1840 / 265 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

sichen des erwaͤhnten Orts, Dr. Wolff, der auf seiner Reise im

Ociente die Bekanntschaft des Bischofs gemacht, besucht; und da es bekannt geworden, der Syrische Geistliche werde in der Kirche erscheinen und eine Arabische Rede halten, die DDr. Wolff ins Englische uͤbersetzen wolle, so hatte sich von nah und fern eine ungeheure Menschenmenge versammelt, deren Anzahl in der Kirche man auf 2500 3000 rechnen durfte. Der Syrische Bischof druͤckte seine Freude daruͤber aus, daß die Englische Kirche den Orientalischen Kirchen so nahe verwandt sey, und erwähnte dabei auch den Besuch des Englischen Pfarrers in Syrien mit großer Waͤrme. Seine Orientaltsche reiche Tracht und der lange Bart erregten besonders die Neugierde der versammelten Menge.

Die Hof⸗Zeitung zeigt die Ernennung des Dr. Shuttle⸗ worth, vom neuen Kollegium in Orford, zum Bischof von Chi⸗ chester an. Der Globe bemerkt dazu, dies sey ein Zeugniß von dem Antheil, den das Whig⸗Kabinet an der wahren Wohlfahrt der Kirche nehme, denn der neue Bischof sey nicht nur ein sehr gelehrter, liberaler und aufgeklaͤrter Geistlicher, sondern auch ein entschiedener Gegner des in Oxford neu aufgekommenen, halb Papistischen theologischen Systems, des sogenannten Puseyismus, wie er dies durch sein neues treffliches Werk: „Bibel, nicht Tra⸗ dition“, bewiesen habe.

Ein Geheimeraths⸗Befehl verfuͤgt, daß die Steuermaͤnner auf der Koͤniglichen Flotte kuͤnstig von der Admiralitaͤt angestellt werden und dadurch in gleiche Stellung mit den uͤbrigen Beam⸗ ren der Flotte treten sollen; sie koͤnnen also kuͤnstig bloß in Folge eimer Untersuchung, und nicht nach den Launen eines Befehlsha bers, ihres Dienstes entlassen werden.

Zu Gunsten des Narional Vereins fuͤr Befoͤrderung der Er⸗ ziehung der Armen in den Grundsaͤtzen der Anglikanischen Kirche ist durch Koͤnigliches Schreiben eine Kollekte in sämmtlichen Kir⸗ chen von England und Wales angeordnet worden.

Der Globe bemerkt in seinem City⸗Artikel, das Ergebniß der diesjährigen Aerndte entferne alle Besorgniß, daß auslaͤndi⸗ Getraide fuͤr die naͤchste Zeit wuͤrde eingefuͤhrt werden muͤssen.

Ein Verein von 300 Buͤrgern aus Glasgow hat dem Gra⸗ fen Eglintoun, der im vorigen Sommer auf seinem Schlosse mit großer Gastfreiheit ein Tournier gegeben hatte, einen praͤchtigen silbernen Kandelaber zum Geschenk gemacht.

Die United Service Gazette hatte aufs bestimmteste versichert, daß der General⸗Gouverneur von Ostindien, Lord Auck⸗ land, zuruͤckberufen und durch Lord Clanricarde ersetzt werden

eer Globe findet sich aber ermaͤchtigt, diese Behauptung fuͤr unwahr zu erklaͤren.

Zu Quebeck ist in diesem Jahre eine besonders große An⸗ zahl Einwanderer eingetroffen. Bis zum 15. August belief sich die Anzahl auf 19,507, waͤhrend sie im vorigen Jahre bis zu diesem Tage nur 6111 betragen hatte.

Die Nord⸗Amerikanische Brigg „Florence“, die von Rotter⸗ dam nach New⸗York fuhr und 79 Reisende, groͤßtentheils Aus⸗ wanderer aus Deutschland, am Bord hatte, ist bei Cap Rou am 9. August gescheitert. Funfzig Personen haben den Tod in den Wellen gefunden. 1

In Demerara sind zu Ende Juli zwei Grundstuͤcke, das eine zu 38,000 Pfd. St., das andere zu 26,500 St. ver⸗ kauft worden. Dieser Preis ist so hoch, daß diese Grundstuͤcke selbst vor zehn Jahren nicht hoͤher häͤtten verkauft werden können, unnd es geht daraus hervor, daß man dort nicht der Ansicht ist, als ob die Freilassung der Negersklaven den Werth alles Grund⸗ besihes vernichtet haͤtte.

Auch der Präsident der Vereinigten Staaten soll den Ame⸗ rikanischen Konsul in Alexandrien beauftragt haben, sich zu Gun⸗ sten der Juden in Damaskus zu verwenden.

4 Belgien. 8 Bruͤssel, 18. Sept. Der diesseitige Gesandte beim Deut⸗ schen Bundestage, Herr Nothomb, hat an den Minister der aus⸗ woͤrtigen Angelegenheiten eine jetzt im „Moniteur“ enthaltene Note gerichtet, worin auf die Wichtigkeit des großen Ludwige⸗ (Donau⸗Main) Kanals hingewiesen wird.—

Der Koͤnig wird hier naͤchste Woche von Wiesbaden zuruͤck⸗

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erwartet.

Frau Wittwe Cockerill hat beim Luͤtticher Tribunal auf die Guͤter⸗Gemeinschaft zwischen ihr und ihrem verstorbenen Manne verzichtet. Das Gericht hat den Termin fuͤr Beendigung des Inventars um 6 Monate verlaͤngert.

