Kaiserlichen Drachen gestempelt sind.
—
Die Ulcra⸗Tory⸗Partei in der xmigabaat von !] hat
2b 58 „Mayors⸗Wahl die sonst iche 8 822 I Aageh Aldermen auf der a. weil sie mehr oder 2 mit O Tonnell in Verbindung stehen, ausballotirt und mit 62 gegen 18 Stimmen den ihren Imeresem ganz ergebenen Sir John Kingston James zum Lord⸗ 8 ee Irland verlassen, nachdem er die Agitation gegen die Stanleysche Bill umfassend organisirt hatte. ver⸗ sprach, bald nach Dublin zuruͤckzukehren, wenn Lord Stanley's Bill seine Abwesenheit von London erlaube, sonst wolle er, sei⸗ nem Schwure treu, an der Schwelle des Unterhauses sterben. .AIm ö6ten wurde eine Spezial⸗Versammlung der Ostindischen Compagnie gehalten, um das Verfahren der Direktoren gegen den abgesetzten Radscha von Sattara in Erwäͤgung zu ziehen. Sir Charles Forbes nahm sich des Raͤdscha an und behauptete, daß, wenn derselbe ein unabhaͤngiger Fuͤrst gewesen sey, man nicht das Recht gehabt habe, sein Land zu besetzen; wenn er aber von der Compagnie abhaͤngig gewesen, so haͤtte man ihm das Recht des freien Gehoͤrs bewilligen muͤssen, wie es jedem Briti⸗ schen Unterthanen freistehe, bevor er der Strafe verfalle. Sir Charles beantragte daher Namens der Actionaire der Compagnie eine Resolution, welche entschiedenen Tadel uͤber das Verfahren der Direktoren aussprechen sollte, und, als diese verworfen wor⸗ den war, eine andere, der gemaͤß die Direktoren verpflichtet wer⸗ den sollen, den Actionairen uͤber das Verfahren gegen den Rad⸗ scha Bericht zu erstatten und die darauf bezuͤglichen Papiere vor⸗ elegen. Diese letzte Motion wurde, trotz der Opposition des orsitzenden, einstimmig angenommen. 85 Fee 8.8 ermordeten Lord William Russell ha⸗ ben eine Belohnung von 200 Pfd. fuͤr die Entdeckung des Thaͤ⸗ ters ausgesetzt. Fast scheint es, als ob die Polizei den Bedien⸗ ten Courvoisier erst habe sicher machen wollen, indem sie sich bloß den Schein gegeben, daß man keinen Verdacht gegen ihn hege, weshalb man vielleicht absichtlich nicht sogleich zu einer ganz strengen Untersuchung aller Raͤume des Hauses schritt, die unter seiner Aufsicht standen, ohne jedoch dieses Individuum aus den Augen zu lassen. Es erweist sich naͤmlich jetzt, daß dieser Be⸗ diente und das gestern als Kellermeister bezeichnete Individuum, in dessen Speisekammer man zwei vermißte Banknoten und ei⸗ nige der ebenfalls vermißten Ringe gefunden hat, eine und die⸗ selbe Person sind, indem Courvoisier zugleich die Dienste eines Kellermeisters bei Lord William Russell versah, und man weiß sich das Zoͤgern der Polizei mit der Untersuchung jener Speise⸗ kammer und eines daran stoßenden Raumes, der als Wasserbe⸗ haͤlter diente, nicht anders zu erklaͤren, als eben dadurch, daß der Bediente oder diejenigen, mit denen er etwa im Komplott gestan⸗ den, in Sicherheit eingewiegt und so vielleicht gerade durch spaͤ⸗ teren ploͤtzlichen Schreck am leichteston zum Gestaͤndniß gebracht werden sollten. In der That zeigte denn auch Courvolsier so⸗ gleich große Aengstlichkeit, als er hoͤrte, daß nun auch jene abgelegenen Räͤume untersucht werden sollten, und als er vollends erfuhr, daß man einige der vermißten Artikel dort gefunden habe, soll er leichenblaß geworden seyn. Man kuͤndigte ihm nun an, daß er sich als Ge⸗
fan ener zu betrachten habe. Seine Aufregung stieg dadurch noch :52958 wiewohl er bis jetzt dabei geblieben ist, seine Unschuld zu betheuern. Auch Carr, der Freund des Bedienten, der am Abend vor dem Morde den Letzteren besucht und bei ihm Thee getrun⸗
kren hatte, ist nun verhaftet und nach dem Hause des Ermorde⸗
ten in der Norfolk⸗Straße gebracht worden, wo ein Verhoͤr mit ihm vorgenommen und vielleicht eine Confrontation zwischen ihm und Courvoisier vorgenommen werden soll. Die Untersuchung wird aufs eifrigste fortgesetzt, und man glaubt, das noch heute die gerichtlichen Verhandlungen uͤber diese furchtbare That vor dem Polizei⸗Amt in der Marlborough⸗Straße beginnen werden. Vor dem Hause, in welchem der Mord veruͤbt wurde, ist fort⸗ 8 waͤhrend eine große Menschenmenge versammelt, da die That die ttiefste Entruͤstung erregt hat und man sich fuͤr die Entdeckung des Thaͤters allgemein interessirt. 8
8 Seit vorigen Montag ist nicht viel Englischer Weizen an den Markt gekommen, und die Preise dieses Tages haben sich bbehauptet; eben so verhaͤlt es sich mit fremdem, obschon auf unge⸗ fäͤhr 73,000 Quarter und 20,000 Fäͤsser Mehl am Mittwoch der Zooll bezahlt wurde, weil man ihn hoͤ der erwartete. Auch ist der⸗
c“
. 1111“
Niederlande.
Aus dem Haag, 10. Mat. Gestern ist in hiesiger Resi⸗ denz der Geburtstag Ihrer Koͤnigl. Hoheit der Prinzessin Al⸗ brecht von Preußen, Hoͤchstwesche sich hier anwesend befindet, festlich begangen worden. Vormittags war eine glaͤnzende 2. rade der hier garnisonirenden Grenadiere uns Jäger, deren 2 du⸗ sit⸗Corps bei dieser Gelegenheit * erstenmale in neuer Uniform erschien. Mittags war großes Diener bei Sr. Masfestäͤt. Dem Vernehmen nach ist Ihre Koͤnigl. Hoheit die Frau Prinzessin im Besgriffe, nach Berlin zuruͤckzukehren. 111““ 8
Belgien.
Bruͤssel, 9. Mai. Die Koͤnigl. Equipagen sind vorgestern von Paris hier angekommen. Der Koͤnig selbst wird am Mon⸗ tag erwartet.
