kleinlicher Ehrgetz habe uns in die Reihen der Opposition ge⸗
trieben. Nein, m. H., unsere Opposition hat anderswo begon⸗ nen als in dieser Kammer; sie begann, als wir noch die Zuͤgel der Regierung in Haͤnden hatten, und wir wüñrden dieselben noch halten, wenn wir die Politik des Kabinets vom 15. April haͤtten annehmen wol⸗ len.“ (Lebhafte und anhaltende Bewegung.) Bei Abgang der Post besand sich Herr Thiers noch auf der Rednerbuͤhne. —₰
Die Koͤnigin der Belgier ist gestern Abend in den Tutlerieen eingetroffen. Ein Schreiben des Herzogs von Nemours an den Herzog von Orleans, datirt aus Pisa vom 1. Januar, trifft so eben per Estafette hier ein. Dasselbe laͤßt nur wenig Hoffnung, das Leben der Herzogin von Wuͤrttemberg zu erhalten. Bei dem Abgange des Cou⸗ riers erhielt Ihre Koͤnigliche Hoheit die letzte Oelung, und ein beigefuͤgter Bericht der Aerzte sagt ihre nahe bevorstehende Aufloͤsung voraus.
In einer außerordentlichen Beilage des Moniteurs wer⸗ den die nachstehenden Depeschen uͤber die (bedeits gestern er⸗ waͤhnte) Einnahme des Forts San Juan d’Ulloa mitgetheilt: „An Se. Excellenz den Grafen Molé, Conseils⸗
Präsidenten. New⸗York, 16. Dezember 1838.
Mit einem unbeschreiblichen Gefuͤhl der Freude und des gerechten National⸗Stolzes beeile ich mich, Ew. Excellenz die glorreiche Nachricht von der Einnahme von Veracruz mitzu⸗ theilen, welche wenige Minuten vor Abgang des Paketbootes bier ankoͤmmt. Der Prinz von Joinville hat den ehrenvollsten Untheil an der Attaque genommen und besindet sich wohl. Der ngriff begann am 27. November um 2 Uhr Nachmittags. 3, unserer Fregatten, 1 Korvette und 2 Bombarden postirten sich auf Kanonenschußweite vor dem Fort d'Ulloa und eroͤffne⸗ ten von dort aus ein so heftiges und so gut geleitetes Feuer, daß in weniger als 4 Stunden die Merxikanische Artille⸗ rie zum Schweigen gebracht, alle Außenwerke zerstöͤrt und 600 Mann der Garnison geteoͤdtet und verwundet worden waren. Gegen 6 Uhr Nachmittags kapitulirte der HMerikanische Kommandant und raͤumte das Schloß, welches sogleich durch die Franzosen besetzt wurde. Die Merikanische Armee, welche in der Naͤhe von Veracruz kampirte, war 00 Mann stark; aber die Offiziere derselben sahen ein, daß die Stadt nicht gehalten werden konnte, da die Artillerie des Forts sie beherrscht. Unser tapferer Admiral Baudin, der sich bei dieser Gelegenheit mit Ruhm bedeckt hat, soll eingewilligt haben, daß 1000 Mann Merxtkanischer Truppen in der Stadt bleiben, um die Ordnung aufrecht zu erhalten. Die Wirkung dieses Sieges auf die oͤffentliche Meinung in der neuen Welt wird ungeheuer seyn; unsere Landsleute sind vor Freuden außer sich. (gez.) L. de la Forest.“
Das offizielle Journal des Staates Louistana giebt nachstehende Details uͤber die Einnahme von San Juan
Paris, 7. Jan.
deUllog: „Nach der Ankunst des Admiral Baudin an den Merikanischen Kuͤsten wurde der Schisss⸗Capitain Leroyv mit dem Ultimatum Frankreichs nach Mexiko gesandt. Er kehrte näach einigen Tagen zuruͤck, aber ohne eine besriedigende Ant⸗ wort. Am folgenden Tage erhielt der Admiral ein Schreiben, worin man ihn bat, sich nach Jaleppa zu begeben, um daselbst mit den Abgesandten der Regierung zu unterhandeln und einen Theil seiner Streitkraͤfte zu entfernen, damit es nicht den An⸗ schein haͤtte, als ob bei den Unterhandlungen Meriko der Ge⸗ walt nachgaͤbe. Der Admiral bewilligte die erstere dieser Bit⸗ ten, von der zweiten wollte er aber nicht weiter reden hoͤren. Er reiste daher ab und ward bei seiner Ankunft in Veracruz mit 19 Kanonenschuͤssen begruͤßt. Bei seiner Ruͤckkehr verkuͤndete er, daß die Abgesandten alle Bedingungen Frankreichs angenommen hätten, mit Ausnahme derjenigen, nach welcher Meriko den Franzo⸗ sen Detailhandel gestatten sollte. Die Abgeordnetenhaͤtten verlangt, üͤber diesen Punkt ihre Regierung zu defragen. Herr Baudin faͤgte hinzu, daß er ihnen noch * Tage bewilligt habe, daß aber nach Verlauf derselben die Feindseligkeiten unverzuͤglich begin⸗ nen wuͤrden. Am 21sten Morgens nahmen die Dampsschiffe die Bombarden „Cvclope“ und „Vulcain“ ins Schlepptau und legten sich mitten unter den Klippen an, die sich laͤngs der Kuͤste hinziehen. Die „Nererde“, an deren Bord sich der Admiral hefand, die „Gloire“ und die „Ipphigenie“ nahmen ihre Plaͤtze in gleicher Linie ein. Abgesandte am Bord des Admiralschiffes ein, um einen Auf⸗ schud zu erhalten. Um 2 Udr 25 Minuten verließen sie die Fregatte, und das Signal, sich zum Gesecht vorzubereiten, ward gegeben. Um 2 Uhr 28 Minuten begann das Feuer und dauerte à Stunden lang ohne Unterdrechung fort. Waͤdrend des Treffens naäͤherte sich die Korvette „Creole“, von dem Prin⸗ zen ven Joinville kommandirt, dem Fort und unterhielt ein sehr gut genährtes Feuer gegen dasselbe. Man kannte den Platz, wo die Pulver Vorräthe ausbewahrt wurden, und dies war der Zielpunkt fuͤr die Bomben. der Vorraths⸗ Kammern wurden in die Lust gesprengt, und die Explosion war