Annahme
8 Amendements vorhanden sey.
se ies dem festgesetzt worden. Waͤre dies von dem 2 G d wolle 2 weiter nichts sagen; haͤtten aber die Minister der
gin dies gethan, so muͤsse er
Prinz selbst sich dadurch gekraͤn gen, welches sein edler lasse ihn glauben, daß wo „O nein! Ich wuͤrde meinen fruͤher unterbrochen haben, wenn
dies wahr sey.
ir nicht bekannt, daß irgend eine Ernennung 2 — stattgefunden hat, auch wird dies nicht eher geschehen, als bis die Meinung des Prinzen Albrecht daruͤber eingeholt wor⸗ den ist. Der Name eines Edelmannes ist in der That genannt worden, aber weiter ist nichts geschehen und wird auch nichts ge⸗ schehen, bis der Prinz selbst daruͤber entschieden haben wird.“ Hierauf schlug der Oberst Sibthorp als Amendement vor, daß, im Falle des Ablebens der Koͤnigin, die dem Prinzen fuͤr seine
Lebenszeit bewilligte Dotation — aufhoͤren solle, wenn derselbe weniger als sechs Monate des Jahres sich in Großbritanien und Irland aufhalte, oder sich mit einer fremden nichtprotestantischen Prinzessin oder Dame vermaͤhle, oder die protestantische Religion mit einer anderen vertausche. Sir Robert Peel erklaͤrte, da die Dotation einmal bewilligt worden sey, so koͤnne er das Amendement nicht unterstuͤtzen, denn er wolle sich nicht den Anschein geben, als hege er das geringste Mißtrauen gegen den Prinzen. Lord John Russell fuͤhrte das Beispiel der Herzogin von Kent an und fragte das Haus, ob dieselbe auch nur im Entferntesten das in sie gesetzte Vertrauen getaͤuscht habe. Er glaube, daß
auch in dem gegenwaͤrtigen Falle kein Grund zur Annahme des
Sir Robert Inglis meinte je⸗
doch, es sey besser, wenn die Dotation von einer solchen Be⸗ schraͤnkung begleitet werde; haͤtte man dasselbe bei dem Prinzen
Seopold gethan, so waͤre die Frage uͤber das Einkommen dessel⸗ ben nicht im Parlamente angeregt
worden. Nachdem der Oberst Sibthorp erklaͤrt, er wolle nicht weiter auf die 8 seines Amendements dringen, wurde die Bericht⸗ erstatrung uͤber die Bill auf den andern Tag anberaumt. Den uͤübrigen Theil der Sitzung fuͤllten neue Debatten uͤber die
Privilegien⸗Frage, die jedoch nicht beendigt, sondern auf den fol⸗
genden Abend vertagt wurden. Herr Darby entwickelte naͤm⸗ lich seine auf sofortige Freilassung der beiden verhafteten Sheriffs gerichtete Motion, wobei er hauptsachlich davon ausging, daß dieselben nur ihre Amtspflicht erfuͤllt haͤtten, und daß das Haus
in seinen Privilegien nicht durch sie, sondern durch den Gerichts⸗
hof der Queen’'s Bench angegriffen worden. Der General⸗ Prokurator aber erklaͤrte, daß er sich, wenn auch mit Bedauern, dieser Motion widersetzen muͤsse, weil die Majoritaͤt des
Heauses es ausgesprochen habe, daß die Sheriffs durch den trotz
1 Warnung dem Befehle des Gerichtshofes geleisteten Ge⸗ horsam die Wuͤrde des Hauses verletzt und seine Privilegien an⸗ geteget haͤtten. Sir R. Inglis und Sir W. Follett sprachen u Gunsten des Antrages, Letzterer erklaͤrte jedoch, er hoffe, daß
ord J. Russell eine solche Motion einbringen wuͤrde; sollte dies aber nicht der Fall seyn, so werde er (der Redner) fuͤr Herrn Darby's Motion stimmen muͤssen. Nachdem noch Herr Baines
und der General⸗Fiskal sich gegen die Freilassung der She⸗
riffs erklaͤrt hatten, wurde die Debatte vertagt⸗
London, 4. Febr. Die Vermaͤhlung der Koͤnigin ist nunoffiziell
auf nächsten Montag, den 10ten d., um 12 Uhr Mittags festgesetzt.
Es sind so viel Gesuche um Einlaßkarten zu dieser Feierlichkeit
eingegangen, daß man sie schwerlich alle wird beruͤcksichtigen koͤn⸗
nen. Dem diplomatischen Corps ist amtlich angezeigt worden,
daß fuͤr die Mitglieder desselben und fuͤr ihre Gemahlinnen der erforderliche Raum vorbehalten worden.
Lord Brougham will naͤchsten Freitag nach Paris abreisen und sich dort einige Zeit aufhalten.
Die Ernennung des Herrn Guizot zum Franzoͤsischen Bot⸗ schafter am hiesigen Hofe wird hier von den Organen beider po⸗ litischer Parteien getadelt. Die Times meint, daß man unter den drei Kandidaten zu diesem Posten, Molé, Broglie und Gui⸗ zot, den Herzog von Broglie haͤtte waͤhlen muͤssen; Guizors Wahl sey die unpassendste. Seine Sitten, seine verungluͤckten Versuche, den Weltmann zu spielen, wuͤrden ihn mehr unter den ausgezeich⸗ neisten Gelehrten der Englischen Universitaͤten als unter den Staats⸗ maͤnnern und der hohen Gesellschaft Englands sich an seinem Orte fuͤhlen lassen. Vom politischen sowohl als gesellschaftlichen Standpunkte aus sey die Wahl Guizot's eine ungluͤckliche. Der gemäaͤßigt radikale Sun nennt Herrn Guizot's Ernennung ein unerwartetes ungelegenes Ereigniß; er sey der eifrige Anhaͤnger Rußlands und werde die Russischen Einfluͤsse bei Lord Palmer⸗ ston verstärken. Frankreich moͤge sich nicht von eitlen Geruͤchten irreleiten lassen, die Englische Allianz muͤsse mit seinen National⸗ Sympathicen uͤbereinstimmen, und diese seyen Buͤrgschaft gegen ei⸗ nen innigen Bund zwischen England und Rußland.
Toryblaͤtter erinnern aus Anlaß der gegenwaͤrtigen Kollision zwischen dem Umteerhause und den Gerichten an eine fruͤhere aͤhn⸗ 5 Art, zur Zeit der Koͤnigin Anna. Damals war der Lord⸗
Pie⸗ wegen Verletzung der Privilegien des Hauses vor die Ichranken desseiben geladen worden. Er weigerte sich, zu erscheinen. Sofort uͤberbrachte ihm der Sprecher persoͤnlich be⸗ gleitet von vielen Mitgliedern, eine neue Vorladung. Der Lord⸗ Oberrichter erwiederte: „Geht zuruͤck zu Eurem Stuhle, Herr Sprecher, binnen fuͤnf Minuten, oder Ihr duͤrft uͤberzeugt seyn daß ich Euch in das Newgate⸗Gefaͤngniß schicken werde. Ihr sprecht von Eurer Autoritaͤt, ich aber sage Euch, daß ich hier sitze als Ausleger der Gesetze und Spender des Rechts, und haͤt⸗ tet Ihr) das ganze Unterhaus im Magen, ich wuͤrde keinen uß ruͤhren.“ Damals zog sich der Sprecher in aller Stille zuruͤck und *. sich beruhen. 8
So zuversichtlich bauten die Tories auf den Sieg ihres!
