1 s „r um seine geringen Hülfsquellen zu ergänzen, besonders “ 82 Es ist vielleicht interessant, zu er⸗ fahren, daß der später als Dichter so berühmt gewordene Cele⸗ rioge auf diese Weise Wilfen's Schüler war. Mit ihm, so wie mit dem Dänen Thorlacius und Peter Erasmus Müller lehte er damals in wabhrer Freundschaft. Unter seinen Deut⸗ schen Landsleuten hielt er am meisten zusammen mit Luden, Schlosser, von Meusebach u. A. Im Jahr 1797 trat Wilken in das philologische Seminar ein, dessen Mitglied er zwei Jahre lang blieb. Ein Jahr später trat er zuerst als Schriftsteller auf; eine von der Göttinger Umversität gestellte Aufgabe bestimmte ihn dazu, und er war
so glücklich, den Preis davon zu tragen. Der von außen gegebene In⸗ balt dieser seiner ersten Dissertation aber gab, wie das nicht selten vei bedeutenden Mannern der Fall zu sevn pflegt, die Veranlassung und Vorbedeutung des großen Werfes, welches später die Haupt Aufgabe seines Lebens wurde. Die gekrönte Preisschrift nämlich führt den Ti⸗ tel: Commentatio de bellorum cruciatorum ex Abulfeda historia. Der historische Sinn des Verfassers, vereint mit der immer umfassender wer⸗ denden Kenntniß der orientalischen Sprachen, setzte ihn in den Stand, ühber diese größte Berührung des Abend⸗ und Morgenlandes auch die wenig durchforschten Qnellen des letzteren zu befragen. So war denn nit dieser ersten Schrift und ihrem Erfolge Wilken's wissenschaftliche enufbahn bereits entschieden; aber noch nicht waren seine äußeren Ver⸗ dältnisse so weit gedieben, daß er mit aller Muße und Kraft den be⸗ tretenen Weg verfolgen fonnte. Wie dürstig die Lage des Sieggekrbu⸗ ten blieb, zeigt sich besonders sehr heiter aus dem Tagebuch eines im Jahr 1799 von Götringen aus unternommenen kleinen Ausfluges, auf dem er zu Gotha mit Schlichtegrolt, zu Erfurt mit Bellermann, zu Weimar mit Böttiger und Herder und zu Jena mit Grieshach, Ilgen, Schütz bekannt wurde. Im Jahr 1800 bekleidete er in Göttingen die Stelle eines theologischen Repetenten und wurde an der Bibliothek be⸗ schäftigt; im März des Jahres 180 ⁄ erwarb er zu Jena den Doktor⸗ hut der philosophischen Fakuttät, und übernahm bald darauf, auf Veran⸗ lassung des Feldmarschalls, Grifen von Walmoden⸗Gimborn, die Stelle eines wissenschaftlichen Lehrers des jetzt reaierenden Fürsten von Schaumburg⸗Lippe, bezeg mit ihm die Universität Leipzig und beglei⸗ tete ihn 1805 auf einer Reise durch das füdliche Deutschland. Im Herbst des letzteren Jahres nun wurde er seinen Siudien wieder ganz zurückgegeben, indem er die Stielle eines außer⸗ ordentlichen Prosessors der Geschichte zu Heidelberg antrat. Mit ju⸗ gendlicher Kraft verfolate er seitdem seine wissenschaftliche Laufbahn in gerader Richtung. Nachdem er auch sein äußeres Leben durch die Verheirathung mit der Tochter des Prosestors Friedrich Tischbein, Di⸗ rektors der Kunst⸗Akademie zu Leipzig, geordnet und eingerichtet hatte, folgten in ununterbrochener Reihe seine gelehrten Ardeiten, und in dem⸗ selben Maße auch die zablreichen Ehren, die ihm nunmehr von allen Seiten her ungesucht zu Theil wurden. Im Jahre 1805 erschien seine Persische Grammatik und Chrestomathie, die erste in Deutscher Sprache; 1807 wurde er ordentlicher Prefessor, und in eben dietem Jahre erschien auch bereits der erste Theil seines Werkes über die Kreuzlüge; im fol⸗ genden Jahre aber wurde er Direkter der Universitäts⸗Vibliothek, ein Beruf, zu dem der Umfang seines Wissens ibn in so hohem Grade geeignet machte. Er nahm damals auch lebhasten Antheil an der Be⸗ ründung und Redaction der Heidelberger Jahrbücher, welche durch das glückliche Jusammentrefsen mehrerer Gelehrten von seltenem Rang ss bald eine vorzügliche Achtung erwarden. Abet schon im Jahre 1810 erhielt Wilken einen Ruf an die zu Berlin neuzubegründende iniversität als Professor der Geschichte, gleichzeitig auch einen äbuli⸗ chen nach Leipzig und sogar nach Charkow. Allein der Badische Mi⸗ nister von Reitzenstein, zu dem er später in immer freundschaftlicherem Verhältniß stand, hielt ihn für jetzt noch in Heidelverg zurück. Das genannte Jahr wird in Wilken’'s Lebensgeschlchte wiederuüm durch eine gekrönte Preisschrift bezeichnet, und zwar, von dem Pariser Institut Sie führt den Titel: Rerum a Commenis gestarum libri IV., und ihr Inhalt weist uns wieder an die Gränze des Orients und zeigt uns den Verfasser mit dem weitläustigen Studium der Bpzantinischen Schriftsteller beschäftigt, dem er auch späterhin noch so viele Zeit ge⸗ widmet hat. Nachdem noch, fast gleichzeitig, der erste, leider einzige Band von Wilken's „Handbuch der Deutschen Historie“ erschienen war, einem Werke, das sich durch die sichere Begründung der Thatsachen und durch die Bündigkeit der Darstellung gleich sehr auszeichnet, trat er im Jahre 1811 eine wissenschaftliche Reise nach Paris an, um die Schätze der dortigen Bibliothek für seine