8* stattgefunden, in welcher das Verbrennen Lord Broug⸗ . ham’s in efgie fuͤr einen muthwilligen Frevel erklaͤrt und ““ dem Ex⸗Kanzler vielmehr fuͤr seine angestrengten Bemuͤhungen
zu Gunsten der Rechte und Freiheiten der Bevoͤlkerung Kana⸗ da's gedankt wurde. Hieraus wuͤrde indeß nur um so mehr hervorgehen, daß die Tories in England sich, aus bloßem Par⸗ tei⸗Eifer gegen Lord Durham und das Ministerium, von Lord Brougham haͤtten verleiten lassen, den Kanadischen Revolution⸗
heit ganz gegen die Ueberzeugungen und Wuͤnsche der loyal gesinnten Einwohner von Kanada gehandelt. Das Geruͤcht, als haͤtte Lord Durham schon Anstalten getroffen, seine Functio⸗ naen als General⸗Gouverneur auf Sir John Colborne zu uͤber⸗ rragen, wird fuͤr ungegruͤndet erklaͤrt, weil es gar nicht in der Macht des General⸗Gouverneurs stehe, eine auf seinen Namen
b Stockholm, 23. Okt. (A. Z.) Im Baltischen Meere haben sich im verflossenen Sommer Seeraͤuber gezeigt. Den verschiedenen Berichten des Gouverneurs der Insel Gothland ufolge, wurden die Kuͤsten dieser Insel mehrmals im Laufe des ommers von Einwohnern der (Russischen) Insel Oesel ver⸗
mit zahlreicher Bemannung, welche drei an der Kuͤste von Gothland gestrandete mit Eisen beladene Schiffe angriffen und pluͤnderten. Die an der Kuͤste aufgestellten Douaniers wollten dies verhindern, die Seeraͤuber hatten aber gefeuert und sie voertrieben. Jedoch wurden einige Seeraͤuber gefangen und nach Wisby gebracht, wo man sie an den Russischen Konsul auslie⸗ ferte. Nachher landeten die Seeraͤuber noch oft in großer Zahl bis zum Mon Gothland, raubten Vie - ihre Haͤnde fiel.
ten hat den Befehl erhalten,
durch die Schwedische Gesandt⸗
schaft in St. Petersburg der Russischen Regierung Anzeige da⸗ Zlücklichen Unterthane
voon zu machen und das Verlangen zu stellen, strenge Unter⸗
suchungen daruͤber eintreten und die Schuldigen bestrafen zu lassen. Die Schwedische Gesandtschaft zu St. Petersburg hat nun geantwortet, daß die Russische Regierung bereits von die⸗ sen Freveln unterrichtet, vorlaͤufig die strengste Untersuchung be⸗ fohlen habe, und daß gegen hundert Einwohner der Insel Hesel der Theilnahme an diesen Gewaltthaͤtigkeiten uͤberwiesen mwoorden seyen; in Folge des Verlangens der Schwedischen Re⸗ gierung seyen den Behoͤrden neue noch schaͤrfere Befehle zuge⸗ gangen, und die Gesandtschaft Sr. Majestaͤt des Koͤnigs wuͤrde, so wie eine voͤllige Aufklaͤrung der Umstaͤnde erfolgt sey, sogleich davon in Kenntniß gesetzt werden.
.1.”“ 9. 1 Ser 8 Deutschland.
Muͤnchen, 1. Nov. (Bayer. Bl.) Gestern hat der Ge⸗ neral⸗Lieutenant Freiherr von Hertling dem General⸗Major, Fluͤgel⸗Adjutanten Sr. Majestaͤt, Freiherrn von Besserer, das Portefeuille des Kriegs⸗Ministeriums abgetreten. Freiherr von Hertling raͤumte schon vor einigen Tagen seine im Kriegs⸗Mi⸗ nisterium innegehabte Wohnung und wird sich in kuͤrzester Zeit zum kuͤnftigen Aufenthalte in die Gegend von Mannheim und in die Rheinpfalz auf Familienguͤter begeben. Leipzig, 4. Nov. Das I'8te Stuͤck unseres Gesetz⸗ und Verordnungsblattes enthaͤlt zwei Verordnungen vom Fi⸗ nanz⸗Ministerium ausgehend, die erste den Anschluß des Fuͤr⸗ stenthums Schaumburg⸗Lippe an den Hannover⸗Oldenburg⸗ Braunschweigischen Steuer⸗Verein, die andere die Verguͤtung auf versteuerten, ins Ausland gefuͤhrten inlaͤndischen Vrannt⸗ wein betreffend. Diese Seruer Bergaͤtung soll bei inlaͤndischem in das nicht zum Zoll⸗Verein gehoͤrende Ausland auszufuͤhren⸗ den Branntwein, insofern letzterer eine Alkoholstaͤrke von min⸗ destens 35 pCt. nach Tralles hat und wenigstens ein Eimer auf einmal versendet wird, 6 ½ Pf. auf die Kanne betragen, und von der Steuer⸗Direction dem Versender nach gehoͤriger An⸗ meldung und Revision ein Anerkenntniß uͤber die ihm zuste⸗ Steuer⸗Verguͤtung durch das betreffende Haupt⸗Amt zu⸗ gestellt werden. —ꝙDas neuliche Zerspringen eines zur Gasbereitung noͤthigen Wasserbehaͤlters ist, so unangenehm es denselben Abend fuͤr die von der Gasbeleuchtung profitirenden Wohnungen war (denn ein sonstiger Unfall hat dabei nicht stattgefunden), nicht in dem Grade, wie man anfangs fuͤrchtete, von dem Publikum bespro⸗ chen, auch der Schade selbst so schnell wieder reparirt worden, daß am folgenden Abende die Gasflammen wie vorher brann⸗ ten. Groͤßere Vorsicht in der Gasbereitungs⸗Anstalt wird aͤhn⸗ liche Unfälle kuͤnftig verhuͤten, um dadurch groͤßere Kosten, als die ganze Unternehmung schon an sich erfordert, zu vermeiden; auch ist, so bedeutend letztere, wie bei jedem neuen Institute, seyn moͤgen, der Vortheil der Gasbeleuchtung zu einleuchtend, als daß das hiesige Publikum nicht allgemein das baldige Ver⸗ schwinden der noch uͤbrigen durch Oel erhellten Laternen wuͤn⸗- schen sollte. 