1839 / 359 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

geringeren Summe begnuͤgen mußte,

naͤchste Finanz⸗Periode noͤthig gewordenen Erhöhungen der Ausgaben nicht nur keine Verlegenheiten entstehen, sondern sich auch der Voranschlag schon jetzt mit einem Ueber⸗ schusse von 56,920 Rthlr. abschließt, welcher am angemessen⸗ sten der Haupt⸗Staatskasse zur Vermehrung des Betriebs⸗ Kapitals zu uͤberlassen seyn wird, indem dieses noch immer nicht als zureichend angesehen werden kann und eine Summe von 900,500 Rthlr. kaum ausreichend erscheinen wird, um die Staatskasse zu jeder Zeit vor Mangel und Verlegenheit zu schuͤtzen, und ihr die Mittel zu gewaͤhren, ihren Verbindlichkei⸗ ten puͤnktlich zu genuͤgen. Wenn dieselbe bisher sich mit einer so vermochte sie es doch nur darum, weil gluͤcklicher Weise die Einnahmen den Voran⸗ schlag in der Regel nicht unbedeutend uͤberstiegen, ein Verhaͤlt⸗ niß, auf das aber bei der Bereitwilligkeit der Regierung, den Eiinnnahmen jede moͤgliche Erhoͤhung zuzuwenden, immer weniger gerechnet werden kann. Dieselbe behaͤlt sich daher vor, auf wei⸗ tere Regulirung des Betriebs⸗Kapitals bei dem definitiven Ab schlusse des Staats⸗Grund⸗Etates und des Finanz⸗Gesetzes zuruͤck, zukommen. Schließlich erklaͤrt Se. Excellenz die Bereitwilligkeit Fem mclicher Ministerien zur unverweilten Ertheilung jeder etwa weiter gewuͤnscht werdenden sachgemaͤßen Auskunft.

1 Oesterreich.

Wien, 17. Dez. (A. 3.) In der Allg. Ztg. ist kuͤrzlich gemeldet worden, daß Graf Latour⸗Maubourg in Folge der dem Herzog von Bordeaux von dem Papste ertheilten Audienz seine Päste zu verlangen Willens sey. Die Sache verhaͤlt sich in⸗ folgendermaßen. Der Graf hatte schon vor ertheilter Audienz die Drohung ausgesprochen, Rom zu verlassen, im Fall Se. Heiligkeit den Herzog empfangen wuͤrde. Durch diesen ge⸗ bieterischen Ton fuͤhlte sich der Paͤpstliche Hof verletzt, und der Herzog wurde am 23. November mit Gefolg zur Audienz zuge⸗ lassen. Graf Latour⸗Maubourg verlangte aber seine Paͤsse nicht, sondern fragte bei seiner Regierung an, welches Benehmen er nun in dieser Sache zu befolgen habe. X“MM“

3 Spanlen.

Madrid, 13. Dez. Die hiesigen Blaͤtter widersprechen heute der von dem „Eco del Comercio“ mitgetheilten Nachricht

von einem Mordversuche gegen Espartero.

1 Es heißt, die Bewohner von San Sebastian haͤtten die Absicht, die Regierung zu ersuchen, den dortigen Hafen fuͤr einen Freihafen zu erklaͤren.

Aus den Berichten uͤber die Zusammensetzung der Wahl⸗ Buͤreaus in den Provinzen ergiebt sich, daß von den 49 Pro⸗

vinzen des Koͤnigreichs 28 sich fuͤr die gemaͤßigte Partei erklaͤrt

haben, und da auch einige andere Provinzen, namentlich Catalo⸗ nien und Granada, Deputirte beider Parteien ernennen duͤrften,

so wird in der neuen Kammer die gemaäͤßigte Partei die entschie⸗ dene Majoritaͤt haben.

Das Eco del Comercio theilte vor einigen Tagen eine Depesche mit, worin Espartero sich weigert, den Handlungen des Ministeriums in Madrid seine Sanction zu ertheilen. Dieses Blatt war am 2. Dezember noch nicht im Hauprquartier ange⸗ ommen, dagegen hatte man dort die Madrider Zeitungen, denen zufolge das Ministerium glauben zu machen suche, daß Espartero ie Maßregeln desselben unterstuͤtze. Sobald der Herzog von Vitoria dies erfuhr, beauftragte er seinen Secretair, Don Fran⸗ cisco Linaje, dies in einem Schreiben an das in Saragossa er⸗ scheinende „Eco del Aragon“ zu widerlegen. Es heißt darin,

Espartero hege die Hoffnung, daß die Versoͤhnung der Parteien,

zu der sein Freund Alaix in der Cortes⸗Sitzung am 7. Oktober

o viel beigetragen habe, zu Stande kommen werde; er rechne uf die Maͤßigung der Deputirten der Opposition, und hege das Vertrauen zu der Weisheit des Ministeriums, daß es seine Maßregeln modifiziren und sich den Ansichten der Majoritaͤt anschließen werde. Dies sey jedoch nur seine individuelle Meinnng und solle durchaus keinen Tadel enthalten, denn er widerspreche hiermit jedem Geruͤchte von seiner Einmischung in politische Angelegenheiten. Er sey indeß der Meinung, daß die Cortes nicht haͤtten aufgeloͤst werden sollen, und es sey durchaus unwahr, daß er jemals sich erboten habe, Handlungen, die der Constitution von 1837 zuwider seyen, mit den Waffen zu unter⸗ stuͤtzen. Diese Constitution sey ihm heilig und er hoffe, es werde Niemand dieselbe angreifen, indem dadurch nur die Truppen von em wahren Feinde des Landes und von dem Kriege, dessen Beendigung allein den Frieden bringen koͤnne, ablenken wuͤrden.“ Die Morning Chroniele bemerkt hierzu: „Diese Erklaͤrung, ie in einem Provinzial⸗Blatte mitgetheilt wird, das in einer durch ihren Liberalismus bekannten Provinz erscheint, muß dem Ministerium den Todesstoß versetzen und alle Anstrengungen der Moderados, auf die Wahlen einzuwirken, zu vereiteln.“ Saragossa, 13. Dez. Einem Schreiben aus Mas de

8

1“

las Matas zufolge, haben die dort angekommenen Karlistischen Ueberlaͤufer ausgesagt, daß Cabrera, nachdem er alle Christinischen Gefangenen freigelassen, mit nur 40 Kavalleristen, aber mit seinem saäͤmmtlichen Gepaͤck nach dem Ebro und Catalonien hin abgegan⸗ Es ging auch im Hauptquartier das Geruͤcht, daß in Morella eine Empoͤrung stattgefunden habe, in Folge deren Ca⸗ brera, nachdem er verwundet worden, die Flucht ergriffen habe,

Feen sey. meder Wuth seiner bisherigen Anhaͤnger zu entgehen.