Es heißt, der diesseitige Gesandte im Haag, Fuͤrst v. Chimay,
werde von dort abberufen werden und den gegenwärtigen Ge⸗
aheszücer in Stockholm, Herrn de Ryckern, zum Nachfolger erhalten.
8 In Antwerpen haͤlt sich jetzt ein angeblich Chinesischer Com⸗
missair, Namens Hoang⸗tong⸗kao auf, in dessen Begleitung sich
ein Neffe des Gouverneurs Lin befinden soll. Es wird in voi⸗
lem Ernste versichert, daß dieselben Kaperbriefe gegen die Eng⸗ luaͤnder ausgeben, welche auf Reispapier gedruckt und mit dem Der angebliche Chinese wird uͤbrigens auch hier in Bruͤssel erwartet.
18 Unsere Regierung soll ein neues Anlehn von 70 — 80 Mil⸗ lionen beabsichtigen, die zum Baue von Eisenbahnen bestimmt sind.
Schweden und Norwegen. 8
. Stockholm, 5. Mai. Der Koͤnig
des Reichstages vom 7. Juni bis zum 7. Juli bewilligt. Die Berhandlungen in den Ständen schreiten nur langsam vorwaͤrts. Im Bauernstande hat man verlangt, daß die zur Hofhaltung anngesetzten 100,000 Rthlr., so wie die Ausgaben des Marstalls, auf die Haͤlfte heruntergesetzt wuͤrden; der Bewilligungs⸗Ausschuß
hat eine Ersparung von 15,000 Rthlr. beantkagt. m Buͤrger⸗ stande wurde dieser Artikel nach der Fassung des Cymité mit 56
Stimmen gegen 21 angenommwen.
5 die Verlaͤngerung
Danemark. Sn 8
Kopenhagen, 9. Mai. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben
in Betreff der unfreien Neger auf den Danisch⸗Westindischen Inseln mehrere Bestimmungen sanctionirt und durch die 8 Kolonial⸗Behoͤrde, das General⸗Zollkammer⸗ und —F gium, als Gesetz publiziren lassen, welche gegen die - hrliche ehandlung der Schwarzen daselbst, so wie zur Erlei ihrer Freiheits⸗Erwerbung schon unter dem verstorbenen Koͤnig im Jahre 1834 in einem Reskript an das General⸗Gouvernement erlassen wurden und in ihrer Anwendung zweckmaͤßig befunden
sind. Die Verordnung ist vom 1. Mai 1840 datirt. 8
Deutsche Bundesstaaten. duͤnchen 9. Mai. Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog von Baden hat diesen Morgen 6 Uhr uͤber Regensburg und Ingolstadt seine Ruͤckreise angetreten. 211 —
8
Dresden, 11. Mat. (L. A. Z.) Staats⸗Schulden hatten wir, nach einer heute vorgelegten Uebersicht, am Schlusse des Jahres 1837 11,075,077 Thlr. 17 Gr. 6 ½ Pf., am Schlusse des Jahres 1838 aber 10,926,456 Thlr. 17 Gr. 6 ¼8 Pf.
Leipzig, 12. Mat. (L. A. Z.) Die hier 1831 von der Kraͤmer⸗Innung begruͤndete Handels⸗Lehr⸗Anstalt unter der Lei⸗ tung des verdienten Direktors Schiebe erfreut sich des besten
ortgangs. G ss.emsahs 47 Auslander, die hoͤchste Zahl seit dem Be⸗ stehen der Anstalt; mehrere derselben sind aus weiter Ferne, und gewiß ein gutes Zeichen fuͤr die treffliche Einrichtung der Anstalt ist es, daß im vorigen Jahre der gelehrte Reisende, Pr. Bowring aus London, seinen Sohn ihr anvertraut hat. Traurig dagegen ist es, zu bemerken, wie wenig die Anstalt von den hiesigen Hand⸗ lungs⸗Lehrlingen benutzt wird, waͤhrend man doch von so vielen Seiten vernimmt, wie beduͤrftig die Mehrzahl derselben des Un⸗ terrichts sey. .
Hannover, 12. Mai. (Hannov. Ztg.) Allgemeine Staͤnde⸗Versammlung. Erste Kammer. 34ste Sitzung, den 8. Mai. Nachdem in dieser Sitzung die Berathung uͤber
das Ausgabe⸗Budget beendet worden, ging man zu der des Ein⸗
nahme⸗Budget fuͤr 183 ¾3, üJber. Die Ueberschuͤsse von den direkten Steuern und der Stempet⸗Steuer betreffend, welche ins⸗ gesammt zu 2,180,600 Rthlr. berechnet waren, hatte die Regie⸗ rung einen 1 ½ monatlichen Erlaß fuͤr die 6 letzten Klassen der (780,000 Rthlr. betragenden) Personen⸗Steuer mit 105,000 Rthlr. beantragt, wogegen von der Kommission, unter Beruͤcksichtigung der dem groͤßten Theile jener 6 Klassen durch Aufhebung der Chausseedienste zukommenden Erleichterung, der Antrag gestellt war: „daß denjenigen Personen⸗ und Gewerbe⸗Steuerpflichtigen, welche in der 9ten, 10ten, 11ten und 12ten Klasse beschrieben worden, in dem Rechnungsjahre 18 %⁄2 ein einmonatlicher Be⸗ trag dieser Steuer erlassen werde (statt 105,000 Rthlr. nur 57,000 Rthlr.).“ Mehrere Mitglieder erklaͤrten sich zunaͤchst gegen jedweden Erlaß an der Steuer; sie verwiesen darauf, daß der jetzige guͤnstige Finanz⸗Zustand nur durch vortheilhafte Konjunkturen und durch solche Einnahmen der letzten Jahre, deren Nachhaltigkeit nicht erwartet werden duͤrfe, entstanden, daß in Ansehung des Abtra⸗ ges unserer Staats⸗Schulden in den verflossenen 25 Jahren des tiefsten Friedens noch viel zu wenig geschehen, und Bedacht auch darauf zu nehmen sey, daß man entweder an einzelnen anderen Steuern demnächst vielleicht erhebliche Ausfaͤlle, oder gar die Noth⸗ wendigkeit neuer Anleihen zu besorgen habe; daß ferner ein an derthalb, oder einmonatlicher Steuer⸗Erlaß dem Einzelnen nicht reell nuͤtze, auch nicht von ihm anerkannt werde, und den huͤlfs⸗ beduͤrftigen Klassen durch Aufhebung des Haͤuslings⸗Schutzgeldes, so wie der Chaussee⸗Dienste schon eine bedeutende Erleichterung gewaͤhrt sey. Wolle man dennoch den Unterthanen einen Erlaß vergoͤnnen, so wuͤrde vielleicht ein, zugleich dem Branntweintrin⸗ ken entgegenwirkender Erlaß an der Bier⸗ oder aber an der Salz⸗ Steuer vorzuziehen seyn. Es ward daher von einem Mitgliede proponirt: „den beantragten Erlaß ganz abzulehnen und die Fi⸗ nanz⸗Kommission zu beauftragen, Vorschlaͤge zu machen, wie die von ihr bezeichnete Erlaß⸗Summe von 57,000 Thlrn. zu Ausga⸗ ben zweckmaͤßig zu verwenden seyn moͤchte.“ Bei der Abstim⸗ mung ward der Kommissions⸗Antrag von 18 gegen 17 Stimmen abgelehnt, der obige Verbesserungs⸗Antrag hingegen angenommen.