8 Deutsche Bundesstaaten. 88 Der Schluß eines Berichtes Suͤd⸗Deutscher Blätter aus Seinsheim vom 15. September uͤber die Manoͤver des achten Armee⸗Corps lautet: „Bevor Se. Majestät der Koͤnig von Wuͤrt⸗ emberg mit den uͤbrigen hohen Gaͤsten Sinsheim erreichten, wurden Hoͤchstdieselben von Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Großherzog on Baden in Rohrbach empfangen, und von da nach Sinsheim is in sein Absteigequartier im Amthause geleitet, und so nahm Sinsheim eine Versammlung von hohen Personen und von aus⸗ ezeichneten Generalen in seine Mauern auf, wie sie wohl noch niemals in diesem kleinen Städtchen versammelt waren. Auch Sinsheim, obgleich viel kleiner, wetteiferte mit Heilbronn in der Bereitwilligkeit der Aufnahme der Truppen und der Gaäͤste. Jedes Haus, in welchem eine fuͤrstliche Person ihr Absteige⸗ quartier genommen hat, ist mit der Flagge ihres Staates ge⸗ schmuͤckt, und von den Thuͤrmen der Stadt wehen die Badischen Hausfarben. Jeden Tag vereinigt Se. Koͤnigl. Hoheit der Großherzog in dem Schulhause die hohen Gaͤste, so wie die Generale zur Tafel. Soweit die Kriegsuüͤbungen bis jetzt gediehen sind, haben sie das erfreulichste Resultat ge⸗ liefert. Trotz der Verschiedenheit der Bestandtheile der Formationen und des Reglements, wurden die Manoͤver mit einer Ruhe und Ordnung ausgefuͤhrt, wie sie selbst bei Truppen desselben Staates wohl nicht besser ausgefuͤhrt werden koͤnnen, und doch sind die Fuͤhrer den Truppen und die Truppen den Fuͤhrern fremd, und beide zum erstenmal zu einem Ganzen vereinigt. Ne⸗ ben einander haben die drei Divisionen schon gekaͤmpft, aber noch niemals waren sie im Frieden zu einer solchen Vorbereitung zu ihrem ersten Ziele der Vaterlandes⸗Vertheidigung vereinigt. Welche Theilnahme diese Vereinigung gefunden hat, zeigt der Zusammen⸗ fluß so vieler hoher Personen, ausgezeichneter Generale und son⸗ stiger Offiziere, wie es vielleicht noch bei keinem Mandver statt⸗ efunden hat. Alle Staaten des Deutschen Bundes haben ihre lepräsentanten und auch das mit Deutschlaad im Bunde stehende Danemark, so wie selbst fremde Staaten haben Offiziere gesendet. Erfreulich ist die Uebereinstimmung der Fuͤrsten, welche diese ge⸗ meinsamen Uebungen hervorgerusen haben, erfreulich auch die Einigkeit der verschiedenen Stoͤmme, welche dem fremden Fuͤhrer gehorchen, wie wenn er immer der lhrige gewesen waͤrr Sie

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sind ein glänzender Beweis, daß die Deutschen Fuͤrsten und Vöͤl⸗

ter nur Eins sind, wenn je dem gemein amen Vaterlande irgend Gefahr drohen könnte.“ 8

—8 Schweiz.

Die Neue Zuͤricher Zeitung schreibt: „Auf die voz der Zuͤricher Hochschüle gegen neuere Verfuͤgungen eingelegte Ver⸗ wahrung zu Gunsten der theologischen Lehrfreiheit hat der Er⸗ ziehungsrath beschlossen, „„die Erklärung gegen die Verfasser derselben auszusprech en, der Erziehungsrath werde auf der einen Seite stets hachdruͤcklich Allem entgegentreten, was die ihren hoͤchsten Zwecken entsprechende Wirksamkeit der Hochschule gefaͤhr⸗ den, oder wirkliche Rechte der an derselben angestellten Lehrer verletzen kͤnnte; auf der anderen Seite zweifle er nicht, bei die⸗ sem Bestreben von Seiten der Professoren dadurch unterstuͤtzt zu werden, daß auch sie mit Hingebung ihrem Amte obliegen, zu ihrem Hauptzwecke sich Kräftigung und Hebung der ihrer Sorge anvertrauten Anstalt machen, in Allem, was wesentlich zu ihrem Gedeihen beitraͤgt; auffallende Schritte vermeiden, bei denen es zweifelhaft seyn muß, ob sie das Beste der Anstalt befoͤrdern, oder, wenn auch gegen den Willen ihrer Urheber, nicht vielmehr Nachtheile fuͤr dieselbe herbeifuͤhren, und daß sie uͤberhaupt die Verhaͤltnisse des Staates, in welchem und fuͤr welchen die An⸗ stalt besteht, insbesondere auch die Stellung der verfassungsmäͤßi⸗ gen Behoͤrden immer sorgfaͤltig beachten, ohne welches eine ruhige,

fruchtbringende Fortdauer der Hochschule nicht denkbar

Spanien. ö“

Madrid, §. Sept. Die provisorische Junta hat, uvm dem Geldmangel abzuhelfen, befohlen, daß jeder Schuldner des Staars, der nicht in drei Tagen bezahle, durch militatrische Execu ion dazu gezwungen werden soll. Die Kapitalisten der Hauptstadt, weiche aufgesordert worden sind, 4 ½ Millionen Realen vorzu⸗ schießen, haben eine Kommission ernannt, die sich mit der Junta uͤber die Bedingungen verständigen soll. Die Bank von San⸗ Fernando hat bereits eine Million Realen vorgeschossen.

Der General Maroto und mehrere andere Offiziere, die den Vertrag von Bergara unterzeichneten, haben der Junta ihre Dienste angeboten. 1

Die Junta erklaͤrt, daß, da der inteximistische Minister der auswaͤrtigen Angelegenheiten die von der Junta an die Koͤnigin gerichtete Advesse uneröffnet zuruͤckgesandt habe, er fuͤr die Folgen dieses Schrittes verantwortlich und allen Einwohnern und öͤffen:⸗ lichen Beamten untersagt sey, mit ihnen zu verkehren

ie Junta von Burgos hat den Baron Solar del Espinosa fuͤr einen Verraͤther erklaͤrt, weil er, ungeachtet leines feierlichen Versprechens, die Feindseliakeiten nicht zu beginnen, eine bewaff⸗ nete Demonstration gegen diese Stadt gemacht habe.

Sevilla ist in Belagerunaszustand erklärt worden.

Bis jetzt haben sich die Staͤdte Toledo, Burgos, Saragossa, Salamanca, Avila, Caceres, Segovia, Soria, Huesca, Granada, Ciudad Real, Cadix, Lerida, Cartagena, Malaga, Almeria, Al⸗ magro, Santander und Logrosio fuͤr die provisorische Regierungs⸗

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Lifsabon, 6. Sept. Die Empoͤrung des 6ten In⸗ fanterie⸗Regiments hat keinen Anhang in der Armee gefunden, noch weniger in dem, was man eigentlich Nation nennt. Die Empoͤrer treiben sich in der Provinz Beira umher, da sie noch nicht angegriffen worden sind. Uebrigens kann dieser Aufstand viel nuͤtzen, denn er gieht dem Ministerium triftigen Grund, die Maßregein zu ergreifen, welche die Vernunst gebietet, um eine geordnete Einheit in diese Armee zu bringen, die jetzt nichts wei⸗ ter ist, als ein Haufen zerstreuter Guerilla⸗Corvs, ganz dazu an⸗ gethan, den Interessen eines halben Dutzend Ehrgeiziger und Demagogen zu dienen. Der erste Schritt ist geschehen: die Bil⸗ dung von Milxen, mit ihrer alten militatrischen Organisation, die zuletzt in jene läͤcherliche National⸗Garde mit ihren waͤhlbaren Offizieren umschlug. Das Weitere muß folgen. Die Minister sehen schon lange ein, daß sie in Allem wieder zuruͤckschreiten müͤssen, wenn sie das Land reorganisiren wollen. Dahin zielen denn auch alle Gesetzentwuͤrfe, die sie den Cortes vorgelegt ha⸗ ben; dahin geht das Streben der Ordeirvs. Aber sie haben noch viel zu thun, so lange die Wurzel des Ursprungs der Anarchie unberuͤhrt bleibt.

Aegypten.