8 Ueber die Einweihung des neuen Freimaurer⸗Logenhauses zu Dresden am 27. Oktober d. J., das von dem Baumeister Voͤrnig in der Ostra⸗Allee daselbst im Mai 1837 begonnen und nun vollendet, jetzt den beiden dortigen Logen zum Vereini⸗ V gungs⸗Lokale dient (eine Ansicht des Gebaͤudes liegt der Nr. 36 des in Dresden erscheinenden „Sammlers“ bei), haben die Zeitungen nur weniges gemeldet. Die Festlichkeit selbst hat fuͤr Leipzig den Einfluß, daß auch die drei hier befindlichen, einzeln wirkenden Freimaurer⸗Gesellschaften mit dem Plane umgehen, sich zu vereinigen, und in einem gemeinschaftlichen Gebäude, vielleicht in dem der Loge „Minerva zu den drei Palmen“ gehoͤrigen, ihre Versammlungen zu halten. Mit Bezug auf die Nachricht in Nr. 166 der Staats⸗Zeitung, we⸗ gen Aufnahme der Juden unter den Freimaurern, machen wir auf das Schriftchen: „Welche Bedeutung kann die Freimaure⸗ rei noch fuͤr unsere Zeit haben“ (dabei Bemerkungen uͤber die Aufnahme der Juden in den Orden), aufmerksam, das kuͤrzlich zu Karlsruhe erschienen ist. Seit gestern haben die Dampfwagen⸗Fahrten auf unserer Eisenbahn von hier bis an die Ueberbruͤckung des Zschoͤllauthals bei Oschatz, 6 ½ Meilen entfernt, begonnen, und werden hof⸗ fentlich in der Mitte des Novembers bis nach Riesa gehen, da der Ueberbau der weiteren Bahn ziemlich vollendet ist. Die Strecke von hier bis nach Oschatz wurde von sieben Wagen, die trotz der unsicheren Witterung fast ganz besetzt waren, in 92 Minuten zuruͤckgelegt, und von dem Zuge nur kurze Zeit an vier Stationen wegen Einnehmung heißen Wassers, Kohlen u. s. w. angehalten. Die neu angekommenen Englischen Coaks haben wieder den Beweis gegeben, daß sie allein die Feuerung dauernd erhalten, und die Fahrten beschleunigen koͤnnen. In
44 ½α
— —
nairs in die Haͤnde zu arbeiten, und daß sie bei dieser Gelegen⸗
llautende Vollmacht in andere Hände als in die der Koͤnigin niederzulegen. — 1 28 Schweden und Norwegen.
heert. Das erstemal geschah dies im Mai durch viele Boͤre
at August an verschiedenen Punkten der Kuͤsten von Lebensmittel, Geld und was sonst in Der Minister der auswaͤrtigen Angelegenhei⸗
das würdige Zeichen einer Handlung ist,
Kinderspiel waͤre, das ganze Vorhaben zu vereiteln.
der Restauration am Zschoͤllauthale, die gut eingerichtet ist, so
Ostindische Compagnie behauptet. Diesern Plan klingt freilich et⸗
1272
wie im goldenen Löwen zu Oschatz, das nur etwa 20 Minuten von der Bahn entfernt ist, fand die Gesellschaft, die die erste Fahrt um halb 9 Uhr gemacht hatte, lauten Empfang unter
Musik und Jubelruf der versammelten Menge, und gute Auf⸗
nahme, worauf die um 3 Uhr beginnende Ruͤckfahrt fast in der⸗ selben Zeit bewirkt wurde. b manche Annehmlichkeit und freundliche Aussicht, und die Ueber⸗
bruͤckung des Zschoͤllauthals ist mit Recht ein Bewunderung er⸗
regendes Werk. 13 1 Nach der Mittheilung des am 31. Oktober d. J. abgetre⸗ tenen Rektors der hiesigen Universitaͤt, des Appellations⸗Raths
Professor Dr. Steinacker, sind unter dossen Rektorate 339 Stu⸗
dirende inskribirt worden, sonach 59 mehr als im verflossenen ben jetzt Alles so vorbereitet, daß sie jeden Augenblick die Graͤnge den sehr ungleichartigen Kenntnissen und Ansichten der aufneh⸗ Universitaͤts⸗Jahre 1836—1837, und die Gesammtzahl der Im⸗ uͤberschreiten koͤnnen. Es duͤrfte ihnen indeß wohl nicht gelenbhmenden Orts⸗ und Kceisbehoöͤrden sehr oft vielerlei ganz Ver⸗ matrikulirten 961, worunter 237 Auslaͤnder, was naͤchst Berlin gen, sich ohne Kampf in Navarra festzusetzen, da drei der besten schiednes unter einerlei Benennung zusammen gestellt, und um⸗ und Muͤnchen die groͤßte Frequenz nachweist. Bemerkenswerth BKarlistischen Bataillone an der Graͤnze, Sarre gegenüuͤber, von gekehrt wesentlich Gleichartiges getrennt, und in sehr verschieden ist, wie Dr. Steinacker in seiner Rede der Verdienste des ver⸗ Maroto aufgestellt worden sind, der sehr wohl weiß, daß es benannte Klassen gebracht wird. Diese Tabellen vervollkomm⸗ storbenen Poͤlitz, der Nacheiferung seines Nachfolgers Professor Mehrzahl des Volkes Muhüagorri's Unternehmen guͤnstig n. nen sich allerdings mit jeder neuen Aufnahme: aber jede fol⸗ Bulau, und des Charakters des nach Leipzig gekommenen Pro⸗ Der General Jauregui, der Oberst Colquhoun und der Lieum⸗ gende zeigt eben deswegen so viel Mangelhaftes in der naͤchst fessors Dr. Albrecht gedachte. Unter den neuesten Veroͤnderun⸗ nant Vickers sind heute fruͤh von hier nach Bayonne abgereit vorhergehenden, daß nur in sehr wenigen Faͤllen es raͤthlich er⸗ gen im Personale der akademischen Lehrer ist zu erwaͤhnen, daß Es heißt, der General O'Donnell werde morgen mit alle i scheinen kann, auf den Grund derselben Vergleichungen fruͤherer Professor Dr. Richter, als gruͤndlicher Kenner des kanonischen disponiblen Truppen seines Corps eine Bewegung gegen die üstaͤnde mit der Gegenwart anzustellen, um daraus ein Urtheil
Rechts besonders ruͤhmlich bekannt, als ordentlicher Professor der Rechte nach Marburg geht.
