fei ite 3 f eschi 8 beschloß die Ver⸗ au ukunft zu ver chieben ist, so besch .2 den Fall, daß die Erledigung bis zum Schlusse des gegenwaͤrtigen Landtags unmoͤglich seyn sollte, 46— zenehmi i . ebitte zur definitiven Been⸗ Gene im Voraus zu erbitten, daß zur de deen⸗ Se veeal. eine staͤndische Kommission erwaͤhlt und beauf⸗ gat werden duͤrfe.“ 8 twagt ggefogge demnaͤchst der Bericht uͤber die Taubstummen⸗ Unterrichtsanstalten der Provinz Schlesien.
Provinz Westphalen. 8 Maͤnster, 14. April. Der Gesetz⸗ Entwurf uͤber die Strom⸗ und Ufer⸗Polizei der oͤffentlichen. Flusse, welcher laut Allerhoͤchsten Propositions⸗Dekrets vom 23. Februar zub Nr. 6. Staͤnden zur Begutachtung vorgelegt worden, war Gegenstand der Berathung in zwei Plenar⸗Versammlungen und gab zu einigen von dem Entwurfe etwas abweichenden Beschluͤs⸗ en Anlaß, doch wurde das See als ein neuer Beweis landes⸗ vaͤterlicher Fuͤrsorge und tiefer Weisheit Sr. Majestaͤt des Koͤ⸗ nigs erkannt. 8 . Die staͤndische Berathung uͤber den Entwurf eines das eichwesen betreffenden Gesetzes bot zu Debatten oder wesent⸗ lichen Meinungs⸗ Verschiedenheiten keine eigentliche Gelegenheit dar. Der Grund davon ist theils in der erschoͤpfenden Bearbei⸗ ung des vorgelegten Gesetz⸗Entwurfs, zum Theil aber auch in dem Umstande zu suchen, daß die natuͤrliche Lage und Beschaf⸗ enheit der Fluͤsse in der Provinz Westphalen das Eindeichen usgedehnter Niederungen nur ausnahmsweise — vielleicht aus⸗ schließlich an der unteren Weser und Ems — als Beduͤrfniß er⸗ scheinen laͤßt, mithin die gesetzliche Regelung der die Anlegung und Unterhaltung von Daͤmmen und die Vertheilung der Deich— last betreffenden Verhaͤltnisse nur ein untergeordnetes Interesse hat. Der Entwurf — welcher uͤbrigens beim Mangel besonderer provinzieller Deich⸗Ordnungen in Westphalen als primaires Recht nach erhaltener Sanction in Geltung tritt, ist daher nach reifli— cher Pruͤfung mit geringen Modificationen von den Staͤnden utgeheißen worden.
eitungs⸗Nachrichten Ausland.
Rußland und Polen.
St. Petersburg, 15. April. Dem Russischen Oster⸗ Gottesdienste in der großen Kapelle des Winter⸗Palastes wohn⸗ ten in der Osternacht außer Ihren Mazestaͤten dem Kaiser und der Kaiserin, auch der Großfuͤrst Thronfolger, die Großfuͤrsten Konstantin und Michael (Nikolasewitsch), die Großfuͤrstinnen Olga und Maria (Tochter des Großfuͤrsten Michael Paulowitsch), die Erbgroßherzoge von Hessen und von Sachsen⸗ Weimar, der Prinz Alexander von Hessen und der Prinz und die Prinzessin Peter von Oldenburg bei. Der Kaiser und die Kaiserin empfin⸗ ’ gen die Gluͤckwuͤnsche der hoͤchsten Behoͤrden und des Hofes.
Da seit einigen Tagen der Zustand des Eises der Newa un⸗ sicher und gefaͤhrlich geworden, so ist das Ueberschreiten derselben, auch zu Fuße, ganz untersagt. Das Thermometer zeigte in diesen
Tagen fortwaͤhrend 1 bis 4 Grad Waͤrme. ’
Frankreich.
Deputirten-⸗Kammer. Sitzung von 16. April. An der Tages⸗Ordnung war heute die Eroͤrterung des Gesetz⸗Ent⸗ wurfes uͤber die Rekrutirung der Armee. Fuͤr die allgemeine Eroͤrterung hatte sich kein Redner einschreiben lassen, und man ging deshalb sogleich zu den einzelnen Artikeln uͤber. Der erste Artikel, der woͤrtlich dem fruͤheren Rekrutirungs⸗Gesetze entnom⸗ men ist, und der nur den Grundsatz ausspricht, daß die Armee sich durch Aushebungen und durch freiwillige Engagements rekru⸗ tire, ward ohne Debatte angenommen. — Der zweite Artikel lautet folgendermaßen:
„Niemand kann in die Französische Armee eintreten, wenn er nicht Franzose ist. Jedes in Frankreich von fremden Aeltern. geborne Individuum muß sich den Verpflichtungen des gegenwärtigen Gesetzes
ünterziehen, sobald es die Vortheile des Artikel9 des Code civil genießt. Unbedingt ausgeschlossen vom Militairdienst sind: a) diejenigen Perso⸗ nen, welche zu Leibes⸗ oder entehrender Strafe verurtheilt sind; b) die jenigen, die zu 2 oder mehrjährigem Gefängniß verurtheilt oder unter polizeiliche Aufsicht gestellt, oder ihrer bürgerlichen Rechte ganz oder theilweise beraubt worden sind.“ 1
Herr Corne entwickelt ein Amendement, welches zum Zweck hat, diejenigen in Frankreich wohnenden Söhne fremder Aeltern, die bis zu ihrem 20. Jahre beständig ihr Domicil im Königreiche gehabt haben, der Rekrutirung zu unterwerfen. — Wenn wir, sagte der Redner, die offiziellen Zahlen, welche noch hinter der Wahrheit zurückbleiben, zu Grunde legen, so sehen wir, daß alljährlich 500 junge Leute, die bisher für Franzosen gelten, am Tage der Rekrutirung plötzlich diesen Charak⸗ ter verlieren. Sie sind nur Franzosen, um die an diese Eigenschaften geknüpften Vortheile zu genießen, und sich für Ausländer ausgeben, so wie es darauf ankömmt, eine Last zu übernehmen. Dies ist eine schlechte Einrichtung und ein schlechtes Beispiel. Man hat in der Kammer seit dem Jahre 1832 beständig dagegen reklamirt und in der Pairs⸗Kammer empfahl der Berichterstatter der Kommission ebenfalls die Berücksichtigung eines Amendements, welches mit dem meinigen übereinstimmt.
Herr von Golbery bekämpfte das Amendement und schlug eine weniger strenge Bestimmung vor, wonach die Söhne von Ausländern nur unter der Bedingung vom Militairdienste befreit bleiben sollten, wenn sie förmlich auf die Vortheile des oten Artikels des Code civil
verzichteten.
