1841 / 38 p. 2 (Allgemeine Preußische Staats-Zeitung) scan diff

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1Fb 1 e“ teren die Schuld an diesem Ungluͤcksfall beigemessen. Die „Bri⸗ tannia“ aber gehoͤrte derselben Compagnle, deren Eigenthum der „James Watt“ ist. Die Beschlagnahme des letzteren zu Havre ist fuͤr diese Compagnie ein bedeutender Schaden. Auch der Capitain, die Mannschaft und die Maschinisten des Fahrzeuges sind zu Havre zuruͤckgehalten worden, und man hat ihnen nicht gestatret, den dortigen Hafen zu verlassen. Die Eigenthuͤ⸗ mer des „James Watt“ und der „Britannia“ haben gegen dies ganze Verfahren, als ein gesetzwidriges, protestirt und bestreiten 8. Peesugnis des Franzoͤsischen Handels⸗Tribunals zur Einmi⸗ schung in diese Sache, weil die General Dampsschifffahrts⸗Gesell⸗ schaft nur aus Britischen Unterthanen besteht, die also auch nur

Englischen Gerichtshoͤfen Rede und Antwort zu stehen haͤtten. Die Gesellschaft hat dieserhalb eine Vorstellung an die Britische Regierung gerichtet, in welcher sie foͤrmlich die Zuruͤckforderung des „James Watt“ und die Befreiung seiner Mannschaft verlangt haben soll. Man besorgt, daß diese Angelegenheit zu neuen Ver⸗ wickelungen zwischen der Franzoͤsischen und der Englischen Re⸗ gierung Fäühren duͤrfte. . In Folge des allgemein verbreiteten Geruͤchts, daß die Mi⸗ nister bald eine Anleihe wuͤrden negoziiren oder Schatzkammer⸗ scheine fundiren muͤssen, haben im Leus dieses Morgens mehrere Fonds.Verkaͤufe an der hiesigen Boͤrse stattgefunden. Ein Mäaͤkler verkaufte allein fuͤr 60,000 Pfd. Consols, was den Cours etwas herunterdruͤckte.

Die Wahl zu Kirkaldy in Schottland ist zu Gunsten des

Whigs, Oberst Ferguson, ausgefallen; Dr. Bowring, der das In⸗ reresse der Radikalen vertrat, hat das Feld raͤumen muͤssen.

Die letzten Ueberschwemmungen der Fluͤsse in England wa⸗ ren theilweise furchtbarer, als man sich seit Menschengedenken er⸗ innert; der suͤdliche Avon riß in zwei Doͤrfern in Wiltshire 38 Heaͤuser mit fort. . Deieser Tage starb auf der Insel Wight der General⸗Major

Sir Henry Worsley, Mitglied des militatrischen Bath⸗Ordens, im 73sten Jahre seines Alters. 88g

Belgien. ““ ** Bruͤssel, 31. Jan. Die Diskussion des Budgets schrei⸗ tet langsam voran, obgleich die Hauptfragen, deren Loͤsung man von der diesjaͤhrigen Sitzung erwartet, noch gar nicht vorgekom⸗ men sind. Die Opposition hatte das Budget des Ministers des Innern als Texrain zur vorlaͤufigen Messung der Streitkräͤfte gewaͤhlt.

versoͤnlichen Motive, die ihre Anfuͤhrer beseelten, hatten sich zu

auffallend herausgestellt, als der fruͤhere, jetzt an der Spitze der Oppofition stehende Minister des Innern, Herr de Theux, der bis dahin stets mit unausgesetzter Regelmäßigkeit den Sitzungen beigewohnt und eben so regelmaͤßig bei jedem Haupt⸗Artikel Schwierigkeiten gegen die Annahme gemacht hatte, gerade an dem Tage wegblieb, als die fuͤr die Industrie so wichtige Frage der fuͤnfjaͤhrigen Ausstellung erörtert wurde, die er selbst durch ein Koͤnigl. Dekret wahrend seines Ministeriums festgestellt, und die er vor allen anderen, schon in Ruͤcksicht auf das Ansehen der Koͤnigl. Praͤrogative, haͤtte vertheidigen sollen. Seine Gegner ermangelten auch nicht, diese Abwesenheit der Kammer bemerklich zu machen. Die Summe wurde votirt und am anderen Tage konnte sich Herr de Theux in der Kammer von einer wesentlichen Meinungs⸗Veraͤnderung überzeugen, die sich auch durch ein neues Votum fuͤr die vom Kabinet beantragte Reorganisirung des hiesigen Museums der Industrie zu erkennen gab. Man darf uͤberhaupt nicht vergessen, daß in Belgien eine systematische Opposition selbst innerhalb der Kammer nicht beliebt ist. Es ist dieses ein Zug, der die Belgi⸗

sche Deputirten⸗Kammer vor der Franzoͤsischen und Englischen

nach unserer Meinung vortheilhaft auszeichnet. Waͤhrend des vorigen sechsjaͤhrigen Ministeriums, welches am Ende mit ent⸗ schiedenem Mißfallen und selbst von den Freunden mit Mißmuth zertragen wurde, ging die Opposition doch nie in eine systematische üͤber. Das Benehmen des fruͤheren Ministers gegen das jetzige Kabinet konnte daher keine Billigung finden und bewirkte in der Kammer eine um so groͤßere Bereitwilligkeit, den an sich gerech⸗ ten Antraͤgen Gehoͤr zu geben. Das Budget wurde am Ende mit großer Majoritaͤt angenommen. Das darauf folgende Bud⸗ get des Finanz⸗Ministers hat bis jetzt wenig Modificationen erlitten. 8 Der Gegenstand, womit die Kammer sich in den letzten Tagen vorzuͤglich beschaͤftigte, ist die fuͤr die constitutionellen Staa⸗ ten so wichtige und fuͤr Belgien jetzt zum erstenmale in ihrer Allgemeinheit der Diskussion unterworfene Pensionen⸗Frage der Staatsdiener. Allein nach mehrtaͤgigem Hin⸗ und Herreden, wo⸗ bei die verschiedensten Systeme zum Vorschein kamen, wurde der Finanz⸗Minister beauftragt, nach genauer Erwaͤgung der ganzen finanziellen Lage eine Totalsumme anzugeben, die fuͤr Pensionen verwandt werden koͤnne. Wenn mau von dem Gesichtspunkt aus⸗ geht, daß es eine Pflicht fuͤr den Staat sey, seinen Beamten nach angemessener Dienstzeit eine Pension zu verleihen, so haͤtte wohl die Kammer mit der Erwaͤgung der Lage der zu pensionirenden Personen nach den verschiedenen Kategorieen den Anfang machen und ihnen dann aussetzen muͤssen, was Pflicht ist; aber groͤßtentheils wird nach dem Franzoͤsischen Liberalismus der Staat, wenigstens in der Administration, als ein Privatmann betrachtet, der seine Diener fortschickt, wenn er sie nicht mehr gebrauchen will oder kann. emein Pensionirung als ein Akt der Großmuth angesehen worden, dem Umstäͤnde eine gröͤßere oder geringere Ausdehnung geben koͤnnen.

