Si 20. April. Nach geschehener Vorlesung,
G „Süitzung no Volliehung der Protokolle vom 17ten *₰ * 1 . Ei 9 br Deputirten des Ritterstandes die Versammlung sehte Einer dedaß die projektirten Chaussee⸗Anlagen und zwar e. Kenneuns, pen üͤber Schildberg, Ostrowo, Raszkow, Ple⸗ die ekne aa-S- Miloslaw, Wreschen nach Gnesen; die Heice von schen, Jaroam otoschin, Kozmin, Jarocin, Miloslaw⸗ Schroda Zdung hen und endlich die dritte, welche die Stadt Gostyn mit w. —— durch Vermittelung des Ober, Praͤsidenten die besh venigung Sr. Majestät erhalten haben. Se. Majestaͤt ha⸗ Genehmisun, geruht, 3000 Rrhlr. pro Meile und 3000 Rthlr. 5 Pralkenbau üͤber die Warthe zu bewilligen. Der vortra⸗ ve Abgeordnete beantragte, daß die Versammlung Sr. Maje⸗ gat eine Dankadresse allerunterthaͤnigst uͤberreiche, was auch die
Versammlung einstimmig beschloß.
Hes. Ppprovinz Sachsen. “
Merseburg, 30. Avril. In der Aisten Plenar⸗Sitzung am 19. April fand die Eroͤrterung einer Petition uͤber das Ueber⸗ fäößen der Muͤhlwehre des Saalstroms mit sogenanntem Lang⸗ holze statti. Nachdem hierauf ein Antrag auf Vertheilung der gedruckten Landtags⸗Protokolle in doppelten Exemplaren zu leich⸗ terer Mittheilung an die Kommittenten, und die daran geknuͤpfte Ansicht, wie dies jeder Kollektiv⸗Stadt wuͤnschenswerth seyn müͤsse, vom Herrn Landtags⸗Marschall zur weiteren Entschließung ange⸗ nommen ward, wurde die Berathung uͤber die Kontingenti⸗ rung der Klassen⸗Steuer in Folge Allerhoͤchster Proposition zur Sprache gebracht. — Die vom Ausschusse vorgetragenen Gründe, wonach von dieser — vom fuͤnften Saͤchsischen Provin⸗ zial⸗ Landtage proponirten Klassen⸗Steuer⸗Kontingentirung — ganz zu abstrahiren seyn duͤrfte, fanden allgemeinen Anklang, da eine damals gestellte Basis jetzt mangele und
der Volksaufklaͤrung,
waltung des Ministe sere Aufmerksamkeit
Unsere Absichten zur Vollziehung gebracht gnaͤdigst zum Ritter
dem zu Anfang der
man zu der Eroͤrteru
die diese bildenden staͤndischen Antraͤge: 1) die Figxirung der Regierungs⸗Bezirks⸗Kontingente nach dem Normal⸗Jahre 1829 mit Hinzurechnung der seitdem eingetretenen Vermehrung der Zahl der Haushaltungen und Einzelnsteuernden; 2) bei kuͤnftiger dreijaͤhriger Feststellung des Kontingents die Anrechnung der ver⸗ mehrten Haushaltungen und Einzelnsteuernden auch in der letzten Stufe eintreten zu lassen; 3) bei Feuersbruͤnsten, Ueberschwem⸗ mungen, Hagelschlag und sonstigen Kalamitaͤten besondere Erlasse vom Staate zu bewilligen, und 4) zwei und ⁄ pCt. der Ver⸗ anlagungs⸗Summe zur Deckung von Resten und anderen Aus⸗ faͤllen zu gewaͤhren, nach der der Allerhoͤchsten Proposition beige⸗ gebenen Denkschrift nicht genehmigt worden sind. — Man durste es sich nicht bergen, daß die Provinz sich einer be⸗ deutenden Einbuße aussetze, wenn sie einen geringeren Prozent⸗ satz als 2 der Veranlagungs⸗Summe annehme, indem aus der Uebersicht der Bevoͤlkerungs⸗ und Klassensteuer⸗Verhaͤltnisse der Provinz Sachsen nur zu deutlich hervorgehe, daß die Hoͤhe der zur Niederschlagung gedrachten Summen stets im Steigen be⸗ griffen ist, wogegen der Steuerbetrag, der auf jeden Kopf der Bevoͤlkerung faͤüt, auch ferner sinken zu wollen scheine. Zwar stehen diese Resultate mit dem Anwuchse der Bevoͤlkerung in na⸗ tuͤrlicher Verbindung, doch haͤngen sie auch von allgemeinen Un⸗ faällen ab, wie von vermindertem Gewerbebetriebe und dem Schwanken des Grundbesitzes, was auf verminderten Wohlstand deutet; doch ist solchen Wechselfaͤllen sowohl der Staat als die Pro⸗ vinz unterworfen, und es bleibt immer problematisch, ob der zur Deckung der Ausfaͤlle beantragte 22 ⁄ Procentsatz ausreichen moͤchte; gewiß aber ist's, daß der nach einer dreijaͤhrigen Fraction der nach⸗ gewiesenen Abgänge und Ausfaͤlle berechnete 1 Procentsatz des Veranlagungsfalles keinesfalls genuͤgen kann, da z. B. der Regie⸗ rungs⸗Bezirk Erfurt bis hierher 3 ½ pCt. Ausfall gehabt. In Erwaͤ⸗ gung dieser Umstaͤnde entschied sich die Versammlung uͤbereinstim⸗ mend: „Nicht allein die Klassensteuer⸗Kontingentirung unter den dar⸗ gelegten Bedingungen abzulehnen, sondern auch den Antrag dar⸗ auf gaͤnzlich fallen zu lassen.