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Maͤchte abzuwarten. Das Aegyptische eschwader ist ausge⸗
laufen, ohne feindselige Maßregein zu ergreifen. Es wird an der Syrischen Kuͤste kreuzen.“
Der Praͤfekt des Departements des Ober⸗ und Nieder⸗ rheins ist auf offiziellem Wege benachrichtigt worden, daß die bereits vor einigen Jahren begonnenen Vorarbeiten zu einer Eisenbahn zwischen Straßburg und Paris wieder aufgenommen werden sollen.
8* liest im Journal de Haͤvre vom 2ten d.: „Das Schiff „Isambert“, welches am Asten von Havannah hier angekommen ist, meldet, daß die Fregatte „MNereide mit dem Admiral Baudin am Bord, die Korvette „Najade“, die Briggs „Griffon“ und „Cuirasster“ und das Dampfboot „Meteor“ auf der dortigen Rhede geankert sind. Man kennt ihre eigentliche Bestimmung nicht, doch meint man, daß diese Division nach Brest zuruͤckkehren werde.
Großbritanien und Irland.
London, 3. Juli. Die Bill, wodurch die Regierung ermaͤchtigt wird, die Zuckerzoͤlle in der fruͤheren Weise fortzuerheben, muß alle Jahre erneuert werden; in diesem Jahre hat dieselbe am Freitage im Unterhause die dritte Lesung erhalten, nachdem vorher Herr Ewart einen Versuch gemacht hatte, ein Amendement durchzu⸗ setzen, welches bezweckte, die Zoͤle vom Zucker, der das Produkt freier Arbeit ist, den Zoͤllen des Zuckers aus den Britischen Kolonieen gleichzustellen, das er jedoch auf vielseitige Vorstellun⸗ gen wieder zuruͤcknahm, da zwar die Beschwerde uͤber den ho⸗ hen Preis, welchen Großbritanien zu Gunsten seiner Kolonieen
für den Zucker zu zahlen habe, nicht ohne Anklang blieb und eine Veraͤnderung der Zoͤlle gewuͤnscht, aber doch andererseits der von Herrn Ewart aufgestellte Unterschied zwischen dem Erzeugniß der frelen und der Sklaven⸗Arbeit als anstoͤßig und verletzend fuͤr zwei Hauptkunden Englands, fuͤr Brasilien und die Vereinigten Staaten, hezeichnet wurde. Was gehe es England an, meinte man, auf welche Weise ein Produkt in einem andern Staate gewonnen werde, wenn man dasselbe mit Vortheil und gegen Abnahme der eigenen Waaren von dort beziehen könne. Brauche man nicht jährlich an 400 Millionen Pfund Baumwolle aus den Ameri⸗ kanischen Sklavenstaaten? Erhebe man nicht jaͤhrlich 3 Millio⸗ nen Pfd. Sterling Zoͤlle von Taback, der ebenfalls durch Skla⸗ ven⸗Arbeit gewonnen werde? Und wolle man sich etwa durch solche gehaͤssige Differenz⸗Zoͤlle auf den Zucker den besten Kun⸗ den, den England naͤchst den Vereinigten Staaten habe, Brasilien, verscherzen, welches joͤhrlich fuͤr mehr als 2 Millionen Pfd. Sterling Britischer Waaren nehme? Wolle man sich auf jenem Markte durch die Vereinigten Staaten verdraͤngen lassen? Diese Vorstellun⸗ gen machte besonders Herr Poulett Thomson, der Praͤsident der Handels⸗Kammer, der außerdem darauf hinwies, daß im Jahre 1842 eine Erneuerung des Handels⸗Traktats mit Bra⸗ slten bevorstehe, und daß man den neuen Unterhandlungen nicht vorgreifen moͤchte. Herr Ewart hatte bei seinem Antrage Hauptsaͤchlich die Zucker⸗Production von Haiti, Java, Siam, Cochinchina und China vor Augen, wo keine Sklaven⸗Arbeit angewandt wird, und deren Waare er daher gegen die der Stlaven⸗Staaten bevorzugt wissen wollte, theils um auf die Unterdrückung der Sklaverei hinzuwirken, theils um England wohlfeileren Zucker zu verschaffen. Er wich jedoch den Ein⸗ wendungen der Minister aus, besonders da diese versicherten, daß die Regierung gewiß alles Moͤgliche thun werde, um der Bevoͤl⸗ kerung Englands stets die noͤthige Zufuhr von Zucker zu den moͤglichst billigen Preisen zu verschaffen. In seiner Rede fuͤhrte Herr Swarte verschiedene, nicht uninteressante Details an, um zu zei⸗ gen, daß der Zucker⸗Verbrauch in England abgenommen habe,
weͤhrend gleichzeitig der Verbrauch fast aller uͤbrigen Kolonial⸗
Aerekel entweder gestiegen oder sich doch gleich geblieben sey. Imn Jahre 1801 belief sich nach seiner Angabe die jaͤhrliche Hurchschnitts⸗Consumtion fuͤr den Kopf auf 30 Pfd. Seitdem hat eine Erhoͤhung des Zolles stattgefunden, wodurch die shrliche Durchschnitts⸗Consumtion auf 19 Pfd. zuruͤckgegangen ist. Herr Ewart schrieb diese Abnahme theilweise dem hohen Preise zu, den das Volk fuͤr den Artikel bezahlen muͤsse, weil die Englischen Kolonieen das Monopol des Britischen Marktes besäßen, obschon sie nicht im Stande waͤren, eine Zufuhr zu liefern, welche dem Begehr entspraͤche. Am meisten zugenom⸗ men hat, nach diesen Angaben, der Kaffee⸗Verbrauch, der im
Jahre 1801 nur eine Unze auf den Kopf betrug und sich jetzt aguf 11 Pfd. 6 Unzen fuͤr jedes Individuum belaͤuft. Auch der
Verbrauch von Kakao ist sehr gestiegen; mehr stationair ist der Thee⸗Verbrauch geblieben, wovon im Jahre 1801 auf jedes In⸗ dividuum 11 Pfd. 8 Unzen kam; er hat sogar etwas abgenom⸗ men, im Jahre 1838 kamen nur 11 Pfd. 5 Unzen auf jeden Kopf. “ “