ö der liberalen Seite haben bis jetzt dieses Argument stets mit Stillschweigen beantwortet. Es waͤre aber doch zu wuͤnschen, daß dieser Punkt, der ein wichtiges Verhaͤltniß zwischen Staat und Kirche beruüͤhrt, einmal eine gruͤndliche Eroͤrterung vom ju⸗ sowohl, als vom politisch⸗administrativen Standpunkte erhielte.

Der Minister der oͤffentlichen Arbeiten und des Unterrichts hat den Kammern seinen jaͤhrlichen Bericht uͤber die zwei Staats⸗ Universitaͤten von Luͤttich und Gent, so wie auch uͤber die ihnen und den beiden freien Universitaͤten von Loͤwen und Bruͤssel ge⸗ meinsamen Resultate der oͤffentlichen Pruͤfungen vorgelegt. Wir werden spaͤter bei Gelegenheit der Kammer⸗Diskussion auf diesen wichtigen Gegenstand zuruͤckkommen. Der Minister verhehlt es nicht, daß die Lage der beiden Staats⸗Universitaͤten, von denen

ven der Spezialschulen abgerechnet) zaͤhlt, nichts weniger als bluͤ⸗ hend ist; stehen sie doch der katholischen Universitaͤt, die von mehr als 400 Studirenden und der freien Untversitaͤt in Bruͤssel, die von fast 300 Studirenden besucht wird, zuruͤck.

Universitäͤt eine Pretention, die, wenn ihr willfahrt wuͤrde, dieser Anstalt ein entschiedenes Uebergewicht geben und ihre Macht und Unabhaͤngigkeit konsolidiren wuͤrde. Man versichert naͤmlich, daß vor einigen Tagen diese Universitaͤt bei der Regierung das Ge⸗ such eingereicht habe, als Civil⸗Person anerkannt zu werden, mit dem daraus fließenden Rechte, Guͤter zu erwerben, Dotatio⸗ nen anzunehmen u. s. w. Das/ Kabinet wird ohne Zweifel darin die Veranlassung finden, die Lage des von der Geistlich⸗ keit bis jetzt noch unabhaͤngigen Unterrichts, so wie die der Staats⸗Universitaͤten insbesondere schaͤrfer ins Auge zu fassen, die Gefahr ihres bevorstehenden gaͤnzlichen Unterganges reiflich zu erwaͤgen und sich die Frage zu stellen, ob nicht die Centralisi⸗

maͤchtigen katholischen Lehr⸗Anstalt wetteifern zu koͤnnen.

hier der Hoffnung der Aufrechterhaltung des Friedens. beim Londoner Hofe akkreditirte Minister, Herr van de Weyer, der jetzt auf kurze Zeit hier ist, scheint gar nicht darau zu zwei⸗ feln. Besorgnisse verrathen koͤnnte. land wurde im ersten Augenblicke mit mannigsachem Bedenken

Das Resultat war fuͤr sie nicht gluͤcklich gewesen. Die aufgenommen; allein der ministerielle Kommentar hat dieselben

doch groͤßtentheils wieder gehoben. Norwegen.

Schweden und 2

Christiania, 25. Jan. (L. A. Z.)

So ist denn auch im Allgemeinen von der Kammer die

—„ . Die Wortfuͤhrer der katholischen Seite (besonders die der demo⸗

kratischen Fraction) so wie auch das „Journal de Bruxelles“ ha⸗ ben diese Gelegenheit ergriffen, um daran ein von ihnen schon mehrfach beruͤhrtes Thema zu knuͤpfen, den Satz naͤntlich, daß die Besoldung der katholischen Geistlichkeit von Seiten des Staats nicht als solche, sondern nur als eine gerechte Entschaͤdigung fuͤr

die ihr in der Franzoͤsischen Revolution emrissenen und zum Na⸗ tional⸗Eigenthum geschlagenen Guͤter angesehen werden muͤsse.

Diese Argumentation scheint sich besonders gegen eine von den Liberalen theilweis, jedoch noch nie in der Kammer geaͤußerte Meinung zu richten, wonach bei der gaͤnzlichen Unabhaͤngigkeit der Kirche vom Staate auch die Besoldung nicht ihm, sondern den respektiven Glaubensgenossen jeder Religion zur Last fallen sollte. Die katholischen Demokraten scheinen nun das Prinzip anzuerkennen, es aber auf dem angegebenen Wege uingehen zu wol⸗ len. Allein ohne uns hier in den Streit einzulassen, duͤrfte man doch denjenigen, die selbst revolutionaire Grundsatze anzunehmen kein Bedenken getragen haben, das Recht verweigern, die in der Fran⸗ zöstschen Revotution vorgenommene Nationalisirung der geistli⸗

V I

V

beaeen veee benßen elter hen und daraus 1 Guͤter als eine Gewaltthat geltend zu mach araus vFan. 30 Ei : Fhe dte Geistlichkeit ein von allen Prinzipien der Staats⸗Verwal, zehn⸗Thalerfuße ausgepraͤgt. In Kupfer sollen 130 Einheller⸗

stuͤcke eine Mark wiegen, Stuͤcke von zwei und mehreren Hellern

aͤngiges Recht einer die Besoldung vertretenden Ent⸗ 8en.deen In der Kammer ist dieser Grundsatz nun schon mehrmals gehoͤrt worden; seine Anhaͤnger wollen jetzt daraus gar für die katholischen Geistlichen das Recht acghan ei der Pensionirung ihr volles Gehalt zu beziehen, g. erg. andere Klassen sich mit der Haͤlfte begnuͤgen sollen. Die Redner

Deutsche Bundesstaaten Muͤnchen, I. Febr. (Muͤnch. polit. Ztg.)

Von Ruͤstungen im Lande hoͤrt man nichts, was irgend Die Rede der Koͤnigin von Eng⸗

So eben erhalten wir aus Stockholin die Nachricht von der Ernennung des Staats⸗ Ministers Löwenskjold zum Statthalter Norwegens und des Oberst-⸗ Lieutenants Mannsbach zu seinem Nachfolger im Ministerium.

Die von der

die eine nur 142, die andere 182 wirkliche Studirende (die Ele⸗

u Bei dieser Lage der Dinge erhebt sich immer noch von Seiten der katholischen

rung in eine einzige wohlausgestattete Universitaͤt das nothgedrun- gene Mittel ist, eine Staats⸗Universttaͤt zu behalten und mit der noch lebenden Husaren⸗Offiziers als Zeugen der Wahrheit in die⸗ Was die auswaͤrtige Politik betrifft, so uͤberlaͤßt man sich Unser

„Allgemeinen Zeitung“ mitgetheilte Nachricht von dem am 14ten

d. M. erfolgten Adschlusse eines Vertrags zwischen der Koͤnigl.

