man den Sultan an der Bestrafung eines aufruͤhrerischen Va⸗ sallen hindere; — Frankreich werde wohl thun, sich mit Ruß⸗ land zu verbuͤnden. — Ganz entgegengesetzter Meinung war der folgende Redner, Herr von Carné; er verlangte die kraͤf⸗ tigste Unterstuͤtzung des Vice⸗Koͤnigs und die Befestigung seiner Macht; nur auf diese Weise koͤnne die Blokade gehoben wer⸗ den, in welcher England das Mittelaͤndische Meer halte. — Herr von Lamartine, der jetzt die Tribune bestieg, wollte weder die vom Conseils⸗Praͤsidenten anempfohlene Aufrechthaltung des Status quo, noch die vom Herzog von Valmy und Herrn von Carné vorgeschlagenen Unterstuͤtzungen des Großherrn oder des Vice⸗Koöͤnigs. Er meinte, unter Status quo verstehe er nichts als die Erhaltung des politischen Gleichgewichts der Staaten von Europa, welches auch nicht gestoͤrt wuͤrde, wenn man das Tuͤrkische Reich gleichmaͤßig unter England, Frank⸗ reich, Oesterreich und Rußland vertheilte, und auf eine solche Theilung trage er an, da weder von einer Tuͤrkischen noch Ara⸗ bischen Volksthuͤmlichkeit mehr die Rede sey. Natuͤrlich war ein solcher Antrag sehr geeignet, Sensation in der Kammer hervorzubringen und besonders den Beifall der Linken zu er⸗ regen, die in dem Augenblick wohl vergaß, daß sie noch keine Gelegenheit hat voruͤbergehen lassen, ohne sich mißbilligend uͤber
die Theilungen Polens zu aͤußern. — Diesen Ansichten des Herrn von Lamartine trat der Minister des oͤffentlichen Unterrichts, Herr
Villemain, mit sichtbarer Hestigkeit entgegen und nannte sie
„poetische Träumereien“, waͤhrend er die Erhaltung des Status quo als die fuͤr Frankreich einzig noͤgliche Politik bezeichnete, uͤber die des Kabinets jedoch eine gewisse Zuruͤckhaltung beob⸗ achtete. — Unbedeutendere Redner folgten ihm, die der Orien⸗ talischen Frage keine neue Seiten abgewannen; dann aber bestieg Herr Guizot die Tribune. Da dieser unmittelbar vor der Siz⸗ zung eine zweistuͤndige Audienz beim Koͤnige gehabt hatte, so erregte sein Auftreten ein um so lebhafteres Interesse, als man glaubte, die von ihm entwickelten Ansichten einigermaßen fuͤr die des Koͤnigs halten zu duͤrfen. Er sprach mit Geist und Gewandtheit fuͤr den Status quo. — Sein Nachfolger auf der Rednerbuͤhne, Herr Berryer, war am 2ten und zten Tage dieser Verhandlungen der Leinzige welcher noch eine abweichende Meinung aͤußerte. drang auf eine Entscheidung der Regierung entweder fuͤr den Sultan oder fuͤr den Pascha, und hielt beide Rollen fuͤr gleich
Deputirte,
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Er
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ehrenvoll und vortheilhaft. — Herr Dupin und Herr O. Bar⸗
rot, mit deren Reden diese Verhandlungen schlossen, aͤußerten sich im Sinne des Conseils⸗Praͤsidenten. Es erlebte demnach bei der Besprechung der Orientalischen Frage das kon⸗ servative Element oder der Status quo den Triumph, von allen Parteien der Deputirten⸗Kammer unterstuͤtzt zu werden.
Ganz eigene Gefuͤhle erregte der Anblick des Reschid Pascha und des Fethi Achmed Pascha, die den Verhandlun⸗ gen in der Diplomaten⸗Loge mit beiwohnten.
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Trotz der
Orientalischen Ruhe waren sie nicht im Stande, bei mehreren
Gelegenheiten, besonders als man ihr Vaterland so freigebig
vertheilte, ihre Gemuͤths⸗Bewegungen zu verbergen; doch moͤ⸗ z sie den Sitzungs⸗Saal gewiß ziemlich beruhigt verlassen aben.
Die 10 Millionen wurden ohne jegliche Eroͤrterung mit einer Majoritaͤt von 287 gegen 26 Stimmen bewilligt; Seh dahs wird nun selbst wohl am besten wissen, was sie zu thun hat.
Großbritanien und Irland.
Der Buckingham⸗Palast, in welchem Lady Flora Hastings verschieden ist, soll bis zu deren Beerdi⸗ gung, aus Achtung fuͤr die Verstorbene und ihre Familie, ganz geschlossen bleiben. Gestern Abend fand, auf den Wunsch des Bruders, Marquis von Hastings, eine Leichen⸗Obduction statt, um jede irrige Meinung uͤber die Ursache des Todes zu entfernen. Die Doktoren Cooper, Brodie, Chambers und Hol⸗ land waren dabei gegenwaͤrtig. Das Ergebniß ihrer Unter⸗ suchung war, daß Lady Flora an einer Ausdehnung der Leber gestorben sey, die auf die Eingeweide gedruͤckt und dadurch eine Entzuͤndung veranlaßt hatte. Die Leiche soll naͤchsten Dienstag nach der Hastingsschen Familiengruft in Schottland gebracht werden, wohin der Marquis von Hastings sie begleiten will. Die Etikette erfordert es sonst, daß, wenn ein Mitglied der Hofhaltung stirbt, der Leichnam innerhalb 24 Stunden aus dem Palaste entfernt werden muß; in diesem Fall aber ist auf Befehl der Koͤnigin eine Ausnahme gemacht worden. Als Ihre Majestaͤt die Sterbende besuchte, soll diese ihr nochmals betheuert haben, daß sie schuldlos sey. Es wird jetzt gesagt, daß eine Dampfbootreise, welche Lady Flora in Ge⸗
London, 6. Juli.
sellschaft des Haushofmeisters und Privatsecretairs der Herzo⸗
gin von Kent, Sir J. Conroy, der kuͤrzlich von diesem Posten
abgetreten ist, nach Schottland gemacht, den ersten Anlaß zu
der ungluͤcklichen Hofklatscherei gegeben habe, und man will die Resignation dieses Baronets hiermit in Verbindung bringen. Die Koͤnigin soll naͤmlich schon fruͤher, eben so wie der verstor⸗
bene Koͤnig Wilhelm IV., eine entschiedene Abneigung gegen den durch den Prozeß mit der „Times“ allgemeiner bekannt gewordenen Privatsecretair ihrer Mutter gehegt haben, die sich
dann durch jenen Umstand noch gesteigert haͤtte, so daß sie, wie es heißt,
zugeschrieben; er habe,
die Resignation Sir John Conroy's eingeleitet. Daß die Mi— nister aber, wie Toryblaͤtter behaupten, die Absicht gehabt haͤt⸗ ten, der Herzogin einen anderen Beamten der Hofhaltung an die Stelle des Verabschiedeten als Privat⸗Secretair aufzudrin⸗ gen, wird von ministeriellen Blaͤttern fuͤr eine reine Erdichtung erklaͤrt, mit der Versicherung, daß das Kabinet sich von aller Einmischung in diese Angelegenheit fern gehalten habe.