so stark, daß auf mehrere Schiffe, welche uͤber eine Meile enesernt waren, Steine niedersielen. El Caballero, eines der stärkeen Werke des Forts, sprang gegen 5 Uhr die Luft. In dichem Augendlick horte das Feuer aus dem Fo Die Fregatte „la Gloire“ wurde durch das Dampf⸗ zurückgezogen, das Feuer der beiden andern einbrechenden Nacht fort. In dem Augendlick, alschiff die Anker lichten wollte, langte ein Bote an und verlangte einen Waffenstillstand, um die Verwundeten aus den Truͤmmern hervorzuziehen. ral erwiederte, dasß er keinen Waffenstillstand dewilli⸗ „ gab aber einen Capitulations Entwurf mit und er⸗ wenn derselbe am folgenden Tage um 6 Uhr Mor⸗ wäre, das Feuer Neuem deginnen pitulation ward sogleich angenemmen und alle tre setzten sich in Bewegung, um die Ueberbleibsel u transpertiren. Die Chirurgen der verschiede⸗ Geschwaders wurden edenfalls adbgesandt, des Feindes beizustehen. In diesem Gefechte, 2 r Siunden gedauert hat, wurden 8000 Kugeln und Bomhen in das Fort geschleudert. Die Fregatte „Iphi⸗ air ecrhieht 150 Kugeln, die anderen Schiffe dei weitem we⸗ niger. Die Franzosen zidlen 5 Todte und 23 Berguadete, macuater 2 Ofsiziere. Es war ein Landungs Terps von 300 Ma⸗ mrsen und 290 Artilleristen gebildet, und die Dampsschiffe wa⸗ ren mi Brücken verschen, welch 1 auern niederge⸗ lasen werden sobten, um das; : turm zu nehmen, sais die Uebergabe durch Bes⸗ angen wäre. Mrrikancr haben viel Stl „Meteor“ rmerft eimne
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weigerte sich bestaͤndig, auf die Stadt zu schießen, und als man ihm rieth, das Fort bei Nacht anzugreifen, was einen unge⸗ heuern Vortheil gewaͤhrt haben wuͤrde, erwiederte er, daß er nur am hellen Tage dem Feinde entgegentreten wolle. Die Franzoͤsischen Schiffe ensen noch immer an den Merxikani⸗ schen Kuͤsten, um die Haͤfen zu blokiren; Veracruz allein ist offen. Man erzaͤhlt uns, daß der Englische Konsul den Admi⸗ ral gebeten habe, seine Wohnung zu verschonen, falls er die Stadt angriffe. Der Admiral versprach es ihm loͤchelnd. Durch einen hoͤchst seltsamen Zufall ist nun aber gerade die einzige Bombe, welche sich in die Stadt verirrte, auf das Haus des Enzlischen Konsuls gefallen und hat einen Theil des Daches zerstoͤrt.“ 4
Im Journal des Debats liest man: „204 Deputirte der Majoritaͤt haben sich gestern Abend bei dem Herrn Bensa⸗ min Delessert versammelt. Man hat keine Gegen⸗Adresse vor⸗ geschlagen, aber wichtige Amendements sind eroͤrtert und be⸗ schlossen worden. Die feste und gemaͤßigte Haltung der Ver⸗ sammlung laͤßt mit Recht hoffen, daß die Kammer diese Amen⸗ dements annehmen wird.“
Großbritanien und Irland.
London, 5. Jan. Ministerielle Blaͤtter versichern heute, daß die Ergebnisse des vierteljaͤhrlichen Einnahme⸗Berichts kei⸗ nesweges so unguͤnstig seyn wuͤrden, wie die Oppefitions⸗Presse es verkuͤndigt habe, sondern daß sich vielmehr in dem letzten Finanz Quartal ein Ueberschuß von 150—200,000 Pfund her⸗ ausstellen werde.
Der Staat«⸗Secvretair des Krieges hat folgendes Cirkular an die Armee erlassen: „Kriegs⸗Ministerium, 14. Dezember. Die Abzuͤge, denen die Infanterie⸗Offeziere gewisser Rangstufen un⸗ terworfen waren, wenn sie Stabs⸗ oder Garnisons⸗Dienste tha⸗ ten, hoͤren mit dem 1. Januar 1839 auf. Mit großem Ver⸗ gnüͤgen verkuͤndige ich Ihrer Majestaͤt gnaͤdigen Befehl in die⸗ sem Betreff. Howick.“
Der Volks⸗Aufwiegler Stephens hat nun doch die fuͤr seine einstweilige Freilassung von ihm geforderten Buͤrgschaften aufgetrieben und ist daher gestern fruͤh in Manchester auf freien Fuß gesetzt worden. Am Abend wurde darauf sogleich eine große Radikalen Versammlung gehalten und dem Volke von der Befreiung des Agitators Nachricht gegeben. Jeder, der an die⸗ ser Versammlung Theil nehmen wollte, mußte einen Pennyj erlegen, um damit zu den Vertheidigungs⸗Kosten fuͤr Stephens beizusteuern. Es kamen 15 Pfund zusammen, folglich muͤßten, wenn nicht Einzelne mehr gegeben haben, 3600 Individuen zugegen gewesen seyn; der Berichterstatter der „Times“ giebt ihre Zahl jedoch nur auf 1000 an. Stephens selbst wohnte natuͤrlich dieser Versammlung nicht bei, weil er Buͤrgschaft fuͤr sein ruhiges Verhalten gestellt hatte; er begab sich nach seiner Freilassung gleich nach Dukinfield, wo er wohnt. Den Vorsitz in der Versammlung zu Manchester fuͤhrte ein Herr Richardson, und die Haupt⸗Redner waren Oastler und I’'Connor. Letzterer behauptete unter Anderem, die Minister hätten das Verfahren gegen Stephens nur eingeleitet, um die Aufmerksamkeit des Volkes von der Frage uͤber die geheime Ab⸗ stimmung abzuleiten. Als ein Mittel, um von der Regierung die Forderungen der Radikalen zu erzwingen, rieth er dem Volke an, sein Geld aus den Sparkassen wegzunehmen, weil diese, nach dem Gestaͤndniß des Kanzlers der Schatzkammer, der Regierung große Macht in die Haͤnde gaͤben, indem der⸗ selbe erklaͤrt habe, die Sparkassen haͤtten das Land in einem kritischen Momente gerettet.
