Das Dampfschiff von Bona ist
Die Provinz Algier ist ruhig. 1 Die Provinz Algie Oran geht in diesem Augenblicke
nicht angekommen. Das von vor Anker.“ Großbritanien und Irland. 8 London, 26. Sept. Seit einigen Tagen befinden sich drei Prinzen von Hohenlohe⸗Schillingsfuͤrst bei Ihrer Masestaͤt der Koͤnigin zum Besuch; sie kamen gestern von Windsor nach der Stadt, um sich eine Zeit lang hier aufzuhalten. 8 Wegen Ablebens der Prinzessin Auguste legt der Hof vom 27. September bis 11. Oktober die erste und vom 11. bis zum 18. Oktober die zweite Trauer an. Der Tag der Beisetzung Ihrer Koͤnigl. Hoheit in der Koͤniglichen Gruft zu Windsor ist noch nicht bestimmt. Es war uͤbrigens der ausdruͤckliche Wunsch der Prinzessin, daß ihre Veisetzung so einfach stattfinden solle, als es ihr Rang nur immer gestatte. Frogmore Lodge, der Land⸗ sitz der verstorbenen Prinzessin, fruͤher das Privat⸗Eigenthum Ih⸗ rer Majestaͤt der Koͤnigin Charlotte, besaß die Verewigte auf ihre Lebenszeit. Dasselbe fällt nun als Eigenthum an die Prinzessin Marie, jetzige Herzogin von Gloucester. 11 Unter seinen heutigen Boͤrsen⸗Notizen bringt der ministerielle Slobe auch folgende Nachricht, der dies Blatt jedoch wohl nicht einen so versteckten Platz angewiesen haben wuͤrde, wenn es ihr Glauben beimäße: „Briefe aus Konstantinopel vom 9ten, die uͤber Odessa hierhergelangt sind, melden, daß der Sultan durch die Zugestaͤndnisse des Pascha's von Aegypten zufriedengestellt und daß die Differenz auf freundschaftliche Weise ausgeglichen sey. Lord Alvanley hatte diese Nachricht bei seiner Ankunft von Konstantinopel in Odessa bestaͤtigt. Indessen zweifelt man daran, daß der Sultan ohne die vorgaͤngige Zustimmung der Europaͤi⸗ schen Maͤchte mit dem Pascha haͤtte Frieden schließen koͤnnen.“ Die Ausgaben, zu welchen die Franzoͤsische Regierung in Folge ihrer letzten Ordonnanzen veranlaßt ist, fangen an, die Auf⸗ merksamkeit der Kapitalisten und Spekulanten auf sich zu ziehen, und die Morning Chronicle will schon aus Paris erfahren haben, daß in kurzem ein betraͤchtliches Anlehen in 3 proc. Ren⸗ ten wuͤrde veroͤffentlicht werden. 8 In einem satyrischen Artikel uͤber die orientalische Frage und uͤber Frankreichs und Englands Stellung zu derselben aͤußert sich der radikale Examiner unter Anderem folgendermaßen: „Das Ungluͤck ist, daß wir die Tuͤrkei einzumachen angefangen haben, nachdem sie todt ist. Wir treiben das sparsame Geschaͤft, die abgefallenen Stuͤcke aufzuheben. Aber was koͤnnen wir anders
thun? Das Loch in Europa muß gestopft werden, und die vier Maͤchte sollen jede einen Finger hineinstecken, damit nicht eine einzige von ihnen vier Finger hineinstecke und den Daumen dazu. Es ist eine tolle Stellung, eine verworren falsche Stel⸗ lung: England mit dem einen Arm gegen Rußland im Orient bewaffnet, und mit dem anderen es zu einer Allianz in Europa, abseits von Frankreich, an den Busen druͤckend. Alles recht gut und schoͤn! aber wird es dauern? kann es dauern? Wird die Tuͤrkei jemals im Stande seyn, fuͤr sich selbst zu sorgen? Alles Kissenunterschieben, das sich nur erdenken laͤßt, kann ihr den Lebensfaden der Unabhaͤngigkeit nicht wiedergeben, und vier Pflegammen auf einmal kann weder Tuͤrke, noch Christ lange ertragen. Die Zeit muß kommen, wo die Tuͤrkei Ein Polster, Eine Amme den vieren vorziehen wird, und was dann? Wir beklagen die Stoͤrung der herzlichen Freundschaft, die zwischen England und Frankreich bestand und die zur Sicherheit und zum Vortheil beider Nationen immer zwischen ihnen bestehen sollte, aufs tiefste; aber wir koͤnnen die Britische Regierung wegen ihrer jetzigen Entfremdung von Frankreich nicht tadeln. Das Temperament der Franzosen hat sich versauert, und es ist schwer geworden, mit ihnen auszukommen. Sie sind argwoͤhnisch und reizbar, und wenn sie nachgerade offene Feinde aus uns machen, so ruͤhrt es daher, daß sie sich mit dem muͤssigen Gedanken tru⸗ gen, wir seyen ihre versteckten Feinde gewesen. Sie sind von der Einbildung erfuͤllt, England sey gelb vor Neid gegen Frank⸗ reichs aufbluͤhende Wohlfahrt, und es sinne auf Finten und Raͤnke, um sie zu beschaͤdigen und zu betruͤgen. Der aufgeklaͤrte Theil des Britischen Volkes fuͤhlt im Gegentheil, daß jeder Schlag gegen die Macht und Bedeutsamkeit Frankreichs nur Schaden und Gefahr fuͤr England mit sich bringen wuͤrde. Es ist ein Jammer, daß Frankreich seine eigene wahre Groͤße nicht richtiger wuͤrdigen und mit ihr zufrieden seyn lernt. n seinem vorgeruͤckten, ja etwas uͤbervorgeruͤckten Stadium der Civilisation sollte es doch uͤber die roheste und niedrigste Art des Ehrgeizes eeeedes seyn. Wenn uͤbrigens der Grundsatz, daß die
riegsruͤstungen in direktem Verhältniß zur Friedensliebe stehen, und umgekehrt, richtig ist, wie uͤbermaͤßig kriegslustig muß dann England unter den jetzigen Konjunkturen seyn! Lord Minto na⸗ mentlich ist dann ein vollkommener Feueresser, denn er befindet sich dermalen auf einer Inspections⸗Reise, um sich durch den Augenschein zu uͤberzeugen, daß keine Kriegsschiffe auf unseren großen See⸗Stationen liegen; mit andern Worten, er 2 in der Runde, um zu sehen, daß nichts zu sehen ist. In Spithead liegt der „Royal George“ auf dem Meeresgrund, das ist Alles. Die Lichter zu dem Taucher⸗Apparat nehmen sich, das muß man gestehen, recht artig aus und wuͤrden bei der Flotten⸗Musterung, von der die Rede ist, eine huͤbsche Figur spielen. Da haben wir das Gegenstuͤck zu der Fortification von Paris: wenn diese an⸗ zeigt, daß Ludwig Philipp der friedliebendste aller Konige ist, so beweist dagegen der Friedenszustand unserer Fotte, daß die Bri⸗ tische Regierung die kampfbegierigste in der Welt ist.“
Nach dem Morning Chroniele soll der Londoner Trak⸗ tat durch Herrn Urguhart an die Journale gelangt seyn, in de⸗ nen er zuerst veröffentlicht wurde. Das genannte Blatt häͤlt g. g ö den „ausgezeichneten Korrespondenten“
1 2 9 ra 1 1 i 8 deics 8 „ der anfaͤnglich so viele Einwürfe gegen Ein Herr J. Wimbridge soll ein chemisches Verfahren ent⸗ deckt haben, wodurch Stahl so hart gemacht werden koͤnnte, daß er Glas noch leichter als der Diamant durchschnitte.