Der ministerielle A wichtige Anzeige: „Die Befehlshaber der Britischen und der Franzoͤsischen Flotte in der Levante haben den Befehl bekommen, laͤngs der Syrischen Kuͤste zu kreuzen und ein Zusammentreffen der Tuͤrkischen und der Aegyptischen Flotte zu verhindern. Soll⸗ ten die beiden Parteien vor der Ankunft der Britischen und der Franzoͤsischen Flotte handgemein geworden seyn, so soll der stegreiche Theil aufgefordert werden, nicht weiter vorzuschreiten, bis die Europaͤischen Maͤchte eine Uebereinkunft zwischen ihnen zu Stande gebracht haben. Aehnliche Justructionen sind, dem Vernehmen nach, von dem Fuͤrsten Metternich der Oesterreichi⸗ schen Escadre zugefertigt worden. Sollten die beiden Flotten
er Russischen begegnen, so sollen sie dem Russischen Ad⸗ miral ihre Instructionen mittheilen und ihn auffordern, sich an sie anzuschließen. Wenn der Letztere dies ohne Ueberschreitung der von seiner Regierung erhaltenen Be⸗ fehle nicht thun kann, so sollen der Britische und der Franzoͤ⸗
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— die
sind, außer dem noch immer bedenklichen Zustande von
ergeben; umgekehrt 1b 1 gung ausgefallen, denn diese betrug 13,902,000
die Entlassung desselben gefordert habe. Dem Herzog von Wellington wird die Vermittelung in dieser Sache sagt man, um zwischen der Koͤnigin und der Herzogin wieder ein innigeres Einverstaͤndniß herzustellen,
Courier enthaͤlt heute Abend folgende dem Ausbruche der Insurrection beliefen
jahr betrifft,
810 sische Admiral die ihnen ertheilten Befehle mit oder ohne seine Zustimmung zur Ausfuͤhrung bringen.“
Das ÜUnterhaus versammelte sich heute außerordentlicher Weise, um die Bill uͤber die Arbeit der Kinder in den Fabri⸗ ken weiter zu foͤrdern; es wurden mehrere Klauseln derselben angenommen, die Eroͤrterung uͤber die Klauseln 22 und 23 aber auf den Antrag Sir J. Graham's noch ausgesetzt. Sodann wurden noch einige andere Bills ein Stadium weiter befoͤrdert, worauf das Haus sich um vier Uhr vertagte.
Unter den fuͤr diese Session noch angezeigten Motionen befindet sich eine von Sir William Molesworth, daß unverzuͤg⸗ lich legislative Maßnahmen getroffen werden muͤßten, um die Regierung von Ober⸗ und Nieder⸗Kanada definitiv zu ordnen, und eine andere von Herrn Baines, auf Vorlegung des im Jahre 1833 zwischen den Deutschen Zollvereins⸗Staaten abgeschlossenen Vertrages, so wie der zwischen der Preußischen und Britischen Regierung gefuͤhrten Korrespondenz in Betreff der im Juli in Berlin zu haltenden Versammlung der Mitglieder des Zoll⸗ Vereins.
Es wird nun bereits von der Times angezeigt, daß Lord Eliot und auch Herr Baring Wall, welche Beide, obgleich zur
konservativen Partei gehoͤrig, kuͤrzlich mit den Ministern gestimmt
haben, dem Beispiel des Herrn Gibson folgen und auf ihre Parlamentssitze verzichten wollten.
Die Times wuͤnscht der Nation Gluͤck zu der gestrigen Abstimmung uͤber den ministeriellen Unterrichtsplan im Ober⸗ hause, denn daß die Antwort der Koͤnigin auf die ihr von den Lords in corpore zu uͤberreichende Adresse beistimmend ausfallen muͤsse, dies glaubt das genannte Blatt nicht einen Augenblick
bezweifeln zu duͤrfen. 1 Aussicht zu haben, seine Bill
Herr Talfourd scheint wenig zur Verlaͤngerung der Dauer des schriftstellerischen Eigenthums
in dieser Session durchzubringen; er hat gestern selbst wieder einen neuen Aufschub derselben bis zum Montag beantragen muͤssen und zugleich erklaͤrt, daß er zwar seine Bemuͤhungen zu Gunsten der Schriftsteller nicht aufgeben, aber doch, wenn er fuͤr jetzt zu heftige Opposition faͤnde, die Bill bis zur naͤchsten Session zuruͤcklegen wuͤrde. Herr Warburton, einer der Haupt⸗ gegner der Maßregel, will sich derselben auf jedem Stadium widersetzen, wobei er auf Lord J. Russell's Unterstuͤtzung rechnet.