Geschichte der Kreuzzüge aus zubenten. Der Erfolg dieser Reise liegt in seinem gelehrten Werke ver; er bestand aber zugleich auch in einer freundschaftlichen Verbindung mit den geachtetsten Pariser Gelehrten, mit Silvestre de Sacv, Langléês, Chozv, Grégeoire. Er wurde, wie wir bier nur noch vorübergehend bemerken wollen, 1812 zugleich Korrespondent des Pariser Justituts und der Akademie der Wissenschaften zu Berlin, dald darauf Badenscher Hofrath, Rektor der Universitat, und zwar während der Anwe⸗ senheit der Monarchen zu Heidelberg im Jahre 1815, endlich Dr. der Theologie. In demselben Jahre erbielt er den ehreuvollen und er⸗ frenlichen Auftrag, abermals nach Puris zu gehen, um daselbst die Rückgabe der ehemals Pfälzischen Handschriften zu betreiben, ein Ge⸗ schäft, bei welchem er (in einem Programm) die thätige Unterstützung der Preußischen Staatsmänner, W. von Humbeldt's, von Altenstein's, von Müffling’s und Eichhern's (jetzigen Ministers) ganz besonders her⸗ vorhebt. Derselbe Auftrag brachte Willen im nächsten Jahr nach Rom, woselbst ihm die in Paris gewonnene Freundschaft Canova's, der do t die Auslieferung der Vaticanischen Kunstschätze besorgt hatte, von vor⸗ züglichem Nutzen war. Nach seiner Rückkehr wurde, im Jahre 18 6, der Ruf von Berlin her an ibn erneuert; und zwar zugleich als Ober⸗ Bibliothekar der König’. Bibliothef und als Professor der Geschichte an der Universität. So ungern er auch den traulichen Kreis semer wissenschaftlichen Freunde zu Heidelberg, die Boisserées, Thibaut, Nägein, Creuzer, Boß, Schwarz und Daub, verließ, so schloß ver ihm gewordene Antrag doch eine so große Erweiterung seines Wirkungskreises ein, daß er demselben folgen zu müssen glaubte. selben Jahres nach Berlin, um sich vorläufig von den Verhälinissen der Könial. Bibliothek zu unterrichten. Diese Reise machte er in Zel⸗ ter's Gesellschaft; unterwegs wurde in Weimar ein Tag bei Geeihe zugedracht. Er kehrte noch einmal nach Heidelberg zurück, und trat dann 1817 beide Stellen wirklich an. Seine akademische Wirksamkeit erstreckte sich hauptsächlich auf die Geschichte des Mittelalters und auf Deutsche Geschichte; auch las er Persische Grammatik. Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschasten wurde er 1819, bald auch Mit⸗ glied des Ober⸗Censur⸗Kollegiums, in welchem er später den Vorsitz führte. Im Jahre 1821 traf ihn die Ernennung zum Königl. Preu⸗
ßischen Historiographen, an Rühs’ Stelle, auch übernahm er noch die t und Friedrich von Schlegei, in Dresden, woselbst er im Hause der Frau
Professur der Geschichte an der Kriegsschule.
Wilken 1 zu seyn, sich doch aus den beschränktesten Verhältnissen durch eigene Kraft empergehoben hatte; aber er blied frei von derjenigen Schroff⸗ beit und Härte, welche Männern dieser Art oft eigen ist; dei ihm fand sich vieimehr in späteren Jadren eine große Milde ein. Kein Erfog machte iyn stolz, oder bestimmte ihn auszuruhen; immer strebsam, im⸗ mer bescheiden, voll Anerkennung der Leistungen Mustrebender, vell Freundschaft gegen Näherstehende, voll respeltvoller Haltung gegen Vor⸗ gesetzte, weder in der Wissenschaft, noch in seinem praktischen Wirken
von Vorurtbeil, Parteimemung oder Leideuschaft eingenommen mußte er überall diejenige Achtung gewinnen, die sich bei seinem Hinscheiden so allgemein gezeigt hat. Was Wilken als Gelehrter war, beruht we⸗ sentlich auf diesen Charakter⸗Eigenschaften. Hingebung an die Autori⸗ tät der Auellen, Gründlichfeit und strenger Wabrheitssinn beberrschen seine Darstellung, weiche am liebsten die Quellen selbst reden läßt, ohne darüber Auffassung und Ueberblick zu verueren. Werke solcher Art sind es vorzüglich, welche den Ruf Deutscher Gelehrsamkeit im A slande begründet haben. Man kann vielleicht sagen, daß diese Werke mehr Geschichtsforschung, als Geschichtsschreibung sind; aber die große Er⸗ weiterung des Mater als und kie nothwendige Sichtung desselben machte allein schon eine leichtere Verarbeitung in erster Hand fast un⸗ möalich. Eine kunstvollere Composition der Partieen ist allerdings bei Wilken nicht das Vorherrschende, und Schmuck und Prunk sind seiner Darstellung nicht eigen. Aber darum ist es noch keine bleße Ablage⸗ rung von histeorischem Stoff, und wenn der Geist auch nicht auf der Oberfl sche erscheint, so fehlt er darum nicht: durchdringt er von innen beraus den Stoff und macht ien in allen Theiten lebendig, so ist das freilich das Höchste. Wilken war also ein Gelehrter von ganz Deut⸗ scher Art, wir werden bald sagen können, von der alten Art, denn wenn wir neuerdings das Gefühl erworben hahben, daß noch böhere Ansprüche an den Geschichtsschreiber zu richten sind, so wird im Ver⸗ hältniß der Wenigen, welche sie kaum erfüllen, die Zahl derer wieder um so größer, welche über diesem Streben die nothwend ige Basis ver⸗ lieren und sich mit einer vortheilbasten Außenseite begnügen.
