1841 / 1 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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Friedenssuß anzunehmen, und daß die Franzoͤsische Regierung

mmen geneigat auf diesen Vorschlag einzugehen. Dies sedoch —* 4 der Zeit seyn, die jetzige Gaͤhrung muͤsse sich zuvor legen, und die Presse muͤsse, was auch geschehen werde, erst zu einem gewissen Grade, nicht von Vernunft, was unmoͤg⸗ lich waͤre, sondern von Klugheit gebracht werden. Ueberdies muͤß⸗ ten die dringenden Geschaͤfte der Kammer⸗Session voruͤber seyn; dann werde das Franzoͤsische Kabinet freien Spielraum haben, die Frage mit den Europaͤischen Maͤchten zu berathen. In einem Artikel der Quarterly Review uͤber die Po⸗ lätik Lord Palmerston's in der Orientalischen Frage wird Ruß⸗ 8 sand gegen den Argwohn vertheidigt, als ob es nach dem Besitz Koeonstantinopels trachte. Alle Nachfolger Katharina's II. und de⸗ ren weise und einsichtsvolle Minister, heißt es in dieser Verthei⸗ digung, haͤtten sich gegen die Absichten dieser Kaiserin in Bezug auf Konstantinopel und das Tuͤrkische Reich erklaͤrt, weil ein sol⸗ cher Plan nothwendig St. Petersburg ruiniren und Moskau sehr benachtheiligen wuͤrde. Der ünzig⸗ Zweck Rußlands sen und muͤsse seyn, wenn der Instinkt fuͤr seine Sicherheit ihm nicht abgehe, Kon⸗ stantinopel in Tuͤrkischen Haͤnden und die Tuͤrkei als eine Schranke gegen furchtbarere Bewerber und jene dominirende Stellung be⸗ stehen zu lassen. Um Rußlands selbst wie um des uͤbrigen Euro⸗ pa's willen sey zu wuͤnschen, daß man die Regierung der Tuͤrkei in Konstantinopel aufrecht erhalte, und die Herrschaft des Sul⸗ tans nicht sowohl eine Gebiets⸗ als eine Religions⸗Herrschaft sey, so koͤnne seine Macht auch nur dadurch erhalten werden, daß man ihm die Oberherrlichkeit uͤber die umherliegende Muham⸗ medanische Welt bewahre. Auch die Times spricht sich in einem ihrer letzten Blaͤtter, gegen thre sonstige Gewohnheit, aͤußerst guͤnstig fuͤr Rußland aus und sagt jetzt selbst, daß sie den fruͤher von ihr angedeuteten Vorwurf, als ob bei der Weige⸗ rung der Pforte, das gegen Mehmed Ali erlassene Ab⸗ setzungs⸗Dekret zuruͤckzunehmen, Russischer Einfluß mit im Spiel seyn moͤchte, fuͤr unerwiesen und unwahrscheinlich halte. „Rußland“, aͤußert sie, „hat sich, wie man zugeben muß, wäͤhrend aller zur . des Juli⸗Traktats ergriffenen Maßregeln mit großer Maͤßigung, Behutsamkeit und Disecretion benommen. Es hat Alles von seinen Alliir⸗ ten ausfuͤhren lassen und hat, wenngleich, was auch nicht vorauszusetzen war, keinen stillen, doch gewiß einen ge⸗ faͤlligen Partner bei Allem abgegeben, woruͤber man uͤbereinge⸗ kommen ist. Zwar giebt es Leute, die in einer solchen Willfaͤh⸗ rigkeit einen neuen Beweis des voraussichtigen und wachsamen Charakters der Russischen Politik sehen, aber bei den gegenwaͤrti⸗ gen Umstaͤnden Europa's wollen wir uns nicht mit der undank⸗ baren Aufgabe befassen, Rußland aus eigenem Antriebe dessen zu zeihen, wovon wir keinen offenbaren Beweis haben, und was vielleicht in der Wirklichkeit gar nicht vorhanden.“

Der Graf Walewski hat es bei seiner Ruͤckkehr von Aegyp⸗ ten nach Frankreich vorgezogen, die Ueberfahrt auf dem Briti⸗ schen Dampfboote „Oriental“ statt auf einem Franzoͤsischen Fahr⸗ zeuge zu machen. Dadurch, daß er sich direkt nach England und von da nach Frankreich begab, kuͤrzte er seine Reise nach Paris um vierzehn Tage ab und entging einer dreiwoͤchentlichen Ein⸗ sperrung in die Cuarantaine von Marseille.

Die Times aͤußert die Ansicht, daß die Spanier es eigent⸗ lich auf eine vollstaͤndige Umwaͤlzung in Portugal, und zwar auf die Vertreibung des Koͤnigs und der Koͤnigin, abgesehen haͤtten, die sie durch den Sturz des lebe gen Ministeriums vorzubereiten und zu beschleunigen suchten. Auch will die „Times“ wissen, daß die Britische Regierung der Spanischen bereits angedeutet habe, sie durchschaue diesen Zweck der Truppen⸗Versammlungen an der Graͤnze sehr wohl. Die Besorgniß, die sich hier zu verbrei⸗ ten anfuͤngr, daß England in den Portugiesisch⸗Spanischen Zwist verwickelt werden koͤnne, wird indeß von dem ministeriellen Globe nicht getheilt, weil dieses Blatt voraussetzt, daß beide Theile, Portugal und Spanien, sich gern der guͤtlichen Vermittelung

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Englands unterwerfen wuͤrden.

Es ist schon neulich erwaͤhnt worden, daß in London die Baulust im letzten Jahre reißend schnell zugenommen hat. Nicht weniger als 4—5000 Haͤuser von jeder Groͤße stehen theils schon fertig da, theils sind sie noch im Bau begriffen. Im Nord⸗ westen der Stadt, uͤber das ehemalige Spafields hin, bis zum New River Head, dem großen Reservoir, woraus dieser Stadt⸗ theil mit, Eernich ziemlich schlechtem Trinkwasser versorgt wird, dann uͤber Sadler's Wells hinaus und die Ufer des Rew⸗River entlang, ist Alles voll Geraͤusch und Thaͤtigkeit. Eine ganz neue Stadt erwaͤchst zwischen Hoxton und Islington, und muthmaß⸗