Bayrischen, der Koͤnigl. Saͤchsischen und Herzogl. Sachsen⸗Alten⸗ burgischen Regierung zur Herstellung einer die Staͤdte Nuͤrnberg und Leipzig verbindenden Eisenbahn koͤnnen wir zufolge den von uns eingezogenen zuverlaͤssigen Erkundigungen ihrem vollen In⸗ halte nach bestaͤtigen, und wir zweifeln nicht, daß dieselbe nicht nur in Bayern, sondern in ganz Deutschland den freudigsten Wiederhall finden werde. Bereits sind die Ratificationen dieses Vertrages zwischen den betreffenden Regierungen ausgewech⸗ selt worden, und es laͤßt sich nun mit Zuversicht erwarten, daß die Ausfuͤhrung des Werkes unverweilt vor sich gehen werde. Seine Folgen fuͤr den Handelsverkehr und die engere Verbindung Nord⸗ und Suͤddeutschlands sind, wie schon ein fluͤchtiger Blick auf die Karte lehrt, von der hoͤchsten Bedeutung. Indem die Bahn zwei der wichtigsten Handelsstaͤdte Deutsch⸗ lands verbindet, welche zugleich die Hauptmittelpunkte bilden, in denen sich der Deutsche Postenlauf konzentrirt, durchschneidet sie nicht minder durch Gewerbthaͤtigkeit, als Fruchtbarkeit ausgezeich⸗ nete und stark bevoͤlkerte Gegenden, beruͤhrt in Bayern Erlangen, Bamberg und Hof, in Sachsen Plauen und Altenburg, und verheißt durch die Naͤhe des Ludwigskanals dem Handel der Donau⸗- und Maingegenden einen erhoͤhten Aufschwung. Eine noch universellere Beziehung erhaͤlt aber die projek⸗ tirte Bahn, wenn man sie unter dem Gesichtspunkte des Deutschen Eisenbahn⸗Systems betrachtet, fuͤr des⸗ sen allmaͤlige Durchfuͤhrung sie eine, solide Grundlage und eine sichere Gewaͤhrschaft der Zukunft bietet, da nicht leicht Verbindungspunkte gewahlt werden konnten, von wo aus eine so vortheilhafte, alle Interessen und Wuͤnsche gleich befriedi⸗ gende Entfaltung jenes Systems moͤglich gemacht worden waͤre. Senden wir endlich den Blick in noch weitere Kreise, so⸗ begeg⸗ net uns durch den Zusammenhang dieses Unternehmens mit dem Ludwigs⸗Kanal und der Donau⸗Dampfschifffahrt selbst eine neue

Erleichterung des Verkehrs des Occidents mit dem Orient, welche

in Bilbao zu

die erfreulichsten Aussichten fuͤr Handel und Kultur verheißt. Erwaͤgt man, wie Großes schon durch die Gruͤndung des Zoll⸗ Vereins geschehen, welche Vortheile ferner namentlich fuͤr Bayern durch das folgenreiche Unternehmen des Ludwigs⸗Kanals und nun neuerdings durch diese unstreitig den wichtiästen der neueren Zeit beizuzaͤhlende Eisenbahn⸗Anlage hervorgehen werden, so muß das Vaterland mit dem ehrfurchtsvollsten Danke zu dem hochsin⸗

nigen Monarchen aufblicken, dessen Einsicht und kräftiger Wille

nach jeder Seite hingewendet dem Handels⸗Verkehr und der In⸗ rier fielen als Gefangene in die Haͤnde Ibrahim's, der sie un⸗

dustrie eine nicht minder beharrliche und sorgfaͤltige Pflege an-

gedeihen laͤßt, als sie die Wissenschaft und Kunst durch Ihn ge⸗ funden. .“

Dresden, 1. Febr. Der Koͤnigl. Belgische General⸗Major Willmar hat heute dem Koͤnige in einer Partikular⸗Audienz

bevollmaͤchtigter Minister des Koͤnigs der Belgier am hiesigen Hofe uͤberreicht. Kassel, 30. Jan. Die Gesetz⸗Sammlung enthaͤlt das Ge⸗ setz vom I8ten d. M. uͤber das Muͤnzwesen. t- Inhalt desselben ist solgender: Die Grundlage des Kurhessischen

8 8

8 8 1“ Muͤnzen sollen nie unter den ihnen beigelegten Werth herabgesetzt werden. Diejenigen Muͤnzen, welche, in Folge laͤngerer Circula⸗ tion und Abnutzung, eine erhebliche Verminderung des ihnen ur⸗ spruͤnglich zukommenden Metallwerths erlitten haben, so wie die, welche zu dem gesetzlichen Muͤnzfuße nicht passen, sollen allmaͤlig Einschmelzen eingezogen werden. Die neue Eintheilung des

halers tritt mit dem I. Januar 1842 ein. Die bisherige enn:; wird vom Ablaufe des April 1842 an unguͤltig, kann aber bis dahin bei den oͤffentlichen Kassen eingetauscht werden.

Hamburg, 3. Febr. In der vorigen Nacht verschied nach langem schmerzlichen Krankenlager der Koͤnigl. Großbritanische Geschäͤftstraͤger und General⸗Konsul, Henry Canning. Sein Ver⸗ lust wird von den Bewohnern Hamburgs, wo er seit sechzehn Jahren sich allgemeine Liebe und Hochachtung erworben, tief empfunden werden. 8

Osghiree.

Wien, 31. Jan. Die Zaͤhlung der Bevoͤlkerung von Wien im vorigen Jahre ergiebt die Gesammtzahl von 357,927 Seelen; darunter sind Einheimische 204,298, Fremde aus den konskribir⸗ ten Provinzen 122,489, und den nicht konskribirten (Ungarn und Siebenbuͤrgen) 13,677, und Ausländer 17,463. Die Zahl der Haͤuser ist 8343, der Wohn⸗Parteien 81,172. Nach dem Stande zaͤhlt man 704 Geistliche, 3340 Adelige, 5453 Beamte und Ho⸗ noratioren, und 10,596 Kuͤnstler, Akademiker und Gewerbe⸗ treibende.

Die Wiener Zeitung theist eine Berichtigung wegen des Anlasses der Erbauung von dem in unserer Umgegend (in der Bruͤhl) liegenden, faͤlschlich „der Husaren⸗Tempel“” genannten

Monumente mit, da es allgemeine Sage, der Feldmarschall Fuͤrst

Liechtenstein habe denselben den Gebeinen seiner Lebensretter in der Schlacht von Wagram gewidmet. Der Artikel erwaäͤhnt des

ser Sache, welcher der stete Begleiter des Fuͤrsten Johann in den Schlachten von Wagram und Aspern war, und der kein an⸗ derer ist, als der Feldmarschall⸗Lieutenant Graf Fiquelmont, nun an der Seite des Fuͤrsten Metternich und in der Konferenz wirkend.