Alexandrien, 30. Aug. (Franzoöͤs. Bl.) Vorgestern ließ der Viee⸗Koͤnig den Abgesandten der Pforte, Rifaat Bei, und die Konsuln der vier Maͤchte zu sich bescheiden, um ihnen anzukündigen, daß er in Betreff Aegyptens völlig mit dem Trak⸗ tat von London einverstanden sey und daß er sich auch mit dem lebenslänglichen Besitz Syriens begnuͤge. Er beauftragte Rifaat Bei, dies dem Sultan zu melden. Auf die Frage der Konsuin, was er thun werde, wenn der Sultan die Annahme dieses Vor⸗ schlags verweigere, erwiederte er, daß er sich nicht im Voraus den Kopf daruͤber zerbrechen werde, da er der Zustimmung des Sultans gewiß sey. „In diesem Falle““, bemerkten die Konsuln, „geben Ew. Hoheit Ihrem Sohne Ibrahim Pascha den Befehl, sich mit seinen Truppen zuruͤckzuziehen, und vor allen Dingen liefern Sie die Flotte aus.“ er Pascha verweigerte Beides und fuͤgte hinzu: „Waͤre ich der Zustimmung der Pforte nicht gewiß, so haͤtte ich keine Zugestaͤndnisse gemacht.“ Hiermit trennte man sich. Es ist bemerkenswerth, daß bei dieser Unter⸗ redung nur der Preußische und der Russische Konsul das Wort fuͤhrten; es ist indeß anzunehmen, daß sie nur im Namen ihrer ebenfalls anwesenden Kollegen sprachen.

Aegypten und Syrien sind vollkommen ruhig. Der Com⸗ modore Napier liegt mit seinen vier Schiffen noch immer vor Beirut und der Admiral Stopford mit drei Linien chiffen, zwei und einigen kleineren Fahrzeugen vor Alexandrien;

eide haben noch nichts Feindseliges unternommen.

Waͤhrend der Blokade hatte der Franzoͤsische General⸗Kon⸗ sul am Bord des „Papin“ angezeigt, daß der Pascha den Trak⸗ tat von London annehme. Als dies, wahrscheinlich durch den Britischen General⸗Konsul, der Admiral Stopford erfuhr, be⸗ gruͤßte er die Aegyptische Flagge mit 21 Kanonenschuͤssen, die in⸗ deß nicht erwiedert wurden, und man ersuhr noch an demselben Abend, daß Mehmed Ali durchaus nicht geneigt sey, sich dem Traktat zu fuͤgen. Rach diesem auffallenden Mißverstaͤndniß ver⸗ ließ ₰& von Walewski Alexandrien am Bord des „Papin“.

n einem von denselben Blaͤttern mitgerheilten Schrei⸗ ben aus Alexandrien von dem naͤm ichen Datum liestman: „Man ist hier sehr erstaunt, daß die Franzoͤstiche Florte noch immer nicht vor Alexandrien erschienen ist, da man so bestimmt darauf rech⸗ nete. Es scheint daraus hervorzugehen, daß das Verfahren, wel⸗ ches das Kabinet vom 1. Maͤrz befolgt, den Instructionen, die es unseren Diplomaten ertheilt, gerade entgegengesetzt ist. Nur so lassen sich alle Widerspruͤche erkluͤren, von denen wer Zeuge sind. Der Admiral Stopford hat auf die ihm zugegangene Anzeige, daß ein mit Haubitzen fuͤr den Pascha beladenes Franzöͤsi ches Schiff erwartet werde, den Befehl ertheilt, dasselbe wegzunehmen. Der Pascha

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gegen Konstantinopel zu marschiren.

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ist uͤbrigens mehr als jemals zu einem lebhaften Widerstand ent⸗ 8

schlossen. In Alexandrien herrscht der größte Enthustasmus und Jedermann ist bereit, den Engländern, falls sie Alexandrien an⸗ greifen sollten, energisch entgegenzutreten. Ibrahim Pascha hat den bestimmten Befehl erhalten, bei dem ersten Kanonenschusse Auch die Russen sind be⸗ reit und warten nur auf das erste Zeichen von Feindseligkeiten. Aber alle unparteiischen Personen halten sich hier uͤberzeugt, daß Mehmed Ali alle Hindernisse, die ihm durch die Auadrupel⸗

Allianz entgegengestellt werden moͤchten, besiegen werde.“ Die Sentinelle de la Marine enthaͤlt ein Schreiben aus Syra vom 31. August, wonach das Franzosische Geschwa⸗ Man glaubte, es egeben, je

der bei der Insel Cerigo gesehen worden sey. werde sich nach Kandien, Beirut oder Alexandrien nachdem es die Umstände erforderten.

Syrlien.

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Ein Korrespondent der L. A. Z. in Konstantinopel giebt

uͤber das Scheitern der Insurrectien in Syrien emnen neuen und eigenthuͤmlichen Bericht. Hiernach haͤtte Emir Beschir dem Vi⸗ comte von Onffroy nur darum seine Unterstuͤtzung versagt, weil dieser als eine Art von Praͤtendent in Syrien aufgenreten, in⸗ dem er sich als einen Nachkommen der Onffroy's ausgiebt, die waͤhrend der Kreuzzuͤge in Syrien und sogar in Jerusalem das Regiment gefuͤhrt. Folgendes ist das Nahere uͤber den Mann, der zugleich als ein Werkzeug des Lord Ponsonby dargestellt wird: „Seinen Stammbaum stets bei sich tragend, wies er nach (was aber wirklich wahr und durch die Geschichte der Kreuzzüͤge bewiesen ist), daß im Jahr 1096 ein Ahn⸗ herr von ihm, Onffroy de Thoron, Connetable von Jerusalem war; daß Isabeau, Tochter von Onffroy lI., den König von Armenien, Rupins oder Ruprecht vom Gebirge, heirathete, und nachdem sie Wittwe geworden, den Koͤnig Philtpp von Antiochien ehelichte, und daß Onffroy de Thoron liI., im Jahre 117 ¼, Jsa⸗ bella, zweite Tochter Amoury'’s, Koͤntas von Jerusalem, zum Weibe nahm. Jeaabella verließ ihren Mann Onffroy und ver⸗ heirathete sich noch zweimal. Onffroy de Thoron protestirte und klagte dagegen. Der Bischof von Beauvais erklärte die spaͤter eingegangenen Ehen fuͤr unguͤltig; doch erst im Jahre 1227 er⸗ klaͤrten die Pairs des Reiches in Frankreich die Kinder Isabella’'s von Jerusalem und Onffroy’s de Thoron allein fuͤr ebenbuͤrtig; die Kinder aus den anderen beiden unguüͤltigen Ehen dahengegen fuͤr Bastarde. Unter den Nachkommen dieser befaͤnden sich die Koͤnige von Sardinien, die den Titel „Koöͤnige von Jerusalem“ usurpirt haͤtten, und der nach diesem Nachweis ihm, dem Gra⸗ sen Onffroy, gesetzlich allein gebuͤhre u. dergl. m. Lord Pon⸗ sonby, ohne des Grasen Faͤhigkeiten weiter zu berücksichtigen, nur die Gelegenheit ins Auge fassend, den Aegyptern, vielleicht auch mit der Zeit den Tuͤrken, einen Praͤtendenten uͤber den Hals zu schicken, versprach dem Grafen Onffroy seinen Schutz, und da er, waͤhrend der Emigrarion seines Vaters in Jamaika ge⸗ boxven, eigentlich Englischer Unterthan sey, gab er ihm Englische Päaͤsse, um nicht durch den Franzoͤsischen Konsul in Beirut, der durch Graf Pontois auf seine Person aufmerksam gemacht wurde, belästigt zu werden. So ausgeruͤstet, des Englischen Beistandes bei seinem Unternehm n versichert, kam unser Held nach Syriey, um die zahlreiche christliche Bevoͤlkerung des Libanons fuͤr seine Sache zu gewinnen. Der Franzoͤsische Konsul in Betrut, Herr Bouré, der von dem ganzen Plane ziemlich unterrichtet schien, wollte ihn festnehmen lassen und nach Frankreich schicken. Allem die Paͤsse Ponsonby's, sowie der ihm augenblicklich gewaͤhrte Schutz des dortigen Englischen Konsuls vereitelten die Schritte des Fran⸗ zoͤsischen Gesandten in Konstantinopel, der obendrein noch, und ehe er Nachricht von dieser Kabale erhielt, den Grafen Onffrey dedeutend empfohlen hatte, und zwar auf Aufforderung der aͤußerst legitimisti⸗ schen Verwandten des Grafen Pontois. Im Libanon und im gan⸗ zen Gebirge wurde Graf Onffroy ausgezeichnet aufgenomen, und viele Emire wandten sich seiner Sache zu, vorzuͤglich nachdem er nachgewiesen, daß seinen Ahnen der Boden nicht fremd sey. M

