bedeutenden Staͤdte beruͤhren und dieselben

it der Hauptbahn verbinden, die den Vortheil hat, daß sie

Zusammenfluß des Ohio und Mississippi beginnt, der zu al⸗ n Jahreszeiten fuͤr die groͤßten Boͤte und selbst fuͤr Schiffe on New⸗Hrleans zugaͤnglich ist. Bekanntlich sind der Ohio

d Mississippi oberhalb Cairo mehrere Monate lang im Win⸗ r gar nicht und im Sommer nur fuͤr kleine Boͤte schiffbar; der große Nutzen dieser Haupt⸗Eisenbahn ist daher, daß die Erzeugnisse des Staates Illinois in allen Jahreszeiten nach

Cairo transportirt und von dort nach New⸗Orleans verschifft verden koͤnnen; welches in keinem anderen westlichen Staate r Fall ist. Da nun die Ueberfahrt von jenem Punkte bis ew⸗Orleans nur vier Tage dauert, so kann der dortige Markt ts von Ilülinois mit Lebensmitteln und anderen Ausfuhr⸗Ar⸗ eln besser und wohlfeiler als von irgend einem anderen Orte as versorgt werden.“

Nachrichten aus der Hermitage zufolge, befindet sich der beneral Jackson jetzt außer Gefahr und ist bereits im Stande, s Bett zu verlassen.

Die Nachrichten aus Kanada reichen bis zum 28. Fe⸗ uar. Das Geruͤcht von der Pluͤnderung des Arsenals der Lereinigten Staaten in Elisabethtown im Staate New⸗York, der Nacht vom 25. Februar, bestaͤtigt sich. In einem chreiben des Arsenal⸗Inspektors an die Behoͤrden von Al— hnch werden 1000 Flinten mit Bajonetten, 26 Buͤchsen, 20 aar Pistolen, eine große Menge Tornister und Patronen als estohlen aufgefuͤhrt. In der vorhergehenden Nacht wurde das Henat. .ügta 6 von Neuem erbrochen und 100 Flinten bst 1 999 Pfund Pulver daraus entwendet. Aus Buffalo om 1. Maͤrz wird gemeldet, daß der General Scott am 25sten

8 W Mo woe im S Xi j s v. M. in Wonroe im Staate Michigan angekommen sey. Am 24sten Patten etwa 13 Patrioten eine kleine Insel im Detroit⸗Flusse

setzt, waren aber am naͤchsten Tage durch die Bretischen Bar⸗ rieen vertrieben worden und auf das Amerikanesche Ge⸗ * gesiohen, wo sie sofort von dem Brigade⸗Gene⸗ al Brady entwassnet wurden. Der General⸗ Adjutant an Rentßelaer's, Mac Leod, wird von den Amerikani⸗ hen Behoͤrden verfolgt. Es ergiebt sich jetzt daß, au⸗ er dem beabsichtigten Einfall in Ober, Kanada. 86 er Punkten aus, auch noch in Sandusky und an dunk;e an der Graͤnze von Michigan eine Demonstration zu bunsten der Mißvergnuͤgten in Kanada stattfinden sollte. Nüein zersuch dieser Art hat auch wirklich stattgefunden, ist aber miß⸗ ngen, bei welcher Gelegenheit 40 Insurgenten und 13 Ame⸗ kaner gefangen genommen wurden. Einem Schreiben aus Ga vom 1. Maͤrz zufolge, ist der Ex⸗Generalissimus der er-Kanadischen Insurgenten, van Renßelaer, am vorherge⸗

henden Tage daselbst verhaftet und ins Gefängniß gesetzt wor⸗

den. In Philadelphia ging das Geruͤcht, daß der General

Scott von einem seiner Soldaten erschossen worden sey; die Aaceichte a4 Fhüssalo vom 5. Maͤrz erwaͤhnen shar G W aus Johnstown im Staate New⸗ Feens hon dn Fe ruar meldet, daß Mackenzie, der mit van ee auf Navy⸗Jsland die Srsaersenan kom⸗ re 4 mit seiner Gattin daselbst befinde, und daß er Desoigen E Iuse sprechen wollte. Die . e n ur Lote, die mit 8 anadischen Rebellion gehoͤrten, EE114““ efaänglich in St. Albans eingebracht worden.

