1838 / 242 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

sie erst noch des Unterrichts beduͤrften, um von einem solchen Rechte einen weisen Gebrauch zu machen. Es wird daher vor allen Dingen die Einfuͤhrung eines allgemeinen von der Re⸗ gierung geleiteten Volksunterrichts⸗Systems, wie es in anderen Laͤndern bestehe, als naͤchstes Beduͤrfniß fuͤr das Land anem⸗ pfohlen. Das klingt nun Alles recht schoͤn; ob sich aber die niedrigen Volksklassen, wenn man sie in fortwaͤhrender Aufre⸗ gung zu erhalten sucht, damit begnuͤgen werden, daß man sie mit Belehrung abspeisen will, duͤrfte sehr die Frage seyn, und dieses Bedenken scheint denn auch dem anderen ministe⸗ riellen Blatte, dem „Globe“, vorgeschwebt zu haben, wenn er der „Chronicle“ auf ihre Bemerkungen uͤber die Unvollkom⸗ menheit der Reform⸗Bill antwortet: „Was Parteien bewir⸗ ken, hat sich zuletzt immer als unvollendet erwiesen, und wir hoffen, daß es stets so seyn wird, denn ein vollendetes Par⸗ teien⸗Werk waͤre der Ruin der Staaten. Die vollkommene Herrschaft einer Partei, und waͤre es auch die des Volkes, wuͤrde, unserer Ansicht nach, unendlich schlimmer seyn, als der setzige gemischte Zustand der Dinge. Die Macht der Aristo⸗ kratie zu stuͤrzen, war nie unser Zweck, und wir wuͤrden es sehr bedauern, wenn sie selbst ihren Sturz herbeifuͤhrte. Ein solcher Sturz wuͤrde auch die unter dem Volke herrschende Ehr⸗ erbietung vor anerkannten und bleibenden Autoritäaͤten zerstöͤ⸗ ren und eine Revolution verursachen, durch die noch Ande⸗

res als die Macht der Aristokratie zusammenstuͤrzen wuͤrde. Die Gewoͤhnung an Ehrfurcht unter den Volksmassen vernich⸗ ten, heißt, alle Regierung fuͤr eine Zeit lang unmoͤglich machen.“

Der Lord⸗Lieutenant von Irland hat am Montage eine

Reise durch einige der westlichen Grafschaften angetreten. Lord Morpeth, der Staats⸗Secretair fuͤr Irland, ist von hier nach Dublin abgereist, wo er drei bis vier Monate bleiben will.

O Connell hat am Sonntage Dublin verlassen und sich nach seinem Wohnsitz Darrynane⸗Abtei begeben; unterweges besucht

gerichtet hat, sagt er: „Zwei Dinge sind klar wie der Tag: erstens, do b 1 daß das jetzige Ministerium gern Irland nuͤtzlich seyn und ihm Kloͤstern allgemein, jedoch unter der Beschraͤnkung bewilligt seyn

Gerechtigkeit verschaffen moͤchte, wenn es nur koͤnnte; und zwei⸗ tens, daß die Tory⸗Faction im Unterhause so stark und im Oberhause so uͤbermaͤchtig ist, daß uns nicht die geringste Hoff⸗ nung bleibt, eine Verbesserung unserer Institutionen zu erlan⸗ gen oder uns auch nur das erhalten zu sehen, was wir schon erreicht haben, wenn sich die oͤffentliche Meinung nicht so laut und uͤberwaͤltigend kundgiebt, daß das Parlament gezwungen wird, Irland Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.“ 8 An die Stelle des verstorbenen General⸗Majors Archibald Campbell ist der General⸗Major Sir Edward Gibbs zum Gou⸗ verneur der Insel Jersey ernannt worden. 3 Vom Cap sind Zeitungen bis zum 21. Juni hier einge⸗ gangen. General Napier, der neue Gouverneur dieser Kolonie, war auf einer Rundreise durch den Distrikt von Grahamstown degriffen, wo große Unzufriedenheit zu herrschen scheint. In seinen Antworten auf die Adressen, in welchen uͤber den unbe⸗ schuͤtzten Zustand der Kaffern⸗Graͤnze und uͤber den Verfall von Handel und Ackerbau geklagt und die Annahme strengerer Maß⸗ regeln und eines anderen Kolonial⸗Systems als nothwendig dar⸗ gestellt wurde, außerte er sich etwas scharf; er finde, sagte er, das jetzige Verwaltungs⸗System besser, als das seines Vorgaͤngers, und da er im Begriff stehe, eine Inspections⸗Reise nach der Graͤnze zu unternehmen, so werde er sich selbst am besten davon uͤberzeugen köͤnnen, was dort Noth thue. Die Niederlage der Ansiedler zu Port⸗Natal durch die Zulas wird in den Cap⸗Zeitungen bestaͤ⸗ tigt; doch haben die Ersteren nur 530 Mann verloren und sind nicht, wie das Geruͤcht sagte, ganz von den Kaffern umringt und im Begriff, wieder von Port⸗Natal —— vielmehr glaubten sie sich jetzt gegen jeden ferneren Angriff von Seiten der gesichert und waren entschlossen, in jener Gegend zu bleiben. 1 Aus Singapore hat man Nachrichten vom 26. April, denen zufolge der dortige Markt mit Europaͤischen Waaren uͤber⸗ fuͤllt war, se daß diese schweren Absatz fanden. Die Fracht⸗ Preise waren sehr gestiegen, weil es an Schiffen fehlte.

18 Belgien. 8 Bruͤssel, 25. Aug. Die Belgischen Blaͤtter sind voll von Klagen uͤber dat schlechte Verwaltung der Eisenbahnen und

fuͤhren fast taäͤglich Belege dazu an; selbst der Koͤnig mußte vor⸗

gestern in Termonde zwei Stunden auf die Ankunft des Con⸗ vois warten. Der Commerce Belge faßt so ziemlich alle Beschwerden in folgenden Worten zusammen: „Die Verwal⸗ tung der Eisenbahnen durch den Staat leidet an sehr vielen Ge⸗ brechen; die Abfahrten muͤssen zuweilen um zwei oder drei Stun⸗ den verschoben werden, weil kein Material da ist, und auch auf den Stationen fehlt das noͤthige Wasser und die Brennmateria⸗ lien; Lokomotiven, welche nicht mehr von der Stelle koͤnnen, werden vor einen Wagenzug von 30 bis 35 Wagen gespannt. Die Fahrten geschehen mit solcher Langsamkeit, daß die unge⸗ duldigen Passagiere dem Wagenzuge zu Fuße folgen.

abgefertigt. eine Menge Personen versammelt, ohne daß die geringste An⸗ stalt zur Abfahrt gemacht wurde; als die Versammelten unge⸗ duldig wurden, sagte ein Beamter phlegmatisch zu ihnen: „„Wir haben weder Lokomotive noch Wagen.““ Man braucht jetzt eben so viel Zeit, um nach Antwerpen zu gelangen, als fruͤher mit den gewoͤhnlichen Fuhrwerken, d. h. einen ganzen Tag. Da⸗ bei kann man sich noch gluͤcklich preisen, wenn man nicht un⸗ ter freiem Himmel schlafen muß oder keinen weiteren Unfall erlebt.