Oesterreich.
Pesth, 4. Mai. (A. Z.) So eben erhalten wir die be⸗ klagenswerthe Nachricht, daß der volkreiche, betriebsame und wohl habende Markt Baja, im Baecser Komitat, an der Donau gele⸗ gen, mit etwa 16,000 Einwohnern, am lsten d. M. fast ganz ein Raub der Flammen wurde. Es sollen uͤber 2000 Haͤuser abgebrannt seyn, darunter das herrschaftliche Schloß, mehrere Kirchen und alle großen Getraide⸗Speicher. Man giebt den Ver⸗ lust an verbranntem Getraide allein auf eine halbe Million Gul⸗ den an. Vieles jedoch soll assekurirt seyn. Das Dampfboot „Zrinyi“, das gerade waͤhrend des Brandes voruͤberfuhr, brachte die erste Meldung davon hierher und berichtet, daß ein heftiger Sturm das Feuer so verheerend machte. 1
Griechenlan
Athen, 27. April. (L. A. Z.) Das vielbesprochene Gesetz uͤber die Eparchie⸗Raͤthe ist nun eine Wahrheit geworden. Durch eine vorgestern publizirte Ordonnanz werden die Rathe von 13 Eparchien auf den 25. April a St. zusammenberufen. Die Or⸗ donnanz enthaͤlt die weitere Bestimmung, daß uͤber den Zusam⸗ mentritt der uͤbrigen Eparchie⸗Räthe eine besondere Verordnung erscheinen werde. Der „Griechische Courier“ motivirt diese Be⸗ stimmung der nur theilweisen Einberufung der Eparchie⸗Raͤthe durch Gruͤnde der Ersparung sowohl, indem eine gleich⸗ zeitige Einberufung der Epaͤrchie⸗Raͤthe die Ernennung von vielen Koͤnigl. Kommissarien noͤthig machen wuͤrde, als auch durch das Interesse des Dienstes, indem die vorzuͤg⸗ lichsten der durch die Eparchie⸗Raͤthe vorzubereitenden Maß⸗ regeln, naͤmlich die Verschmelzung der Gemeinden, dadurch besser gefoͤrdert werden. Andere vermuthen Anderes. Uebrigens ist es aufgefallen, daß die Eparchie⸗Raͤthe von Syra noch nicht einbe⸗ rufen sind, waͤhrend doch anerkanntermaßen die Bewohner von Syra allen uͤbrigen Staͤdtebewohnern an Intelligenz weit uͤber⸗ legen sind, und ihre durch die Veraͤnderungen in der Tuͤrkei ge⸗ faͤhrdeten Handels⸗Interessen eine Verstaͤndigung hieruͤber drin⸗ gend erheischen.
Otfried Muͤller weilt seit einigen Monaten in unseren Mauern.
be. as 4
Unter den Zoͤglingen des hoͤheren Lehr⸗Kurses befin⸗
Vor einigen Tagen hatten wir hier das nicht sehr aͤsthetische Schauspiel, daß zwei Raͤuber eingebracht wurden, von denen der 8 eine das Haupt ihres dritten Spieß⸗Gesellen, der in der Attaque fiel, in der Hand trug. Auch ein Gendarm verlor bei ihrer Ge⸗ fangennehmung sein Leben.
“ Moldau und Wallachei.
Ueber das Verfahren des Hospodars der Wallachei gegen den Oberst Compiniano wird in der Times nach Privatschreiben aus Konstantinopel vom 19. April Folgendes berichtet? „Der Fuͤrst Ghika, der von Rußland ernannte Hospodar, hat sich eine
arge Verletzung der Wallachischen Verfassung erlaubt. Das Ge⸗ 8
setz ist, daß kein Wallachischer Edelmann verhaftet werden kann ohne von seines Gleichen verhoͤrt worden zu seyn. Trotz diesem
Gesetz wird der Oberst Compiniano, ehemaliger Devputirter ü die Stadt Bucharest und Wallachischer Edelmann, gegenwaͤrtig
auf einem seiner Landhaͤuser in Verwahrsam gehalten. Es scheint so sehr darauf abgesehen, die Gefuͤhle des Obersten zu verletzen, daß man nicht einmal seinen eigenen Schwestern gestattet, anders als in Gegenwart der Wachen, die aus den niedrigsten Provin⸗ zial⸗Beamten genommen sind, mit ihm zu sprechen. Auch hat der Fuͤrst die Privat⸗Papiere des Gefangenen untersuchen lassen, indem sich am Ende nichts Anstoͤßiges gefunden hat. Die Verwandten des Obersten wollten gern seine Lage da⸗ durch mildern, daß sie ihm von ihrem eigenen Tisch bes⸗ sere Nahrungsmittel schickten, als er sie von der Polizet empfing, aber man ließ nichts zu, ohne gs vorher zu zerstuͤcke 2 um zu sehen, ob auch nicht Papiere darin verborgen wären. 4 gleich er gesetzlich auf ein habeas corpus Anspruch hat, so sind och alle von seinen Freunden deshalb gemachten Vorstellungen unbe⸗ kuͤcksichtigt geblieben, und man verstattet ihm keine Gelegenheit, sich zu rechtfertigen. Fuͤrst Ghika behauptet, 1 5+ Sache nichts auf seine eigene Hand thun koͤnne, son dern die Be⸗ fehle der Pforte abwarten muͤsse; diese scheint aber gar nischts davon zu wissen. Die Verhaftung des Obersten hat großen Al⸗ larm unter den Bojaren erregt, da sie nun ein gleiches Schicksal fuͤrchten zu muͤssen glauben, falls einer von ihnen 81 kuͤhn waͤre, sich an die Spitze der Opposition in der National⸗Versammlung
zu stellen. Indeß haben sie doch zu große Scheu vor dem Hos⸗
podar, als daß sie es wagen sollten, ihre Empfindungen offen zu zeigen; sie beschraͤnken sich daher auf heimliche Aeußerung ihre Furcht und ihres Unmuths.““ ““
