neten der drer Stäude von Ostpreußen, Litihanen und Westrreußen zu emem Landtage in Königeberg sich versammein. Da der gewöhnliche Provinzial⸗Landtag aber in wenigen Monaten zusammentreten wird,
ss bal der aus Veranlassung der Huldigung sich versammelnde sich aus⸗ schließtich darauf zu beschränken, darüber zu beralhen:
1) ob er 12 Mitglieder der Ostpreußischen Ritterschaft zur herkömm⸗
Jubel⸗Zuruf, welcher bis
lichen Vertretung eines Herrenstandes zu erwähten gesonnen sev,
und in diesem Falle die Gewählten zur Bestätigung anzuzeigen; 2) ob und welche Bestätigung ctwa noch bestehender Privilegien er
in Antrag bringen zu fönnen glaube. 8
Ven den Mitgliedern dieses vor der Huldigung aufzulösenden Landlags, wollen Wir sodann die für ihre Person aus eigenem Rechte zu leistende Erdhuldigung an dem für diese angesetzten Fage annehmen. Außzerdem hat jeder ständische Wahl⸗Bezirk Unseres Königreichs Preu⸗ ben die doppelte Zahl der Abgeoroneten, mit welcher er nach der Ver⸗ erdnung vom 17. März 182 die Provinzial⸗Landtage beschickt, zur Huldigung zu bevellmächtigen und nach Königsberg zu senden. Bei der Wahl dieser Bevollmächtigten ist sowohl wegen der Wahl⸗Berech⸗ nUgung, als wegen der Wählbarkeit und wegen der Form der Wabl das gedachte Gesetz und das Edikt vom 1. Juli 1823 zu. beobachten.
Im Uebrigen stellen Wir den Mügliedern Unserer Ostpreußischen Ritterschaft, wie für sie diese Befugniß althergebracht ist, es auch dies⸗ mal frei, so sie wollen, personlich zur Huldigung zu erscheinen. Wenn in denjenigen Landestheilen, aus denen die Ritterschaft nach Vorste⸗ hendem Deputirte zur Huldigung zu entsenden hat, andere Mitglieder dieses Standes geuneigt seyn möchten, sich für ihre Person zur eigenen Ableistung der Huldigung nach Königsberg zu begeben, so soll ihnen solches unverwehrt seyn. Sie haben sich alsdann bei dem Huldi gungs- Akte den Deputirten ihres Standes und Landestheilen anzu⸗ schließen.
Endlich wollen Wir von dem Magistrat und den Stadtverordneten Unserer Haupt⸗ und Residenzstadt Königsberg die Huldigung in ihrer Gesammtheit annehmen.
Die näheren Weisungen werden von Unserem Minister des Innern ergehen. Gegen die von den getreuen Ständen zu leistende Erb⸗Hul⸗ digung versprechen Wir Unseren Landesfürstlichen Schutz und Auf⸗ rechterhaltung alles wohlhergebrachten Eigenthums und wohlbegründeter
Gerechtsame.
Hiernach haben die getreuen Stände Sich zu achten, und sind Wir denselden mit Unserer Königlichen Gnade gewogen. Urkundlich unter Unserer Allerhöchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem Königlichen Insiegel.
Gegeben Berlin, den 17. Juli 1840.
(Fez.) Friedrich Wilbelm.“
Koͤnig sberg, 12. Sept. (Koͤnigsb. 3.) Gestern gab die Stadt dem Koͤnig und der Koͤnigin ein Dejeuner dinatoire im dem hierzu hoͤchst geschmackvoll eingerichteten Lokale der Boͤrse. Die Kunst des talentvollen Baumeisters hatte den offenen Raum zwischen dem Boͤrsengebaͤude und der Boͤörsenhalle, die sogenannte Sommerbörse, durch Bedachung in einen Salon verwandelt, der durch seine ganze innere Einrichtung und Ausschmuͤckung einen imposanten Anblick gewaͤhrte. Die Waͤnde der Boͤrse selbst wa⸗ ren mit rothem Wollenzeuge und goldenen Borten und Schnuͤ⸗ ren malerisch drappirt und mit den schoͤnsten Bildern unseres Stadt⸗Museums geschmuͤckt. In dem Salon der Sommerboͤrse in welchem unter der Lindenallee die Koͤnigl. Tafel errichtet war, sprudelten zwei Springbrunnen und am Ende desselben waren in einer von den schoͤnsten Topfgewoͤchsen gebildeten Laube die Buͤsten des Königs und der Königin aufgestellt. Bald nach 1 Uhr erschien der Koͤnig und die Koͤnigin, begleitet von den Koͤnigl. Prin⸗
en, und wurden mit einem herzlichen dreimaligenLebehoch empfangen. Ihre Majestaͤten begaben sich in das Boͤrsenlokal und aͤußerten mehrmals Ihre vollkommene Zufriedenheit mit dieser zauberhaf⸗ ten Einrichtung, und geruhten auch, den Bau⸗Conducteur Boͤhm, welcher diesen Bau geleitet hatte, sich besonders vorstellen zu las⸗ sen. Nachdem Ihre Majestaͤten auch noch die Maͤdchen, welche bei Ihrem feierlichen Einzuge Ihnen Gedichte und Blumen uͤber⸗ reicht hatten, sich hatten vorstellen lassen, setzten sich die Koͤnig⸗ lichen Herrschaften zur Tafel, indem Ihre Majestät die Koͤnigin⸗ die Gnade haͤtten, sich von dem Ober⸗Buͤrgermeister von Auers⸗ wald fuͤhren zu lassen, und Sr. Majestaͤt der Koͤnig die Frau Ober⸗Buͤrgermeisterin fuͤhrten. Bei der Tafel brachte der Koͤnig folgenden Toast der Stadt Koͤnigsberg aus, welcher auf alle An⸗ wesenden einen begeisternden Eindruck machte: Ich trinke auf das Wohl der treuen und geliebten Stadt, die mit Recht den Namen der Koͤnigsstadt fuͤhrt. Sie hat mit Meinem seligen Vater die Zeiten der Truͤbsal muthvoll getra⸗ gen, und ist von der Vorsehung gewuͤrdigt worden, daß in ihr die