9239 1,2 fuͤr Southwark, 84 2—3b Se
coh, pfh. vee. tten zu fuͤnf gegen eins auf jenen Sieg an us Lissabon hat man Nachrichten vom 28. v. —
halten. Die von der Deputirten⸗Kammer ernannte 8 54 zur Entwerfung der Antwort auf die Thron⸗Rede hatte zwei Be⸗ richte eingereicht; der eine, von der Majoritaͤt ausgehend, ist ein bloßer Wiederhall der Thron⸗Rede, der andere aber, von der Mi⸗ noritaͤt herruͤhrend, spricht sehr viel daruͤber, daß die National⸗ wuͤrde durch die in der vorigen Session vom Britischen Parla⸗ ment mit Bezug auf den Sklavenhandel angenommene Maß⸗ regel schwer gekraͤnkt worden sey. In beiden Entwuͤrfen ist von der Erfuͤllung der Pflichten Fegen Portugal's auswaͤrtige Glaͤu⸗ biger keine Rede. Senhor Mindosi hatte der Deputirten⸗Kam⸗ mer einen Plan in Betreff der laufenden Schuld vorgelegt, wo⸗ nach die Regierung fuͤr alle Summen, die sie ihren Beamten fuͤr die drei letzten Jahre an Gehalt und Pensionen schuldet, nnverzinsliche Obligationen ausgeben und 40 Contos monatlich
Prinzen geschehen, so — Koͤni⸗ bekennen, daß nicht nur -e ir sich dar u beklagen, sondern daß auch der Üürsach habe, sich darnber,z kt fuͤhlen muͤsse. Das Stillschwei⸗ Freund (Lord John Russell) beobachte, Lord John Russell: ehrenwerthen Freund bereits ich nicht gewollt haͤtte,
z er Alles dem Hause sagen moͤchte, was er sagen wollte. Es . oder Gehalts⸗
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vom Ertrage der Tabacks⸗Verpachtung oder von anderen Reve nuͤen zur Einloͤsung derselben verwenden, diese Einloͤsung aber durch Lotterie⸗Ziehungen bewerkstelligen und vom naͤchsten Maͤrz an ihre Beamten alle Monat puͤnktlich in Baarem bezahlen soll. Man glaubte jedoch nicht, daß dieser Vorschlag durchgehen werde, da er auf dem Geldmarkte wenig Beifall fand. Er ist der Finanz⸗Kommission zur Pruͤfung uͤberwiesen worden. Da Herr . Soares in der Deputirten⸗Kammer behauptet hatte, daß der Tajo von der Englischen Flotte blokirt werde, und daß ein n„ tugiesisches Schiff bei der Ausfahrt aus dem Taso drei Tage lang von einem Englischen Kriegsschiff verfolgt worden sey, dem es nur durch sein schnelles Segeln entgangen, so hat der Be⸗ fehlshaber der Britischen Brigg „Espolr“, Capitain Poulson, ein Schreiben an den Herausgeber der Portugiesischen Regie⸗ rungs⸗Zeitung gerichtet, worin er jene Behauptung fuͤr ganz ungegruͤndet erklaͤrt.
Die drei Gefangenen, Frost, Williams und Jones, denen die Koͤnigin die Todesstrafe erlassen hat, sind am Soenntag von Monmouth nach Portsmouth gebracht worden, wo sie zur De⸗ portation nach Neu⸗Suͤd⸗Wales eingeschifft werden sollen. Fuünf andere ebenfalls zum Tode verurtheilte Chartisten, die jedoch zu einer minder gravirten Kategorie gehoͤren, sollen mit dreijaͤhrigem Gefaängniß davon kommen.
Aus dem Schottischen Hochlande berichtet der Inverneß Courier: „Wir wir hoͤren, ruͤstet sich der gegenwaͤrtige Haͤupt⸗ ling des Clans Macdonell mit seiner Familie und seinen Stamm⸗ genossen zur Auswanderung nach Australien. Herr Macdonell sah sich vor einiger Zeit genoͤthigt, den groͤßten Theil seiner Guͤ⸗ ter zu verkaufen, da sie durch seinen Vater, den bekannten Glen⸗ garry, dessen Charakter von Walter Scott, in seinem Helden Fergus Mac Jvor, im guͤnstigsten Lichte geschildert wurde, schwer be⸗ lastet uͤnd verpfaͤndet waren. Wir koͤnnen diese Selbstverban⸗ nung des Hauptes eines alten Hochlandstammes mit seinen Clan⸗
nicht ohne Bedauern sehen. Die Celtischen Tonweisen und Sa⸗ gen werden seltsam klingen in der neuen Welt, so fern von dem Loch Oich, von dem Ravenselsen und den Glengarry⸗Bergen.“ Der Waizen ist auf den letzten Märkten um 1 Schilling im Preise gestiegen. Dagegen ist der Thee wieder etwas herunter⸗ gegangen. Die hiesigen Inhaber Spanischer Fonds haben dem Spani⸗ schen Gesandten hierselbst eine Verwahrung uͤberreicht, worin sie gegen die Auslieferung der als Buͤrgschaft in den Haͤnden der anquiers Ardoin deponirten Spanischen Fonds protestiren.
Belgien.
Bruͤssel, 4. Febr. Prinz Albrecht von Sachsen⸗Koburg wird hier wenig gesehen, da er weder im Theater noch auf dem Adels⸗Balle erschien, bei welchem letzteren man nur den regierenden Herzog von Sachsen⸗Koburg und den Erbprinzen bemerkre. Unsere Blaͤtter sind der Meinung, die Etiquetre erfor⸗ dere es, daß der Braͤutigam einer Koͤnigin aller Theilnahme an oͤffentlichen Vergnuͤgen sich enthalte, wenn er ohne seine Braut sich befinde. Korgen treten die Koburger Fuͤrsten die Reise uͤber Gent, Bruͤgge und Ostende nach Calais an, von wo sie sich nach Dover einschiffen.
Die Repraͤsentanten⸗Kammer beschaͤftigt sich jetzt mit einem Gesetz⸗Entwurf, wodurch die freie Ausfuhr von Mehl, das in Belgien von auslandischem Getraide gemahlen worden, gestattet werden soll. 1
sen Tagen bei dem Gerichtshofe dieser Stadt einen Eid geleistet zur Bestaͤtigung ihrer Angabe, daß die jetzt im Besitze der Fa⸗ milie de Ghyselle befindlichen reichen Reliquien des heiligen Lam⸗ bertus der Domkirche von Luͤttich gehoͤren. Die Familie de Ghyselle, welche jetzt im Muͤnsterlaͤndischen in Westphalen wohnt, hatte jene Reliquien unter dem Nachlaß ihres Oheims, eines Kanonikus, gefunden, welcher zur Zeit der Revolution ausgewan⸗ dert war und der die heiligen Gegenstaͤnde aus Vorsicht mitge⸗ nommen hatte. Die Ruͤckgabe derselben ist von jener Eideslei⸗ stung abhaͤngig gemacht worden.
