vom 2. Februar. ₰ faͤr Irland einige Aufschluͤsse uͤber die Zehnten⸗Ruͤckstaͤnde zu er⸗ halten, welche die Irlaͤndische Geistlichkeit noch zu fordern hat.
„Das Gesetz“, sagte er, „wonach diese Ruͤckstaͤnde zahlbar sind,
Seneral Bugeaud ein neues und im Voraus von ihm kombinir⸗ tes 8 b. Leuchen will. Entschieden ist dagegen, daß der Her⸗ og von Orleans nicht an diesen neuen Militair⸗Operationen in Algier Theil nehmen, sondern in Paris verbleiben wird. 8B Die meisten Actien⸗Unternehmungen befanden sich in wenig glnzenden Umstaͤnden. Selbst mit großen Opfern von Privat⸗ buren unternommene Anlagen, wie die Eisenbahn von Cetie nach Montpellier, welche fuͤr das suͤdliche Frankreich von großer Wich⸗ tigkeit ist, heben bei den volitischen Befuͤrchtungen ihre Course selten sehr und muͤssen Actien von 500 Fr. zu 200 verkausen. Wenn sich nun auch die kriegerischen Besorgnisse einigermaßen zerstreut haben, so ist jedoch noch immer kein gesunder Normal⸗ Zustand eingetreten, also auch von den Kapitalisten kein rechtes Vertrauen zu erwarten. Seltsam genug ist Geld im Ueberfluß da, aber die gute Anlage wird schwierig. Eben so befuͤrchtet man, daß die Befestigungs⸗Arbeiten weit groͤßere Summen kosten werden, als das Gesetz solche von der Kammer angeschlagen. Eine augenblicklich guͤnstige Folge der Annahme dieses Ge⸗ setzes ist, daß die Regierung alsbald gegen 40,00 9 Arbeitern da⸗ bei Beschaͤftigung verschaffen wird. Dies ist fuͤr die Pariser Bevoͤlkerung von Wichtigkeit, wenn auch andererseits die Annahme des L Herbetteschen Vorschlages, daß die Stadt nie ohne ein spe⸗ zielles Gesetz in Belagerungs⸗Zustand erklaͤrt werden koͤnnte, de⸗ nen mißfaͤllt, welche die Befestigung gegen die inn Parteien
als Schreckniß benutzen wollten.
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung Herr Shaw wuͤnschte von dem Sekretair
ging im Jahre 1838 durch, und ich moͤchte nun wissen, ob den
Geistlichen eine groͤßere Summe als 6 Sh. 10 Pee. auf das Pfund von den Paͤchtern gezahlt werden wird, da uns der Pre⸗
mier⸗Minister die Zahlung von 15 Sh. erwarten ließ; und zwei⸗
tens, ob wirksame Maßregel getroffen sind, um jenen Theil der
Ruͤckstaͤnde von den saͤumigen Grundherren einzutretben, da mir
aus allen Gegenden Irlands daruͤber Klagen zugehen, daß noch immer bedeutende Summen nicht entrichtet worder⸗ Fall hat die Familie eines verstorbenen Geistlichen 400 Pfund zu fordern, und der unbillige Verzug in der Erhebung die⸗ ser Ruͤckstaͤnde lichkeit sehr bitter empfunden, da sie, ahgesehen von diesen Ruͤck⸗ sänden, schon ansehnlichen Geldverlust erlitten hat.“ Lord Morpeth antwortete, daß die Paͤchter nicht mehr als 6 Sh. 10 Pes. auf das Pfd. von den zu zahlenden Ruͤckstaͤnden haͤtten erschwingen koͤnnen, daß aber, was die saͤumigen Gutsbesitzer be⸗
In einem
wird von der ganzen Masse der Geist⸗
—
treffe, von Seiten der Kron⸗Juristen alle Mittel aufgeboten wor⸗ den, um die Ruͤckstände einzutreiben, und das diese zum Theil auch bereits erhoben seyen. wann die Union der beiden Kanadischen Provinzen in Kraft tre⸗ ren werde, erwiederte Lerd J. Russell, daß es die Absicht des General⸗Gouverneurs gewesen, diese Maßregel gegen Ende Ja⸗ nuars oder zu Anfang Februars zu proklamiren, und daß fuͤr diesen Fall beschlossen worden sey, durch eine Verordnung des ge⸗ setzgebenden Rathes der Kolonie die Erlassung der neuen Wahl⸗ Ausschreiben bis nach dieser Proclamation zu suspendiren. Als sodann derselbe Minister die Erledigung der orientalischen Frage angezeiat hatte, fragte Herr Hume, ob die Verleihung der erb⸗ lichen Regierung von Aegypten an Meh:ned Ali unter der Sanc⸗ tion der vier Maͤchte geschehen sey, worauf Lord J. Russell erklaͤrte, sie sey auf den Rath und das Gutachten der vier Maͤchte geschehen. 1 schon erwaͤhnten Antrag, wonach zwei, nicht drei, neue Rich⸗ terstellen geschaffen werden sollen, die eine fuͤr das Schatzkam⸗ mer, die andere fuͤr das Kanzleigericht.
Auf eine Frage Sir R. Peel's,
Nun entwickelte der General⸗Prokurator seinen
„Dieser Vorschlag“, sagte er, ist nur ein Theil der heabsichtigten
Rechis⸗Reformeu. Einige derselben werden auf die Bildung von Lo⸗ fal⸗Gerichten, auf die Reform der Schatzkammer⸗Gerichtshofe, auf die Abschaffung der Billigkeits⸗Jurisdiction dieses Gerichts und auf die Wiederaufhebung des Revistonshofes, der dem damit beabsichtigten
Zweck nicht entspecchend befunden worden. Die Maßreßel, welche sch jetzt dem Hause verzuschlagen habe, betrifft die Verwaltung eines sehr wschtigen Theils der Rechtspflege, die Billigkeits. Gerichte. Es ist all⸗ gemein bekannt, daß, ungeachtet des großen Eifers und angestrengten Fleißes der Richter, welche diesen Tribunalen präsioiren, doch jeßt eine außerordentliche Menge von Prozessen im Rückstand sind und daß die Verhandlungen ungemein verzögert werden. Dies rührt nicht nur von dem bedeutenden Zuwachs der Bevölkerung in den letzten Jahren her, sondern auch von der noch größeren Zunahme des Reichthums, womit na⸗ türlich auch eine ansehnliche Vermehrung der Rochtshändel verknüpft ist. Dagegen hat keine entsprechende Bermebrung der Richterzahl statt.
gefunden, die vielmehr seit den Zeiten Eduard's III. fast unverändert geblieben.
Die Zunabme der Geschäfte läßt sich daraus ersehen, daß
—
die Summen, um welche prozessirt wird, sich seit 1792 von 18 auf 41
Mill. Pfd. erhöht haben.