Grundlage zur Wiedergeburt des theuern Vaterlandes ge⸗ legt wurde. Sie lebe hoch! Nach aufgehobener Tafel verfuͤgten Sich Ihre Majestaͤten wie⸗ derum nach dem Borsen⸗Lokale und unterhielten Sich huldreichst mit Vielen der Anwesenden. Gegen 5 Uhr nahmen die Koͤnig⸗ lichen Herrschaften das an der gruͤnen Bruͤcke liegende neu⸗ gebaute Schiff des hiesigen Stadtrath Anschlag, welches zufolge der Allergnädigsten Erlaubniß Ihrer Majestaät den Namen der Koͤnigin füuͤhrt, in Augenschein und Se. Majestät der Koͤnig ge⸗ ruhte auch auf demselben eine Fahrt auf das Haff hinaus zu⸗ machen, indem das hiesige Dampfboot „die Gazelle“ das Schiff og. Das Koͤnigliche Schiff, welches als Zeichen der Anwesen⸗ hzen des Koͤnigs die Koͤnigliche Flagge aufgezogen hatte, wurde von zwei anderen Schiffen begleitet, die von dem Danziger und dem Memeler Dampfboote bugsirt wurden. Längs den beiden Ufern des Pregels hatte sich eine unabsehbare Menschenmenge aufgestellt und empfing den geliebten Herrscher mit enthusiastischem Holstein fast ununterbrochen an⸗ ielt, indem auch der Holsteiner Damm dicht mit Menschen besetzt war, die schon seit den Mittagsstunden mit Sehnsucht der Ankunft des innig verehrten Landesvaters entgegensahen. Die im Pregel liegenden Schiffe waren festlich aufgeflaggt und auf den Raen derseiben standen bis zu den Mast⸗Spitzen Matrosen, welche unter freudigem Hurrah ihre Huͤte schwenkten. Der Koͤnig
wmar sichtbar geruͤhrt von diesen vietfachen Beweisen der innig⸗
gen Liebe des Volkes und gab dies durch fortwährendes freund⸗ liches Grüͤßen zu erkennen. Als sich das Koͤnigl. Schiff Holstein naherte, wurde es von dem dort aufgestellten Geschüͤtze mit Ka⸗ nonenschuͤssen begruͤßt. Auf der Nuͤckkehr erneuerte sich derselbe Jubel. Da unterdessen die Dunkelheit eingebrochen war, so wa⸗ den die Schiffe auf den Masten mit Laternen erleuchtet und auch alle in der Naͤhe des Landungsplatzes liegenden Haͤuser waren illuminirt. Unrer dem freudigsten Zurufe der an den beiden Ufern versammelten zahllosen Zuschauer landete der Koͤnig gegen § Uhr an der gruͤnen Bruͤcke und fuhr sogleich nach dem Koͤnigl. Schlosse, um sich von da zur Soiree auf dem Moskowitersaale zu begeben. Ihre Maj. die Koͤnigin hatten bald darauf, nach⸗
dem sie das Schiff „Koͤnigin Elisabeth“, wie oben erwaͤhnt, in
ü hdöchsten Besehl wurde eine den Ften d. dem kommandirenden Herrn General aufgefuͤhrte ee wsar. Ihrer
1 Augenschein genommen, das Festlokal verlassen, indem sie noch⸗
mals huldvoll zu 89 veranstaltete Fest
versichern geruhten, daß das Allerhöͤchstihnen ihren vollkommenen Beifall haͤtte. Abends fand die Soiree auf dem Moskowiter⸗Saal statt, wel⸗ che Ihre Mazjestäten den Huldigungs⸗ Deputirten und vie⸗ len außerdem eingeladenen Gäͤsten zu geben geruhten. Auf Aller⸗
M. bei Sr. Excellenz
del „Judas Makkabaͤus“ durch
fruͤh um 7 ½ Uhr haben Ihre
11“ 88 ½ ⁷
Majestaͤt der Koͤnigin beifällig ausgenommene Composition des
Musik⸗Direktors Saͤmann wiederholt und hierauf ebenfalls nach
Allerhoͤchster Bestimmung ein Theil des Oratoriums von Hän⸗
wähnten Tonstuͤckes aufgefuͤhrt.
Gesellschaft Ihren Majestaͤten einen glaͤnzenden Fackelzug. Heute einem dreizehntaͤgigen Aufenthalte unter den herzlichsten Seegens⸗ wuͤnschen der Einwohner, welche sich zahlreich in den Straßen ver⸗ sammelt hatten, verlassen. So herzlich der Empfang gewesen, so herzlich war auch der Abschied. G heenns Menge auf die Straße gelockt, sondern die herz⸗ ichste Liebe wollte dem scheidendenden geliebten Koͤnigs⸗ paare noch ihren Abschiedsgruß zurufen. Das Fleischer⸗ gewerk geleitete zu Pferde und in Uniform die Koͤnig⸗ niglichen Herrschaften bis zur Graͤnze des Stadt⸗Bezirkes und die anderen Gewerke bildeten, wie beim Einzuge, so auch jetzt bei der Abfahrt, festlich geschmuͤckt in der Vor Ihrer Abreise haben Se. Majestaͤt der Koͤnig durch net⸗Schreiben den hiesigen Stadt⸗Armen ein Gescheuk von 3000 Rthlr. und Ihre Majestät die Koͤnigin ein Geschenk von 1000 Rthlr. anweisen zu lassen geruht, auch haben Ihre Maje⸗ staät die Koͤnigin die Erwerbs⸗Schule und die drei Klein⸗Kinder⸗ Bewahr⸗Schulen mu 400 Rthlr. Allergnaͤdigst bedacht.
Die Huldigung des Koͤnigs wurde auch in der Israelitischen Ge⸗ meinde durch einen wohlthaͤtigen Akt begangen. An dem Tage, dessen Andenken in dem Herzen jedes Preußen unauslöͤschlich sort⸗ leben wird, wurden sämmtliche Israelitische Arme in dem Ho⸗ spital der Gemeinde festlich bewirthet. Gegen Schluß des Mah⸗ les trat der Ober⸗Aelteste der Gemeinde an die Tafel, und hielt eine ergreifende Anrede, die mit einem Lebehoch fuͤr den Koͤnig schloß, in welches saͤmmtliche Anwesende aus vollem Herzen mit einstimmten
In allen Städten Preußens wurde die Huldigungs⸗Feier ebenfalls festlich und mit den treuesten, patriotischsten Gesinnun⸗
gen begangen.