8 In Antwerpen hat sich eine Gesellschaft gebildet, welche sich mit dem Haͤringsfange beschaͤftigen will; das Gesellschafts⸗ Kapital belaͤuft sich auf drei Millionen. 8 3

1 Deutschland. 8

Mähnchen, 23. Aug. (Hannov. Ztg.) Auf die drin⸗ genden ehrerbietigen Vorstellungen, zu welchen sich das prote⸗ stantische Ober⸗Konsistorium endlich veranlaßt fand, soll an alle Kreis⸗Behoͤrden der Befehl ergangen seyn, sich kuͤnftig bei ge⸗ mischten Ehen streng an die Constitution zu halten. In Hin⸗ sicht des Religions⸗Verhältnisses der Kinder aus gemischten Ehen gilt aber: „Wenn in einem gültigen Ehe⸗Vertrage zwi⸗ schen Aeltern, die verschiedenen Glaubens⸗Bekenntnissen zuge⸗ than sind, bestimmt worden ist, in wescher Religion die Kinder en werden sollen, so hat es hierbei sein Bewenden.“ Die

klatholrschen Geistlichen werden freilich Alles aufbieten, 78 daß die

ischen den Brautleuten zu erzielen,

Vertraͤge der karholischen Reltgion sollen erzogen werden;

dabei moͤchte bald ein Konflikt zwischen der geistlichen und weltlichen Macht eintreten: nach dem Breve des Papstes soll naͤmlich keine Einsegnung durch den katholischen Geistli⸗ chen stattfinden, wenn nicht vorher bestimmt worden ist, daß die Kinder katholisch werden; nach der Constitution aber soll solchen gemischten Ehen uͤberhaupt kein Hinderniß in den Weg gelegt werden, und die Einsegnung haͤtte also auf Verlangen sowohl von dem katholischen als dem evangelischen Pfarrer zu geschehen. Aber falls der katholische sie verweigerte, so liegt in der Constitution selbst das Mittel, sich der Gewalt der katholischen Kirche zu entziehen. Denn auf jenen oben an⸗ efuͤhrten Satz heißt es weiter: „Die Guͤltigkeit solcher Ehe⸗ Vertrage ist sowohl in Ruͤcksicht ihrer Form als der Zeit der Errichtung lediglich nach den buͤrgerlichen Sees zu beur⸗ theilen.“ Es kann also nach der Natur der Vertraͤge mit Uebereinstimmung der beiden Ehegatten gar wohl geschehen, daß man vor der Trauung bestimmt und vielleicht wirklich ge⸗ sinnt ist, die Erziehung der Kinder nach katholischer Weise zu besorgen, in der Folge aber davon abgeht und sie protestantisch erziehen laͤßt. Denn der Schluß des ersten Satzes „so hat es dabei sein Bewenden“ heißt nichts anders, als daß bei solchen bestehenden Vertraͤgen die sonst uͤbliche Weise und anderen Ge⸗ setze nicht wirksam eintreten; wie denn ein weiterer Paragraph sagt: „Sind keine Ehepakten oder sonstige Vertraͤge hieruͤber

errichtet, oder ist in jenem uͤber die religioͤse Erziehung der Kin⸗ . rrich gen zu entsetzen und tbeils zu verbannen, meine vom apostollschen

r ni verordnet worden, se gen die Soͤhne der Religion anen, der nichts verordnet worden, so folgen di hn Religion Stuhl aufgetragene Bisthums⸗Administratkon als aufgehoben jun

des Vaters; die Toͤchter werden in dem Glaubens⸗Bekenntnisse

der Mutter erzogen.“ Daß aber die katholische Geistlichkeit jenes: „so hat es dabei sein Bewenden“ so angesehen wissen will, als koͤnnte dadurch der geschlossene Vertrag gar nicht mehr abgeaͤndert werden, ist bei den katholisch⸗kirchlichen Bestrebungen unserer Zeit natuͤrlich.

ster Allergnaͤdigst zu beschließen geruht, daß auf so lange, als Allerhoͤchstdieselben nicht anders verfuͤgen, die aus dem Armen⸗

soll, daß sich diese Befreiung nicht auf die Verwaltung des den betreffenden Orden theils als Sustentations⸗, theils als Bau⸗

ken habe.

kommen, und sich nach kurzem Verweilen nach Friedrichshafen

begeben, von wo er schon am 31. August in Augsburg eintref⸗

auordnet, nicht minder für die Katholischen gemeinsam gelten, in Sa⸗ chen aber, die Religion und Kirchliches betreffen, steht der Katheiik ausschlußweise nur unter seiner Kirche und ihrer Regierung, und kann in geistlichen Dingen nur diese als gesetzlich ansehen und aner⸗

fen wird. An demselben Tage wird Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz von Preußen in Augsburg eintreffen, um mehrere Tage mit dem Kaiser daselbst zu verweilen. So wird also das dortige Feldlager gleich im Beginn durch die Gegenwart Hoͤch⸗ ster Gaͤste verherrlicht. land wird am 1. September in Hohenschwangau ankommen.

Ihre Majestaͤt die Kaiserin⸗Mutter von Oesterreich hat heute Mittag unsere Stadt verlassen.

Das schon vorgestern hier verbreitete Geruͤcht, der Groß⸗ fuͤrst⸗Thronfolger sey inkognito hier durch nach Kreuth gereist, war gaͤnzlich ungegruͤndet.

