“ 8
eifersuͤchtigem Verdachte verfolgt wird, so ist ihm der Erfolg ge⸗ sichert, wenn seine Entwuͤrfe gut sind.“ 8
Man meldet aus Doullens, daß, nachdem die dort in abgesonderten Kerkern eingesperrten Mai⸗Angeklagten, nachdem sie seit langer Zeit vergebens darauf gedrungen hatten, mit ein⸗ ander vereinigt zu werden, mit Gewalt erzwingen wollten, was die Gefaͤngniß⸗Ordnung ihnen nicht gestattete. In Folge dessen haben Philippet, Nobl und Martin, deren Zellen neben einan⸗ der liegen, die sie trennende Scheidewand eingerissen; auf die⸗ selbe Weise haben sie auch die Waͤnde demolirt, welche die Ker⸗ ker Roudil'’s, Nougues' und Lemieère’'s von einander trennen, demolirt. Als sich hierauf Alle, mit Ausnahme Roudil's, an⸗ schickten, die Zelle Guilbert's einzureißen, welche zie meisten Schwierigkeiten darbot, wurden sie gestoͤrt, bewaͤltigt und in
Ketten gelegt. Großbritanien und Irland. London, 21. Aug. In Chatham sind jetzt 2000 Mann
Truppen versammelt, die nach den drei Ostindischen Praͤsident⸗
schaften abgehen sollen. Alle auf Urlaub befindlichen Offiziere der Indischen Regimenter sollen einberufen werden, um diese neuen Rekruten einzuuͤben und zu befehligen. Sollte der Krieg an der nordwestlichen Graͤnze bis zu Ende dieses Jahres been⸗ digt seyn, was man wohl hoffen darf, wenn die Nachricht von der Einnahme Kabul's sich bestaͤtigt, so glaubt Lord Hill, im naͤch⸗ sten Jahre zwei bis drei Regimenter aus Indien zuruͤckziehen zu koͤnnen, da die Europaͤischen Truppen der Ostindischen Armee und die in Indien dienenden Koͤniglichen Regimenter kuͤrzlich eine der fruͤheren Truppenzahl von sechs Regimentern gleichkom⸗ mende Verstaͤrkung erhalten haben.
Die Auflage des „Northern Star“, des Haupt⸗Oegans der Chartisten, welches im April 278,000 Exemplare absetzte, war im Juni bereits auf 87,000 zusammengeschmolzen.
Der General⸗Prokurator Sir John Campbell sagte in der Rede, womit er die Anklage gegen den Pfarrer Stephens vor der Spezial⸗Jury zu Chester motivirte, es moge und duͤrfe allerdings freie Berathung in oͤffentlichen Versammlungen statt⸗ finden, und das Recht, auf constitutionnellem Wege um Abhuͤlfe von Beschwerden einzukommen, solle nicht geschmaͤlert werden. Dem Gesetze aber düͤrfe Niemand Trotz bieten, wenigstens nicht in England, wo Freiheit zu Hause sey. Als gesetzwidrige Volks⸗Versammlungen definirte der Kron⸗Anwalt nicht nur solche, welche in wirklichen Aufstand ausgingen, sondern auch die, welche mit Unordnungen und Friedens⸗Stoͤrungen drohten und wobei die Unterthanen zu ungesetzlichen Handlungen auf⸗ gereizt wuͤrden. Die Versammlung vom 14. November, wegen welcher der Prediger Stephens angeklagt ist, wurde aber ge⸗ halten, als es schon dunkel war; an 5000 Leute waren dabei zugegen; sie hatten Feuerwaffen und Fahnen mit aufruͤhrerischen In⸗ scetsten; Einige dieser Inscriptionen lauteten: Tyrannen glaubt und zittert!“ „Freiheit oder Tod!“ „Allgemeines Stimmrecht oder Rache!“”“ „Fuͤr Frauen vund Kinder Krieg bis zum Messer!“ Unter Gewehrschuͤssen und wildem Geschrei wurde die stuͤr⸗ mische Berathung bei Fackelschein eroͤffnet; Stephens war das Haupt; er bestieg das Geruͤst und sprach das Volk an; er bringe, sagte er, gute Nachricht und koͤnne versichern, daß die Solda⸗„ ten nicht gegen sie ziehen wuͤrden; auf die Frage: ob sie mit Waffen versehen seyen? entlud sich eine Salve; worauf Stephens
sagte: „Ich sehe, ihr seyd bereit!“ Um Mitternacht ging der
Haufen auseinander. Ein Diener des Worts, ein Mann von Erziehung, habe sich also, sagte der General⸗Prokurator, dazu “ die Gemuͤther zu erhitzen, die Soldaten zum Ungehor⸗ am zu verlocken, Aufruhr und Blutvergießen herbeizufuͤhren. Der Pfarrer Stephens sagte in seiner Vertheidigungs⸗Rede unter Anderem: „Ich frage, warum hat man mich vor Gericht ge⸗
stellt? Ich, ein Diener des Evangeliums, bin bekannt dafuͤr,
than haben, mich in Anklagestand zu setzen.
