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Rietzt kennen wir das Geheimniß dieser patrie⸗ s. , Benlfbag: sie muß in der That sehr stark seyn, wenn sie Eurer Taͤuschung gleichkommt. Ihr habt die Politik verlassen, der Ihr Euch solidarisch angeschlossen, waͤhrend ihr in den Conseils eine entgegengesetzte Politik vertheidigtet. Ihr habt unsere Achtung und die Eure angegriffen; Ihr habt auf der Rednerbuͤhne das Benehmen des Britischen Kabinets gerechtfertigt, indem ihr durch angebliche Aufschluͤsse das Franzoͤ⸗ che Kabinet, dessen Repraͤsentant ihr in London waret, ver⸗ dächtiget. Ihr habt Euch bemuͤht, das Wohlwollen des Aus⸗ landes zu verdienen, indem ihr die Absicht zu erkennen gabt, allen Widerstand gegen das Innere zu richten. Wuͤrdet ihr nicht ge⸗ alaubt haben, dafuͤr einen Beweis der Sympathie von Seiten Lord Palmerston’'s zu erlangen? Diesen Beweis verweigert man Euch. Alles, was Ihr zum Nachtheil unserer Wuͤrde gethan habt, hat nicht einmal den Anschein, daß es zum Vortheil des Friedens, dessen Gewaͤhrsmaͤnner Ihr zu seyn vorgebt, gereichen werde. Lord Palmerston spricht von seinen Triumphen im Orient, ohne auch nur einen einzigen Eurer Vorbehalte zu erwaͤhnen. Ihr saͤet Konzessionen und ihr aͤrndtet Undankbarkeit und Schweigen. Wir begreifen Sie, Herr Guizot, Sie muͤssen eine tiefe Betruͤb⸗ niß empfinden.“ .
Es ist allgemein aufgefallen, daß der „Moniteur“ die Thron⸗ Rede der Koͤnigin von England nicht, wie gewoͤhnlich, vorn an, sondern in dem letzten Supplemente mittheilt.
Man versichert, daß Herr von Appony und Lord Granville seit einigen Tagen eine große Kaͤlte gegen Herrn Guizot an den Tag legen, weil derselbe suͤr den Fortifications⸗Plan gesprochen, waͤhrend er den auswäaͤrtigen Maͤchten die Versicherung gegeben, daß er die Verwerfung des Projekts bewirken wolle.
Dem „Moniteur parisien“ zufolge, sollen diejenigen Schiffe der La Plata⸗Expedition, die keiner bedeutenden Ausbesserung be⸗ duͤrfen, sich mit dem Geschwader im Mittellaͤndischen Meere ver⸗ einigen.
288 der Gazette de France liest man: „Da der „Mes⸗ sager“ gestern . hat, daß die drei ersten von der „Gazette“ publizirten Briefe verfaͤlscht seyen, so machen wir von dem Recht Gebrauch, das uns das Gesetz giebt, und werden einen Verleum⸗ dungs⸗Prozeß gegen den „Messager“ anhaͤngig machen.
Der General⸗Lieutenant Bugeaud ist heute nach Algier ab gereist. . Der gestern von Herrn Thiers erwaͤhnte Offizier, welcher sich bei der Vertheidigung von Warschau mit einem Pulver⸗Ma⸗ gazin in die Luft sprengte und mit dem Leben davonkam, ist Ar⸗ tillerie⸗Lieutenant und heißt Ordon.
Ein Lyoner Blatt enthaͤlt ein Schreiben eines Bruͤsseler Kuͤnstlers, Namens Valmore, worin es heißt: „In der beruͤhm⸗ ten Gallerie des Herzogs von Aremberg in Bruͤssel befindet sich der echte Kopf des Laokoon. Die Geschichte desselben ist folgende:
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Als diese Gruppe in Italien aufgefunden wurde, fehlten der Kopf Ein geschickter Bild⸗
des Vaters und der Arm eines Kindes. hauer Vigeͤte den Kopf des Vaters, wie man ihn heut sieht, nach einem Basrelief. Spaͤter wurde der echte Kopf durch Ve⸗ netianer aufgefunden und von dem Großvater des Herzogs von Aremberg fuͤr 30 oder 40,000 Zechinen gekauft und nach Bel⸗ gien gebracht.
fand, und er erbot sich, denselben mit Gold aufzuwiegen. Dies wurde abgelehnt. Da aber Napoleon hartnaͤckig war, sobald er etwas wollte, so ließ der Herzog von Aremberg das Meister⸗ werk in Dresden verbergen, wo er zehn Jahre lang blieb und, seitdem in Belgien die Ruhe hergestellt, wieder ans Licht gezogen worden ist. Der Ausdruck in dem Kopfe ist bewundernswuͤrdig; es ist der hoͤchste moralische und physische Schmerz. Neben dem Kopfe steht ein Gyps⸗Abauß desjenigen, der sich auf der Statue
schied zwischen beiden wahrzunehmen. Man sieht die Zaͤhne und
das krampfhafte Zusammenziehen des unteren Kinnbackens; aber
dieser unermeßliche Schmerz hat durchaus nichts Verzerrtes. Die Augen, deren Pupillen ausgedruͤckt sind, spruͤhen Funken selbst im Marmor.“
Boͤrse vom 29. Januar. Man beschaͤftigte sich heute an der Boͤrse weit mehr mit der Rede, die Herr Dufaure gestern in der Deputirten⸗Kammer gehalten, als mit der Thron⸗Rede der Koͤnigin von England und den ersten Debatten in beiden Haͤu⸗ sern. Die Spekulanten hofften, daß das Amendement des Ge⸗ nerals Schneider gegen die Ringmauer verde angenommen wer⸗ den und man weiß, daß die Regierung und die Kommission das Projekt aufgeben muͤssen, wenn ein solches Amendement ange⸗ nommen wird.
