1838 / 259 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

Herr John Cockerill, der sich jetzt in Luͤttich befindet, ist von seinem Unfalle ganz wieder hergestellt. ““

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 11. Sept. Gestern Nachmittag er⸗ theilte der Koͤnig dem Magistrate der Hauptstadt und den funfzig Aeltesten der Buͤrgerschaft, die Sr. Majestaͤt ihre Gluͤckwuͤnsche zu Hoͤchstihrer Wiedergenesung darbringen woll⸗

ten, eine Audienz. Der Ober⸗Statthalter, der an ihrer Spitze den, sobald das Reden als Postulat der Sache, der Ehre und cines

ebemals genossenen erhabenen Vertrauens erscheinen mag. Schloß Reimlingen, den 11. September 1838. Der Kron⸗Hberst⸗Hofmeister und Reichsratb des Köuigreichs Bapern, Ludwig Fürst von DOettingen⸗Wallerstein.“

stand, hielt eine Anrede an den Koͤnig, in welcher er Hoͤchst⸗ demselben die Freude der Buͤrgerschaft uͤber diese gluͤckliche Ab⸗ wendung der SeLen⸗ die das Leben Sr. Majestaͤt bedroht hatte, auszudruͤcken suchte.

Der Koͤnig antwortete:

„Meine Herren! Ich fühle den ganzen Werth des Antricbs, der

Sie hierher führt. Der Allmächtige hat Mich seiner Obhut über Meine Tage gewürdigt. Das Leben des Menschen steht in seiner Hand; sein Wille gebietet darüber. Ich flehe ihn au, daß er Jeden an seine Eide erinnere, und daß er Mir stets diejenigen vorschweben lasse, die Ich der Ration geschworen, noch ehe Ich die ihrigen em⸗ pfing. Ich hege auch fortwährend volles Vertrauen zu ihr. Zur Aufrechthaltung der Gesetze fordere Ich von Ihnen die vollkommenste Mitwirkung; denn werden erst die Gesetze nicht mehr von allen Bür⸗ gern grachtet und vollends von denen nicht, die schon unter den Auspizien einer durch den Sieg befestigten Freiheit das Licht der Welt erblickt haben, so dreßt der Gesellschaft unvermeidliche Auflösung. Man kann sich des gesetzlichen Genusses seiner Rechte nur erfreuen, wenn man gewissenhaft die daran geknüpften Pflichten erfüllt. Mein Alter sagt Mir, daß Ich nicht lange mehr auf dieser

Erde zu weilen habe; aber Meine eifrigsten Wünsche für das Land, welches Ich, so darf Ich wohl sagen, wieder emporgehoben habe, werde Ich auch dann zum Himmel senden, wenn Ich aus diesem Le⸗ ben in ein besseres übergehe. Leben Sie wohl, Meine Herren, Ich

di sie i 6 Kb⸗ 3 - erneuere Ihnen die Versicherung Meiner Gefühle und Meines auch das Publikum eine Unterhaltung haben, und zwar durch

ein Feuerwerk, welches heute Abend in dem Garten Sr. Hoh.

Reichsschulden⸗Comtoirs, welche ebenfalls erschienen waren, um des Prinzen Karl abgebrannt werden wird.

niglichen Wohlwollens.“ Hierauf hatten auch die Deputirten der Bank und des

den König zur Wiederherstellung seiner Gesundheit zu begluͤck⸗ wuͤnschen, bei Sr. Majestaͤt Audienz. Der Baron Raͤlamb, der an ihrer Spitze stand, hielt die Anrede, worauf der Koͤnig erwiederte: „Meine Herren! Es hat der Vorsehung gefallen, eine große

Gefahr von Mir abzuwenden. Ihre Glückwünsche entsprechen Ihren

Gesinnungen, und Ich versichere Sie gleicher Gefühle für Sie von Meiner Seite. Als Ich vor 25 Jahren für die verkannten Rechte Schwedens kämpfte, nief Ich für das Gelingen der Sache des Vol⸗ kes, die Ich vertheidigte, den Schutz des Himmels an. Der Erfolg frönte Meine Gebete. Sie sind im Stande, die Lage des König⸗ reichs zu beurtheilen, und Sie werden mit Freuden den Unterschied zwischen 1810 und den jetzigen Verhältnissen anerkennen. Ich er⸗ neuere Ihnen, Meine Herren, die Versicherung Meines vollkomme⸗ nen Käöniglichen Wohlwollens.“ 8 Gestern Abend sielen neue Ruhestoͤrungen in der Haupt⸗ stadt vor. Um 10 Uhr entstand ein Auflauf auf dem Eisen⸗ markte, an einigen Haͤusern wurden die Fenster eingeschlagen, und dann verbreitete sich der Tumult auch in die eigentliche Stadt, wo gleicher Unfug getrieben wurde; namentlich warf man die Fenster solcher Haͤuser ein, in denen Juden⸗Familien wohnen; aber auch einigen Bewohnern anderer Haͤuser wider⸗ fuhr dasselbe Loos, wie zum Beispiel dem Kaufmann Schoͤn, Chef eines alten Handelshauses. Bei dem Staats⸗ Secretair Skogman wurden die Fenster auch noch einmal ertruͤmmert. Im Ganzen haben funszehn Haͤuser durch diesen Unfug gelit⸗ ten, und 134 Fensterscheiben sind zerschlagen worden. Dabei ing dies Alles so schnell, daß bei der Ankunft des Ober⸗Statt⸗ helens die Menge sich schon zerstreut hatte. Einige Polizei⸗

eamte, die herbeigeeilt waren, hatten Mißhandlungen erlitten. Ein ehemaliger Student ist verhaftet worden, weil er sich in einer Schenke ungeziemend uͤber den Koͤnig geaͤußert hatte.

.“ Deutschland. Muͤnchen, 1I1. Sept. Gesundheits⸗Buͤlletin. Gestern Abend hatte, nachdem das Fieber bei Sr. Majestaͤt unter Ta⸗ es sich aͤußerst gemildert hatte, eine kleine Steigerung desselben stiatt; die Nachtruhe ward nur wenig durch Husten unterbrochen, der allmaͤlig sich loͤst; am Morgen sehr maäͤßiges Fieber, fortwäh⸗ rend gelinde Transpiration. Dr. von Wenzl, Koͤnigl. Leibarzt. Kuͤnchen, II. Sept. (Fraͤnk. Merk.) Die Versetzung des Universitaͤts⸗Professors Dr. Fuchs von Wuͤrzburg nach Muͤn⸗ chen hat unter den hiesigen Literaten große Freude erregt, da derselbe nicht allein als tuͤchtig in seinem Fache, sondern auch als ausgezeichnet in seinen Bestrebungen im Fache der schoͤnen Literatur verehrt wird. Er soll auf der hiesigen Uni⸗ versitaͤt namentlich die durch den Tod des Ober⸗Medizinalraths Dr. v. Loe erledigten Fäͤcher besetzen.