Die Folge davon ist, daß die Verhandlun⸗
gen sehrlangsam vorwärts gehen, und daß in diesem Angenblick am Kanzleige⸗
richt nicht weniger als 12— 1300 Fälle rückständig sind. Gewühnlich geben sent drei Jahre darüber hin, ehe eine anhängig gemachte Sache zur 2
er⸗
handlung kömmt, und oft fünf Jahre, ehe sie beendigt ist. Diese Ver⸗
zögerungen führen ein anderes Uebel herbei, nämlich, daß durch Win⸗ tel⸗Apvekaten Vergleiche zwischen den Parteien zu Stande gebracht werden, durch welche die eine oft großes Unxrecht erleidet und grausam
berrogen wird. Ein anderes schreiendes Uebel sind die gewaltigen Ko⸗ sien, die durch jenen Verzug den Parteien verursacht werden, und die sich zuweiien auf 40,090 Pfd. jäbrlich belaufen. Man könnte glauhen, dies sey ein Gewinn für die Advokaten an den Gerichtshöfen, aber kei⸗ mesweges; diese leiden vielmehr oft sehr darunter, weil sie in Folge des
Verzugs auch ihre Liquidationen nicht einreichen können. Ich komme nun auf das Schatzkammer⸗Gericht. Dieses hat dopvelte Functionen
zu verrichten, die des gemeinen Rechts und die des Billigkeits⸗Rechts;
aber seine Entscheidungen in letzterer Hinsicht leiden zu großen Aufschub, weil keiner der Richter im Stande ist, sich ganz den Billigteits⸗Sachen zu widmen, da die Richter genöthigt sind, Rund⸗ reisen zu machen und sich mit den Angelegenbeiten des zemeinen Rechis zu beschäftigen. Es ist daher die Absicht, die Billigkeits⸗Jurisdiction des Schatzkammer⸗Gerichts ganz abzuschaffen und sie an den Kanzlei⸗ Gerichtshof zu übertragen; zu diesem Zweck muß aber ein neuer Rich⸗ ter an diesem Tribunal und auch ein Richter als Assistent des Lord⸗ Kanzlers ernannt werden. Man köunte sagen, dies heiße nur einen neuen Vice⸗Kanzler unter einem anderen Namen ernennen; aber es
ist längst eingeräumt worden, daß am Kanzlei⸗Gericht ein neuer Rich⸗ 8 18 “ sey; wenn dies also vor der Uebertragung der Billig⸗ feits⸗Sachen von der Schatzkammer an dieses Tribunal nothig war, so
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vi n nicht bestreiten können, daß jetzt noch ein zweiter Richter ned “ werden müsse. Ich will übrigens nicht vorschlagen, daß dieser zweite Richter permänent seyn solle, wenn das Parlament nicht selbst bei der Ausführung der Bill dazu Anlaß findet. Weun man eiwa einwenden wollte, daß diese Maßregel g. Kanzlei⸗ Gerichtshof mit Prozessen ungeheuer überbäufen würde, wei nh eine Menge von Sachen unter 100 Pfd. vor denselben würden gebracht
werden, so glaube ich dies nicht, denn sehr selten hat man eine Sache,
dei der es sich um weniger als 100 Pfd. handelte, vor die Billigkeits⸗
(Ferichte gebracht; man würde wahnsiunig 8.ve seyn, hätte man bei
Einrichtung dieser Gerichte dies thun wollen; so konnten also
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diejenigen, welche um niedrigere Summen prozessiren wollen, bis jetzt gar
keine Hülfe bei den Billigkeits Gerichten finden; diesem lUebelstande wird aber nun abgeholfen werden, wenn man diese Gerichte durch mehr Richter verstärkt.“
Sir E. Sugden wollte es nicht fuͤr angemessen halten, daß man sogleich zwei neue Richter anstelle; man sollte, meinte er, es erst mit einem versuchen; die Angaben des General⸗Prokurators uͤber die Ruͤckstaͤnde hielt er fuͤr sehr uͤbertrieben, indeß wider⸗ setzte er sich doch der Bill auf dieser Station nicht. Herr Lynch unterstuͤtzte die Ansichten und Vorschläge des General⸗ Prokurators, und dieser erhielt denn auch vom Hause die Er⸗ laubniß zur Einbringung seiner Bill.
London, 3. Febr. Nicht nur aus den Franzoͤsischen Bläͤt⸗ tern, sondern auch direkt durch Devpeschen des Admiral Stopford, welche der Englischen Regierung zugegangen und die aus der Mar morizzaBai vom 14. Januar datirt sind, hatte man vor⸗ gestern hier schon die Nachricht von der Erledigung der orienta⸗ lischen Frage. „Wie aus diesen Depeschen bervorgeht“, sagen die ministeriellen Blaͤtter, „traf Commobore Napier, der Mar⸗ morizza am 6. Januar verlassen hatte, am 8ten zu Alexandrien ein. An diesem Tage segelte ouch Admiral Walker von Marmo⸗ rizza ab und langte am 10ten zu Alexandrien an. Commodore Napier scheint die Verhandlungen mit solchem Erfolg betrieben zu haben, daß der Pascha sich am 11ien dem Sultan vollstaͤndig unter⸗ warf und die gesammte Tuͤrkische Flotte dem Admiral Walker uͤber⸗ lieferte. Mehmed Ali uͤbernahm es zugleich, ihr Aegyptische Of⸗ fiziere und Matrosen mitzugeben, welche sie nach der Marmo⸗ rizza⸗Bai bringen sollen. Es eraiebt sich ferner aus diesen De⸗ peschen, daß Ibrahims Armee unverzuͤglich Syrien raͤumen und nach Aegypten zuruͤckkehren sollte, und daß man uͤbereingekommen war, Transvportschiffe nach Kaissa zu senden, um die Weiber, Kin⸗ der und Kranken der Armee an Bord zu nehmen, falls sie da⸗ hin gelangen koͤnnen. Zugleich erhaͤlt man uͤber Paris die Nach⸗ richt, daß der Sultan unterm 13. Januar seinen Bevollimaͤchtig⸗ ten in Aegypten bie Weisung ertheilt hat, Mehmed Ali anzuzei⸗ gen, daß der Sultan ihm, da seine Unterwerfung jetzt vollkom⸗ men sey, das Paschalik Aegypten erblich verleihen wolle.“ Die Bemerkungen und Friedenshoffnungen, womit die „Morning Ehronicle“ diese Anzeige begleitet, sind bereits mitgetheilt worden.
