1838 / 287 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

die Trauben sind, trotz der vorgeruͤckten Jahreszeit, fast gar nicht weich. Die Weine von Saumur, Beangency und Orleans, welche man in Paris verkauft, sind in diesem Jahre so schlecht

gerathen, daß es nicht unwahrscheinlich ist, daß die Konsumen⸗ ten ihre Vorraͤthe von uns beziehen; wir muͤssen daher unsere Erzeugnisse so gut als moͤglich herzustellen suchen. Die weißen

Leine werden nur einen sehr spaͤrlichen Ertrag gewaͤhren; der reiche Landstrich, wo der Cognac bereitet wird, wie der, wel⸗ cher den Champagner hervorbringt, liefert kaum ein Viertheil

ddes sonst gewoͤhnlichen Ertrages.“

Einem Journal zufolge, soll der Marine⸗Minister eine tele⸗ graphische Depesche aus Toulon erhalten haben, wonach daselbst

eine Feuersbrunst die Gebaͤude von St. Mandrier zerstoͤrt haͤtte.

2* Die Kapelle hat besonders viel gelitten, und die Kuppel dersel⸗ ben ist eingestuͤrzt. Man fuͤgt hinzu, daß diese Feuersbrunst durch Unvorsichtigkeit entstanden sey.

Der Kommandant eines der Regierungs⸗Dampfboͤte, wel⸗ b Grey kommandirt wird und dazu ausersehen ist, den neuen

chhes den Herzog von Dalmatien nach London fuͤhrte, hat von dem Marschall ein werthvolles Andenken empfangen. Auch Herr Goubin, welcher das zweite dieser Fahrzeuge, den „Phaston“ kommandirte, ist auf aͤhnliche Weise bedacht wor⸗ den, er empfing eine Trinkschale von Vermeil, die üͤberaus e.Meschag Soult dem Capitain Goubin. Gesandtschaft Ddie Bombardier⸗Schiffe „Vulcan“ und „Eclair“ sind un⸗ ter Segel gegangen; das Dampfboot „Phare“ begleitet sie bis Cadix, um sie durch die Meerenge zu geleiten. Diese Schiffe, welche die Escadre des Admiral Baudin vollzaͤhlig machen wer⸗ den, erreichen Mexiko um die Mitte des Novembers. koͤnnen alsdann die Angriffe auf das Fort St. Juan d'Ulloa ohne Aufschub beginnen.

In einem Schreiben aus St. Pierre auf Martinique vom 26. August heißt es: „Das Elend, welches seit laͤngerer Zeit auf uns lastet, hat jetzt seinen hoͤchsten Gipfel erreicht. Der hohe Einfuhrzoll lastet schwer auf uns. Wenn dieser Zu—

stand der Dinge noch einige Monate fortdauert, wird eine voͤl⸗

lige Zerruͤttung des Handels die Folge davon seyn. Die Grund⸗ Eigenthuͤmer sind bereits ruinirt; man hat den besten Zucker fuͤr 15 Fr. haben koͤnnen und dennoch fehlten die Kaͤufer; ge⸗ ringere Sorten wurden zu 12 Fr. vergebens ausgeboten. Die Sitzungen des Kolonial⸗Rathes haben seit dem 1. August be⸗ gonnen; unsere Deputirten verhehlen uns die Schrecken der Zukunft nicht. Die Bevoͤlkerung ist in einem Zustande der Ver⸗ zweiflung. Man bezahlt ein Faß getkockneter Fische mit drei Faͤsser Zucker. Ohne ein Schiff, welches in der vorigen Nacht mit Lebensmitteln anlangte, waͤren wir jetzt dem Mangel preis⸗ gegeben. In Erwaͤgung dieser unserer trostlosen Lage hat der Kolonial⸗Rath einen Entschluß gefaßt, von dem freilich nicht besondere Huͤlfe zu erwarten ist, der ihn aber in diesem Augen⸗ blicke vor dem Vorwurfe schuͤtzt, als haͤtte er nicht Alles ange⸗ wendet, was in seinen Kraͤften steht, um das äußerste abzuwen⸗ den. Es ist naͤmlich eine außerordentliche Deputation des Kolo⸗ nial⸗Rathes von drei Mitgliedern gewaͤhlt und zur Wahrneh⸗ mung unserer Rechte nach Paris gesandt worden. Es sind dies der Graf Mauny und die Herren Latuillerie und Buse.“