Karlsruhe, 1. Nov. Se. Koͤnigliche Hoheit der Prinz von Wasa hat, nach einem mehrwoͤchentlichen Aufenthalte,
Karlsruhe wieder verlassen. 88 He166h5h. Wien, 31. Okt. Nachstehendes ist der Inhalt de die bei der Ankunft Ihrer Kaiserl. Maäjestaͤten der Buͤrger⸗ meister von Wien Sr. Majestät dem Kaiser uͤberreicht hat: „Allergnädigster Herr! Noch von dem Jubel Ihrer getreuen Böhmen umtönt, noch von dem Glanze der gebeiligten Krone Carl's des Vierten umflossen, haden Ew. Majestät ihre Strahlen mit denen einer Krone verflochten, in welcher Ober⸗Itallen seit anderthalb Jahrtausenden das Merkmahl der Macht und Hoheit verehrt. Die u Ew. Majestät erkennen mit inniger Rührung deren äußere Herrlichkeit welche dem Unterthan die Liebe des Monarchen, dem Monarchen die Treue des Unterthans er⸗ kennen macht und verbürgt. Ew. Majestät haben bei diesem Krö⸗ unngszuge, der echen so dauernd in den Herzen Ihrer Völker als in den Büchern der Geschichte leben wird, die Hohelt des Regenten mit der Milde des Vaters verbunden; Sie haben den biederen Söhne Tyrols, deren Anhänglichkeit an das angestammte Herrscherhaus der Festigkrit
die tiefe Bedeutung jener heiligen Weihe,
ihrer Felsen gleicht, gestattet, daß die Empfindungen ihrer Liebe und
Treue ohne Ruͤckhalt laut werden durften, Sie haben überall, wo in dem weiten Umkreise Ihrer Staaten die Unterthanen das Glück Ih⸗ res Kaiserlichen Anblicks genießen durften, Thränen getrocknet, Ver⸗ dienste belohnt, Eure Majestät haben selbst den Verirrten mit versöh⸗ nender Huld in Ihre Vaterarme geschlossen. All' diese Segnungen sind die Früchte eines gesicherten glücklichen, ruhigen Zustandes, die Früchte einer Saat, welche von Ihrem unvergeßlichen Vater gepfleat, Eure Majestät erhalten und vermehrt haben. Möchten Eure Maje⸗ stät all' diese Segnungen an der Seite Ihrer erhabenen Kaiserlichen Gemablin noch lange und im ungetrübtesten Wohlseyn genießen“ Diese Adresse, zierlich auf Pergament geschrieben, war in einem geschmackvollen Album eingeschlossen. Dasselbe ist von Silber, mit erhabener, aus freier Hand getriebener, im Feuer vergoldeter Grunde verziert. Auf der Deckelseite befindet sich eine jugend⸗ liche Frauengestalt (Mailand) in knieender Stellung, mit einer Mauerkrone auf dem Haupte, auf einem Kissen die eiserne Krone der Lombardei emporhaltend. Die Figur ist von Ara⸗ besken umgeben, in deren Mitte zu beiden Seiten die Namens⸗ Chiffern Ih
prangen. Zwei Gothische, an die Gestalt gelehnte Schilder
zeigen, ebenfalls in erhabener Arbeit, den Markusplatz und
Andreas Hofers Standbild, als die Embleme fuͤr Venedig und Tyrol. Oberhalb schwebt der Kaiserliche Doppel⸗Adler mit der Kaiser⸗Krone, im Herzschild das Oesterreichische Wappen, umgeben von den Insignien der Kaiserlich Oesterreichischen Or⸗ den. Den Adler selbst umfaßt unterhalb ein Doppelzweig von Lorbeeren und Palmen. Unter dem Mitteesstuͤcke ist in einem besondern Felde auf einer mit Leisten eingefaßten Platte die Inschrift: „Dem ruͤckkehrenden Monarchen, die treuen Buͤrger der Residenzstadt“, eingegraben. Die Ruͤckseite des Albums traͤgt in der Mitte eines, aus Eichenblaͤttern und Immergruͤn gewundenen Kranzes die Jahreszahl 1838. Ruͤcken, Ecken und Raͤnder sind gleich geschmackvoll mit getriebenen Arabesken ver⸗ ziert; als Schließe dient das Stadt⸗Wappen der Stadt Wien. g. Schweiz.
Bern, 31. Okt. Im St. Galler Erzaͤhler vom 30. Oktober liest man: „Das Journal des Débats weiß von einer Depesche des Fuͤrsten von Metternich an die Oesterreichische Ge⸗ sandtschaft in der Schweiz, in welcher der letztern Auftrag ge⸗
geben worden seyn soll, die Austreibung fremder Fluͤchtlinge zu
verlangen, die sich in neuerer Zeit wieder in der Schweiz ein⸗ genister haben sollen. Der Artikel hat gar sehr das Ansehen, als
fioͤsse er aus diplomatischer Quelle. In den Kontonen sind in⸗
wischen noch keine Nachrichten angelangt, daß ein aͤhnliches Segehren an den Vorort gestellt worden waͤre. — Verschiedene Schweizerblätter besprechen die Frage der Abberufung des Franzoͤsischen Botschafters, Herzogs von Montebello. Es be⸗ darf doch wenig Scharfsinn, um einzusehen, daß sich Frankreich durchaus nuk von seiner Konvenienz und seinen Interessen leiten laͤßt. Nun hat man aber seit Jahren wahrnehmen koͤn⸗ nen, daß es diese nicht ganz auf dem gleichen Fuße versteht, wie
es die Schweiz wuͤnscht, und daß somit eine Abberufung des
Botschafters erst dann erfolgen wird, wenn die diplomatischen Combinationen uͤberhaupt einen Gesandtschaftswechsel erfordern und Befoͤrderungen moͤglich sind. Eine Abberufung aber ihrer⸗ seits zu betreiben, wird der Schweiz nie einfallen. Ein foͤde⸗ ralistischer Staat ist zu solchen Schritten schon darum unfaͤhig, weil sie hundert vorgaͤngige Anfragen und Deliberationen er⸗ heischen wuͤrden, mittlerweile es der betheiligten Rifßiethng ein enn man den Foͤderalismus hat, muß man ihn geduldig mit allen Folgen tragen.“ 1“
rsSphanten“
Madrid, 20. Okt. (Allg. Ztg.) Unter andere fen, die von England hierher gekommen sind, ist nun auch der bekannt geworden, vermoͤge dessen man eine Gesellschaft unterneh⸗ mender Englischer, Franzoͤsischer, Spanischer Kapitalisten errichten will, die gegen eine Summe von 60 bis 80 Millionen Piastern der Spanischen Regierung die Philippinischen Inseln abkaufen soll. Diese Gesellschaft wuͤrde, falls sie wirklich zu Stande käͤme, unter die Ober⸗Aufsicht der Englischen Regierung gestellt werden und ihr gegenuͤber ungefaͤhr dasselbe Verhaͤltniß einnehmen, welches die
92
Die Gegend bei Oschatz gewaͤhrt
Arbeit auf vergoldetem und geschmackvoll ciselirtem
rer Majestaͤten F. und A. in stark erhabener Arbeit
was fabelhaft, jedoch habe ich die Ueberzeugung, daß er bereits der Spanischen Regierung vorgelegt worden ist. Der Entwu einer neuen Anleihe, die von Seite eines Englischen Hausez angeboten werde, und mit welcher, wie es scheint, Herr Hen⸗ derson beauftragt ist, soll keinesweges Beifall sinden, und do hat die Regierung so wenige Huͤlfsmittel, daß sich keine Liefe⸗ ranten finden wollen, um die Verpflegung der Armee auf die naͤchsten zwei Monate zu uͤbernehmen. Diese ist also ganz auf sich selbst angewiesen.