8 Portugal. Lissabon, 10. Dez. (Engl. Blaͤtt.).

wesen, welche vielen Beifall zu finden scheinen.

hoͤrt dahin besonders eine Verfuͤgung, durch welche den Koͤnig⸗ ichen Beamten, sowohl im Militair⸗ als Civil⸗Fache, ohne Unter⸗

chied die monatliche Auszahlung ihres Gehaltes bis zum .

nter

dem fruͤhern Finanz⸗Ministerium war es dagegen nie bestimmt fuͤr welchen Monat der ruͤckstaͤndige Gehalt zunaͤchst werde ausbezahlt werden, und dadurch wurden einzelne Guͤnst⸗ inge des Ministeriums, die sich in dessen Vertrauen befanden,

in den Stand gesetzt, zu bedeutendem eigenen Vortheil die

es Monats Juni im naͤchsten Jahre gesichert wird.

bekannt,

89

Finanz⸗Minister zunaͤchst die ruͤckständigen Gehalte beabsichtigte.

Das neue Mini⸗ erium geht sehr vorsichtig und bedachtsam zu Werke und be⸗ schaͤftigt sich besonders mit Verbesserungen in dem Verwaltungs⸗ Außer einer

Verordnung wegen unverzuͤglicher Vornahnee einer Volkszaͤhlung nd verschiedener Veraͤnderungen in dem Polizei⸗Reglement ge⸗

auswaͤrtigen, in eine bessere Lage zu versetzen, ohne daß es jedoch

die Absicht hätte, irgend einen Theil der dem Buͤreau fuͤr den Staats⸗Kredit uͤberwiesenen Geldsummen den Zwecken zu ent⸗ fremden, fuͤr welche dieselben bestimmt sind.“ Was dem Staats⸗ Kredite indeß zunaͤchst besonders zu Gute kommen wird, ist der Umstand, daß die Tabacks⸗Zoͤlle, welche bis zum Januar 1840 der Bank von Lissabon verpfaͤndet sind, nach diesem Zeitpunkt wieder dem Staate zufallen.

Der Herzog von Palmella hat in das „Diario do Governo“ einen Brief einruͤcken lassen, worin er die besonders von der „Morning Chronicle“ verbreitete Nachricht fuͤr unwahr erklaͤrt, als habe die verwittwete Koͤnigin von England während ihres Aufenthalts in Lissabon sich mannigfaltige tadelnde Aeußerungen uͤber die regierende Koͤnigin erlaubt. Der Herzog hielt sich zu dieser Widerlegung um so mehr berechtigt, da die „Chronicle“ behauptet hatte, daß der Tadel vornehmlich in Unterredungen mit ihm geäaͤußert worden sey.

Ein Abgesandter von Buenos⸗Ayres, Namens Belanstequi, ist in Lissabon angekommen, um freundschaftliche Beziehungen wischen Portugal und Buenos⸗Ayres einzuleiten. Zu gleichem

wecke wollte er spaͤter nach Madrid reisen. 8 Tuͤrkei.

Konstantinopel, 4. Dez. (A. Z.) Es Stadt große Ruhe, und man weiß weder von Ibrahim Pascha noch Mehmed Ali etwas. Um so auffallender ist es, daß ganz unerwartet eine Abtheilung der Englischen Escadre, sechs Schiffe von hohem Bord, vor den Dardanellen erschienen ist, und sich daselbst so aufgestellt hat, als wolle sie der Jahreszeit trotzen, und uͤber den Winter die eingenommene Position behaupten. Es ist schwer, den Schluͤssel zu diesem seltsamen Verfahren, das fast etwas Abenteuerliches hat, zu sinden. Die Meisten nehmen an, daß die Englaͤnder uͤber die Intentionen Ibrahim Pascha's doch nicht ganz ruhig seyen, und daß, im Fall er gegen Kon⸗ stantinopel vorrücken sollte, sie theils mit den Russen zugleich in dem Marmora⸗Meer erscheinen wollen, theils sich in einem Theile der Dardanellen⸗Schloͤsser festzusetzen suchen werden, um so einen groͤßeren Einfluß auf alle Vorkommnisse im Orient uͤben zu koͤnnen. Uebrigens sind dies bloße Suppositionen, denn, wie gesagt, Niemand vermag hier anzugeben, was das ploͤtzliche Er⸗ scheinen der Englischen Schiffe vor den Dardanellen zu bedeuten

abe.

8 Es sollen in letzter Zeit Umstaͤnde, die den Abfall des Ka⸗ pudan Pascha's begleitet hatten, entdeckt worden seyn, welche keinen Zweifel mehr uͤbrig lassen, daß Admiral Lalande bei jenem Vorfalle keinesweges bloß unthaͤtig sich verhalten, sondern viel⸗ mehr den letzten Anstoß gegeben habe, um Achmed Pascha zur Ausfuͤhrung seiner Flucht zu bewegen. (Ein anderer Korrespon⸗ dent meldet in dieser Beziehung:) Vor wenigen Tagen kam von der Tuͤrkischen Flotte aus Alexandria ein Armenier zuruͤck, wel⸗ chen der Kapudan Pascha als Dolmetscher bei sich gehabt hatte. Dieser Armenier sagte aus: er habe in der Unterredung, welche der Kapudan Pascha vor seinem Auslaufen aus den Dardanel⸗ len mit dem Franzoͤsischen Admiral Lalande gehabt, als Dolmet⸗ scher gedient; der Kapudan Pascha habe vorgestellt; daß Chos⸗ rew Pascha als Großwessier und Halil Pascha als Seraskier an die Spitze der Geschaͤfte getreten waͤren und beabsichtigten, das Land, die Armee und die Flotte den Russen zu uͤberliefern; um diesen Plan wenigstens in Bezug auf die Flotte zu verhindern, werde er die Dardanellen verlassen und zu Mehemed Ali gehen. Der Admiral Lalande habe darauf den Rath ertheilt; diesen Plan ja auszufuͤhren, und habe in Bezug darauf dem Kapudan Pascha manche nuͤtzliche Weisung gegeben.