8 Großbritanien und Irland.

London, 9.-Okt. Das Interessanteste, was die Zeitun⸗

gen der letzten Tage bringen, ist ein kurzer Bericht uͤber ein Diner, welches dem Minister des Innern, Lord John Russell, auf seiner Ruͤckreise von Dublin nach London am vorigen Mitt⸗ woch zu Liverpool in der dortigen Stadthalle gegeben wurde, so wie uͤber die Rede, die der Minister bei dieser Gelegenheit hielt. Man bedauert es nur, daß keine Schnellschreiber zu dem Diner zugelassen wurden, so daß man nur einen sehr un⸗ vollstaͤndigen Auszug aus der Rede hat erhalten koͤnnen, auf welche man im Publikum so sehr gespannt war, da Lord John Russell sich hier zum erstenmale seit dem Schluß des Parla⸗ mentes uͤber den Zustand des Landes und namentlich uͤber die letzten großen Volksversammlnngen vernehmen ließ. Der Mayor von Liverpool hatte an ungefaͤhr 70 Personen von allen politischen Nuͤancen Einladungs⸗Karten zu dem Diner ergehen lassen. Nachdem derselbe den Toast auf das Ministe⸗ rium und insbesondere auf Lord John Russell ausgebracht hatte, erhob sich dieser und sagte, er fuͤhle sich sehr geehrt durch die Art und Weise, wie dieser Toast ausgebracht und wie er aufgenommen worden. Dann sprach er sich weitlaͤuftig uͤber das Vergnuͤgen aus, welches ihm sein Aufenthalt in Liverpool verursacht habe, er gab seine Bewunderung zu erkennen uͤber Alles, was er dort gesehen, und schilderte die Wichtigkeit dieser Stadt als eines der groͤßten Handelsmaͤrkte der Welt. Auch des in der letzten Zeit so erleichterten und beschleunigten Ver⸗ kehrs zwischen dem einen und anderen Ende von England ge⸗ dachte er und aͤußerte die Hoffnung, daß diese Vernichtung von Zeit und Raum, diese Beruͤhrung der verschiedenen Interessen mit einander, dazu beitragen werde, Eintracht und Zusammenwir⸗ ken zu befoͤrdern. Vor einer solchen Versammlung, fuhr er fort, wolle er sich nicht auf das Feld der Politik begeben, indeß uͤber einen Gegenstand, der sein Departement naͤher angehe, koͤnne er doch nicht umhin, einige Worte zu sagen; er meine die oͤffentlichen Versammlungen, die jetzt in verschiedenen Theilen des Landes stattfaͤnden. Einige wuͤrden vielleicht der Ansicht seyn, daß der⸗ gleichen Versammluugen unterdruͤckt werden muͤßten; dies sey aber seine Meinung nicht, noch auch die des Ministeriums uͤberhaupt. Das Volk, so glaube er, habe das Recht, sich un⸗ gehindert uͤber seine Interessen zu besyrechen; durch freie Eroͤr⸗ terung werde die Wahrheit ans Licht gebracht; das Volk sey berechtigt, Versammlungen zu halten; wenn es keine Beschwer⸗ den haͤtte, so wuͤrde der gesunde Sinn desselben ihm bald zu Huͤlfe kommen und den Versammlungen ein Ende machen. Nicht von freier Debatte, nicht von ungehinderter Kundgebung der oͤffentlichen Meinung haͤtten die Regierungen etwas zu fuͤrchten, sondern davon, wenn sie das Volk zu geheimer Ver⸗ buͤndung noͤthigten. Da liege die Gefahr, das habe man zu fuͤrchten, nicht die freie Diskussion. Der Minister deutete dann noch mit großer Zufriedenheit auf die Ersparnisse hin, welche, seit er das Ministerium des Innern leite, in den geheimen Dienst⸗Ausgaben bewirkt worden, und schloß seine Rede damit, daß er die Hoffnung aussprach, es werde bald Bedeutendes geschehen, um das Volk durch vernuͤnftigen und auf die Religion gegruͤndeten Unterricht in moralischer Hin⸗ sicht zu heben. Er habe, fuͤgte er hinzu, die Liverpooler Stadt⸗ schulen besucht, und er muͤsse dem in denselben ertheilten Reli⸗ gions⸗Unterricht seinen vollen Beifall schenken. Eben so aͤußerte sich der Secretair des Schatzamts, Herr Stanley, der auch z8 dem Diner eingeladen war, uͤber die Schul⸗Anstalten der Li⸗ verpooler Corporation und bedauerte es, daß die letztere in die⸗ ser Beziehung aus eigennuͤhigen Motiven so ungerechter Weise verleumdet worden sey, indem er hinzufuͤgte: er hoffe, daß die

Es

1182 Zeit der hoͤswilligen Anfeindung voruͤber seyn und daß der Geist der Liebe und Menschenfreundlichkeit, der fruͤher einen so bedeutenden Zug in der christlichen Religion gebildet, wieder den Sieg davontragen werde. Diese Reden, besonders die des Lord J. Russell, sollen in Liverpool einen außerordentlich guͤnstigen Eindruck gemacht und dem Ministerium viele Refor⸗ mer, die uͤber die letzte Parlaments⸗Session sehr mißvergnuͤgt

waren, von neuem gewonnen haben. In einer am Sonnabend im Schloß Windsor gehaltenen Geheimeraths⸗Versammlung wurde das Parlament vom 11. d. vorlaͤufig noch ferner bis zum 4. Dezember prorogirt und der

Stadt Birmingham, so wie kuͤrzlich der Stadt Manchester, die

neue Munizipal⸗Verfassung verliehen.

Der Marquis von Clanricarde ist gestern mit seiner Fa⸗ milie von hier nach Woolwich abgereist, wo das Dampfboot „Firebrand“ seiner harrt, um ihn nach Sheerneß an Bord der Fregatte „Cleopatra“ zu bringen, welche vom Capitain

Botschafter nach Kronstadt zu fuͤhren, wohin bereits das Dampf⸗ boot „Lightning“ vorausgeeilt ist, damit es den Marquis dort gleich in Empfang nehmen und nach St. Petersburg bringen koͤnne. Ministerielle Blaͤtter meinen, der Marquis von Clanri⸗

kunstreich gearbeitet ist, und auf dem Boden die Inschrift traͤgt: carde werde auf seinem neuen Posten, bei der jetzigen Lage der

Dinge im Orient, einen schweren Stand haben, und jene Ver⸗ haͤltnisse seyen auch der Grund, weshalb kuͤrzlich einige Ver⸗

setzungen unter den Britischen Legations⸗Secretairen an den fremden Hoͤfen stattgefunden, weil gewisse Gesandtschaften einer Verstaͤrkung an persoͤnlicher Energie und diplomatischem Talent

bedurft haͤtten.

Da in auswaͤrtigen Blaͤttern mancherlei Geruͤchte uͤber die Londoner Konferenz verbreitet worden, bald, daß dieselbe den wichtigen Beschluß gefaßt habe, eine neue Theilung der Nie⸗ derlaͤndischen Schuld vorzunehmen, bald, daß sie sich fuͤr auf— geloͤst erklaͤrt haͤtte, wofuͤr man besonders die Abreise des Fuͤr⸗ sten Esterhazy von London als Beweis angefuͤhrt, so findet die Morning Chroniele sich zu der Erklaͤrung veranlaßt, daß dies Beides ungegruͤndet sey. „Die Konferenz“, sagt das mi⸗ nisterielle Blatt, „hatte zu der Zeit, wo diese Geruͤchte in Um⸗ lauf kamen, noch gar keine Sitzung gehalten, und wenn auch Fuͤrst Esterhazy abgereist ist, so verweilt doch Graf von Senff⸗ Pilsach noch hier und vertritt Oesterreich in der Konferenz.“

Die Staats⸗Einnahme des mit Anfang Oktobers abschlie⸗ ßenden Finanz⸗Jahres, deren Bekanntmachung morgen erwar⸗ tet wird, soll im Vergleich zu dem vorhergehenden Jahre be⸗ deutend zugenommen haben.

Am Freitag Abend brach zu Liverpool in einem großen Speicher in der Robert-⸗Straße Feuer aus und verbreitete sich bald uͤber mehrere andere nahe gelegene Speicher und Haͤuser; in den ersteren befand sich besonders viel Wolle, Baumwolle und auch Salpeter; dieser veranlaßte zweimal starke Explosio⸗

nen, durch welche eine Menge von Menschen beschaͤdigt wur⸗ nig zwischen ihnen und unserem Kabinet der Traktat der 24 An

den und zwei ums Leben kamen. Erst am Sonnabend fruͤh ge— lang es, dem Feuer Einhalt zu thun, nachdem ein Schaden von 150 200,000 Pfund angerichtet worden war. Durch die eine Explosion wurde eine drei Stock hohe Schiffsbrod⸗Baͤcke⸗ rei, die noch gar nicht vom Feuer gelitten hatte, sammt einem Nebenhause uͤber den Haufen geworfen, alle Fenster in den umliegenden Straßen zersplitterten, und eine große Volksmasse stuͤrzte, wie vom Blitz getroffen, zu Boden.

