eeufprechen. Geben wir uns daher der Hoffnung hin, daß
8 aushuspeechach gst Koͤnig die uns zugesicherten üher Fcn naͤdigst aufrecht zu erhalten und deren genauer Befolgung eine lndersvaͤterliche Gorgfalt zuzuwenden geruhen werde. nserer Pflichten als Repraͤsentanten des Großherzogthums e stets eingedenk, lassen Sie uns wirken nach unserer eigenen Ueberzeu⸗ va allein. Unsere Berathungen leite gruͤndliche Ueberlegung; gun Geist der Eintracht und Liebe zu unserer Volksthuͤmlichkeit. Dann wird der Landtag vielleicht erzielen, daß dieser unserer hei⸗ matlichen Erde der Stern des Heils aufstrahlt, unfehlbar aber wird derselbe sich das Recht erwerben, das echte Organ eines schoͤnen Zweiges des großen Sarmaten⸗Stammes sich zu nennen.“ Darauf an den Herrn Ober⸗Praͤsidenten sich wendend, sagte
der Herr Landtags⸗Marschall: .n. „Hochzuverehrender Herr Wirklicher Geheimer Rath! Des Koͤnigs Majestaͤt haben Ew. Excellenz zu Allerhoͤchstihrem Kom⸗ missarius fuͤr den jetzigen Landtag zu ernennen geruht. Dies ist ein neuer Beweis der Huld und Gnade Seiner Majestaͤt fuͤr die rastlose und umsichtsvolle Thaͤtigkeit, so wie fuͤr den großen Amts⸗ Eifer, den Ew. Excellenz als Ober⸗Praͤsident der hiesigen Pro⸗ vinz stets an den Tag gelegt haben. Mir ist es angenehm, zum weitenmale als Landtags⸗Marschall mit Ew. Exeellenz in naͤhere
eruͤhrung zu treten und die jetzige Staͤnde⸗Versammlung ist üͤberzeugt, daß Hochdieselben ihr die naͤmliche Willfahrigkeit, wie
dem letzten Landtage werden erweisen wollen.
Nachstehende Adresse hat der Provinzial⸗Landtag der Provinz Posen an des Koͤnigs Majestaͤt gerichtet: 1 „Allerdurchlauchtigster Großmaͤchtigster Koͤnig!
Ew. Majfestaͤt haben Allergnaͤdigst geruht, die Staͤnde des Großherzogthums Posen zum fuͤnften Provinzial⸗Landtage zusam⸗ men zu berufen. er Landtag ist am 28. Februar eroͤffnet worden. MWir fuͤhlen uns gedrungen, vor Allem Ew. Majestaͤt den
allerunterthaͤnigsten Dank fuͤr die Ihren Unterthanen im Groß herzogthum Posen erwiesenen zahlreichen Wohlthaten darzubrin⸗ gen, welche Ihre Thronbesteigung verherrlicht und unsere Herzen mit aufrichtiger Verehrung erfuͤllt haben. Gestatten Ew. Ma⸗ jestaͤt zu diesen Wohlthaten vornämlich zaͤhlen zu duͤrfen: die Ruͤckkehr des Erzbischofs, die hochherzig ertheilte Amnestie, die Erweiterung der staͤndischen Verfassung, und die gestattete Ver⸗
oͤffentlichung der Landtags⸗Verhandlungen, so wie den Allerhoͤch⸗ sten Befehl, daß die Gerichte in den Verhandlungen mit Polni⸗
schen Unterthanen, sich deren Muttersprache bedienen. Ueber die Erhaltung ihrer Muttersprache und Majestaͤt Polnische Unterthanen immer mit Eifer wachen. Sind sie gleich durch 1 Ew. Majestaͤt ihnen ertheilen, zu den schoͤnsten Hoffnungen be⸗ rechtiget, so koͤnnen sie doch den Ausdruck der tiefen Betruͤbniß
nicht zuruͤckhalten, die sie daruͤber empfinden, daß Ew. Majestaͤt
den Grund, der zu ihren Beschwerden und Bitten sie veranlaßte, ihnen selbst besonders Schuld geben. Sie werden sich bemuͤhen darzulegen, warum sie glauben, daß sie dieser Vorwurf nicht trifft, und so viel an ihnen ist, alles thun, um den edlen Absichten Ew. Magestaͤt zu entsprechen.
Durch die Erhaltung und Sicherung dieser Nationalitaͤt wer⸗ den Sich Ew. Majestaͤt das schoͤnste und dauerndste Denkmal Ihrer Regierung in unseren Herzen aufrichten, und zugleich zwi⸗ schen dem Throne und Ihren Polnischen Unterthanen den feste⸗ sten Bund schließen.
tionen werden wir bemuͤht seyn, den Werth zu rechtfertigen, wel⸗ chen Ew. Magestaͤt auf den Beirath Ihrer Staͤnde zu legen ge⸗
ruhen, und den Erwartungen zu entsprechen, welche unsere Mit⸗
buͤrger auf ihre Vertreter gesetzt haben.
Ew. Majestaͤt moͤgen zuversichtlich darauf rechnen, daß die Resultate unserer Berathungen Zeugniß ablegen werden von der unverbruͤchlichsten Treue und der innigsten Liebe, in welcher wir verharren als
Ew. Majestaͤt allerunterthaͤnigste 3 die zum fuͤnften Provinzial⸗Landtage ver⸗ seammelten Staͤnde des Großherzogthums “ Posen. (Folgen die Unterschriften.) Posen, den 3. Maͤrz 1841.“
Zeitungs⸗Nachrichten. Ausl and
Frankreich. 8
Paris, 1. Maͤrz. Die Kommentare der Oppositions⸗Jour⸗
e uͤber die Majoritaͤt, welche sich bei der vorgestrigen Abstim⸗ mung in der Deputirten⸗Kammer kundgegeben hat, veranlassen heute das Journal des Débats zu folgender Entgegnung: „Wir sind an den prahlerischen Ton der Oppositions⸗Journale, und namentlich des „Courrier francais“ gewoͤhnt; indeß beken⸗ nen wir, daß wir auf die komische Art, wie man das vorgestrige Votum auslegen will, nicht gefaßt waren. Weiß man, wer in jenem Votum gesiegt hat? Die linke Seite, oder wenigstens die Ideen der linken Seite! Seltsame Trennung der linken Seite von ihren Ideen! Die linke Seite haͤtte also in Masse gegen ihre Ideen, und die Majoritaͤt fuͤr die Ideen der linken Seite votirt. Der „Lourrier francais“ erklaͤrt dies auf folgende sinn⸗ eiche Weise: Herr Guizot verdankt die Majoritaͤt dem Herrn Dufaure, der sie seinerseits wieder der Opposition, oder — man bewundere die feine Unterscheidung — den Ideen der Opposi⸗ tion verdankt. Also ist es die Opposition, es sind die Meinun⸗ gen der Opposition, die trotz der linken Seite eine Majoritaͤt von 0 Stimmen erlangt haben. Die Majoritaͤt hatte also der Op⸗ position ein Vertrauens⸗Votum bewilligt, welches die Opposition sich selbst verweigerte, indem sie gegen Herrn Dufaure stimmte. Die Journale der linken Seite behandeln uͤbrigens einstimmig jene anscheinende Majoritaͤt, wie man sie nennt, die aus so ver⸗ schiedenen Nuͤancen zusammengesetzt sey, mit großer Verachtung. Sie behaupten, daß Minister, die so sehr des Schutzes beduͤürf⸗ ten, bald von ihren Beschuͤtzern abgeloͤst werden wuͤrden. Was uns betrifft, wir sind nicht so stolz. Wir nehmen gern, nicht den chutz, wohl aber den loyalen Beistand der Herren von Lamar⸗ tine, Dufaure und Passy an. Wir nehmen die Majoritaͤt, wie sie ist, wenn wir auch gewiß wuͤnschten, daß sie aus homogene⸗ ren Elementen zusammengesetzt waͤre. Wir haben gar keine Lust, weiße Kugeln zuruͤckzuweisen, weil es moͤglich waͤre,
daß in Theil derselben fruͤher oder spaͤter in schwarze Ku⸗ ee. 8 fuͤr den Augenblick ist, daß
geln verwandelte. Das Wesentliche Ler Politik des 1. Maͤrz nicht wieder die Thuͤr geoffnet werde. Wir haben die Fehler des vorigen Kabinets zu liquidiren, und
Nationalitaät werden Ew.