Ssechweden und Norwegen.
Stockholm, 31. Jan. Als der Kronprinz am 25. mit der Verlesung der Thron⸗Rede im Reichssaal beinahe zu Ende gekom⸗ men war, stuͤrzte ein Theil der Gypsverzierung von dem Helm uͤber einem Bildnisse ohne Schaden zu thuͤn, außer daß einer der Herolde daruͤber in Ohnmacht fiel, dicht vor dem beruͤhmten Bi⸗ schofe Tegnér nieder.
Im gestrigen Pleno des Buͤrger⸗Standes wurde eine Dar⸗ stellung von Herrn Petré über die uͤberhandnehmende außer⸗ ordentliche Landesnoth in Dalekarlien nebst Vorschlagen zu deren Abhuͤlfe verlesen und sogleich an den allgemeinen Beschwerde⸗ und Oekonomie⸗Ausschuß verwiesen. Hiernaͤchst wurden verschiedene Motionen des Herrn Halling verlesen, unter Anderem: Auf die Einladung an die anderen Stände zur Verhuͤtung unnoͤthi⸗ gen Zeitverlustes beim Reichstage; auf Zustandebringung der von den Sraͤnden auf dem vorigen Reichstage beschlossenen Aufloͤsung des Konvoi⸗Kommissariats (zur Ertheilung der nicht mehr erfor⸗ derlichen Tuͤrkenpaͤsse u. s. w.); auf Aufhebung des Regierungs⸗ rechtes zur Verfuͤgung uͤber die Ersparnisse an den Haupttiteln der Staats⸗Ausgaben. Die letztgenannte Motion, veranlaßt durch die seit dem letzten Reichstage, in Widerspruch mit dem Beschluß der Staͤnde getroffenen Dispositionen zu Sold⸗Erhoͤhungen fuͤr die Garde⸗Regimenter u. dergl. m. gab Herrn Petré Anlaß zu einer Anmerkung gegen die Koͤnigl. Rathgeber, die an den Con⸗ stitutions⸗Ausschuß verwiesen ward.
Daͤnemark.
Kopenhagen, 4. Febr. Durch Koͤnigliche Verfuͤgung vom 28sten v. M. wird eine Kommission ernannt zur Ausarbeitung des Entwurfs eines Strafgesetzbuches fuͤr die Herzogthuͤmer Schleswig und Holnein, so wie der Entwuͤrfe und Verordnun⸗ en uͤber die Zeit, binnen welcher ein Verhafteter vor seinen Richter zu stellen und zu verhoͤren ist und uͤber die Bedingun⸗ gen und Wirkungen des Indicien⸗Beweises. Dem Konferenz⸗ nch Hoͤpp, als Praͤsidirenden, ist es uͤberlassen, den Ort der Zusammenkuͤnfte zu bestimmen. b
Wegen der Ernennung des Kronprinzen zum Praͤses der Kunst⸗Akademie, statteten die Mitglieder derselben am letzten Sonntag dem Koͤnige ihren Dank ab, worauf sie von Thor⸗ waldsen, als Direktor der Akademie, dem Kronprinzen vorgestellt wurden. Gestern Abend war eine besonders angesagte Versamm⸗ lung in der Akademie, worin der — den fruͤher von dessen Vater und Großvater gefuͤhrten Vorsitz einnahm, und sich mit den Arbeiten der verschiedenen Kuͤnstler bekannt machte. In der am 3lsten v. M. gehaltenen Versammlung der Koͤ⸗ niglich Doͤnischen Gesellschaft der Wissenschaften las der Professor David den ersten Theil einer Abhandlung uͤber das Gefaͤngniß⸗
Genossen, seinen Sackpfeifern und seinen sfeudalen Erinnerungen, „ 1 -
Der Bischof und das Domkavpitel von Luͤttich haben in die⸗
vor. Es soll ein Hauptzweck seiner vorjäͤhrigen Reise nach Lon⸗ don gewesen seyn, sich hiermit an Ort und Stelle bekannt z
8
Deutsche Bundesstaaten.
— — Leipzig, 7. Febr. Da die Stadtverordneten in ihrer letzten Versammlung dem zum Buͤrgermeister erwaͤhlten Geheimen Justizrathe DFc. Groß die beantragten 4000 Rthlr. jaͤhrlichen Gehalt bewilligt haben, so ist die Besetzung dieses Am⸗ tes als definitiv regulirt anzunehmen, und des neuen Buͤrger⸗ meisters Einfuͤhrung in der näͤchsten Woche zu erwarten. Der⸗ selbe wird dann sogleich in die erste Kammer eintreten.
Die erste Nummer von Dr. Naumann's Zeitschrift fuͤr Bibliothek ⸗Wissenschaft, Handschriftenkunde und aͤltere Lite⸗ ratur, bei Oswald Weigel hier, ist erschienen. Der In⸗ halt an sich und das Auftreten des Unternehmers in der Zeit⸗ schrift loͤßt Treffliches erwarten. Dabei machen wir auf die bei J. J. Weber hier erschienene Uebersetzung von Constantin Bi- bliolhecouomie aufmerksam, obschon wir lieber eine Bearbei⸗ tung des Schriftchens gewuͤnscht haͤtten.
Die Direction der Leipzig⸗Dresdener Eisenbahn laͤßt es an Nichts fehlen, was zur Befoͤrderung und Erleichterung der hier anlangenden Fremden gereichen kann. So soll die Aufsicht uͤber die angestellten Koffertraͤger des Bahnhofes ehestens verpachtet werden, um dieses Geschaͤft unter gehoͤrige Kontrole zu nehmen. Hier traͤgt man sich ziemlich bestimmt mit der Aussicht, daß die V Bahn von Leipzig bis Halle mit dem 1. Mai d. J. fahrbar seyn wuͤrde. — Die Leipzig⸗Dresdener Eisenbahn⸗Actien sind fort⸗ dauernd im Steigen und mit 97 ¾ pCt. gesucht, obgleich die
Einnahme von den Dampfwagenfahrten und dem Zucker⸗Trans⸗ vorte wäaͤhrend der Zeit vom 26. Januar bis I. Februar Cfuͤr 3263 Personen 2333 Rthlr. 10 Gr. und fuͤr Guͤter 1429 Rthlr. 8 Gr.) mehr nicht als 3762 Rthlr. 18 Gr. betragen hat. Mit der bessern Jahreszeit wird auch hier groͤßere Frequenz und Ein⸗ nahme eintreten.