Osbien.

Die Times giebt einen Auszug aus dem Briefe eines Of⸗ fiziers, der in dem gegen Kurnahl abgesendeten Truppen⸗Corps dient. Der Brief ist aus Kurnahl vom 19. Oktober datirt, also dreizehn Tage nach Einnahme der Festung durch die Briten und fuͤnf Tage neuer als die letzten Berichte in den Ostindischen Blaͤt⸗ tern. Nach diesen war bekanntlich der Nabob von Kurnahl von seinen eigenen Truppen aus der Festung entfuͤhrt worden, unter der Drohung, ihn nicht eher frei zu geben, als bis ihre Sold⸗ ruͤckstaͤnde berichtigt seyen. Er befand sich am 17. Okto⸗ ber umgeben von 600 Patanen und Rohillas, die fuͤr die besten Asiatischen Truppen gelten, in einem zwei Englische Meilen von Kurnahl entfernten Dorfe, wo die Letzteren sich auf einem alten, uͤberall von hohen Hecken um⸗ gebenen Todtenacker verschanzt hatten. Am 17. erhielt die Bri⸗ tische Besatzung von Kurnahl Verstaͤrkung, und der befehligende General Wilson beschloß nun am folgenden Tage, die Truppen des Nabob anzugreifen. Der Oberst Dyce, dem der Befehl über die Angriffs⸗Kolonne uͤbertragen war, versuchte zuerst den Weg der Guͤte und versprach den Truppen freien Abzug und Zahlung ihrer Ruͤckstaͤnde gegen Auslieferung des Nabob; als aber diese Bedin⸗ gungen verworfen wurden, ruͤckte er vor und ließ sowohl die Infan⸗ terie als die Artillerie ihr Feuer eroͤffnen. Des Nabobes Truppen stellten sich darauf quer uͤber dem einzigen zu ihren Verschanzungen fuͤhrenden Wege auf und erwiederten das Feuer. Nachdem das Feuern etwa zehn Minuten gedauert hatte, befahl der Oberst Dyce, im Sturmschritt anzugreifen; die Spitze der Kolonne, aus einer Compagnie Europaͤer bestehend, wurde von den Asiaten mit blan⸗ ker Waffe und groͤßtem Ungestuͤm angegriffen, drang aber doch endlich, nach nicht unbedeutendem Verluste, bis zu der Huͤtte durch, in welcher sich der Nabob befand und nahm denselben gefangen, nachdem seine naͤchste Umgebung noch heftigen Wider⸗ stand geleistet hatte. Die Zahl der Verwundeten und im Ge⸗ fecht oder auf der Flucht getoͤdteten Truppen des Nabob wird auf 120 bis 150, die der Gefangenen auf 100 angegeben. Die Englaͤnder verloren an Todten zwei Offiziere, drei oder vier Europaͤische Soldaten und einen Sevpoy; verwundet wur⸗

Ruͤckstaͤnde fuͤr den Monat an sich zu kaufen, fuͤr welchen der 8 auszuzahlen Der Artikel des amtlichen „Diario do Governo“ in welchem das neue Ministerium die von ihm beabsichtigten Reformen ankuͤndigt, scheint auch geeignet, den auswaͤrtigen Staatsglaͤubigern wieder einige Hoffnungen einzufloͤßen, wiewohl

den zwei Offiziere und zwoͤlf oder dreizehn Gemeine. Einen anderen, wie es scheint, sehr uͤbertriebenen Bericht uͤber dieses Gefecht enthaͤlt der Devonport⸗Telegraph; in demsel⸗ ben wird die Zahl der getoͤdteten Asiaten auf 1000 angegeben. Dasselbe Blatt meldet nach dem Briefe eines jungen Offtziers im öͤlsten Regimente, daß man in den dreizehn Tagen der Be⸗ seßung Kurnahls durch die Englaͤnder in dieser Festung 5 600 metal⸗ lene Kanonen, baares Geld zum Belaufe von 1 Million Pfd., eine ungeheure Menge Pulver, Kriegsvorraͤthe fuͤr 100,000 Mann auf zwei Jahre und dergleichen mehr gefunden habe.

8

der Direction zu uͤbernehmen, sondern auch zu einem Rennen fuͤr Pferde aller Laͤnder, welches bei den Muͤnsterschen Rennen des kuͤnftigen Jahres zum ersten Male statthaben wird, einen Ehrenpreis zu stiften, bestehend in einem silbernen Pferde, als dem Wappen der Provinz Westphalen.

Koblenz, 21. Dez. Vorgestern begegnete dem Marktschiff von Alken auf der Bergfahrt in der Ziehfurt, einer der staͤrksten Stromschnellen der Mosel, das Ungluͤck, daß der Briddel der Zugleine zerriß, und in Folge dessen das Fahrzeug umschlug und versank. Vier Passagiere ertranken, eben so der Schiffer, der mit kuͤhnem Muth eine der Personen, eine Mutter von sechs Kindern, zu retten suchte, uͤber seinem edlen Bemuͤhen aber in den wilden Fluthen

seinen Tod fand.

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

Paris. Sitzung der Akademie der Wissenschaften am 16. Tezember. Herr Decuppis in Rom zeigte der Akademie an, daß er am 2. Oktober bei Beobachtung der Sonnenflecke auf der Sonnen⸗ scheibe einen vollkommenen kreisförmigen und scharf begränzten Fleck bemerkt habe, der eine ziemlich schnelle Bewegung gehabt, indem er in zwei Stunden vor der Sonnenscheibe vorübergegangen sev. Herr De cuppis glaubt, daß dies ein bisher noch unbekannter Planet gewesen sev. Herr von Pambour übersandte der Akademie eine Note in Bezug auf die Neigung, welche man den Eisenbahnen geben kann. Herr Léon Lalanne legte einen Apparat vor, den er Arithmo⸗ planimeter nennt. Es ist dies eine Modification des von Oppikofer und Ernst erfundenen Planimeters. Das Arithmoplanimeter giebt die Produkte aus jeder beliebigen Anzahl Faktoren, die aus ganzen oder gebrochenen Zahlen bestehen können. Herr Lalanne glaubt, daß sein Instrument namentlich den Ingenieurs von Nutzen seyn werde. Herr Frepeinet stattete Bericht ab über die Verbesserung, welche der Marine⸗Offizier Lon Duparo an dem von dem Dänischen See⸗ Offizier Coninck erfundenen Instrumente angebracht hat, welches dazu dient, zu bestimmen, wie tief ein Schiff ins Wasser geht. Her Frey⸗ cinet bemerkte, daß ein großer Vorzug des verbesserten Instrumentes darin bestehe, daß es fortwährend benutzt werden könne, was nament⸗ lich bei Dampfböten, die durch den starken Verbrauch an Kohlen ihre Wassertracht so schuell ändern, von höchster Wichtigkeit sey.