Der General⸗Feldzeugmeister, Sir Hussey Vivian, ist, nach⸗ dem er eine Audienz bei der Koͤnigin gehabt, von hier nach Deutschland abgereist, da die Aerzte ihm gerathen haben, eine Zeit lang die dortigen Baͤder zu gebrauchen. 1
¹ Das Publikum wird noch mit einer serneren und oͤrmli⸗ chen Eroͤrterung der Hofdamen⸗Frage bedroht, indem von einem Antrage die Rede ist, der im Oberhause gemacht werden soll, um den Kabineis⸗Beschluß zu tadeln, wodurch die Minister die Berantwortlichkeit fuͤr die Handlungsweise Ihrer Majestaͤt uͤber⸗ nahnghe. Times sowohl, wie noch ein anderes Tory⸗Blatt, die Britannia, enthalten auffallender Weise ziemlich bittere An⸗ spielungen auf die Art und Weise, wie der Herzog von Wel⸗ Üüngton sich dem Ministerium gegenuͤber benehme, indem er es, trotz seiner abweichenden politischen Grundsaͤtze, doch fortwaͤh⸗ rend aufrecht zu erhalten suche, so oft es seinem Sturze nahe sey. Das erstere Blatt meint, es sey fast unglaublich, daß, wie has Geruͤcht gehe, „gewisse Personen“ Anstand nehmen soll⸗ ren, ein entschiedenes Verfahren gegen die „veraͤchtlichste aller Verwaltungen“ einzuschlagen. „Wenn aber auch , fuͤgt die hinzu, „die weltlichen Lords solche Zuruͤckhaltung beob⸗ achten, wo bieiben denn die Bischoͤfe, da es sich doch eigentlich um die Rechte der Kirche handelt?“ Die Morning⸗Post eifert gegen diese Anspielungen, und der Courier macht sich 18 eha. uͤber, daß die Tories die Bischoͤfe, wie die Chartisten die Wei⸗ ber, in das Vordertreffen schieben moͤchten, Uebrigens behaup⸗ tet er, daß viele Tories sch 8 C aͤrg⸗
Schimpfreden gegen Wellington un eel er . 1 8.eees Zenr haben sich die Unfälle in den Kohlen⸗ Bergwerken haͤufig wieder olt. Vorigen Freitag ereignete sich eine Explosion eenn⸗ “ durch uͤber 60 Menschen umgekomme bas⸗ 1
gtac. oͤffentlichen Blaͤtter beschaͤstigen sich viel mit den Ver⸗ aͤnderungen im Briefporto. Aus Lord Melbourne s Aeußerun⸗ gen schließt man daß die Regierung die erforderliche Autorisa⸗ rion zur Bewerkstelligung dieser Reform im Parlamente nach⸗ zusuchen gedenke, und daß der neue Ptlan schon mit dem „Ja⸗ zuar in Kraft treten wuͤrde. Nach einem in Paris zirkuliren⸗
sie die Communicäationen abgeschnitten.
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den Pamphlet des Herrn Piron, der als Unter⸗Direktor im Franzoͤsischen Post⸗Amte fungirt, scheint es, daß die Franzoͤsi⸗ sche Regierung auf diesen urspruͤnglich von Herrn Rowland Hill in England entworfenen Plan einzugehen gedenkt. Auch der Nord⸗Amerikanische Post⸗Direktor, Herr Amos Kendall, hat Agenten hierher geschickt, um diesen Plan kennen zu lernen.
Zu Devonport ist ein neues Linienschiff, der „Nil“, von 92 Kanonen, nach dem neuen System des Sir Robert Sep⸗ pings, unter dem Zulauf von wenigstens 50,000 Menschen, vom Stapel gelassen worden.
Das Asiatic Journal enthäͤlt nachträaͤgliche Berichte aus Ostindien, die im Ganzen nichts weniger als guͤnstig lauten. Das Heer litt an uͤbermaͤßiger Hitze und Wassermangel. Die herumstreifenden Banden der Kulidschis thaten den Truppen großen Abbruch, und es war Befehl ertheilt, jeden Gefangenen auf der Stelle zu erschießen. Auf mehreren Punkten hatten Indessen zweifelt man nicht an dem endlichen Erfolge dieser schwierigen Expedition.
Wie man vernimmt, gedenkt die Regierung Afghanistan und
Sind fuͤr mittelbare Besitzungen der Compagnie zu erklaͤren. Die Fuͤrsten sollen beschuͤtzt werden, dafuͤr aber auf ihre eige⸗ nen Kosten ein Britisches Armee⸗Corps unterhalten. Als Haupt⸗ Stationen werden Hyderabad, Bukhur, Kandahar und Kabul genannt. Aus Birma erfaͤhrt man, daß Oberst Benson wegen seines Befindens nach Kalkutta zuruͤckgekehrt war; seine Stelle erhaͤlt als Resident Capitain Macleod. Großes Aufsehen hatte in Bombay die Taufe eines Parsen erregt. Saͤmmtliche Par⸗ sen hielten eine Versammlung und beschlossen, ihre Kinder aus den Britischen Schulen zu nehmen.
Vom Vorgebirge der guten Hoffnung sind Zeitungen bis zum 20. April angekommen. Man war dort sehr erfreut daruͤber, daß die Beschwerden der Kolonie endlich in England Aufmerksamkeit erregten. Zwischen den ausgewanderten Bauern in Port⸗Natal und dem Kaffern⸗Haͤuptling Dingaan ist in Ge⸗ genwart des Capitains Jervis, welcher die dortige Garnison kommandirt, ein Vertrag abgeschlossen worden, wodurch den Bauern das von ihnen besetzte Gebiet abgetreten und der fruͤ⸗ here Vertrag, in Folge dessen die Auswanderung stattfand,
bestaͤtigt wird. Der Haͤuptling verpflichtet sich außerdem, Alles,
was er an Vieh, Munition und Waffen den Bauern geraubt, zuruͤckzugeben, wenn er ohne vorhergehende Warnung den Ver⸗ trag bricht. .
