1839 / 200 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

vierzehn Tagen in Paris ist, leugnet uͤbrigens,

’1 in der Jahren, mit Namen Cotereau. Er hatte 13 Sous in Tasche. „Als er vor der Kavallerie floh, fiel er und als im Aufstehen begriffen, faßte ihn der Maréchal⸗des⸗Logi

Dragoner, legte ihn uͤber sein Pferd und brachte ihn nach dem

Cotereau, welcher erst seit

Kammer. voß er die Fahne

Posten der Deputirten⸗

etragen habe.“ 8 3 ei

1 2„ Courrier de Lyon“ meldet ℳ½ 2 b 8 7

neue Nachsuchung in der Wohnung des es gefͤhrt haben soll.

2 2 1 den, welche zur Entdeckung .“ Feh, e ehende Feier der

Der Koͤnig hat in Bezug auf d. - Juli⸗Feste 8e Schreiben an die n 94 99,99 lassen: Die Jahresfeier des 27sten, 28sten und 29. naht . und bei dieser nationalen ee rste 1 n Buͤrgern, welche fuͤr die Vertheidigung geg ren ü Freihett starben. Wir glauben den Wunsch der Hültlon richtig zu deuten, wenn wir fuͤr die glorreichen Schlachtopfer die Feierlichkeiten, welche die Kirche den todten Christen zu Theil werden laͤßt, in Anspruch nehmen. Sie werden 1 allen Kirchen ihrer Dioͤzese feiern.“

Das Journal des Debats enthaͤlt eine Zusammenstel⸗

lung der Berichte uͤber den freudigen Empfang, der dem Her⸗

zog von Nemours bei seiner Anwesenheit in Pau und an an⸗ dere eil geworden ist. Im Phare de Ba⸗ deren Orten zu Theil g w 8 Sorgfalt des V Herzogs von Nemours fuͤr die Interessen der Armee und seine genauen Kenntnisse der Verwaltung zeigten sich auch wieder in seinen Aeußerungen bei der Aufstelluug einer Abtheilung der den Wunsch aus, daß die Zahl derjenigen Militair⸗Personen, die nach Ablauf ihres Urlaubs berechtigtseyen, in die Douanen einzutreten, durch ein Reglement der

vonne vom lten liest man serner noch:

Douanen in Biarritz. Er sprach

oͤffentlichen Verwaltung festgestellt werden moͤchte. Er sagte, daß diese Beguͤustigung namentlich den alten Unter⸗Offizieren und

den Soldaten, die sich in ihrem Corps am meisten ausgezeichnet

haͤtten, vorbehalten bleiben muͤsse; daß dies fuͤr die Armee ein

maͤchtiger Antrieb und fuͤr die Verwaltung ein eben so sicheres als ehrenvolles Rekvutirungsmittel seyn wuͤrde. „„&s geschieht dies allerdings schon zuweilen“ “‧, fuͤgte der Prinz hinzu, „„allein ich wuͤnschte, daß eine Ordonnanz die Rechte der Armee be⸗ stimmt festsetze und dadurch die beiden Zweige des oͤffentlichen Dienstes, die namentlich an der Graͤnze bereits mit einander in enger Verbindung stehen, zum Vortheil beider an einander

8 knuͤpfen.““ . Ein Journal meldet den Besuch, den die Abgesandten der inlaͤndischen Zucker⸗Fabrikanten dem Minister des Handels ab⸗

gestattet haben und legt diesem die Worte in den Mund: „die

Kolonieen muͤssen unterstuͤtzt werden, selbst auf die Gefahr hin, V daß einige inländische Fabriken zu Grunde gehen.“ Der „Mo⸗

niteur Parisien“ stellt diese Aeußerungen als erdichtet hin.

Das Ministerium soll beabsichtigen, der bedraͤngten Leine⸗ wand⸗Fabrication dadurch zu Huͤlfe zu kommen, daß es den Zoll fuͤr die vom Anslande eingehenden 1 erhoͤ Dagegen haben indeß nicht nur der Englische und Belgische

Gesandte lebhafte Reclamationen erhoben, sondern auch zu ver⸗

stehen gegeben, daß ihre Regierungen sich bewogen finden koͤnn; 1— die Zoͤlle fuͤr verschiedene Franzoͤsische Produkte zu erhoͤhen. 8

Die Handels⸗Kammer in Havre hat an die Deputirten⸗ Kammer eine Bittschrift gerichtet, worin sie den Wunsch aus⸗ spricht, daß das Gesetz uͤber die Verbesserung der Haͤfen noch in dieser Session votirt werden moͤge. 1 b

In Frantreich werden jahruich 210,620 Kilogramme edler Metalle in den Muͤnzen ausgeprägt, die einen Geldwerth von 48 Millionen Fr., und zwar 5 Millionen in Gold und 43 Millionen in Silber haben. Ein Drittheil dieser Summen wird allein in Paris geschlagen. G

Die Kirche zu St. Germain l'Auxerrois wird mit neuen Glasmalereien versehen. Die zwoͤlf Fenster, durch welche das Licht auf den Hochaltar faͤllt, stellen die 12 Apostel dar.

Die „Malouine“ hat von ihrer Entdeckungs⸗Reise an der Westkuͤste Afrika's den jungen Prinzen Ohino mitgebracht, welcher in Frankreich die Elemente der Schifffahrt und Schiffs⸗ baukunst erlernen soll.

Aus Perigueuyx wird gemeldet, daß das bekannte Wun⸗

derkind Vito Mangiameli aus Sicilien in dem dortigen Gym⸗

nasium oͤffentlich aufgetreten waͤre und auch hier, wie seit zwei Jahren uͤberall in Frankreich und England, alle Anwesenden durch die Leichtigkeit, mit welcher er die schwierigsten arithme⸗

tischen und algebraischen Aufgaben loͤste, in Erstaunen setzte.

Wie es heißt, wird er nach Beendigung seiner Reise seine Rechen⸗Methode bekannt machen, die, nach der Versicherung seines Lehrers, Comparato, hoͤchst einfach und allgemein ver⸗

ständlich ist.

Die neueste Revuedes deux mwondesgiebt eineebersicht der

in der Levante versammelten Schiffskraͤfte der verschiedenen Maͤchte, Koͤnigl. Kommissarius zum interimistischen Vorsitze im Magistrate

welcher zufolge das Tuͤrkische Geschwader 29 Segel, worunter 10 Linienschiffe, zaͤhlt, das Aegyptische 25 Segel mit 10 Linien⸗ schiffen, das Russische 24 Segel, worunter 18 Linienschiffe, das Franzoͤsische 19 Segel, worunter 8 Linienschiffe.