Nach der provisorischen Verfassung fuͤr Neu⸗Seeland welche von den eingebornen Haͤuptlingen der Insel ratifizirt wor⸗ den ist, soll jedes von dem legislativen Kolonial⸗Conseil angenom⸗ mene Gesetz, selbst insofern es die eigene innere Verwaltung die⸗ ses Conseils betraͤfe, der Sanction der souverainen Haͤuptlinge von Neu⸗Seeland beduͤrfen, dann aber von der Regierung Eng⸗ lands und jeder anderen civilisirten Nation respektirt werden. Der erste Schritt des Conseils war, den Regierungskontrakt, den die
Kolonisten vor ihrem Abgange von England gegenseitig angenom⸗
1109.bf “
“
Jeder männliche Einwohner hat sich den Waffen⸗Uebungen
39 — Behufs der Landes⸗Vertheidigung zu unterziehen; Verbrecher werden nach Englands Gesetzen gerichtet; zu diesem Ende wird ein Kriminalgericht von 25 Mitgliedern nebst7 Assessoren einge⸗ setzt, desgleichen ein aus 5 Mitgliedern bestehender Appellations⸗ Hof. Der vornehmste Agent der Compagnie, Oberst Wakefield, ist erster Conseils⸗Praͤsident und zugleich Befehlshaber der be⸗ waffneten Eingebornen. Ein besonderes Comite hat die Erhaltung des Friedens zu uͤberwachen und die zur Bestreitung der Admi⸗ nistrations⸗Kosten noͤthigen Steuern zu bestimmen. Herr G. St. Evans ist zum ersten Hbmann des Kriminalgerichts, und Herr S. Revan zum ersten Secretair des Conseils ernannt. Der Praͤsident soll alle 5 Jahre neu gewaͤhlt werden.
Deutsche Bundesstaaten.
Baden, 25. Sept. (Schw. M.) Wenn gleich die dies jährige Badezeit schon stark im Abnehmen ist, so zaͤhlen wir doch noch sehr viele Fremde hier, und taͤglich kommen noch neue Gaͤste an, welche die abgehenden wenigstens 8 Theil ersetzen. So giebt die heutige Fremden⸗Liste noch 80 Nummern gestern angekomme⸗ ner Fremden an. Bei der laͤngern Dauer und der herbstlichen Kuͤhle der Abende draͤngt sich dann Alles in die Saͤle des Conversa⸗ tions⸗Hauses zusammen. Daß hierbei die Bank bedeutende Ge⸗ schaͤfte macht, versteht sich von selbst. An einem der letzten Abende wurde so stark und hoch und von Seiten der Pointeurs so un⸗ gluͤcklich gespielt, wie seit dem Bestehen der Hasard⸗Spiele hier noch nie.
Die allverehrte Großherzogin Stephanie war kaum einige Tage von ihrem Landsitze Umkirch hier eingetroffen, als sie an einer Hirn⸗Entzuͤndung so schwer erkrankte, daß ihr Leben in höͤchster Gefahr schwebte. Zu allgemeiner Freude befindet sich die hohe Kranke wieder außer Gefahr, allein sie ist noch so an⸗ gegriffen, daß man die⸗Glocken, welche waͤhrend der Krankheit der theuern Fuͤrstin saͤmmtlich verstummt waren, noch nicht zu läuten wagt. Der Erbprinz von Sigmaringen und der Prinz Wasa sind waͤhrend des bedenklichen Zustandes ihrer Schwieger⸗ mutter hier eingetroffen. Auch der Fuͤrst von Fuͤrstenberg machte auf seiner Heimreise von den Manoͤvern einen Umweg nach hie⸗ siger Stadt, um sich persoͤnlich von dem Befinden seiner theuern Verwandten zu uͤberzeugen.
Braunschweig, 29. Sept. (Hamb B. H.) Die Bahn von Braunschweig über Wolfenbuͤttel bis Schladen ist bereits ganz sertig; von Schladen bis Vienenburg wird man zu Wagen weiter geschafft, von Vienenburg bis Harzeburg ist wiederum Schienenweg. Die Entfernung zwischen beiden Orten betraͤgt ungefaͤhr ¼ Meile, und man gelangt von letzterem Orte bis zu jenem in 10 bis hoͤchstens 15 Minuten, ohne Lokomotive und Pferde, nur durch die Schwerkraft des Wagens und die allmäͤ⸗ lige Senkung des Weges. Das Schauspiel ist eins der erlusti⸗
endsten und angenehmsten. Auf das Zeichen geben vier Maͤnner m hintersten Wagen einen Stoß, und der ganze Train setzt sich alsdann in Bewegung, die, mit jedem Schritte rascher wer⸗ end, bald von den Conducteuren durch Bremsen, die hinter je⸗ dem Wagen angebracht sind, gehemmt werden muß; sonst kaͤme er Zug im zerstoͤrenden Schusse in Vienenburg an. Scheinbar enkt sich das Terrain so allmaͤlig, daß das Schauspiel eines selbst⸗ ollenden Wagens mäaͤhrchenhaft erscheint. Ja, wenn ein ein⸗
zelner Wagen pfeilschnell dahinrollt, kann man sich kaum des
Anwesenden die vertheilte Einladungsschrift des gelehrten Fr. P⸗ cobs: diatribes de re critica aliquando edendae capita duo (30 S. in 410). „
“ Schweiz. 8 Aus der Schweiz, 23. Sept. (Schwaäͤb. M.) Der Kanton Waadt, gehoͤrt als eine der neueren politischen Sche⸗ pfungen zu den radikalen Kantonen der Schweiz. Bei der unge⸗ schmaͤlerten Freiheit, die daselbst herrscht, kommen dann mitunter Bittschriften und Aeußerungen zum Vorschein, die an die Lehren der neueren Franzoͤsischen Socialisten erinnern. So war noch kuͤrzlich die Rede von der Einfuͤhrung einer Progressivsteuer und von Errichtung von National⸗Werkstaͤtten worin jeder Arbeitslose sollte Beschaͤftigung finden koͤnnen. Dafuͤr hatten sich nament⸗ lich die Staatsraͤthe Blanchenay und Briatte ausgesprochen, mit Beziehung auf England und Frankreich auf die Gefahren him⸗ weisend, die aus der Entstehung uͤbergroßen Vermoͤgens, welche man zeitig zu verhindern suchen muͤsse, so wie aus dem stets schroffer werdenden Gegensatze von Kavpitalisten und Arbeitern entspringen. Fruͤher war eine Gemeinde gar ouf den Gedanken ge⸗ kommen, Lamennais „Worte eines Glaubenden“ als Schulbuch einfuͤhren zu wollen, und auf dieser