Herr Poulle wollte dagegen das Amendement dahin abgeändert wissen, daß die in Frankreich gebornen Söhne von Ausländern, welche seit ihrer Geburt beständig im Königreiche gewohnt hätten, der Rekru⸗ rann 88 mit Vorbehalt jedoch der Verträge, die Frankreich e nit anderen Nationen G iti Bef om Militair⸗ dienste abschlöffe. zur gegenseitigen Befreiung vom Militair
Herr Corne: „Ich erkläre, daß ich dem Amendement des Herrn Poulle beitrete.
Herr O. Barrot: Wie ungern ich auch gegen ein Amendement auftrete, welches sich auf ein achtungswerthes Prinzip der Gerechtigkeit
ründet, so glaube ich doch, daß man hier unmöglich von der Frage des
Zölker⸗Rechtes abstrahiren kann. Bei allen Völkern, in allen Gesetz⸗
ebungen heißt es, sich nationalisiren, wenn man in einer fremden germee dient. Die vorgeschlagenen Amendements beabsichtigen nun, die jungen Leute, die sich erst zur Zeit ihrer Volljährigkeit über ihre Na⸗ tionalität entscheiden können, schon im 20. Jahre mit Gewalt zu Fran⸗ zosen zu machen. 1 1
Herr Guizot: Der ehrenwerthe Herr O. Barrot hat den großen Grundsatz des Pölkerrechtes angerufen, der den Militairdienst an die Nationalität knüpft. Das Departement der auswärtigen Angelegenheiten dringt täglich und in der ganzen Welt auf die Annahme jenes Grund⸗ satzes; wir unterhandeln beständig, um es durchzusetzen, daß diejenigen Franzosen, die im Auslande geboren worden sind und daselbst leben, vom Militair⸗Dienste ausgeschlossen bleiben. Es ist uns schon gelungen, diesen Grundsatz durch einige besondere Verträge festzustellen, namentlich mit der Schweiz, mit einigen Amerikanischen Staaten und mit Spanien.
—42* 476 Es würde im höchsten Grade inkonsequent seyn, wenn wir in unserem eigenen Rekrutirungs⸗Gesetze einen Grundsatz aufstellten, gegen den wir im Auslande reklamiren.
Das Amendement der Herren Corne und Poulle ward hierauf verworfen und der 2te Artikel in der ursprünglichen Fassung ange nommen. — Der zte Artikel, der den Effektiv⸗Bestand der Armee fesistellt, wird bis nach dem Votum über diejenigen Bestimmungen verschoben, die sich auf die Reserve beziehen. Eine Menge anderer Artikel wurden ohne weitere Debatte genehmigt.
Paris, 17. April. Am kuͤnftigen Montag werden nun de⸗ finitiv auf allen Punkten der Ringmauer, so wie an allen Forts, die Arbeiten beginnen. Gestern und heute sind von den verschie⸗ denen Unternehmern uͤber 10,000 Arbeiter angenommen worden. Es ist ihnen uͤbrigens befohlen worden, die Arbeiten so viel als nur irgend moͤglich zu beschleunigen, und Militair⸗Handwerker zu verlangen, falls sich vom Civil nicht eine hinlaͤngliche Menge melden sollte.
Man versichert jetzt, daß die Pairs⸗Kreirung, welche am 1. Mai stattfinden wird, sich nur auf 8 Personen beschraͤnken werde. Unter diesen nennt man den Admiral Mackau, den Ge⸗ neral⸗Lieutenant Barrois, Herrn Target, Praͤfekten des Calva⸗ dos⸗Departements und Herrn Horace Vernet. B
In einem hiesigen Blatte liest man: „Es scheint, daß man ein großes Interesse dabei hat, das Publikum zu uͤberre⸗ den, daß Herr Pasquier krank sey und daß sein Leben in Ge⸗ fahr schwebe; denn man ist eifrig bemuͤht, diese Nachricht von allen Seiten her wiederholen zu lassen. Auf dem indirekten Wege durch ein Londoner Journal gelangt die Nachricht hierher, daß das Kabinet beabsichtige, den Grafen Molé zum Praͤsiden⸗ ten der Pairs-⸗Kammer und zum Großkanzler von Frankreich zu erheben, um ihn an die doktrinaire Combination zu knuͤpfen, und den Sieg bei den allgemeinen Wahlen zu erleichtern. Wir glauben anfangs, daß dies eine gewagte Nachricht sey, die sich nicht bestaͤtigen wuͤrde; aber wir haben seitdem gewisse Auf⸗ schluͤsse erhalten, die beweisen, daß die von London hier einge⸗ troffene Nachricht wirklich in der Absicht gemeldet worden war, um die oͤffentliche Meinung auf jene Schritte vorzubereiten. Wir wissen in der That, daß Herr von Nontalivet sich seit ei⸗ nem Monate in jener Sache sehr viel Muͤhe giebt, daß er sich abwechselnd zu Herrn Pasquier, zu Herrn Molé und zu den einflußreichsten Mitgliedern des Kabinets begiebt. Man verfolgt in dieser Sache genau denselben Weg wie damals, als man Herrn Decazes an die Stelle des Herrn von Semonville zum Groß⸗Referendarius ernannte. Man verspricht Herrn Pas⸗
quier, seine Verwandten schnell zu befoͤrdern und fuͤr ihn selbst
die Stelle eines Ehren⸗Kanzlers zu errichten. Man stellt ihm vor, daß die Praͤsidentschaft der Pairs⸗Kammer eine fuͤr sein Alter zu ermuͤdende Aufgabe sey. Man benutzt eine leichte Un⸗ paͤßlichkeit, um ihn zu uͤberzeugen, daß er der Ruhe beduͤrfe. Seine Aerzte treten dieser Ansicht bei und es scheint, daß Herr Pasquier nahe daran ist, allen jenen Bitten und allen jenen laͤ⸗ stigen Anforderungen nachzugeben. Der Graf Mole verspricht, sich als Praͤsident der Pairs⸗Kammer dem Kabinet vom 29. Ok⸗ tober entschieden anzuschließen, und der jetzigen Politik alle seine Freunde zuruͤckzufuͤhren. Man entledigt sich auf diese Weise eines Mannes, der jeden Augenblick das Ministerium umzustuͤr⸗ en droht, und man vermehrt die Aussichten auf einen guͤnstigen Rusfall der allgemeinen Wahlen.“
Das Dampfschiff „le Crocodil“ ist von Algier in Toulon eingetroffen, und bringt die Nachricht mit, daß der General Bu⸗ geaud, der am 31 Maͤrz von Algier abgegangen war, um einen Convoi nach Medeah zu eskortiren, nur schwach von den Ara— bern beunruhigt worden sey, und Medeah mit bedeutenden Vor⸗ raͤthen versehen habe.