Spanische Graͤnze. Der Morning Chronicle witz aus Sarre vom 20. Oktober geschrieben: „D
„—
Karlisten unternehmen; ist dies gegruͤndet, so waͤre es moͤglich, daß Muñagorri diesen Umstand benutzte, um seine Operationen zu beginnen.“ 11e6“]
Berlin, 6. Nov. Einer von der Direction der Berlin⸗ Potsdamer Eisenbahn uns zugekommenen Notiz zufolge, sind zwischen Zehlendorf und Potsdam vom 22. September bis ine 28. Oktober 28,153 Personen und zwischen Berlin und Potzz dam vom 30. Oktober bis incl. 5. November 12,399 Personen durch die Eisenbahn befoͤrdert worden.
Stettin, 1. Nov. Des Koͤnigs Majestaͤt haben mittel Allerhoͤchster Ordre vom 28. August d. J. zu genehmigen ge⸗ ruht, daß fuͤr die Wittwen oder unmuͤndigen Kinder solcher Seelootsen, welche ihr Leben in Erfuͤllung ihrer Dienstpfliche aufopfern, fortan Wittwen⸗Pension oder Erziehungsgelder aus Staatskassen nachgesucht werden koͤnnen.
Stettin, 5. Nov. (Boͤrs. Nachr.) — Strandungen. — Am 27. Oktober in der Nacht ist ploͤtzlich das Wrack des
u Arkona gestrandeten Briggschiffes „Berlin“ (s. St. Ztz Rr. 291) verschwunden; es ist entweder gesunken oder von den wehenden schweren Suͤdost⸗Sturm nach der Schwedischen Kuͤst verschlagen worden. Schon einige Tage vorher wurde es von einem Suͤdost⸗Sturm sehr uͤbel zugerichtet und gaͤnzlich umg worfen, so daß der Kiel oben stand, wahrscheinlich ist bei der schweren Suͤdwest-Sturme die Kette gebrochen oder ist mitge schleppt und auf diese Art ist das Wrack von der bisherigon Stelle, circa 340 Faden vom Ufer, losgekommen und verschwüng den. Zu bedauern ist es, daß alle angewandte Muͤhe vergeye
lich gewesen ist, das Schiff und die Ladung zu retten. Unbedings
wuͤrde alles gerettet worden seyn, wenn nur ein Tag ruhiges Wei⸗ ter und Nordwind gewesen waͤre, wogegen aber die immerwaͤhrene⸗ den schweren Weststuͤrme leider alle Rettungs⸗Versuche vereitelten. —
Aus Windau meldet man unter dem 24. Oktsber n. St., daß
das Stettiner Schiff „Borussia“, Capt. Brandenahl, in der
Nacht vom 2lsten auf den 22sten d. bei Sturm aus N W,,
Hagel und Regen, sieben Meilen nordwaͤrts von Windau gef
strandet sey. Die Besatzung sey mit großer Muͤhe gerettet wor
den, auch hofft man, bei etwanigem guͤnstigen Wetter theilweise noch die Takelaͤge zu bergen; alles Uebrige sey als verloren zu betrachten. Capitain Brandenahl haͤtte, nachdem er gesehen, daß er nicht mehr vom Strande abkommen koͤnnte, beide Anke fallen lassen. Das Tau des einen waͤre aber bald gerissen umd die Kette des aͤnderen haͤtte nicht gehalten.
— — Bromberg, I. Nov. — Remonte⸗Maͤrkte.
Auf den im September d. J
8
J. im hiesigen Regierungs⸗Bezitt abgehaltenen Remonte⸗Maͤrkten sind 46 Pferde, mithin ”- Stuͤck mehr als im Jahre 1837, und 26 Stuͤck mehr als inm Jahre 1836 von der verordneten Militair⸗Kommission ange kauft worden. Die bezahlten Preise lagen zwischen 60 umd 110 Rthlr., die meisten Pferde wurden fuͤr etwa 80 Rthlr. er⸗ standen. Eine besonders erfreuliche Erscheinung ist es gewesen daß die baͤuerlichen Wirthe ungefaͤhr eben so viel der besten Pferde zu den hoͤchsten Preisen verkauft haben, als die groͤßem Gutsbesitzer und Paͤchter, und sowohl dies, wie die so ansehn, lich gestiegene Zahl der abgesetzten Pferde liefert den Bewei fuͤr das gestiegene Interesse des Bauernstandes an der Pferde zucht, das in jeder Weise zu beleben, das besondere Augenmerlt der Staats⸗Verwaltung ist.
Koͤln, 2. Nov. Seit gestern ist dem Publikum die Be quemlichkeit oͤffentlicher Fuhrwerke, in ein⸗ und zweispaͤnnigen Kaleschen, dargeboten worden. Wie alles Neue, sindet auch dieses Institut die entgegengesetztesten Beurtheilungen.