Goͤttingen, 31. Jan. (A. Z.) Heute wurde der Kupfer⸗ stecher Riepenhausen, der am 2Ssten d. M. verstorben, beer⸗ digt. Er war ein in vielen Beziehungen merkwuͤrdiger Mann.
Schon in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts stach er die vortrefflichen Hogarthschen Platten, die den besten Englischen. vorgezogen wurden, und die selbst, jetzt zweimal re ouchirt, noch immer gesucht sind. Lichtenberg, der ihm innig Befreundete, schrieb zu diesen Platten seine weltberuͤhmten Erklaäͤrungen. Sei⸗ ner uͤbrigen Arbeiten sind so viele, daß er selbst sie nicht mehr aufzaͤhlen konnte. Er war mit Heyne, Heeren, Blumenbach be⸗ freundet und vertraut. Buͤrger verlebte seine sechs letzten qual⸗ vollen Jahre in dessen Hause. Er hatte die Glieder des Deut⸗ schen Hainbundes saͤmmtlich persoͤnlich gekannt, und wußte viel und gern von jener Zeit zu erzaͤhlen; daß nicht einer seiner juͤn⸗ geren Freunde diese Erzaͤhlungen aus jener Bluͤthenzeit der Geor⸗ gia Augusta gesammelt hat, ist sehr zu bedauern.
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Oesterreich. is
— — Wien, 4. Febr. Am verflossenen Sonnabend fand das Leichenbegaͤngniß des Feldmarschall⸗Lieutenants Grafen von Clam⸗Martinitz statt. Außer der seinem Range gebuͤhren⸗ den militairischen Begleitung hatte sich eine große Anzahl von Leidtragenden von allen Waffengattungen dem Zuge angeschlossen. Dieser bewegte sich von dem Hause des Verstorbenen nach der Schottenkirche, wo sich Viele unserer hoͤchsten Staatsbeamten versammelt hatten, und nach geendigter kirchlicher Ceremonie durch die Herrengasse, den Kohlmarkt, Graben⸗ und Stephans⸗ platz nach der Jaͤgerzeile, von wo der Leichnam nach der Herr⸗ schaft Smeczena in Boͤhmen, in die Familiengruft von Clam⸗ Martinitz abgefuͤhrt wurde. Eine ungeheure Menschenmenge fuͤllte die Straßen, durch welche der Zug kam; auf allen Gesich⸗ tern las man den Ausdruck der Trauer und Bekuͤmmerniß, als der von sieben Rappen gezogene, mit Helm und Schwert ge⸗ zierte Leichenwagen voruͤberfuhr; vor demselben ward das Leib⸗ pferd des Grafen in schwarzem Ueberhang und mit langer Schleppe einhergefuͤhrt, hinter dem Wagen ritt der gepanzerte Ritter, dann folgte der endlose Zug der freiwilligen Begleitung. Seit dem Tode des Kaisers Franz und lange vorher hat Wien keine aͤhnliche Leichenfeier gesehen. Sechs Erzberfoge, darunter der greise Feldherr, Erzherzog Karl, mit dem Marschallsstabe, fuͤnf und sechszig Generale — viele waren. aus der Ferne herbei⸗ gekommen und saͤmmtliche hier und in der Umgegend lebenden pensionirten Generale — schlossen sich an und der groͤßte Theil des Offiziers⸗Corps ging hinter dem Sarge her.
Noch immer richtet hier der Tod seine Verheerungen an, und keine Woche vergeht, ohne daß man namhafte Opfer zu be⸗ klagen haͤtte. So starb heute Morgens nach kurzer Krankheit Graf Ferdinand Palffy, Graf von Preßburg, Kaiserl. Kaͤmmerer, Geheimer Rath, Ober⸗Gespann des Preßburger Komitats und Kommandant des Koͤnigl. Schlosses von Preßburg. Mit ihm verliert Wien einen seiner aͤltesten oͤffentlichen Charaktere, eine jener stehenden Figuren, welche man uͤberall traf und immer vergnuͤgt war zu treffen. Als Eigenthuͤmer des Wiedner Thea⸗ ters, welches zur Zeit seines Glanzes auf einer weit hoͤhern Stufe als gegenwaͤrtig stand, trug Graf Palffy zur Erheiterung des Publikums nicht wenig bei, wie er denn andererseits in gluͤcklichen Verhaͤltnissen stets fuͤr die hoͤhere Gesellschaft offenes Haus hielt, und die Erfordernisse eines feinen und eleganten Wirthes in hohem Grade und bis zur Virtuositäͤt besaß. Aber auch wenn er den Wechsel des Schicksals empfand, verleugnete sich seine Herzensguͤte, die ihm in allen Klassen viele Freunde ge⸗ wann, niemals; und er war immer, bis zu seinem Tode, als der dienstfertigste, bereitwilligste Freund und als der angenehmste Ge⸗ sellschafter bekannt und werth gehalten.
Ein hoͤchst schmerzlicher Verlust bedroht das erlauchte Kaiserhaus durch das bevorstehende Ende der Erzherzogin, Marie Anna, Tochter Sr. Kaiserl. Hoheit des Erzherzogs Franz, welche an einer Ge⸗ hirn⸗Entzuͤndung darniederliegt und seit von aufgegeben ist. Die Prinzessin ist im Jahre 1835 geboren un war der Stolz und 8 Ihrer Durchlauchtigen Aeltern, de⸗ ten einzige Tochter sie ist. 1 8 Hbee. Italien wird geschrieben, daß Prinz Karl Ferd nand auf seiner Rundreise Turin, wo er am 18ten v. M., un Genua, wo er am 25sten eingetroffen war, besucht und in dieser beiden 5ö5 des Koͤnigreichs Sardinien sich des schmei chelhaftesten Empfanges zu erfreuen hatte.
Vorgestern, als am Tage der Thronbesteigung (esaltazione) Gregor's XVI., gab der Paͤpstliche Nuntius, Fuͤrst Altieri, ein großes Diner, welchem Fuͤrst Metternich, die hier anwesenden Oesterreichischen Diplomaten ersten Ranges und sämmtliche Chefs der auswaͤrtigen Missionen beiwohnten.
88 Italien. Rom, 28. Jan. (A. Z.) Gestern Nachmittag traf der
wesen in England und die mit demselben beabsichtigten Reformen
1““ 1“ 8
Herzog von Bordeaux, von Reapel kommend, hier ein, und be
u1uX““ 111““ 111“
machen. 3 81u“
befigungen zu Thbeil geworden.
8
nungs⸗ Geschäfte
gestern von den Aerzten
zog den schon fruͤher von ihm bewohnten Palast Conti. In sei⸗ nem Gefolge befindet sich der Herzog de Levis. Man hoͤrt, daß der junge Fuͤrst gesonnen sey, erst bis zu Ende der ersten Wochen des naͤchsten Monats seine Reise nach dem Norden anzutreten. Um alle Unannehmlichkeiten zu vermeiden, soll mehreren jungen Franzosen angedeutet worden seyn, sich in ihren Ehrenbezeugun⸗ een gegen den 4—2 zu moderiren. Man behauptet, daß die⸗ elben bei seinem ersten Aufenthalt in ihrem Eifer so weit gegan⸗ gen seyen, an oͤffentlichen Orten fremde Menschen zu noͤthigen, den Hut vor ihm, als vor dem Koͤnig von Frankreich, abzuneh⸗ men. Man fuͤhrt dies als eine der Beschwerden des Franzoͤsi⸗ schen Botschafters gegen seine Erscheinung hier an.