Koͤnigsberg, 13. Sept. (Königsb. Z.) Die waͤhrend der letzten Tage verbreitete Freude uͤber die bekannt gewordene Wuͤrdigung, welche die Erklaͤrungen und Antraͤge des Landtages durch den Allerhoͤchsten Landtags⸗Abschied erfahren hatten, konnte durch die stattgefundene Veroͤffentlichung des letzteren in der gestrigen Zeitung wohl nur noch zu hoͤherem Grade gesteigert werden. Diese vollkommene und begluͤckende Uebereinstimmung der ehrerbietigst vorgetragenen Wuͤnsche der Staͤnde mit der Willensmeinung unseres erhabenen Monarchen und die wahrhaft herzbewegende Art und Weise, in welcher derselbe den Ausdruck der dargelegten Gesinnungen wuͤrdigt, haben einen maͤchtigen, tiefen Eindruck hervorgebracht. Dem Vernehmen nach, hat Se. Majestät den Abgeordneten des Landtages, welche vorgestern nach erfolgtem Schlusse das Dankschreiben uͤberbrachten, noch in den unzweifelhaftesten Ausdruͤcken Seine vollkommene Zufriedenheit mit den Arbeiten des Landtages bezeugt.
Koͤnigsberg, 14. Sept. (Koͤnigsb. Ztg.) Se. Majestäͤt der Koͤnig haben Allergnaͤdigst geruht, die nachstehende Allerhoͤchste Kabinets⸗Ordre an mich zu erlassen:
„Ich kann die Provinz, in welcher Ich so mannigfache Beweise treuer Anhänglichkeit erfahren habe, nicht ohne die dantbarste Aner⸗ kennung verlassen, und werde das Andenken daran⸗ stets in Meinem Herzen bewahren. Indem Ich den Segen des Herrn auf Meine treuen Unterthanen Preußens herabrufe, mögen Letztere überzeugt seyn, daß Mir das Wohl der Provinz stets eine Angelegenbeit der theilnehmend⸗ sten Sorge bleiben wird, und daß Ich, so viel es die Kräfte des Staats erlauben, darauf bedacht seyn werde, zum Wohl der Stadt Königsberg und der Provinzen, deren Huldigung Ich empfangen habe, beizutragen. Sie haben diese Meine Eesinnung zur öffentlichen Kennt⸗ niß zu bringen.
Königsberg, den 11. September 1840.
Gez.) Friedrich Wilhelm. An den Staats⸗Minister von Schön⸗“
Dem Allerhoͤchsten Befehle Sr. Majestaͤt des Koͤnigs gemaͤß, bringe ich dies hiermit zur oͤffentlichen Kenntniß.
Königsberg, den 12. September 1840.
88 Der Staats⸗Minister und “ von Preußen von Schoͤn.
— — Thorn, 11. Sept. Der gestrige Tag, an welchem die Huldigung zu Koͤnigsberg statifand, wurde hier ebenfalls feier⸗ lich begangen. Schon Abenes zuvor verkuͤndete das Gelaͤut aller Glocken den bevorstehenden Festtag, welcher Morgens durch den von der Zinne des Rathhaus⸗Thurmes geblasenen Choral: „Nun danket alle Gott“ wuͤrdig eingeleitet wurde. Demnaͤchst versam⸗
melten sich die Gemeinden zahlreich in allen Kirchen der Stadt
zum festlichen Gottesdienst. Mittags fand cine allgemeine Ar⸗ menspeisung statt. Gleichzeitig hatten sich viele Personen der Stadt und Umgegend zu einem Festmahle versammelt, bei wel⸗ chem der Toast auf das Wohl Ihrer Majestaten des Koͤnigs und der Koͤnigin, so wie des Koͤniglichen Hauses, mit Jubel ausge⸗ gebracht wurde. Abends war die Stadt glänzend erleuchtet, und in den weiten Hallen des alterthuͤmlichen Rathhauses war ein Ball veranstaltet, welcher alle Stände in ungestörter Freude ver⸗ einigte. 2 — — Bromberg, 11, Sept. An dem gestrigen Tage der Huldigung der Provinzen Preußen und Posen gab auch hier sich die Freude in einem heiteren Festmahle, und in einer so glaͤnzen⸗ den Erleuchtung der Stadt kund, wie sie selten gesehen worden ist. Selbst ein eintretender heftiger Regen vermochte den Jubel der in den Straßen wogenden Menge nicht zu stoͤren. In aͤhnli⸗ cher Weise ist die Feier des Tages auch in den benachbarten Städten und auf den Guͤtern der Umgegend begangen worden. — Ueckermuͤnde, 13. Sept. Am l1ten d. M. wurde hier das funfzigjährige Dienstjubilaͤum des Koͤnigl. Landraths Ueckermuͤnder Kreises Herrn Krafft festlich begangen. Eine Morgenmusik, der sich ein Festgesang der Schuljugend und eine Festrede des Rektors der Stadtschule anschloß, eroͤffnete die Feier des Tages, zu welcher, bei der allgemeinsten Verehrung, die der Jubilar genießt, die Stadt so wie die im Strome liegenden Schiffe mit Kraͤnzen und Flaggen festlich geschmuͤckt worden wa⸗ ren. Nachdem die hiesigen Koͤniglichen, so wie die Kommunal⸗ Beamten und die näheren Angehoͤrigen und Freunde dem Jubi⸗ lar schon Vormittags ihre Gl ckwuͤnsche in dessen Wohnung dar⸗ gebracht, ward derselbe um Mittag in einen groͤßerrn Kreis sei⸗ ner Verehrer eingefuͤhrt, ihm hier zunaͤchst von einem Kommissa⸗ rius der Koͤnigl. Regierung zu Stettin notistzirt, daß Se. Ma⸗ jestt der Koͤnig ihm Allergnaͤdigst den Charakter eines Geheimen Regierungs⸗Raths verliehen, ihm das daruͤber sprechende Aller, höchstselbst vollzogene Patent, so wie Gluͤckwuͤnschungsschreiben der höͤchsten und hohen Behoͤrden behändigt, dann aber ihm als Zeichen hoher Verehrung von seinen Freunden mit den herzlich⸗ sten Wuͤnschen fuͤr sein ferneres Wohl ein silberner Pokal ber⸗ reicht. Ein sestliches Mahl schloß
in der Fuͤlle ruͤstigst
—
f
den Komponisten des eben er⸗ An demselben Abend brachte auch
der Verein der jungen Kaufmannschaft und der Feuer⸗Rettungs⸗
Majestaäten unsere Stadt nach
Nicht Neugier hatte die
Vorstadt ein Spalier. Kabi⸗
telbar darauf aber noch nach Stargard abreiste, um heim Empfange Sr. Majestaͤt des Koͤnigs zugegen zu seyn.