Neueste Nachrichtenuͤber einige besonders erheblicht
Gegenstaͤnde der Gewerbsamkeit im preußischen v“ ENäe bes:
Der Erfolg aller gewerblichen Thaͤtigkeit eines Volkes wird bestimmt durch die Anzahl der Gewerbtreibenden, und durch die Menge und Beschaffenheit der Arbeit, welche jeder derselben durchschnittlich im Laufe des Jahres verrichtet. Tabellenwerk koͤnnen wohl die Anzahl der Gewerbtreibenden, eingetheilt nach ihren verschiednen Verrichtungen angeben: aber die Menge und Beschaffenheit der Arbeit, welche sie liefern, ist nicht eben se leicht in uͤbersichtlichen Zahlen darzustellen. Gleichwohl erzeugt die Beschaffenheit der Werkzeuge, die Geschicklichkeit und dar Fleiß, womit sie gebraucht werden, und die Ausdauer bei der Prbeit ein so hoͤchst verschiednes Ergebniß derselben, daß dieses selbst bei den einfachsten Verrichtungen um das doppelte, drei⸗e und mehrfache bei der gleichen Anzahl von Arbeitern verschieden sein kann, nach der Stufe der Einsicht, der Sittlichkeit und des Wohlstandes, worauf sich dieselben befinden. Das zeigt sic schon beim Graben mit dem Spaten, beim Spalten des Brenn⸗ holzes, uͤberhaupt bei der gemeinen Tageloͤhnerarbeit, welche mit geringer Anweisung und Uebung erlernt, und mit sehr ein fachen Werkzeuge vollbracht wird. Noch erheblicher ist dieset Unterschied bei den Arbeiten der Handwerker; und er steigt wahrscheinlich zum hundertfaͤltigen hinauf bei dem Fabrikbetriebe sehr kuͤnstlicher Arbeiten, wie beispielsweise das Verfertigten der Theile von Uhren mittelst sehr sinnreich erfundner Werkzeuge und einer sehr weit getriebnen Uebung. Daher bleiben Ueber⸗ sichten der Gewerbsamkeit eines Volkes in der Regel sehr un⸗ vollkommen: vergebens versucht man durch ein rastloses Auf⸗ haͤufen von Nachrichten ein Panorama der gewerblichen Thaͤ⸗
werker,
tigkeit darzustellen; verwirrt und geblendet kehrt der Geist un⸗ befriedigt tung zemessen werden kann, wofuͤr Zuv betabellen, aufg
aus diesen Zahlensteppen zuruͤck. Nur die Betrach⸗ einzelner besonders uͤbersehbarer und erheblicher Beechaͤlt⸗ kann auf diesem Felde lehrreich werden: an dem, was lernt man mit Wahrscheinlichkeit schaͤtzen, erläßigkeit im Messen unmoͤglich bleibt. Die Gewer⸗ die von drei zu drei Jahren im preußischen Staate enommen werden, geben mannigfaltigen Stoff zu solchen Betrachtungen, welcher doch mit großer Vorsicht auszuwaͤhlen
ist, weil bei der großen Mannigfaltigkeit der Formen und Be⸗
e— nennunge ie Fueristen ha⸗ schiednen
n, worunter ein und dasselbe Beduͤrfniß in den ver⸗ Landestheilen durch Arbeit befriedigt wird, und bei⸗
Fortschritte der Gewerbsamkeit seit den letzten 15 oder zu bilden. ʒ
Am einfachsten erscheinen die Verhaͤltnisse derjenigen Hand⸗ deren Arbeiten sehr allgemein gebraucht, aber dennoch nirgend fabrikmaͤßig betrieben werden. Dahin gehoͤren zunaͤchst die beiden zahlreichsten aller Handwerkerklassen, naͤmlich die Schuhmacher und Schneider. Schuhmacher mit Einschluß der ffelmacher und der Altflicker waren im ganzen Staate
Pantoff zusammengenommen nach den Gewerbetabellen vorhanden
uͤber die 20 Jahren
am Ende der Jahre Meister Gehuͤlfen uͤberhaupt 1822 56,724 27,976 84,700 bbböbböbüö-58589688 97,387 1831 b 32,630 98,500 1834 35,656 105,649 1837 73,708 39,616 113,324
Als Meister werden ohne Ruͤcksicht auf ein zunftmaͤßig er⸗ langtes Meisterrecht in die Tabellen alle diejenigen aufgenom⸗ men, welche das Gewerbe fuͤr eigne Rechnung betreiben: zu den Gehuͤlfen gehoͤren die Gesellen und Lehrlinge, gleichviel, ob sie sich zur Zunft halten oder nicht; nur die Huͤlfe, welche Frauen und Kinder, oder auch außer denselben weibliche Per⸗ sonen in einigen Faͤllen leisten, ist hierbei nicht beruͤcksichtigt worden. Von denselben Ansichten aus, sind auch alle andern Handwerker in den Tabellen verzeichnet. Namentlich befanden sich nach denselben Schneider oder Kleidermacher im ganzen preußischen Staate
am Ende der Jahre Meister Gehuͤlfen uͤberhaupt 1822 42429,298 18,959 68,258 1888 52,675 21,670 74,346 1828 53,790b1 22,022 75,813 1831 53,919 21,290 75,209 18] Ee 87,118
In beiden Gewerben erscheint hier zunaͤchst eine sehr schnelle Zunahme zwischen 1822 und 1825, welche jedoch wahr⸗ scheinlich nur scheinbar, und durch die Unvollstaͤndigkeit der
Aufnahme zu Ende des Jahres 1822 veranlaßt seyn duͤrfte. Fesnen⸗ ergiebt die Zaͤhlung zu Ende des Jahres 1831 bei den Schuhmachern nur eine geringe Vermehrung, bei den Schnei⸗ das Jahr 1828:
dern sogar eine kleine Verminderung gegen
die Schrecken, welche die asiatische Cholera bei ihrem ersten
Auftreten im Jahre 1831 üͤber den preußischen Staat verbrei⸗ tete, haben wahrscheinlich auch stoͤrend auf die Zaͤhlungen ge⸗ wirkt, welche damals aufgenommen wurden. Die Sterblichkeit, mehr noch durch Faulfieber als durch die Cholera vergroͤßert, traf am meisten Menschen im thaͤtigsten Lebensalter; und bei der Nahrlosigkeit, welche die Stoͤrung des gewohnten Verkehrs erzeugte, legten Manche das Handwerk nieder und suchten sich als Tageloͤhner zu nahren. Die Ruͤckkehr derselben zu dem erlernten Handwerke, erklaͤrt wenigstens zum Theil die schnelle Vermehrung beider Gewerbe zwischen 1831 und 1834: aber die fernere schnelle Zunahme zwischen 1834 und 1837, kann wohl nur auf Rechnuug der bei fortdauerndem Frieden immer schnel⸗ ler steigenden Wohlhabenheit gesetzt werden, wodurch der Be⸗ darf an Schuster⸗ und Schneiderarbeit noch staͤrker als die Be⸗ voͤlkerung wuchs.