Der Graf von Orloff hat von Sr. Majestaͤt dem Koöͤnig lischen aus Rechts⸗Gefühl, Friedens⸗ und Ordnungsliebe für billig,

den St. Hubertus⸗Orden, Graf von Adlerberg und Herr von Severin das Großkreuz des Civil⸗Verdienst⸗Ordens, und der

Fluͤgel⸗Adjutant, Fuͤrst von Wrede, das Commandeur⸗Kreuz des St. Michael⸗Ordens erhalten. Se. Majestaͤt der Kaiser Ni⸗

kolaus hat dem Koͤnigl. Bayerischen Gesandten am Russischen Hofe, Grafen von Lerchenfeld⸗Kbfering den St. Annen⸗Orden ister Klasse in Diamanten ertheilt.

Leipzig, 29. 988 Nach der 9ten Lieferung der Mittheilungen des statistischen Vereins fuͤr das Koͤnigreich Sach⸗

gab es im Jahre 1836 im Koͤnigreiche Sachsen 4407 Brannt⸗

weinbrennereien, wovon 2703 ungangbar waren, die gangbaren aber unter Anderem 138,803 Scheffel Koͤrner und 478,557 Schef⸗ Die in demselben Jahre bestehen⸗ hbarrt. Cbur, den 24. Juli 1838.

mer Bier, wovon, die Bevoͤlkerung des Koͤnigreichs im Jahre Administrator.“ 8

1833 zu 1,637,027 angeschlagen, nach ungefaͤhrer Berechnung

fel Kartoffeln verbrauchten. den 929 Brauereien lieferten das gedachte Jahr 1,563,755 Ei⸗

auf jedes erwachsene Individuum an 102 Kannen Bier kommen. Der gesammte jaͤhrliche Fleisch⸗Verbrauch ist auf 59,734,768 Pfund angegeben, und der groͤßte im Leipziger Steuer⸗Amts⸗

Bezirke, wo auf einen Kopf 83 Pfund, und der geringste im Bezirke Marienberg, wo 19 Pfund auf einen Kopf gekommen

ind. Der Verein, welcher sich unter dem Namen: Leipziger Asphalt⸗Compagnie gebildet hat, macht bekannt, daß die ein⸗ gereichten Statuten unterm 23. August d. J. beim Ministerium des Innern Genehmigung erhalten haben. Die Zeichnung der Actien, auf welche die Gesellschaft sich gruͤndet, findet nicht ohne Theilnahme statt.

Die Personen⸗Frequenz auf der Eisenbahn hier und in

Wenn Dresden bleibt sich ziemlich gleich; die oͤffentlichen Berichte dar⸗ man sich uͤber Verzoͤgerungen beklagt oder eine Lokomotive als 1 8 88 22 . z unbrauchbar bezeichnet, so wird man von den Beamten schnoͤde in Dresden auf 9085, in der Zeit vom 20. bis zum 26. Auguf orgestern waren auf der Station von Bruͤssel

uͤber geben den Personen⸗Transport hier auf 5013 9-

an. Die Arbeiten beim Zschoͤllau⸗Thale sind vollendet, und man hofft nicht ohne Grund, daß vom 15. September an von hier bis nahe an Luppe, und auch in Dresden nahe an Oberau die Bahn fahrbar seyn werde.

Auf den 5. September ist die erste konstituirende General⸗ Versammlung der Actionairs der Bank ausgeschrieben, und soll darin hauptsäͤchlich nach §. 50. der Statuten zur Wahl von 20 Actioaairs als Ausschuß⸗Mitgliedern s werden, von welchen nach §. 55. die verwaltenden Direktoren zu waͤhlen sind. Es versteht sich, daß in der General⸗Versammlung nur legitimirte Actionairs stimmberechtigt seyn koͤnnen.

Ungeachtet der bald nassen, bald kalten Witterung haben wir keine Ursache uͤber den Gesundheits⸗Zustand in der Stadt

und Umgegend zu klagen, obschon die im Sommer ziemlich um sich greifende Maser⸗Krankheit uns nicht ganz verlassen zu ha⸗ ben scheint.

bis 27. August 24 gestorben und 23 geboren worden.

Nach den letzten Listen sind in der Zeit vom 18.

Schweiz.

Schweizer Blätter theilen die Petition mit, welche der Bischof von Chur und St. Gallen, Johann Georg Bossi, un⸗ term 24. Juli zu Gunsten der Glarner Katholiken an die Tag⸗ satzung gerichtet hat. Sie lautet also:

„Excellenz, Herr Bundes⸗Präsident! Tit. Herrn Ehren⸗Ge⸗ sandten der hohen eidgenössischen Tagsatzung! Unterzeichneter, als derzeitig vom apostolischen Stuhle gefetzter Bischof und Verwalter für katholisch Glarus, sindet bei den äußersten Bedrängnissen, welche all⸗ gemein bekannter Dingen der kleine katholische Volkstheil alldort, seine Geistlichkeit und Religion seit einiger Zeit zu erleiden hatte, sich

Ihre Majestaͤt die Kaiserin von Ruß⸗

und um hohen d..

rantie und Sicherheit gegen ähnliche künftige Kränkungen ansuchen

muß, und selben getrost und um so zuversichtlicher erwarten, je über⸗

Pugter man ist, daß nicht nur die hohen katholischen Mitstände und -

zu folgender Vorstellung veranlaßt und gedrungen. Es ist bekannt, daß bei Einführung einer neuen Verfassung im Kanton Glarus auch die katholische Geistlichkeit zur Beschwörung und Beobachtung dersel⸗ ben aufgefordert wurde, die sich denn auch dazu und für alles will⸗ fährig erbot, nur allein die „Religion, ihre kirchliche Einrichtung und Gesetze“ sich vorbehaltend, weil es mir der Papst, als oberster Rel⸗ gions⸗ und Kirchen⸗Vorsteher, ausdrücklich und wiederholt befohlen hatte. Weiters bestand dort eine sogenannte Raͤfelser Fahrtfeier alz ein Dankfest für erhaltenen Sieg und Freibeit, welche die Katholiken ehemals gemeinsam, nach der Reformation aber gesondert, nach katbolischem Ritus begingen. Da nun dafür eine gemeinschaftliche. katholische und reformirte vermischte religiöse Feier, und zum Thell mit unkatholischen Formen, in dieser neuesten Epoche aufgedrungen werden wollte, hat die katholische Geistlichkeit geglaubt, nicht Anthen nehmen zu können, und sich dabei nicht eingefunden, und dies nur darum, weil zwischeu getrennten Religious⸗Parteien ein gemeinschaft⸗ licher Gottesdienst, als erste und vorzüglichste Auszeichnung der Re⸗ ligion, schon m sich widersinnig, den Katboliken von ihrer Religton und Kirchen⸗Oberen, und somit in ihrem Gewissen verboten war. Dies sind die zwei Gegenstände, deren ersterer die Religion felbst, der andere die vorzüglichste Uebung derselben betrifft, woriu die ka. tholische Geistlichkeit getreu, und ihrer Pflicht und Gewissen gemäs handelt. Nun aber sah die Glarner Kantons⸗Regierung (die dee katholischen Religion Unverletzbarkeit in ihrer Verfassung zusichen, erwähnten doppelten Gehorsam der katholischen Geistlichkeit für Ver⸗

