En aaderer Theil der Meinung des Herrn von Lamartine, dem z9er nicht beistimmen, ist sein entschtedener Haß gegen Herrn Thiers end die Ansicht, daß der jetzige Minister an dem jetzigen Dilemma schuld sey. Herr Thiers ist nicht ganz tadelfret, er haͤtte aller⸗ dings einige Steine des Anstoßes vermeiden koͤnnen, die er auf den Friedensweg geschoben hat, und die im Kriege nichts genüͤtzt haben wuͤrden, aber der Strom der oͤssentlichen Meinung harte in Bezug auf diese Frage in Frankreich schon weit fruͤher diese Richtung genommen, schon lange vorher, ehe Herr Thiers sie komtroliren konnte. Als Herr Thiers das Ministerium uͤber⸗ nahm, schiffte er sich wie auf einem Fahrzeuge ein Schiffs⸗Capi⸗ tain ein, der sich der Aufgabe unterzieht, dasselbe nach einem ge⸗ wissen Hafen hinzusteuern, der aber Winden, Stroͤmungen und Klippen nicht zu gebieten vermag, die ihn noͤthigen, seinen Lauf zu aähdern und manchmal, eines Sturmes wegen, selbst eine von seinem Bestimmungsort weit abweichende Richtung zu nehmen. Herr Thiers war Englands Freund, und wir bauen noch immer darauf, daß er die Allianz mit uns aufrecht erhalten wird.“ Diese Sprache der gestrigen „Morning Chronicle“ sticht bedeu⸗ tend gegen die ab, welche dasselbe Blatt noch vor wenigen Tagen gegen Herrn Thiers fuͤhrte. Es ist daher kaum zu bezweifeln, daß seit kurzem wieder eine freundschaftlichere Annaͤherung zwi⸗ — Englischen und dem Franzoͤsischen Kabinet stattgefun⸗ den hat.
Unter den Gruͤnden, welche Frankreich abhalten muͤßten, sich in einen Krieg einzulassen, fuͤhrt die Morning Chroniecle in ihrem vorgestrigen Blatte besonders folgende an: „Es ist kein Zwerfel, daß in dem Augenblick, wo Frankreich fuͤr eine nicht sehr nationale Sache die Kriegssahne aufsteckt, alle seine Huͤlfs⸗ mittel in den westlichen und suͤdlichen Pfebcgses durch den Ein⸗ fluß der unzufriedenen legitimistischen Partei wuͤrden gelaͤhmt wer⸗ den, während in der Hauptstadt und in den oͤstlichen Theilen die eifrige Kriegs⸗Partei der Republikaner mit den Bonaparti⸗ sten — nicht Louis⸗Bonapartisten sich an die Spitze stellen würde. Die Partei der richtigen Mitte in Frankreich kann und darfkei⸗ nen Krieg beginnen. Die Dynastie Orleans kann nur Krieg anfangen, wenn sie sich an voͤllig andere Klassen und Gesinnungen wendet und eine innere Politik annimmt, die von der, auf die sie sich 6 bisher stuͤtzte, gaͤnzlich verschieden ist. Frankreich kann gegen Europa nur einen Revolutions⸗Krieg fuͤhren, und einen Krieg dieser Art unternehmen, heißt, sich am Bord eines Branders einschiffen, wo man bei der Ungewißheit, ob man den Feind ver⸗ nichtet, wenigstens die Gewißheit hat, sich selbst in die Luft zu sprengen. Dies sind einige von den Gruͤnden, die urns bestim⸗ men auf die Fortdauer des Friedens zu rechnen, und diese Gründe erhalten durch den Ton der republikanischen und legiti⸗ mistischen Blaͤtter noch mehr Gewicht; sie verlangen in der That fast alle den Krieg, aber einen Krieg auf ihre eigene Rechnung.“
Der Pariser Korrespondent der Times erklaͤrt die Anga⸗ ben der Franzoͤsischen Blaͤtter uͤber die Ruͤstungen Frankreichs fuͤr gewaltig uͤbertrieben und behauptet, daß alle diese Austalten zum Kriege, die Sendungen von Waffenvorraͤthen aus Vincennes nach Straͤßburg und nach den oͤstlichen Departements und andere der⸗ gleichen Dinge bloß in der Eindildung der Journalisten bestaͤnden. Sir Charles Wetherell soll nach Hannover gereist seyn, und nach der Angabe von Torvybläͤttern bezoͤge sich der Zweck seiner Reise auf die Kron⸗Juwelen, ein Gegenstand, der in den hoͤch⸗ sten Kreisen schon ungewöhnliche Aufmerksamkeit erregt habe.
Herr David Turnbull ist zum Englischen Konsul in Havana ernannt worden. 1
Am hiesigen Geldmarkt ist seit gestern fruͤh wieder eine voͤl⸗ lige Umwäͤlzung eingetreten, veranlaßt durch eine ploͤtzliche Wen⸗ dung, welche die Geschaͤfte an der Fonds⸗Boöͤrse in Folge der Ab⸗ rechnung in Consols genommen haben. Niemand scheint auf so bedeutende Geld⸗Lieferungen gefaßt gewesen zu seyn, wie sie der Abschluß von Zeitkaͤufen noͤthig gemacht hat. Es mußte daher sehr hoher Zins fuͤr Anleihen auf Staats⸗Papiere gezahlt wer⸗ den, und so wurde das Geld anderen Kanzaͤlen entzogen, und es war zu Handelszwecken schwer zu erhalten. Die Consols sind in den setzten drei Tagen wieder um eben so viel, naͤmlich um
2½ pCt., gewichen, als sie in den drei vorhergehenden Tagen ge⸗ stiegen waren. Doch hatte dies Sinken eben nur einen lokalen Grund und stand in keiner Bezichung zu den allgemeinen politi⸗ schen Verhaͤltmissen, die im Gegentheil ein immer beruhigenderes Ansehen gewinnen. Zwar ist noch nichts weiter uͤber die neuen Instructionen verlautet, welche Herr Guizot angeblich empfangen haben sollte, doch ist man erfreut, aus den Pariser Zeitungen wenigstens so viel zu sehen, daß die uͤbertriebene Aufregung sich dort schon bedeutend gelegt hat, und daß dem Franzoͤsischen Pu⸗ blikum die Augen aufgehen uͤber die Leichtglaͤubigkeit, womit es sich von den Machinationen listiger Spekulanten hat bethoͤren lassen, denen es auf diese Weise gelungen, durch die Differenz⸗ Zahlungen im Handel mit Staats⸗Pavpieren enorme Summen an sich zu reißen. Man hofft nun bald die freundlichen Beziehun⸗ gen zwischen England und Frankreich vollkommen wiederhergestellt u sehen.
. In der Ein⸗ und Ausfuhr des Londoner Hafens hat eine beträchtliche Zunahme stattgefunden. Man hofft im Allgemeinen, daß die Handels⸗Geschaͤfte sich zu bessern fortfahren werden. Es wird jedoch demerkt, daß besonders die zum Kriegs⸗Material ge⸗ hörigen Artikel sehr gesucht und im Steigen find, namentlich Salpeter, Hanf und Linnen.
