1841 / 30 p. 1 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

um mehr als das

88

Wegen der von den Banken getroffenen Vorbereitungen zur Wiederaufnahme ihrer Baarzahlungen am 15ten d. M. ist das Geld am hiesigen Markte sehr selten geworden. Der Dis⸗ konto hat sich auf 10 pCt. gehoben. Die Bank der Vereinigten

Siaaten hat auch bedeutende Summen auf die Herren Morrisson

aber woͤchentlich nur ein⸗ bis zweimal,

und Compagnie in London gezogen, was den Cours sehr druͤckt. Dee Bankerott⸗Bill steht auf dem Punkte, dem Kongreß vorge⸗ legt zu werden, und man zweifelt nicht, daß sie durchgehen wird. Einen Augenblick fuͤrchtete man, daß die halbjaͤhrige Dividende von den Staatsschulden nicht puͤnktlich wuͤrde bezahlt werden, och ist jetzt das Vertrauen wiederhergestellt.

Die Verbindungen zwischen den Vereinigten Staaten und Europa, sowohl durch Paket⸗ als Dampfschiffe, sind jetzt im re⸗ gelmaͤßigsten Gange. Sie beruhen alle auf Privatunternehmungen, und nur die juͤngst errichtete Dampfschiff⸗Linie zwischen Liverpool und Boston ist von der Englischen Regierung zum Transport der Post⸗Pakete und Briefe ins Leben gerufen worden. Die zwi⸗ schen Nord⸗Amerika und Europa segelnden Paketschiffe sind saͤmmt⸗ lich Amerikaner, mit Ausnahme derjenigen von Bremen und Hamburg, welches Deutsche Fahrzeuge sind und von welchen sich die ersteren durch schnelle Reisen hoͤchst vortheilhaft aus⸗ zeichnen. Die Paketschiffe fahren zu bestimmten Stunden ab und sind die groͤßten Schiffe, welche existiren, indem sie bis zu 1000 Tonnen halten. Sie sind staͤrker und schaͤrfer gebaut, als die Kauffahrteischiffe, staͤrker bemannt und haben, ganz stuͤrmische Jahreszeiten ausgenommen, eine ziemlich regel⸗ mäͤdige Ueberfahrt von durchschnittlich 20 Tagen nach Europa, und von Europa, wegen der Nordwestwinde, in 35 Tagen. Die Dampfschiffe brauchen durchschnittlich 15 Tage nach Europa und 18 20 Tage von Europa. Diese Dampfschiffe sind saͤmmtlich Englische. Es haben sich dafuͤr noch keine Amerikanische Unter⸗ nehmer gefunden, obgleich die Zahl und Groͤße der auf Amerika⸗ nischen Fluͤssen und Seen beschaftigten und hier gebauten Dampf⸗ böͤte um das Doppelte und Dreifache die der uͤbrigen Welt uͤber⸗ steigen, und obgleich fuͤr Russische Rechnung Dampf⸗Fregatten hier gebaut werden, wie sie nach dem Urtheil unparteiischer Rich⸗ ter in gleicher Guͤte nirgends gebaut werden koͤnnen. Die Ein⸗ richtung auf den beiderlei Arten der zwischen Amerika und Europafah⸗ renden Schiffe ist fuͤr die Passagiere ausgezeichnet, sowohl durch Luxus, als durch Zweckmaͤßigkeit. Das Passagier⸗Geld betraͤgt in der ersten Kajuͤte der Paketschiffe 120 Dollars, Kost, Wein und Al⸗ les einbegriffen. Die Dampfschiffe nehmen 150 Dollars nach und 250 von Eurospa und zaͤhlen dennoch durchschnittlich 100 Perso⸗ nen. Ein neues Paketschiff, ganz segelfertig und mit vollem In⸗ ventar fuͤr die erste Kajuͤte, hat einen Werth von 50 70,000 Dollars. Die Dampfschiffe kosten ungleich mehr. Von 16 Pa⸗ ketboͤten, welche jeden Monat in den Hasen von New⸗York ein⸗ laufen, und eben so vielen, die von hier auslaufen, sind in den letzten Jahren nur 4 verloren gegangen. Außerdem unter⸗ halten Philadelphia, Boston, Baltimore, Charleston und New⸗ Orleans regelmäßige Paket⸗Fahrten nach Europa, und trotz dem uͤbersteigt die Zahl der Kauffahrteischiffe die der Paketschiffe noch Sechsfache.

Die Zahl der Deutschen Zeitungen in den Vereinigten Staa⸗ ten betraͤgt jetzt uͤber 70, zum Theil im groͤßten Englischen For⸗ mat und mit 6 Spalten auf einer Seite; die meisten erscheinen waͤhrend von den 1500 6 Blaͤttern 150 taͤglich, einige sogar zweimal taͤglich er⸗

scheinen.

che aber jetzt der Central⸗Regierund e. WDuafhengkon vorliegt, deren Absichten friedlich sind, so glaubt man, von jener Seite nichts be⸗ sorgen zu duͤrfen.

Ein Schreiben aus Matamoras vom 7. November bringt den Text einer zu Camargo zwischen den Merxikanischen Genera⸗ len Arista und Canales abgeschlossenen Uebereinkunft, die dem Kampfe zwischen den Centralisten und Foͤderalisten, in der Vor⸗ aussicht baldiger Feindseligkeiten mit Texas, ein Ende macht. 8g. Rubio von San⸗Luis de Potosi soll mit der Mexikanischen

egierung eine Uebereinkunft abgeschlossen haben, die ihm gestat⸗ en soll, uͤber Matamoras Waaren fuͤr 1 Million Piaster gegen ahlung von 300,000 Piastern, die zu den Kriegskosten gegen exas verwendet werden sollen, einzufuͤhren. 2 1 Die neuesten Berichte aus den suͤdlichen Staaten schildern den wahrscheinlichen Ertrag der bevorstehenden Baumwollen⸗ Aerndte als ziemlich weit hinter den fruͤher gehegten Hoffnungen zuruͤckbleibend und geben ihn nur zu 1,700,000 bis 1, 750,000 Bal⸗ len an. Die Preise Artikels sind eshalb auf allen Maͤrk⸗ ee der Union gestiegen. 1.“

Snlah d.