Die in Franzoͤsischen Blaͤttern enthaltene Nachricht, daß der Vicekoͤnig von Aegypten in die Bedingungen des kuͤrzlich zwischen England, Frankreich und der Pforte abgeschlossenen Handels⸗Traktats gewilligt habe, wird vom hiesigen Courier mit folgender Bemerkung begleitet: „Diese Nachgiebigkeit von Seiten Mehmed Ali's, wenn sie sich bestaͤtigt, wird wahrschein⸗ lich, mindestens fuͤr jetzt, den kriegerischen Demonstrationen im Orient Einhalt thun, von denen in der letzten Zeit so viel die Rede gewesen, und die bei laͤngerer Fortdauer vielleicht zu einem allgemeinen Kriege haͤtten fuͤhren koͤnnen.“

Die hiesige Mexikanische und Suͤd-⸗Amerikanische Associa⸗ tion versammelte sich dieser Tage, um uͤber die ihr von den beim Handel mit Mexiko und Buenos⸗Ayres betheiligten Li⸗ verpooler Kaufleuten zugegangene Anfrage zu berathschlagen, ob sie sich einer Vorstellung an das Ministerium der auswaͤr⸗ tigen Angelegenheiten anschließen wolle, in welcher uͤber die Franzoͤsische Blokade ernstliche Beschwerde gefuͤhrt und zugleich geradezu gefragt werden sollte, ob die Englische Regierung die Absicht hege, in dieser Angelegenheit einzuschreiten. Es ward beschlossen, einer solchen Vorstellung beizutreten.

Bis zum 11. September war in Alexandrien die Post aus Ostindien uͤber die Meerenge von Suez noch nicht eingetroffen, und man fuͤrchtete, daß ihr ein Unfall begegnet seyn moͤchte. Auf dem Seewege hat man hier Berichte aus Kalkutta vom 19. Mai erhalten, denen zufolge die Besorgniß vor einem Kriege mit den Birmanen fortdauert. Eine Compagnie leichter In⸗ fanterie von Assam hatte den Befehl erhalten, die Defileen zwi⸗ schen Birma und Nepaul zu besetzen und alle Briefe aufzu⸗ fangen, welche diesen Weg nehmen moͤchten. Das zweite Bri⸗ tische Infaͤnterie-Regiment und zwei Regimenter Sepoys waren beordert, sich marschfertig zu halten, um nach der Graͤnze von Assam abzugehen. Die Nachricht, daß die Ostindische Tompagnie von dem Sultan von Aden gegen eine jaͤhrliche Entschaͤdigung die Einraͤumung eines Depots fuͤr Kohlen in dem Hafen von Aden erlangt hat, wird bestaͤtigt, und man glaubt, daß dadurch der Handel von Mokka nicht wenig leiden duͤrfte, da nun den Englaͤndern der Zugang zu den besten Arabischen Kaffee⸗Distrikten offen steht und sie sich die Produkte von Yemen und Abyssinien mit leichter Muͤhe verschaffen koͤnnen.

Die Eroͤrterungen, welche in der letzten Zeit uͤber die Ae⸗ gyptische Frage gepflogen worden, haben einen neuen Verthei⸗ diger Mehmed Ali's in der Person eines gewissen Hassanein al Besumih hervorgerufen, der aus Nieder⸗Aegypten gebuͤrtig ist und seit acht Jahren in England lebt. Er hat eine Broschuͤre in Form eines an Lord Palmerston gerichteten Schreibens her⸗ ausgegeben, worin er den Vicekoͤnig gegen die Vorwuͤrfe zu rechtfertigen sucht, die demselben von einem Theil der Englischen Presse, besonders in einer kuͤrzlich erschienenen Schrift aus der Feder eines Herrn Holroyd, gemacht worden sind. Der ruhige, besonnene Ton, in welchem die Broschuͤre des Ae⸗ gypters gehalten ist, und die richtige treffende Art und Weise, wie derselbe sich in der Englischen Sprache aus⸗ zudruͤcken versteht, obgleich sie ihm bei seiner Ankunft in Eng⸗ land noch ganz fremd gewesen, haben hier große Bewun⸗ derung erregt. Er leugnet die Mißbräuche nicht, welche man der Aegyptischen Verwaltung so haͤufig vorgeruͤckt hat, nur sucht er zu zeigen, daß dieselben alle schon fruͤher dort geherrscht, als Mehmed Ali zur Macht gelangt sey; deshalb nimmt er einige Nachsicht fuͤr seinen Gebieter in Anspruch, wenn es die⸗ sem nicht gelungen, in wenigen Jahren all den Uebeln abzu⸗ helfen, die sich seit Jahrhunderten in Aegypten

v

angehaͤuft.

So, sagt er, sey es bei allen fruͤheren Statthaltern un derter Gebrauch gewesen, die Ackerbau⸗Interessen 8 Monopol der Regierung zu machen. Er bemuͤht se