B 1“ t;. 13. April. Das Ministerium der geistlichen, Unter— 836 die B edeeet higelegengetten hatte unterm 31. October

karbeirung eijes neuen Hebammen⸗Lehrbuches zum Ge⸗

genstar ; 8 Ser. stande einer Preis⸗Bewerbung gemacht und eine besondere

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Kommisston zur Beurtheilung der eingehenden Schristen er⸗ nannt. Letztere sollten bis zum 30. Juni 1837 eingesandt wer⸗ den. Da indessen von mehreren Seiten ein weiteres Hinaus⸗ rüͤcken dieses Termins gewuͤnscht worden war, so wurde der⸗ selbe auf den 31. October 1837 verlegt. Es sind uͤberhaupt 31 Bewerber um den Preis aufgetreten. Nachdem die eingegan⸗ genen Entwuͤrfe von der erwaͤhnten Kommission auf das Ge⸗ naueste gepruͤft worden, hat dieselbe das mit dem Motto: „quae hene céisuünguit, bene obstetricat“’ versehene Manuscript einstim⸗ mig fuͤr das dem Zweck entsprechendste und in jeder Beziehung preiswuͤrdigste erklart. Bei Eroͤffnung des versiegelten Zettels ergab sich als Verfasser Herr Dr. Schmidt, Direktor der Krankenhaus⸗, Entbindungs⸗ und Hebammen⸗Lehr⸗Anstalt zu Paderborn, welchem demnach der ausgesetzte Preis von 100 Dukaten zuerkannt worden ist. Obgleich bei Eroͤffnung der Preisbewerbung kein Accessit bestimmt worden war, so hat das Ministerium dennoch, in Anerkennung des bei dieser Ge⸗ legenheit Seitens der Medizinal⸗-Personen bewiesenen ruͤhmli⸗ chen Strebens, der Abhandlung mit dem Motto: „In simplici salusn als derjenigen, die der gekroͤnten am naͤchsten steht, die groͤßere goldene Ehren⸗Medaille, und derjenigen mit dem Motto: .U! desint vires. tamen est laudanda voluntas“ die kleine gol⸗ dene Ehren⸗Medaille bewilligt, auch eine dritte mit dem Motto: „Omne nimium nocet“ durch eine ehrenvolle Erwaͤhnung aus⸗ gezeichnet. Die Verfasser dieser drei Abhandlungen haben sich jetzt daruͤber zu bestimmen, ob die, ihre Manuscripte begleiten⸗ den Zettel gleichfalls entstegelt und ihre Namen oͤffentlich be⸗ kannt gemacht werden sollen.

In der fuͤr die Provinz Sachsen bestimmten Straf⸗ und Besserungs⸗Anstalt zu Lichtenburg befanden sich am Schlusse des Jahres 1836 624 Strafgefangene. Im Laufe des vorigen Jahres wurden deren neu eingeliefert 504, mithin waren im verflossenen Jahre uͤberhaupt detinirt: 1128 Verbre⸗ cher. Entlassen wurden 434. Es befanden sich also am 1sten Januar 1838 in der Anstalt 691 Verbrecher, und zwar 518 moͤnnliche und 176 weibliche. Von den 434 Abgegangenen sind 17 als Auslaͤnder uͤber die Graͤnze gebracht worden, 352 nach ihren Bestimmungsorten zuruͤckgekehrt, 5 in andere An⸗ stalten abgeliefert und 109 begnadigt worden; die uͤbrigen 50 sind gestorben. Von den im Laufe des Jahres 1837 in der Anstalt uͤberhaupt befindlich gewesenen 1128 Verbrechern waren i9 zu lebenslaͤnglicher Zuchthausstrafe, 3 uͤber dreißig Jahre, 15 von zwanzig bis dreißig Jahren, 83 von zehn bis zwanzig Jahren, 112 von fuͤnf bis zehn Jahren, 174 von drei bis fuͤnf Jahren, 462 von einem bis drei Jahren, 178 unter einem Jahre, ös unter sechs Monaten verurtheilt und 14 vor Abfassung des Erkenntnisses eingeliefert. Unter den Gefangenen befanden sich 362 Ruͤckfaͤllige, von denen 160 zum zweiten, 108 zum dritten, 58 zum vierten, 18 zum fuͤnften, 8 zum sechsten, 4 zum siebenten, A zum achten und 2 zum neunten Male verurtheilt und eingeliefert waren. Die Hauptbeschaͤftigungen der 587 ar⸗ beitsfaͤhigen Personen, von denen 547 zum vollen und 40 zum halben Pensum beschaͤftigt waren, bestanden in Piqué⸗, Strumpf⸗ und Handschuh-Weberei, Baumwoll⸗Spinnerei, Wollkaͤmmerei und Kammgarn⸗Spinnerei. Der dadurch erzielte Verdienst be⸗ lief sich auf 18,430 Rthlr. Fuͤr Rechnung der Anstalt wurden uͤberdies verdient 2290 Rthlr., in Summa also 20,720 Rthlr. Die Ausgaben an Bekoͤstigung, Bekleidung und sonstigen Unkosten betrugen 32,382 Rthlr. Nach Abrechnung des obigen Verdien⸗ stes der Arbeitsfaͤhigen, jedoch mit Zurechnung der General⸗ Kosten, kommen mithin die Unterhaltungs⸗Kosten fuͤr jeden Verbrecher in der Anstalt durchschnittlich fuͤr das ganze Jahr auf 17 Rthlr. 9 Sgr. 31 37 Pf. zu stehen 8