Dauer der Eisenbahn⸗Fahrten am 25. Dezember. Abgang Zeitdauer Abgang Zeitdauer M.

von I von b BSE11i n St. M. Potsdam. M. Um 7 Uhr Morgens.. 1 2 Um 8 ½ Uhr Morgens. 10 ebbbeeeitags. 2 Nachmitt. 48 43 „⸗Nachmitt. 49 6 Abends 655 2 Abends... 55 10 * EI 58 10 . 8 EI1“ 58 Bei der Fahrt um 7 Uhr Morgens von Berlin hatte sich das Schlauch⸗Ventil am Tender verstopft und wurde dadurch die längere Fahrtdauer verursacht. Meteorologische Beobachtungen.

Morgens Rachmittags/ Abends Nach einmaliger 6 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.

2 Uhr.

40 39

24

1839.

25. Dezember.

331,23“ Par. 331.71“% Har. 332,11“ Par. Quellwärme 6,0 90 R.

+. 4,90 R. 4. 7,4° R. t. Flußwärme 0,1 °0 R.

+. 3,00° R. 4†t. 1,52 R. . Bodenwärme 1,60 R. 80 vpCt. 71 pCt. Ausdünstung 0,721“‧Rh. halbheiter. heiter. Niederschlag 0,089 Rb.

W. SW. Wärmewechsel + 7,8 0 W. 3,6 90. 331,68 ‧Par. †+ 5,90 R.. 4 00 R. 78 vCt. WSW.

8I 18“ Amsterdam, 22. Dezember. Niederl. wirkl. Schuld 51 ⅛. 5 % do. —. Neue Anl. 22 ½.

Luftdruc.. Luftwärme.. Thaupunkt Dunstsättigung Wetter Wind Wolkenzug ... Tagesmittel:

regnig. S.

Kanz-Bill. 23 1⅞. Antwerpen, 21. Dezember. Neue Anl. 221⁄4. 316. 6 Frankfurt a. M., 23. Dezember. Oesterr. 5 % Met. 106 ¾ G. 4 % 99 G. 2 ¼ %, 57 ¾ G. 1 % 245 ( G. Bank. Actien 1981. 1979 Partial-0Obl. 1515⁄6˖ G. Loose zu 500 Fl. 143 ⅛¼. 142 ⅞1. Loose zu 100 Fl. —. Preuss. Präm.-Sch. 711 4 G. do. 4 % Aul. 102 Br. Poln. Loose 7¼/1. 697⁄1- 5 % Span. Anl. 7 21 ½ % Holl. 51³3⁄16 51 /16⸗ Eisenbahn-Actien. St. Germain 575 Br. Versallies rechtes Ufer 5:5 Rr. do. lihes Ufer 320 Br. Strafsburg-Basel 320 Br. Bordeauxz - Teste —. Sambre-Meuse —. Leipzig- Dresden 94 ½ G. Köln-Aschen 81 Br. Comp.- Centrale —. Hawmburg, 24. Dezember. 1630. Engl. Kuss. London, 20. Dezember. 3 % —. Belg. 101. Neue Anl. 23 ¾ Passive 6. Ausg. Sch. 11 2 ½ % Holl. 53 F. 5 % 99. 5 %, Port. 33 ³. do. 3 % 23 ⅞1. Engl. Russ. 111 ½. Bras. 71 ½³. Columb. 23 3⁄4. Mex. 273⁄à24. Peru 17. Chili 38. Paris, 21. Dezember. 5 % Kente fin cour. 112. 30. 3 % fin cour. 80. 60 5 % Neapl. fin cour. 102. 10. 5 % Span. Kente 25 ½ Passive 6 ¼42. 3 % Port. —. Petersburg, 17. Dezember. L.,ond. 3 Mt. 3836⁄16. Hamb. 343 3. Paris 405. 300 Fl. 64 ¼. do à 500 Fl. 72. Wien, 21. Dezember. 509 Met. 107 ¾. 4 % 1997/16 3 % 80³⁄4. 2 ½ % 1 % —. Bank-Actien 673 Anl. de 1834 143 1. 4e 1839 112 ⁄½. Koͤnigliche Schauspiele. Freitag, 27. Dez. Im Opernhause: Mulier taceat in ecelesia, oder: Die kluge Koͤnigin, historische Tragikomoödie in 3 Abth., von E. Raupach. Hierauf: Das Stelldichein, komi⸗ sche Oper in 1 Akt, Musik von N. Isouard. Im Schauspielhause: 1) Salvoisy, ou: Reine, drame-vaudeville en 2 actes, par Sribe. guignan, vaudeville en 2 actes. 1 In Potsdam: Zum erstenmale: Der Bruderkuß, dra⸗ matischer Scherz in 2 Abth., von A. P. Hierauf: Luͤge und Wahrheit, Lustspiel in 4 Abth. Sonnabend, 28. Dez. Im Schauspielhause: Zum ersten⸗ male wiederholt: Schwaͤrmerei nach der Mode, Schauspiel in 4 Abth., von C. Blum. Hierauf: Drei Frauen und keine, Posse in 1 Akt, von Kettel. 1 Sonntag, 29. Dez. Im Opernhause: Im Schauspielhause: Zum erstenmale: Der Bruderkuß, dramatischer Scherz in 2 Abth., von A. P. Hierauf: Die feindlichen Bruͤder, Possenspiel in 3 Abth., von E. Raupach.

Koͤnigsstaͤdtisches Theater. Freitag, 27. Dez.

Zinsl. —.

2 8 A

Bank-Aetien

Cons.