brechen und hinlänglichen Grund an, gegen selbe kriminalisch zu ver⸗ fahren; sämmtliche rechtmäßige Pfarrer und Seelenhbirten ohne alle

andere Schuld ihrer seelsorglichen Aemter und geistlichen Verrichton⸗

erklären, und von Stunde an den Katholiken, Priestern und Laten, alle Einigung, Korrespondenz und Gemeinschast mit mir, als kirchlich unmittelbaren Obern (die dem Katholizismus wesentlich ist), unter Androhung schwerster Strafen zu ree esa Dies Alles

ist öffentlich und allgemein bekannt, und eine weitläufige Darstellung

und Beurkundung überflüssig. Aber eben so wenig bedarf es Hoch⸗

Muͤnchen, 26. Aug. Se. Koͤnigl. Majestaͤt haben in Be⸗ dero erleuchteten Einsicht mu Mebrerem anschaulich zu machen, welch

er das Trappisten⸗Kloster von Mount Melleray und die Stadt treff der Stempelfreiheit der Kapuziner⸗ und Franziskaner⸗Kloͤ’⸗

Cork, an welchem letzteren Ort er einer oͤffentlichen Versammlung in der Handels⸗Kammer beiwohnen wird. In einem Schreiben, welches er vor seiner Abreise von Dublin an einen Freund in Cork

hohes Unrecht der garantirten katholischen Religion und ihren recht⸗ mäßigen Vorstehern und Glaubensgenossen durch erwähnte Maßnah⸗ men angethan worden, und was nach solchen Beispielen und stürmi⸗

5 8 hc n 1 di ( 9 ü⸗ rechte flàießende Stempel⸗Befreiung nicht bloß den einzelnen Or, schen Gewaltthaten, welche aufzuhalten oder zu mäßigen alle Bemü dens⸗Mitgliedern, sondern den Franziskaner⸗ und Kapuziner⸗ sind) unbeachtet und erfolglos blieben, die katholische Religion in Zukunft zu erwarten haben dürste, wenn die nene Verfassung, die so manches auf das Religionswesen Bezügliches, für Katholiken Un⸗

Fonds gewidmeten Kultus⸗Stiftungs⸗Vermögens zu erstrek⸗ aunchmbares theils schon enthält, theils nach ihrem Vorbehalt künf⸗ Se. Majestaͤt der Kaiser Nikolaus wird morgen hier an⸗ leichem Schritte, wie in obigen Belspielen geschab, in Böl⸗

bungen und Gegenvorstellungen sowohl des unterzeichneten Bisthums⸗ Verwesers als auch der Päpstlichen Nunciatur (die öffentlich bekannt

auch hierin unbedingt und in

angeordnet werden möchte, zug gebracht werden wollte. Die neue Verfassung mag al⸗ lerdings für die Evangelischen im Ganzen als Gesetz un⸗

bedingt bestehen, und soweit sie nur Politisches oder Bürgerliches

kennen. Aus dem kurz Angebrachten und sonst Bekannten wird die bohe Tagsatzung unschwer ermessen, wie gerecht und nothgedrun⸗

gen das katholische Volk in Glarus, und für und mit selbem der Uu⸗

terzeichnete, derzeitige Religions⸗Vorsteher, an Hochselbe sich wende, chutz und Abhülfe des Gegenwärtigen, so wie Ga⸗

aubensgenossen, sondern im Einklang mit selben anch die Evange⸗

gerecht und nothwendig finden werden, dem dringlichen Verlangen zu willfahren und festzusetzen:7— 1) Daß den katholischen Glarnern ihre Religions⸗ und Gewiffeus⸗Freiheit nach Ordnung der fatholischen

Kirche unverletzt und ungekränkt gelassen, und vermöge der eidlich beschworenen Bundes⸗Verfassung garantirt bleibe und gehandhabt werde. 2) Daß daher die neue Kantons⸗Verfassung (übrigens bei⸗

den Confessions⸗Theilen gemein), insoweit sie jetzt der katholischen Re⸗ ligion und Gesetzen ihrer Kirche Widriges enthalte, oder künftig ent⸗ halten könnte, für den katholischen Theil keine Anwendung haben, noch ihnen zugemuthet werden solle oder könne. 3) Daß das ge⸗

sen, welche zum Theil interessante statistische Notizen enthaͤlt, schehene religionsstürmische, widerrechtlichste Verfahren in Absetzung

und Verbannung schuldloser, rechtmäßiger Seelsorger, eigenmächtiger Abschaffung und Verbot des Bandes, und wechselseitigen kirchlichen Verkehrs mit den vorgesetzten Kirchen⸗Obern ꝛc, mißbilligt und auf⸗ gehoben werde. Dies ist, was Unterzeichneter angelegentlichst em⸗ pfiehlt, und zutrauensvoll erwartend mit unbegränzter Hochachtung be⸗ Johaun Georg, Bischof und

Spanien.

Madrid, 18. Aug. Es heißt, daß gestern Abend hier Depeschen des General Espartero eingegangen seyen, welche sehr versoͤhnlicher Natur seyn sollen. Derselbe soll entschlossen seyn, das Ober⸗Kommando der Nord⸗Armee fortzufuͤhren, ohne die Ausstoßung eines Theils des Ministeriums zur Bedingung zu machen. Er fordert dagegen, daß man ihm Geld sende, damit er die Operationen gegen Estella fortsetzen koͤnne. Der Ge⸗ schaͤftsfuͤhrer des Hauses Rothschild ist gestern aus dem Bade von Saint⸗Sauveur hier angelangt, und es war sogar das Ge⸗ ruͤcht verbreitet, daß dieses Handlungshaus sich erboten habe, 50 Millionen Realen vorlaͤufig vorzustrecken, bis die Anleihe abgeschlossen sey.