aber, andererseits nachzuweisen, in wie vielfachen Beziehunge der Zustand Aegyptens unter Mehmed Ali verbessert Mit besonderer Vorliebe verweilt er bei den polizeil⸗ Verbesserungen und bei der groͤßeren persoͤnlichen Sichen die dadurch fuͤr Eingeborene und Fremde gewonnen won Ferner erwaͤhnt er der vielen Bemuͤhungen Mehmed Alan Verbreitung des Unterrichts unter allen Volksklassen zu dern, so wie der Einfuͤhrung einer Druckpresse und * 8 munterung, die der Pascha der Bildung des weiblichen schlechts habe zu Theil werden lassen, indem er eine Englän rin aufgefordert, nach Aegypten zu kommen, um die Men danischen Frauen und Maͤdchen zu unterrichten. Als Becg ne der Verfasser der Broschuͤre ein Schreiben dieser Dame fa Miß Halliday, aus Kahira vom 22. Maͤrz dieses Jahraan in welchem dieselbe sagt, daß Mehmed Ali ihr die Ergägul seiner Toͤchter, Nichten und anderen nahen weiblichen n. wandten, etwa hundert an der Zahl, anvertraut habe, dem Bemerken, es solle dies nur ein Anfang im weib Unterricht fuͤr Aegypten seyn, denn er habe viel umfassen Plaͤne und wolle zuerst einen Versuch mit seiner eigenen; milie machen. Es war die Absicht des Pascha's, daß Halliday aus seinen aͤltesten Toͤchtern ein Comité bilden mit ihnen zusammen sich uͤber die besten Mittel zur Vern tung von Maͤdchenschulen uͤber ganz Aegypten und die gehoͤrigen Reiche berathen solle. Alle diese Schulen sollten 1 von Englaͤnderinnen geleitet werden. Miß Halliday untern. tet in ihrer Schule bereits 114 Kinder von 8 Uhr Morg bis 5 Uhr Nachmittags und wird dabei noch von einer deren Englaͤnderin unterstuͤtzt. Auch ein Schreiben Hekeh Efendi's, eines der obersten Beamten Mehmed Alrs,¹ Miß Halliday wird in Hassanein's Broschuͤre mitgetheill,; welchem der Dame die Theilnahme des Pascha's an ihren d muͤhungen kund gegeben und einige Instructionen fuͤr see 1 zugefuͤgt werden. Hassanein al Besumih zieht aus diesem Na zuletzt den Schluß, daß England gegen Aegypten eben so sa deln muͤsse, wie gegen Brasilien, Mexiko, Columbien n Griechenland, und daß es Mehmed Ali ohne Zoͤgern als ein unabhaͤngigen Souverain anerkennen sollttetee.

Niederlandee.

Amsterdam, 10. Okt. Im Handelsblad liest ma „Nach den letzten uns zugekommenen Berichten, auf die w uns verlassen zu koͤnnen glauben, ist wenig Aussicht da,d vor der Eroͤffnung der Generalstaaten eine bestimmte Ä. wort der Londoner Konferenz auf die Antraͤge des Koͤnigs folgen werde. Inzwischen bestaͤtigt sich immer mehr, was n

schon fruͤher unseren Lesern mitgetheilt haben, daß alle fi

Maͤchte uͤber Einen Punkt einig sind, uͤber den naͤmlich,

kel alle Kraft verloren habe und nichts mehr ist, als ein tod Buchstabe.“ 89 d. 8 C1“

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Bruͤssel, 9. Okt. Unser Gesandter in Paris, Herr dLoh⸗ ist hier eingetroffen. 1

Belgische Blaͤtter erzaͤhlen, daß vor einigen Tagen! Negoziant in Luͤttich, dem ein Kaufmann aus Duͤsseldorf ei Wechsel von 3000 Fr. zur Bezahlung praͤsentirte, diesem e Schein aus der Hand gerissen, und ihn zerstuͤckelt und verschlus habe. Der fremde Kaufmann requirirte zwar sofort polizeilt Huͤlfe, doch wird es wohl fuͤrerst zu einem Prozesse komn muͤssen.

Schweden und Norwegen.

Stockholm, 9. Okt. Der Koͤnig und die Koͤnigin hahe in diesen Tagen abermals die Franzoͤsischen Gelehrten Gaima⸗ Marmier und Robert bei sich zur Mittagstafel gesehen. I Letzteren sind im Begriff, von hier ihre Ruͤckreise nach Pamn anzutreten.

In Upsala ist eine neue literarische Zeitung unter den d

tel „Eos“ gegruͤndet worden.

Der Landes⸗Hauptmann von Oeland und Jemtland, JIu Adlersparre, ist im 76sten Jahre seines Alters mit Toe ch⸗

Veutschlahghtht. 8

S8e2l 8

Muͤnchen, 9. Okt. Unter den Personen, denen 6e Kaiserl. Hoheit der Großfuͤrst Thronfolger Geschenke zuruͤckuch befindet sich auch unser Kunst⸗Veteran Eßlair, dem gestern durt die Gesandtschaft ein kostbarer Diamantring, von einem seßt schmeichelhaften Schreiben begleitet, zugestellt wurde. De Prinz hatte den Kuͤnstler zwei Tage fruͤher in der Rolle de Wallenstein gesehen, und seinem Spiele, das ihn in mehrem Stellen sichtbar ergriff, allen Beifall geschenkt. Se. Kaiset Hoheit hat den geraden Weg uͤber Innsbruck nach Varemn eingeschlagen. -

Den letzten Nachrichten aus Berchtesgaden vom 6. 08 tober zufolge, hatten Ihre Majestaͤten in den letzten Tagen &r kursionen nach Aigen, Salzburg und dem Moͤnchsberg gemacht Der Bischof von Bamberg und der Erzbischof von Salzbutg, Freiherr von Fraunberg und Fuͤrst r . waren il Berchtesgaden angekommen und zur Koͤniglichen Tafel gezogen worden.

Schwerin, 13. Okt. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großheb⸗ zog haben auf den 14. November d. J. einen allgemeinen Land, tag in der Stadt Malchin angeordnet und das Einberufungt, Schreiben ist bereits an alle Behoͤrden und Gutsbesitzer erlaß sen worden. Capita proponenda sind 1) die ordinaire Landes⸗ Contribution; 2) die Beduͤrfnisse der allgemeinen Landes⸗Rezey⸗ tur⸗Behoͤrde und 3) fortgesetzte Berathung uͤber die zweckmd⸗ ßige Verbesserung der Kriminal⸗Gerichtspflege.

Frankfurt a. M., 12. Okt. Oeffentliche Blaͤtte wollten in den letzteren Tagen wiederholt behaupten, daß die Hollaͤndisch⸗Belgische Angelegenheit immer noch auf einem ceh ungewissen Punkt stehe. Nach den neuesten Mittheilungen au dem Haag und London ist dieses aber nicht der Fall.é Es it allerdings wahr, daß die Beilegung der Hollaͤndisch⸗Belgischen Differenz von einiger Nachgiebigkeit der Niederlaͤndischen Re⸗ gierung abhaͤngt; da aber die, Holland von der Konferenz zu

stellenden Propositionen nicht von der Art seyn sollen, daß dar⸗

aus eine parteiische Beguͤnstigung Belgiens zu entnehmen 8 da ferner die ungewisse Fortdauer des Status quo von Helee durchaus nicht gewuͤnscht werden kann und endlich zu hofn ist, daß Holland den Vorstellungen seiner Verbuͤndeten das Oht nicht verschließt, so steht zu erwarten, daß der Koͤnig in - Thron⸗Rede bei der bevorstehenden Eroͤffnung der Session de 1“ v“ 16“

3 An die Militair⸗Aufsichts⸗Behoͤrde weitere Maßregeln, Vermehrung oder Verminderung der Trup⸗

sorgnissen mehr vorhanden.

