1839 / 41 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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auf den 2. Maͤrz

zusammenberufen. 8 Die Kommission der 221 hat sich definitiv konstituirt. Sie hat den General Jacqueminot zu ihrem Praͤsidenten und Herrn

Loquet zu ihrem Secretair ernannt. 82 1 Alle obekn Beamten des Ministeriums des Innern wur⸗

den gestern am Sonntage ausnahmsweise in ihre Bureaus beor⸗ arbeiteten 7 ganzen Tag uͤber. Auch in der Koͤnig⸗ lichen Druckerei wird Tag und Nacht gearbeitet.

Der Moniteur enthaͤlt Folgendes: „Ein Abendblatt stellt die Vermuthung auf, daß die Regierung die Bestaͤtigung der durch Englische Blaͤtter verbreiteten Nachricht, in Betreff der Weigerung des Praͤsidenten der Mexikanischen Republik, die Capitulation des General Rincon anzuerkennen, erhalten habe. Jenes Vlant gruͤndet seine Vermuthungen auf die Abfahrt der Brigg „le Cerf“ aus Toulon und auf die Anstalten, die man in diesem Hafen trifft, um eine Lastcorvette abzusenden. Die Regierung hat seit der Nachricht von der Einnahme des Forts St. Juan d'Ulloa keine weitern Nachrichten erhalten. Der „TCerf ist von Toulon abgesegelt, um sich dem Geschwader an⸗ zuschließen, welches Buenos Ayres blokirt. Die Lastcorvette „la Marne“ ist ebenfalls von Toulon abgegangen, um sich nach den Bermudas zu begeben, und von dort den Generalstab und die Mannschaft der gescheiterten Fregatte „Herminie“ nach Frankreich zuruͤckzubringen. Man sieht also, daß die Ausruͤstung dieser beiden Schiffe durchaus in keiner Verbindung mit den Mexikanischen Angelegenheiten steht.“

Das Journal gensral hatte erzählt, daß Herr Cunin Gridaine sich mit mehreren Mitgliedern der Versammlung Jac⸗ ueminot zu dem Conseils Praͤsidenten begeben und demselben Vorstellungen wegen Aufloͤsung der Deputirten⸗Kammer gemacht haͤtten. Auch dieser Meldung, so wie dem Geruͤchte, daß gestern alle Polizei⸗Kommissarien der Hauptstadt zu dem Polizei⸗Praͤ⸗ fekten berufen worden waͤren, widerspricht der „Moniteur“ auf das bestimmteste. b

Der Temps, der die Coalition seit ihrem Bestehen be⸗ kämpfte, und deshalb beinahe zu den ministeriellen Blaͤttern gezaͤhlt wurde, scheint jetzt die verlorene Zeit wieder einholen zu wollen, und uͤberfluͤgelt in seinem Eifer alle uͤbrigen Coali⸗ tions⸗Journale. Er wendet sich, Angesichts der Waͤhler, so sehr von dem Centrum ab, daß er in seinem heutigen Blatte sagt: „Herr Odilon Barrot ist der Punkt, dem die kuͤnftige Verwaltung zustrebt; er ist unvermeidlich fuͤr Alle; fuͤr die Einen ist er das Ziel, fuͤr die Anderen der Ausgangspunkt.“ Weiter bemerkt er, die Zahl der 213 nehme stuͤndlich zu, Jeder wolle jetzt zur Minoritaͤt gehoͤrt haben, dies verkuͤnde deutlich, was man von dem Lande erwarte. Endlich ruft er sogar den Witz zur Huͤlfe und laͤßt einen Deputirten sagen: Derjenige sey ein ungeschickter Baumeister, der eine Kammer einreiße, um ein Kabinet nicht zu veraͤndern. Ein Anderer muß gtsagt haben: Alle Geschicklich keit, die man jetzt aufbiete, habe nur zum Zweck, die Folgen der Gewandtheit (adresse) zu ver⸗ meiden. 4

Großbritanien und Irland. .““

London, 2. Febr. Am Montage wird Ihre Majestaͤt die Koönigin eine Geheimeraths⸗Versammlung halten, in welcher die Thron⸗Rede erledigt werden soll.

Im Coventgarden⸗Theater schien gestern, als Ihre Ma⸗ jestaͤt daselbst einer Vorstellung von Bulwer’'s Lady of Lyons beiwohnte, das sehr zahlreich versammelte Publikum durch den stuͤrmischen Beifaäll, mit welchem es eine darin vorkommende tronische Aeußerung uͤber eine Vermaͤhlung mit einem fremden Prinzen aufnahm, der Koͤnigin kundgeben zu wollen, daß eine solche Verbindung von Seiten der jungen Koͤnigin in England nicht populair seyn wuͤrde. Der ministerielle Globe hebt dies mit besonderem Nachdruck hervor.

Der Herzog von Wellington giebt näͤchsten Montag ein großes parlamentarisches Pairs⸗Diner, zu welchem auch meh⸗ rere der angesehensten Konservativen des Unterhauses eingeladen sind.

Die Morning Post erwaͤhnt des Geruͤchts, daß Lord Granville den Gesandtschafts Posten in Paris aufgeben wolle.

Die Anhaͤnger der Volkscharte hielten kuͤrzlich auf Bran⸗ don⸗Hill in der Naͤhe von Bristol wieder einmal eine Versamm⸗ lung im Mondschein. Herr Vincent, mit einem weißen Mac⸗ Intosh bekleidet und auf einem weißen Pferde sitzend, hielt an die Versammlung, die aus etwa 300 bis 400 Menschen bestand, eine Rede und zeigte ihr an, er werde sich mit seinen republi⸗ kanischen Grundsaͤtzen um den Sitz im Parlamente fuͤr die Stadt Bristol bewerben, wenn eine Wahl fuͤr das Parlament stattfinde.

Die Vorbereitungen zu einem großen Diner, welches der Deputation, die von den Manufaktur⸗Stäͤdten nach London ge⸗ sandt worden ist, um auf die Aufhebung der Korngesetze zu dringen, in einem der hiesigen großen Theater gegeben werden soll, sind bereits beendigt. Das Diner soll in etwa vierzehn Tagen stattfinden. Fuͤr die Damen sind Logen errichtet, und sowohl Musiker als Saͤnger ersten Ranges werden dabei zu⸗ gegen seyn. Das Naͤhere wiro erst dann bekannt gemacht werden, wenn die Deputation in London angekommen ist und sich uͤber den passendsten Tag ausgesprochen hat.