Eine vom Agenten der auswaͤrtigen Angelegenheiten in Marseille unter dem 13ten d. M. eingesendete telegraphische Depesche meldet außer anderen bekannten Thatsachen: „Am

28. Juni befand sich die Tuͤrkische Flotte noch in den Darda⸗

nellen. Der Admiral Lalande war mit dem „Jena“ zu Tene⸗ dos, der Rest des Geschwaders zu Kurla. Das Englische Ge⸗ schwader hatte, 13 Segel stark, am 2. Juli Malta verlassen und die Richtung nach der Syrischen Kuͤste eingeschlagen.“

Man schreibt aus Algier vom 29. v. M. „Unser Bi⸗ schof, Herr Dupuch, ist mit dem Paketboot „Kester“ von seiner Reise nach Oran und Arzew zuruͤckgekehrt. Derselbe hat an allen Orten, die er besuchte, die lebhaftesten Beweise der Hoch⸗

achtung und Verehrung von Seiten der Truppen, der Koloni⸗

ber, welche sehr

sten und selbst der Araber empfangen. In Mostaganem hat er den Mnselmaͤnnischen Kirchhof eingeweiht, und die Eingebornen haben sich um die Ehre gestritten, dem Bischofe den Altar und die Kanzel zu schmuͤcken, die Anwesenheit des Bischofs in Mo⸗ steganem wird die gluͤcklichsten Resultate haben, denn die Ara⸗ religiobs und strenge Befolger ihrer Gebote sind, betrachten uns jetzt nicht mehr, wie fruͤher, als eine Na⸗ tion, die Gott wegen ihres Unglaubens strafen wird. Der General Gushenneuc hat sich selbst nach Arzew begeben, um zu sehen, welche Wirkung der ministerielle Befehl, die Kinder der uns befreundeten Araber nach Europaͤischer Weise zu unterrich⸗ ten, hervorbringen wird. Die Araber glaubten zuerst, daß man ihren Kindern moralischen Zwang anthun wollte, aber der Ge⸗ neral beeilte sich, ihnen Mustapha und die Hauptchefs der Sme⸗ las zu senden, die sie von den Absichten Frank⸗ reichs unterrichten, und sie belehren sollten, der einzige Zweck sey, den Arabern die Abneigung unserer Civilisation zu er⸗

27sten d. M. einen Leichengottesdienst in 2 ver deshalb am 2ste 1 an der Boͤrse heute ein starkes Sinken der Consols ein.

gade eingetheilt.

aaren um 10 pCt. erhoͤhte.

8

838 8 leichtern, ohne ihre Sitten und ihre wollen.

Großbritanien und Irland.

London, 13. Juli. Es heißt, Lord Melbourne habe der Königin vor einigen Tagen abermals vorgestellt, es sey ihm durchaus unmoͤglich, die Zuͤgel der Regierung noch laͤnger zu fuͤhren. Die Koͤnigin soll ihn darauf mit Thraͤnen gebeten ha⸗ ben, sie vor den Machinationen der Tories zu schuͤtzen. Er soll endlich nachgegeben haben, und es soll beschlossen worden seyn, nach Ablauf der gegenwärtigen Session das Parlament aufzu⸗ loͤsen und in der Zwischenzeit Alles aufzubieten, um die einfluß⸗ reicheren Waͤhler fuͤr das Ministerium zu gewinnen.

Der Standard glaubt, daß Sir Robert Peel's Vorher⸗ sagung, der durch Einfuͤhrung des Penny⸗Porto's entstehende Ausfall in der Staats⸗Einnahme werde nicht durch eine Ein⸗ kommen⸗, sondern durch eine Vermoͤgens⸗Steuer gedeckt werden, wohl richtig seyn moͤchte.

In Folge von Maßregeln der Bank von England, sich durch den Verkauf von Annuttaͤten Geld zu verschaffen, trat

Die Regierung hat gestern Abend Depeschen aus Ostin⸗ dien erhalten, deren Inhalt sehr befriedigend lauten soll. Die Morning Chronicle sagt daruͤber: „Der Zweck der aufge⸗ klärten Politik Lord Auckland's ist bereits durch die Abdankung Dost Muhammed Chan's erreicht worden. Wir haben zwar noch keine authentische Mittheilung daruͤber erhalten, doch lassen die neusten direkten Nachrichten aus Indien ein solches Resultat voraussehen.“ Der ministerielle Globe bemerkt, man habe jene Nachrichten uͤber Konstantinopel erhalten, und ihrem Inhalt zufolge, waͤren die Britischen Truppen in Kan⸗

dahar eingeruͤckt, und Dost Muhammed Chan habe zu Gun⸗

sten des Schah Sudschah resignirt. RNitrderlande.

Aus dem Haag, 15. Juli. Nach dem Handelsblatte ist das Luxemburgische Dorf Martelange, welches einen neuen Streit zwischen Holland und Belgien zu erregen drohte, durch

Uebereinkunft der beiderseitigen Ministerien der auswaͤrtigen

Angelegenheiten vorlaͤufig fuͤr neutral erklaͤrt worden.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben eine neue Organisation der Armee beschlossen. Die Infanterie ist in 3 Divisionen, jede von 2 Brigaden, die Kavallerie in eine schwere und eine leichte Bri— Die Infanterie⸗Divisionen werden von den General⸗Lieutenants Baron van Geen, Herzog Bernhard von Sachsen⸗Weimar und de Favauge befehligt. Die erste Brigade der ersten Division kommandirt der Erbprinz von Oranien, Hoͤchstwelcher mit seiner jungen Gemahlin vorgestern Abends im erwuͤnschtesten Wohlseyn zu Arnheim angekommen und da⸗ selbst mit großen Feierlichkeiten empfangen worden ist. „Ihre Koͤnigl. Hoheiten werden uͤbermorgen Ihren festlichen Einzug in die Koͤnigl. Residenz zum Haag halten. G

Pelgien.

Bruͤssel, 16. Juli. Die Emancip ation will wissen, daß die belgische Regierung in Deutschland sich durch sechs Gesandte vertreten lassen wird, naͤmlich in Frankfurt, Muͤnchen, Stuttgart und Karlsruhe, Dresden, Hannover, Hamburg, die zugleich die Vertretung Belgiens bei den kleinern Deutschen Staaten unter sich vertheilen werden. Der Chef der erstge⸗ nannten Gesandtschaft Lin Frankfurt) wird den Titel eines be⸗ vollmaͤchtigten Ministers fuͤhren. 8

Man liest im Journal d'Anvers: „Die Zahl der Frem⸗ den, die seit vierzehn Tagen nach Antwerpen kommen, beson⸗ ders aus Holland und England, ist sehr bedeutend. Ueberall werden sie mit der groͤßten Freundlichkeit aufgenommen. Die definitive Regulirung der zwischen Holland und Belgien noch obwaltenden Differenzen mag den Regierungen noch zu man— chen Eroͤrterungen Anlaß geben, aber der Friede und die Ei⸗ nigkeit zwischen den Bevoͤlkerungen beider Loͤnder ist definitiv befestigt. Wir unsrerseits wuͤnschen, daß die Regierungen sich bald derselben Eintracht erfreuen, wie die Voͤlker

Deutschland.