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Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung vom 27. Januar. Nachdem die neuen Mitglieder fuͤr die Irlaͤndischen Grasschaften Carlow und Mayo, Oberst Bruen und Herr Blake, vereidigt worden und das Haus noch ein neues Wahl⸗Ausschreiben fuͤr Reigate erlassen hatte, dessen Repraͤsen⸗ tant, Viscount Eastnor, nach dem Tode seines Vaters als Graf Somers ins Oberhaus gelangt ist, wurde der Bericht uͤber die Adresse eingebracht, und Sir Robert Inglis ergriff diese Ge⸗ legenheit, um sein Bedauern daruͤber auszudruͤcken, daß die Thron⸗Rede von der gefaͤhrlichen Aufregung, die in Ir⸗ land durch O'Connell's Repeal⸗Agitation veranlaßt worden, gar keine Notiz genommen habe. Es gebe, sagte der Redner, keine wichtigere Frage fuͤr das Britische Reich, aber die Minister schienen sie ganz zu uͤbersehen, obgleich Herr 9 Connell seine politische Existenz an dieselbe geknuͤpft und erst kürzlich erklaͤrt habe, es gebe jetzt keine andere Alternative mehr, als entweder Konservativer oder Repealer zu seyn. Sir R. Inglis wuͤnschte nun zu wissen, welche Wahl Lord John Russell, als ministerieller Leiter des Unterhauses, getroffen habe; waͤre derselbe ein Konservativer geworden, so wuͤrde er hoffentlich sein Vertrauen zu Herrn O Tonnell abgeschuͤttelt haben; wo nicht, so moͤchte er sich wohl schwerlich noch des Vertrauens dieses eh⸗ renwerthen Mitgliedes erfreuen. Lord J. Russelt erwiederte hierauf Folgendes:
„Ich will mich auf keine Erörterungen über die Aufhebung der Union einlassen, da ich glaube, daß die Ansichten, welche die Regierung in dieser Beziehung hegt, durch den Lord⸗Lieutenant von Irland in dem Lande, wo eine Erklärung darüber am wichtigsten seyn muß, hinläng⸗ lich werden zur öffentlichen Kenntniß gebracht worden seyn. Eine aus⸗ drückliche Erklärung vom Throne herab würde, wie mir scheint, der Aagitation nur noch größere Bedeutung gegeben haben. Mein ehren⸗ werther Freund bat eine etwas sonderbare Frage an mich gerichtet, und zwar auf Autorität einer von dem ehrenwerthen und gelehrten Mitgllede für Dublin (O'Connell) aufgestellten Alternative, daß näm⸗ sich alle Leute euntweder Konservative oder Repealer sevn müßten, eine Alternative, die der ehrenwerthe Baronet für unausweichlich zu halten sbemt. Es mag dem ehrenwerthen Baronet so erscheinen, es mag derselbe immerhin, wenn es ihm belirbt, jedwedem Ausspruch des
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Als der erste Konsul die Gruppe des Laokoon nach Frankreich transportiren ließ, war es ihm nicht unbekannt, daß der echte Kopf sich im Besitz eines Belgischen Fuͤrsten be⸗
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ehrenwerthen und gelehrten Mitgliedes für Dublin unbedingten Glauben
schenken (hört und Gelächter); ich für mein Theil kann nur sagen, daß ich nicht Willens bin, seinem Beispiel zu folgen; ich halte mich daher auch der Nothwendigkeit für überhoben, mich entweder als einen Kon⸗ servativen oder als einen Repealer zu erklären. Ich will dagegen aber jetzt eine Frage an meinen ehrenwerthen Freund richten in Bezug auf die Absendung von Truppen nach Belfast, die deshalb dorthin gesandt wurden, weil von Seiten gewisser Personen die Drohung laut gewor⸗ den war, daß, wenn das ehrenwerthe und gelehrte Mitglied für Dublin seine beabsichtigte Reise nach Belfast machen sollte, seinen Schritten heftiger Widerstand würde entgegengesetzt werden, und daß es dann wahrscheinlich zu Ruhestörungen und Tumulten kommen dürfte. Nun wünschte ich wohl von dem ehrenwerthen Baronet zu wissen, ob diese Drohungen von den Konservativen oder von den Repealern ausgin⸗ gen? (Gelächter.) Von den Revpealern sollte ich doch nicht glauben, daß sie eine so heftige Opposttion gegen das ehrenwerthe Mitglied für Dublin erregt haben würden; ging die Sache aber von den Konserva⸗ tiven aus, so scheint mir dies eine seltsame Art von Darlegung kenser⸗ vativer Grundsätze, eine höchst sonderbare Art von Erhaltung der Ruhe zu seyn“ (Geläͤchter.)
Sir R. Inglis schien nicht Lust zu haben, dem Minister hierauf noch etwas zu entgegnen, und der Bericht uͤber die Adresse wurde angenommen. Es kamen sodann einige den Ge⸗ schaͤftsgang des Hauses betreffende Dinge zur Sprache. Unter Anderem brachte Herr Wrotherton, wie alljaͤhrlich, wieder sei⸗ nen Antrag vor, daß nach Mitternacht kein neuer Gegenstand zur Verhandlung kommen solle, wenn nur fuͤnf Mitglieder da⸗ gegen auftraͤten; die Motion hatte aber das fruͤhere Schicksal, sie wurde mit 130 gegen 31 Stimmen verworfen. Auch Herr Ewart drang mit seinen Anträgen auf veraͤnderte Ernennung und Zusammenstellung der Kommissionen zur Pruͤfung von Privat⸗Bills nicht durch. Am Schluß der Sitzung hielt Herr Talfourd um die Erlaubniß an, seine Bill zur Verbesserung des Gesetzes uͤber das Verlagsrecht und schriftstellerissche Eigenthum wieder einbringen zu duͤrfen, indem er bemerkte, es scheine ihm uͤberfluͤssig, das Haus mit wei⸗ teren Eroͤrterungen uͤber diese schon mehrmals diskutirte Maßre⸗ gel ushshain, da er dieselbe ganz unveraͤndert gelassen habe. Herr Warburton stellte sich ihm aber sogleich entgegen und wollte die Bill auch nicht diese vorlaͤufige Station ohne Abstim⸗ mung passiren lassen, weil er das ganze Prinzip derselben ver⸗ werflich fand und nur Ungerechtigkeit und Nachtheil fuͤr das Pu⸗ blikum darin erblickte. Herrn Talfourd, der diese heftige Op⸗ position nicht erwartet hatte, verschob darauf, da er es bei einem so duͤnn besetzten Hause nicht zur Abstimmung uͤber seine Maß⸗ regel kommen lassen wollte, die Debatte daruͤber bis zum naͤch⸗ sten Freitage.
London, 28. Jan. Gestern Nachmittag war Cour bei der Koͤnigin, und Ihre Mafestaͤt nahm die Antworts⸗Adresse des Ober, hauses auf die Thron⸗Rede entgegen. An demselben Tage feierte der Herzog von Sussex in Kensington in einem kleinen Kreise seiner aͤltesten und vertrautesten Freunde seinen Geburtstag; Se.
Koönigl. Hotzeit hat das 67ste Jahr zuruͤckgelegt.
Dem Vernehmen nach, wollen Graf Aberdeen und Herzog von Richmond in den ersten Tagen der Parlaments⸗Session dem Oberhause eine Bill zur Schlichtung der Streitigkeiten uͤber das Schottische Kirchen⸗Patronat vorlegen.
Es heißt, daß das Ministerium dem Parlament eine Her⸗ absetzung der Einfuhrzoͤlle vorschlagen wolle. Unter 721 Einfuhr⸗ Artikeln betraͤgt jetzt bei 531 der Zoll kaum 80,000 Pfd. Sterl., bei den uͤbrigen 190 aber etwa 23 Millionen Pfd. Unter diesen letzten werfen wieder 17 Artikel allein an 22 Millionen Pfd. oder 91 pCt. ab. Man soll nun die Absicht haben, den Zoll auf diese 17 Artikel, worunter sich Zucker, Kaffee, Thee, Taback, geistige Getraͤnke und Bauholz befinden, zu ermaͤßigen und alle uͤbrigen 704 Artikel auf den niedrigsten Zollsatz zu bringen. Durch diese
Vereinfachung und durch den staͤrkeren Verbrauch, welcher auf die Her⸗
befindet, und man ist dadurch in den Stand gesetzt, den Unter⸗ absetzung der Zoͤlle zu folgen pflegt, hofft man diese Staats⸗Ein⸗
nahme auf den jetzigen Belauf zu erhalten.