nen
daß ich keiner politischen Theorie huldige, keiner Partei ange⸗ hoͤre, keine Verbindungen habe, allen staatsrechtlichen Fragen, die das Land bewegen, fremd geblieben bin. Haͤtte ich Zeit und Talent verwendet auf Werke gegen die Verfassung, gegen die Monarchie, gegen das Oberhaus, — man wuͤrde wohl ge⸗ Es ist aber stadt⸗ und landkundig, daß ich keine Plaͤne zu Aenderung unserer In⸗ stitutionen oder zum Umsturz der Verfassung dargelegt habe, vielmehr bemuͤht gewesen bin, aus Vernunft und Schrift, aus Gesetzbuͤchern und dem Worte Gottes die oͤffentliche Meinung zu enttaͤuschen von dem Irrwahn, welchen die Partei der Whigs verbreitet. Ich lebe in einer Gegend, die seit Jahren der Schau⸗ platz des Unglaubens ist, in einem Bezirk, wo die Grundsaͤtze der Paine und Carlile Wurzel gefaßt und die so falsche als gefaͤhr⸗ liche Lehre: „Das groͤßte Maß von Gluͤck der groͤßten Zahl des Volks zu verschaffen, sey aller politischen Einrichtungen Ziel“”“, Eingang gefunden hat; — als wenn es nicht eben so unrecht waͤre, das Gluͤck der Massen auf Unkosten der Einzel⸗ 4“ foͤrdern, als die Wenigen zu beguͤnstigen durch den Druck der Vielen! Jahrelang habe ich meine Stimme erhoben Pgen die Thorheit der sogenannten liberalen ee bei jeder elegenheit habe ich dem Volke gezeigt, daß Liberalismus und Reform gefaͤhrliche Richtungen seyen, daß wir keiner neuen In⸗ stitutionen, wohl aber der Ruͤckkehr zu den alten, von der Weis⸗ heit der Vaͤter zeugenden, beduͤrften. Ich habe stets behauptet, daß jene Lehre der Whig⸗Partei, das Volk sey Quelle und Ausfluß aller politischen Macht, des rechten Grundes ent⸗ behre, da vielmehr, nach der Schrift, alle Gewalt von Gott komme, der auch die Obrigkeiten eingesetzt habe.“ Es folgt nun eine Lobrede auf die Englische Constitution und daran ge⸗ knuͤpft eine Schilderung des Kontrasts zwischen ihm, Stephens, und dem Agitator Daniel O'Connell. „Warum laͤßt wohl der General⸗Prokurator“, fuhr Stephens fort, „das Verfahren O'’Connell's der gerichtlichen Verfolgung entgehen? Er kommt dort nicht, die Gesetze zu raͤchen, die Union gegen Angriffe zu schuͤtzen. Ungestraft mag der Agitator drohen, sie aufzuloͤsen; ungestraft mag er, auf dem Papier wenigstens, zwei Millionen bewaffneter Irlaͤnder aufmarschiren lassen, die Krone zu zwingen, ihm einzuraͤumen, was sein Herz begehrt. Sobald aber ein geringer Mann, wie ich, ein armer, schutzloser Diener des Evan⸗ eliums, ein Mann ohne anderes Talent, als das, unverzagt die
Wahrheit zu sagen, ein Mann ohne Familie als die Armen im
Lande, ohne Namen und Charakter, — außer daß man ihn Feuerbrand, Aufruͤhrer, Moͤrder, Teufel schmäht, — ein Mann ohne Einfluß, — denn was will das Gebet der Wittwe sagen
nd die Macht der Wahrheit! wenn, sage ich, ein solcher Mann
auftritt, das Recht des Duͤrftigen zu verfechten, fuͤr die verlas⸗
senen
Waisen das Wort zu nehmen, in verfassungsmaͤßiger Frei⸗ heit uͤber das neue Armengesetz und die Fabrikmißbraͤuche seine Meinung herauszusagen, dann kommt der Kronanwalt herunter nach Chester und verfolgt den Mann vor Gericht, um, wie er sagt, die Gesetze zu raͤchen.“ Die Parlaments⸗Akte von 1834, wodurch das neue Armengesetz eingefuͤhrt wird, gehoͤre, so be⸗ hauptete Szephens, zu den Verordnungen, die nicht mit
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Schrift stimmten, denen man darum auch nicht
u leisten habe. Diesen Satz suchte er durch Ablesung vieler Stellen aus den staatsrechtlichen Werken von Blackstone, Somers, Paley, Locke und Anderen zu erhaͤrten. Ein schla⸗ gendes Argument lieferte ihm Cartwright: „Als Oberst Arxtel unter der Regierung Koͤnig Karl's II. vor Gericht gestellt wurde, weil er die Wache bei dem hohen Kommissions⸗Tribunal kom⸗ mandirt hatte, das Karl J. zum Tode verurtheilte, vertheidigte er sich mit den Worten: Er sey ein Kriegsmann gewesen unter dem Parlament, dem dazumal in den drei Koͤnigreichen Alle gehorcht haͤtten; er habe seinen Vorgesetzten im Dienst folgen muͤssen; haͤtte er sich dessen geweigert, so wuͤrde er nach dem Militairgesetz das Leben verwirkt haben. Die Richter aber ant⸗ worteten: Ja, Ihr mußtet gehorchen, jedoch nur wenn Euch gerechter Befehl gegeben wurde; ungerechte Befehle haben keine Kraft. Darauf hin wurde Oberst Axtel hingerichtet.“ Daß der Pfarrer Stephens mit dieser Vertheidigungs⸗Rede nichts ausrichtete, sondern von der Jury schuldig befunden und danach zu achtzehnmonatlichem Gefaͤngniß verurtheilt wurde, ist schon gemeldet worden.
O'Connell weist in seinem schon erwaͤhnten Schreiben an den Secretair des Vorlaͤufer⸗Vereins in Dublin mit Stolz und Wohlgefallen auf die entschiedene Mißbilligung hin, welche sich daselbst gegen das Treiben der Chartisten so allgemein und
der Folge
leuten bemerklich, welcher Gefahr sie durch dieses kluge Verfah⸗ entgangen seyen; in Irland, erklaͤrt er, sey der Char⸗
welches die Gesetze bestrafen muͤßten, und jede Verbindung mit
land mehr vorgeschritten waͤre, wenn nicht die Chartisten durch tolle Gewaltthaͤtigkeit alle vernuͤnftigen Reformversuche ge⸗ hemmt und unterbrochen haͤtten. Die Chartisten haben nicht bloß alle ehrbaren und gemaͤßigten Reformer mit Unlust er⸗ fuͤllt und entmuthigt, sondern sie haben sich auch ausschließlich das Recht oͤffentlicher Versammlungen angemaßt und wollen Allen, die sich nicht zum Chartisms bekennen, das Abhalten solcher Versammlungen und den freien Ausdruck ihrer Mei⸗ nungen mit gehaͤssiger Tyrannei verwehren.
der Zweck der Chartisten⸗Fuͤhrer dahin, in den arbeitenden Klassen eine unbeschraͤnkte Herrschaft uͤber alle anderen Klassen im Staate aufzustellen, eine Herrschaft, die nothwendig sich in
Mord und Metzeleien kundgeben und in kurzem mit der ver⸗ 1 1 Zahl Belgischen Armee dienen, ohne definitiv darin aufgenommen zu
aͤchtlichsten Anarchie endigen wuͤrde.“
In Chatham werden Vorbereitungen getroffen, um das Wrack des „Royal George“, das bei Spithead liegt, unter der Leitung des Obersten Paisley zu zerstoͤren, und zwar auf die— selbe Weise, wie es im August v. J. mit der Brigg „William“ bei Gravesend geschah. Die Vorrichtung besteht aus zwei Cy⸗ lindern, 7 Fuß hoch und 3 Fuß im Durchmesser, die mit Pul⸗
ver gefuͤllt sind, das durch eine galvanische Batterie entzuͤndet Vornamen dieser Leute angegeben werden, der Ort und das
wird.
