1839 / 317 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Perier's repräsentiren, und der Graf Boissy sey vermuthlich we⸗ gen seines bedeutenden Vermoͤgens ernannt worden. Auf den Antrag des Herrn Say verlangt jetzt die Stadt ris von dem Minister die Herabsetzung des Zolls auf fremdes chlachtvieh, und beweist unwiderleglich, wie nachtheilig die Vertheue⸗ rung des Viehs fuͤr Ackerbau und Fabriken ist. Das Steigen der Fleischpreise bei abnehmendem Verbrauch stellt außer Zweifel, daß eine Abaͤnderung des bestehenden Systems heilsam, ja nothwendig ist. Die Stadt Paris sollte aber bei sich selbst die Reformen beginnen; sie klagt uͤber den Eingangszoll von 55 Fr., den der Staat fuͤr jedes Stuͤck Rindvich nimmt, denkt aber nicht an die Herabsetzung ihres Stadtzolles, der mit Einrechnung der Steuer auf die Schlachthaͤuser 42 Fr. pro Stuͤck betraͤgt und im Ver⸗ haͤltniß das üͤbrige Vieh eben so stark belastet. Es ist daher sehr natuͤrlich, daß der Fleischverbrauch im Allgemeinen abnimmt, waͤhrend die Consumtion der schlechten Sorten des Pferde⸗, Hunde⸗ und Katzenfleisches jaͤhrlich steigt, daß die Bevoͤlkerung sich bei hoöͤherem Tagelohn doch schlecht naͤhrt, und mehr und mehr in die Doͤrfer außerhalb der Barrieren zieht, waͤhrend ein großer Theil in den Spitaͤlern stirbt. Dies verdiente wohl eine sorg⸗ ame Untersuchung, wobei man jedoch nicht den Praͤfekten und seine Raͤthe hoͤren muͤßte, welche aus dem Ertrage dieser Steuern ein Stadthaus fuͤr 10 Millionen erbauen, und die oͤffentlichen laͤtze mit vergoldeten Kandelabern erleuchten; bessere und wahr⸗ Fns Aufschluͤsse wuͤrden die Armen⸗Commissaire, die Wein⸗ und el⸗Schmuggler, deren in den Gefaͤngnissen genug sind, die Be⸗ N. wohlfeiler Speisehaͤuser und die Fadrikanten ertheilen kennen . In Bona hat vor kurzem ein ganz aͤhnlicher Fall stattge⸗ funden, wie der, der vor einigen Jahren die Augen von ganz Frankreich mehrere Tage lang auf den verschuͤtteten Handwerker ufarel richtete. Ein Jude, Namens Lamroucht, ward beim Reinigen eines Brunnens durch den Einsturz des Mauerwerkes verschuͤttet. Wie Dufarel ward auch er durch ein wunderbares Dach, welches sich aus den herabgefallenen Steinen gebildet hatte, eschüͤtzt, und es gelang den unermuͤdlichen Anstrengungen des ngenieurs und der Linientruppen, ihn nach 83stuͤndiger muͤhsa⸗ mer und gefaͤhrlicher Arbeit wohlbehalten wieder ans Licht zu bringen. Der ausfuͤhrliche Bericht, den die hiesigen Blaͤtter dar⸗ uͤber mittheilen, ist hoͤchst ergreifend und von einem wahrhaft dramatischen Interesse. 2 Boͤrse vom 9. Nov. Heute fruͤh war bei Tortoni das Berücht verbreitet, daß die Truppen der Afrikanischen Expedition an die Suͤmpfe, welche sich in der Umgegend von Bugia befin⸗ den, gelangt waͤren, und daß der Herzog von Orleans von der Ruhr befallen worden sey. Es sind gestern im Ministerium der auswaͤrtigen Angelegenheiten Depeschen aus Algier eingetroffen; uͤber den eigentlichen Inhalt derselben verlautet noch nichts, in⸗ 2 deß sagte man in den Buͤreaus jenes Ministeriums, daß sie sehr unguͤnstige Nachrichten mitbraͤchten. Diese Geruͤchte und die traurigen Nachrichten aus den Vereinigten Staaten, die heute hier eingetroffen sind, erschreckten die Spekulanten. Die Course sind zwar nicht sehr gefallen, aber hieran scheint nur der gaͤnz⸗ liche Stillstand des Geschaͤfts schuld gewesen zu seyn. Man ist ier sehr besorgt wegen der Wirkung, die die Nachrichten aus ord⸗Amerika in Lyon und St. Etienne hervorbringen werden. Der Seidenhandel auf diesen beiden Plaͤtzen war schon in einer sehr pre⸗ cairen Lage, und das Schicksal desselben hing großentheils von dem un⸗ gestoͤrten Fortgange der Geschaͤfte in den Vereinigten Staaten ab. Der groͤßere Theil der Pariser Banquiers war heute fruͤh dei dem Herrn von Rothschild versammelt, um uͤber die finan⸗ ziellen Maßregeln zu berathen, welche durch die Nachrichten aus Amerika nothwendig gemacht werden duͤrften. Die Nachricht von der Absetzung des Grafen von Espassa hat nicht, wie man erwartete, nachhaltig guͤnstig auf die Course der Spanischen Fonds gewirkt. Die aktive Schuld ist heute wieder von 28 % auf 28 gewichen. Man schreibt diese neuerdings eintretende Ent⸗ werthung dem Geruͤchte zu, daß eine große Menge falscher Obli⸗ gationen im Publikum zirkulirten. Montereau, 8. Nov. Die Bruͤcke von Montereau ist estern der Schauplatz eines furchtbaren Ungluͤcks gewesen. Das Postschiff von Auverre befand sich noch in einiger Entfernung von der Bruͤcke von Montereau, als der Lootse den Capitain benachrichtigen zu muͤssen glaubte, daß es bei dem Steigen des Wassers, wodurch die Schifffahrt an dieser Stelle gefaͤhrlich ge⸗ macht wuͤrde, zweckmaͤßig seyn duͤrfte, das Fahrwasser zu ver⸗ assen, und sich durch Pferde ziehen zu lassen. Der Capitain nahm keine Ruͤcksiche auf diesen Rath. Aber als man sich der Bruͤcke naͤherte, wurde das Schiff mit großer Heftigkeit gegen einen der Pfeiler geworfen den es zer⸗ truͤmmerte, aber selbst zu gleicher eit zerschmettert wurde. In der Kajuͤte befanden sich siebzig Passagiere. Das Schiff sank augenblicklich, ohne daß einer der Passagiere Zeit gehabt haͤtte, sich zu retten. Ein muthiger Matrose stuͤrzte sich war achtmal ins Wasser, erreichte das Fenster der Kajuͤte und brachte nacheinander acht der Passagiere ans Ufer; aber zuletzt verließen ihn seine Kraͤfte und die uͤbrigen 62 Passagiere wurden ein Opfer der Unvorsichtigkeit des Capitains.

Großbritanien und Irland.