Die Hof⸗Zeitung enthaͤlt ein Verzeichniß von Befoͤrde⸗ rungen und Ordens⸗Verleihungen in der Armee, welche auf den Vorschlag des General Espartero nach der Einnahme von Pena⸗ cerrada erfolgt sind.

Spanische Graͤnze. Die Einnahme Morella's durch die Truppen der Koͤnigin scheint denn doch noch nicht so ganz außer allem Zweifel zu seyn, denn nach einer Korrespondeng aus Saragossa vom 20. August, die auf der Aussage eines Bauern aus der Umgegend von Morella beruht, waͤre dieser Platz nur halb zerstoͤrt, und eine zweite Mauer haͤtte die Fort⸗ schritte der Angreifenden aufgehalten und dieselben gezwungen, sich zuruͤckzuziehen. Da noch keine Depeschen von den Gene⸗ ralen Oraa und San⸗Miguel eingegangen waren, so laͤßt sich hieruͤber nichts Bestimmtes sagen. 8

Die gestern ausgesprochene Vermuthung, daß der General O'Donnell die Linien von Andoain 1es grechen habe, hat sich als unbegruͤndet erwiesen.

Die letzten Briefe aus den Baskischen Provinzen und Na⸗ varra vom 19. August enthalten nichts Neues; dieselben erwaͤh⸗ nen keines Umstandes, aus welchem man auf einen baldigen Angriff des Generals Espartero haͤtte schließen koͤnnen. Don Carlos hatte Onate noch nicht verlassen, und Maroto stand noch immer in Dicastillo.

Aus Sellent wird vom 8. August gemeldet, daß die Un⸗ zufriedenheit und die Desertion in den Reihen der Karlisten immer weiter um sich greifen. Unter den Befehlshabern soll große Uneinigkeit herrschen und Segarra um seine Entlassung gebeten haben.

Der Baron von Meer ist mit einem aus 450 Mauleseln bestehenden Convoi, das ihm Lebensmittel und Kriegs⸗Beduürf⸗ nisse zufuͤhrte, und das ihm aus Barcelona entgegengeschickt

war, glücklich in Solsona eingetroffen. mit einer Division aus Tarragona, welche anfangs die Ueber⸗ gaͤnge des Ebro vertheidigen sollte. uad.

I zLe⸗ ha Inland.

IiI mmmenn Duͤfseldorf, 27. Aug. Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz riedrich kamen gestern Abend auf dem Dampfschäff der Ge⸗ fellschaft fuͤr den Nieder⸗ und Mittel⸗Rhein „die Kronprinzessin von Preußen“ vom Ober⸗Rhein wieder hierher zuruͤck und wurden von dem am Ufer zahlreich versammelten Publikum mit großem Jubel empfangen.

Glogau, 25. Aug. Heute traf Se. Excellenz der Gene⸗ ral⸗Lieutenant Aster hiersellst ein, und wird seine Reise zur Inspection der Festungen von hier weiter fortsetzen.

Liegnitz, 27. Aug. Die 25jaͤhrige Feier der Schlacht an der Katzbach. Diese wurde gestern zunaͤchst bei dem unweit Christianshoͤhe errichteten Monument durch Gesang der Schuljugend und durch eine erhebende Rede des Pastor Weißenborn begangen. In Eichholz und an mehreren dem Schlachtfelde naͤher gelegenen Orten wurde das Gedaͤcht⸗ niß des Tages in geselligen Vereinen gefeiert.

Berlin, 25. Aug. Arbeitshaus. In das hiesige

Arbeitshaus, in welchem sich Ende 1836 den, wurden 1837 eingeliefert 124 Hospitaliten,

9041 Personen befan⸗

1889 Polizei Arrestaten, Vettler, Obdachlose,

1052 ruückfaͤllige Polizei⸗Arrestaten und Bettler, 44 Kriminal⸗Gefangene.

II3 Davon gingen in demselben Jahre ab: 327 zum Stadvoigtei und Kriminal⸗Arrest, 1576 der Armen⸗Direction uͤberwiesen, 205 zur Charité, v164 307 entlassene Obdachlse,“ 140 gestorben, . 381 selbst ausgetreten, 16 zum neuen Hospital, 57 ins Waisenhaus oder in die Erziehungs⸗Anstalt oder an⸗ derweitig untergebrachte Kinder, 33 an auswaͤrtige Behoͤrden abgeliefert. ——

3116 1 Nach Koͤpfen und Tagen befanden sich 1837 319,623 Personen, ungefaͤhr 875 täglich, und weniger also als im Vorjahr, von denen 319,258 mit dem alle Ausgaben der Anstalt umfassenden Aufwand von 41,661 Rthlr. verpflegt wurden. Die Verpflegungskosten betrugen also taͤglich 3 Sgr. 11 Pf. (nach 10sähriger Fraction 4 Sgr. 2 Pf.) fuͤr den Kopf, nach Abzug des Extra⸗Verdienstes und der Einnahme aber 2 Sgr. 7 Pf., die bloße Speisung 1 Sgr. 6 ½ Pf. Die geringere Durch⸗ schnittezahl der Haͤuslinge im Jahre 1837 (875) gegen die von 1836 (903) rͤhrt hauptsaͤchlich von der Cholera her, waͤhrend welcher nur die dringendsten Verhaftungen und Einlieferungen in die Anstalt stattfanden, von der Cholera selbst wurden aber nur 27 Haͤuslinge weggerafft. Die entlassenen 66 obdachlosen Familien, aus 307 Köͤpfen bestehend, wurden fuͤr Rechnung der Armen⸗Kasse bei ihrem Abgang größtentheils