Auf die Behauptung des Standard, daß die Französi⸗
schen Blaͤtter allerdings die Wahrheit berichteten, wenn sie ver⸗
sicherten, daß von der Britischen Regierung der Vorschlag ge⸗ macht worden sey, die Flotten Frankreichs und Englands soll⸗
ten sich zusammen nach Alexandrien begeben, um die Flotte des
Pascha's zu zerstoͤren, erwiedert die Morning Chronicle: „Dem ist nicht so. Und waͤre auch der Vorschlag angenommen worden, die Flotten nach Alexandrien zu senden, so wuͤrde er doch die Verbuͤndeten nicht zu jenem Aeußersten genoͤthigt ha⸗ ben. Wenn aber unser Kollege der Meinung ist, daß weder die Britische noch die Franzoͤsische Regierung irgend etwas thun sollten, um die Tuͤrkische Flotte von Mehmed zuruͤckzuer⸗ langen, so koͤnnen wir ihm keinesweges beistimmen. Wir glauben, die Zuruͤckgabe der Flotte muß erlangt Wird die Auslieferung verweigert, so muß sie erzwungen oder die Aegyptische Flotte genommen werden. Haͤtten die Franzoͤsische und die Englische Flotte sich zmischen die Aegyptische und den Hafen gelegt, so haͤtten sie ohne Schwierigkeit ihre Bedingun⸗ gen vorschreiben koͤnnen. Die Idee des Widerstandes bei einer solchen Stellung ist rein chimäaͤrisch. Aber der „Standard“ sagt, wir haͤtten die Verraͤtherei des Kapudan Pascha's verhin⸗ dern koͤnnen. Auf welche Weise denn? Selbst der Britische Offizier am Bord des Tuͤrkischen Admiral⸗Schiffes kannte die Absichten des Kapudan Pascha's nicht eher, als bis die Flotte vor Alexandrien war. Aber selbst wenn wir das Uebel haͤtten verhindern koͤnnen, soll man deshalb nicht ver— suchen, es wieder gut zu machen? Wir sagen nicht, daß Mehmed Ali deshalb zu tadeln ist, weil er die Tuͤrkische Flotte in seiner Gewalt hat; allein wir sagen, er wuͤrde zu tadeln seyn, wenn er sie behielte, nachdem er aufgefordert worden, sie zuruͤckzugeben. Eine solche Forderung betrachtet der „Standard“, weil sie moͤglicherweise zur Anwendung von Gewalt fuͤhren koͤnnte, „„als einen der auffallendsten Vor⸗ schläͤge, die jemals von Staatsmaͤnnern worden.““ Und doch sagt dasselbe Blatt fast in dem naͤmlichen Satze, daß wir lieber die Tuͤrkische Flotte haͤtten zerstoͤren, als zugeben sollen, daß sie in den Hafen von Alexandrien einlaufe! „„Der Abfall des Kapudan Pascha's haͤtte verhindert werden koͤnnen, denn er wuͤrde sich nicht in einen Kampf mit der Britischen Flotte eingelassen haben, um die Fahrt nach Alexandrien zu erzwingen.““ Wir sind dessen doch nicht so ganz gewiß. Der Kapudan Pascha koͤnnte das Wagniß einer Schlacht leicht der Gewißheit der seidenen Schnur vorgezogen haben. Aber auf alle Faͤlle giebt der „Standard“ zu, daß noͤthigenfalls Gewalt haͤtte angewendet werden muͤssen, um den Abfall der Tuͤrkischen Flotte zu verhindern, behauptet je⸗ doch, daß es verkehrt sey, dieselbe anzuwenden, um die Ruͤck⸗ gahe zu erzwingen. Indeß die Ansicht unseres Kollegen ließe sich unendlich richtiger auf die Aegyptische Flotte in ihrer gegenwaͤrtigen Lage, als auf die Tuͤrkische in ihrer fruͤheren Lage anwenden. Wenn die letztere „„nicht eine Schlacht ge⸗ wagt haben wuͤrde““, als sie so wenig zu verlieren hatte, so ist es doch wohl viel behauptet, wenn man sagte, die erstere werde Widerstand leisten, sobald sie durch diesen Widerstand ih⸗ ren sicheren Untergang herbeifuͤhrt.“
Nieberlansde.
Haag, 23. Aug. Man arbeitet unausgesetzt an der Eisenbahn von Haarlem nach Amsterdam, wird sie aber am 24. August, wie fruͤher angekuͤndigt worden, nicht eroͤffnen koͤnnen, weil die dazu erforderlichen Lokomotiven noch nicht aus England angekommen sind.
Das Amsterdamer Handelsblad schreibt aus Bruͤssel vom 21sten d.: „Man sagt, unvorhergesehene Umstaͤnde, die jedoch nichts mit der Politik gemein haben, wuͤrden vielleicht Herrn Du Bus de Ghisignies abhalten, den ihm angebotenen
nachdruͤcklich ausgesprochen habe. O'Connell macht seinen Lands⸗
tismus selbst in seiner mildesten Gestalt ein Kriminal⸗Vergehen, 8
zu dem dem National⸗Konvent sey schon strafwuͤrdig. „Es scheint ganz ausgemacht“, sagt er weiter, „daß die Reformfrage in Eng⸗
Dies ist Despo⸗ tismus der schlimmsten Art; auch geht, gerade heraus gesagt,
werden.
Botschafterposten im Haag anzunehmen, inzwischen laͤßt sich mit Sicherheit hieruͤber noch nichts sagen. Ich glaube sogar, daß Herr Du Bus de Ghisignies binnen acht Tagen nach dem Haag reist, entweder um seine Functionen anzutreten, oder um dem Koͤnige die Gruͤnde bekannt zu machen, welche ihn bestim⸗ men, die Ehre, den Belgischen Monarchen in Holland zu re⸗ praͤsentiren, abzulehnen. In letzterem Falle scheint die Wahl unserer Regierung auf den Fuͤrsten Joseph de Chimay, äͤltesten Sohn des Fuͤrsten de Chimay, Kammerherr des Koͤnigs Wil⸗ helm und fruͤher Mitglied der ersten Kammer der General⸗ staaten, zu fallen.“
Seafset, sind Befehle gegeben, die Truppen aus dem Luxemburgischen wieder in ihre gewoͤhnlichen Garnisonen einruͤcken zu lassen, weil, wie wir vernehmen, jeder Anschein eines Konflikts wegen Martelange verschwunden ist, und die zufriedenstellendsten Ver⸗ sicherungen von Seiten des Haager Kabinets, daß man die Differenz den Berathungen der Demarcations⸗Commissaire gaͤnzlich anheimstelle, erneuert worden sind.“
Die vor einigen Tagen aus Belgischen Blaͤttern mitge⸗
theilte Nachricht uͤber Unruhen in Verviers hat sich als unge⸗ gruͤndet erwiesen.