Der Niederoͤsterr. Regierungsrath Anton Taulow Ritter von Rosenthal ist zum Praͤses des protestantischen Konsistoriums Augsburgischer und Helvetischer Konfession in Wien ernannt worden.

Italien.

Rom, 21. Jan. (A. Z.) Man ist hier aͤußerst ungehalten uͤber das widerrechtliche Verfahren der Spanischen Regentschaft gegen den geachteten Arellano, welcher sich bekanntlich als Vice⸗ Nuncius wegen der Dispensen und zugleich als Dekan des dor⸗ tigen geistlichen Gerichts (Rota) in Madrid aufhielt. Der lang erwartete Herr Zea Bermudez ist endlich hier eingetroffen. Man sagt, die Koͤnigin⸗Wittwe von Spanien werde nun auf laͤngere Zeit hier verweilen. .

Auf dem gestrigen Ball des Russischen Gesandten erschien die Herzogin von Cambridge zum erstenmal in den hiefigen diplomatischen Cirkeln. 8 1A.““

Spunien. 1

San Sebastian, 241. Jan. Die Provinzial⸗Versammlung von Guipuzcoa hat eine Vorstellung an die Regierung gerichtet, um die Zuruͤcknahme des Dekrets vom 5. Januar, wodurch das Pase foral aufgehoben wird, zu verlangen. Außerdem sind vier Kommissarien ernannt worden, die nach Madrid gehen und sich mit der Regierung uͤber die Modisizirung der Fueros berathen sollen. Die Provinzial⸗Versammlung von Biscaya hat sich am 20 sten ebenfalls versammelt, um sich mit denselben Gegenständen und namentlich mit der Ordonnanz zur Aufhebung des Entrepot chaͤftigen.

Türkte 8 1I11114X“4“ 2* In Bezug auf die Enthauptung Scherif Pascha's mel⸗ det ein Korrespondent der Leipz. Allg. Ztg. aus Konstanti⸗ nopel vom 13. Januar: „Man giebt verschiedene Gruͤnde an, die Ibrahim zu dieser blutigen That bewogen haben sollen. Ein

Bruder Scherif Pascha's, der aus den Diensten Mehmed Ali's

in die des Sultans uͤbergetreten ist, befindet sich hier. Derselbe soll an Scherif Pascha einen Brief gerichtet haben, worin er ihm schildert, wie gut er hier aufgenommen worden, und ihm anraͤth, sich auch so bald als moͤglich unter den Schutz seines rechtmaͤßi⸗

gen Herrschers zu begeben; diesen Brief soll Ibrahim Pascha

aufgesangen, darauf den Scherif Pascha in sein Zelt beschiede und ihm den Brief vorgelegt haben; waͤhrend der nichts Schlin mes ahnende Gouverneur mit dem Lesen desselben beschaͤftigt war, soll Ibrahim Pascha ihn enthauptet haben. Diese Darstellung wuͤrde uns unter allen anderen als die wahrscheinlichste vorkom⸗ men, wenn wir die Sache nicht noch einfacher durch Ibrahin Pascha's bestaͤndige Trunkenheit, waͤhrend welcher er allerlei Graͤuelthaten ohne irgend einen Grund veruͤtb, zu erklaͤ⸗ ren wuͤßten. daß Zekeria Pascha an der Spitze von 12,000 Mann Ibrahim Pascha angegriffen und von diesem voͤllig vernichtet worden sey; die Wahrheit ist Folgendes. Eine geringe Anzahl Syrischer I. surgenten, durch ihren Muth zu weit getrieben, griff eine Abthe⸗ lung von Ibrahim's Truppen an; eine starke Abtheilung Kava lerie kam den Angegriffenen zu Huͤlfe und viele der braven Sy

barmherzig niedermetzeln ließ. Starke Truppen⸗Abtheilungen sammeln sich bei Zahle, die bestimmt zu seyn scheinen, Ibrahim

Pascha anzugreifen. Es muß sich nun bald entscheiden, ob Meh⸗

med Ali sich wirklich unterwerfen will oder nicht.

Auch wird

sich herausstellen, inwiefern die Meinung vieler wohlunterrichte

ter Personen, Mehmed Ali sey ein heimlicher Feind Ibrahim

8 8 613ℳ— Sg . nuscso . ZNo IPo 7 9 Ar erd 8 sein Beglaubigungs⸗Schreiben als außerordentlicher Gesandter und und wuͤnsche nur, denselben auf eine bequeme Art loszuwerden,

begruͤndet ist. Wenn Mehmed Ali sich in Aegypten unterwirft

und das Thun und Treiben Ibrahim's in Syrien nicht aner⸗ kennt, denselben seinem Schicksale uͤberlassend, so unterliegt die Sache keinem Zweifel mehr.“

Der wesentlichere

Muͤnzwesens bildet die Silberwaͤhrung mit dem Muͤnzgewichte

der Mark zu 233 853 1090 Grammen. Der Landes⸗Muͤnzfuß ist der Vierzehn⸗Thalerfuß.

nach Verhaͤltniß. In Gold sollen 35 einfache Pistolen (Frie⸗

drich⸗Wilhelmsd'or) eine Mark wiegen und 260 Graͤn feines Gold enthalten. Der Thaler wird in 30 Groschen, der Groschen in zwoͤlf Heller eingetheilt. Im 24 ½ Guldenfuße betraͤgt der Werth des neuen Groschens (% Thaler) 3 ½ Kreuzer. Die Kurhessischen

Die Scheidemuͤnze wird im Sech⸗

Man schreibt aus Malta vom 16. Januar: „Wir ha den hier Nachrichten aus Tripolis vom 30. Dezember, Alexan⸗ drien vom 6., Konstantinopel vom 8. und Marmorizza vom 9. Januar. In Tripolis ist ein Englischer Vice⸗Konsul fuͤr Fezzan ernannt, und der bedeutendste Gegner des Bei, Abd⸗el⸗Dschebil, hat Friedens⸗Unterhandlungen begonnen. In Alexandrien dauern die Ruͤstungen und in Konstontinopel die Ungewißheit noch fort. Von Narwhortg⸗ aus war Commodore Napier mit mehreren Schiffen nach Alexandrien abgesegelt, um bei der Uebergabe der Tuͤrkischen Flotte zugegen zu seyn und diese durch Englische Fahrzeuge nach Konstantinopel geleiten zu lassen. Statt der Pri⸗ sengelder sollen alle Englische Seeleute, die an irgend ei Ge⸗

sscchee.