Briefe aus Neapel melden, daß, nachdem die dortige Ka⸗ serne der Lanciers abgebrannt, nun auch Feuer in dem Lotto⸗ Gebäude ausgebrochen sey, welches aber gluͤcklicherweise, zeitig geuug entdeckt, von den Pompiers geloͤscht wurde. Man behaup⸗ tet, beide Feuer seyen durch Frevler angelegt worden.
Spanien.
Madrid, 27. Jan. Der General Valdez, der bekanntlich sein Amt als General⸗Capitain von Catalonien niedergelegt hat, ist hierher berufen worden und soll das Kommando der Garde erhalten. . 1
3 In Santander haben die Exaltirten ihren Sieg bei den Wahlen mit Feuerwerken und anderen oͤffentlichen Freudenbezeu⸗ gen gefeiert. bung⸗n esens in Barcelona sich Alles mit den Wahlen beschaͤf⸗ tigt, durchziehen die Karlisten die ganze Provinz. Ein starkes Guerilla⸗Corps besetzte am 20. Vedra zwischen Ripol und Olot und brandschatzte die umliegende Gegend, und Balmaseda hat vor kurzem eine Rekognoscirung bis vor die Thore von Barce⸗ lona unternommen.
Das Eco del Aragon meldet aus Mas de las Matas, daß die Offiziere der im Dienst der Koͤnigin von Spanien ste⸗ henden Englischen Lanciers, sich in einem Schreiben an Espartero uͤber ihren Anfuͤhrer, den Obersten Lasaussaye, beschwert haben. Der Ober⸗Befehlshaber hat eine Untersuchung dieser Angelegen⸗ heit anbefohlen. .
Spanische Graͤnze. Dem Phare des Pyrénses zu⸗ folge, ist Cabrera voͤllig wiederhergestellt. 18
Briefen aus Irun vom 30. Januar zufolge, sind am 28. in Passages 150 Britische Marine⸗Soldaten nach England einge schifft worden und der Rest der Garnison sollte ihnen in kurzem
8 Moldau und Wallacheii. Das Siebenbuͤrger Wochenblatt giebt eine Uebersez⸗ zung der von dem Fuͤrsten der Wallachei, Alexander Ghika, am 23. Dezember, bei Eroͤffnung der Staͤnde⸗Versammlung lin Wallachischer Sprache gehaltenen Rede. Sie lautet folgender⸗ e. Alerander Demetrius Ghika, von Gottes Gnaden Fürst und Herr der gesammten Walachei, an die verehrte Versammlung der Secasg Herren! Die Freude, welche mich in Ihrer Mitte stets beseelte, erneuert sich mit Gottes Hülfe auch wieder heute in mir. Die Ursache, warum die Versammlung bis zur Stunde verschoben war, liegt fürs erste in dem Umstande, daß ich meiner Gesundheit wegen die Gränze dieses Reiches überschreiten, und eine weitere Reise unter⸗ nehmen mußte. Nach meiner Rückkehr aber waren, wie es Ihnen oh nebin bekaunt ist, die katagraphischen Arbeiten der zweiten Periode von siehen Jahren her noch nicht hinreichend vorbereitet, um das Finanz⸗Mini⸗ sterium in den Stand setzen zu können, die Rechnungen und den Eutwurf eines Budgets darzulegen. Nachdem endlich auch diese Ge⸗
chäfte geordnet waren, Herhe unsere Versammlung auf Ihre eigene
eraulassung vertagt, weil der größte Theil der Herren Deputirten, ihrer ökonomischen Verhältnisse wegen, sich auf ihre Landgüter bege⸗ ben mußten.“
„Die Spaltungen, meine Herren, welche sich in den zwei letzten Sessionen unserer Versammlung kundgethan haben, so auch unsere Verfügungen über einige Angelegenheiten, konnten der Wachsamkeit der beiden Höfe nicht entgehen. Die Frechheit einiger Mißvergnügten, die sich schamlos für Organe der Walachei aufwarfen, hat ihnen un⸗ ees den Weg zu ihrem Verderben gebahnt, so daß sich die hohen
emüßigt sahen, die Grundursache dieser Unzufriedenheit auszu⸗
öfe u -e und geeignete Maßregeln zu treffen, um ähnlichen Unfugen
für die Zukunft vorzubeugen. Dadurch gaben sie uns neue Beweise, welchen unausgesetzten Antheil sie an der Aufrechterhaltung der uns anvertrauten Institutionen nehmen. Ihnen liegt es auch ob, dieselben nie aus dem Auge zu verlieren.“ „Kein Staat kann glücklich gepriesen werden, dem die genaue Er⸗ kenntniß seiner politischen Verfassung mangelt. Unsere Constitution beruht nach dem Muster anderer Nationen auf Verträgen. Diese durch die Vermittelung der beiden hohen Höfe entstandenen und das öffent⸗ liche Recht unseres Vaterlandes bezweckenden Berträde begründen un⸗ ser Wohl, insofern es im Einklange mit dem Europäischen Staats⸗ rechte steht. Durch die gewissenhafte Erfüllung solcher Verträge cha⸗ rafterisiren sich alle civilisirten Nationen, und Heil denjenigen Staa⸗ ten, welchen sie nicht zur Last, sondern nur zu ihrem eigenen Wohl⸗ stande dienen. Durch die Uebereinkunft dieser beiden hohen Höfe sind uns nun, nach Verhältniß der Zeit, unverkennbare Vortheile und Be⸗ V Würden wir uns nicht gegen diese erträge versündigen, wenn wir den Werth derselben nicht gehörig zu schätzen wüßten! Die Aufrechthaltung dieser Verträge, die Fürsorge, Sdieselben pünktlich zu vollziehen, und die Bewahrung der das Wohl des Vaterlandes bezweckenden Einrichtungen und Maßregeln, ist das einzige Ziel unserer Wünsche, der Grundstein unserer Verfassung und das heiligste Bestreben, von welchem unsere Brust stets entflammt war!“ „Die Chefs der verschiedenen Departements werden Ihnen den Staud der ihrer Obhut anvertrauten öffentlichen Kassen anzeigen. Das Finanf „Ministerlum wird Ihnen seine Ausweise über die Einkünfte Und Ausgaben in den Jahren 1838 und 1839, so wie auch das Bud⸗ get fuͤr das Jahr 1839 und 1840 vorlegen.
