1840 / 263 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

diese Aktenstücke nach jenem Blatte ab und spricht keine Zweifel üͤber ihre Echtheit aus. Der Traktat beginnt mit der Einleitung, daß der Sultan sich an die Souveraine von England, Oester⸗ reich, Preußen und Rußland gewandt habe, um ihre Huͤlfe in Anspruch zu nehmen inmitten der Schwierigkeiten, in die er sich durch das feindliche Benehmen des Paschas von Aegypten ver⸗ setzt sehe, Schwierigkeiten, welche die Integritaͤt des Otroma⸗ nischen Reichs und die Unabhaͤngigkeit seines Thrones bedrohten, und daß daher jene Souveraine, vereinigt durch die unter ihnen herrschenden Gesinnungen aufrichtiger Freundschaft, belebt von dem Wunsche, im Interesse der Befestigung des Europaͤischen Friedens uͤber Aufrechterhaltung der Integrität und Unabhaͤngigkeit des Ottomanischen Reiches zu wachen, getreu den Verpflichtun⸗ gen, welche sie durch die der Pforte am 27. Juli 1839 üͤber⸗ reichte Note eingegangen, und uͤberdies das Blutvergießen zu verhindern wuͤnschend, welches die Fortdauer der öug den Behoͤrden des Pascha's und den Unterthanen des Sultans ausgebrochenen Feindseligkeiten verursache, zu diesem Endzweck, naͤmlich zur Pactfizirung der Levante, eine Convention abzuschlie⸗ ßen und hierzu Bevollmaͤchtigte zu ernennen beschlossen haͤtten. Es werden nun als diese Bevollmaͤchtigte von Seiten Englands Lord Palmerston, von Seiten Oesterreichs der Baron von Neumann, von Seiten Preußens der Freiherr von Buͤlow, von

Seiten Rußlands der Baron von Brunnow und von Seiten der

Pfeorte Schekib Efendi bezeichnet und dann Folgendes als die

Artikel angegeben, über welche dieselben einig geworden:

„Art. 1. Nachdem Se. Hoheit der Sultan sich mit Ihren Ma⸗ jestäten der Königin des vereinigten Königreichs Großbritanien und Irland, dem Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn und Böhmen, dem König von Preußen und dem Kaiser aller Reußen über die Be⸗ dingungen der Anordnung geeinigt, die Se. Hoheit dem Mehmed Ali zugestehen will, Bedingungen, welche sich in der beigefüigten Sepa⸗

rat⸗-⸗Akte angeführt finden, verpflichten sich Ihre Majestäten, in voll

fommenem Einklange zu handein und sich vereint zu bemühen, Meh⸗

med Ali dahin zu bringen, daß er sich dieser Anordnung füge, wobei

jede der hoben kontrahirenden Parteien sich vorbehält, zu diesem Zweck

durch diejenigen aktiven Mittel mitzuwirken, über welche eine jede von ihnen gebieten kann.

1 „Art. 2. Sollte der Pascha von Aegypten sich weigern, der oben⸗ besagten Anordnung beizutreten, die ihm von dem Sultan unter Mit⸗ wirkung Ihre besagten Majestäten mitgetyeilt werden wird, so verpflichten sich

diese, auf Ersuchen des Sultans, die zur Ausführung dieser Anordnung zwischen ihnen verabredeten und beschlossenen Maßregeln zu ergreifen.

Einstweilen verpflichten sich Ihre Majestäten die Königin des Verei⸗ nigten Königreichs Großbritanten und Irland und der Kaiser ven Oesterreich, König von Ungarn und Böhmen, da der Sultan seine Verbündeten ersucht hat, sich ihm anzuschließen, um ihm dabei be⸗ bülflich zu seon, die Verbindung zur See zwischen Aegyp⸗ ren und Svrien zu unterbrechen und die Absendung von

Truppen, Pferden, Waffen, Munitionen und Kriegs⸗

Vorräthen aller Art aus einer dieser Provinzen in die andere zu hindern, daß sie zu diesem Zweck unverzüglich den Commandeuren ihrer See⸗Streitkräfte im Mittelländischen Meere die nöthigen Befehle ertheilen wollen, indem Ihre besagten Majestäten außerdem versprechen, daß die Befehlshaber Ihrer Geschwader, je nach den Mitteln, über welche sie verfügen können, denjenigen Unter⸗ rhanen des Sultans, welche ihre Treue und ihren Gehor⸗ sam gegen ihren Souverain kundgeben, im Namen der Allianz jede Hülfe und Unterstützung gewähren sollen. „Art. 3. Sollte Mehmed Ali, nachdem er sich geweigert, sich den Bedingungen der obenerwähnten Anordnung zu unterwerfen, seine

Streitkräfte zu Land oder zur See gegen Konstantinopel richten, so

sind die hohen kontrahirenden Parteien, falls der Sultan an ihre Re⸗ präsentanten zu Konstantinopel darum nachsucht, alle darüber einig, in solchem Fall dem Ersuchen dieses Souverains zu entsprechen und vermittelst einer gemeinsam verabredeten Mitwirkung zur Sicherung der beiden Meerengen des Bosporus und der Dardanellen, so wie der

Hauplstadt des Ottomanischen Reichs, gegen jedweden Angriff für die

Vertheidigung seines Thrones zu sorgen. Eben so ist man übereinge⸗ kommen, daß die Streitkräfte, welche in Folge eines solchen Versuchs die oben bezeichnete Bestimmung erhalten, so lange dazu verwendet

bleiben sollen, als ihre Gegenwart von dem Sultan verlangt wird, und daß die besagten Streitkräfte sich gleichzeitig zurückziehen und re⸗ bektive in das Schwarze und in das Mitteltändishe Meer zurückkeh⸗ ren sollen, sobald Se. Hoheit glaubt, daß ihre Gegenwart nothwendig zu seyn anfgehört habe.“

„Art. A. Es ist stets ausdrücklich so verstanden worden, daß die im vorstehenden Artikel erwähnte Mitwirkung, welche die Meerengen der Dardanellen und des Bosporus und die Ottomanische Hauptstadt gegen jedweden Angriff von Seiten Mehmed Ali's vorübergehend un⸗ ter den Schutz der hohen kontrahirenden Parteien stellen soll, nur als eine auf den besonderen Wunsch des Suültaus und allein zu seiner Vertheidigung ergriffene Ausnahme⸗Maßregel zu betrachten sev. Man ist aber übereingekommen, daß diese Maßregel dem alten Gesetz des Otto⸗ manischen Reichs, kraft dessen es Kriegsschiffen fremder Mächte zu allen Zeiten verboten war, in die Meerengen der Dardanellen und des