MWir erhalten auf außerordentlichem Wege den Oesterrei⸗

1”

Eine bekannte Partei hat das Geruͤcht verbreitet,

fechte Theil genommen, den Sold eines ganzen Jahres als Gra⸗ tification erhalten. Aus Griechenland ist ein Paketbot mit 200,000 Fr. fuͤr die Franzoͤsische Regierung hier eingetroffen. Wie es heißt, wird das Englische Linienschff „Hastings“ nach Athen segeln und dort stationiren. Die Regierung soll sehr un

zufrieden seyn mit der Behandlung der Englischen Unterthanen

in Griechenland.“

Konstantinopel, 5. Jan. (Oriental. Observer.) Am 2ten ist Nuri Bei am Bord der Oesterreichischen Kriegsbrigg

„Montecuculi“ von Kandien, wo er Mustapha Pascha als Gou⸗

verneur der Pforte eingesetzt hat, hierher zuruͤckgekehrt. Nuri Bei hat Depeschen von Mustapha Pascha, so wie eine Adresse er Einwohner von Kandien uͤberbracht, worin sie ihre Freude daruͤber aussprechen, daß sie wieder unter die Herrschaft des Sultans gekommen sind. Zur Belohnung fuͤr die gluͤckliche Be⸗

endigung seiner Mission ist Nuri Bei zum Einnehmer der Zoͤlle

auf Wein und Spirituosa, und Osman Bei, welcher bisher die⸗ ses Amt bekleidet hatte, zum Unter⸗Staats⸗Secretair im Kaiser⸗ ichen Palast ernannt worden.

Der Persische Gesandte, Mirsa Dschafer, hatte am 2ten eine

Andienz beim Sultan. Die beiden Hoͤfe von Teheran und Kon⸗ stantinopel stehen jetzt im besten Vernehmen.

Herr Churchill, Herausgeber der hier in Tuͤrkischer Sprache

erscheinenden Zeitung „Dscheridei Havadis“, hat das Nischan er⸗

8 8 Der Capitain Walker ist nicht bloß zum Vice⸗Admiral, son⸗ ddern zum Ferik der Marine ernannt, und ist als solcher der naͤchste Marine⸗Offizier nach dem Kapudan Pascha.

8

Bei dem gegenwaͤrtig so hohen Preise der Steinkohlen rich⸗ tet die Regierung ihre Aufmerksamkeit besonders auf die Bear⸗

beitung der Kohlen⸗Minen von Heraklea am Schwarzen Meere.

Man hat dort bereits an 200 Tonnen gewonnen, doch koͤnnen sie in der jetzigen stuͤrmischen Jahreszeit nicht eingeschifft werden, indem es dort an einem Hafendamme fehlt; es ist daher die Er⸗ bauung eines solchen Wellenbrechers beschlossen worden, wodurch dann der Preis dieses Brennmaterials auf oder ¼ des ge⸗ genwaͤrtigen herabsinken duͤrfte. Die Kohlen von Heraklea sind fast eben so gut wie die Englische Pit⸗Kohle und brennen außer⸗ ordentlich gut in Oefen. Hierdurch wird die Dampfschifffahrt in der Tuͤrkei einen großen Aufschwung gewinnen, denn schon jetzt realisiren die Dampfschiffahrts⸗Gesellschaften bedeutende Gewinne, obwohl sie zuweilen 40 Schillinge fuͤr die Tonne Newcastler Kohlen bezahlen.

Dem Semaphore wird aus Konstantinopet geschrie⸗ ben: „Ein Mann, der Tuͤrkische Kassen⸗Anweisungen nachge⸗ macht hat, ist lebenslaͤnglich zu den Galeeren verurtheilt worden. Die muselmäaͤnnische Bevpoͤlkerung verliert taͤglich mehr von ihrem Na⸗ tional⸗Charakter. Der Sultan erschien vor wenigen Tagen in ei⸗ ner Husaren⸗Uniform, die er aus Wien erhalten hat, in der Mo⸗ Bisher zeigte er sich niemals oͤffentlich, ohne einen weiten Mantel zu tragen, was ihm ein ernstes, wuͤrdiges Ansehen gab. Das Besuchen von Orten der oͤffentlichen Prostitution wird jetzt geduldet, und alle Klassen geben sich einem zuͤgellosen Luxus und den Vergnuͤgungen der Civilisation mit demselben Umgestuͤm hin, wie fruͤher dem Genusse des Opiums und der berauschenden Ge⸗ traͤnke. Das Conseil fuͤr den oͤffentlichen Nutzen hat auf Anra⸗

sonby eifert gegen diese Maßregel.“ 8

chischen Beobachter vom 3. Februar, welcher folgende Nachrichten enthaͤlt: „Durch außerordentliche Gelegenheit find uͤber Konstantinopel folgende Berichte aus Alexandrien einge⸗ laufen: . „Alexandrien, 12. Jan. 1841.

Commodore Napier ist am 8. d. M. am Bord des Eng⸗ lischen Dampfschiffes „Stromboli“”“ hier angekommen. Er war der Ueberbringer zweier Schreiben, welche Admiral Stopford an Boghos Bei gerichtet hatte, worin Mehmed Ali aufgefordert wird, die Ottomanische Flotte zuruͤckzugeben und Ibrahim Pascha aus Syrien zuruͤckzurufen, um sich solchergestalt der Gunstbezeu⸗ gungen wuͤrdig zu machen, um welche die verbuͤndeten Maͤchte

bei Sr. Hoheit dem Sultan fuͤr ihn ansuchen wuͤrden. Meh⸗ med Ali willigte sogleich in das von Admiral Stopford an ihn gestellte Begehren, und schon am folgenden Tage wurden die erforderlichen Maßregeln zur Ausrüstung und Verproviantirung der Ottomanischen Flotte getroffen und ein Aegyptisches Dampf⸗ schiss, mit Hamid Bei am Bord, nach Acre abgeschickt, welches demm Ibrahim Pascha den Befehl uͤberbringt, seinen Ruͤckzug nach Aegypten auf dem Landwege zu bewerkstelligen.

Am 10. Januar Nachmittags ist das Ottomanische Dampf⸗ schiff „Iscuͤdar“, an dessen Bord sich die Tuͤrkischen Commissaire, Javer Pascha (Admiral Walker) und Maslum Bei befanden, hier angelangt. Die beiden Commissaire begaben sich noch an demselben Abend zu Mehmed Ali und uͤberreichten ihm das Schreiben, welches der Groß⸗Wesir hinsichtlich seiner Unterwerfung an ihn gerichtet hatte. Nachdem Mehmed Ali Kenntniß von dem Inhalte jenes Schreibens genommen hatte, erklaͤrte er den Commissairen, daß er sich zu Allem, was der Groß⸗Wesir, im Namen des Sultans, von ihm verlange, bereits in Folge der durch Admiral Stopford an ihn ergangenen Aufforderung ver⸗ standen habe.