2
können wir nicht umhin,
Bei dieser Gelegenheit Ihnen die Nothwendigkeit 88 für ke 89 gangenen Jahre noch abzuschließenden Rechnungen auf das Ernsthaf⸗ teste auzuempfehlen; diese Nothwendigkeit ist um so dringender, da die 8 Verzögerung dieser Vollziehung eine Unordnung in dem Rech⸗ hervorbringen würde. Wir sind überzeugt, daß Sie diesen Gegenstand mit aller erforderlichen Mühe und der geelgneten Unparteilichkeit leiten werden. Desgleichen wird Ihnen das Finanz⸗Ministerium in Gemäßheit des im Jahre 1834 von jener ebewüͤrdigen Versammlung gefaßten Beschlusses die erforderlich gewe⸗ senen, und von den hoben Höfen geuehmigten Auslagen meiner In⸗ vpestitur in Konstantinopel unterbreiten. Dasselbe Departement wird Ihnen auch die Bearbeitung der Katagraphie der zweiten Periode von 7 Jahren, welche als Grundsatz zur Förderung unseres Budgets an⸗ genommen wurde, unterlegen. Unsere Finanzen haben sich endlich von dem Drucke, der bisher auf ihnen lastete, durch die theilweise Erfüllung der Verbindlichkeiten gegen das rechte Donau⸗Ufer erholt. Die Ein⸗ künfte des gegenwärtigen Jahres geben einen bedeutenden Ueberschuß im Vergleich mit den Ausgaben; dieser Ueberschuß wird aber noch zu⸗ nehmen, indem dieZinsenzahlungen im Laufedes künftigen Jahres nicht mehr erforderlich seyn werden. Der Res ervefonds kann küͤnftighin den Zweck seiner Begründung erreichen. Die Verpachtung der Salzgruben, dieser wich⸗ tige Zweig der öffentlichen Einkünfte, ist endlich von der Beschränkung, welche auf demselben für die Forderungen des rechten Donau⸗Ufers hafteten, befreit, und er kehrt 8 seinem ursprünglichen Zustande zu⸗ rück. Die Bedinguisse dieser Verpvachtung werden Ihrer Berathung anheim gestellt werden.“
163
PDPurch die allmälige Entwickelung, welche der Handel in diesem Fürstenthume erlangte, wurde ein großer Mangel in unserer Gesetzge⸗ bung entdeckt. Damit nun derselbe die ganze ihm gebührende Ausdeh⸗ nung nehmen könne, verlangt er unumgänglich die schon im §. 241 des organischen Reglements vorhergesehenen Erleichterungen. — Frank⸗ reichs Handels⸗Gesetzbuch, insofern es mit unserem politischen Zustande übereinstimmt, wurde übersetzt, und seit geraumer Zeit besindei es sich in Ihren Archiven. Wir hegen demnach die Hoffnung, daß die der⸗ masige Session nicht vorübergehen wird, ohne daß das Laud dieser nützlichen und weisen Handlung durch Sie theilhaftig werde.“
Der kriminelle Theil unserer Gesetzgebung stimmt nicht mehr mit
unseren moralischen Fortschritten überein, und verlangt eine Resorm und liegt gleichfalls in Ihren Archiven. Es ist unumgänglich noth⸗ wendig, daß Sie sich in dieser Sitzung mit der Untersuchung dieses Gegenstandes befassen.“ 1 ²˙ „Außerdem erinnern wir die verehrte Versammlung noch an zwei andere Angelegenheiten, welche in den letzten zwei Sitzungen unerle⸗ digt geblieben sind; diese sind: die Erwählung eines Metropoliten nach den vorgeschriebenen Formen, und die Erklärungen einiger grundeigen⸗ thümlichen Verpflichtungen. Die Gründe, welche früher die Verzöge⸗ rung der ersten Angelegenheiten verlangten, haben aufgehört, was der verehrten General⸗ Versammlung beiamm gemacht wurde, — denn die Einkünfte dieser h. Anstalt sind jetzt geregelt, und ihre innere Organisation ist, so viel als möglich war, der nunmehrigen Gesetzgebung gemäß eingerichtet. Die zweite aber be⸗ trifft einerseits den Ueberfluß der Grundstücke (Pozon), und das für die Zinspflichtigen (Clacasch) bestimmte Zugvieh, und andererseits die Fit der Zehnt⸗Entrichtung für jedes Produkt insbesondere. Eine um⸗ ständliche Auseinandersetzung der beiderseitigen Interessen ist in dieser Hinsicht nothwendig, damit die seit geraumer Zeit vorgekommenen Kla⸗ gen aufhören.“ „Die betreffenden Chefs der Departements werden Sie von dem Zustande des Landes in Kenntniß setzen, und dann, meine Herren, werden Sie wahrnehmen, daß die Bevölkerung in einem solchen Ver⸗ hältnisse zugenommen habe, wie in den am vollkommensten organisir⸗ ten Ländern, was den unleugbarsten Beweis von dem Wohlstande und der Ruhe, worin wir uns befinden, liefert.“
„Der öffentliche Unterricht hat durch die außerordentliche Verbrei⸗ tung von Lehrern in den Städten und Dörfern und durch die Be⸗ gründung von Schulen in allen Ortschaften eine erfreuliche Entwicke⸗ lung genommen. — Außer jenen, unter der provisorischen Regierung gegründeten freien Städten Braila und Giurgiu (Dschurdschu), welche heutzutage bevölkerter und verschönert sind, wurden neuerdings drei andere freie Städte, nämlich Severinul, Turnul und Alexandrien nach gut entworfenen Plänen begründet. — Die National⸗Militairmacht ist gegenwärtig in den neuerbauten Kasernen, sowohl in dieser Hauptstadt als auch in Krajova, Braila und Giurgiun einquartiert.“
„Zur Hebung unseres Handels werden nunmehr regelmäßige und dauerhafte Straßen gegen die Gränzen des Landes gebaut, dessen Bi⸗ lanz jetzt schon 20 Millionen (Piaster) zum Vortheil des Landes be⸗ trägt. — Die Reserve⸗Magazine in den Dörfern sind zur Genüge ge⸗ füllt. — Das Vermögen der Städte und Dörfer, ungeachtet sie bedeu⸗ tende Verbesserungen gemacht haben, ist in einem guten Zustande.“
„Die Dienstleistung der Landesmacht und der Kordonsdörfer an der Donaulinie ist mit einer solchen Genauigkeit erfüllt worden, die allein im Stande war, in einer Strecke von 120 Stunden das Ein⸗ brechen der Pestseuche in das Fürstenthum zu verhindern, während sie im Laufe von zwei Jahren das rechte Donau⸗Ufer heimsucht. Endlich sind zur Erleichterung der Communication drei neue Quarantainen bei Severin, Oltenitza und Braila erbaut worden, von welchen die zwei ersten ausgebaut und benutzt werden, die letzte aber künftiges Jahr beendiget wird.““ 1
Dies, meine Herren, ist der jetzige Zustand dieses Fürstenthums. Freuen wir uns, meine Herren, über das innere Wohl, welches uns durch Europa's Frieden garantirt wird. Freuen wir uns über das Zutrauen, welches selbst die Fremden in die Regierung der Wallachei setzen. Glauben Sie ja nicht, daß die Kabinette den Zustand dieser Länder durch Verleumder kennen lernen wollen, denn das gute Ein⸗ verständniß mit den Repräsentanten der bei uns accreditirten fremden Mächte beweist hinlänglich, daß die Grundsätze und Gesinnungen un⸗ serer Regierung von ihnen geachtet werden. Folglich verschwinde von uns jedes Mißverständniß; Ruhe und Mäßigung sell bei ihren Ver⸗ handlungen vorherrschen! Zu dem sind Sie, meine Herren, rechtmãͤ⸗ ßig betheiligt, sowohl als Grundbesitzer, wie auch als ausübende Mit⸗ glieder der Regierung, je nach dem Posten, den Sie in dem administra⸗ tiven oder richterlichen Theile einnehmen. Nur auf diese Art werden wir uns der Erkenntlichkeit der Zeitgenossen und unserer Nachkommen⸗ schaft würdig zeigen.“ 1
„Indem wir das ganze Vertrauen in Ihre Weisheit und in Ihre Kenntnisse setzen, zählen wir stets auf Ihren Beistend. — Der Groß⸗ postelnik⸗Staats⸗Secretair ist beauftragt, die Verlesung Unseres Office der verehrten Versammlung zu übergeben.“
(Folgt die Unterschrift Sr. Durchlaucht.) ¹ Der Staats⸗Secretair K. Kantakuzino.“
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Arket.