London, 9. Nov. Da die Gesundheit des Grafen von Clarendon durch seinen langen Aufenthalt in Spanien sehr gelit⸗ ten hat, so ist ihm von den Aerzten anempfohlen worden, diesen ganzen Winter in Italien zuzubringen. Es sind jedoch Briefe von ihm hier eingegangen, in welchen er die Absicht kundgiebt, schon gegen Ende dieses Segre⸗ nach London zuruͤckzukehren, um seinen Minister Posten als Großsiegelbewahrer einzunehmen.

Fäuͤrst Esterhazy hat sich vorgestern zu Dover nach dem Konti⸗

nent eingeschifft.

Sir John Keane, Oberbefehlshaber der Englischen Expedi⸗

tions⸗Armee in Afghanistan, hat den Feldzug in Aegypten im

Jahre 1801 mitgemacht, und war wegen seines tapfern Verhal⸗

tens in Martinique, so wie bei den Schlachten von Vittorta, Or⸗

thes, Toulouse mit Orden geschmuͤckt worden. Bei New⸗Hrleans wurde er schwer verwundet. 1t Der Schottische Adel hatte am 31sten v. M⸗ Irvine wieder ein Tournier veranstaltet, beit welchem Graf Eglintoun als

Kampfrichter fungirte.

8 Das Verhoͤr der wegen der Unruhen in Newport verhafte⸗ en Individuen, unter denen sich auch ein Buchdrucker, Namens Partridge, befindet, hat am 5ten d. begonnen. Frost, der Anfuͤhrer

der Chartisten, ist ein Mann von etwa 56 Jahren, von mittlerer

Groͤße, mit grauem Haar. Er sah blaß und aufgeregt aus, doch spielte ein Laͤcheln des Hohns um seine Lippen. aters, ein

lunger Mann von etwa 24 Jahren, ist Schiffszimmermann;

sein Aussehen wird als duͤster und muͤrrisch geschildert. Beide den ihnen angebotenen rechtlichen

ngeklagte weigerten sich,

Beistand anzunehmen, oder auch nur den 8 sie aufgerufe⸗

nen Zeugen Feage vorzulegen. Der erste Zeuge, der verhoͤrt wurde, war ein schwer verwundeter Aufruͤhrer, der uͤber die Or⸗

ganisirung des Trupps, zu dem er gehoͤrte, aussagte, so die Verabredungen zu dem Unternehmen gegen Newport, welche in einer großen Versammlung der Chartisten am 2ten und 3ten getroffen worden sind, uͤber die Theilnahme von Frost an dem Marsch nach Newport und uͤber den Angriff auf das Wirthshaus. Mehrere andere Zeugen, Bewohner von New⸗ port, und zum Theil Extra⸗Konstabler, wurden darauf abge⸗ hoͤört, um sowohl die varn von Frost und Waters an den Vorfaͤllen in der Stadt, als die Umstaͤnde ihrer Verhaf⸗ tung festzustellen; als man eben damit fertig war, verbrei⸗ tete sich das Geruͤcht, daß die Chartisten zu einem neuen An⸗ griff auf die Stadt heranruͤckten. Die Gefangenen wurden daher sogleich wieder in Gewahrsam gebracht, die Truppen von neuem aufgeboten, die Infanterie in die Westgate⸗Inn geworfen, und eine mittlerweile angekommene Abtheilung des 10. Husaren⸗ Regiments zum Patrouilliren in den Straßen beordert, alle Laͤ⸗ den wurden geschlossen, und die Stadt sah aus, als waͤre sie im Belagerungs⸗Zustand, Das Geruͤcht erwies sich zwar als unbe⸗ gruͤndet; indeß erschien es zweckmaͤßig, Frost und Waters bald⸗ moͤglichst in sicheren Gewahrsam zu bringen. Das Verhoͤr wurde daher geschlossen und ihnen angekuͤndigt, daß sie unter An⸗ klage wegen Hochverraths in das Gefoͤngniß von Monmouth abgefuͤhrt werden sollten. Dies geschah auch sogleich, und schon am 6ten Morgens langten sie unter Eskorte einer Abthei⸗ lung des zwoͤlften Lancier⸗Regiments in Monmouth an. Auf dem Wege dahin hatten sich keine Chartisten blicken lassen, auch ist bis jetzt noch kein Versuch zu ihrer Befreiuung gemacht worden. Man glaubt, die Regierung werde einen Spe⸗ tal⸗Befehl erlassen, um ihren Prozeß vor die viertehaͤhrlichen Assisen zu bringen. Vorgestern haben noch neue Verhaftungen u Newport stattgefunden. Zur Aufreizung des Volks diente esonders ein von dem Chartisten⸗Chef Henry Vincent herausge⸗ gebenes Blatt, welches derselbe in seinem Gefaͤngniß zu Mon⸗ mouth redigirt, und worin die Regierung fortwaͤhrend aufs heftigste angegriffen wurde. Die Morning Chroniecle sindet in dem Inhalt dieses Blattes eine auffallende Aehnlichkeit mit den Angriffen, welche die Tories gegen das Ministerium richten; viele Beschwerdepunkte sind auf beiden Seiten ganz dieselben.

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Uebrigens meint dieses Blatt, daß wohl auch die harte Behandlung, welcher die fruüͤher ver⸗ hafteten Chartisten⸗Fuͤhrer, namentlich Vincent, in ihren Gefaͤng⸗ nissen angeblich ausgesetzt seyen, zu den neuen Unruhen in Wales beigetragen haben moͤchte, und es empfiehlt der Regierung daher eine mildere Gefaͤngniß⸗Disziplin. Der Globe, der, wie schon erwaͤhnt, den Hauptgrund dieser fortwaͤhrenden Unruhen in dem Mangel an Belehrung unter den arbeitenden Klassen sucht, dringt vor Nlem auf bessere Sorge fuͤr den Volks⸗Unterricht, damit die arbeitende Bevoͤlkerung uͤber ihre wahren Interessen aufgeklaͤrt werde und nicht, wie es in der letzten Zeit an so vielen Orten, namentlich in Suͤd⸗Wales und Kent, zu Birmingham und Bol⸗ ton, geschehen sey, durch Leute, die ihr von nothwendiger Erhoͤ⸗ hung des Arbeitslohns, von Streichung der Staatsschuld, von Tyrannei des neuen Armen⸗Gesetzes und dergleichen vorpredigten, in ihrer Unwissenheit sich bethoͤren und zu Aufruhr fortreißen lasse.

Der Manchester Guardian erzaͤhlt, daß die Direktoren der Handelskammer von Manchester vor kurzem den Dr. Bo⸗ wring aufgefordert haͤtten, ihnen das Resultat seiner Mission zu der Deutschen Zoll⸗Konferenz mitzutheilen, und daß Letzterer sich dazu bereit erklaͤrt habe, wenn die Regierung nicht dagegen sey. Das genannte Blatt fuͤgt hinzu, daß die Minister, deshalb be⸗ fragt, ihre Zustimmung gegeben haͤtten, und daß daher wahr⸗ scheinlich binnen kurzem eine Versammlung werde berufen wer⸗ den, um den Bericht des Dr. Bowring zu vernehmen.