Wilken's Leistung als akademischer Lebrer steht wesentlich mit sei⸗ nem geschilderten Charakter als Gelehrter in Verbindung, denn die Auf⸗ gabe, die er sich hier stellte, war, Gelehrte seiner Art zu bilden und solche Leistungen bervorzurufen, wie er sie seibst gegeben. Sein Vor⸗ trag entbehrte alles Effektes, er haßte jeden rhetorischen Schmuck, und seine sonst bedeutende Persönlichken gehörte nicht zu den lebendigsten. Denneoch waren seine Vorträge anziehend; sie wurden es durch den Ernst und, bei aller geübten Krink, durch die liebevolle Vertiefung in die Sachen, ohne einen lästigen Pragmatismus und nie gestört durch Reflexionen, welche sich selbstgefällig darüber stellen wollen. Anleitung zum Quellenstudium galt ihm auch hier für die Hanptsache; deshalb verband er noch mit seinen Vorlesungen besondere paläegraphische Uebungen. 8
Der Umfang seines gründlichen Wissens, der Besitz der meisten ececi⸗ dentalischen und mehrerer orientalischen Sprachen, dieser gleichsam große Grundbesitz der Gelehrsamkeit, machte Wilken ganz vorzüglich zum Bibliothekar geeignet, zumal da er, was selten ist, mit dieser Gelebr⸗ samkeit zugleich praktische Umsicht und Verwaltungssinn vereinigte. Die von ihm verfaßte Geschichte der Berliner Bibliothek (1828) giebt zwar zunächst Zengniß, wie viel das Institut während seiner Leitung Königlicher Munisicenz verdanft, denn es hat sich während dieser Zeit um ein Drittei vermehrt, es stellt aber durch die Thatsachen zugleich auch dar, wie einsichtsvoll und umsichtig Wilken an der Ausfüllung der Lücken und uͤberhaupt an einer gleichmäßigen Befriedigung des immer vielseitigeren gelehrten Bedürfnisses gearbeitet habe. Die Anstalt dem Publikum, hauptsächlich aber sie jungen Gelebrten ven ernstem Streben möglichst nutzbar zu machen, war sein liebstes Ge⸗ “ wahrlich kein geringes Verdienn um die heimische Wis⸗ enschaft.
Ueber diese vielfache Amtsthtigkeit wußte Wilken durch strenge Zeit⸗ benutung sich nicht nur Muße für seine gelehrten Forschungen, sendern auch für die steie Erweuerung seiner Kemnisse zu gaewennen. Tie früben Morgenstunden pflegte er stets den erientalischen Sprachen zu widmen, in denen er sich von Jahr zu Jabr werter ausbreunete. Auch hat er in den letzten Jahren sich noch das Verständniß der Ungarischen Sprache zu eigen gemacht. Sein Gedächtniß war bewundernswürdia,
Er reiste noch im Herbst des⸗
ehrenvoll.
wie sich dies im Einzelnen oft überraschend zeigte. Einen Genuß fand Wilken in der nie ausgesetzten und oft wiederbolten Lesung der Griechi⸗ schen Geschichtschreiber. An der ven der Königl. Akademie besorgten Herausgabe der Bozantiner batte er den wesemlichsten Antbeil. Rechnet man dazu die Kränklic ken, weiche den Gelehrten in den beiden letzten Decennien seiten ganz verließ, so muß die ununterbrochene Reibe seiner Arbeiten um so mehr für seine geistige Kraft sprechen Im Jabr 1832 erschien letzte Band seines großen Werkee über die Kreuzzüge; in den Jahren 1820 — 23 begann er die Geschichte Berüuns für den Berliner Kalender: zahlreiche und werthvolle bistorische Abbandlungen ven ihm emtbalten die Schriften der biesigen Königl. Atademie, deren beständiger Secre⸗ tair er seit dem Jahre 1829 war.
Thäug und segensreich war auch Wilken’'s Wirksamkeit in der obersten Censur⸗Bebörde. Die geschnderten Charakter⸗Ergenschaften gaben ihm einen Beruf zu dieser Stellung, wie kaum einem anderen. Außerdem aber ist Wilten aus demselben Grunde von einhermischen und auswärtigen Staatrmännern oft bdei der Besetzung wichtiger Stellen zu Ratbe gezogen werden, was diesen und ihm gewiß zu gleicher Ehre gereicht. 8 Es wäre nun noch Wilken’'s in seinem Familienleben und in sei nen Privatsa icksalen zu gedenten. Dies war im Allgemeinen ein eben⸗ mäßiges und glückliches, durch Aeiternfreude an vier Kindern, zu ei Söb⸗ und zwei Töchtern reichlich geiegnet. Was er zu tragen hatte, bestand Heuhssschnac nur in seinem eigenen förperlichen Leiden. Ein harinäcti⸗ gde Gichtübel verfolgte ihn; übermäßige geistige Anstrengung hatte ihm im Jahre 1823 eine Gebirn-Entzündung und, in Folge derselben, den wiederhelten Ausdruch einer Geisteskranfhen zugezogen. In Wien wurde er von Görgen 1828 völlig wieder bergestelt, und wenn auch nicht in vo er, doch in guter Kraft der gelehrten Welt und dem Staat
noch einmal zurückgegeben. Eme angenehme Digression seines späteren
Lebens waren die Reisen, welche er im Interesse der Wissenschaft un⸗ ternahm. Im Frühling 1829 reiste er in Bibliotheks⸗Angelegenheiten
nach Paris und London und 183) nach München, und der Abend sei⸗
nes Lebens erheiterte sich vorzüglich noch dadurch, daß er 1838 nach einem Aufenthalte zu Wiesbaden seine alten Freunde zu Heidelberg
wiederseben durfte.
Sein Leben, wie sein Charakter, war einfach, aber thätig, reich, Er hbat den Besten seiner Zeit nabe gestanden; der Berli⸗ ner Notabilitäten nicht zu gedenken, war er in Wien mit von Hammer
sonach ein Mann, der, ohne eigentlicher Autodidakt
1“ 8 11 111“ “ 8 88 von der Recke lebte, mit Tiedge, Böttiger und Ludwig Tieck in freund⸗ schaftlichem Umgange. Von seinem Monarchen, dem er siets mit der berzlichsten Ergebenheit anaehangen, erhielt er im Jahre 1828 den Rothen Adler⸗Orden dritter Klasse und wurde 1830 zum Geheimen Regierungs⸗Rath ernannt. Er war Mitglied zahlreicher gelehrten Ge⸗ sellscaften, besonders der Astatischen von Londen und von Paris. Nach einem solchen Leben, das gewiß den glücklichen beigezählt werden darf, erfolgte sein sanfter Tod am Weihnachtsabend, als eben die Glecken der Stadt das Fest einläuteten. Gr.
Februar. Zeitdauer St. M.
Dauer der Eisenbahn⸗Fahrten am 2.
Abgang Abgang von von Berlin. Potsdam.
Zeitdauer St. M.