Nach dem Morning Advertiser beachsichtigt die Regie⸗ rung, in allen Haͤfen Buͤreau's fuͤr Anwerbung von Matrosen errichten zu lassen. Es heißt auch, daß 3— 4000 Mann Infan⸗ texie, ein ansehnlicher Artillerie⸗Park und ein neues Geschwader den Besehl erhalten haͤtten, sich nach Syrien zu begeben. Schon sollen mehrere Schiffe nach Aegypten abgegangen seyn. Briese aus Malta melden die Abfahrt der Ainienschiffe „Bembow“ und. „Revenge“ und der Brigg „Zebra“ nach der Levante; diese, Schiffe haben zu Malta 5 — 6000 Flinten und eine große Menge Kalegs, Munition eingeschifft, die, wie man sagt, fuͤr Gyrien bestimmt sind. Man versicherte ferner, Admiral Stopsord habe seine Instructionen fuͤr die Vollziehung des Ver⸗ trags im Falle einer Weigerung Mehmed Ali's bereits erhalten. Der Standard sagt: „Das Publikum wird durch die Nach⸗ richten aus Alexandrien vernehmen, daß die Lage Mehined Ali's eine sehr unerfreuliche Krisis erreicht hat. Trotz des Zuredens von Pbe brena weigert sich der Pascha hartnäckig, den Forderun⸗ gen der vier Maͤchte zu gehorchen, und er steht im Begriff, ih⸗ ren aangsmaßregeln einen verzweifelten, obwohl gewiß nutzlo⸗ sen derstand entgegenzustellen. Die Blokade wird, wie es heißt, am 30. August beginnen. Die Zusicherung, daß Frank⸗ reich vollkommen neutral bleiben werde, hat ihn zu dem Glau⸗ ben verfuͤhrt, daß er mit den anderen Maͤchten wohl fertig wer⸗ den köͤnne. Er scheint auf seine Vertheidigungs⸗Maßregeln einen Grad von Zuversicht zu setzen, den sie gewiß nicht rechtfertigen werden. Er wird, wie wir fuͤrchten, seinen Jerthum erst dann
erkennen, wenn es zu spaͤt ist.“ 8 Die Morning Chroniele meldet, daß der ehrenwerthe
984 Theil der Septembristen nicht an der Lissaboner Emeute Theil genommen habe, sondern daß dieselbe ganz und gar von einigen Individuen ausgegangen, die ohne alle Bedeutung seyen. Der Herzog von Pamella schien wegen des Aufruhrs beunruhigt zu seyn und blieb im Lissaboner Klub, indem er sich selbst in seinem eigenen Hause nicht fuͤr sicher hielt, bis der Spanische Gesandte Nachfrage nach ihm that und ihn wohlbehalten in das Gesandt⸗ schafts⸗Hotel schickte, wo er die Nacht zubrachte. Am Morgen ward ein geheimer Aaent ausgeschickt, um zu sehen, ob Alles sicher und ruhig sey. Hier in London hat denn auch die Nachricht von dem Aufstand⸗Versuch zu Lissabon eher eine guͤnstige als un⸗ guͤnstige Wirkung hervorgebracht, weil man ist, daß der⸗ selbe nicht wenig zur Befestigung des jetzigen Ministeriums bei⸗ tragen und daß dieses, nachdem es ein so bedeutendes Vertrauene⸗ Votum auf vier Wochen von den Cortes erlangt, nun auch guͤn⸗ stige finanztelle Beschluͤsse von denselben zu erwirken im Stande seyn werde.
Der Spectator macht darauf aufmerksam, daß die Ferien des Englischen Parlaments in der Zeitungswelt noch besonders durch das Ausbleiben eines leitenden Grundtones füͤhlbar wüͤr⸗ den, so daß das lesende Publikum gar nicht mehr wisse, auf welche der vielsachen ihm vorgetragenen Creignisse es seine Ge⸗ danken nun vorzugsweise zu richten habe. Um diesem Beduͤrf⸗ niß fuͤr die letzten sieben Tage in etwas abzuhelfen, versucht es das genannte Blatt, die bedeutendsten Vorfaͤlle zunaͤchst der inne⸗ ren Englischen Politik kurz zusammenzustellen, und nennt als solche O'Connell’'s Repeal⸗Versammlungen, die Gegen⸗Versamm⸗ lung der Ulsterschen constirutionelten Affociation und die von Herrn Charles Attwood veranlaßten Chartisten⸗Versammlungen zur An⸗ klage Lord Palmerston'’s. In Birmingham hat Herr Attwood bekanntlich hiermit nicht viel ausgerichtet. Mehr Erfolg hatte er in Newcastle und Carlisle. An ersterem Ort wurde wenigstens eine Adresse voll Freundschaftsbetheurungen an den Koͤnig der Franzosen und an ketzterem Ort folgender Beschluß an⸗ genommen: „Die Versammlung ersieht mit Furcht und Unwillen die Unterbrechung unserer freundschaftlichen Bezte⸗ hungen mit Frankreich. Diese Unterbrechung ist durch die geheimen Intriguen herbeigefuͤhrt worden, die zwischen dem Eng⸗ lischen Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten und Rußland stattgesunden haben. Die Versammlung glaubt dem braven Fran⸗ zoͤssschen Volke die Versicherung ertheilen zu muͤssen, daß die Eng⸗ lesche Nation lebhaft die Beleidigung bedaure, die ihr und ihrem Ministerium, das stets eifersuͤchtig darauf war, die Englische Al⸗ lianz zu erhalten, angethan worden ist.“ Dar „Specrator“ meint uͤbrigens, daß, wenn Lord Palmerston keine anderen An⸗ griffe, als diese, zu bestehen habe, er wohl ruhig auf seinem Po⸗ sten verbleiben werde. 8 Der Advokat Orferd's, Herr Pelham, will am näͤchsten Mi⸗ chaeltstermin bei dem obersten Gerichtshof auf Untersuchung und Umsturz des fruͤheren Urtheilsspruchs uͤber seinen Klienten antra⸗ gen. Zugleich beschwert er sich daruͤber, daß ihm die Regierung die Zahlung fuͤr die Vertheidigung des Angeklagten verweigert habe, waͤhrend doch Orford's Mutter nicht im Stande sey, die Kosten zu tragen Der Gouvperneur des Irrenhauses von Bedlam, Sir Peter Laurie, soll uͤbrigens erklaͤrt haben, er sey uͤberzeugt, daß Oford nicht lebenslänglich werde festgehalten werden. In demselben Irrenhause ist auch der Fanatiker Martin eingesperrt, der den Porker Muͤnster in Brand gesteckt hat.