lich binnen einem oder zwei Jahren wird der ganze ungeheure Raum des „Sturb Estate“ gaͤnzlich uͤberbaut seyn. Noch mehr nordwaͤrts, jenseits Great Liverpool⸗Street, liegt Barnsbury⸗Park, welcher White Conduit und Kopenhagen⸗Fields mit Hol⸗ lota verbindet; diese ganze Flaͤche ist jetzt mit Haͤusern gefuͤllt, durch welche gutgepflasterte, mit Gas beleuchtete Straßen hinziehen. Zwischen London und den freundlich gelegenen Doͤrfern Highgate und Hampstadt ist jetzt nur noch sehr wenig leerer Raum. Westwaͤrts hat sich der Bo⸗ den von Pimlico mit den modernen Palaͤsten der Aristokratie bedeckt, und von Brompton bis Bagshot, von Kensington bis Hammershmith laufen die Haͤuser fast ununterbrochen fort. Ost⸗ warts ist es der naͤmliche Fall. Mile⸗End New⸗Town ist wie durch einen Zauberschlag entstanden, und zur Erleuchtung der East⸗enders, d. h. der am Ost⸗Ende Wohnenden, hat Barber Baumont auf dem Beaumont⸗Square ein „philosophisches In⸗ stitut’, d. h. eine Gasbereitungs⸗Anstalt, errichtet. Man muß weit uͤber Bow hinausgehen, bis man gruͤnes Feld sehen kann. Auf gleiche Weise vergrößert und verschoͤnert sich Southwark, der auf dem Suͤdufer der Themse gelegene kleinere Stadttheil, wo in den letzten Monaten auch ein neues literarisches Institut und mehrere oͤffentliche Schulen, woran es sehr fehlte, entstanden sind. Es ist erfreulich, zu bemerken, daß im Verhaͤltniß zu der wachsenden Bevoͤlkerung auch neue Kirchen errichtet worden sind. Wenn dies so fortgeht, so wird es in wenigen Jahren schwer seyn, zu sagen: „Hier bin ich außerhalh der Stadt.“

Bei den naͤchsten Parlamentswahlen wird sich fuͤr Dublin neben O'Connell auch dessen Sohn John um einen Sitz im Un⸗ terhause bewerben.

121,000 Unzen in gemuͤnztem Silber und 21,000 Unzen in Bar⸗ ren ausgefüͤhet worden.

Der Spectator schließt aus dem Styl der offiziellen De⸗ peschen uͤber die Ereignisse in China, daß England die Absicht habe, seinen Territorial⸗Besitz daselbst auszudehnen.

Hiesige Blaͤtter enthalten eine poetische Apostrophe Louis Napoleon's, welche dieser unterm 15. Dezember aus Fort Ham an die Manen seines Oheims gerichtet und seinen Freunden zu⸗ gesandt hat.

Niederlande.

Aus dem Haag, 27. Dez. Den Notisicationen uͤber die beschlossene Minister⸗Veraänderung wird, wie das Handelsblad berichtet, noch entgegengesehen. Herr de Jonge van Campens⸗ Nieuwland, Mitglied der zweiten Kammer, wird, wie man ver⸗ nimmt, das Ministerium des Innern, und Herr Op den Hoff, Mitglied des Hohen Raths, das Justiz⸗Ministerium an der Stelle des Herrn van Manen uͤbernehmen.

Die Maaß bei Rotterdam war gestern vollstaͤndig mit einer Eisdecke belegt.

Schweden und Norwegen. Stockholm, 22. Dez. Der Constitutions⸗Ausschuß ist in

frage so weit gelangt, daß er beschlossen, den Staͤnden vorzuschla⸗ bloß die Stadtbuͤrger, sondern alle wahlberechtigten Einwohner

gewissen Anzahl Repraͤsentanten zu sichern.

Im Buͤrgerstande hat Herr Schartau einen Antrag ange⸗ kuͤndigt, daß die Staͤnde fuͤr die verboten bleibenden Waaren⸗Ar⸗ tikel einen bestimmten Zoll fuͤr den Fall festsetzen moͤchten, daß Se. Majestaͤt die Einfuhr von solchen erlauben wuͤrden.

Die Statstidning giebt aus Briefen von Wexioͤ vom Ilten d. die erfreuliche Nachricht, daß unser Barde Tegner, voll⸗ kommen genesen, ehestens die Heimreise von Schleswig anzutre⸗ ten gedenke. 1 .““

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Altona, 29. Dez. (Alt. Merk.) Auch die Schleswigsche Staͤnde⸗Versammlung hat von der Koͤnigl. Verordnung vom 19. Juni 1840, betreffend die Fahrt auf dem Schlesw. Holst. Kanal, Veranlassung genommen, eine Petition an den Koͤnig zu richten, worin gebeten wird, die Bestimmungen dieses Gesetzes vorgaͤngig der staͤndischen Berathung zu unterlegen, damit besonders einzelne Tarifbestimmungen veraͤndert werden koͤnnten, gleich wie fruͤher aͤhnliche Antraͤge von der Holsteinischen Staͤndeversammlung ein⸗ gegangen sind. Da nunmehr solchergestalt vollstaͤndiges Material vorliegt, darf ohne Zweifel eine genaue Untersuchung dieser An⸗ gelegenheit erwartet werden, die mit um so großerer Gruͤndlich⸗ keit vorgenommen werden kann, als wegen der unaufschiebharen Reparatur einer Kanalschleuse, dieser Communicationsweg fuͤr einige Monate hat gesperrt werden muͤssen. Unter dem 17. Dezember ist aus dem Koͤniglichen General⸗ Zoll⸗Kammer⸗ und Kommerz⸗Kollegium eine provisorische Instruc⸗ tion fuͤr die Zoll⸗Beamten des Herzogthums Lauenburg ergan⸗ gen, welche in 81 §§. folgende fuͤnf Kavpitel enthaͤlt: 1) allgemeine Bestimmungen; 2) besondere Bestimmungen; 3) von den He⸗

Verordnung vom 6. Oktober 1840; 5) von den Pflichten und den Befugnissen des Ober⸗Zoll⸗Inspektors. Angehaͤngt sind Schemata zu den erforderlichen Declarationen der Frachtfuͤhrer, u Passirzetteln uͤber den Weiter⸗Transport von Waaren, zu Pollzetteln oder Quittungen, und zu Land⸗Zollzetteln.

Dem Vernehmen nach haben zwischen unserer Regierung und dem Hamburgischen Senat Unterhandlungen uͤber die Aus⸗ baggerung des Fahrwassers der Elbe bei Schulau und Blankenese stattgefunden, deren Resultat dahin geht, daß eine gemeinschaft⸗ liche Untersuchung des Fahrwassers vorgenommen werden soll. Unsererseits wird hierzu der Capitain Heinrich Christensen kom⸗ mittirt werden.

Deutsche Bundesstaaten.