Muͤnchen, 12. Sept. Bei gestern unter Tags sehr ge⸗ ringem Fieber und von selbst, auf kurze Zeit, aufgehoͤrter Tran⸗ spiration sind Se. Maj. eine Stunde außer Bett gewesen. Abends geringe Steigerung des Fiebers; Nachtruhe ein Paar⸗ mal durch mehr lockeren Husten unterbrochen, sonst anhaltend und gut; Morgens Fieber sammt allen Zufällen sehr maͤßig; kritische Entleerungen auf den natuͤrlichen Wegen. Dr. v. Wenzl, Koͤnigl. Leibarzt.

B.. Konigl. Hoheit der Kronprinz wird heute Nacht hier erwartet, und, wie man sagt, morgen die Reise nach Berlin antreten, wo Se. Koͤnigl. Hoheit einige Tage zu verweilen ge⸗ denken. Schon diesen Abend soll einer seiner Adjutanten, 5 von Laroche, Sr. Köͤniglichen Hoheit vorausgegangen eyn. b

Ein Salinen⸗Diebstahl, welcher in der Gegend von Rosen⸗ 11 geschehen ist, bildet heute das Tages⸗Gespraͤch. Durch

nbohrungen der Rohre wußten mehrere Individuen der dor⸗ tigen Gegend eine Masse Wassers zu gewinnen, welches sie in ihren Haͤusern verkochten, das Salz aber in bedeutenden Quan⸗ titaͤten hieher an die Salzstoͤßler verkauften. Hiedurch ward längst schon einiger Verdacht erregt, zumal da dieses Salz sich durch eine etwas dunklere Farbe und sauerern Geschmack von dem der Salinen⸗Administration unterschied. Den Dieben selbst kam man jedoch erst jetzt auf die Spur, und die Meisten der⸗ selben sind auch bereits verhaftet. Ein San⸗Ausseher von hier ist gestern nach Rosenheim abgegangen, um die Sache weiter zu untersuchen, und die naͤheren Details duͤrften das Interesse der Thatsache nur erhoͤhen.

Augsburg, 14. Sept. Die Allg. Zeitung ent alt fol⸗ gende Erklaͤrung des Fuͤrsten Ludwig von Oettingen⸗Wallerstein: „Einige Baverische Blätter 2 sich wiederholt mit meiner erson beschäftigen zu wollen. o beschuldigt Nr. 212 der Reuen ürzburger Zeitung die Mehrheit der Abgeordneten des Landes einer „aus ihrer Sympathie für den damaligen Chef der Verwaltung“ erklärdaren (übrigens thatsächlich widerlegten) Gleichgültigkeit gegen die Holznoth ihrer Fränkischen Mitbürger, und so klagt mich neuer⸗ lich die Münchener politische Zeitung vom 8. September (Bei⸗ lage 110, Seite 1322) an, durch gesetzwidrige Auslegungen in Gachen der gemischten Ehen, Fundamental⸗Bestimmungen der Verfassung

verletzt und höhere Kirchen⸗Bechörden zweier Konfesüonen zu gegrün⸗ deten Beschwerden gezwungen zu haben. Das Publikum wird die Gründe ehren, welche mich seit dem 4. November 1837 von jeder di⸗ rekten oder indirekten Einwirknng auf die Presse abhielten, und welche auch gegenüber diesen Angriffen Stillschweigen gebieten. Es wird mir aber auch die Bitte nicht versagen, für den Fall, wenn derlei Artikel Gegen⸗Artikel hervorrufen sollten, als Ausdruck meiner Uecberzeugung nur ansehen zu wollen was meine Unterschrift an sich trägt. Jedermann weiß, daß es mir weder an Entschluß noch

an Muth gebricht, in echt Deutscher Weise meine Stimme zu erhe⸗

Karlsruhe, 10. Sept. Ihre Koͤnigl. Hoheit die Groß⸗ herzogin von Oldenburg haben, nach einem zehntaͤgigen Ver⸗ weilen im Kreise unserer Großherzoglichen Familie, heute Mor⸗ gen die hiesige Stadt wieder verlassen, um mit Hoͤchstihrem Gemahl und Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin von Griechenland in Bern zusammenzukommen. Hoͤchstdieselben werden dem Ver⸗ nehmen nach spaͤter, in Begleitung Ihres Gemahls, unseren Hof wieder mit einem Besuch erfreuen.

Darmstadt, 12. Sept. (Frankf. Journ.) Gestern

Abend traf Ihre Koͤnigl. Hoheit die Prinzessin Wilhelm von Preußen zum Besuche bei Ihrem Durchlauchtigen Schwieger⸗ sohne, ver Karl, 88⁸ Ihrer Frau 2v. Prin⸗ essin Elisabet ier ein. Heute feiert dieses erhabene Paar . . 8 zess S SeMa ets afes vuns 8 8een nigs eine weniger harte und drohende Gestalt annimmt. Die

Ludwig, der durch seine gluͤckliche Entwickelung die Durchlauch⸗

tigsten Aeltern und Schwiegeraͤltern zu den freudigsten Hoff⸗ nungen berechtiget. Bei diesem Fuͤrstlichen Familien⸗Feste wird

ger von Rußland haben Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog

unter die Großkreuze Hoͤchstihres Haus⸗Ordens vom Weißen

Falken aufgenommen.

Se. Majestaͤt der Kaiser von Rußland haben hier folgende Orden ertheilt: den Staats⸗Ministern von Fritsch und von Gersdorf, dem Geheimen Rath Dr. Schweitzer und dem Ober⸗ Jaͤgermeister und Geheimen Nath von Fritsch den St. Annen⸗ Drden erster Klasse; denselben Orden in Brillanten empfingen der Ober⸗Marschall Freiherr von Spiegel und der Ober⸗Stall⸗ meister von Bielke; den Wladimir⸗Orden zweiter Klasse empfin⸗ gen der Ober⸗Kammerherr von Wolfskehl und der Kammerherr von Wegener; den Wladimir⸗Orden vierter Klasse der Chef der Stadt⸗Polizei, Landes⸗Directions⸗Rath Schambach.

Unter die charakteristischen Begegnisse des Kaiserlichen Auf⸗ enthalts gehoͤrt auch folgendes, von welchem man sich hier gern unterhaͤlt. Bei der ersten großen Huͤhner⸗Jagd kam der Kai⸗ ser an ein noch nicht abgemahtes Haferfeld; da fragte Er den Ihm beigegebenen Leibsäger: „Wir verursachen wohl einen Schaden, wenn wir hier durchpassiren?“ Nein, erwiederte der Leibjaͤger, denn der naͤchste Regen richtet den Hafer wieder auf. Der Kaiser passirte also mit großen und raschen Schritten das Haferfeld, stand aber bald darauf an einem Flachs⸗Acker. „Hier koͤnnen wir, ohne Schaden anzurichten, nicht hindurch“, sagte der Kaiser sogleich und ging um das ziemlich lange Flachsfeld herum.