Folgendes ist der wesentliche Inhalt der Auseinandersetzung des Kanzlers der Schatzlammer uͤber die Finanz⸗Angelegenhei⸗ ten des Landes:
„Das Budget für das nächste Finanz⸗Jahr bietet keine sehr vor⸗ theilhafte Aussichten dar, denn die Veranschlagungen haben gegen das vorige bedeutend erhöht werden müssen. Die Ursachen davon
Kanada, die
vermehrten Unkosten, welche die von vielen Seiten verlangte Ver⸗ stärkung der Marine, die Durchführung des neuen Armengesetzes (70,000 Pfd.), die neu eingerichtete allgemeine Registrirung der Ge⸗ burten, Sterbefälle und Trauungen (20,000 Pfd.), die neue Zehnt⸗ Ablösungs⸗Bill (32,000 Pfd.), der Beitrag zu der beabsichtigten Ver⸗ bindung mit Ostindien durch Dampfschlffe (50,000 Pfd.), endlich die theilweise Beförderung der Briefe auf den Eisenbahnen, dem Lande aufgebürdet haben. Der bedeutendster Mehr⸗Betrag in den Veranschla⸗ gungen trifft indeß die Land⸗ und Seemacht und das Artillerie⸗De⸗ partement und beträgt für diese drei Zweige zusammen 812,000 Pfd. Bevor ich indeß auf die spezielleren Angaben eingehe, muß ich das Re⸗ sultat darlegen, welches das letzte Finanz⸗Jahr ergeben hat, besonders in so weit der wirkliche Betrag der Einnahme und Ausgabe von den Veranschlagungen verschieden gewesen ist. Von den Zöllen war die Einnahme auf 20,795,000 Pfd. veranschlagt, hat aber 21,210,000 Pfd. ist dagegen die Accise geringer als die Veranschla⸗ Psd., die Einnahme von jener aber nur 13,729,000 Pfd. Einen Ueberschuß von 43,000 Pfd. hat die auf 7,000,000 Pfd. verauschlagte Stempelsteuer ergeben, eben so die übrigen Steuern, die, auf 3,654,000 Pfd. berechnet, 3,700,000 Pfd. eingetragen haben, während die auf 1,683,000 Pfd. veranschlagte Einnabme von dem Post⸗Departement nur 1,674,000 Pfd. gebracht hat. Die Veranschlagungen im Ganzen waren, 47,271,000 Pfd., der Ertrag der Einnahmen 47,833,000 Pfd., also ein Ueberschuß dieser von ungefähr 600,000 Psd. Bei den Ausgaben ist das Resultat ein ganz entgegengesetztes gewesen, diese, weit eutfernt, in günstigem Ver⸗ hältnisse zu den Veranschlagungen zu stehen, haben dieselben bedeutend hinter sich zurückgelassen. Besonders ist dies bei den Ausgaben für das Landheer der Fall gewesen, welches 7,201,000 Pfund gekostet hat, während die Veranschlagungen nur 6,322,000 Pfd. ausmachten. Im Ganzen betrugen die Ausgaben 48,263,000 Psd. Die Veranschlagun⸗ gen 47,477,000, demnach der Mehrbetrag der ersteren jener 785,566 Pfd. Bei der vorjährigen Veranschlagung des Budgets hatte ich ein De⸗ fizit der Einnahmen im Verhältuiß zu den Ausgaben von 206,000 Pfd. als wahrscheinlich angenommen; durch das ungünstige Resultat in Betreff der Veranschlagungen der Ausgaben hat sich dieses Desiztt aber am 5. April d. J., dem Schlusse des Finanzjahres, auf 430,000 Pfd. gestellt. Ich wende mich nun zur Auseinandersetzung der Ursachen der über die Veranschlagungen hinaus vermehrten Ausgaben, muß jedoch zuvor noch einigen Ausweis über die einzelnen Einnahme⸗ Posten geben. Die Zölle, die einen Mehr⸗Ertrag geliefert haben, der, wenn auch nicht bedeutend, doch seit mehreren Jahren stets fortschreitend ist, lieferten diesen Mehr⸗ Ertrag, haupt⸗ sächlich von Wolle, Baumwolle, Holz, Weinen, außer Französischen, die mit einem Prohibitiv⸗Zolle belastet sind, Taback, Thee, Zucker, Oel, Gewürzen, und zwar in einzelnen Fällen zum Belaufe von 3 bis 7 pEt., in Baumwolle von 22, und in Wolle sogar von 31 pCt. Der Minder⸗Ertrag, der nicht sehr bedeutend ist, hat besonders in roher Seide (½ pCt.) und Talg (9 pCt.) stattgefunden. Die Aeccise hat einen bedeutenden Mehr⸗Ertrag geliefert. Der Minder⸗Ertrag eini⸗ ger Artikel ist vornehmlich durch die ungünstige Witterung verursacht worden; so ergiebt der Hopfen einen Minder⸗Ertrag von 15 pCt., das Malz von 5 pCt. Die Sorten von Glaswaaren, bei denen die Abgabe vor einigen Jahren reduzirt worden ist, haben einen Mehr⸗ Ertrag, die übrigen inen, wenn auch unbedentenden, Minder⸗Ertrag ergeben, nur bei Spiegelglas ist der Ausfall bedeutend gewesen, näm⸗ lich um 15 pCt. Das Post⸗Departement hat aus dem Grunde nicht so viel eingebracht, weil dasselbe alle Mittel und Wege zu benutzen sucht, dem Publikum die Vortheile möglichst befördernder und erleichternder Commu⸗ nicationen darzubieten. Was nundie vermehrten Ausgaben im vorigen und folgeweise die vergrößerten Veranschlagungen für das nächste Flnanz⸗ so sind dieselben, so weit zunächst die Ausgaben für die bewaffnete Macht in Betracht ra han Zucande, bs eree . ußerordentlichen Ausgaben für diese Kolonie sei zuzuschreiben. Die auß gär⸗ 1 Uess lgas be- 245,012 Pfd., von 1838 — 1839 auf 701,400 Pfd., also im Ganzen bis zum vn d. J. auf 947,000 Pfd., von diesen sind 594,000 Pfd. durch Supplementar⸗Kredite bereits bewilligt. Die Veranschlagung für das nächste Jahr nun, mit Einschluß der noch bleibenden Rück⸗ stände, beträgt 1,101,000 Pfd. Die Summe ist allerdings bedentend, aber ihre Ausgabe, so wie die der früheren Summen, Fechtieri gt sch zur Genüge durch die dringende Nothwendigkeit, in der sich 8r 5 gierung befand und noch befindet, die Kolonte gegen G“ blht 1 und Angrisfe von Außen zugleich zu schützen. Man hätte aller ing noch die Alternative, sie ganz aufzugeden; will man b 8 nicht, dann muß man auch, mit aller Kraft für ihx Sea . tung sorgen. Im Jahre 1835 standen in allen Britischen Ko onieen in Nord⸗Amerifa zusammen 4611 Mann, im Januar 1888 waren dort 5080, im April 74900 und im Januar 1839, ohne Einrechnung der Artillerte, 13,215 Mann regulairer Truppen. Dazu kommen nun noch von trregnlairen Truppen in Ober⸗Kanada 21,000 Mann seßhafter Miliz und 3675 Freiwillige, in Rieder⸗Kanada 8228 Milizen, also