Die Matta⸗Times enthaͤlt folgendes Schreiben aus Ta⸗ bris vom 15. Jult: „Der Handei ist ziemlich lebhaft, und es wurden bedeutende Einkaͤufe gemacht, da man einen baldigen Bruch zwischen Persten und der Tuͤrkei erwartet. Der Schach befand sich in der Naͤhe von Hamadan, wohin er sich begiebe, um seine Armee zu rekrutiren Die Seiden⸗Aerndte in Tschilan ist sehr reichlich ausgefallen, aber fuͤr die naͤchste Zeit koͤnnen auf diesem Wege keine Waaren versendet werden.“ Dasselbe Blatt meldet aus Bagdad vom 14. Jult: „Die Englischen Dampf⸗ boͤte, welche den Tigris und Euphrat befahren, kommen regel⸗ maͤßig in sechs Tagen in Bassora an. Waͤhrend der letzten Fahr⸗ ten machten die Araber der Wuüste einen Angriff auf dieselben, wurden aber von den sechs Kanonen eines jeden Dampfbootes so empfangen, das sie es wohl nicht so bald wieder wagen werden.“ 84 88
Der Capitain Napier, welcher das Linienschiff „Powerfull“ kommandirt, ist zum Kommodore ernannt worden.
Als Gegensatz zu den von O Connell veranlaßten Repea“ Versammlungen hielt der große Reform⸗Verein von Ulster in Ir⸗ land am 15. August zu Belfast seine erste vorbereitende Versamm⸗ lung; die erste wirkliche Versammlung ist auf kommenden 18. September festgesetzt. Der leitende Gedanke dieser Gesellschaft, die im vergangenen Fruͤhjahr zu London im Palast Lord Charle⸗ mont’s gestiftet wurde, ist Verknuͤpfung der Irlaͤndischen Refor⸗ mer mit den Englischen und Schottischen zu dem Zweck, daß zwischen ihnen in Bezug auf die Erhebung Irlands zu gleichen politischen Berechtigungen mit England und Schottland eine uͤber⸗ einstimmende Handlungsweise eingefuͤhrt werden moͤge. Dieser Grundsatz tritt dem O Tonnell'schen Repeal⸗System geradezu ent⸗ gegen, wie sehr anderweitig auch die Ulsterschen eformer den Anhaͤngern O Connell's in dem Bestreben, die Irländischen Waͤh⸗ ser in Ausuͤbung allee ihrer politischen Rechte zu schuͤtzen, zu begegnen suchen. Die Reform⸗Association zählt uͤberdies viele Ir⸗ laͤndische Protestanten und Dissenter unter ihren Mitgliedern, während die Repecal⸗Association bloß aus Katholiken besteht. Jener Ge⸗ gensatz zu dem Repeal⸗System bildete deshalb auch in der ange⸗ zeigten Versammlung eine der am umstandlichsten besprochenen Hauptfragen. Herr Sharman Crowford unternahm es in einer langen Rede, England und das Unterhaus gegen den Vorwurf zu vertheidigen, daß beide in der That nie geneigt gewesen waͤ⸗ ren und nie geneigt seyn wuͤrden, Irland volle Gerechtigkeit wi⸗ derfahren zu lassen. Er suchte zuerst nachzuweisen, daß die Weg⸗ lassung der Appropriations⸗Klausel in der Zehnten⸗Bill nicht, wie man behaupte, vom Unterhaus herruͤhre, sondern demselben von den Lords, die jene Klausel vier Jahre hinter einander verwor⸗ fen, aufgezwungen worden sey, und zwar so, daß nicht nur alle damaligen liberalen Irlaͤndischen Mitglieder des Unterhau⸗ ses, unter Anfuͤhrung O Tonnell's, in Annahme der der⸗ maßen verstuͤmmelten Bill eingewilligt, sondern auch die meisten derselben, O'Connell an der Spitze, der Mo⸗ tion des Herrn Ward, auf Einschaltung jener Klausel, geradezu entgegengestimmt. Eben so, behauptete Herr Crawford ferner, seyen auch verschiedene Amendements zu der Irlaͤndischen Muni⸗ zipal⸗Bill von Irlaͤndischen Mitgliedern angegriffen worden, und an dem Nichidurchgehen der Maßregel fuͤr Ausdehnung des Wahlrechts, welcher Lord Morpeth bloß deshalb entgegengetreten, weil er den Zeitpunkt nicht gerade fuͤr den passenden gehalten, seyen wenigstens die liberalen Irlaͤnder eben so sehr, wo nicht noch mehr Schuld gewesen, als die üͤbrigen Mitglieder des Par⸗ laments, indem von den Englischen Mitgliedern öl, von den Ir⸗ läͤndischen nur 33 dafuüͤr gestimmt, 36 Irlaͤnder aber aus Nach⸗
laͤssigkeit sich gar nicht eingefunden. Bon diesem “
vorzuwerfenden Mangel an parlamentarischem Eiser bei Irländi⸗ schen Reform⸗Gesetzen ging Herr Crawford sodann auf Nachwei⸗ sung einer noch groͤßeren Nachläͤssigkeit uͤber, die sich seine liebe⸗ ralen Landsleute bei Behandlung Englischer und allgemeiner Re⸗ sorm⸗Gesetze haͤtten zu Schulden kommen lassen.
„Ich zweifle nicht“, fuhr der Redner dann fort, „daß dieses apa⸗ thische Betragen von Seiten der Irländischen Mitglieder eine der Haupt⸗ ursachen gewesen ist, welche die Slanley⸗Vill so weit brachten, weil die Ir⸗ ländischen Mitglieder sich bei Englischen Fragen so nachlässig benommen hatten, wurden die Englischen über Irländische Fragen gleichgültig und deshalb hatte Lord Stanley so unerwartete Majoritäten. Es isi des⸗ balb im strengsten Interesse Irlands, wenn wir uns mit den Freunden der Freiheit in Größbritanien zu einer wechselseitigen Bewegung ver⸗ bünden und allgemeine ähnliche Masnegeln für die Ausdehnung der Rechte, Freiheiten und Wahlprivilegien in den dret Ländern entwerfen. Wenn wir den Engländern nicht helfen, wie können wir Hülfe von ihnen erwarten? Wir haben alte eine gemeinsamen Feind, das ist das Oberhaus und die mit demselben verkullpfte Torvistische Minorität im Unterhause und der Widerstand gegen diesen Feind kann uns nur ge⸗ lingen, wenn wir alle unsere in den drei Theilen des Köuigreichs zer⸗ streuten Kräfte zu einem einzigen Bunde vereinigen.“
Herr Crawford legte sodann der Versammlung den Plan uͤber die Verfassung des Vereins vor. Die Subscription soll 10 Shilling jaͤhrlich betragen; der Praͤsident, Vice⸗Praͤsident und Schatzmeister, so wie ein leitender Ausschuß, sollen jährlich ge⸗ waͤhlt werden; der leitende Ausschuß soll Unter⸗Ausschuͤsse ein⸗ setzen, und von diesen verschiedenen Auesschuͤssen sollen alle Vor⸗ schlaͤge der einzelnen Mitglieder zur Befoͤrderung des Plans der Gesellschaft in Berathung gezogen werden, ehe man ste der Ge⸗ neral⸗Versammlung zur Annahme mitthecilt. Alle diese Vorschlaͤge wurden von der Versammiung mit Einstimmigkeit angenonunen.