die großmuͤthige Zusicherungen, die
Politik der Regierung nach Außen hin und aussprechen werde,
Bei Erwaͤgung der uns Allergnaͤdigst zugefertigten Proposi⸗ asn.
das ist eine schwierige Arbeit. Man muß, wie Herr Dufaure so richtig gesagt hat, wieder Ordnung in unsere Finanzen bringen, unsere Land⸗ und Seestreitkraͤfte dauerhaft organisiren, ohne in⸗ deß die Steuerpflichtigen zu erdruͤcken, oder der Freiheit Besorg⸗ nisse einzufloͤßen; man muß durch eine seste und gemaͤßigte Po⸗ litik die fremden Maͤchte fuͤhlen lassen, daß ihr Interesse es er⸗ heischt, uns einen ehrenvollen Weg zur Ruͤckkehr in den Eurh⸗ paͤischen Rath zu eroͤffnen. Wenn das die Ideen der linken Seite sind, was wir kaum geglaubt haͤtten, so wuͤnschen wir ihr Gluͤck dazu.“ — Der Constitutionnel aͤußert sich uͤber denselben Gegenstand in folgender Weise: „Das Ministerium hat einen jener Siege davongetragen, welche tödten, und es fuͤhlt dies. Es verlaͤßt toͤdtlich verwundet das Schlachtfeld, welches es selbst gewaͤhlt und dann zu vermeiden gesucht hatte. Herr Jouffroy wollte durch seinen Bericht eine bestimmte Graͤnzlinie zwischen den Parteien ziehen. Es ist ihm gelungen, aber nicht in der Weise, wie er es beabsichtigte. Jene Graͤnze, die er zwi⸗ schen der Majoritaͤt und der Opposition feststellen wollte, hat er unwillkuͤrlich zwischen zwei Fractionen der Majoritaͤt gezogen, so daß die Majoritaͤt, indem sie sich vergroͤßerte, sich gewisser⸗ maßen aufgeloͤst hat und jetzt aus den beiden Haͤlften besteht, die die Grundsaͤtze des Herrn Jouffroy bekaͤmpfen und ihnen beitreten. Es ist unbestreitbar und wird von allen Seiten ein⸗ gestanden, daß Herr Dufaure viele Stimmen fuͤr das Ministe⸗ rium gewonnen hat; aber man wird auch einraͤumen, daß alle diejenigen, die mit Herrn Dufaure stimmten, dem Ministerium kein Vertrauens⸗Votum ertheilt haben. Alles, was sie ihm bewilligen, ist Zeit. Man kann freilich sagen, daß Herr Dufaure, indem er jede Opposition bis nach der Reor⸗
sich der Gefahr aussetzt, lange an das Ministerium gebunden zu bleiben. Es liegt in dem Programm des Herrn Dufaure etwas Widersprechendes, welches seiner politischen Geduld eine lange Dauer geben koͤnnte; aber kann man sich wegen der Verkuͤrzung des Termins auf die Umstaͤnde verlassen. Die Minister taͤuschen sich auch in dieser Beziehung nicht. Die Meinung des Herrn Dufaure, obgleich dieselbe sie beschuͤtzt, hat sie doch in lebhafte Unruhe versetzt. Eine Verwaltung lebt nicht lange durch den Schutz einer Partei, welche andere Ideen hat, als sie.“ — Der Auotidienne geben die letzten Debatten in der Deputirten⸗ Kammer zu folgenden Betrachtungen Anlaß: „Ein Ministerium, welches nur unter der Bedingung besteht, daß es nicht spricht; eine Majoritaͤt, welche nur unter der Bedingung besteht, daß sie nichts hoͤrt! das ist gegenwaͤrtig, um uns der parlamentarischen Sprache zu bedienen, die gouvernementale Lage. Dazu kommt noch in der Kammer eine Opposition, welche Furcht vor sich selbst hat, Parteien, die sich so gering schaͤtzen, daß sie sich durch Spitzfindigkeiten der Sprache zu uͤberrumpeln suchen, Ehrgeisige, welche spekuliren“ Eitle, welche intriguiren, Apostaten, we che sich gegenseitig ver⸗ achtliche Blicke zuwerfen! War es nicht das, was wir waͤhrend der langen und qualvollen Eroͤrterung gesehen haben, aus der, zur Beschaͤmung der Einen, zur Freude der Anderen und zum Erstaunen Aller eine Majoritaͤt von 90 Stimmen fuͤr die Civil⸗ Liste der geheimen Polizei hervorging? Was hat Herr Guizot als Repraͤsentant des Kabinets gesagt? Daß er sich uͤber die im Innern nicht
weil er die Maoritäͤt nicht verwirren und
Was denkt sich denn Herr Guizot von der dergleichen Worte ihr gegenuͤber zu wa⸗ die Majoritaͤt von sich selbst, um sie sich oͤffentlich sagen zu lassen? Dann kam Herr Du⸗ faure und sagte, um sein Votum zu rechtfertigen, daß Frankreich keine Armee und keine Flotte habe, und daß der be⸗ klagenswerthe Zustand seiner Finanzen auf einen Bankerott hin⸗ zudeuten schien! Die Catone der neuen Dynastie sind also dahin gebracht worden, zu verlangen, daß sich Niemand ruͤhre, weil sie selbst sich nicht mehr bewegen koͤnnen. Es ist nicht mehr die Aufregung, die ihnen Furcht einfloͤßt, sondern sogar die Bewegung und das Leben. Sie beduͤrfen das Schweigen und die Unbeweg⸗ lichkeit des Grabes. Wenn wir nur von engherzigen Ruͤcksichten, oder von blinden Partei⸗Leidenschaften geleitet wuͤrden, so wuͤrden wir große Ursache haben, uns zu freuen; denn ihr habt die Bi⸗ lanz der zehn Jahre eurer Herrschaft auf die Rednerbuͤhne nie⸗ dergelegt, und wir haben auf jeder Seite die Ursachen der Ver⸗ armung und der Schmach des Landes gelesen. Wir koͤnnten triumphiren; aber wir verstehen es nicht, uns uͤber das zu freuen, was ein Ungluͤck und eine Gefahr fuͤr das Vaterland ist. Wir bezeichnen die Fehler, die ihr begangen habt, die Verlegenheiten und die Gefahren, die ihr hervorgerufen habt, weil das Land sich durch eure Spaltungen und durch eure Streitigkeiten beleh⸗ ren muß. Wir erfuͤllen mit Schmerz unsere Pflicht als Buͤrger, weil ihr eure Pflichten als Staatsmaͤnner nicht mit Einsicht und Treue zu erfuͤllen gewußt habt.“
Die Fortifications⸗Kommission der Pairs⸗Kammer hat in einer ihrer letzten Sitzungen die Maires der Bannmeile vernom⸗ men, die darum nachgesucht hatten, im Namen der von ihnen vertretenen Lokalitaͤten Einwendungen gegen den Fortifications⸗ Entwurf vorbringen zu duͤrfen.