aͤußersten Seite der einen Partei finden sich wohl auch solche, die allen religioͤ⸗ sen Kultus zu den uͤberfluͤssigen Luxus⸗Artikeln zaͤhlen. Eine kraͤftige Regierung, eine wohl geordnete erwal⸗ tung hat indeß bis jetzt dafuͤr zu sorgen gewußt, daß extreme Meinungen und Geluͤste, die nur sehr vereinzelt hervor⸗ traten, nicht in gesetzwidrige Handlungen uͤberschlugen. Bedenk⸗ licher ist die Stellung der jetzigen Behoͤrden gegenuͤber der alt⸗ kirchlichen Partei, welcher der groͤßere Theil der Geistlichkeit an⸗ gehoͤrt, und die es nicht verschmerzt, daß nach dem großraͤthlichen Beschlusse zu Ende v. J. das Helvetische Glaubens⸗Bekenntniß nicht mehr als bindende Vorschrift gilt. So sind unlängst wie⸗ der von Pfarrer Burnier zwei Flugschriften gegen das neue Kir⸗ chen⸗Gesetz erschienen. In gleichem Geiste ward in der Ver“ sammlung der Kirchen⸗Klassen der Vorschlag gemacht, im Namen der Geistlichkeit einen Leitfaden der Lehre zu veröͤffentlichen, und von dem unter den Strengglaͤubigen wohl angesehenen Professor Vinet zwar bekaͤmpft, aber nur aus dem Grunde, weil dadurch die Versammlung das vom großen Rathe des Kantons ihr auf⸗
erlegte Gesetz anerkennen wuͤrde
Tessin, (Basler 3) Einer der eifrigsten Patrioten, der Scharfschuͤtze Baptist Zanettini von Ascona, wurde in der Nacht vom 9. auf den 10. September durch Messerstiche, die ihm ein gewisser Philipp Gualzata beigebracht, ermordet gefunden. Saͤmmt⸗ liche Schuͤtzen waren zwar dem Moͤrder, der ein Anhaͤnger jeder schlechten Regierung und ein rasender Feind des herrschenden Systems seyn soll, sogleich auf der Spur, aber es gelang ihnen bis jetzt noch nicht, ihm beizukommen. lr. Zacheus von Brissago, Vorsteher der Schuͤtzen⸗Gesellschaft, hielt bei dem Grabe des Er⸗ mordeten eine heftige Rede, worin er die Schuͤtzen beschwor, die heilige Schuͤtzen⸗Fahne nicht eher wieder aufzupflanzen, bis sie mit dem Blute ihres Feindes, des elenden Moͤrders, bespritzt sey. So verabscheuungswerth die That an sich ist, so verdien⸗ ten doch solche unvernuͤnftige Aeußerungen nicht von einem Zei⸗ tungsblarte als besonders ruͤhmliche Zeichen des National⸗Gei⸗
stes geruͤhmt zu werden, wie es leider in jenem Lande geschieht.
Spanien
kachens erwehren, und glaubt sich in ein Arabisches Maͤhrchen
versetzt. Dennoch erreicht die Differenz in der Abdachung eine ußzahl, die der zweier maͤßigen Kirchthuͤrme gleichkommt So belustigend das Schauspiel fuͤr den Zuschauer ist, eben so an⸗ muthig ist das Gefuͤhl fuͤr den auf dieser großen Rutschbahn Dahinrollenden. Mit dem geraͤuschvollen Stampfen der Fahrt mit Lokomotiven ist es gar nicht zu vergleichen. Freilich erkauft man ein kurzes Vergnuͤgen mit einer desto laͤngeren Unbehaglich⸗ keit. Zuruͤck wird man bergauf 45 Minuten bis eine Stunde von Pferden gezogen. Das ließe sich beschleunigen; doch ist es noch zweifelhaft, ob man auf dieser Strecke Lokomotiven wird in Anwendung bringen koͤnnen. Eben so precair ist die Aussicht auf den erwarteten Ertrag. Zur Zeit rentirt nur die Strecke von Braunschweig bis Wolfenbuͤttel; wenn die Bahn vollendet ist, hofft man den Haupt⸗Gewinn aus der leichteren und minder kost⸗ spieligen Herschaffung des Holzes und anderen Bau⸗Materials fuͤr Braunschweig von dem Harze zu ziehen. Aber auch wenn die Bahn in dieser Weise nicht nach Zahien rentirte, so rentirt sie doch als ein Institut zu Ehren und zum Nutzen des Braun⸗ schweigischen Landes.
— — Gotha, 29. Sept. Am heutigen Tage begann die dritte Versammlung des Vereins Deutscher Schulmaͤnner und Philologen unter dem Vorsitze der beiden Gothaischen Philblo⸗ gen, Fr. Jacobs und Rost, mit einer vorbereitenden Sitzung in dem großen und schoͤn dekorirten Saale des Schießhauses. derselben wurde durch den letztern der genannten Vorsteher, der mit aufopfernder Bereitwilligkeit dem hochbejahrten Jacobs den gröͤßten Theil der aͤußern Geschäfte abgenommen und fuͤr jedes Beduͤrfniß der Angekommenen auf das beste gesorgt hatte, die Vortraͤge fuͤr die drei oͤffentlichen Sitzungen bekannt gemacht und die Geschaͤftsordnung festgestellt. Die Zahl der anwesenden Phi⸗ lologen und Schulmaͤnner war 153, ist aber noch immer im Steigen begriffen, aus Bayern, Hessen, Wuͤrttemberg, Preußen, Hannover, dem Koͤnigreiche und den Herzogthuͤmern Sachsen, auch aus der Schweiz, unter ihnen Gottfr. Hermann aus Leip ig, Thiersch, Goͤttling, Hand, Lachmann, Hermann aus Mar⸗ urg, Bernhardy, Srchche⸗ Gerlach, Osann, Ritschl und viele andere ausgezeichnete Maͤnner. Die saͤmmtlichen Anwesenden wurden darauf auf Kosten des Stadtraths, der mit den Buͤrgern Gotha's in jeder Art von Gastfreundlichkeit gegen die Philologen wetteiferte, in 43 Wagen nach dem Jasdschlosse Reinhardsbrunn geleitet. Hier empfing des Herrn Herzogs von Sachsen⸗Koburg⸗ Gotha Durchlaucht die Angekommenen auf das huldvollste und ichen und durch die Großartigkeit der
bewirthete sie an seiner reiche Umgebung (denn es wurde im Freien unter einem großen Zelte