Die Königin hat dieser Tage ein Schreiben des Sultans empfangen, in welchem Ihrer Majestaͤt zu der Geburt der Kron⸗ prinzessin Gluͤck gewuͤnscht wird. Dieser Brief erregt durch seine Originalitaͤt in den Hofzirkeln großes Interesse. Das Schreiben selbst ist ein wahres Meisterstuͤck der blumenreichen morgenlaͤndi⸗ scher Beredsamkeit; seine Form ist aber noch merkwuͤrdiger, als der Inhalt. Bei drei Fuß Laͤnge ist das Schreiben 4 bis 5 Zoll breit; die Schriftzuͤge sind sehr schoͤn und, obwohl klein, doch außerst deutlich. Am Rande befindet sich die eigenhaͤndige Unter⸗ schrift des Sultans, der eine Aufzählung aller seiner Titel folgt. Das Papier ist feiner und schoͤner als Belinpapier und auf der Oberflaͤche mit schönem Email verziert. Das Schreiben lag in einem Umschlage, der mit des Sultans Wappen versiegelt war,
und das Ganze steckte in einem reichen mit Gold und Silber
verzierten Beutel von Purpur⸗Atlas. 8 Eine der ene⸗Se. ee gh in Betreff der öͤffentlichen Ein⸗ nahme ist das Sinken der Zucker⸗Einfuhr, wodurch ein Defigit in den Eingangs⸗Zoͤllen entsteht. Nach offiziellen Berichten hat der Zoll fuͤr 1850 sich um mehr als eine illion Pfd. Sterl. egen fruͤhere Jahre verringert. gr Ein sien Blatt will wissen, der Admiral Elliot sey zu seiner schnellen Ruͤckkehr aus dem Meerbusen von Petscheli nicht allein durch die Besorgniß vor den Monsun⸗Winden, sondern auch dadurch bewogen worden, daß die am Bord seiner Flotte befindlichen Soldaten, groͤßtentheils Hindus, unruhig zu werden anfingen, weil ste des Lebens auf den Schiffen uͤberhaupt unge⸗ wohnt waren und noch dazu religiöse Bedenken gegen die Schiffs⸗ kost zeigten.
Wie es heißt, ist Herr Barclay, ein Milglied des Versamm⸗ lungshauses von Jamaika, in London, um eine Auswanderung von Eingeborenen der Kuͤste Sierra⸗Leone nach Westindien ein⸗ zuleiten. Er soll im Begriff stehen, mit Genehmigung des Ko⸗ sonial⸗Ministers nach Sierra⸗Leone abzureisen, um eine solche Maßregel in Ausfuͤhrung zu bringen.
Die hiesigen Bläͤrter sind angefuͤllt mit Betrachtungen uͤber die neuesten Nachrichten in Betreff der Lage der Bank der Ver⸗ einigten Staaten, welche nahe daran seyn soll, einen totalen Ban⸗ kerott zu machen und alle uͤbrigen Banken der Union mit fort⸗ zureißen. Die Lage der Bank der Vereinigten Staaten hat sich in dem letzten Jahre sehr verschlimmert; ihre Bilanz am 1. Ja⸗ nuar ergibt ein Desizit von 7,636,561 Dollars.
Nach der Malta⸗Times haben die drei Linienschiffe „Prin⸗ zessin Charlotte“, „Bellerophon“ und „Asia“ Befehl erhalten, nach England zuruͤckzukehren, um am 1. Mai ausbezahlt, d. h. vorlaͤäufig in Ruhestand versetzt zu werden. Contre⸗Admiral Om⸗ maney soll angeblich den Oberbefehl der Britischen Seemacht im Mittelmeer auf ein Jahr erhalten. —
An der Borse beschweren sich seit 14 Tagen die Kapitalisten, da nach ihrem Gelde wenig Nachfrage ist und sie sich geringere Zin⸗ sen gefallen lassen muͤssen, um es nur anzubringen.
Das Koͤnigliche Opernhaus ist fuͤr 150,090 Pfd. verkauft worden. Gestern fruͤh um 10 Uhr brach in der großen Moͤbel Fabrik der Herren Paynter und Compagnie durch das Ueberlaufen von Firniß, der auf einem Speicher gekocht wurde, ein gewaltiger
konnte, nachdem das ganze weitlaufige Gebaͤude ein Rumenhaufe war. Mehrere anstoßende Haͤuser wurden, obwohl beschaͤdigt, durch die vereinte Kraft der Maschinen gerettet. *
Der Times wird jetzt von einem ihrer Pariser Korresponden⸗ ten sehr ausfuͤhrlich der Plan des unterdruͤckten Lustspiels von Leon Gozlan mitgetheilt, woraus hervorgeht, daß dasselbe ein ganz fa⸗
des, witzloses Machwerk war. 8
“
Niederlande. Aus dem Haag, 5. Febr. Herr Luzac, Mitglied der zweiten Kammer, der, wie kuͤrzlich erwaͤhnt wurde, zum Staats⸗
rath ernannt ward, hat, wie das Handelsblad meldet, diese
Wuͤrde abgelehnt, weil er die Fuctionen desselben mit denen eines Deputirten nicht fuͤr vereinbar haͤlt. Sc. Majestoͤt hat darauf die Ernennung so modifizirt, daß Herr Luzac nur Staatsrath im aufzerordentlichen Dienst ist, was derselhe auch angenommen hat.
Belgien. 1
In der Provinz Hennegau ist im o⸗ genannten Borinage, 8e, von Mons, unter den Kohlen⸗ arbeitern ein Aufruhr ausgebrochen⸗ Anlaß dazu gab die Ver⸗ ordnung, daß jeder Arbeiter mit einem Wanderbuͤche versehen seyn muͤsse. Viele schafften sich zwar ein solches Wanderbuch an,
Bruͤssel, 5. Febr.
durften jedoch keinen Gebrauch davon machen, weil ihnen von
ihren Kameraden gedroht wurde, sie auszustoßen. Am 1. Februar sollte die bereits am 30. Dezember erlassene Verordnung wegen der Wanderbuͤcher in Ausfuͤhrung gebracht werden. Aber gegen Mittag kamen von Dour herab 7 — 800 Arbeiter, groͤßtentheils mit Hacken und Knuͤtteln bewaffnet und mit drei Tommeln an der Spitze. Einer kommandirte den Zug, bei welchem sich auch zahlreiche Weiber und Kinder befanden. Dieser Haufe begab sich nach Brussu, wo er auf dem Markte einen Umzug hielt und aufruͤh⸗ rerisches Geschrei vernehmen ließ, worauf sich noch etwa 300 Leute ihm anschlossen und Alle zusammen nach Hornu und Frameries zogen, wo die dortigen Arbeiter ebenfalls gemeinschaftliche Sache mit den Aufruͤhrern machten. Auf die Nachricht von diesen Zu⸗ sammenroltungen beorderte der Gouverneur sogleich das Gendar⸗ merie⸗Corps und mehrere Compagnieen Infanterie, so wie ein Detaschement Jaͤger zu Pferde, nach dem Borinage. Der Gouverneur selbst und der Koͤnigl. Prokurator begaben sich eben⸗ falls dorthin. Es fand ein Zusammentreffen mit den Aufruͤhrern statt, bei welchem zwei derselben verwundet und die Raͤdelsfuͤhrer verhaftet wurden. Damit, hofft man, wird die Ruhe der Gegend hergestellt seyn.
Der Minister des Innern hat eine Deputation der Arbeiter aus dem Borinage empfangen, welche ihm Vorstellungen wegen der Wanderbuͤcher machte. Der Minister erwiederte den Leuten jedoch, daß diese Maßregel eine ganz allgemeine sey und durchaus nichts Ehrenruͤhriges fuͤr die Arbeiter in Borinage habe, weshalb sie sich auch voͤllig beruhigen muͤßten. Die Leute schienen durch diesen Bescheid zufrieden gestellt und so, hofft man, werde ihre Ruͤckkehr im Hennegau einen guͤnstigen Erfolg haben.