oͤln, 23. Jan. (Koln. Ztg.) Ein Korrespondent der „Augsburger Allgemeinen Zeitung“ berichtet aus Koͤln unterm 10. Januar von unserm damals noch werdenden, nunmehr ins Daseyn getretenen Dombau⸗Verein. Wir muͤssen ihm Dank wis⸗ sen fuͤr diese oͤffentliche Besprechung einer zunäͤchst zwar unserer Stadt und Provinz und dann dem Deutschen Vaterlande ans Herz zu legenden, oder, man erlaube mir zu sagen, am Herzen liegende Angelegenheit, moͤchten aber dennoch unsern Landsmann freundlich bitten, im Interesse der gemeinsamen Sache den Schein von Ausschließung zu meiden, der ein allzu starkes Vorkehren der nationalen Seite hervorrufen koͤnnte. Ist der Dom freilich zu⸗ naͤchst ein Deutsches Werk, so machen doch die Kunst, die ihn erzeugt hat, die Religion, der er dient, keinen Anspruch darauf, einer bestimmten Nation anzugehoͤren, streben vielmehr beide ihrem Wesen nach ewig dahin, in ihrem Gebiete die engen chranken der Nationalitaͤten fallen zu machen. Es ist uns fuͤr unser Beginnen von England, Holans. Belgien aus die regste Theilnahme zugesichert. Es wirkte in diesen Laͤndern das allgemeine Wesen der Kunst und Religion und wird noch an anderen Orten zu unsern Gunsten wirksam seyn. Mit⸗ hin verarge man es uns nicht, wenn wir uns ausdruͤcklich dagegen verwahren, daß nicht unsere Sache im Dienste einer, Zwecke des Augenblick verfolgenden, Politik ausge⸗ beutet werde. Dafuͤr ist sie zu groß! Wir sind Preußen, sind. Deutsche, wo es gilt und wo es paßt im Staate und in der Politik —, aber nicht auch in der Kunst, in der Wissenschaft, in der Religion. Das echte Geistesleben uͤberwogt jene Schran⸗ ken der Nationen, denn die Natur des Geistes ist, sich vom Endlichen, von Zeit und Raum zu befreien. Hier nun haben wir unseren Fleiß und unsere Liebe einem Werke zugewandt, wel⸗ ches der Zeit und Raum uͤbertragenden Kunst; der Zeit und Raum uͤberragenden Religion geweiht ist. Darum vereinigt sich zu ihm der kindlich fromme Sinn, der zur Ehre Gottes ar⸗ beitet und in der Hoffnung auf ein Jenseits seinen Lohn findet, mit dem Kunstsinne, der die Frucht seiner Arbeit auf Erden sichtbar vor sich haben muß und seinerseits gleichfalls und mit Recht in Anspruch nimmt, auch eine Form zu seyn, in der das

EZ“ Goͤttliche auf Erden erscheint; darum sehen wir hier die wei⸗ ten Kreise des Volks und aller Gebildeten sich zu einer gemein⸗ samen, jeden an seinem eigenen Theile reichlich lohnenden Arbeit ruͤsten, und wollen Niemanden ausgeschlossen wissen, welche Zunge er rede, welcher Konfession er zugethan sey, Miemanden, der uͤberhaupt Kunst und Religion erkannt hat, und sie in einem ihrer groͤßten Werke in unserm Dome zu ehren gesonnen ist.

Koblenz, 23. Jan. (Rhein u. Mos. Ztg.) Durch die Gnade Sr. Majestaͤt des Königs ist nun den hier wohnenden Englaͤndern, welche zahlreicher sind, als in irgend einer anderen Stadt der Provinz, die herrliche, aber seit langen Jahren ver⸗ öͤdete Schloß⸗Kapelle zum oͤffentlichen Gottesdienste nach der Lehre der Englisch⸗Bischoͤflichen Kirche, unter gehoͤrigem Vorbehalte überlassen worden. Der edle Bau, die prachtvolle Ausstattung in weißem Stuͤck⸗Marmor und Gold, die Deckengemaͤlde von Zick, machen diese Kirche zu einem der geschmackvollsten Tempel am Rhein, und kaum mag das reiche London selbst eine schoͤnere Kapelle aufzuweisen haben. Unsere stammverwandten Gaͤste wer⸗ den diese Koͤnigliche Huld, diesen Beweis von Gastfreundschaft dankbar zu schaͤtzen wissen Ist dies ja die erste Kirche am aan zen Rheinstrom, welche bis jetzt den Englaͤndern allein zugestan⸗ den worden ist.

Wissenschaft, Kunst und Literatur. München. Es ist bereits früber der geographischen und sprach⸗ lichen Srudien über das innere Afrika gedacht worden, die der Lebrer der von dem Herzoge Maximilian von Bayern aus Aeavpten mitge⸗ brachten fünf Negerknaben, Herr Karl Tutscheck, mit Hülfe derselben zu machen Gelegenbeit hatte. Die Allg. Zeitung enivält über die⸗ sen Gegenstand einen neneren Bericht, woraus wir Folgendes, als das Wesentlichste und Intereßanteste, mittheilen:

Noch vor Schluß des Jahres 1840 wurde den Gallasstudien des Herrn Tutscheck eine Gewährschaft und Erweiterung eigneer Art zu Theil. Er tab auf der Straße in Aegvptischer Tracht einen Afrifani schen Knaben von sehr angenehmen und sfanftem Aenßern, heller gefärbt als seinen Galla, der ein Boranna füdlich von Guduru ist, aber diesem doch dem Ansehen nach stammverwandt seyn mußte. Begierig, darüber das Gewisse zu erfahren, ging er dem interessanten Frem ling nach, und redete ihn in der Gallassprache mit den Worten an: „Bist du ein Gallas, mein Sohn?“ Der Knabe war beim Klang dieser Sprache von frendigem Schrecken getroffen. „Ja!“ rief er endlich mit höchster Svannung und Thränen im Auge, „und weoher kennst du die Sprache meines Landes?!“ Die Bekanntschaft war hierauf bald ge⸗ schlossen. Der Knabe war ein Gallas aus dem Stamme Sibu; ein Engländer Mr. Pell, hatte ihn in Aegypten gekauft, als Sohn gehalten und ihn auf seiner Reise in die Heimath mit sich nach München gebracht. Die beiden Landsleute, der Vo⸗ ranna und Sibu, sahen sich nun täglich während zwei Monaten (denn so lange dehnte Herr Pell seinen Aufenthalt bei uns aus Rücksicht auf die Wünsche und Studien des Herrn Tutscheck aus), und was dieser aus den Mittheilungen des neuen Ankömmlings aufzeichnen konnte, vermehrte eben so seine ethnographischen und geographischen Kenntnisse, seine Vorräthe an Sagen, Fabeln, Liedern dieser Sprache, wie es seine Kunde der Gallassprache noch bereicherte. Die Sibusprache zeigte sich als eine Mundart des Gallas von besonderer Färbung, dem Beranna und Sibu steht nahe, was man auf anderen Wegen von der Sprache aus Guma kennt, einem dritten Gallastamme, dem die sogenannte Abpssinierin des Fürsten Pückler⸗Muskau angehörte. Von einem vier⸗ ten Gallas sehen wir Mittheilungen durch die Fürsorge des Herrn Herzogs Paul von Würtemberg entgegen, welcher einen Galla, aus dem Lande Schoa gebürtig, südlicher als die anderen, mit sich nach Europa gebracht hat und geneizt ist, ihn Herrn Tutscheck für seine Stu⸗ dien auf eine Zeit lang zur Verfügung zu stellen.