Sigmaringen, 9. Sept. Se. Hochfuͤrstliche Durchlaucht hat am 4ten d. M. den Kaiserl. Oesterreichischen Geschaͤfts⸗ traͤger, Grafen von Ingelheim, empfangen und sein Beglaubi⸗ gungs⸗Schreiben entgegengenommen.

Frankfurt a. M., 13. Sept. Die fruͤher von uns

ausgesprochene Vermuthung, daß die Londoner Konferenz diesmal die Hollaͤndisch⸗Belgische Angelegenheit zu Ende fuͤhren werde, scheint sich nach den neuesten Nachrichten aus London und dem Haag mehr und mehr zu bestaͤtigen. Es waͤre allerdings noch voreilig, mit Bestimmtheit behaupten zu wollen, daß der Koͤnig der Niederlande die neuen Propositionen der Londoner Konfe⸗ renz unbedingt annehmen werde; sie sollen indessen, wie man wissen will, von der Art seyn, daß sie eine Verstäͤndigung her⸗

beifuͤhren koͤnnen. Doch wird von Seiten des Haager Kabi⸗ nets wegen der bevorstehenden Eroͤffnung der Session der Ge⸗

neralstaaten keine uͤbereilte Entschließung eintreten. Heute ist Se. Durchlaucht der Herzog von Nassau, von Kissingen kommend, hier eingetroffen. Se. Durchlaucht reisten vaen. enkann Stunden wieder ab, um sich nach Biberich zu egeben.

Die Prinzessin Louise von Nassau⸗Usingen ist nach mehr⸗

woͤchigem Aufenthalt in Wiesbaden wieder hierher 4 ga kehrt. Die verwittwete Frau Landgraͤfin von Hessen⸗ bezieht anfangs des naͤchsten Monats wieder die Winter⸗Resi⸗

omburg

denz in unserer Stadt. Oeffentliche Blätter sprechen davon, daß Se. Koͤnigl. Ho⸗ bei der Herzog von Cambridge noch in diesem Herbst nach eutschland kommen werde. Dieses wird aber erst im naͤchsten

Sommer geschehen, da im folgenden Jahre wieder eine Zusam⸗

menkunft der erlauchten Kinder und Schwiegerkinder des ver⸗ storbenen Landgrafen Friedrich von Hessen⸗Kassel auf dem zwi⸗

schen Frankfurt a. M. und Hanau auf dem linken Main⸗Ufer liegenden Schlosse Rumpenheim stattfindet.

Der Kaiserl. Oesterreichische Minister⸗Resident bei hiesiger

freien Stadt, Freiherr von Handel, ist seit kurzem auf seinen 8 hierher Furscafeehe Die Abreise des Bundestags⸗ r

sidial⸗Gesandten Grafen von Muͤnch⸗Bellinghausen nach Wien wird wahrscheinlich in diesem Jahre etwas spaͤt stattfinden.

Alexander Dumas hat unsere Stadt wieder verlassen und ist nach Paris zuruͤckgekehrt.

Wie man erfaͤhrt, so unternahm in der letzteren Zeit der Ingenieur der Taunus⸗Eisenbahn, Herr Denis, mit einem Mitglied des hiesigen Eisenbahn⸗Comité's wieder eine Reise nach Belgien und England. Die Arbeiten an der Taunus⸗ Eisenbahn wollen aber noch immer keinen raschen Gang neh⸗ men. Auch hier begegnen dem Comité bei der Acquisition der benoͤthigten Grundstuͤcke sehr große Schwierigkeiten, deren Be⸗ seitigung starke Geldopfer und Zeitverlust erheischt. Unter solchen Umstaͤnden ist von diesem Jahre wenig noch fuͤr die Fiderun des Baues der Taunus⸗Eisenbahn zu erwarten.

ie Kauflust in den Taunus⸗Eisenbahn⸗Actien will denn auch gar nicht mehr aufleben, so wie uͤberhaupt die Geldklemme hier den Effektenhandel druͤckt. 8 Die Meßgeschaͤfte haben in dieser Woche an Lebhaftigkeit ewonnen. In Leder wird ziemlich rasch verkauft, obgleich in 1888 diesmal der Platz fast uͤberfuͤhrt wurde. Dem De⸗ Fn 38 der Messe waͤre eine freundlichere Witterung zu wuͤnsche

Rettung

It alien.

Mailand, 8. Sept. Die Gazetta di Milano vom 7. September, den Bericht von der Kroͤnung enthaltend, ist in Golddruck erschienen. Obenan stehen die Worte: Incoronaziong di Sua Majestà imperiale reale apostolica Ferdinando Primo. Dang folgt unter der Rubrik Mailand 7. September die Anzeige daß Se. Majestaͤt der Kaiser geruht haben, ein (vom 5. Sep⸗ tember datirtes) Handschreiben an den Erzherzog Vice⸗Koͤm Rainer zu richten, wodurch Sr. K. K. Hoheit zur oͤffentlichen Bezeugung des Allerhoͤchsten Dankes fuͤr die wirksame von Sr. K. K. Hoheit dem Wohl des Lombardisch⸗ Venetianischen Rei⸗ ches gewidmete Sorgfalt der Orden der eisernen Krone erster Klasse in Brillanten verliehen wird. Dann kommt die Schi⸗ derung der Kroͤnung, welche genau nach dem voraus publizirten Programm stattgefunden hat. Auf der vierten Folioseite gieht hierauf die Gazetta di Milano Bruchstuͤcke aus den erschienene Kroͤnungs⸗Gedichten, worunter vornehmlich ein Lateinisches sch auszeichnet, das den Praͤsidenten des Appellationshofes, Gejez men Rath Antonio Mazetti, zum Verfasser hat.

Die Mailaͤnder Zeitung vom 8. September berichtet un, wie Se. Majestaͤt der Kaiser am Tage zuvor einige wohlthaͤtige Institute, so wie auch eine Ausstellung von Kunst⸗Gegenstaͤnden besucht habe. Abends war Konzert bei Hofe.