Das Wasser des Artesischen Brunnens von Grenelle ist seit zwei Tagen so klar, wie das Seinewasser. Herr. Mulot hofft, daß es in 14 Tagen in Bezug auf die Reinheit nichts mehr zu wuͤnschen uͤbrig lassen werde; die Temperatur ist bisher ganz unveraͤndert geblieben. 1
Der Name des Herrn Lehon ward gestern von der Liste der Notare gestrichen. Das Defizit in seinen Geschaͤften soll sich auf 5,600,000 Fr. belaufen. 1
Boͤrse vom 17. April. In Folge der hoͤheren Notirun⸗ gen aus London nahm die Rente heute einen kleinen Aufschwung, der bedeutender gewesen seyn wuͤrde, wenn nicht die Nachricht von der Ernennung Rifaat Bei's zum Tuͤrkischen Minister nachtheilig gegengewirkt haͤtte. Die 3proc. Rente schloß zu 79. 10, und die 5proc. zu 114.
Großbritanien und Irland.
London, 17. April. Der Hof wird schon im Laufe des heutigen Tages von Schloß Windsor hier zuruͤckerwartet; doch beabsichtigt die Koͤnigin, sich waͤhrend der Wettrennen zu Ascot auf einige Tage wieder nach Windsor zu begeben. Der Posten eines Wildmeisters des großen Parks zu Windsor, welchen Prinz Albrecht kuͤrzlich erhalten hat, ist mit einem sehr bedeutenden Einkommen und Patronat verknuͤpft.
Der Koͤnig von Hannover hat Befehl zur Raͤumung seiner Zimmer im St. James⸗Palast ertheilt, und es werden taͤglich ganze Wagenladungen voll werthvoller Gegenstaͤnde von dort fortgebracht.
Zu dem Ball, welchen der Herzog von Orleans am IAten d. M. im St. Omer gegeben, sind durch den Französischen Kon— sul in Dover auch die dortigen Notabilitaͤten eingeladen worden, und es sollen an 20 Herren und Damen in Folge dieser Einla⸗ dung uͤber den Kanal geschifft seyn.
Sollte der Marquis von Normanby an Lord Granville's Stelle als Botschafter nach Paris gehen, so waͤre, nach der Be hauptung von Toryblaͤttern, auf den Betrieb O Connell's das Staats⸗Sekretariat des Innern dem Grafen von Clarendon zu⸗ gedacht. “
Der Commodore Napier ist noch nicht in London eingetrof⸗ fen, sondern befindet sich in Falmouth, wo er die vorgeschriebene Auarantaine haͤlt. 8 1
Der Morning Advertiser enthaͤlt Folgendes: „Wir kͤnnen unseren Lesern mit wenigen Worten eine wichtige Nach⸗ richt mittheilen. Herr Guizot steht an der Spitze der Verwal⸗ tung, wo ihn Ludwig Philipp mit aller ihm moͤglichen Kraft er haͤlt; aber die Gewalt und der Einfluß der Kriegspartei ist so bedeutend, daß er sein Terrain nur um den Preis behaupten kann, wenn er sich unter gewissen Bedingungen den Grafen Molsé geneigt macht und mit Herrn Thiers unterhandelt, um den Bei⸗ stand dieses Staatsmannes und seiner Partei zu⸗ erhalten. Wen⸗ det Lord Palmerston daher nicht seine gewoͤhnliche Geschicklich⸗ keit an, so ist der Krieg, sobald die Ruͤstungen Frankreichs been⸗ det seyn werden, unvermeidlich.“ Der ministerielle Globe aber findet diese Nachricht ganz aus der Luft gegriffen oder hoͤchstens darauf gestuͤtzt, daß Herr Guizot in der Deputirten⸗Kammer sich geweigert habe, jetzt schon näͤhere Aufschluͤsse uͤber den Stand der
Unterhandlungen zu geben, was aber ganz natuͤrlich sey, da die
Unterhandlungen noch schwebten, obwohl man an einer baldigen befriedigenden Beendigung derselben nicht zweiseln duͤrfe.
Die Brighton Gazette meldet, es wiederhole sich das Geruͤcht, daß das Kriegsschiff „the Queen“ von 110 Kanonen in das Mittellaͤndische Meer unter Segel gehen werde.
Die Zeitung der Grafschaft Tipperary berichtet uͤber die dortigen Unruhen: „Die Stadt Nenaah hat jetzt das Ansehen einer belagerten Festung.
Duͤngerhaufen bekuͤmmern, der in seiner Nachbarschaft gesammelt sey. Eine gleiche Drohung zu gleichem Zweck empfing ein Mann Namens Coffee. Herr Glenson wurde mit Capitain Rock's Miß⸗ fallen bedroht, weil er den 29. Artikel der Vorschrift fuͤr Tippe⸗ rary verletzt habe. An der Thuͤr eines Mannes, Tracy, fand man einen Anschlag, der ihn mit dem Tode bedrohte, wenn er nicht gewisse Pachtungen aufgebe, die er jetzt innehat. Nachdem dieser Unschlag angeheftet war, erschoß Capitain Rock schon dessen Hund. Trachy fuͤgte sich und gab die Pachtungen auf. Fuͤnf bewaff⸗ nete Maͤnner drangen Nachts in das Haus von Michael Daw⸗ son und erklaͤrten ihm, bei Tagesanbruch habe er seine Wohnung zu raͤumen oder die Folgen zu tragen. Beim Abzug unterstuͤt ten die Eindringlinge ihre Anordnung durch Schießen. Dawson verließ seine Wohnung. Bald darauf wurde ein anderes be⸗ wohntes Haus abgetragen und der Erde gleich gemacht. Herr Packer erhielt Nachricht, es sey um sein Leben geschehen, wenn er nicht bestimmte Arbeiter entlasse, die sich das Mißfallen der Mannschaft des Capitain Rock zugezogen. Bewaffnete Haufen durchziehen allnaͤchtlich das Land, und von allen Seiten fallen Schuͤsse.“
Vor einigen Tagen hatte eine Deputation des Ausschusses
der Inhaber Spanischer und Portugiesischer Obligationen eine Audienz bei Lord Palmerston, um den Einspruch der Regierung gegen die Uebereinkunft zu verlangen, welche das Portugiesische Ministerium seinen Britischen Glaͤubigern aufzwingen will. Lord Palmerston raͤumte den Anspruch der Glaͤubiger auf Schutz durch das Voͤlkerrecht ein, bemerkte aber, die Zeitverhaͤltnisse gestatteten nicht, die Frage durch Drohungen aufzunehmen, deren Nichtbe achtung jedenfalls feindselige Demonstrationen erheischen wuͤrde. Der Courier bemerkt mit Bezug auf die Wegnahme eines Hamburgischen Schiffs, welche an der Afrikanischen Kuͤste durch ein Britisches erfolgt ist: „Es wuͤrde uns betruͤben, wenn wi das Ungluͤck haͤtten, mit unseren hochgeachteten und lange erprob ten Handelsfreunden in Hamburg in Zwist zu gerathen; alleir wir erfahren, daß ein Kaufmann dieser Stadt sich sehr verletz glaubt, weil das Handelsfahrzeug „Echo“, sein Eigenthum, an der Kuͤste von Guinea mit Beschlag belegt ist, wie die Urhebe dieser Maßregel versichern, wegen Theilnahme am Sklavenhan del. Die Verdachtsgruͤnde sollen bedeutend gewesen seyn; de
Eigenthuͤmer versichert jedoch, daß er vollstaͤndige Beweise fuͤr die
Gesetzwidrigkeit der Beschlagnahme in Haͤnden habe, und die Sache wird demgemäͤß wahrscheinlich den betreffenden Behoͤrden zur Entscheidung vorgelegt werden. Man kann mit Recht sagen, daß die ehrenwerthen Bemuͤhungen des Britischen Volkes, den Schaͤndlichkeiten des Menschenhandels ein Ende zu machen, ob⸗ wohl die Ehre und Menschlichkeit der ganzen Welt dabei bethei⸗ ligt sind, uns mehr Abneigung und Verlegenheiten von Seiten fremder Maͤchte zugezogen haben, als je irgend eine andere Maß⸗ regel dies that.“
Am Mittwoch traf von der Insel Tyree die Nachricht ein, daß daselbst am Abend des 2. April die Brigg „Majestic“, welche von London nach Londonderry segelte, um dort Auswan⸗ derer nach Amerika einzuschiffen, voͤllig gescheitert ist; der Capi⸗ tain und drei Matrosen kamen dabei ums Leben.