Dem Globe wird, nach Berichten aus Gibraltar, von Fal⸗ mouth geschrieben: „Die Sache mit Tanger hat einen bestimm⸗ teren Charakter angenommen, als sie bis jetzt hatte. Das Fran⸗ zoͤsische Regierungs⸗Dampfschiff „Ramier“ traf am 10. Januar aus Frankreich zu Gibraltar ein und ging am 12ten, nachdem es Kohlen eingenommen hatte, nach der Hauptstadt des Kaisers
von Marokko ab; 6 oder S8 Linienschiffe sollten ihm folgen. Der
„Jasseur“ war von Gibraltar angeblich nach Tanger abgegangen, um im Falle von Feindseligkeiten das Leben und Eigenthum der Britischen Unterthanen zu schuͤtzen.“
Der groͤßte Baumwollen⸗Verkehr in Europa hat im so eben verflossenen Jahre stattgefunden. Die ganze Zufuhr betraͤgt nahe an 2,400,000 Ballen oder etwa 700 Millionen Pfund. Davon sind 1,608,000 Ballen nach England gekommen; der Ueberrest wurde nach dem Kontinent gebracht. Im Jahte 1838 betrug die Gesammt⸗Zufuhr 1,967,000; 1839 nur 1,558,000 Ballen. Von Schafwolle sind 1840 bloß 186,079 Ballen in England ein⸗ gefuͤhrt worden, gegen 205,469 Ballen im Jahre 1839. Unter dem Quantum des Jahres 1840 befanden sich 63,276 Ballen aus Deutschland, 6842 Ballen aus Spanien, 41,025 Ballen aus Australien, 40,004 Ballen aus Suͤd⸗Amerika, 7611 Ballen aus Ostindien, 10,578 Ballen aus Rußland und 16,781 Ballen aus verschiedenen anderen Ländern. In Australien kann man die Zunahme des Woll⸗Ertrages auf etwa 3000 Ballen jaͤhrlich be⸗ rechnen. Der Werth dieses Artikels hat sich noch nicht ge⸗ bessert, obgleich in den letzten Wochen der Markt lebhafter ge⸗ wesen ist.
8 Sun wiederholt die Nachricht, daß Lord Hill binnen kurzem sein Amt als Ober⸗Befehlshaber der Armee niederlegen und daß dasselbe der Verwaltung von drei Kommissarien werde uͤbergeben werden. .
Hatfield, der im Jahre 1802 eine Pistole auf Georg III. abschoß und von dem Gerichtshofe von Old⸗Bailey wegen Wahn⸗ sinns freigesprochen wurde, ist am 23sten im Irrenhause im 69sten Jahre seines Alters gestorben.
Die Niger⸗Expedition, deren Abgang bereits gemeldet ist, wird bei St. Vincent, einer der Tapverdischen Inseln, anlegen, um sich mit Kohlen zu versorgen und bei Sierra Leone und Cap Castle, um Dolmetscher und Krumen an Bord zu nehmen, und duͤrfte zu Anfang des Maͤrz an der Muͤndung des Niger ankommen. Hier werden die Dampfschiffe den bereits auf einem Vorrathsschiffe dorthin gesandten Kohlenvorrath aufnehmen und, nachdem sie ihr schweres Gepaͤck u. s. w. in Kanoes geladen und die Fahrzeuge noch anderweitig erleichtert haben, entweder durch den Formosa, oder den Nun⸗Arm des Nigers den Strom hin⸗ auffahren. Das Delta wird so schnell wie moͤglich durchschifft und zuerst bei der Stadt Ibu, am Westufer des Nun, etwa 120 Englische Meilen von der Muͤndung, Halt gemacht werden. Hier beginnen die Operationen zur Ausfuͤhrung des eigentlichen Zweckes der Unternehmung, nämlich die Abschließung von Ver⸗ träͤgen mit den Afrikanischen Haͤuptlingen zur Unterdruͤckung des Sklavenhandels und zur Anknuͤpfung eines friedlichen Verkehrs
mit diesem Lande. Von Ibu, wo die Expedition nur so lange verweilt, als unumgänglich noͤthig ist, wird die Fahrt stromauf⸗ waͤrts fortgesetzt. An der Spitze des Delta's, etwa 190 Engli⸗
sche Meilen von der Kuͤste, eine Strecke, die in 3 bis 4 Tagen
zuruͤckgelegt werden kann, trifft man die ersten Berge. Hier ver⸗ schwindet die Einfoͤrmigkeit des Allovial⸗Bodens und die Malaria des Delta's, und man erblickt fern am noͤrdlichen Horizont die wunderbar geformten Gipfel des Kong⸗Gebirges. Etwa 60 Meilen weiter ist Attah, dann folgt Bokweh, ein wichtiger Marktort, wo die Er⸗ zeugnisse aus allen Theilen des Innern zusammenstroͤmen. Acht Meilen weiter ist die Beaufort⸗Insel, und 20 Meilen von die⸗ ser, etwa 270 Meilen von der Meereskuͤste, muͤndet von Osten her der Tschadda und bietet einen Weg in das unbekannte In⸗ nere dar. Hier wird die Expedition einige Zeit verweilen, um Vertraͤge mit den Haͤuptlingen abzuschließen und den Eingebornen zu zeigen, auf welche Weise man am besten das Land baut. Sollte sich die Gelegenheit darbieten, so wird die Expedition den oberen Theil des Quorra, nach Bussa hin, wo Mungo Park sein Leben verlor, und eben so den Tschadda, so weit der Wasserstand es erlaudt, zu erforschen suchen. Von hier aus koͤnnten einige Mitglieder der Expedition den Tschad⸗See oder Timbuktu errei⸗ chen und so die Beobachtungen von Denham, Clapperton und Laing mit den durch die Expedition bestimmten Punkten verbin⸗ den, die zu diesem Zwecke mit zwoͤlf trefflichen Chronometern und uͤberhaupt allen noͤthigen Instrumenten versehen ist; auch hat die Gesellschaft noch außerdem eine Summe von 1000 Pfd. zur beliebigen Verwendung fuͤr die Erforschung des Innern von Afrika dem Fuͤhrer der Expedition uͤbergeben. Mit dieser Expe⸗ dition kehren zugleich die Ashanti⸗Prinzen aus England in ihr Vaterland zuruͤck.
Deutsche Bundesstaaten.