Poln. Part. à

0

L'amoureux de la

2) Lekein à Dra-

Don Juan.

nach dem Franzoͤsischen des Eugen Scribe, Riemann, fuͤr die Koͤnigsstaͤdtische Buͤhne eingerichtet von

Wolff. 3 Sonnabend, 28. Dez. Wilhelm Tell.

Muͤnster, 24. Dez. (Westph. M.) Bei der am 19. d. M.

Andere darin nur die Ankuͤndigung eines neuen Versuchs von Anleihen in England sehen wollen. „Wenn wir nicht falsch un⸗ terrichtet sind”“, heißt es darin, „so duͤrfen wir behaupten, daß das Kabinet mit allen Kraͤften dahin strebt, sich die Mittel zu

verschaffen, um die Staatsglaͤubiger, sowohl die inlaͤndischen als

hier stattgehabten General⸗Versammlung des Muͤnsterschen Ver⸗ eins zur Verbesserung der Pferdezucht wurde den anwesenden Mitgliedern die erfreuliche Nachricht mitgetheilt, daß Se. Koͤnigl.

Hoheit der Kronprinz die hoͤchste Gnade gehabt haben, nicht

allein das Protectorat dieses Vereins auf die unterthaͤnigste Bitte

Oper 3 Akten, nach Jouy und Musik von Rossini. (Hen Arnold, als zweite Gastrolle.) Verantwortlicher Redacteur Arnold. Gedruckt bei A. W. Hayn.

von Haupt. ter zu Koͤln:

Der Minister und der Seidenhaͤndler, oder: Die Kunst, Verschwoͤrungen zu leiten. Lustspiel in 5 Akten, uͤbersetzt von

Heroisch⸗romantilche is frei bearbeitet von Theodor (Herr Abler, vom Stadtthea⸗

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22

Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.

St. Majestaͤt der Koͤnig haben dem bei dem geistlichen Ge⸗ richt der Pfarrkirche ad Si. Crucem in Erfurt als Registrator angestellten Kaplan Merten den Rothen Adler⸗Orden vierter Klasse, dem Organisten und Schullehrer Gitschmann zu Buͤrgs⸗ dorf, Kreuzburger Kreises, so wie dem Schullehrer Holz zu Bodenhagen bei Kolberg das Allgemeine Ehrenzeichen, desglei⸗ chen dem Friseur Anders zu Posen die Rettungs⸗Medaille mit dem Bande zu verleihen geruht. .

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben Allerhoͤchstihrem Gesandten in Wien, dem Grafen von Maltzan, zu gestatten geruht, das von Sr. Majestaͤt dem Kaiser von Oesterreich ihm verliehene Großkreuz des Leopold⸗Ordens zu tragen.

Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Legationsrath von Sydow zu gestatten geruht, das von dem Koͤnige von Hanno⸗ ver Majestaͤt ihm verliehene Ritterkreuz des Guelphen⸗Hrdens zu tragen. ve“

Angekommen: Der Ober⸗Praäͤsident der Provinz Pom⸗ mern, von Bonin, von Stettin.

Zeitungs⸗RNRachrichten. 2 ö1gd

A& n Rußland und Polen. „St. Petersburg, 21. Dez. Die St. Petersburgische Zeitung enthaͤlt jetzt eine Deutsche Uebersetzung der bereits vor einiger Zeit in der „Nordischen Biene“ publizirten Geschichte der Trennung der unirten Griechischen Kirche und ihrer kuͤrzlich er⸗ folgten Wiedervereinigung mit der Russischen. Am Schlusse die⸗ ser Darstellung befindet sich die auf diese Wiedervereinigung Be⸗ zug habende Urkunde der Synode 8 Polozk vom 12. (24.) Fe⸗ bruar 1839, die wir bereits (in Nr. 343 der Pr. Staats⸗Zei⸗ tung) mitgetheilt haben. In der Darstellung selbst wird hin⸗ sichtlich dessen, was in der letzten Zeit fuͤr die sogenannten „Unia⸗ ten“ geschah, Folgendes gesagt: 1

„Der im Segen regierende Herr und Kaiser unterließ nicht, mitten unter seinen unzähligen Sorgen für das Heil und die Wohlfahrt des größten Reiches der Welt, seit den ersten Jahren nach seiner Thronbe⸗ steigung seine sorgfältige Aufmerksamkeit auch auf das Schicksal des Unirten, seit Alters Russischen Volkes, zu richten. Das erste Werk seiner weisen Sorgfalt für dasselbe war die völlige Gleichheit der Griechisch⸗nnirten Kirche in allen Vorrechten mit der Römisch⸗katho⸗ lischen. Durch den Allerhöchsten Ukas vom 22. April 1828 wurde, nach dem Muster des geistlichen Kollegiums, welches die Römisch⸗ka⸗ tholische Kirche in Rußland verwaltet, ein Griechisch⸗unirtes geistliches Kolleg tum unter dem Vorsitze des Metropoliten der unirten Kirchen in Ruß⸗ land, Josaphat Bulgak, errichtet. Die Republik Polen mochte sich, gegrün⸗ det oder ungegründet, vor einer Gleichstellung der Uniaten, als eines ihr frem⸗ den Russischen Stammes, gefürchtet haben, aber dieser Grund der Furcht besteht für Rußland nicht; es nahm die Uniaten unter seinen besonderen Schutz, und aus diesem Grunde neigte sich ihre Kirche, so bald sie nur ihre Selbstständigkeit fühlte, ungesäumt, nach dem Gesetze der gegenseitigen Anziehung gleichartiger Elemente, zu dem Schooße ihrer wahren Mutter der Russischen Kirche hin. Zu diesem Ziele strebten alle Verfügungen der Bischöfe und anderer geistlicher Gewal⸗ ten unter den Uniaten. Offenherzig gestanden sie selbst, daß eine Menge von Neuerungen sich im Laͤufe der Zeit in ihre Kirche einge⸗ schlichen habe, und Alle beschlossen fest, die ursprüngliche Kirchenordnung überall wieder einzuführen, die Kirchen mit allen Erfordernissen des alten Gottesdienstes zu versehen;statt der irrigen Kirchenbücher von verschiedenem Druck, in denen schon längst die Slawische Sprache verstümmelt war, überall gleiche Bücher nach einer neuen sorgfältigen Ausgabe einzuführen, und eudlich keinen zum Priester zu weihen, keinen zu irgend einem Kirchen⸗ Amte zu befördern, ohne vorhergehende strenge Prüfung, daß ihm die Ceremonien und Satzungen der Orientalischen Kirche hinreichend be⸗ kannt wären. Und sie Alle verbreiteten mit rastlosem Eifer und selte⸗ nem Erfolge diese Kenntniß bei der ihr untergeordneten Geistlichkeit: auf der anderen Seite erhielt die ganze junge Generation der Welt⸗ geistlichkeit eine wahrhaft Orientalische Richtung in den beiden neu⸗ errichteten Seminarien und in zwanzig Kreis⸗ und Pfarrschulen. Die Gerechtigkeit ersordert das Geständniß, daß diese Richtung einigen Mön⸗ chen nicht begreiflich seyn konnte, welche aus dem Römischen Ritus zur Union übergetreten waren. Um ihnen in Gewissenssachen keinen Zwang anzuthun, stellte man Jedem von ihnen frei, in Zeit von fünf Jahren zu ihrem früberen Ritus zurückzukehren, und wer dies wünschte, benutzte diese Erlaubniß. Um desto eifriger wirkten vie Anhänger des wahren Glau⸗ bens und des Vaterlandes und bald erschien die gesammte Griechisch⸗ unirte Kirche, in lichtumgewandeltem Bilde, ihres alten Ursprungs würdig; schon wurde überall an den, dem richtigen Ritus gemäß er⸗ richteten Altären, der Gottesdienst von den Geistlichen in angemessenen Gewändern, nach berichtigten Büchern, mit Beobachtung der erhabenen Gebräuche, welche an die ursprüngliche Kirche erinnern, gehalten, und das Volk der Uniaten horchte ihnen freudig, vernahm bereits das Wort Gottes in seiner Muttersprache und sah auch keinen Unterschied mehr zwischen seinen Kirchen und denen der rechtgläubigen Kirche und wunderte sich dessen nicht, denn ungeachtet seines verhängnißvollen Schicksals hatte es doch auch früher nie sich entwöhnt, sich selbst und seinen Glauben Russisch zu nennen. Mitten unter diesen in einer so kurzen Zeit fast unglaublichen Fortschritten der Griechisch- unirten Kirche auf der Bahn zu ihrem wahren Heile verlor sie ihren Ober⸗ Hirten, den hochheiligen Josaphat. Seine Stelle im Griechisch⸗unirten geistlichen Kollegium wurde durch den ältesten der unirten Geistlichkeit den Bischof von Litthauen, Joseph, besetzt. Das begonnene und mit