Oels, 13. Sept. (Bresl. Z.) Vorgestern, den ten d. M. fruͤh um 9 Uhr, sand auf dem Exercirplatze bei Stampen eine große Parade der in der Gegend von Oels zu den Herbst⸗Uebungen ver, sammelten ÜIten Division vor dem kommandirenden General Grafen Brandenburg statt. — Am 12ten fand von 8 Uhr an ein Manoͤver gegen einen markirten Feind statt, wobei es der Umsicht der einzeinen Befehlshaber nach Verhaͤltniß des Terrains und der uͤbrigen Umstaͤnde uͤberlassen blieb, selbstständig einzugrei⸗ fen, ohne einer vorher bestimmten Disposition zu folgen. Mach⸗ stehende General⸗Idee war von dem Generab'Liceutenant v. Rohr diesem Manoͤver zum Grunde gelegt worden: „Die Ite Divi⸗ sion ist von der oberen Oder uͤber Oels gehend, im Marsch ge⸗ gegen ein feindliches Detaschement, welches die Bartsch in der Gegend von Militsch uͤberschritten hat, um uͤber Ohlau gegen Neisse vorzudringen. Als die Division bei Stampen angekommen ist, bemerkt der gerade bei Jantschdorf befindliche Feind ihre Nahe und schickt seine Kavallerie zur Erkennung vor, indeß er mit seinem Gros eine Ausstellung jenseits des Juliusburger Was⸗ sers nimmt und dessen Uebergaͤnge besetzt.“ Der Commanden der IIten Diviston beschließt, nicht nur die feindliche Kavaller uruͤckzutreiben, sondern auch das Juliusburger Wasser zu uͤber sürechen und die feindliche Aufstellung zu uͤberwaͤltigen. 2. Schlusse des Mansvers gab der kommandirende Herr Generz Graf Brandenburg den um ihn versammelten Generalen und Stabs ⸗Offizieren seine volle Zufriedenheit zu erkennen und sprach ich sowohl uͤber die bei der Parade gezeigte schoͤne Haltung der
ruppen, als uͤber die bet dem Manoͤver bewiesene Umsicht und Gewandtheit anerkennend aus.
11“
Dauer der Eisenbahn⸗Fahrten am 15. September. Abgang Zeitdaua
von Petbᷓda m. St. R.
Abgang von 6— Berlin. (St.
Seitdauer
Um 8 Uhr Morgens .. Um 6 ½ Uhr Morgens. „ 11 „ Vormitt... 9¹⁄1 „ „.„ „ „ 2 Nachmitt.. Mittags.. 8
Nachmitt. Ab 59 56
3 “ 6 Abends.. Abends ..
10
Meteorologische Beobachtungen. Mergens Nachmirtags]/ Abends Nach einmaltger
1830. 6 Uhr. 2 ubr. 10 Uhe. BZeobachtung.
1. Sept.
OQuelwarme 8 2 0 R. Flutzmwarme 1200 R. Bedenwarme 13 à½8 9 à Ausdunstung 00,027“*R;b
Luftdruc.. 331,21“„Par. 330 22 „Par. 329,01Par. Luftwärme.. +. 770 R. + 14³⁰ R. + 9,40 R. Tdaupunkt... - 6,5 2 R, + 8.,2 ° R. + 7,29 R. Dunstsaͤttigung 86 vEt. 69 vECt. 82 vEGt. b Wetter.. hald heiter. V rübe. trüͤbe. Niederschlag 0 Wind. SW. SW. Sw. Wärmewechsel*+2 150 Wolkenzug... SW. — + 6 9° Tageomittel: 330,15 „Par. + 10,3 °M. +. 7,.2N. 79 vGt. SW.
Auswürtige Börsen. “ Amsterdam, 12. September. Niederl. wirkl. Schuld 49 ½. 5 % do. 97 ⁄1., Kanz Bill. 2122. 5 % Span. 1915⁄16 Passive. —. Ausg. —. Zinul. 6, Prouas. Präm. Sch. —. Pol. —. Oesterr. Met. —. 11“ Antwerpen, 11. September Zinsl. 6. Neue Aunl. 20. Frankfurt a. M., 13. September. 2 ½ % Hel. 48. 47 %. Bank-dctien 1950. 1900. 5 % Span. 1 ⅞. 1 ¼. Poln. Loose 70 ⁄₰ Br. Taunusb. Act. 300 ½. 309. Hamburg, 14. September Bank-Act. —. Engl. Russ. 103 Paris, 11. September. 50 % Rente fin cour. 103. 50. 3 % Kenre üp cour. 71. 10. Neapl. ün cour. 95. 5 %. Span. Kente 22. Paasive —.
Port. 20. veierseet. 8. September. Lond. 3 Met. 39 . Ham baris 415.
300 Fl. —. do à 500 —. wien, 11. September.
5 % Met. 106 ¾. 4⁰% 100 ¼. 3 % 802 ¼. 3279,63 1 % — Bank-Actien 1727. Anl. de 1832 139 ½. de 1839 122 ¼4.
Koönigliche Schauspiel e.
Donnerstag, 8. Sept. Im Opernhause: Der Barbier vor Sevilla, komische Oper in 2 Abth. Musik von Rossini. (Hen Scharpff, vom Sradt⸗Theater zu Danzig: Figaro, als Gast rolle. Blle. Loͤwe wird im 2ten Akte eine Arie aus der Oper: Der Zweikampf, singen.) —
— 8. Sept. Im Schauspielhause: Der Bettler, Drama in 1 Akt, von E. Raupach. Hierauf, zum erstenmale: Der Heiraths⸗Antrag auf Heigoland, lebendes Bild in 2 Abith.⸗,
von L. Schneider. 3 Im Schauspielhause: Die Schoͤn⸗
Sonnabend, 19. Sept. 1 geister in der Livree, Lustspiel in 1 Akr. Hierauf: Der Zeitgeis⸗
Possenspiel in 4 Abth., von E. Rauvach.
Königsstädtisches Thearer.