Auch der Baron Mortier, Franzoͤsischer Gesandter in der Schweiz und Mitglied der Pairs⸗Kammer, wird im Laufe der naͤchsten Woche in Paris erwartet.
Heute, als am Jahrestage der Bildung des Thiersschen Kabinets, stattete eine Deputation der Studenten dem Herrn Thiers einen Besuch ab.
Die neueste Mode in Paris ist die Wanderung nach dem artesischen Brunnen in dem Aballoire von Grenelle. Die Zei⸗ tungen fahren noch immer fort, Details uͤber jene interessante Arbeit zu geben. Es geht aus denselben hervor, daß seit dem Beginn der Bohrversuche bis zu dem Augenblicke, wo der arte⸗ sische Brunnen Wasser gegeben hat, uͤber 7 Jahre verflossen sind. Man hat berechnet, daß bis jetzt taͤglich 4320 Kubik⸗Metres Wasser durch jenen Brunnen zu Tage kommen. Die Tiefe des Brunnens wird auf 1650 Fuß angegeben. Das Wasser hat jetzt noch eine schwaͤrzliche Farbe und ist sehr sandig; es wird aber, wie die Erfahrung lehrt, in wenigen Tagen rein wie Quell⸗ wasser werden.
Boͤrse vom 1. Maͤrz. Die heute stattfindende Liquida⸗ tion veranlaßte ein starkes Steigen der Rente. Es waren noch viele Verkaͤufe zu decken, und der Mangel an Stuͤcken zwang die Baissiers, hohe Course zu bezahlen. Die Zproc. Rente stieg vis auf 77. 15 und schloß zu 77. Die 5proc., deren Coupon am Iten d. abgeloͤst wird, stieg bis auf 113. 40.
veruneinigen wolle. Majoritaäͤt, um und was denkt
at Paris, 28. Febr. Gestern Abend hat die Deputirtenn
86 gyge 1 ₰4 . 5 (Kammer mit einer Majorität von 90 Stimmen (234 gegen 145)
das Gesetz uͤber die geheimen Fonds angenommen. Es üli dies das dritte Votum von vheienan, Fedeutunsg, welches das Ministe⸗ rium seit Eroͤffnung der Session erlangt hat. Es hat eine weit sttaͤrkere Majoritoͤt erhalten, als bisher sich horausstellte, und da der Kammer kein Gesetz mehr vorliegt, das zu Wsher Kabinets⸗
* 8
ganisation der Armee, der Marine und der Finanzen verschiebt, der so gern an den Wagen der Politik spannt,
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Frage gemacht werden koͤnnte, so ist es, wenn nicht außerordent⸗
liche Ereignisse eintreten, mehr als wahrscheinlich, daß das Mi⸗
nisterium Soult⸗Guizot ruhig die Session beendigen wird. Das
ist das praktische Resultat des Votums.
Wenn man jetzt die verwickelte Diskussion dieser drei Tage, von denen namentlich die beiden ersten so peinlich waren, sich wieder vergegenwaͤrtigt, so erkennt man, daß die Lage unseres Parlamentes, wenigstens in positiver Hinsicht, noch nicht voͤllig befriedigend ist.