g

so lebendigem Eifer, mit shen- Thätigkeit und Schnelle fortgesetzte

Werk näherte sich indessen schon seiner Entwickelung. Das Jahr 1839 brach an und der 12. Februar wird ewig denkwürdig bleiben in den Annalen der Kirche aller Reußen.“

In der oben erwaͤhnten Akte von Polozk wird die Zahl der Geistlichen und Klosterbruͤder, die derselben durch ihre Erklaͤrung beigetreten, auf 1305 angegeben. Seitdem ist diese Zahl bis auf 1607 gestiegen, so daß im ganzen Russischen Reiche keine einzige Griechisch unirte Pfarre mehr ist, die nicht an dem allgemeinen Werke der Wiedervereinigung Theil genommen. Einem Kaiserl. Befehl vom 1sten v. M. soll jetzt auch die Benennung „Unirte Griechen“ ganz und gar aufhoͤren. G 8

28sten Dezem

ber

Ler. n- erschienenen Verordnung zufolge, sollen dieje⸗ 82 amilien, die sich in den westlichen Gouvernements b-- gröͤßeren oder kleineren Landgemeinden als Acker⸗ tlederla . 5 undstuͤcken oder gepachteten Kron⸗Laͤndereien rlassen, 88 A von 5 Rekrutirung befreit seyn.

8 Dl. Petersburg, 19. Dez. Dem Herzoge Mayi⸗ he .8 ist von Sr. Majestaͤt 8* 8n Anstalten besteh x des zur Beaufsichtigung der mildthaͤtigen

Ueber 95 den Herzeges erade de „Herr st

8 Her r und Ern zuͤr berg in Rußland gehoͤrige, von ihrem Vater eveeehn Provinz Kurland belegene Vermoͤgen, besteht auf hoͤchste Anord⸗ nung seit dem Januar dieses Jahres eine besondere teniporaire Kommission, die den Auftrag hat, den gesammten Aktiv⸗ und Passiv⸗Bestand desselben, so wie die Mittel genau zu erforschen durch welche die darauf jetzt haftende Schulden⸗Masse zu tilgen sey; die Revenuͤen dieses Vermoͤgens werden einstweilen in der üah. erhen⸗ deponirt.

Gestern ward in unserer Kaiserstadt und gewiß i Gauen des weiten Reichs das . Z“ Kaisers mit gewohnter inniger Herzlichkeit von allen Staͤnd unserer Bevoͤlkerung begangen. In vielen Familien⸗Zir 28

e kerung begang In vielen Familien⸗Zirkeln fan⸗ den Feste: Diners, Assembleen, Tanz und Musik statt, die bis in die spaͤte Nacht, zum Theil bis zum Anbruch des Morgens waͤhrten. Unter den oͤffentlichen Festivitaͤten dieses Tages zeich⸗ nete sich die des Adels⸗Vereins aus, der gestern sein dem Mi⸗ chael⸗Palais gegenuͤber belegenes neuerbautes Lokal bezog und es mit einem Ball einweihte, dem die Elite des Publikums zahl⸗ reich zusprach. Unser erhabenes Herrscher⸗Paar beging diesen Tag im stillen Familienkreise. Der Minister des Kaiserlichen Hauses und der des Auswaͤrtigen gaben große Diners; Ersterer den hoͤheren Militair⸗- und Civil⸗Beamten der Stadt, Letzterer dem diplomatischen Corps. Am Abend erstrahlte die ganze Re⸗ sidenz in einer ungewoͤhnlich schoͤnen Beleuchtung, bei der sich mehrere oͤffentliche und Privatgebaͤude durch besonders schoͤne und geschmackvolle Transparent⸗Tableaus auszeichneten welche trotz einer enormen Kaͤlte, das Publikum in reger Lebendigkeit auf den Straßen bis gegen Mitternacht erhielt.