im Ganzen über 33,000 Mann irregulatren Militairs. Der Trans⸗ port, die Bagage und Wassen dieser Truppen erklären die vermehr⸗ ten Ausgaben hinlänglich. Sie würden sich aber noch bedeutend ge⸗ steigert haben, wenn nicht Irland in so vollkommener Ruhe wäre, daß dort eine bedeutende Verminderung der Truppen möglich gemacht werden konnte. In Irland standen 1797 nicht weniger als 78,000 Mann und tosteien 2600,000 Pfd., im Jahre darauf, dem Jahre der Irländischen Rebellion, stieg die Truppenzahl auf 91,000, die Ausgabe auf 3,900,000 Pfd.; 1799 standen dort sogar 114,000 Mann, und die Kosten beliefen sich auf 4,170,000 Pfd. Im Jahre 1800 hatte sich die Truppenzahl auf 53,000 reduzirt, 1810 auf 35,000, im Jahre 1820 unf 20,090, am 1. Januar 1839 standen dort nur 16,347 und am 15. Juni d. J., nachdem Truppen zur Unter⸗ drückung der Chartisten⸗Unruhen abgeschickt worden waren, nur 10,000 Mann. Die sämmtlichen Etunahmen im nächsten Finauzjahr dürften die Ausgaben um 140,000 Pfd. übersteigen, eingerechnet die erhöhten Veranschlagungen für mehrere Zweige des Staats⸗Dienstes; aber die außerordentliche Ausgabe von 1,101,000 Pfd. für Kanada ist dabei nicht in Anschlag gebracht, und diese soll, da sie gewiß nicht zu einer permanenten Last werden wird, diesesmal durch Ausgabe von Schatz⸗ kammer⸗Scheinen aufgebracht werden. Das ungünstige Resultat des Finanzjahres ist wesentlich den Unruhen im Lande zuzuschreiben, welche besonders den letzten Theil desselben bezeichneten, die indeß ge⸗ genwärtig ihren Gipfel erreicht zu haben scheinen, und die natürlich unmittelbar eine Störung der industriellen Thätigkeit, des Quells aller Staats⸗Einnahmen, herbeiführten. Dessenungeachtet hat der Werth der Manufakturen im vorigen Jahre zugenommen, und mehr als in irgend einem Jahre vorher, das Jahr 1836 allein ausgenommen; es sind nämlich 1837 nur für 42,000,000 Pfd., dagegen 1838 für 50,000,000 Pfd. Manufaktur⸗Waaren fabrizirt worden. Aber wenn, was sich leicht ereignen kann, der Geldwerth steigt und zu gleicher Zeit, bei nicht besonders günstiger Aerndte, der Preis der Lebensmittel, so können die Finanzen des Landes noch bedeutenderen Verlusten ent⸗ gegenzusehen haben. Bei dieser Gelegenheit muß ich bemerken, daß ein Grund des geringeren Ausfalls der Einnahme im vorigen Jahre in der Verminderung der Zoll⸗Revenüen zu suchen ist, welche das verkehrte Prinzip der jetzt bestehenden Korngesetze veranlaßte, denn im Jahre 1837 betrug der von fremdem Getraide erlegte Zoll 306,8960 Pfd. im vorigen Finanz⸗Jahre dagegen, wo vom August 1838 bis zum April 1839 in England 2,591,000 Quarter zum Werthe von etwa 7,126,000 Pfd. eingeführt wurden, nur 146,000 Pfd.; ein Resultat, das nicht so ungünstig ausgefallen wäre, wenn man einen mäßigen, festen Zoll gehabt hätte. Was den zu be⸗ sorgenden erhöhten Werth des Geldes betrifft, so wird derselbe gewiß eintreten, wenn, wie jetzt, die Bank von Englaud sich ferner in glei⸗ chem Maße genöthigt sieht, ihre Noten einzulösen. Ein anderes Be⸗ sorgniß erregendes Ereigniß, der Sturz der Sparkassen, den die Char⸗ tisten⸗Häupter durch den Rath herbeizuführen suchten, daß man all⸗ gemein das Geld aus denselben herausnehmen solle, ist jedoch fast überall an dem gesunden Sinne des Volkes gescheitert, und der Zu⸗ stand der Sparkassen habe sich vielmehr bedeutend gebessert. Im Jahre 1837 haben nämlich die Einlagen 998,000 Pfd., die Auszahlungen 810,000 Pfd. betragen; 1838 dagegen jene 1,495,000 Pfd. und diese nur 468,000 Pfd. Die Zahl der Deponenten hat überdies in dem letzten Jahre uvm 67,676 zugenommen. Was nun den Plan wegen Einführung eines Penny⸗Porto anbelangt, der im Wesentlichen auf die Vorschläge des Herrn Rowland Hill begründet ist, so bean⸗ trage ich zunächst folgende Resolution, auf die ich dann eine Bill begründen und demnächst einbringen werde: „„Beschlossen, daß es zweckmäßig ist, das Brief⸗Porto auf den Satz von einem Penny zu ermäßigen, der von einem jeden Briefe ohne Aus⸗ nahme, bis zu einem bestimmten durch das Gesetz festzustellenden Ge⸗ wichte, genommen werden soll, unter Aufhebung des den Parlaments⸗ Mitgliedern zustehenden Frankirungs⸗Rechtes und unter strenger Re⸗ gulirung alles Frankirens von Amtswegen; beschlossen zugleich, daß das Haus sich verpflichtet, jeden Ausfall in der Einnahme zu decken, der durch diese Veränderung der jetzt bestehenden Porto⸗Sätze sich ergeben möchte.““ Gegen den Einwand, daß diese Resolution bei dem gegenwärtigen von mir selbst als ungünstig geschilderten Zustande der Finanzen nicht zeitgemäß sey, habe ich zu erwiedern, daß ich das Expperiment nicht auf Kosten des gegenwärtigen Finanz⸗Standes zu machen gedenke, sondern daß ich mir ausdrücklich vom Parlamente das Versprechen zur Deckung des etwaigen Ausfalls geben zu lassen gedenke. Schon im vorigen Jahre wurde eine Kommission niedergesetzt, um über das Porto ein Gutachten abzugeben. Diese Kommission brachte ein „Porto von zwei Pence in Vor⸗ schlag, worauf aber ministeriellerseits nicht eingegangen wurde, weil man die Ansicht hegte, daß bei einer so umfassenden Maßregel ein mezzo termine unpassend seyn würde, man vielmehr den Versuch in möglichst großer Ausdehnung ans Licht treten lassen müsse, weil sich nur dadurch ein sicheres Urtheil über die Zweckmäßig⸗ keit und Unzweckmäßigkeit der Maßregel hoffen lasse. Wie diese Maßregel im Detail zur Ausführung gebracht werden soll, dies näher auseinanderzusetzen behalte ich mir bis zu der von mir einzubringenden Bill vor; vorläufig soll nichts weiter festgestellt werden, als das Penny⸗ Porto und die Erhebung desselben nach dem Gewicht, statt wie bisher nach einfachen oder mehrfachen Bogen. In der von mir einzubrin⸗ genden Bill werde ich dann unter Anderem den Vorschlag machen, das Porto durch gestempelte Couverte zu erheben. Was den wahr⸗ scheinlichen Ausfall in der Post⸗Einnahme betrifft, so läßt sich nichts vorhersagen, nur das scheint unzweifelhaft, daß derselbe sehr Herr Hill hat denselben in seiner Aussage 400,000 Pfd. angeschlagen, und mau darf ihn nicht zu hoch berechnet hat, da ja die Maßregel von ihm selbst in Anregung gebracht ist. Was endlich die Verpflichtung, das Defizit zu decken, betrifft, welche ich von dem Hause übernommen zu sehen wünsche, so hat man mir eingewandt, daß ich keine Garantie für die Erfüllung derselben hätte; auf diese Ein⸗ wendung kann ich mich aber dem ehrenwerthen Charakter des Hau⸗ ses gegenüber unmöglich einlassen. Aus demselben Grunde will ich auch kein Wort über den Vorschlag verlieren, daß die Mitglieder des Parlaments ihr Frankirungs⸗Recht aufgeben möchten.“
Aus den Debatten, welche diesem Vortrage des der Schatzkammer folgten, ist noch Einiges hervorzuheben. Herr Hume meinte, das durch die Herabsetzung des Brief⸗Porto's verursachte Defizit wuͤrde hoͤchstens im ersten Jahre eintreten, spaͤter werde ein Ueberschuß gewiß seyn. er besonders die vermehrte Ausgab
zu tadeln, die jetzt schon einen Betrag V ausmachen. Unter den folgenden Rednern trat als erklaͤrter Gegner des Porto⸗Planes, jedoch nur fuͤr seine Person, Sir Robert Peel auf. Er hielt die Maßregel bei dem jetzigen Zu⸗ stande der Finanzen und bei der drohenden Lage der Kolonial⸗ und der auswaͤrtigen Angelegenheiten fuͤr nicht zeitgemaͤß und auch fuͤr nicht wohlbegruͤndet, sondern auf leere ypothesen ge⸗ baut. Die uͤbrigen Redner, die sich noch vernehmen ließen, unter Anderen O'Connell und der Alderman Thompson, erklaͤr⸗ ten sich alle fuͤr der üheechtobt Briefwechsel manentes Opfer von Seiten des erkauft seyn.