Es kann befremden, daß weniger Schneider als Schuster in solchem Maaße vorhanden sind, daß nur sieben Menschen sich mit Verfertigung von Kleidungsstuͤcken beschaͤftigen, gegen neun, welche Schuhmacherarbeit betreiben. Der Zeitraum, worin die Kinder der niedern Staͤnde blos durch Frauen⸗Ar⸗ beit gekleidet werden, dauert wenigstens nicht laͤnger, als der, worin sie groͤßtentheils baarfuß gehn. Erwachsne koͤnnen Klei⸗ dungsstuͤcke neben der Waͤsche schwerlich jemals entbehren: aber ein großer Theil des Volkes geht waͤhrend der warmen Jah⸗ reszeit baarfuß und braucht auch in andern Zeiten Holz⸗ oder Bastschuhe. Im Reneh wird gewiß mehr Schneider⸗Arbeit als Schusterarbeit gebraucht: aber die Mitbewerbung der Frauen, welche Schneiderarbeit verrichten, vermindert die An⸗ zahl der maͤnnlichen Arbeiter in diesem Handwerke. Wahrschein⸗ lich ist es doch auch von erheblichem Einflusse, daß die Schuh⸗ macher in den kleinen Staͤdten und auf dem Lande einen sehr großen Theil ihrer Zeit durch den gewohnten Besuch der Jahr⸗ maͤrkte verlieren, waͤhrend die Schneider das ganze Jahr hin⸗ durch ruhig bei ihrer Arbeit bleiben. Ferner kann es befrem⸗ den, daß in beiden Gewerben die Zahl der Gehuͤlfen so sehr viel geringer ist, als die Zahl der Meister: auf zwei Meister kommt bei den Schneidern noch nicht ganz ein Gehuͤlfe, und bei den Schuhmachern wenig mehr. Das Verhaͤltniß ist in dieser Ruͤcksicht sesr verschieden nach den Wohnorten. Am Ende des Jahres 1837 waren A. in den zehn zur ersten Gewerbesteuer⸗Klasse gehoͤrigen Staͤdten
bei den Schuhmachern
Meister . 5,554 88 Gehuͤlfen...... 6,550 bei den Schneidern 68 Meister ...... 2,8466 8 B. in den dreißig ansehnlichsten Städten zweiter Gewe 1““ Klasse.*) EE1I1II11“
beei den Schuhmacher 1 Meister... Gehuͤlfen
——-——
*) Namentlich: Memel, Tilfit, Elbing, Thorn, Posen, Potsdam, Brandeuburg, Frankfurt a d. O., Stralsund, Brieg, Gr. Glogau, Görlitz, Liegnitz, Grüneberg, Halberstadt, Quedlinburg, Burg, Halle
L1P1P116
1273
49 1 Meister 8 , e. 6 3,188 20 navg 4 Geholsen . u 2
cC. in allen andern Stadten zusammengenoemmen beei den Schuhmachern — S-hn ö“ Meister... 1,319 EZII“ e. Gehuͤlfen 1908 20,193 m bei den Schneidern ee⸗2 en 5* Meister „ 18,399 seahw. A 1 Gehuͤlfen 1 10,240 8b D. auf dem Lande in den Flecken und Doͤrfern bei den Schuhmachern 88 Farfhs Meister. 31,815 bit. Gehuͤlfen... 8,031 EEö
bei den Schueidern . Nüäher zsn
Wast‚n .. 34,772 Füsn a
Gehuͤlfen.. 9,110
Bei diesen beiden Gewerben waren also in den Staͤdten erster Gewerbsteuerklasse mehr Gehuͤlfen als Meister; in den gaͤchst ansehnlichen dreißig Staͤdten dagegen schon mehr Meister als Gehuͤlfen: doch war der. Unterschied beider Zahlen hier noch gering. Bei den Schuhmachern kamen ohngefahr auf 25 Mei⸗ ster 24 Gehuͤlfen, bei den Schneidern doch schon auf 32 Mei⸗ sier nur 29 Gehuͤlfen. Noch mehr sank das Verhaͤltniß der Gehuͤlsen zu den Meistern in den uͤbrigen Staͤdten: es kamen daselbst fuͤnf Gehuͤlfen ziemlich nahe bei den Schuhmachern auf acht, bei den Schneidern auf neun Meister. Auf dem Lande war endlich die Anzahl der Gehuͤlsfen bei den Schuhma⸗ chern wenig mehr, bei den Schneidern sogar noch etwas weni⸗ ger als ein Viertheil der Anzahl der Meister. Die Wohlhaben⸗ heit, welche in glaͤnzenden Darstellungen der guten Folgen einer von zufaͤlligen Misbraͤuchen gereinigten Zunftverfassung, bei den ehrsamen Handwerker⸗Meistern vorausgesetzt wird, kann in der That nur dadurch entstehen, daß junge Gehuͤlfen, welche noch keinen Hausstand zu unterhalten haben, wohlfeil zu arbeiten vermoͤgen, und daher ein betraͤchtlicher Theil des Werthes ihrer Arbeit dem Meister als Lohn fuͤr die Aufsicht daruͤber und fuͤr die Gewaͤhrleistung, die er dafuͤr uͤbernimmt, zufaͤllt, es muß daher immer angenommen werden, daß ein tuͤchtiger Handwer⸗ ker⸗Meister stets einige Gehuͤlfen beschaͤftige, und aller Erfah⸗ rung nach ist auch bei den meisten Handwerkern die Zahl der Gehuͤlfen, welche ein Meister unterhaͤlt, der sicherste Maaßstab fuͤr dessen Erwerb. Angenommen, daß ein Meister im Durch⸗ schnitte wenigstens zwei Gesellen und einen Lehrling gewoͤhnlich halte: so wuͤrden dreimal mehr Gehuͤlfen als Meister vorhanden seyn muͤssen. Allerdings gilt diese Annahme nur von staͤdtischen Meistern: Landmeister finden in ihrem kleinen Kreise selten auch nur fuͤr ihre Person Beschaͤftigung genug durch ihr Hand⸗ werk; der Ertrag eines kleinen Stuͤckes Kartoffelland, einer milchenden Kuh und eines Gartens muß zu Huͤlfe genommen werden, um ihnen ein leidliches Auskommen zu sichern. Wenn aber auch die Haͤlfte saͤmmtlicher Meister auf dem Lande lebte, und keiner Gehuͤlfen beduͤrfte, um ertraͤglich zu bestehen: so wuͤrde doch die andre Haͤlfte unter den vorstehenden Voraus⸗ setzungen noch immer so viel Gehuͤlfen brauchen, daß uͤberhaupt in dem ganzen Gewerke zusammengenommen drei Gehuͤlfen ge⸗ gen zwei Meister vorhanden seyn muͤßten. Gleichwohl lernt