Negativ haben jedoch diese Diskussion und das darauf fol⸗ gende Votum treffliche Dinge bewiesen. Die wahre Gesinnung, welche jene 235 Stimmen vereinigt, das sicherste Zeichen ihrer Allianz, ist also fuͤr die Majoritaͤt die offenbare Nothwendigkeit, Herrn Thiers und seine ungestuͤme Politik zuruͤckzuweisen, es ist
der sehr aufrichtige Wunsch, Europa die Wohlthat des Friedens
zu erhalten. Man wird ferner bemerken, und alle Maͤnner von
Geist und Vernunft haben es hier mit Freuden bemerkt, daß die
Linke waͤhrend der ganzen Diskussion den Kampf zu vermeiden gesucht hat. Die Opposition des linken Centrums und der linken Seite hatte in solchem Grade das Gefuͤhl ihres moralischen Miß⸗ kredits, in dem sie in Folge ihres ungluͤcklichen Feldzuges unter der Anfuͤhrung des Herrn Thiers, bei dem Lande steht, daß sie waͤhrend jener drei Tage, obgleich ihre ausgezeichnetsten Redner die Tribuͤne haͤtten besteigen sollen, es nicht wagte, ihre Fahne wie sonst zu entfalten, noch ihr Pro⸗ gramm darzulegen, oder alle die wunderbaren Resultate der aͤuße⸗ ren und inneren Politik auszuposaunen, die sie zum groͤßten Gluͤcke fuͤr Frankreich und die ganze Welt so lange zu besitzen geglaubt hat und die bei jener un chuldigen Menge, die sich lei⸗ fuͤr untruͤgliche Nein, die Linke hat es nicht gewagt, von sich selbst zu sprechen; Herr Thiers hat nichts uͤber die Revolution gesagt, deren Adoptiv⸗Kind er ist; Herr Mauguin hat nicht die Propaganda und den heiligen Krieg zur Befreiung der unterdruͤckten Voͤlker gepredigt; die Herren Arago und Garnier Pages haben nicht ihre gewoöͤhnlichen Klagelieder uͤber das Loos der leidenden und verlassenen Klassen wiederholt, und Herr Odilon Barrot hat nicht seine schon vergessene Vorlesung uͤber constitutionelle Metaphysik und das Gleichgewicht der drei Gewalten, uͤber die Nothwendigkeit fuͤr die Krone, zu herrschen, ohne zu regieren, uͤber die Garantieen der Freiheit u. s. w. gehalten. Nein, die Opposition hat nichts von dem Allen gesagt; haͤtte sie sich noch als eine politische Partei darstel⸗ len wollen, die noch faͤhig sey, zu regieren, nachdem sie vor kur⸗ zem und zwar wegen der plumpsten Fehler, die seit 1830 began⸗ gen worden, gestuͤrzt war, so wuͤrde sie dadurch ihren Gegnern ein zu leichtes Spiel gegeben haben. Man hat sich wohl davor gehuͤtet; Herr Thiers hat mit jenem leichten und nachlaͤssigen Tone, den Sie kennen, eingestanden, daß er einige Fehler begangen habe, aber dieselben seyen schon so lange her, daß sie als wahre Jugendfehler zu betrachten seyen und uͤberdies seyen die Angelegenheiten, in Bezug auf die jene Fehler began⸗ gen worden, so entschieden abgemacht und beendigt, daß es nach seiner Ansicht von gar keinem Nutzen sey, auf diesen Gegenstand zuruͤckzukommen. Der durch Vermittelung der vier Maͤchte zwischen dem Sultan und dem Pascha abgeschlossene Vertrag und der Sturz des Kabinets vom 1. Maͤrz haben, nach Herrn Thiers, eine so voͤllige Umgestaltung in der Europaͤischen Politik erzeugt, und Frank⸗ reich seine Stellung so gebieterisch vorgezeichnet, daß es nicht mehr noͤthig sey, daruͤber zu diskutiren, was man zu thun habe, indem dies bereits durch die Ereignisse entschieden worden. Eben so verhaͤlt es sich, dem Redner zufolge, mit der inneren Politik, und es folgte also daraus, daß es keine andere Frage mehr gab,
Specifica galten.
als die, ob das Kabinet in der Kammer eine wirkliche und ihm
aufrichtig ergebene Majoritaͤt habe. Dies ist der einzige Punkt, den die Linke hat eroͤrtern wollen, und um diese Majoritaͤt zu veruneinigen, haben eben Herrn Thiers und Herr Odilon Barrot alle Hebel ihrer Taktik auf den Baͤnken der Kammer und ihrer Beredsamkeit auf der Tribuͤne in Bewegung gesetzt.
Nachdem die Oppositions⸗Mitglieder bereits in den Buͤreaus, wo sie bekanntlich seit der Ernennung der Kommission nicht er⸗ schienen, den Kampf verweigert hatten, lehnten sie ihn auch in den oͤffentlichen Debatten ab, sie wußten im Voraus, daß sie, und zwar durch eine noch groͤßere Majoritaͤt, als sich bei der Abstim⸗ mung ergeben hat, geschlagen werden wuͤrden, wenn sie mit ih⸗ rer Politik hervorzutreten gewagt haͤtten. Es ist dies ein hoͤchst erfreuliches Resultat, zu dem sich alle Freunde des Europaͤischen Friedens Gluͤck wuͤnschen koͤnnen.
Aber fuͤr uns Franzosen, namentlich fuͤr das Kabinet, ist es nicht hinreichend, zu wissen, daß die Politik des Herrn Thiers fuͤr lange Zeit in moralischen Mißkredit verfallen ist, aus dem sie Muͤhe haben wird, sich zu erheben; man muß auch gewiß seyn, in der Kammer eine feste Majoritaͤt zu finden, die einer bestimmten Richtung zu folgen versteht, die diesen oder jenen Maͤnnern einen sicheren Beistand zu leihen verspricht und mit ihnen auf eine gewisse Weise regieren will. Dies ist es, was ich die positive Seite der Frage nenne und ich muß zugeben, daß sie in dieser Beziehung noch nicht vollstaͤndig entschieden ist. Die so schwierige Stellung der Kammer und des Ministeriums waͤhrend der dreitaͤgigen Diskussion beweist dies leider nur zu deutlich. Der einstimmig von der Kommission angenommene Bericht des Herrn Jouffroy, welcher, wenn auch nicht, wie man sagt, das Evangelium, doch das politische Symbol der neuen Majoritaͤt haͤtte seyn sollen, hat vielmehr Gelegenheit gegeben die inneren Spaltungen dieser Majoritaͤt kennen zu lernen. ie besteht in der That aus drei bestimmt geschiedenen Elementen. Die erste Stelle nimmt die alte Partei der 221 ein, welche das Ministerium des Grasen Molé bis zuletzt unterstuͤtzten. Sie haben sich um die Herren von Lamartine und von Salvandy gruppirt. Diese Partei hat der Coalition noch nicht verziehen, daß sie von derselben oft so ohne alle Umstaͤnde behandelt worden ist und sie hat daher auch noch nicht darauf verzichtet, sich einst an denenzu ’ zujener ungluͤcklichen Zeit eine so glaͤnzende Robe ie war es, welche die Majoritaͤt von 9 1ea⸗ 8 Nhai sürzu⸗ 88. Coaliti vor Kinister 1 89