Auf diesen Punft war die Sache gekommen, als Herr Tutschek von der philesophisch⸗ philologischen Klasse der Königlichen Akademie der Wissenschaften in München die Einladung erhielt, ihr über seine sprachlichen und ethnographischen Entdeckungen Vortrag zu halten. Schon früher hatte de selbe Gelegenheit genommen, seinr Enideckungen Herrn Professor Karl Ritter mitzutheilen, und die Aufnahme, welche sie, obwohl damals noch in sehr unvellkommener Gestalt, bei jenem großen Geographen fanden, trugen wesentlich bei, Herrn Tutschek in sei⸗ nem Vorhaben zu kräftigen. Mit Freude folgte er jetzt der ehrenvollen, von der ersten Klasse der Akademie an ihn ergangenen Aufforderung, und nachdem Se. Hoheit der Herzog Mar ihm die Ermächtigung dazu bereitwillig ertheilt hatte, hielt er seinen Vortrag in der Sitzung dieses Monats vor der genannten Klasse zu ihrer vollkommenen Befriedigung. Er schilderte darin kurz den Gang seiner Studien; den ethnographischen und geographischen Gewinn aus ihren Mittheilungen deutete er nur in we⸗ nigen Zügen an, da er demnächst eine besondere Abhandlung über die Religion, die Sitten und Gebräuche und üͤber die topographischen Verhältnisse des Landes liefern wird. Dagegen ging er in eine genue Analogie und Syn⸗ tar der Sprache ein, welche sich sowohl in ihrer Wortbildung als in ihrer Fügung als höchst eigenthümlich darstellte In der großen lleberein. stimmung der Sprachen von Boranpa, Sibu und Guma, welche sich, wie be⸗ merkt, als Mundarten der Gallas ausweisen, fand er eine Bestätigung der schon von Salt ausgesprochenen Meinung, daß der ganze greße Völkerkranz, welcher Abyssinien im Süden umschlingt, so sehr er auch durch politische Interessen zerrissen ist, durch das gemeinsame Band der Sprache zusammengehalten wird und Eine große, nach Mundarten und Urbesitzen getheilte Nation enthält, ausgebildeteren Organismus und edlerer Gestalt, als die Negervölker, und an deren hohen Vildungs⸗ fähigkeit kein Zweifel mehr bestehen kann.

Es ist begreiflich, daß die Mittheilungen von solchen Ländern gleich bedeutsam durch ihre Neuheit wie durch ihren Belang im Kreise der Männer, denen sie hier vorgetragen wurden, zu weite⸗ ren Erörterungen Anlaß gaben und Wünsche erregten, welche sich auf weitere Entdeckung und Ausbeutung des hier geöffneten Feldes be⸗ zogen. Die Beantwortung vieler hier angeregten Fragen bleibt der tie⸗ feren Sprachforschung und der ausgebreiteteren Erdkunde vorbehalten, uno schon zu diesem Behuf wären Reisen an Ort und Stelle, oder wäre die Einleitung eines mit Einsicht eingeleiteten und geführten Ver⸗ kehrs nöthig und wünschenswerth. Vieles ist zwar jetzt schon aufge⸗ bellt. So läßt sich durch genaue Ueberse iung der Nomen von Völ⸗ kerschaften, Flüssen und Orten mit ziemlicher Gewißheit der Gang nachweisen, welchen die große um 1530 eingetretene Völker⸗Bewegung in Afrika genommen hat, ein Strom, der die Gallas gegen Abypssinien vorschob; aber alles Einzelne und Umfassende fehlt sowehl hierüber, als über die inneren Verhältnisse der Gallastämme untereinander, über ihre Verschiedenheit in Farde und Körperbildung. Handeit es sich aber von der Möglichfeit, in diesen, den Europäern verderblichen Ländern vorzudringen, den Schoß jener Gebirge, ihre Geheimnisse und die Na⸗ tur der füdlich von ihnen liegenden großen Ländermassen aufzuschließen, von wem könnte dieses sicherer und erfolgreicher erwartet werden, als von Einheimischen, welche von der Humanität und Einsicht Euro⸗ pa’s dazu ausgerüstet würden! Die Klasse der Akademie, welche Herrn Tutscheck vicl Aufmunterndes und Anerkennendes sagte, trug zugleich ihrem Secretair auf, in ihrem Namen den Herrn Herzog Mar, welcher selbst Mitglied der Akademie ist, und nur durch Krankheit gehindert worden war, der Sitzung, wie er verheißen hatte, beizuwohnen, ihren Dank dafür auszudrücken, daß er jene Mittheilun⸗ gen an sie und andere, welche sich noch daran schließen werden, geneh⸗ migt hatte, zugleich aber auch Sr Hoheit ihre freudige Anerkennung der rücksichtsvollen Humanität darzulegen, die Sie bei Anordnung der Erziehung jener jungen Afrikaner bewiesen, und welche auch für die wissenschaftliche Kenntniß von Afrika bereits ersprießliche Früchte zu tragen angefangen habe. Daran schloß die Klasse den cherbietigen Wunsch, es möge Sr. Hoheit gefallen, die begonnene Ausbildung je⸗ ner interessanten Fremdlinge zu einer weiteren Quelle wissenschaftti⸗ cher Förderungen und Resultale zu machen. Dieses könne am sicher⸗ sten geschehen, wenn ihrer Erziehung und Bildung eine Ausdehnung und Richtung gegeben würde, nach welcher sie, ohne seibst eigentliche

Gelehrte zu werden, doch in den Stand gesetzt werden würden, nach ihrer Heimkehr über die oben berührten Gegenstände Beobachtungen anzustellen und Erfahrungen zu machen. Zugleich könnten lungen und Einsendungen, und mit denselben wissenschaftlich merkwür⸗ dige Naturprodufte hierher und zunächst an ihren Wohlthäerr eingelei⸗ tet werden, und das ganze würde bestimmtere Gestalt und Richtun bdekommen, wenn die Heimkehr jener Jünglinge nach einer nicht langen Reihe von Jahren unter Leitung ihres wissenschaftlich gedila. ten und geistvollen Erziehers vermittelt werden könnte. Einmal idre Heimath zurückgegeben und in ihren Verhältnissen sich freier bewegen würden sie wohl selbst weiter gehen, und lhre Nachforschungen in den tieferen Süden hinab durch eigene Reisen oder Benützung an⸗ derer Afrikaner zu diesem Zwecke ausdehnen konnen, dadurch aber für die Kunde des inneren Afrika Wege eFnen, welche den Europäern 5*. 88* immer oder doch nech Jahrhunderte lang verschlessen bleiben en.