Konstantinopel, 15. Jan. (Oest. B.) Am gten d. M. ist bei dem Scheich⸗el⸗Islam (obersten Mufti) ein Conseil gehal⸗ ten worden, welchem die vorzuͤglichsten Regierungs⸗Mitglieder beiwohnten, und in welchem beschlossen wurde, die Erhebung des Charadsch oder der von allen Raaja's (nicht mohammedanischen Unterthanen) nach drei Klassen zu entrichtenden Kopfsteuer in der bisherigen Form abzuschaffen. Die Repartition und Erhebung dieser Steuer soll in Zukunft den einzelnen Gemeinden nach einem billigen Maßstabe uͤberlassen bleiben, und die fuͤr die Raaja's sehr vexatorische Maßregel der Loͤsung einer Kopfsteuer⸗Karte gänzlich aufhoͤren. — Das bisherige System der Verkaͤuflichkeit der Aemter war schon fruͤher abgeschafft worden.
Der mit dem Hattischerif von Guͤlhane an Mehmed Ali nach Alexandrien abgeschickte Kiamil Pascha ist am 10. Januar von seiner Sendung hier wieder eingetroffen.
Konstantinopel, 15. Jan. (A. Z.) Kiamil Pascha brachte ein Schreiben Mehmed Ali's mit, worin dieser unter vielen Be⸗ theureungen seiner unwandelbaren Ergebenheit notificirt, daß er als ein treuer Vasall der hohen Pforte nicht ermangeit habe, alle zur Kundmachung des Hattischerifs erforderlichen Maßregeln zu treffen; er habe sich beeilt, nach allen, seiner Verwaltung un⸗ terworfenen Laͤndern die noͤthigen Befehle zu erlassen, damit der erwaͤhnte Hattischerif uͤberall mit den gewoͤhnlichen Feierlichkei⸗ ten promulgirt werde. Er erklaͤrt sich ferner mit den darin auf⸗ gestellten Grundsaͤtzen vollkommen einverstanden und sucht nach⸗ zuweisen, wie das alleinige Streben seiner langjährigen Thaͤtig⸗ keit auf Verwirklichung aͤhnlicher Maximen in den H die seiner Administration anvertraut, gerichtet gewesen sey. Auch er habe laͤngst die Ueberzeugung genaͤhrt, daß nur durch vollkom⸗ mene Sicherung des Lebens, des Eigenthums und der Ehre der Unterthanen das Gluͤck der Nationen begruͤndet werden koͤnne, und stets habe er nach dieser Ueberzeugung gehandelt. — So ungeberdig sich auch Mehmed Ali in der bekannten Konferenz mit dem Obersten Hodges benommen, so scheint doch die Wider⸗ spenstigkeit des Vice⸗Koͤnigs hauptsaͤchlich auf seiner Ueberzeugung zu beruhen, daß England nicht in dem Falle sey, strenge Coërci⸗ tiv⸗Maßregeln gegen ihn in Anwendung zu bringen. Daher geht die allgemeine Meinung dahin, daß England den Vice⸗ Koͤnig nur thatsaͤchlich uͤber diesen Irrthum aufzuklaͤren brauchte, um ihn geschmeidiger zu machen, und ihm gewisse tragische Ge⸗ danken, die er nicht ohne Ostentation zur Schau traͤgt, aus dem
Kopfe zu schlagen. Dahin gehoͤrt die Erklaͤrung Mehmed Ali’s
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daß man nur uͤber seine Leiche zu groͤßeren Konzessionen gelangen werde, als die er bereits gemacht, naͤmlich die Abtrerung Arabiens, und die Ueberlassung der heiligen Staͤdte an die Pforte. Meh⸗ med Ali moͤchte der Ungewißheit, in der die Sachen schweben, allerdings ein Ende machen, doch meint er, das Temporisiren⸗ habe nur ihm, nicht Anderen genuͤtzt. Dadurch habe man ihm Zeit gewaͤhrt, sich in den gehoͤrigen Vertheidigungsstand zu setzen, seine Kuͤsten zu befestigen, ja selbst in seinen Finanzen nuͤtzliche Re⸗ sormen einzufuͤhren. So habe er z. B. mehrere Fabriken, die fruͤher auf seine Rechnung gefuͤhrt wurden, und nur Luxus⸗Artikel lie⸗ ferten, eingehen lassen; so sey er von vielen anderen eitlen Unter⸗ nehmungen zuruͤckgegangen, wodurch wesentliche Ersparnisse er⸗ zielt worden, was ihn dann auch in den Stand gesetzt habe, die meisten Soldruͤckstaͤnde zu berichtigen. Er brauche sich vor Nie⸗ mand zu fuͤrchten, dies werde er zu beweisen wissen. Es ist wohl leicht die Quelle zu errathen, aus der Mehmed Ali diese Zuver⸗ sicht schoͤpft, doch duͤrfte er bitter sich taͤuschen. Mehmed Ali moͤge bedenken, bis zu welchem Grade seine Verlegenheit sich steigern muͤßte, wenn ihm nur auf einige Zeit die Communica⸗ tion mit seinem Sohne Ibrahim abgeschnitten wuͤrde. Die Aus⸗ fuͤhrung eines solchen Planes duͤrfte nicht auf besondere Schwie⸗ rigkeiten stoßen; die geographische Lage Syriens, die Stimmung der dortigen Staͤmme, welche, von einem regelmaͤßigen Europaͤi⸗ schen Corps unterstuͤtzt, das Vice⸗Koͤnigthum in die bedenklichste Lage versetzen muͤßten, scheinen dafuͤr zu buͤrgen. Daß dies einen der Hauptpunkte ausmacht, die gegenwaͤrtig unter den Maͤchten diskurirt werden, glaube ich, aus zuverlaͤssiger Quellen versichern
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Danzig, 5. Febr. (Danz. Z.) Die heute eingegangenen Nachrichten von der Weichsel verursachten hier nicht geringen Schrecken. Der starke Strom hat oberhalb des Bruches eine Stelle des, die Niederung schuͤtzenden Dammes seit gestern so stark unterminirt, daß man an der Erhaltung desselben trotz der angestrengtesten Arbeit einer großen Menschenzahl zweifelte. lese Stelle, dem Stromstoße sehr stark ausgesetzt, ist beim Rothen⸗ kruge, ungefaͤhr 2 Meilen von hier, wo die Weichsel eine Bie⸗ gung zu machen hat. Heute Morgen 7 Uhr war mehr als die Halfte der Dammbreite schon fortgewühlt und bereits verbreitete sich das Geruͤcht des Durchbruchs in der Niederung, der den unteren Theil derselben unter Wasser gesetzt und hierher wie⸗ derum hohes Wasser gebracht haben wuͤrde. Nach dem neuesten Berichte von 12 Uhr Mittags ist es aber gelungen, den Damm noch zu erhalten und man war damals der besten Erwartung, weil das Wasser um 13 Zoll gefallen war. Man arbeitete mit 250 Mann und 80 Wagen. Eine groͤßere Gefahr scheint der Nehrung an einer dritten Stelle hn drohen, naͤmlich bei Bohn⸗ sacker⸗Weide, ungefaͤhr eine halbe Meile oberhalb des Duͤnen⸗ bruchs; man zweiselt, daß es dort gelingen wird, dem Eindrin⸗ gen der Fluth Abwehr zu leisten. Man hat bis jetzt aber von dort keine sichere Nachricht, auch ist man hier nicht unterrichtet,
wie es mit der Elbinger Weichsel stehen mag. Ein Geruͤcht, daß auch ein Durchbruch in das große Werder, welches im vort⸗ gen Jahre so schrecklich heimgesucht wurde, erfolgt ist, wird sich hoffentlich als unwahr erweisen.