bei den Schuhmachern und Schneidern Niemand das Hand⸗ werk in einer andern Absicht, als um darauf dereinst Meister zu werden. Darin liegt nun eben das Unhaltbare solcher Zunft⸗ Verfassungen, wie die hier betrachteten, daß sie einerseits eine Anzahl von Gehuüͤlfen voraussetzen, welche die Anzahl der Mei⸗ ster wenigstens um die Haͤlfte uͤbertrifft, und daß sie anderer⸗ seits allen diesen Gehuͤlfen ein Anrecht auf die Meisterschaft als Lohn der langen Lehr⸗- und Gesellen⸗Jahre vorhalten, wah⸗ rend es doch unmoͤglich bleibt, daß eine so große Zahl sich wirk⸗ lich als Meister naͤhren kann. Der einzelne Mensch, welcher vom Aten Lebensjahre ab sechszehn Jahre lang als Lehrling und Geselle dient, will doch mit dem 30sten Jahre endlich einen eigenen Hausstand anfangen, um nun 30 bis 40 Jahre lang als Meister zu leben. Er ist also wenigstens doppelt so lange Meister, als er vormals Gehuͤlse war, und es wird demnach nur halb so viel Gehuͤlfen, als es uͤberhaupt Meister giebt, wirklich die Aussicht auf das Meisterrecht eroͤffnet werden koͤn⸗ nen. Hieraus folgr, daß so lange kein verheiratheter Gesellen⸗ stand besteht, entweder sehr viele Meister auch in den Staͤdten ohne Gehuͤlfen, das ist in viel duͤrftigern Verhaͤltnissen leben müͤssen als es den Vorstellungen von einem tuͤchtigen Buͤrger⸗ und Meisterstande angemessen ist; oder es werden alternde Ge⸗ sellen zu mancherlei anderm Erwerbe, namentlich zur Hoͤckerei oder zur Schankwirthschaft uͤbergehn, und hier die Bewerbung weit über den Bedarf steigern muͤssen. Der Erfahrung nach geschieht beides und verursacht viele Klagen, deren Grund aber nicht da gesucht wird, wo er wirklich liegt. Die Schwierigkeit, die große Ueberzahl alternder Gehuͤlfen unter zu bringen, hat Verlegenheiten und Beschwerden erzeugt, so lange die hier be⸗ zeichneten Zunft⸗Verfassungen bestehen, und wird selbst durch deren Aufloͤsung keinesweges gehoben. Der alternde Geselle wird nicht allein des unstaͤten Gesellentebens muͤde, und sehnt sich nach einem Hausstande, wenn auch unter sehr beschraͤnkten Lebens⸗Verhaͤltnissen: sondern selbst, wenn dieses nicht geschaͤhe, wuͤrde er dennoch genoͤthigt sein, eine andere Stellung zu suchen, weil veraltete Gesellen mehrentheils nur ungern und nur im Nothfalle in Arbeit genommen werden. So lange das Meister⸗ recht nur mit großen Kosten, durch besondere Gunst, oder uͤber⸗ haupt nur von einer bestimmten Anzahl erlangt werden konnte, blieb den meisten Gesellen nichts anderes uͤbrig, als sich im Alter durch unbefugten Gewerbebetrieb zu nähren: hieraus ent⸗ standen diese endlosen Klagen der Meister uͤber Verkuͤmmerung ihres Gewerbes durch uͤberhand nehmende Pfuscherei und die bittern Beschwerden uͤber die Haͤrte, womit sie gegen dieselbe sich eigenmaͤchtig Huͤlfe zu schaffen suchten. Kann das Meister⸗ recht leicht erlangt werden, oder bedarf es desselben nicht zum selbststaͤndigen Gewerbbetriebe, so verwandeln sich diese Pfuscher in armselige Gewerbtreibende, die fuͤr eigene Rechnung zu ar⸗ beiten versuchen und nur dem tuͤchtigen Gewerbebetrieb Abbruch thun, waͤhrend ihre Mitbewerbung doch zu ohnmaͤchtig bleibt, um wohlfeilere oder bessere Arbeiten fuͤr den Verbrauch zu verschaffen. Die einzelnen Theile des preußischen Staats sind mit den hier betrachteten Handwerkern keinesweges in gleichem Maaße hesetzt. Nach der Zaͤhlung zu Ende des Jahres 1837 enthielten:
stein, Trier und Eupen. Es sind bier, ohne Rücksicht auf die Ein⸗
wohnerzahl, besonders diejenigen Städte zweiter Gewerbsteuer⸗Klasse
ausgewählt, welche sich durch Gewerbsamkeit und Vollkommenheit
der städtischen Austalten auszeichnen. E“
SI116“
Die beiden oͤstlichen Provinzen Praußen und Posen
zusammengenommen überhaupt Einwohner 3,322,579 Saen darunter waren 2 8 Schuhmachermeister und Gehuͤlfen.... 22,070 Schneidermeister und Gehüͤtfen 14,868 es kamen also auf einmal hunderttausend Einwohner väs EET“ h Schuhmacher .. . 5* .,..“] 8 47 Die vier mittlern Provinzen Brandenburg, Pom⸗ 2 mmern, Schlesten und Sachsen uͤberhaupt Einwohner 6,975,356 * darunter waren 2 1 Schuhmachermeister und Gehuͤlfen.. 60,919 Schneidermeister und Gehuͤlfeen 45,797 es kamen also auf einmal hunderttausend Einwoh⸗ 3 ner durchschnittlich uͤberhaupt 8 Se SchuhmacherF . S⸗ 1m“ Schneiber. .. . 65 5 Die beiden westlichen Provinzen Westfalen und die Rheinprovinz uͤberhaupt Einwohner . 8,800,190 88 darunter waren 8 . Schuhmachermeister und Gehuͤlfen. 30,335 Schneidermeister und Gehuͤlfen.. es kamen also auf einmal hunderttausend Einwohner dlurchschnittlich uͤberhaupt ““ eee] 798 2. 7vSv vr eh egn as 26üsx. -
macher⸗ und Schneider westlichen, zei Volksmasse.
westlichen Provinzen
lich ist das Verhaͤltniß
n die mittlern
ßig habe 1 v
eine groͤßere Anzah schaͤftigen wuͤrden.
mittlern Provinzen der Arbeitszeit der
Menschen Einer mit beschaͤftigt: letzteres do
richtet. Fuͤnf Personen
73,708 und fuͤr die von 38 Familien eine
tigen.