8v Uhr Morgens. — 42 11 ½ *⸗ Vormitt.. 45 2 ½ „» Nachmitt. — 45 „ „ Abends. — 58 „ „ — 51 „
Um 7 Uhr Morgens.. 87 „ 10 „ Vormitt... 50 Nachmitt.. 55
„ 8 45 Abends.. 37
„ 6 „ 10
Die lange Dauer der Fahrt üm 7 ½ Uhr Abends von Potsdam wurde dadurch veranlaßt, daß der Zug wegen des Schneewehens einer Reserve. Maschine von Berlin bedurfte, und das Signal hierzu von einem Bahnwärter lange Zeit übersehen wurde. Wegen der späteren
erst 38 Minuten später abgehen.
Meteorologische Beobachtungen. Morgens Nachmittags Abends Nach einmaliger 6 Uhr. 2 Uhr. 10 Ubr. Beobachtuna.
1841. 2. Februar.
310,86“%Par. 340, 75"„Par. 340,00 „Par. Quellwärme 6,6 0 R. — 6,5 0 R. — 5,40 R. — 10,0 0 R. Flußwärme 0,00 R. — 7,90 R. — 7,20 R. — 11,2 0 R. Bodenwärme 1,8 0 R. 89 pEt. 84 vpCt. 90 vCt. Ausdünstung 0,022“ Rh. Schnee. heiter. heiter. Niederschlag 0. O. O. O. Waͤrmewechsel — 5,19°. Wolkenzug ... — O. — — 10,2 °. Tagedmittel: 340,37“ Par. — 7,4 0 R... — 8,5 0 R.. 88 pCt. O.
Aus NuntIIB8 FUrankfurt a. M., 31 Januar. 21 ½ %, Hell. 49 h 6 G. Bank-Actien 1950 G. 24 1 G. Poln. Loore 731 ⁄1¶ G. Taunush. Act. 335 ½1. Hlambauarg, 1. Februar. kank-Actien 1615. Eugl. Russ. 100½ Paris. 29 Januar 5 % Kente fip cour I112. 40. 3 % Kente fin cour. 77 au compt. 101. 60. 5 % Span. Keunte 25 ⁄1⁄. Passive 6 ½1. 3 % ort. —.
1
5 %, Span.
Petersburg, 26. Januar. Lond. 3 Met. 397/1 Hamb. 34 ⁄. Parm 400. 300 Ft. 68 ⁄½. do à 5,0 72 ½ Wien, 29. Januar. % Met. 11,0./h. 4 % 99 , 89 . 2 ½ % —. 1 % —. Bank-Actin 1637. Aul. de 1834 138 ½¼. de 1839 110 ¼.
Peoln. à Par.
Esnitglichs 1e19
Donnerstag, 4. Febr.. Im Schausvpielhause: Richard Sa⸗ vage, Trauerspiel in 5 Abth., von C. Gutzkow.
Freitag, ö. Febr. Im Opernhause: Iphigenia in Tauris, große Oper in 4 Abih., mit Tanz. Musik von Gluck. (Dlle. A. Löͤwe: Iphigenia.)
Im Schauspielhause: Franzoͤsische Vorstellung.
Sonnabend, 6. Febr. Im Schauspielhause: Egmont. Trauer⸗ spiel in 5 Abth., von Goethe.
Sonntag, 7. Febr. Im Ovpernhause: Die Flucht nach der Schweiz, S inaspiel in 1 Akt. Musik von F. Kuͤcken. Herauf: Robert und Vertrand, pantomimisches Ballet in 2 Abth., ven Hoguet. Musik von H. Schmidt. Im 2ten Akte: Bolero, aus⸗ gefuͤhrt von den Spanischen Taͤnzern Dlle. Dolores⸗Serral und dem Herrn Camprubi, den Damen Taglioni, Pollin und den Herren Taͤglioni und Gasperini. —
Im Schauspielhause: Die Vertrauten, Lustspiel in 2 Abth., von Muͤllner. Hierauaf: Erziehungs⸗Resultate, Lustspiel in 2 Abth., von C. Blum.
Am Freitag, den 12. Febr, wird im K. Opernhause eine große Redoute statrfinden. Zur Unterhaltung das⸗ dieselbe be⸗ suchenden Publikums werden, zum Theil durch das Per onal des K Ballets, verschiedene Aufzuͤge und Quadrillen ausgefuͤhrt werden, mit deren Anordnung die Herren Hoguet und Gropius beauftragt worden sind. Das Naͤhere soll spaͤter angezeigt und vorlaͤufige Anmelounen zu Billets à 1 Rthlr. von den Kastella⸗ nen des Opern⸗ und Schauspielhauses notirt werden. “
Koͤnigsstaͤdtisches Theater.
Donnerstag, 4. Febr. Die Juͤdin. Oper in 4 Akten, nach dem Franzoͤsischen des Scribe, von Friederike Elmenreich. Musik von Halevy. (Herr Wild, K. K. Hof⸗Opernsaͤnger zu Wien: Eleasar, als Gast) Freitaa, 5. Febr. Engel und Daͤmon. Lustspiel in 3 Akten, frei nach Courcy und Dupeuty bearbeitet von Forst und Lentner. Hierauf: Letzte Vorstellung der Gebruͤder Graffina (vor ihrer Abreise nach Petersburg), in 2 Abth.
Verantwortlicher Redacteur Dr. J. W. Zinkeisen. Gedruckt bei A. W. Hapn.
8
Ia2F ere.vSnn..
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Allgemeiner Anzeiger fuͤr die Preußischen Staaten.
[hinlänglich legitimirte Gevollmächtigte erscheinen, der bestellten Kontradiktor binnen sechs
959
Abwesende das ihm zugehörige Vermögen in Empfang fahrecn, zu beschließen, weorauf
Ladung
—
Carl Traugott Möckel von hier aus Danzig seinen recht darthun, die Glänbiger endlich ihre Forderungen Er hat wabrscheinlich und sonstigen Ansprüche an dem Vermögen des Abwe⸗
Aeltern die letzte Nachricht.