Der protestantische Erzbischof von Dublin, Dr. Whateley, hatte den Plan, ein besonderes Kollegium fuͤr die spezielle Bil⸗ dung von Kandidaten fuͤr den geistlichen Stand in Irland zu errichten; er findet aber dabei solchen Widerstand von Seiten der uͤbrigen Geistlichkeit der herrschenden Kirche in Irland, daß man glaubt, er werde sein Vorhaben aufgeben muͤssen.

In der Irlaͤndischen Grafschaft Kerry sollen kuͤrzlich 200 Katholiken zum Protestantismus uͤbergetreten seyn.

Aus Dublin vom 6ten d. wird der Morning Chroniecle eschrieben: „Ich meldete Ihnen vor einiger Zeit, daß die Tory⸗ Emissarien von der Faction Roden und Bradshaw den Papst uͤberredet haͤtten, unser National⸗Unterrichts⸗System (nach wel⸗ chem Kinder von protestantischen und katholischen Aeltern zusam⸗ men unterrichtet werden) sey darauf berechnet, seine Autoritat in Irland umzustoßen. Da dem Papst dasselbe von Dr. Mac Hale (dem katholischen Erzbischof von Tuam) und seinem An⸗ Png⸗ berichtet wurde, so war er um so mehr geneigt, auf diese

orstellungen von der anderen aͤußersten Seite zu hoͤren und sich in eine Sache zu mischen, deren Regulirung er, wenn er der Weisheit Gehoͤr gaͤbe, in der jetzigen Zeit jeder Nation selbst uͤberlassen sollte. Es heißt jetzt, Dr. Murray (der katholische Erzbischof von Dublin) sev von Rom aus aufgefordert worden, sich daruͤber zu verantworten, daß er an der Verbreitung von Kenntnissen unter dem Landvolke Ir⸗ lands Theil genommen habe und noch Theil nehme; zwei ; seiner Dioͤcese sollen im vorigen Monate nach Rom ge⸗ andt worden seyn, um auf diese Beschuldigung zu antworten. Die große Mehrzahl der katholischen Geistlichen, mit Einschluß aller derjenigen, die durch ihre Kenntnisse, Wuͤrde und Beschei⸗ denheit am achtbarsten sind, haben sich indeß zu sehr an die Un⸗

terstuͤtzung des National⸗Unterrichts⸗Kollegiums gebunden, als

daß sie selbst auf Geheiß des Papstes davon zurücktreten koͤnnten; nuch koͤnnen sie dies nicht, selbst wenn sie dazu gencigt waͤren, ohne Gefahr zu laufen, das Vertrauen und die Achtung ihrer Beichtkinder zu verlieren. Nachdem sie jenes Kollegium sieben Jahre hindurch eifrig unterstuͤtzt haben, wuͤrden sie als Priester, deren Einfluß auf der Meinung von ihrer Unfehlbarkeit beruhr, jetzt nicht sagen koͤnnen, das von ihnen so geruͤhmte und ernst⸗ lich anempfohlene System sey gaͤnzlich im Widerspruche mit den Grundsaͤtzen ihres Glaubens.“

Die Morning Chronicle nennt es einen sehr kuͤhnen

Schrit von Seiten der Koͤnigin Christine, daß sie sich habe da- 8 2 ve . von dem Staats⸗Minister von Lindenau bei der Eroͤffnung de

zu verleiten lassen, mit der Maäjoritaͤt der Cortes zu brechen. „Kein einziger ihrer Minister wollte sich mit ihr in dies gefahr⸗ liche Unternehmen einlassen; weder die Liberalen noch die Mode⸗ rados des Kabinets wollten die Verantwortlichkeit dafuͤr auf sich nehmen. Nach Alaix haben auch die anderen Minister ihre Ent⸗ lassung eingereicht, jedoch, wie man glaubt, nur voruͤbergehend. Zur Gegenzeichnung des Prorogirungs⸗Dekrets, des Vorlaͤufers der Aufloͤsung, war Niemand bereit zu sinden, als der General⸗ Capitain Narvaez, derselbe, der unlaͤngst den Kongreß mit seinem 1 und seinem militairischen Zierrath einzuschuͤchtern uchte.

Das erste von Nord⸗Amerika nach England abgefertigte Se⸗ gel Packetschiff, nachdem die Zahlungs⸗Einstellung dort stattgefunden hatte, war der „Wellington“, der am I4ten v. M. mit 80,0900

Pfd. von New⸗York abging, aber noch nicht hier eingetroffen ist.

wie uͤber

Aus Ve racru z wird unterm 4. September gemeldet, daß der Kriegs⸗ und Marine⸗Minister unterm 22. August eine Pr clamation erlassen hat, welche die Kommandanten der Seehaͤfen, die von den Schiffen hoͤhere Abgaben als die gesetzlichen nehmen⸗ mit den schwersten Geldstrafen belegt.

Nachrichten aus Central⸗Amerika vom 24. August zu solge, war die Confoͤderation dieser Republik so gut als aufgelöͤst Die meisten Staaten verlangen im strengsten Sinne des Wortes unabhaͤngig von einander zu seyn und schließen daher gegenseit Traktate, als ob sie fremde Maͤchte waͤren. In diesem Sin ist ein Friedens⸗ und ewiger Freundschafts⸗Traktat am 4. Juli zwischen den souverainen Staaten von Salvador und Guatimala abgeschlossen worden. Auch hat der erstere Staat einen Traktat mit Los Altos abgeschlossen, welcher Artikel gegen Großbritanien enthalt. Ein Britisches Geschwader hat bekanntlich vor kurzem die an der Atlantischen Kuͤste, unfern Belize, belegene Insel Ruatan besetzt, zu deren Wiedererlangung die respektiven Regieru gen in dem besagten Traktate ermaͤchtigt werden, die geeignetsten Mo regeln zu ergreifen. Nach einem anderen Artikel des naͤmlich Traktars sollen Englische Schiffe und Waaren so lange von d Gebieten der kontrahirenden Staaten abgewiesen werden, bis Central⸗Amerika wieder im Besitz gedachter Inseln ist. Der Distrikt San Miguel und andere Doͤrfer in San Salvador scheinen im Aufstand begriffen und das ganze Land bis zum Flusse Lempa mit Truppen aus Honduras bedeckt zu seyn. Tar⸗ rera hatte an die Truppen von Guatimala eine Proclamation! richtet, um sie zum Widerstande gegen die Angriffe, womit der Marozan Honduras und Nicaragua bedrohte, auf⸗ ordern. 2 8

Nach Berichten aus Panama vom 28. August erwartete man in Peru nach Abzug der Chilier einen neuen Aufstand Santa⸗Cruz, der sich in Gugyaquil befand, wollte sich indeß nach England einschiffen.