Die Kaͤlte ist hier seit einigen Tagen empfindlich streng ein⸗ ““ 1 ewemmeer erhaͤlt sich auf 20 und 22 Gr nter Null. Die Schneebe ich hie 1 1n,Saa. . ahn haͤlt sich hier und uͤberall

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Paris, 22. Dez. Morgen wird die Session fuͤr 1840 er⸗ oͤfnet. Das Ministerium, welches sich bei seinem Antritte als ein vorzugsweise varlamentarisches darstellte, wird nun eine Gelegenheit haben, um in Bezug auf die Thron⸗Rede diejenigen Grundsaͤtze anzuwenden, mit denen die Mitglieder desselben in fruͤheren Zeiten gegen die Bedeutungslosigkeit dieses Aktes auf⸗ traten. Es kann nun mit derjenigen Offenheit und Umstaͤndlich⸗ keit zu den Repraͤsentanten des Landes reden, uͤber deren Man⸗ gel sich namentlich Herr Teste oft so bitter beschwerte. Nachdem was man aber bis jetzt erfaͤhrt, wird die Bedeutungslosigkeit der dies⸗ jaͤhrigen Thron⸗Rede, die der fruͤheren Reden beinahe noch uͤbertreffen. Der Temp s, ein dem Ministerium im Ganzen guͤnstiges Blatt, aͤußert sich daruͤber in folgender Weise: „Wird die Thron⸗Rede, wie wir

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hofften, das Programm der Session enthalten? Werden alle po⸗

Grund, daran zu zweifeln. Mit Ausnahme von zwei oder drei Gesetzen werden die Minister es sich vorbehalten, in den ersten Tagen der Session und gleichzeitig mit dem Budget, die ver⸗

bereiten lassen. Sie sind ohne Zweifel darauf gefaßt, bei der Eroͤrterung der Adresse uͤber diejenigen Gesetz⸗Entwuͤrfe interpellirt zu

lichkeit er2angt haben. Dann erst wird man das wahrhafte Programm der Session kennen lernen, und die administrativen Arbeiten, so wie die politischen Intentionen des Ministeriums vom 12. Mai wuͤrdigen koͤnnen. Dem Gebrauche zufolge, wird die Thron⸗Rede daher fast ganz bedeutungslos seyn. Es wird darin die Rede von Algier, von Konstantinopel, von Spanien und viel⸗ leicht auch von Mexiko seyn. Wir wollen indeß hoffen, daß auch Y ein Wort uͤber die Angelegenheiten Frankreichs mit einfließen werde.’ Der Constitutionnel bespricht denselben Gegen⸗ stand in folgender Weise: „Das Kabinet wird seine erste ernst⸗ liche Probe vor der Kammer abzulegen haben. Auf welchen Beistand wird es dabei rechnen koͤnnen? Wir wissen es nicht und das Kabinet selbst weiß es nicht. Welche Politik wird es befolgen? Auch daruͤber ist es in Ungewißheit. Es uͤberläͤßt sich den Wellen, ohne weder seine Mittel, noch sein Ziel zu kennen.

litischen und sonstigen Gesetze, die das Kabinet vorlegen will, auf offizielle Weise in derselben angezeigt werden? Wir haben

schiedenen Entwuͤrfe einzureichen, die Jeder von ihnen hat vor⸗

werden, die durch die Arbeiten der Kommissionen bereits Oeffent⸗

Erfolg, an dem die Geschicklichkeit des 12. Mai's keinen Antheil hatte. Von da an glaubte der 12. Mai an seinen Stern; e hat in diesem gluͤcklichen Aberglauben gelebt, und auf di Allmacht der Ereignisse vertraut. So 8 sich das Ministe⸗ rium ohne Plan und ohne Idee in die Hrientalische Frage ge⸗ worfen; es hat die Umstaͤnde beauftragt, ihm ein Benehmen zu bilden, und sein Benehmen ist nicht weniger veraͤnderlich un vnr weniger schwankend gewesen, als die Winde, welche das bewegen. Es wird von dieser beklagenswerthen Politik Rechenschaft abzulegen haben. In Bezug auf die Kammer ha 8. Kabinet eben so wenig ein System, als in Bezug auf das usland, wenn man nicht jene satalistische Resignation, die bereit ist, sich von der staͤrksten Partei in's Schlepptau nehmen zu las⸗ sen, mit dem Namen eines Systems beehren will. Das Ministerium . sich jenen zweideutigen Repraͤsentanten in einer unserer ersten ersammlungen zum Muster nehmen zu wollen, der bei einem der wichtigsten Erreignisse unserer Revolution mit zwei Reden im entgegengesetzten Sinne in dem Konvent erschien, um je nach dem Ausgange des Unternehmens die eine oder die andere zu lesen. Es ist wahr, daß das Ministerium auf eine Weise zusammen ge⸗ setzt ist, die ihm erlaubt, diese doppelte Rolle zu spielen. Sollte es nuͤtzlich erscheinen, sich rechts zu wenden, so wird es seine rechte Seite vorschieben; sollte es besser seyn, sich links zu nei⸗ gen, so wird die linke Seite vortreten. Aber es ist leicht einzu⸗ sehen, daß das Ministerium mit dem einen und dem andern je⸗ ner beiden Systeme unfaͤhig ist, reiflich durchdachte Maßregeln im Zusammenhange vorzulegen. Was liegt aber daran? Was braucht es nachzudenken? Hat es nicht den Zufall in seinem Dienst?“ 8 Der Marquis von Dalmatien, Franzoͤsischer Botschafter am Turiner Hofe, ist vorgestern in Paris wieder eingetroffen, nach⸗ EE11 dem Koͤnige von Sardinien und Ihrer N 6 Mar 9 g . soine 2 3 srüroi- 1be onise von Parma seine Beglaubigungsschrei⸗ Dem Journal des Doebats wird aus Konstantinopel ge⸗ schrieben, daß man dort seit einiger Zeit ernstlich von der Abbe⸗ rusung des Britischen Botschafters, Lord Ponsonby, und von sei⸗ ner Ersetzung durch Lord Durham spreche. Der Korrespondent weist auf das Ansehen hin, in welchem Lord Durham bei dem wae. stehe. ie Regierung publizirt nachstehende telegraphische Depesch aus Toulon vom Lohn d. vom ash fechte haben in der Umgegend von Blida stattgefunden. Die regulaire Infanterie des Emir ist mit dem Saͤbel in der Faust angegriffen und gesprengt worden. Der Feind hat sich weder in ben noch von Sahel blicken lassen. Der „Al⸗ ger er eptune“ sind im b de aea. sence sind im Angesicht und werden heute In einem Privatschreiben aus Algier 13 eißt es: „Die Dinge gehen fortwaͤhrend nach Algier zuruͤck, die Ackerbauer und Kolonisten tragen in der Stadt ihr Elend und ihre Verzweiflung zur Schau. Eine An⸗ zahl ungluͤcklicher Arbeiter stirbt vor Hunger; das Buͤrger⸗Spi⸗ tal liefert zweimal taͤglich den Eingeborenen Suppe; allein es giebt Ungluͤckliche, die es nicht wagen, sie anzunehmen und dahin⸗ sterben. Diese Unterstuͤtzungen sind daher unzureichend. Die Araber, die nichts mehr in der Ebene zu pluͤndern finden, haben in ihrer Wuth und in ihrer Begier, alles zu vernichten, sogar den Boden zu verbrennen versucht. Noch am Ilten stand die ganze Ebene im Feuer, oder vielmehr sie war in Rauch gefuͤllt der Ueberrest der Vegetation brannte. Man hat sich am 1 1ten den ganzen Tag bei Maison⸗carrée und der Umgegend geschla⸗ gen; die Franzosen sind bis unter die Verschanzungen dieses Postens zuruͤckgeworfen worden und nur das Kanonen⸗ und Kar⸗ taͤtschenfeuer konnte die Araber entfernen. Die ungeheuren Heuschober, die sich einige Minuten weit vom Thore Babazun entfernt befinden, sind nicht in Sicherheit. Man hat dort Ver⸗ schanzungen angelegt, um sie gegen einen Ueberfall zu vertheidi⸗ gen. Gestern Abends um § Uhr ist einem Franzoͤsischen Kauf⸗ mann, Herrn Colambaud daselbst, wahrscheinlich durch einige Araber, die sich unsere Freunde nennen, der Kopf abgeschlagen worden. Man ist selbst 10 Minuten von der Stadt nicht mehr in Sicherheit, weil die Araber sich taͤglich auf das Gebiet zwi⸗ schen den Lagern und Algier werfen.“ 8 Die Presse enthaͤlt folgenden, von einem General, Lieute⸗ nant, der nicht genannt zu seyn wuͤnscht, herruͤhrenden Artikel: „Ich bin einer jener Veteranen der großen Armee, von denen nicht mehr sehr viele Spuren uͤbrig bleiben. Sie sind einer jener Publizisten, die den Nutzen der Presse am Besten verstan⸗ den haben, die aber auch die furchtbaren und beklagenswerthen Mißbraͤuche derselben nicht verhehlen. Ich hoffe daher, daß Sie keinen Anstand nehmen werden, die schmerzliche Ueber⸗