Das Ministerium scheint zu beabsichtigen, in ganz England eine staäͤrkere Polizeimacht zu errichten. Der Staatssecretair des Innern, Lord John Russell, hat in dieser Beziehung an den Grafen von Derby, den Sheriff der Grafschaft Lancaster (in welcher die großen Stäͤdte Liverpool und Manchester liegen) folgendes Schreiben erlassen. „Whitehall, den 11. Januar. Mylord! Ich wuͤnsche die Aufmerksamkeit Ew. Herrlichkeit und der uͤbrigen Beamten der Grafschaft Lancaster auf den Zu⸗ stand der Macht der Konstabler (der unteren Polizeibeamten) in dieser Grafschaft zu lenken. Die Zahl und die Wirksamkeit der ordentlichen Konstabler floͤßen in vielen großen Städten kein Vertrauen ein, daher lassen die Beamten bei der geringsten Be⸗ fuͤrchtung von Unruhen besondere Konstabler vereidigen, und ru⸗ fen die Unterstuͤtzung der Militairmacht an. Die erste Maßregel ist oft unwirksam, da diese besonderen Konstabler nicht die er⸗ sorderlichen Kenntnisse und Disziplin besitzen und oft ihre Pflichten nur mit Widerwillen uͤbernehmen oder in Ausfuͤhrung derselben furchtsam sind. Die zweite Maßregel ist in vieler Hinsicht verwerflich. Sie giebt den Anschein, als wolle man

durch Militair⸗Gewalt regieren, sie belaästigt das Mili⸗ rair und setzt oft die Vorsicht und die Maͤßigung der Offiziere und der Seoldaten auf die hartesten Proben. Ich schließe zur Bestäͤtigung dieser Ansicht Auszuͤge aus dem Schreiben des der den noͤrdlichen Distrikt be⸗ fehligt, bei. Es scheint mir, daß es fuͤr die gewoͤhnliche Handhabung des Rechts sowohl als auch fuͤr die außerordent⸗ lichen Fälle, wo der Frieden eines Bezirkes bedroht ist, sehr wuͤnschenswerth sei, eine wirksame Konstabler⸗Macht zu errich⸗

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nd zu erhalten, welche unter die Leitung der Beamten ge⸗ stellt wuͤrde und ununterbrochen in Dienst bleiben muͤßte. Diese Konstabler⸗Macht koͤnnte dann, nach den Beduͤrfnissen der Graf⸗ schaft, uͤber viele Distrikte bertheilt oder so zusammengezogen werden, daß sie in einem besondern Nothfalle einzuschreiten im Stande waͤre. Sollte z. B. in der Grafschaft Lancaster eine solche Konstabler⸗Macht gegruͤndet werden, so muͤßte offenbar ihre Bildung und Leitung den Beamten dieser Grafschaft an⸗ vertraut und, so wie jetzt das Corps der Neomanry (der berit⸗ tenen Landmiliz), einer jaͤhrlichen Inspection unterworfen wer⸗

den. Ehe ich jedoch in die naͤhern Einzelnheiten eingehe,

wuͤnschte ich von Ew. Herrlichkeit zu erfahren, ob dieser Vor⸗ schlag im Allgemeinen die Mitwirkung der Beamten der Graf⸗ schaft finden wuͤrde. Ich habe die Ehre ꝛc. J. Russell.“ Die Morning⸗Chronicle sagt in Bezug auf dieses Schreiben, eine kraͤftige Polizeiverwaltung sey allerdings Beduͤrfniß, aber es srage sich, ob der Plan des Ministers dem Uebel abhelfen werde. Ein Konstabler⸗Corps unter die Leitung der Friedens⸗

richter zu stellen, moͤchte auch schwerlich in Lancaster den Zweck

erfuͤllen; eine gute Polizei muͤsse unabhaͤngig von oͤrtlichen Ein⸗ fluͤssen und so eingerichtet seyn wie die -treffliche Polizeiverwal⸗ tung von London.

Herr Lawson, der Herausgeber der „Times“, hat jetzt

von dem Gerichtshofe der Queens⸗Bench sein Urtheil uͤber den

Schmäaͤh⸗Artzkel gegen Sir John Conroy, in welchem er den⸗ selben der Veruntreuung im Dienste der Herzogin von Kent

beschuldigt hatte, empfangen. Er ist zu einmonatlichem Gefaͤng⸗ niß und zu einer Strafe von 200 Pfd. Sterl. verurtheilt.

Der Englische Portrait⸗Maler Sir W. Beechey ist in die⸗ sen Tagen im 8östen Jahre seines Alters mit Tode abgegangen.

Sein Gemaͤlde, Georg III. darstellend, wie er in Begleitung des Prinzen von Wales, des Herzogs von York und der Ge⸗ nerale Dundas, Fawcett und Goldsworthy uͤber, das Ite und

10te Dragoner⸗Regiment Musterung haͤlt, welches er 1798 voll⸗ endete, und welches jetzt im Hampton⸗Court⸗Palaste haͤngt,

wird fuͤr sein bestes Werk gehalten. 1

Man ist jetzt damit beschaͤftigt, die reichen musikalischen Schaͤtze, welche im Britischen Museum seit Jahren aufgehaͤuft liegen, zu ordnen und fuͤr Kunstfreunde zugaͤnglich zu machen.

Es sollen sich in dieser Sammlung, außer vielen gestochenen

und gedruckten Compositionen, mehrere merkwuͤrdige Handschrif⸗ ten, zum Theil von Englischen Koͤnigen, befinden.. Die katholischen Bischoͤfe von Irland haben in ihrer ge⸗

woͤhnlichen Jahres⸗Versammlung zu Dublin am 26. Januar nach

langen Verhandlungen mit 17 gegen 9 Stimmen das in Ir⸗

land bestehende System des National⸗Unterrichts ihres Ver⸗

trauens und ihrer Billigung fuͤr wuͤrdig erklaͤrt. An der Spitze

der Minoritaͤt stand der Dr. Machale, der hartnaͤckigste Gegner dieses Systems.