Turin, 7. Sept. (Allg. Ztg.) Die Pachesche Angels

genheit hat in der neuesten Zeit bei uns viel Su reden gegeben, und wir freuen uns, daß sie jetzt durch die Milde unseres Koi⸗

Sache haͤngt so zusammen. Einer der eifrigsten Methodisten des Waadtlandes, Herr Pache⸗Perceret aus Yverdon, ließ es

sich diesen Sommer einfallen, methodistische, stark gegen die ka—

tholische Religion sprechende Flugschriften nach den Baͤdern von Aix heimlich zu bringen und dort zu vertheilen. Die Sache kam

naruͤrlich bald heraus, und die Chamberyer Polizei ließ Pache festnehmen und nach Chambery fuͤhren. Hier wurde er vor den Weimar, 14. Sept. Den Großfuͤrsten Thronfol⸗

digt, erstens des der Contrebande, weil er an der Graͤnze seine

Savoyischen Senat gestellt und eines doppelten Vergehens beschul⸗

Broschuͤren nicht deklarirte, und zweitens des Verbrechens, daß er durch ihre Verbreitung zur Mizßachtung der katholischen Relli⸗ gion aufgefordert haͤtte. Sein Defensor hob besonders den Um⸗ stand heraus, daß sich der katholische Kultus gerade im Waahe lande großer Toleranz zu erfreuen habe, und daß man ihm i an mehreren Orten neue Kirchen baue. Dessenungeachtet wurde Pache vom Senat zu einem Jahre Gefaͤngniß, hundert Gold⸗ Thalern und den Kosten des Prozesses verurtheilt. Ja, woh!⸗ unterrichtete Personen versicherten gar, daß dieser Versuch zu einer religioͤsen Propaganda (wahrscheinlich in Verbindung mit einem gleichzeitigen aͤhnlichen, wo fuͤnfhundert dergleichen metho— distische Flugschriften an einem anderen Orte Savoyens entdeckt waren waren) nur darum nicht haͤrter bestraft werde, weil viase angesehene Waadtlaͤnder sich auf das thaͤtigste bei unserem Ki⸗ nige fuͤr ihn verwendet haͤtten, und weil dieser in seiner Jugend mit einem nahen Verwandten Pache's bei Herrn Vaucher in Genf in Erziehung gewesen sey. Diesen gluͤcklichen Umstaͤnden ist es zuzuschreiben, daß ihm der Koͤnig nicht nur die Gefaͤm niß⸗ und Geloͤstrafe gnaͤdigst erlassen wird, sondern daß er auch in acht bis zehn Tagen schon in seine Heimath zuruͤckkehra duͤrfte. Schon jetzt hat er nur noch ganz leichtes Gefaͤngniß und sorgfaͤltige aͤrztliche Behandlung, da er wie verruͤckt ist.

Spanien.

Saragossa, 5. Sept. Der General Pardinas hat ge⸗ stern 500 Verwundete hierhergebracht. Seine aus fuͤnf Ba⸗ taillonen bestehende Division befindet sich in Fuentes, einen Dorfe vier Leguas von hier. .

Merino war gestern mit 1500 Mann und einigen Pferden in Calatayud und schien sich in seine alten Schlupfwinkel, die Berge von Burgos und Soria, zuruͤckziehen zu wollen. E. E sich, wie es heißt, mit Cabrera uͤberworfen, auch sollen seine

oldaten, die saͤmmtlich Castilianer sind, sich geweigert haben, außerhalb Castilien zu dienen.

Der General Latre ist noch immer nicht hier angekommen, man sagt, sein Gesundheits⸗Zustand erlaube ihm nicht, schwel zu reisen.

Spanische Gränze. Die Sentinelle des Pyre⸗ nées meldet, daß der Gouverneur von Elisondo im Bastan⸗

Thale auf Befehl des Generals Maroto verhaftet und gefestl nach Estella abgefuͤhrt worden sey.

Der Times wird aus Konstantinopel vom 17. Augys Nachstehendes geschrieben: „Zum Gluͤck fuͤr die Tuͤrkei habe sich die Motive, die man der Abreise Redschid Pascha’'s nach England zum Grunde legte, als unbegruͤndet erwiesen. Dat Publikum hat zu seiner Freude erfahren, daß er keineswege

sich genoͤthigt gesehen hat, den Kabalen und Intriguen de

Serails zu weichen, daß er im Gegentheil nie hoͤher in dad Gunst des Sultans stand, als in diesem Augenblicke, und daß ihm nur deshalb diese wichtige Mission uͤbertragen worden ißt weil er der Einzige ist, den der Sultan dazu fuͤr faͤhig haͤl Seine Abreise nach England ist ein entschiedener Triumph, dan die von ihm vertheidigten Prinzipien uͤber ihre Gegner errun, en haben. Die Schwierigkeiten, welche Redschid Pascha bij

einer Ruͤckkehr aus England zu uͤberwinden hatte, wuͤrden un

uͤbersteiglich fuͤr ihn gewesen seyn, haͤtte er nicht bei seiner er⸗ sten Zusammenkunft mit dem Sultan diesen in einer der Aub fuͤhrung seiner Plaͤne sehr guͤnstigen Stimmung gefunden, naͤm lich tief betruͤbt uͤber das Elend, worin er die von ihm durch⸗ reisten Provinzen gefunden hatte. Ueberzeugt von der Nothe wendigkeit, die Finanz⸗Verwaltung voͤllig umzugestalten, konnte er kein Mittel entdecken, wie diesem großen Uebel zu begegnen sey. Die Vorschlaͤge Redschid Pascha's erhielten den Beifall des Sultans, aber erst als er sich von seinem Ein’ flusse fest uͤberzeugt fuͤhlte, entwickelte er seine Reform⸗Plaͤne und erklaͤrte, daß die einzige Basis, auf der eine heilsame Um. estaltung der inneren Verwaltung der Tuͤrkei und ihrer Ver⸗

Haltniss⸗ zu Europa gegruͤndet werden koͤnne, der in London entworfene Handels⸗Traktat sey. Eine Abschrift dieses Trak⸗ tats war allerdings bereits im Jahre 1836 der Pforte durch den Britischen Repraͤsentanten uͤbergeben worden, allein da dieset dem Herrn Urquhart, der deshalb von dem auswaͤrtigen Amte abgesandt wurde, nicht gestatten wollte, uͤber diesen Gegenstand mit dem Tuͤrkischen Minister zu unterhandeln, er selbst aber, so wie die Dragomans von Pera, durchaus unfaͤhig dazu wa⸗ ren, so wuͤrde dies Dokument wahrscheinlich fuͤr immer in den Archiven des Divans der Vergessenheit uͤbergeben worden seyn, wenn Redschid Pascha bei seiner Ruͤckkehr nach Konstantinopel es nicht ans Licht hervorgezogen und als das Werkzeug zur der Tuͤrkei bezeichnet haͤtte. Da die uͤbrigen Mitglie⸗

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er Ansicht Redschid Pascha's beipflichteten, r kurzem dem Traktat seine Zustimmung sobald die uͤbri⸗