8— 8 8 .

u11111111“*4*A““ 82 werden, daß die von Arenenberg abgesandte Abschrift mit

Generalstaaten die Aussicht auf eine moͤglichst baldige Ausglei⸗ chung des Streites mit Belgien eroͤffnen werde.

Wie man vernimmt, so wird der Durchlauchtigste Gouver⸗ neur der Bundes⸗Festung Mainz, des Prinzen Wilhelm von Preußen Koͤnigl. Hoheit, noch vor Ende dieses Monats Mainz

verlassen, einige mit Höͤchstseiner Familie noch an dem

Landgraͤflich Hessen⸗Homburgschen Hofe verweilen, und dann nach Derlin zuruͤckreisen. Se. Durchlaucht der Landgraf von Hessen⸗Homburg begiebt sich wahrscheinlich erst im naͤchsten Mo⸗ nat nach Luxemburg. 1

Die Sitzungen der Bundes⸗Versammlung finden ununter⸗ brochen, ordentlicherweise statt. Von einem Anfang der Bun⸗ destags⸗Ferien kann noch keine Rede seyn, und eben so wenig scheint die Abreise des Herrn Grafen von Muͤnch⸗Bellinghau⸗ sen nach Wien schon bestimmt.

Die anfangs dieser Woche hier stattgehabten Urwahlen fuͤr die gesetzgebende Versammlung haben das Resultat geliefert, daß kaum der zehnte Theil unserer stimmberechtigten Buͤrger abgestimmt hat. Es ist diese Theilnahmlosigkeit an den Urwah⸗ len nicht die Folge einer Unzufriedenheit mit dem Gang unse⸗ rer Angelegenheiten, sondern im Gegentheil der Beweis, daß die Masse der hiesigen Buͤrgerschaft sich nicht der geringsten Besorgniß uͤberlassen zu muͤssen glaubt.

Unser Senat hat bereits eine Bekanntmachung wegen der Feier des 18. Oktobers erlassen; dieser denkwuͤrdige Tag wird, wie immer, hier begangen. Die 25jaͤhrige Jubilaͤums⸗Feier des Deutschen Befreiungs⸗Kampfes findet erst im Dezember d. J. hier statt und es haben sich fast alle der damals fuͤrs Vaterland freiwillig Ausgezogenen als Theilnehmer an dem

Fest gemeldet. Oesterreich.

Ein Schreiben aus Wien vom 6. Oktober im „Nuͤrnber⸗ ger Korrespondenten“ erklaͤrt die in mehreren Deutschen Blaͤttern mitgetheilte Nachricht, daß in Maͤhren ein ganzes Dorf Wil⸗ lens sey, zur protestantischen Religion uͤberzutreten, fuͤr eine Fabel, in Wien sey davon weder im privat⸗ noch amtlichen Wege etwas bekannt geworden, was bei der Wichtigkeit des

Falles sicher geschehen waͤre. In einer Gemeinde Tyrols habe

zwar abermals ein konfessionelles Zerwuͤrfniß stattgefunden, und es sey von der Ortschaft an das Gubernium die Bitte um Ab⸗ huͤlfe des Streites gestellt worden, allein es sey nicht denkbar, rs so weit

daß die Verwechselung des Maͤhrischen Berichterstatte gegangen sey. 8 88

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Luzern, 7. Okt. In der Sitzung der Tagsatzung vom 6. Oktober wurde von 17 ½ Staͤnden die Antworts⸗Note an hah- Regierung beschlossen. (S. den Art. Frank⸗ reich.

Kanzler Amrhyn ist von Luzern am 5ten fruͤh in Bern eingetroffen, um von dem Englischen Gesandten bei der Eidge⸗ nossenschaft, Herrn Morier, das Visa fuͤr den Paß Lucian Na⸗ poleon Bonaparte's sn erhalten. Herr Morier ertheilte dasselbe ohne Anstand, und schickte zugleich eine Depesche mit der Nach— richt davon an den Englischen Gesandten in Paris, Lord Gran⸗ ville. Der Paß ist ausgestellt auf „Napoleon Louis Bonaparte, gebuͤrtig aus Paris, domicilirt in Arenenberg, Kanton Thur⸗ gau.“ Am 6ten erhielt der Paß auch die Visas von der Ba⸗ dischen, der Preußischen und der Niederlaͤsdischen Gesandtschaft, und wurde am folgenden Tag sogleich nach Thurgau gesandt.

In der Tagsatzungs⸗Sitzung vom ôten wurde noch folgen⸗ der Beschluß gefaßt: Die in Genf, Waadt und Bern aufgebo⸗ tenen Truppen sollen unter eidgenoͤssisches Kommando gestellt werden. (Hiefuͤr stimmten Zuͤrich, Solothurn, Schaffhausen, St. Gallen, Aarau, Wallis, Genf, Waadt, Thurgau, Appen⸗ ell A. R., Basel⸗Land, Freiburg, Glarus, Bern und Luzern.) erging der Auftrag, sich uͤber