Man hat vielleicht niemals unter einer Repraͤsentativ⸗Regierung

eine solche Lage gesehen. Es begreift sich, daß ein Ministerium vor die Kammer tritt, ohne der Majoritaͤt gewiß zu seyn. Aber V nicht sagen zu koͤnnen, welche Partei geneigt seyn duͤrfte, ihnen die Masoritaͤt zu geben, oder sie ihnen zu entreißen, das ist un⸗ glaublich. Und doch ist dies die Lage des 12. Mai. Die Verwal⸗ tung kann durchaus nicht mit Bestimmtheit ihre Freunde und ihre Geg⸗ ner bezeichnen. Ihre Politik kann keiner Wahrscheinlichkeits⸗Be⸗ rechnung unterworfen werden. Sie ist ein Wuͤrfelspiel. Der

eigentliche Conseils⸗Praͤsident ist gegenwaͤrtig der Zufall. Es V giebt sicherlich keine Aufgabe, die reifere und bestimmtere Ideen

verlangt, als ein Land wie Frankreich zu regieren. Man muß

dazu nicht allein Voraussicht und zusammenhaͤngendes Verfahren, sondern auch, wo moͤglich, jene Art von Ahnung mitbringen,

welche Herr Royer Collard den goͤttlichen Theil der Regierungs⸗ kunst nannte. Man muß es verstehen, dem Gluͤcke nichts von dem zu uͤberlassen, was man ihm durch Klugheit und Voraus⸗ sicht abwendig machen kann. Das Kabinet aber uͤberlaͤßt im Gegentheil Alles dem Gluͤcke, selbst die Wahl des zu befolgenden Systems. Das Schicksal fuͤhrte ihm kurze Zeit nach seinem Ein⸗ tritte eine gluͤckliche Chance zu, welche es nicht zu vervollstaͤndi⸗

gen wußte. Die Convention von Bergara war ein unerwarteter

raschung zur oͤffentlichen Kenntniß zu bringen, die ich empfunden habe, als ich im „Journal des Debats“ vom 17ten d. M. nicht allein den Zustand der Afrikanischen Armee geschildert, son⸗ dern auch die Vertheilung und Verwendung jener Streit⸗ kraͤfte angegeben sah. Die guten gouvernementalen Tradi⸗ tionen muͤssen in Frankreich ganz vergessen seyn, da wir es uns selbst angelegen seyn lassen, unsern Feinden dasjenige mitzutheilen, was in unserm Interesse so viel als moͤglich geheim gehalten werden muͤßte. Ich kann Ihnen nur versichern, daß Napoleon 100,000 Thaler gegeben haben wuͤrde, um dergleichen Berichte üͤber eine feindliche Armee zu erhalten. Man wird einwenden daß die Araber das Journal des Debats nicht lesen, aber ich erwiedere darauf, daß nicht allein Abdel Kader, sondern auch der Bei von Tunis und der Kaiser von Marokko dabei interessirt sind, die Stellungen unserer Armee zu kennen, und daß die bei⸗ ihnen accreditirten Europaͤischen Agenten ohne Zweifel nichts Ei⸗ ligeres zu thun haben werden, als ihnen den Artikel der „De

bats“ zu uͤbersetzen. Niemals, selbst nicht unter dem Direkto⸗ rium, fehlte man in einem solchen Grade gegen die oöͤffentlichen Interessen. Es waͤre Zeit, daß ein Gesetz dergleichen Mißbraͤu⸗ chen zuvorkaͤme. Ich glaube, daß Sie dem Lande einen guten Dienst leisten werden, indem Sie diese Reclamation publiziren.“