Muͤnchen, 29. Jan. (A. Z.) Wie wir so eben aus gu⸗ ter Quelle vernehmen, ist am läten d. M. zwischen der Krone Bayern und Sachsen, dann dem Herzogthum Sachsen⸗Altenburg, eine Uebereinkunft geschlossen worden, welche die Herstellung ei⸗ ner Eisenbahn zur Verbindung der Staͤdte Nuͤrnberg und Leip⸗ zig bezweckt. Bamberg und Hof, in Sachsen Plauen und Altenburg beruͤhrt, und somit eben so fruchtbare als gewerbthaͤtige Gegenden durch⸗ schneidet, hat unverkennbar nicht nur eine Deutsche, sondern selbst eine ausgedehntere Bedeutung, da sie geeignet ist, durch beschleu⸗ nigten Verkehr die Verbindung des noͤrdlichen mit dem suͤdlichen Deutschland zu erweitern, und vermittelst der großen Wasser⸗ straßen, welche den Suͤden unseres Vaterlandes durchschneiden, auch den Verbindungen mit dem Suͤden und Orient uͤber Deutsch⸗ land einen Aufschwung zu geben. Abgesehen von dieser allge⸗ meineren Bedeutung der Bahn, ist insbesondere Bayern beru⸗ fen, die Wohlthaten der Unternehmung zu genießen, und mit eben so innigem als allgemeinem Danke wird in der Begruͤn⸗ dung dieses Unternehmens die erhabene Einsicht, welcher wir die Verwirklichung der Idee des großen Deutschen Zoll-Vereins schul⸗ dig sind, und die Sorgfalt erkannt werden, mit welcher Bayerns hochherziger Monarch stets bemuͤht ist, den allgemeinen Verkehr und der Wohlfahrt seiner Staaten neue Quellen zu eröͤffnen.
Zu der am sten d. von Sr. Majestat dem Koͤnige gegebe⸗ nen Rangordnung fuͤr die vormals reichsstaͤndisch⸗fuͤrstlichen und
graͤflichen Haͤuser ist weiter allerhoͤchst bestimmt worden, daß un⸗
ter dem Erfordernisse, welches als Bedingung des den Gemah⸗ linnen und Wittwen der Haͤupter und Mitglieder solcher fuͤrstli⸗ chen und graͤflichen Familien gewaͤhrten Ranges festgesetzt worden, lediglich jenes verstanden sey, kraft dessen die von letztern einge⸗ gangenen Ehen als standesmäaͤßig erscheinen. Gemahlinnen und Wittwen der Haͤupter und Mitglieder besagter fuͤrstlichen und graͤflichen Haͤuser, denen die Eigenschaft, welche das in jene⸗ allerhoͤchsten Entschließung vom 1. Januar bezeichnete Rangver⸗ haͤltaiß bedingt, nicht zur Seite steht, behalten uͤbrigens den ihnen bisher bestimmt gewesenen Rang.
Muͤnchen, 28. Jan. (Privat⸗Mittheilung.) Geheime Rath von Wiebeking ist Willens, im naͤchsten Fruͤhjahr eine wissen⸗ schaftliche Reise nach Italien zu unternehmen, um zu untersu⸗ chen, in wie weit seine Entwuͤrfe zur Verbesserung eines großen Theiles des Wasserstaates dieses Landes ausgefuͤhrt, oder welche Vorschlaͤge in dieser Hinsicht seit seiner letzten Anwesenheit daselbst gemacht worden sind. Diese Entwuͤrfe bezwecken naͤmlich die Austrocknung der Pontinischen Suͤmpfe und der Moraͤste zwischen den Fluͤssen Tartaro und Etsch, so wie an den Seen Bientina und Fuccechio, und endlich der bei Aquileja be⸗ findlichen Moraͤste, ferner die Verbesserung der Fluͤsse Arno, Po, Rheno, Poatello, Etsch, Bacchiglione und Brenta, der Kanaͤle und Torrenten im Paduanischen, so wie die Erhaltung der großen Schleuse bei Bataglia, genannt arco di mezza, und der Anlage eines schiffbaren Kanals zwischen der Tiber und dem Arno. — Dann die Verbesserung der Einfahrt des Hafens von Venedig, die Beschuͤtzung dieser Stadt gegen hohe Sturmfluthen und die Reinigung ihrer inne⸗ ren Kaͤnale, und betreffen endlich die Mittel zur Anlage eines gro⸗
ßen Hafens vor Triest, wo gegenwaͤrtig die Schiffe auf offener
Rhede allen Gefahren bloß gestellt sind. Zugleich will sich Herr von Wiebeking von den Wirkungen des von dem Ingenieur Natolini zu Lucca zur Anschlaͤmmung des Sees Massaciuc⸗ coli und der ihn umgebenden Moraͤste mit großer Kenntniß ge⸗ machten Entwurfes, so wie auch von den Erfolgen der in den Maremmen und dem Val di Chiana von dem Ingenieur Manetti ausgefuͤhrten Anschlaͤmmungs⸗Methoden uͤberzeugen.
Darmstadt, 29. Jan. Großherzogl. Hessischen Zeitung giebt von dem fuͤr die Staͤnde⸗Versammlung des Großherzogthums den Jahren 1838 — 1841 eine ausfuͤhrliche Zusamme Inhalts. Der Landtags⸗Abschied aͤußert sich die von den Kammern uͤber die ihn
zine Beilage zu Nr. 28 der 1 2 Landtags-Abschied Hessen in nstellung des in Bezug auf en vorgelegten Gesetz⸗Entwuͤrfe
8 g 5 2) - 1 . und Regierungs⸗Antraͤge gefaßten Beschluͤsse, und 2) in Bezug
auf die Wuͤnsche und Antraͤge der Kammern. Das ganze zer⸗ falt in 69 Paragraphen. Wir theilen daraus Nachstehendes mit:
„Haupf⸗Voranschlag, der Staats⸗AAusgaben für 1836⁄1.“ Den von den Ständen votirten Bewilli ungen für diese Staats⸗Ausgaben wird die landesherrliche Genehmigung ertheilt. Hin⸗ sichtlich der von den Ständen unter der Rubrit des Grundlasten⸗Bau⸗ wesens nicht bewilligten Ausgaben wird der Fall eintreten können, daß soiche nicht zu verschieben sind, da dieses Bauwesen auf Rechts⸗Ver⸗ bindlichkeiten beruht, und was die übrigen, von den Ständen nicht bewilligten Ausgaben anlangt, so tollen diejenigen derselben, welche ei⸗ nen längeren Aufschub nicht zulassen, in den Haupt⸗Voranschlag füͤr die nächste Finanz⸗Periode wieder aufgenommen werden. Die von den Ständen zur Dotation für die höhere Gewerbschule hier, desgleichen⸗ die zur Auschaffung von Apparaten für diese Anstalt bewilligte Summe, ist unter den desfalls gesiellten Bedingungen aungenommen worden. —, „Militair⸗Budget für 1839⁄11.“ Es sollen 1) die als jährliche