Hannover, 18. Juli. (Hannov. Ztg.) Nachdem die Nachricht von den Maßregeln, welche Se. Majestaͤt der Koͤnig gegen den Magistrat der hiesigen Residenzstadt ergriffen hatten, allgemein bekannt geworden war, versammelten sich am gestri⸗ gen Tage Morgens der Magistrat, die Buͤrger⸗Vorsteher, so wie eine bedeutende Anzahl von Buͤrgern auf dem hiesigen Rathhause, und beschlossen, Sr. Majestaͤt dem Koͤnige eine ehr⸗ furchtsvolle Adresse zu uͤberreichen; Allerhoͤchstdieselben moͤchten gnaͤdigst geruhen, die verfuͤgte Suspension gegen den Stadt⸗ Direktor Rumann aufzuheben, oder doch nicht darauf beharren, bis zur Ruͤckkehr des tadtgerichts⸗Direktors Heiliger einen

zu ernennen, indem die staͤdtische Verfassungs⸗Urkunde besage,

daß im Falle der Behinderung des Stadt⸗Direktors und des

Stadtgerichts⸗Direktors der Stadt⸗Syndikus als Vorsitzender einzutreten habe.

Nachdem Se. Majestaͤt auf die desfallsige ehrerbietigste An⸗ frage erwiedert hatten, daß Allerhoͤchstsie die Deputation in dem

hiesigen Palais an der Leinstraße um 12 h1 Uhr annehmen woll⸗

ten, verfuͤgte sich eine Deputation von Buͤrger⸗Vorstehern und anderen Mitgliedern der Buͤrgerschaft von dem Rathhause da⸗ hin, und wurde von einer großen Anzahl von Buͤrgern in Ruhe und Ordnung bis vor das Koͤnigliche Palais begleitet.

Se. Magestaͤt geruhten nach Anhoͤrung der Adresse gnaͤdigst zu erwiedern, daß Sie als Koͤnig keine andere Schritte gegen den Stadt⸗Direktor haͤtten ergreifen koͤnnen; und daß, wenn die Verfassungs⸗Urkunde der Stadt bestimmte Vorschriften gebe, wie es bei Verhinderungsfaͤllen des Stadt⸗Direktors und des Stadtgerichts⸗Direktors gehalten werden sollen, diese nur in Anwendung kommen moͤchten.

Die Deputation kehrte mit dieser gnaͤdigen Entschließung Sr. Maäͤjestaät nach dem Rathhause zuruͤck, theilte dieselbe dort den Buͤrgern mit, und noch im Laufe des Tages verkuͤndete eine Bekanntmachung des allgemeinen Magistrats, daß Se. Majestaͤt der Koͤnig Sich Allergnaͤdigst bewogen gesunden habe, auf Veranlassung einer Allerhoͤchstihm von der hiesigen Buͤrger⸗ schaft uͤberreichten Petition die dem Stadt⸗Direktor obliegenden Geschaͤfte dem Stadt⸗Syndikus Evers einstweilen, und zwar bis dahin, daß der Stadtgerichts⸗Direktor Heiliger von einer Reise zuruͤckgekehrt seyn werde, zu uͤbertragen. 1““ 1ö“

Karlsruhe, 14. Juli. (Karlsr. 3.) In der Sitzung der Abgeordneten⸗Kammer vom 11. Juli war der Bericht des Abgeordneten Mittermaier uͤber den Gesetz⸗Entwurf, die Apanagen betreffend, an der Tagesordnung. In der allgemei⸗ nen Diskussion erklaͤrte von Itzstein, wie das ganze Volk,

sey auch er durchdrungen von der unbegraͤnzten Verehrung fuͤr die Großherzogliche Familie, und halte es daher fuͤr eine hei⸗ lige Pflicht, zu deren standesmaͤßiger Apanagirung mihmwieken; da jedoch aus unzureichenden Gruͤnden von den im Jahr 8: vorgeschlagenen Dotationen abgewichen worden, und insbesondere die Apanagen fuͤr die nachgeborenen Prinzen der entfernteren Grade im Verhaͤltniß zu den Kraͤften des Landes zu hoch ge⸗ griffen seyen, so werde er zwar fuͤr einzelne Hasseeensen des Ge⸗ setzes stimmen, uͤber das ganze Gesetz aber sich der A bümmung enthalten. Die Witthume anlangend, so wuͤrde er mit vollem Her⸗ zen fuͤr die Fuͤrstin, welche eine Zierde des Thrones und 88 Muster der Weiblichkeit sey und in allen Theilen des Landes als wie die beste Mutter verehrt werde, gern das hoͤchste Witthum votiren. Der Redner schließt mit einer Verwahrung gegen das von der Regierung und besonders von einem Redner der ersten Kammer geltend gemachte Prinzip, daß die Domainen Privateigenthum des Großherzogl. Hauses N— die⸗ sen die Apanagen geschoͤpft wuͤrden; der §. 59 der; Urkunde enthalte in dieser Beziehung eine historische nwahr⸗ heit. Aehnliche Verwahrungen in Beziehung auf den n Punkt legten weiter ein die Abgeordneten Welcker, von Rotte und Weller, Letzterer unter Bezug auf den Grundsos des Deut⸗ schen Staatsrechts, wonach vorzugsweise auf den Pomainen die Bestreitung der Landesbeduͤrfnisse geruht habe; die 52* klaͤrten sich uͤbrigens mit dem Gesetze selbst en. Hiergegen bemerkten die Redner der Regterung, Staatenn ster von Blittersdorf und Legations⸗Rath von edan sich die Regierung an den klaren Wortlaut des §. 59 der hsi fassungs⸗Urkunde halte, wonach jedenfalls verfassungsm 8 der Grundsatz feststehe, daß die Civil⸗Liste und die A! anagen auf die Domainen radizirt seyen, deren Ertrag e däSeee hierfuͤr, und nur der Ueberschuß zu Bestreitung der 16 sbe⸗ duͤrfnisse zu verwenden sey. Uebrigens erscheine 8* uͤberfluͤssig, bei diesem Anlaß auf eine Analyse und edn auf eine Liquidation des §. 59 einzugehen; es genuͤge 9 te 889 zeugung, daß jedenfalls der Ertrag der Domainen, welche dn. Patrimonial⸗Eigenthum des Großherzogl. Hauses bilden, weit die Summe uͤbersteige, welche fuͤr die Großherzogl. Familie gefor. dert werde; die Civil⸗Liste, wie die Apanagen ruhten daher nn auf den Steuern, sondern erschienen als Renten, welche au dem Domanial⸗Vermoͤgen zu entrichten seyen. Die⸗ Regierung sey verpflichtet, diese Rechte des Großherzogl. Hauses zu 8g ren, wuͤnsche uͤbrigens, daß diese unpraktische Dis ussion nicht weiter fortgesetzt werde. Nachdem noch der Ab⸗ geordnete Merk uͤber den Entwurf im Allgemeinen und der Abgeordnete Bericht⸗Erstatter bezuͤglich auf die Einwen⸗ dungen des Abg. von Itzstein einige Bemerkungen gemacht hat⸗ ten, wurde zur besondern Diskussion uͤbergegangen, jedoch uͤber⸗ all kein von den Kommissions⸗Antroaͤgen abweichender Antrag gestellt, und nur von dem Abgeordneten Welcker zu §. 27 be⸗ merkt, daß er auf die Fixirung eines Mayximums, welches ein⸗ tretenden Falls mit Zustimmung der Staͤnde voraussichtlich werde uͤberschritten werden, keinen besondern Werth lege, vielmehr eine Combination des Systems der persoͤnlichen Apanagirung mit dem Vererbungs⸗System vorgezogen haͤtte. Das Gesetz wurde sofort mittelst namentlicher Abstimmung einstimmig angenommen (mit Ausnahme des Abg. von Itzstein, welcher sich der Abstim⸗ mung enthielt). Zu §. 2 wurde nach dem Antrag der Kom⸗ mission der Beschluß in das Protokoll niedergelegt: „daß die Einrechnung des Fideikommisses Salem und Petershausen in die Apanagen nicht stattfinde.“ Im Ganzen enthaͤlt der Gesetz⸗ Entwurf nunmehr nur im §. 27 eine wesentliche Abweichung von der Vorlage, wie sie sich nach den Beschluͤssen der ersten Kammer gestaltet hatte; es soll näͤmlich die Gesammtsumme der nach diesem Gesetze zu leistenden Apanagen u. s. w. vier⸗ malhunderttausend Gulden nicht uͤbersteigen. Zum Schlusse nahm der Staats⸗Minister von Blittersdorff das Wort: „Meine Herren! Ich erfuͤlle die angenehme Pflicht, Ihrer geehrten Kommission fuͤr ihre umsichtige und ruͤcksichtsvolle Behandlung dieses Gegenstandes und fuͤr den in jeder Hinsicht, sowohl in umfassender und richtiger Darstellung, als in zarter Wuͤrdigung der Verhaͤltnisse gleich ausgezeichneten Bericht den Dank der Regierung auszusprechen, und auch die Kammer fuͤr die freund⸗ liche Aufnahme dieses Gesetz⸗Entwurfs der Anerkennung der Regierung zu versichern.“ Dreifaches herzliches Lebehoch erklang von der Versammlung dem geliebten Regenten.