Herr O'Connell hat am Mittwoch in einer Versammlung seiner Konstituenten sich uͤber das Verfahren ausgesprochen, das er in Betreff mehrerer politischer Fragen beobachten wolle. Er werde, sagte er, fuͤr die Aufhebung der Korngesetze stim⸗ men. Er mißbillige die Gewaltthaͤtigkeiten, welche sich die Insurgenten in Kanada erlaubten, werde sich aber auch allen harten Maßregeln gegen dieselben widersetzen. Was Holland und Belgien betreffe, so werde er gegen das Ministerium stim⸗ men und dafuͤr, daß es dem Volke von Luxemburg und Lim⸗ burg gestattet werde, sich eine Regierung zu waͤhlen, die ihm gefalle. Die Morning Chroniele bemerkt hierzu: „Gluͤck⸗ licherweise fuͤr den Frieden Europa's wird Herr O(Connell Niemanden finden, der ihn bei einem Versuche unterstuͤtzen wuͤrde, der nothwendig zu einem allgemeinen Kriege fuͤhren muͤßte.“ In Bezug auf das Ministerium sagte O'Connell: „Ich werde aus demselben Grunde unterstuͤtzen, aus dem Pat seinen Hut in das zerbrochene Fenster steckte, nicht weil es Licht hereinläßt, sondern weil es den Wind abhaͤlt.“ Wenn das Ministerium den Lord Oxmantown nicht entferne, fuͤgte er hinzu⸗ so werde er einen Antrag deshalb machen. Mit den

nhaͤngern der Volkscharte stimme er in soweit uͤberein, als er auch fuͤr das allgemeine Stimmrecht sey; dagegen wolle er nicht jaͤhrliche Parlamente. Zuletzt zeigte er noch an, daß er die naͤchste Session abwechselnd in Dublin und in London zu⸗ bringen werde. Ein in der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ enthaltener Artikel uͤber Rußlands und Englands Verhaͤltnisse in Asien ver⸗ anlaßt die Morning Chronicle zu einigen Betrachtungen uͤber denselben Gegenstand. Zunaͤchst haͤlt sie die Geruͤchte von angeblichen Ruͤstungen Rußlands zu einer Asiatischen Expedi⸗ tion fuͤr durchaus erdichtet, indem sie bemerkt: „Kieff wuͤrde, obgleich es ein Centralpunkt ist, nicht, wie es in jenem Artikel heißt, zum Sammelplatz von Streitkräͤften dienen, die bestimmt waͤren, unsere Indischen Besitzungen zu bedrohen. Von Polen ist dieser Punkt uͤber 500 Englische Meilen entfernt, und von dem Russischen Gestade, wo die Russen sich einschiffen muͤßten, ist es noch weiter. Die Idee ist daher voͤllig chimäaͤrisch.“ So⸗ dann wendet sich das genannte ministerielle Blatt zu den Per⸗

unseren Lesern bekannt, daß Herr Macneill sich in Tabris befand und alle Verbindung mit dem Schach abgebrochen hatte, als er er⸗ fuhr, daß die Belagerung von Herat aufgehoben und alle Forde⸗ rungen der Britischen Regierung bewilligt worden seyen. Herr Mac⸗

Persischen Versprechens wuͤrdigen zu koͤnnen, kehrte indeß nicht nach Teheran zuruͤck, sondern machte, um erst die Erfuͤllung des vom Schach gegebenen Versprechens abzuwarten, eine Reise laͤngs den Gestaden des Kaspischen Meeres. Dort traf er mit dem Obersten Shiel zusammen, von dem er erfuhr, daß sein Miß⸗ trauen nur zu gegruͤndet gewesen war. Der Schach hatte aller⸗ dings die Belagerung von Herat aufgehoben, weil es unnuüͤtz, wenn nicht gar gefahrbringend fuͤr ihn gewesen waͤre, sie fort⸗ zusetzen. Einer der Gruͤnde, die ihn bewogen, das Unternehmen aufzugeben, war, daß seine Umgebung, und namentlich die Edlen, sich so stark dagegen erklaͤrt hatten, daß es unmoͤglich fuͤr ihn war, bei seinem Vorsatze zu beharren. Die Forderungen der Britischen Regierung wurden indeß noch immer nicht erfuͤllt, und der Oberst Shiel selbst wurde, als er sich bei dem Ruͤckzuge des Schachs in das Lager desselben begeben hatte, mit großer Nichtachtung behandelt. Fuͤr die unserem Gesandten zugefuͤgten Beleidigun⸗ gen wurde die Genugthuung verweigert, und was noch wich⸗ tiger ist, der Schach weigerte sich, das Gebiet von Herat zu raͤumen. Er ließ an drei wichtigen Punkten Garnisonen zu⸗ ruͤck, offenbar, um sich spaͤterhin, bei einem neuen Versuch, die Einnahme jener Stadt zu erleichtern. Daß dies die Absicht des Schachs ist, leidet keinen Zweifel.“ Hierauf außert sich die „Chronicle“ noch in Bezug auf die in dem erwaͤhnten Ar⸗ tikel enthaltenen Bemerkungen uͤber Englands angebliche Schwaͤche in Indien folgendermaßen: „Während wir in Indien 250,000 Mann gut disciplinirte Soldaten haben, versichert die Allge⸗

meine Zeitung ganz ernsthaft, daß England der großen Masse

sischen Angelegenheiten und sagt in dieser Beziehung: „Es ist

neill, der lange genug in Persien gelebt hatte, um den Werth eines

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ihrer Feinde nur eine sehr demoralisirte Indische Armee ent⸗ gegenstellen koͤnne! Ohne auf die ferneren Behauptungen die⸗ s Artikels einzugehen, koͤnnen wir mit einiger Zuversicht sa⸗ gen, daß die Ereignisse wahrscheinlich die wohlwollende Absicht, in der jener Artikel abgefaßt zu seyn scheint, ganz und gar uͤberfluͤssig machen werden. Der Schach von Persien mag es selbst beurtheilen, ob England etwas mehr als eine demorali⸗ sirte Armee ihren Feinden entgegenzusetzen hat. In Teheran hat er wahrscheinlich zuerst von der Landung einer Verstaͤrkung auf der Insel Karak gehoͤrt, und hieraus mag er auf die Energie Lord Auckland's schließen.“ E

Belgien.

Bruͤssel, 5. Febr. Waͤhrend unsere Blaͤtter sich noch

mit Vermuthungen uͤber die Aufklaͤrung beschaͤftigen, die der Minister des Auswaͤrtigen am Mittwoch (morgen) in der Re⸗ praͤsentanten⸗Kammer ertheilen werde, bringt der so eben er⸗ scheinende Moniteur Belge eine Koͤnigliche Verordnung, durch welche die beiden Kammern vom 4. Febr. bis zum 4. Maͤrz prorogirt werden.

Gleichzeitig enthaͤlt der Moniteur zwei Koͤnigl. Verfuͤ⸗

ungen vom gestrigen Tage, wodurch das vom Finanz⸗Minister,

r. von Huart und vom Justiz⸗Minister, Herrn Ernst, ein⸗ gereichte Entlassungs⸗Gesuch angenommen wird. Interimistisch ist an der Stelle des Ersteren der Staats⸗Minister Graf von Merode, und an der Stelle des Letztern der Minister der oͤf⸗ fentlichen Arbeiten, Herr Nothomb, mit der Signatur beauf⸗ tragt. Bekanntlich sollen es besonders die Minister v. Huart und Ernst gewesen seyn, die sich im Kabinet den Konferenz⸗ Vorschlaͤgen widersetzten.