Der Indépendant schließt einen Artikel uͤber die Bittschrift der Gemeinde⸗Verwaltung von Verviers wie folgt: Man be⸗ gehrt die Abschaffung des Gesetzes vom 31. Juli 1834 und wie koͤnnte diese Maßregel eine Erniedrigung der Preise bis Stand, auf welchem sie sich vorher befanden, hervor⸗ bringen? Wuͤrde durch die Abschaffung dieses Gesetzes das fremde Getraide in großer Menge in unsere Haͤfen einlaufen? Ist doch seit 15 Monaten die Einfuhr des Weizens frei und dennoch ist keiner hereingebracht worden; natuͤrlich, da ein Schiff, das mit Getraide aus dem Schwarzen oder Baltischen Meer ausgefahren, nicht daran denken konnte, nach Belgien u gehen, als es die Hoffnung, ja die Gewißheit hatte, in ondon zu 25 bis 30 pCt. hoͤher zu verkaufen. Durch die Abschaffung des Gesetzes von 1834 wuͤrde daher keine Aus⸗ sicht auf eine Preis⸗Erniedrigung, wohl aber die Gefahr einer Erhoͤhung entstehen, indem die Schranke wegfiele, welche das vorhergesehene Verbot der Ausfuhr gezogen hat. Das wird auch die Antwort der Regierung an den Gemeinderath von Verviers seyn.
In Folge der Ruͤckkehr mehrerer Franzoͤsischer Offizie re nach Frankreich belaͤuft sich die Zahl derjenigen, die in der
seyn, auf 15.
Der Gouverneur von Brabant hat an die Bezirks⸗Com⸗ missaire und an die Gemeinde⸗Verwaltungen seiner Provinz ein Cirkular gerichtet, worin er eine Liste von denjenigen ver⸗ langt, die in ihren resp. Kommunen ein hundertjäͤhriges Alter erreicht haben, und zwar am 1. Januar 1837, 1. Januar 1838 und 1. Januar 1839. In dieser Liste muͤssen die Namen und
Datum ihrer Geburt, ihre Profession, ferner ob sie ehelos, verheirathet oder Wittwer sind, ob und wie lange sie gedient, “ Zustand ihrer Gesundheit und welches ihre Existenz⸗ mittel sind.
Das „Journal des Flandres“ berichtigt jetzt seine fruͤhere Angabe, daß die Hollaͤnder einen Schifffahrts⸗Zoll von 1 Fl. 38 C. auf dem Kanal von Terneuzen verlangen; derselbe be⸗ trägt nur 86 C. „Aber auch diese Forderung“, fuͤgt es hinzu, „ist fuͤr die Genter Schifffahrt sehr druͤckend, und es ist sehr zu fuͤrchten, daß wir diesen Druck bald fuͤhlen, wenn die Re⸗ gierung nicht den Muth hat, die willkuͤrlichen Anspruͤche Hol⸗ lands zuruͤckzuweisen. Schon hat ein Theil der Belgischen Presse, nachdem wir die Sache zuerst zur Sprache gebracht, sich lebhaft ihrer angenommen, und selbst der „Messager de Gand“ bezeichnet das Verfahren der Seelaͤndischen Behoͤrden als ungerecht. Offenbar ist das Recht auf unserer Seite und die Summe von 860 C. pro Tonne, die im Kanal von Ter⸗ neuzen eingezogen wird, ist nichts als eine Erpressung.
Man schreibt aus Tongern vom 21. August: „Der Bi⸗ schof van Bommel hat die Geistlichen des nunmehr Niederlaͤn⸗ dischen Theils von Limburg eingeladen, am naͤchsten Sonntag ein Tedeum zu singen und in ihren Gebeten von nun ab Do: mine salvum fac regem Guilelmum zu sagen. Der Bischof hofft, die Administration des abgetretenen Theils von Limburg zu be⸗ halten, der sonst mit der Dioͤzese von Herzogenbusch vereinigt werden muß; auch hofft er, daß das kleine Seminar von Rol⸗ duͤc unter seiner Aufsicht bleiben und ferner als Unterrichts⸗An⸗ stalt beibehalten werden wird; desgleichen wuͤnscht er, daß den redemptoristischen Missionairen der fernere Aufenthalt in Wittem gestattet werden moͤchte. Diese Hoffnungen stuͤtzen sich darauf, daß der Koͤnig Wilhelm jede religioͤse Reaction vermeiden zu wollen scheint. b
Luͤttich, 23. Auz. (J. de Liège.) Wir haben es schon ausgesprochen, daß der Entschluß der Franzoͤsischen Regierung,
unsere Linnenwagaren hoͤher zu besteuern, in enger Beziehung
zu der Herabsetzung des Zolls auf Kolonialzucker steht. Sie kann nur auf zweierlei Arten die Klagen der noͤrdlichen De⸗ partements beschwichtigen, indem sie entweder unsere Interessen verletzt oder Belgien zu Maßregeln veranlaßt, die fuͤr beide Lander zugleich vortheilhaft sind. Unsere Regierung muͤßte nun dahin zu wirken suchen, daß man diesem letzteren Ausweg den Vorzug gaͤbe, Zu diesem Zweck waͤre es gut, wenn beide Re⸗ gierungen gemeinschaftlich die Eisenbahn von Paris uͤber Lille
und Valenciennes zu Stande braͤchten, indem jede ein Drittel,
ein Viertel oder ein Fuͤnftel der Actien naͤhme. In diesem Fall muͤßten die Belgischen Materialien und Dampfmaschinen mit den Franzoͤsischen konkurriren koͤnnen. 8hes
Das „Journal de Liège“ warnt davor, dem Artikel des „Handels blad“, in welchem Holland den Belgiern so freundlich entgegenkommt, eine zu große Bedeutung beizulegen; es behaup⸗ tet, Frankreich und Holland sey es jetzt darum zu thun, die Auf merksamkeit der Belgischen Regierung von dem Berliner Han dels⸗Kongreß abzulenken, und ermahnt die Minister, wenn es noch Zeit sey, einen faͤhigen Mann nach Berlin zu schicken, der die Belgischen Interessen daselbst vertrete.“
Man schreibt aus Diest: große Unruhe in unserer Stadt. Eine Menge beschaͤftigungslo⸗ ser Arbeiter und ehemaliger Soldaten durchstreifen den Wald von Hageland als Vagabunden und Maraudeurs. Wie immer wird die Gefahr auch hier durch die Furcht noch vergroͤßert. Der Gouverneur von Brabant hat die ganze disponible Gen⸗ darmerie aufgeboten, um diesem Unwesen ein Ende zu machen.“
Deutschland.
Muͤnchen, 22. Aug. (A. Z.) Die Deputation des Auer Magistrats, die vorgestern nach Berchtesgaden abging, um den
Belgien. iübcs 23. Aug. Im Indeépendant liest man: „Es
„Seit einigen Tagen herrscht
4 4 3
4
eine eine Unterstuͤtzung von 1000 Rthlr.