1“]
Diese Bahn, deren Zug in Bayern, Erlangen,
11“ . 22
laufende Bedarf⸗Summe für die Unterhaltung des Militairs
litair⸗Anstalten verwilligten 928,591 Fl. ihrer Bestimmung entsprechend ver
wendet werden, wobei es sich von selbst versteht, daß die Kriegskasse die wegen
höherer Anschaffungspreise des Brodes, der Fourage, des Holzes und der Remontepferde ꝛc. etwa erforderlichen weiteren Beträge alljährlich nach Bedarf aus der Haupt⸗Staatskasse zu beziehen hat, daß jedoch über solche Mehrbezüge den Ständen geeignete besondere Nachweisung er⸗ theilt werden soll. 2) Die Wünsche der Stände hinsichtlich der dem⸗ nächst in das Militair⸗Budget für die Jahre 181 ¾2 aufzunehmenden
Preisansätze für Brod, Feurage und Holz, sodann hinsichttich des An⸗ satzes der Zuschüsse zur Ossiziers⸗ und Unterossiziers⸗Wittwen und Waisen⸗Kasse sollen berucksichtigt, ein Gleiches hinsichtlich der Preisansätze für Remontepferde aber erst noch einer näheren Prüfung unterworfen werden. 3) Die wegen eines zu der Erbauung einer neuen Kaserne zu Offenbach von dieser Stadt gewünschten Darlehns von 75,000 Gulden dem Ministerium der Finanzen ertheilte Ermächtigung ist angenommen, so wie der von den Ständen für den Zweck der Möblirung der fraglichen neuen Kaserne dem Kriegs⸗Ministerium eventuel bewilligte Kredit von 14,000 Fl. genehmigt worden, und sollen von beiden Ermächtigungen mit Rücksicht auf die desfalls von den Ständen weiter vorgetragenen näheren Bestimmungen und Voraus⸗ setzungen der nöthige Gebrauch gemacht, so wie auch die für die Auf⸗ führung eines besonderen Neubaues in der Kaserne zu Offenbach zur Verschaffung besserer Feldwebel⸗Quartiere ꝛc. verwilligten 24,000 Fl. und die weiteren zu dem oben befragten neuen Kasernenbau verwilligten 5000 Fl. ihrer Bestimmung gemäß verwendet und demnächst über die verschiedenen Ausgaben besondere Nachweisung vorgelegt werden. — „Gemeinschaftliche Uebungen des Sten Deutschen Armee⸗ Corps.“ Se. Königl. Hoheit der Großherzog haben von dem, zur Deckung des durch die Theilnahme der Großherzogl. Hessischen Division an diesen Uebungen entstandenen Kosten⸗Ausfalls verwilligten außer⸗ ordentlichen Kredit von 30,000 Fl. Gebrauch machen lassen, und es soll demnächst den Ständen über die Verwendung Nachweisung gegeben werden. Se. Königl. Hoheit haben diese Verwilligung und den Wunsch der Stände, daß solche gemeinschaftliche Uebungen von Zeit zu Zeit zu wiederholen seyn möchten, mit besonderem Wohlgefal⸗ sen vernöommen. — „Erhöhung der Pensionen für die Witt⸗ wen und Waisen der Sergeanten und Korporale ꝛc.“ Vom 1. Januar 1840 an sollen jährlich 1000 Fl. aus der Invaliden⸗Kasse zur Wittwen⸗ und Waisen⸗Kasse für Unteroffiziere und Soldaten be⸗ zahlt werden, um zur Erhöhung der Pensionen für die nach der be⸗ stehenden Verordnung zur Pension geeigneten Wittwen und Waisen der von demselben Zeitpunkte an mit Tode abgegangenen oder abgehen⸗ den Sergeanten, Korporale und anderen Militair⸗Personen in diesem Range verwendet zu werden. — „Haupt⸗Voran⸗ schlag der Staats⸗Einnahmen für 1839 — 41.“ Das Finanz⸗Gesetz vom 26. Juni 1836 ist auf das Jahr 1839 ausge⸗ dehnt und in Wirksamkeit gesetzt worden und der fragliche Haupt⸗Vor⸗ anschlag hat die landesherrliche Zustimmung erhalten. — Finanz⸗ „Gesetz für 1839 — à1.“ Dasselde, nach den desfallsigen Beschlüssen und Anträgen der Stände redigirt, ist bereits unterm 1. Oktober 1839 erlassen und in Vollzug gesetzt worden. Dabei wird jedoch ausdrücklich erklärt, wie es keinesweges zur Befriedigung Sr. Königl. Hoheit hat gereichen können, daß die Stände geglaubt haben, dem §. 3 dieses Ge⸗ setzes nicht vollständig in derjenigen Fassung und Ausdehnung bei⸗ stimmen zu können, wie ihnen solcher, ganz im Einklange mit dem seit⸗ her Bestandenen, war vorgeschlagen worden. Im Hinblicke auf die vertragsmäßigen Grund⸗Bestimmungen, auf welchen der Zall⸗Verein beruht, erachten Se. Königl. Hoheit namentlich die zum Vollzuge von Zoll⸗ und Handels⸗Verträgen mittelst der früheren Fi⸗ nanz Gesetze ertheilte unbeschränkte Zustimmung der Stände auch hinsichtlich der Handels⸗Verträge mit außerdeutschen Staa⸗ ten, fortwährend für so rathsam und nothwendig im Interesse des Lan⸗ des, daß Allerhöchstdieselben sich vorbehalten müssen, auf dem nächsten Landtage hierauf besonders zurückzukommen, und geeignete weitere Pro⸗ positionen stellen zu lassen. Wenn übrigens die Stände in Bezug auf den gedachten §. 3 des Finanz⸗Gesetzes zugleich auch noch die Bitte vorgetragen haden, dahin bei den Verhandlungen mit den übrigen Zoll⸗ Vereins⸗Staaten zu werken, daß ohne dringende Veranlassung so wenig als möglich Veränderungen an dem dermaligen Zoll⸗Tarif beschlossen werden möchten; so hat zu dieser Bitte eine zureichend hegründete Ver⸗ anlassung um so weniger vorhanden seyn können, als Se. Königl. Ho⸗ heit und die sämmtlichen übrigen Vereins⸗Regierungen seither schon stets von dem leitenden Grundsatze ausgegangen sind, Aenderungen in den bestehenden Tarifsätzen niemals ohne die tristigsten Gründe vor⸗ zunehmen.“
Hamburg, l. Febr. Der bisherige Kaiserl. Oesterreichische Minister⸗Resident, Herr Maximilian von Kaisersfeld, ist jetzt in der Eigenschaft eines bevollmäaͤchtigten Ministers bei dem Senate der hiesigen freien Stadt beglaubigt. 8
OQesterreich.