Der Franzoͤsische Konsul in Montevideo, Herr Bara⸗ dere, hat dem Britischen General⸗Konsul daselbst, Herrn Hood, die Ausdehnung der Blokade auf die ganze Argentinische Kuͤste durch folgendes Schreiben vom 13. Maͤrz angezeigt:
rung des Contre⸗Admirals Le Blanc, die ich Ihnen am 4. April 1838
zu übersenden die Ehre batte, erhoben worden sind, so ist es nöthig, ligt. Die Majoritaͤt des Ausschusses Lter Kammer beharrte
dieselben zu heben, um alle Reclamationen oder unglückliche Mißver⸗ ständnisse zu vermeiden. Als die Regierung Sr. Majestät, nachdem alle möglichen friedlichen Mittel versucht worden waren, um von der Regierung von Buenos⸗Aypres die billige Enltschädigung zu erlangen, die mit Recht erwartet werden konnte, sich zur Blokade entschloß, so geschah dies offenbar nur, um den General Rosas durch die gänzliche Entziehung aller Hülfsmittel, die ihm der auswärtige und der See⸗ handel darbietet, zur Vernunft zu bringen. Wollte man daher die
Blokade auf die Küste des Rio de la Plata beschränken, so ertheilte
man dadurch den Argentinischen Häfen am Occan ein Privilegium, und der beabsichtigte Zweck würde nicht erreicht. Deshalb bin ich beauftragt, Ihnen zu erklären, daß es die Absicht Frankreichs ist, die ganze, der Argentinischen Republik gehörende Küste, sowohl’ am La Plata⸗Strom, als am Ocean, in diese Maßregel mitzubegreifen. Ich bitte Sle, mir den Empfang dieses Schreibens zu bescheinigen und bin u. s. w. A. Baradére.“
Die Dimes bemerkt hieruͤber Folgendes: „Die Kuͤsten⸗ linie, von der hier zum erstenmal behauptet wird, daß sie in die Blokade eingeschlossen sey, hat eine Laͤnge von 3000 Engli⸗ schen Meilen, vom Kap S. Antonio um das Kap Horn bis an die Graͤnze von Chili, und laͤngs dieser ungeheuren Strecke befindet sich nicht ein einziges Franzoͤsisches Kriegsschiff, um die Ausfuͤhrung einer so laͤcherlichen und insolenten Papier⸗Blo⸗ kade zu erzwingen. In Folge der Blokade des Rio de la Plata hatten viele Kaufleute in England und in anderen Laͤn⸗ dern ihre Speculationen auf verschiedene am Meere liegende Punkte gerichtet, welche in die vom Admiral Le Blanc bekannt gemachte Blokade nicht miteinbegriffen waren. Dies erregte nun die Habsucht der Franzoͤsischen Agenten, und die erwaͤhnte Mit⸗ theilung erfolgte. Die Antwort des Britischen General⸗Kon⸗ suls, wenn er uͤberhaupt eine gegeben, ist nicht bekannt; die Anmaßung ist jedoch so plump und unhaltbar, daß sie unmoͤg⸗ lich weder hier noch von der Franzoͤsischen Regierung auch nur einen Augenblick unterstuͤtzt werden kann. Es ist auffallend, daß der Franzoͤsische Admiral selbst weder an die Behoͤrden von Buenos Ayres oder Montevideo, noch auch, so viel man weiß, an den Britischen Befehlshaber eine offiziellelle Mittheilung erlassen hat. Es geht jedoch das Geruͤcht, daß er zu dieser ungewoͤhnlichen Maßregel durch den Nord⸗Amerikanischen Kommodor Nicholson veranlaßt worden sey, der in alle Ansichten in Betreff des Ge⸗ nerals Rosas eingegangen zu seyn scheint und erklaͤrt hat, daß derselbe Unrecht habe. Da an der Kuͤste von Patagonien eine bedeutende Anzahl von Britischen Schiffen mit dem Wallfisch⸗ fange beschaͤftigt ist, so steht zu hoffen, daß man die noͤthigen Anordnungen getroffen hat oder treffen wird, um sie in Folge dieses neuen gegen den Britischen Handel gerichteten Dekrets gegen Beleidigungen und Wegnahme zu schuͤtzen.“
Heu 1an.
Stuttgart, 2. Juli. (Schw. M.) Se. Majestaͤt der Koͤnig ist heute fruͤh zum Gebrauche des Seebades von hier nach Livorno abgereist, und Ihre Majestaͤt die Koͤnigin wird sich mit Ihren Koͤnigl. Hoheiten den Prinzessinnen Marie, Katharine und Auguste nebst Gefolge morgen fuͤr die naͤchsten Monate zum Sommer⸗Aufenthalte nach Friedrichshafen bege⸗ ben, woselbst spaͤterhin auch So. Majestaͤt der Koͤnig eintref⸗ fen wird. “ 8
Karlsruhe, 1. Juli. (K. 3.) In der 33sten oͤffentlichen Sitzung der zweiten Kammer der Staͤnde war die Diskussion des Militairbudgets fuͤr 1839 und 1840 an der Tagesordnung. Staatsminister von Boͤckh bemerkte, daß in dem vorliegenden Budget die Kommissionsantraͤge von den Regierungsvorlagen in Allem nur in 2 Positionen abweichen, was als eine erfreu⸗ liche Erscheinung zu betrachten sey, theils fuͤr die Militair⸗Ad⸗ ministration, weil dadurch ihrer Sparsamkeit vollguͤltiges Zeug⸗ niß geredet werde, anderntheils fuͤr die Budget⸗Kommission, weil dieselbe beurkunde, daß sie mit billiger Einsicht zu Werke gegangen sey. Der Abgeordnete Welker hebt die 2 fruͤher aus⸗ gedruͤckten Wuͤnsche wieder hervor, welche der Kommissionsbe⸗ richt dieses Mal unterlassen hatte, naͤmlich: 1) daß die hohe Regierung die Verminderung der Bundespflicht bezuͤglich auf das Maaß des Kontingents bei dem hohen Bundestag zu be⸗
ungegruͤndeten zuruͤck.
wirken sich bestrebe; 2) zugleich eine genaue Pruͤfung uͤber die Moͤglichkeit einer minder kostspieligen Formation des Militair anordne.
nung eine Frage der hoͤchsten Politik sey, wobei natuͤrlich Ba den keine initiative Stellung einnehmen koͤnne. Betreffend de 2ten Punkt, sey die Regierung trotz neuerlich wiederholt ange
stellter Untersuchung zu keinem andern Resultat gelangt, als
daß die Formation unseres Militairs die allein zweckmaͤßige und die wohlfeilste, beziehungsweise die am wenigsten druͤckende sey.
Schaaff widersetzte sich ebenfalls diesen Wuͤnschen, weil sie noth⸗
wendigerweise bei der dermaligen politischen Constellation erfolg⸗ los blieben; und voraussichtlich erfolglose Wuͤnsche von einer
Kammer auszusprechen kein Mittel waͤre, ihren Kredit zu he⸗ 8 Kontingent bei dem
ben; uͤbrigens solle man sich huͤten, da Bundestag in Anregung zu bringen, weil eine Revision der Bundesmatrikel uns nicht wuͤnschenswerth seyn duͤrfte. An dieser allgemeinen Diskussion nahmen die Abgeordneten Hoff⸗ mann, v. Itzstein, Trefurt, v. Rotteck, Mohr, Martin, Kroll, Sander, Regenauer und der Berichterstatter Speyerer lebhaften Antheil. Der Abgeordnete Welcker hat zu Begruͤndung seiner Antraͤge bemerkt, daß die zu kostspielige Militair⸗Administration an dem minder glaͤnzenden Zustand unserer Finanzen, im Ver⸗ gleich zu jenen eines Nachbarstaates, Ursache waͤre. Diesen unserer Finanz⸗Verwaltung indirekt gemachten Vorwurf wiesen der Finanz⸗Minister und der Abgeordnete Regenauer als einen Die beiden Redner wiesen darauf hin, welche großartige Erleichterungen den Steuerpflichtigen in den letzten Jahren geworden seyen, namentlich durch die Abloͤsung des Zehnten und der alten Abgaben, durch Uebernahme von Bezirks⸗Schulden auf die Staats⸗Kasse, durch Aufhebung von oder Verminderung der Straßenfrohnden; mehrere Gefaͤlle, als:
des Ohmgeldes, der Straßengelder, durch Herabsetzung der Salz Preise, der Gewerbs⸗ und Klassensteuer u. dgl., daß somit
der Vorwurf die Kammer gleichmäaͤßig treffe, als welche diesen Erleichterungen zugestimmt habe. In der Abstimmung wurden beide von Welcker beantragten Wünsche mit Mehrheit angenommen.