8 3 dung. nehme und darüber qunttire, die Erben aber sich gebüh⸗ Im Jahre 1811 gab der gemeine Sächsische Soldat rend rechtfertigen und, da nöthig, ihr Erb⸗ und Näber⸗
den 2 5. Mäaͤrz ai.
g 8 & Sbn 5 v s 8 3 Kgxxeg 4 8. 3 darauf den Russischen Feldzug mitgemacht und dabei sein senden anzeigen und ebenfalls bescheinigen, und zwar Bescheides, so wie
Leben verloren. Auf Antrag derpräsumtiven nächsten Er⸗ insgesammt unter der Verwarnung, daß im Fall des
ben wird nun dieser abwesende Möckel oder, wenn der⸗ Ausbleibeus oder resp. der nicht bewirkten Legilimation selbe nicht mehr am Leben sevn sollte, jeder bekannte und Bescheinigung der Abwesende werde für todt er⸗ oder unbekannte Erbe desselben, auch noch jeder Andere, klärt und sein Vermogen den sich gemeldeten recht⸗
den 6. Mai
der an dessen in 161 Thlr. 9 gr. 9 pf. bestehenden Ver⸗(mäßigen Erben oder Gläubigern ausgeantwortet, da⸗ den soll.
mögen aus irgend einem euene ve. 27 gve. die sich nicht gemeldeten Relikten und Kredito⸗ vermeint, hierdurch edietaleter und peremtorisch gela⸗ ren von dem Mödelschen Vermögen für ausgeschlossen vi—n niat wohnhaft sind, zur Annahme künftiger Aus⸗ fertigungen in der Sache einen Gevollmächtigten in
den, daß sie
den 1841
1 2. Februar
und ihrer Erb⸗ und sonstigen Ansprüche, endlich 2
1 )h aller⸗ 4 81 seis Vorgeladene der ihnen eiwa zustehenden Rechtz⸗ zu rechter Zeit an hiesiger ordentlicher Gerichtsstelle woblthat der Wiedereinsetzung in den vorigen Stand in Person ünd, so weit noͤthig, bevormundet oder durch für verlustig erachtet werden. Hiernächst ist mif dem
hiesiger Nähe zu bestellen.
mit der Inrotulatien der Akten zu Einholung eines Rechtsspruches oder der Abfassung eines richterlichen
darauf
mit der Publication des eingeholten Urthels oder er⸗ stheilten Bescheides sub poena publicati verfahren wer⸗ 3
Das Vermögen des Abwesenden steht endlich unter
Wochen zu ver⸗ der Verwaltung des Vormundes Christoph Möckel
zu Marienthal. 8 Obersteinpleiß, den 7. September 1840. Herrl. Pelzische Gerichte daselbst.
Johann Friedrich Dippner, G.⸗Dir. Literarische Anzeigen.
Bei Unterzeichnetem ist so eben erschienen: G8N1ö6““ über ustände und Begeben peite in der
Ei t
94 8
Uebrigens haben diejenigen Interessenten, welche alle EEE11ö1“
aus 1u“ den Jahren 1835 bis 1839. Preis 2 Thlr. 20 sgr.
Ankunft dieses Zuges in Berlin konnte der Zug um 10 Uhr von hier
4*
Angekommen: Der Fuͤrst zu Lynar, von Dredna.
E. S. Mittler, Stechbahn Nr. 3.
ng.
— -—— —
Amtl. Nachr.
Frankr. Deput. Kammer. Verhandlungen über die Befestigung von Paris. — Kampf um das Amendement des Generals Schneider. Paris. Betrachtungen des „Journ. des Déb.“ bei⸗Gelegenheit der Verhandl. über die Adresse im Engl. Parlament. — Vermischtes.
Grozbr. u. Irl. Parlam. Oberhaus. Klage geg. den Oberst Cardigan. — Behandl. der deportirten Chartisten. — Unterhaus. Erlaubniß zu Bills über das schriftstellerische Eigenthum und über das Armenwesen. — Lonvon. Stellung der Parteien in dieser Session und wichtigste Gegenstände des Parteikampfs. — Verwalt. der Insel Ceyton.
Schwed. u. Norw. Stockholm. Die in Deutsch. Blättern berich⸗ tete Mittheil. des Schwed. Gen. Kons. an Mehm. Ali unecht erklärt.
Dan. Kopenhagen. Neue Marine⸗Dampfbote.
Deutsche Bundeeost. Württemberg, Stuttgart. Vervollkomm⸗ nung des Daguerreotyp. 8
Oeiterr. Schreiben aus Wien. (Befinden der Herzog. v. Parma. — Die Nachrichten aus dem Orient.)
Seyweiz. Zürich. Urtheil der Schweiz über die Klöster⸗Aushebung im Aargau. — Der Päpstl. Nuntius legt Protest ein.
Türkei. Konstantinopel. Gerücht, wonach Ibrahim Pascha einem Türk. Pascha den Kopf abgehauen haben soll.
Aeg. Alerandrien. Mehmed Alt's Verhältniß zum Franz. Gen. Kons. — Abschaff. der Personensteuer für die National⸗Garde.
Syr. Beirut. Eine Türk. Armee⸗Abtb. ist nach Zahle aufgebrochen.
La Plata⸗Staaten. Fortschritte der Insurrection gegen Rosas und Protestationen gegen den Vertrag mit Adm. Mackau.
Inland. Berlin. Das Fest der Freiwilligen. — Halle. dertjährige Jubelfeier des St. Cyriaci⸗Hospitals.
Amtliche Nachrichten. Kronik des Tages.
Se Majestaͤt der Koͤnig haben dem Pfarrer Kaiser zu Graͤfrath den Rothen Adler⸗Orden vierter Klasse, so wie dem Schullehrer und Kantor Hindemith zu Schosdorf, Kreis Loͤ⸗ wenberg, das Allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen geruht.