Wien, 28. Jan. (L. A. Z.) Die Rekrutenstellung fuͤr das laufende Jahr ist bei uns ausgeschrieben. Die Zahl betraͤgt fuͤr die Deutschen Provinzen 44,000, fuͤr Italien 12,000 Mann, zusammen also beinahe das Doppelte von der jaͤhrlichen gewoͤhn⸗ lichen Komplettirung der Armee, die sich z. B. 1840 auf 33,000 Rekruten belief. Ungarn hat bekanntlich fuͤr seine sehr gelichteten Regimenter auf dem letzten Landtage 38,000 Mann bewilligt,
die jetzt fast von allen Komitaten wirklich uͤbergeben sind, so daß
unsere Armee im Fruͤhjahr einen Zuwachs von 91,000 Soldaten erhaͤlt. Doch ist in alle dem eine ungewoͤhnliche und besorgliche Maßregel nicht zu erblicken, indem es im Grunde nur die Genuͤgeleistung des regelmaͤßigen militairischen Bedarfs ist, wel⸗ cher bei uns freilich immer so ziemlich auf dem Kriegsfuße ver⸗ anschlagt bleibt, nur daß durch Beurlaubungen und anderweitige zeitweise Reductionen, wenn es die Umstaͤnde erlauben, von dem normalmaͤßigen aktiven Stand abgegangen wird. So erscheinen die Rekrutenstellungen in den vorangegangenen Jahren geringer, weil man von der ausgeschriebenen Zahl die noch vorhandenen Ueberzaͤhligen in den Listen der Regimenter in Abzug brachte,
was dieses Jahr nicht geschah, um fuͤr unvorhergesehene Faͤlle in einiger Vorbereitung zu seyn. Die Compagnieen unserer Re⸗
gimenter sind nun auf 220 Mann gebracht, waͤhrend der Kriegs’⸗ fuß sich nur auf 180 belaͤuft, daher ein bedeutender Theil der
vom Urlaub einberufenen Mannschaft als Reserve verwen⸗ det werden koͤnnte. Die Zahl der ausgeruͤsteten Batterieen hier
und in den Provinzen war 60, und ist durch die neuesten Aus⸗
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ruͤstungen auf 75, mit Inbegriff der Reserve⸗Batterieen auf 78 gebracht worden.
schaft nicht vom Urlaube zuruͤckberufen, sondern es sind hierzu taugliche Individuen aus dem Dienststande der Regimenter aus⸗
gewaͤhlt worden, ein Zeichen, daß man nahe kriegerische Besorg⸗ nisse nicht hegt, sondern nur in die geeignete normalmaͤßige, aber
vollkraͤftige Verfassung sich setzen will. Schweiz. 8
Zuͤrich, 26. Jan. Die faktische Aufhebung der Argauischen
Kloͤster hat gestern begonnen. Der Truppen⸗Befehlshaber Frei begab sich mit seinem Stab ins Kloster Muri und kuͤndigte dem versammelten Konvent an, daß alle Geistliche das Kloster binnen zwei Mal 24 Stunden zu verlassen haben. sich mit einer Protestation. Der gleiche Akt ging diesen Morgen in Wettingen vor, die gleiche Protestation wurde vorgelesen. Herr Frei reist nun von einem Kloster ins andere. Die Truppen werden wahrscheinlich noch längere Zeit im Freiamte stehen bleiben,
1 Von Remonte⸗Pferden sind 17,000 Stuͤck an⸗ gekauft, man hat jedoch zu ihrer Abrichtung und Pflege die Mann⸗
Der Abt begnuͤgte
weniger um der dortigen Bevoͤlkerung willen, als weil man von den kleinen Kantonen fuͤrchtet, die wirklich eine außerordentliche Tagsatzung verlangt haben sollen. 1“
11161“]
11.“
Zuͤrich, 27. Jan. Die Kantone sprechen sich immer mehr gegen das Verfahren im Aargau aus. So namentlich Schwyz. Der kleine Kanton Zug soll dem Kanton Aargau geradezu die Auslieferung der dahin gefluͤchteten Frei⸗Amtler verweigert Selbst die radikal gefaͤrbte Luzerner Regierung suchte dringend in Aargau nach, daß man die Katholiken beruhigen moͤchte. Uri, Schwyz und Unterwalden begehren von dem Vororte, daß er Aargau anhalte, die Kloͤster wieder herzustellen, eventuell daß die Tag⸗ satzung unverzuͤglich versammelt werde. Dies Begehren wird von anderen Staͤnden ohne Zweifel unterstuͤtzt und wir duͤrfen naͤch⸗ stens auf eine außerordentliche Tagsatzung rechnen. In Luzern ist Alles gespannt auf den 31. Januar, an welchem Tage das Volt uͤber die Revision der Verfassung abzustimmen hat. Wird eine Revision, wie es wahrscheinlich ist, beschlossen, so muß ein Verfassungs⸗Rath aus dem Volke zusammentreten, welcher jeden⸗ falls eine viel entschiedenere katholische und antiradikale Faͤrbung bekaͤme, als der gegenwaͤrtige große Rath. — Aber auch den re⸗ formirten Staͤnden wird das Verweilen der Truppen im Kan⸗ ton Aargau allmaͤlig laͤstig. In Bern wird die Frage eroͤr⸗ tert, ob denn die Berner Truppen dafuͤr da seyen, um unter bloßer Leitung der Regierung von Aargau nicht bloß die oͤffent⸗
liche Ruhe herzustellen, sondern bundeswidrige Beschluͤsse durch⸗ zufuͤhren, ohne daß der große Rath zu Bern sich daruͤber aus⸗ gesprochen. Zuͤrich hat das bestimmte Begehren an den Vorort gestellt, daß, wenn bundesmaͤßige Verpflichtungen ein laͤngeres Verbleiben eidgenoöͤssischer Truppen noͤthig machen, auch eine eid⸗ genoͤssische Leitung eintrete, im entgegengesetzten Falle die Truppen anderer Kantone aus dem Kanton Aargau zuruͤckgezo⸗ gen wuͤrden. 3
Spanien.
Madrid, 19. Jan. Es ist in den letzten Tagen hier nichts von Interesse vorgekommen, außer daß in mehreren Versamm⸗ lungen, die kuͤrzlich als Vorbereitung fuͤr die Eroͤffnung der Cor⸗ tes gehalten wurden, die Exaltirten die Maäjoritaͤt gehabt haben.
Bilbao, 20. Jan. Die Versammlung der General⸗Junta der Deputirten von Biscaya, die hier stattgefunden hat, ist ruhig abgelaufen. Die Beschluͤsse des Ayuntamiento's und der Han⸗ dels Kammer von Bilbao zu Gunsten der Aufrechterhaltung der Fueros wurden der Versammlung mitgetheilt und erhielten ihre Genehmigung; man kam jedoch uͤberein, der Konferenz, welche von den Abgeordneten Biscaya's, Guipuzcoa's und Alava's ge⸗ 8 werden soll, die Annahme definitiver Maßregeln zu uͤber⸗ assen. und scheint sich von dem festen Entschluß der Basken, ihre Fue⸗ ros zu behaupten, uͤberzeugt zu haben.