*x¼ 2 - bi König fuͤr die großmuͤthigen Geschenke (außer den Prachtfenstern eine 1.nr Schenkung von 100,000 Fl.) zu danken, die allein die Herstellung ihres — in so reicher Ausstattung moͤglich machte, vereinigt mit dieser; dag S. Majestat geruhen moͤge, als Andenken an die dank⸗ baren Buͤrger der Vorstadt ein Oelgemaͤlde anzunehmen, das, von einem hiesigen Kuͤnstler gefertigt, die Ansicht jener Kirche rstellt. 8 üs. Se. Majestät der Koͤnig hat in Bezug auf die gegen die Nachkommen des veldmar en⸗ Süschn Wrede zu beobach⸗ Courtoisie beschlossen, daß dem. F L1I.e Karl Fuͤrsten von Wrede, als ein be⸗ sonderer Beweis des allerhoͤchsten Wohlwollens, das Praͤdikat Durchlaucht“, den uͤbrigen Mitgliedern des Fuͤrstl. Hauses 77 2 / 2 7, Wrede aber das Praͤdikat „Fuͤrstliche Gnaden“ zustehen soll.
— — Weimar, 24. Aug.
ier eingetroffen. 1 . 9* gce Heate blebr: der Großherzogliche Hof, nebst Ihrer Koͤnigl.
oheit der Prinzessin Karl von Preußen, das hiesige Vogel⸗
schießen mit seiner Gegenwart.
Der Bau wird bis Ende Septembers unter Dach kommen; ebenso sind nunmehr diejenigen Haͤuser weggerissen, welche den neuen Bau verdeckten. Dadurch hat Weimar nunmehr einen Marktplatz von ansehnlicher Groͤße bekommen, welcher mit der seit 20 Jah⸗ ren stets Vergroͤßerung der Stadt im besseren
Verhaͤltniß steht.
Braunschweig, 16. Aug. (Fraͤnk. M.) Die Som⸗ mermesse ist uͤber alle Erwartung gut ausgefallen; Verkaͤufer und Kaͤuser sind groͤßtentheils befriedigt. Die Behoͤrden, welche einen Einsluß auf die Messe ausuͤben koͤnnen, hatten sich aber bemuͤht, Alles aufzubieten, was den Verkehr zu beleben und die Fremden zu fesseln im Stande war. Der seit ¾ Jahren be⸗ stehende Gewerbe⸗Verein hatte waͤhrend der Messe eine Gewerbe⸗ Ausstellung besorgt, welche der Wetteifer der inlaͤndischen Ge⸗ werbtreibenden auf eine nachhaltige Weise angeregt haben wird. Das Publikum wie die Regierung interessiren sich gleich⸗ maͤßig fuͤr den Gewerbe⸗Verein, indem aus jenem trotz der kurzen Zeit seiner Existenz wohl tausend Personen als Mitglieder bei⸗ getreten sind, die Regierung aber fuͤr das erste Jahr dem Ver⸗ ; bewilligt hat. Mit solchen Mitteln und bei der regen Theilnahme, welche der Braunschweiger immer in Sachen der allgemeinen Wohlfahrt gezeigt hat, wird unser Gewerbe⸗Verein gewiß bald den uͤbri⸗
gen Deutschen Vereinen dieser Art sich an die Seite stellen
koͤnnen, und einen bedeutenden Einfluß auf die Gewerbs⸗Thaͤ⸗ tigkeit gewinnen. — Fuͤr die naͤchste Zeit steht das große Wett⸗ rennen bevor.
Der Bau der Eisenbahn nach Harzburg schreitet jetzt wie⸗ der rasch vorwaͤrts. Die Frequenz auf der Braunschweig⸗Wol⸗ fenbuͤttler Bahn ist noch im Steigen begriffen, und waͤhrend der Messe, wo taͤglich 16 Fahrten, darunter zwei Abendfahr⸗ ten, stattfanden, ist dieselbe auf eine enorme Weise gestiegen; an einem Tage wurden sogar 4284 Personen hin und zuruͤck⸗ geschafft, und in der ganzen Meßwoche 15,849 Personen. — Mit Vollendung der Bahn nach Harzburg wird in Harzburg eine Wasser⸗Heilanstalt durch den Dr. med. Stern angelegt seyn, und wird auch diese das Ihrige dazu beitragen, die Frequenz auf der Bahn zu erhoͤhen.
Ein Institut, welches eine große Sorgfalt der Regierung in Anspruch nimmt, und welches seit den 5 Jahren seines Be⸗ stehens schon recht guͤnstige Resultate geliefert hat, ist die Besse⸗ rungs⸗ und Arbeits⸗Anstalt in Bevern. Von den wäaͤhrend der 5 Jahre daselbst aufgenommenen 383 Maͤnnern und 95 Wei⸗ bern sind 206 Maͤnner und 54 Weiber als gebessert entlassen und nur 55 (41 MaäJnhnner und 14 Weiber) haben als Ruͤckfaͤl⸗ lige wieder zuruͤckgeschafft werden muͤssen. Noch guͤnstiger wird sicher sich das Resultat gestalten, wenn der seit Jahresfrist in der Stadt Braunschweig existirende Corrections⸗Verein, welcher die aus Bevern Entlassenen, so lange bis die Gesahr eines Ruͤckfalls entschwunden ist, beaufsichtigt und beschaͤftigt, sich erst uͤber das ganze Land wird ausgebreitet haben, und es steht von der Einsicht und Thaͤtigkeit der Herzogl. Aemter und Kreis⸗ Directionen zu erwarten, daß dieses bald geschieht.
Zu den wichtigsten und interessantesten Arbeiten, welche der am Ende dieses Jahres zusammentretenden Staͤnde Versamm⸗ lung werden aufgegeben werden, gehoͤrt die Berathung eines Straf⸗Gesetzbuches, welches von unserem Geheimen Rath von
Schleinitz entworfen ist. Von diesem gruͤndlich gebildeten Ju-⸗
risten und umsichtigen Staatsmann steht auch zu erwarten, daß die Versprechungen der Landes⸗Regierung, fuͤhrung eines neuen Hypothekenwesens, einer neuen Wechsel⸗ ordnung und in Bezug auf Errichtung eines neuen Handels⸗
gerichts in der Stadt Braunschweig in der naͤchsten Zeit ihre
Erledigung finden werden.
nehmigung unter dem 21. Mai d. Publikum jetzt zur Kenntnißnahme terzeichnung auf,
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. — — Wien, 21. Aug. Die Tuͤrkische Post hat nichts von Bedeutung gebracht. Man harrte in Konstantinopel, von wel⸗ cher Stadt hier Nachrichten bis zum 7ten eingelaufen sind, in großer Spannung der Antwort, welche Mehmed Ali auf die Erklaͤrung des Divans, nur im Einverstaͤndnisse mit den Groß⸗ maͤchten die Unterhandlungen mit ihm pflegen zu wollen, erthei⸗ len werde. Das Dampfboot mit dem diesfaͤlligen Schreiben des Divans war am 30. Juli von Konstantinopel nach Alexan⸗ drien abgegangen; rechnet man daher einen Aufenthalt von fuͤnf bis sechs Tagen in letzterem Hafen, so kann es nicht vor dem läten in Konstantinopel zuruͤck erwartet werden.