Darmstadt, 4. Juli. (Gr. H. Z.) In der 80sten Siz⸗ zung der Abgeordneten⸗Kammer vom 24. Juni wurde Bera⸗ thung eroͤffnet uͤber den Erlaß der ersten Kammer, den Haupt⸗ Voranschlag der Staats⸗Ausgaben fuͤr 182 ⁄₰1 betreffend. Es walteten hieruͤber mehrere Differenzen zwischen den Beschluͤssen beider Kammern ob. Die erste Kammer hat die, von der zwei⸗
„Herr General⸗Konsul! Da Zweifel über die Blokade⸗Erklä⸗ ten Kammer mit 29 gegen 14 Stimmen verweigerte Gehalts⸗
zulage von 1500 Fl. jaͤhrlich fuͤr den Großherzogl. Minister⸗
Residenten am Hofe zu Paris mit 14 gegen 2 Stimmen bewil⸗
auf Nichtbewilligung. Bei der heutigen Berathung ergriff der Geheimerath Hallwachs nochmals das Wort fuͤr dieselbe. Er beruͤhrte wiederholt kurz die Gruͤnde, welche fuͤr diese hoͤchst billige und gerechte Forderung spraͤchen, machte auf die Wich⸗ tigkeit dieses Gesandtschafts⸗Postens fuͤr die Interessen der Groß⸗ herzoglichen Unterthanen, namentlich aus der Rhein⸗Provinz, auf⸗ merksam und druͤckte die bestimmte Ueberzeugung der Staats⸗ Regierung aus, daß die Kammer nun endlich von ihrem Wider⸗ stande gegen diesen unerlaͤßlich noͤthigen Posten ablassen werde, um so mehr, als die Staats⸗Regierung seither schon so bedeutende Ersparnisse in den Posten der Gesandtschaften habe eintreten lassen. Die Abgeordneten Mohr, Hellmann sprachen dagegen; von Grolman und Goldmann aber fanden es billig, der Re⸗ gierung, welche so viel schon gespart habe, in der fraglichen Rubrik nun auch in diesem Posten, auf den sie besondere Werth lege, nachzugeben. — Bei der Abstimmung in der Sisten Sitzung, am 25. Juni, trat die Kammer mit 22 gegen 18 Stimmen dem Beschlusse der 1sten Kammer bei und bewil⸗ ligte die fraglichen 1500 Fl. jaͤhrlich. — Die lste Kammer war ferner dem Antrag der 2ten Kammer, „der Regierung die Frage zur Pruͤfung zu empfehlen, ob nicht eine zweckmaͤßigere Eintheilung der Kreise in Rhein⸗Hessen getroffen werden koͤnne?“ nicht beigetreten. Bei der Berathung in der lsten Kammer hatte der Regierungs⸗Commissair geaͤußert; bisher habe sich noch nicht das Beduͤrfniß einer veraͤnderten Eintheilung gezeigt; sollte es sich kuͤnftig darthun, so werde die Regierung die ge⸗ eignete Abaͤnderung treffen. Abgeordneter Schmitt bemerkte bei der heutigen Berathung, daß er bloß diese Pruͤfung von Seiten der Regierung bezweckt habe. Bei der Abstimmung ver⸗ zichtete die Kammer einstimmig auf den genannten Antrag. III
— Wien, 3. Juli. Seit der letzten Tuͤrkischen Post, welche am 20sten v. M. von Konstantinopel abging, sind hier keine Nachrichten aus dem Orient eingetroffen. Auch die eben genannte Post brachte nichts Neues vom Kriegsschauplatze. Das Entsetzungs⸗Dekret gegen Mehmed Ali war noch nicht erschie⸗ nen. Daß der Oestereichische Beobachter (aus welchem die im gestrigen Bl. der St. Ztg. mitgetheilten Nachrichten unter dem Artikel „Tuͤrkei“ entlehnt sind) bei der ihm eigenen Vorsicht, die Krankheit des Sultans mehrfach und in seinem letzten Ar⸗ tikel in sehr bedenklicher Weise besprach, wird als ein Beweis ausgelegt, daß die Uebel des Großherrn einen wenig Hoffnung gewaͤhrenden Grad erreicht habe. Der unter den Aerzten Sr. Hoheit genannte Dr. Neuner ist Oesterreichischer Feldarzt und steht in dem Rufe großer Geschicklichkeit; es ist zu bedauern, daß er nur zu den Tonsultationen zugelassen wird, an welchem auch der Englische Arzt Maccarthey und die Herren Constantin und Stephanaki Theil nehmen. Die Leibaͤrzte des Sultans sind Tuͤrken und heißen Abdullak Efendi und Mahmud Efendi. Die Krankheit scheint ein tuberkuloͤses Lungenleiden zu seyn, welches jedoch noch nicht das aͤußerste Stadium erreicht hat, und, da der Sultan bereits in vorgeruͤcktem Alter ist — Se. Hoheit ist im Jahre 1785 geboren — bei einer guten aͤrztlichen
Aufsicht immer noch einige Hoffnung uͤbrig lassen wuͤrde. Je⸗
denfalls kommt diese Krankheit zur ungelegenen Zeit. Auf den Divan und das Tuͤrkische Heer kann sie nur entmuthigend ein⸗ wirken, was auch ihr endlicher Ausgangsey, der zur Nachfolge Mah⸗ mud'’s berufene Prinz, Abdul Mejid, ist erst 16 Jahr alt; welche Gefahren scheinen also auch von dieser Seite den Thron der Osmanlis zu bedrohen!