Bosporus einzulaufen, nicht den mindesten Abbruch thun soll; und

er Sultan erklärt seinerseits durch gegenwärtigen Akt, daß er, mit

Ausnahme des obenerwähnten Falles, fest entschlossen ist, für die Zu⸗

kunft, und so lange die Pforte im Frieden besindlich ist, den unverän⸗ derlich als alte Vorschrift seines Reichs aufrecht erhaltenen Grundsatz

zu behaupten, daß keinem fremden Kriegsschiff in die Meerengen des Bosporus und der Dardanellen der Eingang gestattet ist. Andererseits verpflichten sich Ihre Maäjestäten die Königin des Vereinigten König⸗ reichs Großbritanien und Irland, der Kaiser von Oesterreich, König von Ungarn und Böhmen, der König von Preußen und der Kaiser aller Reußen, diesen Entschluß des Sultans zu respektiren und sich nach dem oben erklärten Grundsatz zu richten.“ „Art. 5. Gegenwärtige Convention soll binnen zwei Monaten oder wo möglich noch eher ratiftzirt und die Ratifizirung zu London ausgewechseit werden.“

Die Anhangs⸗Akte zu dem Traktat umfaßt die Bedingungen, welche Mehmed Ali von Seiten des Sultans, unter Zustim⸗ mung der vier Europaͤischen Maͤchte, gestellt worden sind. Die vier ersten Artikel dieser Separat⸗Akte enthalten nichts, was nicht schon bekannt waͤre. Der fuͤnfte, sechste und siebente lauten fol⸗ gendermaßen: . „5) Alle Traktate und alle Gesetze des Ottomanischen Reichs sol⸗ len eben so für Aegvpten und das Paschalik Acre gelten, nach der ohigen Abgränzung desselben, wie für jeden anderen Theil des Otto⸗ manischen Reichs; der Sultan willigt aber ein, daß Mehmed Ali und seine Nachtommen, unter der Bedingung, daß sie den obenerwähnten Tribut regelmäßig entrichten, im Namen des Sultans und als Dele⸗ girte Sr. Hoheit in den Provinzen, deren Verwaltung ihnen anver⸗ traut sind, die Abgaben erheben dürfen. Ferner ist bestimmt, daß Mehmed Ali und seine Nachkommen unter der Bedingung, daß sie die obigen Abgaben und Steuern beziehen, alle Ausgaben der Civil⸗ und Militair⸗Verwaltung der besagten Provinzen bestreiten sollen. 6) Die Land⸗ und Seemacht, welche der Pascha von Aegypten und Acre hält, soll einen Theil der Streitmacht des Ottomanischen Reichs bilden und stets als für den Dienst des Staates gchalzen betrachtet werden. 7) Gegenwärtige Separat⸗Akte soll dieselbe Kraft und Güitigkeit ha⸗ ben, als ob sie Wort für Wort in die heutige Convention aufgenom⸗ men wäre. Ste soll ratifizirt und die Ratification gleichzeitig mit denen der besagten Convention ausgewechselt werden.“

Hierauf folgt ein Protokoll, wodurch die Pforte sich das im Traktat erwähnte Recht der Dardanellen⸗Schließung gegen fremde Kriegsschiffe reservirt, mit dem Hinzufuͤgen, daß, wie bisher, lleich⸗

ren Kriegsfahrzeugen, die im Korrespondenz⸗Dienst der Gesandt⸗ schaften eter Maͤchte gebraucht werde

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die Dardanellen ertheilt werden

1 laubni Ei die Erlaubniß zur Einfahrt in geheimes Protokoll datirt,

soll. Ebenfalls vom 15. Juli ist ein 1 1 wodurch die Bevollmaͤchtigten Englands, Oesterreichs, Preußens und Rußlands uͤbereinkommen, daß, da in Betracht der Entfer⸗ nung zwischen den Hauptstaͤdten der respektiven Hoͤfe die Aus⸗ wechselung der Ratificationen nicht so schnell moͤchte erfolgen koͤn⸗ nen, als der jetzige Zustand der Dinge in Syrien, die Interessen der Humanitäͤt und die wichtigen Ruͤcksichten der Europaͤischen Po⸗ litik den Vollzug der im zweiten Artikel des Traktats erwaͤhnten Praͤliminar⸗Maßregeln erheischten, diese Maßregeln e;. lich in Ausfuͤhrung gebracht werden sollten, ohne erst die Aus⸗ wechselung der Ratificationen abzuwarten; ferner, daß der Sultan sogleich Mehmed Ali die in der Separat⸗Akte enthaltene Mit⸗ theilung machen und daß die Konsular⸗Agenten der vier Maͤchte in Alexandrien diese Mittheilung unterstuͤtzen und all ihren Ein⸗ fluß bei Mehmed Ali anwenden sollten, um ihn zur Annahme der Vorschläge des Sultans zu bewegen. Endlich fuͤgt der Morning Herald in einer Anmerkung, die der Globe mit abdruckt, noch hinzu: „Man glaubt, daß auch ein geheimer Ar⸗ tikel vorhanden ist, nach welchem noch andere Zwangs⸗Maßregeln ergriffen werden koͤnnten und die Meerenge des Bosporus und der Dardanellen allen Kriegsschiffen verschlossen seyn sollten.“ Unter den Entgegnungen, mit denen die Morning Chro⸗ nicle fast taͤglich auf die Bemerkungen der Franzoͤsischen Blaͤt⸗ ter uͤber die orientalische Frage antwortet, liest man in einem ihrer letzten leitenden Artikel auch Folgendes: „Obgleich man sich in Paris einbildet, daß Ibrahim auf Konstantinopel marschiren werde, so sind wir keinesweges dies zu glauben geneigt; es ist jedoch nicht zweifelhaft, daß die großen Maͤchte diesen Fall vor⸗ gesehen haben, und so lange sie den Vertrag loyal vollziehen werden, glauben wir nicht, daß die Franzoͤsische Regierung sich so weit vergessen kann, die Gefahren eines Krieges zu wagen, um die Macht eines Ungeheuers, wie Mehmed Ali, aufrecht zu halten. Welcher Art auch die Absichten Frankreichs auf Aegypten und Syrien seyn moͤgen, der Pascha ist darum nicht minder ein Unterthan des Sultans, und Frankreich kann nicht im Zwecke eigener Vergroͤßerung die Partei eines Rebellen ergreifen, ohne in ganz Europa ein Gefuͤhl der Entruͤstung gegen sich aufzuregen. Es ist ein großer Unterschied zwischen den Declamationen der Journale und dem Beschlusse einer Regierung; und wir wer⸗ den nie glauben, daß Frankreich die große Thorheit um nicht zu sagen Bosheit begehen wird, Europa, um Mehmed Ali's willen, in einen Krieg zu stuͤrzen. Man sagt zu Paris, daß Oestreich nie beabsichtigt habe, Truppen in Syrien landen zu lassen; wir glauben dies nicht. Die Oesterreichische Re⸗ gierung erwaͤgt alle ihre Maßregeln sehr wohl, und sie wußte bei Unterzeichnung des Quadrupelvertrags recht gut, daß der Sultan das Recht habe, seinen rebellischen Vasallen zu bekriegen. Indem

wir abwarten, duͤrfen wir die Augen nicht fuͤr das verschließen,

was wirklich vorgeht.