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Chronik der Koͤniglichen Haupt⸗ und Residenz⸗ Stadt Berlin fuͤr das Jahr 1837. Bearbeitet von mehreren Gelehrten und Geschichtsfreunden, und her⸗ ausgegeben von George Gropius. Berlin bei George

öropius, 1838. gr. 4. Heft 2. Zwei Bogen Text und eine Lithographie. 10 Sgr.

Wir freuen uns, daß die Chronik von Berlin ihren guten Fort⸗ gang hat und in dem Eifer des Herausgebers, in der Theilnahme der Mitarbeiter und in der Gunst des Publikums ihre Dauer gesichert sicht, obgleich en Unternehmen der Art nur allmäͤlig tiefere Wurzel fassen und seinen Werih, namentlich auch für die Zufunft, immer mehr entwickeln kann. Von den Verfassern, die wir vom Januar⸗ Hefie ber kennen, sinden wir Einige auch im Februar mit sleißigen Auf ätzen wieder, z B. Herrn De. Bz. mit dem Gesundheitszustand und der Gesundheitepfl. ge. rige Nummer eine Gewerbe⸗Vereins verdankie, setzt die Rachrichten über unser Gewerbe⸗ wesen sort. Eben so siaden wir Herrn Hofrath Teichmann und Herrn Julins Curtins mit der fortgesetzten Geschichte des Königlichen und des Königsüädtischen Theaters wieder. Zum erstenmale berichtet Herr Prof. Dr. D. über Natarverhältnisse in Bezug auf Berlin und Um⸗ gegend; cin Uggenannter giebt emnen feriliufenden Hof⸗Kalender, und Herr Dr. Köpte handelt über Velks⸗ und gelehrte Schulen und über böbere Bildungs Anstallen. Dem Rekrolog des Ober⸗Land⸗ Forstmeisters Hartig ist das lirhographirte Brustbild des Verstorbenen beig fügt. Die letzte U berschrift dieses Heftes verdient gar sehr, ein stehender Artikel der Chrenik ven Berlin zu werden; möge der in derselben ausgesprochene menscheafreundliche Wunsch, zu welchem unsere ganze Stadt Ja und Amtu sagt, recht bald in Erfüllung gehen! P.

Verzeichniß

der Vorlesungen, welche auf der Koͤniglichen Thier⸗ arznei⸗Schule im bevorstehenden Sommer⸗Semester, vom 26. Aprilc. an gehalten werden.

1. Herr Prefessor Dr. med. Reckleben, Privat⸗Docent an der hiesigen Universität, wird Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitagas von 4— 5 Uhr Nachmttags über Pbvsiologie und an den⸗ jelben Tagen von 1—2 Uhr über allgemeine Pathologie und Therapte Vorlesungen halten.