Die Diplomatie scheint jetzt vorzuͤglich dem Oriente ihr Augenmerk zuzuwenden; zwischen hier und Paris, London und Petersburg wird fortwaͤhrend ein lebhafter Courierwechsel un⸗ terhalten. In voriger Woche ging Fuͤrst Jablonowski, in fruͤheren Jahren als Oesterreichischer Gesandter am Neapolitanischen Hofe accreditirt, von hier als Courier nach St. Petersburg ab. Ihm folgte vor einigen Ta⸗ gen der bei der hiesigen Russischen Botschaft angestellte Legations⸗Secretair Herr von Gervais. — Graf Ficquelmont,
Der Finanz⸗Minister von Boͤckh und die Ge⸗-⸗ heimen Kriegsraͤthe Fraͤnzinger und Vogel setzen ausein⸗ ander, daß in Beziehung auf den 1sten Punkt ein Wunsch uͤber⸗ fluͤssig und zwecklos seyn wuͤrde, da der Umfang der Bewaff⸗
erreichischer Botschafter in St. Petersburg, welcher einen e 8be 8* und eben anzutreten im Begriff war, um seine Gemahlin, welche aus Gesundheits⸗Ruͤcksichten den Win⸗ ter in Italien zubrachte, und sich gegenwaͤrtig in Aix aufhaͤlt, nach Rußland abzuholen, hat, dem Vernehmen nach, seine Reise verschoben, indem die gegenwaͤrtigen Zeitverhaͤltnisse einer kängeren Abwesenheit von seinem Posten nicht guͤnstig sind.
Unsere Eisenbahn gewinnt taͤglich an Frequenz, besonders sind ihr die Sonn- und Feiertage guͤnstig. Der Zufluß von Reisenden ist an diesen Tagen so groß, daß es schwer haͤlt, die Ordnung gehoͤrig aufrecht zu erhalien. Am verwichenen Sonn⸗ tag ereignete sich auf der Bahnstrecke zwischen dem Prater und Wagram ein Unfall, der gluͤcklicherweise ohne Verletzungen der Reisenden ablief. Waͤhrend näͤmlich ein Train von mehreren Lokomotiven, welche zusammen nicht weniger als mehrere drei⸗ ßig Wagons zogen, auf dem Ruͤckzuge nach Wien begriffen waren, ging aus Versehen ein anderer Train von hier ab. Beide stie⸗ ßen mit furchtbarer Gewalt an einander, mehrere Wagen wurden aus den Schienen gehoben, die Passagiere heftig unter einander geworfen und doch Niemand beschaͤdigt. Am kommenden Sonn⸗ tag wird die Bahnstrecke bis Bruͤnn, eine Distance von etlichen 20 Meilen, feierlich eroͤffnet werden. Baron Rothschild als Patron und Hauptfoͤrderer wird sammt einer zahlreichen von ihm geladenen Gesellschaft die Fahrt mitmachen, und in Bruͤnn ein großes Diner geben. Man hofft, den Weg in wenig mehr als in vier Stunden zuruͤckzulegen.
Am verflossenen Sonntag ward die Italiaͤnische Opern⸗Sai⸗ son mit der Darstellung der „Lucretia Borgia“ geschlossen. Diese Opern⸗Gesellschaft⸗gehoͤrt zu den ausgezeichnetsten, sie ist viel⸗ leicht, nach den großen London⸗Pariser Virtuosen, die erste jetzt existirende. Donna assoluta, Dlle. Ungher, Badiali und der Tenorist Poggi; aber auch die herrliche Altstimme der Dlle. Brambilla wurde mit Recht bewundert. Der Dlle. Ungher und Herrn Poggi wurde die selten gewaͤhrte Auszeichnung zu Theil, zu Kammer⸗ Virtuosen Sr. Majestaͤt gewaͤhlt zu werden. Auf so seltene und reichliche Genuͤsse wird das Kaͤrtnerthor⸗Theater jetzt, und so lange die Deutsche Saͤnger⸗Gesellschaft nicht versammelt ist, nur wenig Zuspruch finden. Auch das Burg⸗Theater ist, wie ge⸗ woͤhnlich, seit dem lsten d. M. geschlossen und die Theater⸗ Liebhaber unserer Hauptstadt daher vorzugsweise auf die Vor⸗ stadt⸗Buͤhnen beschraͤnkt.
Preßburg, 30. Juni. (Nuͤrnb. Korresp.) Unsere Reichstagsverhandlungen stehen fortwaͤhrend auf demselben Punkte. Außer der Angelegenheit des Grafen Raday ist auch die Rede⸗ und Preßfreiheit unter die Bedingungen gestellt worden, nach deren Erfuͤllung erst auf die Koͤnigl. Propositionen einzugehen sey, obwohl diese, namentlich die Regulirung des Flußbetts der Donau, fuͤr das Land von der unmittelbarsten Wichtigkeit sind. Leider erfaͤhrt man aus manchen Komitaten die betruͤbendsten Excesse von Seiten der Opposition. So ist im Tolnenser Komitat die Wuth jener dem Regierungskandida⸗ ten feindlich Gesinnten so weit gegangen, bei seiner Erwaͤhlung eine foͤrmliche Schlaͤgerei hervorzurufen. Im Barscher Komitat wurde der Administrator foͤrmlich belagert und eingeschlossen, und zuletzt, in dem Wahne, als sey der Kandidat der Regierung beguͤnstigt worden, das Schloß und die Stadt Maroch angezuͤndet, einst ein Eigenthum des beruͤhmten Kardinals Migazzi, und nun seiges Neffen. In beide Komitate sind Koͤnigl. Kommissaͤre ab⸗ gegangen, um diese gesetzwidrigen, brutalen Vorfaͤlle zu unter⸗ suchen. Sogar in Folge der offenen Sprache des Mitgliedes der Staͤnde, Grafen Appony, sind auf dessen Herrschaft Ho⸗ gyoͤsz Meutereien vorgegangen, wobei man Leute mißhandelte, unter dem Vorwande als Kreaturen der Koͤnigl. Sache, und des sie verfechtenden Gutsherrn. Bei dieser Sachlage ist es erklaͤrlich, wenn bei dem Volke endlich gerechte Zweifel auftau⸗ chen, ob die Wohlfahrt des Landes und seine Wuͤnsche redlich und umfassend repraͤsentirt seyen. c
Schweiz. O“
Zuͤrich, 1. Juli. (Bas. Ztg.) Heute ist die Tagsatzung von dem Bundes⸗Praͤsidenten Heß feierlich eroͤffnet worden. Derselbe sprach in seiner Eroͤffnungs⸗Rede von dem Gluͤck, dessen sich die republikanische Schweiz mitten unter monarchi⸗ schen Staaten, gestuͤtzt auf den Bund von 1815, erfreue. Die⸗ sen Bund zu schuͤtzen, sey nothwendig, aber ebenso auch, daß die erforderlichen Reformen darin vorgenommen werden. Be⸗ treffend Wallis bemerkte er, sey es die Aufgabe der Tagsatzung, den Parteiungen daselbst ein Ende zu machen. Die beiderseiti⸗ gen Gesandtschaften von Wallis haben sich jedoch, in Folge der Weisung des Praͤsidenten, beim Zuge nicht eingefunden. Im Sitzungssaal wurden die Vollmachten der 21 anwesenden Ge⸗ sandtschaften genehmigt, die Verhandlungen uͤber die Vollmach⸗ ten der Walliser Gesandtschaften aber auf morgen verschoben.