Aus Alexandrien sind Nachrichten bis zum 26. Juli ein⸗ gegangen. Die Tuͤrkische Flotte lag ruhig im Hafen und war gänzlich desarmirt. Achmed Pascha ist als nomineller Befehls⸗ haber der Flotte von Mehmed Ali bestaͤtigt, jedoch unter das Ober⸗Kommando des Aegyptischen Admirals gestellt worden. — Der unlaͤngst zum Contre⸗Admiral erhobene Chef der Oesterr. Marine⸗Division, Baron Bandierä, war am Bord seiner Fre⸗ gatte auf der Rhede von Alexandrien eingelaufen, und nach kurzem Aufenthalte am 2lsten wieder unter Segel gegangen. — Aus Syrien wird gemeldet, daß Ibrahim Pascha Orfa, am linken Euphrat⸗Ufer, besetzt habe. Hafiz Pascha verweilte in dem Paschalik von Sirvas, seine gesammte Macht wird nicht uͤber 15,900 Mann angeschlagen.
Wien, 22. Aug. Eine allgemeine wechselseitige Kapitalien⸗ und Renten⸗Versicherungs⸗Anstalt, welche die Kaiserliche Ge⸗ J. erhalten hat, fordert das ihrer Statuten und zur Un⸗ worauf demnaͤchst die Einberufung zur ersten
Danksagung auch die Bitte,
gen lassen,
oͤnigl. Regierungs⸗Pra⸗ Gestern Mittag ist Se. Kö⸗
nigl. Hoheit der Erbgroßherzog aus England gluͤcklich wieder
des neuen Rathhauses ist weit vorgeschritten und
in Bezug auf Ein⸗
Organisation der Anstalt fol⸗
1““
General⸗Versammlung und die gen soll.
X“X““ “ Se. Majestaͤt der Kaiser hat zu
Mailand, 19. Aug. geruht, daß kuͤnftig alle Privatpersonen und Koͤrper⸗
verordnen
schaften, welche goldene, silberne oder bronzene Medaillen praͤ⸗
ein Exemplar davon in Bronze an das numisma⸗
tische Kabinet in Wien zu senden gehalten sind. 8
Spanien.
Madrid, 14. Aug. Der Griechische Ges die Hauptstadt verlassen 1☛ fen worden, da dieselbe, nur nach Paris, London,
Gesandte senden will. 8 Der General ODonnell hat die Belagerung der Stadt ales begonnen und der General Ayerbe die Laufgräben vor
Segura eroͤffnet.
Spanische Graͤnze. Bayonne wissen, daß die fangen haͤtten, mit Elio zu
hat gestern
St. Petersburg und Konstantinopel
Am 19. August wollte man in Insurgenten in Vera bereits ange⸗ - parlamentiren, und daß zwei Offi⸗ 25 güe- beiden an Don Carlos abgesandt worden eyen, und wegen der Unterwerfung des fuͤnften Navarresische Bataillons zu unterhandeln. LG a
G Tuͤrkei.
Konstantinopel, 7. Aug. (A. Z.) Die Stimmung unter den irregulairen Truppen und Milizen ist, den letzten Nachrichten aus Klein⸗Asien zufolge, so gefahrdrohend, daß die Pforte sich genoͤthigt fuͤhlt, dieselben aufzuloͤsen und nach Hause zu schicken. Andererseits erfaͤhrt man aber aus Syrien, daß
auch dort der Geist der Unzufriedenheit zu Ausbruͤchen gekom⸗ men; das ganze Gebirge suͤdlich vom Hama befindet sich im
Punkten in Syrien die Einwohner sich erhoben haben.
reichen Truppen gegen die Insurgenten gezogen, und man glaubt, daß in diesem Augenblick die Unruhen bereits gedaͤmpft seyn werden. Im Ganzen ist uͤbrigens Mehmed's Stellun fuͤr den Augenblick vortheilhafter als je. Selbst hier in der Hauptstadt weht Aegyptischer Geist; die . Mehmed Ali's hat Viele bestochen, seine Partei mehr zu man hier spielen laͤßt,
uud von Tag zu Tag scheint erstarken. Die Intriguen, die nan h graͤnzen ans Unglaubliche. Nicht die Osmanen allein, nein die Mohammedaner uͤberhaupt haben sich uͤberlebt, uͤberall Verrath und Aufloͤsung in allen Gestalten. Waͤre Hafiz Pascha
koͤnnen, seinen Verrath zu vollbringen, so waͤre das ganze Staatsgebaͤude des Vice⸗ oͤnigs eben so schnell, vielleicht noch schneller zusammengestuͤrzt, als es jetzt mit dem Osmanischen Reich der Fall zu seyn droht. Denn von Ibrahim Pascha, dem Sieger von Nesbi, sollen in den letzten Tagen 5000 Aegyptier abgefallen seyn, die mit Waffen und Gepaͤck zu den Tuͤrken uͤbergingen und nun in die Tuͤrkischen Regimenter und theil⸗ weise in die Garde eingereiht werden sollen, und dies jetzt, in einem Augenblick, wo Mehmed Ali auf dem Gipfel seines Gluͤcks sich befindet, wo ihm Alles zu gelingen scheint, was er nur je zu wuͤnschen sich getraut. In Wahrheit, man muß an der Zu⸗ kunft des Orients verzweifeln, Mehmed Ali seine Neigung geschenkt haben.
Koͤnigsmark hat diesmal das Fest seines Koͤnigs mit Pracht gefeiert. Der Sultan schickte den Beligdschi Efendi und den Dragoman der Pforte in das Hotel des Gesandten, um die Gluͤckwuͤnsche Sr. Hoheit zum Feste des Koͤnigs darzu⸗ bringen und zugleich Danksagungen abzustatten fuͤr die große Theilnahme, die Preußen fuͤr die Pforte durch den Anschluß an die anderen Maͤchte, um die Schlichtung der Orientalischen Wirren zu bewirken, an den Tag gelegt. ö
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— — Bromberg, 24. Aug. — Viehseuchen. — Un⸗ ter dem Rindvieh in Golombki (Kreises Mogilno) ist der Milzbrand ausgebrochen, daher dieser Ort und seine Feld⸗ mark fuͤr Rindvieh, Rauchfutter und Duͤnger gesperrt worden sind. — Auch haben sich in einigen Gegenden des Departements die Schaafpocken gezeigt, und drohen, sich unter den Heerden
mehr und mehr auszubreiten, weshalb die geeigneten Maßre⸗ geln zu ihrer Unterdruͤckung getroffen sind.