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Amsterdam, 9. Nov. Waͤhrend dieser Woche waren am hiesigen Fondsmarkte die Actien der Handelsgesellschaft mehr wie ge⸗ wöhnlich Gegenstand der Speculation; die bedeutenden Schwankungen welche die Ecurse der Actien vorige Woche erlitten, scheinen Besorgnisse wegen des Ablaufs des in wenigen Tagen eintretenden Abrechnung Termines erregt zu haben, weshalb täglich ansehnliche Partieen lose schlagen und immer niedriger abgegeben wurden, so daß der Preis v 165 auf 161 ½ pCt. herunterging; ein so erhebliches Weichen mußte natürlich einen drückenden Einfluß auf die Holländischen Staatspapis haben, von denen besonders Integrale, Kanzbilletts und Syndikat⸗Ob gationen zu weichendem Coüurse verkauft wurden. Die gestern ang angten Nachrichten meldeten nun von London, daß die Course etw gestiegen seyen, wodurch der hiesige Markt, als man auch einige Ei käufe von Erheblichkeit machen sah, eine Wendung erhielt und ve nehmlich die erwähnten Actien mit einer Preis⸗Verbesserung von 2 e abgenommen wurden. Integrale blieben verwichenen Montag 511, und fielen allmälig bis 513⁄16 pCt., gestern aber bezahlte man wier 51 pCt.; Kanzbillets gingen von 24 7⁄16 Fl. auf 2 ¾ herunter, oh sich wieder zu erholen. Alte Syndikat⸗Obligationen standen amn drigsten zu 92 pCt. 5 proc. wirkliche Schuld wurde weniger durch allgemeine Flaubeit berührt und stand gestern 99 pCt.; 5 proc. O indische aber machten die Bewegung mit, sielen von 96 auf 95 p. und standen zuletzt 95 ½ pCt.; Russische 6 proc. Inscriptionen war aufangs gesucht, wodurch selbige 68 ¼ pCt. erreichten. Dieser Tage meldeten sich aber mehrere Verkäufer, die zuletzt 671½ pCt. nahme Oesterreichische Fonds blieben gut preishaltend; Preußische Prämien⸗ Scheine wurden dieser Tage zu 123 ½¼ Fl. abgelassen. Spanische Ardoin⸗Obligationen kamen mit den niedrigen Coursen von Antwerpen bis 26 ½ pCt. herunter; von Coupons wurden starke Partieen ausge⸗ boten, weshalb deren Preis von 23 ¼ bis 20 ½ pCt. gefallen ist. Der Geld⸗Cours ist merklich gestiegen, indem bei gewöhnlichen Anleihen 5 ½ pCt. und bei Prolongationen 6 à 6 ½ pCt. gern bewilligt werden.

Am Getraldemarkte wurden diese Woche in Weizen wenig andere als Geschäfte durch Verbraucher gemacht; die Inhaber von schöne Weizen blieben zurückhaltend, wodurch in Polnischem gar nichts vorft Von Preußischem Roggen ward eine ansehnliche Partte billiger abe lassen; darnach wurde der Cours aber wieder fester. Bezahlt wurd für 120 pfünd. alten Pommerschen Weizen 380 Fl.; 128pfünd. Meckle burger 370 Fl.; 117. 122 pfünd. alten rothen Königsberger 315.3385 128pfünd. jährigen Rheinischen 352 Fl. Für 121 pfünd. Preußisch Roggen partieweise 167 Fl.; später für 122 pfünd. schönen dito 125, F gestern verlangte man fuür 119. 120 pfünd. 168. 170 Fl.; unter Schl. galt eine Partie getrockneter 117pfünd. Rigaer Roggen 163 Fl.

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Bruͤssel, 10. Nov. Der Koͤnigl. Saͤchsische Gesandte in Paris, Herr von Koͤnneritz, hat bei dem Koͤnige der Belgier in Wiesbaden eine Audienz gehabt und ist damit die diplomatische Verbindung zwischen beiden Laͤndern eroͤffnet.

Nicht bloß bei der Mutter des Herrn van Gobbelschroy sondern auch bei ihm selbst im Schlosse Woluwe, hat eine Haus suchung stattgefunden, doch auch dort hat dieselbe kein Resultat geliefert. Mehrere hiesige Blaͤtter fordern den Moniteur Belge auf, uͤber diese unerklaͤrlichen Maßregeln Aufschluß zu geben. Der ministerielle Indépendant begnuͤgt sich damit, anzudeuten, daß es Orangistische Umtriebe seyen, die jene poli⸗ zeilichen Recherchen veranlaßt haͤtten. Mit Recht wird ihm jedoch entgegnet, daß diese Umtriebe, die bereits seit neun Jahren vorhanden seyen, jetzt alle Bedeutung verloren haͤtten, da der Koͤnig der Niederlande nicht bloß Belgien anerkannt, sondern auch schon mehrere Male erklaͤrt habe, daß er die abgeschlossenen Traktate treu aufrecht zu erhalten wissen werde. Bei dem Advokaten Metdepenningen in Gent, wo aͤhnliche Haussuchungnn stattge⸗ funden hatten, haben fast saͤmmtliche Mitglieder des Gemeinde⸗ Raths, der Barre und eine große Anzahl anderer Personen von Rang ihre Karten, als Zeichen der Theilnahme abgegeben.

Mehrere Franzosen haben von der Polizei die Weisung er⸗ halten, binnen 24 Stunden Bruͤssel und das Land zu verlassen. Einige wollen behaupten, diese Leute, die um das zuletzt in Pa⸗ ris entdeckte Komplott gewußt haͤtten, seyen auch mit einigen Orangisten in Belgien in Verbindung gestanden.

HPHettschlanddbd, Dresden, 10. Nov. (L. A. Z.) Nachstehendes ist die

Kammern vorgetragene uüͤbersichtliche Mittheilung: „Der zweijährige Zeitraum, der zwischen dem Ende des vorigen und dem Beginne des jetzigen Landtags inne liegt, war durch Frieden von außen und innere Thätigkeit ein wohlthäͤtig beglückender; ruhig und ungestört konnten die Beschlüsse der letzten Stände⸗Versammlung zur Ausführung gebracht, Gesetzgebung und Verwaltung immer mehr vervollständigt und vervollkommnet werden, während im ganzen Land und unter allen Klassen der Staatsbürger ein reges, gewerbliches Leben sich entwickelte, was das Glück und den Wohlstand des Königsreich immer fester zu begründen und zu befördern verspricht.“ War das Streben der letzten Jahre vorzugsweise nach Vorwärtsschreiten gerichtet, so ist doch auch das Geistige nicht vernach⸗ lässigt und für Universität, Kirche und Schule nach Kräften gesorgt worden. Mit wenig Ausnahmen haben im ganzen Lande die schulen, nach dem Gesetze vom Jumi 1835, eine neue und bessere

Gestastung erhalten, während durch die Errichtung eines neuen, au

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60 70 Zöglinge berechneten Schullehrer Seminars zu Grimma die Mittel zür Bildung tüchtiger Schullehrer einen dem vorhandenen Be⸗ dürfniß entsprechenden Zuwachs erhielten. Die durch eine Verwilligung des letzten Landtags ermöglichte wichtige Maßregel, den Superinten⸗ denten für den Wegfall des größten Theiles ihrer Gebühren ein festes Dienst⸗Einkommen zu; gewähren, ist zur Ausführung gebracht, und da⸗ durch s sehr das Ansehen und die würdige Stellung dieser Män⸗