espeist) vielfach geschmuͤckten Tafel, an welcher fuͤr 240 Personen 89 aufgehobener Tafel geruhten Se. Durchlaucht wie auch des Herrn Erbprinzen Hoheit Hoͤchstselbst seinen Gaͤsten die praͤchtige Blumenflor und die von ihm geleiteten, hoͤchst ge⸗ schmackvollen Anlagen und Bauten zu zeigen und erwarben Sich hierdurch, so wie durch die außerordentliche Liberalität, mit wel⸗ cher Hochdieselben Ihre besondere Theilnahme an der Foͤrderung der Zwecke des Vereins schon sest laͤngerer Zeit zu erkennen ge⸗
Madrid, 19. Sept. Die Hof⸗Zeitung enthaͤlt folgende Bekanntmachung der provisorischen Regierung:
„Die von Ihrer Majestät der Königin⸗Regentin dem unbesiegba⸗ ren Heerführer, dem Befreier Spaniens, der festesten Stütze unserer Freiheit und Unabhängigkeit übertragene Vollmacht, alle für das Glück der Spanier nöthigen Maßregeln zu ergreifen und ein dem National⸗ Willen entsprechendes Ministerium zu bilden, mußte natürlich der pro⸗ visorischen Junta das größte Vertrauen einflößen, da sie sich überzeugt bält, daß er den auf eine so feierliche Weise fundgegebenen Forderun⸗ gen der öffentlichen Meinung völlig Genüge leisten wird. Damit je⸗ doch der Heros von Luchana mit den wahren Wühnschen, Hoffnun⸗ gen und Bedürsnissen der großen Mehrzahl der Spanier genau be⸗ kannt werde, so hat die Junta geglaubt, der höheren Einsicht des Her⸗ zogs von Vitoria folgende dem Willen diefer beroischen Nation gemäß entworfene Bestimmungen vorzulegen, damit ihm dieselben bei seinen heroischen Bestrebungen zur Richtschnur dienen können: 1) Ihre Ma⸗ jestät die Königin⸗Regentin soll in einem an die Nation gerichteten Mauifest das Verfahren der verrätberischen Minister, die den Thron und die öffentliche Ruhe kompromittirt haben, förmlich mißbilligen. 2) Alle hohen Palast⸗Beamte, so wie diejenigen angesehenen Personen, die dazu mitgewirkt haben, Ihre Majestät zu täuschen und die dem bisher befolgten Reactions⸗System anhängen, sollen für immer aus der Umgebung Ibrer Majestät entfernt werden. 3) Das verhaßte Ge⸗ setz über die Apvuntamiento's soll annullirt werden. à) Die gegenwär⸗ tigen Cortes werden aufgelöst und neue mit Spezial⸗Vollmachten ver⸗ sehene einberufen, um auf eine dauernde Weise die Folgen der Natio⸗ nal⸗Manifestation zu sichern. 5) Die Waffen werden nicht eher nie⸗ dergelegt, als bis alle diese Bedingungen vollständig erfüllt sind.“
Die Mitglieder der provisorischen Regierung, Grimaldi und Buschenthal, sind gezwungen worden, ihre Entlassung zu nehmen.
Das Eco del Comereio enthaͤlt in seiner heutigen Nummer folgenden Artikel: „Wir sind der Meinung und glauben, es zum Besten der Koͤnigin Isabella 11. und unseres theuren Vaterlandes ohne Ruͤckhalt aussprechen zu muͤssen, daß das natuͤrlichste, schnellste und leichteste Mittel, der gegenwaͤrtigen Krisis ein Ende zu machen, sich in den Haͤnden der Koͤnigin Regentin befindet. Wenn sie ihre Stellung aufrichtig erkennt, wenn sie den Glanz des Thrones ihrer erhabenen Tochter zu erhalten wuͤnscht, so muß sie zu den Spaniern sagen: „„Die schwere Last der Regierung, die Ihr mir auf so großherzige Weise uͤbertragen habt, uͤbersteigt meine Kraͤfte. Ich allein vermag sie nicht mehr zu tragen, sorget da⸗ fuͤr, daß sie zur Erleichterung fuͤr mich, zum Besten des Thrones und zu Eurer Aller Sicherheit getheilt werde.“““ Es waͤre dies ein wuͤrdiges, edles, uneigennuͤtziges und redliches Benehmen und die gluͤcklichste Loͤsung des Knotens.“ 112141565
Aegypten. 8 4
Alexandrien, 6. Sept. Am 31. August war die AQuaran⸗ taine fuͤr die beiden Admirale der vereinigten Escadren von England und Oesterreich beendet, und sie stiegen ans Land. Der Admiral Stopford, dem der Pascha eine Compagnie Soldaten und die Janitscharmusik zum Empfang geschickt hatte, verbat sich alle Ehrenbezeugungen dieser Art. Beim Empfang der Admirale saß der Pascha in der Mitte der Ottomane mit untergeschlagenen Beinen. Als der Admiral Stopsord, ein Greis von mehr als 70 Jahren, von kleiner, unansehnlicher Gestalt, mit seinem Kon⸗
v1“
Aequinoctialstuͤrme eintreten, und daher die Schiffe die See
der orientali
Ruͤcken anlehnen konnte; seine Absaͤtze beruͤhrten den Rand der Ottomane, wodurch er sich ganz unbehuͤlflich ausnahm. Der Pascha mit seiner Geschmeidigkeit sah dagegen mit seinem schoͤ⸗ nen weißen Bart und seiner grazioͤsen Miene, im Vergleich zu Stopford, jugendlich aus. Der Öberst Hodges saß seitwaͤrts des Admirals, und ihm folgten seine Secretaire. Kurze Zeit darauf erschien der Admiral Bandiera mit seinen Konsuln und Secre⸗ tairen. Der Pascha machte sitzend eine leichte Verbeugung und lud diese Herren mit der Hand zum Sitzen ein; der Admiral saß rechts neben dem Pascha. Man servirte Kaffee und brachte fuͤr den Pascha und die beiden Admirale drei Pfeifen von glei⸗ chem Schmuck. Bei der Unterredung uͤber den Krieg im Hed⸗ schas bemerkte Oberst Hodges, daß es leichter sey, zu kommandi⸗ ren als zu gehorchen. er Pascha erwiederte, daß es viel schwie⸗ riger sey, gut zu kommandiren als zu gehorchen. Die Vorstel⸗ lung dauerte eine halbe Stunde. Obgleich der Pascha ruhig, munter und aufgeweckt schien, so wollen die taͤglichen Besucher des Hofes doch eine gewisse Unruhe und eine gebrochene Stimme an ihm bemerkt haben. Die beiden Admirale wurden mit ihren Konsuln vom Pascha zum Diner eingeladen, dies unterblieb aber spaͤter wegen Unwohlseyn des Pascha's.