Die Einfuͤhrung der Perkussions⸗Gewehre in der Englischen Armee kostet der Regierung in diesem Jahre 130,000 Pfd. St.
Fortwaͤhrend werden vom hiesigen Geldmarkte bedeutende Summen in Silber nach dem Festlande ausgefuͤhrt, waͤhrend da⸗ fuͤr Gold hierher zuruͤckkommt. Im Norden, wie in Frankreich, ist noch immer Nachfrage nach Silber. Waͤhrend der am 8ten abgelaufenen Woche wurden 231,800 Unzen Silber nach Ham⸗ burg, 196,000 nach Rotterdam und 6000 nach Belgien abgeschickt.
Aus St. Helena wird die Aufbringung eines Portugiesi⸗ schen Sklavenschiffes berichtet. Bon 350 Sklaven waren 130 bei der Verfolgung uͤber Bord geworfen worden, und von dem Reste starben viele an den Blattern.
Berichte aus Texas sind vom ten v. M. An der Graͤnze war Alles ruhig. Man sprach von der Entlassung der regulairen Truppen Der Kongreß hat verfuͤgt, daß kein Verkauf von Skla⸗ ven bei gerichtlichen Executionen stattfinden duͤrfe.
Berichte aus Rio Janeiro sind vom 2. Maͤrz, aber von keiner politischen Bedeutung. Der Finanzminister schien von ei⸗ ner neuen Verausgabung von Papiergeld nichts wissen zu wol⸗ len. In Rio Grande war noch Alles beim Alten, doch traf die Regierung Anstalten zu einem nachdruͤcklich auf die Rebellen.
Niederlande
„ Aus dem Haag. Zur allgemeinen Freude bemerkt man, daß unser Koͤnig von Holland den Katholiken, so wie der Coleranz im Allgemeinen, die seit langer Zeit gewuͤnschten Kon⸗ zessionen macht. Einige aͤngstliche Personen haben freilich diese Konzessionen als ungluͤckliche Vorbedeutungen betrachtet; allein
dies sind chimaͤrische Besorgnisse und ungeachtet der Erzaͤhlungen und der Reden der Feinde der oͤffentlichen Ruhe weht das Pa—
nier der Toleranz uͤber Holland. Natuͤrlich haben Uebelwollende
in der Nation Besorgnisse zu erregen gesucht, allein der Koͤnig, welcher sich uͤberall zeigt und in diesem Augenblick eine Reise durch einige Provinzen macht, wird uͤberall mit den unzweideu⸗ tigsten Beweisen der Liebe und des Enthusiasmus empfangen. Der gute Sinn wird das Volk leiten und der Himmel dem Koͤ⸗ nige beistehen. Seine Aufgabe ist schon schwierig genug, ohne daß die Parteien sie noch erst durch Unordnungen zu erschweren brauchen. Bis jetzt zeigt sich Alles in den Farben glaͤnzender Hoffnung und verspricht uns eine Zukunft voll Gluͤck und Wohl⸗ ergehen. v Bruͤssel, 18. April. Der Observateur, der jetzt zum eifrigsten Oppositionsblatt geworden, behauptet, es sey unmoͤglich, daß die Minister von Muelenaere, Nothomb und van Volxem die Zusammenberufung ihrer Wahlkollegien bis zum Monat Juni, um welche Zeit sie allerdings ohnehin zusammenkommen muͤssen, aussetzen koͤnnen. Zwar sey jetzt die Session der Kammern ge⸗ schlossen, aber man koͤnne nicht wissen, ob nicht morgen oder uͤbermorgen eine außerordentliche Zusammenberufung nothwendig wuͤrde und dann waͤre die zweite Kammer unvollzählig. Die Constitution verlange darum ausdruͤcklich, daß jede Vakanz, gleich⸗ viel ob durch einen Todesfall oder durch Annahme eines Staats⸗
Amtes eingetreten, binnen einem Monat wieder ausgefuͤllt werde.
Ein Herr Packer erhielt einen Droh⸗ brief, wenn ihm sein Leben lieb waͤre solle er sich nicht um einen /
Unser Geschäftstraͤger in Madrid, Graf von Lalaing, hat sein Entlassungs⸗Gesuch eingereicht.
In der Provinz Westflandern ist der Baron Peesteen von Lampreel an die Stelle des in das Ministerium eingetretenen Grafen von Muelenaere zum interimistischen Gouverneur bestellt. p“*“
§ + Bruͤssel, 16. April. Das Ministerium ist endlich nach langer Anstrengung konstituirt worden. Wir erlauben uns, einige Bemerkungen uͤber die Mitglieder desselben, so wie uͤber die jetzige Stellung der Meinungen: es scheint uns Zeit, den Blick von den der Vergangenheit angehoͤrenden Begebenheiten, welche die Gemuͤther schon zu sehr aufgeregt haben, auf die naͤchste Zu⸗ kunft zu richten, und dabei die Elemente der Gegenwart ge⸗ nauer ins Auge zu fassen um auf diese Weise einen uͤber den ver⸗ schiedenen Meinungen schwebenden Standpunkt zu gewinnen.