7 a 8 9 2 72 227 ktelten Gemeinden begünstigt worden. Durch angemessene Verordnun⸗ gen über die Ausführung des ee; l⸗Sesese über die Begründung einer Pensions⸗Kasse für Prediger⸗Wittwen und Waisen, über Erläu⸗ terung des Volksschul⸗Gesetzes, über Beschränkung des Begräbniß⸗Auf⸗ wandes, über eine zweckmäßigere Einrichtung der Cirkular⸗Predigten, und durch eine würdige Feier des 300 jährigen Reformationsfestes, hat

die lebendige Theilnahme des Staates an Kirche und Schule beur⸗ kundet und dessen Fürsorge für deren Gedeihen bethätigt.“

Unter allen industriellen Unternehmungen der neueren Zeit nimmt die nun vollendete und mit vorzüglichem Erfolg ins Leben ge⸗ tretene Eisenbahn von Leipzig nach Dresden unstreitig den ersten Rang ein und gereicht durch die Großartigkeit der Anlage und deren rasch gelungene Ausführung sowohl dem Vaterlande überhaupt als der Betriebsamkeit und Intelligenz der Unternehmer wahrhaft zur Ehre. Nicht bloß zwischen den beiden Hauptstädten, sondern im gan⸗ zen Land, ist durch dieses zeitersparende Verbindungsmittel der Perso⸗ nen⸗Verfehr bei weitem erleichtert, vermehrt und sind Berührungen her⸗ vorgerufen worden, an die man früher nicht dachte. Allemal werden die Portheile dieser neuen Benutzung einer unbeschränkten Kraft für das Beste der bürgerlichen Gesellschaft die überwiegenden seyn, wenn auch vielleicht hier und da durch veränderte Art und Richtung des Verkehrs einzelne Juteressen verletzt werden. Die Verlängerung der Säͤchsischen Eisenbahn nach Magdeburg schreitet so rasch vorwärts, daß deren Been⸗ digung berelts im Laufe des künftigen Jahres und dann ein noch er⸗ büöhtes gewerbliches Leben für die unsrige zu erwarten ist. Da der Bohlstand des Sächsischen Landes und seiner Bewohner wesentlich mit vom Gewerb⸗ und Fabrik⸗Betrieb abhängt und dieser gegen Verküm⸗ merung und Versall nur durch beständiges Vorwärtsschreiten zu ver⸗ sichern ist, so wurde auf eine allgemeinere und höhere technische Bil⸗ dung der heranwachsenden Jugend durch Begünstigung und Vermeh⸗ rung der Sountags⸗, Gewerbs⸗, Bau⸗ und Klöppelschulen besondere Sorgfalt verwendet; am künftigen Erfolge dieser Maßregeln ist nicht zu zweifeln, da der dargebotene Unterricht in der Bildsamkeit und Ge⸗ lehrigkeit des Sächsischen Volks regen Anklang findet.

Zum erhöhten Gedeihen der Sächsischen Landwirthschaft trägt das wohlthätige Wirken des Frohnablösungsgesetzes, so wie die neuerdings ins Leben getretenen größeren landwirthschaftlichen Versammlungen, verbunden mit den auf Vervollkommnung des landwirthschaftlichen Be⸗ triebes ausgesetzten Prämien, wesentlich bet. Ueber das ungestörte Vorwärtsschreiten der Ablösungen, Gemeinheitstheilungen und Grund⸗ stückszusammenlegungen ist in den Leipziger Zeitungen von Zeit zu Zeit Rechenschaft abgelegt worden, und der bis über zwei Millionen Thaler angestiegene Betrag der ausgegebenen Rentenscheine beurkunden den weiten Umfang der bereits gelungenen Ablösungen. Jedenfalls muß die Verbesserung der vaterlaͤndischen Landwirthschaft und die Ver⸗ mehrung der landwirthschaftlichen Erzeugnisse vorzugsweise das Bestre ben des Staats wie des Einzelnen seyn, da die verminderte Einbrin⸗ gung fremden Getraides eben so wichtig als der Ackerbau überhaupt, wvenn auch nicht die reichste, doch die sicherste Quelle des National⸗

Die Handels⸗Krisis des Jahres 1837 hat allerdings auch für Sachsen empfindliche Folgen gehabt, die jedoch, Dank sey es der um⸗ sichtigen Vorsicht des Sächsischen Fabrik⸗ und Handelsstandes, nicht so störend und tief eingreifend wie anderwärts waren. Wenn einige Fabrikzweige, namentlich die der Bänder und Baumwollenspinnerei, sich noch jetzt in einem leidenden Zustande befinden, so haben dagegen die Seehlischen Produkte aus Seide, Lein, Schaf⸗ und Baumwolle, deren Appretur und Bleiche an Umfang und Vollkommenheit gewonnen, und das günstige Ergebniß der letzten Leipziger Messe verspricht unseren fast übervölkerten Fabrikgegenden Arbeit und Verdienst für nächsten Winter. Läßt es sich nicht verkennen, daß die im Laufe der letzten Jahre über⸗ häuften und überspannten Actien⸗Unternehmungen für viele daran Theilnehmende empfindliche Verluste herbeiführten, so gebührt diesen Ver⸗ einigungen doch allemal das große Verdienst, die gewerbliche Technik be⸗ fördert, große Unternehmungen ermöglicht, bedeutende Kapitalien gemein⸗ nützig gemacht und den arbeitenden Klassen reichlichen Verdienst gewäbrt zu haben, so daß es lebhaft gewünscht werden muß, der Mißbrauch möge dem ferneren nützlichen Gebrauche dieses kraftvollen industriellen Hebels uscht hinderlich werden. Die im Verwaltungswege versuchte Aushil⸗ dung dieser Geschäfte scheint den Wünschen der Betheiligten im We⸗ sentlichen entsprochen und somit die Nothwendigkeit gesetzlicher Vorschrif⸗ ten für jetzt beseitigt zu haben.