Die Franzoͤsische Regierung hat 20,000

Pferde, das Stuͤck zu 850 Fr. angekauft; dies ist eine Ausgabe,

welche im Fall des Friedens nutzlos waͤre. Die Besorgniß vor

einem Kriege und der Wunsch der Erhaltung des Friedens sind groͤßer, als jemals. Das Franzoͤsische Ministerium wuͤrde es als

vollendete Thatsache hinnehmen, wenn die Drusen Ibrahim Pascha

verjagten; wenn aber der Aufstand nicht gelingt, und wenn man energischere Maßregeln anwenden muß, wie z. B. die Truppen⸗

bewegung irgend einer der Maͤchte, dann will man die Kammern zusammenberufen, und die Frage uͤber Frieden oder Krieg wird

durch ihr Votum entschieden werden. Somit ist das Gelingen des Aufstandes in Syrien ein wichtiger Punkt.“

Die Morning⸗Post meint, das Interesse des allgemeinen ee⸗ fordere, daß Lord Palmerston, wenn er den Commodore

apier zu seinen Gewaltschritten ermaͤchtigt habe, nicht laͤnger Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten bleibe; habe aber der Commodore seine Instructionen uͤberschritten, so muͤsse man ihn schleunig zuruͤckrufen. 3

Admiral Sir Robert Sropford, der jetzt die Englische Flotte im Mittellaͤndischen Meere befehligt, hat sich in mehreren Ge⸗ fechten als Capitain ausgezeichnet, unter Anderem als Befehlsha⸗ ber der Fregatte „Aquilon“ in der Schlacht zwischen Howe und Villaret⸗Joyeuse am 1. Juni 1794, in der Schlacht bei St. Do⸗ mingo im Zebruar 1806, wo er verwundet wurde, und bei der Expedition nach Kopenhagen im Jahre 1807. Als Contre⸗Admi⸗ ral befehligte er die Englische Seemacht bei der Eroberung der Insel Java im Jahre 1812. In demselben Jahre zum Vice⸗ Admiral und 1825 zum Admiral erhoben, fuͤhrt er seit 1837 den Ober⸗Befehl der Flotte im Mittelmeer.

An der hiesigen Boͤrse zeigt sich fortwaͤhrend in den Fonds⸗ Preisen eine Neigung zum Sinken. Einige schreiben dies ver⸗ wickelten Speculationen, Andere wirklicher Furcht vor ernsthaften Reibungen mit Frankreich und Aegypten zu. Man wird in die⸗ ser Furcht einigermaßen durch den ziemlich kriegerischen Ton be⸗ staͤrkt, den man in einigen Pariser Korrespondenzen hiesiger Blät⸗ ter findet. Unter Anderem liest man in einer sonst gewoͤhnlich friedlichen und gemaͤßigten Korrespondenz: „Man hat hier in Paris zwischen einheimischen Unruhen und auswaͤrtigem Krieg zu waͤhlen; man hat schon genug Blut in unseren Straßen flie⸗ ßen sehen, und wenn auch nur der Veraͤnderung wegen, faͤngt man jetzt an, fuͤr den Krieg nach Außen zu stimmen.“ Der Courier sagt jedoch, daß, nach sehr glaubwuͤrdigen Berichten aus Paris, Herr Thiers alle seine Kraͤfte anstrenge, um einem Friedensbruche zuvorzukommen (vergl. den Art. London im gestr. Blatte der St. Ztg.), so sehr er auch fruͤher, um eine kurze Po⸗ pularitaͤt zu genießen, denselben zu wuͤnschen geschienen habe. Er werde dabei von Ludwig Philipp kraͤftig unterstuͤtzt, und man besitze daher allerdings nicht geringe Garantion fuͤr Aufrechthal⸗ tung des Friedens. Aus den Franzoͤsischen Blaͤttern ersehe man, daß Frankreich nur in einem gewissen Falle den Krieg beginnen wolle; dies sey aber ein Fall, der, wie es sehr wohl wisse, nicht eintreten werde, naͤmlich wenn Britische Truppen in Aegypten oder Syrien gelandet werden sollten. „Wir wiederholen es“ fuͤgt das genannte Tory⸗Blatt hinzu, „der Friede wird trotz Lord Palmerston's verkehrter Politik erhalten werden. Wenn es Eng⸗ land und Frankreich gelingt, die Kabinerte loszuwerden, die ihnen ungluͤcklicher Weise auf dem Nacken liegen, was uͤbrigens sehr leicht geschehen kann, so waͤren die ernsten Uebel noch hinzuneh⸗ men, die wir seit dem Beginn dieser beispiellosen Krise zu erdul⸗ den gehabt.“ Auch ein Pariser Korrespondent des „Courier’ schreibt: „Sie koͤnnen darauf rechnen, Krieg bekommen wir nicht, so gering auch die Garantie dafuͤr zu seyn scheint, wenn man die Entscheidung uͤber die Kriegs⸗ oder Friedensfrage in den Haͤnden eines Mannes, wie Thiers, weiß.“ .

Nach der Morning Chronicle sind seit einigen Tagen so bedeutende Auftraͤge zum Ankauf von Blei aus Frankreich einge⸗ troffen, daß der Artikel um 2 Pfd. Sterl. die Tonne gestiegen ist.

Die Tim es benutzt die Anzeige, daß außer den Linienschiffen, die nach dem Mittelmeer bestimmt sind, auch noch vier Kriegs⸗ Dampfschiffe dorthin abgehen sollen, zu der Aufforderung, eine

urch Fermane

doch größere Vermehrung der atceli treten zu lassen un

fuͤr Vorkehrungen im Kanale zu sorgen. Uebrigens zeigt sich die⸗

ses Blatt in seiner Opposition jetzt wieder etwas gemäßigter, in⸗ dem es der Regierung, wo es die hoͤchsten National⸗Interessen gilt, ihre Stellung nicht erschweren will. Ja, es dringt darauf, daß man sie der mühsamen Aufgabe, das Uebergewicht Englands zur See zu behaupten, durch alle moͤglichen Mittel unterstuͤtze.

Kanadische Blätter vom Ende Augusts enthalten ein aus Fort Snelling vom 20. Juli datirtes Schreiben, welches die Nachricht von dem beklagenswerthen Ende des Reisenden Simpson bestaͤtigt, der bekanntlich vor zwei Jahren nebst Herrn Dease von der Hudsonsbai⸗Compagnie abgesandt wurde, um den noch unbekannten Theil der Nordkuͤste Amerika'’s zu erforschen, ein Zweck, der bis auf eine kleine Strecke vollstaͤndig erreicht worden ist. Im Begriff, nach England zuruͤckzukehren, verfiel er in Geisteszerruͤttung und bildete sich ein, man wolle ihn tödten und sich seiner Papiere bemächtigen. Er erschoß daher, wie be⸗ kannt, zwei seiner Begleiter und zuletzt sich selbst. b

Aus Neu⸗York sind Nachrichten bis zum 2. September eingegangen, denen zufolge die diesjährige Baumwollen⸗Aerndte in den Vereinigten Staaten auf 2 300,000 Ballen weniger geschaͤtzt wird, als im porigen Jahre, wo sie sich auf 2,120,000 Ballen belief.