Am 11. Januar Mittags ist nun die Flotte des Groß⸗ herrn feierlich an Javer Pascha uͤbergeben worden, welcher seine Vice⸗Admiralsflagge am Bord des Ottomanischen Admirals⸗

schiffs „Mahmudie“ aufpflanzte. Die Tuͤrkische Flotte be⸗ gruͤßte sie mit 21 Kanonenschuͤssen, welche dann auch von den Aegyptischen Schiffen wiederholt wurden. Binnen wenigen Ta⸗ gen werden die Tuͤrkischen Schiffe nach Marmarizza abgehen. Auf Begehren Maslum Bei's hat Mehmed Ali dem Sul⸗ tan die 10,000 Mann irregulaͤrer Truppen uͤberlassen, welche un⸗ ter den Befehlen des Großscherifs in Mekka und Medina zur Bewachung dieser heiligen Orte zuruͤckgeblieben waren. b Durch das Englische Dampfboot „Gorgon“, welches Jaffa am 10. Januar verlassen hatte, waren am 13ten gedachten Monats sfol⸗

gende Nachrichten uͤber den Stand der Dinge in Syrien, ehe noch die unbedingte Unterwerfung Mehmed Ali's daselbst bekannt seyn

vors. nach Marmarizza, dem Sammelplatze der verbuͤndeten 88 ceczeengt. In den letzten Tagen des Dezembers war das Auf⸗ 8. 9 9. asse ämmtlicher Bewohner Syriens fuͤdlich von Beirut und amaskus organisirt. Die Zahl saͤmmtlicher unter den Waf⸗ fen befindlichen Gebirgs⸗Bewohner, die des Hauvan mit inbe⸗ Friffen⸗ schatt maoh auf 15,000 Mann. wurden alle Lebensmittel und Fourage, welche Ibrahim Pascha . erag; eg von Damaskus, zur Subsistenz seiner Truppen auf ihrem Ruͤckzuge durch Palaͤstina, aufgehaͤuft hatte, von den Gebirgsbewohnern erbeutet. Am 29. Dezember wurde

then der Franzosen die Spielhaͤuser verboten, allein Lord Pon⸗

m 27. Dezember

Damaskus von Ibrahim Pascha geraͤumt. Gleich nach seinem

Ausmarsch desertirten 2000 Mann Kurdischer Kavallerie, nebst

verschiedenen Artillerie⸗Corps und irregulairer Infanterie. Am 2. Januar zog Ibcahim durch El⸗Keßum und besetzte El⸗Meze⸗ rib, 2000 Mann leichter Kavallerie, unter den Befehlen des Rittmeisters de 1[Or, Adjutanten des Generals Joch⸗ mus, folgten ihm auf dem Fuße. Die Aegyptische Ar⸗ mee erleidet große Verluste durch fortwahrende Desertio⸗ nen und die Strenge der Jahreszeit. Am Zten und 4. Januar verweilte Ibrahim in El⸗Mezerib, um seine Truppen und Convois zu organisiren. Sein Vorhaben, den Ruͤckzug durch Palaͤstina uͤber Dschenin und Ramle nach der Kuͤste zu bewerk⸗ stelligen, ist von dem Emir Beschir, der mit 7000 Man Fußvolk und 1500 Pferden in jener Gegend erschienen ist, vereitelt wor⸗ den. Tiberias und der Engpaß von Dschenin sind von den Ge⸗ birgsbewohnern von Naplus besetzt, waͤhrend die regulaire Otto⸗ manische Armee, aus 28 Bataillons bestehend, die ganze Linie von Saida bis zum Berge Carmel besetzt haͤlt und auch eine Besatzung in Jerusalem hat. Am 5. Januar trat Ibrahim Pascha, dem der Weg nach Palaͤstina versperrt war, seinen Ruͤckzug durch die Wuͤste auf der Karava⸗ nenstraße gegen Man und Juz an. Seine Streitkraͤfte sollen auf 15,000 M. Fußvolk, 5000 Pferden und einem Artillerie⸗Park von ungefaͤhr 100 Stuͤcken reduzirt seyn; er hatte viele Kranke. Die Vorraͤthe an Proviant und Fourage, die sich zu Man acht Tagemaͤrsche weit von der Wuͤste befanden, sind in Gefahr, von den Beduinen von Kabil⸗Schalib (dem Berge Hebron) und den Beduinen der Wuͤste zerstoͤrt zu werden. Ein Aegyptisches Kavallerie⸗Corps von 3000 Mann, welches Mehmed Ali bereits vor einiger Zeit zur Aufnahme der aus Syrien sich zuruͤck⸗ iehenden Armee Ibrahim's nach El⸗Arisch detaschirt hatte, hat auf die Nachricht, daß Ibrahim den Weg durch die Wuͤste einschlagen mußte, den Ruͤckmarsch nach Aegypten angetreten. Die Ottomanische Armee hielt am 9. Januar Acre, Jerusalem, den Engpaß von Dschenin, Ramle und Jaffa besetzt, an letzterem Orte befand sich das Haupt⸗QAuartier des Seriaskers Zekeriah Pascha. Die uͤber den Taurus oder den Euphrat aus Klein⸗ Asien gekommenen Ottomanischen Truppen sind auf dem Marsche nach dem Suͤden theils uͤber Balbeck, theils laͤngs der Kuͤste uͤber

und zwei entflohen.“

erforderlichen Anordnungen zur zweckmaͤßigen Vertheidigung der Ottomanischen Truppen im Lande treffen.