Der Herr Herzeg nahm, wie wir bhören, den Dank und die Wüj der ersten Kiasse der Akademie mit e dan der ihn 5 nenden Bereitwilligkeit für alles Heilsame und Rühmliche an und vei⸗ sprach, den Gegenstand in reifliche Ueberlegung zu nehmen, und es ist wohl kaum zu zweifeln, daß auf dem schon benreienen und bis jetzt so rühmlich verfolgten Wege wir, unter der Theilnahme Sr. Hoheit, dabin elangen werden, nicht nur die wissenschaftliche Eröffnung und Be⸗ nützung Afrika's durch junge in Eurepa gebildete Afrikaner weiter ausgedehnt, sondern jenen bis jetzt von unserer Bildung und den Seg⸗ nungen des Christenthums ausgeschlessenen interessanten Völkerschaften die Keime ven beiden zugefübrt zu seben.

Noch fügen wir bei, daß Herr Tutschek mit der Ordnung seiner ethnographischen, geographischen und linguistischen Studien über das innere Afrika zum Bchuf der Herausgabe derselben beschäftigt ist. Meteorologische Beobachtungen. 8 Morgens Nag mittags Abends Nach einmaliger

6 Uhr. 2 Uhr, 10 Ubr. Beobachtung.

1841.

27. Januar.

335,51„Par. Quellwärme 6 70 R.

+ 2,00 R. Flußwärme 0,90 R.

+ 0,60 R. Bodenwarme 1,90 R. 89 „Ct. Ausdünstung 0,022 Rh. regnig. Niederschlag 0,104 Rb.

W W. SW. Waͤrmewe sel + 2,1°

We W. + 1, 10.

336,33,„ par. 1190 R. 2,2 0 R., 90 pCt. W2 W.

Ueorlineoe 9 len 28 Jannar

335,63““„Par. 1.4 0 R. 2 90 R. 88 „Ct.

reqniec.

Lustdruck.. D 337,84“ Par. Luftwärme.... 3,8 ° R. Thaupunkt... A,5 0 R. Dunstsättigu g 93 vCt. Wester. .. heirer. Wolfenzug ..... Tagesmittel:

8 Ur. Cour. 8 Briet. eid.

98 97

vt Schald-Sch vr. Engl. 0 bl 30 brüm. Sch d Seech Kurmk. Schuldv Neumk Schuldv gerl. Stade-Ciet; Dauz do. in Th. Westp. Pfandbr. Grofsh. Posz. do Cstpr. Pfaudbr. 32 Pomm. do. 3 b Kur- u. Neum. do0 34 Schlesische do 2* und Zinz-- I

vr. Lour. Briet. Geld.

1935 ⁄4 103 ⁄¾ 100 10 211 807 86 % 102

102 ⁄⁄ 1035⁄1 48

101 3 ¾ 105³ 4 102

1032/F 1033¾¼

Sch. d K. u N△

dciiese. Brl. Pots. Eizeub, 8 lo. do Prior Act 42 Mgd-L.pz Eisenb 10. do. Prior Act 4 Berl. Auh Eisent, do. do. Prior. Aet 4

127 ½ 126 ½ 102 ½ 112 ½¼

102

113 ¼ 105 ¾ 102 ½ 208 ½

34

103 1

105 ¼ 103 ½¼ 102 h

Gold al mareo 8G Neue Dukaten 8 Friedrichsd'or Aud. Goldm a 5T.—

Diszconto .

Cond.

mechsel Coursg. Thl. zu 30 Sgr.

Brief. Ceid. 138 X1 137 137 ⁄1 137 %

wl. Fl. Mk. Mk. LSt Fr. Fl. Fl. 100 Thl Thl. Fl.

Kurz

2 Mt Kurz

2 Mt. 3 Mt. 2 Mt. 2 Mt. 2 Me. 2 Me. 8 Tage 2 Mt

32 Woch.

Amsterdam do lilamburg

do 6 123⸗ 6 17 %⁄

78 ½

London

101 99 ¼

Augsburg Breslau

101 1SüRbI V

Aus wAI

Amsterdam, 24 Januur. Schuld 50 18. 5 % do. Eg-;

Petersburg

Niederl. wirkl. Kanz-Bill. —. Neue Aul. 2213⁄16. Antwerpen, 24. Januar. Neue Aul. 22 ⅞. 8 u““ Frankfurt a. M., 25 Januar. Oesterr. 5 % Met. 105 1 Br. 40 %, 98 ¾ Br. 2 ½ % 55 ¾ Rr. 1 %, 24 ⅞R G. Bank-Actien 1976. 1972. Partial- Obl. —. 1.0086 ezu 500 fl. 138 ½¼ Br. Loosze zu 100 Fl. —. Preuss. Präm. Sch. 80 ½ G. do. 42 % Aul. 100 ¼ G. Poln Loose 73 ⅛¼ G. 5 % Span. Anl. 24 ¾. 24 ⅝. 2 ½ %. Holl. à9 ⁄16. 49 ⁄¼1 6. Risenbahn-Actien. St. Germain 695 G. Versailles rech- tes Uter 415 G. do linkes 310 G. München -Augsb. —. Itrassbucg-Basel 250 Br. Leipzig-Dresden 100 ½ Br. Hamburg, 26. Januar. Bank-Actien 1655. Engl. Russ. 1065⁄1¶. London, 21. Januar. Cons. 3 %, 89 ¾¼. Belg. —. Neue Aul. 24 ⅛. Ausg. Sch. 12 ½. 2 ½ % Hlell. 50 %1. 3 % 20. Engl. Russ. —. Bras. 73. Peru 16. Chili —.

Zinsl. 6 ⁄¼4.

Passive 6 ⅛. 5 % 98 ¼. 5 %, Port. 32. Columb. 23 ¼. ex. 28 ½1.

Paris. 23 Januar. 50 % Reute fin cour 112. 66. 3 % Kente fin cour. 77. 30. 5 % Neapl. tin cour. 101. 80. 5 % Span Keute 25 ⁄1. Passive 6 3 % Port. 21

Petersburg, 19. Januar.