6 Staatsraths d der Sultan vo akt 1 erklaͤrte sich bereit, denselben zu ratifiziren, es dasselbe thun wollten. Der Hauptzweck der Reise

wo moͤglich die Beistimmung jener Hoͤfe zu dem ch ehe derselbe in London definitiv abgeschlos⸗ wo er Quarantaine haͤlt, nach ischen Kaiser uͤber diesen Ge⸗ u konferiren, und dann uͤber Berlin und Paris nach In dem von London uͤbersandten Traktat hat die gar keine Aenderungen vorgenommen; doch hat der Bedingung, ohne die er den Traktat nicht daß die Bestimmungen desselben fuͤr das Syrien und Aegypten mit einge⸗ Da durch eine Bestimmung des Hindernisse fuͤr den so ist leicht einzusehen,

Pascha's ist, u erhalten, no Er begiebt sich von Malta,

um mit dem Oesterreich

Hultan, als eine gefordert, fanze Osmanische guͤltig seyn sollen. Praktats alle Monopole abgeschafft und alle Handel hinweggeraͤumt werden, Resultate der Sultan von der Einfuͤhrung dieser Neue⸗ erwartet, und weshalb er ausel durch die Europaͤischen Maͤchte besteht. einer Soͤhne mit, um sie in Die Hauptpersonen seines Ge⸗ ahder Efendi, der vom ersten Dragoman der Botschaftsrath ernannt worden ist; Rauf Bei, kannten Reis Efendi's; Seydah Efendi, Botschafts⸗ und Herr Coe, ein Franzose, den Nishan Iftichar verliehe ch Konstantinopel zuruͤckkehren.“

g in Aegypten gerade auf der e dieser Kl Pascha nimmt drei s. uropa unterrichten zu lassen. pforte zum effe des be

dem der Sultan fuͤr ine Dienste n hat. Sarim fendi wird na 9 8

Inmnktand.

sdam, 16. Sept. Se. on Rußland sind gestern Abend um 10 Uhr wohlbehalten aus burg hier eingetroffen und in den fuͤr Allerhoͤchstdiesel⸗ Bereitschaft gehaltenen Zimmern im Schlosse Sanssouci fuhren Se. Kaiserl. Majestaͤt ohne 1 aussee nach Berlin Allerhoͤchstihren chtern, den Großfuͤrstinnen Maria und Olga Nikolajewna, ntgegen, die von Reval kommend erwartet wurden. Beim bo⸗ anischen Garten, nicht weit von Berlin, ie Freude, die mit Sehnsucht erwarteten Toͤchter in Seine rme zu schließen und Hoöchstdieselben haben sich darauf mit rem Kaiserlichen Vater nach Sanssouci begeben.

Potsdam, 17. Sept.

at der Kaiser von Rußland gestern Nachmittags zwischen 4 und Uhr mit Ihren Kaiserl. Hoheiten den Grohfuͤrstinnen in

Sanssouci angekommen waren, wurden Allerhoͤchstdieselben be⸗ achrichtigt, daß Ihre Majestaͤt die Kaiserin, welche in Halle bernachtet und in Wittenberg das Mittagsmahl eingenommen atten, binnen kurzer Zeit hier zu erwarten seyen. Der Kaiser hr sogleich mit Seinen beiden Toͤchtern Seiner erlauchten

emahlin entgegen, Allerhoͤchstwelche dadurch um so fruͤher die

reude hatte, die Großfuͤrstinnen Maria und Olga nach laͤnge⸗ . derz Etwa eine halbe Stunde spaͤter of die ganze Kaiserliche Familie mit Einschluß Ihrer Kaiserl.

Hoheiten des Großfuͤrsten Thronfolgers und der Großffuͤrstin slexandra im Schlosse Sanssouci ein, wo Ihre Koͤnigl. Ho⸗ eiten die Kronprinzessin, der Prinz Wilhelm (Sohn Sr. Ma⸗ stät des Koͤnigs) und Hoͤchstdessen Gemahlin Ihre erlauchten erwandten empfingen. Abends stattete die Kaiserliche Familie

Sr. Majestaͤt dem Koͤnige, Allerhoͤchstwelcher inzwischen von dagdeburg angekommen war, einen Besuch im Koͤnigl. Schlosse

Potsdam ab.

Naumburg, 15. Sept. Durchreise Ihrer Najestaͤt der Kaiserin von Rußland. Heute genossen ir das Gluͤck, Allerhoͤchstdieselben nebst Ihren Kaiserl. Hohei⸗ n dem Großfuͤrsten Thronfolger und der Großfuͤrstin Alexan⸗ ra in unseren Mauern zu haben. n Posthause das Diner einzunehmen und ließen sich Allergnaͤ⸗ gst gleich nach Ihrer Ankunft die Wirthin des Hauses vor⸗ ellen. Weil Ihre Majestät incognito reisten, so wurden außer⸗ m nur der Praͤsident und Vice⸗Praͤsident unseres Ober⸗Lan⸗ esgerichts, der Landrath, der Post⸗Direktor und einer Ihrer üͤheren Lehrer, welcher in unserer Gegend angestellt ist, vorge⸗ ellt. Ihre Maäjestaͤt empfingen Alle mit der groͤßten Leutselig⸗ it und Herablassung, reichten aber vor Allen Ihrem fruͤheren ehrer die Hand und geruhten zu befehlen, daß er mit dem hraͤsidenten des Ober⸗Landesgerichts und dem Post⸗Direktor Ihre Majestaͤt stellten ihm den Großfuͤrsten hronfolger und die Großfuͤrstin Alexandra selbst vor, erkun⸗ gten sich nach seinen Kindern, erinnerten sich besonderer Ge⸗ enstaͤnde aus dem fruͤheren Unterricht, die in Verbindung mit en Reise standen, und bezeugten ihm meh⸗ ch freuten, ihn wieder zu sehen.

Breslau, !4. Sept. Heute Nachmittag nach 2 Uhr traf De. Koͤnigl. Hoheit Prinz Friedrich, von Luͤben kommend, hier n, speiste im Gasthofe zur goldenen Gans und setzte die Reise ach Brieg fort, um die in jener Ge ruppentheile zu inspiziren.

Pot

Heute Mitt le Begleitung auf der

hatte Se. Majestaͤt

Bald nachdem Se. Maje⸗

er Trennung wiederzusehen.