Alexandrien, 7. Jan. (A. Z) Die Befestigungs⸗Arbeiten von Alexandrien werden seit der unbedingten Unterwerfung des Pascha's mit verdoppelter Thaͤtigkeit fortgesetzt. Charlatans aller Art gebenihren Rath, um diesen Platz uneinnehmbar zu machen; indessen kennen die Dirigenten die Schußweiten der verschiedenen Geschuͤtzarten nicht, die doch jeder Kanonier wissen soll. So wurde ein anwe⸗ sender Deutscher Artillerie⸗Offizier von allen Seiten fuͤr Rechnung der Franzoͤsischen Ingenieurs mit Fragen uͤber die Schußweite der Englischen Bomben⸗Kanonen bestuͤrmt, deren Tragweite sie auf mehrere Lieues schaͤtzen! Von den vielen Geniestreichen, die hier zu Tage gefördert werden, will ich Ihren Lesern nur einen zum Besten geben, von dem Sie auf den Geist der uͤbri⸗ gen Arbeiten schließen moͤgen. In der Mitte des neuen Hafens ist, wie ich schon berichtet habe, eine Batterie von sechs Kanonen angelegt, die durch Scharten feuern. Jener Offizier, der um sein ÜUrtheil befragt wurde, erklaͤrte: die Batterie hat entweder den Zweck, den Eingang des Hafens zu vertheidigen, oder eine Landung zu erschweren; fuͤr den ersten Fall ist sie unnuͤtz, weil die Kugeln nicht so weit gehen, und fuͤr den letzten Fall ist die Richtung der Kanone an die Scharte gebunden, und kann daher nicht den ganzen Hafen bestreichen, daher der Zweck nur unvollstaͤndig erreicht wird. Zwei Tage darauf schießt man und das Urtheil findet sich bestaͤtigt. Die Englische Artillerie ist mehr als hinreichend, sich Alexandriens in Zeit von zwei Stunden zu bemaͤchtigen, um so mehr als die Chancen hier viermal guͤnstiger fuͤr den Angreifenden sind als bei St. Jean d'Acre. Dieselben Ursachen wuͤrden auch hier die⸗ selben Wirkungen hervorbringen. Alle Haupt⸗Batterieen wurden in der letzten Zeit mit hohen Mauern eingeschlossen, wahrschein⸗ lich um zu verhindern, daß die Kanoniere davon laufen; sie moͤgen also wollen oder nicht, sie muͤssen entweder schießen oder sich in das Wasser stuͤrzen, anderen Ausweg scheint man ihnen nicht uͤbrig lassen zu wollen. Indessen werden die Mauern ihrer ge⸗ ringen Staͤrke wegen bald von den feindlichen Kugeln zusammen⸗ stuͤrzen. Die National⸗Garden exerziren noch immerfort und taͤglich werden neue Rekruten mit Gewalt herangeschleppt. Nach diesen Anstalten scheint es, als ob Mehmed Ali, im Fall unguͤn⸗ stiger Bedingungen, nochmals Lust haͤtte, das Gluͤck der Waffen zu versuchen. Er hat nach Mekka bedeutende Summen geschickt, um die irregulairen Truppen zu bezahlen. Die Wechabiten, welche die muselmaͤnnischen Protestanten bilden, fangen von neuem an, sich zu regen. Die Pforte kann sich daher auf einen neuen Strauß gefaßt machen. Man hat Mehmed Ali gerathen, die Besoldung jener Truppen dem Sultan zu uͤberlassen, an den er das Land ja doch abtreten muͤsse; er hat aber erwiedert, daß er viel zu guter Muselmann sey, um die heiligen Staͤdte in die Haͤnde der Wechabiten fallen zu lassen. Ibrahim Pascha ist mit seiner Armee genoͤthigt, in Syrien Winterquartier zu nehmen. Die Tuͤrken wollen uͤbrigens nichts von einem laisser passer der Aegyptischen Armee wissen, bis die Flotte in ihren Handen sey und der alte Herr die Bedingungen angenommen habe. Heute ist die Nachricht eingegangen, daß der Tuͤrkische Admiral Walker mit mehreren Offizieren unterweges ist, um die Flotte in Empfang zu nehmen. Dagegen ist von den Bedingungen, die man dem Pascha auflegen wird, noch nichts Positives bekannt.

In der Malta-⸗Times liest man: „Der Capitain Johnson, stellvertretender Agent der Ostindischen Compagnie in Alexandrien, hat unterm 29. Dezember ein Cirkular⸗Schreiben erlassen, worin er, auf Verlangen Mehmed Ali's, die Reisenden von und nach Indien auffordert, bei der Unsicherheit der Wuͤste zwischen Suez und Kahira nicht wie bisher in kleinen Partieen zu reisen. Die Raͤubereien und Mordthaten in der Wuͤste neh men immer mehr zu und man fuͤrchtete, die Passagiere des „Oriental“ wuͤrden einen Monat in Aegypten zu bleiben gezwun⸗ gen seyn, da die Post nach Kahira zu Lande befoͤrdert werden muß, indem der Transport zu Wasser in dieser Jahreszeit zu unsicher ist. Die letzte Post brauchte sechs Tage, um Kahira zu erreichen. Der Pascha hat gesagt, daß jetzt, da die Beduinen von Gaza wußten, daß seine Truppen ih⸗ nen nicht nach Syrien folgen koͤnnten, die Straße nach Suez immer mehr oder weniger gefahrvoll seyn werde. Auf das Ge⸗ folge des Herrn Raven, der die letzte Post von Suez uͤberbrachte, wurde geschossen, und der Capitain der „Cleopatra“ vertheilte alle disponible Waffen und 300 Patronen an die Passagiere des „Great

Liverpool’. Die Raubzuͤge erstrecken sich bis Kahira, und am 27 Dezember wurden zwischen der zweiten it 1

Tripolis und Beirut nach Acre. Sobald ganz Syrien von den Aegyptischen Truppen geraͤumt ist, wird Zekeriah Pascha die

30 bis 40 Kameele geraubt. Es sind neun

““

8 Berlin, 6. Febr. Das neueste Stuͤck der Gesetz⸗Samm⸗ lung enthaͤlt folgende Verordnung wegen Bestrafung der Beschä⸗ diger der Eisenbahn⸗Anlagen. Vom 30. November 1840: „Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden, König von Preu⸗ ßen ꝛc. ꝛc. finden Uns bewogen, zum Schutze des Verkehrs au den Eisenbahnen für den ganzen Umfang der Monarchie, auf den Autrag Unseres Staats⸗Ministeriums und nach erfordertem Gutachten einer von Uns aus Mitgliedern des Staats⸗Raths ernannten Kommission zu verordnen, was folgt: §. 1. Wer vorsätzlich an Eisenbahn⸗Anlagen, an deren Transportmitteln oder sonstigem ubehör solche Beschädi un⸗ gen verübt oder auf der Fahrbahn in irgend einer Weise, durch Auf⸗ stellen, Hinlegen oder Hinwerfen von Gegenständen, durch Verrückung der Schienen u. s. w., solche Hindernisse bereitet, durch welche der Transport auf diesen Bahnen in Gefahr gesetzt wird, hat Strafarbeit oder Zuchthaus⸗Strafe von einem bis zu zehn Jahren verwirkt. §. 2. Ist in Folge einer solchen Handlung (§. 1) ein Mensch am Körper oder an der Gesundheit erheblich beschädigt worden, so tritt viet⸗ bis zwanzigjährige und wenn ein Mensch das Leben verloren hat, zehnjährige bis lebens⸗ wierige Zuchthausstrafe ein. Ist die Tödtung beabsichtigt worden, so sinden die Straf⸗Gesetze gegen den Mord Anwendung. §. 3. Die Strafe (§§. 1 und 2) ist bei deren Zumessung besonders zu steigern, wenn der Thäter die Hervorbringung einer Gefahr für die Transvorte beabsichtigt hat. §. 4. Wer fahrlässigerweise durch Handlungen der im §. 1 bezeichneten Art die Transporte auf Eisenbahnen in Gefahr setzt, soll mit dreimonatlicher bis zweijähriger, und wenn dadurch ein Mensch am Körper oder au der Gesundheit erheblich beschädigt oder gar getödtet worden ist, mit zwei⸗ bis vierjahriger Gefängnißstrafe oder Strafarbeit belegt werden. §. 5. Diese Strafen (§. 4) finden auch auf die zur Lei⸗ tung der Eisenbahnfahrten und zur Aufsicht über die Bahn und den Trausport⸗Betrieb angestellten Personen und zwar auch alsdann An⸗ wendung, wenn sie durch Vernachlässigung der ihnen obltegenden Pflichten einen Transport in Gefahr setzen. §. 6. Eisenbahn⸗ Offizianten (§. 5.), welche sich eines der in dieser Verordnung bezeichneten Verbrechen schuldig machen, sellen, außer der verwirkten Strafe, zugleich ihrer Anstellung für verlustig und zu jeder ferneren Anstellung bei einer Eisenbahn oder dem Transport⸗Betriebe auf ver⸗ selben für unfähig erklärt werden. §. 7. Die Vorsteher der Eisenbahn⸗ oder Transport⸗Unternehmung, welche die Entfernung des verurtheilten Offizianten (§. 6) nach der Mittheilung des Erkenntnisses nicht gleich bewirken, haben eine Geldbuße von 10 100 Rthlrn. verwirkt. Gleiche Strafe trifft den für unfähig erklärten Offizianten, wenn er sich nach⸗ ber bei einer Eisenbahn eder dem Transport⸗Betriebe auf derselben wieder anstellen läßt, so wie diejenigen, welche ihn wieder angestellt haben, obwohl denselben seine Unfähigkeit bekannt war. Urkundlich un⸗ ter Unserer Höchsteigenhändigen Unterschrift und beigedrucktem König⸗ lichen Insiegel.