Frankfurt a. M., 13. Juli. Se. Durchlaucht der Land⸗ graf Philipp von Hessen ist gestern hier eingetroffen und reist heute Abend nach Homburg weiter, woselbst er mit einem Fak⸗ kelzug von den Bewohnern Homburgs empfangen werden soll. Hier brachte gestern Abend die Musik des Jaͤger⸗Bataillons der freiwilligen Stadtwehr, welches im Befreiungskampfe unter dem Oberbefehl des beruͤhmten Heerfuͤhrers stand, demselben eine Serenade. 8

Wien, 13. Juli. (Nuͤrnb. Korr.) Der Erzherzog Pa⸗ latinus ist gestern aus Preßburg eingetroffen, und zwar, wie man glaubt, wegen Fassung eines bestimmten Entschlusses uͤber das Vergehen des Freiherrn von Pronay, welcher. bekauntlich in seinen Landtags⸗Reden den obersten Gerichtshof Ungarns einer groͤblichen Pflicht⸗Verletzung wegen Verurtheilung des Wesselenyi und Kossuth beschuldigt hat. Es duͤrfte dieser Beschluß wohl kaum anders ausgefallen seyn, als diesen De⸗ putirten unter Fiskalklage zu stellen, da er die Unverletzlich keit der Koͤniglichen Tafel durch Injurien so sehr mißachtet hat. Die wiederholte Konferenz uͤber die Ungarischen Angelegenheiten hatte die Exzesse bei den Wahlen im Tolnaer und Barscher Komitate zum Gegenstande, wobei strenge gerichtliche Maßre⸗ geln beschlossen worden seyn sollen. Unter Anderem ist bei den Landtags⸗ Verhandlungen auch der Antrag zur Sprache gekommen, daß die Kosten fuͤr dieseiben in den ersteren drei Monaten vom Adel, und fuͤr die folgende Zeit vom Lande zu tragen waͤren. Man glaubt aber, daß fuͤr die ersprießliche Abkuͤrzung der Sessionsdauer der Vorschlag lieber umgekehrt haͤtte geschehen sollen. Unser Staats⸗Minister des Innern, Graf Collowrath, begiebt sich in kommender Woche nach Boͤh⸗ men auf seinen Herrschaften, um einige Zeit der Erholung von Staatsgeschaͤften zu widmen. Es besteht das Gesetz, daß jeder eines Verbrechens oder einer schweren Polizei⸗Uebertretung uͤberwiesene Beamte seine Stelle verliert, oder wenn er sich un⸗ ter solchen Umstaͤnden um Anstellung bewuͤrbe, davon auszu⸗ schließen sey. Es soll nun diese Verfuͤgung ausnahmsweise fuͤr die Italienischen Provinzen zur Zeit aufgehoben werden, wahr⸗ scheinlich, damit die daselbst Amnestirten, welche der Gnade des Kaisers ihre Freiheit verdanken, nun auch nicht den Weg der Subsistenz und Ehre irgend verschlossen finden.

Buͤrgern steht.

richte aus Konstantinopel vom 3. 5 8 1eheg des 892 Sultans, und uͤber das Leichenbegaͤngniß

des Verblichenen, verkuͤndeten. Sultan

tastrophe, bald eine glückliche Lösung erwarten.

seines

beizuwohnen.

bei dem sehr stürmischen Meere. gebäude waren geschlossen, die Bazars verlassen, die Wachen auf allen

4 Italien. 8 Mailand, 12. Juli. Die in Bologna erscheinende Zei⸗

tung widerlegt das Geruͤcht von blutigen Auftritten, die am 10. und 12. Juni in Bologna vorgefallen seyn sollten. Aus⸗ laͤndische Zeitschriften nahmen diese luͤgenhafte Nachricht eines unverschaͤmten Korrespondenten auf Treu und Glauben an, und

beklagten die Menge der Gefallenen und Verwundeten. Nach

der Versicherung des erwaͤhnten Blattes reduzirte sich Alles auf einige ganz unblutige und kaum des Erwaͤhnens werthe Haͤn⸗ del zwischen Stadtbewohnern und Soldaten

der Schweizer⸗ Garnison, die allerdings nicht im besten Vernehmen mit den

rürkei. terreichische Beobachter enthaͤlt folgende Be⸗ Der Oesterreichis 3. Juli uͤber die Thronbe⸗

des verstorbenen Sultans und uͤber Veraͤnderungen in den

hoͤchsten Staatsaͤmtern:

„Das am Ilsten d. M. in den Morgenstunden erfolgte Ab⸗

leben Sultan Mahmuds wurde den Bewohnern der Haupt⸗

der Batterien und der Kriegsschiffe und durch oͤffentliche Aus⸗

rufer bekannt, welche dieses traurige Ereigniß und den Regie⸗

nach 1 Uhr Nachmittags durch die Kanonensalven

rungs⸗Antritt des Sultans Abdul⸗Medschid, aͤltesten Sohnes Sogleich nach dem Hinscheiden Mahmuds begaben sich die beiden Großherrlichen Schwiegersoͤhne Halil und Said Pascha und der Praͤsident des Reichsrathes, Chosrew Pascha, zum Thronfolger Sultan