Der bisheriae Stadtgerich s Assesser Sebald zu Charlotten⸗ burg ist zum Justiz⸗Kommissarius im Bezirk des Land⸗ und Stadtgerichts zu Langensalza und bei den Patrimontalgerichten des Langensalzaer Kreises, mit Anweisung semines Wohnsitzes in
Tennstaͤdt, bestellt worden. Kessrsag
Der Erb⸗Land⸗Mundschenk des Herzogthums Pommern, von Heyden⸗Linden, von Tüuͤtzpatz. 8
“ Zeitungs⸗Nachricht A Ulg
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Devputirten⸗Kammer. Sitzung vom 29. Januar. (Fortsetzung.) Die Debatte uͤber das Amendement des General Schneider nahm auch heute noch die ganze Sitzung ein, ohne daß man zum Schluß gelangte. Die Gruͤnde fuͤr und gegen dasselbe haben sich zwar so ziemlich erschoͤpft, aber der Kampf wird dadurch so anhaltend und hartnaͤckig, daß alle bedeutenden Redner der Kammer ihre Meinung abgeben wollen, und daß sie auch alle aufmerksames Gehoͤr finden, weil es gilt, das Geheim⸗ niß zu durchdringen, wer eigentlich fuͤr und wer gegen den Gesetz⸗ Entwurf ist. Nachdem in der heutigen Sitzung noch Herr von Passy das Amendement fast mit denselben Gruͤnden, wie gestern Herr Dufaure, unterstuͤtzt hatte, nahm Herr Thiers als Be⸗ richterstatter noch einmal das Wort, um die Ringmauer zu vertheidigen. Er machte besonders den Umstand geltend, daß der Feind nur etwa 50 Stuͤck Geschuͤtz beduͤrfe um die detaschirten Forts anzugreifen, daß aber zu einem Angriff auf die Mauer deren 500 benoͤthigt seyn wuͤrden. (Zeichen der Un⸗ glaͤubigkeit) Er schloß mit folgenden Worten: „Die Kommission ist einstimmig von der Vortrefflichkeit des Systems, die detaschir⸗ ten Forts und die Mauer zu errichten, uͤberzeugt; sie widersetzt sich deshalb mit Energie dem Amendement des General Schnei⸗ der. Ich bin uͤberzeugt, daß die Minister, und besonders der Conseils⸗Praͤsident, der sich schon daruͤver ausgesprochen hat, die Ansicht der Kommeission theilen. Ich habe mich im Laufe dieser Debatte zum Oefteren auf die Meinung des Conseils⸗Praͤsiden⸗
tenden Kosten, die man vorlaͤufig auf 30 Millionen Fr. geschaͤtzt habe, verbunden sey. Außerdem muͤsse man Pulver⸗Magazine errichten und die Artillerie⸗-Mannschaften vermehren. Alles zu⸗ sammengerechnet, wuͤrde die Armirung der Pariser Festungswerke etwa 43 Millionen Fr. kosten. Diese Ausgabe brauche freilich nicht mit einem Male gemacht zu werden; aber er halte es fuͤr seine Pflicht, die Kammer darauf aufmerksam zu machen, daß sie die Bewilli⸗ gungen fuͤr die Artillerie jährlich vermehren muͤsse. (Sensation.) Meh⸗ rere Stimmen: „Also auch der Koͤnigl. Kommissarius thut Alles, um gegen den Gesetz⸗Entwurf zu wirken.“ — Herr Thiers: „Ich glaubte, daß der Koͤnigliche Kommissarius hier sey, um den Gesetz⸗Ent⸗ wurf zu vertheidigen (allgemeines Gelaͤchter); aber da man nun einmal so viel von den Ausgaben spricht, die die Befestigung von Paris nach sich ziehen wuͤrde, so haͤtte man uns auch sagen muͤssen, was die detaschirten Forts, nach dem System des Gene⸗ ral Schneider, kosten wuͤrden.
Uebrigens, m. H., haben wir bei dieser Frage die groͤßte Versoͤhnlichkeit gezeigt; wir haben uns dem Ministerium zugesellt, weil es sagte, daß es den Gesetz⸗Entwurf vertheidigen wuͤrde, und jetzt gewinnt es beinahe den Anschein, als ob der Gesetz⸗Entwurf von uns ausgegangen sey. Der Mar⸗ schall Soult hat uns zu drei verschiedenenmalen erklaͤrt, daß er das Amendement des General Schneider fuͤr schlecht halte, und daß er es bekaͤmpfen wuͤrde. Er moͤge sich nun jetzt offen aus⸗ sprechen, ob er den Gesetz⸗Entwurf will, oder ob er ihn nicht will (lebhafter Beifall im linken Centrum); wir werden dann wissen, was wir zu thun haben.“ — Der Marschall Soult: „Ich glaube nicht, daß noch irgend Jemand uͤber meine Mei⸗ nung in Zweifel seyn koͤnnte. Ich hatte schon bei Vorlegung des Gesetz⸗Entwurfs erklaͤrt, daß meine Meinung vom Jahre 1833 unveraͤndert dieselbe sey, und ich habe diese Ansicht ausfuͤhrlich entwickelt. Als Minister aber fand ich die Sache
eingeleitet, und ich konnte mich einer schon begonnenen Ausgabe nicht entziehen. (Allgemeines Erstaunen. Herr Thiers gestikulirt sehr heftig.) Ich habe nur noch eine Bemerkung zu machen. (Zeichen der Aufmerksamkeit.) Ich habe allerdings erklaͤrt, daß ich die Ringmauer annehme, weil sie den detaschirten Forts eine staͤrkere Grundlage giebt. Ich habe sie angenommen, wie ich auf dem Schlachtfelde eine unerwartete Verstaͤrkung angenommen haben wuͤrde; aber dies aͤndert nichts an 1 Meinung. (Bewegung.) Es hat eine große Debatte in dieser Kammer stattgefun⸗ den, ohne daß mir dieselbe mehr Licht gegeben haͤtte. (Allgemeines Ge⸗ laͤchter.) Ich gloube, und dies ist ein wichtiger Punkt, daß jetzt alle Welt die Befestigung von Paris will. Wir freuen uns, daß die Nothwendigkeit, Paris zu befestigen, jetzt eine Nationalsache geworden ist.“ — Herr Odilon Barrot schaltete hier die Bemerkung ein, daß er im Namen der Kommission eine Mittheilung des Kosten⸗Anschlages verlangt habe, daß aber das Ministerium dieselbe verweigert haͤtte. — Der Marschall Soult: Das ist wahr; ich glaubte, daß eine solche Veroͤffentlichung ihre Uebelstaͤnde haben koͤnne; ich glaubte, daß die Bekanntmachungen der letzten Berathschlagungen des Fortifications⸗Comités eurem
erklaͤrt, daß Frankreich herabgewuͤrdigt und gedemuͤthigt sey, und
dies ist die Fenmeiich. Presse und das Franzoͤsische Parlament.
Es giebt eine Presse und ein Parlament, in welchen gesagt wird,
daß Frankreich eben so groß, eben so stark, eben so geachtet als
jemals sey, und dies ist die Englische Presse und das Englische
Parlament. Hier bei uns wird gesagt, daß Frankreich in Europa
nicht mehr mitzaͤhle, daß Alles ohne uns und gegen uns geschehe.