O'Connell hat sich in der letzten Versammlung des Vor⸗ laͤufer ⸗Vereins sehr zu Gunsten Lord Durham's ausgesprochen. „Graf Durham“, sagte er, „ist jetzt das politische Haupt der Radikalen der drei Koͤnigreiche, und obgleich ich fuͤr das Prin⸗ zip des allgemeinen Wahlrechts, obgleich ich ein entschiedener Vertheidiger desselben bin, so ist die doch nur meine persoͤnliche politische Ansicht, und ich will diesen Verein nicht dazu verpflichten; vielmehr beuge ich mich vor Lord Durham, als dem Fuͤhrer der Radikalen, der das Wahlrecht nur auf alle Hauswirthe ausgedehnt sehen will; ich pflichte seinem Plane gern bei und erbiete mich, ihn in politischer Hinsicht aufs herz⸗ lichste und ergebenste zu unterstuͤtzen.”“
Bei der Wahl der staͤdtischen Beamten fuͤr Birmingham, die in der vorigen Woche stattfand, weigerten sich einige der neu ernannten Stadtraͤthe, die vorgeschriebene Erklaͤrung zu leisten, „daß sie in ihrer Amtsgewalt nichts thun wollten, wo⸗ durch die herrschende Kirche beeintraͤchtigt werden koͤnnte.“ Ein Quaͤker, Herr Sturge, erkläͤrte, er sey so entschieden gegen eine vom Staate beguͤnstigte Kirche eingenommen, daß er Alles thun werde, was er auf rechtlichem, gesetzmaͤßigem Wege thun koͤnne, um hierin eine Aenderung zu bewirken, und daß er daher mit gutem Gewissen jene Erkleͤrung nicht unterschreiben duͤrfe, denn die Unterscheidung, daß er als staͤdtischer Beamter anders wie als Privatmann handeln koͤnne, sey fuͤr seinen einfachen Ver⸗ stand zu fein. 1 Im Newcastle Journal liest man: „Die beiden Rus⸗ sischen Agenten, welche unlaͤngst den hiesigen Bezirk besuchten, um Transportschiffe auf Rechnung ihrer Regierung zu kaufen, wahlten im Hafen von Neweastle drei und in Sunderland zwei Fahrzeuge aus, die nun in der Ausruͤstung begriffen sind. Diese Agenten suchen setzt in anderen Haͤfen der Ostkuͤsten aͤhnliche Einkaͤufe zu machen.“
Das eben erschienene Quartalhest der British and Fo⸗ reign Review enthaͤlt uͤder den Britisch⸗Oesterreichischen Han⸗ dels Vertrag einen sehr ausfuͤhrlichen Artikel, welcher, wie die „Morning⸗Thronicle“ versichert, aus den authentischsten Quel⸗ len kommen soll. „Wir sind im Stande“, heißt es darin, „zu melden, daß ein Oesterreichisches Reskript die Sanction des Kaisers erhalten habe und vielleicht schon in Wirksamkeit ge⸗ treten seyn wird, ehe diese Blaͤtter in den Haͤnden unserer Le⸗ ser sind, durch welches das ganze Prohibitiv⸗System Oester⸗
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reichs abgeschafft wird. Leider können wir in diesem Augen⸗ dlicke die Details dieser großen Maßregel noch nicht mittheilen, aber versichern koͤnnen wir, daß die durch dieselbe beabsichtigte Aenderung eden so segensreich als umfassend seyn wird. Zoͤlle ad ralorem sollen, nach einem nicht unmaͤßigen Ansatz, in allen Faͤllen an die Stelle der Prohibitionen des bestehenden Tarifs treten, und üͤberhaupt wird Oesterreichs Handels⸗Politik hinter jener der auf⸗ geklärtesten Nationen nicht zuruͤckbleiben. Diese hochwichtige Aenderung ist durch den ausdauernden Eifer des Grafen Kollo⸗ wrat gefoördert worden, dessen Thaͤtigkeit und wohlwollende Gesinnung, besonders in diesem Falle gläͤnzend hervortretend, ihm längst die Hochachtung und Dankbarkeit aller Provinzen des Kaiserreichs erworden haben. Sie wurde gebilligt von einem Staatsmanne, der sonst wegenstrengen Festhaltens an seinem
blitischen System berüͤhmt ist, und der, wie man glauben darf,
dem Vertrage mit England und dieser Reform des Oesterreichi⸗ schen Tarifs seine Zustimmung nicht gegeben haben wuͤrde,
wenn nicht der Deutsche Zollverein eine solche Modification noͤ⸗ thig gemacht haͤtte, wenn nicht ferner durch den Unterneh⸗ mungsgeist der neueren Zeit die Donau gern oder ungern geoͤff⸗ net worden waͤre, wenn nicht die Wohlfahrt Ungarns einen solchen Schritt erheischt haͤtte, wenn nicht Rußland am Bessara⸗ bischen Ufer der Donau laͤge, bereit, seine kaum aufgegebene Beute wieder zu fassen, wenn die Tuͤrkei nicht dem Eindrin⸗ genden ossen staͤnde, und, vor Allem, wenn nicht England durch seine Grundsaͤtze und Interessen gehalten waͤre, mit Herz und Hand zur Aufrechthaltung unabhaͤngiger Staaten, zur Ausbreitung von Wohlfahrt und Fortschritt in der gan⸗ zen Welt, zur Vertheidigung des Orients gegen verderbliche Uebergriffe mitzuwirken. Dies waren die Motive, dies die sicheren Grundlagen, aus und auf denen Fuͤrst Metternich sich entschieden hat, diesen großen Schritt zu thun. Nach der einmal gefaßten Entscheidung ist er bereit, die Reciprocitaͤt mit England vollständig zu machen und durch innere Maßregeln den Geist seines auswaͤrtigen Vertrags zu befestigen.“*) Die Chronicle bemerkt hierzu: „Obgleich einige Manufaktur⸗ zweige in Oesterreich bedeutenden Aufschwung genommen haben, so muß Oesterreich zur Zeit doch noch als ein Agri⸗ kulturstaat betrachtet werden. Die Fabrikanten bilden da⸗ selbst nicht den achtzehnten Theil der Bevoͤlkerung. Unter die⸗ sen Umstaͤnden muß das Aufgeben des Prohibitiv⸗Systems fuͤr Oesterreich und England, wenn wir es gehoͤrig benutzen, von hoͤchst wohlthaͤtigen Folgen seyn. Der Verfasser des Buchs „Oesterreich und die Oesterreicher“ giebt den Eisenwaaren Steiermarks den Vorzug vor allen anderen auf dem Kontinent. Im Ganzen aber verdanken die Oesterreichischen Manufakturen ihren verhaͤltnißmaͤßig gedeihlichen Zustand einzig und alein der Wohlfeilheit des Brods und anderer Lebensbeduͤrfnisse; wogegen unsere Englischen Land⸗Eigenthuͤmer zu glauben schei⸗ nen, daß hohe Brodpreise fuͤr das Gedeihen der Fabriken un⸗ erläͤßlich seyen. Der Vertrag mit Oesterreich bietet uns eine treffliche Gelegenheit dar, zu einem gesunden System zuruͤck⸗ zukehren.”