pen zu berathen. Endlich wurde noch die bereits bestehende Kommission beauftragt, der Tagsatzung zur Erwaͤhlung des Be⸗ fehlshabers einen Vorschlag vorzulegen. on den Debatten in der Lagsagungs⸗Sitzung vom 6. Ok⸗ tober wird in Schweizer Blaͤttern Nachstehendes mitge⸗ theilt: „Basel⸗Stadt wundert sich uͤber die Fortschritte, welche man seit dem 1. Okt. in Bezug auf Kriegsruͤstungen gemacht, obschon seither sich Alles friedlich gewendet. Der Gesandte re⸗ praͤsentirt auch einen Graͤnzstand, aber dieser findet derartige Maßregeln, wie sie in Genf und Waadt getroffen werden, we⸗ der noͤthig noch wohlthaͤtig. Basel sieht noch keine Gefahr, denn Frankreich wird nichts vornehmen, vort gegeben wird, eine solche Antwort aber sah Basel fuͤr un⸗ wahrscheinlich, fast unmoͤglich an. Nun man aber vollends vom Innehalten der Franzoͤsischen Maßregeln erfaͤhrt, und ine friedliche Antwort erlassen ist, ist kein Grund zu Be⸗ vor Das Einnehmen einer kriegeri⸗ chen Stellung ist immer eine sehr wichtige Maßregel, welche nicht ohne genuͤgende Gruͤnde ergriffen werden soll. Durch Bei⸗ behaltung derselben koͤnnte man immer tiefer in die Sache hin⸗ eingerathen, jetzt, wo sie auf dem Punkt ist, erledigt zu werden. Die angefuͤhrte Beunruhigung ist bei vielen rechtlichen Buͤrgern nicht so groß; weit mehr wird man durch eine Bewaffnung Solchen Freude machen, die gern eine Krise am Horizont er⸗ öblicken und daraus allerlei Hoffnungen entnehmen; solche Leute giebt es in der Schweiz, Inlaͤnder und Auslaͤnder, und diesen vill der Gesandte die Freude nicht machen; er stimmt daher gegen Maßregeln der einen und anderen Art. St. Galle nruͤgt, daß bie Gesandten nach Mailand sich mit dem Fuͤrsten Metternich uͤber onaparte's Angelegenheit in Declarationen eingelassen haben, und 8* sie sich mehr Muͤhe gegeben, die Schweiz zu entschuldigen, ihr Recht und ihre Wuͤrde zu retten. Der Gesandte nscht daher zu wissen, ob der Vorort ihnen noch weitere hüftrͤge als die bloße Bekomplimentirung gegeben habe. Die⸗ 1 ntrag wird indessen nicht unterstuͤtzt, und auf die per nliche Frage Basel⸗Lands antwortet der Praͤsident vernei⸗ ber SBasel⸗Stadt bemerkt dazu, die Gesandten haͤtten nur 8 Gespraͤche mit dem Fuͤrsten Staats⸗Kanzler berichtet und * inlassen in solche Gespraͤche koͤnne keinem Tadel unter⸗ 855 Schließlich bemerkte noch der Praͤsident auf die Aeu⸗ el- ng von Basel⸗Land, als habe der Herzog von Monte⸗ hrastwffaielle Anzeige von der Abreise Bonaparte's von dem vors enten erhalten, daß die Diplomaten schon vor dem schort (von Arenenberg aus) eine Abschrift des Bonapar⸗ . Briefes an die Regierung von Thurgau erhalten haben, 8 ann der Praͤsident, auf Ersuchen des Franzoͤsischen Ge⸗ laubn“ die Abschrift des offiziellen Schreibens von Thurgau brin t habe. Thurgau mwundert sich, daß die Zuschrift des vom 22. September erst am 2östen dem Praͤsidenten und wuͤnscht daruͤber Untersuchung. Diese Untersuchung

onnte aber wohl durch die Erklaͤrung des Kanzlers beseitigt

bevor ihm abschlaͤgige Ant⸗

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dem Kaiserlichen Adler besiegelt gewesen war. 182 8 . 1 Igüi en.

Verona, 1. Okt. Am Tage vor der Abreise 3 rer Kaiserl. Majestaäͤten, am 29. September, gab die Stadt n 1c. sten Herrschaften ein großes Schauspiel in der Arena. Schon vor 1 Uhr Nachmittags war das Innere jener ausgedehnten marmornen Ellipse, die sich rings um die Arena stufenweise er hebt, von einer unzählbaren Volksmenge bedeckt, so daß man an der Stelle der steinernen Stufen nur noch die Koͤpfe und Schultern von wenigstens 50,000 Personen erblickte, die aus den verschiedenen Ortschaften der Provinz und auch weiter her⸗ gekommen waren, um sich des Anblicks der geliebten Herrscher⸗ Familie zu erfreuen. Nach 4 Uhr erschienen Ihre Majestaͤten in zahlreicher und glaͤnzender Begleitung und traten in die große mit einem reizenden Gezelte bedeckte Loge, an deren Eingang zu beiden Seiten eine Abtheilung Veronesischer Edelleute, zum Corps der Lombardisch⸗ Venezianischen Edel⸗ Garde gehoͤrig, aufgestellt war. Ein zu wiederholtenmalen fallender kleiner Regenschauer stoͤrte das allgemeine Ver⸗ gnuͤgen nicht, sondern machte die Scene nur noch lebhafter und abwechselnder, indem die vielen Tausende der aufgespannten vielfarbigen Sonnenschirme und Regendaͤcher einen gar seltsamen und reizenden Anblick gewaͤhrten. Die Majestaͤten verließen mit ih⸗ rem Gefolge bald nach dem Beginne der von der Kunstreiter⸗ Gesellschaft Foureaux ausgefuͤhrten Spiele das Amphitheater wieder, und der allgemeine Jubelruf, den die Versammlung bei ihrer Ankunft und waͤhrend ihrer Anwesenheit wiederholt hatte erschallen lassen, begleitete sie auch außer die Mauern der Arena. Gestern fruͤh wohnten Ihre Majestaͤten dem von Herrn Bischofe Grasser celebrirten feierlichen Gottesdienste bei, und geruhten, hierauf saͤmmtliche Behoͤrden zur Abschieds⸗Audienz vorzulassen. Bald nach 9 Uhr fruͤh fuhren die erhabenen Rei⸗ senden durch die Straße St. Michele vor die Porta Vescovo in der Richtung nach Vicenza ab.

Venedig, 6. Okt. Gestern Mittag um 12 Uhr haben Ihre Majestaͤten der Kaiser und die Kaiserin ihren feierlichen Einzug in die hiesige Hauptstadt gehalten. Die Feste, die hier den hohen Herrschaften veranstaltet sind, werden bis zum ten d. M. dauern, an welchem Tage uns Ihre Majestaͤten wieder verlassen werden. Morgen ist große Parade der Marine⸗ und Linien⸗Truppen; am 10ten wollen die hohen Herrschaften die Insel Murano und am 12ten das Zeughaus besuchen. 13ten wird eine glaͤnzende architektonische Erleuchtung des gro⸗ ßen und des kleinen Marcus⸗Platzes stattfinden. .

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Madrid, 2. Okt. Man beschaͤftigt sich hier fast aus⸗ schließlich nur mit der prekaͤren Lage des Ministeriums. Es heißt, die Minister der Finanzen und des Krieges wuͤrden aus⸗ scheiden. Der Herzog von Frias beschaͤftigt sich eifrig mit den Staats⸗ Angelegenheiten, allein es fehlt ihm an der noͤthigen Unterstuͤtzung, da das Ministerium nicht definitiv konstituirt ist. Es verhehlt sich hier Niemand, wie schwierig die gegen⸗ waͤrtige Lage ist, und wie sehr gerade jetzt ein energisches und thaͤtiges Ministerium Noth thut, da bei dem jetzigen Tempori⸗ siren das Uebel Wurzel schlaͤgt, die Gemuͤther sich erbittern und Ruͤckschritte gemacht werden.