Aus Birmingham wird von heute fruͤh um 8 Uhr uͤber den dortigen Zustand noch Folgendes gemeldet: „Der Befehl, daß sich nach 8 ½ Uhr Niemand mehr auf der Straße sehen lassen solle, ist gestern streng ausgefuͤhrt worden. Die Straßen
bedeutend seyn wird. 8 vor der Kommission auf wohl annehmen, daß er
Schatzkammerscheinen
wuͤrde selbst durch ein per⸗ Staates nicht zu theuer
im Mittelpunkt der Stadt, welche dicht gedraͤngt voll Menschen
waren, wurden schnell gesaͤubert und Keinem, unter welchem
Vorwand es auch seyn mochte, der Seitenstraßen stieß das Volk Schimpfworte gegen das Militair aus, wurde aber schnell vertrieben, wobei Mehrere verhaftet und vor den Magistrat gebracht wurden, der sich versammelt
An dem Budget hatte von 25,000,000 Pfund
das Penny⸗Porto; der Erstere meinte,
zu bleiben gestattet; in den
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lichen Zustande. es besser.
atte. Einer der Verhafteten hatte einen sechs Zoll langen verte bei sich. Die Soldaten sind in ihre Kasernen Sgace kehrt und die Stadt befindet sich jetzt wieder in ihrem gewoͤhn⸗ Mit den verwundeten Polizei⸗Beamten geht Gestern fruͤh wurde folgende Bekanntmachung an⸗ geschlagen: „„100 Pfund Sterling Belohnung. Gestern Abend sind zwei Polizei⸗Beamte von einem oder mehreren Unbekann⸗ ten meuchelmoͤrderisch angefallen worden, und da ihr Leben in Gefahr ist, so wird hiermit einem Jeden, der solche Auskunft uͤber diesen Vorfall giebt, daß der oder die Thaͤter ergriffen und uͤberfuͤhrt werden koͤnnen, von den Behoͤrden eine Belohnung von 100 Pfd. zugesichert.““ Richardson, ein Abgeordneter der Chartisten, und Guest, ein Buchdrucker, haben sich erboten, fuͤr den verhafteten Doktor Taylor, einen der Chartisten⸗Anfuͤhrer, Buͤrgschaft zu leisten; ihr Anerbieten ist jedoch nicht angenom⸗ men worden.“
Das Linienschiff „Powerful“, welches Capitain Napier kommandirt, hat Befehl erhalten, sich unverzuͤglich nach dem Mittellaͤndischen Meere zu begeben.
Die Ostindische Compagnie hat vorgestern den Beschluß ge⸗ faßt, beide Parlamentshaͤllser um Ernennung eines Ausschusses zur Untersuchung der Handels⸗Verhaͤltnisse zwischen Großbri⸗ tanien und Indien zu bitten, damit ermittelt werde, ob sich nicht die auf Britisch-Ostindische Produkte und Waaren in
England bestehenden Einfuhrzoͤlle mit Vortheil fuͤr das Gemein⸗
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es voͤllig Nacht, und man kann annehmen,
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wesen reduziren ließen.
Der heutige Morning Herald meldet: „Den uͤber Land aus Indien eingegangenen Nachrichten zufolge, ist Sir Willong⸗ kley Cotton's Division, nach einem unbedeutenden Gefecht mit der Afghanischen Kavallerie, zu Kandahar angekommen. Dies ist die einzige bestimmte Nachricht, auf die man sich verlassen kann, obgleich zahlreiche Geruͤchte im Umlauf sind. Privatbriefe haben auch den Tod Rundschit Singh's gemeldet, die Regie⸗ rungs⸗Depeschen enthalten jedoch nichts davon.“
Capitain Symonds, Befehlshaber des Schiffes „Rover“,
soll, der Morning Chronicle zufolge, auf der zu Guatimala gehoͤrigen Insel Ruaton die Britische Flagge aufgepflanzt und dieselbe im Namen Ihrer Majestaͤt in Besitz genommen haben.
Welgien.
Bruͤssel, 6. Juni. Der Koͤnig hat, nach einem Besuche in Antwerpen, der Inauguration des Kanals von Herenthals beigewohnt; dieser Kanal soll, nach den Eisenbahnen, das groͤßte
seit der Revolution ausgefuͤhrte Werk seyn.
Man liest in der Emancipation: Privatbriefe aus Luxemburg berichten, daß der dortige Gouverneur, Herr Hassen⸗ pflug, befohlen hat, daß dort alle Verwaltungs⸗Geschaͤfte kuͤnf⸗ tig Deutsch verhandelt und geschrieben werden sollen, statt wie bisher Franzoͤsisch. Wer Herrn von Hassenpflug besucht und Franzoͤsisch mit ihm spricht, dem antwortet er Deutsch.
Um zu beweisen, wie nothwendig es sey, daß der Unter⸗ richt der Geistlichkeit anvertraut werde, bemerkt der Courrier de la Meuse: „Wir koͤnnen uns fuͤr die Massen, wie fuͤr die Individuen keinen Uuterricht ohne Erziehung, keine Erziehung ohne Moral und keine Moral ohne Religion denken.“ „Eben
so gut“, antwortet darauf das Journal de Lisge, „koͤnnte
ein Arzt sagen: Wir koͤnnen uns fuͤr die Massen, wie fuͤr die
Individuen keinen Unterricht ohne physische Erziehung, keine physische Erziehung ohne Gesundheits⸗Lehre, keine Gesundheits⸗ Lehre ohne Arzneikunde denken.“
SIIAIIECllaanb.