Muͤnster, 24. Aug. Wesuph. M.) Die Gesangfeste kommen in hiesiger Provinz, wie man mit Freude bemerkt, im⸗ mer mehr in Aufnahme. Einer amtlichen Nachricht zufolge, haben sich auch die katholischen Schullehrer im Arnsbergischen und Mindenschen Regierungs⸗Bezirke unter der Leitung des Seminar⸗Lehrers Honcamp zu Buͤren zur Feier eines jͤhrli⸗ Das erste Gesangfest wird am
chen Gesangfestes vereinigt. Die Zahl der
9. Oktober d. J. zu Brilon gefeiert werden. theilnehmenden Mitglieder beträgt 332.
EFTelegraphische Nachrichten.
Aus dem Haag, 24. Aug. Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Friedrich der Niederlande ist gestern Nachmittag um 3 Uhr in erwuͤnschtem Wohlseyn hier eingetroffen.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
„Berlin. Unter den letzten Opern⸗Vorstellungen auf der König⸗ lichen Bühne zeichneten sich zwei besonders aus, die des „Don Juan“ in der vorigen Woche, und die gestrige des Rossinischen „Varbier von doppelt willkommen war. In beiden Opern gastirte der Bassist, Füer erstel aus Stuttgart, unter lebhaftem und wohlverdientem
eifall, dort als Leporello, hier als Doktor Bartolo. Mozart's un⸗ sterbliches Meisterwerk, an dem man sich nie satt hören wird, dirigirte diesmal wieder der General⸗Musikdirektor Spontini; das Orchester war wie von Einem Hauch belebt, und die Sänger führten ihre Auf⸗ gabe mit größter Präzision und Energie aus. Fräulein von Faßmaun und Dlle. Schulze hatten ihre Partieen, Donna Anna und Donna Elvirga, vielleicht nie mit solchem Feuer und mit so vollkommener Reinheit gesungen; auch Dlle. Grünbaum, als Zerline, war sehr gut bei Stimme;
err Bötticher ließ als Don Juan im Gesange nichts zu wünschen brig; sein Spiel hatte an Lebendigkeit und Grazie bedeutend gewon⸗ nen; Herr Mantius, als Ottavio, entfaltete allen Reiz seiner schönen Stim⸗ me und seines edlen Vortrages. Der Gast, Herr Gerstel, der vorher schon als Doktor Dulcamara in Donizetti's Liebestrank aufgetreten war, zeigte sich als Sänger und Schauspieler von schätzenswerther Bildung, die Effekte nicht in Uebertreibung suchend, sondern auf den /Geist der Rolle eingehend und die Komik nicht auf Kosten der Musik hervor⸗
behrun
. Doch waren Soliman Pascha und Mehmed's Kriegs⸗Minister mit zahl⸗
Versprechungen und das Gold
in der Schlacht am Euphrat nicht unterlegen, haͤtte der Kapudan Pascha verhindert werden
keln.
Charlottenhof. den Bronceguß bestimmte Modell, dessen Aufstellung auf einem öffent⸗
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Insurrectionszustand; nebstdem sollen auf mehreren anderen
1 -
““ 25 8 hebend. Seine Stimme ist wohlklingend und rein, auch star um in den Ensemble’'s gehörig zu wirken; etwas ö mung in der Art des Klanges der hohen und tiefen Lage möchte ihr vielleicht noch zu wünschen seyn. Eben so trefflich wie als Leporello war Herr Gerstel auch als Bartolo, und selbst diese Rolle, die noch cher zu komischer Extravaganz verleiten kann, wußte er in gemessener, aber darum nicht minder wirkungsreicher Haltung durch⸗ uführen. Dlle Löwe ist als Rosine ganz in ihrem Element; sie — hier all ihre geistreiche Feinheit und pikante Grazie entwik⸗ Die gestrige Aufführung des „Barbier“ hat gewiß in Vielen den Wunsch rege gemacht, daß Rossini’'s Opern nicht so zurückgelegt werden möchten, wie es ig der letzten Zeit geschehen; nachdem man
so viel Bellini, Douizetti und Mercadante gehört, muß man erst
Er ist von seiner Regierung abberu⸗ echt fühlen,
aus oͤkonomischen Gruͤnden, kuͤnftig
wie hoch jener Meister über diesen seinen Rachfolgern steht. 10.
Zinkguß in Berlin. . In der hiesigen Zinkgießerei des Herrn Geiß ist vor kurzem ein Ab⸗ J. in Zink von der Kißschen Amazonen⸗Gruppe aufgestellt worden, estellt von Sr. Königl. Hoheit dem Kronprinzen für das Lustschloß Der Guß ist in kleinerem Maßstabe als das für
lichen Platz in Berlin jetzt, nachdem die erforderlichen Kosten zum größten Theil gedeckt sind, bereits zur erfreulichen Gewißheit geworden ist. Obwobl nun dieses kleinere Kunstwerk nach dem ersten Entwurf des Künstlers gegossen worden, so sind demselben doch alle die feineren Ausbildungen zu Statten gekommen, welche Herr Kiß bei der Ausführung im Großen zu machen Gelegenheit hatte, denn enes frühere Gypsmodell hat erst nach nochmaliger Ueberarbeitung von es Künstlers Hand zum Guß gedient. Was diesen Guß anlangt, so giebt er nicht nur das Modell in seiner größten Feinheit unmittel⸗ dar wieder, sondern leistet hierin sogar mehr, als von der Bronce zu erwarten steht. Letzteres Material bedarf immer noch der Nachhülfe durch den Meißel, während der Zink die zusammeunhängendste, zar⸗ teste und lebendigste Gußhaut darbietet, und die Löthfugen, welche bier nicht vermieden werden dürfen, sind so geuan zusammen⸗
schließend, daß sie, nur leicht mit der Feile übergangen, dem suchenden
Auge kaum sichtbar werden und an Haltbarkeit sogar die gewöhnliche Gußsläche noch übertreffen. Es ist dies auch nicht die erste Statue, welche aus der Werkstatt des Herrn Geiß hervorgeht; derselbe machte zuerst den Versuch, statuarische Werke in Zink zu gießen mit der Statue des Apollino, sodaun mit der des sogenannten Adorante (der auf dem biesigen Museum befindlichen Bronce), ferner der Venus von Capua, dem Faruesischen Herkules und der sogenauuten Humboldtschen Rymphe. Alle diese Werke haben an Feinheit und Reinbdeit der Oberfläche des Gusses die größten Ansprüche erfüllt, wo nicht übertrofsen, denn das Metall zeigt sich so folgsam, als wir es nur irgend vom Gyps gewohnt sind, und die Zusammenfügung durch unscheiubare Löthfu
gen läßt jede Schwierigkeit verschwinden, welche stark hervortretende
oder unterschnittene Theile darbieten könnten. Eine neue Probe hat der Zinkguß durch die gegenwärtige Gruppe bestanden, indem dieselbe ungleich fomplizirter, als alles zuvor Gegossene war, und nament⸗ lich auch wett mehr hervorspringendes Detail enthielt. Durch wieder⸗ holten Anstrich mit Vitriol hat das Bildwerk einen beständigen Ueber⸗ flug von Kapfer erhalteu, welcher zu der Vollkommenbeit der wieder⸗ FM Form auch noch eine ansprechendere Farbe hinzufügt, denn ieser Ueberzug von Kupfer kann nunmehr eine grüne Patina anneh⸗ men, welche sich vor der weißlich grauen des Zinks allerdings sehr vortheilhaft auszeichnet.