Das Ausland aber uͤbernimmt es, jenen Leuten zu antworten und
ihnen zu sagen: „„Nein, nichts geschieht in der Welt ohne Frank⸗
reich; wir haben zwar ohne dasselbe und trotz demselben Erfolge gehabt; aber sie werden uns zu nichts nützen, so
lange Frankreich dieselben nicht angenommen hat; 2 und
jeder Triumph wird unfruchtbar seyn, wenn er nicht von Frank⸗
reich getheilt wird.““ Man wird nicht ermangeln, uns zu sa⸗
gen, daß wir Bewunderer des Auslandes waͤren; aber wir er⸗
wiedern Jenen, die das Monopol der Nationalitäaͤt zu haben glau⸗
ben: Das Ausland hat sich Franzoͤsischer gezeigt als ihr; es hat
an eurer Stelle Schaam, Wuͤrde und Patriotismus gezeigt. Die
Englische Regierung hat die feste Hoffnung ausgedrückt, daß
Frankreich bald wieder in den Rath Europa's eintreten werde.
Es ist dies auch der Wunsch aller ehrenwerthen Maͤnner die⸗
ses Landes. Aber Frankreich steht allein, und das Gefuͤhl
dieser Lage, welche wir bedauern, ohne sie zu fuͤrch⸗ ten, floͤßt ihm eine mißtrauische Empfindlichkeit ein, die bei einem stolzen Volke leicht zu begreifen ist. Ehe es eine Initiative ergreifen sollte, die seinen Stolz verletzt, wuͤrde es lieber in seiner Isolirung verharren. Wir bleiben in derselben wahrlich nicht aus Geschmack oder aus System. Wer auch wollte sich in der jetzigen Zeit und mit unsern Sitten freudigen Herzens der allgemeinen Feindschaft preisgeben? Wir köͤnnen und werden auch nicht vergessen, daß die Englische Nation die ein⸗ zige ist, die am Tage des allgemeinen Schwankens uns die Hand gereicht hat, ohne uns zu fragen, woher wir kaäͤmen und wohin wir gingen, die einzice, die wir niemals wegen unserer Revolu⸗ tionen werden um Verzeihung zu bitten haben.“
Der Messager erwiedert auf die Drohung der „Gazette de France“, daß sie einen Verleumdungs⸗Prozeß gegen das halb offizielle Journal einleiten wolle, Folgendes: „Wir erwarten in vollkommenster Sicherheit, daß die „Gazette de France“ ihre Drohungen verwirkliche.“
Gestern fand auf dem Landhause des Herrn von Genoude, eines der Eigenthuͤmer der „Gazette de France“, von Seiten der Polizei eine Durchsuchung statt. Dieselbe bezog sich auf die kuͤrzlich veroͤffentlichten Briefe, fuͤhrte aber zu keinem Resultat.
Der Englische Botschafter, Lord Granville, hatte gestern zwei Konferenzen mit Herrn Guizot. 2
Es ist, wie es heißt, in diesen Tagen der Befehl nach Tulle abgegangen, die Madame Laffarge sofort nach dem Gefaͤngnisse von Montvpellier abzufuͤhren. .
Das Commerce macht seine Glossen daruͤber, daß auf dem letzten Ball in den Tuilerieen ein Englischer Offizier mit der Waterloo⸗Medaille im Knopfloch erschienen sey, und wundert sich,
Systeme schaden wuͤrde. (Allgemeine Bewegung. Gelaͤchter zur Rechten.) Der Koͤnigliche Kommissarius hat Ihnen uͤber den Zustand der Artillerie Aufschluß gegeben. Ich selbst hatte nichts daruͤber gesagt; wohl hatte ich mich gegen mehrere Mitaglieder der Kommission uͤber jenen Gegenstand ausgesprochen. (Herr Thiers: „Ich daͤchte, man haͤtte dem Berichterstatter dergleichen dittheilungen machen muͤssen.“) Ich hatte es ihnen nicht ver⸗ hehlt, daß ich noch andere Kredit⸗Forderungen fuͤr die Armirung der Festungswerke zu machen haben wuͤrde. Ich fuͤge nichts weiter hinzu, da ich glaube, daß die Kammer hinlaͤnglich aufgeklaͤrt worden ist. (Allgemeines Gelaͤchter. Mehrere Stimmen: „Sagen Sie Ihre Meinung uͤber das Amen⸗ dement!“) Ich werde mich uͤber das Amendement nur erst dann aussprechen, wenn die Kommission erklaͤrt haben wird, daß sie die Frage wegen der Gleichzeitigkeit der Arbeiten so versteht, wie die Regierung, und daß sie ihr bei der Leitung jener Arbei⸗ ten die vollste Freiheit laͤßt.“ Der Conseils⸗Praͤsident verließ hier⸗ auf die Rednerbuͤhne unter einem großen Tumult. Man hoͤrte mehrere Deputirten rufen: „Es ist klar, daß das Ministerium von der Ringmauer nichts wissen und das Schneidersche Amen⸗ dement angenommen sehen will. Man treibt ein unwuͤrdiges Spiel!“ Alle Deputirten verlassen ihre Plaͤtze und treten in Gruppen zusammen. Die Minister⸗Bank wird umlagert, und man sieht, daß Herr Thiers den Conseils⸗Praͤsidenten sehr lebhaft apostrophirt. Herr Passy und seine Freunde lachen. Nach einer viertelstuͤndigen Unterbrechung wird die Sitzung wieder aufge⸗ nommen. Bei Abgang der Post befand sich Herr Billault, eines der Mitglieder der Kommission, auf der Rednerbuͤhne.