Lond. 3 Met. 39 1 Iiamb. 34 ½. Paris 400. 300 Fi. 68 ½. do à 500 72 ½ Wien, 23. Januar. 4 % 100. 3 % 2 ½ % 4 ⅛. de 1834 138. de 1839 110 ⁄½.

Koͤnisliche Schauspiel e. 1

Freitag, 29. Jan. Im Opernhause: Voltaire’'s Ferien, Lust⸗ spiel in 2 Akten, von B. A. Herrmann. Hierauf: Robert und Bertrand, pantomimisches Ballet in 2 Abth., von dem K. Balletmeister Hoguet. Musik von dem K. Hof⸗Compositeur H. Schmidt. Im Schauspielhause: 1) Le cheralier du Guet, comédie en 2 ncies et en prose, par Mr. Lockroy. 2) Feuve et garçon, vau- deville en 1 acte. Sonnabend, 30. Jan. Im Trauerspiel in 5 Abth., von Goethe.

Koͤnigsstaͤdtisches Theater.

Freitag, 29. Jan. Zum erstenmale: Wer langsam geht, koͤmmt auch ans Ziel. Lustspiel in 3 Akten, frei nach dem Franzoͤsischen, von B. A. Herrmann. Hierauf: Kunst⸗Vor⸗ siellung der Gebruͤder Graffina, athletische Kuͤnstler aus dem Ci⸗ cus franconi in Paris, in 2 Abtheilungen.

onnabend“ 30. Jan. Die Juͤdin. Oper in 4 Atbnr. 1

Poln. à Par.

5 % Met. 106 ¾. Bank-Actien 1612. Anl.

Schauspielhause: Egmont,

Musik von Halevy. (Herr Wild, K. K. Hof⸗Opernsänger Wien: Eleasar, als Gast) 8 H f. vernse 9 58

vns⸗

Verantwortlicher Redacteur Dr. J. WrZinkeis en. Gedruckt bei A. W. Hapn.

rungs⸗Rath Orto Wilhel RNeaterungs⸗Rath und D rigenten der Ab heilung fuür Domainen, Breslau Allergnaͤdigst zu ernennen.

12. September

isst aufagehoben worden, da die Ausfuͤhrung binnen der

Köln-Aachen —8.

0 1 %

Amtl. Nachr. Rußl. St. Petersb. in Pultawa. Frankr. Deput.⸗Kammer. Verhandlungen über die Befestigung von Paris. General Pairhans. Herr von Tracy. Herr von Remusat. Paris. Vermischtes. Privatbriefe. Großbr. u. Irl. Lonvdon. Verhandlungen über den Entwurf der

Religiöse Feier. Neues Kadetten⸗Institut

Thronrede. Auswärtige Angelegenheiten. Frankreich u. Buenos⸗

Ayres. Unterdrückung der Insurrection in Neu⸗Granada. Eisen⸗ bahn⸗Polizei. 8

Deutsche Bundesst. Hannover. Neues Militair⸗Strafgesetzbuch. Frankfurt. Ueberschwemmungen und Eisgang.

Oesterr. Preßburg. Rekruten⸗Aushebung. Wien. Die erlaub⸗ ten auswärtigen Zeitungen dürfen jetzt ohne hiesige Censur ausgege⸗ ben werden.

Schweiz. Zürich. Lage von Solothurn und Aargau. Betrachtun⸗ gen der Basler Zeitung.

Italien. Mailanv. Eisenbahn.

ha.i. Herüsche Nachrichten in Bezug auf die Streitigkeiten mit

ortugal.

Mold. ü5 Wall. Maßregeln gegen die Pest in der Levante.

Türkei. Offtzielle Bestätigung der Erblichkeit Mehmed Ali's.

Inland. Sagan. Begräbniß der Herzogin von Sagan. Mühl⸗ berg. Wassersnoth. Aachen. Eisenbahn zwischen Köln und Aachen. Die Berlin⸗Potsdamer Eisenbahn.

Wiss., K. u. L. Berlin. mische Preisvertheilung in D

orpat.

Amtliche Nachrichten. Neohik dee as6

Des Koͤnigs Majestaͤt haben geruht, den bisherigen Regie⸗ m Moritz von Koͤnen zum Ober⸗

Forsten und direkte Steuern bei dem RegierunzsKollegium zu

—— 5

Kaufmann Karl Savoye zu Trier unterm 180 9 ertheilte Patent,

auf einen fuͤr neu und eigenthuͤmlich erkannten Rost fuͤr Dampfkessel, Waͤrm⸗ und Gluͤh⸗Oefen,

Das dem

d vorgeschrie⸗ benen Frist nicht nachgewiesen worden ist.

Abgereist: Der Koͤnial. Belgische außerordentliche Gesandte 83

und bevollmäaͤchtigte Minister am hiesigen Hofe, General Wil⸗ mar, nach Dresden.

Rußland und Polen.

St. Petersburg, 23. Jan. (Russ. Inv.) Am öten 982 Januar, als am Feste der Erscheinung Christi fand in den aͤlen des Winter⸗Palais eine glaͤnzende Parade statt, an wel⸗ cher auch die Zoͤglinge der Militair⸗Lehr⸗Anstalten Theil nahmen, in deren Reihen sich die Großfuͤrsten Konstantin, Nikolaus und Michael Nikolajewitsch befanden. Nach beendigter Liturgie in der großen Kapelle des Winter Palais, begab sich der Zug mit den Kreuzen zum Jordan. Der Geistlichkeit folgten Se. Majestaͤt der Kaiser mit Ihren Kaiserl. Hoheiten. Bei der Senkung des le⸗ bendmachenden Kreuzes in das Wasser fielen 101 Kanonenschuͤsse von der Festung. Nah beendigtem Gottesdienst und vollzogener Fahnenweihe kehrte die ganze Prozession in die Kirche zuruͤck. Nach der Feier wurden die Zoͤglinge der Militair⸗Lehr⸗Anstalten von Sr. Majestaͤt dem Kaiser im Alexander⸗Saale mit Thee be⸗ wirthet.

Am 18ten v. M. fand in Pultawa die Eroͤffnung eines neuen Kadetten⸗Institutes statt, das den Namen „Peter⸗Kadetten Corps“ erhalten hat und auf 400 Zoͤglenge berechnet ist.

Der Contre⸗Admiral Mellnikoff ist mit Tode abgegangen.

Die Rhede von Odessa ist bereits wieder am aten d. M. vom Eise befreit worden.