O'Connell's Repeal⸗Agitation wird immer hefriger und er⸗ streckt sich selbst auf England, wo er zunaäͤchst die hier lebenden Irlaͤnder fuͤr jeine Zwecke zu gewinnen, zugleich aber auch, wo moͤglich, auf die Englischen Radikalen und Chartisten einzuwirken sucht, um seinen Anhang zu verstarken. So hat er unter Anze⸗ rem auf den gestrigen Tag in Liverpool, wo er von Irland an⸗ gekommen ist, eine oͤffentliche Versammlung veranstaltet, uͤber de⸗ ren Resuttat indeß noch keine Berichte vorliegen. Diese Repeal⸗ Versammlung sollte im Koͤnigl. Theater zu Liverpool statrfinden, und es war darauf abgesehen, daselbst ebenfalls eine Repeal⸗Asso⸗ ciation zu organisiren. Dem Irlaͤndtschen Haupt⸗Repeal⸗Verein haben sich kuͤrzlich das Parlaments⸗Mitglied Heury Grattan und auch ein Protestantischer Geistlicher, Herr Growes, angeschlossen. Den Ersteren scheint O'Connell bereits zum Sprecher des wieder⸗ zuerweckenden Irlaͤndischen Parlamenis ausersehen zu haben. der Letztere ist der erste prorestantische Geistliche, der dem Verein beigetreten, doch wird bemerkt, daß dr s[von allen fruͤheren Agitations⸗Vereinen O' Connell’s angehoͤrte. Er tst der Verfasser eines Trauerspiels, welches, von der liberalen Par⸗ tei beguͤnstigt, vor einiger Zeit zu Dublin mit ziemlichem aufgefuͤhrt wurde. Die ministeriellen Blatter fangen nun aus allmaͤlig an, wieder polemisch gegen O TConnell aufzu reten, und so scheint denn ein Bruch zwischen ihm und dem Ministerium kaum noch zu bezweifeln. Man wied sich auch erinnern, wie geringschaͤtzig O'Connell neultch üͤber Lord Palmerston’'s Haltung in der orientalischen Frage sich aussprach. Indeß will man doch, wie es scheint, sich noch nicht geradezu gegen O Connell erklaͤren, und der mimisterielle Globe erklaͤrt sogar heute, daß in dem bisherigen Verfahren O'Connell's durchaus nichts gesetzwidriges liege, was die Regierung berechtigen koͤnnte, dagegen einzuschrei⸗ ten, so tadelnswerth und bedauernswuͤrdig dasselbe auch sey. Das
genannte Blatt troͤstet das Enalische Publikum damit, daß
O Connell sich gewiß keinen Erfolg bei seiner Aagitation zu ver⸗ sprechen habe, moͤchte dieselbe nun aus finanziellen Moteven ent⸗ springen und auf die naͤchste Einsammlung der dbekannten Rente fuͤr O'Connell einwirken sollen, oder moöͤchte sie die Frucht einer krankhaften Agitations⸗Sucht seyn.
— In einem von der Leipziger Allgemeinen Zeitung mitgetheilten Schreiben aus London vom 25 August wird uͤber eine zu erwartende Verschmelzung der Parteien und uͤber O' Ton⸗ nell's jetzige Stellung zu dem Ministerium Folgendes berichtet:
„Die Whigs, gedränat von den Augriffen der Tories, sollen dem gemäßigteren Theile der Letzteren mit Vorschlägen euntgegengekommen sevn und dies zu beiderseitigen Zugeständnissen geführt haben. Man spricht von dem Hervortreten einer Verschmelzungs⸗Partei der beider⸗ seitigen Gemäßiaten in der nächsten Session, unter der Bezeichuung Aueen'’'s party (Königliche Partet) mit durchaus konservativen Tendeu⸗ en gegen organische und politische Refermen, aber mäßig freisinnig dinsichülich der Verwaltungs⸗Maßregeln. Ferner heißt es, der Herzog von Beaufort werde an die Stelle des Lord Ebrington zum Lord⸗ Lieutenant von Irland ernannt werden. Bcaufort ist gemäßigt kogser⸗ vativ; diese Ernennung wäre dann der Preis, für welchen man die Konzessionen von der Opposition gekauft haͤtte. Sicherlich ist, nach⸗ dem nun auch der lange Streit über die Irländische Munizipal⸗Bill beendigt ist, kein großer Unterschied mehr zwischen Whigs und ge⸗ mäßigten Tories. Die radikale Partei ist gänzlich 491806. und eitdem nun auch noch der Tod des Lord Durham hinzugekommen ist, so erscheint sie selbst wie abgestorben. Manche derjenigen Radika⸗ len, die Einfluß haben, lassen jetzt die Kolonial⸗Interessen ihre Haupt⸗ sorge seyn. Von Seiten der Radikalen wäre also nicht viel zu be⸗ fürchten. In dieser Hinsicht ist den Ministern gegenwärtig ziemlich freier Spielraum gelassen. Aber Irland, d. h. O9 Connell! Hieran könnte sich der ganze Plan zerstoßen. Man hat O Connell zu viel zugetraut, wenn man glaubte, daß er sich eine konservative Verwaltung in Irland, wenn schon mit dem Versprechen, daß dadurch gar keine wesentliche Veränderung in dem bisherigen Verwaltungs⸗Spsteme vor sich gehen sollte, so ohne Weiteres gefallen lassen würde. Je größer die polilische Ruhe in England gegenwärtig erscheint, desto gewaltiger droht in Irland ein neuer Sturm, und es wäre leicht möglich, daß sich in nicht gar lauger Zeit herausstellte, wie man die Verbaltnißfe nur von der Oberfläche betrachtete, wenn man geglaubt hat, es sey den Whigs gelungen, Irland zu beruhigen. Schon die „Morning Chronicle“ beweist, daß sich der Himmel plöt⸗ lich gar sehr getrübt haben muß, wenn man die in den letz⸗ ten Wechen vor sich gegangene Veränderung in seinem Tone binsichtlih O'Connell'’'s, die polemisirenden Artikel gegen dessen auf⸗ wiegelndes Geschrei nach Repeal bemerkt. Man müßte blind seyn, wenn man nicht sähe, daß eine bedeutende Kälte und Spannung zwi⸗ schen den Ministern und O'Connell einzetreten ist, und daß die Erste⸗ ren sich in keiner geringen Unxuhe wegen des Letzteren besinden. Je⸗ denfalls geht O'Connell bei seinen politischen Berechnungen viel tiefer und weiter, als die Meisten bei ihm voraussetzen mögen. Er hat die Repeal⸗Agitation mit größerem Ernst als früher begonnen. In der Uister⸗Reform⸗Association, die besonders von Sharman Crawford gelei⸗ tet wird, seinem bekannten Gegner, und die Vereinigung mit den Eng⸗ lischen Liberalen in gemeinschaftlichen Reformbestrebungen verlangt, wird ihm zwar eine Diversion gemacht; dieselbe hat aber nicht viel zu bedeuten, denn O'Connell hat die Masse des Volks für sich und ziedt die katholische Geistlichkeit immer mehr in die nationalen Interessen hinein. Auch tritt er keinesweges feindselig gegen jene Gegen⸗Associa⸗ tion auf, sondern läßt ihre Wirksamkeit neben der seinigen bestehen. Was O Connell zunächst durch seine neuerdings wieder erhobene Re⸗ peal⸗Agitation bereits erreicht hat, ist: stärkeres Hervorhehen des na⸗ lionalen und religiösen Gegensatzes zwischen den beiden Ländern und empfindliches Mahnen an die Macht, die er in seinen Händen hat. Die Aufregung sst, des Standes der auswärtigen Verhältnisse wegen, gerade jetzt um so unangenehmer, und H' Connell, der nur sein Irland
8 E 1“ ““ —
könnte bei dem Zerwürfnisse mit Frankreich Veranlaf⸗
abinet zuletzt doch noch nachgiebiger Irland ankündigt ist, soll nell's Aufwiege⸗
im Auge hat,
sung werden, daß das hiesige K.