Ihre Majfestaͤt geruhten,

ur Tafel bliebe.

llerhoͤchstihrer jetzi

eremale, daß Sie

gend zusammengezogen

Koͤslin, 7. Sept. Vermischte Nachrichten. Der Regen hat die Getraide⸗Aerndte nicht allein echehen⸗ een, sondern ihr auch wegen des feuchten Einscheuerns und heilweisen Auswachsens der Feldfruͤchte Schaden gethan. Eini⸗ es Winter⸗ und fast alles Sommer⸗Getraide liegt noch auf dem Felde, ja am Schlusse des verflossenen Monats stand so⸗ har manches Winter⸗Getraide noch auf dem Halme. An Fut⸗ ekkraͤutern ist viel verloren gegangen; die Kartoffeln dagegen berechtigen zu guten Erwartungen. Ueberhaupt hat der in gro⸗ ker Menge gefallene Regen Ueberschwemmungen veranlaßt und an vielen Orten die Aussicht auf einen reichlichen Ertrag des sweiten Heuschnitts vereitelt; die unchaussirten Wege wurden itunter grundlos, auch haben viele Feldmarken durch Hagel⸗ mlchlag gelitten. In den drei Sezirks und auf der Rhede bei oͤte angekommen, 45 Schiffe und 43 Boͤte gingen seewaͤrts aus. Die Seebaͤder waren saͤmmtlich zahlreich besucht und namentlich hatten sich in Kolberg zum Gebrauche der See⸗ und „Soolbaͤder 172 Familien, aus 413 Personen bestehend, einge⸗

afenplaͤtzen des Regierungs⸗ eba sind 48 Schiffe und 43

AQuedlinburg, 15. Sept. Musikfest. Das erste große Saͤngerfest der Provinz Sachsen ng d bis 6ten d. M. von mehr als 300 Sangern und 100 Instru⸗ mentisten gefeiert. Die Haupt⸗Auffuͤhrung fand am 5ten Nach⸗ nachdem am Vormittage und T oͤre aus Halbersta

hier am Aten

mittags stat

die Saͤnger⸗ uvor, wo

arzgerode, B

u. s. w. meist unter froͤhlichem Liederschall hier eintrafen, Pro⸗ ben waren abgehalten worden. Die aufgefuͤhrten Musikstuͤcke waren ein Oratorium fuͤr Maͤnner⸗Stimmen, die Apostel von Philippi, vom Musik⸗Direktor Loͤwe, eine große Sym⸗ phonie vom Kapellmeister Reissiger und der 104te Psalm vom Musik⸗Direktor C. Ersurt, welcher denselben selbst dirigirte und damit großen Beifall einaͤrndtete. Der Abend ward in einem benachbarten Lusthoͤlzchen, dem Bruͤhl, gesellig und unter er⸗ hebenden Gesaͤngen zugebracht. Am öten wurde endlich noch eine musikalische Abend⸗Unterhaltung auf dem St. Annen⸗Hos⸗ pital veranstaltet.

Muͤnster, 10. Sept. Tumultuanten⸗Bestrafung. Dieser Tage sind hier die Straf⸗Erkenntnisse der angeord⸗ neten Untersuchungs⸗Kommission und des zweiten Senats des hiesigen Ober⸗Landesgerichts wider die in den hiesigen Unruhen vom 11. Dezember v. J. verwickelten Personen publizirt, und danach wegen Theilnahme an letzteren ein Glaser⸗Geselle und Landwehrmann zu 7monatlicher Zuchthaus⸗Strafe mittelst Ein⸗ stellung in die Straf⸗Section, ein Schuhmacher⸗ und ein Schreiner⸗Geselle zu 6monatlicher Gefaͤngniß⸗Strafe und wegen Nichtbeachtung der ihm ertheilten amtlichen Weisungen ein Steindrucker⸗Geselle zu Zwoͤchentlicher Gefaͤngniß⸗Strafe verur⸗ theilt worden.

Minden, 10. Sept. Läͤndliche Dachdeckung. Die hiesige Koͤnigl. Regierung macht unterm 23. August Nach⸗ stehendes bekannt: „Das Traͤnken der Strohdocken in ver⸗ duͤnntem Lehm hat sich auch bei dem am 26sten v. M. stattge⸗ habten großen Brande in Willebadessen, Kreis Warburg, als ein treffliches Mittel zur Sicherung gegen Feuersgefahr bewaͤhrt. Die neue Schule, mit Pfannen und unter diesen mit in Lehm getraͤnkten Strohdocken gedeckt, stand mitten unter den brennen⸗ den Gebaͤuden und ist ganz unbeschaͤdigt geblieben.“ Die gedachte Behoͤrde nimmt davon Veranlassung, das Publikum auf die obige Dachdeckungsart aufmerksam zu machen, als das wohlfeilste und einfachste Mittel zur Sicherung, besonders gegen Flugfeuer, weshalb solches uͤberall, wo nach den bestehenden allgemeinen Vorschriften das Unterlegen von Strohdocken uͤber⸗ haupt noch gestattet ist, empfohlen zu werden verdient.

Berichtigung. Im gestrigen Blatte der St. Ztg. ist der Artikel Mexiko vom 1. Juli, statt vom „31. August“, zu datiren.

Wissenschaft, Kunst und Literatur. Ne.

Berlin. In der letzten Sitzung der geographischen G sellschaft überreichte Herr A. Erman derselben eine Abhandlung vom Major E. Sabine über die Vertheilung der magnetischen Intensitaͤt auf der Erdoberfläche. Die äußerst sauber gestochenen Karten, welche diese Abhandlung begleiten, beweisen die Existenz von je wei mag⸗ netischen Polen in jeder Erdhalbkugel mit demjenigen Grade von Bestimmtheit, welche sich aus den Beobachtungen bei der Norwegi⸗ schen Expedition durch Nord⸗Asien, und bei Erman’'s Fort⸗ fetzung derselben durch den Großen und Atlantischen Ocean ergeben hat. Zur Begründung einer Theorie des Erdmag⸗ netismus wird man freilich auf die Zahlen⸗Angaben selbst zu⸗ rückgehen müssen, welche jene Beobachter erhalten haben, aber Herrn Sabine's graphische Darstellung dieser Zahlen läßt schon jetzt kei⸗ neu Zweifel mehr bestehen über die Wirklichkeit einer Thatsache, die bis ju jenen genannten Expeditionen noch von der Mehrheit der Physiker geleugnet wurde.

William Wilberforce, der Mann Gottes, kein Mann der Partei. Einladungsschrift fuͤr die 24ste Stiftungs⸗ Feier der Koͤnigl. Preußischen Haupt⸗Bibelgesellschaft. Von Dr. August Neander, zeitigem Mit⸗Direktor der Preußischen Haupt⸗Bibelgesellschaft. 20 S. gr. 4.

Der ehrwürdige Verfasser giebt hier eine nur für die Mitglieder der Haupt⸗Bibelgesellschaft bestimmte Gelegenheitsschrift, von welcher dringend zu wünschen ist, daß sie durch einen anderweitigen Abdruck eluem größeren Publikum möge zugänglich gemacht werden.