nannte ihn den Franzoͤsischen Emir; der Aufstand wurde orga

sirt und er zum Chef desselben mit 8 Vollmachten ernannt. So weit ging die Sache gut. Allein sey es Beschei⸗ denheit oder Bloͤdigkeit, oder fuͤhlte Graf Onffroy, daß er der Aufgabe, mit seinen Forderungen oͤffentlich aufzutreten, nicht ge⸗ wachsen war, oder sey es (was am Ende allein glaubwuͤrdig ist), daß Lord Ponsonby, nur ein Mittel zum Zwecke benutzend, sei⸗ nen beschraͤnkten Geist wuͤrdigend, ihm geheime Instructionen ge⸗ geben, mit Vorsicht zu Werke zu gehen und nicht eher mit seinen Anspruͤchen aufzutreten, bis mehre errungene Siege ihm ein be⸗ deutendes Ansehen bei den Gebirgsvoͤlkern erworben häͤtten, kur

der Aufstand, vom Anfang an schlecht organisirt, verlor an Krast Emir⸗Beschir, der maͤchtigste Fuͤrst des Gebirges und der Ebene, wurde durch Spione von den Praͤtentionen des Grafen unter⸗ richtet; der Patriarch rief die Volker nicht unter die Waffen, wie man allgemein gehofft, und zwar aus Furcht, seine unbeschraänkte Macht durch einen angeblichen Praͤtendenten gefaͤhrdet zu sehen. Die Gefahr war dringend, sie wurde Mehmed Ali hinterbracht. Dieser 52 Alles in Bewegung, Truppen und Geld; letzteres, um die Drusen zum Abfalle von den Maroniten zu beihegen. Verwandte des Emir Beschir begaben sich ins Lager der Insur⸗ genten und machten mehreren von den Häuptlingen begreiflich, daß sie nicht fuͤr sich, sondern fuͤr ein fremdes Interesse das Schwert gezogen haͤtten; den Muselmaͤnnern sagten sie, daß ein christlicher Prinz, gastfreundschaftlich aufgenommen, damit um⸗ ginge, ihre Religion zu unterdruͤcken. Diese Kunstgriffe gelam⸗ gen, die Soldaten Mehmed All's thaten das Uebrige. Der Saame der Zwietracht trug seine Fruͤchte, und der Aufstand wurde urch die entstandene Uneinigkeit zum gröoͤßten T vans gedaͤmpft.“

1s 8 1111“1“ 111“ Berlin, 22. Sept. Unserem gestrigen Bericht uͤber den seierlichen Einzug Sr. Majestaͤt in die Residenz, welcher wegen der Zeit, wo das Blatt geschlossen wird, nur ein vorläͤufiger seyn konnte, fuͤgen wir heute das Naͤhere hinzu.

Das Fest wurde durch die Witterung auf das erfreulichste beguͤnstigt. Die vorhergegangenen Tage hatten wenig erwarten lassen und selbst noch der Morgen war zweifelhaft; um Mitrag loͤsten sich die Wolken und der Einzug selbst wurde durch lichte Sonn enblicke verherrlicht. Demnaͤchst erlitt das Fest noch dadurch eine Abaͤnderung, daß Se. Majestat zu befehlen geruht hatten, es solle, gleich wie es auch bei Allerhoͤchstihrem Einzuge in Koô⸗ nigsberg der Fall gewesen, keine Chaine von der Infanterte ge⸗ zogen werden. Es waren also nur die bürgerlichen Gewerke und Innungen, welche mit ihren festlichen Abzeichen das Spaller bil⸗ deten. Hierdurch beheb denn das Fest einen rein buͤrgerlichen und staͤdtichen Charakter. Außer einigen Kavallerie Abtheilungen, welche zur polizeilichen Absperrung der Passagen verwendet waren, (seit 12 Uhr . waren alle Zugaͤnge zu den Straßen, welche der Zug passirte, und von 1 Uhr ab die Straßen selbst geschlossen)

geruhten.

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ah man das hiefige Militair, uͤbrigens saͤmmtlich in der Parade⸗ Umntform, nur bunt gemischt und vertheilt unter den Zuschauern. Gegen 1 Uhr stellten die Corps der Gewerke sich auf, den gan⸗ zen Raum vom Weichbilde auf der Frankfurter Chaussee bis zum Könialichen Schlosse, ungefähr eine halbe Meile lang, zu beiden Seiten aüsfuͤllend. Es waren zwei und funfzig Gewerke, zusam⸗ men uͤber zehntausend Mann; der Zuschauer dagegen waren von den Fvrgegheee Einwohnern der Hauptstadt wenig⸗

ens Zwei Drittel versammelt. 8 in großer Theil derselben war bereits vor das Frankfurter