Normanby, dessen Besuch in Irlang zu beruhigen und O Con Es ist abzuwarten, was er K merwartetes Kehren und Wenden der Partei⸗ arakter hiesiger Verhältnisse. Daher ist onnell’s Anstrengungen vielleicht Whigs und Konservativen wieder zu an müßte denn entschlossen seyn, äußer⸗ gs⸗Systeme der Verwaltun
u dem Zwecke dahin gehen, egenzuarbeiten. eit, schnelles, 1 Phasen ist gegenw auch nicht rsehen b. das ganze Verhältniß zwischen Grunde richten werden; oder un sten Falls wieder zu dem Zwan Grey zurückzukehren.“
ärtig der Ch ob nicht H'
Niederlande.
Haag, 29. Aug. Die oͤffentlichen Berathungen Veraͤnderungen des Grundgesetzes Es ließen sich zehn
Aus dem weiten Kammer uͤber die z in der gestrigen Sitzung fortgesetzt. ernehmen, von denen sechs gegen und nur vier fuͤr die vorliegenden Gesetz⸗Entwuͤrfe sich a
meinten im Ganzen, daß es besser waͤre, ein so zu verwerfen, als die Moͤglichkeit abzuschneiden, etwas Besseres Sie erkannten saͤmmtlich eine große Schwierigkeit Herzogthums
Die Gegner
ussprachen. gebrechliches Werk
zu erlangen. uͤber die Interessen der Einwohner des und zu entscheiden, ohne daß die Vertreter den Arbeiten der Kammer Theil nehmen. Umstände fruͤher zu traurigen Zwi⸗ Außerdem aber ge⸗
Limburg zu urtheilen dieses Gebietes an
Sie erinnerten, daß aͤhnliche stigkelten in Bel nügten die vorge Beduͤrfnissen des Landes.
gien Anlaß gegeben haͤtten. legten Entwuͤrfe weder den Forderungen der Zeit Fruͤher oder spaͤter werde Revision vornehmen muͤssen, welche jetzt ver⸗ ann wuͤrden vielleicht minder ruhige Zeiten als jetzt einge⸗ wohl so besser, lieber jetzt dazu zu schreiten. Die Vertheidiger der Gesetz⸗Entwuͤrfe meinten im Ganzen, daß, Manches an denselben noch auszusetzen haͤtten, sie und Unsicherheit, die aus dieser Revi⸗ sion der Gesetzgebung entspringe, ein Ende zu machen, fuͤr An⸗ nahme derselben stimmen wuͤrden. bedüͤrften vor Allem der Ruhe und Ordnung, um des Landes Juteressen zu wahren und insbesondere seinen finanziellen Zustand reguliren. Ueberdies sey das Grundgesetz nur ein menschliches
„ das auch in der Zukunft, wo es noch mangethaft befun⸗ den werde, verbessert werden koͤnne, und so brauche man keines⸗ weges jetzt schon das Vollkommenste und Vollendetste herstellen 8
man doch die allgemeine langtwerde, dann treten seyn, und so waͤre es
wenn sie auch M doch, um der Spannung un
Regierung und das Land
ag um 10 Uhr segelte die Fregatte „Bellona““ ab, um ihre Reise um die Spitze von Suͤd ⸗Amerika anzutreten. Kriegsschiff, welches das Tap Horn passirt und sich bei den westlichen Kuͤsten von Suͤd⸗Amerika zeigt, wo inzwischen die Daͤ⸗ nische Handelsflagge durch die thaͤtigen Frachtfahrer von Apen⸗
Kopenhagen, 28. Aug. Gestern Vormitt
rade schon seit längerer Zeit bekannt war. Die „Bellona“ wird
uͤbrigens den naͤmlichen Weg wieder zuruͤckkehren, den sie jetzt
Die Frauenkirche ist in der letzten Zeit wieder mit Schaͤtzen voon Thorwaldsens Hand bereichert worden. Im Halbzirkel uͤber dem Altar ist sein Fries „Christit Wanderung nach Golgatha“ aufgestellt, und obschon derselbe ziemlich hoch angebracht ist, so daß die Gesichtszuͤge der Figuren nicht ganz deutlich hervortreten, nimmt derselbe sich doch vornehmlich im Ganzen, herrlich aus; er ist 36 Ellen lang und 3 Ellen hoch und zählt 60 Figuren, mit Christus, der das Kreuz traͤgt, in der Mitte, Pilatus, der seine Haͤnde waͤscht, an der einen aͤußersten Seite und den Auf⸗ gang nach dem Berge an der anderen. wei besonders schoͤne kleine Basreliefs in Marmor rmenbloͤcken angebracht, die auf jeder Seite des Vor⸗ dertheils der Kirche stehen, und endlich ist man auch damit be⸗ schäfftigt, ein Basrelief, 2 1 Ellen lang und 2 Ellen hoch, „Christi erusalem“ vorstellend, uͤber dem ersten halb des Saͤulenganges, aufzustellen.
Außer diesem großen Fries sind
Einzug in J
Eingang zur Kirche, inner 11“
Deutsche Bundesstaaten. annover, 31. Aug. Se. Majestaͤt der Koͤnig sind gestern Ue hier wieder eingetroffen.
— Die hiesige Zeitung enthaͤlt die „Bahn⸗Ordnung fuͤr die Eisenbahn von Braunschweig nach Harzburg“, uͤber welche eine Vereinbarung mit Braunschweig stattgefunden hat.