h““ 8 Konsta ntinopel, 22. April. (Fr. B1) Der Sultan hat bekanntlich der Reihe nach saͤmmtliche Beamte seinen neuen
chir sichtige - — 10. April war alast von Tschiraghan besichtigen lassen. Am 8 2 Persische Botschafter da, die Repraͤsentanten der fuͤnf großen
1
8 1 8 ℳ ·1 Mi ster⸗ Maͤchte erschienen am 12. April, die Minister⸗Residenten und
Geschaͤftstraͤger der. uͤbrigen Maͤchte sollten aber erst am 18. April kommen. Dies veranlaßte den Belgischen Minister, Herrn de Beer, die Anfrage an Reschid Pascha zu richten, ob sich — Pforte nicht in Beziehung auf den Empfang des diplomatischen Corps nach dem beim Wiener Kongreß angenommenen Gebrauche richten wolle. Dieser habe keinen Unterschied zwischen dem Range der Gesandten gemacht. — Vor dem Empfange der Gesandten am 12. April erhielt Graf Pontois eine Privat⸗Audienz und uͤberreichte sein neues Beglaubigungs⸗Schreiben als Franzoͤsischer Botschafter mit folgender Anrede: Fr. (der Titel Kaiser ist gebraͤuchlich, um zu zeigen, daß ein Mo⸗ narch dem Sultan gleichsteht) hat mir den Titel eines Botschafters uͤbertragen, und stellt dadurch seine diploma⸗ tischen Verhaͤltnisse zu Ew. Hoheit auf denselben Fuß wie fruͤher. Die bisherige Verschiedenheit ruͤhrte nur aus dienstlichen Verhäͤltnissen her. (Das Journal des De⸗ bats erklaͤrt diese Bemerkung durch die Angabe, daß die Tuͤrkische Regierung es uͤbelk empfunden habe, statt eines Botschafters bloß einen außerordentlichen Gesandten von Frank⸗ reich in Konstantinopel zu sehen.) Ich bitte Ew. Hoheit, sich uͤberzeugt zu halten, daß Niemand inniger als mein Souverain das Ende der Schwierigkeisen herbeiwuͤnscht, die Ihre Staaten verwirren und die Vollendung der gluͤcklichen Reformen verhin⸗ dern, welche schon in Ihrer Regierung eingefuͤhrt sind und der Verlangen Ihres edeln Herzens wie den Forderungen der CTivi⸗ lisation entsprechen.“ Der Sultan antwortete mit hoͤflichem Dank empfing dann die fuͤnf Gesandten zusammen und bemerkte, er habe sie sehr lange nicht gesehen und jetzt einladen lassen, un Nachricht von ihren Souverainen zu erhalten, auf deren Huͤlfe er baue, um den noch nicht beseitigten Schwierigkeiten ein Ende zu machen. Lord Ponsonby erwiederte als der Aelteste im Na⸗ men Aller: „Unsere Souveraine werden diesen Beweis des Wohl⸗ wollens, den Ew. Hoheit uns geben, sehr hoch aufnehmen und mit Vergnuͤgen jedes Ereigniß wahrnehmen, was Ih
nehm seyn kann.“ b 3
Konstantinopel, 22. April. (A. Z.) Die Veranlassung zu den Unruhen in Adrianopel hat die Ermordung eines Imam (Muhammedanischen Geistlichen) gegeben. Die Tuͤrken haben, vielleicht ohne Grund, mehrere christliche Bewohner der Stadt der Mordthat verdaͤchtig gehalten, sind aber bei ihrem Verfahren auf den Widerstand der gesammten christlichen Bevoͤlkerung ge⸗ stoßen. Dies hat Veranlassung gegeben, saͤmmtliche Tuͤrken Adrianopels zu bewaffen. Zu blutigen Auftritten zwischen den sich feindlich entgegenstehenden Parteien scheint es noch nicht ge kommen zu seyn. Doch sind solche Auftritte allerdings zu befuͤrch⸗ ten, wenn man anden Rachedurst der Tuͤrken denkt, der sie jedesmal be⸗ seelt, wenn einer ihrer Glaubensgenossen, selbst bei unvorsetz⸗
lichem Todtschlag, das Leben durch einen Christen verliert. Die
hiesigen Tuͤrken sehen jene Unruhen als eine Reaction gegen di Neuerungen an. Es ist bekannt, daß Emin Pascha, der Gou⸗ verneur von Adrianopel, den jetzigen Reformen entgegen ist. Doch ist es nicht wahrscheinlich, daß Emin Pascha die Bewegung veranlaßt habe, oder daß er sich derselben bedienen koͤnne, um de Regierung zu opponiren, denn regelmaͤßiges Militair ist so viel als gar nicht dort, und welchen Nachdruck vermoͤchte eine Haͤlft
der Bevoͤlkerung dem Pascha zu geben, wenn er die andere Haͤlfte, die es ihrer Stellung nach mit der Regierung halten
wuͤrde, gegen sich hat? Wenn also auch sene Bewegung nich sofort unterdruͤckt werden sollte, so scheint es doch nicht, daß sie einen bedrohlichen Charakter annehmen koͤnnte. spiel auf Konstantinopel wirken und hier gleichfalls Unruhen her⸗ vorrufen koͤnnte, ist ganz unwahrscheinlich. 89 ““
Ostindien.
Bombay, 31. Maͤrz. Die Zahl der bis jetzt hier versam⸗ melten, fuͤr die Expedition nach China angeworbenen Transport⸗
11““ 8 8
„Der Kaiser der Franzosen
Daß sie als Bei⸗
schiffe belaͤuft sich nur auf 16, und aus der Praäͤsidentschaft Bengalen werden nur drei Regimenter, zwei Koͤniglicher und eines eingeborener Truppen, zu der Expeditton verwendet, die sich bei Singapore am 7. Mai versammeln soll. In Ceylon ist man mit der Einschiffung von Truppen nach China nicht zufrie⸗ den, indem man dort Unruhen bei deren Abzuge fuͤrchtet.