Thor hinaus und bis zu dem Dorfe Lichtenberg gestroͤmt, wo Iher Majestaͤten um 3 ½ Uhr anlanaten und ein durch eine De⸗ putation im Namen der Stadt offerirts Dejeuner anzunehmen Nach kurzem Aufenthalte setzten die sehnlich Erwarte⸗ ten den Weg nach der Stadt fort. Se. Majestaͤt der Koͤnig be⸗ fanden Sich zu Pferde an der rechten Seite des Wagens, in welchem Ihre Majestaͤt die Koͤnigin und die Oberhofmeisterin Gräaͤfin von Reede saßen. An der Gräͤnze des staͤdtischen Weich⸗ bildes hatten auch die hier anwesenden Prinzen des Koͤniglichen Hauses, der Gouverneur und der Kommandant der hiesigen Re⸗ sidenz, so wie der Polizei⸗Praͤsident, die hohen Ankommenden begruͤßt⸗

Se. Majestaͤt hatten huldreichst gestattet, daß die Gewerke der Schlaͤchter und der Brauer, so wie die Corporation der Kauf⸗ mannschaft, die saͤmmtlich zu Pferde waren, den Zug in die Stadt eröͤffneten. volle Weise in eine Ehrenpforte verwandelt, indem man die beiden obeliskenartigen Pfeiler desselben zu einem Gothischen Bogen ver⸗ bunden ha te, uͤber dessen Woͤlbung die Worte prangten: „Gott segne den Koͤnig und die Koͤnigin!“ Der eine Pfeiler war mit der Statue und den Symbolen der Gerechtigkeit ge⸗ ziert und zeigte in verschlungenen Kraͤnzen die Worte: „Weise“, „Gerecht“, „Stark“, waͤhrend der andere Pfeiler die Statue und die Symbole der Charitas mit den Worten: „Fromm“, „Mild“ und „Huldreich“ trug. Auf beiden vor dem Thor er⸗ richteten Tribuͤnen befanden sich die Kommunal⸗Beamten und die Stadtwverordneten, zusammen mehrere Hundert, in deren Mitte die hohen e anhielten. Es naͤherten sich dar⸗ auf der Oberbürgermeister Krausnick und drei Stadtraͤthe, so wie der Stadtverordneten⸗Vorsteher Desselmann und drei Stadt⸗ verordneten, um Namens der Stadt die Freude uͤber die gluͤck⸗ liche Ruͤckkehr Ihrer Majestaͤten durch einige Worte zu erkennen zu

geben. Der Oberbuͤrgermeister wandte 8 an Se. Majestaͤt,

mit den Worten, die Stadt habe dem Wunsche nicht widerstehen koͤnnen, dem Koͤnige, dem so eben ein Theil der Monarchie feier⸗ lich gehuldigt habe und dem der andere Theil auch bald inner⸗ halb ihrer Mauern in diesem Akte der unverbruͤchlichen Unter⸗

thanen⸗Treue folgen wuͤrde, vor Allem ihre Liebe und Anhäng⸗ lchkeit an den Tag zu legen. Se. Mafestät erwiederten huloreichst, nach der Erinnerung, etwa Folgendes:

„Meine Herren, Sie kommen Mir mit so vieler Festlichkeit und Freundlichkeit entgegen. Ich vermag die Gefuͤhle, die die⸗ ser Empfang in Mir erregt, kaum in Worte zu bringen. Sie wissen, wie abhold der Hochselige Köͤnig allem lauten und zußeren Gepränge war und wie er jegliche Veranlassung dazu ab⸗ ehnte. Auch Ich bin kein Freund davon. Ich bin daher lange mit Mir daruͤber zu Rathe gegangen, wie Ich Mich in diesem Falle zu uechalten haͤtre. Endlich bin Ich aber zu der Ueberzeugung ge⸗ kommen, daß Ich der Stadt und Buͤrgerschaft Mich nicht entziehen darf. Mein hochseliger Vater, der viel, sehr viel fuͤr das Land und die Stadt gethan, hatte sich das Recht erworben, bescheiden zu seyn. Er hatte es sich durch die Fuͤlle seiner Tha⸗ ten errungen, ja erobert. Ich habe ein solches Recht noch nicht,

und darum mochte Ich der Stadt einen Festtag nicht versagen⸗

deg sie sich bereitet hatte. Ich habe noch nichts fuͤr Sie gethan.

Soell Ich daher diese Aeußerungen schon jetzt dankbar an⸗ nehmnen, so lassen Sie uns das Abkommen mit einander treffen, daß, wenn es Mir einst unter Gottes Beistand gelingen wird, recht viel fuͤr das Land gethan zu haben, und Ich kehre

dann wieder einmal zu Ihnen zuruͤck, Sie Mich alsdann,

dieses Abkommen lassen Sie unter uns bestehen, ganz still in diese Mauern einziehen lassen.“

Die Schlußworte Sr. Majestaͤt gaben dem Ober, Buͤrger⸗ messter Veranlassung, ehrfurchtsvoll zu entgegnen: „In unseren

werden Ew. Koͤnigl. Maäjestaͤt stets mit lautem Jubel

einzlehen, und immer darin weilen!“ Man kann sich denken, welche Ruͤhrung, welche Theil⸗ nahme sene Worte der Erinnerung an den hingeschiedenen

theuern Monarchen in allen Herzen fanden. Der Over⸗Buͤrger⸗ meister wandte sich darauf an Ihre Majestaͤt die Koͤnigin, indem eoer die Freude der Hauptstadt zu erkennen gab, wiederum eine Mutter des Landes, die sie seit dreißig Jahren nicht gesehen und seitdem sters betrauert habe, in Alerhoͤchstderselben begruͤßen und mit voller Seele verehren zu duͤrfen. Auch Ihre jestaͤt ge⸗ ruhten diese Anrede in huldreichster Weise mit einigen Worten zu erwiedern.

Unter dem lauten Jubelruf der Versammelten setzte sich nun er Zug durch das Thor in Bewegung. Ihren Majestäten, Allerhöchstwelchen die berittenen Corps baes folgten zu⸗

naͤchst die Koͤnigl. Prinzen und die Generalitat, worauf sich semhmtliche Kommunal Beeamte und Stadtverordnete zu Fuß an⸗ schlossen. Die im Spalier vom Thore bis an das Koͤnigliche Schlioß aufgestellten Gewerke und die Schuͤtzengilde folgten so⸗ ann, und zwar immer, sobald der Zug bei ihnen voruͤbergekom⸗ men war. Ihre Majestaiͤten schienen ergriffen von den berall unter den Einwohnern sich kundgebenden Gefuͤhlen der iebe und Verehrung. Säämmtliche Straßen, durch die der Zug ing, glichen einem großen Blumengarten; uͤber die Straße fort aren schwere Laubgewinde mit Kronen und den Namenszuͤgen des gefeierten Koͤnigspaars gespannt. In dem Augenblick, wo Majestaͤten voruͤberzogen, wurden aus vielen Fenstern ten geschwenkt, Blumen geworfen, die Damen wehten mit Tuͤchern und alles brach in einen rauschenden Jubelruf aus, welcher weder Glockengelaͤute, noch Musik, noch den Kanonen⸗ donner vernehmen ließ-, Ihre Majestaͤten bewegten sich im Schritt vorwaͤrts, häufig anhaltend, und schauten herablassend die Reihen der Gewerke entlang, ihre Embleme und Insignien betrachtend; eben so huldreich schauten Allerhoͤchstdieselben auch zu den Fen⸗ ben der Haͤuser empor und erwiederten auf das leutseligste die gruͤßungen, welche die sichtbarste Liebe Ihnen uͤberall dar⸗ brachte. Im Koͤniglichen Schloß angelangt, traten Ihre Maje⸗ stäten, so wie die Prinzen des Koͤniglichen Hauses, auf den Bal⸗ kon hinaus und geruhten, die durch das Portal einziehenden Ge⸗ werke in Allerhoͤchsten Augenschein zu nehmen. Wiir haben noch uͤbrig, die Aufzuͤge der Gewerke und In⸗ nungen, welche einen wesentlichen Theil des buͤrgerlichen Festvs ausmachten, einigermaßen zu chꝛrakterisiren, denn eine Bescrer bung ist nicht möͤglich, da sogar schon beim Schauen die immer schaulustige Menge sich ermuͤdet fand. Diese Aufzuͤge boten einen Anblick der seltensten und erhabendsten Art dar, wie ihn nur