Danzig, 6. Febr. Von Dirschau erfaͤhrt man, daß gestern die Wasserhoͤhe der Weichsel 22 Fuß 10 Zoll gewesen, also um 23 Zoll gefallen ist. Die Ueberfuͤhrung von Personen und leich⸗ ten Wagen geschieht zwar langsam, aber sicher mit Kaͤhnen und Spitzprahmen. — Beim rothen Kruge ist die Gefahr eines Dammbruchs fuͤr jetzt als beseitigt anzusehen, man hat einen in⸗ neren Fangdamm angelegt, 600 Menschen und 100 Wagen sind gestern dabei in der angestrengtesten Thaͤtigkeit gewesen. Durch den Duͤnenbruch ist eine große Masse Eis gegangen, heute ist der Strom aber ziemlich eisfrei, woraus zu schließen, daß die Stopfungen unterhalb Dirschau aufgehoͤrt haben, was auch durch das Fallen des Wassers bei Dirschau wahrscheinlich wird.
Halle, 6. Febr. (L. A. Z3) In verflossener Nacht ist hier der Professor Peter von Bohlen im Aästen Lebensjahre verstorben. Auf den Gelehrten⸗Schulen Hamburgs vorbereitet, bezog er 1821 die Universitaͤt Halle, um unter unsers Gesenius Leitung das schon in Hamburg begonnene Studium der Orientalischen Sprachen fortzusetzen; spaͤter ging er nach Bonn, wo er sich vor⸗ zuͤglich mit dem Arabischen und dem Sanskrit beschaͤftigte. Seit Ostern 1825 lehrte er in Koͤnigsberg, bis ihn vor einigen Jah⸗ ren die Ruͤcksicht auf seine immer mehr leidende Gesundheit ne⸗ thigte in einem milderen Klima Staͤrkung zu suchen. Mit fri⸗ scher Kraft, aber doch nicht voͤllig hergestellt, waͤhlte er vor Jah⸗ resfrist Halle zu seinem Aufenthaltsorte. Seine exegetischen Ar⸗ beiten zeigen durchweg den gruͤndlichen Sprachkenner, das große Werk zbe⸗ das alte Indien sichert seinem Namen ein ehrenvolles Andenken; als geschmackvoller Uebersetzer Sanskritischer Dicht⸗ werke ist er auch in weiteren Kreisen bekannt geworden.
Duͤsseldorf, 7. Febr. Waͤhrend des Jahres 1839 sind im Bereiche des hiesigen Hafens 2419 beladene Schiffe, einschließ⸗ lich 1149 mit Guͤtern beladene Dampfschiffe, angekommen und abgegangen. Die Einfuhr betrug zu Berg 712,737 Ctr., zu Thal 358,001 Ctr., im Ganzen also 1,070,738 Ctr. Hierbei kon⸗ kurrirten die Dampfschiffe zu Berg mit 94,450 Ctr. und zu Thal mit 14,606 Ctr. Die Ausfuhr betrug zu Berg 45,027 Ctr. und u Thal 147,001 Ctr., im Ganzen also 192,028 Ctr. Hierbei die Dampfschiffe zu Berg mit 25,935 Ctr. und zu Thal mit 37,042 Ctr.
Berlin. Gestern fand im Königlichen Schauspielhause zur Feier des diesjährigen Karnevals ein großes Tanzfest in Ball⸗ und Masken⸗ Anzuüͤgen statt, zu welchem der Zuschauer⸗Raum des Theaters mit der Bühre in Verbindung gebracht war, wie dies früher im Opernhanse bei den Redouten su geschehen pflegte, nur mit dem Unterschiede, daß dort das Parterre in die Höhe geschraubt wurde, während im Schau⸗ spielhaus, wo hierzu keine Vorrichtung besteht, ein besonderer Fußboden, in gleicher Höhe mit dem Theater⸗Podium, gelegt werden mußte. Außer diesem künstlich hergestellten Ball⸗Saal waren auch der Konzert⸗Saal und die an denselben anstoßenden Räume, so wie mehrere mit deu weiten Rang Logen in gleicher Linie liegende Säle des Schaufpiel⸗ Hauses, für dies Fest eingeräumt, welches mit Allerhöchster Genehmigung von den Herren Taglioni und Stulmüller veranstaltet war. Die Un⸗ ternehmer hatten es Flora⸗Fest benannt, weil eine kolossale Statne der Blumengöttin von Professor Rauch den Hauptschmuchk des Theater⸗Saales bildete und den Damen am Fuß dieses Stand⸗ bildes zierliche Blumensträuße überreicht wurden. Die Sestaf war im Fond der Bühne in einer Nische auf einem hohen Piedestal aufgestellt, rings von Grůn und Blumen umgeben und mehrfach zu⸗ rückgestrahlt von Spiegeln, die sich um die Nische herumzogen. 3 halb der letzteren senkte sich eine Terrasse von FFnetunen, Jonqui * Narcissen und Primeln, von phanthastischen tesen⸗Schmetterlingen
umgaukelt und von grünem Gesträuch und Moos, das ihr als Folie di
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