In der Repraͤsentanten⸗Kammer ist vorgestern die Zulassung des Grafen Baillet von Latour, als neugewaͤhltes Mitglied, ohne weitere Gegenrede, ausgesprochen werden.
Der Koͤnig wird morgen nach London abreisen, wo er zum naͤchsten Montag erwartet wird. Se. Majestaͤt wird bekanntlich einer der vier Taufpathen der Kronprinzessin von Großbritanien seyn. Der regierende Herzog von Sachsen⸗Koburg wird auf der Reise von Deutschland nach London heute noch hier erwartet.
Herr van de Weyer, der sich auf Urlaub hier befand, ist auf seinen Posten nach London zuruͤckgekehrt. 18
Es werden hier 600 Pferde erwartet welche die Franzoͤsische Regierung in Holland hat aufkaufen lassen. Die Pferdehaͤndler in Groͤningen haben außerdem noch eine Bestellung auf 300 Pferde erhalten. 3
Schweden und Norwegennä.
Stockholm, 29. Jan. Das Reichsgericht, welches uͤber die angeklagten Staatsraͤthe Recht sprechen soll, hat schon dret Sitzungen gehalten, worin jedoch nur Praͤliminarfragen vorkamen.
Das Kommerz⸗Kollegium hat vor kurzem einen Bericht uͤber den Zustand der Fabriken und Manufakturen im Jahr 1839 her⸗ ausgegeben, worin sich folgende Angaben befinden: Die Zahl der Werkstaͤtten war 2097, die der Arbeiter 14,361 (oder 650 mehr als im vorhergegangenen Jahre); der Gesammtwerth der Fa⸗ brikate war 13,090,089 Rthlr. oder 507,702 Rthlr. mehr als 1839. Das wichtigste Gewerbe waren die Tuchfabriken, deren Production sich auf 4,045,987 Rthlr. belief, wovon 3,032,749 Rthlr. allein auf Norrkoͤping kamen. Diese Angaben betreffen aber nur solche Erwerbszweige, die den Zuͤnften oder in irgend einer andern Hinsicht der Inspection des Kollegiums unterworfer sind, also nicht die Produkte des Hausfleißes, die weit bedeuten⸗ der sind, weil der Schwedische Landmann so viel wie moͤglich selbst anfertigt. In gewissen Distrikten in Westgothland weben auch die Bauern Wollen⸗ und Leinenzeuge fuͤr auswaͤrtige Con⸗ sumtion, und es beliefen sich solche abgestempelte Waaren in Eifsborgs⸗Laͤn allein auf 5,837,088 Ellen. 88
Zur Hemmung der Schmuggelei wurden am 9. Januar auf dem Ritterhause zwei Antraͤge gestellt: der eine vom Grafen
Leͤwenhjelm, worin die Errichtung einer Menge von kleinen
Dampfschiffen zur Bewachung der füdlichen Kuͤsten, der andere von Herrn Prytz, worin eine neue Organisation der Zoll⸗Anstal⸗ ten und erhoͤhte Besoldung fuͤr die unteren Zoll⸗Beamten vorge⸗ schlagen werden, so daß der bisherige Anschlag von 562,000 Rthlrn. fuͤr diese und andere dazu gehoͤrige Ausgaben auf 1 Million er⸗ hoͤht wuͤrde.
Am 20sten d. M. hat der Adel einen Beschluß gefaßt, der Aufsehen erregt. Der Constitutions⸗Ausschuß, der noch am Ende des vorigen Jahres das Memorial Nr. 68 uͤbergab, welches die Fortsetzung seiner Vorschlaͤge uͤber die Repraͤsentations⸗Veraͤnde⸗ rung enthaͤlt, ist durch den Beschluß des Adels, die Pruͤfung desselben aufzuschieben, bis der Ausschuß die fruͤher an ihn verwiesenen Fragen beantwortet habe, gehindert, in der Repraͤ⸗ sentations⸗Frage fortzufahren. s wenn auch der Priesterstand, wie beabsichtigt scheint, einen aͤhn⸗ lichen Beschluß faßt, eine Verzoͤgerung, die so lange dauern kann, dis die Untersuchung uͤber die außerordentlichen Ausgaben been⸗ digt ist; dann koͤnnte der Reichstag entlassen werden, ehe noch
uͤber die Repraͤsentation zu Stande gebracht haͤkte, so daß man am naͤchsten Reichstage von neuem beginnen duͤrfte.
Deutsche Bundesstaaten. — — Detmold, 6. Febr. Se. Majestaͤt der Koͤnig von Preußen haben Allergnaͤdigst zu dem Denkmale, welches auf einem Gipfel des Teutoburger Waldes dem Deutschen Helden Hermann
bewilligt. Brand aus, der trotz aller Anstrengungen erst geloͤscht werdben
uͤmmerliche Mehrheit dafuͤr zu Stande. Faf bisher geachtetsten Maͤnner bei der Wahl der Buͤr
errichtet wird, einen neuen Beitrag von hundert Friedrichsd or
Luzern, 1. Febr. (Zuͤrich. Z.) Ineinem einzigen der 25 Wahe kreise stimmte die Majoritaͤt der Anwesenden fuͤr Nichtrevision, loß
n drei W it Zurechnung der Abwesenden eine in drei Wahlkreisen kam mit Zurechnung de, egg Fven die
eaus uͤbergangen, ja
E unf 2 mit Hohngelaͤchter verworfen. Wir gehen einer truͤben Zukunft entge⸗
menden noch viele Freisinnige sich be
Sieg errungen, den sie
daß unter den fuͤr Revision Stim⸗ finden, so darf man sich nicht er ie Leuen⸗(Jesuiten⸗) Partei einen glaͤnzenden verdehlen, da8,8 ie selbst wohl nicht so zu traͤumen e9 n haben die juͤngsten Vorgaͤnge im Aargau bedeutenden An⸗ Fars 8 Aufhebung der Kloͤster war die maͤchtige Waffe in den Haͤnden der Leuen⸗Partei. d. zusammen, um die Wahl des Verfassungs⸗Rathes anzuordnen; es ist kaum zu hoffen, daß nur die Tuͤchtigsten und Besten der frei⸗ sinnigen Partei in diesen gewaͤhlt werden, geschweige daß eine be⸗ deutende Minoritaͤt derselben im Verfassungs⸗Rathe koͤnne. 8 8
gen. Mag man auch annehmen,
(L. A. Z.) Wir koͤnnen jetzt
8—
Rom, 22. Jan. 1 1 sichtlicher Gewißheit melden, daß die verschiedenen Geruͤchte uͤber
die erschwerte Benutzung der Vaticanischen Bibliothek sammt und
“
8
Der Minister sagt,
Es entsteht daraus namentlich,
der Constitutions⸗Ausschuß einen zusammenhaͤngenden Vorschlag
Am 22sten d. tritt der große Rath
mit zuver