Das New⸗Orleans Bulletin vom 20. August meldet nach einem in Tampico aus der Hauptstadt Mexiko eingegan⸗ genen Briefe, daß das Volk sich dort in Masse erhoben und der Föͤderalisten⸗Insurrection angeschlossen habe, mit der auch der groͤßte Theil der daselbst ansaͤssigen Auslaͤnder gemeinschaftliche Sache gemacht hätte. Bei der Einnahme der Citadelle durch die Foͤderalisten sollen mehrere Mexikanische Generale in Gefangen⸗ schaft gerathen und erschossen worden seyn, unter Anderen der General Fornal. Im Lager der Centralisten soll Argwohn und Eifersucht herrschen. 8

Niederlande.

Amsterdam, 16. Sept. Hier war an der heutigen Börse

das Geruͤcht verbreitet, die Französische Regierung habe erklärt, sie werde unter gewissen Voraussetzungen der Ausfuͤhrung des Traktats vom 15. Juli sich nicht widersetzen. Da hierzu die Nachricht vom Steigen der Rentencourse an der gestrigen Pari⸗ ser Boͤrse kam, was man als eine Bestaͤtigung jenes Geruͤchtes ansieht, so sind auch uünsere Fondscourse ansehnlich gestiegen. Mit derselben Eile, mit der man vor einigen Tagen sich draͤngte, seine Staatspapiere zu verkaufen, draͤngt man sich jetzt wieder, dergleichen anzukaufen, und sind 2 proc. Integrale rasch auf 502/16, und 5proc. wirkl. Schuld auf 97 ¾ gestiegen. 3

Bel˖gien. Bruͤssel, 15. Sept. Hiesigen Blaͤttern zufolge, haben meh“ ere Offiziere vom großen Generalstabe Befehl erhalten, topogra⸗

phische Aufnahmen von verschiedenen Punkten zu veranstalten,

was man mit der gewaffneten Neutralitaͤt des Landes in Ver⸗

bindung bringen will. Der Tarif der Eisenbahnen, vor einiger Zeit erhoͤht, wird

jetzt, wie es heißt, wieder herabgesetzt werden.

1 1 Danemark.

. Kopenhagen, 15. Sept. Thorwaldsen gedenkt am Schlusse dieses Monats seine Reise nach Italien in Begleitung seines Zoͤg⸗ lings, des Bildhauers Matthaͤi, anzutreten, der seit seiner An⸗ kunft hier in der Stadt unausgesetzt in seiner Naͤhe war. Man meint inzw schen doch, daß der Kuͤnstler nachsten Sommer zu uns zuruͤckkehren wird, um hier fuͤr immer zu bleiben.

Am 10ten und 11ten d. nahm der Koͤnig die oͤffentlichen Anstalten der Stadt Ploen in Augenschein. Am Sonnabend, den 12ten, beehrten Ihre Majestaͤten den Besitzer des adelichen Guts Ascheberg mit einem Besuche, nahmen dort eine Collation ein und kehrten Abends nach Ploen zuruͤck. Am Sonntag, den 13ten, wohnten der Koͤnig und die Koͤnigin dem Gottesdienste in der Ploener Stadtkirche bei; Abends war kleiner Hofball; ein solcher war auch am Abend des iten fuͤr die Kinder, die bei der Ankunft Ihrer Majestaͤten im Innern des Schloßhofes auf⸗ gestellt gewesen; auch wurden verschiedene kleine Geschenke der Koͤnigin verloost. Am l5ten Morgens besuchten Se. Majestaͤt der Koͤnig die Ploener Gelehrtenschule, wo Ihnen von dem Pro⸗ fessor I'r. Trede ein in Gold gedrucktes Gedicht im Namen saͤmmtlicher Schuͤler uͤberreicht wurde. Um 9 Uhr Abends zogen die Schuͤler unter Musikbegleitung mit Fackeln aufs Schloß und brachten den Majestaͤten, so wie Sr. Koͤniglichen Hoheit dem Kronprinzen ein dreifaches Hoch, worauf der Koͤnig huldvoll dankte.

In der Sitzung der Staͤnde vom 5ten d. M. legte der Koͤ⸗ nigl. Kommissarius vor: 1) Entwurf einer Verordung fuͤr das Koͤnigreich Daͤnemark, betreffend die Aufhebung der Zahlen⸗Lotte⸗ rie und die Erhoͤhung der Abgaben von Stempel⸗Papier, so wie von Erbschaften und Eigenthums⸗Veraͤnderungen; 2) Entwurf eines Plakats fuͤr das Koͤnigreich Daͤnemark, betreffend die ver⸗ aͤnderten Bestimmungen in Hinsicht der Consumtions⸗Abgaben und des Zolls auf gewisse Artikel. Die beiden ersten Paragra⸗ phen des ersten Gesetz⸗Entwurfes lauten: §. 1. Vom 1. Januar 1841 wird die Zahlen⸗Lotterie in Unserem Koͤnigreiche Daͤnemark fuͤr immer aufgehoben, und alles Kolligiren zu der noch in den Herzogthuͤmern bestehenden Zahlen⸗Lotterie wird aufhoͤren. §. 2. Zur Deckung eines Theils des Ausfalls in den Staats⸗Einnah men, der durch die Abschaffung der Zahlen⸗Lotterie entstehen wird wird vorlaͤufig auf drei Jahre, vom 1. Januar 1841 an zu rech nen, die Abgabe auf Stempel⸗Papier, so wie die durch die Ver⸗ ordnungen vom 12. September 1792 und 8. Februar 1810 auf⸗ erlegten Abgaben von Erbschaften und von Eigenthums⸗Veraͤnde⸗ rungen in Unserem Koͤnigreiche Daͤnemark um 50 pCt. erhoöͤht werden. 1u“

Deutsche Bundesstaaten.