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Aus dem Haag, 6. Jan. Der neue Franzoͤsische Ge⸗ sandte am hiesigen Hofe, Herr von Boisleconte, wird naͤch⸗ stens hier erwartet.
Die in Seelaͤndisch⸗-Flandern besindlichen Festungswerke zu Bath, Neuzen und Elewoutsdyk sind dieser Tage von dem General⸗Major vom Genie⸗Corps, van Hoof, in Augenschein genommen worden.
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Bruͤssel, 7. Jan. Durch einen Tages⸗Befehl wird zur Kenntniß der Armee gebracht, daß der Divisions⸗General Daine zum ersten Kommandanten der Festung Venloo ernannt sey. Der bisherige Kommandant dieser Stadt, Oberst Dufresnell, begiebt sich nach Maldeghem, um die in den beiden Flandern aufgestellten Vorposten zu befehligen. General Daine hat gestern eine Audienz bei dem Koͤnige gehabt.
Einer Verordnung des Kriegs⸗Ministers zufolge, sollen die Besatzungen aller Plaͤtze militairische Promenaden und Evolu⸗ tionen vornehmen, ganz so als ob sie sich im Angesichte des Feindes befaͤnden.
Die Belgische Bank hat an ihrem ersten Zahlungstage 202,000 Fr. auf laufende Rechnungen und 119,000 Fr. fuͤr kleine Noten ausbezahlt. In der Sparkasse der Bank sind 215,000 Fr. erhoben worden. Billets zu 1000 und 500 Fr. sind nur im Betrage von 14,500 Fr. praͤsentirt worden, um darauf 20 pCt. zu erheben, und den Rest auf laufende Rech⸗ nung stehen zu lassen.
In der hiesigen Handelswelt scheinen die Nachwirkungen der Bank⸗Fatalttaͤt erst jetzt eintreten zu wollen. Wenigstens deuten unsere Zeitungen darauf hin, daß mehrere Handlungs⸗ haͤuser in diesen Tagen keine prompte Zahlung geleistet.
Hiesige Blaͤtter machen bemerklich, daß in England die jetzige Mission des Grafen von Merode nach Paris um so groͤ⸗ ßeres Aufsehen machen wuͤrde, als man dort dessen Antrag zur Auslieferung der Belgischen Festungen an Frankreich uͤberaus uͤbel aufgenommen habe. 8
Im Commerce Belge liest man: „Herr von Gerlache also, eine der staͤrksten Stuͤtzen der katholisch⸗politischen Partei, hat den Auftrag erhalten, sich nach London zu begeben, um Herrn van de Weyer zu kontrolliren, seinen Eifer anzuspornen und ihn sogar uͤber die Fehler zurechtzuweisen, die er vielleicht nach den Ansichten der Partei begangen, deren Koryphaͤen die Herren von Gerlache und von Merode sind. Wenn wir den Berichten glauben duͤrfen, die wir uͤber die extra⸗diplomatischen Missionen der genannten beiden Herren nach London und Pa⸗ ris erhielten, so haͤtten sie keinen anderen Zweck, als den Ruͤcksichten zu genuͤgen, welche drei unserer Minister fuͤr die katholisch⸗politische Parteihegen. Herr de Theur namentlich soll so schwach gewesen seyn, fuͤr die Meinung, welche ihn bisher am Ruder behauptete, diese letzte Buͤrgschaft zu verlangen. Falls die Herren von Merode und Gerlache die Gewißheit sich verschaffen, daß es entweder zu spaͤt oder unmoͤglich sey, die Kabinette von Paris und London zur Zuruͤcknahme einer bereits getroffenen Entscheidung zu bewegen, so wollen die drei oben erwaͤhnten Minister sich von ihrem Posten zuruͤckziehen, und Anderen die Sorge uͤber⸗ lassen, die politische Frage zu entwirren. Nothwendig werden alsdann auch die Herren von Merode und Gerlache die Ersten seyn, welche den Kriegsplaͤnen entsagen, denn als eifrige Katho⸗ liken werden sie wohl nicht laͤnger darauf bestehen, daß die Armee ihr Blut vergieße und die Nation sich auf jede Weise erschoͤpfe, um gegen das gesammte Curopa anzukaͤmpfen.“
— Dem Bruͤsseler Korrespondenten des Handelsblads zufolge, ist der 15. Januar der Tag, an welchem sich Frank⸗ reich daruͤber zu erklaͤren hat, ob es den letzten Beschluͤssen der Londoner Konferenz beitritt oder nicht. Die Regierung will zu diesem Behufe natuͤrlich erst den Ausgang der Debatten uͤber die Adresse abwarten. In dem Verhoͤre, welches Herr Ducpetiaur bei dem Instructions⸗Richter gehabt, erklaͤrte der⸗ selbe, daß bereits 3000 Freiwillige seiner sogenannten Natio⸗ nal⸗Association beigetreten seyven und daß er Verbindungen nicht bloß in Frankreich, sondern auch in anderen Theilen des benachbarten Auslandes zu diesem Behuse angeknuͤpft. Gegen die Regierung habe er durchaus nicht handeln wollen; viel⸗ mehr sey es seine bestimmte Absicht gewesen, dieselbe zu unter⸗
*) Die „Augsburger Allgemeine Zeitung“, der wir diesen Aus⸗ zug aus der „British and Foreign Revsew“ entlehnen, giebt denselben mit folgender Bemerkung: „Wir erachteten uns verpflichtet, diese Machricht mitzutheilen, da ihr ein ministerielles Euglisches Blatt un⸗ dedingten Glauben zu schenken scheint, brauchen jedoch kaum erst zu bemerken, daß dieselde einer näheren Bestätigung und Erörterung aus Oesterreich selbst bedarf.“
toren in der Wohnung des
fen.
forderung, das Erschießen der Gefangenen einzustellen, lautet
stuͤtzen. Dagegen soll Herr Ducpetiaux gar nicht verhehlt ha⸗ ben, daß ein Hauptzweck seiner Association darin bestehe, aus⸗ laͤndische Bevoͤlkerungen gegen ihre Rkgierungen aufzuwiegeln.
Deutschland.