8 Donnerstaa, 17. Sept. Zum erstenmale: Dienstbotenwirth⸗ schaft, oder: Chatoulle und Uhr, Komisches Lokal⸗Charakter⸗Bild mit Gesang in 2 Akten, von Friedrich Kaiser. Musts vom Ka⸗
ellmeister Hebenstreit.
3 Sept. Auf Begehren: Endlich hat er es doc gut gemacht, Lustsviel in 3 Akten, nach, einer Englischen Joee fuͤr die Deutsche Buͤhne bearbeilet von Albini. Hierauf: Die Wiener in VBerlin. Posse mit Gesang in 1 Akt, von K. v. Holtei.
5 %
Poln. à Pan
Markt⸗Preise vom Getraide.
Berlin, den 14. September 1840.
Weizen 2 Rthlr. 27 Sgr. 6 Pf., auch 2 Rtblr. Rihlr. 16 Sgr., auch 1 Rthlr. 10 Sar.; großte 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf.; kleim
Zu Lande: 15 Sgr.; Roggen 1 Gersie 1 Rthlr. 5 Sgr. 8 Pf, auch 8 Gersie 1 Rthlr. 5 Sgr. 8 Pf.; Hafer 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf., auch 27 Sgr. 6 Pf.; Erbsen 1 Rihlr. 23 Sgr. 9 Pf., auch 1 Rthlr. 22 Sgr. 6 Pf.; Linsen 2 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf.
Zu Wasser: Weizen (weißer) 2 Rthlr. 27 Sgr. 6 Pf. und 2 Rihlr. 25 Sgr., auch 2 Rthlr. 21 Sgr. 3 Pf.; Roggen 1 Rtblr. 15 Sgr., auch 1 Rthlr. 12 Sgr. 6 Pf.; Hafer 1 Rthlr. 3 Sgr. 9 Pf⸗, auch 1 Rthlr. 2 Sgr. 6 Pf. Sonnabend, den 12. September 1840. Das Schock Streh 8 Rthlr., auch 7 Rthlr. Der Centner Heu
1 Rthlr. 10 „ auch 25 Sgr. Ee 8 be — xumR
Perantwortlicher Redacteur Urnoib. 5 Gedruckt bei A. W.
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Kirsc. Soult.
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Frankr. Der „Constitutionnel“ uüber die Erklärungen der
Konsuln in Alexandrien. — Plan der Befestigung ven Paris. —
Frozesse. — Börse. (Weiteres Sinken.) — Aktenstücke. 1) Note des
2) Memorandum des Herrn Guizot. ehbr⸗ u. Arl. London. Belgiens Stellung im Fall eines Krie⸗ es. — Frankreichs Erklär. an die Pforte. — Mangel an Marine⸗ Mannschaft. — Ministerielle Presse über die Irl. Repeal⸗Beweg. — Chartisten gegen die orngesetz⸗Agitation. — Abkömmlinge der aiten Donastie in China.
Niederl. Haag. Befinden der Erbprinzessin. — Amsterdam. Börse.
Belg. Brüssel.
Schiwed. u. Norw. Beschtüsse des Reichstags.
Dan. Kiel. Bevorstehende Ankunft des Königs. — Eisenbahn.
Deutsche Sundesst. Dresden. Brief (Eisenb. nach Hof). — Leip⸗ stg. Brief (Prof. Albrecht). —- Mainz. Mannigfaltiges. — Braun⸗ chweig. Einweihung des Invalidenhauses.
Schweiz. Konfessions⸗Verhälinisse des Kantons Aargau.
Italien. Rom. Befinden des Papstes. — Neapel. Neues Li⸗ nienschiff. — Vertheidigung der Küsten Itallens.
Lpan. Madrid. Anordnungen der Junta.
Aeg. Den Konsuln und Rifaat Bey ist vom Pascha angedeutet, sich passtv zu verhalten. — Kriegsgerüchte.
Mexikv. Parteienkampf in der Hauptstadt.
China. Vertheidigungs⸗Maßregeln. — Korrespond. zwischen Lin und den Amerikanischen Kaufleuten.
Inland. Posen. Errichtung einer höheren Realschule beschlossen.
Vorlesungen bei der Thierarzneischule.
Wiss., K. n. L. Berlin. Huldigungs⸗Feier Friedrich Wilhelm 1Y. — 8 ris. Dlle. Dielitz. — Anz. von: „Ouvertüre zu dem Italiänischen chäferspiel il Re Pastore von Friedrich dem Großen. Von Dehn“.
Amtliche Nachrichten. KöFronik des Tages.
Se. Majestaͤt der Koͤnig haben dem Prosessor Rauch zu Berlin, so wie dem Koͤnigl. Dänischen Konsul, Kaufmann Kug⸗ ler zu Stettin, zu gestatten geruht, das von des Koͤnigs von Daͤnemark Majestaͤt ihnen verliehene Ritterkreuz des Dannebrog⸗ Ordens zu tragen.
83
Se. Koͤnigl. Hoheit der Prinz Karl ist von Stargard kommend hier eingetroffen und nach der Provinz Sachsen wie⸗ der abgereist.
De. Konigl. Hoheit der Prinz Wilhelm Adalbert ist von Schloß Fischbach in Schlesien hier eingetroffen.
8 DBie Kunst⸗Ausstellung in Atadmie⸗Gebaͤude unter den Lin⸗ den wird Sonntag den 20sten d. M. Vormittags 11 Uhr eroͤff⸗ net werden und taͤglich von 10 bis 5 Uhr, Sonntags von 11 Uhr an besucht werden koͤnnen. 11“
Berlin, den 17. September 1840. 8 Konigl. Akademie der Künste.