8 de og ich zu raͤchen, mußte damals in dieser Par⸗ warf. Der Wunsch, sit 8 besti b er tei sehr lebhaft seyn, um sie zu bestimmen, ein ihren fruͤheren Handlungen so entgegengesetztes Votum abzugeben. Diese Par⸗ tei hat uͤbrigens en Masse keine Verpflichtungen fuͤr oder gegen die September⸗Gesetze, die nicht ihr Werk sind, uͤbernommen, und wenn Thiers ihr von dem Bericht des Herrn Jouffroy, der die Aufrechthaltung jener Gesetze ankuͤndigt, sprach so hoffte er wohl einige Mitglieder in Folge alten Grolles von dem Mi⸗ nisterium zu trennen. Die zweite Fraction der gegenwaͤrtigen Majoritat ist die bedeutendste durch das Talent der Maͤnner des rechten Centrums, aus denen sie besteht, und die Herrn Guizot in die Coalition folgten. Diese werden stets mit dem jetzigen Ministerium stimmen und sie scheinen auch den Bericht des Herrn Jouffroy eingegeben zu haben, leider sind sie nicht sehr zahrreich⸗
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Die dritte Fraction endlich, deren Fuͤhrer die Herren assy und Dufaure sind, besteht aus den Mitgliedern des v-.ä a. tiers parti, die mit Herrn Thiers brachen, als man die durch den Sieg der Coalition gewonnene Beute theilen wollte. Unter dieser Partei giebt es nur zwei Maͤnner von Talent: der Eine ist Herr Dufaure, der die September⸗Gesetze seit ihrer Diskussion bekampft hat, und deren Revision er in dem, was er sein politisches Programm nennt, unaufhoͤrlich verlangt. Jetzt, da er der Gewalt nahe steht, sieht er ein, wie heilsam diese Gesetze sind, und um nun konsequent zu erscheinen und nicht zugleich die Gewalt zu sehr zu schwaͤchen, hat er seine Bemuͤhun⸗ gen fuͤr die Revision auf den ersten Artikel beschraͤnkt, welcher gestattet, gewisse Preß⸗Vergehen vor den Pairshof zu bringen. Uebrigens wird diese Partei, die aus mittelmaͤßigen Koͤpfen be⸗ steht, welche mit demselben Eifer nach Popularitaͤt streben und voll unersaͤttlicher Eitelkeit und beschraͤnkten Geistes sind, am schwersten su lenken seyn. Voll Anspruͤche und doch schwach bis zur Furcht amkeit hat diese Partei nicht gewagt, in das Kabinet vom 29. Oktober einzutreten, als sie sah, mit welcher Fluth von Schmaͤhungen die Oppositions⸗Presse die Minister bei ihrem Ein⸗ tritte ins Kabinet uͤberschuͤttete. Jetzt, wo die Dinge ein freund⸗ licheres Ansehen zu gewinnen scheinen, bereuen sie es bitter, die ihnen damals angebotenen Portefeuilles nicht angenommen zu haben. Daher ihr Kokettiren mit dem Kabinet, und da sie den nothwendigen Stuͤtzpunkt der Majoritaͤt bilden, so ist es wahr⸗ scheinlich, daß man ihnen in dem Zwischenraum zwischen den Sessionen, vielleicht auf Kosten der Herren Humann und Cunin⸗ Gridaine, so wie des Herrn Teste, welcher, ohne Einfluß in der Kammer, sich nur durch die Freundschaft des Marschall Soult haͤlt, eine oder zwei Stellen im Ministerium uͤberlaͤßt.
8 Dies ist der wahre Zustand unserer Lage. Sichere Majo⸗ ritaͤt gegen jede kriegerische Politik; Schwierigkeit fuͤr diese Ma⸗ joritaͤt, sich unter sich zu verstaͤndigen und sich dauernd in der
8 Gewalt festzusetzen. Man muß indeß anerkennen, daß die Dinge die Tendenz haben, sich zu verbessern und namentlich außerhalb der Kammer. Die oͤffentliche Meinung hat eine zu starke Lehre uͤber das Verdienst der Politik der Opposition erhalten und man
bemerkt von allen Seiten eine merkwuͤrdige Umwandelung der Gesinnung. Auch darf man nach der Session eine Aufloͤsung der Kammern erwarten. Außer dem Vortheil, daß die Regie⸗ rung durch die Aufloͤsung eine gewisse Anzahl Stimmen gewoͤnne, wuͤrden mit der aus der Coalition hervorgegangenen Kammer vielleicht auch die traurigen Erinnerungen an jene Epoche und die Verlegenheiten verschwinden, die sie unserer Lage als Erbtheil hinterlassen hat.
Großbritanien und Irland.
London, 27. Febr. Im auswaͤrtigen Amte wurde heute
Mittag ein Kabinetsrath gehalten, dem saͤmmtliche Minister bei⸗
wohnten, und in welchem vermuthlich das mit Hinsicht auf die
Irlaͤndische Waͤhler⸗Registrirungs⸗Bill weiter zu beobachtende
Verfahren beschlossen worden ist.
ster, wegen der geringen Majoritaͤt von 5 Stimmen ihre Ent⸗
lassung einzureichen, verlautet nichts. Der ministerielle Globe erinnert daran, daß eines der wichtigsten Gesetze Englands, das
E der persoͤnlichen Freiheit, die Habeas⸗Corpus⸗Akte, im
Jahre 1676 sogar nur mit einer Majoritaͤt von einer einzigen
Stimme durchgegangen sey. .
Sir Robert Peel hat bei den Debatten uͤber die Irlaͤndische
Registrirungs⸗Bill eine ziemlich untergeordnete Rolle gespielt, denn seine Rede war eigentlich nichts als ein reiner Wiederhall von der des Lord Stanley. Der Letztere scheint auch immer mehr der Mann der Tories zu werden, auf den sie noch ihre meiste Hoffnung setzen. Sir R. Peel ist ihnen viel zu ruhig, er laͤßt es zu sehr an sich kommen. Sie wollen aber einen Kem⸗ pen, der sich offensiv, nicht bloß defensiv verhaͤlt.
1 Der politische Schwaͤrmer Joseph Rayner Stephens, vor⸗ nals Anglikanischer Geistlicher, von welchem seiner Zeit viel in en oͤffentlichen Blaͤttern die Rede war, ist dieser Tage aus sei—
ner Haft im Schlosse von Chester entlassen worden, und zwar,
auf Befehl des Staats⸗Secretairs des Innern, acht Tage vor dem Ablaufe seiner Strafzeit, damit er der Beerdigung seines
Vaters beiwohnen konnte. Stephens soll, abgesehen von seinem olitischen Fanatismus, ein sehr begabter und gebildeter Mann
seyn. Von den sogenannten Maͤnnern der physischen Gewalt
sagte er sich uͤbrigens schon vor seiner Einkerkerung los, und jetzt sollen sich seine Leidenschaften noch mehr abgekuͤhlt haben.
der sich kuͤrzlich zwischen Dublin und Li—
verpool mit dem Dampfschiffe „Nottingham“ und dem Amerika⸗
nischen Auswanderer⸗Schiff „Governor Fenner“ zutrug, veranlaßte in einer der letzten Unterhaus⸗Sitzungen den Lord Sandon, das
Ministerium zu fragen, ob nicht fuͤr die Dampfschiffe, eben so
wie fuͤr die Segelschiffe, Vorschriften daruͤber bestaͤnden, nach
welcher Seite sie auszuweichen haͤtten, worauf Lord Morpeth erklaͤrte, daß allerdings sowohl das Ausweichen wie die Art der
Beleuchtung den Dampfschiffen vorgeschrieben sey, und daß nur
zu wuͤnschen waͤre, auswäͤrtige Regierungen moͤchten gleiche Vor⸗ schriften erlassen, obwohl ihnen freilich von Seiten Englands noch
keine Mittheilung daruͤber gemacht sey.