Hannover, 8. Jan. (Hannov. 3.) Nachdem die in Folge Koͤnigl. Reskripts vom 27. Juni vertagte Allgemeine taͤnde⸗Versammlung des Koͤnigreichs auf Befehl Sr. Maje⸗ staͤt des Koͤnigs auf den 15ten kuͤnftigen Monats wiederberufen ist, so wird solches hiermit zur oͤffentlichen Kenntniß gebracht, und erwartet, daß saͤmmtliche Mitglieder beider Kammern am gedachten Tage hierselbst erscheinen. Hannover, den 7. Januar 1839. Kabinet Sr. Majestaͤt des Koͤnigs. Der Staats⸗ und Kabinets⸗Minister G. Frh. von Schele.
Darmstadt, 9. Jan. (Großh. Hess. Z.) Wir haben den wesentlichsten Inhalt des Urtheils des Großherzoglichen Hof⸗Gerichts zu Gießen betreffend (s. St.⸗Ztg. Nr. 358 vo⸗ rigen Jahres): „Die Untersuchung gegen die Theilnehmer an den in den Jahren 1832 bis 1835 in der Provinz Ober⸗Hessen stattgesfundenen hochverraͤtherischen Bestrebungen und anderen damit in Verbindung stehenden Verbrechen“ mitgetheilt, und sind nunmehr im Stande, unseren Lesern auch das nachstehende in dieser Sache unterm 7ten d. M. von dem Großherzoglichen Ministerium des Innern und der Justiz an das Großherzog⸗ liche Hof⸗Gericht der Provinz Ober⸗Hessen erlassene wichtige Reskript mitzutheilen. Es lautet wie folgt: 8
„Rachdem Sie das in der Untersuchung gegen die Theilnehmer an den hochverrätherischen Unternehmungen in der Provinz Ober⸗ bessen gefällte Urtheil nebst sämmtlichen Vorträgen Ihrer Referenten uns eingesendet hatten, haben wir Sr. Königl. Hoheit dem Groß⸗ herzog ausführlichen Bericht über den Gegenstand, so wie über die eingekommenen Gnadengesuche erstattet und eröffnen Ihnen nunmehr in Allerhöchstem Auftrage Folgendes: Se. Känigl. Hoheit der Groß⸗ herzog vermögen weder in der Art, noch in der Größe der von Jbh⸗ nen erkannten Strafen den mindesten Grund zur Straf⸗Verwandlüng oder zur Straf⸗Minderung im Wege der Gnade zu sinden. Auch die erfreuliche Erschejnung, daß das freventliche Streben, ein biede⸗ res Volk gegen seinen angesammten Fürsten und dessen Behörden aufzuwiegeln, machtlos an der alten Hesüschen Treue scheiterle eine Erscheinung, welche dieses Voll noch höher in der Liebe sei⸗ nes Fürsten stellt, entschuldigt jene nicht, die an Fürst und Volk sich vergangen haben. Altein es ist von Sr. Königl. Hohett in lan⸗ desväterliche Erwägung gezogen worden, weich heher Grad von Ver⸗ führung in der Mitte lag, und daß gerade diejenigen Personen, welche die Unerfahrenheit, Charakterschwächt oder Eitelkeit der ausersehenen Werkzeuge zu mißbranchen verstanden und die weit strafbarer erschei⸗ nen als vicle der Vernrtheilten, dem Arm der Gerechtigkeit, che er sie
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erreichen konnte, sich entzogen haben. Nicht minder ist Sr. Königl.
Hoheit die Offenheit und die Vollständigkeit, mit der, obwohl zum Theil nach mancher Zögerung die Bekenntnisse erfolgt sind, nicht ent⸗ gangen, so wie die an den Tag gelegte Reue. Se. Königl. Hobelt wollen nicht glauben, daß zu den vielen und schweren Vergehen auch noch das verächtliche der Heuchelei hinzugefügt worden sev, wollen vielmehr in den vielfältigen Versicherungen innerer Zerkuir⸗ schung und bitterer Reue, welche die Untersuchungs⸗Akten ent⸗ halten, die Bürgschaft moralischer Besserunzg, erblicken. In Berücksichtigung dieser Verhältnisse haben Se. Königl. Hobeit der Großberzog geruht, den Verurtheilten die ihnen zuerkannten Frei⸗ heitsstrafen, so weit sie dieselben nach dem Erkenntniß noch zu ver⸗ büßen haben würden, aus Allerhöchster Gnade zu erlassen. (Rück⸗ sichtlich des Karl Zeuner von Butzbach erlassen wir unterm Heutigen besondere Verfügung an Sie.) *) Wir beauftragen Sie nunmchr, diese Allerhöchste Entschließung, so wie die gegenwärtige Verfügung, den Betreffenden zu eröffnen. Diejenigen, welche Ihr Urtheil haben in Rechtskrast übergchen lassen und noch dettinirt werden, sind sofort in Freiheit zu setzen; diejenigen aber, welche Rechtsmittel angezeigt haben, sind zu bedeuten, daß ihnen die Fortsetzung dersel⸗ ben unbenommen sep, was, wie sich von felbst verstehe, die Folge habe, daß, rücksichtlich ihrer, die Begnadigung als nicht gescheben betrachtet und dem Recht sein Lauf gelassen werde⸗ Dem Pfarrer Fli ck und dem Schul⸗Rektor Heß ist insbesondere zu bemerken, daß in Gemäßheit der Allerhöchsten Intention Sr. Kö⸗ nigl. Hoheit des Großherzogs dieser Begnadigung nicht die Deutung gegeben werden darf, als sollten sie in die von ihnen bis zu ihrer Suspension bekleideten Aemter wieder eingesetzt werden; und sfäͤmmt⸗ lichen Begnadigten ist bekannt zu machen, daß ihr künftiges Verhal⸗ ten von Staats⸗Poltzei wegen genau überwacht, und wenn sie dazu Veranlassung geben sollten, Stellung unter Polizei⸗Aufsicht gegen sie verhängt werden wird, welche Bestimmungen einen intregrirenden Be⸗ standtheil der Großherzoglichen Beguadigung bilden. d Th I.
Sanien.
Madrid, 30 Dez. Gestern versammelten sich die Sena⸗ Grafen von Montejo und beschlos⸗ sen, in Bezug auf die militairischen Hinrichtungen in Arago⸗ nien, eine Adresse an die Koͤnigin zu richten. Man glaubt, die Deputirten-Kammer werde diesem Beispiele folgen.
Der Senat hat in seiner gestrigen Sitzung den Gesetz⸗ Entwurf wegen Aushebung von 40,000 Mann mit 66 Stim⸗ nen gegen 12 genehmigt.
Der Kriegs⸗Minister, General Alaix, trifft ernstliche An⸗ stalten, um Cabrera mit hinreichenden Streitkraͤften anzugrei⸗ . Er hofft, der General Espartero, der von dem Finanz⸗ Minister sechs Millionen Realen erhalten hat, werde unter O'Donnell's Anfuͤhrung einige 1000 Mann zur Verstaͤrkung der Central-Armee absenden. Cabrera soll uͤbrigens in Canta⸗ vieja krank liegen.