Fdankesch. 1““ Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 23.

uͤber die Befestigung von Paris mit der Bemerkung, daß der vorliegende Gesetz⸗Entwurf schon so oft auf der Rednerbuͤhne er⸗ oͤrtert worden sey und schon zu so gruͤndlichen und ausfuͤhrlichen Debatten außerhalb derselben Anlaß gegeben habe, daß er es fuͤr Pflicht halte, die Aufmerksamkeit der Kammer nicht lange in Anspruch zu nehmen. fen worden, die noch niemals gruͤndlich und er wolle ein Wort uͤber dieselbe sagen. gefragt, ob die Jean d'Acre mit so aroßem Erfolge benutzt worden waͤren, nicht auch gegen Paris gebraucht werden koͤnnten?

„Jene Geschütze, m. H.“ fuhr der General Pairhans fort, „sind darauf berechnet, große Schiffe zu vernichten, und in dieser Beziehung können sie die besten Dienste leisten, denn von jetzt an önnen, wenn man es nur will, alle Marinen, selbst die bescheidensten, in den Stand alle M. e zu eherrschen. Geschütze betvorbei ceschen

8 wenn man sie zum Angriff oder zur Verthei⸗ digung der Festungen griff 3

benutzt? Ich werde Ihnen, m. H, nur den all⸗ gemeinen Grundsatz darlegen, auf dem jene Geschütze basirt sind; Sie können sich dand Lelbst die Folgerungen ziehen. Als man das Pulver erfunden hatte, wollte man jehr große Massen mit sehr großer Schnel⸗ ligkeit auf den Feu schleudern; es war dies die Kindheit der Kunst, es waren die Tullischen Kauonen. Man sah aber bald ein,

Eckert’s Oratorium Judith. Akade⸗

Januar (Fortsetzung.) Der General Paixhans begann seinen Vortrag

Es sey indeß oft eine Frage aufgewor⸗ beantwortet worden waͤre, Man habe naͤmlich Geschuͤtze, die vor St. Jean d'Ulloa und vor St.

derjenigen zu widerstehen, die Ansprüche darauf macht, Welche Wirkung werden nun dieselben

ser sey, wenn Paris eine befestigte,

Karte von Frankreich vorlegt, man ihnen kein anderes Thema

der Schnelligkeit und den Massen wählen Artillerie begnügt sich im Allgemeinen seit langer Zeit damit, kleine Wurfgeschosse mit größerer Grschwindigkeit zu schleudern. Die Gränze auf diesem ersteren Wege war aber bald er⸗ reicht, und mehrere Thatsachen deuteten an, daß noch ein anderer Weg zu berücksichtigen sey, und daß man gewisse Effekte durch große Massen hervorbringen konnte, indem man sich mit einer mäßigen Geschwineig⸗ keit begnügte. Fast alle Sachverständigen leugneten im ersten Augen⸗

blicke die Zweckmäßigkeit eines solchen Systems; aber die günstige Met⸗

nung des Herrn von Laplace bewirkte, daß man Experimente bewilligte:

dieselben gelangen vollkommen, und man sah nun, daß man bei der

Artillerie wie in der Politik immer durch gemäßigte Mittel die wich⸗

tigsten Resultate erlange. (Anhaltendes Gelächter. Herr Jouffrov:

Eine schöne Mäßigung, die der Kanonen und der Bomben!“) Jetzt

ist die Frage, weiche Wirkung, welche Resultate werden jene Geschütze

hervorbringen, wenn man sie von den Schiffen auf Land⸗Batterieen

versetzt. Die Wirkungen, m. H., werden groß, sie werden entscheidend

seyu; die Erfahrung hat es in Frankreich und in England gelehrt. Die Plätze, wie sie jetzt in ganz Europa befestigt worden sind, wer⸗ den mittelst jener Geschütze weit weniger Widerstand leisten können, aber die Plätze, wie man sie unter diesen neuen Bedingungen erbauen wird wer⸗ den auch weit leichter zu vertheidigen seyn, besonders wenn sie von der Gränze entfernt liegen; ich werde Ihnen dies mit kurzen Worten beweisen.

Das neue Geschütz erreicht besonders den Zweck, daß man in mäßig kurzer Zeit eine sehr bedeutende Masse von Wurfgeschossen auf den

Feind schleudern kann. Es folgt daraus, daß das Gewicht der Artil⸗

lerie⸗Vorräthe ungemein vermehrt wird. Die Vertheidigung kann so viel Vorräthe, als sie nur immer will, davon anhäufen; während der Angriff genöthigt seyn wird, jene schweren Eisenmassen mit sich fortzuschleppen. Diese Schwierigkeit des Transports vermehrt sich augen⸗

scheinlich im Vergleich zu den Entfernungen. Im Allgemeinen also

sind die neuen Geschütze mehr eine Wohlthat als eine Plage; denn auf dem Lande sowohl, wie zur See, ist nichts der Sicherheit und der

Würde der Nation günstiger als das, was die Vertheidigung erleich⸗

tert und den Angriff erschwert. Was meine Ueberzeugung in Betreff

der Nothwendigkeit, Paris zu befestigen, und zwar auf die Weise, wie

sie jetzt vorgeschlagen ist, betrifft, so ist sie unter allen Umständen, un⸗

ter allen Regierungen und unter allen Ministerien unverändert dieselbe geblieben. Die Vertheidigung des Landes, m. H., gegen mächtige Ar⸗ meen erfordert etwas mehr als ein Vortrag auf der Redner⸗ bühne. Es genügt dazu nicht, einen großen Aufwand an beroischen Worten zu entwickeln; und wenn es unvermeidlich ist, Menschenleben dabei zu opfern, so ist es eben so unum⸗ gänglich nothwendig, sich durch die Mittel der Kunst darauf vorzube⸗ reiten. Wenn wir wollen, daß Frankreich mächtig zugleich und fried⸗ lich bleibe, wenn wir wollen, daß es im Frieden geachtet und im Frie⸗ den gefürchtet werde, so haben wir in milltairischer Hinsicht Folgendes zu thun: Wir müssen nach der Seite bes Kontinents zu eine Fran sösische Armee haben, eine Armee, die durch ein gutes Reserve⸗Sostem unterstützt wird; wir müssen nach der See zu eine Flotte haben, so eingerichtet, wie die Fortschritte der Zeit es erheischen, und endlich, als Ballast des großen Staatsschiffes, als Citadelle unseres Gebletes müs⸗- sen wir eine Hauptstadt haben, die den Invasionen unzugänglich ge⸗ macht, und nicht mehr der Gefahr auszgesetzt ist, durch die Anwesenheit der Fremdlinge befleckt zu werden.“ (Beifall.)