Ftalien.
Rom, 27. Juni. Der erste Secretair der Franzoͤsischen Gesandtschaft am Paͤpstlichen Hofe, Graf Alfons von Rayne⸗ val, ist, von Paris kommend, in Rom angelangt.
Die Koͤnigliche Akademie der schoͤnen Kuͤnste in Kopenha⸗ gen hat den beruͤhmten Italiaͤnischen Bildhauer, Professor Pie⸗
tro Tenerani, zu ihrem Mitgliede ernannt.
Der harte Verlust, den die Stadt Frascati durch das Ab⸗ leben des Fuͤrsten Francesco Borghese Aldobrandini erlitten, hat alle edleren Gemuͤther mit Trauer erfuͤllt. Eine große An⸗ zahl Volkes stroͤmte zu dem feierlichen Leichenbegaͤngnisse des Mannes, dessen Großmuth und Liberalitaͤt bei den Buͤrgern von
Frascati, in deren Mitte er viele Jahre verweilt hatte, stets in
dankbarem Andenken sich erhalten werden.
Portugaäal. G 8
Lissabon, 24. Juni. (Englische Blaͤtter.) Am 20sten ist Se. Koͤnigliche Hoheit der Herzog von Nemours mit seinem Gefolge von Cadix hier angekommen und in den fuͤr ihn in Bereitschaft gesetzten Zimmern im Palast von Belem abgestie⸗
en, wo das diplomatische Corps ihm seine Aufwartung machte. Zwei Tage spaͤter, am 22sten, langte auch der Herzog von Sach⸗ sen⸗Koburg⸗Gotha mit seinen Soͤhnen, den Prinzen August
Ludwig Victor und Leopold Franz Julius und der Prinzessin
Victorie Auguste, auf dem Britischen Dampfboote „Li ing““ hier an. Sie wurden von 8.; 88 der 8adec. das herzlichste empfangen. Am 24sten besuchte der Herzog von Nemours den Britischen Admiral am Bord seines im Tajo liegenden Schiffes, der ihn mit der Koͤniglichen Salve empfing. Der Herzog hat sich durch sein leutseliges und freundliches Be⸗ nehmen sehr populair in Lissabon gemacht. Ohne Zweifel hat ine Jugend, sein bekannter Muth und die Grazie seines We⸗ ens ihm die Zuneigung des schoͤneren und einflußreicheren Theils der Bevoͤlkerung Lissabons gewonnen. b 8
Die Lieblinge des Publikums waren die prima
Bei einer Debatte uͤber eine Bill zur besseren Rechtspflege beantragte ein Deputirter als Amendement die Abschaffung von Richtern fremder Maͤchte in Portugal. Die Herren Manoel Passos und Jose Estevao unterstuͤtzten das Amendement, allein es wurde unter lautem Gelaͤchter verworfen, als der Visconde Sa da Bandeira sagte, er wolle es ausfuͤhren, wenn man ihm 100 gutbemannte Linienschiffe und 300,000 tuͤchtige Soldaten zur Disposition stellen wolle.
Die Bemuͤhungen Englands, dem Sklavenhandel ein Ende zu machen, werden in einigen Portugiesischen Blaͤttern als wohl uͤberlegte Versuche, die Kolonial⸗Interessen Portugals und das Gleichgewicht von Europa zu zerstoͤren, bezeichnet.
— — Lissabon, 22. Juni. Die politische Verbindung zwischen den geheimen revolutionairen Gesellschaften in Frank⸗ reich und den revolutionairen Klubs der Iberischen Halbinsel ist bei der letzten Krisis in Paris ganz klar geworden. In Portugal hegten sowohl die Chartisten⸗Klubs als die Sevtembristen die⸗ selbe Hoffnung, naͤmlich, daß der Koͤnig der Franzosen unter⸗ liegen werde. Als sie das Resultat des 12. Mai in Paris er⸗ fuhren, geriethen sie in sichtbare Bestuͤrzung. Ihr einziger Zweck ist die Revolution, und die Existenz einer festen Regie⸗ rung in Portugal ist mit ihrem Bestehen unvertraͤglich. Ihre Vernichtung waͤre uͤbrigens leicht, wenn man dieselbe nur ernst⸗ lich wollte. Sie werden jetzt von der ganzen Bevoͤlkerung ge⸗ brandmarkt, und Jedermann weiß, daß ihnen allein der auf⸗
geregte Zustand des Landes zuzuschreiben ist. Ihr durchaus
unvermeidlicher Sturz duͤrfte aber auch den des Repräͤsentativ⸗ Systems nach sich ziehen, nicht nur, weil es schwierig ist, diese epotische Pflanze hier zu akklimatisiren, sondern weil auch die
hervorgerufen wurde oder seinerseits dieselben erzeugte, indem dieselben spaͤter entweder einen Einfluß auf dasselbe ausuͤbten, wie vom Jahre 1826 bis 1828, oder wie vom Jahre 1820 bis 1823 und seit dem Tode Dom Pedro's bis jetzt das Land re⸗ gierten. In den letzten 18 Jahren sind den Portugiesen uͤber Vieles die Augen geoͤffnet worden, und sie wollen jetzt, durch die Erfahrung belehrt, von Klubs und den Constitutionen nichts wissen, indem sie die einen als die Folgen der anderen betrachten. Ein Blick auf den Gang der Regierung und auf die Sitzungen der Cortes seit 1834 rechtfertigt allerdings ein solches Urtheil. Auch werden alle von den Cortes ergriffenen Maßregeln, die finanziellen etwa ausgenommen, von denen, die etwas weiter sehen, mit Gleichguͤltigkeit aufgenommen, da sie uͤberzeugt sind, daß neue Ereignisse dieselben nach den Umstaͤnden und der Er⸗ fahrung modifiziren muͤssen. Selbst in Betreff der Finanz⸗ Maßregeln muß man erst abwarten, ob sie zur Ausfuͤhrung kommen, denn bis jetzt hat das Ministerium die partiellen In⸗ teressen der Spekulanten zu bekaͤmpfen, die sich leicht den Bei⸗ stand der Tribuͤne und der Presse verschaffen koͤnnen, weil beide hauptsaͤchlich unter den Einfluß der edlen Metalle stehen.