— Dresden, 10. Juli. Ihre Koͤnigl. Hohei Kronprinz und die Kronprinzessin 90aeeche 180 1ö 8 gen Abend aus Potsdam hier eingetroffen und im Koͤniglichen Schlosse zu Pillnitz abgestiegen, wo in diesem Augenblicke Se. Majestaͤt und die Koͤnigliche Familie die Sommer⸗Residenz haben. Der Koͤnig, welcher in Folge einer Erkaͤltung etwas leidend war, ist jetzt wieder gaͤnzlich hergestellt. Am naͤchsten Sonnabend erwartet man hier auch Ihre Majestaͤt die ver⸗ wittwete Koͤnigin von Bayern, die sich hier von dreien Ihrer erlauchten Toͤchter, naͤmlich unserer Koͤnigin, der Kronprinzessin
von Preußen und der Prinzessin Johann von Sachsen, um⸗
geben sehen wird. Ob auch Ihre Kaiserl. Hoheit die Erzher⸗ zogin Sophie von Oesterreich herkommen wird, scheint noch ungewiß, dagegen wird spaͤter Ihre Majestaͤt die Kaiserin⸗ Mutter von Oesterreich hier erwartet.
Unserem Publikum ist durch die Dampfschifffahrts⸗Gesell⸗ schaft Gelegenheit gegeben, waͤhrend der Zeit des Aufenthaltes der hohen Herrschaften in Pillnitz das Schloß und dessen rei⸗ zende Park⸗Anlagen zweimal taͤglich zu besuchen. Da hier auch noch die alte Sitte beibehalten ist, das Publikum in die Raͤume
des Speisesaales zuzulassen, waͤhrend sich der Hof bei Tafel be⸗
findet, so werden die Fahrten mit dem kleinen Dampsschiffe „Prinz Albert“ fleißig benutzt. Neben diesem Dampfboote er⸗ haͤlt auch noch ein anderes eine taͤgliche Verbindung zwischen Dresden und den interessantesten Punkten der Saͤchsischen
Schweiz, so wie mit Tetschen im benachbarten Boͤhmen.
Das bestaͤndige Ein- und Auswandern von Reisenden hat
hier uͤbrigens seit kurzem noch bedeutend zugenommen, und
zwar, wie sich leicht denken laͤßt, durch die Leipzig⸗Dresde Eisenbahn. Diese speit, moͤchte man sagen, jisen taͤglich 68 nen ganzen Lava⸗Strom von Fremden aus, die zum Theil ei⸗ nen Umweg uͤber Leipzig nicht scheuen, um die in der That sehr interessante Fahrt kennen zu lernen. Erst durch eine Reise auf der Eisenbahn kann man einen Begriff von den Schwie⸗ rigkeiten erhalten, die hier zu uͤberwinden waren. Durchstiche und Ueberbruͤckungen, wie sie auf der Berlin⸗Potsdamer Bahn bei Schoͤneberg wahrzunehmen sind, kommen hier unzaͤhlige vor und zwar mit dem Unterschiede, daß sie hier viel hoͤher sind und zum Theil durch Granit⸗- und Sandstein hindurchzuzufuͤh⸗ ren waren, waͤhrend dort nur Sand⸗ oder hoͤchstens Lehmboden zu uͤberwinden blieb. Die beiden langen Bruͤcken uͤber die Elbe bei Riesa und uͤber die Mulde bei Wurzen sind architek⸗ tonische Kunstwerke zu nennen; besonders aber erscheint die er⸗ stere so zierlich und mit ihrem eisernen Gelaͤnder so elegant daß man sie eher fuͤr den Schmuck einer Hauptstadt, als fuͤr das Verbindungsglied einer Landstraße halten koͤnnte Das Merkwuͤrdigste bleibt freilich immer der große durch den Felsen Pba Tunnel bei Oberau, der an das beruͤhmte Felsen⸗ Thor von Salzburg erinnert, aber mindestens dreimal so lan ist, als dieses. Nur die beiden Endpunkte des Tunnels werd 8 noch vom Tageslicht ein wenig erhellt, in der Mitte jedoch ist 1 da eilenden Lokomotive, doch wohl an zwei Mrunee m lchg beff 8 Auf den in der Naͤhe mehrerer Landstaͤdte angelegten Stations⸗Or⸗ ten ist ein bestaͤndiges Draͤngen und Treiben, so oft der W 8 genzug (in der Fruͤhe und Nachmittags) ankommt. Viele 8
nutzen die Bahn, die weder Leipzig noch Dresd - 8d 1— en be 2 sondern sich nur von einer Zwischen⸗Station zur 8 göeen⸗
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zen, Riesa, Oschatz ꝛc.) begeben. angebracht, daß sie gerade in der Mitte zwischen zwei kleinen Orten, Luppe und Dahlen, liegt. An einigen Haltepunkten ste⸗ hen auch Personenwagen, welche die Verbindung zwischen der Bahn und den etwas entfernter davon liegenden Orten, nament⸗ lich Meißen, Großenhayn ꝛc. erhalten. Auf diese Weise ist ein großer Complexus der Landes⸗Bevoͤlkerung in den Bereich der Bahn hineingezogen und diese wird, je laͤnger sie besteht, ein immer unentbehrlicheres Communicationsmittel, ja mit der Zeit sogar die Haupt⸗Arterie des Gewerbs⸗ und Handelslebens in diesen Gegenden werden. In Leipzig betrachtet man die Eisen⸗ bahn als das zweite große Moment, welches dieser Stadt in der neuesten Zeit einen so bedeutenden Impuls zur rei⸗ cheren Bluͤthe gegeben hat. Als das erste Moment wird natuͤrlich der Deutsche Zoll⸗-Verein angesehen, der, wie miß⸗ trauisch auch der Beitritt Sachsens dort betrachtet wurde, jetzt von allen Leipzigern als die erfolg⸗ und segenreichste Maß⸗ regel gepriesen wird, die das Deutsche Gesammtvaterland seit dem Friedens⸗Abschlusse zur Vollziehung kommen sah. Wer Leipzig seit dem Abschlusse des Zoll⸗Verbandes nicht gesehen, wird es jetzt auch kaum wiedererkennen, so sehr haben einzelne Stadttheile, besonders der in der Naͤhe des neuen Universitaͤts⸗ und des neuen Postgebaͤudes, sich veraͤndert. Kaum wuͤßten wir auch, außer Berlin, noch eine andere Deutsche Stadt, in welcher verhaͤltnißmaͤßig so viele Baulust jetzt herrschte, wie in Leipzig; indessen scheint Dresden dem Beispiele solgen zu wol⸗ len und auch hier erhebt sich in der Naͤhe der alten Wall⸗Pro⸗ menaden ein neues Gebaͤude neben dem andern. Besonders zeichnet sich darunter das eben entstehende Schauspielhaus aus, das, nach den fertigen Umrissen zu schließen, eine neue Zierde des großartigen Punktes an der Elbbruͤcke und Bruͤhlschen Ter⸗ rasse werden wird. Von der Elbbruͤcke aus machte sich auch ’ die prachtvolle Illumination, die am vorigen Sonnabend zur Feier des Reformations⸗Jubelfestes stattfand, am glaͤnzendsten. Die Kuppel-Beleuchtung der Frauenkirche, die zwischen 3 — 4000 Rthlr. gekostet haben soll, wetteiferte mit der von St. Peter in Rom und strahlte in den Fluthen der Elbe wieder, die auch das Licht der zahlreichen, an den malerischen hohen Ufern gelegenen Etablissements reflektirte. Der Strom von Fremden zu diesem Feste, namentlich der auf der Eisenbahn An⸗ gekommenen, war so groß, daß in ganz Dresden kein Unter⸗ kommen mehr zu finden war.