Aus Baden, 16. Dez. (A. Z.) Der landstaͤndische Aus⸗ schuß war vom 2ten bis zum 9. Dezember in Karlsruhe ver⸗ sammelt und, seiner Bestimmung gemäͤß, beschaͤftigt, die Rech⸗ nungen der Schulden⸗Tilgungs⸗ und der Zehnt⸗Leih⸗Kasse fuͤr das Rechnungsjahr 1839/40 zu untersuchen. Den Vorsitz fuͤhrte, da der Praͤsident der ersten Kammer, Markgraf Wilhelm von Ba⸗ den, in Folge seiner schweren, gluͤcklich uͤbverstandenen Krankheit sich noch von Geschaͤften fern halten muß, der erste Vice⸗Praͤsi⸗ dent, Fuͤrst von Fuͤrstenberg. Die puͤnktliche Ordnung, welche, wie in unserem ganzen Finanzwesen, so auch in der Verwaltung des Schuldenwesens herrscht, wurde von dem Ausschusse, dessen Geschaͤft dadurch erleichtert und von Unannehmlichkeiten frei erhal⸗ ten wird, auch diesmal mit ruͤhmender Anerkennung bezeugt. Die Ausschußberichte werden nach einigen Monaten durch Mittheilung an die Kammern vollstandig veroͤffentlicht werden. Die Haupt⸗ ergebnisse der von der Regierung vorgelegten Rechnungen sind folgende: die reine Schuld der Amortisations⸗Kasse, d. h. nach Abzug der ausstehenden Forderungen, war am letzten Juni d. J. 30,929,000 Fl. Unter den Passiven sind 12 Millionen Gulden unverzinsliche Schuld an den Grundstock, ferner 9,904,000 Fl. Staatsbeitrag zur Zehntabloͤsung sammt den aufgelaufenen Zin⸗ sen, sodann 211,000 Fl. Schuld des Gefaͤllabloͤsungs⸗Reserve⸗ Conto, endlich 11,198,470 Fl. an einzelne Staats⸗Glaͤubiger. Der erwaͤhnte Staats⸗Beitrag, welcher aus dem fuͤnften Theile der Zehntabloͤsungs⸗Kapitale besteht, wird erst nach und nach faͤllig, wie die Zehnt⸗Abloͤsung fortruͤckt, doch hat man ihn einstweilen dem Betrage der Schuld beigeschlagen, wodurch diese nunmehr viel groͤßer erscheint als bisher. Die Aktiven belaufen sich auf, 2,910,000 Fl. und der verzinsliche Theil der reinen Schuld be⸗ rechnet sich zu 18,718,000 Fl., indem naͤmlich die 12 Millionen Grundstocks⸗Guthaben und die 211,000 Fl. des Reserve⸗Conto von der ganzen Schuld abgezogen werden muͤssen. Die erwaͤhnten 12 Millionen hat der Grundstock darum zu fordern, weil auf

Die Brigg „Cochiel“ von London, welche in der Nacht des 17ten auf Maplins Sand unweit Colchester strandete, ist vor ih⸗ rem Untergange von der Bemannung einer Anzahl kleiner Schiffe aus Colchester, welche Kisten und Kasten an Vord aufbrachen und auch des Privat⸗Eigenthums des Capitains und der Mann⸗ schaft sich bemaͤchtigt, die Zuruͤckgabe aber verweigerten, gaͤnzlich

geraͤumt worden. Sun meldet, es solle ein Geschwader von 7 bis 9 Li⸗ nienschiffen und einigen Seneee fuͤr den Dienst im Kanal aus⸗ geruͤstet und fuͤr diesen weck baldmoͤglichst vollstaͤndig hergestellt

rden. 1 28 In der Woche vor dem 17ten d. M. sind nach Hamburg

verkauften Domainen und abgeloͤsten Gefaͤllen dieser Betrag baar eingegangen und wieder zur Abzahlung von Schulden verwendet worden war. Was von Kauf⸗Schillingen und Abloͤsungen uͤber die Summe von 12 Millionen eingeht, wird, neuerlicher An⸗ ordnung gemaͤß, dem Grundstock verzinset, und es ist schon ein solches verzinsliches Guthaben desselben von 525,000 Fl. bei der Amortisations⸗Kasse vorhanden. Bei der Zehnt⸗Leihkasse stehen ebenfalls 436,000 Fl. verzinsliche Grundstocks⸗Gelder, die eigent⸗ lich der obigen Zahl von 30,929,000 Fl. fuͤr die reine Staats⸗ schuld beigeschlagen werden muͤssen, so daß diese aus 31,365,000 Fl. besteht. Es ist klar, daß die Forderung des Grundstocks, d. h. eigentlich des Großherzoglichen Hauses an den Staat fuͤr

der Ausgleichung der ungleichen Ansichten in der Repraͤsentations⸗;

gen, daß die Staͤdte besondere Wahl⸗Distrikte, jedoch mit Beibe⸗ haltung „allgemeiner“ Wahlen, bilden sollen, d. h. es sollen nicht

an der Wahl theil haben. Auch soll ein Antrag im Ausschusse gemacht seyn, um durch gewisse Kategorieen die Bildung einer

bungs⸗Beamten; 4) nahere Bestimmung zur Ausfuͤhrung der

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die Verwendung von Domainen zur Schuldentilgung von de

uͤbrigen ganz verzinslichen, nur durch Obligationen dargestellten Schuldposten wesentlich verschieden ist. Die Zehnt⸗Leihkasse, eine Kredit⸗Anstalt fuͤr die Zehntpflichtigen, hat 627,000 Fl. bei derselben ausstehen. Sie erhebt von ihnen bei den neueren Dar⸗ leihen 4 ¼ vCt. Zinsen, wovon ½ pCt. zur Verguͤtung der Ver⸗ eeee bestimmt sind, und wenigstens 1 ½¾ pCt. jaͤhrlich

Tilgung. ab, als sie nach den Leih⸗Vertraͤgen verpflichtet sind.

Regensburg, 23. Dez. (Regensb. Z.) Nach Inhal der nunmehr im Drucke erschienenen Verhandlungen der letzten General⸗Versammlung unserer Donau⸗Dampfschifffahrts⸗Gesell schaft ist als Beduͤrfniß zur Erhaltung und Hebung des Unter⸗ nehmens die Aufbringung einer Summe von 150,000 Gulden anerkannt worden. Die genannte SummeV soll moͤglichst von den Actionairen durch freiwillige Zuschuͤsse bis zum Maximal⸗Betrage von 50 pCt. des Nominal⸗Werthes der in Haͤnden habenden Actien aufgebracht werden. Es ist also Aussicht vorhanden, daß

auf diesem Wege die erforderlichen Mittel zusammen kommen

werden, indem die Zeichnung in der General⸗Versammlung schon das Resultat einer Betheilung von 1253 Actien lieferte.