Der Karlistische Anfuͤhrer Palillos, der in der Mancha kommandirt, hat bekannt gemacht, daß er nicht nur alle die⸗ jenigen, die mit den Waffen in der Hand gefangen genommen sondern auch deren Verwandte bis ins vierte Glied werde er⸗ ehen lassen. -
„Das Eco del Comercio enthaͤlt eine Uebersicht von der Kriegs⸗Material, welches die Koͤnigin von GHeanesn in Auadrupel⸗ Traktats bis jetzt von der Britischen Regierung er⸗ halten hat. Die regulaire Spanische Armee hat hiernach fuür 468,878 Pfd. Sterl, die Britische Legion fuͤr 68,200 Pfd., zu⸗ ammen fuͤr 537,078 Pfd. Kriegs⸗Material erhalten. An Ma⸗ rine⸗Material fuͤr die Kriegsfahrzeuge der Britischen Legion und anderer Truppen im Dienste der Koͤnigin wurden 1732 Pfe und im September 1835 und im November und Dezember 1836 fuͤr 572 Pfd. Arzeneien ꝛc. geliefert. Dies giebt eine lhan Z Dies giebt eine
ame von 529,382 Pfd. Sterl., welche die Spanische Re⸗ rung 9 England schuldet.
ie bereits mehrfach erwähnte Antwort Cabrera' 3 von dem General⸗Lieutenant van Halen an ihn öF.
folgendermaßen: „Ich weiß nicht, was ich in ₰ S 6 1— h in Ihrem Schrei⸗ ben vom 19ten mehr verachten soll, die schaͤndlichen 1
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denen Sie meinen Charakter und mein Benehmen verleumden, oder die Unverschaͤmtheit, mit der Sie es wagen, mit Siegen zu prahlen, die nur in Ihren Baͤlletins existiren. Ich werde mich in meiner Antwort kurz fassen; meine Gruͤnde sind Thatsachen und ich werde Ihre hochtrabenden und laͤcherlichen Phrasen mit der verdienten Verachtung behandeln. Was hat der Elliotsche Vertrag genuͤtzt? Sie haben sich seiner zum Schilde bedient so oft Sie den Kürzeren zogen und die Redlichkeit derjeni⸗ gen unter uns getaͤuscht, die leichtglaͤubig genug waren, dem Vertrag zu trauen. Was hat es O'Donnell, Torres Ituralde und vielen Anderen, die Sie ermordet haben, genuͤtzt, daß Sie in dem Elliotschen Traktat mit einbegriffen waren? Diesen Vorwurf kann man mir nicht machen, denn ich habe mir stets nur Ihr Benehmen zur Richtschnur genommen; Sie sind da⸗ her fuͤr so viel vergossenes Blut verantwortlich. Wenn ich die⸗ selben Mittel zur Aufbewahrung meiner Gefangenen besaͤße wie Sie, wenn Sie meine Depots respektirt haͤtten, statt sie zu uͤberfallen, wenn Sie bei der Auswechselung der Gefange⸗ nen mit der erforderlichen Redlichkeit zu Werke gegangen waͤren so wuͤrden durch die Behandlung der Gefangenen von meiner Seite wahrlich niemals diejenigen Ereignisse herbeigefuͤhrt wor⸗ den seyn, die Sie hervorgerufen haben und noch heute hervor⸗ rusen, da Sie noch nicht Befehl ertheilt haben, mir die 103 Gefangenen zuruͤckzugeben, die mir noch ausgeliefert werden muͤssen. Meine Geduld ist endlich erschoͤpft, und ich bin fest entschlossen, daß, wenn Sie fortfahren, die in den Festun⸗ gen besindlichen Gefangenen auf barbarische Weise und mit kaltem Blute zu ermorden, friedliche Familien zu verbannen und jene verhaßten Dekrete auszufuͤhren, die unsere ungluͤck⸗ liche Nation in stetem Schrecken erhalten, ich einen Krieg auf Leben und Tod fuͤhren und zwar nicht wehrlose Feinde, wohl aber Alle, die man mit den Waffen in der Hand betrifft werde erschießen lassen. Ich habe zuweilen strenge Maßregeln anwenden müssen, um Ihren Grausamkeiten dadurch Einhalt zu thun, allein ich wuͤrde mich schaͤmen, einen Brief zu schrei⸗ ben, wie Sie ihn an ihren Unterbefehlshaber „San Miguel“” gerichtet haben und der von mir aufgefangen worden ist. Ich wiederhole noch einmal, aber zum letztenmal, daß alle Gefan⸗ genen, die sich in meinen Depots besinden, mir mit ihrem Le— ben faͤr. diejenigen Soldaten buͤßen sollen, die Sie noch auf
feige Weise hinrichten lassen. Hauptquartier Camarillas. Ramon Cabrera.“ „Als Antwort auf dies Schreiben hat van Halen diejenigen Gefangenen erschießen lassen, denen der General Borso di Car⸗ minati das Leben versprochen hat, und zugleich gedroht, daß die 10,000 Karlisten, die sich noch in den Gefaͤngnissen der Koͤ⸗ nigin befoͤnden, ebenfalls uͤber die Klinge springen sollten. Der ö LE1ö bekanntlich seine Entlassung genommen, weil er das den Gefanc gegebene Versprechen nicht zu erfuͤllen im Stande ““
Spanische Graͤnze. Dem Phare de Bayonne zu⸗ solge, ist auf Befehl des Don Carlos in Estella der Karlistische Brigade⸗General Balmaseda vor ein aus mehreren Generalen bestehendes Kriegsgericht gestellt und zum Tode verurtheilt worden, weil er einige Gefangene hat erschießen lassen; er soll jedoch die Flucht ergriffen haben.