I“

nterstuͤtzung. Von den eingelieferten Personen, außer kamen zur An⸗ 109 dreimal, 0 vier⸗ wurden 344 eingebracht. 1 im Durch⸗ ganz arbeitsunfaͤhige Personen, die an gefährlichen und an⸗ gesandt b Haͤus⸗ schwereren Arbeiten, e Korbmacherei und die An⸗ n Kr. in Papier⸗Beklerdung hinzugekom⸗ er Arbeits⸗Verdienst betrug 9865 Rthlr., der Zuschuß

liefert auch den Brodbedarf des

sungs- und Schuldgefangen⸗Anstalt und verback 1 1 8 I Mehl taͤglich. armbrunn, 25. Aug. Nahrungszweige im Schlesischen Gebirge. Eine e von hier in der Schlesischen Zeitung sagt daruͤber Folgendes: Der dieser Tage in Hirschberg abgehaltene große Jahrmarkt duͤrfte als Beweis gelten, wie sehr der Gebirgs⸗Verkehr gegen fruͤhere Zeiten zuruͤcksteht. Das ist nun einmal das Loos aller Indu⸗ strieen, die vom auslaͤndischen Absatz leben. Sie schaffen eine sgec, aber nicht sichere Lage. eim ersten Handels⸗Um⸗ chwunge versiegen die bisher reichlich geflossenen Nahrungs⸗ Quellen und nicht so leicht finden sich neue an deren Stelle ein. Abgeschmackt sind die Ansichten, die in einigen Blaͤttern üͤber die Gebirgsnoth laut geworden sind; hier wollte einer alles Uebel aus der Branntwein⸗Flasche ableiten und alles Heil von der Bibel, ungeachtet die von Seume belobte Redlich keit noch in dem Grade hier herrscht, daß man bei offenen Thuͤren sicher schlͤft; dort wollte einer die Maschinen anklagen, die doch wie z. B. die Eichberger, allein Arbeit geben, und ein dritter forderte von der Regierung, daß sie die fremden Staaten zur Ab⸗ Uüme Schlesischer Leinwand bringe, als haͤtte Preußen eine große Fige ümd koͤnne die Transatlantischen Staaten Bearbeiten Leich wie England,! Der Wandel im Handel gehört zu den Gn Noth wendigcelzon: schlimm, wenn man nicht darauf ge⸗ 8n ist, noch schlimmer, wenn man sich nicht klug darein schickt! kein Mittel laͤßt sich die Weberei wieder auf den fruͤhe⸗ vn Erandpuner Fecggen, von welchem sie durch die Baum⸗ ac e und durch Englisch⸗Niederländische Flachs⸗Bereitung in tster Instanz gestuͤrzt wurde. Man muß nun allmaͤlig zu den nischüsten uͤbergehen, welche sonst im Gebirge noch moͤglich 8 Ackerbau wird und kann nicht obenanstehen; wo 3 4 damn die beste Aerndte, da ist der Ackerboden kein goldener * 9. Am liebsten ergiebt sich die Bevoͤlkerung, wie es scheint, 1n efriedigung jener voruͤbergehenden Beduͤrfnisse, welche die ebirge gastirenden Kranken und Lust⸗Reisenden mittbrin⸗ bn. Fehen. aller Art, Versorgung der Consumtion, ewreh chaften und dergleichen gewinnen an Ausdehnung, 8 bieten die Gasthoͤfe, so wie die Reise⸗Gelegenheiten noch V nicht so befriedigende Bequemlichkeit dar, wie zu wuͤn⸗ G 8 waͤre, und darin und in der Unbekanntschaft mit den hie⸗ 8 Gebirgs⸗Schoͤnheiten mag es liegen, daß so wenig Aus⸗ 82 eunfer den Lust⸗Reisenden gesfunden werden. Wielleicht vach assmalerische Deutschland, wozu anfaͤnglich Rau⸗ „nachher auch Herloßsohn die Beschreibung Schlesiens

Derseibe verstärkte sich

in der Anstalt

bmee äle, 414 andere Entlassene erhielten aus der Anstalt 8 e thlr. 6 ö8 obdachlosen Familien mit 318 Köͤpfen, stalt 1197 einmal, 330 zweimal, mal, 8 sehennat; - Bettelns Im Hospital des Arbeitshauses befanden sich schnitt taͤglich 242 großentheils 89 im Lazareth, ausschließlich derer, steckenden Krankheiten leirden und sofort zur Charité werden, durchschnittlich taͤglich 33, also etwa 4 pCt. der linge. Zu den mancherlei leichteren und womit sie beschaͤftigt werden, ist die fertigung von Kreidestiften in fir die Ans uͤr die Anstalt aus der Haupt⸗Armenkasse 26,000 IJC Feagre des Arbeitshauses 8 ¹ euen Hospitals, des Großen Friedrichs⸗Waisenhauses, der Stadtvoigtey, der .520 Charité, der esh gar

uͤbernommen hat, dem letzteren Mangel abhelfen. Fuͤr die Fre⸗ quenz der Schlesischen Baäͤder aber, in denen die Zahl der rei⸗ cheren Badegaͤste sehr im Abnehmen ist, koͤnnen die Preußischen Aerzte selbst das Beste thun, wenn sie in ihren Anempfehlun⸗ gen weniger das Weite suchen.

Neiße, 28. Aug. Ober⸗Hospital. Mit Geneh⸗ migung des Fuͤrst⸗Bischofs von Breslau sind bei dieser Anstalt, da es die Fonds derselben gestatten, 6 neue Kinderstellen ge⸗ gruͤndet und die Zahl der Betten in der Kranken⸗Anstalt durch 16 neue bis auf 40 vermehrt worden.

Koblenz, 24. Aug. Dampfschifffahrt. Gestern Nachmittag trafen die beiden niedlichen Dampfschiffe „Ville de Straßbourg“ und „Ville de Baͤle“ von Koͤln hier ein. Die

Schiffe, aus der Werkstaͤtte der Herren Jacobi Haniel und

Huyssen in Starkrade bei Ruhrort (Staats⸗Zeitung Nr. 226), sind ganz von Cisen mit Maschinen von 35 Pferdekraft und

27/ 2 Tiefgang, bestimmt, den Dienst zwischen StraßHburg und

Basel wahrzunehmen, wodurch, in Verbindung mit den Koͤlner

und Rotterdamer Gesellschaften, die Dampfschifffahrt von Lon⸗ don bis Basel ausgedehnt wird. Die Unternehmer fuͤr die Fahrt zwischen Straßburg und Basel sind Renouard de Bus⸗ sere, Gebruͤder Oswald und Compagnie in Basel. Die beiden Schiffe sollen mittelst Dampf bloß zu Thal fahren; wegen der stauken Stroͤmung des Rheines werden bei der Bergfahrt, welche durch den Kanal fuͤhrt, Raͤder und Schornsteine abge⸗ nommen und der Dienst mittelst Relais vollfuͤhrt. Obgleich die Schiffe sehr flach gehen, erlaubte es der niedere Wasserstand nicht, einen Versuch auf der Mosel zu machen. Evangeli⸗ sche General⸗Synode. Am 2sten d. M. wird die evan⸗ gelische Geistlichkeit unserer Provinz hier eine General⸗Synode abhalten, zu der sich die Superintendenten und ein Geistlicher aus jeder Superintendentur, im Ganzen 83 Personen, versam⸗ meln werden. Als Koͤnigl. Kommissarius wohnt der General⸗ Superintendent fuͤr Rheinland und Westphalen, Roß, der Ver⸗ sommdaes bei.