Am 1. September berief der Pascha einen Kriegs⸗Rath zu⸗ sammen, bestehend aus Selim Pascha, Hassan Bei, Minister der Marine, Said Bei, Herrn Houssard, dem Gouverneur des Prin⸗ be einem alten Marine⸗Offizier, und endlich Herrn Mouschel,
ranzoͤsischen Architekten, der das Bassin baut. Diese Herren sollten ihre Meinung uͤber den neuen Bau der Batterieen und uͤberhaupt uͤber den Befestigungs⸗Zustand von Alexandrien abge⸗ ben. Wenn man erwaͤgt, daß Keiner von der Artillerie etwas versteht und noch weniger die Zerstoͤrungsmittel der Englischen Artillerie kennt, so wird dies Urtheil eben so richtig ausfallen, als wenn der Pasch seine Meinung uͤber die Chinesische Litera⸗ tur abgeben sollte. An demselben Tage erschien in der Naͤhe des alten Hafens ein Kauffahrteischiff und machte Miene, in den⸗ felben einzulaufen. Ein Schiff von der Englischen Escodre feuerte einen blinnden Schuß ab, um das Schiff aufzu⸗ fodern, seine Flagge und Ladung zu erkennen zu geben; als dies aber kein Zeichen von sich gab, so feuerten die Englaͤnder einen scharfen Schuß ab, der das Hintertheil des Schiffes traf. Nun zeigte es die Englische Flagge, und signalisirte, daß es Munition fuͤr den Pascha geladen habe. Das Schiff wurde daher ohne Wei⸗ teres in Beschlag genommen, obgleich der Termin fuͤr Aegypten noch nicht beendigt war, und der Pascha that nichts, um dies u verhindern. — Auch wurde an diesem Tage im Serai die
achricht verbreitet, man habe aus Frankreich erfahren, daß die Russen nur dann operiren wuͤrden, wenn Ibrahim Pascha auf Konstantinopel vorruͤcke, und daß den Oesterreichern und den Englaͤndern allein die Operation aufgetragen sey, den Pascha zur Vernunft zu bringen. Mehmed Ali und seine Umgebungen haben die feste Ueberzeugung, daß der Krieg erst im kuͤnftigen Fruͤhjahre beginnen wird, weil in kurzem die
nicht halten koͤnnen, folglich die Blokade unmoͤglich ist. Die Festungs⸗Arbeiten werden noch immer fortgesetzt. Hinter dem Hospitale hat man die Kuͤchen abgebrochen, um die dortige Bat⸗ terie zu verlängern, so daß sie nach Beendigung dieser Strecke 55 Kanonen fassen kann. Man hat hierzu Marine⸗Laffetten genommen, wodurch man jetzt gezwungen ist, Scharten in die Brustwehr einzuschneiden, was man vor dem Baue haͤtte be⸗ denken und Ruͤcksicht darauf nehmen muͤssen; indessen hier wird Alles uͤber einen Leisten geschlagen. Die uͤbrigen Batterieen ha⸗ ben hohe Rahm⸗Laffetten und feuern ohne Scharten; deshalb hat man auch diese Batterie treulich nach den uͤbrigen kopirt. Rechts des Leuchtthurmes hat man gleichfalls eine neue Batterie von acht Kanonen errichtet, so daß also jetzt auf dem Haupt⸗ Angriffsvunkte Kanone neben Kanone steht, von wo diese noch durch Moͤrser von verschiedenem Kaliber, die ruͤckwaͤrts der Ka⸗ nonen placirt sind, unterstuͤtzt werden. Trotzdem wird dieses nicht hindern, daß Alexandrien in sehr kurzer Zeit und mit we⸗ nig Aufopferung genommen wird, wenn die Englaͤnder es an⸗ 2—. wollen, weil es an denkenden Koͤpfen fehlt, um die vor⸗ andenen Mittel zur Vertheidigung in Thaͤtigkeit zu setzen und a benutzen. Hinter dem Serail hat man fuͤr die Kanoniere elte ee und seit dem letzten August fing man an, die Kugeln zu sortiren und dorthin zu transportiren. Die Bom⸗ ge 2 een. und muͤssen nothwendig vorher noch om Rost un erhaupt gereinigt werden.
228 zen. 9 Cartouchen fehlen
Alexandrien, 6. Sept. (Journ. des Débats.) Nach⸗ stehendes ist die Antwort, welche Sami Bei dem eS der .. Rifaat 9½ hat: 5
„Die Antwort Sr. Hoheit ist bereits der H it⸗ theilung an die großen Mächte übersandt .S29 en he. s Ihnen jetzt sa wissen, daß die Erblichkeit Aegyptens, der Hauptpunkt
chen Frage, in der ersten Konferenz vor dem Ablauf der von der Hohen Pforte bestimmten Frist angenommen worden ist. Diese Annahme wird erneuert und bestätigt. Was die Syprische Frage 8 trifft, so will Se. Hoheit sich dem, was zwischen der Hohen Pforte und den großen Mächten beschlossen wurde, nicht widersetzen und d Lös dieser Angelegenheit kein Hinderniß in den Weg legen. Der di ne der Hohen Pforte, dessen Bart während seines langjährigen Dienstes * graut ist, schmeichelt sich, von der Kaiserlichen Milde und Großmuth die Gnade zu erlangen, um die er bittet, und da die Mächte bn nc G so behandelt haben, wie seine Unterwerfung es verdient so A. 2 e daß man ihm Gerechtigkeit wiederfahren lasse, damit die wenangt 98 von der Gültigkeit der Beweise seines Gehorsams üüberzeugen fönn sich
Auf die Bemerkung der Konsuln Rußlands und Engla 8 daß diese Erklaͤrung Mehmed Ali's nur dann von We * 3 wenn er die Tuͤrkische Flotte herausgebe und seine Tru 8- s abberufe, bSe-n-ne Sami Bei: ags t
„Die von den großen Mächten gefaßten B 8 auf zwei Fragen: die erste betrifft elabhe 43 sich Besitz von Aegypten, und dies ist die wichtigste. Da nun diert ichen angenommen worden, so kann die erstere nur noch einen unt ien Werth haben. Die Meinungs⸗Verschiedenheit in Beirntergeordne⸗ kann nicht das Recht aufheben, die Hauptklausel des Traktats —9 men. Dessenungeachtet kann diese Angelegenheit nur mit Zu ünzuneh⸗ Ihrer Regierungen abgemacht werden und deshalb wird die g vn
forte übersandte Bittschrift den großen Mächten mitgetheilt 1.
Die das Englisch⸗Hesterreichische Blokade⸗Geschwader 8. mandirenden Admirale haben ihren respektiven Konsuln Benach⸗ richtigungs⸗Schreiben uͤber ihr Verfahren uͤbersandt. D ’—
Ireiben an — Enatischen 95 Eüe; „
„Damit die mündliche Antwort, die ich auf die verschied der Englischen Kausleute, welche ich heut früͤh zu ö’gr 8. hatte, ertheilte, nicht falsch ausgelegt werden möge, so beeile ich miche
bis auf weiteren Befehl vermeide und werde, sobald ich es im Stande bin, genauere Mittheilung zu machen, nicht unterlassen. Alexandrien den 6. September 1840. 1 Stop ford⸗ 3
Das Schreiben des Oesterreichischen Admirals lautet:
„Mein Herr General⸗Konsul! Ich zeige Ihnen hiermit an, daß Se. Excellenz der Admiral Stopford auf meine Frage, ob die Oester⸗ reichischen Kauffahrtei⸗Schiffe in den Hafen von Alerandrien frei ein⸗ und auslaufen könnten, erwiedert hat, daß dies ungehindert geschehen könne, da er nicht die Absicht habe, die Handelsfreiheit zu beeinträch⸗ tigen. Alexandrien, den 6. September 1840.