Im neuen Ministerium ragen vor allen die beiden Minister des Innern und der auswaͤrtigen Angelegenheiten Herr Nothomb und Herr Graf von Muelenaere hervor, durch welche dasselbe wie von zwei Hauptsaͤulen von Innen und Außen getragen wird. Ueber die Tuͤchtigkeit dieser schon vielfach bewaͤhrten Staatsmaͤnner kann bei denjenigen, die ihr Urtheil nicht gerade aus den neuesten po⸗ lemischen Journal⸗Artikeln holen, nur eine Meinung seyn. Es war auch vorauszusehen, wie wir es auch in unserer letzten Kor⸗ respondenz ausgesprochen haben, daß diese Staatsmaͤnner an der Spitze des neuen Ministeriums stehen wuͤrden; in Hinsicht der Spezialitaͤt fuͤr die einzelnen Verwaltungszweige fand indeß bei dem jetzten Kabinet eine mehr gleichmaͤßige Vertheilung der Faͤhig⸗ keiten statt, ohne merkliches Hervorragen der einen oder anderen Individualiltaͤt: in dem neuen scheint sich die Schwere der Ver waltung in wenigen Haͤnden zu konzentriren. Es war daher auch sehr wuͤnschenswerth, daß mehrere dem Ministerium des Innern entnommenen Verwaltungszweige, wie die Kuͤnste und Wissen⸗ schaften, so wie der oͤffentliche Unterricht demselben wieder einver⸗ leibt wuͤrden. Der jetzige Minister Herr Nothomb wird dieselben Zweige zum erstenmale zu leiten haben, wir versprechen uns aber von seinen tuͤchtigen Kenntnissen und seiner Vertrautheit mit dem Stande des Unterrichts in den Nachbarlaͤndern viele Verbesserungen, welche die Lage der Dinge erlaubt. Bei Anerkennung und Wahrung der Freiheit des Unterrichts wird er gewiß auch die Rechte der Ge⸗— sellschaft, welche der Staat vertritt, aufrecht zu erhalten wissen. Der Kriegs⸗Minister, General Buzen, behaͤlt seinen Posten, da die Kammern, welche sein Budget in globo votirten, dadurch ein besonderes persoͤnliches Zutrauen bezeigten und ihm dadurch fast zur Pflicht machen, es durch seine fortgesetzte Administration zu rechtfertigen. Die uͤbrigen Minister sind Herr van Volxem fuͤr die Justiz, Herr Graf de Briey fuͤr die Finanzen und Herr Desmaisieresfuͤr die oͤffentlichen Arbeiten. Der Erstere fruͤher einer der ausgezeichnetsten hiesigen Advokaten hat sich fast seit 10 Jahren von der Praxis zuruͤckgezogen, um sich der staͤdtischen Verwaltung zu widmen, der er seit 6 Jahren als Schoͤppe (chevin) und seit einigen Monaten als Buͤrgermeister vorgestan⸗ den hat. Herr van Volxem ist ein scharfsinniger, umsichtiger und thaͤtiger Mann, nur duͤrfte er mit der Justiz⸗Verwal⸗ tung noch nicht vertraut genug seyn, um nicht gewisser⸗ maßen eine Schule durchgehen zu muͤssen; Herr Graf de Briey, Senator, der eine bedeutende Rolle bei der
Adresse gespielt hat, ist bis jetzt in der Staats⸗Verwaltung noch
nicht genannt worden; Herr Desmaisieres war fruͤher einige Zeit als Kollege von Herrn de Theux Finanz⸗Minister, jetzt hat er die oͤffent⸗ lichen Arbeiten; uͤͤber diese Wahlmuß die Zukunftentscheiden. Wir hat⸗ ten demnach nicht Unrecht zu behaupten, daß die Last der Geschaͤfte verwaltend auf zwei Ministern ruhen wird. Es ist dies ein Uebel⸗ stand, der nur zu haͤufig sich in unseren nach Frazoͤsischem Zu⸗ schnitt verwalteten constitutionellen Staaten bemerklich macht. Man sieht unmittelbar Mitglieder der ersten oder zweiten Kam⸗ mer in das Ministerium treten, die mit der Verwaltung unbe⸗ kannt sind und kaum Gelegenheit hatten, sich in den Arbei⸗ ten der Kammer⸗Sectionen oder Kommissionen einige Ge⸗ schaͤfts⸗Kenntnisse zu erwerben. Kommt nun noch dazu daß die neuen Minister noch andere Veraͤnderungen, Versetzun⸗ gen oder Absetzungen vornehmen, so tritt auf laͤngere Zeit Stoͤ⸗ rung und Verwirrung aller Geschaͤfte ein, und die dem neuen Minister fehlenden Kenntnisse werden immer auf Kosten des Staatshaushalts erworben. Es ist zu verwundern, daß man in unserer reformsuͤchtigen Zeit noch keine besondere Aufmerksamkeit auf ein so sehr in die Augen springendes Gebrechen gerichtet hat. Das neue Ministerium wird eine bedeutende Opposition im Lande vorfinden, eine kluge, umsichtige, mehr durch die That als durch Worte sich kundgebende Verwaltung kann aber viel zu deren Maͤßigung beitragen und wirklich einige Ausgleichung zwischen den Parteien einleiten, wie sie das Cirkular des Ministers des Innern als einen Zweck des gegenwaͤrtigen Kabinets ausspricht. Wir werden dies Cirkular noch weiter besprechen. Schweden und Norwegen.
Stockholm, 13. April. Die Statstidning berichtet heute: „Es verlautet, daß in Folge der Reclamationen, welche die Schwedische Regierung bei der Daͤnischen gemacht, und welche bei einer in London vor sich gehenden Unterhandlung, woran die Englische Regierung theilgehabt, in Erwaͤgung genom⸗ men worden, eine provisorische Uebereinkunft getroffen ist uͤber einen fuͤr die diesjaͤhrige Schifffahrt modifizirten Tarif der Sund⸗
oll⸗Abgaben fuͤr verschiedene Waaren, worunter Kaffee,
aumwolle, Baumwollengarn, Pfeffer, Kakao und Faͤrbeholz genannt werden. Im Laufe des Jahres sollen neue Unterhand⸗ lungen uͤber eine Revision des ganzen Sund⸗Taxifs vorgenommen werden, so daß, vom naͤchsten Jahre an, der Schwedische Han⸗ del mit Sicherheit eine noch bedeutendere Herabsetzung dieser Abgaben zu erwarten zu haben scheint.“
Nach einer Zeitschrift, welche die Britisch⸗Auslaͤndische Anti⸗ Sklaverei⸗Gesellschaft herausgiebt, hat unser Gesandter in London, General Graf Bjoͤrnstjerna, in einer Versammlung jener Gesell⸗ schaft die Erklaͤrung gegeben, daß es auf St. Barthelemi keine Sklaven gebe. Dies war bisher in Schweden nicht bekannt.