Herr von Tracy, der hierauf die Rednerbuͤhne bestieg, sprach sich mit großer Energie gegen den Gesetz Entwurf aus. Er suchte hauptsaͤchlich den Satz zu bekaͤmpfen, daß Frankreich im Jahre 1814 gerettet worden seyn wuͤrde, wenn Paris befestigt gewesen waͤre. Der Widerstand einer einzelnen Stadt, wenn auch der Hauptstadt, wuͤrde damals nicht mehr hingereicht haben, der Eu⸗ ropaͤischen Coalition Widerstand zu leisten. Es haͤtte dazu des energischen Aufschwunges der ganzen Nation Aufschwung nicht vorhanden gewesen wäre, aber er koͤnne es doch, wie Viele es thun wollten, dem Franzoͤ⸗ sischen Volke nicht zum Vorwurf machen, daß es der unermeßli⸗ chen Opfer, die es dem Ehrgeize Napoleon's gebracht habe, muͤde geworden sey. Viele Mitglieder der Kammer, meinte er, ließen sich uͤber den vorliegenden Gesetz⸗Entwurf dadurch taͤuschen, daß sie ihren eignen Kenntnissen, oder auch ihrem eignen gesunden Verstande mißtrauten, und es auf Glauben hinnähmen, wenn man ihnen sagte, daß mit dem befestigten Paris Frankreich un⸗ besiegbar seyn wuͤrde. Er seinerseits theile diese Meinung nicht, und werde deshalb, wie sehr man ihn auch tadeln moͤge, gegen den Gesetz⸗Entwurf stimmen. Der letzte Redner, der sich in dieser Sitzung vernehmen ließ, war Herr von Rémusat, der in

daß man zwischen mußte, und die

dem ersten Theile seines Vortrags den ganz einfachen Satz durch⸗

zufuͤhren suchte, daß es im Fall eines Krieges doch jedenfalls bes⸗

waͤre. Kriege, in denen Frankreich es mit ganz Europa zu thun

haͤtte, waͤren in der Geschichte nichts Seltenes, und es ließe sich in einem solchen Kriege kein besseres Vertheidigungsmittel denken

Die Frage alsdann aus dem

als die Befestigung von Paris. . sat:

politischen Gesichtspunkte beleuchtend, sagte Herr von Romu Seele wünsche, der Gesetz⸗Entwurf möge mit der größtmöglichsten Ma⸗ jorität angenommen werden, daß ich dies wünsche, 1 Regierung meines Landes seyn möge, und daß ich innig überzeugt bin, daß die Kammer nichts Besseres thun kann, als den Gesetz⸗Entwurf annchmen, gleichviel, ob sie bei ihrer auswärtigen Politik beharrt, oder ob sie zu derjenigen zurückkehrt, die sie verworfen hat. Für die Peoli⸗ tik des 1. März, wie für die des 29. Oktober, für den Krieg, wie für den Frieden, ist die Befestigung von Paris nothwendig. Ich rede hier keiner besonderen Politik das Wort, ich spreche im Namen

res gemeinschaftlichen Vaterlandes. Wissen Sie, was geschehen würde, wenn Sie, nachdem so viel von der Befestigung von Paris gesprochen worden ist, auf diese Idee verzichteten? In Europa sind alle Militairs der Meinung, daß man im Falle eines Krieges mit Frankreich gerade auf Paris losmarschiren müsse. Dies ist förmlich ein Grundsatz der militairischen Taktik geworden, der auf allen Kriegsschulen Europa's gepredigt wird. Ich bin überzeugt, daß, wenn man den Schülern eine aufgiebt, als einen Plan zu entwerfen, wie man am schnellsten nach Paris gelangt. Man sagt sich gewiß, daß Frankreich in Paris erobert wird, daß man schon zweimal dort gewesen sev, daß die Kinder eben so viel Muth hät⸗ ten, als die Väter, und daß die Nachfolger Blücher's dasselbe thun tönnten, was Blücher selbst zweimal gethan habe. Diese Idee ist fest ewurzelt, nicht allein in den Europäischen Kabinetten, söndern auch in den Gemüthern der ganzen militatrischen Jugend Europa’'s. Wohlan! Wenn man diese Idee vernichtet, und eine entgegengesetzte an die Stelle tritt, nämlich daß Paris sich vertheidigen kann, ja, daß Paris uneinnehmbar ist; so ändert sich damit sogleich die Lage Frankreichs Europa gegenüber. Man hat viel von unserer Isolirung gesprochen.

bedurft; daß dieser bedauere er zwar,

Ich gehöre nicht zu denen, die über die Fortdauer dieser Isolirung er . e⸗ können wir uns aus dieser Lage nur befreien wenn wir nach Willfür unsere Allianzen wählen können. Wenn in Europa die Ueberzeugung feststebt, daß Frankreich ein Staat ist, wie ein anderer, ja unverletzlicher als jeder andere, dann erst wird mar sich überzeugen, daß es besser ist, mit uns zu unterhandeln und uns zi Freunden zu haben, als umgekehrt. Von dem Tage an, wo Paris 13 festigt ist, wird die Erhaltung des Friedens leichter und ehrenvoller uns seyn. Wenn Sie aber, im Gegentheil, das vorliegende Gesetz ver⸗ werfen, welche Idee werden wir dem auf uns blickenden Europa beibrin gen! Wie! Seit 10 Jahren spricht man davon, Paris zu bef sligeu Große Feldherren, deren Autorität Europäisch ist, haben jene Maßre gel für nothwendig gehalten; die Regierung, durch die iimstände dahin gebracht, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, hat dieselbe, so weit sie 8 es konnte, gelöst; sie hat, auf die Gefahr hin ihre Verantwortlichkeit zu gefährden, einen fühnen und festen Entschluß gefaßt. Die öffent⸗ liche Meinung hat sich ihr fast einstimmig zugesellt; ein neues Mini⸗ sterium macht den Entwurf zu dem seinigen; die Kammer erneunt eine Kommission, welche das Gesetz in allen seinen Theilen annimmt und plötzlich sollte dasselbe verworfen werden? Und warum? Weil wir Einer dem Anderen mißtrauen, weil wir Diesem nicht einen Er felg gönnen wollen, der Jenem schaden könnte (lebbafter Beifall, Mur⸗ ren zur Linken), weil die Factionen in dieser Kammer empfänglicher sind für ich weiß nicht, welche parlamentarischen Jämmerlichkeiten, als für das große, gemeinschaftliche Interesse der Nastonal⸗Vertheidiagung! (Murren zur Linken; Beifall in aller übrigen Theilen der Versamm⸗ lung.) Wie! Wir sollten Europa das Schauspiel einer so gespaltenen 8 Nation geben! Wissen Sie, m. H., was das Ausland alsdann sagen wuüͤrde? Es giebt große Ideen in Frankreich, würde es sagen, große Pläug; aber im Herzen ist Zwist und die inneren Leidenschaften verzehren und sch vä⸗ chen Frankreich. Bedenken Siedies; es wäre der härteste Schlag, der, nicht das Kabinet, sondern Frankreich treffen könnte. Ich weiß nicht, wel⸗ ches Schicksal an diesen Gesetz⸗Entwurf geknüpft ist; aber ich weiß, daß das jetzige Ministerinm ihn vorgelegt bat, und ich glaube, daß seine Existenz mit ihm in Verbindung steht. Ich füge ihm nicht die Schmä⸗ hung zu, zu glauben, daß es auf jener Bank bleiben würde, wenn der Gesetz⸗Entwurf verworfen würde. (Bewegung.) Nein, ich füge ihm diese Beleidigung nicht zu. (Gelächter zur Linken.) M. H. Meiner Ansicht nach, ist die Politik des Ministeriums verderblich für mein Land. Ich möchte dem Einfluß jener Politik ein Ende gemacht sehen; aber dennoch erkläre ich Ihnen, daß ich tausendmal lieder den Gesetz⸗Ent⸗ wurf angenommen zu sehen wünsche, wenn er auch das Ministerium 3 vom 29. Oktober befestigt, als auf die Politik Verzicht leisten möchte, welche die Befestigung von Paris will.“