Bandiera.“
Die Nachrichten aus Syrien lauten keinesweges friedlich. Die Admirale Stopford und Bandiera haben zwei Linienschiffe und einige kleinere Fahrzeuge vor Alexandrien zuruͤckgelassen und sind nach der Syrischen Kuͤste abgesegelt, wo der Capitain Na⸗ pier die Blokade mit großer Strenge ausfuͤhrt. Die Versuche der Englaͤnder, eine Insurrection zu erregen, haben bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt. (S. Syrien.)
Syrien.
Deutsche und Franzoͤsische Blaͤtter enthalten nach⸗ stehende Aktenstuͤcke uͤber die Verhandlungen der Britischen Agen⸗ ten mit dem Aegyptischen Befehlshaber in Beirut, so wie den Tagesbefehl des Letzteren:
I. Umlaufschreiben an die fremden in Beirut re⸗
Betrut⸗ 27 e. san. zut, 27. Aug. Ich habe die Ehre, Sie in Kenntniß setzen, daß Se. Hoheit Mehmed Ali die Bedingungen des Perhe a4n welchen der Sultan mit den Höfen Großbritaniens, Oesterreichs, Preu⸗ und Rußlands abgeschlossen und der Sr. Hoheit von Sr. Excel⸗ enz Rifaat Bei, dem Gesandten des Sultans, mitgetheilt worden ist, von der Hand gewie en. Se. Heoheit hat auf diese Mittheilung geant⸗ wortet, daß Dasjenige, was er mit den Waffen errungen, die Waffen allein ihm entreißen würden. (Gez.) Soliman Pascha, Major⸗ General der Aegyptischen Truppen. 8
b II. Tagesbefehl.
„Die Kuüͤste Spriens von der Hohe ö bis zu den nördlichen Gränzen von Tarsus ist in Belagerungszustand erklärt. In Folge dessen soll die Militair⸗Behörde wachsam seyn und alle leberste⸗ tungen und Vergehen, welche sowohl von Einheimischen als Fremden begangen werden, bestrafen. Die Militair⸗Behörde wird über die Voll⸗ streckung alles dessen, was in folgenden Artikeln enthalten ist, wachen. Art. 1. Jedes Individuum, mag es es nun im Lande selbst oder in irgend einem freinden geboren seyn, welches Schriften oder Proclama⸗ tionen in Svrien einführen sollte, die bezwecken, den Ungehorsam und den Aufstand zu nähren, wird mit dem Tode bestraft. Art. 2 Jedes Individuum, einheimisch oder ausländisch, bei dem sich eine Schrift oder Proclamation vorfindet, die den Aufstand bezweckt, und welches Unordnungen oder Ungehorsam unter den Soldaten zu näaͤhren trach tet, wird mit 5 — 20 jaͤhriger Kettenstrafe belegt. Art. 3. Als Auf⸗ rührer wird jedes Individuum betrachtet, welches nicht binnen zehn Tagen jede in seinem Besitze befindliche Schrift oder Proclamation ge⸗ gen die Regierung Sr. Hoheit anzeigen, sowie die Personen nicht an⸗ geben wird, welche solche Schriften besitzen. Art. 4. fremd oder einheimisch, welche Waffen verheimlichen oder Waffen Kriegs⸗ und Lebensvorräthe ohne Anzeige und ohne Genehmigung der Lofalbehörde einführen möchte, wied mit dem Tode bestraft. Art. 5. Jedes Individuum, mag es nun von Geburteecin In⸗ oder Ausländer seyn, welches durch Worte, Schriften oder mittelst Geldes die Einwoh⸗ ner dn⸗ Empörung aufreizen sollte, wird mit dem Tode bestraft. Art. 6. Jedes Individuum, mag es nun von Gebhurt ein In⸗ oder Aus⸗ länder seyn, der Spionage angeklagt und überwiesen, wird mit dem Tode bestraft. Art. 7. Bei der Zusamkmensetzung der Kriegsgerichte tritt keine Veränderung ein. Art. 8. 7 Die Tenc desusen zum Tod Ssi den Galeeren kann nicht vollstreckt werden, ohne vorher die 1 estätigung des Oberbefehlshabes der Armee erhalten zu haben, Art. 82 v. Eö“ schiedenen Mächte werden in Bezug 8 on diesem Befehl in Kenntniß ges⸗ 8 Soli⸗ man Pascha, Major⸗General. EEETNEELL
III. - zwischen Soliman Pascha und
dem Britischen Konsul zu Beirut.
I. Schreiben des Major⸗Generals der Aegvptischen
Truppen an den Britischen Konsul zu Beirut.
Beirut, 27. Dschemasiul⸗Achir 1256. Herr Konsul! Die unge⸗ setzlichen Forderungen, Drohungen und Handlungen offener Feindselig⸗ keit Ihrer Regierung, vor Allem die Kriegserklärung auf den einsachen Grund des noch nicht zwischen den Mächten, den sogenannten Verbün⸗ deten des Sultans, ratisfizirten Vertrags, haben die Verhältniffe unse⸗ rer resp. Regierungen von Tag zu Tag schwieriger gemacht. In Be⸗ tracht nun der Schliche und Intriguen, welche seit langer Zeit Eng⸗ lische Agenten unter den Bewohnern des Gebirges unterhalten, und nach der abschlägigen Antwort, die Se. Hobeit Mehmed Ali auf die Mittheilung der ihm vorgeschlagenen Ausgleichung ertheilt, habe ich die Ehre, Ihnen, Herr Konsul, zu bemerken, daß nicht allein Ihre An⸗ wesenheit in dieser Stadt überflüssig geworden, sondern daß es selbst klug und schicklich erscheinen würde, daß Sie, so wie Ihre Familie,
Jede Person,
dieselbe räumen. Sollte der Krieg sogar völlig ausbrechen (was wahr scheinlich ist, denn der Vice⸗König dürfte 28 Worte das nicht abtre⸗ ten, was er mit den Waffen errungen), werde ich Sie in diesem Falle auffordern, allen Vice⸗Konsuls und offiziellen Brit schen Agenten un⸗ ter Ihrer Jurisdiction zu befehlen, sobald als möglich dieses Land zu verlassen. Ich muß Ihnen noch melden, daß ich die strengsten Befehle ertheilt, daß jedes des Spionirens oder der Aufreizung zu Unordnung angeklagte Individuum verhaftet und mulitatrisch gerichtet werde, ge⸗ mäß dem Tages⸗Befehle vom 27. Dschemastul⸗Achir 1256. In Anbe⸗ treff der Englischen Kaufleute und anderer Englischen Underthanen, die sich in Syrien in ihren Privat⸗Geschäften miedergelassen, werden dieselben, sobald sie es für angemessen halten, daselbst zu bleiben, wie die übrigen Einwohner in ihren Rechten und ihren Interessen geschützt werden. Ich habe die Ehre ꝛc. (Gez.) Major⸗General Soliman. 2. Antwort des Britischen Konsuls an den Major⸗Ge⸗ 89 neral der Aegypptischen Armee.