sonders grundlos sind und keine andere Quelle haben als die Ein⸗ bildung der Gelehrten, welche diese Anstalt besuchen. Dem Dr. Reuchlin hat man keinesweges den Besuch der Bibliothek ab⸗ schneiden wollen, sondern der Bibliothekar hat nur entschieden er⸗ klart, daß er an der Anregung laͤngst vergessener Streitfragen (Jansenismus) weder zu Gunsten noch zum Nachtheile der Kirche Freude habe. Persoͤnliche Ruͤcksichten haben dabei so wenig ob⸗ gewaltet, daß man sich noch heute freuen wuͤrde, wenn er den Vatican zu besuchen noch ferner fortfahren wollte. Was man daruͤber gemuthmaßt hat, ist also eitel Argwohn und unnuüͤtze Bangiakeit. Neuerdings beschaͤftigt ein aͤhnlicher Vorfall die hie⸗ sigen Deutschen. Dr. Keller aus Tuͤbingen arbeitet hier seit meh⸗ reren Monaten uͤber Altfranzoͤsischen Dichtern. Unter dem Vorwand Exzerpte zu machen hatte er eine umfangreiche Handschrift zu kopi⸗ ren begonnen und zu diesem Zweck einen anderen jungen Gelehr⸗ ten zu Huͤlfe genommen. Dies hat zu Eroͤrterungen zwischen ihm und den Bibliothekaren Veranlassung gegeben, und nach dem oben beruͤhrten Systeme hat man dies fuͤr ein Verbot angesehen, was mit seinem Verhaͤltnisse zu Reuchlin, mit Zeitungs⸗Artikeln ꝛc. in Verbindung stehe. Von allen den eingebildeten Intriguen und Behinderungen existirt auch nicht das mindeste. Ganz im Ge⸗ gentheil ruͤhmt man taͤglich den Fleiß der Deutschen, namentlich der Preußen, freut sich, denselben von Nutzen seyn zu koͤnnen, und thut Alles, um die Maͤnner der Wissenschaft zu uͤberzeugen, daß. man diese von kirchlich⸗politischen Zwistigkeiten zu trennen wisse. hinderlich zu seyn, sogar so weit, daß Monsignore Laureani den Dr. Keller einladen ließ, doch wieder zu kommen und seine Zwecke ungestoͤrt zu verfolgen. Das Einzige, woruͤber man sich beschwert und woruͤber man zu klagen ein Recht hat, ist, daß wer einen Codexr zu benutzen wuͤnscht, nicht gerade und offen erklart, welche Absicht er damit verbinde.
E111*
“
“ b Madrid, 28. Jan. Die Waͤhier setzen ihre Versammlun⸗
gen fort, und man versichert, daß mehrere Kandidaten der Exal⸗
z. B. Herr Mendizabal, von der Wahlliste gestrichen wor⸗ den seyen. Man schreibt aus Guadix, daß das Frei⸗Corps von Malaga
sich empoͤrt, auf seine Offiziere geschossen und mehrere derselben 130 von diesen Soldaten sind in Berge von
Ronda geflohen. Diese Empoͤrung scheint durch die von der Re⸗ Aegyptisch seyn.
verwundet habe.
gierung befohlene Aufloͤsung der Frei⸗Corps veranlaßt worden in serh) .
Porengal
Lissabon, 25. Jan. (Morn. Chron.) Der in der vo⸗ rigen Woche der Deputirten⸗Kammer vorgelegte Bericht des Fi⸗ nanz⸗Ministers umfaßt die Veranschlagungen fuͤr das Jahr vom 30. Juni 1841 bis zum 30. Juni 1842. Die Veranschlagungen fuͤr die gewoͤhnlichen Ausgaben uͤbersteigen die des vorhergehenden Jahres um 500 Contos de Reis (etwa 750,000 Thaler), und fast alle uͤbrigen Posten sind hoͤher, als im letzten Budget; so sind in diesem Jahre mehr angesetzt: fuͤr das
Kriegs⸗Ministerium .. 245,728 Milreis. 448 Reis. Justiz⸗Ministerium ..... A“
Marine⸗Ministerium .. 53,725 » 693 » Ministerium des Innern 43,598 „ 801 » Ministerium des Auswaͤrtigen 16,684 „ 896 »
Im Ganzen also im Jahre 1841 — 42 mehr als im Jahre 1840—41
495,780 Milreis. 613 Reis. „ daß die gegenwaͤrtigen Einkuͤnfte, die sich auf etwa 8,630,225 Milreis 42 Reis beliefen, zur Deckung der gewoͤhnlichen Ausgaben voͤllig unzureichend seyen, und daß man das System der Anleihen durch gemischte Operationen nicht bei⸗ behalten koͤnne, man muͤsse daher andere Mittel ausfindig ma⸗ chen, um die Einkuͤnfte zu vermehren. In der obigen Einnahme⸗ Summe sey der Zehnte mit 1,600,000 Milreis veranschlagt, und dies sey das Hoͤchste, so lange das gegenwaͤrtige System der Einziehung beibehalten werde. Die Zoͤlle braͤchten 124,254 Milreis weniger ein, als die Veranschlagung im vorigen Jahre betragen habe, die nach einem Durchschnitt aus den beiden vorhergehenden Jahren angenommen worden sey. Man koͤnnte, fuͤgte der Minister hinzu, sich zu dieser Verminderung der Zoll⸗Einnahme Gluͤck wuͤnschen, wenn sie eine Folge der vermehrten Thaͤtigkeit der einheimischen Fabriken waͤre, leider sey dies aber nicht der Fall, und sie sey nur durch den zunehmenden Schleichhandel veranlaßt worden. Der Minister schlaͤgt vor, die Zoͤlle auf gewisse rohe Artikel so zu erheben, wie fruͤher, als fremde Manufaktur⸗Waaren nicht so hoch besteuert waren, wie jetzt. Dadurch glaubt er eine Vermeh⸗ rung der Einkuͤnfte um 140 Contos zu bewirken; aber dann fehlen immer noch mindestens 600 Contos. Der Zehnte kann, seiner Aussage nach, nicht mehr als 1900 Contos eintragen, also 300 Contos mehr als die gegenwaͤrtige Veranschlagung, und es muͤs⸗ sen daher noch 300 Contos auf andere Weise aufgebracht werden. Die Erhebung der Verbrauchs⸗Steuer wuͤrde große Echwierigkeit sinden, da das Volk bereits mit der Munizipal⸗Steuer so schwer belastet ist; der Minister schlaͤgt daher vor, das Dekret vom 13. August 1832, wodurch die „Foraes“ oder Grundherrn⸗Rechte aufgeho⸗ ben wurden, zuruͤckzunehmen und dieselben, in etwas modiftzirter Gestalt, wiederherzustellen. Dies wuͤrde eine Einnahme von 280 Contos ergeben, so daß man mit den von dem Zehnten und anderen Abgaben zu erwartenden Summen wohl im Stande seyn wuͤrde, die Ausgaben zu decken. Die Junta des oͤffentli⸗ chen Kredits habe hinreichende Mittel in Haͤnden, um ihre Ver⸗ pflichtungen zu bestreiten. In dem Jahre 1841—1842 muüͤsse sie in Folge des Gesetzes vom 30. Oktober 1840 eine außerordent⸗ liche Ausgabe von 380,714 Milreis 975 Reis fuͤr verschiedene Bri⸗ tische Forderungen machen. Eine neue Anleihe waͤre allerdings das beste Mittel, um die Ausgaben zu decken, wuͤrde aber neue Ab⸗ gaben noͤthig machen. Der Verkauf von National⸗Guͤtern wuͤrde im Jahre 1841 — 1842 etwa 120 Contos eintragen. Die uͤbrigen außerordentlichen Veranschlaqgungen will der Minister durch