Abdul⸗Medschid, welcher sich in einem nahe bei Tschamlidscha

gelegenen Hause befand, um ihm die betruͤbende Nachricht vom Tode seines Vaters mitzutheilen. Nachdem sich Se. Hoheit

Ihrem gerechten Schmerze uͤberlassen, verfuͤgten Sie sich mit

Gefolge, uͤber Haidar Pascha ins alte Serail, waͤhrend sich der Leichenzug beinahe gleichzeitig uͤber die Kaserne von Skutari ebenfalls nach dem alten Serail in Bewegung setzte. Die Leiche wurde in das Suͤnnet⸗Odassi (Saal des Propheten⸗ Mantels) gebracht, wohin sich Sultan Abdul⸗Medschid bald darauf begab, um daselbst seine Andacht zu verrichten. Von da verfuͤgten sich Se. Hoheit in den Thronsaal, empfingen da⸗ selbst die Huldigung saͤmmtlicher Großwuͤrdentraͤger des Reiches und befahlen, daß der Leiche Ihres erlauchten Vaters die letz⸗ ten Ehren erwiesen wuͤrden. Um 4 Uhr Nachmittags fand so⸗ nach das feierliche Leichenbegaͤngniß statt. Die schoͤnste Lobrede, die dem verstorbenen Monarchen gehalten werden kann, ist sicher die allgemeine Trauer, welche sein Hinscheiden bei allen Klassen der Bevoͤlkerung, sie mochten was immer fuͤr einer Nation oder Religion angehoͤren, erzeugte, und die sich bei dieser Feier⸗ lichkeit am deutlichsten und ruͤhrendsten aussprach. Die Leiche des Sultans Mahmud ward im Stadtviertel Fazli Pascha, an einem in der Naͤhe der „verbrannten Saͤule“ gelegenen Orte beigesetzt, wo bereits der Bau zu einem eigenen Tuͤrbe (Mau⸗ soleum) begonnen wurde. Merkwuͤrdig ist der Umstand, daß in demselben Kiosk von Tschamlidscha auch die Mutter Sultan Mahmud's vor zwanzig Jahren mit Tode abgegangen ist.

Nachstehendes ist der Bericht eines Augenzeugen uͤber das Leichenbegaͤngniß des Sultans:

Konstantinopel, 2. Juli. Die ängstliche Spannung herrschte seit einigen Tagen in dieser Hauptstadt; die widersprechendsten Ge⸗ rüchte über das Besinden des Sultans ließen bald eine traurige Ka⸗

1 Als gestern bald nach 1 Uhr die Kanonen auf allen Türkischen Kriegsschiffen gelöst und alle

Flaggen aufgesteckt wurden, fragte jeder zagend, ob dies Freude oder

Trauer bedeute? Die nächsten Augenblicke lösten die Zweifel; denn

bald sah man öffentliche Ausrufer die Straßen der Hauptstadt und

der Vorstädte Pera und Galata durcheilen, die den Tod Sultan Mah⸗ muds und den Regierungs⸗Antritt Abdul⸗Medschid's verkündigten.

Nachdem der neue Sultan im Palaste zu Beylerbei, auf dem Asiati⸗ schen Ufer des Bosporus, die Huldigung empfangen, wurde die Leiche Vaters unter dem Donner der Kanonen von Bevylerbei ins alte Serail nach Konstantinopel gebracht. Eine zahllose Menge von Trauernden und Neugterigen strömte Vorstädten nach der Stadt, um den Leichen⸗ Feierlichkeiten Eine Menge von Schiffen drängte sich auf der Ueberfahrt nach Konstankinopel, und diese war nicht ohne Gefahr Der Pfortenpalast und das Münz⸗

Punkten verdoppelt, und zahlreiche Patrouillen zogen durch die Stra⸗ ßen. Von dem Thore des alten Serails bis zur Moschee Sultan Ahmeds waren alle Straßen gedrängt voll von Zuschauern Die Ruhe und Ordnung, mit der sich die Frauen auf der einen, die Män. ner auf der anderen Seite aufstellten, waren in der That bewunderns⸗ werth. Man hörte von allen Seiten nur Töne der Trauer, Worte des Bedauerns und der Klage. Um 4 Ubr 40 Minuten verkündete ein allgemeines Klagegeschrei der Weiber das Herannahen des Leichen⸗ zuges; Alles drängte sich an die Spaliere, um der Leiche des verewigten Herrschers näher zu seyn. Während die Frauen ihrem Schmerze freien Lauf ließen, äußerte sich bei den Männerneine stille, aber nicht min⸗ der tiefgefühlte Trauer. Die Dienerschaft sämmtlicher Hofämter eröffnete den Zug; „bierauf folgten die Musteschare und Beamten der höchsten Würdenträger; diesen die Ulemas, die in Masse zugegen waren; dann kamen die höchsten Würdenträger, der Finanz⸗Minister Haftz Pascha, die beiden Swiegersöhne des verstorbenen Sultans, Halil Pascha und Said Pascha, der Präsident des obersten Reichs⸗Rathes, Chosrew Pascha, zuletzt der Basch⸗Wekil Rauf Pascha mit dem Scheich⸗ul⸗ islam, oder obersten Muftt, alle zu Pferde in ganz einfachem Ko⸗ stüm. Endlich nahte der Sarg, der die sterblichen Ueberreste des Sul⸗ tans umschloß, von einfachem, weichem, ungefärbtem Holze, mit fünf bis der reichsten Shawls behangen; auf dem vorwärts getragenen Kopfende war das Feß des Sultaus, mit der Reiherfeder und der dirmantenen Agraffe befestigt. Der Sarg selbst ruhte auf zwei einfachen Querhölzern, die, von zahllosen Händen unter⸗ stützt, in der Luft schwebend erhalten wurden. Jeder, der nur auf Augeublicke den Sultan getragen hatte, war stolz und glücklich; man war zufriedengestellt, wenn man nur die Querhölzer be⸗ rühren konnte. Während die Mänuer sich solchergestalt um dün Sarg drängten, erreichte das Klagegeschrei der Weiber Ffennte höchsten Grad. In einer geringen Entfernung vom Sarge Gern einige Beamte und dann ein Mohr zu Pferde, der 884 vnter das Volk auswarf. Wer das Wogen des Volkes und 8 seheure Drängen der unübersehbaren Menge um den Sarg ge⸗ nung’bloß de es kaum für möglich halten, daß die Ruhe und Ord⸗ 8 bloß durch einsge Kavasse erhalten wurde; dachte man überdies an die Auftritte urück die fast be 8 8 n siattfanden, fe 45 rück, die fast bei jeder bisherigen Thronbesteigung blichen, als Geminr man versucht zu glauben, daß der Geist des Ver⸗ tern seines Volteus der Ordnung und Ruhe unsichtbar über den Häup⸗ rastlose und kräftt schwehte, das, in daukbarer Erinnerung an das ses und des Secgege Wirken des hohen Verhlichenen, Worte des Prei⸗ folgen ließ.“ s dem seinen Angen allmälig entschwindenden Sarge

2 tritt⸗ ürnan Abdh. Ueaschid hat bei seinem Regierungs⸗An⸗ die Flotte den Befezt vandarmee in Kleinasien sowohl als an Mehmed Ali eingestell erlassen, daß die Feindseligkeiten gegen der Hauptstadt die 18 werden sollen. Diese Maßregel hat in se guͤnstigste Wirkung hervorgebracht und giebt!