Es sind eben vier Jahre verflossen (vom 1. August 1834), seitdem den Sklaven auf allen Englischen Besitzungen die Freiheit geschenkt wor⸗ den. Wer kennt nicht als den Begründer dieses Werkes von uner⸗ meßlicher Wichtigkeit den edein Wilberforce, der den Tag nicht mehr schauen sollte, wo es vollendet war, indem er schon am 27. Juli 1833 sein Leben endete. Die vorliegenden Blätter sind nicht bestimmt, Wos reiches Leben in seinen Aeußerlichkeiten mitzutheilen wer sich darüber unterrichten will, wird au die von W.'s beiden Söhuen ver⸗ faßte, in 5 Bänden zu London in diesem Jahre erschienene Biegra⸗ phie ihres Vaters ln verweisen seyn sie entheben jenem Werke von bedeutendem Umfange nur einzelne Züge zur Charakterisirung W.'s als Christen, eine Zusammenstellung von um so größerer Ver⸗ dienstlichkeit, als das Voruürtheil’ vielfach verbreitet ist, daß orthodoxes Christenthum mit einem ausgebreiteten praktischen staatsmännischen Wirken nicht verträglich sey, ein Vorurtheil, welches mehrere der aus⸗ gezeichnetsten Englischen Staatsleuker zu allen Zeiten freilich siegreich widerlegt baben. .

W. selbst ist mit sich über diesen wichtigen Punkt vollkommen einig gewesen. „Es ist klar“, schrieb er in seinem 26sten Jahre (1785) an seine Mutter, „wir müssen unsere besonderen Verhältnisse betrachten und in diesen alles mögliche Gute thun. Manche haben einen öf⸗ fentlichen Beruf erhalten, Anderen ist ihr Loos im Privatleben ange⸗ wiesen; diese verschiedenen Verhältnisse haben ihre entsprechenden Pslichten, und der, dessen Bestimmung von der ersten Art wäre, würde so übel thun, sich in die Einsamkeit einzumaueru, als derjenige, dem sein Beruf in einem Dorfe augewiesen wäre, wenn er sich an die Spitze eines Heeres stellen, oder als Redner im Parlamente auf⸗ treten wollte. Was ich gesagt habe, wird hinlänglich seyn, um jede Besorgniß zurückzuweisen, als wollte ich mich in meinem Zimmer in der Stadt, oder in meiner Einsamkeit auf dem Lande einschließen; nein, meine theure Mutter, unter meinen Verhältnissen wäre dies eine Verschuldung der Untrene, und wenn ich so von dem Posten entfliehen wollte, auf den die Vorsehung mich gestellt hat, so weiß ich nicht, wie ich auf den Segen Gottes bei einer Zurückgezogenheit rechnen könnte.’ W. gehörte hiernach, wie wir oben bemerkten, auf keine Weise zu denen, welche da meinen, die Beschäftigung mit welt⸗ lichen Imeressen stehe mit der Pflege des Christenthums im Innern in einem Widerspruch; aber eben so fern war er von dem enigegen⸗ gesetzten Extrem, von der verderblichen Lehre, daß es für das Wohl, wie der Einzelnen so der Völker, eine andere Grundlage gebe, als die, welche die christliche Religion darbietet. „Nur wenn wir unser Volk in christlichen Prinzipien erziehen“, sagt er, „können wir hoffen, an Macht, Größe und Wohlfahrt zuzunehmen; nur durch die Wirksamkeit dieser Prinzipien können wir dem Einfluß der Ur⸗ sachen ausweichen, welche die Staaten nach Analogie der einzelnen Menschen von der Kindheit zum Mannesalter und zu ihrem Unter⸗ gange führen; die Religion war in diesen Staaten auf falschen Prinzipien gegründet; es stiegen solche Völker von Stufe zu Stufe in der Geistesbildung, bis das Tageslicht über das ganze Ge⸗ bäude sich verbreitete und die Täuschung aufdeckte, worauf es gegrün⸗ det war; aber die Grundsäule unserer Größe ruht auf der Basis aller geistigen und sittlichen Fortschritte, welche das Christen⸗

tbum ist.“ Reander fügt dieser Aeußerung das von ihm Darge⸗ stellte hinzu: „Mit Recht spricht es W. hier aus, wie durch das

Christenthum allein ein Verwahrungsmittel gegen die Ursachen des Verderbens gegeben werden kann, welche alle Völker des Alterthums mit dem höchsten Gipfel ihrer irdischen Herrlichkeit, der Verbildung

und dadurch ihrer Auflösung entgegenführten.“ An ähnlichen Weis⸗ 1

heitssprüchen W.’s und R.'s ist die kleine Schrift reich. Es sey er⸗ laubt, mit einem Paar zu schließen, welche gerade in einem vorzugs⸗

weise politischen Blatte am rechten Orte stehen werden. „Es giebt 9 .

keine so nachthrilige Meinnng“, schrieb W. schon im Jahre 1785, „als diejenige, welche in dieser sich liberal nennenden Zeit so gewöhn⸗-⸗ lich verbreitet ist, daß ein Jeder sicher seovn könne, wenn er nur leid⸗ lich gut nach seiner Erkenütniß und Ueberzeugung handelt, obgleich

er sich nicht viele Mühe gegeben baben mag, um Erkenntniß zu er⸗ tragen oder seine Ueberzeygung zu befestigen“ Und (in neuerer Zeit) von dem Geiste der Englischen Tages⸗Presse: „Die Wirkungen der

Zeitungen sind von unberechenbarem Umfange, und, ich fürchte, im auzen zu großem Nachtheil. Es ist meine Ueberzeugung, daß un⸗

sere Wohlfahrt fernerhin darauf beruht, unserem Volke eine Erziehung 8 zu geben, welche für diese Einwirkungen berechnet ist. Wtr müssen den Geist desselben so zu erleuchten suchen, daß es gewaffnet sey ge-

gen diese Täuschungen, deren Opfer es sonst werden wird.“ Gleichzeitig mit der eben erwähnten Einiadungs⸗Schrift wird für

die Interessenten der Haupt⸗Bibel⸗Gesellschaft hierselbst ausgegeben,

deren „23ster Jabres⸗Bericht über das Jahr 1837. 182 S. 8.2 Das

Interesse für die Bibelsache ist im Forischreiten begriffen. Zu den 2* e8. disher in den Provinzen bestehenden Tochter⸗Gesellschaften haben sich

im verflossenen Jahre 4 neue gebildet, so daß die Haupt⸗Gesellschaft

deren jetzt im Ganzen 69 zählt. Was bedeutet aber jegliches Wirken 6 einer Kontinental⸗Gesellschaft gegen das wahrbaft kolossale der Briti-.