Britisches Konsulat. Betrut, 2. Aug. 1840. Herr Gene⸗ ral! Ich habe die Ehre, Ihnen den Empfeng Ihres Schreibens vom 27. Dschemasitul⸗Achir 1256 anzuzeigen, und ohne in Erörterungen sei⸗ nes Inhalts einzutreten, nehme ich mir nur die Freiheit, Ihnen bemerk⸗ lich zu machen, daß ich durchaus nicht weif, daß irgend eine Kriegser⸗ klärung zwischen Großbritanien und Aegpptin stattgesunden. Sie selbst, General, haben nicht geglaubt es mnir anzeigen zu konnen, und
is nicht Befehle meiner Vorgesetzten mir zugekommen oder bis Sie nicht eine offizielle Notification mit der Auflage, Beirut binnen einer bestimmten Zeit zu verlassen, an mich richten, kann ich weder meinen Posten noch die Interessen verlassen, die nir anvertraut sind und in Betreff welcher ich nicht wie Sie vorausseten darf, daß meine Unter⸗ stützung überflüssig sev. Ich weiß nicht, Hirr General, ob die Phrase Ihres Schreibens, daß es selbst klug und saicklich erscheine, Beirut mit meiner Familie zu räumen, mich irgend ene Gesahr besorgen lassen soll; aber in diesem Falle könnte ich Ihner nur in Erinnerung brin⸗ gen, daß ich hier nicht nur unter Ihrem Schutze, sondern auch unter dem des Völkerrechts mich befinde, und daß die Verantwortlichkeit füͤr alles Das, was sich ereignen könnte, völlig auf Ihnen lasten bliebe. Wenn Sie also, Herr General, mir jenen Schutz nicht verbürgen könnten, so lassen Sie mich es gefälligst wissen, und diese Nachricht, von einer offiziellen Notification, mich von Beirut zu ckzuziehen, begleitet, wird mich verpflichten, am Bord des Geschwaders Jbrer Britischen Majestät vor Beirut eine Zuflucht zu suchen. Genehnigen Sie ꝛc. (Gez.) B.
28. Dschemasiul⸗Achir zu richten mir die Ehre erzeigten. Wie Ihnen, Herr Konsul, ist mir durchaus unbekannt, daß irgend eine Kriegserflärung 2 Großbritanien und Aegppten stattgefunden. Jedoch könnte das erfahren ihrer Regierung an unseren Küsten selbst zu Kriegszeiten nich t feindseliger seyn. Das Englische Geschwader hat den uftrag, die Communscation zwischen allen Häfen Spriens und Aegpptens zu ver⸗ bindern. Nun! Fahrzeuge jenes Geschwaders kreuzen vor Alexandrien und lassen die von dort zu uns abfahrenden Fahrzeuge frei passiren, während sie u Beirut, sobald sie angekommen, weggenommen werden. „ Sie, Herr Konsul, dergleichen Handlungen selbst einen Namen ei; kommen sie der Politik eiues Landes zu, welches an der Spitze der civilisirten Nationen steht? In Folge dieses Beweises wirklicher, von Seiten Ihrer Regierung nicht eingestandener Feind⸗ eligkeiten, habe ich mir Ihre Anwesenheit hier nicht erklären können und sie überslüssig genauüt. Ich habe selbst gesagt, es erscheine mir klug und schicklich, daß Sie die Stadt räumen. Klug weil bel dem Feslanc⸗ der Erbitterung, worin sich die Einwohner des Landes be⸗ 5 en und da sie einstimmig die Englischen Agenten und Sie selbst — diejenigen bezeichnen, welche den Aufstand unter den Christen 8 Libanous wieder hervorzurufen suchen, nothwendig aus Ihrer zegenwart Gefahren hervorgehen, die leichter vorauszusehen als zu definiren sind. Wenn z. B., nachdem einer Ihrer Protegeés von einem Türkischen Soldaten wäre getödtet worden ich Ihren Re⸗ clamationen nachgeben und den Schuldigen hinrichten lassen würde so könnte auf der Stelle ein Aufstand erfolgen und Ste und Ihre Familie wären vielleicht die ersten Opfer davon, obwohl, um Sie zü er⸗ reichen, man erst über meinen Leichnam würde schreiten müssen chick lich, weil bei der Rolle, die einige Agenten Ihrer Regierun durch Er regung des Mißvergnügens unter unsinnigen und wehrlosen Bauern spielen, die sie großem Unglücke dadurch aussetzen — eine wenig ehren⸗ volle Rolle — ein redlicher Mann nicht den Verdachte Vorschub lei⸗ ihre Anstrengungen zu begünstigen, hauptsächlich wenn die 82 ir einer Functionen völlig friedlich und dem Völkerrechte schutz⸗ verleihend erscheint. Ja, Herr Konsul, wenn ich Engländer wäre würde ich zittern, mich unter die Aufwiegler zu mischen, wovon es sich handelt. Zuerst täuschen sich diese Herren, wenn sie nicht sehen, daß die Unzufriedenen, die sie umgeben, vereinzelt stehen, von der Masse der Bevölkerung desavouirt und sich selbst nur ins Verderben stürzend; zweitens würde eine Politik der Intriguen und Bestechung nicht von dem Willen des Englischen Volkes diktirt werden. Was nun eine offi⸗ zielle Notification, Beirut zu verlassen, betrifft, kann ich es nicht über mich nehmen, sie Ihnen zu machen, aber ich habe an meine Regierung geschrieben und derselben Ihren Brief, wie den meinigen, vorgelegt “ er Majer⸗General Soliman — „N. S. Daß ich nur an Sie allein von allen 2 artige Mittheilung gerichtet, von deren Empfange wereee niß setzten, rührt daher, weil ich nie vernommen, daß sich im Lande Aufwiegler einer anderen Regierung, außer der Ibrigen, befinden 8 4) Schreiben dea Britischen Konsuls, als Antwort auf das des Aegvptischen Generals vom 1. Redscheb 1256. Britisches Konsulat. Beirut, 28. Aug. 1830. Herr General! Im Augenblick empfange ich Ihr Schreiben vom 1. Red⸗ scheb. Ich beabsichtige nicht, hier eine Polemik darüber zu beginnen was Ihnen mein gestriges Schreiben schon bewiesen haben muß. Nur Eine Sache setzt mich in Staunen, und zwar Ihr heutiges Schreiben. Sie haben mir, Herr General, bereits in Bettef der Notification ge⸗ antwortet, wovon ich mit Ihnen zu sprechen die Ehre hatte. Eine einzige Frage bleibt noch unentschieden; es ist die der Gefahren, die mich und meine Familie bedrohen könnten. Das, was Sie mmn in Ihrem Schreiben darüber sagen, ist zu unbestimmt, um mir zu genü⸗ gen, und ich wünsche, daß Sie mir eine pesitive Antwort geben, ob ich hier mit derselben Sicherheit bleiben kann, die Sie meinen Kolle⸗ gen und allen Europäern zusichern, und ob ich mich auf gewisse Ver⸗ sicherungen verlassen kann, die mir von meinem Freunde, dem Vicomte Semont, in Folge einer Unterredung gegeben worden sind, die heute v-e- . mit — hat, und die, ich gestehe es, wenig hrem Schreiben übereinstimmt. n 1 ( E Genehmigen Sie ꝛc. (Gez.) 5) Antwort des Aegyptischen Major⸗Generals auf vor⸗ . hergehendes Schreiben. Beirut, 1. Redscheb 1256. Herr Konsul! Die in einer der Stellen meines letzten Sch reibens enthaltenen Ausdrücke: „obwohl man um Sie zu errcichen, erst über meinen eigenen Leichnam schreiten müßte!“ schienen mir eine hinlängliche Garantie gegen jede Gefahr sevn sn können. Deshalb habe ich nichts weiter zur Erklärung in Betreff Jhrer per⸗ önlichen Sicherheit hinzugefügt. In Entgegnung jedoch auf Ihr beute ge⸗ stelltes Verlangen beeile ich mich, Sie, Herr Konsul, zu versichern daß welches auch die Ereignisse seyn mögen, welche die bedenklichen Um⸗ stände, in denen wir uns befinden, herbeiführen können, Sie und die Herren Konsuln der fremden Mächte, so wie die in diesem Lande sich wegen ihrer Privatgeschäfte sich aufbaltenden Europäer, wie ich bereits dem Herrn Vicomte Semont die Versicherung ertheilt, derselben Rechte und der vollsten Sicherheit genießen werden, ohne Furcht für Ihre Fa⸗ milien und ihr Eigenthum. Genehmigen Sie ꝛc. Der General So⸗
liman.