Der General Narvaez befand sich am 27. September in Manzanares. Er wird sich erst dann nach Valladolid begeben, wenn Ruhe und Ordnung in der Provinz Toledo vollkommen wiederhergestellt worden sind.

Der ehemalige Praͤsident der Karlistischen Junta in Ma⸗ drid, Estefani, welcher im Jahre 1834 zum Tode verurtheilt wurde, eine Strafe, die in lebenslaͤngliche Einsperrung im Schlosse St. Antonio in Corusia verwandelt wurde, ist mit einem Kanonikus aus dem Gefängnisse entsprungen.

Die Karlistischen Anfuͤhrer, welche mit ihren kleinen Corps Alcarria (die jetzige Provinz Guadalaxara) und Aragonien durchziehen, versammeln sich in der Umgegend von Guadalaxara, und Einige sind selbst bis Alcala vorgedrungen. Man fuͤrchtet daher in Madrid, die Karlisten moͤchten eine Expedition nach Alt⸗Castilien beabsichtigen.

Saragossa, 4. Okt. Der Militair⸗Gouverneur von Caspe hat dem General San Miguel offtziell angezeigt, daß die fuͤnf Bataillone und zwei Schwadronen des Generals Par⸗ dinas zwischen Caspe und Maella von Cabrera uͤberfallen und geschlagen worden sind. Nur Wenige haben sich gerettet; der General Pardinas und mehrere Offiziere blieben auf dem Platze. Diese Nachricht hat große Aufregung unter der hiesi⸗ gen Bevoͤlkerung erregt, und man hoͤrte in allen Straßen den Ruf: „Nieder mit den Ministern!“ Espartero steht noch immer in Villarcayo, auch hat Maroto die Encartaciones noch nicht verlassen. Der General van Halen hat das Kommando der Central⸗Armee uͤbernommen.

Spanische Graͤnze. Das Geruͤcht von dem Einzuge der Karlisten unter dem Brigadier Goni in die Stadt Sangue bestaͤtigt sich. Die Garnison hatte sich in den Bruͤckenkopf und in die seit einiger Zeit befestigte Kirche zuruͤck ezogen. Man sagt auch, die Karlisten haͤtten die Stadt Lumbier beschossen, und 400 Landleute waͤren unter dem Schutz von drei Batail⸗ lonen von Maroto's Armee beschaͤftigt gewesen, die dorthin fuͤh⸗ renden g⸗ fuͤr die Artillerie praktikabel zu machen.

Aus San Sebastian wird unterm 30. September ge⸗ meldet, daß der Pfarrer Merino in Durango angekommen und sein Corps bis auf 1000 Mann zusammengeschmolzen sey. Das Geruͤcht, daß Don Carlos eine Expedition nach Castilien beabsichtige, soll, denselben Nachrichten zufolge, viele Basken

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veranlaßt haben, sich zu Musnagorri zu begeben.

8* Portugal.

Lissabon, 2. Okt. Am 28. Sept. ist der Prinz Georg von Cambridge hier angekommen. Se. Koͤnigl. Hoheit wird am Sonnabend nach Gibraltar weiterreisen. Der Prinz, wel⸗ cher unter dem Namen eines Lord Culloden reist, speiste am Tage nach seiner Ankunft bei Ihren Majestaͤten.

Die hiesigen Zeitungen fahren fort, ihre Mißbilligung daruͤber zu aͤußern, daß die Herzogin von Braganza noch nicht den Eid auf die neue Constitution geleistet, und fordern die Regierung auf, die Auszahlung der Pension an die Herzogin so lange zu suspendiren, bis sie die Verfassung beschworen ha⸗ ben wuͤrde.

Das Resultat der zweiten Wahlhandlung in der Haupt⸗ stadt ist noch nicht bekannt, man glaubt jedoch allgemein, daß die Partei des Arsenals, die Ultra⸗Liberalen, wo nicht saͤmmt⸗ liche Wahlen, so doch die Majoritaͤt derselben davongetragen haben duͤrfte.

ist es noch immer beim Alten. Letzten unter allen Voͤlkern seyn zu wollen,

hen und vernommen, zer Zeit den Leuten gelehrt habt, und wie

Dampfschiff „Fuͤrst Metternich“, kommen, faͤhrt jetzt zwischen Konstantinopel und Trapezunt.

Am

Mit der Frage uͤber die Abschaffung des Sklavenhandels

Die Portugiesen scheinen die

die den Menschen⸗

andel abschaffen, denn die Regierung wird in ihrem Wider⸗ ande gegen die Sache der Civilisation und Humanitat von der

oͤffentlichen Meinung unterstuͤtzt.

Die Miguelistischen Guerillas sollen in den Provinzen wie⸗ der mehrere Mordthaten veruͤbt haben. Diese Vanden nennen sich Miguelisten, sind aber nichts als gewoͤhnliche Raͤuber und kuͤmmeen sich eben so wenig üm Politik, wie manche aͤhnliche bewaffnete Haufen in Spanien. In der letzten Zeit haben sie

„sich vorzugsweise die Pluͤnderung der Kirchen und Pachterwoh⸗

nungen angelegen seyn lassen. Bajoa, der Anfuͤhrer eines sol⸗ chen Trupps, ist von einem Kavallerie⸗Detaschement uͤberfallen

worden und hat zwoͤlf Mann an Todten, worunter sein Bruder,

verloren.

vb““ v“ Konstantinopel, 9. Sept. (Aus dem Schreiben eines Militairs.) Am lsten d. M. erhielt Jeder von uns einen schoͤnen Tuͤrkischen Saͤbel mit silbernem Porte d'Epée vom Sultan zum Geschenk. Der Säͤbel unseres Lieutenants wird auf 5000 Piaster, jeder der unsrigen auf 2000 Piaster geschaͤtzt. Die Klinge des Lieutenants ist von seltener Guͤte. Scheide, Buͤgel und Parirstange sind von feinem Silber und an dem Saͤbel unseres Chefs auch noch vergoldet; das Gehaͤnke dessel⸗ ben ist von Goldtressen mit vergoldeten Schloͤssern und Schnal⸗ len, die unsrigen sind von schwarz lackirtem Leder, sehr schoͤn mit Silber gestickt, mit silbernen Schloͤssern und Schnallen. Der Seriasker⸗Pascha, welcher im Namen des Sultans uns die Saͤbel uͤberreichte und, ehe er sie uns einhaͤndigte, sie kuͤßte und mit der Stirn beruͤhrte, hielt bei dieser Gelegenheit fol⸗ gende Anrede an uns: „Se. Hoheit haben mit Beifall gese⸗ wie viel Gutes Ihr hier schon in so kur⸗ wir nur fragen duͤr⸗ fen, um von Euch guten Rath zu erhalten. Als einen Beweis sei⸗ ner Anerkennung hat er mich beauftragt, Euch diese Saͤbel in seinem Namen zuuberreichen. Ich wuͤnsche Euch Heil dazu.7— In vierzehn Tagen gehen 2 Offiziere, 4 Unteroffiziere und 20 Mann von unserer Batterie zu der Armee nach Asien ab, um unsere neue Lehre, so weit sie es verstehen, dort auszubreiten. Das auf welchem wir hierher ge⸗