Das Frankfurter Thor war auf uͤberaus geschmack⸗

EE— T“] eine so gewerb⸗ und industriereiche Stadt, wie die unsrige, und nur eine so allgemeine Anhänglichkeit und Liebe zu Wege bringen konnten. Die berittenen Corps zeichneten sich auf das vortheil⸗ hes⸗ aus; die waren uniformert, die Schlaͤchter braun mit

old, die Brauer schwarz mit Silber, saͤmmtlich sehr wohl berit⸗ ten und von trefflichen Musikchoͤren begleitet. Die Kaufmann⸗ schaft erschien in schwarzen Civilkleidern und zeichnete sich außer ihrer Haltung und der gewoͤhlten Schoͤnheit ihrer Pferde durch das vollkommen gleiche voͤllig neue Riemzeug derselben aus. Nicht minoer hatten aber zu Fuß erscheinende Gewerke dafuͤr gesorat sich festlich zu zeigen und die Augen der staunenden Menge auf sich zu ziehen, welche denn auch nicht unterließ, durch unwillkuͤr⸗ liche Laute der Bewunderung die einen vor den anderen auszu⸗ zeichnen. Alle hatten in den herkömmlichen Farben und Zeichen 8 Fahnen, Panntere und Standarten, sie waren mir farbigen Schaͤrpen und Abzeichen dekorirt und marschirten in geschlossenen Gliedern. Ueberdies trugen die meisten die Erzeugnisse ihrer Ar⸗ beit in den sinnreichsten und kostbarsten Exemplaren und zugleich ihre Werkzeuge auf hochragenden, meistens mu Bandern ge⸗ schmuͤckten Sraͤben, und wir haben schon gestern gesagt, daß viele von Fahnenschwenkern begleitet wurden, welche, besondere wo es Auf. enthalt gab, die Zuschauer belustigten, ihre bunten Fahnen hoch in die Luft werfend. Besonderen Beifall fanden die Goldschmiede durch die reiche Pracht der Kunstwerke in den edlen Metallen, welche sie vor sich hertrugen; die Klempner dagegen fuͤhrten einen geharnischten Ritter, auf einem gleichfalls geharnischten Streitroß rei⸗ tend einher, ihm folgten 82* andere zu Fuß; die Stellmacher fuͤhrten unter anderen Werken ihrer Hand auch das allerliebste Modell einer ganzen Schnellpost, die Zimmerleute, welche so wie die Maurer sich durch einige baͤrtige Reihen noch mehr Ansehen verschafften, trugen in rei⸗ cher Zahl die erbaultchsten Gegenstaͤnde, ganze Thuͤrme und eine Menge der komplizirtesten und sinnreichsten Dachgestuͤhle; dagegen hatten die Tischler fuͤr den saͤmmilichen Hausrath gesorgt; keiner ihrer Meister, ihrer Gesellen und Lehrlinge war in ihrem langen Zuge, der nicht auf seinem Stabe irgend ein zierliches Moͤbel oder Ge⸗ raͤth, von der Wiege bis zum Sarge, den Beschauern dargebo⸗ ten haͤtts. Fuͤr den Lebensunterhalt hatten die Baͤcker, die Pfef⸗ ferkuͤchler u. s. w. in ihren Emblemen das Ihrige gethan; die Letzteren hatten auf ihrer Fahne den Berlinischen Baͤren abgebil⸗ det, dem ein suͤßduftender Bienenstock Appetit gemacht hat. Die Drechtler stellten unter anderen ein ganzes Schachspiel in seinen elnzelnen Figuren auf ihren Staͤben dar. Viel Aufsehen erreg⸗ ten die Fischer mit einem maͤhrchenhaft erscheinenden kolossalen Fangnetz von zierlichster Arbeit in gruͤner Seide, mit vergol⸗ deten Schwimmhoͤlzern geschmuͤckt. Auch die Glaser blieben nicht zu⸗ ruͤck; ihr zahlreiches, stattlich erscheinendes Gewerk prangte mit vielen kunstreichen Arbeiten, einer Sonne, einem Stern, mehreren Wap⸗ pen u. s. w. Durch schoͤne Fahnen wurden noch die Seiden⸗ wirker ein Gegenstand der Bewunderung und die Buchbinder trugen ein purpurrothes durch reichen Goloddruck verziertes Pa⸗ nier vor sich her. Es ist unmoöͤglich, hier den langen Zug, der bis in die Daͤmmerung hinein und bis zum Beginn der Illu⸗ mination dauerte, in den Einzelheilen zu verfolgen. Der Eindruck so viel aufgebotenen Kunstfleißes und einer so großen von innen herstammenden Uebereinstimmung war ein erhabener und ruͤh⸗ render, wie ihn kein noch so großes Festgepraͤnge hätte hervor⸗ bringen konnen. Alle kamen und wollten sich ihrem Fuͤrsten zei⸗ gen und Alle trepnten sich gluͤcklich in dem Gefuͤhl, von ihm ge⸗ sehen und bemerkt zu seyn. Unter den Zuschauern herrschte eine Haltung, Stille und Ehrerbietigkeit, welche keine Folge von po⸗ lizeikichen Maßregeln war; selbst der Judelruf war nur ein be⸗ scheidener, aber 8 rausendfach erschallend um so erhebender. Sei⸗ nen Koͤnig begrüßend erfreute sich das Volk am Volk.

Die Illumination war eigentlich keine auffallende zu nennen, aber sie war um so allgemeiner und gleichmaͤßiger, und gerade so entsprach sie dem schoͤnen Charakter des Festes um so besser. Die Stadt hatte das Berliner, so wie das Köͤlnische Rathhaus er⸗ keuchtet, die lange Bruͤcke, die Koͤnigsbruͤcke und die Siegesgoͤttin auf dem Brandenburger Thor. Alle Straßen waren lampenhell und nur, wo man ein dunkles Gebaͤude entdeckte, war es ein Königliches. Durch die erleuchteten Straßen bewegten sich un⸗ absehbare Wagenzuͤge in mehrfachen Reihen hin; unermeßlich aber war die vergnuͤgte, stille Volksmenge, welche, alle Staͤnde unter⸗ mischt, 8 2 und obwohl auf das dichteste geschaart, dennoch ohne alle Stoͤrung der Ordnung lustwandelte.