Das Eingestaͤndniß des Secretairs fuͤr Irland, welches der⸗ selbe neulich auf eine Frage des Herrn Jackson im Unterhause machte, daß sich in Irland oͤfters noch Waffen in Haͤnden von Personen befaͤnden, die nicht dazu befugt seyen, dergleichen bei sich zu haben, wurde von den Tories mit einem lauten: Hoͤrt, hoͤrt! aufgenommen, und man wollte, daß eine neue Waffen⸗ 1G Nachsuchung in Irland veranstaltet wuͤrde. Die Minister wa⸗ ren jedoch der Meinung, daß die dortigen Behoͤrden hinreichende Gewalt besaͤßen, um die Gesetze aufrecht zu erhalten und jeden Mitßbrauch mit solchen Waffen zu verhindern.
Der liberale Kandidat, Herr Armstrong, ist fuͤr die Koͤnigs⸗ Grafschaft in Irland mit einer Majoritaͤt von 216 Stimmen zum Parlaments⸗Mitgliede gewaͤhlt worden; er erhielt 426 und sein Gegner, Herr Bernard, nur 210 Stimmen.
Die Regierung hat einen Beschluß der Legislatur von Ja⸗ maika, einen Zoll von 5 pCt. auf alle in dieser Kolonie einge⸗ henden Waaren zu legen, ihre Genehmigung ertheilt.
In der Grafschaft Durham wurde kuͤrzlich ein Chartisten⸗ Redner, Namens Julian Harney, in Haft gebracht, weil er in Hrte Luthermuir aufruͤhrerische Reden gehal⸗
Am Morgen des 10. Februar wurden zu Carmarthen 8 der Baptisten⸗Gemeinde angehoͤrige Personen durch Eintauchung in den Strom getauft. Unter ihnen waren 6 Frauenzimmer, welche das Untertauchen muthig uͤberstanden, obgleich das Thermometer auf dem Gefrierpunkte stand.
Wie sehr der Gebrauch des Zweikampfs in England einge⸗ wurzelt ist, erhellt aus dem Umstande, daß noch am sr. Novem⸗ 8 1807 ein des Mordes Angeklagter, Namens Thorton, vor
ericht auf einen Zweikampf mit dem Klaͤger antrug, worauf
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durch ein Gesetz im 59sten Regierungsjahre Georg III. der ge⸗ richtliche Zweikampf ausdruͤcklich verboten werden mußte. Graf Stroganoff ist von Paris hier eingetroffen; er uͤber⸗ bringt Depeschen fuͤr den Russischen Gesandten, Baron Brunnow. Aus dem Hafen von Dover sind in der letzten Zeit wieder starke Transporte von Pferden nach Frankreich verschifft worden.
13 Niederlande.
Aus dem Haag, 2. Maͤrz. Eben so wie fruͤher Herr Luzac hat nunmehr auch Herr Fockema erklaͤrt, * 8 8 nennung zum Staatsrath nicht annehmen koͤnne. Das vorge⸗ ruͤckte Alter des Herrn Fockema scheint der einzige Grund zu seyn, weshalb dieses geachtete Mitglied der ehemaligen Opposition die auf ihn gefallene ehrenvolle Wahl des Koͤnigs nicht ange⸗ nommen hat.
Belgien.
Bruͤssel, 2. Maͤrz. Der neue Spanische Geschaͤftstraͤger, Herr von Quadrado, hat dem Minister der auswaͤrtigen Ange⸗ legenheiten seine Beglaubigungs⸗Schreiben uͤberreicht. 1
Die Deputation von Kohlen⸗Arbeitern aus dem Borinage, die hier auf die Ruͤckkehr des Koͤnigs aus London wartete, um bei
demselben im Namen ihrer Gefaͤhrten gegen die Verordnung hin⸗ sichtlich der Arbeitsbuͤcher Beschwerde zu fuͤhren, hat vor einigen Tagen Audienz bei Sr. Majestaͤt gehabt Der Koͤnig empfing sie und die Bittschrift, die sie uͤberreichten, sehr leutselig und versprach ihnen daruͤber zu wachen, daß ihnen keinerlei Unrecht geschehe, und keinerlei Plackerei auferlegt werde. Gleichzeitig stellte ihnen der Koͤnig jedoch vor, daß die Maßregel hinsahtlich der Arbeitsbuͤcher lediglich zu ihrem Besten sey, und daß sie Un— recht thaͤten, sich ihr zu widersetzen. Die Regierung werde auch in diesem Punkte nicht nachgeben und das Gesetz unwiderruflich in volle Anwendung bringen lassen. — Man hofft nunmehr, daß diejenigen Kohlen⸗Arbeiter, die bereits seit einiger Zeit ganz feiern, wieder zu ihrer Arbeit zuruͤckkehren werden. .
Deutsche Bundesstaaten.
Muͤnchen, 1. Maͤrz (L. Ztg.) Bei einem großen Kon⸗ zert, das vorgestern vom Personal der Hofkapelle zum Besten der uͤberschwemmten Doͤrfer an der Donau im Koͤnigl. Odeon veranstaltet wurde, wirkten viele Dilettanten, zum Theil aus den hoͤheren Staͤnden, mit, wie z. B. der Graf von Wielhorsky,
Hofmarschall und Ober⸗Stallmeister Sr. Kaiserl. ei arlamentarischen . 4 ste aiserl. Hoheit des
Herzogs von Leuchtenberg und Frau von Handley, schon unter ihrem fruͤheren Namen, Delphine von Schauroth, als Meisterin beruͤhmt. — Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit ist ein pracht⸗ voller goldener Pokal, den unser Koͤnig dem Saͤnger des Rhein⸗
Von einer Absicht der Mini⸗
liedes als Ehrengeschenk bestimmt hat, und der seit gestern auf unserem Kunstverein ausgestellt ist. Um den Rand des Pokals laufen die Worte: „Sie sollen ihn nicht haben den Deutschen freien Rhein.“ Auf der einen Seite des Bechers liest man: „Der Pfalzgraf bei Rhein dem Dichter des Liedes der Deutsche freie Rhein 1840.“ Auf der anderen erblickt man den Gott des
b“ und zu seiner Linken einen Dom, zur Rechten eine Burg.
bu Die Zeichnung zum Pokal machte auf Befehl des Koͤ⸗ nigs L. Schwanthaler, die Ausfuͤhrung ist von Magyerhofer.
Stuttgart, 1. Maͤrz.
niglichen Familie hier angekommen.
trag ein landesherrliches Reskript, wonach der Landtag auf unbe⸗ stimmte Zeit vertagt wird.