Hma
Be Kopenhagen, 16. April. Das heutige Bulletin uͤber das definden des Kronprinzen lautet: „Se. Koͤnigl. Hoh. der Kron⸗ h sind gestern den ganzen Tag viel weniger als die vorigen Maght hese Husten angegriffen gewesen. Der Schlaf ist diese Vas e nur einigemale vom Husten gestoͤrt gewesen. F 3es 6 etwas geringer.“ Die vorhergehende Nacht 9 b dten Mittags an hatte der Prinz an einem WW harten Husten gelitten, der ihm erst gestern Mor⸗ gen Dß . 3 e hta gestattete
Die Berlingsche Zeitung berichtet uͤber den Inhalt des Koͤnigl Vefens egest⸗ in folgender Weise: „Durch die
sche Kanzlei ist ein Allerhoͤchstes Reskript an die Finanz⸗De⸗ putation ausgefertigt, wie die jaͤhrlichen Budgets fuͤr die Zukunft
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in Uebereinstimmung mit der gegebenen Koͤnigl. Zusage zu publi⸗ ziren und daruͤber zu halten seyn wird. Dabei heißt es, es sey des Koͤnigs Wunsch und Wille, einen Theil des jaͤhrlichen Ueber⸗ schusses zu Erleichterungen in einzelnen Steuern zu verwenden, und die Zahlen⸗Lotterie, ohne einigen Ersatz an die Finanzen gaͤnz⸗ lich abzuschaffen, oder auch den Ueberschuß zu außerordentlichen Abtraͤgen auf die Staatsschuld zu verwenden. Der Koͤnig findet es jedoch einstweilen bedenklich, hieruͤber sofort eine entscheidende Bestimmung zu treffen, um so mehr, da die Verguͤtung noch nicht schließlich bestimmt ist, welche denjenigen der zollprivilegir⸗ ten Distrikten in den Herzogthuͤmern Schleswig und Holstein, mit welchen noch keine Vereinigung eingegangen worden, zuge⸗ standen werden kann, und wird die Erfahrung des gegenwaͤrti⸗ gen Finanzjahres zu einem reiferen Beschluß in gedachter Hin⸗ sicht fuͤhren.“
Deutsche Bundesstaaten.
Karlsruhe, 17. April. (K. Z.) Heute Vormittag fand die feierliche Eroͤffnung der Staͤnde⸗Versammlung statt. Nach⸗ dem die Mitglieder der Kammern vorher dem Gottesdienste in der Schloßkirche beigewohnt hatten, versammelte sich die zweite Kammer gegen 11 Uhr in ihrem Sitzungssaal; die erste Kam⸗ mer, ihren Vice⸗Praͤsidenten, den Fuͤrsten von Fuͤrstenberg, an der Spitze, wurde bald darauf durch einen Ceremonienmeister in den Sitzungssaal der zweiten Kammer eingefuͤhrt und nahm die fuͤr sie bereiteten Plaͤtze ein. Das diplomatische Corps, die Herren und Damen vom Hof, waren in den fuͤr sie bestimmten Tribuͤ⸗ nen anwesend, und eine zahlreiche Versammlung fuͤllte die Gallerieen. Um halb 12 Uhr begab sich Se. Koͤnigl. Hoheit der Großher⸗ zog in das Staͤndehaus, vor welchem ein Bataillon Infanterie mit Musik und Fahne in Parade aufgestellt war. An dem Por— tal wurden Hoͤchstdieselben von den Deputationen beider Kam⸗ mern, so wie dem Hofstaat empfangen und sodann in feierlichem Zuge in den Saal geleitet. Anhaltendes herzliches Lebehoch em⸗ pfing den geliebten Fuͤrsten bei seinem Eintritt und begleitete den⸗ selben bis an die Stufen des Throns. Nachdem der Versamm⸗ lung die Erlaubniß ertheilt worden war, sich niederzusetzen, hielt Se. Koͤnigl. Hoheit vom Throne herab folgende Rede:
„Edle Herren und lieben Freunde! Ich habe Sie wieder um Mich versammelt, um mit Ihnen wichtige Angelegenheiten des Landes zu berathen. — Die politischen Verhältnisse Deutschlands haben Mich veranlaßt, Anordnungen zu treffen, damit das Großherzogthum jeder⸗ zeit in Bereitschaft sey, die gegen den Deutschen Bund lbernommenen Verpflichtungen vollständig zu erfüllen. Von den dadurch nothwen dig gewordenen Ausgaben werden Sie zur Prüfung Kenntniß erhal ten. — Die Bereitwilligkeit, mit welcher die Jugend des Landes dem ergangenen Aufruf folgte, hat Meinen Erwartungen entsprochen. Sie leistet Bürgschaft, daß in dem ganzen Großherzogthum nur eine Ge⸗ sinnung der Liebe und Treue zum Vaterlande herrscht. — Diese Ge⸗ wißheit erhöht Meine Freude über den neuerdings gesicherten Frie⸗ den. — Ueber das Vertheidigungs⸗System des Deutschen Bundes, in⸗ soweit das Großherzogthum dabei besonders betheiligt ist, werde Ich Ihnen Eröffnungen machen lassen. — Die innere Verwal⸗ tung hat ihren geregelten Fortgang genommen. Durch die In⸗ struction über die Abschätzung der auf dem Zehnten ruhenden Baulast ist ein Haupthinderniß der Vollziehung des Zehntablösungs⸗Gesetzes ge⸗ hoben. — Der Entwurf des Strafgesetzbuchs wird Ihnen neuerdings zur Berathung vorgelegt werden. Ich hoffe, denselben nach dem Schlusse des Landtages verkünden und dadurch einem tiefgefühlten Be⸗ dürfniß Meines Landes abhelfen zu können. — Die Lage der Finanzen ist beruhigend und wird es bleiben, so lange Wir dem Nothwendigen den Vorzug vor dem bloß Nützlichen sichern, und die Mittel zur Be⸗ friedigung gegenwärtiger Bedürfnisse nicht in der — immer ungewissen — Zukunft suchen. — Ueber die Zoll⸗ und Handels⸗ Verhältnisse wer den Ihnen im Laufe des Landtages Vorlagen gemacht werden. — Be⸗ ginnen Sie, edle Herren und liebe Freunde, Ihre Arbeit mit vollem Vertrauen auf Meinen festen Willen, das wahrhaft Gute zu fördern und ins Leben zu rufen; Meinerseits haue Ich, wie immer, auf Ihren redlichen Eifer, Ihre Umsicht und Biederkeit. Damit habe Ich die Ergebnisse bezeichnet, die Ich von diesem Landtag erwarte.“ 8
Hierauf beeidigte der Praͤsident des Ministeriums des In⸗ nern Freiherr von Ruͤdt die neu eintretenden Mitglieder beider Kammern und erklaͤrte sodann auf hoͤchsten Befehl die Staͤnde— Versammlung fuͤr eroͤffnet. Unter wiederholtem Lebehoch verließ nunmehr Se. Koͤnigl. Hoheit den Saal und verfuͤgte sich in das Schloß zuruͤck. Mittags war Tafel im Großherzogl. Schlosse, wozu die Mitglieder beider Kammern, das diplomatische Corps, das Staats⸗Ministerium, der Hof u. s. w. geladen waren.