Angekommen: Se. Excellenz der Wirkliche Geheime Rath, Freiherr Alexander von Humboldt, von Koͤnigsberg in Pr. Abgereist: Se. Excellenz der Kaiserl. Oestereichische Kaͤm⸗ merer, Geheime Rath und Oberst, Burggraf in Boͤhmen, Graf Karl Chorek, nach Dresden. (Derselbe war von Hamburg
8
und nicht, wie gestern gemeldet worden, „von Prag“ einge⸗
roffen.) 1
Zeitungs⸗Nachrichten. Fntlan- 68 I““
12. Sept. Das vertraulichste Organ des Herrn Thiers, der Constitutionnel, enthaͤlt heute den nachstehende bedeutsamen Artikel: „Die dem Vice⸗Koͤnige durch die vier Ge⸗ neral⸗Konsuln uͤberreichte Note ist uns von unserem Korrespon⸗
Paris,
denten in Alexandrien uͤbersandt worden. Mehrere Journale sa⸗ en, oder geben zu verstehen, daß jene Mittheilung von dem Con⸗ eils⸗Praͤsidenten herruͤhre. Dem ist nicht so. Das Kabinet hat gezeigt, daß es die Geheimnisse der diplomarischen Archive zu be⸗ wahren weiß. Es hat selbst dann Stillschweigen beobachtet, wenn das Gegentheil in seinem Interesse lag, und es ist fuͤr den Au⸗ genblick resignirt, alle die Vorwuͤrfe zu erdulden, denen es sich durch seine Verschwiegenheit aussetzt. Wie begreifen nicht, wie die Journale, die Herrn Thiers beschuldigen, das Publikum uͤber alle Thatsachen in Unwissenheit zu lassen, jetzt vermuthen koͤnnen, daß er eine Note der Oeffentlichkeit übergeben wuͤrde, die durch ihre anmaßende Sprache alle bisher bekannten Aktenstuͤcke uͤber⸗ trifft. Wir wiederholen es, jene Note ist uns direkt von Alexan⸗ drien zugegangen. Wir haben uͤbrigens allen Grund, an ihre Authencitaͤt 2* glauben, die auch von Niemanden bestritten wird. — Jene Note ist von hoher Wichtigkeit, und sie wirft ein neues Licht auf den Traktat, wenn auch das „Journal des Débats“ dies nicht finden will. Ihre Wichtigkeit besteht nicht darin, daß die Konsuln der vier Maͤchte die Stipulation des Traktats als unabaͤnderlich und unwiderruflich darstellen. Diese Ausdruͤcke entsprechen allerdings nicht den Behauptungen gewisser Konservativen, welche 1eeh sind, daß sie mit einem Ministerium von ihrer Wahl die Modification jener Stipulation erhalten wuͤrden. Die Note enthaͤlt etwas weit Bestimm⸗ teres. Bis jetzt kannte man noch nicht die Beschaffenheit und den Umfang der Zwangsmaßregeln, welche die Maͤchte gegen den
ascha in Anwendung bringen wuͤrden. Aus der Note lernen wir dieselben kennen. Bei der Aufzählung der Unfälle, fuͤr welche der Widerstand des Pascha's verantworllich gemacht wird, befin⸗ det sich auch das Einruͤcken Europaͤtscher Truppen in Aegypten
Allgemeine
gische Staats
Berlin, Freitag den 18ien September
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oder in Asien. Dies ist deutlich. Wenn die Note in dieser Beziehung nicht eine unbestimunte Drohung enthaͤlt, so wird man also nicht bei dem Versuche, Syrien zu insurgiren, und bei der militairischen Blokade stehen bleiben. Die Europaͤlschen Maͤchte werden in Aegypten und Asien eindringen, d. h. die Englaͤnder werden eine Landung versuchen und die Russen werden es uͤber⸗ nehmen, Konstantinopel zu beschuͤtzen. Von dergleichen Zwangs⸗ Maßregeln war bisher noch nichts gesagt worden. Wenn die Handlungen den Worten entsprechen, so bedeutet dies, daß die Maͤchte selbst vor den Maßregeln nicht zuruͤckbeben, die geeigner sind, einen Europaͤischen Krieg hervorzurufen. Wir haben auch die hochmuͤthigen Worte bemerkt: „„Wer wird es wa gen, den Maͤchten zu trotzen? er wird es wagen, sich der Ausfuͤhrung ihrer Beschluͤsse zu widersetzen?““ Wenn die durch die vier General⸗Konsuln repraͤsentirten Regierungen vergessen haben, 1. es ein Frankreich in der Welt giebt, so hof⸗ fen wir, daß sich emand finden wird, der sie daran erinnert. Schon haben die von dem Admiral Napier mit Verletzung des Voͤlkerrechtes begangenen Gewaltthäͤtigkeiten energische Vorstellun⸗ gen von Seiten der Regierung hervorgerufen. Wenn aber die Mäͤchte weiter gehen sollten; wenn sie, durch Petretung des Tuͤr⸗ kischen Gebietes, von einer anscheinenden Beschuͤtzung zu einem wirklichen Akt der Theilung uͤbergehen, dann wuͤrde zrankreich nicht mehr durch diplomatische Noten, sondern durch Unterhand⸗ lungen zu protestiren haben. Waͤhrend die vier Konsuln in ihrer Note andeuteten, bis wohin ihre Kuͤhnheit gehen werde, hat Herr von Pontois seinerseits in einer Note an den Divan angedeutet, bis wohin die Geduld der Franzoͤsischen Regierung gehen werde. Sie wird an dem Tage ihr Ende erreicht haben, wo eine ernste Gefahr fuͤr die Aufrechthaltung des Europaͤischen Gleichgewichts, d. h. fuͤr die Ehre und die theuersten Interessen Frankreichs beginnt. Man verlangt von Herrn Thiers, daß er oͤffentlich auf alle die in den diplomatischen Aktenstuͤcken enthaltenen — antworten sollte. Auch wir wuͤrden versucht seyn, ihm Vorwuͤrse wegen sei nes Stillschweigens zu machen, wenn wir nicht einsaͤhen, daß er auf das Alles durch ernstliche Vorbereitungen und durch Ruͤstun⸗ gen antwortet, die, wenn man den verbreiteten Geruͤchten glau⸗ ben darf, baldigst durch eine Maßregel der National⸗Vertheidi⸗ gung werden vervollstaͤndigt werden.“
Die Minister des Kriegs und der Marine beschleunigen durch alle nur moͤglichen Mittel die Kriegs⸗Ruͤstungen. Alle Komman⸗ danten der sesten Plaͤtze haben dringende Befehle erhalten, diese in Vertheidigungszustand zu setzen. Das Projekt, Paris zu be⸗ festigen, soll unverzuͤglich in Ausfuͤhrung gebracht werden. Der vom Minister⸗Rathe bereits angenommene, und nunmehr dem Mu⸗ nizipal⸗Rath von Paris zur Genehmigung vorgelegte Plan be⸗ steht in Folgendem: Paris soll von einem zusammenhaͤngenden
ortificationswerk umschlossen werden; es wuͤrde auf dem rechten eineUfer die Gemeinden von Batignolles, Montmartre und Belleville mit umfassen; außerhalb dieses Fortificationswerks soll eine gewisse Anzahl detaschirter Forts errichtet werden; doch wuͤr⸗ den dieselben so weit von Paris entfernt bleiben, daß sie der Be⸗ voͤlkerung keine Besorgniß einzufloͤßen brauchten. Man meint, mit 50,000 Arbeitern alle diese Werke noch vor dem naͤchsten Fruͤh⸗ jahr vollenden zu koͤnnen; außerdem wuͤrden noch alle fremden Fluͤchtlinge, welche von der Regierung Unterstuͤtzung erhalten, bei diesen Bauten beschaͤftigt werden. Es ist ein Comité niedergesetzt worden, welches den Plan zur Befestigung von Paris ausarbeiten soll. Dasselbe ist taͤglich ersammelt. Es besteht aus den General⸗Lieutenants Dode und von Ponthon, aus den Generalen Prevost, Daulle, Ber⸗ thois, Marion von Beaulieu, Perulin und von Cos⸗ signy. Die Functtonen eines Secretairs versieht der Ingenieur⸗ berst Dartois.