In Bezug auf die Entlassung der beiden Minister bemerkt der Moniteur: „Die definitiv festgestellte Verabschiedung zweier Kabinets⸗Mitglieder, in Verbindung mit der noch un⸗ vollstaͤndigen Lage der Unterhandlungen, rechtfertigt die Verta⸗ gung der Kammern.“

Nach den obigen Vorgaͤngen, die hier ungemeine Ueber⸗ raschung und großes Aufsehen erregt haben, duͤrfte nun auch binnen kurzem, wie in Frankreich, die Aufloͤsung der Kam⸗ mer und eine Apellation an das Land in Bezug auf eine Entscheidung der vorliegenden politischen Frage erfolgen. Gleichwohl scheint die Regierung auch die Aussicht noch nicht ganz aufgegeben zu haben, sich mit der gegenwaͤrtigen Kammer zu verstaͤndigen, denn in seinem nichtamtlichen Theile bemerkt der Moniteur Belge: „Aus der Vertagung der Kammern bis zum 4. Maͤrz geht keinesweges auch hervor, daß sie nicht schon vorher von der Regierung zusammenberufen werden koͤn⸗ nen, um Mittheilung von dem Beschlusse zu erhalten, welchen sie uͤber die ernste, das Land beschaͤftigende politische Frage zu fassen berufen ist; die Regierung wird in keinem Falle den Zu⸗ stand der Ungewißheit uͤber den Zeitpunkt hinaus verlaͤngern wollen, wo sie im Stande seyn wird, ihn zu beendigen, ohne das Interesse des Landes zu kompromittiren.“”“

Der Koͤnig, der gestern dem Minister⸗Rath praͤsidirte, er⸗ theilte bald darauf dem Paͤpstlichen Internuntius, Monsignor Fornari, eine Audienz.

Die Deputation des Antwerpener Handelsstandes, die hier⸗ her gekommen, um uͤber den hohen Schelde⸗Zoll Beschwerde zu fuͤhren, den der neue Konferenz⸗Traktat auferlegt und der, wie man in Antwerpen fuͤrchtet, den dortigen Handel ganz vernichten werde, hatte gestern eine Audienz bei dem Direktor der Handels⸗Angelegenheiten im Ministerium des Innern.

In Bezug auf die Disponibilitaͤts⸗Stellung des Generals Skrzynecki bemerkt der Belge, bekanntlich das Haupt⸗Organ der Widerstands⸗Partei: „Auf Befehl der fremden Diplomaten und des Kabinets der Tutlleriecen ist der kuͤrzlich ernannte Ge⸗ neral Skrzynecki schon wieder auf Disponibilitaͤt gesetzt. Diese Maßregel trifft wunderbar zusammen mit der Annahme der 24 Artikel durch den Koͤnig Wilhelm.“ Ferner sagt der Commerce Belge: „Zu der lange dauernden Unsicherheit un⸗ serer Angelegenheiten gesellt sich jetzt noch ein Ereigniß, welches, obgleich unbedeutend in seiner Veranlassung, dennoch wichtig werden kann in seinen Folgen. Die Ernennung des Generals Serzynecki ist wirklich oer Gegenstand von Reclamationen von Seiten mehrerer Gesandten gewesen. Es ist wahr, daß sie ihre Paͤsse verlangt haben, wenn der diese Ernennung verfuͤgende Beschluß nicht widerrufen werde; wir hoͤren aber in diesem Au⸗ genblick, daß sie in dieser Beziehung den Ausgang eines Kabi⸗ nets⸗Rathes abwarten wollen, welchem der Koͤnig praͤsidiren wird (s. oben). Jedermann glaubt, daß diese Schwierigkeit aus dem Wege geraͤumt werden, und daß der Friede mit den uͤbrigen Staaten nicht gebrochen werden wird wegen einer Frage, die mit der Hauptsache in keinem wesentlichen Zusam⸗ menhange steht.“ Das Amsterdamer Handelsblad end⸗ lich will wissen, die Belgische Regierung habe jenen Gesandten, auf deren Reclamationen gegen die Anstellung Skrzvnecki's mit der im Moniteur enthaltenen Anzeige geuntwortet; die Ge⸗ sandten aber haͤtten sich damit nicht begnuͤgt, sondern verlangt, daß die Ernennung Skrzynecki's zum Generai⸗Lieutenant in der Belgischen Armee als nicht geschehen angesehen werde.

Unsere Orangischen Blaͤtter, namentlich der Messager de Gand, schließen sich jetzt den kriegslustigen Journalen an, in⸗ dem sie behaupten, Belgien duͤrfe den Konferenz⸗Traktat nicht annehmen. Entweder, sagen jene Blaͤtter, eine Restauration des alten Koͤnigreichs der Niederlande, oder wenn dies nicht angeht, mindestens ein unverkuͤrztes Belgien!

Ein Geistlicher widerspricht jetzt in hiesigen Blaͤttern dem Geruͤchte, daß der Kardinal ⸗Erzbischof von Mecheln an die De⸗ kanate ein Rundschreiben erlassen habe, worin er den bevorste⸗ henden Krieg fuͤr einen heiligen Kampf erklaͤrt. Se. Eminenz soll nichts der Art publizirt haben.

Das sogenannte Central⸗Comité, an dessen Spitze Herr Ducpétiaux steht, hat neuerdings eine Art von Proclamation erlassen, worin es die Belgier auffordert, im Vertrauen auf die Stellung der Kammern und auf die Versprechungen der Regierung, ruhig und guter Dinge zu bleiben. Inzwischen träͤgt diese Proclamation das Datum vom 3ten d. M. waͤhrend

die neueren Schritte der Regierung erst gestern und heute be⸗

kannt worden sind.

Die Emancipation erklaͤrt, sie wisse wirklich selbst kaum, was sie nach der Prorogation der Kammern und nach der Ent⸗ lassung der beiden Minister Huart und Ernst von dem Stand der Dinge denken solle. Auf der einen Seite erscheine dies als ein Beweis von Nachgiebigkeit gegen die Konferenz und auf der anderen zeuge doch das Benehmen der Regierung in der Skrzyneckischen Sache, so wie das Beharren des Grafen von Merode im Ministerium, von einer noch nicht ganz erschuͤtter⸗ ten Festigkeit. Die Emancipation sieht auch die Abreise der Gesandten als gewiß an, waͤhrend das Journal de Liege

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meint, die Modification des Ministeriums koͤnne wohl auch die Gesandten zu einem anderen Entschlusse vermocht haben.

Auf der Eisenbahn nicht weit von Gent ist gestern Abend ein Betrunkener, der sich, ungeachtet der Verwarnungen des Aussehers, auf die Schienen hinlegte, als der Dampfwagen an⸗ kam, von dem letzteren zermalmt worden.