In Kalkutta war die Nachricht eingetroffen, daß der Fuͤrst von Buchara sich bereit erklaͤrt habe, Dost Mohammed auszu⸗ liefern, wenn ihm Englischer Seits Huͤlfe gegen die Russen ge⸗ leistet werde. Die Ostindische Regierung hat ihm darauf den Lieutenant Abbot von der Artillerie zugeschickt und einen anderen Offizier von derselben Waffengattung, wie es heißt, nach Chiwa beordert, um, wo moͤglich, zwischen diesem Lande und Rußland den Vermittler zu machen. Der Beherrscher von Chiwa soll sich schon bereit erklaͤrt haben, die gefangenen Russen auszuliefern.
Aus Afganistan lauten die Nachrichten im Ganzen guͤnstig, nur zeigte sich immer entschiedener allgemeines Mißvergnuͤgen mit dem neu eingesetzten Schach Sudscha ul Mulk. Murad Beg von Kundus hatte sich in alle Forderungen der Englaͤnder gefuͤgt. Nur der Wali von Kulum hielt sich noch.
Man hat jetzt hier naͤhere Berichte uͤber den fehlgeschlage⸗ nen Angriff auf das Fort Puschucht, den Waffenplatz des Rad⸗ scha von Korner, Sayud Husheim, der der Indus⸗Armee bei ihrem Marsch nach Afganistan Hindernisse in den Weg gelegt hatte. Etwa 2000 Mann unter dem Obersten Orchard wurden von Dschellahabad am 12. Januar gegen das Fort detaschirt und begannen ihren Angriff am 17ten. Unter heftigem Regen und Unwetter wurde am folgenden Tage ein Versuch gemacht, das Thor der Festung zu sprengen, der aber mißlang, und als ein abermaliger Versuch keinen besseren Erfolg hatte, sahen sich die Englaͤnder genoͤthigt, mit Verlust von 19 Todten, worunter ein Offizier, und 48 Verwundeten, den Angriff aufzugeben. Der Radscha fand sich indeß gleich darauf veranlaßt, seine saͤmmtli⸗
chen Forts zu raͤumen.
Das Transportschiff „Hannah“, das einen Theil des 17ten Koͤmglichen Regiments von Kuratschi, an der Graͤnze von Sind
und Beludschistan, uͤberbrachte, ist am 17ten in der Muͤndung
des Indus gescheitert.
Die Truppen und die Juwelen von Ke⸗ lat wurden gerettet.
lllund.j Berlin, 14. Mai.
heime Staats⸗ und Minister der geistlichen, Unterrichts⸗- und Me⸗ dizinal⸗Angelegenheiten, Herr Freiherr von Stein zum Al⸗ tenstein.
— — Stettin, 12. Mai. In dem Dorfe Pritter, Insel Wollin, starb im verflossenen Monate ein 4 bis 5 Jahr alter Knabe, Sohn eines dortigen Buͤdners, bei dem sich eine nach seinem Alter und seiner Erziehung auffallende Geistes⸗Entwicke⸗ lung und namentlich eine merkwuͤrdige religioͤse Begeisterung Heigte⸗ Der Knabe betete mit Inbrunst, theils vom Hoͤren er⸗ ernte lange Gebete und Lieder aus dem Gesangbuche, theils, wie es ihm der Geist eingab. Seine Reden waren meist nur von Gott und goͤttlichen Dingen. Er ging im Dorfe umher und
betete in den Haͤusern, ohne aber jemals die geringste Gabe an⸗
zunehmen, hielt auch da Strafreden, wo er wußte, daß die Men⸗ schen gottlos und boͤse waren. So wurde er im Dorfe als ein kleiner Himmelsbote gern gesehen, und mancher Erwachsene ward durch sein frommes Geber zu Thraͤnen geruͤhrt. Er hauchte auch betend seinen Geist aus.
Nekrolog.
E 8
Am heiligen Charfreitage des Jahres 1840 beschloß in einem Al⸗
ter von 60 Jahren der Geheime Bber⸗Regierungs⸗Rath und Vice⸗ räsident der Regierung zu Posen, Gustav Adolph Ferdinand einrich Leo, seine wirkungsreiche Lebens⸗Thätigkeit.
In Schwetz in Westpreußen am 4. November 1779 geboren, bezog er im 18ten Jahre,—mit vorzüglicher Schulbildung ausgerüstet, die Univerfität Königsberg in Pr., auf der er sich besonders unter Krause’s Leitung mit sehr geregeltem Fleiße den kameralistischen Studien wid⸗ mete. Im Jahre 1802 begann er seine praktischen Arbeiten als Refe⸗ rendarius bei der Kriegs⸗ und Domainen⸗Kammer in Königsberg; im Jahr 1804 wurde er als Assessor und 1805 als Rath bei der Kriegs⸗ und Domainen⸗Kammer in Plock angestellt. Das Schicksal des Va⸗ terlandes im Jahre 1806 unterbrach seine Amtsthätigkeit. Obgleich
ülflos und bedürftig lehnte er doch alle lockenden Anerbietungen, in pense Dienste zu treten, als seinem echt Preußischen Herzen widerstre⸗
end, in gebührender Weise ab. Er sorgte in der damaligen allgemei⸗ nen Noth mehr für Andere als für sich. Nach dem Tilsiter Frieden im Jahre 1807 verließ er Plock und begab sich nach Graudenz, wo er privatisirte und demnächst der Kriegs⸗ und Domainen⸗Kammer in Ma⸗ rienwerder zur Disposition gestellt wurde. Der Präsident, nachherige Minister des Innern. Graf Dohna, erkaunte schnell den geschickten und zuverlässigen Geschäftsmann. Leo erhielt schon im Jahre 1809, unge⸗ achtet der großen Konkurrenz brodlos gewordener Offizianten, Be⸗ schäftigung im Regierungs⸗Kollegium zu Königsberg und wurde bald als Domainen⸗Departements⸗Rath in dem damaligen Landes⸗Oekono⸗ mie⸗Kollegium angestellt. Im Jahre 1812 wurde er als Preußischer Civil⸗Kommissarius der Französischen Armee, und in den ersten Tagen des Jahres 1813 in gleicher Eigenschaft der Kaiserl. Russi⸗ schen Armee entgegengesendet, die er bis an die Weschsel be⸗
leitete. Noch ehe der Aufruf Sr. Majestät des Königs er⸗ bbeen warb und sammelte er Freiwillige und wies solche dem Yorkschen Armee⸗Corps zu; er selbst bat um die Erlaubniß, den Krieg gegen Frankreich als Freiwilliger Jäger mit machen zu dürfen, und erhielt solche durch die Allerhöchste Kabinets⸗Ordre vom 24. März 1813 mit Hinweisung auf die inzwischen ergangenen Verordnungen wegen Eintritts der Königlichen Civil⸗Beamten in den Militairdienst. Er trat als Oberjäger in das Jäger⸗Detaschement des Litthauischen Dra⸗ goner⸗Regiments ein, wurde zum Premier⸗Lieutenant unterm 13. Junit 1813 ernannt und im folgenden Jahre mit dem eisernen Kreuz zweiter Klasse am schwarzen Bande dekorirt. Nach Beendigung des ersten Krieges verließ er freiwillig den Militairdienst und erhielt im Jahre 1819 zum Tragen der Armee⸗Uniform ohne Dienstzeichen die. Berech⸗ tigung. Des Königs Majestät geruhten, ihn im Dezember 1814 zum Direktor der Königlichen Regierung zu Gumbinnen und nach seiner von ihm im Jahre 1826 beantragten Versetzung zur Regierung in Danzig zum Bice⸗Präsidenten der Königlichen Regierung zu Posen im vvne ece madihst sn ernennen.