8 2. Herr Professor Dr. med. Gurlt, mwird Montags, Dienstags, Donnerstags und Frcitags, Nachmittags von 2—3 Uhr, die Ratur⸗ Geschichte, als alleemrine Urbersicht und Eintheilung der gesammten organischen Ratur, lehren, an denselben Tagen, Vormittags von 9 10 Udr, die Botanik und von 10 11 Ubr die Phvsiologie vor⸗ tragen. Ferner macht derselde wöchentlich eine bo anische Exkursion

8 8 1

Herr Professor Schubarth, welchem die vo⸗ treff iche hsterische Uebersicht der Leistungen des

und leitet die Sectionen der in den Krankenställen der Schule gefal⸗ lenen Thiere. b

3. Herr Professor Dr. med. Hertwig, wird täg'ich des Vormit⸗ tags von 7— 10 und des Nachmittags von 4— 6 Uhr den prattischen Unterricht in den Pferde⸗Krankenställen erthoilen des Montazs, Dien⸗ stags, Donnerstags und Fretags, Rachmittags von 3 à Uhr, über den zweiten Theil der Cbirurgie und täglich von 11 12 Uhr Vor⸗ mittags über Arzneimittel⸗Lehre Vorlesungen halten.

4. Herr Apotheker und Lehrer Dr. philos. Erdmann bält Mon⸗ tags von 7—8 Uhr Morgens und Mittwochs und Sonnabends von 2— 3 Uhr Nachmittags über Pharmakologie und Formulare, und Dienstags, Donnerstags und Sonnabends von 5—6 Uhr Rachmittags über Pbysik Vorträge und Repetitionen. Außerdem leitet derselbe täglich die pharmaceutischen Arbeiten in der Schul⸗Apotheke.

5. Herr Kreis⸗Thierarzt und Rrpetitor Dr. philos. Spinola trägt,

täglich von 6—7 Uhr Morgens, den zweiten Thrit der speziellen Pa⸗ thologie und Therapie sämmtlicher Kraukheiten der Hausthiere vor, und hält Montags, Mitrwochs und Sonnabends, Nachmittags von 5—6 Uhr, Vorlesungen über Extertenr und Hufbeschlag des pferdes. Außerdem wird derselbe, mit Zuziehung einiger Eleven der Thitrarz⸗ nei⸗Schule, erkrankte Hausthiere, mit Ausnahme der Pferke und Hunde, sowohl in hiesiger Residenz, als im ganzen Teltowschen, Nic⸗ der⸗Barnimschen und Ost⸗Havelländischen Kreise, in den Ställen ihrer Besitzer auf Verlangen, thierärztlich behandein. 1

6. Herr Dr. philos. Störig, Professor ertraordinarius an der hiesigen Universität, wird Montags, Mittwochs und Freitags, Nach⸗ mittags von 3— à Uhr, über Züchtung, Diätetik und Krankheiten des Schafes, verbunden mit der Lehre über Wollkunde, lesen.

7. Herr Professor Bürde hält Dienstags, Mittwochs und Frei⸗ tags, von à— 5 Uhr Nachmittags, Vorträge über Proportionen der Theile des Pferdes und der damit verwandten Gegenstände.

8. Herr Kreis⸗Thierarzt und Repetitor Lichte wird 3mal wöchent⸗ lich, in noch zu bestimmenden Stunden, Repetitionen über aügemeine Pathologie und Therapie halten und den praktischen Unterricht über die Krankheiten der Hunde und kleineren Hausthiere täglich von 9 10 Uhr ertheilen.

9. Der Vorsteher der Schmieden, Herr T!

9

arzt Müller, wird

Thie die praktischen Uebungen in der Instructions⸗Schmiede täglich leiten.

Dies wird hierdurch mit dem Beifügen bekannt gemacht, daß, da fortan die Aufnahme neuer Eleven nur 1mal im Jahre und zwar u Michaclis stattfindet, zu dem bevorstehenden Sommer⸗Semester eine neuen Schüler recipirt werden können, wogegen hospitirenden Zuhörern die Tbeilnahme am Unterricht, gegen das übliche Honorar, nach wie vor frei steht.

Berlin, den 10. April 1838.

Königliches Kuratorium, Abtheilung für di arzneischul⸗Angelegenheiten.

Rust.

Auswärtige Börsen.