oblenz, 27. Aug. Vermischte Nachrichten. Die Rhein⸗ und Mosel⸗Zeitung berichtet: ön 5 im Gasthofe zum Riesen habe ein Portefeuille gefunden, das an Banknoten und Wechsein einen Werth von nicht weniger als dreimalhundertundsechstausend Thalern enthielt. Die Wechsel lauten auf die bedeutendsten Staͤdte Europa's und sind in Neu⸗ York ausgestellt. Es ist unbekannt, was fuͤr einen Weg der

Reisende, der dasselbe hat liegen lassen, von hier aus einge⸗

schlagen hat. Das Zimmer, auf dem er gewohnt hatte, war nach seiner Abreise schon von einem anderen Gast bezogen. Uebrigens ist das Ganze, wie sich von selbst versteht, fuͤr den Fall der Nachfrage 28 aufgehoben. Am Rhein fiel vor⸗ gestern ein lebhafter Auftritt vor. Einige Englaͤnder, die mit dem Dampfboot hier eintrafen, weigerten sich der Aufforde⸗ rung, ihre Paͤsse vorzuzeigen, Genuͤge zu leisten, und Einer er⸗ laubte sich selbst bei dieser Gelegenheit eine Probe seiner Ge⸗

schicklichkeit im Boxen abzulegen, wodurch er seine persoͤnliche

Freiheit verwirkte, die er einstweilen noch nicht zuruͤckerhal⸗ ten hat.

Neueste Nachrichten von der Bevoͤlkerung des 8 preußischen Staats.

eeseieh. 1 81. P ness Gechster Wnsi6b. . ztn,

(Fortsetzung.) 111““

Wenn auch die vorstehend benannten Staͤdte als besonders beachtungswerth hier hervorgehoben sind; so sollen hierdurch doch keinesweges alle andern als unbedeutend bezeichnet wer⸗ den; eine Auswahl, welche sich auf moͤglichst wenig Ortschaften beschraͤnkt, wird nach der Verschiedenheit der Ansichten immer⸗ hin theils einiges Ueberfluͤssige aufgenommen, theils einiges un⸗ gern Vermißte ausgelassen zu haben scheinen.

Die Städte, welche die Staͤdteordnung von 1808 als kleine bezeichnet, weil ihre Einwohnerzahl 3500 noch nicht erreicht,

v111A4“*“

beduͤrfen noch mehr als die Mittelstädte einer Abtheilung in

mehre Klassen: waͤhrend einige derselben offenbar erheblicher sind, als viele noch zu den Mittelstaͤdten gerechnete Ortschaften sind andre so gaͤnzlich ohne Mittel, oͤffentliche Anstalten von ei⸗ niger Bedeutung zu unterhalten, daß sie hierin selbst mittelmaͤ⸗ ßigen Dorsschaften nachstehen. Versuchsweise werden hier nach Anleitung der Einwohnerzahl Civilstandes folgende Abtheilungen gebildet.

In der ersten stehn die Staͤdte, welche 2500 Civil⸗Einwohner haben, aber 3500 nicht erreichen.

den sich

88 bes ün der Provinz rige Staͤdre

3 enee— 8 Posen “*“ Brandenburg. 20 8 * Pommern .. 17 830,084 Schlesien . 28 774,102 Sachsen .. 27 76,579 Westfalen. 21 61,998 Rheinprovinz. 24 70,348

uͤberhaupt 177 519,308

Es befinden sich hierunter viele Ortschaften, welche in ge⸗ schichtlicher und gewerblicher Ruͤcksicht B 88z ei einer so maͤßigen Einwohnerzahl fuͤr eine duͤrftige Umgegend er⸗ heblich sind. Ausgezeichnet moͤgen indes hier nur folgende sehr wenige werden. Konitz, im Regierungsbezirk Marienwerder mit einem katholischen Gymnasium, mit Neustettin, im Regierungsbezirk Koͤslin mit einem evangelischen Gymnasium, mit beide in demjenigen Theile des preußischen Staats gelegen, welcher noch am mindesten be⸗ voolkert und gewerbtreibend ist. Kosel, Festung im Regierungsbezirk Oppeln, mit. 2569 Tarnowitz, mit bedeutendem Bergbau auf Blei und Silber, eben daselbst, mit . 3251 Schmiedeberg, im Regierungsbezirk Liegnitz, aus⸗ gezeichnet wichtig fuͤr den Leinwandhandel des schlesischen Gebirges, mit Barby, im Regierungsbezirk Magdeburg, ein Hauptort der evangelischen Bruͤdergemeinde, mit 3214 Schleusingen, im Regierungsbezirk Erfurt, der eigentliche Hauptort der Grafschaft Henneberg, obgleich jetzt an Einwohnerzahl und Gewerbsam⸗ keit von Suhl weit uͤbertroffen, mit Hoͤrter, im Regierungsbezirk Minden, Hauptort der vormaligen gefuͤrsteten Abtei Korvey, mit. 3416 » Ruhrort, am Einflusse der Ruhr in den Rhein, ein wichtiger Punkt fuͤr die Rheinschiffahrt, mit 26912 »

und mehr Es befin⸗

zusammen mit

Einwohnern 81,539 45,049 59,659

““

e⸗

a-da

3334 Einw.

Stollberg bei Achen, ausgezeichnet durch seiine— metallischen Fabrikationen, mit 3315 ESinw. Montsoie, einer der wichtigsten Plaͤtze fuͤr die 8 Zubereitung der feinsten Tuͤcher, mit Juͤlich, Festung, alte Hauptstadt des Herzogthums gleichen Namens, mit.. 3 beide ebenfalls im Regierungsbezirk Achen. Die zweite Abtheilung bilden diejenigen Städte, welche 1500 und mehr Einwohner haben, 2500 aber nicht erreichen Insbesondre hat: hierher gehoͤrige mit zusammen 8 48 Provin⸗ Staͤdte Einwohner T“ Brandenburg Füenn; 8 Scchlesien 88 Sachsen.. Westfalen.. Rheinprovinz

——

Auch unter diesen Staͤdten sind noch viele geschichtlich, einige selbst gewerblich merkwuͤrdig. Als Belag hierzu moͤgen nur folgende wenige namhaft gemacht werden. 2 Frauenburg, im Regierungsbezirk Koͤnigsberg

mit der Kathedrale des Bisthums Ermeland, mit?