Durch die seit dem letzten Landtag erlassenen Administrativ⸗ Gesetze über die Wahl der Vertreter des Fabrik⸗ und Handelsstandes, üͤber die bürgerlichen Verhältnisse der Juden, über Lotto und Lotterie, über Aufhebung des Bier⸗ und Mahlzwanges, über Landgemeinde⸗ Ordnung, über Errichtung von Geldbanken, über Organisation der un⸗ teren Medizinal⸗Behörden, über Erwerbung von Bauern⸗Grundstücken, ist die gesammte Verwaltung wesentlich vervollständigt und somit den Bestimmungen der Verfassungs⸗Urkunde Genüge geleistet worden. Die Resultate scheinen zweckentsprechend und wohlthätig für die bessere Ge⸗ sialtung der bürgerlichen Verhältnisse zu wirken. wenn auch freilich die beit der darüber gemachten Erfahrungen noch zu kurz ist, um ein be⸗

daruͤber faͤllen zu können. Das nach vollen⸗ deter Catastration mit dem 1. August 1839 11 zur Aus⸗ führung gekommene neue Brandkassen⸗Gesetz läßt hoffen, daß die in den letzten Jahren eingetretene wesentliche Verminderung der Brand⸗ kassen⸗Beiträgé auch ferner fortdauern wird. Ueber die mehrseitig ge⸗ wünschte Ausdehnung der Versicherung auf den vollen Werth der Gebäude wird dem Landtag eine Vorlage gemacht werden. Die bean⸗ tragte Begünstigung der inländischen Pferdezucht ist durch Erweiternng der Beschäl⸗Anstalt, Vermehrung der Beschäl⸗Stationen und Erthei⸗ lung von Prämien beabsichtigt und bezweckt worden. Das für die minder bemittelten und arbeitenden Klassen so wohlthätige Insii⸗ tut der Sparkassen sindet einen immer mehr zunehmenden An klang im Lande, und wenn, außer den Hauptstädten, deren nenrdings auch zu Chemnitz, Plauen, Pirna, Hain, Meißen und Leißnig errichtet wurden, so kann der Menschenfreund nur wünschen, im⸗ mer allgemeiner eine Einrichtung verbreitet zu sehen, mittelst der ein Geist der Ordnung und der Sparsamkelt entwickelt und eine Beihülfe für Zeiten der Krankheit, des Alters und der Verdienstlo⸗ sigkeit gewährt wird. Ein lange Jahre schwieriges und durch einen mit dem Hause Schönburg im Oktober 1835 abgeschlossenen Vertrag festgestelltes staatsrechtliches Verhäͤltniß ist erst neuerdings insofern zur volligen Ausführung gekommen, als den dortigen Rezeß⸗Unterthaner für die durch erstexen eingetretenen neuen Abgaben⸗Verhältnisse, mit⸗ telft der aus den Staats⸗Kassen zugestandenen Renten, eine angemes⸗ sene Entschädigung gewährt wird.

Die im Oktober 1836 ergangene Verordnung über Verwaltung der Preß⸗Polizei hat durch die späͤtere vom Dezember 1838, nach Maß⸗ gabe der ständischen Anträge, mehrere Nachträge, Erläuterungen und Abänderungen erhalten. Ein Preß⸗Gesetz im Sinne des §. 35 der Verfassungs⸗Urkunde und der bundesgesetzlichen Vorschriften und, venn thunlich, ein zweites, damit im nahen Zusammenhange stehendes, über den Schutz des Eigenthums an Werken der Wissenschaft und Kunst gegen Nachdruck und Nachbildung, wird diesem Landtage vorgelegt werden.“ (Fortsetzung folgt.)

stimmteres Urthei

Hamburg, 12. Nov. In der hiesigen Neuen Zeitung

liest man: „Wir koͤnnen uns die Freude nicht versagen, einer Handlung der Wohlthaͤtigkeit eines der Einwohner Hamburgs (moͤchte er es doch erleben, daß wir ihn und seine Glaubensge⸗ nossen als unsere Mitbuͤrger begruͤßen duͤrften 0) zu erwaͤhnen, welche, selbst wenn von einem fuͤrstlichen Vermoͤgen ausgegangen, dennoch auf die Bezeichnung einer „großartigen“ gerechten An⸗

Beste der dadurch von einer oft drückenden Leistung be⸗ ¾

1303 Sonnabend den Deliberationen des israelitischen Gemeinde⸗Vor⸗ standes, uͤber die Mittel und Wege zur Anlegung eines neuen Krankenhauses fuͤr Israeliten, dadurch ein schnelles Ende gemacht, daß er die, zu diesem Zwecke erforderlichen 80,000 Mark Banko (40,000 Fichlr.) aus seinen alleinigen Mitteln hergegeben hat.

Oesterreich.

Wien, 9. Nov. Se. Kaiserl. Majestät haben dem Groß⸗ erzogl. Oldenburgischen Staatsrathe und Bundestags⸗Gesandten, Freiherrn v. Both, das Commandeurkreuz des Koöͤnigl. Ungari⸗ schen St. Stephan⸗Ordens verliehen.

Wien, 9. Nov. Nachdem dieser Tage auch Se. Kai⸗ serl. Hoheit der Erzherzog Franz Karl von Schoͤnbrunn hierher gekommen, ist nun wieder die ganze Kaiserl. Familie in der hie⸗ sigen Hofburg vereinigt.

Am öéten Abend war bei dem Staatskanzler Fuͤrsten von Metternich zum erstenmal seit seiner Ruͤckkehr und Wiedergene⸗ sung allgemeiner Empfang fuͤr das diplomatische Corps, wozu nun regelmaͤßig der Mittwoch Abend bestimmt ist. Der Tuͤrki⸗ sche Botschafter Rifat Bey hat, nachdem er in den letzten Tagen einige Besprechungen mit dem Staatskanzler gehabt hatte, vor⸗ gestern Wien verlassen, um seine Ruͤckreise nach Konstantinopel uͤber Pesth auf der Donau zu machen.

Seit einigen Tagen befinden sich die Koͤnigl. Preußischen Offiziere von Muͤhlbach und von Vincke in unseren Mauern. Vorgestern Mittag fand (wie bereits erwaͤhnt) die seit laͤn⸗ gerer Zeit angekuͤndigte Production des beruͤhmten Oratoriums Paulus“ von Mendelssohn⸗Bartholdy durch mehr als tausend znitwirkende Tonkuͤnstler in der Kaiserl. Winter⸗Reitschule statt. Die Anwesenheit Ihrer Maäjestaͤten des Kaisers und der Kaiserin, der Kaiserin Mutter sowie Ihrer Kaiserl. Hoheiten der Erzher⸗

oͤge Franz Karl mit Gemahlin und Karl verherrlichte dieses groß⸗ Artige Musikfest, welches außer diesen hoͤchsten Personen eine große Zahl von Besuchern angelockt hatte. Die Ausfuͤhrung durch eine solche Masse von Musik⸗ und Gesangfreunden ist in jeder Beziehung bewundernswerth gelungen, zum ehrenden Be— weise des Standes der musikalischen Bildung in Wien. In den naͤchsten Wochen wird eine Wiederholung dieses großartigen Mu⸗ sikfestes stattfinden. In letzter Zeit hat eine Geistergeschichte gewoͤhnlicher Art in einer der hiesigen Vorstaͤdte durch einige Abende eine Menge Neugieriger beschaͤftigt. Die Polizei legte sich aber ins Mittel und bemäͤchzigte sich bald des Kobolds, den zu seiner Rolle, nach Einigen, Luͤsternheit nach einem Hause, nach Anderen bloße Schalkhaftigkeit veranlaßt hatte, und damit war zum Verdruß des Aberglaubens der Spuk ein Ende.