Frankfurt a. M., 28. Dezember. Es ist

pwahrscheinlich, daß, nach Ankunft des neuen Konigl. Preu⸗ ischen Bundestags⸗Gesandten, Herr Graf von Muͤnch⸗ Bellinghausen Wien besucht, und uͤberhaupt die Bundes⸗Ver⸗

ammlung ihre diesmal ausgesetzten Herbst⸗Ferien nachholen wird,

wenn, wie man hofft, die friedlichen Verhaͤltnisse im neuen Jahre

eine größere Befestigung erhalten. Die Ernennung des Kaiserl. Oesterreichischen Geschäftstraͤgers zu Darmstadt, Herrn Varon

von Menshengen, zum Kaiserl. Hesterreichischen Minister⸗Resi⸗ denten da hier, an die Stelle des Freiherrn von Handel, duͤrfte nun wohl bal derfolgen.

Die Pariser Briefe vom neuesten Datum sprechen sich sschon mit mehr Bestimmtheit dahin aus, daß die Fran⸗ böoͤsische Regierung ihre Ruͤstungen nicht auf eine den all⸗ gemeinen Frieden bedrohende Weise ausdehnen werde. auch darin die uͤbrigen Maͤchte, namentlich Deutsch⸗ , einen Grund finden werden, ihrerseits sich nicht weiter zu ruͤsten, so duͤrften sie doch die Vorsichts⸗Maßregeln zur Ausfuͤh⸗ sung bringen, welche nothwendig sind, um den Ereignissen mit

Wenn

Ruhe entgegen sehen zu koͤnnen. Gleichwohl ist die Hoffnung

auf Erhaltung des allgemeinen Friedens vorherrschend und auch die Wiener Briefe sprechen sich wieder dafuͤr mit groͤßerem Ver⸗ trauen aus. Ingleich hat die Wiener Boͤrse wieder eine steigende Bewegung angenommen. Demzufolge sind auch hier die Oester⸗ reichischen Fonds wieder gesuchter und die Wiener Bank⸗Aktien stiegen heute, wiewohl keine neueren Kurse von Wien bekannt

waren, auf 19090 Fl. Die Hoffnung auf ein Steigen der Hollaͤndischen Fonds an der einheimischen Boͤrse hat man nun aber ganz verloren, da die Annahme der finanziellen Gesetz⸗Entwuͤrfe von Seiten der zweiten Kammer der Generalstaaten zu Amster⸗ dam ohne allen Einfluß blieb, ja die neuesten Briefe vom 5ten wieder einen Ruͤckgang der Hollaͤndischen Fonds zu Amsterdam melden. Die Hollaͤndischen Integrale sind denn auch heute auf 487]⁄10 gewichen, waͤhrend in den Syndikaten hier wenig, in den uͤbrigen Hollaͤndischen Gattungen aber nichts gethan wird. Durch die zwischen Portugal und Spanien entstandenen Mißhelligkeiten ist der ohnedies so niedrige Cours der Fonds dieser Laͤnder noch mehr gedruͤckt. Fortdauernd fest halten sich die Actien unserer Taunus⸗Eisenbahn, doch war die Frequenz der Bahn im Dezem⸗ ber sehr schwach. Das Geld ist wieder sehr abondant, und der Diskonto steht kaum 3 ½ pCt. Im Handel ist es jetzt hier stille; selbst der sonst so belebte Detail⸗Handel vor den Wethnachts⸗ Feiertagen war diesmal im Allgemeinen weniger lebhaft; doch wurde in Luxus⸗ und Mode⸗Artikeln viel abgesetzt.

Schweiz.

Zuͤrich, 24. Dez. Ueber die hoͤchst bemerkenswerthe Dis⸗ kussion, welche sich in der Sitzung unseres großen Rathes vom 22sten d. bei Gelegenheit der Einreichung einer Petition zur Beschraͤnkung der Preßfreiheitentwickelte, und worin zwar

keine Censur, aber Maßregeln gegen den Mißbrauch der Presse

verlangt werden, theilt die hiesige Zeitung folgendes Naͤhere mit: „Der Versuch“, sagte als Referent Herr Dr. Rahn, „diese Aufgabe zu loͤsen, sey jeder Anstrengung werth. Herr Oberst Bleuler trug auf Tages⸗Ordnung an. Herr Praͤsident Ulrich: gewiß sey die Petition aus lobenswerthen Absichten her⸗ vorgegangen. Aber es sey unmoͤglich, durch Gesetzgebung dem Mißbrauche abzuhelfen. Dazu beduͤrfte es, man solle sichs nicht verhehlen, der Censur, die Niemand wolle, die man schon vor 1830 abgeschafft, auf deren Abschaffung man damals stolz gewesen. Die jetzige Gesetzgebung gebe den Gerichten großen Spielraum. Setze man nun in diese Miß⸗ trauen, so helfen keine Gesetze dagegen, waͤhrend bei guten Gerich⸗ ten eine Aenderung unnuͤtz sey. Ueberdies brauche man ja nur in Blaͤtter anderer Kantone zu schreiben, um das Gleiche auszu⸗ richten. Weil nun aber nichts dabei herauskomme, und schon die bloße Ueberweisung der heillosesten Mißdeutung ausgesetzt waͤre, so solle man diese unterlassen. Herr Dr. Rahn versichert, daß er nur eine Pruͤfung wuͤnsche, ob nichts zu machen sey ohne Censur. Der Wunsch sey nun einmal angeregt. Wenn Jemand im Nach⸗ barhause unartiges Zeug mache, so solle man's darum nicht auch im eigenen Hause dulden. Herr Oberst⸗Lieutenant Nuͤscheler meinte, es waͤre fuͤr andere Kantone ein gutes Beispiel. Es gebe jetzt viele im Lande, die zufrieden waͤren, wenn nur dem Preßunsug ge⸗ steuert waͤre. Man muͤsse denen mehr Staͤrke geben, die füͤr die Aufrechthaltung der Religion der Vaͤter zu kaͤmpfen ent⸗ chlossen sind. Herr Bleuler: der Mißbrauch geschehe auf allen