Gegeben Charlottenburg, den 30. November 1840.

b Friedrich Wilhelm. von Müffling. von Kamptz. Mühler. von Rochow. Graf von Alvensleben.“

Stettin, 3. Febr. (Stett. Ztg.) Zur Feier der Erinne⸗ rung des Jahres 1813 hatte sich heute eine große Anzahl Frei⸗ williger und unter ihnen der Ober⸗Landesgerichts⸗Chef⸗Praͤsident Bode, Mitglied des Berliner Vereins, zur Zeit als Gast, im Schuͤtzenhause versammelt. Das Fest begann, wie gewoöͤhnlich, mit Vorlesung des Aufrufs: „An mein Volk“. Nachdem hierauf die revidirten Statuten vorgelesen, hielt unser wuͤrdiger Kamerad Purgold eine allgemein ansprechende Rede. Die Erinnerung an

die durch die Franzosen herbeigefuͤhrten Bedrängnisse und die dadurch erweckte Erbitterung bildete die Einleitung der Rede. In weiterer Fortsetzung wurde auseinandergesetzt, wie diese Erbitterung Leben und Thatkraft durch den Aufruf erhalten, wie sich Alles um den ge⸗ liebten Herrscher geschaart und Jeder freudig fuͤr Vaterland und Koͤnig Blut und Leben geopfert habe. Nachdem die Versammel⸗

ten hierdurch in eine der Feier des Festes angemessene Stim⸗ mung versetzt waren, begaben sie sich paarweise geordnet nach dem obern Saale. In diesem war, in Folge des Beschlusses, den Ueberschuß der Einrichtungs⸗Beitraͤge zur Vermehrung des Stiftungs⸗Fonds zu verwenden, eine große Einfachheit der aͤußern Verzierung sichtbar. Unter einem Balda⸗ chine waren die bekraͤnzten Buͤsten des verstorbenen und des jetzigen Monarchen aufgestellt. Dieses Ersparungssystem be⸗ eintraͤchtigte aber in koiner Art die Freude des Festes. Der Don⸗ ner des kleinen Geschuͤtzes begleitete das „Sr. Majestaͤt dem Koͤ⸗ nige“ und „dem Vaterlande“ ausgebrachte „Lebe hoch“ und auch „den ruͤhmlich im Kampfe Gefallenen“ wurde gebuͤhrend ein stil⸗ ler Toast ausgebracht. Freude und Frohsinn belebte alle Theil⸗ nehmer des Festes; Unterhaltung und Gesang wechselten. Zu den zur Feier des Festes bestimmten Liedern war auch das Rheinlied von Becker aufgenommen.

Berlin, 5. Febr. So eben ist in Kommission der Stuhr⸗

schen Buchhandlung und zum Besten der Elisabeth⸗Stiftung in Potsdam erschienen: „Rede, gesprochen in der Kapelle des Koͤniglichen Schlosses bei der Feier des Kroͤnungs⸗ und Ordensfestes, am 17. Januar 1841, von dem Ersten evangelischen Bischofe, Koͤniglichen Hof⸗ Prediger und Domherrn Dr. Eylert, Ritter des Rothen Adler⸗Ordens erster Klasse und des Civil⸗Verdienst⸗Ordens der Bayerischen Krone. Auf Allerhoͤchsten Befehl abgedruckt.“

Wissenschaft, Kunst und Literatur. . Berlin. Der Manael an schönen, kräftigen Stimmen hat sich in der letzten Zeit bei uns immer fühlbarer gemacht; ob der Grund an der vernachlässigten Ausbildung liegt, oder ob phosische Ursachen dabei mitwirken, verdiente wohl näher untersucht zu werden. Zeigte es sich dann, wie es sehr wahrscheinlich ist, daß nicht allgemeine Kraft⸗ Abnahme der Stimm⸗Organe, sondern nur ein frühzeitiger Mißbrauch und eine verkehrte Behandlung derselben die Zahl, die Ausdauer und die Mittel unserer Gesangs⸗Talente immer mehr vermindert, so wäͤre ja die Abhülfe in unserer Macht. Alle Musik⸗Institute, alle wahren Freunde und Beförderer der Tonkunst und alle Theater ⸗Directionen müßten es sich zum Gesetz machen, mit den jungen Kräften, die unter ihre Leitung kommen, gehörig hauszuhalten, ihnen nicht Aufgaben zu überlassen oder gar zuzumuthen, denen sie physisch und technisch noch nicht gewachsen sind, und sie ihre Anlagen in gehörigem Gleichgewicht ruhig entwickeln lassen. Wir haben leider Beispiele genng, wie kurz oft die Blüthenzeit solcher gewaltsam getriebenen Anla⸗ gen gewesen, und wie bald die schönen Hoffnungen, die man auf dieselben bante, getäuscht worden sind. Man denke dagegen nur etwas über ein Dezennium zurück; wie viel ausgezeichnete Sän⸗ ger und Sängerinnen gab es damals noch, die viele Jahre lang mit ungeschwächter Kraft eine Zierde der Oper und der Konzerte 9 und noch jetzt können einige davon getrost den Wettstreit mit 8 523 geren Generation unternehmen, e und Fnese eieut, nicht die Stimmen einer Milder, Schulz, SIR Hänel, eines Bader, Stümer, Wild, Blume, ster welchen kluf⸗ gen ungeachtet, zwei Jahrzehnte hindurch behauptet. 82 8 vermöge ih⸗ gaben war nicht selbst die zarte Stimme einer 1 veehen. rer vollendeten technischen Vildung und richtigen O .

den Studien und von Junge Talente mögen sich daher welslich von 1— der Bfentlichen Laufbahn jener großen Vorbilder unterrichten und ihrem