In der Kaiserl. Koͤnigl. Armee haben sich wieder solgende Veraͤnderungen ergeben: der General⸗Major zu Debreczin, von Edelsbacher, ist mit Feldmarschall⸗Lieutenantstitel in Pensions⸗ stand, der General⸗Major und Brigadier zu Szegedin, Marquis Sommariva, in gleicher Eigenschaft nach Debreczin, der General⸗ Major und Brigadier zu Podgorcze, Freiherr Wuͤsthof, eben so nach Szegedin versetzt und der Oberst Eonta zum General⸗Major und Brigadier zu Podgorcze befoͤrdert worden.

Schweiz. . Zuͤrich, 8. Nov. Die Nachmittags⸗Sitzung unseres großen

Madrid, 31. Okt. (Morning Chronicle.) Bevor in

der gestrigen Sitzung das Koͤnigliche Dekret zur Prorogirung der Cortes verlesen wurde, sprach der interimistische Kriegs⸗Mi⸗ nister General Francisco Narvaez sich uͤber seine politischen Grundsaͤtze aus und erklärte, daß er der Koͤnigin den Rath ge⸗ geben habe, die Cortes zu prorogiren. Dem Dekret zufolge, hat diese Maßregel nur den Zweck, Zeit zur Bildung eines Ministe⸗ riums zu gewinnen. Eine Veraͤnderung der Personen ist daher wohl zu erwarten, allein es ist sehr die Frage, ob damit auch eine Aenderung des Systems verbunden seyn wird. Außer dem Kriegs⸗Minister haben jetzt auch die uͤbrigen Minister ihre Ent⸗ lassung eingereicht, man weiß jedoch nicht, ob dieselbe angenom⸗ men worden ist.

Spanische Graͤnze. Die Guienne theilt ein Schreiben mit, das Cabrera an einen Korrespondenten des genannten Blat⸗ tes in Toulouse gerichtet haben soll. Es ist aus Mirambel vom 17. Oktorer datirt und lautet folgendermaßen: „Ich habe die neue Zunta organisirt und drei Generale zu Vice⸗Praͤsidenten derselben ernannt. Alle Mitglieder derselben sind von denselben Gesinnungen beseelt; man kann sagen, daß es unter ihnen nur einen Willen giebt. In der Stunde des Kampfes werden sich Alle an der Spitze der Guerillas befinden. Ich erwarte den⸗ der sich Herzog von Vitoria nennt, mit festem Fuße, um ihm den Unterschied zu zeigen zwischen einem Kampfe mit Flinten und einem Siege durch Geld. Ich werde ihm die Orden ab⸗ reißen, die zur Belohnung der Bestechung von allen Seiten auf ihn herabregnen; ich werde ihn mit Fuͤten treten. Mit jedem Tage fuͤhle ich mich von neuem Eifer beseelt⸗ Die Erinnerung an meine ungluüͤckliche Mutter steigt in jeder Nacht in mir auf; mein Plut kocht in meinen Adern. Ich erhebe meine Blicke zum Himmel und das Kreuz, welches dem Constantin erschien, floͤßt mir Vertrauen zum Siege ein. Heget keine Furcht und beruhigt alle unsere Freunde. Nur das Schicksal des Köͤnigs und der Koͤniglichen Familie macht mir Kummer. Ich bin u. s. w. 1“ Graf von Morella.“”“)

LAöö

Konstantinopel, 17 Okt. (Korresp. des Sud de Mar⸗ seille.) Vorige Woche hatte sich in Folge der Ankunft eines Couriers von Malatia der Alarmruf verbreitet, Ibrahim sey auf dem Marsch nach Konstantinopel, und Soliman Pascha ruͤcke ge⸗ gen Kaisarieh vor. Der Irrthum klaͤrte sich bald auf. Man hatte Soliman Pascha, den Tuͤrkischen Gouverneur von Marasch, mit seinem Namensverwandten, dem Aegyptischen General ver⸗ wechselt. Es scheint im Gegentheil, daß der neue Hannibal eben so wenig Lust als der fruͤhere hat, nach „Rom“ zu marschiren, vielmehr in Marasch sein Capua gefunden hat. Er hat, wie es heißt, die Tochter des Mufti von Marasch geheirathet, und bei diesem Anlaß ein Fest gegeben, welches acht Tage dauerte.

In Triest eingegangene Briefe aus Tripolis vom 19. Ok tober besagen, daß die dortige Tuͤrkische Besatzung eine sehr un⸗ zufriedene Stimmung laut werden ließ, da sie bereits seit meh eren Monaten keinen Sold bekommen hat. In Bengasi und in der Umgegend ist eine voͤllige Revolution ausgebrochen, und allgemein spricht sich der Wunsch aus, sich der Tuͤrkischen Bot⸗ maͤßigkeit zu entziehen. Aus Malta vom 2östen v. M. wird ge⸗

Rathes vom ôéten d. war der Berathung uͤber die Reduction des Regierungsraths und des Obergerichts gewidmet, oder vielmehr der Frage, ob die Zahl der Regierungsraͤthe 13 oder 11 seyn soll. Um diesen Unterschied stritten die feindlichen Theorieen. Nur 5 Mitglieder stimmten gegen jede Aenderung, die Mehrheit ent⸗ schied dann fuͤr dreizehn Mitglieder des Regieru ngsrathes, und neun des Obergerichts.

Man schreibt aus dem Kanton Tessin: „Ein auf nichts weniger als Umsturz der gegenwaͤrtigen Ordnung der Dinge be⸗ rechnetes radikales Komplott wurde in diesem Kanton im Augen⸗ blicke des Ausbruchs entdeckt. Die Soldaten und die Buͤrger besetzten das Rathhaus, und setzten sich zum Schutz der Regie⸗ rung in Bewegung. Der Anfuͤhrer des Komplotts ist der Carbo⸗ nari Ciani; das Komplott brach bei einem Schuͤtzenfest aus. Die Regierung hat das Komplott vollkommen unterdruͤckt.“ (Nach der „Luzern. Ztg.“ wird die Verhaftung Blanqui's in Paris hiermit in Verbindung gebracht; die „Nuova Gazerta“ giebt eine ausfuͤhrliche Darstellung dieser Verschwoͤrung.)

Bern, 7. Nov. (Schweiz. A. Z.) Gestern verschied hier nach fast Amonatlichen schweren Leiden und schmerzhaften Opera⸗ tionen in seinem ö8sten Lebensjahre der Koͤnigl. Preuß. Gene⸗ ral⸗Major a. D., Herr Gustav Graf zu Muͤnster⸗Meinhoͤvel.

schickten Arzt, noch die aufmerksamste und liebevollste Pslege der

den Dahingeschiedenen zu erhalten.

entschlossener Mann, als guter Christ. Madrid, 29. Okt. Der General Alaix und Herr Primo

de Rivera haben das Großkreuz des Oedens Karl's III. und Herr

schen erhalten.