8 Täöͤrkei.
Das Journal des Oesterreichischen Lloyd vom 29. Juni enthaͤlt folgendes Schreiben aus Konstantinopel vom 12ten, worin die schon fruͤher von uns mitgetheilten Thatsachen, beson⸗ ders die Absetzung Mehmed Ali's ausfuͤhrlicher erzaͤhlt werden. Es heißt darin: „Der Krieg, wiewohl schon laͤngst eroͤffnet, ist nun auch feierlich beschlossen und foͤrmlich erklaͤrt. Am 7ten d. war der große Divani humajun im Serail versammelt. Die Großwuͤrdentraͤger des Reichs, der Scheik⸗Ulislam und alle Ule⸗ mas saßen zu Rath mit dem Sultan. Der Großherr hat darin, unter einstimmigem Jubelruf aller Anwesenden, beschlossen: den Krieg zu beginnen, Mehmed Ali der Wuͤrde eines Statthalters in Aegypten zu entsetzen und ihn als Rebellen und Staatsver⸗ raͤther zu behandeln; ferner Hafiz Pascha zum Oberbefehlshaber aller Heere zu ernennen, die jetzt innerhalb der Graͤnzen des Tuͤr⸗ kischen Reiches unter Waffen stehen, und endlich mit dem naͤch⸗ sten Tagesanbruch die ganze Großherrliche Flotte nach den Dar⸗ danellen auslaufen zu lassen. Gegen Mehmed Ali soll der Krieg nur durch die That erklaͤrt werden, da man ihn nicht als einen offenen Ehrenkampf mit einer ebenbuͤrtigen Macht, sondern als eine Zuͤchtigung gegen einen aufruͤhrerischen Vasallen betrachtet wissen will. Diese hochwichtigen Beschluͤsse wurden unverweilt allen Dragomanaten der Europaͤischen Missionen kund gethan, und gingen natuͤrlich zugleich wie Lauffeuer von Mund zu Mund durch die ganze Residenz. Druͤben in Konstantinopel hat diese lang erwartete Entscheidung allgemeine Freude, in Pera und Galata aber eine Bestuͤrzung erregt, deren Wider⸗ klang man am deutlichsten an der Boͤrse wahrgenommen; denn wie unglaublich es auch klingen mag, so hatten doch mitunter recht kluge Leute noch immer mehr von der Macht der Diplo⸗ matie gehofft, als von der Gewalt der Waffen gefuͤrchtet. Jetzt ist mit dieser letzten Hoffnung nach außen auch alles Vertrauen nach innen gesunken und von Geschaͤften durchaus nicht mehr die Rede.
Ali Aga, Hofschauspiel⸗Direktor Sr. Hoheit, wird eine Reihe Lust⸗ und Schauspiele in Tuͤrkischer Sprache in die Scene setzen, und zwar im neuen Amphitheater, wo auch die Tuͤrkischen Damen, ohne von ihren Arabas (ochsenbespannte bunte Wagen) abzusteigen, dem Schauspiele beiwohnen koͤnnen.
Man denke sich eine Wagenburg von Arabas, dazu Tuͤrkische
Hofschauspieler und einen Hoftheater⸗Direktor im Turban, und man zweifle noch an der Wiedergeburt dieses Reichs!
III3I1
— — Rio Janeiro, 23. April. Das Ministerium Vas⸗ concellos hat nach 18monatlicher Verwaltung sein Ende auf eine Weise erreicht, die wohl ohne Beispiel in den Gebraͤuchen constitutionneller Staaten ist. Lange schon sprach man von einer Veraͤnderung des Ministeriums, und bereits vor 3 Mo⸗ naten waren Schritte in dieser Beziehung geschehen. Aber da⸗ mals wurde der Sturm wieder beigelegt; der Kriegs⸗Minister trat eine Inspections⸗Reise nach Rio grande an, und waͤhrend seiner Abwesenheit, vierzehn Tage vor Eroͤffnung der Kammern, giebt das Ministerium seine Dimission. Der ostensible Grund dafuͤr ist die Ernennung des Dezembargador Lopes Gama zum Senator; zwar war auf der Liste der drei hoͤchst⸗votirten Gama der erste, und der Finanz⸗Minister Calmon der dritte, und außerdem ist die freie Wahl unter den 3 Kandidaten eine Praͤ⸗ rogative der Krone (jetzt des Regenten); aber dennoch fand Vasconcellos, der als Justiz⸗Minister Gama's Ernennung refe⸗ riren sollte, daß Calmon's Uebergehung eine Beleidigung der Minister sey, und Alle baten um ihre Entlassung. Die allge⸗ meine Meinuüng ist, daß Calmon und Vasconcellos, nachdem sie ihre Stellung gehoͤrig exploitirt haben, nicht geneigt waren, vor die Kammern hinzutreten, und ihre Verwaltung gegen die Opposition zu vertheidigen.
Und was haben die Maͤnner gethan, deren Ernennung
mit solchem Geschrei begruͤßt wurde, die eine wahre chambre introuvable zu ihren Diensten hatten? Es ist wahr, sie haben den Aufstand in Bahia rasch unterdruͤckt; aber noch ist an kei⸗ nem der Haͤupter die Strafe vollzogen, und wenn auch die Nachrichten von neuen Unruhen, welche die Europäaͤischen Zei⸗ tungen des letzten Winters so reichlich bringen, ungegruͤndet sind, so ist es doch wahr, daß das Mißvergnuͤgen in Bahia sehr stark ist, und neue Bewegungen nicht unmoöͤglich waͤren. Aber was ist fuͤr Rio grande geschehen? Truppen in Menge
hat man hingeschickt; aber die Lage der Dinge hat sich um nichts gebessert. Die Schuld davon liegt hauptsaͤchlich an den fort⸗
waͤhrenden Streitigkeiten und Intriguen der legalistischen An⸗ fuͤhrer. Diese reichen oder angesehenen Gutsbesitzer der Pro⸗
vinz fuͤhrten anfangs den Krieg auf eigene Hand, mit kleinen
Frei⸗Corps, und waren immer nur dann einig, wenn es galt, sich dem von Rio hingeschickten Praͤsidenten zu widersetzen.