Paris, 30. Jan. Das Journal des Doöbats spricht sich heute unwillig daruͤber aus, daß sich das Ministerium bei der Eroͤrterunguͤber den Fortifications⸗Entwurf allzu neutral verhalte. „Es genuͤgt nicht“, sagt dasselbe, „daß der Entwurf angenommen
ten berufen und er hat mir nicht widersprochen; ich hoffe daher, daß die Minister das Anzendement neuerdings bekaͤmpfen und daß sie neue und bessere Gruͤnde als ich gegen dasselbe vorbringen werden.“ — Diese Arußerung des Berichterstatters, die einige Besoraniß, sowohl hinsichtlich der Stimmung des Kabinets als des Schicksals des Gesetz⸗Eutwurfs, durchblicken ließ, brachte die Kammer in Aufregung; aber da es schon 7 Uhr Abends gewor⸗ den war, so verließ der groͤßte Theil der Mitglieder den Saal, und der Marschall Soult bat seltst den Praͤsidenten, die Debatte auf morgen zu verschieben, wo er sich uͤber das Amendemen aussprechen wolle.
— Sitzung vom 30. Januar. Nachdem zu Anfana der heutigen Sitzung der General Schneider sich mit kurzen Wor⸗ ten von dem Vorwurfe zu reinigen gesucht hatte, daß er das Amendement nur vorgelegt habe, um den ganzen Gesetz⸗Entwurf zum Scheiter zu bringen, glaubte man, daß der Conseils⸗Praͤsi⸗ dent die Rednerbuͤhne besteigen wuͤrde Derselbe erklaͤrte aber von seinem Platze aus, daß der Koͤnigliche Kommissarius, Herr Tugnot de Lannoye, einige Explicationen zu geben habe. Die⸗ ser erklaͤrte, daß das Artillerie⸗Material leider unzulaͤnglich sey
wird; er muß auch mit dem Gedanken der Regierung, unter der Fahne des Ministeriums und seiner Politik angenommen werden; wo nicht, so wird durch ein beklagenswerthes Mißverständniß der Erfolz des Gesetzes in den Augen Frankreichs und Europa's als ein Triumph der kriegerischen und der revolutionairen Partei angesehen werden.“ 1
Bei Mittheilung der Debatte uͤber die Adresse im Englischen Parlament, aͤußert sich das Journal des Débats in folgender Weise: „Wir theilen diese Debatten deshalb ausfuͤhrlich mit, damit unser Land erfahren moͤge, welchen Glauben die taͤglichen Declamationen unserer extremen Parteien verdienen. Waͤhrend wir hier bestaͤndig wiederholen hoͤren, daß Frankreich von dem Range herabgesunken sey, den es in der Welt eingenommen habe, empfinden wir eine Art eifersuͤchtiger Traurigkeit, wenn wir sehen, wie es durch die Häande derer rehabilitirt wird, die es bekeͤmpft haben. Warum muͤssen immer die Streiche, die gegen uns gefuͤhrt werden, von uns selbst ausgehen? Warum muͤssen wir von unsern Gegnern uͤber die Achtung belehrt werden, die wir uns selbst schuldig sind?
und daß die Armirung der Festungswerke von Paris mit bedeu⸗
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Es giebt in der Welt eine Presse und ein Parlament, wo man
daß man sich solch eine Irreverenz gefallen lasse. Man versichert uͤbrigens, daß auf diesem Balle eine große Menge Silberzeug, Tischzeug, Kristallglaͤser u. s. w. gestohlen worden sey, und daß sich die Polizei des Schlosses alle moͤgliche Muͤhe gebe, um die Diebe zu entdecken. Die Dienerschaft glaubt man nicht bearg⸗ woͤhnen zu koͤnnen, da dieselbe schon seit langer Zeit Livréen ohne Taschen hat. Boͤrse vom 30. Januar. Man erwartete, von einem Augenblicke zum andern die Entscheidung uͤber das Schneidersche Amendement zu vernehmen. Die kleinen Kapitalisten, welche ihre Renten aus Besorgniß vor einer Renten⸗Konversion und einem Kriege verkauft hatten, fangen wieder an, sich den Renten heute wurden von ihnen besonders viele öproc.
ge „ Großbritanien und Irlahhh.
Parlamentsverhandlungen. Oberhaus. Sitzung vom 28. Januar. Nach Vereidigung eines neuen Pairs, des Gra⸗ fen Somers, verlas der Lord⸗Kanzler ein Schreiben des Rich⸗ ters Bosanguet, worin das Oberhaus benachrichtigt wird, daß die große Jury in der letzten Session des Central⸗Kriminal⸗Ge⸗ richts von Middlesex den Oberst Grafen Cardigan wegen seines
Duells mit dem Lieutenant Tuckett in Anklagezustand versetzt habe, indem sie ihn schuldig befunden, seinem Gegner nach dem Leben getrachtet zu haben.
Das Oberhaus wird nun, da Graf Cardigan Pair ist, uͤber die Gerichtsbarkeit, der er sich zu unterwerfen hat, zu entscheiden haben, ob es naͤmlich glaubt, daß dieser Prozeß nur vor dem Oberhause gefuͤhrt werden
Gerichtshofes Folge zu leisten habe. Es wurde daher auf den
Antrag des Lord⸗Kanzlers beschlossen, daß alle Pairs zu einer Kommission zusammentreten sollten, um die in jener Hinsicht be⸗ stehenden Reglements zu pruͤfen und uͤber die Frage zu entschei⸗ den. Dann erklaͤrte Lord Melbourne auf eine an ihn gerich⸗ tete Frage, daß das Ministerium keine Maßregel zur Erledigung des Streits zwischen der Schottischen Kirche und den Schottischen Gerichtshoͤfen in Betreff des Kirchen⸗Patronats einzubringen be⸗ absichtige.
Oberhaus. Sitzung vom 29. Januar. Lord Wharn⸗ (ecliffe brachte die Behandlung der Chartistischen Straͤflinge Frost, Williams und Jones zur Sprache, uͤber die in den oͤffentlichen
V duͤrfe, oder daß Graf Cardigan der Vorladung eines anderen
Blaͤttern schon die Rede gewesen, und wuͤnschte von dem Mini⸗
sterium daruͤber Aufschluß zu erhalten. Diesen ertheilte ihm der Minister des Innern, Marquis von
er erklaͤrte, daß die Regierung die Strafe der tion, in welche die uͤber jene Chartisten verhäͤnge vhn 882 Todesstrafe gemildert worden, ganz in der 8 Art gegen sie habe vollziehen lassen, 822 10 nchcss; schied zwischen ihnen und anderen “ Sv, n daß keine besondere Instructionen zu ihren in der Verbrecher⸗ worden seyen, und daß, wenn Frost vielleicht
auft. 3 8
Normanby, indem
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