8 Portugal.
Lissabon, 19. Jan. (Times.) Ungeachtet des Sieges, den die Rathgeber der Krone in Bezug auf die Douro⸗Frage in der Deputirten⸗Kammer davongetragen haben, haͤlt man doch all⸗ gemein dafuͤr, daß sie den Traktat nicht zur Ausfuͤhrung bringen werden, bevor nicht die beleidigenden Drohungen des Spanischen Ultimatums zuruͤckgenommen sind. Die kriegerischen Ruͤstungen werden mit verdoppeltem Eifer fortgesetzt, und damit die Ver⸗ theidigungslinien um die Hauptstadt herum baldmöͤglichst in Stand gesetzt werden koͤnnen, wird den ganzen Tag uͤber und Nachts bei Fackel⸗Beleuchtung bis 11 Uhr daran gearbeitet; bis jetzt sind auch bereits 120 Geschuͤtze von verschiedenem Kaliber in denselben aufgefuͤhrt. Dieser Umstand, der zu einer Zeit eintritt, wo man den casus belli fuͤr beseitiget halten zu duͤrfen glaubt, hat zu dem Argwohn Veranlassung gegeben, daß das Ministerium verderb⸗ liche Plaͤne im Auge habe. Auch sind die Minister von ihren poli ischen Gegnern, sowohl Ultra⸗Chartisten als Septembristen, in den Cortes scharf daruͤber mitgenommen worden, daß sie nicht schon vor den Debatten uͤber den Zwist wegen der Douro⸗Ange⸗ legenheit uͤber den Gebrauch der diktatorischen Gewalt und Sus⸗ pendirung der Habeas⸗Corpus Akte, welche sie sich waͤhrend der Cortes⸗Vakanz angemaßt, sich gerechtfertigt haben. Der Staats⸗ Secretair fuͤr das Innere und ad interim fuͤr die auswaͤrtigen Angelegenheiten, Herr Rodrigo da Fonseca Magalhaes, verthei⸗ digte das ministerielle Verfahren in einer sehr langen Rede, und als es darauf zur Abstimmung daruͤber kam, ob die Douro⸗ Debatte bis zur Einbringung jenes Rechenschafts⸗Berichts aus⸗ gesetzt werden solle, erklaͤrten sich 85 Stimmen verneinend und nur 21 bejahend, die Minister behielten also mit einer Mehrheit von 64 Stimmen den Sieg. Am folgenden Tage jedoch wurde der verlangte Bericht eingebracht und an die zur Berathun uͤber die Verfassungs⸗Verletzungen eingesetzte Kommissiof verwiesen. Die ebenfalls an die Kommission verwiesene Antwort der Deputirten⸗Kammer auf die Thron⸗Rede ist nichts als ein Wiederhall der letzteren. Am löten brachte der Finanz⸗Minister in der Deputirten⸗Kammer die Erneuerung eines Gesetzes uͤber die Grund⸗Renten in Antrag, welches von Dom Pedro gleich nach der Restauration abgeschafft worden war; man erblickt in dieser Maßregel eine Konzession zu Gunsten der Oligarchie, welche jetzt im Lande und im Palaste die Oberherrschaft fuͤhrt; sie wird indeß vermuthlich starke Opposttion hervorrufen. Derselbe Mi⸗ nister soll die Beantragung einer Abgabe von 10 p Ct. von den Gehalten aller aus der Civil⸗Liste besoldeten Beamten beabsichti⸗ gen, auch die Zahlung aller bis zu Ende des vorigen Jahres ruͤckstaͤndigen Pensionen sistiren wollen, eine Maßregel, welche eine Menge huͤlfsbeduͤrftiger Personen ins Elend stuͤrzen, indeß sreilich auch vielen Wucherern nachtheilig werden wuͤrde, die einen Theil der uͤber die Ruͤckstaͤnde ausgestellten Obligationen zum Preise von 20 Ct. und weniger an sich gebracht haben. Man glaubt indeß, daß die ganze Sache nur auf einer List der Kollegen des Finanz⸗Ministers be⸗ ruhe, welche demselben die Einbringung jener gehaͤssigen Gesetz⸗
Entwuͤrfe unter den Fuß gegeben haben sollen, um sich seiner leichter entledigen zu koͤnnen und dann das Ministerium dadurch
zu verstaͤrken, daß sie Herrn Aguiar das Portefeuille der Ma⸗
rine, Herrn Avila das des Innern und Herrn Gomes de Castro das der Finanzen uͤbertruͤgen, wogegen Graf Bomfim das Kriegs⸗
Ministerium, Herr Rodrigo da Fonseca Magalhaes das der aus⸗ waͤrtigen Angelegenheiten und Herr Costa Cabral das der Justiz behalten wuͤrden. Der Ausmarsch der Truppen aus Lissabon,
eine Schwadron des 2ten Lancier⸗Regiments ist nach Momorra abgegangen. der Observations⸗Armee im Norden unter dem Herzoge von Ter⸗
faͤhrt man, daß die Rekrutirungen an manchen Orten Unzufrie⸗ denheit erregt haben, und daß eine Anzahl bereits eingereihter Soldaten nach Spanien desertirt stt.
Der politische Corregidor wohnte den Berathungen bei
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8 . . . Konstantinopel, 3.) Durch den wichti⸗ gen Hattischerif, der Mehmed Ali die Erblichkeit in Aegypten verleiht, ist abermals der Beweis gegeben, daß trotz der böͤsen Ahnungen, mit denen die Presse in letzter Zeit die Besorglichen vielfach heimgesucht, die Loͤsung der Orientalischen Frage auch in diesem Stadium wieder eine gemeinsame gewesen sey. Der Stand der Sache, nach der Einnahme der festen Pläͤtze Syriens, war wesentlich folgender: Die Pforte, wieder in den faktischen Besitz der eroberten Provinzen gelangt, hatte allerdings we⸗ nig Lust, die ausgesprochene Entsetzung Mehmed Alu’s uͤber⸗ haupt zuruͤckzunehmen. Von den allirten Maͤchten war diese Zu⸗ ruͤcknahme und das Paschalik von Aegypten lebensläaͤnglich, als das Minimum betrachtet worden, das man dem Sultan ber Annahme anzurathen in der Lage sey, waͤhrend die erbliche erleihung Aegyptens als ein Maximum angenommen wurde, zu dem sich die Gnade des Sultans herbeilassen koͤnne. Wir sehen, daß von einem „Prince Vasall“ nie und nirgends die Rede seyn kennte. Waͤhrend nun das Tuͤrkische Kabinet wenig geneigt schien, Mehmed Ali auch nur Aegypten zu lassen, Lord Ponsonby sich viel⸗ leicht am liebsten mit dem Minimum begnuͤgt haͤtte, war es in erster Reihe das Oesterreichische Kabinet, das im Einklang mit Preußen fuͤr die Erblichkeit Mehmed Ali's unterhandelte, und es sind vor andern die cnergischen und unermuͤdlichen Vorstellungen des Fuͤrsten Metternich, die sowohl in London als in Konstantinopel geneigtes Gehoͤr gefun⸗ den, und bei der Hinwegraͤumung dieses, fuͤr die Erhaltung des Curopäaͤischen Friedens immer bedrohlichen Hindernisses den Aus⸗ schlag geben. Wie dadurch die Position des Ministerium Guizot wesentlich gebessert worden, bedarf keiner Erwaͤhnung. Das un⸗ verruͤckte Vertrauen, das dieser Minister in die loyalen und redlichen Bestrebungen der alliirten Hoͤfe gesetzt hat, ist durch diese definitive Entscheidung glänzend gerechtfertigt worden. Wie viel billige Ruͤcksicht dabei auf die Lage Frankreichs genommen wor⸗ den, und welchen wesentlichen Antheil diese an den Bemuͤhungen der verbuͤndeten Kabinette, namentlich des Oesterreichischen und Preußischen, hatte, wird selbst die Franzoͤsische Opposition schwer⸗ lich in Abrede stellen koͤnnen. 16
Brasilien. 1“
Riio Janeiro, 26. Nov. Die Nachricht von der Aufhe⸗ bung der Blokade von Buenos⸗Ayres hat hier in dem Preise der Haͤute und anderer Waaren keine bedeutende Preis⸗Ermaͤßi⸗ gung zu Wege gebracht. Die Dexrutirtenwahl zur allgemeinen Legislatur ist in der Hauptstadt gegen die Wuͤnsche des Ministe⸗ riums ausgefallen, obgleich die Waͤhler⸗Listen demselben guͤnstig schienen. Ueberhaupt sieht es am hiesigen politischen Horizonte
immer noch sehr duͤster aus.