schen und auswärtigen Bibel⸗Gesellschaft in London, die den ganzen

Erdboden . Felde ihrer Thätigkeit erwählt hat!*) Es ist erhebend, in dies grandiose Ineinandergreifen vereinter Bemühun-;- gen zur Verbreitung des Wortes Gottes über alle bekannten Länder

einen Bli

der Welt zu thun und es war darum ein glücklicher Gedanke der Haupt⸗Bibel⸗Gesellschaft zu Berlin, seit einer Reihe von Jahren in ihrem Bericht eine Geschichte der Londoner Mutter⸗Gesellschaft

(so können sie wohl alle bestehende Bibel⸗Vereine in vielfacher Bew⸗ ziehung nennen), aufzunchmen. Diese von Herrn Prediger Ideler

mit vieler Sorgfalt ausgearbeitete Darstellung war in dem vorigen Berichte bis in das 15te Jahr des Bestehens der Gesellschaft in Lon⸗ don (von 1818⁄1 5) fortgeführt, der gegenwärtige Bericht giebt eine Uebersicht ihrer Wirksamkeit in den Jahren 181 ⁄⁄0, 182 1 und 182 ½2, welche gewiß von Freunden der Sache, um welche es sich hier handelt, mit nicht geringerem Interesse gelesen werden wird, als dasjeuige, was vorausgegangen. J. E. H.

*) Nur Ein Beispiel. Für eine einzige Anstalt, die der Missio⸗ naire in Serampore in Ostindien, waren neue Auflagen des R. T. in der Sanskrit, Bengalischen, Hindostanischen, Orißa und Mahrat⸗ ten⸗Sprache nothwendig; so auch das A. T. in den beiden erstgenann⸗ ten Sprachen. Die Kosten bierzu wurden berechnet: für 6000 Epn⸗ plare in der Sanskrit und Bengalischen Sprache etwa auf 4500 Pfd. Sterl. und für 20,000 Exemplare des R. T. auf 4000 Pfd. Sterl., zusommen also auf circa 60,000 Rihlr. Die Missionaire wandten sich an die Britische und auswärtige Bibel⸗Gesellschaft in London und diese wies augenblicklich als Unterstützung für diesen speziellen Zweck 2000 Pfd. Sterl. 14,000 Rthlr., an.

Berliner Börse.

Den 17. September 1838. 2 v“ . vesg;, s 8 dmtlicher Fonds- uad Gœeld-CçCours-Zette

2₰ Pr. Tour. 2 Fr. Tour. Rrief. Geld. * Brief. Geld.

St.-Schuld-Sch. 4 Pr. Engl. Obl. 20. 4] 1031⁄2 102 3 2 Pomm. Pfandbr. PrämSch. d. Sech. 67 661⁄½ do. do. 1015 —ñ Kurm. Obl. m. l. C. 4 103 5 ⁄1 Kur. u. Neum. do. 24 102 ⁄½ 102 4 4 4

Nm. Int. Sch. do. 1031½ Schlesische do. 10à ¼ Berl. Stadt-Obl. 4 1033⁄1¼ 1031⁄12 Rückst. C. und Z.

Königsb. do. Elbinger do. 4

Sch. d. K. u. N. 95

n —₰ Gold al marco 215 ¼ 214à ¼

Danz. do. in Th. 49 Neue Ducaten

Westpr. Pfandbr. Ä4 1015/8 [Friedricbsd'or 13 1 2 do. do. 22 1005⁄⁄ 100 ½2 [Aund. Goldmün-

Grosah. Pos. do. 4 1051 ¼ zen à 5 Thl. 121 ¼1

Ostpr. Pfandbr. 4 101 ⁄¶ Disconto 3 4

105 1 102 ⁄⁄ [0⸗tpr. Pfandbr. 24 100 ⁄1 100 1 6 3 6 1

Amsterdam, 12. September.

Niederl. wirkl. Schuld 54 ⁄¼. 5 % do. 101 16. Kanz. Bill.

24 ½. 5 % Span. 18 ⁄116. Passive —. Ausg. Sch. —. Zinsl. —. Preuss. Präm.-Sch. —. Poln. 118 ¾¼. Oesterr. Met. —.

Antwerpen, 1II. September. Zinsl. 5 ¾. Neue Anl. 18 ½¼. 8 Q— Ee. Frankfurt a. M., 14. September. Oesterr. 5 % Met. 106 1. G. 4 % 100 ¼. G. 2 ½ % 59 9 Br. 1 % 25 1. Br. Bank-Actien 1725. 1724. Partial. Ob 151 ¼. G. Loose zu 500 Fl. 126. 125 ¾. Loose zu 100 Fl. 269. G. Preuss. Präm.-Sch. 66 ¾. G. do. 4 % Anl. 103. G. Poln. Loose 66/ . 66 ⅞. 5 % Span. Anl. 9 ¼. 9 . 2 ½ % Holl. 535/ 6* 533⁄16- Pisenbahn-Aetien. St. Germain 780. 770. Versailles rechtes Ufer 710. 705. do. linkes Ufer 550. 545. Strafsburg-Basel 395. Br. Bordeaux-Teste —. Sambre-Meuse 442 ¼. 41. Leipzig-Dresden 98 ½. G. Köln. Aachen 100. Br. Comp.-Centrale Paris, 11. September.

5 % Rente 109. 30. 3 % 80. 95. 5 % Nea 82 % Span. Kente 20 ⁄. Paszive —. 30 % Portug. .

Wien, 12. September. 50 % Met. 1072 ⁄⁄ 2. 4 % 100 ¾.: 3 % —. 21 ½ % 59. Bank-Actien —. Neue Anl. 634 ⅞.

11 2 Auswärtige Börsen. s

Königliche Schauspiele.

Dienstag, 18. Sept. Im Opernhause: Die Zerstreuten, Posse in 1 Akt, von Kotzebue. Hierauf, zum erstenmale: Der Seeraͤuber, großes Ballet in 3 Abth., nach dem Gedichte des Lord Byron: „The Corsar“, vom Koͤnigl. Solotaͤnzer Paul Tag⸗ liont. Musik vom Koͤnigl. Kammer⸗Musikus Gaͤhrich. Preise der Plaͤtze: Ein Platz in den Logen des ersten Ranges 1 Rthlr. 10 Sgr. ꝛc. b

Koͤnigsstaͤdtisches Theater. Dienstag, 18. Sept. Der boͤse. Geist Lumpacivagabundus, oder: Das liederliche Kleeblatt. Zauber⸗Posse mit Gesang in 3 Akten, von J. Nestroy. Musik von A. Muͤller. Mittwoch, 19. Sept. Zum treuen Schäfer. Komische Oper in 3 Akten, nach dem Franzoͤsischen des Seribe und Saint⸗Georges, vom Freiherrn von Lichtenstein. Musik von

In Vertretung des Redactenrs: Wentzel.

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9d Gedruckt bei A. M. Hayn.