Schweden und Norwegen. 9

Stockholm, 1. Febr. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben den General⸗Major Adlercreutz zum General⸗Lieutenant, und den General⸗Adjutanten des Kronprinzen, Gustav von Arbin, zum General⸗Major der Artillerie ernannt.

Der Kronprinz empfing dieser Tage eine Deputation der Seemanns⸗Gesellschaft, welche eine Petition von Einwohnern der Insel Gottland uͤberreichte, die darum nachsuchten, daß dem Hafen Slitoͤ auf Gottland Handels⸗ und Niederlags⸗ Rechte ertheilt werden. Der Kronprinz soll die befriedigend⸗ sten Zusicherungen ertheilt haben. .

““ 4444“ Stuttgart, 5. Febr. (Schwaͤb. Merk.) Gestern hielt

die Kammer der Abgeordneten ihre erste Sitzung. Nachdem der Bericht uͤber die Legitimation der Abgeordneten abgestatter, und uͤber diesen Gegenstand, so wie uͤber einige andere Kam⸗ mer⸗Angelegenheiten verhandelt worden war, legte der Geheime Rath v. Herdegen den Haupt⸗Finanz⸗Etat fuͤr 1839 bis 1842 zur Pruͤfung vor, indem er denselben mit einleitenden und er⸗ laͤuternden Bemerkungen uͤber die vergangene und kuͤnftige Etats⸗Periode begleitete. War der Stand der Finanzen bei dem Beginne der vorigen dreijaͤhrigen Periode ein guͤnstiger, so ist derselbe jetzt noch viel mehr guͤnstig. Die Einnahmen haben etwa 4,730,000 Fl. mehr betragen, als vorgesehen worden war. Daher ist nicht nur aus diesen Mitteln eine Vergroͤßerung des Bau⸗Fonds zur Ausfuͤhrung eines neuen Universitaͤts⸗Gehaͤudes in Tuͤbingen, Vollendung der Kaserne und Erbauung des Kunstgebaͤudes in Stuttgart und eines neuen Mtlitair Spitals in Ulm, Erweiterung der Bade⸗Anstalten in Wildbad und Boll und dergl., sondern auch eine an die Stelle der jaͤhrlichen Zu⸗ schuͤsse tretende Ausstattung des Fonds fuͤr das Pensions⸗Insti⸗ tut der Civil⸗Staatsdiener c. in Antrag gebracht. Fuͤr die kuͤnftige Periode aber ist, unter Beibehaltung des seitherigen Sinsfußes fuͤr die Staatsschuld, eine Herabsetzung der Wirth⸗ schafts⸗Abgaben von 13 ⅛¼ auf 12 Procent des Ausschank⸗Er⸗ loͤses, und der Accise von Liegenschafts⸗Veraͤußerungen von 1 Fl. auf 40 Kr. von 100 Fl. angesonnen. Es wird beschlossen, die Wahl der mit Pruͤfung des Etats zu beauftragenden Finanz⸗ Kommission noch einige Tage auszusetzen, bis die Kammer⸗ Mitglieder einander etwas naͤher kennen gelernt haben werden. Schließlich wird ein Koͤnigl. Geheime⸗Raths⸗Reskript verlesen, wonach Oberst von Batz zum Stellvertreter fuͤr den Kriegs⸗ Minister in den Faͤllen ernannt worden, wenn derselbe in der Kammer zu erscheinen verhindert ist. Motionen sind angekuͤn⸗ digt, von Osiander: um baldige Einbringung eines Forst⸗Straf⸗ Gesetzes, und um Aufhebung der Accise von Veraͤußerungen der Liegenschaften, und von Werner: die Einfuͤhrung von Ge⸗

meinde⸗Backoͤfen betreffend.

Darmstadt, 7. Febr. (Großh. Hess. Ztg.) In der

8 29sten Sitzung der zweiten Kammer kam es zur Berathung

uͤber den Erlaß der ersten Kammer, den Antrag des Freiherrn

von Gagern wegen des, Sr. Majestaͤt dem Koͤnig von Bayern

v. M., in welcher der Heerr

fuͤr die kraftvolle Fuͤhrung der Donau⸗Main⸗Verbindung darzu⸗ bringenden Dankes betreffend. Der Freiherr von Gagern wollte

das Ersuchen an die Staats⸗Regierung gestellt haben, diesen Dank mit ausdruͤcklicher Erwaͤhnung der Landstaͤnde darzubrin⸗ gen. Der Bericht des dritten Ausschusses der ersten Kammer Lver. sich gegen den Antrag ausgesprochen. Nach einer kurzen

erathung in der 9ten Sitzung der ersten Kammer vom 22sten - erichterstatter noch die Erlaͤute⸗ rung ertheilte, daß nach dem ihm erst nach Erstattung des Aus⸗

schuß⸗Berichts zugekommenen Jahres⸗Bericht uͤber die im Sevptember vorigen Jahres stattgehabte General⸗Versamm⸗

lung der Actionaire wegen des in Frage stehenden Ka⸗ nal⸗Baues, uͤberall mit den Arbeiten an dem fraglichen Pehe Werk fortgefahren, allein noch zur Zeit keine einzige

Strecke desselben vollendet worden sey und der Hr. Antrags⸗ steller nicht nur dies, sondern auch weiter zugab, daß noch man⸗

cherleti, dem großen Unternehmen 8ne. Ie. Hindernisse zu beseitigen seyen hatte die erste Kammer in ihrer 10. Siz⸗

zung am 5ten d. M. mit 13 gegen 1 Stimme beschlossen, dem

ntrage keine Folge zu geben. Dieser Bemerkung setzte der

dritte Ausschuß der zweiten Kammer in seinem von dem Abg.