Einem Berichte des Schwaͤbischen Merkurs uͤber die 8—

Manoͤver des Sten Armee⸗Corps entnehmen wir Nachstehendes: „Die Kriegs⸗Uebungen des vereinigten Ften Armee⸗Corps haben schoͤn begonnen und erzeugten vorzugsweise gestern den IIten und heute den 12. September in der Stadt Heilbronn ein sehr be⸗ wegtes Leben. Schon am Vorabend, noch mehr am, Morgen des 11ten, begann, wie eine Wallfahrt, das Zustroͤmen von allen Seiten; das Landvolk blieb, der Aerndtegeschaͤfte ungeachtet, so wenig zuruͤck, als die mittleren und hoͤheren Staͤnde, und aus dem Zabergäu, aus dem Weinsberger Thal, aus dem Hohenlohe⸗ schen, abwaͤrts von Gartach, Wimpfen und Neckarsulm, aufwarts von Flein und Sontheim her zog es karava⸗ nenweise zur Stadt herein. Des Nachmittags wogte immer dichter und immer bunter das Menschengedraͤnge 8h die Straßen der Stadt; bald aber fuͤllten sich der Exerzier⸗Platz neben den Pappel⸗Alleen auf der Westseite der Stadt und die aufgebauten Tribuͤnen an, wo Tausende mit steigender Ungeduld in seinen großartigen Vorbereitungen so viel versprechende

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Feuerwerks * des Erbgroßherzogs von Hessen,

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harrrten! Endlich ertoͤnte die Trompete, das Zeichen des Großherzogs vc- Baden und und den 21 Kanonen⸗ üͤssen folgte nun, begleitet von den Toͤnen der herrlichsten Mi⸗ ean: eine Reihe wahrhaft wundervoller und entzuͤckend schoͤner Darstellungen, worunter besonders der Gothische Tempel mit seinem die Namenszuͤge der drei Souveraine strahlenden Perlenglanze mitten unter den rechts und links und ruͤckwaͤrts brausenden Schwaͤrmerkaͤsten und Kreuzfeuern ein gar milder und lang andauernder Anblick! sodann die Fontainen, Pyra⸗ miden und Palmbaͤume, und außer der Sonne zwischen Rosen insbesondere die vielen hoch in die Luͤfte steigenden Raketen mit ihrer vielfarbigen Sternen⸗Aussaat den meisten und lautesten Beifall erhalten haben, waͤhrend die Zuschauer⸗Menge von dem urchthar schoͤnen Auftritte einer Festungs⸗Explosion sich zur hoͤchsten 29v745à hingerissen sah. Bei der Heimkehr war die ganze Neckar, bruͤcke illuminirt, und an dem Portal glaͤnzten unter militairischen Emblemen die Wappen von Hessen, Baden und Wuͤrttemberg. Am 12ten war Alles fruͤh in Bewegung, den Auszug der Trup⸗ pen zu sehen. Um 9 Uhr begann die Kanonade am Neckar un⸗ weit Bökingen. Die Operationen dieses Tages sind mit vieler Schnelligkeit, Gewandtheit und Praͤzision ausgefuͤhrt worden. Die Schlagung einer Schiffbruͤcke im Angesicht des Feindes war in etwa 20 Minuten vollendet, und ein hoͤchst sehenswerther An⸗ blick war der Reckar⸗Uebergang des ganzen Neckar⸗Corps, beson⸗ ders von dem jenseitigen Ufer aus, beobachtet. Denn eben hier, auf der Boͤkinger Seite, hatte man nicht nur die hohen, dicht mit Menschen besetzten Uferwaͤnde des Neckars, sondern auch den fernen Hintergrund bis zum Zusammentreffen der Fleiner und Sontheimer Straße vor sich, und sah in langen Zuͤgen, Lan⸗ zen und Bajonnette im Sonnenschein glaͤnzend, und von Ferne an den wehenden Fahnen die Farben von Hessen, Baden und Wuͤrttemberg kennend, die Regimenter die Hoͤhen herab uͤber den Strom dem Feinde entgegenziehen. Von den fremden Waffengattungen erregten die Badischen Dragoner und die Hessische leichte Kavallerie die beifälligste Auf⸗ merksamkeit. Die Felder wurden aͤußerst geschont. Von der Ka⸗ nonade bei Frankenbach zuruͤckgekehrt, hatten saͤmmtliche hoͤheren Offizitere des Armee⸗Corps die Ehre, zur Koͤnigl. Tafel im Saale des Actien⸗Gartens von Heilbronn geladen zu werden. Waͤhrend derselben uͤberbrachte eine Deputation der Weingaͤrtner ein Er⸗ eugniß ihrer Weinberge, eine aus schwarz, roth und weiß zu⸗ ammengesetzte kolossale Traube. Des Abends war die ganze Allee beleutet. Den Beschluß des Tages machte im Gasthof zum Falken ein Ball. Auf den Sonntag Abend ist Sr. Majestaͤt dem Koͤnige zu Ehren ein Fackelzug vorbereitet, worauf der Ge⸗ sang⸗Verein eine Abend⸗Musik bringt. Die Truppen ziehen mor⸗ gen ab, und das Hauptquartier wird nach Sinsheim verlegt. Florenz, 10. Sept. (A. Z.) Die anscheinende Niederge schlagenheit der Bewegungs⸗Partei in Italien in Folge des laͤcher⸗ lichen Versuchs Louis Bonaparte’'s war von geringem Nachhalt. Der Kriegslaͤrm, den die Franzoͤsischen Blaͤtter uͤber den Traktat vom 15 Juli erhoben, hat jene Wirkung nicht nur paralysirt, sondern die revolutionaire Aufregung der Gemuͤther gesteigert. In Ancona namentlich haben sich in letzterer Zeit Zeichen hiervon kund gegeben. Man sah z. B. junge Leute rottenweise unter Ab⸗ singung aufruͤhrerischer Liedee durch die Straßtzeen ziehen, so daß die Behoͤrden sich gezwungen sahen, ein scharfes Verbot dagegen zu erlassen. Die paͤpstliche Regierung hat eine Werbung der guardia civica angeordnet, man kann hierbei den Wunsch nicht unterdruͤcken, sie moͤge sich vorsehen, daß nicht die revolutionairen Sekten darin ein willkommenes Mittel finden, ihre Mitglieder ohne Aufsehen zu bewaffnen. In Rom war das Geruͤcht verbreitet: „der Cardinal Erz⸗ bischof von Palermo und ein Weihbischof seien auf koͤniglichen Befehl exilirt worden.“ Dies duͤrfte, wenn es sich bestaͤtigt, zwi⸗ schen Rom und Neapel zu unangenehmen Eroͤrterungen fuͤhren, in Sicilien selbst aber einen hoͤchst uͤblen Eindruck machen. Giovanni da Procida, Gedicht und Musik vom Fuͤrsten Jo⸗ seph Poniatowsky, wurde gestern Abend zum erstenmal in Lucca aufgefuͤhrt und zwar mit dem groͤßten Beifall. Der Komponist wurde I4mal stuͤrmisch hervorgerufen. Froͤulein Ungher, Ron⸗ coni, der Tenor Iwanoff und Dlle. Strep oni sind die Saͤnger

der Ankunft des Koͤnigs,

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der diesjährigen Opernsaison.

Rom, 8. Sept. Aus Ancona wird berichtet, daß es dort zwischen mehreren verdaͤchtigen Individuen und einer Patrouille der Gendarmerie näͤchtlichen Singens wegen zu einer blutigen Rauferei gekommen sey, bei welcher auf beiden Seiten schwere Verwundungen vorfielen und ein Todter auf dem Platze blieb. In Folge dessen sind verschiedene Verhaftungen erfolgt, und diese Geschichte, die hier mit großer Uebertreibung erzaͤhlt wird, soll mit aller Strenge untersucht und bestraft werden. Gestern Abend ing das Geruͤcht von tumultuarischen Auftritten, welche bei Er⸗ ve.Sn- eines Schiffes mit Franzoͤsischer Flagge daselbst vorge⸗ fallen seyn sollen. Das einzige Paͤpstliche Kriegsschiff von 14 Ka⸗ nonen in Civitavecchia ist im Begriff, sich nach Alexandrien zu begeben, um die beiden Schiffe, welche die von Mehmed Ali zum Bau von St. Paul geschenkten Alabaster⸗Saͤulen abholen, auf dem Ruͤckwege zu eskortiren. 1A1“

Spanien.