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Rom, 31. Dez. Das Diario meldet:
David Sombre, Neffe Ihrer Hoheit der Fuͤrstin Begum von Sirdhana in Hindostan, hat am 23sten d. die Ehre gehabt, von Sr. Heiligkeit in einer Audienz empfangen zu werden, in wel⸗ cher der Kardinal Mezzofante, als Kenner der Muttersprache jenes Fuͤrsten, der Dolmetscher der anhaͤnglichen und frommen Gesinnungen des Letzteren war. Se. Heiligkeit antwortete dar⸗ auf voll Wohlwollen und Liebe.“
Dieselbe Zeitung enthaͤlt einen sehr ausfuͤhrlichen Be⸗ richt uͤber die ausgezeichnete Aufnahme, die einige von der Gesellschaft de propaganda fide nach Lyon in Frankreich gesandte Reliquien daselbst gefunden haben. Schon bei der Landung in Marseille stroͤmten die Frommen von allen Seiten herbei; in Lyon aber, wo die Reliquien in der Hauptkirche aufgestellt wurden, ward der Tag durch Glockengelaute, Prozessionen und Festlichkeiten aller Art gefeiert. Der Andrang der Glaͤubigen war so groß, daß die Geistlichen sich genoͤthigt sahen, besondere Vorsichts⸗Maßregeln zu nehmen. Auch noch an den folgenden beiden Tagen dauerten die Feste fort, die dem Heiligen zu Ehren in Lyon gegeben wurden. 8
„Der Fuͤrst Oberst
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g, 10. Jan. Die Magdeburger Zeitung ndodeleben einen Bericht von der Durch— ise der hohen von Magdeburg kommenden Herrschaften. (Vergl. St. Ztg. Nr. 9) Die Gemeinde hatte eine mit Laub⸗ gewigden verzierte Chrenpforte errichtet, welche das Landwehr⸗ kreuz auf ihrer Spitze und eine Inschrift an beiden Seiten trug. Ihre Freude, die erhabenen Gaͤste zu sehen und ihre treuen patriotischen Gesinnungen, suchte sie auf die mannig⸗
fachste Weise auszudruͤcken. Se. Koͤnigl. Hoheit der Kronprinz hatte die Gnade, sich den Ortsvorsteher vorstellen zu lassen und V mehrere Fragen an denselben gnäͤdigst zu richten. Nach einge⸗ C Fescjeh verfscßen die hohen Gaͤste Hohendodele⸗
82 11““ Kühne in Wanzleben veranstal⸗
— — Koͤnigsberg, 7. Jan. — Schiffahrt un n⸗ del. — Im verflossenen Jahre kamen 1n Ulahre nnd aan, an und 871 gingen aus. 95 Schiffe bleiben als Winterlage. — Der ungefähre Bestand des am 1. Januar 1830 in Koͤnigsberg lagernden Getraides ist folgender: 5300 Last Weizen, 4000 Last Roggen, 3100 Last Hafer, 650 Last Erbsen, 400 Last Bohnen und 1500 Last Leinsaat. — Die Erwartung, daß die Preise des Getraides wegen der Zinszahlung durch groͤßere Zufuhren sinken wuͤrden, hat sich nicht erfuͤllt. Theils moͤgen die schlechten Wege V hiervon Veranlassung seyn, anderntheils aber ist wohl anzu⸗
nehmen, daß die Vorraͤthe auf dem Lande nach zwei schlechten Aerndtejahren nicht so groß sind, als man vermuthete, wofuͤr es namentlich spricht, daß Posthalter hiesiger Gegend ihren Hafer in Polen aufkaufen muͤssen, und endlich liefert diese un⸗ gewoͤhnliche Erscheinung den Beweis, daß es hier an Kredit und Geld nicht seht, wenn die Konjunktur nur guͤnstig ist. Der vsb gilt 3 Rthlr. bis 3 Rthlr. 20 Sgr., der Roggen 1 2 bis I ½ Rthlr., die große Gerste 1 Rthlr. bis 1 Rthlr. 5 Sgr., die kleine Gerste 25 bis 28 Sgr., der Hafer 19 Sgr.
*) So viel wir haben erfahren können, ist 8 l wir haben nen, ist dem obengene Zeuner eine Begnadigung nur für den Fall eeeeeh Lüvn. sich zur Auswanderug nach Amerika versiehe. — 1 Anmerkung der Redaction der Großherzogl. Hessischen Ztg.
und Erbsen 1 Rthlr. 10 Sgr. bis 1 Rihlr. 20 Sgr.
Danzig, 3. Jan. (Neue Danz. Ztg., „3. Jan. ( .Ztg.) — Getraide⸗ Handel. — Unser Platz hatte im verflossenen Jahre ein aus⸗
ist 8445 Last Weizen. und Weizen⸗Schiffs⸗ erhalten sich hier fest
43,661 Last Weizen, der Bestand auf 1830 Mehl wurde ausgefuͤhrt 78,274 Tonnen brod 10,606 Centner. Die Weizen⸗Preise auf dem Standpunkte, den dieselben seit eini M genommen haben, obgleich in der letzten Snen 8 gangen ist. Hochbunter Weizen gilt 3 ½ — 32 6 Rthlr 88. 3 % Rthlr., rothbunter 3 Rthlr. der Scheffel. — Von Ro 2 sind im vorigen Jahre circa 3000 Last verschifft und circa 1800 3b . 1 *. Preis ist 41 8s Sgr. fuͤr den Schef⸗ el. n Gerste und Hafer war das Geschaͤft nur i und der üvn . . — chifffahrt. — Die hiesige Rhederei zaͤhlt Schlusse des vorigen Jahres 61 Schiffe, 29 28 gehoͤren und 12,328 Lasten enthalten. Fuͤnf neue Schiffe stehen auf dem Stapel. — Im Laufe des v. J. wurden 4 neue Schiffe fertig und 1 vom Strande eingebracht. 1107 Schiffe kamen von auswaͤrts an, davon 420 Preußische (incl. 116 Danziger), 211 Englische, 164 Hollaͤndische, 93 Schwedische und r gische, 89 Hannoverische, 62 Dͤnische, 18 Oldenburgische, 5 Fran⸗ zoͤsische, 4 Mecklenburgische, 3 Bremische, 3 Russische, 2 Luͤ⸗ beckische, 2 Belgische und 1 Hamburgisches waren. (Eins die⸗ ser Schiffe kam von Island.) — In diesem Winter liegen hier 66 Schiffe, von denen jetzt 10 im Laden und 8 segelfertig sind. Ausgegangen sind im v. J. 1110 Schiffe und zwar 595 nach England, 187 nach Holland, 85 nach Schweden und Nor⸗ wegen, 68 nach Frankreich, 35 nach Belgien, 32 nach Däne⸗ mark, 290 nach Preuß. Haͤfen, 25 nach Hannover, 22 nach Bremen, 19 nach Rußland, 4 nach Amerika, 4 nach Ham⸗ burg, 2 nach Luͤbeck und 2 nach Oldenburg. 8
Duͤsseldorf, 8. Jan. Diesen Mittag entlud sich ein furchtbares Hagelwetter, von Blitz und Donner begleitet, uͤber hiesiger Stadt und Umgebung.