i allen Dienst⸗Verhältnissen ergriff Leo mit Freudigkeit jede Ge⸗ legenheit, das Gute zu fͤrdern. So erschien er namentlich 1 e⸗ und hülfreicher Beistand im Jahre 1830, als der Weichsek tobende Fluthen des Landmannes Leben bedroheten und Danzigs gesegnete Fluren ver⸗ wüsteten. Dankbar überreichte ihm der Magistrat in Danzig das Ehren⸗ bürger⸗Diplom. Auch in den schwierigsten Verhältnissen hat sich Leo durch treue Pflicht⸗Erfüllung, Kraft und Ausdauer ausgezeichnet. Im Gefühle der tiefsten Dankbarkeit empfing er die Beweise der König⸗ lichen Huld und Gnade: das eiserne Kreuz im Jahre 1814, den Rothen
1“
Heute Morgen 1 Uhr 15 Minuten verschied sanft nach mehrwoͤchentlicher Krankheit, im noch nicht vollendeten 70sten Lebensjahre, Se. Excellenz der Wirkliche Ge⸗
539
Adler⸗Orden dritter Klasse im Jahre 1830, die Schleife zum Rothen Adler⸗Orden dritter Klasse im Jahre 1836 und den Charakter und Dienst⸗Rang eines Geheimen Ober⸗Regierungs⸗Raths im März 1839. Aber nicht nur als Beamter erfreute sich Leo der Anerkennung seines Königs und der Achtung und des Vertrauens seiner Vorgesetzten und seiner Untergebenen; er erwarb sich auch als Privatmann durch seine hohe Rechtlichkeit, sein wohlwollendes für Freundschaft empfängliches und sie herzlich erwiederndes Gemüth, so wie durch einen ihm bis zu seinem Ende eigen gebliebenen jugendlich frischen Sinn, — die Herzen seiner Freunde und Bekannte. Man durfte daher der Hoffnung sich wohl hingeben, daß dieser kräftigen Natur noch auf längere Zeit ein thätiges Wirken vergönnt seyn werde. Doch vor einigen Monaten stellten sich bedenkliche Zeichen einer, mit Brustbeklemmungen verbun⸗ denen Krantheit ein, die indessen nur selten seine Amtsthätigkeit unter⸗ brach. So erschien der verhängnißvolle 17. April 1840. Der Tag wurde von Leo den unabweislichen Geschäften, dem Andenken an das Hinscheiden des Welt⸗Heilandes, und seiner Familie gewidmet. Dem ußeren Anschein nach, ohne ein Vorgefühl des nahen Todes, verließ er beim Schlafengehen seine Gattin, seinen bjährigen Sohn und seine beiden Stieftöchter, die er mit eben der Vaterliebe, wie seine beiden abwesenden verheiratheten Töchter, umfaßte. Nachts gegen 12 Uhr stellten sich Brustbeklemmungen ein. Mit den Worten: „Wie Gott will“ legte Leo sein Haupt auf den Arm seiner Gattin und — starb. Seine Kinder und der Arzt fanden ihn schon entseelt. Am zweiten Oster⸗Feiertage fand seine Beerdigung statt, bei welcher eine wahrhaft herzliche Theilnahme sich in dem überaus zahlreichen Gefolge aus allen Ständen der hiesigen Einwohner aussprach, und ein schönes Zeugniß gab von der Achtung und Liebe, deren sich der Verstorbene allgemein zu erfreuen hatte. Leicht sey Ihm die Erde! 3
Wissenschaft, Kunst und Literatur..
Rom. In der gestrigen Sitzung des archäologischen Instituts präsidirte der Herzog von Luynes, Secretair der Französischen Section. Der Aufenthalt des Herzogs, welcher nur den Zweck hatte, seinem 17 jährigen Sohn einen Vorschmack von den Reichthümern der ewi⸗ gen Stadt zu geben, ist zu Aller Bedauern überaus kurz: er reist schon morgen na Neapel ab und ist kaum acht Tage hier. — Overbeck ist Tag für Tag— und wär's möglich auch die Nachtmit der Vollendung seines großen Bildes, das für Frankfurt a. M. bestimmt ist, beschäftigt. Bloß an Festtagen ist dem Publikum der Zutritt zu diesem Kunstwun⸗ der geöffnet. In den Wochentagen möchte keine weltliche Macht im Staude seyn, den Zauber zu lösen, der seine Thüren verschlossen hält. Nicht eimmal Briefe nimmt er an; selbst der Fürstin Borghese ist ein solcher uneröffnet zurückgelangt. — In diesen Tagen ist die schönste Kolossal⸗ Statue der Minerva nach Paris abgegangen. Wäre dieselbe aus einer Grube hervorgezogen worden, so würden ohne Zweifel tausend Stimmen über einen so herrlichen Fund laut aufjubenn. So aber hat die Entdeckung derselben auf ganz entgegengesetzte Weise stattgehabt. Seit Jahren, vielleicht seit einem Jahrhundert, stand dieselbe im Garten der Villa Medici, b der Französischen Akademie. Jedermann schämte sich, sie anzusehen, weil Kopf und Arme auf das unwürdigste restau⸗ rirt waren. Nach diesen Beigaben beurtheilte man das Ganze. Der Direktor, Herr Ingres, hat das Verdienst, dieses Kunstwerk der herr⸗ lichsten Epoche Griechischer Kunst vor den Augen des Publikums ent⸗ schleiert, oder besser gesagt, dieses von der Blindheit, die es gefangen hielt, erlöst zu haben. Den Französischen Sammlungen aber hat er eine Zierde gesichert, die selbst eine Venus von Melos nicht ganz in Schatten setzen wird. 1 (A. Z.)