Kassel, 17. Aug. (A. Z.) Die Aussteckung eines Bahnho⸗ ses vor dem Weserthor ist uns ein erfreuliches Zeichen, daß es endlich bei uns mit den Eisenbahnen Ernst zu werden beginnt. Mehr und mehr erkennt man in unserer Hauptstadt sowohl, als im ganzen Lande, zu welcher wichtigen Bestimmung wir in Folge eines allgemeinen Deutschen Eisenbahn⸗Systems berufen sind. Offenbar wird Kassel im System der Deutschen Eisenbahnen werden, was Mecheln im Belgischen ist. Auf diesem Punkte werden die wichtigsten Nationalrouten sich kreuzen. wird man westlich uͤber Lippstadt nach Koͤln, noͤrdlich nach Preu⸗ hisch Minden, also nach Bremen und Hamburg und ohne Zwei⸗ fel spaͤterhin auch nach Muͤnster, laͤngs der Ems bis Emden und Holland gehen; eine nordoͤstliche Route wird uͤber Preußisch Minden, Hannover und Braunschweig nach Magdeburg, und eine suͤdoͤstliche uͤber Eisenach und Erfurt nach Halle und Leip⸗ ig fuͤhren; sodann eine suͤdliche uͤber Eisenach, Meiningen und oburg nach Bayern (uͤber Bamberg), und endlich eine west⸗ b V Somit wird Kassel den Knoten eines Straßen⸗Systems bilden, welches Hamburg, Bremen, Em⸗ den, Koͤln, Frankfurt a M., Nuͤrnberg, Leipzig, Magdeburg, Berlin und Stettin mit einander verbindet. kennt unsere Regierung die Wichtigkeit dieser Bestimmung, und daß sie bei den Staͤnden mit allen auf ihre Erfuͤllung abzie⸗ venden Vorschlaͤgen Anklang finden wird, daran ist nicht im Sollten auch anscheinend große Opfer von Seiten des Landes erforderlich seyn, Opfer sind in dem vor⸗ liegenden Fall immer der Art, daß ihnen zehnfacher Segen auf Schon die Anlage der Werke wird un⸗ ermeßliche Summen aus den großen Geldmäͤrkten nach unserem
Lande ziehen, und unseren Acker⸗ und Bergbau so wie unsere
Fabriken, Manufakturen und Gewerbe beleben. Unter allen oben
angefuͤhrten Routen befindet sich keine einzige, die nicht von na⸗ t, ja keine einzige, die es nicht doppelt und dreifach die Route nach Frankfurt zugleich eine suͤdnoͤrd⸗ ine ostwestliche, die nach Lippstadt zugleich eine westliche, öͤrdliche und nordwestliche, die von Eisenach zugleich eine eine nordsuͤdliche. Daß sie reichlich rentiren wer⸗ outen. und daß der Staat, weit entfernt, Verluste sich bei zweckmaͤßiger Einrichtung noch uͤberaus be⸗ nzielle Gewinnste wird sichern koͤnnen, liegt demnach
suͤdliche nach Frankfurt a. M.
Ohne Zweifel er⸗
mindesten zu zweifeln.
dem Fuße folgen muß.
tionaler Wich ware; so ist iche und eine
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zu tüstiren e R deurende fina außer Zweifel,
80 22 2 2
— — Deßau, 1. Sept. Die Eisenbahnstrecke von Deßau nach Coͤthen ist am 31. August eröffnet worden. Die in Deßau anwesende Direction der Berlin⸗Anhaltschen Bahn empfing Se. Durchlaucht den Herzog von Anhalt⸗Deßau um 9 ½ Uhr auf dem festlich geschmuͤckten Bahnhofe, wo Se. Durchlaucht mit leb⸗ haftem Enthustasmus begruͤßt wurde, und sich auch die hohen Behoͤrden des Landes eingefunden hatten, deren umsichtiger Schutz nicht wenig zur Foͤrderung des Unternehmens beigetragen hat. Nachdem sich Se. Durchlaucht die Mitglieder der Eisenbahn⸗ Direction hatte vorstellen lassen und sich aufs leutseligste mit Ei⸗ nigen derselben, so wie mit einigen Ehrengaͤsten, namentlich dem Ober⸗Buͤrgermeister von Berlin, Herrn Krausnick, und dem Herrn Kommerzien⸗Rath Busse aus Luckenwalde, unterhalten hatte, ge⸗ ruhte derselbe die Fahrt bis zur Gräͤnze in dem von Berlin ein⸗ getroffenen Wagen erster Klasse e hen und von der Direc⸗ tion die Herren Bloch, Bode und Buck einzuladen, Platz in dem von ihm besetzten Coups zu nehmen. Eine Deputation der An⸗ halt⸗Coͤthenschen Regierung, der Herr Regierungs⸗Rath Vierthaler an der Spitze, empfing den Zug an der Granze, in der Nahe einer daselbst errichteten Ehrenpforte, und die Anrede des Herrn Vierthaler wurde Namens der Direction auf angemessene Weise von Herrn Bode beantwortet. In Coöoͤthen lauzte der Zug in 27 Minuten an, den verschiedenen Aufenthalt abgerechnet, und die hier befindlichen Coͤthenschen hohen Staats⸗Beamten luden Namens Sr. Durchlaucht des Herzogs die Direction und sämmt⸗ liche Ehrengäste, welche sich in großer Zahl aus den naheliegenden
Stäaͤdten Anhalts und Preußens ringefunden hatten, zu einem
Dejeuner ein. Am Schlusse desselben erschien. Se. Durchlaucht der Herzog und dessen hohe Gemahlin. Mit enthustastischem Zuruf von den Anwesenden begruͤßt, geruhte Hoͤchstdersetbe sich die saäͤmmtlichen Mitglieder der Direction, die anwesenden Ehren⸗ gaͤste und die Ingenieurs der Bahn vorstellen zu lassen, und sprach wiederholt seine Freude uͤber das Entstehen des Unterneh⸗ mens und die Befriedigung aus, welche Ihnen die Ausfuͤhrung dessel⸗ ben gewaͤhrte. Der Herr Regterungs⸗Rath Naumann, Kommissa⸗ rius der Koͤnigl. Regierung in Maagdeburg bei der Magdeburg⸗ Leipziger Bahn, und der Spezial⸗Bevollmäaͤchtigte derselben, Herr Cestenoble, wurden gleichfalls von dem hohen Herrscherpaare aufs Huldvollste angeredet. Se. Durchlaucht geruhten zuletzt sich ein Glas Wein reichen zu lassen und das Wohlergehen der Unter⸗ nehmer, Befoͤrderer und Erbauer der Bahn auszubringen. Von den Cöthenschen Staatsbeamten begleitet, ging der Zug nach Deßau zuruͤck, woselbst er nach 26 Minuten eintraf. Das Mittagsmahl wurde in dem schoͤnen Konzert⸗Saale des Herzogs eingenommen, wozu Seitens Sr. Durchlaucht die anwesenden Direktoren, Ehren⸗ gaste und Repraͤsentanten eingeladen waren, und woselbst mit freundlicher Zuvorkommenheit die hohen Staats⸗Beamten Deßau's den Gaͤsten entgegenkamen. Die ausgebrachten Toaste und die gehaltenen Reden bekundeten eben so sehr treue Ergebenheit fuͤr die Herrscher der Laͤnder, deren respektive Unter⸗ thanen hier sich vereinigt sanden, als Liebe zu dem gemeinsamen Deutschen Vaterlande. Ein jeder, der bei der ersten Fahrt den trefflichen Bau der Berlin⸗Anhaltischen Bahn bewundert hatte, freute sich uͤber die verdiente und ehrenvolle Anerkennung, welche den Erbauern derselben zu Theil wurde. Die Qber⸗Ingenieurs Rosenbaum und Mohn, so wie saͤmmtliche ber der Bahn und der Ausfuͤhrung der Gebäude angestellte Ingenieurs und Beam⸗ ten haben Beweise von Tuͤchtigkeit gegeben, welche man noch vor fuͤnf Jahren Englaͤndern, Franzosen und Belgiern vorbehal⸗ ten glaubte. Die schwesterliche Magdeburg⸗Lemzeger Bahn, welche an diesem Tage ihre Freude durch Bekroͤmzungen Hes Bahnhofes in Coͤthen an den Tag gelegt hatte, ist nicsreminder ein Erzeug⸗ niß jener Deutschen Thaͤtigkeit, welche unserem Vaterlande zur groͤßten Ehre gereicht. Nach dem Mahle wurde eine neue Fahrt veranstaltet, welche in 25 bis 26 Minuten von stauten ging und von einem Flor schoͤner Damen verschoͤnert ward. Ein Fackelzug der Deßauer Buͤrgerschaft, dem Herrscher und den hohen Staats⸗ beamten dargebracht, beendeten den Tag; so wie auch noch eine Beleuchtung des von den Direktvren bewohnten Hotels stattfand. Referent verließ Deßau 10 Uhr Abends, und fand die Landstraße uͤberall von einem freudig bewegten Volke bedeckt. So klein auch diese Bahnstrecke ist, so duͤrfte sie dennoch den Verkehr zwischen Berlin, Leipzig und Dresden wesentlich erleichtern, wenn, wie bereits in Deßau angekuͤndigt wurde, eine schnelle und prompte Verbindung zwischen Wittenberg und Deßau bereits hergestellt und bald eine groͤßere Ausdehnung gewinnen wird. Jeder wird mit Vergnuͤgen dem schoͤnen Woͤrlitz einige Stunden weihen und das Land bereisen, dessen Fruchtbarkeit durch die weise Fuͤr⸗ sorge seiner Fuͤrsten so sehr gesteigert worden ist.
Oesterreich.
Wien, 28. Aug. In Linz ist am am läten d. M. die ir⸗ dische Huͤlle des wenige Tage vorher im 8üsten Jahre seines Alters verstorbenen General⸗Feldzeugmeisters a. D., Wirklichen Geheimen Raths Richter von Binnenthal, feierlich zur Erde be⸗ stattet worden.
Spanien. Madrid, 21. Aug. Die Hof⸗Zeitung enthaͤlt ste⸗ hendes aus Barcelona vom Lten datirtes Koͤnigliches Dekret: „l. Das am 30. Mai 1833 erlassenen Dekret in Betreff der aufgedrungenen, mit Huͤlfe der Franzoͤsischen Armee gebildeten Regentschaft, wird fuͤr Null und nichtig erklaͤut, dagegen wird dassenige Dekret wieder in Kraft gesetzt, welches die Cortes am 22. Juli desselben Jahres zu Gunsten des Generals Don Jose de Zayas, der Anfuͤhrer, Ojiiziere und Soldaten erließen, welche am 20. Mai an den Thoren von Madrid Fte egen die dama⸗ lige Regierung empoͤrten Truppen bekaͤmpften. 2. Die uͤbrigen Dekrete, welche seit dem Jahre 1810 zum Besten der Generale, Anfuͤhrer, Offiziere und Soldaten in Bezug auf die von ihnen bei der Vertheidigung oder Belagerung von Sraͤdten und Festun⸗ gen oder durch andere Kriegsthaten geleisteten Dienste erlassen worden sind, erhalten ebenfalls wieder ihre volle Guͤltigkeit.“
Durch ein anderes Koͤnigliches Dekret vom 12. August wird die von dem Minister der Justiz und der Gnaden, Don Antonio Gonzalez, eingereichte Entlassung angenommen.
Man ist hier nicht ohne Besorgniß, da das Ayuntamiento fest entschlossen ist, durch alle ihm zu Gebote stehenden gesetzlichen Mittel die Ausfuͤhrung des Ayuntamiento⸗Gesetzes zu verhindern. Die Offiziere des lsten und 2ten Bataillons und der Artillerte der National⸗Garde haben in einer Versammlung beschlossen, die Anordnungen des Ayuntamiento, so weit es gesetzlich erlaubt ist, zu unterstuͤtzen.
Barcelona, 18. Aug. Die Koͤnigin hat die von dem Fi⸗ nanz⸗Minister Don Jose Ferraz eingereichte Entlassung ange⸗ nommen.
Vorgestern fand eine große Musterung der in und bei Bar⸗ celona befindlichen Truppen statt; nach Beendigung derselben de⸗ filirten sie unter persoͤnlicher Anfuͤhrung des Herzogs von Vito⸗
in seinem Blatte vom 23. August, daß zwar die in San Se⸗ bastian befindlichen Englischen Truppen nach England eingeschifft worden seyn, in Passages sich aber noch 400 Mann Britisch Marine⸗Soldaten und auf der dortigen Rhede die Englische Fr gatte „North Star“ 2 befaͤnden. “
genheit enthaͤlt die Allg. Ztg. folgende vom Main datirte Be⸗ trachtungen: „Die Franzoͤsischen Journale haben so oft wiederholt, ihre Nation hege in der orientalischen Frage keine eigennuͤtzigen Absichten, daß man in Deutschland am Ende im Ernst daran glaubte und sich einbildete, Frankreich habe, indem es Mehmed Ali beschuͤtzte, keinen anderen Z Europa die Unabhaͤngigkeit des Mittelmeeres gegen das Monopo Englands zu vertheidigen. Bereits hataber jeder Denkende erkannt daß Frankreich hierbei einen ganz anderen Zweck hatte. auf den Ruinen des Osmanischen Reichs in Aegypten ein Reich
gruͤnden, welches ihm ausschließlich ergeben sey; es wollte mit Huͤlfe seiner Afrikanischen Besitzungen die Herrschaft üͤber das Mittelmeer erringen; dies war seine Uneigennuͤtzigkeit. Stimmte es aber mit den wahren Interessen Europa's uͤberein, daß Frank⸗
handlungen beendigt — inde irae. Man erzaͤhlt, daß bei einer Unterredung zwischen Herrn Guizot und Thiers im Schlosse vo Eu letzterer sich folgendermaßen geaͤußert habe: lange gezaudert, aus dem Hasse Englands gegen Rußland Nutzen zu ziehen; wir waren zu ausschließend, und nun sind wir ausge⸗ schlossen worden (nous avons éte exclusifs et nous voiläã exesus); wir koͤnnen unmoͤglich unsere Niederlage anders darstellen.“ Herr
Generat⸗Adjutant, General⸗bieutenant von d jutant, General⸗Major von Lindheim; Ober⸗
ria vor der Koͤnigin voruͤber, die sich mit den Infantinnen auf dem Balkon des Koͤnigl. Palastes befand.