Füͤr die Dauer der Anwesenheit der fremden hohen Herrschaften ist die beruͤhmte Saͤngerin, Demoiselle Ungher, zuletzt in Nea⸗ pel und Wien angestellt, auf 15 Gast-Darstellungen hier enga⸗ girt, deren jede ihr, neben freier Wohnung und Equipage, mit 30 Frd or honorirt wird. Sie tritt morgen zum erstenmale in Bellini's „Montecchi“ auf; Plaͤtze sind fuͤr die ersten Vor⸗ stellungen nicht mehr zu haben.
Karlsruhe, 8. Juli. (K. Z.) In der 36sten Sitzung der 2ten Kammer brachte der Praͤsident folgende in den juͤngst stattgefundenen geheimen Sitzungen gefaßten Beschluͤsse zur Kenntniß: 1) Die Dauer des Zollvereins⸗Vertrags vom 12. Mai 1835 wird vom 1. Januar 1842 an auf weitere 12 Jahre erstreckt; im Jahre 1851 wird die Regierung wegen der Fort⸗ dauer oder Aufhebung des Vertrags den Staͤnden Vorlage machen; kommt eine Vereinbarung nicht zu Stande, so wird der Vertrag aufgekuͤndigt. 2) Den in dem zwischen den Zoll⸗ vereins⸗Staaten und dem Koͤnigreich der Niederlande unterm 21. Januar d. J. abgeschlossenen Handels⸗Vertrage enthaltenen Abaͤnderungen des Zoll⸗Tarifs die nachtraͤgliche Genehmigung zu erheilen. 3) Den vorgelegten Verabredungen der Zollver⸗
eins⸗Regierungen wegen vollstaͤndiger Einfuͤhrung des Zoll wichts die Zustimmung zu erheilen. — fuͤh êe Zollge⸗ HPesterreich.
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Triest, 5. Juli. (Oesterr. Lloyd.) Capitain Marassi
ah zu Syra den Capitain Zencovich vom „Lodovico Arciduca Austria“, der ihm erzählte, in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni habe er auf der Hoͤhe von Caraburnu von Capitain Jacuzzi, auf dem Schiffe „Graf Kolowrat“, das mit 280 Pas⸗ sagieren von Alexandrien zuruͤckkehrte, vernommen: daß das
Aegyptische Geschwader, aus 10 Linienschiffen, 5 Fregatten und 10 kleineren Fahrzeugen bestehend, zwischen Rhodus und Alexan⸗
drien kreuzte, und daß die Ottomanische Flotte, 35
darunter 10 Linienschiffe und 10 sich 1 1 am Ausgange der Dardanellen befand. Capitain Zencovich fuͤgte hinzu, der Franzoͤsische Gesandte habe der Pforte foͤrmlich erklaͤrt, daß, wenn das Tuͤrkische Geschwader das Auslaufen aus den Dardanellen versuchte, die Fran⸗ zoͤsische Flotte sich mit Gewalt widersetzen werde, und daß in dieser Hinsicht der Admiral die gemessensten Instructio⸗ nen habe. Am folgenden Tage nach Mittheilung dieser Note ertheilte der Franzoͤsische Gesandte allen in Konstantinopel wohn⸗ haften Franzoͤsischen Unterthanen den Rath, sich zu ihrer Ab⸗ reise bereit zu halten, falls die Umstaͤnde es erheischen soll— ten. — Nach den ersten kleinen Scharmuͤtzeln in Syrien war es zu einem etwas ernstlicheren Gefecht zwischen zwei Kavalle⸗ rie⸗Corps der Avant⸗Garden gekommen, in welchem die, ob⸗ gleich an Zahl uͤberlegenen Aegypter von den Tuͤrken geworfen wurden. In einem spaͤteren Zusammenstoß zwischen zwei starken Corps wurden die Aegypter gaͤnzlich geschlagen. Die Armee⸗Estafette, die diese Nachricht nach Konstan⸗ tinopel uͤberbrachte, versichert, das besagte Aegyptische Corps sey von Soliman⸗Bey persoͤnlich befehligt gewesen, und dieser Sieg habe dem Osmanischen Heere die Thore Antiochiens geoͤffnet, wo es von der ganzen Bevoͤlkerung mit Enthusiasmus empfan⸗ gen worden. Nun fuͤrchtet man, diese ersten Waffen⸗Vortheile moͤchten auf den Sultan und seinen Divan, der ohnehin ganz fuͤr den Krieg gestimmt ist, einen so ermuthigenden Eindruck machen, daß dadurch alle Bemuͤhungen der Europaͤischen Diplo⸗ M8n eine groͤßere Kollision zu verhuͤten, vereitelt werden
en.
— — Maitland, 30. Juni. Die Aussichte 1 reichliche Seiden⸗Aerndte in Italien und gasgchenn 8 8. Ermaͤßigung der schon seit einigen Jahren bestehenden hohen Preise, sind nicht in Erfuͤllung gegangen. Die uͤbermaͤßige Hitze, welche in den Tagen vom 19. bis 23. Juni stattgefun⸗ den, ist fuͤr die Seidenraupen von solchem Nachtheil gewesen, daß ein großer Theil derselben umgekommen ist, und die schon zum Einspinnen gegangenen Wuͤrmer ihren Bau unvollendet gelassen haben. Statt, wie man gehofft hatte, die Sammlung werde die vorjaͤhrige Aerndte um die Haͤlfte uͤbersteigen, ist solche um ein Viertel und ein Drittel geringer als dieselbe aus⸗ gefallen. Die Folge davon war ein schnelles Steigen der Ko⸗ kon⸗Preise, was die Preise der rohen Seiden sofort auch ge⸗
steigert und gerechte Besorgnisse fuͤr einen ferneren Aufschlag
8
Eine dieser Stationen ist so erweckt hat; da uͤberall keine Vorraͤthe veenden sind und die
Franzoͤsischen, Schweizer und Deutschen Fa
rik zeraft Lebhaftigkeit arbeiten. iken mit ziemlicher
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Konstantinopel, 26. Juni. (Oesterr. B.) Die Ho nungen, welche man hinsichtlich des Befindens des Sultans hegen zu duͤrfen glaubte, sind leider durch den Erfolg bisher nicht gerechtfer tigt worden. Die Krankheits⸗Symptome blieben ungeachtet de angewandten Mittel stets dieselben und erregen daher sortwaͤh rend die lebhaftesten Besorgnisse. Dennoch ließ sich der Sul tan nicht abhalten, am verflossenen Freitage die nahe bei Tscham lidscha gelegene Moschee von Scutari, Selimie genannt, zu be suchen, wohin er sich zu Wagen begab. Die damit verbundene soll auf den hohen Kranken nachtheilig gewirkt
dieser Hauptstadt die neu eingefuͤhrte, zur Deckung der Quaran⸗ taine⸗Auslagen bestimmte Haussteuer nachzulassen. hat Se. Hoheit befohlen, daß saͤmmtliche wegen Schulden ver⸗ haftete Individuen in Freiheit gesetzt werden sollen. Auch diese
damit Gott das in Gefahr schwebende Leben des Monarchen erhalten moͤge.