eine temporäre Besteuerung aller Gehalte und Pensionen vom naͤchsten Juni an, erheben, bis die erforderlichen Summen aufgebracht worden. Dieser Bericht des Finanz⸗Ministers hat wegen des Vorschlages, das alte System der Grundbesitz⸗Aufla⸗ güle wiederherzustellen, großes Aufsehen gemacht, indem dadurch At Grundbesitz im ganzen Lande aus seinen Fugen gebracht werden wuͤrde. Man versichert, der Finanz⸗Mi⸗ n habe diesen Vorschlag gemacht, ohne mit seinen 8 8 egen daruͤber Ruͤcksprache zu nehmen, und derselbe hat bereits so große Unzufriedenheit erregt, daß man glaubt, er werde ihn zuruͤcknehmen. Der Vorschlag, das Geld zur Befriedigung der veeunßen Britischer Unterthanen, wie sie in der durch den Marschall Saldanha abgeschlossenen Convention festgestellt worden sind, durch eine Steuer auf die Gehalte und Pensionen aufzubringen, hat der revolutiongixen Presse bereits wieder zu
Diesmal geht dieser Eifer, Anderen eher zu nuͤtzen als
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heftigen Ausfäͤllen gegen England Anlaß gegeben, auch läßt sich nicht einsehen, warum gerade dieser Punkt Gegenstand einer neuen und noch dazu so verhaßten Auflage gemacht werden soll. Da die Kosten fuͤr die gegenwaͤrtigen Ruͤstungen nicht mit in Anschlag gebracht worden sind, so sind die obigen Angaben fuͤr den wirklichen Betrag der Ausgaben des nächsten Jahres von wenig oder gar keinem Nutzen, und es geht nur so viel daraus hervor, daß sie, abgesehen von allen außerordentlichen Ausgaben, 500 Contos mehr betragen, als in diesem Jahre. Ein noch vor Abgang der letzten Nachrichten (Nr. 38 der St. Ztg.) geschriebener Bericht aus Konstantinopel vom 12. Januar (in der Allg. Ztg.) enthaͤlt Nachstehendes: „Verläͤssige Berichte aus Damaskus reichen bis zum 1. Januar d. J. Am 29. Dezember hat Ibrahim wirklich und definitiv den Ruͤckzug nach Aegypten angetreten, und zwar auf der neulich genannten Straße uͤber Mesrich und Erbad an dem Jordan. Vier Tage voraus ging Soliman Pascha mit 3000 Mann. Außer der ge⸗ sammten Civil⸗Administration und einer Unzahl Knechte und muͤßi⸗ ger Maͤuler sind im Gefolge noch uͤberdies 12,000 Weiber und 15,000 Kinder, wie die Leute aus Damaskus hierher berichten. Das Alles zusammengerechnet giebt vielleicht die 65,000 Kombattan⸗ ten, die Herr Ratti⸗Menton in seinen amtlichen Verishten, mit welchen sich das Puklikum seit 8 Tagen hier ergoͤtzt, noch beim Aegyptischen
Herr Ratti⸗Menton ist uͤberhaupt ein penetranter
S zaͤhlt. Mann. Verwichenen September, kurz vor Ibrahim's Unaluͤck
um Beirut sah er 5000 Tuͤrkische Ueberlaͤufer aus Bagdad, die aber außer dem ehrenwerthen Diplomaten Niemand sah, unter seinem Konsulatsfenster in Damaskus voruͤberziehen, und berich⸗ tete das factum ex offfcio an Staatsrath Cochelet in Alexan⸗ drien. Letzthin meldete er an dieselbe Autosritaͤt, am 3. Dezember, wo bekanntlich mehrere Insurgenten durch Aegyptische Reiter⸗An⸗ griffe umkamen, sey der neue Drusen⸗Emir mit seinem ganzen Corps (4000 Mann), bis auf drei Individuen, in einer Schlacht vor dem Damascener Wald geblieben, und sogar 600 Gefangene haͤtte man nach dem Gefecht, aller Interzession des Feldherrn ungeachtet, dem Rachegefuͤhl Aegyptischer Krieger uͤberlassen. Zu⸗ dem stuͤnden noch 5000 gute Soldaten bei einem trefflich einge⸗ richteten Militair⸗Lazareth in der Wuͤste (!), und 10,000 Vetera⸗ nen bei Ghasa, und im Libanon selbst wolle jetzt Alles wieder Im Ganzen zaͤhlt Herr von Ratti⸗Menton, alle Verluste abgerechnet, im Dezember noch 80,000 wohlgeruͤ⸗ stete, gesunde und kraͤftige Soldaten im Heere Ibrahim's. In Paris, und, wie es scheint, auch anderswo, glaubt man solche Maͤhrchen, und regulirt darnach, wie Caͤsars Gallier, die wich⸗ tigsten Beschluͤsse. — Auf Tuͤrkischer Seite ist man, nach satt⸗ samer Rast, doch auch wieder in Bewegung gekommen. Zekeriah hat endlich Damaskus besetzt, und folgt, wie die Tuͤrken be⸗ haupten, dem Feind auf dem Fuß. Jochmus mit 20 Bataillo⸗ nen Tuͤrken und Maroniten steht bei Hasbeia in der rechten, und Scheiblt el Arian, der Drusen⸗Chef, im Hauran auf der linken Seite der Aegypter. Omer Pascha mit mehreren Bataillonen ruͤckte von Akke laͤngs dem Meere nach Ghasa vor, um sich des Durchgangs zu bemaͤchtigen und den Lokal⸗Widerstand zu organisiren. Wie viel nun diese Leute alle unter unter einander ausrichten, wird man, versteht sich mit Uebertreibungen von beiden Theilen, nach und nach erfahren. Der Anfang indessen war fuͤr Ibrahim nicht guͤnstig. Das Artillerie⸗Regiment Nr. 3, das in der Nach⸗ hut stand, ging am ersten Tag mit fliegenden Fahnen und sämmtlichem Geschuͤtz zum Sultan uͤber. Ein nachgesandter Haufe, um die Fluͤchtigen einzuholen, folgte ihrem Beispiel, und gegen die anziehende Garde⸗Kavallerie richtete es seine Kanonen. Funfzig bis sechzig Offiziere desertirten am zweiten Tag, und viele Artilleristen mit etwa 300 Linien⸗Soldaten versteckten sich noch vor dem Auszuge in Damaskus. Mancher fand sogar in den mitleidigen Harems der Stadt eine Zuflucht. Scherif Pa⸗ scha, der General⸗Gouverneur, des Abfalls verdaͤchtig, wurde in Fesseln abgefuͤhrt. Nach einer anderen Version hatte man ihn bereits hingerichtet. — Nach Angaben aus dem Tuͤrkischen Haupt⸗ Quartier hatte Ibrahim noch an 24,000 Waffentragende, aber aller Contributionen ungeachtet, sey die Infanterie dennoch nicht gekleidet, auch nur aͤrmlich verpflegt und voll Kranker. Nur die Reiterei, etwas uͤber 2000 Mann, scheint gut gehalten und treu, weil puͤnktlich bezahlt und mit aller Nothdurft reichlich