Das Hauptquartier des Herzogs von Vitoria wird sich in wenigen Tagen nach Martorell und von da nach Saragossa be⸗
geben, wo dann die weiteren Anordnungen in Bezug auf die Vertheilung der Armee getroffen werden sollen.
Spanische Graͤnze. Der Phare des Pyrénses sagt
und die Franzoͤsische Fregatte „Hermine“ 2 8
Tuͤrkei. Konstantinopel. Ueber die Tuͤrkisch⸗Aegyptische Angele⸗
weck, als zum Vortheil von ganz
Es wollte
reich einen so großen Einfluß besitze? Die monarchischen Staa 8 ten mußten sich, auch ohne den Nachtheil fuͤr die materiellen In teressen in Anschlag zu bringen, diesem Plan widersetzen. Wa that Frankreich, welches diesen Widerstand voraussah, oder wa
thaten wenigstens seine Staatsmaͤnner, Soult, Guizot, Thiers
und selbst Molé, das Haupt der Konservativen? Sie stellten als Prinzip auf, Frankreich muͤsse durch alle Mittel vermeiden uͤber die orientalische Frage mit irgend einer der monarchischen Maͤchte zu unterhandeln; England allein sollte, sowoht wegen der Aehnlichkeit seiner Prinzipien, als auch wegen seiner Allian mit Frankreich seit 1830, zu den Unterhandlungen uͤber diese Frage zulassen werden; man hoffte, mit ihm leichter, als mit den uͤbrigen Maͤchten sich zu verstandigen. Letztere aber durch schauten diese selbstsuͤchtige Politik und machten sie scheitern indem sie England zu erkennen gaben, wohin die Praͤtensione Frankreichs es fuͤhren wuüͤrden. England wollte daher, da Oesterreich, Preußen und Rußland Theil an den Unterhand⸗ lungen nehme; das Ministerium Thiers, welches den Beitritt die ser Maͤchte verwarf, glaubte, indem es sich isolirte, den Gang der Unterhandlungen aufzuhalten; gleichwohl wurden die Unter⸗
„Wir haben zu
Thiers zeigte durch eine Bewegung, und indem er mit der Hand vor die Stirne fuhr, wie sehr er die Bitterkeit dieser Taͤuschung
empfand.4)
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In einem von der Morning Chronicle mitgetheilten Schreiben aus Alexandrien vom 6. August heißt es unter Anderem: „Den letzten Nachrichten aus Syrien zufolge, ist in der Umgegend von Beirut Alles ruhig und nur bei Balbeck sind noch einige Insurgenten unter den Waffen. Vom Rothen Meere her erfaͤhrt man, daß Ibrahim Pascha der Juͤngere Jemen ver⸗
lassen hat, daß aber die noch im Hedschas befindlichen 7000 Mann erklaͤrt haben, sie wuͤrden nicht eher marschiren, als bis ihnen der ruͤckstaͤndige Sold ausgezahlt worden sey. Jemen ist jetzt in den Haͤnden der Araber unter einem gewissen Scheich Hassan, der ein Verwandter des Sultans von Sanna ist und ein Wechabit seyn soll. Er hat vor kurzem mehrere Grabmaͤler der Seiks zerstoͤrt, die von den Wechabiten fuͤr Goͤtzendiener ge⸗ halten werden. Er belaͤstigt uͤberhaupt die Christen sehr und ist den Britischen Interessen abgeneigt. Er duͤrfte auf diese Weise leicht mit der Ostindischen Compagnie in Kollision kommen. Am
5. Juli ist abermals ein Angriff auf Aden gemacht, aber von der Garnison, ohne daß sie einen Mann verloren haͤtte, abgeschlagen worden. — Der Nil ist in diesem Jahre ungewoͤhnlich guͤnstig gestiegen. Bei Kahira hat die Aerndte um vierzehn Tage fruͤhe
als sonst stattgefunden.“ “
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8 8 v“ * — — Koͤnigsberg, 30. Aug. Des Koͤnigs Mafestaͤt wohn⸗ ten heute dem unter freiem Himmel stattfindenden Militair⸗Got⸗ tesdienste im Lager zu Lauth bei, besuchten dann das zur Offi⸗
zier⸗Speise⸗Anstalt erbaute große Zelt, so wie die Kuͤchen der Soldaten, kosteten in letzteren die Speisen und das Wasser der in dem Lager gegrabenen Brunnen. — Ihre Majestaͤt die Koͤ⸗ nigin hielten in der Deutsch⸗reformirten Burgkirche Hoͤchstihr Andacht. — Gegen Abend besuchte das hohe Herrscherpaar gan allein den Busoltschen Garten, welcher als Lieblings⸗Aufenthalt der Hoͤchstseligen Koͤnigin den Namen Louisenwahl führt. — Ueberall wurden Ihre Majestaͤten mit den aufrichtigsten Beweisen der Liebe und Ehrfurcht begruͤßt. — In Bezug auf die gestri gen Einzugs⸗Feierlichkeiten verdient es noch bemerkt zu werden daß, obgleich die ganze Bevoͤlkerung Koͤnigsbergs und der Um⸗ gegend und alle zahlreich hier versammelten Fremden in den von den Hoͤchsten Herrschaften zuruͤckzulegenden, zum Theil sehr engen Straßen wogten und obgleich weder Polt⸗ zei noch Militair zur Aufrechthaltung der Ordnung auf⸗ gestellt war, doch kein einziger Unfall, nicht die geringste Sto⸗ rung zu beklagen ist. Die lauteste Freude herrschte uͤberall, aber selbst die niedrigsten Klassen bewegten sich mit einer Ruhe und einem Anstande, wie man dieses selten wahrnimmt. Edler, maͤch⸗ tiger konnte die Liebe, Erfurcht und Hingebung der Unterhanen sich gewiß nicht bethaͤtigen, auch waren beide Majestaͤten durch diese unzweideutigen Beweise der Treue und Anhaͤnglichkeit sicht⸗ lich ergriffen. Des Koͤnigs Majestaͤt stiegen bei der Ankunft auf dem Schlosse nicht am Haupt⸗Portal ab, sondern ritten unerwar⸗ tet in den Schloßhof, wohin der Wagen der Koͤnigin Majestaͤt folgte. Beide Majestaͤten erstiegen hier gemeinschaftlich die Treppe, welche fruͤher von der Koͤnigin Louise und welche unmittelbar zu den Apparteme
stets benutzt wurde, uts der q,, Majestaͤten befanden sich: der “ General⸗Ad⸗ Hofmeisterin Graͤfin