Am 2lsten d. M. ist der nach dem Lager Hafiz Pascha's bestimmte Muͤsteschar Fark Efendi auf n Ser Dampfboote nach dem Schwarzen Meere abgegangen.
Die Tuͤrkische Flotte befand sich nach den neuesten Berich ten noch immer in der Meerenge der Dardanellen.
Der oͤffentliche Gesundheits⸗Zustand ist befriedigend. We⸗ gen der in Smyrna stattgefundenen Pestfaͤlle sind die Prove nienzen aus jener Gegend einer vierzehntaͤgigen Quarantaine S worden.
as Journal de Smyrne enthaͤlt einen Artikel uͤber
die Orientalischen Verhaͤltnisse, nsrcenebsc nachweist, wie der Bruch zwischen der Pforte und Mehmed Ali nicht laͤnger zu verhindern gewesen, und dann untersucht, welche der beiden
Parteien vom Krieg am wenigsten zu fuͤrchten habe. „Ver gebens“, heißt es darin, „suchte die Europaͤische Diplomatie einen Zustand aufrecht zu erhalten, der eben so verderblich füͤ den Orient selbst war, als laͤstig und ermuͤdend fuͤr die bei de Orientalischen Frage betheiligten Maͤchte, welche bestaͤndig zu See geruͤstet seyn mußten, um jedem Ereigniß begegnen zu koͤnnen. Die Gewalt der Verhaͤltnisse war maͤchtiger, als die Berechnungen der Klugheit, und trotz der Vermittelungs⸗Ver⸗ suche, die in den letzten Monaten gemacht worden, kommt di Kollision, die wir von Tag zu Tag drohender werden sahen in diesem Augenblick zum Ausbruch.“ Nachdem es sodann um die Huͤlfsquellen des Sultans mit denen des Aegyptische Pascha zu vergleichen, gezeigt hat, wie Aegypten das letzte Gel und die letzten Soldaten hergegeben habe, und keiner weiter Opfer mehr faͤhig sey, wie der Pascha im Fall einer Niederlag in Syrien huͤlflos dastehe, da ein Theil seiner Unterthanen eben erst in einem Aufstand begriffen gewesen, der mit Muͤhe unterdruͤckt worden, und der andere Theil (die Fellah's) sich im Zustand der tiefsten Erniedrigung und Demoralisation be⸗
finde, wie uͤberhaupt von Sympathieen zwischen dem Pascha und seinem Volk, und einer durch jenen gewissermaßen “ Na⸗ tionalitaͤt gar nicht die Rede seyn koͤnne, faͤhrt es fort: „Gewiß, eine Schlacht kann die Geschicke der Tuͤrkei nicht entscheiden und die Zeit ist eine maͤchtige Waffe in den Haͤnden des Sultans. So sehr sich auch das Reich von seinen letzten Schlaͤgen erholt hat und ein frisches Leben in seinen Adern pulsirt, so sehr auch der Geist der Bevoͤlkerungen und die Organisation der Osmanischen Ar⸗ mee es raͤthlich machen, daß ein entscheidender Schlag geschehe, so waͤren wir doch nicht abgeneigt, zur Geduld und Vorsicht zu rathen. Aegypten ist erschoͤpft, die Tuͤrkei hat noch unbe⸗ ruͤhrte Huͤlfsquellen. Diese Huͤlfsquellen bestehen in der An⸗ haͤnglichkeit des Volks an den Sultan, in ihren Finanzen, in dem unter allen Klassen gleich sehr gefuͤhlten Beduͤrfniß, kein Opfer zu scheuen, um die Integritaͤt des Reichs zu erhalten ferner in einer zahlreichen Reserve⸗Armee, die in ver⸗ sammelt ist, in der Organisation des redifk oder der National Miliz, die im Nothfalle dem Feinde kompakte und gut diszipli nirte Massen entgegenstellen koͤnnte, und, was das außerst Mittel waͤre, ein Mittel, das dem Pascha ganz fehlt, in eine Anleihe, zu der sich alle Plaͤtze in Europa auf der Stelle berei finden wuͤrden. So ist es also klar, daß in den Wechseln des Krieges ein erster, ein zweiter Unfall, der die Pforte trifft, ihre Existenz nicht bedrohen kann, waͤhrend beim Pascha von Aegypte offenbar das Gegentheil der Fall ist. Der Letztere ha nirgends eine Stuͤtze, auf die er sich verlassen kann die Syrische Bevoͤlkerung, muͤde des Jochs, unter der sie schmachtet, wartet nur auf eine guͤnstige Gele genheit, es abzuschuͤtteln und sich im ganzen Lande gegen ih zu erheben. Noch hat man nicht vergessen, wie Ibrahim Pascha von den Bewohnern von Naplus belagert ward und welch schimpflichen Vertrag er in Folge dieser Belagerung eingeher mußte; der Aufstand von Hauran datirt erst von gestern; noch hat man nicht vergessen, wie viel Muͤhe es Mehmed Ali kostete, diese einzelnen Empoͤrungen zu unterdruͤcken, und nun stelle man ihn einer Osmanischen Armee gegenuͤber, die ihrem Fuͤhrer ver⸗ traut, fuͤr ihre Sache begeistert ist und sich auf ganz Syrien stuͤtzt, und berechne dann, welche Partei die meisten guͤnstigen Chancen fuͤr sich hat. Wir sind weit entfernt, den Krieg zu wuͤnschen, glauben aber, daß er fuͤr den Sultan mit allen Chan⸗ cen, die er fuͤr sich hat, immer noch besser ist, als die Lage der
Dinge, die Mehmed Ali herbeigefuͤhrt hat.
Berichtigung: Im gestrigen Blatte der St. Ztg., S. 807, Sp. 1, Z. 46 lies: unfundirte Schuld, statt: „neufundirte.“
Dauer der Eisenbahn⸗Fahrten am 12. Juli.
Abgang Zeitdauer Abgang Zeitdauer
Berlin . . 41 Berlin *
Berlin 6 „ Berlin
(M.
45 46
um Uhr St. von um Uhr
von
Berlin Berlin
Potsdam Potsdam 8 ½ „ Potsdam Mitt. 45 Hes en 4 ½ Nm. otsdam 8 Abds. 11 Abds.] 1 Potsdam 9 ½ „
Die letzte Fahrt von Berlin und die erste von Potsdam mit Pferden
Der Sultan hat sich bewogen gefunden, den Einwohnern
Ueberdies
vereinigen nun ihre Gebete mit jenen der uͤbrigen Unterthanen,