Stargard, 20. Sept. Von Koͤnigsberg in Preu⸗ ßen zuruͤckkehrend und gleichsam einen Triumphzug durch die Provinz Pommern haltend, der Peren Koͤniglichen Majestäten von der ungeheuchelten Liebe des Volks bereitet wurde, trafen Allerhoͤchstdieselben am l4ten d. gegen 9 Uhr Abends auf dem, dem Ober⸗Regierungs⸗Rath und Direktor der Koöͤniglichen Gene⸗ rel, Kommission zu Berlin, Grafen von Itzenplitz, zugehoͤrenden, 1 Meile von htier gelegenen Gute Varkewitz ein und geruhten, daselbst Ihr Absteige⸗Quartier zu nehmen, um von dort aus an den naͤchstfolgenden beiden Tagen den seit dem 1ten d. begonne⸗ nen Feld⸗Manoͤvers des 2ten Armee⸗Corps zwischen hier und Jakobshagen beizuwohnen. Ihre Majfestaͤten hatten die Gnade, sich uͤber die in möoͤglichster Eile fuͤr Sie getroffenen Empfangs⸗ Anstalten uͤheraus huldvoll zu aͤußern und mit gleich gnadigem Wohlgefallen am folgenden Tage ein Diner bei dem Ober⸗Praͤsi⸗ denten der Provinz Pommern, von Bonin, auf dessen nahegele⸗ genen Gute Schoͤneberg anzunehmen, zu welchem, mit Genehmi⸗ gung Or. Majestät, die anwesenden Prinzen des Koͤniglichen Hauses, mehrere kommandirende Generale und die ersten Mili⸗ tair⸗ und Civil⸗Autoritaͤten der Provinz geladen waren. Nachdem das Feld⸗Manoͤver am lö6ten Mittags in der Naͤhe der hiesigen Stadt, dem Verlauten nach zur vollkommenen Zufrirdenheit Sr. Majestaͤt, geschlossen war, hielten Ihren Koͤnigliche Majestaͤten gegen 2 Uhr durch das festlich geschmuͤckte und gleichsam in eine

hrenpforte verwandelte Wallthor Ihren Einzug in die hiesige Stadt und gelangten durch die reich mit Laub, und Blumen⸗ Guirlanden verzierten Straßen und durch die Ihnen entgegen jubelnde Volksmenge zu den fuͤr Allerhoͤchstdieselben in der Koö⸗ nigsstraße in den aneinander graͤnzenden und mit einander in Verbindung gesetzten Haͤusern des Hauptmanns a D. Wie⸗ mann und des Musik⸗Lehrers Weber, bereit gehaltenen Wohnuna, vor welchen eine Compagnie Garde⸗Landwehr und die hiesige Schuͤtzengilde, der sich der groͤßte Theil der hiesigen Buͤrgerschaft bezirksweise angeschlossen hatte, in Parade aufgestellt waren und woselbst sich auch der Magzistrat und die Stadtverordneten, die hier anwesenden Praͤsidenten der Koͤntglichen Landes⸗Kollegien, die sämmtlichen Mitglieder der Koͤniglichen General⸗Kommiesion von Pommern, die hiesige Geistlichkeit, an deren Spitze ch der Bischof Dr. Ritschl befand, die saͤmmtlichen

itglieder der Alt Pommerschen Landstube und des Neu⸗Vor⸗ ommerschen Land⸗Kastens und eine große Zahl zum Stande der

itterschaft gehoͤrige Gutsbesitzer, so wie auch viele andere aus⸗ 82, Fremde, zum ehrfurchtsvollen Empfange Ihrer Köͤnigl.

ajestaͤmen versammelt hatten. Allerhoͤchstdieselben geruhten, die

822 1“ b B11““ Aeußerungen der Freude uͤber Ihre gluͤckliche Ankunst huldvoll entgegenzunehmen und entließen die Versammlung unter den züdiasten und wohlwollendsten Versicherungen. Am Abende der nkunft Ihrer Mazesta en war die ganze Stadt glaͤnzend er⸗ leuchtet. Den solgenden Vormittag widmeten Se. Masestär d Koͤnig den Staacsgeschaͤften und geruhten demnaͤchst die Genera⸗ litaͤt, den Ober⸗Präͤsidenten und saͤmmtliche Srabs⸗ Offiziere ges 2ten Arm e Corvs zur Tafel zu ziehen. Am Abende dieses Ta ges hatten Ihre Königl. Majestaten die Gnade, das von den drei Sraͤnden der Provinz, Ritterschaft, Stadte und Land⸗G.⸗ meinden, vorbereitete Fest huldvoll anzunehmen und auf demfeb ben mehrere Srunden zu verweilen. Jle öchstomtelben scht nen von den Einrichzun en desselben auf das angenehmste uͤberralc⸗t

auf die beagluͤckenoste Weise. Am inten Vormittags war grote Parade⸗Aufstellung des nten Armee⸗Coros und zweimaliger Vor⸗ deimarsch, nach dessen Beendigung Se. Magestaͤt der König, in Begleitung Ihrer Majestat der Koͤnigin, nach dem Infanterie⸗ Lager bet hiesiger Stadt fuhren und von der ganzen Einrichtung desselben, der Verpflegung der Truppen darin u. s. w. die genaueste Kenntniß nahmen. Zu Mittaae hatten saͤmmtliche Staͤnde der Provinz, die Chefs der Civil⸗Betzoöͤrden und eine große Anzahl anderer Fremden die Ehre, zur Koͤniglichen Tafel befohlen zu werden, vor deren Aufhebung Se. Majestaͤt einen Toast auf das Wohl der Staͤnde Pommerns aueszubringen, sich noch einmal uͤber das Ihnen gegebene schoͤne zes auf das herablassendste und wohlwollendste auszusprechen geruhten, die ganze Provinz Ihrer gnaͤdigsten Zuneigung und Liebe versicherten Uund mit den zur Begeisterung hinreißenden Worten schlossen, daß, so wie die Staͤnde Pommerns von Jahren her mit dem Statthalter von Pommern zufrieden gewesen wäͤren, sie es auch gewiß niit dem nunmehrigen Herzog von Pommern seyn sollten. Nach aufgehobener Tafel geruhten Ihre Koͤnigl. Majestaͤten sich noch län⸗ gere Zeit mit vielen Anwesenden auf das leutseligste zu unterhalten