888 . 8 8
Baltische Studien, herausgegeben von der Gesellschaft fuͤr Pommersche Geschichte und Alterthumskunde. Seechsten Jahrganges zweites Heft. Stettin 1839.
Die allgemeine geistige Aufregung in Deutschland in Folge der roßen politischen Umwandlungen in dem zweiten Decennium unseres Jahrhunderts, welche überall den Blick auf die ältere Geschichte der
eimath zurückwenden und in allen größeren und kleineren Deutschen
ebieten Gesellschaften entstehen ließ, die sich die Erforschung der Ver⸗ gangenheit zum Nutzen und zur Belehrung der Gegenwart zum Zwecke machten, hat auch das Land nicht unberührt gelassen, welches mit zu den Stammländern des Preußischen Staates gezählt werden muß⸗ Auch hat die in Pommern jetzt bestehende Gesellschaft für Geschichte und Alterthumskunde mit ihren beiden Abtheilungen 18 Stettin und Greifswald schon nicht unbedeutende Resultate ihrer Wirksamkeit ge⸗ liefert, indem sie unter der Begünstigung ihres erhabenen Protektors, Sr. Königl. Hoheit des Kronprinzen, es zu bewirken gewußt hat, daß eine neue Bearbeitung der bis dahin noch immer wenig kritisch gesichteten Ge⸗ schichte des Pommerschen Landes von dem bekannten Geschichtsforscher Barthold in Greifswald unternommen werden konnte. Die vorliegende von jener Gecsen unter dem Namen der Baltischen Studien her⸗ ausgegebenen Zeitschrift, von welcher jährlich an zwei Hefte nebst einem Jahresbericht über den Zustand und die Wirksamkeit der Gesellschaft erscheinen, bildet aber eigentlich nur die Fortsetzung von den früheren, von dem ehemaligen Superintendenten Haken herausgegebenen Pom⸗ merschen Provinzialblättern, deren Hauptzweck es gleich wie bei dieser neuen Zeitschrift gewesen war, zur Erforschung und Erläuterung der älteren vaterländischen Geschichte beizutragen, und in welchen sich auch viele schätzbare und lehrreiche Aufsätze finden. Noch bestimmter tritt dieser Zweck in den Baltischen Studien hervor, welches bei der Thätig⸗ keit und dem Antheil, den der verdienstvolle Historiker Ludwig Giese⸗ brecht in Stettin an ihrer Herausgabe hat, zu den besten Erwartun⸗ gen berechtigen muß, wie es sich auch in diesem letzten Hefte jener Zeit⸗ schrift aufs neue zu erkennen giebt.
In der Natur der Sache liegt es übrigens, daß sich die wissen⸗ schaftliche Thätigkeit der Pommerschen Alterthumsfreunde nicht durchaus auf das Pommersche Land allein beschränken kann, sondern daß bei dem Zusammenhange des geschichtlichen Lebens unter den verschiedenen Slavischen oder Wendischen Völkern in den Baltischen Gestadeländern und bei der Beziehung ihrer Geschichte auf die des Deutschen Reiches und der Normannen und Dänen jene Thätigkeit auch vielfach auf die benachbarten Gebiete übergreifen muß. Trifft dies nun auch mit der Wirksamkeit derjenigen Gesellschaften zusammen, welche sich zu ähn⸗ lichen Zwecken in der jüngsten Zeit in Brandenburg und Mecklenburg gebildet haben, so werden bei der Richtung der wissenschaftlichen Kräfte auf einen gemeinsamen Zweck hin die Resultate dieser Bestrebungen gewiß um so erfreulicher und gewinnreicher seyn, da die Erforschung der Geschichten der Wendischen Völker an der Elbe und Oder, vornehmlich in ihrem langen Konflikte mit dem sich hier mehr und mehr geltend machenden Germanischen Leben, noch mancherlei Anstrengungen zu be⸗ dürfen scheint, um auch hier das nöthige Licht und die Klarheit und Sicherheit, wie in vielen anderen Gebieten des jetzigen Deutschlands zu gewinnen. Wichtige Beiträge dazu liefern schon die beiden hier von Giesebrecht mitgetheilten Aufsätze, von welchen der eine die Wen⸗ dischen Geschichten vor der Karolinger Zeit behandelt und bei der Kri⸗ tik der alten Berichte über die Wanderungen und die Verbreitung der Slavischen Stämme in den Baltischen Gebieten zum Theil polemisch gegen die von Barthold bis jetzt mitgetheilten Forschungen auftritt, während der zweite längere Aufsatz die Wendischen Geschich⸗ ten in der Zeit der Karolinger am Schlusse des achten und während des neunten Jahrhunderts darstellt. Die religiösen und kirchlichen Verhältnisse in der Ausbreitung und Begründung des Christenthums bei den Slaven und Normannen sind dabei nicht min⸗ der als die politischen berücksichtigt worden. Der dritte und letzte hier enthaltene Aufsatz bildet nur eine Fortsetzung von einem in einem frü⸗ heren Hefte angefangenen und handelt von den Verhandlungen des Pommerschen Gefanbten auf dem Westphälischen Friedens⸗Kongreß als Mittheilung von Original⸗Akten über das damats ommen betreffende Schicksal einer Theilung zwischen Schweden und Brandenburg. Wün⸗ schenswerth erscheint es gewiß, daß eine immer allgemeinere Theilnahme an dieser Zeitschrift nicht nur in Pommern, sondern auch in den übri⸗
—
genssDeutschen Gebteten ihr eine immer mehr sichere Aussicht au gedelhliches Fortbestehen gewähren mag.
Dauer der Eisenbahn⸗Fahrten am 13. Mai.
Abgang Abgang von 1 von GSeslin. Potsdam.
Um 8 Uhr Morgens. — 40 um 6 ½ Uhr Morgens.
„ 11 „ Vormitt.. — 42 9 ¾ „ Faee.
„ 2 Nachmitt. — 42 12 „Mittags..
„ 3 .„ — (43 Nachmitt.
„ Abends .. 42 1 7¼ Abends.. „ v — 59 ; 5 8
Zeitdauer St. M.
Zeitdauer [St. M.
Meteorologische Beobachtungen. 1840. Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger 13. Mai. 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Uhr. Beobachtung.
335,22, par. 336,81%„Par. 336,79 Par. Qullewärme 7,4 0 R. + 4,9 °R. + 10,00 R. +† 5,00 R. Flußwärme 11,1 0 R. Thaupunkt + 2,20 R. 4 6,7 0 n. +†. 2, . Bedenwärme 8,5 0 R. Dunstsättigung 80 pCt. 77 pCt. 84 vpyCt. Ausdünstung 0,031“ Rh. Wetter trübe. trübe. heiter. Niederschlag 0. Wind NO. NO. O. Waͤrmewechsel +. 11,2 9 Wolkenzug... — NO. — +2,29. Tagesmittel: 336,2²2“ pPar. +. 6,60 R. †t 3,9 0 R.. 80 pCt. NO.