Arabien.
Ueber den Abmarsch der Aegyptischen Truppen aus Arabien wird in einem Schreiben aus Alexandrien (in der L. A. 3.) Nach⸗ stehendes berichtet: „Die Truppen, die unter dem juͤngeren Ibrahim Pascha im Yemen und theilweise unter Achmed⸗Pascha im Hedschas standen, sind jetzt, fuͤnf Regimenter an der Zahl hier angekommen und lagern außerhalb der Stadt bei dem Kanal von Mahmudie. Letzterer ist noch in Mekka und weigert sich von dort wegzureisen. Ersterer ist sehr schlecht vom Pascha em⸗ pfangen worden, und dieser hat ihm nur das Hinterhaus des Setif Bei zur Wohnung angewiesen. Der Grund dieser uͤbeln Laune ist folgender. In dem Moment, als die Araber bemerkten daß Ibrahim Pascha Miene machte, die Truppen aus dem Gebirge, die in geringer Anzahlin Taas, Udineꝛc. kantonnirten, zuruͤckzu; eeden, besetten sie alle Straßen, die aus dem Gebirge fuͤhren, und droßden Ibrahim Pascha, dieselben saͤmmtlich niederzumachen, wenn er sie nicht ausloͤse. Ibrahim Pascha, dem der Krieg zuwider ist und der nur durch Mehmed Ali dazu gezwungen wird, Hielt cs fuͤr angemessener, Geld, als sich und seine Leute aufzuopfern, von denen in der That keiner lebend davon gekommen wäre. Er löͤste sich also von dem Scherif Hussein mit 20,000 und von Al Efendt mit 15,000 Thalern. Ersterer war mit der Regierung des Vice⸗ Königs uͤbereingekommen, fuͤr die Abtretung des Demen dem⸗ selben einen jaͤhrlichen Tribut von 150,000 Thlrn. zu entrichten dieser fand es aber angemessener, sich selbst Tribut zahlen zu la sen. Diese beiden genannten Scherifs sind immer unabhängieg von —— - ewe. Letzterer zahlte Jedem monatlich 250 Thlr. und gab ihnen einen Titel von P k zu erobern gedachte.“ “
Brasilien. Rio Janeiro, 23. Juli. (Hamb. Korr.) Heer tst es zu einer blutlosen Revolution gekommen, die aber für die Zukunft des Brasilischen Reiches von underechenbarer Wichtigkei ist. Der Kaiser Dom Pedro II. (geboren den 2. Dezember 1825,
noch nicht 15 Jahre alt) ist fuͤr volllährig erklärt und hHat somatk die Zuͤgel der Regierung ohne Regentschaft übernommen. De⸗
32 8 erweitern und sich dann dessen Ratification zu verschaffen.
Die Kolonisten haben das Conseil waͤhlbar gemacht, und zwar so, daß es in kurzen Zeitahschnitten durch Wahl erneuert werden soll, um die Gewalt in der Volksmasse zu erhalten. Sie erklären die Ein⸗ geborenen im Besitz aller von den Kolonisten angesprochenen Rechte, enthalcen ihnen jedoch fuͤrs erste das Stimmrecht bei den Wah⸗ len vor und fordern, daß jede Ausuͤbung der souverainen Gewalt ver⸗ mittelst des Conseils geschehe. Die Verfassung besteht aus 14 Klau⸗
sul und Gefolge erschien, erhob sich der Pascha 8 Er . ging ihm drei Schritt entgegen und wies ihm den Platz 3 auf Aegppten gemachten Vorschläge verwerfen sollte, von seiner Linken an, der bei den Tuͤrken der Ehrenplatz ist; der Betreff threr Sicherheit geschehen kann, nicht mehr weiß eeeneofagn Admiral wurde durch den Platz, den der Pascha einnahm, na 7 daß ich ihnen nicht mit Bestimmtheit sagen kann, ob sie Gefabren⸗ Tuͤrkischer Etikette von diesem als Seinesgleichen bezeichnet. Der ie indeß unter den gegenwärtigen Umständen unvermeidlich seyn⸗ dürften,
Admiral, mit seinen saͤmmtlichen Orden geschmuͤckt, setzte sich der Be⸗ ausgesetzt seyn werden oder nicht. Ich werde jedes Engliche Schiff bei quemlichkeit wegen so auf die Otiomane, daß er sich mit dem seiner Aataan von Allem in Kenniniß setzen, damit es diese —
zu erklären, daß ich für den Fall, daß Mehmed Ali die ihm in Bezug Moor, Konsul. — Nachschrift. Im Algenblick. wo ic den Buef
schließe, vernehme ich zu meiner Verwundering, daß ich allein von rr eine Mitttheilung von obiger Rune erdaien dete er Schreiben des Major⸗Generals der Aegptischen Tr 92r an den BritisUehhisen 8 een eirut, 1. Redscheb 1256. Herr Konul! Ich habe das Schrei⸗ ben empfangen, welches Sie an mich als Anwort auf das meinige vom
abe kanntlich war ein Vorschlag in diesem Sanne schon P
macht und mit einer Majoriräͤt von nur zwei Stimmen am
en hatten, den lebhaftesten Dank aller Anwesenden, den bei nat abgelehnt worden, und zwar nicht sowohl deshald⸗ — E
afel der Geheime Hofrath Jarobs in einem beredten Trink⸗ spruche dem 8 . Fuͤrsten darbrachte. Der Abend ver⸗ einigte die Gesellschaft der Philslogen, denen sich auch andere Gothaner angeschlossen hatten, in dem dazu bestimmten Lokale zu gesellig heiterer oder wissenschaftlicher Unterhaltung. Zur letzten war allerdings vielfache Veranlassung, die neueste aber gab den
die Vollhährigketts Erkläͤrung seldst dern weil man daruber micht eintg 2