— Franksurt g. M., 19. April. Der hohe Geburts⸗ tag Sr. Majestaͤt des Kaisers von Oesterreich wurde heute durch ein feierliches Hochamt in der Deutsch⸗Ordens⸗Kommendo⸗Kirche in Sachsenhausen und durch eine Parade der Kais. Oesterr. Trup⸗ pen gefeiert.
*½ — Wien, 17. April. Der Koͤnigl. Daͤnische Gesandte, Baron von Loͤwenstern, welcher seit beinahe einem Jahre auf seinen Guͤtern in Schleswig verweilt, und nunmehr nach Ablauf seines Urlaubes hier erwartet wurde, hat die Ruͤckkehr auf seinen Posten, aus Familienruͤcksichten abermals aufgeschoben. Das hier verbreitete Geruͤcht, als wuͤrde er nicht mehr nach Wien zuruͤckkehren, ist jedoch grundlos. Herr von vLoͤwenstern genießt in den hiesigen Geschaͤfts-Kreisen der allgemeinen Achtung, und nimmt in der Gesellschaft eine sehr angenehme Stellung ein. — Es heißt uunmehr, daß der Herzog von Montebello bestimmt sey, den Grafen St. Aulaire zu ersetzen. Die zahlreichen Freunde des Letztern hoffen noch immer, daß er auf seinem bisherigen Posten bleiben werde. — Der Wuͤrttembergische Gesandte, Baron Blom⸗ berg, schickt sich zur Abreise nach Stuttgart und Frankfurt an. Der erste Rath der diesseitigen Gesandischaft in Muͤnchen, Rit⸗ ter von Kast, ist zum hiesigen Geschaͤftstraͤger bei den Fuͤrstlich Hohenzollernschen Haͤusern ernannt worden.
Schweiz.
Bern, 13. April. (A. Z.) Man blickt jetzt mit gespann⸗ ter Erwartung auf die Maßnahmen Aargau's, scheint aber fast allgemein nicht auf sehr bedeutende Zugestaͤndnisse zu bauen. Die Thurgauische Gesandtschaft ist in Aargau festlich bewirthet wor⸗ den. Naͤchst Aargau erwecken jetzt die beiden Staͤnde Luzern und Waadt die groͤßte Aufmerksamkeit. In Luzern scheint eine strengkirchliche und dessen ungeachtet ultra⸗demokratische Volks⸗ herrschaft eintreten zu wollen. In dem Waadt aber nimmt man eine bedeutende Gaͤhrung wahr, welche zum Theil an fruͤhere uͤberspannte Zustaͤnde erinnert. So hat sch in Lausanne selbst eine Volksgesellschaft gebildet, wo man sich wie zur Zeit der Um⸗ waͤlzung Buͤrger nennt, und mancherlei heftige Reden haͤlt. Von dieser Volksgesellschaft ging die bekannte Zuschrift an die Regierung von Aargau aus, und sie will durch den ganzen Kan⸗ ton Verbindungen stiften. Dabei ist dieser schoͤne Kanton auch durch religioͤse Zwistigkeiten zerrissen. Allen diesen Umtrieben ge⸗ genuͤber steht die Regierung in ziemlicher Schwaͤche da. Staats⸗
rath Druey ist in seiner Heimath eben nicht zum besten aufge⸗
sie etwa bei den Mitgliedern Deutscher
nommen worden. In Peterlingen erhielt er ein Paket, bei des⸗ sen Eroͤffnen sich eine neue Kapuzinerkutte fand, in Lausanne so⸗ gar eine Katzenmusik. .
Spanien.
Madrid, 10. April. Die Buͤreaus der Deputirten ⸗Kam⸗ mer werden in zwei Tagen die Kommission ernennen, welche einen Bericht uͤber die Regentschafts Frage erstatten soll. Die verschie⸗ denartigsten Kommentare werden uͤber die Mittheilung des Fi⸗ nanz⸗Ministers gemacht, welcher beantragt hat, daß die Kammer die Verlaͤngerung der Steuer⸗Erhebung bis zur Abstimmung uͤüber das Budget gestatte. Einige Personen wollen in diesem Schritte ein fes gewisses Anzeichen einer baldigen Aufloͤsung der Cortes erblicken
Fmnla
Koͤnigsberg, 18. April. Das Prorektorat der hiesigen Koͤ⸗ nigl. Universitaͤt ging heute auf den Professor Dr. Backe, das Dekanat in der theologischen Fakultaͤt auf den Professor, Hof⸗ Prediger Dör. Sieffert, in der juristischen Fakultaͤt auf den Ge⸗ heimen Ober⸗Justizrath, Professor ꝛc. Dr. Reidenitz, in der me⸗ dizinischen Fakultaͤt auf den Medizinal⸗Rath, Professor Dr. See⸗ rig, in der philosophischen Fakultaͤt auf den Geheimen Regie⸗ rungs⸗Rath, Professor ꝛc. Dr. Lobeck, uͤber.