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der Hoffnung Raum, daß die Differenzen mit dem Aegypti⸗ schen Statthalter im guͤtlichen Wege ausgeglichen werden duͤrften.

In den obersten Staatsaͤmtern haben folgende wichtige Veraͤnderungen stattgefunden: Die Wuͤrde eines Großwesirs ist wieder hergestellt und zu derselben der bisherige Praͤ⸗ sident des Reichs⸗Rathes, Chosrew Pascha, erhoben worden. Die Stelle eines Basch⸗Wekil oder Premier⸗Ministers, welche Rauf Pascha bekleidete, findet sich hierdurch abgeschafft; Letzterer erhielt die Praͤsidentschaft des Reichs⸗Rathes. Der erste Schwiegersohn Sultan Mahmud's, Halil Pascha, ist zum Se⸗ riasker, uud der zweite Schwiegesohn, Said Pascha, an dessen Stelle zum Handels⸗Minister ernannt worden. Riza Bey, Guͤnstling Sultan Mahmud's, ist zum Muͤschir des Groß⸗ herrlichen Palastes mit dem Titel „Pascha“ erhoben worden. Reschid Pascha ist als Minister der auswaͤrtigen Angele⸗ genheiten bestaͤtigt. Fuͤr die Pforten⸗Aemter zweiter Klasse wurden die alten Titel wieder eingefuͤhrt. So ist Sche⸗ kib Efendi zum Beilikdschi, Mahir Bey zum Ammedschi, und Zuͤhdi Bey zum Mektubschi ernannt worden. Ali Nedschib Bey hat das Amt eines Walide⸗Kiajassti (Agenten der Sulta⸗ nin⸗-Mutter), Nedschib Efendi das Amt eines Harbije⸗Nasixi (Inspektors der Kriegs⸗Munitionen) und Hadschi Saib Efendi die Stelle eines Tschausch⸗Baschi (Reichs⸗Marschalls) erhalten. Alle uͤbrigen Staats⸗Beamten sind bestaͤtigt. Die Gouverneure der Provinzen werden ihre Bestaͤtigung oder Ernennung naͤch⸗ ster Tage erhalten.

Die Ceremonie der Saͤbel⸗Umguͤrtung, die bei den Otto⸗ manischen Herrschern die Stelle der Kroͤnung vertritt, soll am IIten d. M. mit dem gewoͤhnlichen Gepraͤnge stattfinden.

Die Polizei hat in diesen Tagen die groͤßte Wachsamkeit entwickelt; die Schildwachen sind uͤberall verdoppelt worden, u“““ Patrouillen durchziehen bei Tag und bei Nacht die Straßen der Stadt und der Vorstaͤdte. Auch ist die oͤf⸗

hierzu angestellten Aufseher unrichtig eingestellt.

aus allen

fentliche Sicherheit nicht einen Augenblick gestoͤrt worden. Der Gesundheitszustand ist fortwaͤhrend sehr befriedigend. Nachrichten von den Dardanellen vom 30. Juni zu⸗ folge, hatte die Tuͤrkische Flotte damals jene Meerenge noch nicht verlassen.

FPrasilien Rio⸗Janeiro, 8. Mai. Die Regierung hat dem Koͤnigl. Portugiesischen General⸗Konsul und interimistischen Ge⸗ schaͤftstraͤger Herrn Joao Baptista Moreira das Exequatur ent⸗ zogen. (Vergl. St. Ztg. Nr. 197 London.) Seit langer Zeit wußte man naͤmlich, daß er den Sklavenhandel unter Portu⸗ giesischer Flagge beguͤnstigte und selbst dabei betheiligt war. Beeinträͤchtigt bei den zwei, von den Englaͤndern aufgebrachten Prisen, wiegelte er das schlechte Gesindel bei den letzten Vor⸗ faͤllen wegen des auf einem Dampfboote getoͤdteten Passagiers, gegen die Englaͤnder und alle Fremden auf. Man lobt sehr die Festigkeit der Regierung bei dieser Gelegenheit. Herr Baron von Daysser⸗Sylbach ist von Sr. Majestaͤt dem Kaiser von Oesterreich zum Minister⸗Residenten am hiesigen Hofe er⸗ nannt worden. Die Kammern wurden am Zten d. eroͤffnet. Der Prinz von Savoyen⸗Carignan befindet sich gegenwaͤrtig hier. Nachrichten aus Rio Grande lauten guͤnstiger fuͤr die Kaiserlichen, sie haben einige gluͤckliche Gefechte geliefert. Un⸗ ser Cours steht jetzt auf 29 ¾ à 30 Pence. Mehl 21 à 24,000 pr. Faß. 1 88] 9 Berlin, 19. Juli. Eisenbahn. Als gestern der Mittags 12 Uhr von Potsdam abgegangene, aus 14 Wagen bestehende und von 3 Lokomotiven gezogene Train auf den hie⸗ sigen Bahnhof ankam, war der Eccentrik ein bewegliches Schienenpaar im Durchschnittspunkte zweier Schienenstraͤnge mit einer Vorrichtung zum Hin⸗ und Herschieben von dem Die 3 Ma⸗ schinen wichen daher von den Schienen ab, liefen circa 80 Fuß auf den Unterhoͤlzern in einer springenden Bewegung fort, bis sie, ungefaͤhr 2 Fuß in den Sand gearbeitet, kurz vor der Halle stehen blieben. Das Zusammenstoßen der Personenwagen bei diesem Unfalle war, da der Zug, bereits fruͤher gehemmt, sich in minder schneller Bewegung befand, nur maͤßig. Niemand sist dabei beschaͤdigt worden.