Krug in der 27. Sitzung erstatteten Berichte hinzu: „Wenn nun auch der dritte Ausschuß die in dem Ausschußberichte der ersten Kammer ausgesprochene Ansicht, daß, da der fragliche

8 Kanalbau, noch zur Zeit und an und fuͤr sich betrachtet, eine nur

fuͤr Baͤyern wichtige Unternehmung sey, dermalen fuͤr die Staͤnde

des Großherzogthums mit Hinblick auf den Art. 66 unserer

Verfassungs⸗Urkunde kein Gegenstand zu einem Antrag an die

Staats⸗Regierung seyn koͤnne, aus dem Grunde nicht zu theilen vermag, weil nach Art. 79 der Verfassungs⸗Urkunde, auf wel⸗ chen der Art. 66 ausdruͤcklich hinzeigt, den Kammern in Be⸗

zug auf Wuͤnsche ein ausgedehntes Recht eingeraͤumt wor⸗ den ist, so duͤrfte doch dabei in Betracht zu ziehen seyn, daß die Staats⸗Regierung durch das Ansinnen, den beantragten Dank mit ausdruͤcklicher Erwaͤhnung der Landstaͤnde darzu⸗

bringen, in die ungeeignete Lage versetzt werden koͤnnte, als in Auftrag der Staͤnde, oder wenigstens als in Folge der von

diesen ergangenen Aufforderung handelnd zu erscheinen, uͤber⸗ haupt aber es geeignet seyn möͤchte, vor Alem das Gelingen des fraglichen Unternehmens abzuwarten. Tritt dieser fuͤr das gemeinsame Deutsche Vaterland, insbesondere aber fuͤr das Großherzogthum Hessen so heilbringende Fall ein, so wird der laute Dank aller Betheiligten nicht ausbleiben.“ Hiernach trug der dritte Ausschuß darauf an: daß sich die zweite aee⸗

mit dem Beschluß der ersten Kammer vereinigen moͤge, wozu bei der eroͤffneten Verathung keine Bemerkung gemacht wur (Auch beschloß die 8 g gemacht wurde.

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Kammer in ihrer 32ͤten Sitzung am 2ten Februar einstimmig, dem Antrage keine Folge 88

Oesterreich.

Wien, 2. Febr. Gestern Abend fand in dem Kon⸗

sistorial⸗Saale der Universitaͤt eine Versammlung der Gesell⸗

schaft der Aerzte statt, in welcher der Protomedikus Re ie rungs⸗Rath Knolz und Professor Ettingshausen hoͤchst fag

essante Vortraͤge hielten.

fsortwaͤhrender Gegenstand kritischer Erzrterung sind

Ersterer verbreitete sich uͤber das System des beruͤhmten Dr. Bulard, dessen Arsichen uͤber die orientalische Pest, so wie die von ihm gemachten Vorschlaͤge zur Verbesserung des Quarantaine⸗Systems bei unseren Aerzten Insofern

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Herr Knolz nicht sowohl seine persoͤnliche Meinung, als vielmehr die der hiesigen Aerzte, insofern sich dieselbe bei verschiedenen An⸗ laͤssen, und namentlich in den Versammlungen des Vereins aussprach, in seinem Vortrage entwickelte, verdient sie besondere Achtung. Unter allen Europaͤischen Staaten duͤrfte Oesterreich am ersten berufen seyn, sein Votum uͤber ein Uebel abzugeben, vor dessen Ein⸗ dringen es das uͤbrige Europa durch mehr als ein Jahrhundert geschuͤtzt hat. Die Naͤhe des Orients, die vielfachen Beruͤhrun⸗ gen mit demselben, die unseren Aerzten vorliegenden Erfahrungen, die jedenfalls weiter zuruͤckgehen, als die den Franzosen und

Englaͤndern zu Gebote stehenden, dies Alles sind Umstaͤnde, welche den Ansichten der Oesterreichischen Aerzte ein gro⸗ ßes Gewicht verleihen. Uebrigens soll hiermit nicht ge⸗ sagt seyn, daß der Vortrag des Protomedikus geradezu als der Ausspruch der hiesigen und allgemein gaͤng und

gaͤben Ueberzeugungen anzusehen sey. Dr. Bulard wird hierin das große Verdienst eingeraͤumt, die Erfahrungen uͤber das Pestuͤbel bedeutend bereichert zu haben, doch bliebe noch

Vieles der Beobachtung uͤbrig, in keinem Falle sey unsere Kenntniß der Seuche so weit gediehen, daß schon jetzt ein Kon⸗ greß Europaͤischer Aerzte in Malta, wie ihn Bulgrd vorschlaͤgt, zu bedeutenden Resultaten fuͤhren koͤnne; auch in praktischer Beziehung staͤnden diesem Kongresse schwer zu beseitigende Hin⸗ dernisse entgegen: Schwerlich wuͤrde sich die Britische Regie⸗ rung zur Auslieferung Verurtheilter bewegen lassen, um aun ihnen die Infections⸗Versuche vorzunehmen, der Gefahr, die hier⸗ aus der Insel erwachsen koͤnne, nichtzu gedenken? Sodann, und hier⸗ aufschien Regierungs⸗Rath Knolz ein besonderes Gewicht zu legen sey die kuͤnstliche Infektion von der natuͤrlichen in ihren Folgen, in ihrer Entwickelung, mithin auch in der erforderlichen Be⸗ handlung voͤllig verschieden. Zu glauben, daß ein in Malta auf kuͤnstliche Weise mit dem Pestuͤbel Behafteter sich mit dem Pestkranken des Delta, wenn dort die Epidemie herrsche, in ein und derselben Lage befaͤnde, sey durchaus irrig. Nach diesem in mehrfacher Beziehung interessantesten Vortrage, der aber freilich die Hauptfrage, was naͤmlich zu thun sey, um die gewuͤnschten Fortschritte in Bekaͤmpfung der Pest zu machen, uneroͤrtert ließ, begann Professor von Ertingshausen seinen Vortrag uͤber die neuesten elektro⸗ magnetischen Entdeckungen, den er mit vielfachen Experimenten begleitete und verstaͤndlich machte. Die Anwendung des elektri⸗ schen Stromes als Waͤrmemesser organischer Stoffe erregte bei der Versammlung lebhaftes Interesse; daß man dahin gelangen koͤnne, den Waͤrmegrad bis auf 0,000 Reaumur zu bestimmen, schien sabelhaft, wurde aber von Herrn von Ettingshausen in faßlicher Weise erklärt. Am merkwuͤrdigsten waren die Experi⸗ mente mit dem von ihm erfundenen elektro⸗magnetischen Appa⸗