Seiten, und sey in einer solchen Zeit nichts besonderes. Er

erinnerte an die Verfassung. Hr. Wieland: Schon der bloße Versuch werde als Beschraͤnkung der Preßfreiheit ausgelegt wer⸗ den. Die Preßfreiheit sey durch die Verfassung garantirt; das Gesetz schuͤtze gegen Mißbrauch so viel als moͤglich sey: das Mittel zu finden, dies besser zu thun, werde nicht erst uns vor⸗ behalten seyn, da ja Staaten, welche die Preßfreiheit seit saͤn⸗ gerer Zeit besitzen, als wir, es nicht gefunden. Herr Staats⸗ Anwalt Rahn erinnert an die Deutschen Gesetzgebungen. Es gebe Aufreizungen gegen die Regierung, die ungestraft ausgehen, nur weil nicht eben zu den Waßten gerufen sey. Herr Huͤrlimann versicherte, die Petition habe auch bei der Gegenpartei Anklang gefunden. Herr Ammann: Leicht koͤnnte die Abhuͤlfe so aus⸗ fallen, daß man die Censur lieber wollte. Herr von Sulzer⸗ Wart: Schon seit Jahren aͤrgere sich jeder achtbare Buͤrger uͤber das heillose Treiben der freien Presse. Weder die Reli⸗ gion, noch die Sitten, weder der einzelne Buͤrger, noch die Be⸗ hoͤrden seyen geschuͤtzt. Auf diesem Wege komme entweder Un⸗ gluͤck uͤber das Land, oder der Presse stehe ein Sturz bevor. Wenn nicht gesteuert werde, so werde am Ende die Censur wie⸗ der eingefuͤhrt werden muͤssen. Herr Heß: Es sey nur eine

Die Gemeinden zahlen aber diese Schulden rascher

Stimme daruͤber, daß Miße zuche geschehen. Aber der Eine sehe dies fuͤr Mißbrauch an, der Andere jenes. Das beste Mittel dagegen sey eine gute Presse, ein Mittel, das jeder Buͤrger besitze. Ob denn das fuͤr den Beschimpften eine Satisfaction wuͤre, wenn hart gestraft wuͤrde? Man schreibe dann nur etwas schlauer. Die Freiheit erleide zu viel Anfechtungen, wenn auch alle mit redli⸗ chem Sinne. Der Geheime Rath moͤge sich huͤten, die Freihei⸗ ten des Volkes anzugreifen. Er moöͤge sich so wenig als moͤg⸗ lich in die Parteikaͤmpfe der Gegenwart mischen. Herr Fins⸗ ler: Selbst wenn er das jetzige Gesetz fuͤr vollkommen hielte, wuͤrde er einen großen politischen Fehler darin sehen, uͤber die Füen zur Tagesordnung zu schreiten. Es gebe eine Menge eute von beiden Parteien, die nichts anderes wuͤnschen, als Ruhe. Andere Staaten haben doch das Mittel gefunden, wenigstens die hauptsaͤchlichsten Angriffe zuruͤckzudraͤngen. Herr M. Sul⸗ zer erinnert an einen großen Nachbarstaat, der seine Gesetzge⸗ bung eben so geaͤndert habe, obgleich die Preßfreiheit in seiner Verfassung stehe. Er haͤtte gewuͤnscht, die Petition wäͤre jetzt nicht gekommen. Aber einen Entscheid muͤsse nun gefaßt werden; und man moͤge entscheiden wie man will, so werde man in einem Fall die Gegner verletzen, im anderen die Freunde. Herr Ul⸗ rich: Er kenne weder Freunde noch Feinde, er habe einen ein⸗ zigen Freund, dies sey das Vaterland. Er fuͤhrte aus den letzten zwei Jahren Beispiele zu der Bemerkung an, wie die einen das fuͤr Mißbrauch ansehen, die anderen jenes; und so, sagte er, werde es immer gehen, so lange wir in Parteien zerrissen sind. Herr M. Sulzer entschuldigte sich uͤber seinen Ausdruck Freund und Gegner. Herr von Muralt: Es sey kein Gesetz moͤglich, das dem Umfug im mindesten steuern koͤnnte Er sey allerdings der Meinung, daß diejenigen, die einem An⸗ deren durch die Presse die Ehre abschneiden, keine Begriffe von wahrer Ehre haben; aber durch ein Gesetz koͤnne Niemanden die Ehre gegeben werden. Man wuͤrde die Regierung, die nichts bringen koͤnne, in die groͤßte Verlegenheit setzen. „Machen Sie, was Sie wollen, Sie werden nichts Gutes zu Stande bringen.“ Die Herren Rahn und Finsler sprachen noch einmal fuͤr Ueberweisung, Herr Schwarzenbach fuͤr Tagesordnung. Herr Ulrich trug auf motivirte Tagesordnung an, da kein Resultat vorauszusehen, und die Ueberweisung wuͤrde mißdeutet werden. Das Resultat war: Fuͤr Ueberweisung an den Regierungsrath 115 Stimmen; fuͤr den Antrag Herrn Ulrich's 55 Stimmen.

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Rom, 19. Dez. (A. Z.) Die von hier gegebene Nachricht uͤber die Reise des Herrn Noyer, Belgischen Gesandtschafts⸗Se⸗ cretairs, nach Neapel, um zwischen Neapel und Belgien einen Handels⸗Vertrag abzuschließen, beruht auf einem Irrthum. Wie wir aus zuverlaͤssiger Auelle erfahren, geschah diese Reise ledig⸗ lich im Interesse der Belgischen Kapitalisten, die, gleich den Hol⸗ laͤndischen, bereits im letzten Sommer durch ihren hiesigen Re⸗ praͤsentanten, Grafen von Liedekerke⸗Beauforr, versuchten, zu ih⸗ ren, der Compagnie Tavoliere di Puglia vorgestreckten Summen zu gelangen. Da diese so gut als fallirt hat, und fuͤr die Be⸗ theiligten wenig oder nichts zu erwarten ist, so kann daraus fuͤr Neapel eine Streitfrage gleich jener wegen des Schwefels entste⸗ hen, wenn die Belgische und die Hollaͤndische Regierung, wie zu erwarten ist, sich dieser Angelegenheit ihrer Unterthanen anneh⸗ men. Jene Bank oder Compagnie soll bei ihrer Begruͤndung durch die Neapolitanische Regierung garantirt worden seyn; man wird sich also an diese halten.