Frankfurt, 19. Juli. Die fuͤr den Großhandel nunmehr beendigte und bloß noch im Jahrmarkts⸗Verkehr fich fortsetzende hiesige Margarethen⸗Messe ist im Allgemeinen vorzuͤglich gut ausgefallen. Bei dem Eingange von mehr als 80 Tausend Centner Fabrik⸗Waaren und Produkten aller Art zeigte sich kein Ueberfluß derselben. Einzelne Laͤger wurden bald ganz aufgeraͤumt. Mehrere Handlungen haben noch Waa⸗ ren durch Eilfuhren herbeikommen lassen. In Tuch und tuch⸗ artigen Waaren war der Absatz aͤußerst betraͤchtlich, auch mit Wollenzeugwaaren wurden gute Geschaͤfte gemacht. Inlaͤndi⸗ sche und vereinslaͤndische Baumwollenzeugwaaren fanden außer⸗ ordentlichen Begehr. Mit Berliner gedruckten Waaren sind besonders gute Geschaͤfte gemacht worden. Auch die Schlesi⸗ schen Baumwollenwaaren fanden reichlichen Absatz. Fuͤr Englische Baumwollenwaaren war das Geschaͤft weni⸗ ger zufriedenstellend. Mit Seiden⸗ und Halbseidenwaa⸗ ren wurden viel Geschaͤfte gemacht. Leinwand und an⸗ dere Leinenwaaren fanden guten Absatz. Mit Kurzen⸗ waaren, so wie mit Eisen- und Stahlwaaren, Porzellan⸗ und Glaswaaren, auch mit Holz⸗, Leder⸗ und Rauchwaaren war der Handel ebenfalls lebhaft. Rohe Produkte, als Rind, und Roßhaͤute, Kalb⸗, Schaaf⸗ und Ziegenfelle, Schweinborsten, Pferdehaare, Federposen, Bettfedern, Hornspitzen und dergleichen, waren viel am Markte, sie fanden aber nicht so raschen Absatz, wie in der letzten Messe, dochwurde viel, wenn auch nur zu gedruͤckten Preisen gekauft. Wolle war uͤber 6000 Centner ein⸗ gegangen. Es blieb davon nichts uͤbrig, die Preise waren et⸗ was im Steigen. Der mit der Messe verbundene Pferde⸗ markt war mit circa 1200 Stuͤck Pferden besetzt. Mit guten Zug⸗ und Wagen⸗Pferden war der Handel lebhaft. Nach Luxus⸗Pferden war wenig Begehr. Inlaͤndische Einkaͤufer aus dem oͤstlichen Theil der Monarchie waren zahlreich auf dem Platze, auch an auslaͤndischen Einkaͤufern fehlte es nicht. Die Zahl der Meß⸗Fremden hat sich nach den Fremden⸗Listen auf 9,712 gestellt.

Muͤnster, 13. Juli. Zu Meteln starb Anna Maria Dei⸗ termann, geborne Elbers, im Alter von 105 Jahren, 9 Mona⸗ ten 8 Tagen, nachdem sie bis zum letzten Tage voͤllig gesund gewesen war.

Koͤln, 16. Juli. Die erste Rhein⸗Seefahrt zwischen

Koͤln und New⸗York ist gluͤcklich beendigt, indem der „Ver⸗

ein“, Capitain Lange, am IIten d. M. recht eingelaufen ist. 18

Dem unterzeichneten Verein sind wiederum nachstehende Beiträge ugegangen: Se. Kaiserl. Hoheit der Großfürst Thronfolger 1000 thir. Der Verein zur Beförderung des Gewerbfleißes in Preußen 2000 Rthlr. Herr Juststrath Heinsius 20 Rthlr. Herr Th. H— . 3 Rthlr. Herr Justizrath Kunowski 10 Rthlr. Herr Justizrath von Sandt 10 Rthlr. Herr Geh. Medizinal⸗Rath Dr. Dieffenbach 5 Rihlr. Herr Fr. Splittgerber 10 Rthlr. Madame Julie Bennecke 5 Riblr. Herr Banquter M. Bielefeld 20 Rihlr. Herr General⸗Major von Scharrnhorst 10 Rthlr. Se. Excellenz Herr General⸗Lieutenant von Reiche 15 Rthlr. Herr Baron von Eckartstein in Charlotten⸗ burg 50 Rihlr. Die Herren Prätorius und Brunzlow 30 Ribhlr. Herr Direktor Dr. Schadow 10 Rthlr. Herr C. Mitscher 5 Ribhlr. Herr Ad. Mitscher 5 Rthlr. Madame Mitscher, geb. Baerwald 3 Rthlr. Herr Kammergerichts⸗Assessor Brose 5 Rthlr. Herr Fr. Curschmann 5 Rthlr. H. und S. 10 Rthlr. C. G. Fz. 20 Rthlr. Gold. Herr Geh. Medizinal⸗Rath Lichtenstein 5 Rihlr. Herr Thier⸗ mann 5 Rthlr. Herr H. F. Kaufmann 15 Rihlr. Th. D. 2 Rihlr. Herr G. St. D. Kuhlmeyer 15 Rthlr. Herr Präsi⸗ den! Sethe 20 Rthlr. Herr Vice⸗Präsident Busse 5 Rthlr. Herr Geheime Finanzrath Oesterreich 10 Rthlr. Herr Geheime Ober⸗Finanz⸗Rath von Pommer⸗Esche 5 Räahlr. Herr Geh. Ober⸗ Medizinal⸗Rath von Könen 5 Rihlr. Herr Regierungs⸗Assessor von Boddien 5 Rthlr. Herr Geh. Ober Medizinal⸗Rath Link 5 Rthlr. Herr Geh. Ober⸗Finanz⸗Rath Kerll 10 Rthlr. Herr H. A. Fürst 10 Rthlr. Herr Glatz jun. 5 Rthlr. Herr Dr. Schmidt 10 Rthlr. Gold. Herr A. Wolfschmidt 6 Rtblr. Herr W. Dupré aus Mainz 10 Rthlr. Herr Kammergerichts⸗Präsident von Bülow 5 Rthlr. Gold. Herr P. L. Grand 5 Rthlr. Herr Rittmeister von Rudolphi 10 Rtblr. Herr Barthold 5 Rthlr. Gold. Herr von Warxburg, Lieutenant a. D., 5 Rthlr. Herren Gebrüder Goldschmidt 20 Rthlr. Herr Geh. Finanz⸗Ratb Beurmann 5 Rthlr. Herr Baron von Hertefeld auf Liebenberg 25 Rthlr. Herr Rudolph Brose 3 Rthlr. Herr Apotheker F. Beyrich 3 Rihlr. Herr L. Ackermann 1 Rthlr. Herr Gey. Ober⸗ Bau⸗Rath Schmid 10 Rthlr. Herr Dr. W. Doenniges 5 Rihlr. Herr Em. Ebeling 5 Rthlr. Herr Großmann 2 Rthlr. Herr Geb. Regierungsrath Doenniges 5 Rthlr. Herr Geh. Finanz⸗Rath von Patom 15 Rthlr. Herr Prof. Dr. Hellwing 5 Rthlr. Herr Pros. F. Beuarv 3 Rthlr. Herr Prof. Schulz 3 Rthlr. Herr Prof. Vatke 3 Rihir. Herr Prof. Lachmann 20 Rthlr. Herr Prof Homeyer 30 Rthlr. Herr Prof. von Henning 5 Rthlr. Herr Professor Stuhr 5 Rthlr. Herr Pro⸗ fessor von der Hagen 6 Rthlr. Herr Professor Meyen 3 Ribhlr. Herr Geheime Medizinal⸗Rath Dr. Casper 5 Rthlr. Gold. Herr Geheime Justizrath Prof. Dr. Dirksen 3 Rthlr. Herr Prof. Dr. Werder 1 Rthlr. Herr Prof. Dirichlet 5 Rthlr. Herr Prof. Ru⸗ dorff 5 Rthlr. Gold. Herr Geheime Ober⸗Regierungs⸗Rath Diete⸗ rici 5 Rthlr. Herr Prof. Dr. Müller 5 Rthlr. Gold. Herr Ober⸗ Konsistorial⸗Rath Dr. Marheinecke 5 Rthlr. Herr Geh. Medizinal⸗ Rath Dr. Jüngken 15 Rthlr. Gold. Herr Prof. Dr. Steffens 10 Rihlr. Herr Bau⸗Inspektor Krey 5 Rthlr. Perr General⸗Lieute⸗ nant ron Tippelskirch 15 Rthlr. Herr Kriegsrath Pappritz 5 Rthlr. Herr Kunsthändler Sachse 10 Rthir. Herr Louis Fuuck 50 Rthlr. Herr Direktor Waagen 15 Rthlr. Ungen. 5 Rthlr. E. H. H. 5 Rihlr. Herr Reisinger 5 Rthlr. Herr Gr. Schwerin zu Putzar 15 Rtblr. Herr Hauptmann ven Forstner 3 Rählr. Herr G. Reichardt 5 Rihlr. Herr Seidenfärber Schwendy 3 Rthlr. Herr Polizei⸗Registrator Villain 1 Rthlr. Herr Referendar von Knebel⸗Döberitz 3 Rthir. Die Summe aller bis zum heutigen Tage erfolgten Unterzeich⸗ nungen beträgt 19,278 Rthlr. 20 Sgr., incl. 252 Rthlr. 22 ½ Sgr. Gold. Berlin, den 19. Juli 1839. Der Verein Berlinischer Kunstfreunde zur Ausführung der Kisschen Amazonen⸗Gruppe in Erz. Benecke von Gröditzberg. W. Brose. J. M. Fränckel. Friebe. F. G. von Halle. Krausnick. von Olfers. Graf von Raczynski. Rauch. Graf von Redern. Schinkel. Skalley. S. H. Spiker. F. Tieck. Wach. Waagen. Wagener.