In der Provinz Rio Grande ist zwar einer der Rebellen⸗ Generale, Juca Ribeiro, ein Bruder des eigentlichen Hauptes der dortigen Rebellion, Bento Manuel's, mit 16 Offizieren und vieler Mannschaft zu den Kaiserlichen Truppen uͤbergegangen, im Allgemeinen aber hat die von dem Kaiser erlassene Amnestie in jener Provinz keinen bedeutenden Eindruck hervorgebracht.
Chili.
Valparaiso, 16. Okt. Die hiesigen Zeitungen melden die zu Falcahuano erfolgte Ankunft der zwei in London erbauten und im letzten Sommer nach Suͤd⸗Amerika abgeschickten Dampfschiffe „Chili“ und „Peru“. Letzteres hat die Reise, den Aufenthalt zu Rio Janeiro und anderwaͤrts abgerechnet, in 55 Tagen ge⸗ macht. Beide Dampfschiffe werden täͤglich zu Valparaiso erwar⸗ tet, wo man sie mit oͤffentlichen Freudenfesten empfangen will, da man sich von der Einfuͤhrung der Dampfschifffahrt an den Kuͤsten von Suͤd⸗Amerika die groͤßten Wohlthaten verspricht.
Inland.
Berlin, 3. Febr. Die Freiwilligen der Jahre 1813, 14 und 15 haben mit der heutigen Feier ihres jaͤhrlichen Erinne⸗ rungs⸗Festes auch eine Gedächtnißfeier zu Ehren Sr. Hochseligen Majestaͤt, des Koͤnigs Friedrich Wilhelm III. verbunden. Zu die sem Behufe ist das gewoͤhnliche Fest⸗Lokal der Freiwilligen, der
agorsche Saal, sowohl durch Buͤsten und Embleme, als durch
ahres⸗ und Tages⸗Angaben mit dazu gehoͤrenden Inschriften, so sinnreich ausgeschmuͤckt, daß Alles auf die unvergeßliche Wirk⸗ samkeit des verewigten Monarchen hinweist. Besonders treten da⸗ bei folgende drei große Regierungs⸗Momente des Koͤnigs hervor: 1) Friedrich Wilhelm III. als Befreier und Friedensstifter; 2) Fried⸗ rich Wilhelm III. als Gesetzgeber und Vater des Vaterlandes und 3) Friedrich Wilhelm III. als Schutzherr der Kuͤnste und Wissen⸗ schaften. Die Zahl der Freiwilligen, die an dem heutigen Feste Theil nehmen, ist, da Manche auch aus den Provinzen herge⸗ kommen sind, ungemein groß. Wir muͤssen uns jedoch, da das Fest erst am Nachmittage beginnt, vorbehalten, morgen einen aus⸗ fuͤhrlicheren Bericht daruͤber zu liefern.
Berichtigung. Im gestr. Blatte der St. Ztg., S. 128, Sp. 2, 3. II, ist statt: „Spanien“, zu lesen: Portugal.
Wissenschaft, Kunst und Literatur. Friedrich Wilken. Das verwichene Jahr, das noch in seinen letzten Monaten dem Fechth Monarchen mehrere seiner treuesten und CC“ iener nachforderte, hat unter ihnen am heiligen Abend des Weihnachts⸗ festes der biesigen gelehrten Welt einen ihrer anerkanntesten Verircter, den Geheimen Regierungsrath und Königl. Ober Beibliorhekar, Herrn Professor Dr. Wilken, entrissen. Was der Verewigte in den Wissen⸗
der am IöIten stattfinden sollte, ist ploͤtzlich suspendirt worden, nur Eben so hat der Graf Villareal, der eine Division
ceira kommandiren soll, noch nicht, gleich diesem, Lissabon ver⸗ lassen, um sich nach Porto zu begeben. Aus den Provinzen er⸗
schaften geleistet, bedarf kaum einer näberen Erörterung, und so ließ
auch das Leben und der Charakter des Mannes unter Allen, die mit ihm in Berührung kamen, kaum eine verschiedene Beurtheilung zu;
dennoch hälten wir es auch unsererseits für eine Pflicht, aus den nähe⸗ ren Lebens⸗Umständen eine Anschauung des Mannes zu geben, zumal da der Charakter seines Lebens und seines wissenschaftlichen Wnkens so durchaus auf derselben Basis berubt, und sich von seibst zu einem eben so verständlichen als liebenswürdigen Ebarakterbilde zusammenstellt. Friedrich Wilken wurde zu Ratzeburg im Lauenburaischen am 23. Mai 1777 in beschränkten Verhältnissen geboren. Sein Vater war Kanzellist bei der Regierung und hatte der Kinder noch mehrere. Der von der Natur bevorzugte Sohn erhielt seine erste gelehrte Bildung auf der Domschule seiner Vaterstadt- und bezog schon im Jahre 1795, wohl vorbereitet, unterstützt durch Gräflich Kielmannseggische veern dien, die Universität Göttingen. Er bekannte sich zur 88888g Fafultät, eine entschiedene Neigung zog ihn aber bald zu Füte “ und philologischen Studien hinüber, und unter letzteren L“ sich außer den klassischen auch mit vorzüglichem Eifes s- 8 Sprachen. Für die Historie glänzten damals in Feec agen Eges men: Eichhorn, Spittler, Schlözer; in den klafsischen 1 I. sn 8 zaß er darüber die neueren war hauptsächlich Heyne sein Lehrer. Daß er eien Jabren vorzüg⸗ Spvrachen nicht vernachlässigte, sondern schon 99. e. E“ liche Kenntniß darin besessen haben muß, “