Spanien. Madrid, 17. Dez. Die provisorische Regierung hat ein

Dekret erlassen, wodurch die Fueros von Navarra vorlaͤufig und

bis die Cortes durch ein Gesetz daruͤber entscheiden koͤnnen, modifizirt werden. Dasselbe enthaͤlt unter Anderem folgende Bestimmungen: „Das rein militairische Kommando wird in Navarra, wie in den anderen Provinzen der Monarchie, einer von der höchsten Regierung ernannten oberen Behörde übertragen, welche dieselben Functionen hat, wie die General⸗Kommando's der übrigen Provinzen, ohne jedoch we⸗ der den Titel noch die Befugnisse eines Vice⸗Königs zu besitzen. Der verfügende Theil der Rechtspflege in Navarra wird wie bisher fortbestehen, bis nach Prüfung aller besonderen Gesetze der einzelnen Provinzen ein für die ganze Monarchie gültiger Koder entworfen seyn wird. Der organische Theil und das Rechts⸗Verfahren wird außer den Modificationen, welche die höchste Regierung für nöthig erachtet, dem bei den übrigen Gerichtshöfen üblichen Verfahren gemäß, einge⸗ richtet werden. Der Gerichtshof (audiencia) in der Hauptstadt der Provinz wird jedoch stets fortbestehen. Das oberste Justiz⸗Tribunal wird über die Gerichtshöfe Navarra's dieselbe Ober⸗Aufsicht fuͤhren, wie über die anderen Gerichtshöfe des Königreichs. Bei der Ernen⸗ nung von Magistrats⸗Personen und Richtern wird die Regierung vorzüg⸗ lich darauf sehen, daß dieselben die Gesetzgebung des Landes kennen. Die Wahl und Organisirung der Munizipalitäten wird den für die ganze Nation anzunehmenden allgemeinen Bestimmungen gemäß statt⸗ finden. Die Verwaltung der Fonds und des Eigenthums der Gemein⸗ den geschieht unter Aufsicht der Provinzial⸗Depntation durch die Mu⸗ nizipalitäten nach den Gesetzen der Provinz. In allem Uebrigen sind die Munizipalitäten dem allgemeinen Gesetze unterworfen. Die Pro⸗ vinzial⸗Deputation wird aus sieben Mitgliedern bestehen, von denen die Distrikte (Merindades) von Pampelona zwei, Estella zwei, jeder der drei weniger bevölkerten dagegen eines ernennt. Die Wahl dieser De⸗ putation findet nach den für die anderen Provinzen gültigen Gesetzen statt; doch darf Niemand die auf ihn gefallene Wahl zurückweisen. Jedes Mitglied erhätt übrigens ein mäßiges Gehalt aus den Fonds der Provinz. Die von der Regierung ernannte höchste politische Be⸗ hörde führt die Aufsicht über die Provinzial⸗Deputation; Präsident der⸗ selben ist stets der älteste Deputirte. Die Regierung ernennt für Navarra eine höchste politische Behörde, welche dieselben Functionen hat, wie die Civil⸗Chefs der anderen Provinzen und niemals ein Mi⸗ litair-Kommando übernehmen kann. Da alle Spanier verpflichtet sind, zur Vertheidigung des Vaterlandes die Waffen zu erareifen, so muß auch Navarra, sobald die Umstände es erfordern, sein Kontin⸗ gent zur Armee stellen. Die Zoll⸗Linie wird vom Ebro an die Pvrenäen ⸗Gränze verlegt und von dem Augenblicke an, wo diese Verlegung stattgefunden hat, werden alle wegen Schleichhan⸗ dels schwebenden Untersuchungen suspendirt und alle dieserhalb verhaf⸗ tete Personen, so veit das Gesetz es gestattet, freigelassen. Der Ver⸗ kauf des Tabaks wird, wie in den anderen Provinzen des Königreichs, auf Rechnung der Regierung verwaltet. Dasselbe gilt für den Verkauf des Salzes; die Privat Besitzer von Salinen werden von der Regie⸗ rung entschädigt. In Betreff der Ausfuhr desselben genießt Navarra derselben Rechte wie die übrigen Provinzen des Königreichs. Der Ge⸗ brauch des Stempel⸗Papiers darf nicht in Navarra eingeführt werden. as husver⸗ und Schwefel⸗Monopol besteht fort wie bisher. Die in⸗ . Abgaben der Provinzial⸗Renten und Thor⸗Gefälle dürfen in 9 na. 88st vor der Vollendung des neuen Tarifs eingeführt wer⸗ vbn eerpem wird Navarra, als einzige direkte Abgabe, die Summe jäbrllc Fealen jährlich zahlen. Hiervon werden der Deputation osten ung a bewilligt, als Entschädigung für die Erhebungs⸗ und den Gelch eingegangene Steuern. Die Dotirung des Kultus 5 ichkeit in Navarra wird nach den bestehenden allgemei⸗

nen Gesetzen und den von der Regi Besti mungen regulirt.“ Regierung noch zu erlassenden Bestim⸗

Minisßten

8- Ine Innern hat der Provinzial⸗Deputation gezeigt, daß die Regierung zwar die Gerechtig⸗

keit der Beschwerden anerkenne, welche die genannte Provinz gegen die Vereinigung der Civil⸗ und Militair⸗Gewalt in einer Person erhoben habe, daß es aber fuͤr jetzt dabei sein Bewenden haben muͤsse, da es durchaus nothwendig sey, daß es in der Pro⸗ vinz eine Behoͤrde gebe, die das ganze Vertrauen der Regierung besitze. Uebrigens sey diese Maßregel nur interimistisch bis zur definitiven Regulirung der Fueros.

In den meisten Provinzen des Köͤnigreichs fallen die Ayun⸗ tamiento⸗Wahlen im Sinne der Exaltados aus, da die Modera⸗ dos aus Furcht vor Mißhandlungen sich nur in sehr geringer Zahl bei den Wahlen einfinden.

Der Herzog von Vitoria verliert mit jedem Tage mehr an Popularitaͤt. Die letzten von ihm erlassenen Maßregeln haben selbst unter seinen Freunden Unzufriedenheit erregt und es geht das Geruͤcht, daß er, wenn die Cortes zusammenkommen, durch einen anderen General ersetzt werden wuͤrde.

Es heißt, Don Antonio Gonzalez werde als bevollmaͤchtigter Minister nach London gehen.

Vereinigte Staaten von Nord⸗Amerika.

E

MNew⸗York, 9. Dez. Die zweite Session des jetzigen Kon⸗ gresses ist gestern in Washington eroͤffnet worden, und man er⸗ wartete gestern die Botschaft des Praͤsidenten; sie wuͤrde auch vermuthlich heute schon nach New⸗York gelangt seyn, wenn nicht die Eisenbahnen ganz verschneit waͤren, so daß der Postenlauf sehr verzoͤgert wird.