Tag zu legen, besonders verpflichteten Seine Maäjestaͤt der Kbe, nig den Oberbuͤrgermeister Weier, es der ganzen Buͤrgerschaft öͤffentlich zu verkuͤndigen, daß Allerhoͤchstdenenselben hinsichts der fuͤr Sie und Ihre Majestaͤt die Koͤnigin getroffenen Auartler⸗ Einrichtungen nichts zu wuͤnschen uͤbrig geblieben waͤre, selbige vielmehr Ihr vollkommenstes Wohlgefallen erhalten haͤtten. Nach der Tafel nahm Ihre Majestaͤt die Koͤnigin Damen⸗Cour an⸗ Seine Majestaͤt der Koͤnig aber begaben sich in die Marien, Kirche, wo Allerhoͤchstdieselben von der Geistlichkeit erwartet wur⸗ den. Spaͤter erlaubten Se. Majestaͤt der Koͤnig, daß eine De⸗ putation des hiesigen Gymnasiums Allerhoͤchstihnen ein Festge⸗ dicht uͤberreichen durfte und der Musiklehrer Weber, in dessen Hause das Quartier fuͤr Ihre Majestaͤt die Koͤnigin bereite war, erfuhr die Auszeichnung, Ihren Koͤnigl. Majestaͤten von einigen seiner Schuͤlerinnen ein musikalisches Divertissement au mehreren Fortepianos vortragen lassen zu duͤrfen, welches von Ihren Majestaͤten mit dem aufmunterndsten und gnaäͤdigsten Bei⸗

ließen Seine Majestät der Koͤnig unsere Stadt, um noch ein Corps⸗Manoͤver von den Truppen ausfuͤhren zu lassen und dem⸗ nächst sogleich Ihre Reise nach Stettin fortzusetzen; eine Stunde spaͤter folgte Ihre Majestat die Koͤnigin, Beide von den heißesten Segenswuͤnschen der hiesigen Einwohner begleitet und die heilig⸗ sten Erinnerungen an zahllose Beweise unbeschreiblicher Huld und Guͤte des hoch verehrten Herrscherpaares in Aller Herzen zuruͤcklassend.

Vor der Abreise hatten Se. Majestaͤt der Koͤnig noch die Gnade, dem Oberbuͤrgermeister Weier ein Geschenk von 100 St. Frie⸗ drichsdor fuͤr die hiesigen Armen zustellen zu lassen, welchem Ihre Majestaͤt die Koͤnigin ein gleiches Geschenk von 100 Frie⸗ drichsdor beifuͤgen zu lassen geruhten. Dem Hauptmann We

mann verliehen Se. Majestaͤt einen kostbaren Brillantring und dem Musiklehrer Weber Ihre Majestät die Koͤnigin eine werth⸗ volle goldene Dose. wt

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Stettin, 19. Sept. (Stett. Z.) Mit dem haücigen Tage sollte unsere Stadt ihre lange gehegten Wuͤnsche, ihre schön⸗ sten Pefnungen erfuͤllt sehen; schon lange vorher hatte sich de treue Stadt bemuͤht, gerade am heutigen Tage ihr festlichstes Nleid anzuziehen, und jeder ihrer Einwohner hatte mit freudigstem Hes zen sein Scherflein zu ihrem Schmucke beigesteuert, es galt sa auch ihr heutiges Ehrenkleid dem geliebten Herrscherpaare, ihrein Koͤnige Friedrich Wilhelm IV. und Seiner hohen Gemahlin, wie sollte sie auch heute das, was jedes Preußen Herz bewegt, nicht froh und froͤhlich vor aller Welt aussprechen und selbst außerlich darlegen; die Liebe Und Treue zu ihrem theuren Fuͤrsten! und so hat sie es gethan, sie that es durch den ehn wie durch den geringsten ihrer Einwohner, ja sie that es durch den Mund ihrer Wittwen und Waisen; aber auch ihre Aerndte war groß; denn ihr „Heil dem theuren Koͤnigs⸗Paare!“ ging zum Herzen, wie es aus vollstem Herzen kam, das sagten uns die Kenegäche Huld und Gnade, welche das hohe Herrscherpaar umflossen, das sagte uns jeder ihrer begluͤckenden Gruͤße. So wie Se. Ma⸗ jestaͤt die Huldigung unserer Stadt bereits in Koͤslin gnädigst aufzunehmen geruhten, eben so ward jetzt dieselbe Gnade allen Sraͤdten, ja selbst den geringsten Ortschaften unserer Provinz zu Theil, welche Allerhöchstdieselben auf gegenwaͤrtiger Reise beruͤhr⸗ ten; alle wetteiferten in den Beweisen ihrer Liebe und Anhaͤng⸗ lichkeit und die Koͤnigl. Reise ward zum Triumphzuge! So sollten Ihre Majestaͤten heute Nachmittag um 3 Uhr Ihre treue Stadt Stettin erreichen. Alles war in der gespann⸗ testen Erwartung. Die Straßen und Haͤuser, durch welche sich der Koͤntaliche Zug bewegen sollie, waren mit Eh⸗ renbogen, Laub, und Blumenaewinden aufs reichste geschmuͤckt; am Parnitzer Thore hatten sich der Magistrat und die Stadt⸗ verordneten aufgestellt, an beiden Seiten der großen Lastadie, die saͤmmtliche Buͤrgerschaft nach der in der Sraͤdteordnung vorae⸗ schriebenen Gliederung in einzelne Bezirke, jeder Bezirk mit seiner Stadt⸗Fahne, und die Zimmerleute mit ihren Fahnen und In⸗ signen bis zur Langen Bruͤcke; auf der Langen Bruͤcke standen die Kaufmannschaft und die Handlungs⸗Gehuͤlfen zu beiden Sei⸗ ten, von der Langen Bruͤcke ab, durch die Koͤnias⸗, Schulzen⸗ und Breitestraße, uͤber dem Roß Markt bis zur Louisenstraße die Gesellen der verschiedenen Gewerke, gleich alls mit ihren Fahnen und

nsianien, und in der Loui enstraße bis zum Landhause die Buͤrger⸗

chuͤtzen⸗Compagnie mit ihren Buͤchsen. Alle diese hatten, von der Ankunft unterrichtet, ihre verschiedenen Sicllungen eingenom⸗ men, wädrend das Wogen einer unzaͤhligen Volksmenge sich durch die Straßen bewegte, des frohen Augenblicks der ersehnten 2* kunft des geliebten Herrscherpaars harrend. Kurz vor E Uhr kamen Se. Königl. Hoheit der Prinz Albrecht 6 2 ten in dem Hotel des kommandirenden 2,— H.v 8 Dohna ab. Jetzt konnten Ihre Mazestaͤten . Deonner sernt seyn; da verkuͤndete um halb 3 ubr arrunasvollen Geschutzes und das Lauten der Glocken der 2

Stade, daß Ihre Meajestaͤten das Weichbeld der

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und aͤußerzen sich gegen die Anordner desselben wiederholentlichh

und Ihre Zufriedenheit wit Ihrem hiesigen Aufenthalt an den

fall aufgenommen wurde. Am 19ten Morgens gegen 9 Uhr ver.