Potsdam, 16. Juli. Die Königl. Märkische dkoo⸗ mische Gesellschaft hielt heute ihre diesjährige General⸗Versamm⸗ lung. Der zeitige Direktor, Herr Geheimer Regierungs⸗ und Medi⸗ zinal⸗Rath Dr. Augustin eröffnete selbige mittelst eines Vortrages lüber die Resultate der neuesten Versuche und Erfahrungen zur Be⸗ förderung der Landwirthschaft. Demnächst folgte der General⸗Bericht des zeitigen Secrecairs über den finanziellen Zustand des Veresus und über die Wirksamkeit desselben im verflossenen Jahre zur Ver⸗ breitung nützlicher Kenntnisse, zur Anregung zweckmäßiger Erörterun⸗ gen, zur Vertheilung von Sämereien, zur Vermehrung guter Korn⸗ arten u. s. w. Die Theilnahme an dem Vereine habe sich durch be⸗ deutende, in 137 Bänden und 60 Hefen bestehende Geschenke zur Bi⸗ bliothek ausgesprochen. Auch seyxen außer den nöthigen Geld⸗Fonds alle Hülfsmittel zur Eröffnung der projektirten Lehr⸗Anstalt für junge Oekonomen vorhanden. 8

vertheilt: zur Aufmuterung in der Bienenzucht und zur Verbesse⸗ rung und Vervollkommnung derselben, nach neueren Methoden: a) dem

Herrn Frohner zu Potsdam 15 Thlr., c) dem Bauerguts⸗Besitzer Herru Ackermann zu Dederstedt bei Eisleben 10 Thlr., und aus demselben Fonds ausgesetzt: a) 100 Thlr. auf die beste Beantwortung der Frage: Wie verhält sich die Milch⸗Erzengung des Wiesenheues, Kier⸗ heues, der Kartoffeln ꝛc. an Kühe gegeben zu einander? bis Ende Februar 1840; b) 100 Thlr. auf die beste Abhandlung über die Lun⸗ genseuche und deren Entstehung ꝛc. bei dem Rindviehe, bis Ende 1840; c) 150 Thlr. für Denjenigen, welcher bis Ende 1841 den Nachweis führt, auf früher unkultivirtem Sandboden der Mark Brandenburg mindestens 5 Morgen Acker durch zweckmäßige Berteselungs⸗Anlagen und Besaamung mit Futterkräutern, in Kultur gesetzt zu kaben; d) 20 Thlr., 15 Thlr. und 10 Thlr. zur Aufmunterung in der Blenen⸗ zucht nach neueren Methoden. (Das Nähere im Monatsblatt des Vereins.) Hieraunf kamen verschiedene Abhandlungen zum Vortrage: 1) Beobachtungen des Herrn Rektor Lindstädt zu Schönhausen über die verbesserte Nuttsche Methode der Bienenzucht; 2) Versuche des Herru Apotheker Bolle zu Angermünde mit dem von ꝛc. Pneys zu Pesth erfundenen neuen Wollwaschmittel; 3) über die Kultur des Saflors von dem Herrn Regterungs⸗Rath von Boddien zu Aurich; ) über die Schädlichkeit der Pappeln in der Nähe von Obstgärten und gutem Acker; 5) über das Verfahren der Schwefelung, verdüchti⸗ gen Hopfen chemisch zu prüfen ꝛc. von dem Königl. Bayperischen Geh. Hofrah Herrn Dr. Kastner zu Erlangen. Endlich wurden noch meh⸗ rere, dem Landwirthe nütziiche Maschtenen: insbesondere: a) eine Flachs⸗Schwing⸗Maschine ünd b) zwei Säe⸗ und Drill⸗Maschtuen im Modell vorgezeigt, welche vom Herrn Hof⸗Mechanikus Amuel zu Ber⸗ lin eingesandt waren, und c) sehr gut gearbeitete Bienenkörbe von Stroh von dem Bauerguts⸗Besitzer Ackermann zu Dederstedt bei⸗

Eisleben. O.

Bedenken der theologischen Fakultaͤten der Landes⸗ Universitaͤt Jena und der Universitaͤten zu Berlin, Goͤttingen und Heidelberg, uͤber das

Reskript des Herzoglichen Konsistoriums zu Altenburg vom 13. November 1838 (den kirchli⸗ schen Seperatismus in der Ephorie Ronneburg betref⸗ fend) und uͤber zwei verwandte Fragen. (Nebst einlei⸗ tender geschichtlicher Darstellung und Aktenstuͤcken.) Al⸗ tenburg 1839.

Das Schreiben des Herzoglichen Geheimen Ministeriums zu Al⸗

tenburg an die theologischen Fakultäten der oben im Titel genannten

Universitäten eröffnet dieses Buch als geschichtliche Einleitung. Of⸗

Wissenschaft, Kunst und Literatuir.

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Darauf wurden an Prämien, aus dem von Seydlitzschen Fonds,

Herrn Rektor Lindstädt zu Schönhausen 20 Thlr., b) dem Lehrer