Das Stimmen⸗Verhaͤltniß bei der Praͤsidenten⸗Wahl wird jetzt folgendermaßen angegeben: General Harrison 167,064, van Buren 22,603 Stimmen. Die siegreichen Whigs selbst sollen auf eine so große Maoritaͤt nicht gerechnet haben.

General William Henry Harison, der neu erwaͤhlte Praͤsi⸗ dent der Vereinigten Staaten, ist 1773 in Virginien, wo seine Familie zu den aͤltesten und angesehensten gehoͤrt, geboren, also jetzt 67 Jahr alt. Sein Vater Benjamin Harison, Mitglied des ersten Kongresses, einer der Unterzeichner der Unabhaͤngigkeits⸗ Erklaͤrung und spaͤter Praͤsident des Kriegsbuͤreau's und Gouver⸗ neur von Virginien, starb im Jahre 1791, nachdem er einen betraͤchtlichen Theil seines Vermoͤgens dem Besten des Staats geopfert hatte. Der junge Harrison widmete sich fruͤhzeitig dem Kriegsfach und begann im 18. Jahre, seine militairische Lauf⸗

Haupt. Im folhenden Jahre ward er in dem mit England aus⸗

gebrochenen Kriege zum Oberbefehlshaber des Nordwestheeres er⸗ nannt und hatte das ausgedehnte Gebiet vom Erie⸗See bis zum Misssissippi zu schuͤtzen. Die Engländer hatten im Anfange des Krieges einige Vortheile erhalten, als aber Harrison im Fruͤh⸗ jahr 1813 seine Truppen konzentrirt Fluß und eine Stellung am Miami eingenommen hatte, brachte er den unter dem General Proctor vereinigten Britischen Truppen und In⸗ dianern eine Niederlage bei. Nachdem hierauf die Britische Flotte auf dem Erie⸗See von der Amerikanischen unter Perry geschlagen worden war, konnte Harrison seinen Uebergang uͤber den See bewerkstelligen, in Ober⸗Kanada vordringen und Malden, Sanduski und Detroit nehmen. Bei der Themse in Ober⸗Ka⸗ nada stieß er auf das zuruͤckgewichene Britische Heer, unter dem General Proctor, beschloß, ungeachtet seiner guͤnstigen Stellung, es anzugreifen, und trug einen entscheidenden Sieg davon Die feindliche Artillerie fiel in seine Haͤnde, und die mit den Briten verbundenen Indianer wurden, nach dem Tode ihres Haͤuptlings Tecumseh, gäͤnzlich auseinandergesprengt. Dies war eines der wich⸗ tigsten und folgereichsten Ereignisse waͤhrend des Britischen Krieges, als welches es auch von dem Kongreß, der Harrison ein Dankes⸗Vo⸗ tum und eine goldene Denkmuͤnze zuerkannte, angesehen wurde. Nach dem Frieden 1815 kehrte Harrison auf sein Gut am Ohio zuruͤck, ward 1816 zum Mitglied des Repraͤsentanten⸗Hauses erwäͤhlt und repraͤsentirte 1824 den Staat Ohio im Senat. Seit 1828, wo er auf kurze Zeit Gesandter in Columbia war, hat er als Privatmann gelebt. 4 General Harrison gehoͤrt der konservati⸗ ven Partei in den Vereinigten Staaten an. Im Kriegslager groß geworden, sind seine Sitten frei, offen, zugleich aber auch fein und abgeschliffen. Seine fruͤhzeitige klassische Bildung setzte ihn in den Stand, leicht und korrekt zu schreiben. Als Redner ist er mehr durch Klarheit und Eindringlichkeit seines Styls, als durch Beredsamkeit ausgezeichnet, so wie er denn uͤberhaupt we⸗ niger wegen glaͤnzender Talente, als wegen seines gesunden und

durch 40jaͤhrige Erfahrung gereiften Urtheils geschaͤtzt wird.

Berlin, 31. Dez. In Nr. 355 der Staats⸗Zeitung vom Jahre 1840 haben wir eine Zusammenstellung der Stiftungen

bahn unter den Auspizien Washington's, mit welchem sein Vater sehr befreundet war. Die ersten Lorbeeren erndtete er unter dem General Wayne, in dem siegreichen Treffen bei Miami gegen die Indianer und Kanadier im Jahre 1794, bei welcher Gelegenheit er zum Hauptmann ernannt wurde. Im Jahre 1799 wurde er Mitglied des Repraͤsentantenhauses fuͤr das Nordwestgebiet; 18900 Gouverneur von Indiana und spaͤter auch von Louisiana, welchen Posten er 11 Jahr lang bekleidete. Als im Jahr 1811 die verbuͤndeten Indianer die Nordwestgraͤnze beunruhigten und unter ihrem beruͤhmten Häaͤuptling Tecumseh mit Feuer und Schwert wuͤtheten, brach Harrison zum Schutz seiner Graͤnz⸗ Ansievelung gegen sie auf und schlug sie bei Tippecanoe aufs

gegeben, welche bei Gelegenheit der Geburts⸗ und Huldigungs⸗ Feier Sr. Majestaͤt des Koͤnigs begruͤndet worden sind. Es sind dabei einige Stiftungen ausgelassen worden, von danen jedoch be⸗ reits fruͤher in diesen Blaͤttern eine Anzeige gemacht worden war. So ist namentlich zu erwaͤhnen, daß an jenem denkwuͤrdigen Tage die Stadt⸗Behoͤrden zu Naumburg eine Buͤrger⸗Rettungs⸗

Anstalt mit einem Kapital⸗Fonds von 12,000 Rthirn. (S. Nr. 301 der St. Z.), die Stadt Merseburg ein ganz aͤhnliches In⸗ stitut (Nr. 295 der St. Z.), und die Stadt Suhl einen Fonds zur einstigen Unterstuͤtzung der Familien mobil gemachter Land⸗ wehrmaͤnner (Nr. 295 der St. Ztg.) begruͤndet habe.

. Preise der vier Haupt⸗Getraide⸗Arten in den für die Preußische Monarchie bedeutendsten Marktstädten im Monat November 1840, nach einem monatlichen Durchschnitte in Preußischen Silbergroschen und Scheffeln angegeben.

Namen der Staͤdte. Weizen Roggen Gerste Hafer

Weizen Roggen Gerste I Hafer

Namen der Staͤdte.