Nach dieser Rede, die eine große Aufregung in der Kammer hervorbrachte, ward die allgemeine Eroͤrterung auf kuͤnstigen Mon⸗ tag verschoben. 3

Paris, 24. Jan. Es sind heute der Kammer zwei Amendements zu dem Fortifications⸗Gesetz vorgelegt worden; das eine vom General Schneider, das anvere von (ches einen Guͤrtel von aͤußeren Werken uUm Paris in der Enr⸗ fernung von mindestens 4000 Metern von der Mauer vorschlaͤgt, naͤhert sich dem bereits im Jahre 1833 von der Kammer ver⸗ worfenen Projekt des Generals Bernard und lautet folgender⸗ maßen: Art. 1. Es werden 80 Millionen Franken fuͤr die Aus⸗ fuͤhrung der Arbeiten bewilligt, die nothwendig sind, um die Vertheidigung von Paris mit der allgemeinen Landes⸗Vertheidi⸗ gung zu verbinden. Art. 2. Diese Arbeiten bestehen 1) in einem Guͤrtel von permanenten Werken in der Umgegend und an den Zugaͤngen der Hauptstadt, mindestens 4000 Met. von der gegenwaͤrtigen Zoll⸗Mauer (mur d'octroi) ehntfernt; in der Erbauung der zur Vertheidigung der genannten Werke noͤthigen Ge⸗ baͤude und Magazine; 3) in der Verstaͤrkung und Flanktrung der Zoll⸗Mauer, wenn es noͤthig seyn sollte. Art. 3. Diese Ar⸗ beiten muͤssen in drei Jahren vollender seyn; zu diesem Zwecke werden 35 Millionen fuͤr die Arbeiten im Jahre 1841 und 25 Millionen fuͤr die Arbeiten im Jahre 1842 bewilligt.

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als wenn es eine offene Stadt

bitte die Kammer, überzeugt zu seyn, daß ich von ganzer

welches auch die

also unse⸗

Was von diesen Summen in dem Jahr, fuͤr das, wofuͤr sie be⸗ willigt wurden, nicht verausgabt wird, soll auf das naͤchste Jahr uͤbertragen werden. Art. 4. Die erste Zone der Militair⸗Ser⸗ vituten, wie sie durch das Gesetz vom 17. Juli 1819 festgesetzt

worden ist, wird nur auf die in dem ersten Paragraphen des Zzweiten Artikels erwaͤhnten permanenten Werken angewendet. Diese einzige Zone von 250 Met. wird auf den Hauptlinien der

Werke von der Kante des Glacis an gemessen. Das vor der Zoll⸗Mauer und ihren Dependenzien liegende Terrain ist den Militair⸗Servituten nicht unterworfen. Art. 5. Ueber die Ausfuͤhrung der durch gegenwaͤrtiges Gesetz anbefohlenen Arbei⸗ ten muß den Kammern jahrlich Bericht abgestattet wer⸗ den. Das Amendement des Herrn von Beaumont, wonach Saint⸗Denis und Charenton in feste Pläͤtze verwandelt werden sollen, lautet folgendergestalt: Art. 1. Es wird dem Kriegs⸗Mini⸗ ster ein Kredit von 20 Millionen Franken eroͤffnet, um Saint⸗ Denis und Charenton bei Paris mit Festungswerken zu umge⸗ ben. Art. 2. Es werden ferner dem Ministerium die noͤthigen Kredite eroͤffnet: 1) fuͤr den Ankauf des Materials, das zur Ver⸗ theidigung von Saint⸗Denis, Charenton und der um Paris zu errichtenden Campagne⸗Fortificationen noͤthig ist; 2) fuͤr die Er⸗ bauung von Arsenalen, Kasernen, Pulver⸗, Proviant⸗ und Fou⸗ rage⸗Magazinen in den beiden festen Plaͤtzen. Herr Thiers hat in der Sitzung der Deputirten⸗Kammer erklaͤrt, daß das Ministerium in Uebereinstimmung mit der Kommission, diese beiden Amendements bekaͤmpfen werde.

Die in Buenos⸗Ayres ansaͤssigen Franzosen haben sich der von den Franzosen in Montevideo erlassenen Protestation gegen die zwischen den Vice⸗Admiral Mackau und dem General Ro⸗ sas abgeschlossene Convention nicht angeschlossen, vielmehr cine Dank⸗Adresse an den Admiral gerichtet.

Man schreibt aus Buenos Ayres vom §. November, daß der General Rosas, um die ehemaligen Anhaͤnger der Unt- tarier gegen die Rache ihrer Gegner sicher zu stellen, auf Ansu⸗ chen des Admirals Mackau unterm 31. Oktober nachstehendes Dekret erlassen habe: „I1) Ein Jeder, wer er auch seyn mag, der, ohne ausdruͤcklichen Befehl der Regierung, sich an der Per⸗ son oder dem Eigenthum eines Argentiners oder Auslaͤnders ver⸗ greift, wird als Stoͤrer der oͤffentlichen Ruhe bestraft. 2) Der einfache Beweis des Verbrechens reicht hin, ihn der Sun der hoͤchsten Behoͤrde zu bestimmenden Strafe zu unterwerfen. 3) Raub

Herrn von Beaumonsg Das ersteres, wel.