— — Koͤnigsberg, 17. April. Das von dem Konfisto⸗ rial⸗Rath Oesterreich und Professor Dr. Lehnert hier zur Gruͤn— dung eines Pensions⸗Fonds fuͤr Geistliche erscheinende Provinzial⸗ Kirchenblatt erscheint jetzt in seinem dritten Jahrgange und findet um so regere Theilnahme, als es auch dem Laien viele interessante Aufsaͤtze darbietet und die sicherste Kunde von allen bemerkens⸗ werthen Veraͤnderungen in Bezug auf Kirchen⸗, Stiftungs⸗ und Gemeindewesen giebt. Die beiden letzten Hefte liefern wieder den Beweis, wie Vieles hier von des Koͤnigs Majestaͤt, von den Re⸗ gierungen und von den Gemeinden fuͤr das Kirchen⸗ und Schul⸗ wesen geschieht. Wir erfahren aus denselben, daß im verflossenen Jahre fuͤr die evangelischen Zuͤchtlinge bei der Zwangs⸗Anstalt in Graudenz ein eigener Pfarrer angestellt ist, der seine ganze Zeit und Kraft dem Seelenheile der Zuͤchtlinge widmen und nicht nur durch oͤffentliche Religionsvortraͤge, sondern auch durch taͤglichen Umgang ihre wahre Besserung bewirken soll; daß die hier und in Litthauen altherkoͤmmlichen jaͤhrlichen Gebetverhoͤre, welche in neuerer Zeit an einigen Orten außer Gebrauch gekommen waren, uͤberall wieder erhoͤhte Theilnahme finden und sich dieser auch in Westpreußen, wo sie neu eingefuͤhrt wurden, erfreuen; daß end lich viele Kirchen zahlreiche, zum Theil sehr bedeutende Geschenke empfingen.. Ueber den Konfessions⸗Wechsel enthaͤlt das letzte Heft folgende interessante Notizen: Von der evangelischen zur katholi⸗ schen Kirche traten 95, von der katholischen zur evangelischen aber 98 erwachsene Personen im verflossenen Jahre uͤber. Be⸗ merkenswerth ist hierbei, daß zur katholischen Kirche mehr weibliche und verheirathete Personen, zur evangelischen da⸗ dagegen mehr maͤnnliche und unverheirathete Personen uͤbertreten. In den Regierungs⸗Bezirken Koͤnigberg, Gumbinnen und Marien⸗ werder wurden 192 Kinder katholischer Vaͤter von evangelischen Geistlichen konformirt und nur 46 Kinder evangelischer Vaͤter von katholischen Geistlichen ad sacra admittirt. Die Zahl der gemisch⸗ ten Ehen ist im steten Zunehmen begriffen. Wenn in den fruͤhe⸗ ren Jahren durchschnittlich uͤberhaupt im ganzen Umfange der Provinz Preußen nicht mehr als 15 solcher Ehen vorkamen, welche
nicht vom zustaͤndigen, sondern mit Ober⸗Praͤsidial⸗ oder Konsisto.,
rial⸗Konsens von einem Geistlichen der anderen Konfession durch Aufgebot und Trauung vollzogen wurden, so verdoppelte sich diese im Jahre 1837, stieg im Jahre 1838 auf 85, im Jahre 1839 auf 166, und betrug im vorigen Jahre 224, waͤhrend in den ersten beiden Monaten dieses Jahres bereits 54 Faͤlle dieser Art vorgekommen sind. Nur 2 Ehen, von obigen 224, sind auf den Wunsch der Brautleute in Stelle des zustaͤndigen evange⸗ lichen Geistlichen mit Konsens durch einen katholischen Pfarrer eingesegnet worden, unter den uͤbrigen 222 durch evangelische Pfarrer mit Konsens eingesegnete Ehen waren 12, bei denen ein kanonisches Bedenken von Seiten des katholischen Parochus ob⸗ waltete und 210, bei denen lediglich um der verschiedenen Kon fession willen Aufgebot oder Trauung abgelehnt worden ist. Bei 160 dieser gemischten Ehen sind die Maͤnner, bei 64 die Frauen evangelisch. 200 derselben wurden in Westpreußen und 24 in Ostpreußen geschlossen; in Litthauen ist keine gemischte Ehe ge schlossen worden. 12 maͤnnliche und 7 weibliche juͤdische Proselyten, saͤmmtlich uͤber 14 und unter 40 Jahre alt wurden, im Laufe des verflosse⸗ nen Jahres in der Provinz Preußen getauft, davon gehoͤren 17 der evangelischen und 2 der katholischen Kirche an.
Wissenschaft, Kunst und Literatur.
Berlin. Wenn auch für den größeren Theil des hiesigen Publi⸗ kums der Gesang der vierzig Landleute aus den Französischen Pyvrenäen etwas zu Fremdartiges war, als daß er eine sehr allge⸗ meine Anziehungskraft hätte ausüben können, so fand derselbe doch bei allen denjenigen Musikfreunden und Kennern, die nicht jede von den idealen Schönheits⸗Prinzipien abweichende Erscheinung in der Kunst durchaus verwerfen, sondern dem charakteristischen, durch den Einfluß der Natur und Nationalität bestimmten Element auch sein Recht eir räumen, die verdiente Würdigung. Erwägt man überdies, daß diese Gesellschaft von Sängern selbst gar nicht den Anspruch macht, als eigentliche Künstler betrachtet zu werden, sondern daß ihr Hauptzweck ist, für eine wohlthätige Anstalt ihrer Heimath zu sammeln, indem sie ihr eigenes Vaterland sowohl wie das übrige Europa mit den charakteristischen Klängen und Gesangsweisen jener Gebirgsgegend bekannt machen, welche zwei verschiedene Volksstämme von einander trennt und zugleich auch mit einander vermischt, so darf man an ihre Leistungen nicht dem Maßstab des Kunst⸗Ideals anlegen, obwohl man nichtsdestoweniger in manchen Beziehungen selbst bei diesen schlichten Arbeitern und Hirtenknaben eine solche Annäherung an die höchste musikalische Schönheit sindet, wie wir sie bei unseren kultivirten Chören oft gar sehr vermissen. An Pünklichkeit im Einsetzen und Zusammern halten, an Sicherheit der Intonation (ein paar seltene Aus⸗ nahmen abgerechnet, wo die oberen Stimmen der kleinen Knaben nicht gleich vollkommen im Ton waren), ohne alle unterstützende Instrumental⸗ Begleitung, und an trefflicher Schattirung durch alle Nüancen von Forte und Piano können die Chöre dieser Bergsänger als Muster gel⸗ ten. Von wunderbar rührender Wirkung war unter Anderem das Sopran⸗Solo in einem im Bearner Dialekt gesungenen Notturno, in welchem man die Reinheit der getragenen Cantilene und die feierliche Ruhe in der Ausführung derselben bewundern mußte. Am allgemein⸗ sten aber war der Eindruck, welchen das weiche bis zum leisesten Pianissimo noch hörbare Verklingen der Stimmen am Schluß meh⸗ rerer Chöre und besonders während des Abganges der Sanger machte, die sowohl in der Kirche wie auf dem Theater in ganz militairischer Haltung an⸗ und abmarschiren. Lebhaften Betfall fanden 1g 8e Spanischer Weise mit Castagnetten begleiteten Gesänge. aß die
— 8. EeUnn diejenige Politur haben, wie man Stimmen der Sänger selbst nicht dief dee he. Institute findet, ist
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