Koͤnigsberg 631 %l Memel 70 /12 8 Tilsit 73 265⁄1 2/ 18 Insterburg 60 - 26 18 Rastenburg 6 ½⁄9⁄1 34 ⁄1 ½ 28 20 Neidenburg 67 ⁄12 22 %12 14 ⁄1 Danzig 620⁄12 2T61 ½ 218⁄1 Elbing 61

w 1

29 ½1 20 ⁄12

IS SeSg

8. 26 6⁄12 [8 ⁄12 Konitz

Graudenz 5852⁄1 2 321 %⁄2 Kulm 34 Thorn 34 [2311⁄1 2 193⁄1 Posen 37 ⁄1 2 24 0/1 2 222 Bromberg 552/12 35 ⁄1 2 228⁄12 20 312 Fraustadt 52 %⁄1 2 940 31 2⁄12 2311 ⁄¼1 Rawitsch 5 44 ⁄12 372⁄12 262 ⁄12 Kempen 39 ⁄12 37 ⁄1 2 318⁄12 Berlin 28 44¹⁹⁄112 306⁄12 Brandenburg 40⁄1 2 28 ⁄1 2 26 ⁄½ 361 ½1 2 287⁄1 2 239⁄12 Frankfurt a. d. O. .. 397⁄12 1 27 Landsberg a. d. W. . [5511⁄1 2 3911 ⁄1 35 258 Sö. 2 383⁄1 2 221

26 201 %⁄ 2 231 % 2 19 ⁄1

9 8 849 12 Stralsund 49 2 369 221 6½1 2 20 ⁄1 29n 1 8 Kolberg 34 ⁄1 2 2. 196⁄12

ö11X1“

Stolpe 209/12

Breslau 261⁄12 Gruͤnberg 341 Gh1 40 9⁄12 3: 254/12½ Glogau Liegnitz Goͤrlitz Hirschberg Schweidnitz Glatz

Neiße Leobschuͤtz ..

Ratibor

82 2

539/12 43 ⁄1 2 3011/12 227012 522⁄1 2 372⁄1 2 302⁄1 2 22 2⁄12 508⁄12 417⁄12 25/ 2011⁄12 4. Nordhausen 541 %⁄ 38 ⁄2 182

5. Muͤhlhausen 52 ⁄1 371 ⁄12 28

6. .--9 b1“ dae,sis 341:

N. Hafle . ... ... 1114““ 3. Torgau .. 5 377⁄1

1. Muͤnster

2. Minden

3. Paderborn

4. Dortmund ...

1. Känn. 2. Elberfeld 3. Duͤsseldorf

1. Magdeburg E““ 3. Halberstadt

Tö1“

439⁄12 48 ⁄12 55 ⁄12 54 ⁄12 619⁄12 5211⁄12 518/⁄12 4911/12 462/12 7. Ach W1 .7 8. Malmedy 90 60

9. Trier 51

10. Saarbruͤck 479/12 11. Kreuznach 485⁄12 12. Simmern 13. Koblenz

14. Wetzlar ...

Durchschnitts⸗Preise

der 11 Preußischen Staͤdte Doses Staͤdte » 9 Brandenb. u. Pom⸗ merschen Staͤdte ..

11 Schlesischen Staͤdte

8§8 Saͤchsischen Staͤdte

3 Westfaͤl. Städte ..

14 Rheinischen Staͤdte

Wissenschaft, Kunst und Literatur.

zerlin. Ueber die Erfindung unseres Mitbürgers, des 2 Liepmann, Oelbilder auf mechanischem Wege zu vrn e fälteen Malehe iesen Blättern lange nicht gesprochen worden. Wir nehmen daher

mit Vergnügen die Gelegenheit wahr, auf ein neues Stadium, das ie Bekanntwerdung jener interessanten und vielversprechenden Erfin⸗ ung in diesem Augenblicke erreicht hat, aufmerksam zu machen. Der ünstler hat nämlich gestern in Anwesenheit einer großen Anzahl an⸗ esehener Personen unserer Stadt (von denen wir nur den Herrn Ober⸗ Sürgermeister, Geheimen Justizrath Krausnick und den Herrn Stadt⸗ kerordneten⸗Vorsteher Desselmann nennen) den Bilderdruck auf seiner aschine vorgenommen und dargelegt, mit welcher 2.g6hN Schnelligkeit er ein auf das sauberste ausgeführtes Oelbild herzu⸗ stellen vermag. Jedem der Anwesenden wurde ein mit Leinwand be⸗ lebter kleiner Holzrahmen eingehändigt, auf dessen Rückseite man zur nähern Bezeichnung des Exemplars seine Namens⸗Unterschrift setzte. Ddiese Rahmen wurden alsdann dem jungen Mädchen übergeben, pelche die trene Gehülfin des Herrn Liepmann bei der Ausführung (ener schönen Erfindung ist, und nach wenigen Minuten kam jedes emplar mit den farbigen Grundrissen eines Bildes zurück, dessen

ge und Farbentöne immer entschiedener hervortraten, je öfter es der

Maschine wieder uͤbergeben wurde, bis endlich auf jedem Exemplar eine vollständige Kopie des auf dem hiesigen Königl. Museum befind⸗ lichen Portrafts von Franz Mieris sich darstellte, dem nur noch die Lasur und die Auftragung hoher Lichter fehlte, ganz so, wie es bei einem eben mit dem Pinsel vollendeten Oelbilde der Fall ist. Gerade dieses Bildniß des Mieris ist wegen seiner schönen Carnation und we⸗ gen seines überaus schwierigen und mannigfaltigen Farbentonspietes berühmt, und Herr Liepmann hat es sowohl dieses Umstandes halber, als auch darum gewählt, wesl bei seiner bekannten Kopie des Rem⸗ brandt vielfach der Zweifel geäußert worden, ob ein Bild von kleineren Dimenstonen auch nur irgendwie durch das neue Verfahren bergestellt werden könne. Der Künstler hat gezeigt, was er mit seiner Erfindung zu lei sten im Stande sey, und das in jeder Hinsicht befriedigende Resultat mag einen Maßstab abgeben für das, was mit derselben Sorgfalt in grö⸗ ßeren Bildern ausgeführt werden kann. Es ist zu wünschen, daß dem Künstler, der leider mit körperlichem Unwohlseyn zu faͤmpfen 18 und der den ganzen Ertrag seines Rembrandt⸗Bildes auf deafr igung der neuen großen Maschine verwandt hat, die in seinem Atre 8 82 gestellt aber noch nicht ganz vollendet ist, von neuem eine recht leb⸗

; it seine schöne, unserem Va-⸗ hafte Aufmunterung zu Theil werde, g in das Leben kreren und

tertande zur Ehre gereichende Erftndung J. 9 Eigenthum der Nation werden könne. X. 8.