versehen. Aus derselben Quelle will man auch wissen, Ibrahim
habe den Ruͤckzug durch die große Wuͤste an das Rothe Meer
im Sinn gehabt, und nur bei lautem Murren der fuͤr Weiber,
Kinder und Raub besorgten Offiziere, aber erst nach vielen Hin⸗
richtungen, dem Vorsatze entsagt. Von Damaskus bis Ghasa
rechnet man 18 Tagemäͤrsche, die auch bei unzusammenhaͤngenden
und planlos geleiteten Angriffen des Feindes unmoͤglich ohne be⸗
deutenden Verlust zuruͤckzulegen sind. Hier, wo man Alles in
bestimmte Zahlen bringt, rechnen sie wenigstens auf den Unter⸗
gang des halben Heeres. Uebereinstimmend, und vermuthlich
auch ganz wahr, sind die Berichte nur uͤber Einen Punkt: daß
sich Ibrahim taͤglich in Branntwein berausche und seit dem Un⸗
hü in Syrien noch jaͤhzorniger und blutduͤrstiger, als fruͤ⸗
er sey. 1
1 Aegypten.
Alexe ien, 6. Jan. (Times.) Der Pascha denkt bereits auf Maßregeln, um die großen Ausgaben zu vermeiden, welche die bedeutende Zahl von Truppen, die er auf den Beinen haͤlt, ihm verursacht. Sie ganz auseinander gehen lassen will er nicht gern; er hat daher beschlossen, sich des Rathes zu bedienen, den ihm der Marschall Marmont in den Jahren 1834 und 1835 machte, naͤmlich seine Truppen auf den unbebauten Laͤndereien Aegyptens als Militair⸗Kelonieen anzusiedeln, nach dem Plan, wonach die aͤhnlichen Etablissements an den suͤdlichen Graͤnzen von Oesterreich eingerichtet sind.
1“
Berlin, 9. Febr. Bei dem lebhaften Interesse, welches die beabsichtigte Wiederherstellung des Koͤnigsstuhls bei Rhense bereits uͤberall gefunden hat, wird man nicht ungern folgende uns
zugesandte literarische Nachweisung uͤber dieses historische Denkmal lesen: In Johann Daniels von Olenschlager erlaͤuterter Staatsge⸗ schichte des Roͤmischen Kayserthums in der ersten Helfte des vier⸗
Haenden Jahrhunderts, worinnen die Regierungen der Kayser lbrecht's des I., Henrich's des VII., Ludewig's des Bayern und der Anfang Karl’s des IV. pragmatisch beschrieben werden; Samt einem Urkunden⸗Buche, Frankfurth am Mayn bey Heinrich Lu⸗ dewig Broͤnner, 1755, in 4t0., befindet sich gleich vor der Ein⸗ leitung ein Kupferstich, der die merkwuͤrdige Rhein⸗Gegend um den Koͤnigsstuhl bei Rhense und diesen selbst darstellt. Cr ist uͤberschrieben: Prospektus der Rheinischen Gegend vom Koͤ⸗ nigs⸗Stuhl angesehen sammt den Ober⸗Lansteinischen Feldern den Rhein hinunter; und unter dem Kupferstiche sind die dargestell⸗
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ten Gegenstaͤnde also bezeichnet: 1) Der Koͤnigs⸗Stuhl bei Rense, worauf die Churfuͤrsten gemeiniglich im XIV. Jahrhundert zu⸗ sammen kamen und Karl der IV. gewaͤhlt worden. 2) Nuß⸗ baͤume so um den Koͤnigs⸗Stuhl stehen. 3) Der Rheinstrom. 4) Das Staͤdtgen Ober⸗Lanstein, wo Koͤnig Edward von Engel⸗ land 1349 gewählt worden. 5) Campi Lonsteinienses, wo Kayser Wenceslaus an. 1400 abgesetzt worden. 6) Lan⸗Fluß. 7) Ge⸗ gend von Coblenz. 8) Das Dorf Nieder⸗Lanstein.
Koblenz, 4. Febr. (Rhein⸗ und Mos. Ztg.) Seit meh⸗ reren Jahren schon hatten sich einige Freiwillige aus den Jahren 1813 —i8is hierselbst am 3. Februar mit gleichgesinnten Freun⸗ den und Kameraden zu einem Erinnerungs⸗Fest versammelt. Das große Freiwilligen⸗Fest im Jahr 1838 in Koͤln, zur 25jaͤhrigen Feier dieses denkwuͤrdigen Tages, gab hierzu die erste Veranlas⸗ sung. Die edle gute Sitte ward nun von Jahr zr Jahr bei⸗ behalten, und in diesem hatte sich der Kreis von heilnehmern schon bis zur Zahl von 84 Mitgliedern erweitert. Ehemalige Freiwillige, aͤltere und juͤngere Militairs, vaterlaͤndisch gesinnte Maͤnner aus allen Staͤnden, hatten sich im Saale zum Rie⸗ sen versammelt. Der kommandirende General, Herr von Thiele, Excellenz, beehrte die Gesellschaft mit seiner Ge⸗ genwart, und den Vorsitz hatte der, ebenfalls als chema⸗ siger Freiwilliger dem Feste beiwohnende Herr Ober⸗Praͤ⸗ sibent von Bodelschwingh, Excellenz, uͤbernommen. Be⸗ deutungsvolle Worte wurden von ihm zum Gedaͤchtniß des erhabenen Koͤnigs gesprochen, der im Jahre 1813 sein Volk zu den Waffen rief, so wie Worte der Treue und der hoͤchsten Verehrung fuͤr des jetzt regierenden Koͤnigs Majestaͤt. Dem reihten sich Toaste, der Feier des Tages und seinen großen Er⸗ innerungen geweiht, an. Alte Kriegslieder versetzten die Kame⸗ raden in die schoͤne Zeit ihrer thatenreichen Jugend zuruͤck, und so wurde das Fest heiter und kameradschaftlich becangen und am Schlusse einstimmig festgesetzt, daß selbiges nicht untergehen solle, damit es den noch Lebenden aus jener großen Zeit eine kraͤfti⸗ gende Erinnerung, der heranwachsenden Jugend aber eine freu⸗ dige Mahnung sey und bleibe, dem Koͤnige und dem Vaterlande Blut und Leben zu opfern, wenn es gilt.