Das Ministerium Limpo gab den Klagen nach und wechselte haͤufig die Praͤsidenten; Vasconcellos dagegen behielt, trotz aller Anklagen, den Brigadier Eliziario Miranda e Brito bei; der Erfolg ist aber ganz derselbe. Die Insurrection hat sogar einen gefaͤhrlichen Fortschritt gemacht; ein Streif⸗Corps der Farrepos
hat die Graͤnze der Provinz Sta. Catharina uͤberschritten, und sich der Stadt Lages bemaͤchtigt, und die Folge davon ist eine
heftige Zwietracht zwischen dem Praͤsidenten, General Pardal und der Provinzial⸗Versammlung. Der Praͤsident behauptet,
die Farragos haͤtten Verbindungen in der Provinz, und will den Distrikt von Lages als insurgirt behandeln; die Versamm⸗
lung beruft sich auf den trefflichen c-ligo criminal, der 20,000
Personen verlangt (in einem Lande, wie Brasilien!), um eine
2 Rebellion zu konstituiren; ja, sie will jenen Angriff nicht ein-⸗ Erfahrung gelehrt hat, daß dies System, in den verschiedenen Zeiten, wo es in Portugal herrschte, durch jene Gesellschaften
mal als „feindliche Invasion“ bezeichnet wissen, und verlangt, man solle der ungluͤcklichen Gegend lieber zu Huͤlfe kommen statt sie zu blokiren. Pardal, ein geborener Franzose, hat sich einige Napoleonische Kraft⸗Ausdruͤcke entschluͤpfen lassen, die i seiner jetzigen Stellung zehnfach deplacirt sind. Man muß nu abwarten, ob die Reise des bisherigen Kriegs⸗Ministers nach Sta. Catharina und Rio grande irgend einen Erfolg haben wird. — Was man aber dem oͤbtretenden Ministerium am meisten vorwirft, ist seine Finanz⸗Verwaltung, und die Art, wie die neuen Anleihen kontrahirt worden sind. Das neue Ministerium haͤlt man nur fuͤr provisorisch; man hat vorlaͤufig drei Minister ernannt, von denen zwei durchaus unbedeutend sind. Der dritte, Candido Baptista de Oliveira, fruͤher Ge⸗ sandter in Turin, Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten, gilt fuͤr einen sehr faͤhigen Mann; er verwaltet zugleich die Finanzen bis zur Ankunft von Galvso, dem bisherigen Gesand⸗ ten in London. Keiner unter ihnen ist Mitglied der Deputir⸗ ten⸗Kammer, und man glaubt, daß der Regent nur auf die An⸗ kunft der Deputirten wartet, um aus ihnen definitiv das Mi⸗ nisterium zu konstituiren. . Und doch ist Brasilien gluͤcklich im Vergleich mit den Re⸗ publiken Spanischer Zunge. Durch einen Sieg, den die Chi⸗ lenischen Truppen im Januar bei Jungay uͤber Santa Cruz erfochten haben, ist die Verwirrung in Peru und Bolivia ins Graͤnzenlose gesteigert. Rosas hat diesen Sieg in Buenos⸗ Ayres mit wildem Jubel gefeiert, weil einige der noͤrdlichen Provinzen der Argentinischen Confoͤderation sich von ihm losge⸗ sagt und mit Santa Cruz unterhandelt hatten; aber das Schick⸗ sal von Buenos⸗Ayres wird sich ganz wo anders entscheiden. Die wichtige Provinz Corrientes ist von ihm abgefallen, und ihr Gouverneur hat sich mit Fructo Rivera zum Kriege gegen Rosas und zur Befreiung der Argentinischen Republik von Rosas' Tyrannei verbuͤndet. Wenn nur nicht wie immer Fructo alle Parteien betruͤgt. Als die Franzosen diesen Fructo unter⸗ stuͤtzten, als sie es sich gefallen ließen, beim Angriff auf Mar⸗ tim Garcia einen solchen Avantuͤrier und Parteigaͤnger zum Bundesgenossen zu haben, thaten sie es in der Hoffnung, mit seiner Huͤlfe die Angelegenheiten mit Buenos⸗Ayres zu beendi⸗ gen, denn eine Landung koͤnnen die Franzosen nicht versuchen, und Rosas lacht einer Blokade, die hauptsaͤchlich dem Handel
der Neutralen, und selbst der Franzosen, den empfindlichsten
Schaden thut. So wirkten sie dazu, Oribe zu stuͤrzen, damit
Fructo, als Herr von Montevideo, den Land⸗Angriff auf Rosas mache. Anfangs mußte man ihm natuͤrlich Zeit lassen, seine Jeigenen Angelegenheiten zu ordnen; aber das ist laͤngst gesche’⸗ hen, er ist constitutionneller Praͤsident; das Schutz⸗ und Trutz⸗ Buͤndniß mit dem Gouverneur von Corrientes und das Mani⸗ I fest gegen Rosas sind laͤngst publizirt; die Franzosen sind hoͤchst ungeduldig; Fructo aber steht ruhig in Durazno und macht
nicht die mindeste Anstalt, uͤber den Uruguay zu gehen. Auch hier, wie bei dem Kriege zwischen Buenos⸗Ayros und Brast⸗ lien zeigt er, daß er nur fuͤr sich handelt, und daß der, der ihm traut, allemal betrogen ist. So hat er denn auch in Be⸗ ziehung auf Rio grande bis jetzt noch immer zwischen der Re⸗ gierung und den Farrapos lavirt, ohne Partei zu nehmen.
4“
— Potsdam, 8. Juli. Se. Kaiserl. Hoheit der Erz⸗ herzog Albrecht von Oesterreich sind gestern Nachmittag um drei Uhr hierselbst eingetroffen, und in den fuͤr Hoͤchstdenselben bereit gehaltenen Zimmern im Neuen Palais abgetreten.
V Posen, 4. Juli. Die ersten Pferderennen vom Verein fuͤr Verbesserung der Pferde⸗, Rindvieh⸗ und Schaf⸗ zucht zu Posen veranstaltet, fanden am 1., 2, und 3ten d. M statt. Die Bahn war auf der Kaͤmmereiwiese zwischen der Warthe und dem Wege nach dem Eichwalde eingerichtet, die Tribuͤne mit Fahnen festlich geschmuͤckt. Das erste Richter⸗ amt hatten der General der Infanterie und kommandirende General des ö5ten Armee⸗Corps, von Grolman, das zweite G der Landtags⸗Marschall, Oberst von Poninski, uͤbernommen; ihnen assistirte der Landstallmeister, Major von den Brinken. Die Rennen am 1. Juli erfolgten in nachstehender Weise: 1) Ren. nen um die von Sr. Majestaͤt dem Koͤnige Allergnaͤdigst bewilligte Praͤmie von 300 Rthlrn. Pferde im Preußischen Staate geboren, im Besitz von Mitgliedern des Vereins. 1000 Ruthen. Doppelter Sieg. 2) Rennen, Herren reiten. Pferde aller Laͤnder, im Besitz von Mitgliedern des Vereins und von den Besitzern geritten. 3 Frd'or. Einsatz, ganz Reugeld. Der Sieger erhaͤlt von den
Fin in Ehrengeschenk und giebt den Unterschriebenen ein 49) Therng⸗ Preis 300 Rthlr. Pferde im Großher⸗ zogthum Posen geboren. Eigenthuͤmer Mitglieder des Vereins. Eine Viertelmeile. Doppelter Sieg. — 4) Vereins⸗Preis 300 Rthlr. Fuͤr den Sieger in einem Rennen auf freier Bahn. Pferde aller Laͤnder, im Besitz von Mitgliedern des Vereins, sie moͤgen der Provinz angehoͤren oder nicht. Eine halbe Meile. Doppelter Sieg. — 5) Privat⸗Rennen. Auf dem Kontinent gezogene Pferde. Eigenthuͤmer: Mitglieder des Vereins. Vollblut ausgeschlossen. 1½¶ Meile. Einfacher Sieg