Wir fönnen nscht umhin, bei dieser Gelegenheit noch in größerer
Allgemeinheit von den Leistungen der genannten Zinkgießerei zu
man mag nun der Pforte oder Graf von besonderer
Sevilla“, der über zwei Jahre geruht hatte und nach so langer Eut⸗
sprechen.
400 Fuß, so wie 24 Korinthische Kapitäle im Innern.
Sie hat einem Material, welches der Preußische Staat bekanntlich in größerer Menge gewinnt, aäls irgend ein anderer, zu⸗ erst durch die Verarbeitung im Guß einen ungleich größeren Werth abge⸗ wonnen, weshalb ihr, auf den Bericht des Herrn Ober⸗Bau⸗Direktors Schinkel, vom hiesigen Gewerbe⸗Verein vor einigen Jahren die Prämie zuerkannt worden. Eine sehr ausgedehnte Anwendung hat der Zink⸗ auß durch die von Herrn Geiß erfundene patentirte Construction der Dachplatten erhalten, deren große Vorzüge vor der aus gewalztem Blech, welches zu einem Continunm zusammengelöthet wird, sich immer mehr bewähren und das Material wieder ju Ehren bringen, dem man die Febler einer falschen Verwendung mit Unrecht aufbürdete. Als Continunm mußte die Zinkfläche bei der Ausdehnung und Zu⸗ sammenziehung durch wechselnde Temperatur schon mechanischen Zer⸗ störungen ausgesetzt seyn, und wenn dies Metall die glückliche Eigen⸗ schaft besitzt, daß nur die Oberfläche oxpdirt und daß, sobald dieselbe sich mit Oryd überzogen hat, dies sogar als Schutzmittel gegen wei⸗ teres Umsichgreifen dient, so mußte dieselbe doch aufhören bei gar zu⸗ großer Dünnheit der Platten, wo nämlich keine reine Metallschicht mehr übrig blieb, welche hätte geschützt werden können. Dazu kam noch, daß eindringende Fenschrigtit das unterliegende Holz ergriff und bier durch Gährung Holzessigsäͤure entwickelte, welche freilich die Oxp⸗ dation in hohem Grade befördern und die Zerstörung des Metalls berbeiführen mußte. Alle diese Uebelstände sind bei der patentirten Constructton der nach allen Seiten übereinander greifenden Dachplat⸗ ten beseitigt. Die erste Anwendung im Großen geschah an der neu⸗ erbauten Rikolai⸗Kirche zu Potsdam, woselbst das über 15,000 Cua⸗ dratfuß große Dach auf diese Weise eingedeckt ist. Zugleich sind aber auch andere Architekturtheile von der größten Ausdehnung und mit reichen Verzierungen an ebeu dieser Kirche in Zink ausgeführt wor⸗ den, weil jedes andere Material kostspieliger und weniger haltbar ge⸗ wesen seyn würde; so die 18 Joll hohe Sima in einer Länge von Ferner sind auf die Weise die Chorbrüstung, die Kanzel und die Orgel mit Or⸗ namenten, Reliefs und Figuren geziert worden, so daß dei diesem Bau allein ein Verbrauch von mehr als 1500 Centnern stattfand. Es ergab sich, daß der Zink den Sandstein, ja sogar Stuck, Holz und ebraunten Thon an Wohlfeilheit noch übertreffe, während er durch hine große Bildsamkeit und leichte Behandlung ungleich mehr für die Form leistet. Ein für seine Verwendung zur Alrrchitektur sehr empfehlender Umstand ist besonders noch das geringe Gewicht. Nur zu Theilen, welche tragen sollen, scheint er nicht geeignet, wohl aber zu deren Verkleidung. Doch sieht man ihn in Berlin nicht selten izu zierlichen Tischfüßen angewandt. In der neuesten Zeit ist der Zinkguß immer bedentender gewor⸗
den für die Restauration von Gebäüden. Der Sandstein hält in unse⸗
rem Klima nicht ans, und muß, namentlich in den Ue ge-e. 78 namenttheilen ersetzt werden. Das Köutgliche Schloß hat. 56 28 Weife die Statnen verlieren müssen, welche ehemals seine Ballustrade
; auf Gebände ben die nach dem Styl des vo⸗ schmückten; auf anderen Gebänden ha Necnh.s. gezricgen vas
rigen Jahrhunderts gearbelteten Vasen, 1
hen 3 entweder sehr kostsplelige Nlene asd,unen üssen. Hier ch der 8
baben ganz erneuert werden müsse Fndem er die barocken. For⸗
s bequemste und wohlfeilste Mittel an, in — va9. V1 man jetzt kaum mehr in Stein zu n. Fere vollkommen wiedergiebt mit allen Zufälligkeiten der Oberfläche des
Stei 9 man nur abzuformen braucht. Eben so ist die S h Hauptgesimmses der Universitaͤt durch da. Zintguß sehr gefördert worden, und gegenwärtig werden die Modillons für die Gallerieen der beiden unvergleichlich schbönen Domthürme auf unserem Gendarmen⸗Markt, welche, trefflich restaurirt, der biesigen Residenz künftig zu um so größerem Schmuck gereichen werden, in Zink
gegossen⸗ ieses Jab s iß auch nach Wien ver⸗ be⸗ dieses Jahres ist der Zinkguß auch nach Wien ve Eö” 4 Geiß sich zu diesem Zweck mit dem als
b rden, indem He 1 1 ezttenr der allgemeinen Bau⸗Zeitung ruͤhmlichst bekannten Architek⸗ ten Herrn Förster daselbst zum gemeinschaftlichen Betriebe einer Fa-⸗
it verbunden hat. Bereits ist ein großer Theil von Modellen, wel⸗ 8 venr den besten Berliner Architekten, von Schinkel, Stüler, Per⸗ sius, Schadow, Knoblauch, Strack u. A. erfunden find, nach Wien libersandt, und es wird auf diesem Wege der Geschmack der Decora⸗
Süddeut
sind, sich wahrscheinlich zunächst nach der chhei V“
hin übertragen.
tion, in dem unsere Architekten durch den au ihrer Spitze stehenden Meister ihren auswärtigen Genossen vielleicht in ban Europa voraus