Aus Nevers wird geschrieben, die Regierung habe den Guß
von 600 Kanonen fuͤr den Marinedienst in der dortigen Koͤnig⸗ en Gießerei befohlen. Die Arbeiten sollen sogleich beginnen d Tag und Nacht fortgesetzt werden.
Der Ankunft des Marschall Soult in Paris wird auf das Bestimmteste widersprochen.
Der Vicomte von Archiac und der Vicomte Gérard, Mit⸗ glieder der nach Persien gesandten Ambassade, hatten ihre Ruͤck⸗ reise zu Lande angetreten, und sind uͤber St. Petersburg in Ha⸗ vre eingetroffen. Herr von Sercey hat mit dem uͤbrigen Bot⸗ schafts⸗Personale den Weg uͤber Syrien eingeschlagen.
Die Gazette des Tribunauy enthäͤlt folgendes: „Der Doktor Orfila, Herr Bussy, Professor an der Medigin⸗Schule, und der Doktor Devergie sind durch den Telegraphen nach Tulle berufen worden, und bereits gestern Nachmittag um 3 Uhr dort⸗ hin abgegangen.
Pr 1e⸗ der Madame Lafarge. Nachdem der Bericht der Sachverständigen die bestimmte Erklärung abgegeben hat, daß sich in dem Körper des Herrn Lafarge keine Spur von Arsenik porfindet, scheint die Anklage in sich selbst zusammen zu fallen, und es kann dem in der Sitzung vom ten fortgesetzten Zeugenverhör kein besonderes Interesse mehr abgewonnen werden. Uebrigens gestalten sich die Aussagen der Feugen immer günstiger für die Angeklagte, und namentlich giebt
ademoiselle Emma Poutter, eine Verwandte des Herrn Lafarge, ihr das bisher versagte Zeugniß, daß sie während der Krankheit ihres Gat⸗ ten die lebhafteste Angst und Theilnahme mit seinem Zustande gezeiat habe. Es wird immer deutlicher, daß böswillig verbreitete Gerüchte, im Zusammenhange mit einigen außerordentlichen Umständen, die Basis der Anklage waren. Wir balten es, statt fernerer Mirtheilung den Zeugen⸗Perhöre nicht für unpassend, die folgenden Aeuße⸗ rungen eines Pariser Journals, des Temps, bier einzuschal⸗ ten: „Je mehr sich der Prozeß der Madame Lafarge entwickelt, um so mehr wünschen wir uns Glück dazu, die Anklage⸗Akte nicht so voreilig wie viele andere Organe der Presse veröffentlicht zu haben. Wir ha⸗ ben uns weuigstens nicht den Porwurf zu machen, zu den falschen Mei⸗ nungen und Porurtheilen Anlaß gegeben zu haben, die jenes Aktenstück g Welches auch der . 1 des Prozesses seyn möge, und ür uns ist er nicht zweifelhaft, so ist doch die sehr ernste Tdatsache notorisch, daß die Instruction, welche den Debatten vorangegangen ist. mit ungemeiner Sorglosigkeit geleitet wurde, so daß der General⸗Advo⸗ tat in feiner Anklage⸗Aite außerordentlich schwache Beweise zusammen arnppirt hat. Nach der Art und Weise, wie die belastenden Jeugen
gung veon
auf die ihnen gestellten Fragen antworten, sollte man in der That glau⸗ ben, daß sie niemals vör dem Instruclionsrichter gestanden hätten, so unvorhergesehen sind ihre Antworten. Die Anklage⸗Akte, welche sich so wohlgefällig über Gerüchte ausläßt, deren Quelle in öffentlicher Sitzung Niemand angeben kann, übergeht dagegen die wichtigsten That⸗ sachen mit Stillschweigen. Die General⸗Advokaten und die Königalichen Prokuratoren scheinen sich ein wenig zu sehr des Nameuns der öffent⸗ lichen Ankläger zu erinnern, den sie früher trugen. Aber sie sollten denselben nicht so wörtlich nehmen, daß sie nicht zu gleicher Zeit be⸗ dächten, daß bloße Vermuthungen nicht zu einer Anklage hiureichen, und daß es zu gleicher Zeit ihre Pflicht ist, den entlastenden Thatsachen eine eben so große Aufmerksamkeit zuzuwenden.“ — Nachdem der Be⸗ richt der Chemiker verlesen worden war, ließ der Präsident den Doktor Lespinas vortreten, und fragte ihn, ob er etwas über die Verschie⸗ denheit zn sagen habe, die zwischen seinem ersten Bericht und dem jetzigen bestehe? — Herr Lespinas: „Ich habe zu sagen, daß das Verfahren, welches jetzt angewendet worden, neu ist, und daß ich das⸗ selbe nicht kannte. (Allgemeine Bewegung.) Ich habe heute zum erstenmale die Anwendung des Marsschen Apparates gesehen.“ — Fr. „Bleiben Sie Ihrer ersten Meinung treuk Glauben Sie, daß in den Stoffen, mit denen sie in Brives experimentirten, sich Arsenik befand7 Glauben Sie, trotz der letzten chemischen Analvse, an Vergiftung!“ — Antw. „Als Arzt habe lch eine verschiedene Meinung von dem, was ich als Chemiker gesehen habe. Als Chemiker habe ich heute nichts. durchaus nichts gefunden. Als Arzt erinnere ich mich der allgemeinen, positiven und anhaltenden Symptome der Krankheit, die ich noch bei keiner anderen Krankheit, als bei Vergiftungen, beobachtet habe. — Der „Präsident fragt hierauf Herrn Massenat, ob er seinerseits eine Erklärung zu geben habe? — Herr Massenat: „Bei unserer ersten Analpse erhielten wir einen gelben Niederschlag, den wir für Gift hiel⸗ teu. Die heutigen Experimente haben uns den Beweis gegeben, daß wir uns im Irrthum befanden. (Bewegung des Beifalls.) Ich bin zu der vollständigen Ueberzeugung gelangt, daß kein Gift vorhanden ist, und alle meine Kollegen stimmen darin überein.