Madrid, 8. Sept. Die heute stattgehabte Musterung der hier anwesenden Truppen und der Nacional⸗Garde ist ohne die geringste Stoͤrung voruͤbergegangen.

Der verantwortliche Herausgeber des „Uracan“, Diego Jose del Moco, ist wegen des (bereits erwaͤhnten) Artikels, worin er die Abschaffung des Koͤnigthums und die Errichtung einer Foͤde⸗ rativ⸗Republik empfiehlt und zuletzt die Spanier auffordert, sie moͤchten die Koͤnigin wegen ihrer politischen Verbrechen in den Anklage⸗Zustand versetzen, durch die Jury zu sechsjaähriger Fe⸗ stungsstrafe und zur Bezahlung der Kosten verurtheilt.

Die provisorische Regierungs⸗Junta hat bekannt gemacht, daß es allen oͤffentlichen Beamten frei stehe, ihre Entlassung ein⸗ zureichen; wer dies aber nicht innerhalb vier und zwanzig Stun⸗ den nach der Publizirung dieses Dekrets thue, werde so ange⸗ sehen, als unterwerfe er sich der Behoͤrde; wer innerhalb dieses Termins weder seine Entlassung einreicht, noch seine bisherigen Functionen verwaltet, wird als Rebell betrachtet. Bis jetzt ha⸗ ben erst viele Supernumerar⸗Beamten ihre Entlassung eingereicht.

Durch eine andere Verordnung wird die Ernennung von zehn Sicherheits⸗Kommissionen angezeigr. 8

Es geht das Geruͤcht, der Herzog von Vitoria habe Barce⸗ lona verlassen und die Minister seyen geflohen, sobald sie erfah⸗ ren, daß die Junta verlangt habe, sie sollten zur Verantwortung gezogen werden.

Der General Leon, welcher bereits am 1. September von der Köͤnigin zum General⸗Capitain von Neu⸗Castilien ernannt

Berlin, 20. Sevpt.

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wurde, hat Valencia mit einer Kavallerie⸗Abtheilung verlassen, um sich hierher zu begeben.

Dem Vernehmen nach haben sich auch Guadalajara und Valladolid fuͤr die provisorische Junta erklärt. 8“

Tuöͤrkei.

Konstantinopel, 27. Ang. (Journ. de Sm.) Man er⸗ wartet hier mit großer Ungeduld die Depeschen oder die Ruͤck⸗ kehr Rifaat Bei's. Das Dampfboot „Cyclops“ muß uͤbrigens bald von Alexandrien zuruͤckkommen. Obaleich die Regierung des Sultans in den ihm von den Europaͤischen Kabinetten verheiße⸗ nen Beistand das groͤßte Vertrauen setzt, so unterläßt sie doch nicht, die durch die Umstände gebotenen Maßregeln zu ergreifen. Die Kriegs⸗Ruͤstungen werden aufs Thaͤtigste betrieben und in Tophana ist man beschaͤftigt, mehr als hundert Kanonen und in Stand zu setzen. Von verschiedenen Punkten des

eichs treffen regulaire Truppen hier ein und einige Corps Alba⸗ nesen sind nach Samsun abgegangen; die Dampfboͤte der Do⸗ nau⸗Compagnie und des Oesterreichischen Loyd sind bestaͤndig mit diesen Transporten beschäͤftigt. Da diese Bewegungen bedeutende Ausgaben verursachen, so hat die Regierung des Sultans, um nicht durch Ausschreibung neuer Auflagen den Geist des Hatti⸗ scherifs von Guͤlhane zu verletzen, die Ausgebung von 16 Mill. Piaster Papiergeld beichlossen Dies Papiergeld, welches bereits in der Tuͤrkei cirkulirt, traͤgt 9 pCt. Zinsen jäͤhrlich und ist au porteur zahlbar. Die Regierung ist in den Stand gesetzt, die laufenden Ausgaben zu bestreiten und ihre Vertheidigungsmittel besser zu organisiren.

Seitdem die Unterzeichnung des Traktats vom 15. Juli hier bekannt geworden, herrscht bei der Enalischen Gesandtschaft die 25 Thaͤtigkeit, waͤhrend die Franzoͤsische sich voͤllig unthaͤ⸗ tig verhaͤlt.

Am 25sten fand ein großes Conseil bei der Pforte statt, wel⸗ ches die Aegyptische Frage zum Gegenstand hatte.

Herr von Pontois hat am 22 in dreizehn Tagen einen Cou⸗ rier aus Paris erhalten und es hieß, er habe der Pforte eine energische Note uͤberreicht, worin er erklaͤre, daß die Anwesenheit eines einzigen fremden Soldaten oder eines fremden Schiffes in Konstantinopel von Frankreich als eine Kriegs⸗Erklaͤrung werde betrachtet werden. In Folge der ihm gegebenen Aufschluͤsse soll er indeß eine weit friedlichere und gemaͤßigtere Sprache angenom⸗ men haben.

Herr Christides, Griechischer Geschaͤftsträger bei der Pforte, stattete am L4sten bei Reschid Pasch einen Besuch ab und wurde sehr zuvorkommend empfangen. Es soll bei dieser Gelegenheit von dem bekannten Handels⸗Traktat gar nicht die Rede gewe⸗ sen seyn.

Das Handels⸗Ministerium hat angezeigt, daß die Regierung die Absicht habe, den Zehnten, welchen sie von dem Oel von Me⸗ telino, Adramity u. s. w. erhebt, an den Meistbietenden zu ver⸗ pachten. Dieser Zehnte betraͤgt etwa 100,000 Quintals. Die Haͤlfte der Summe wird baar, die andere Häͤlfte in Waaran entrichtet.

An der Kuͤste von Troja ist ein Neapolitanisches Fahrzeug von einer mit 15 bewaffneten Personen bemannten Barke ange⸗ griffen worden. Der Capitain, der Steuermann und drei Ma⸗ trosen wurden getoͤdtet. Die Seeraͤuber zertruͤmmerten Alles, indem sie glaubten, das Geld sey versteckt worden; sie fanden in⸗ deß nur 25 schwere Spanische Piaster.