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Konstantinopel, 10. Febr. (A. Z.) Endlich hat die große Konferenz uͤber die Bestimmungen des fuͤr Mehmed Ali und seine Nachkommen zu erlassenden Fermans im auswaͤrtigen De⸗ partement stattgefunden. Am 4ten um 10 Uhr Vormittags er⸗ oͤffnete Reschid Pascha die Sitzung mit einer passenden Anrede. Nebst den Gesandten der vier Europaͤischen Maͤchte und dem Reis⸗Effendi nahmen noch folgende Personen an der Berathung Theil: Riza Pascha, Obersthofmeister Sr. Hoheit und Komman⸗ dant der Großherrlichen Leibgarden, Ahmet Fethi Pascha des Sultans Schwager, Fuͤrst Vogorides von Samos, der Groß⸗ mufti, die Großwuͤrdentraͤger und Minister des Reichs, zwei Kadiaskere und mehrere hoͤhere Tuͤrkische Beamte. Der erste Dragoman der hiesigen Russischen Botschaft versah, statt des vor einigen Tagen mit Tode abgegangenen Herrn Franceschi, das Amt des Protokollfuͤhrers und Dolmetschers. Der erste Punkt, welcher der Diskussion unterworfen ward, kam nach unbedeutenden Ein⸗ wendungen, die von dem Großbritanischen Botschafter gemacht wurden, mit Stimmeneinhelligkeit zur Entscheidung. Es han⸗ delte sich um die Bestimmung der Eigenschaft, in welcher die Europaͤischen Gesandten dem abzuhaltenden Divan beizuwohnen haͤtten, und ob das, was von der Pforte hinsichtlich des Vice⸗ Koͤnigs bestimmt werden sollte, unter activer Mitwirkung der bohen Maͤchte zu geschehen habe, mithin der Inhalt des Inve⸗ stitur⸗Fermans der Loudoner Konferenz vorzulegen sey, oder ob die Repraͤsentanten der genannten Maͤchte bloß auf die Erthei⸗ lung ihres Rathes beschraͤnkt bleiben sollten. Das etztere ward entschieden, weil die auswaͤrtigen Maͤchte der Pforte in deren inneren Angelegenheiten einen voͤllig freien Spielraum las⸗ sen wollten. Hierauf ward zur Eroͤrterung der einzelnen Ge⸗ genstaͤnde geschritten, die ich hier in kurzem rekapituliren will. Die dem Mehmed Ali ertheilte Verzeihung fuͤr die Praͤvarica⸗ tionen, die er sich in den letzten Jahren zu Schulden kommen ließ, soll auch auf seine Kinder ausgedehnt werden. Alle mit fremden Maͤchten geschlossenen Traktate, alle Gesetze des Reichs,
bereits erlassene oder noch zu erlassende, haben auf Aegypten die⸗ selbe Anwendung zu finden, wie auf die uͤbrigen Provinzen des Osmanischen Reichs. Das oͤffentliche Gebet im ganzen Be⸗ reiche des Aegyptischen Paschaltks soll so verrichtet werden, daß in den Moscheen nur der Name des Sultans als Beherrschers der Glaͤubigen und Nachfolger des Propheten genannt werde. Die Ausuͤbung des Muͤnzrechtes soll in seinem ganzen Umfang dem Sultan vorbehalten bleiben. Dabei ward bemerkt, daß wenn etwa die Beduͤrfnisse des Handels eine Modification hierin er⸗ heischen wuͤrden, es leicht waͤre, von Fall zu Fall daruͤber zu entscheiden, ob Mehmed Ali auf widerrufliche Art zu gestatten sey, die Praͤgung von bestimmten Summen So⸗ wohl das Militair als alle Civil⸗Beamten Aegyptens sollen die⸗ selbe Uniformirung erhalten, die nach den Kaiserlichen Vorschrif⸗ ten eingefuͤhrt ist oder die in der Folge eingefuͤhrt werden sollte. Die Zahl der Truppen, die der Vice⸗Koͤnig zu halten befugt sey, habe 25,000 Mann nicht zu uͤbersteigen. Die Ernennun⸗ gen der Offiziere bis zum Hauptmann exklusive wird dem Vice⸗Koͤnig uͤberlassen, die Ernennung der Hauptleute hingegen,
Se. Kaiserl. Hoheit der Herzog von Leuchtenberg ist gestern Nachmittag zum Besuch bei der Koͤ⸗
Kassel, 3. Maͤrz. In der gestrigen Sitzung der Staͤnde⸗ Versammlung verlas der Landtags⸗Commissair in hoͤchstem Auf⸗
so wie aller hoͤheren Offiziere soll der Pforte vorbehalten blei⸗
ben. Der Sold der Truppen soll nach den von der Pforte be⸗
folgten Grundsaͤtzen ausgemessen und auf Rechnung der Pforte verabfolgt werden, im Falle die Pforte die Verwaltung der
Aegyptischen Finanzen in eigene Regie nehmen sollte, von dem Pascha selbst hingegen, wenn die Pforte sich geneigt fuͤhlen sollte,
ihm die genannte Verwaltung der Steuern und Taxen I. uͤber⸗
lassen. — Nun kamen die an die Reihe: die Verhand⸗
lungen daruͤber beschaͤftigten die Konferenz mehrere Stunden lang,
ohne daß die der Pforte ertheilten Rathschläge sich zu voͤlliger
Uebereinstimmung geneigt haͤtten. Man ist daher gespannt, was
die Pforte in dieser Hinsicht entscheiden wird. — Seit dieser Siz⸗
zung sind nun sechs Tage verflossen; der Ferman ist indessen noch nicht abgefaßt. Man behauptet zwar, im Laufe des heutigen Ta⸗
ges werde derselbe noch vollendet und nach Aegypten abgefertigt
werden koͤnnen. Wenn man aber die Wichtigkeit der erwarteten
Urkunde bedenkt und erwaͤgt, wie problematisch die Annahme der⸗
selben in Alexandrien seyn moͤchte, so duͤrfte man auf einen wei⸗
teren Verschub gefaßt seyn.