61163s. Den 14A4. Mai 1840. Amtlicher Fonds- und weld-Cours-Zettel. 8 Pr. Conr. 9— Pr. Cour.
8 Brief. Sela. Brief. FalHd. St.-Schuld-Sch. 4¼ 103 ⁄₰2 102 ⁄¾ Coup. und Zins- Pr. Engl. Obl. 36. 4] 1033 ußu— Sch. d K. u. N. — 9⁴ ¾ Prämeh.d. Seeh— 7358 73 22 — — Kurmk. Schuldv. 2½ 102¼% — Actien. 8 4
Neum. Schuldv. ²2⁷% 102 ½ — Hrl. Ptsd. Elsenb. 5 130 ½ Berl. Stadt-Obl. — Qdo. do. Prior. Act. “ Elbinger do. 24 — Mgd. Lpz. Eisenb. 101 ¾ Danz. do. in Th. — Sns — Westp. Pfandbr. ²¹ 101 ⅞ Gold al marco. Grossh. Pos. do. 4 4 — Neue Dukaten — Ostpr. Pfandbr. ²24† 102 ½ 102 Friedrichsd'or — 13³ Pomm. do. 23 103 ⁄1 — And. Goldmün-+—
Kur.-u. Neum. do. 22 103 ⅜¾ — zen à 5 Thl. 811⁄12 Schlesische do./244 — 102 ½ Pikonto — 3 4
Fr. Tour. Thl. zu 30 Sgr.
mechsel-Cours. Ia,20 Sgg.
Kurz ih g 2 Mt. Kurz 150 1 2 Mt. 1⁴9 ⁄8 3 Mt. 2 Mt. 79 ½ 2 Mt. 101 ¼ Augsburg 8 . 2 Mt. 101 ¾ Breslau 2 Mt. 99 ½ 8 Tage 102 % 2 Mt. bes 3 Woch. —
Aaa iereeign an Amsterdam, 10. Mai. Niederl. wirkl. Schuld 53. 5 % do. — Neue Anl. 27 ⅞. Antwerpen, 9. Mai.
Zinsl. 8. Neue Anl. 27 5⁄1 .
Frankfurt a. M., I1. Mai.
Oesterr. 8 ⁄%, Met. 108 G. 4 % 101 G. 2 ½ % 59 ¾ G. 1 % 2511⁄16 G. Bank-Actien 2212. 2210. Partial-Obl. 162 Br. Loose zu 500 Fl. 146 ⁄1. 146 ⅞1. Loose zu 100 Fl. —. Preuss. Präm. Sch. 731 9¼. do. 4 % Anl. 105 ¾44. Poln. Loose 70 ⅛¼. 70 1. 5 % Span. Anl. 97 ⅛. 9 ⁄. 2 ½ % Holl. 525⁄16. 52 ½¼. 3
Eisenbahn-Actien. St. Germain 765 Br. Versailles rechtes Ufer 590 Br. do. linkes Ufer 390 Br. Strafsburg-Basel 415 Br. Bordeaux-Teste —. München-Augsb. 93 ½ G. Leipzig-Dresden 101 G. Köln-Aachen 97 Br. Comp.-Centrale —.
Hamburg, 11. Mai. Engl. Russ. 109. London, 8. Mai.
Cons. 3 % 907⁄1. Belg. 102 ¾. Neue Anl. 28 ¾4. Passive 7 ⁄. Ausg. Sch. 14 1. 2 ½ % Pcl. 53 ]¶1. 5 % 100 %. 8½ Port. 35 ½¼. do. 3 %, 24 ⁄1. Engl. Russ. 114 ½. Bras. 75 ¾. Columb. 25 ³. Mex. 28 ¾. Peru 16. Chili 39.
Paris, 9. Mai.
5 % Rente fin cour. 114. 30. 3 % fin cour. 84. 60. 5 % Neapl.
au compt. 104. 60 5 % Span. Rente 29 ⅞. Passive 7 ⁄½. 3 % Port. 24 ½ . Wien, 9. Mai.
5 % Met. 108 ¾¼. 4 % —. 3 % 82 ½. 2 ½ % —. 1 % —.
Bank-Actien 1864. Anl. de 1834 146 ½. de 1839 141.
Bank-Actien 1828.
Koͤnigliche Schauspiele.
Freitag, 15. Mai. Im Opernhause: Die Schwaͤbin, Lust⸗ spiel in 1 Akt, von Castelli. Hierauf: Die Hamadryaden, chore⸗ graphisches und musikalisches eeenne in 2 Abth. und 4 Ge⸗ maͤlden, von Colombey und P. Taglioni. Musik von A. Adam.
Im Schauspielhause: 1) La Maraine, vaundeville en 1 acte, par Secribe. 2) Trop heureuse, on: Une jenne ménage, vaudeville en 1 acte, par Mr. Ancelot. 3) L'ombre d'un amant, vaudeville nouveau en 1 acte.
Sonnabend, 16. Mai. Im Schauspielhause: Kabale und Liebe, Trauerspiel in 5 Abth., von Schiller. (Herr Hendrichs, neu engagirtes Mitglied des Koͤnigl. Theaters: Ferdinand, als erstes Debuͤt.)
Sonntag, 17. Mai. Im Opernhause: Die Gesandtin, ko⸗ mische Oper in 3 Abth., Musik von Auber. (Mad. Scharpff, vom Stadt⸗Theater zu Frankfurt a. M.: Mad. Barneck, als letzte Gastrolle.) ““
Im Schauspielhause: Richard Savage, Trauerspiel in 5 Abth., von K. Gutzkow.
Koͤnigsstaäͤdtisches Theater. „ Freitag, 15. Mai. Der Dachdecker. Komische Gemäaͤld in 5 Rahmen, nach dem Franzoͤsischen, von L. Angely. Hier⸗ auf: Das Fest der Handwerker. Vaudeville in 1 Akt, von L. Angely. — Sonnabend, 16. Mai. Zum erstenmale: Doctor Faust's Zau⸗ berkaͤppchen, oder: Die Herberge im Walde. Posse mit 8„ in 3 Akten, von Fr. Hopp. Musik vom Kapellmeister Heben⸗ streit.
Verantwortlicher Redacteur Arnold. Gedruckt bei A. W. Hapn.