Smyrna, 29. Aug. Im hiesigen Journal liest man:

„Wir haben oft das Publikum vor den Intriguen gewarnt, de⸗

ren Mehmed Ali sich bedient, um die muselmaͤnnische Bevoͤlke⸗ rung dieses Landes irre zu leiten, indem er die Ereignisse unter einem falschen Gesichtspunkte darstellt. Leider gelangen unsere Worte nur sehr schwer bis zu der Masse des Volks. Die Pforte hat indeß die Nothwendigkeit gefuͤhlt, die Nation von dem wah⸗ ren Stande der Dinge in Kenntniß zu setzen, und es ist daher zu diesem Zwecke gestern hier in Gegenwart des Gouverneurs Hassan Pascha und der übrigen Behoͤrden ein Firman verlesen worden. Dies wird in allen Moscheen wiederholt werden’“ (S. Nr. 256 der St. Ztg.)

Das Dampfboot „Lavoisier“” ist am 26sten hier angekom⸗ men und wird morgen oder am Montag wieder abfahren, um sich dem Franzoͤsischen Geschwader anzuschließen, das unter dem Contre⸗Admiral la Susse am Anfange dieser Woche die Rhede von Vurla verlassen hat, um in dem Golf zu kreuzen.

Konstantinopel, 2. Sept. (Oest. B.) Das am 3lsten

v. M. hier angelangte Englische Kriegsdampfboot „Hydra“ hat die Nachricht uͤberbracht, daß Mehmed Ali nach Ablauf des er⸗ sten, ihm durch die Convention vom 15. Juli gesetzten Termins von zehn Tagen, sowohl dem Tuͤrkischen Abgesandten, Rifaat⸗Bei, als den General⸗Konsuln der vier Maͤchte seine schon fruͤher aus⸗ gesprochene Weigerung, sich den Bestimmungen jener Convention u unterwerfen, wiederholt und bekräftigt habe. Denselben Nachrichten zufolge, war am 20. August der Kaiserlich Oesterrei⸗ chische Contre⸗Admiral Bandiera mit den Fregatten „Medea“ und „Guerriera“”“ und am Listen der Koͤniglich Großbritanische Admiral Stopford auf dem Dreidecker „Prinzeß Charlotte“ und in Begleitung einer Englischen Korvette und der Oesterreichischen Korvette „Lipsia“ auf der Rhede von Alexandrien angelangt.

Gestern ist auf dem Russischen Dampfboote, welches eine regelmaͤßige Verbindung zwischen Odessa und dieser Hauptstadt unterhaͤlt, der Adjutant Sr. Majestaͤt des Kaisers von Rußland, Baron Lieven, hier angekommen. .

Das auf den Werften von Nicomedien neu gebaute Linien⸗ schiff von 110 Kanonen wurde vor einigen Tagen von Oester⸗ reichischen Dampfboͤten in den Hafen des Arsenals bugsirt.

Im Laufe voriger Woche ist der Fuͤrst von Samos, Vogo⸗ rides, von seiner nach dieser Insel unternommenen Reise zuruͤck⸗

ekehrt. B 9. Kaiserl. Oesterreichische Brigg „Ussaro“ hat am 27sten v. M. die hiesige Station verlassen, um nach Venedig zuruͤck⸗ zukehren. Aegypten.

Alexandrien, 30. Aug. (Frankf. J.) Die Herren Montefiore und Cremieux haben mehrere Audienzen bei Mehmed Ali gehabt. Diese Herren sind von demselben auf das wohlwol⸗ lendste empfangen worden, und der Pascha hat befohlen, daß die in Damaskus in Verhaft befindlichen raeliten auf freien Fuß gesetzt werden sollen. Aus diesem Befehl scheint ersichtlich zu seyn, daß die Israeliten als unschuldig befunden worden sind. Jedoch wollen es die Herren Montefiore und Cremieux, wie man vernimmt, nicht dabei bewenden lassen, sondern die Angele⸗ genheit der Israeliten in Damaskus bei den Gerichten weiter

erfovlgen. 3

1 Am 18ten d. M., Abends gegen 8 ½ Uhr, brach in dem 4 Stock hohen und circa 100 Fuß lan⸗

licher Schnelligkeit um sich griff, und ungeachtet der groͤßten An⸗ strengung der Loͤsch⸗Anstalten nicht nur dieses Gebaͤude gänzlich sondern auch den Dachstuhl des vorderen großen Familien⸗ und Fabrikhauses auf ungefaͤhr 250 Fuß Länge in Asche legte.

Schaden ist bedeutend, und sind namentlich 250 Wispel Weizen

sich bis jetzt nicht ermitteln lassen. nicht verungluͤckt. Ungefaͤhr eine Stunde spaͤter kam in einem Stall⸗Gebaͤude auf dem Grundstuͤcke der Lohgerber Kaimschen Erben, Koͤpnicker⸗Straße Nr. 52, Feuer aus, welches dies Ge⸗

beschaäͤdigte. Auch die Entstehungs⸗Ursache dieses Feuers hat bis jetzt nicht feststellen lassen. a 1 b

8

Koͤnigsberg, 17. Sevpt. Nachtraͤge 9 ihren fruͤheren Berichten uͤber die Huldigungs⸗ Feier. Die und geben Beschreibungen der Ausschmuͤckung der Balkone, Bal⸗ dachine u. s. w. Den Schluß macht die Huldigungs⸗Anrede des

dermaßen:

„Das segensreichste Geschenk, womit der Himmel ein Volk beglücken kann, ist ein edler, hochherziger Landesvater. So lange die Geschichte 2 war der Name eines Vaters des Vaterlandes der hehre und

edeutungsvolle Ehrenname, mit dem die Völker ihre erhabensten Wohl⸗ thäter begrüßten, die es erkannt und bethätigt hatten, wozu der Him⸗ mel sie berufen und gesandt. Auch unser Volk ist fürwahr, so lange es als ein in einem Reiche vereintes dasteht, in der Reihe seiner er⸗ habenen Könige ein gesegnetes, ein wahrhaft hochbeglücktes Volk. Es bedarf nicht meines Zeugnisses, die Geschichte, die Richterin der Welt, bezeugt es selbst offenkundig, daß seit Jahrbunderten Europa kein Reich in sich faßt, welches mit gerechterem Stolze auf seine Könige hinsehen darf. Darum Heil dem Könige, der sein Auge auf solche erhabene und großartige Bilder seiner Ahnen hinwenden kann! Heil auch dem Volke, welches solche hochherzige Fürsten und Könige im Buche seiner

ßen sich aus Gottes Gnade der Reihe glorreicher und hochsinniger Ahnen auf dem Königl. Throne an.

der Jubelruf, der uns umtönt, ist die sicherste Bürgschaft, daß alle un⸗ sere Wünsche und Bitten um einen erhabenen Landesvater vom Him⸗ mel erfüllt sind. Auch der engere Kreis, dem wir hier angehören, auch unsere Hochschule theilt das Hochgefühl, welches alle Herzen erfüllt und

Universität in ihren wissenschaftlichen Richtungen und Bestrebungen. Aber in Einem 12- wir Alle fest zusammen und dieses Eine lebt in uns in ewig frischer Kraft und erfüllt unserer Aller Brust, der Leh⸗ renden wie der Lernenden: es ist die innigste Liebe zu unserem ange⸗ stammten, erhabenen Regentenhaus, die unverbrüchlichste und unwan⸗

desbare Treue gegen König und Vaterland, die tiefste Ehrfurcht und

nige, diese Liebe in der Treue, diese Treue in der Liebe und diese ehr⸗ furchtsvolle Unterthänigkeit, soll und wird es seyn, was ewig in uns

gen Seligkeit.“

Der Koͤnig antwortete vom Throne:

„Die Geschichte hat allerdings aufgezeichnet, was Sie haben, und so kann und wird nicht verloren gehen, was Unser Volk groß gemacht hat. Sie hat auch verzeichnet, was bisher, zumal in einer großen und schweren Zeit, von der Albertina ausgegangen 1 und Gesinnung und Streben werden nimmer vergessen werden. So nehme Ich denn gern, was Sie gesagt, als baare Wahrheit an, und

verlasse Mich darauf. Das ist Meine feste Zuversicht.“

8 Stettin, 19. Sept. Ihre Mafestaͤten der Koͤnig und die sind so eben (Nachmittags 3 ¼ Uhr) unter dem Gelaͤute der Glocken und dem Donner der Geschuͤtze, von Star⸗ gard aus, hier eingetroffen und haben Sich, begleitet von dem Jubelrufe der in zahlloser Menge versammelten Einwohner, durch die in Festesschmuck aller Art prangenden Straßen nach dem zu Allerhoͤchstihrem Empfange vorbereiteten Landhause begeben. Eine naͤhere Beschreibung des Einzuges muͤssen wir uns vorbehalten.

Programm der Empfangs⸗Feierlichkeiten, welche bei

Gelegenheit der begluͤckenden Ruͤckkehr Sr. Majestäͤt

des Koͤnigs und Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin in die

Haupt⸗ und Residenzstadt Berlin hierselbst am 21. September 1840 stattfinden.

‚Nachdem Se. Majestät der König den Bitten der Kommunal⸗ Behörden der Residenz huldreichst Gehör geschenkt, und bei Allerhöchst⸗ dessen Rückkehr in die Residenz einen feierlichen Empfang Seitens der hiesigen Corporationen, Gewerkschaften und Innungen nachzulassen ge⸗ ruht haben, dadurch aber nicht nur diesen letzteren, sondern auch der gesammten Einwohnerschaft Berlins, die lange ersehnte Gelegenheit ge⸗ geben wird, ihre Anhänglichkeit an das angestammte Herrscherhaus, insbesondere ihre Liebe und hohe Verehrung gegen Ihre jetzt regierende Königl. Majestäten an den Tag zu legen, ist die auf den 21. Septem⸗ ber c. festgesetzte Feierlichkeit, wie folgt, bestimmt und geordnet worden:

A. Allgemeine Bestimmungen und Einrichtungen. 1) Der erhaltenen Benachrichtigung zufolge, werden Ihre Königl. Ma⸗ jestäten Allerhöchstihren Einzug durch das Frankfurter Thor nehmen, und durch die Große Frankfurter Straße, die Kleine Frankfurter Straße, die Landsberger Straße, über den Alexander⸗Platz, durch die Königs⸗ straße, in das Königliche Schloß einziehen. 2) Von der Gränze des Weichbildes ab, bis zum Königl. Schlosse sind die gedachten Straßen durch Laubgewinde und Blumen verziert und zur Feststraße umgeschaf⸗ fen. In denselben sind die Corporationen, Gewerke und Innungen mit Fahnen und Esiandarten verschiedener Art, mit ihren Emblemen, mit Musikchören, im feierlichen Anzuge, und zwar die berittenen Corps mit dem Schlächter⸗Gewerf an der Spitze, außerhalb der Stadt an der Weichbildsgränze aufgestellt, während die anderen Gewerke mit der Schützengilde Wund dem Maurer⸗Gewerke an der Spitze, vom Thore ab bis zur Langen Brücke von beiden Seiten das Spalier bilden. 3) Die Gränze des Stadt⸗Weichbildes ist durch eine, aus Bäumen und Laubgewinden gebildete Empfangs⸗Rotunde bezeichnet. 4) Das Frank⸗ furter Thor ist ehrenpfortenartig verziert und bestimmt, den feierlichen Einzug in die Stadt zu bezeichnen. 5) Außerhalb der Stadt am Thore befinden sich zwei mit Fahnen und Laubgewinden geschmückte Estraden, auf welchen die städtischen Behörden, Behufs des feierlichen Empfanges Ihrer Königlichen Majestäten, ihren Platz nehmen. Auf der Estrade rechts am Eingange in die Stadt befinden sich: der Magistrat, die Stadtverordneten, die Stadt⸗Aeltesten, die Stadtver⸗ ordneten⸗Stellvertreter, die Bürger⸗Deputirten, die Kuratoren der städtischen Kassen und milden Stiftungen, die Servisverordneten, eine Deputation der Aeltesten der Kaufmannschaft, die Vorsteher der Ju⸗ denschaft. Auf der Estrade links, am Eingange in die Stadt, versam⸗ meln sich: die Bezirks⸗Vorsteher, die Stellvertreter der Bezirks⸗Vor⸗ sieher, die Vorsteher und Mitglieder der Armen⸗Kommisstonen, le Schiedsmänner. Der Probst zu Köln und evangelische 22 —98 Reander, der Probst zu Berlin und evangelische Sefge 18⸗ Roß, der Superintendent Pelkmann, be Saensene auf der sind, als Repraäͤfentanten der Geistlichkeit der 2— 7828 der St. erstgedachten Estrade zu erscheinen. Die beiden Chetsteang n diefer

d. n.⸗Parochie, Prediger Rolle und Hr. Couar Haenfanak he. eingeladen. 6) Am Alexander⸗ latze ist et

11“

1. 1 Heute empfangen Allerhöchstdieselben die wahre Herzenshuldigung eines treuen und biederen Volkes, denn

gen Seiten⸗Gebaͤude des Fabriken⸗Inhabers Spatzier, Holzmarkt⸗ straße Nr. 20 u. 21, in welchem sich eine Dampf⸗Mahlmuͤhle und eine Wollspinnerei befanden, Feuer aus, welches mit unglaub⸗

Der

baͤude vernichtete und den Giebel des anstoßenden Wohnhauses

2* 1u“ Die hiesige Zeitung liefert

e verbreiten sich uͤber das Naͤhere der Anordnungen

Prorektors der Universitaͤt, Prof. Dr. Voigt. Sie lautet folgen⸗

Geschichte begrüßt! Erhabenster Monarch! Ew. Königl. Majestät schlie⸗

durchglüht. Die Wissenschaft zwar theilt und trennt die Glieder einer 8

Unterthänigkeit gegen Ew. Königl. Majestät und gegen Alles, was wir als Allerhöchstderoselben Willen und Gebot erkennen. Und dieses Dreiei-⸗

fortlebt und fortwirkt, so wahr uns Allen Gott helfe zu unserer einsti⸗

mit verbrannt. Auf welche Weise das Feuer entstanden ist, hat * 8 Menschen sind bei demselben