“ — Der General⸗Advokat: „Glauben Sie, daß man durch eine neue Untersuchung noch größere Sicherheit erlangen könne! — Antw. „Ich glaube es nicht; es steht unzweifelhaft fest, daß kein Arsenik im Koörper war.“ — Der General⸗Advokat: „Jetzt sagen Sie uns als 7 der Herrn Lafarge behandeit hat, ob Sie glauben, daß er durch ift gestorben sey.“ — Herr Massenat: „Ich habe Spmptome bei ihm bemerkt, über die ich erstaunte, und die ich mir, besonders nach der Leichen⸗Oeffnung, nicht erklären konnte. Ich mußte demzufolge suchen, für seinen Tod eine Ursache aufzufinden, die mit den bemerkten Symptomen, welche mir die Meinung einflößten, daß er durch Gist gestorben sey, in Verbindung stand. Es giebt aber Krankheiten, die dieselben Symptome darbieten, und namentlich die Brechruhr.“ — Der
morgen, um ihm Zeit zu lassen, darüber nachzudenken, ob eine neue chemische Analyse nothwendig seyv. — Wir haben bereits gemeldet und es bestätigt sich, daß man die berühmtesten Pariser Chemiker herbei⸗ gerufen hat. Sie sind bereits am IIten von Paris abgereist und wer⸗ den muthmaßlich am 12ten in Tulle eintreffen.
Am 9ten d. begann vor den Assisen in Bordeauxr der Pro⸗ zeß Eliçabide. Man erinnert sich des dreifachen Mordes, den derselbe in Vilette an einem Kinde und in der Naͤhe von Bor⸗ deaux an der Marie Anizat, seiner Geliebten, und ihrem ande⸗ ren Kinde beging. Dieses dreifache Verbrechen wird von dem Angeklagten in allen seinen schauderhaften Derails eingestanden, und es geht deutlich aus dem mit ihm angestellten Verhöͤre her⸗ vor, daß er, der offenbar aus Eigennutz Moͤrder war, fuͤr einen Monomanen gehalten werden will. Dieser Prozeß ist bloß schau⸗ derhaft; er bietet weder ein juristisches, noch ein psychologisches Interesse dar, und wir werden uns deshalb nur darauf beschraͤn⸗ ken, das bald zu erwartende Urtheil mitzutheilen.
Boͤrse vom 12. September. Das Sinken der Course dauert noch immer fort und man fuͤrchtet unabsehbares Ungluͤck fuͤr die naͤchste Liquidation. Es waren heute keine neue Gerüuͤchte verbreitet, aber der Glaube an Krieg bemächtigt sich immer mehr der Gemuͤther, hemmt jede Speculation und macht dadurch die Course fuͤr die geringsten Verkaͤufe empfindlich. Die ö5proc. Rente, die gestern zu 103. 50 geschlossen hatte, eroͤffnete heute zu 102.50 und schloß zu 101.90. Die 3proc. Rente eroͤffnete zu 70.25, ging bis auf 69.50 zuruͤck und schloß zu 70. Die Actien der Fran⸗ zoͤsischen Bank fielen von 2875 bis auf 2575. Die 3proc. Bel⸗ gische Rente ward zu 60.50 und die Spanische akripe Schuld sn 21 ½ notirt. ie Actien der Versailler Eisenbahn Qinkes
fer) stehen 260 Fr. also 48 pCt. unter ihrem Pari.
— Die Augsburger Allgemeine Zeitung enthält nach⸗ stehende Aktenstuͤcke mit einem Schreiben aus Paris, wodurch das Verfahren Frankreichs gerechtfertigt werden soll:
I. Schreiben des Marschalls Soult an den Baron von Bourqueney. Paris, den 17. Juli 1839. In der so dedentenden Krise, in welche der Tod des Sultans Mahmnd inmitten der Begcden⸗ heiten, welche die letzten Monate seiner Regierung dezeichneten das Osmanische Reich gestürzt hat, konnte nur allein die Einigkeit der gre⸗ ßen Mächte Europa's eine hinreichende Gewädrschaft zur Berudigang der Freunde des Friedens bieten. Die seit einigen Wochen ausgrtansch. ten Mittheilungen haben gluͤcklicher Weise dewiesen, daß diese Sinzgke: so vollständig ist, als man wünschen konnte. Säͤmmtlche Kadaecre wollen die Integrität und Unabdängigkeit der Osmanmschen Menar⸗ chie unter der jetzt regierenden Dynastie; sie sind alle gencigt idre Mittel der That und des Einslusses (leuers movens Aoertoemn er Fiafinence) anzuwenden, um die Erdaltung dieses für das politische Gleichgewicht wesentlich notdwendigen Eiementes sichern; sie würden ohne Zandern sich gegen jede Cemdimatten reu, welche dieses Gleichgewicht verk Da dine liche Uedermnstem mung der Gesinnungen und Eutschlüse genügen maß Ddeunn Miemand wird an derseihen zweifeln können) nicht nur zur Verdenderunz feden Versuches dieses große Interesse sondern auch deenace deren dleße 8 erzeugt wegen Anfregung, die sie in dee Gemürder glaubt die Regierung des Köngs die Kadanerte wäürden ermas tendes füͤr die Befe⸗ des Frredens than wenn se in ges nen Deokumenten Segenfenze murderlen
wendigerweise dald ½ 8.1 minder die Darlegung der n Adüchten kontatmten
aubetrifft, se erkläre ich förmech, dasß Abüchten die unsrigen sfind und SöE sten eine der Devescde lassen nachdem
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wort. die sse 1 diese Depesche
General⸗Advokat verlangte hierauf die Verschiebung der Sitzung bis