Es zirkuliren eine große Anzahl Listen von Kandidaten fuͤr die erledigten Portefeuilles. Es heißt, die Herren Benavides und Artella wollen nicht vor der Aufloͤsung der Cortes ins Mi⸗ nisterium treten, um nicht fuͤr die Folgen einer solchen Maßregel solidarisch verantwortlich zu seyn. Herr Calderon Collantes, der bereits mehrmals von dem Conseils⸗Praͤsidenten empfangen wor⸗ den ist, soll nicht abgeneigt seyn, in das Kabinet einzutreten.

ist von dem Senator Marquis von Villuma abgelehnt worden.

D seils⸗Praͤsidenten in seinem Posten erhalten. diesen Posten nicht viel Aussicht dazu hat.

samper oder Rivero bestimmt seyn.

vorgeschlagenen Maßregeln es sich unter den gegenwaͤrtigen Um⸗ staͤnden entscheiden soll. Diese Maßregeln sind: 1) Bildung eines Coalitions⸗Ministeriums und Aufloͤsung der Cortes. 2) Bil⸗ dung eines ausschließlich aus Gemaͤßigten zusammengesetzten Mi⸗ nisteriums und Aufloͤsung der Cortes, mum eine gemaͤßigte Majo⸗ ritat zu erhalten. 3) Bildung eines Kabinets, worin Mitglieder der gemaͤßigten Fraction der Exaltirten aus der Majorilaͤt der Cortes aufgenommen wuͤrden, und Wiedereroͤffnung der Session am 20. November. 4) Gaͤnzliche Umgestaltung des Kabinets

spruch haben wuͤrde. Herr Salamon Heine hat am verwichenen

und Prorogirung der Cortes auf unbestimmte Zeit.

Weder die sorgfäͤltigste Behandlung durch einen anerkannt ge⸗

Seinigen, welche ihn bis zu seinem Ende umgaben, vermochten Er starb wie er gelebt, als

Carramolino das Großkreuz des Ordens Isabella's der Katholi⸗

Das ihm angebotene Portefeuille des Ministeriums des Innern

Ferner nennt man noch unter denen, die wahrscheinlich ins Kabinet treten duͤrften, die Herren Egarra und Montes de Oca. Der Finanz⸗Minister San Millan wird durch den Einfluß des Con⸗ Man hatte fuͤr Herrn Manuel Mateo vorgeschlagen, der indeß 1 Das Portefeuille des Kriegs⸗Mi⸗ nisteriums, welches bekanntlich dem General Francisco Narvaez interimistisch uͤbertragen worden ist, soll den Generalen Puig⸗ Dem Vernehmen nach, ist das Ministerium noch ungewiß, fuͤr welche von den im Kabinet

meldet, daß wieder drei Englische Kriegsschiffe im dortigen Ha⸗ fen eingelaufen sind, und noch mehrere andere erwartet werden, um zur Flotte zu stoßen. Diese zaͤhlt bereits 42 Kriegsschiffe, worunter 13 Linienschiffe mit 1350 Kanonen.

In Syrien wird die unruhige Stimmung lauter und lau⸗ Dreizehn Dorfschaften stehen unter Waffen, und weigern zahlen. Ibrahim Pascha sieht sich daher genoͤthigt, von seiner ohnehin leidenden Armee (denn es sollen viele Krankheiten darunter herrschen) 17,000 Mann zu trennen, und damit Syrien im Zuͤgel zu halten. Auch in Je⸗ rusalem soll ein ernstlicher Aufstand ausgebrochen seyn. Trotz der Sorgen um die Sicherheit und die Ruhe in den eigenen Besitzungen, geht der Generalissimus jetzt damit um, Bassora und Diarbekir zu besetzen.

ter. sich, den verlangten Tribut zu

Von der Tuͤrkischen Graͤnze, 1. Nov. (Schles. Z.) Die Rebellen von Prisend weigerten sich kuͤrzlich, einen Transport Munition in die Citadelle dieser Stadt zuzulassen, indem sie da⸗ rin den Anfang feindlichen Einschreitens gegen ihre Sache erblick⸗ ten. Auf die deshalb an den Rumely Walessy ergangene Anzeige ertheilte dieser dem Chef der Miriditen den Auftrag, gegen die Rebellen zu marschiren, auf welche Kunde diese von ihrer Wei⸗ gerung, die Munition in die Citadelle bringen zu lassen, abstan⸗ den und so das erste ihnen drohende Ungewitter beschworen. Aus Konstantinopel ist eine Entscheidung noch nicht eingetroffen, in⸗ dessen ist nach diesem Anfange dem Aufstande Prisends eine lange Dauer nicht zu prophezeihen. Daß der Rumely Wa⸗ lessy dem Mirriditenfuͤrsten mit seinen irreguläaͤren Horden die beabsichtigte Execution gegen die aufruͤhrerische Stadt aufgetragen hat, ist als ein sprechender Beweis zu betrachten, wie sehr es an regulairen Truppen in den Europaͤischen Provin⸗ zen des Reichs mangelt. Nur in einigen der wichtigeren Plaͤtze

befinden sich kleine Garnisonen, die jedoch in Betracht der fort⸗ dauernden Aegyptischen Aufreizungen kaum hinreichen, die Ruhe und Ordnung in ihren eigenen Standquartieren zu sichern und nicht Einen Mann zu anderweitiger Verwendung abgeben koͤn⸗ nen. An den Graͤnzen Montenegros ist es F still und ruhig. Zwischen dem Vladika und dem Seseeeigs z

Herzegowina ist ein ewiger Friede geschlossen nigh schon 8

gens kaum laͤngere Dauer haben vfrfie. h. de⸗ 1 Verkehr Berge bedeckende Schnee, der den Winter noer jeden Verkeh 8

also auch einen feindlichen, ohnedies unmoͤglich macht. Aegypten. 8 8 Ale en, 18. Okt. (Oest. Loyd.) Mehmed Ali ist G ve 7e2 ggs vorgestern von Kahira im 1 SWo es hier eingetroffen wiewohl er nahe daran war, durch . 8 66“ seines Bootes sammt Allen, die ihn begleitet, im il 1 so den endlosen politischen Wirren mit einmal selbst ertrinene zu machen. Die tuͤrkische Flotte wird ihm taͤglich eine 85 Last und der Epidemien dezimirten 1e mit jeder Stunde bedenklicher. Darum entschloß U1 den ganzen ruͤckstaͤndigen Sold e 88 schwer man auch die 2 dittel dazu 4991g baar 8 ghas. mals seltener war als jetzt. Aus der e en viantirung der tuͤrkischen Flotte will man auf deren * 19 schließen, die man in Konstantinopel nicht sehnlicher 86 ns 8 kann als hier, und vielleicht als Mehmed Ali selbst, 8 e 1 seine unerschuͤtterliche Ruhe behauptet, wiewohl die veeae nach innen und außen ihn taͤglich mehr bedraͤngen. Der Horan ist unter einem neuen Haͤuptling im vollen Aufstand und ganz Syrien droht diesem Beispiele zu folgen. Ibrahim , haͤrtesten Gegenmaaßregeln, allein in seiner Armee herrscht Man⸗

Geist ihrer durch