— — Elberfeld, 7. Jan. — Statistisches. — Die Stadt und Kommune Elberfeld enthielt nach der neuesten Zaͤh⸗ lung am Schlusse des Jahres 1838 35, 411 Einwohner, davon waren 17,514 maͤnnlichen, und 17,897 weiblichen Geschlechts; 28,229 evangelische und 7039 katholische Christen, 32 Menoni⸗ ten und I11 Juden. — Im Jahre 1838 wurden geboren: 865 Knaben und 861 Maͤdchen, uͤberhaupt 1726 Kinder, wo⸗ von 68 uneheliche. Es fanden dabei 14 Zwillings⸗Geburten statt und 97 Kinder wurden todt geboren. Es starben dagegen 639 mäaͤnnlichen und 552 weiblichen Geschlechts, im Ganzen 1191, wonach also 535 mehr geboren als gestorben sind. Das hoͤchste Alter erreichte ein Fuhrmann, naͤmlich 99 Jahr 3 Monat.
— Gruüuͤndung eines Waisenhauses. — Der hiesige Stadt⸗Rath hat in seiner letzten Sitzung des Jahres 1838 den Beschluß gefaßt, nach dem Beispiel mehrerer anderer Stäͤdte in den Rhein-Provinzen, ein Orts⸗Waisenhaus zu errichten und die noͤthigen Fonds dazu, hauptsaͤchlich durch freiwillige Beitraͤge, aufzubringen, zu deren Einsammlung ein eigenes Comité, aus Mitgliedern des Stadt⸗Raths bestehend, ernannt
worden ist. Bisher wurden die Waisen⸗Kinder der armen Einwohner⸗Klasse in dem hiesigen allgemeinen Armenhause untergebracht, welches aber in seiner Lokalitat zu beschränkt ist um die Erzichung dieser Kinder in ganz zweckmaͤßiger Weise zu erreichen. Da der Wohlthaͤtigkeitssinn der hiesigen Ein⸗ wohner bei aͤhnlichen menschenfreundlichen Unternehmungen sich auf sehr genügende Weise bethaͤtigt hat, und die Mittel dazu hier auch bei sehr Vielen reichlich vorhanden sind, so darf ö Se zeben, daß dies neu zu begruͤndende enkmal menschenfreundlicher Handlun Erfolg werde gekroͤnt werden. Jenolung düss. 686 0.
Das Kölner Allgemeine Organ für 8 werbe giebt unter der leberschrift 8,eclch -g han, h⸗ briken“ Rachstehendes: „Bekannt ist es, daß unsere Deutschen Ma⸗ nufakturen und Fabrikanten in neuerer Zeit außerordentliche Fort⸗ schritte gemacht haben, und daß manche Artikel nicht nur auf . den Märkten mit den Englischen konkurriren, sondern auch in Eng⸗ land seibst, trotz der hohben Einfuhrzölle, mit Vortheil verkausft wer⸗ den können. Dennoch ist es bisher keinesweges gelungen, das alte
Vorurtheil zu Gunsten der Englischen Waaren zu Überw
diese traurige Thatsache läßt ünsere Fabrikanten 8 85— nicht eben patriotischen aber merkantilisch richtigen Gewohnheit be⸗ harren, ihre Kinder zu verleugnen, d. h. ihre Waaren unter fremden Ramen, und besonders mit Englischen Ettquetten und Fabrifzeichen in die Welt zu schicken. So wurden sie bisher auch in England selbst als Englische Waaren detaillirt, nachdem ste als Deutsche Fabrikate en gros verzollt und eingeführt wa⸗ ren. Mit immer wachsender Vervollkommnung unserer Fabriken wuchs auch dieser Absatz, und der Erfolg konnte nicht lange Geheim⸗ niß bleiben. Im vorigen Jahre ward von den Fabrikanten veon Birmingham und Shefsteld Beschwerde geführt über Mißbrauch ih⸗ rer Ramen und Zeichen von fremden Fabrikanten. Es kam zu einer Untersuchung im Londoner Entrepot. Verschiedene aus Deutschland eingetroffene Kisten wurden geöffnet, und siehe — es fand sich eine reiche 2 „swahl von kurzen Waaren aller Art, deren Vortrefflichkeit die Engländer in Erstaunen setzte, die aber sämmtlich mit falschen Namen üund Zeichen versehen waren. Die Folge davon war ein Ge⸗ setz nachstehenden Inhalts: „„Alle unter den Ramen cutlery und hardwares bekannten Fabrikate, d. h. feine Scheeren und Messer ꝛc und gröbere Eisenwaaren, welche außerhalb England verfertigt und mit Englischen Mamen und Fabrikzeichen versehen sind, sollen — nicht nur auf Englischen Märkten, sondern auch in allen En⸗ trepots aller Großbritanischen Häfen, so wie in allen außer⸗ Europätschen Bririschen Besitzungen — wo man sie antreffen möge, ohne Ansnahme konfigzirt werden.““ Wir beeilen uns um so mehr, dieses Gesetz zur öffenilichen Kunde zu bringen, da wir aus zuverlässiger Quelle vernemmen haben, daß dasselbe schon mit dem 15. Januar 1839 in Kraft treten wird; — und machen noch beson⸗ ders darauf aufmerksam, daß die bezeichneten Fabrikate nach die fer Verordnung auch nicht mehr, wie es seither in großem Maßstatze ge⸗
schab, über England nach Amertka ꝛc. ꝛc. versandt werden können, da
dieselben nicht alein im Londoner Bend, sondern in allen Englischen
Eatrepots, d h. in den 47 Englischen, 11 Schottischzn und 14 Ir⸗
ländischen Häfen, wo fremde Waaren zollfret zur Wieder⸗Ausführ
gelagert werden dürfen, konsiszirt werden sollen.“
Dauer der Eisenbahn⸗Fahrten am II. Januar. Abgang Zeitdauer
um uhr t. M. Berlin 2 N. M. 30
Abgang zeitdauer
von V um Uhr St. M.
50
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Potsdam 7 ½ Mg. Berlin 9 ½ „ Potsdam 4 „ Potsdam 12 Mtg./ — ]40 Berlin 10 Abds. 7
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Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Berlin. In der Versammlung des Vereins für Erdk
5. Januar kam zuerst ein Auszug aus Kröger'’s dobandluandeggm die Austerbänke, die Austerfischerei und den Austerhandel Däne⸗ marks von Herrn Wiegmann zum Vortrag, demnächst eine geo
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gedehntes Getraide⸗Geschaͤft. Die Ausfuhr von 1838 betraͤgt
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graphische Schilderung des Hesterreichischen Salzkammerguts von