Rheinsberg, im Regierungsbezirk Potsdam mit g Schlosse, wo Friedrich als Kronprinz wohnte, mi

Waldenburg, im Regierungsbezirk Breslau, aus⸗ gezeichnet durch Leinwandhandel und Bergbau auf Steinkohlen, mit

Reichenstein, eben daselbst, mit einem Arsenik⸗ Werke, welches wahrscheinlich das bedeutendste aller jetzt bestehenden ist, mit

Luͤtzen, im Regierungbezirk Merseburg, neben Gu⸗ stav Adolph's Denkmale, mit 1

Gladbach, im Regierungsbezirk Duͤsseldorf, ein wichtiger Fabrikort fuͤr Leinenwaaren, mit. 2290

Bacharach, Bacchi ara im Regierungsbezirk Koblenz, mit 5 1619

St. Wendel, der Hauptort des erst 1834 erworb⸗ nen Fuͤrstenthums Lichtenberg, mit

Die zweite Beilage des Gesetzes wegen Entrichtung der Gewerbesteuer vom 30sten Mai 1820, theilt saͤmmtliche Ort⸗ schaften des Staats in Bezug auf ihre Faͤhigkeit, Gewerbe⸗ steuern zu tragen, in vier Klassen: in der ersten und zweiten stehen namentlich daselbst verzeichnete Staͤdte, die dritte soll in der Regel alle Staͤdte begreifen, welche 1500 oder mehr Civil⸗ Einwohner haben und nicht zu einer der beiden ersten Klassen S alle andern Ortschaften, ohne Ruͤcksicht auf deren

igenschaft als Staͤdte, Flecken oder Doͤrfer bilden die vierte Klasse. Dieser Anordnung kann wohl nur die Ansicht zum Grunde liegen, daß eine Bevoͤlkerung von weniger als 1500 Einwohnern in den gewoͤhnlichen Verhäͤltnissen des Lebens nicht mehr vermoͤgend sei, diejenigen Anstalten zu unterhalten, wo⸗

1861

durch sich in gewerblicher Beziehung Staͤdte von Doͤrfern un-

terscheiden. Der preußische Staat enthält gleichwohl noch 263 Ortschaften mit weniger als 1500 1“ 88 Se der Staͤdte repraͤsentirt werden, und also auch hier als Staͤdte aufgefuͤhrt werden muͤssen. Von denselben haben 162 noch 1000 und mehr Einwohner, zusammen 77 nur 600 und mehr Einwohner, IK.s 62,658 24 sogar weniger als 600 Einwohner, . . 10,869 Die letztern haben also im Durchschnitte nicht mehr als 453 Einwohner, oder etwan 90 Familien. Zwei Drittheile der⸗ selben gehoͤren allein der Provinz Posen an: näͤmlich eine dem Regierungsbezirke Posen und funfzehn dem Regierungsbezirke Füerhere. Unter den letztern befindet sich namentlich Krusch⸗ wiz am oblosee mit 306 Einwohnern, welches nach einer al⸗ d ihessruüng 85 SSeehe. des Koͤniglichen Geschlechtes er Piasten ist, nach dessen Aussterben Polen zu sei 8 I vssg. Füe. F Nles 1 Keles h. ußerdem hat der Regierungsbezirk Potsdam drei . furt zwei und Breslau drei solchet SMeee. in allen Regierungsbezirken findet man keine derselben. Die kle nste Anzahl von Einwohnern hatte bei der Zaͤhlung zu Ende des Jahres 1837 die Mediatstadt Trebschen bei Zuͤllichau, naͤmlich nur 252; die Zufaͤlligkeit des An⸗ und Abziehens einiger weni⸗ gen Familien kann indessen leicht bei der naͤchsten Zaͤhlung eine andre dieser Ortschaften ur kleinsten Stadt des Staates machen. Selbst diejenigen Staͤdte, welche zwar 600 und mehr Ein⸗ wohner haben, aber 1000 nicht erreichen, sind in bedeutender Anzahl nur in der Provinz Posen vorhanden. Von den fuͤnf und zwanzig Regierungsbezirken haben neun, naͤmlich Koͤnigs⸗ berg, Gumbinnen, Danzig, Stralsund, Erfurt, Muͤnster, Min⸗ den, Koblenz und Trier gar keine, vier, naͤmlich Stettin, Koͤs⸗ lin, Magdeburg und Koͤln nur eine, Achen und Oppeln jede zwei, Marienwerder, Potsdam und Arnsberg jede drei, Mer⸗ seburg vier, Frankfurt und Duͤsseldorf jede fuͤnf solcher Staͤdte: nur in den uͤbrigen vier sind sie in groͤßrer Anzahl vorhanden naͤmlich im Regierungsbezirke Liegnitz acht, Breslan neun, Bromberg eilf, und Posen achtzehn. Auch befinden sich dar⸗ unter viele Staͤdte, deren Einwohnerzahl 900 erreicht, und selbst soweit uͤbersteigt, daß sie bei fortdauernder Zunahme der Be⸗ vöͤlkerung schon bei der naͤchsten Zaͤhlung auf 1000 anwachsen duͤrfte. Unter diesen Verhaltnissen scheint es zur Erleichterung h Fee;Z9 Shamessen, duch noch alle Staͤdte, welche zwischen inwohner haben, in eine Abtheilung in⸗

gen. Insbesondre haben

die Provinz

.205,386

hierher gehoͤrige mit zusammen Staͤdte Civil⸗Einwohnern 8 b 0,448 8

37,642 21,212 46,801 30,254 20,095 23,125

randenburg Pommern

Westfalen

Rheinprovinz e. uͤberhaupt 268,044 Namhaft moͤgen hiervon nur gemacht werden⸗

Neustadt an der Dosse, wegen seiner gewerblichen

sMee. mit 910 Einw ilberberg, wegen der dabei a 8 ge ngelegten Berg⸗

Zuͤlpich im Regierungsbezirk Koͤln, ter geschichtlicher Erinnerungen mit..

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