rate. Die Beschreibung desselben muͤssen wir ihm selbst, so wie

uͤberhaupt die genauere Darstellung dieser interessanten Sitzung

dem Vereine der Aerzte uͤberlassen. Zum Schlusse erzeugte Herr

von Ettingshausen noch das sogenannte Astral⸗ oder lunarische

Licht, indem er einen Strom Oxigen⸗ und Hydrogengas auf eine Kalksaͤule leitete. Augenblicklich zeigten sich die Wachslich⸗ ter, deren vielleicht uͤber funfzig im Saale brannten, dunkel und beinahe Schatten werfend, das dergestalt erzeugte Licht dagegen ward dem Auge alsbald unertraͤglich. Sehr richtig bemerkte Ettingshausen, daß hiermit noch lange nicht alles gethan sey, daß die großen Kosten der Erzeugung des Opigengas aus Braunstein, daß vorzuͤglich aber das Zehnte der Abnahme der Lichtstaͤrke in einer quadratischen Progression schwer zu uͤberwindende, letzteres ein nicht zu beseitigendes Hin⸗ derniß seyen, und daß daher die Idee kolossaler Leuchtthuͤrme r. ein großer Gedanke, aber kaum zur Ausfuͤhrung geeignet ey. Diese Versammlungen des erst im vorigen Jahre ge⸗ gruͤndeten Vereins der Aerzte erfreuen sich in den hoͤheren und hoͤchsten Kreisen des gebildeten Publikums der lebhaftesten Theil⸗ nahme. Besonders zahlreich war die gestrige Versammlung besucht. Man sah dort die Erzherzoge Franz, Karl, Ludwig und Maximilian, den Fuͤrsten von Metternich, die Grafen Kollowrat, Klam, Sedlnitzky und noch viele Notabilitaͤten der Verwaltung, den Russischen Bot⸗ schafter, die Gesandten von Preußen, Sardinien und Schwe⸗ den, und mehrere Glieder des diplomatischen Corps, uͤberdies die ausgezeichnetsten unserer Aerzte, wie Malfatti, Jaͤger, Brants u. s. f., denen sich ein zahlreicher Kreis bekannter Meister in Kunst und Wissen und viele anstrebende Juͤnglinge anschlossen.

Wien, 4. Febr. Seit voriger Woche spricht man viel von einer Unthat, die das menschliche Gefuͤhl empoͤrt. Ein hier ansaͤssiger Baumeister, ein wohlhabender Mann, hielt vier⸗ zehn dag hindurch die eigene Tochter in so engem Gewahr⸗ sam, daß selbst deren Existenz den Behoͤrden unbekannt blieb. Das ungluͤckliche Wesen mußte die furchtbarste Mißhandlung erdulden. Ohne Licht, Luft und Bewegung, ohne alle Sorg⸗ falt, physisch und moralisch verwahrlost, soll die Ungluͤckliche sich in einem fast thierischen Zustande befinden. Die Sache wurde verrathen, als der Mann seine Wohnung aͤnderte. Seine Konkubine wußte allein um das Geheimniß. Beide sind bereits eingezogen und dem Kriminalgericht uͤberliefert worden. Man vermuthet, daß die Hoffnung, die Tochter, welche von ihrer verstorbenen Mutter ein betraͤchtliches Kapital hatte, zu beer⸗ ben, den unnatuͤrlichen Vater zu dem furchtbaren Entschlusse gebracht hatte, sein Kind auf diese Weise langsam zu morden.

Der Karneval ist hier sehr belebt. Vorigen Donnerstag war Hofball, am Sonnabend ein glaͤnzendes Fest beim Prin⸗ zen von Wasa, welchem die Erzherzoge und die Erzherzogin Sophie beiwohnten. Heute Abend wird bei dem Preußischen Gesandten, Grafen von Maltzan, Ball seyn. Neben diesen Freuden der Saison entwickelt die Diplomatie die groͤßte Thaͤ⸗ tigkeit. So gingen von der Staats⸗Kanzlei im Laufe der vori⸗ gen Woche Couriere nach Berlin, St. Petersburg, Paris, Bruͤs⸗ sel und London ab. Andere kamen aus St. Petersburg, aus London und aus Paris an. Eine aͤhnliche Lebendigkeit herrscht auch bei den großen Missionen. So fuͤhlt man auch hier, aber ohne die geringste Besorgniß, die Ruͤckwirkung der großen Krisis, welche in diesem Augenblicke in Paris und Bruͤssel vorbereitet wird, in London bereits zum Theile, und zwar im Interesse der Ruhe, des Rech d der Ordnung, entschieden worden ist 1

Wien, 5. Febr. (Wiener Ztg.) Der Gewerbs⸗Verein in Boͤhmen traͤgt mit jedem Jahre reichlichere Fruͤchte. Na⸗ mentlich sind es die literarischen Arbeiten des Vereins und sein kraͤftiges Streben, die den wohlthaͤtigsten Einfluß auf Volks⸗ Kultur uͤben. Schon im Jahre 1834 wurden Boͤhmische In⸗ dustrie⸗Produkte nach Griechenland versandt, und man erwartet noch Mittheilungen vom Konsul Gropius in Athen. Die Zahl der saͤmmtlichen Mitglieder des Vereins belaͤuft sich auf 355, unter Ober⸗Direction des Fuͤrsten Dietrichstein und Stellvertre⸗

tung des allgemein geehrten Barons Kotz. Gube

hier ein *. Fall.

mann, der eine „Vergleichung der Europaͤischen Zucker⸗Fabrica⸗ tion“ herausgab, hat die Oberleitung der Bibliothek und der „Gewerbs⸗Mittheilungen“, die in Vierteljahrs⸗Heften erschei⸗ nen, uͤbernommen. Im Verlaufe dieses Jahres kaufte der Ver⸗ ein 1133 Werke in 2453 Baͤnden an, die gesammte Bibliothek belaͤuft sich vorlaͤufig auf 2158 Werke in 4642 Bänden; die Zahl der Modelle und Muster hingegen stieg von 439 auf 692. Das Gesammtvermoͤgen des Vereins in reinem Etat beläuft sich auf 22,568 Fl. 30 Kr. Conventions⸗Muͤnze. Die Idee des Vereins, Gewerbsleute auf seine Kosten reisen zu lassen, ist hoͤchst ruͤhmlich. Schon 1837 bereisten meh⸗ rere Schuͤler der polytechnischen Schule Deutschland mit Huͤlfe nicht unbetraͤchtlicher Reisegelder. Prof. Hepler bereiste das noͤrdliche und westliche Boͤhmen mit Einschluß des angraͤnzen⸗ den Sachsen, in mechanischer und chemisch⸗technologischer Bezie⸗ Aeng Gleiche Reisen unternahmen der Professor der Chemie

alling und Professor Dr. Muͤhlwenzl, wie auch eine Anzahl von Gewerbsleuten. Gegenwaͤrtig sammelt der Verein eifrig Materialien zu einer vollstaͤndigen Gewerksstatistik Boͤhmens; und juͤngst ward durch ein Comité ein Antrag zur Abfassung von Vorschlaͤgen zu einer Fabrikspolizei⸗Ordnung gemacht, un⸗ ter Zuziehung verstaͤndiger Rechtsgelehrter und Geschaͤftsmänner. Eine technologische Zeitschrift in Boͤhmischer Sprache „czasopis technologicky“ unter Redaction des Professor J. S. Presl, ver⸗ dient Anerkennung. Allenthalben treten neue Gewerbsschulen ins Leben, eine der besten ist die Fuͤrstlich Oetlingen⸗Wallerstein⸗ sche zu Koͤnigsaal und die zu Schoͤnlink, eine der neuesten ist die zu Purglitz.