Vor vierzehn Tagen ist am Bord desselben auf der Ruͤckfahrt von dort ein Perser an der Pest gestorben, und der dritte 8 pitain, so wie zwei Passagiere, erkrankten. Bei der Ankunft i dem hiesigen Hafen meldete der Capitain das Schiff in Qua rantaine. Dies war den am Bord befindlichen Persern nicht recht, sie wurden rebellisch, und zwei Perser springen ins Me und erreichen das Ufer, ie i soglei vor den Richter gefuͤhrt ihnen folgende drei Fra gen vorlegt: „Seyd Ihr mit dem Schiffe von Trapezunt ge⸗ kommen?“ „Ja“. „Seyd Ihr uͤber Bord gesprungen und ans Land geschwommen?“ „Ja“. „Seht Ihr ein, daß Ihr zesetze uͤbertreten habt?“ Hierauf winkt der Richter mit der Hand, und man fuͤhrt die beiden Verbrecher in den Hof, wo man sie ohne Um’? stände erschießt. Von den drei Erkrankten ist der Offizier ge⸗

storben und vor unserer Kaserne vorbeigetragen worden. Vora

ging ein Kavast, der die Leute und Hunde überseit pruͤgelt und jagte, dann folgte ein katholischer Priester, hinter ihm ka⸗ men zwei Traͤger mit dem Sarge, der mit einem schwarzen Tuch, auf dem sich ein gelbes Kreuz befindet, bedeckt war; den Beschluß machte wieder ein Kavast, der die Hunde und Jun⸗ gen nicht heranließ. Das Ganze erinnerte an die Zeit de ersten Auftretens der Cholera in Deutschland.

Konstantinopel, 26. Sept. Die Tuͤrkische Zeitung Tak⸗ wimi Wakaji enthaͤlt die Anzeige, daß die Pforte is vor einiger Zeit von dem hiesigen Handelsstande bei der Tuͤrkischen Regierung, gegen Entrichtung einer Gebuͤhr von 2Ct., in An⸗ trag gebrachte Finanz⸗HOperation behufs der Feststellung des Piaster⸗Courses verworfen habe. Der diesfallsige Artikel laute folgendermaßen:

„Die Großherrliche Münze hat seit einiger Zeit ihre frühberen Cours⸗Operationen eingestellt, und seitdem ist der Cours des Fran⸗ kens, des Gulden und des Pfund Sterling unstät geworden und de findet sich bald im Fallen, meistens aber im Steigen, welcher Umstand allen denen, die mit Europa in Geldverkehr stehen, namentlich aber den mit Einführung Europäischer Artikel sich beschäftigenden Hau⸗ delsleuten sehr empfindlich ist. Letztere haben demnach, indem sie au die hohe Pforte das Ansuchen stellten, daß die Münze zur Festhaltung des Courses ihre Geld⸗Operationen wieder aufnehmen mochte, sich zugleich erboten, zur Deckung der aus jenen Operationen dem Kerar erwachsenden bedeutenden Ausgaben eine additionelle Mauth⸗Ge⸗ bühr von 2 pCt. von sämmtlichen Einfuhr⸗Artikeln iu entrichten. Diese Angelegenheit, worüber später jene Handelsleute einen ausfübr⸗ lichen Entwurf in Form eines Kontraktes einreichten, ward dem In⸗ tendanten der Großherrlichen Münze, Hassib Pascha, zur Bogutach⸗ tung übergeben. Aus dem Berichte dieses Letzteren geht dervor, das jene Kaufleute bei ihrem Vorschlage nur ihr eigenes Interesse im Auge haben, und daß aus der Wiederaufnahme jeuer Geld⸗Operatio⸗ nen keinesweges die der hohen Pforte vorgespiegelten Vortheile, wohl aher zahlreiche Uebelstände erwachsen würden. Es ist sonach Aller⸗ höchsten Ortes verordnet worden, gedachtem Vorschlage keine Folge zu 2 und das Begehren jener Handelsleute cin⸗ für allemal ad⸗ zuweisen.“

Hassan Pascha, bisheriger Statthalter von Tripolts, ist am 24sten d. M. auf einer Tuͤrkischen Korverte in dieser Haupt⸗ stadt angelangt. I““

Griechenland.

Athen, 27. Sept. (L. A. Z.) Der Koͤnig wird kuͤnftigen Sonnabend seine Reise nach Rumelien antreten. Am 19. Sep⸗ tember traf das Griechische Dampfschiff „Maximilian“ im Pi⸗ raͤus ein, welches die Koͤnigin nach Ankona uͤbergefuͤhrt hatre.

Durch eine Koͤnigliche Ordonnanz erhielten die Seschaͤfte der sogenannten gemischten Kommission, welche uͤber die zwischen Griechen und Tuͤrken wegen Grundbesitzes bestehenden Differen⸗ zen entscheidet, eine abermalige Verlaͤngerung. In einem Ar⸗ tikel des Griechischen „Courier“, worin die Nothwendigkeit der Einsetzung dieses erceptionellen Gerichtshofes besprochen wird, erwaͤhnt derselbe zugleich des guten Einverstaͤndnisses, welches dermalen zwischen der Griechischen und Tuͤrkischen Regierung herrsche. Am Schlusse dieses Artikels sagt derselbe: „Wir uͤber: gehen die Erleichterungen, welche man sich fakrisch zwischen der Tuͤrkei und Griechenland in Bezug auf den Handel gegenseitig bereits zugestanden hat, und wodurch die Regierung Sr. Ma. jestaͤt zum großen Theil ihre Absicht in Bezug auf die Ver⸗ haͤltnisse zu dem naͤchsten unserer Nachbarn bereits durchgefüͤhrr hat. Alles laͤßt hoffen, daß uns in kurzer Zeit in Bezug auf unsere Verhaͤltnisse zu dem Tuͤrkischen Reiche nichts mehr zu wuͤnschen uͤbrig bleibt.“ 1u1u“

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