Baͤcker und Fleischer.
Baͤcker, und zwar:
am Ende der Jahre 1822
am Ende der Jahre 1822 1825 1828 1831 1834 1837
““
ersten Auftreten erregt
wohner des Staats b
Fleischern geringer, als haben verhaͤltni der und Schuhmacher;
sind, welche von ihrer
fernung herbei zu ho
Es beschaͤftigte sich demnach mit Schuh in den oͤstlichen Provinzen von 98 1
t von dem geringern Wohlstande der großen lber das verschiedne Verhaͤltniß der Schneider gegen die Schuhmacher de . erwaͤhnte Verschiedenheit in dem Betriebe beider Gewerbe. Die Schneider beziehn uͤberall keine Jahrmaͤrkte mit ihren Arbeiten: die Schuhmacher thun dies dagegen in dem Maaße
als in der Zunahme der Anzahl der Schuhmacher.
rechnungen fuͤr 18 Einwohner eben soviel Schneider⸗Arbeir, als die mittlere fuͤr 19,
macher⸗Arbeit hiervon nicht sehr verschieden: aber verhaͤltnißmaͤ 1 und noch mehr die oͤstlichen Provinzen on Schuhmachern, als sie hiernach be:. Dieses erklaͤrt sich eben dadurch, daß in den 2 viel, und in den oͤstlichen noch mehr von Schuhmacher durch den Jahrmarkts⸗Besuch verloren geht, welcher sich in dem Maaße mehr ausdehnt, wor⸗ in die Armuth der kleinstoaͤdtischen Schuhmacher zunimmt. Im Durchschnitte des ganzen Staats ist auf 124 Menschen Einer mit der Verfertigung von Schuhen und Stiefeln, und auf 162
8”
Auch aus diesen Angaben geht eine fortschreitende Vermeh⸗ rung beider Handwerkerklossen hervor, die nur durch die Schrecken unterbrochen wurde, welche die Cholera bei ihrem
bende will taͤglich frisches Fleisch und taͤglich frisches Gebäͤck haben. Es wuͤrde sehr unbequem sein, dieses aus großer Ent⸗
macher⸗Arbeit einer 1
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„ » mittlern 2 „ EE“ 1—
»„ „ westlichen » II Einwohner: und es verfertigte Schneiderarbeit, so weit sie von 58 Maͤnnern betrieben wird, einer in den oͤstlichen Provinzen von 1 nu.“ “ mittlern „ „ “ „„ „ westlichen „ IZ“ “ Einwohnern. Daß die oͤstlichen Provinzen weniger Schuh-;
v„Arbeit brauchen, als die mittlern und
—
utet auch noch auf eine schon oben
mehr, worin ihr Gewerbbetrieb armseeliger wird. Daher 8 zeigt sich die Stufenfolge der Wohlhabenheit sehr viel 3 bestimmter in der Zunahme der Anzahl der Schneider,
Die brauchen nach den vorstehenden Be⸗
und die oͤstlichen fuͤr 28. Wahrschein⸗ in Bezug auf den Bedarf an Schuh
der Verfertigung von Kleidungsstuͤcken ch mit Ausnahme derjenigen Theile der
Bekleidung, welche durch weibliche Arbeit besorgt werden. Uebersichtlicher stellt sia) das Verhaͤltniß noch, wenn man die IIIm Rechnung nicht auf einzelne Personen, sondern auf Familien
durchschnittlich auf eine Familie gerech⸗
uer, enthielt der Preußische Staat zu Ende des Jahres 1837 2,819,625 Familien. Fuͤr die hier betrachteten Handwerke sind so viel Familien als Meister, in der oben erlaͤuternden Beveu⸗ tung dieses Worts, anzunehmen; folglich fuͤr die Schuhmacher
chneider 59,205. Hieraus folgt, daß davon lebt, Schuhmacher⸗Arbeit fuͤr die
andern 37 zu verrichten: und daß von 48 Familien eine ich davon naͤhrt, Schneiderarbeit fuͤr die uͤbrigen 47 zu verfer⸗
Zwei andere Handwerkerklassen, welche fuͤr ein sehr allge⸗ meines Beduͤrfniß arbeiten, und ebenfalls einer Mitbewerbung von Fabrik⸗Anstalten in der Regel nicht unterliegen, sind die
Im Preußischen Staate befanden sich
Meister Gehuͤlfen uͤberhaupt
19,651 6853 26,504
20,223 5
21,708 “
21,217 V
22,175 9118 31,293
23,437 10,452 33,888 eischer waren daselbst vorhanden und zwar:
Meister Gehuüͤlfen uͤberhaupt
14,871 4846 19,717
15,163 52 v11“
15,654 20,99b8
15,367
15,095 b22,116
16,853 6987 23,8 40
e. Brod wird zwar in viel groͤßerer
Menge verzehrt, als Fleisch: aber mehr als die Haͤlfte der Ein⸗
ereitet ihr Brod ganz ohne Huͤlse des
Baͤckers; dagegen bedient sich auch der, welcher fuͤr eigne Haushaltung einschlachtet, hierdurch wird das Verhaͤltniß der Baͤcker zu den Fleischern im Allgemeinen so gestaltet, daß gegen siebzehn Personen, welche das Backen gewerbsweise treiben, sich zwoͤlf mit der Verrichtung von Fleischerarbeit beschaͤftigen. huͤlfen ist im Verhaͤltniß zu der Anzahl der Meister bei den
hierbei der Huͤlfe des Fleischers:
Die Zahl der Ge⸗ bei den Baͤckern: aber auch die letztern
ßmaͤßig noch etwas weniger Gehuͤlfen als die Schnei⸗
der Grund hiervon liegt in der ganz ver⸗
schiednen Beschaffenheit des Gewerbebetriebes. Baͤcker und Fleischer arbeiten fuͤr ein Beduͤrfniß, das um so gewisser taͤglich entsteht,“ und taͤglich befriedigt werden muß, je wohlhabender diejenigen
Arbeit Gebrauch machen: der Wohlha⸗
muß sich daher an einen nahen “
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