Der Oesterreichische Lloyd berichtet Nachstehendes uͤber „die Oesterreichische Merkantil⸗Marine“: Handel und Schiff⸗ fahrt bilden die Verbindungsfaͤden, welche, wie das Liniennetz einen geographischen Globus, den wirklichen umziehen und die beweglichen Guͤter der ganzim Erde zum Gemeingut Aller machen. Darum verdienen auch die vereinzelten Mittel zu einem großen Gesammtzwecke die Aufmerksamkeit des Beobach⸗ ters, und es duͤrfte beim Eintritt eines neuen Jahres nicht ungeeignet seyn, einen pruͤfenden Blick in die Werkstaͤtten unse⸗ rer National⸗Schifffahrt zu werfen. Dermal liegen allein auf dem Triester⸗Werfte 12 neue Schiffe mit 4118 Tonnen in Ar⸗ beit, welche ehestens vom Stapel gehen werden. Darunter 1 Dampfschiff fuͤr die Donau-Gesellschaft, 2 Dampfhafenraͤumer,

1 Dreimaster, 4 Barken und 4 Brigantinen. Waͤhrend also im Zeitraum der letzten drei Jahre nur 32 Schiffe erbaut und 8 angekauft wurden, finden sich allein im Jahre 1838 27 er⸗ baut und 9 angekauft, und 12 auf unserm Werste, zusammen 48, waͤhrend zugleich in allen anderen Werften unseres Kuͤsten⸗ Gebietes große Thaͤtigkeit herrscht. 8 Der Stand unserer Handelsmarine im Jahre 1838 ist folgender: Groͤßere Schiffe 498 mit 122,844 Tonnen Gehalt, Dampfboote 15 mit 5114 Tonnen Gehalt, zusammen 513 Schiffe mit 127,958 Tonnen Gehalt. Diese 513 Schiffe ord⸗ nen sich wie folgt: 10 Dreimaster im Tonnengehalt von 7108, 15 Polakren im Tonnengehalt von 5269, 10 Barken im Ton⸗ nengehalt von 3431, 382 Brigantinen im Tonnengehalt vorn 98,505, 13 Brigg⸗Schooner im Tonnengehalt von 2036 11 Schooner im Tonnengehalt von 1530, 3 Goeletten im Tonnengehalt von 1133, 2 Bombarden im Tonnengehalt vor 148, 1 Kutter im Tonnengehalt von 48, 16 Trabakel im Ton nengehalt von 1730, 19 Pieleghen im Tonnengehalt von 1906 15 Dampfboote im Tonnengehalt von 5114; 513 Schiffe in Tonnengehalte von 127,958.

Von diesen Schiffen fuhren: im Adriatischen Meere, in Archipel und der Levante 153 Schiffe, im Schwarzen und Azowischen Meere und auf der Donau 147 Schiffe, im Mi tellaͤndischen Meere 167 Schiffe, im Ocean 11 Schiffe, i stillen Meere 2 Schiffe, im Baltischen Meere und in der Nord⸗See 2 Schiffe, in beiden Ameria's 18 Schiffe, im At⸗ lantischen Ocean 1 Schiff.

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Mailand, l. Febr. Vorige Woche ereignete sich

Eugenio Ronzi, seines Berufes ein Graveur, stuͤrzte sich mit seiner Geliebten Giovannina, Gattin eines hiesigen Baͤckers, von der hohen Dach Terrasse des Do⸗ mes herab. Man sah, wie sich das Paar fest umschlang und so vereint den toͤdtlichen Sprung vollzog. Von den Zacken des Gothischen Baues im Herabfallen mehrfach verletzt, endeten die Ungluͤcklichen ihr Leben fast noch im Momente des Sturzes. Verbrecherische Leidenschaft, welche die 19jäͤhrige Gattin und die Mutter von zwei Kindern an den im naͤmlichen Hause woh⸗ nenden Ronzi fesselte, brachte die beiden Liebenden zu dem verzweiflungsvollen Entschlusse, sich in Gemeinschaft das Leben zu nehmen. Die Nachricht des schaudervollen Ereignisses warf 8 Gatten auf das Krankenlager und brachte ihn dem Tode nahe. Florenz, 29. Jan. Der Kronprinz von Bayern ist am vorigen Sonnabend hier angelangt. Seine Reise durch die Apenninen zwischen hier und Bologna war im hoͤchsten Grade beschwerlich. Diese oͤden Gebirgsruͤcken, schon in der schoͤnen Jahreszeit haͤufig schwer zu passiren, sind nun mit Schneemassen bedeckt, und legen der Communication mit Ober⸗ Italien viele Hindernisse in den Weg. Der Kronprinz wird nunmehr drei bis vier Tage hier verweilen, und sodann nach Rom gehen. Sein hiesiger Aufenthalt ist ausschließend dem Besuche unserer Kunstschaͤtze gewidmet. Es ist hier nicht be⸗ kannt, ob Se. Koͤnigl. Hoheit weiter als Rom gehen werde. Darf man einem von Wohlunterrichteten ausgehenden Geruchte Glauben beimessen, so wuͤrde der Kronprinz den Monat Maͤrz mit seinem Koͤnigl. Vater in Rom zubringen, und Koͤnig Otto um dieselbe Zeit daselbst zum Besuche Fense Der Prinz hat die Aufwartung unseres diplomatischen Corps nicht ange⸗ nommen, wird sich jedoch dasselbe heute Abend auf dem Hof⸗ balle vorstellen lassen.

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Mexiko. Ueber die schon in Nr. 349 der vorjaͤhrigen Allg. Preuß. St. Z. erwaͤhnte Feierlichkeit, welche am 27. September v. J. in Mexiko stattgefunden hat, geht uns noch folgende naͤhere Mitthei⸗ lung zu: Die Gebeine Iturbides waren zwei Tage lang in der Kirche des Heiligen San Franziskus unter dem Trauer⸗Ge⸗ laäute in allen Kirchen und dem Donner der Kanonen, welches alle Viertelstunde sich erneuerte, dem Volke zur Schau gestellt; waͤhrend dieser Zeit wurden ununterbrochen Todtenmessen ge⸗ lesen, und am 27. September Morgens wurden die Gebeine in feierlichem Zuge, unter Begleitung der ganzen Garnison und aller geistlichen und weltlichen Behoͤrden und Corporationen nach der Kathedralkirche gebracht, wo sie nach fuͤnsstuͤndigen Trauer⸗Ceremonien beigesetzt wurden; darauf begaben sich die Behoͤrden und Deputationen der verschiedenen Corporationen

lalrath Neu⸗!

nach dem Pallast, wo der Praͤsident der Republik in dem dazu