Amsterdam. 8. April. Niederl. wirkl. Schuld 547/16. 5 % do. 1015⁄18. Kanz-Bill. 25 ⁄¼3. Neue Anl. 193/16. Passive —.

Antwerpen, 7. April.

Passive —. Zinsl. 6. Neue Anl. 19,

Koͤnigliche Schauspiele.

Sonnabend, 14. April. Im Schauspielhause: Die Ge⸗ schwister, Schauspiel in 5 Abth., von E. Leutner.

Sonntag, 15. April. Im Opernhause: Die Jungfrau von Orleans, romantische Tragoͤdie in 5 Abth., von Schiller. (Fraͤulein Ch. v. Hagn wird in der Rolle der Johanna wieder auftreten.)

Im Schauspielhause: Franzoͤsische Vorstellung.

Montag, 16. April. Im Opernhause, zum erstenmale wie⸗ derholt: Des Falkners Braut, Oper in 3 Abth., von Wohl⸗ bruͤck. Musik von H. Marschner.

Im Schauspielhause: Emilia Galotti, Trauerspiel in 5 Abth., von Lessing. (Herr Seydelmann: Marinelli) In Potsdam: Die Schwaͤbin, Lustspiel in 1 Akt, Castelli. Hierauf, zum erstenmale: Bruno und Balcha

Lustspiel in 3 Abth., von Carl Blum. Koͤnigsstaͤdtisches Theater.

Sonnabend, 14. April. Des Stranders Tochter. spiel in 5 Aufz., frei nach Sheridan Knowles, ven Friedrich Treitschke. Die zur Handlung gehoͤrige Musik ist vom Kapell⸗ meister L. Schindelmeisser. (Herr L. Meyer, neu engagirtes Mitglied dieser Buͤhne: Robert, als Debuͤt.)

Sonntag, 15. April. Die Juͤdin. Oper in 4 Akten, nach dem Franzoͤsischen des Scribe, von Friederike Elmenreich Musik von Halevy. (Dlle. Hochfellner: Prinzessin Eudoxia)

Montag, 16. April. Der Vater der Debutantin. Poss in 4 Akten, nach Bayard, von B. A. Herrmann. Vorher Der Obrist von sechzehn Jahren. Lustsvpiel in 1 Akt, frei nach dem Franzoͤsischen, von B. A. Herrmann.

Dienstag, 17. April. Drei Tage aus dem Leben eines Spielers. Melodrama in 3 Akten, von L. Angely. (Neu ein⸗ studirt.) (Herr L. Meyer: Georges von Germany, als Debuͤt)

Markt⸗Preise vom Getraide.

Berlin, den 12. April 1838. 8 8 Zu Lande: Weizen 1 Rtblr. 25 Sgr.; Roggen 1 Rthlr. 12 Sgr., auch 1 Rthlr. 11 Sgr. 6 Pf; Hafer 1 Rthlr. 3 Sgr., auch 28 Sgr. 9 Pf. Eingegangen sind 13 Wispel. Zu Wasser: Werzen (weißer) 2 Rihlr. 10 Sgr., auch 2 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf. und 2 Rtblr. 2 Sgr. 6 Pf.; Roggen 1 Rthlr. auch 1 Rthlr. 11 Sgr. 11 Pf.; Hafer 26 Sgr. 3 Pf. Eingege sind 503 Wispel 2 Scheffel. Mittwoch, den 11. April 1838. Das Schock Stroh 6 Rtblr. 15 Sszr., auch 5 Rthblr. Centner Heu 1 Rthlr. 7 Sgr. 6 Pf⸗, auch 22 Sgr. 6 Pf. 8 Branntwein⸗Preise v„pom 6. bis 12. April 1838. Das Faß von 200 Quart, nach Tralles 54 pCt., nach Richter 40 pCt., gegen baare Zahlung und sofortige Adlieferung: Korn⸗ Branntwein 18 Rthlr., 1 wein 17 Rthlr., auch 15 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf. Kartoffel ⸗Preise. Der Scheffel Kartoffeln 17 Sgr. 6 Pf., auch 10 S

Redacteur 7⁴ Coktel.

Gedruckt bei A. W.

auch 17 Rihlr. 15 Sar.; Kartoffel⸗Brannte⸗ 3