Trier, 2. Febr. (Trier. 3.) Se. Majestät unser gnädi⸗ ger Koͤnig, in unermuͤdeter Sorgfalt fuͤr das Wohl seiner Un⸗ terthanen, hat so eben einen neuen Beweis dieser vaͤterlichen Ge⸗ sinnungen gegeben, indem Allerhoͤchstdieselben durch Kabinets⸗Ordre die Weinsteuer pro 1840 gänzlich zu erlassen geruht haben. Diese Gnadenbezeugung, wovon der Herr General⸗Direktor der Steuern die Weingutsbesitzer auf eine von denselben an des Köͤnigs Ma⸗ jestät gerichtete Vorstellung benachrichtigt hat, wird vom Lande mit innigem Dank fuͤr den guͤtigen Monarchen aufgenommen werden.
8 2 1 2 8 Wissenschaft, Kunst und Literatur. Pe⸗king und der Golf von PeV⸗tsche⸗li.
Die Absendung eines Britischen Geschwaders nach dem Norden China's und die, nach den neuesten Nachrichten, erfolgte Rückkehr des⸗ selben von dort läßt unsere Aufmerksamkeit auch auf jene fernen Ge⸗ genden richten, auf die eigenthümliche Lage derselben, auf die Gründe, durch welche die Engländer bewogen wurden, einen Theil ihrer in den Chinesischen Gewässern befindlichen Kriegsschiffe dahin abzuordnen, mit
dem Eintreten der schlechteren Jahreszeit aber von dort wieder sofort zurückzuziehen.
In den, bei den Chinesen gewöhnlich mit dem Namen Nuh⸗bac aufgeführten Golf von Petscheli (Pe-che-lee, ef. Gützlaff Chinese Hi- story 1. 21.) gelangt man, nachdem man vom Süden nach Norden die von dem Chinesischen Kontinent und der Halb⸗ insel Corea gebildete Straße passirt, durch eine Wendung nach Westen, so daß der Busen fast eben so gedeckt ist, wie ein Binnenmeer. Derselbe wird eingefaßt durch die Küstenstriche der äußerst sandigen und wenig fruchtbaren Provinz Petscheli (Pe⸗che⸗lee, Peh⸗chth⸗le oder Chih⸗le), die trotz ihrer Unfruchtbarkeit eine Bevöikerung von 28 Mill. Seelen, also fast der Deutschlands oder Frankreichs gleich, in sich faßt. Die Hauptwichtigkeit dieser Provinz beruht aber nicht in ihrer Lage oder in dem Umfange ihrer Bevölkerung, sondern vielmehr darin, daß in dem nördlichen Theile derselben, in einer Ebene, die eiwa 20 Fran⸗ zösische Lieues südlich von der großen Mauer entfernt ist, die jetzige “ Residenz Pe⸗king, die Hauptstadt des himmlischen Reichs, iegt.
Als Gründer Pekings wird gewöhnlich Kublai, der Enkel Dschin⸗ gis Chans, angegeben; er nannte den Ort Ta-tu (große Hauptstadt). Die Nachkommen von Dschingis⸗Chan residirten daselbst von 1280 — 1367. Als Marko Polo Peking besuchte, hieß dasselbe Cambalu (Kaiserstadt). Ven der zweiten Hälfte des laten Jahrhunderts an hörte es auf, Re⸗ sidenz zu seyn. Im Jahre 1221 jedoch schon verließ Poung⸗lo, der dritte Herrscher von der Ming⸗Dynastie, die bisherige sudliche Residenz Nan⸗king (Hof des Südens), und verlegte dieselbe nach Cambalu, wel⸗ ches im Gegensatze zu dem alten Wohnsitze Pe⸗king (Hof des Nordens) benannt wurde, vorzüͤglich weil von hier aus die häufigen Einfälle der Tartaren mit größerer Leichtigkeit zu unterdrücken waren. Nach der im Jahre 1642 erfolgten Eroberung China's durch die Mandschu er⸗ wähsten die Beherrscher des siegreichen Volkes gleichmäßig Peking zu ihrem Wohnsitze, dessen Bevölkerung von nun an vorzugsweise durch die Mandschu und durch die zu ihrer Partei gehörenden Mongolen und Chinesen gebildet wurde. Im Uebrigen ist zu bemerken, daß der eigentliche offi⸗ zielle Name in der Reichssprache nicht Peking, fondern Chun⸗Chian⸗fu g. bedeutet: Stadt ersten Ranges (fu), unterworfen dem
mmel.
Das ungeheure Arreal der Stadt, welche also erst seit der ersten
aälfte des 15ten Jahrhunderts ununterbrochen Kaiserl. Residenz und Hauptstadt des ganzen Reichs gewesen ist, zerfällt in zwei mit einan⸗ der zusammenhängende, aber auch wiederum durch Wälle von einan⸗ der geschiedene Haupttheile. Sechzehn große Thore verbinden sowohl beide Theile mit einander, wie diese selbst mit den sie umgebenden Vor⸗ städten. Der obere, nördliche Haupttheil, ein länglichtes Viereck bil⸗ dend, trägt die Benennung King⸗tsching, und wird allein von den Mandschu bewohnt; — der untere, südliche Theil, wie ein breiteres, aber kürzeres Viereck vor King⸗tsching geschoben, heißt Vai⸗tsching, oder Vai⸗-to⸗tsching und ist der Aufenthalt der Chinesen.
Die Mauern der Mandschu⸗Stadt, von Backsteinen erbaut und mit Zinnen von mehr als 5 Fuß Höhe, sind fast 14 Fuß hoch und mehr als 20 Fuß dick. Hier und da sind Rampen oder Auffahrten angebracht, düͤrch welche die Kavalleristen, deren zwölf in vollständiger Rüstung neben einander auf der Mauer Platz haben, hinaufreiten dür⸗
fen. Die Mauern der Chinesischen Stadt sind viel niedriger und einfacher und hin und wieder durch vorspringende kleine viereclige Thürme gedeckt. Der Umfang beider Städte zusammengenommen würde nach Chinesischem Maße etwa 71 Li betragen, die ungefähr? Französischen Lienes entsprechen. 8 King⸗Esching (Kaiferhof, Kaiserstadt), von den Enropüͤern gewöhn⸗ lich Fataren⸗Stadr genannt, besteht eigentlich aus drei verschiede⸗ nen Städten, die sich gegenseitig einschließen, so daß die 198. zen der mittleren, diese aber wiederum von der äußersten umgeben ist M Umwallung, mit S Thoren verseben, umschließt die gesammte Die zweite Bevölkerung und ist von 8 Fahnen Kaiserl. Truppen besent ing (bohe oder mittlere Einfassung der Kaiserstadt heißt b. den Kaiserl. Stadt), und die dritte oder innerste, welche 2eee. Mauern, den Sess 8 sche 19 i möt, aühs 1-1.Iw Pai⸗lo⸗tsching, die amen Tsu⸗king⸗tsching (heilige egs 8 untere I. Lh snh⸗ lsche Aadt, ist. wie schon erwaͤhnt⸗ weniger 8 8 .