— Ein anderer Korrespondent berichtet uͤber obige Konfe⸗ renz: „Es erhob sich in den meisten Punkten wenig Widerspruch. Zu einer Controverse fuͤhrten 1) die Finanzen. Waͤhrend die drei Kontinentalmaͤchte sich dafuͤr aussprachen, daß die Erhebung und die Verwendung der öͤffentlichen Einkuͤnfte in Aegypten zu dem Ressort des erblichen Administrators von Aegypten gehoͤren sollten, außerte Lord Ponsonby starke Bedenken gegen diese aß⸗ regel. Bekannt sey, meinte der Lord, die dner ehes⸗ Habsucht Mehmed Ali's. Wenn man ihm einen durch Ziffer bestimmten Tribut auflege, so wuͤrde er um so mehr von den ungluͤcklichen Unterthanen zu erpressen suchen. In keinem Zweige der Ver⸗ waltung sey eine Reform in Aegypten dringender, als gerade in den Finanzen, so daß ihm, dem Lord, alles uͤbrige fast als Ne⸗ bensache erscheine. — Man konnte sich daruͤber nicht vereini⸗ gen. Unterrichtete Personen meinen, daß sich die Pforte fuͤr einen festen Tribut aussprechen werde. 2) Das Militairwesen. Die eine Meinung ging dahin, daß die Zahl der Truppen, die Mehmed Ali zu halten berechtigt seyn sollte, auf 20,000 Mann zu beschraͤnken sey; andere meinten, diese numeri⸗ sche Bestimmung sey uͤberfluͤssig; dem Zweck entsprechender sey es, nach der Seelenzahl der Einwohner den Auotienten zur Aushebung festzusetzen; in der Tuͤrkei geschehen die Rekrutirungen in dem Verhaͤltniß von eins zu Hundert; man bestimme fuͤr Aegypten das Verhaͤltniß von eins auf Zweihundert, was bei einer Bevoͤlkerung von ungefähr 4 Millionen beiläufig dasselbe Resul⸗ tat liefere. Reschid Pascha reassumirte die divergirenden Ansich⸗ ten, und meinte, diese zwei S ließen sich leicht ver⸗ einigen, und beide so zur leitenden ichtschnur nehmen, daß die eine die andere wechselseitig beschraͤnke. 3) Die Bestimmung der Personen, die das Nachfolgerecht in Aegypten genießen, und der Ordnung in welcher sie sich succediren sollen. Eines⸗ theils erklarten einige, daß diese Ordnung im Voraus bestimmt werden sollte; Lord Ponsonby nahm das Recht fuͤr den Sultan in Anspruch, unter den der Nachfolge fähigen Nachkom⸗ men des Pascha's einen beliebigen zu wählen und zu ernennen. Die Ottomanischen Beisitzer der Konferenz schienen alle mit großem Beifall diese Idee aufzunehmen. — der Ferman nun unterzeichnet seyn wird, soll ein eigener Com⸗ missair nach Alexandrien zur Investitur Mehmed Ali's abgehen. Der Oesterreichische General⸗Konsul, Herr von Laurin, wird SgFhe tc mit diesem Commissair nach Alexandrien zuruͤck⸗
ehren.
Die Insubordination der Tuͤrkischen Truppen in Syrien scheint den Sultan sehr entruͤstet zu haben, da der junge Mo⸗ narch es fuͤr gut fand, die bereits abgeschafft gewesene Bastonnade bei der Armee wieder einzufuͤhren. 1t
Konstantinopel, 15. Febr. (A. Z.) Statt des erwar⸗ teten Fermans sind gestern drei Fermane durch einen eigens ab⸗ gesandten Pfortenbeamten nach Aegypten abgefertigt worden. Der erste enthaͤlt den Befehl zur Investitur Mehmed Ali's, so wie die Bedingungen und Verordnungen, anwelche die Paschas von Aegypten in der Verwaltung des Landes gebunden seyn sollten; in dem zweiten wird Mehmed Ali aufgetragen, den noch ruͤckstaͤndigen Tribut fuͤr Arabien, Candien und Syrien nach Kon⸗ stantinopel abzusenden; durch den dritten werden die Provinzen Sennaar, Fazoglu, Nubien, Aethiopien dem Gouverneur von Aegypten provisorisch unterstellt. — Der unter I. genannte Ferman ist auch der Franzoͤsischen Botschaft kommunizirt worden.
Aegypten.
Kahira, 1. Febr. (A. Z.) Ich gebe Ihnen hiermit aus Originalquellen, d. h. aus dem Munde einiger aus Syrien hier⸗ her zuruͤckgekehrten Freunde, einen kleinen Bericht uͤber den tra⸗ gischen Ruͤckzug der Aegyptischen Armee aus Syrien. Ibrahim Pascha verließ mit der ganzen Armee, mit den bedeutendsten der⸗ selben angehoͤrigen Familien (Europaͤische Angestellte, die christ⸗ lichen Weiber der Schreiber ꝛc. sind zuruͤckgeblieben, um spaͤter bequemer zu Meere zu reisen), so wie mit dem Administrations⸗ Personale ꝛc. Damaskus vor ungefaͤhr 37 Tagen. Man zog in fuͤnf Tagemaͤrschen gerade aus suͤdlich nach kezerib, wo man vier Tage lang berathschlagte, was nun weiter zu thun sey. Endlich wurde beschlossen, das ganze Gefolge in vier Ko⸗ lonnen zu theilen, wovon die erste — enthaltend den Ober⸗ Administrator der Armee, Hanna Bahri, den wegen vermu⸗ theter Verraͤtherei unter bhut gestellten Scherif Pascha, die Weiber und Kinder, nebst den Soͤhnen Ibrahim Pascha's und einigen Europaͤern — unter geringer Bedeckung, ostsuͤdlich durch die Arabische Wuͤste nach Akaba am Rothen Meer, und von dort uͤber Suez nach Kahira gehen sollte. Den Tag dar⸗ auf erhielt die gesammte Artillerie unter Soliman Pascha die⸗ selbe Weisung. Die dritte Kolonne, hauptsaͤchlich aus Reiterei bestehend, unter Achmed Pascha Menickli, sollte suͤdwestlich uͤber Karak nach Gaza ziehen, wo genannter General, wie ich aus dessen Briefen weiß, auch angekommen. In dessen Umgebung befindet sich Dr. Koch. Die vierte Kolonne, das Gros der Ar⸗ mee, folgte unter Ibrahim Pascha auf derselben Straße nach. Zu Meßzerib zaͤhlte die Armee 40,000 Mann, darunter 800 Rei⸗ ter mit 200 Kanonen. Da hier bis jetzt bloß die erste Kolonne, nach einem fuͤrchterlichen Marsch durch die Wuͤste, angelangt ist/ so beziehen sich meine Bemerkungen vorerst nur auf diese. Schauderhaft ist es zu sagen, daß diese Marschroute eine Menge Leichen von Weibern und Kindern bedeckt, die namentlich dem Durste erlagen, da man vier Tage lang ohne alles Wasser aus⸗ halten mußte. Der graͤßlichen Plage erlagen vorzuͤglich dee
Frauen und die Pferde, die Maͤnner und Hunde
weit besser. An diesem Ungluͤck ist freilich wieder gr tenes been
die graͤnzenlose Unwissenheit und rohe Indisferenz eörach erging
Celebritaͤten Schuld. Als man von Damaskus a .
itzund ; als man der Tagesbefehl, fuͤr 15 Tage Leber smittel mitzunehmen; als i Mezersb venahs, ee- 5 schon 9 Tage aufgezehrt, mit den
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Sobald