“”“ Aus denselben Gruͤnden fand auch der Vorschlag, eine Modification jener Bedingungen zu erbit⸗ ten und hierdurch zu einer entsprechenden Fixirung zu gelangen, keine Folge, zumal auch die Rhein⸗Provinz — wie man zu glau⸗ ben Ursache habe — sich bei derselben im Falle eines Krieges oder anderer Unfälle, nicht mehr zufriedengestellt erachten werde. — Mit dem gegen unmotivirte Erhoͤhungen einzelner Klassen⸗ steuersaͤtze gerichteten Vorschlage des Ausschusses erklaäͤrte man sich im ganzen einverstanden, wollte aber die allerunterthäͤnigste Bitte an des Koͤnigs Majestaͤt speziell darauf gerichtet wissen: 1) Eine Erhoͤhung der einzelnen Steuer⸗Betraͤge Seitens der Koͤnigl. Re⸗ gierungen nur nach Anhoͤrung der Veranlagungs⸗Behoͤrden zu verfuͤgen; 2) daß bei den Klassensteuer⸗Veranlagungen nur nach der durch Allerhoͤchste Genehmigung in gesetzliche Kraft getretenen Ministerial⸗Instruction vom 25. August 1820 verfahren und auf dieselbe stets rekurrirt werden koͤnne, wenn diejenigen Klassifica⸗ tions⸗Merkmale, die man zur Ergaͤnzung derselben später einge⸗ schoben habe, von derselben abweichen, und 3) daß dem Gutach⸗ ten der kreisständischen Kommission in Klassensteuer⸗Angelegenhei⸗ ten, zumal bei Reclamationen, kuͤnftig mehr Beruͤcksichtigung ge⸗ geben werde, als bisher.
Eine zuletzt noch angedeutete Hinweisung auf das Bestreben der oberen Behoͤrden, fuͤr Kreise, Regierungs⸗Bezirke, Provinzen, einen gleichen Steuersatz fuͤr jeden einzelnen Kopf der Bevoͤlke⸗ rung anzunehmen, fand eben so wenig Anklang, als der verein⸗ zelte Antrag um Vermehrung der Zwischenstufen zwischen der rsten und zweiten Steuerklasse.
Nun ging man zu Berathung mehrerer Petitionen uͤber, welche rein lokale Gegenstaͤnde betrafen.
Zuletzt wurden 7 Petitionen, den Neubau und resp. Ver⸗
setzt und an
Angelegenheiten Frankr reich durch die oriental
die Svitze der friedliche
Deutschlands machte d wickelung unmöglich.
Verein der industriellen sten Früchte getragen Deutschland verbreitet. gerufen, von der wir die die Aufmerksamkeit
nichts für Deutschland Laufe der Dinge überl seiner den die Deutschen
selbst ihre Beziehungen
lands zu verbünden.
große Nation sevn. erwirbt.
stände auf eine liberale
verletzen zu wollen, un derliche Hand reichen. warum Deutschland in reich dem Bündnisse mi Herr Mauguin,
land verbreitet hatte. Russischen Kabinet gest⸗
rigkeit gefunden, die ein
empfohlen haben, uns mit Deutschland, denn
längerung von gleich vielen Chausseestrecken betreffend, in einem
Vortrage zusammengefaßt. Der Landtag erkannte die Gruͤnde
der: a) fuͤr den Bau einer Chaussee von Halberstadt bis an die
Graͤnze der Grafschaft Wernigerode, von wo aus die Weiterfuͤh⸗
rung auf Kosten deren Besitzer bewirkt werden sollte; b) desglei⸗
chen von Langensalza bis Tennstedt und von der letzten Station
vor Weißensee bis zu dieser Stadt, wodurch die wuͤnschenswerthe
Chaussirung der Straße von Kassel nach Leipzig vollendet werde
c) zwischen Halderstadt und Auedlinburg, wozu beide Stadte be⸗
deutende Opfer zu bringen bereit wären, 0) desgleichen von Weißensee uͤber Soͤmmerda und Koͤlleda nach der Wei⸗ marischen Graͤnze, zu Herstellung des Strazenzuas vom Harz nach dem Voigtlande, ⁴%) desaleichen zwischen Wanfried und Heiligenstadt, ) vom Dorfe Beuchlitz nach Halle, zur Voll⸗ endung der, letztere Sladt mit Lauchstädt verbindenden Kunststraße, eingebrachten Denkschriften an und entschloß sich zur Befuͤrwor⸗ tung derselben in der Art, daß, sobald die dazu bestimmten Staats⸗Fonds disponibel seyn wuͤrden, der Bau dieser Straßen⸗ strecken besonders zu beruͤcksichtigen sey; wies aber den Antrag auf Chaussirung eines Wegs von Bleicheroda nach der Rhein⸗ straße mit entschiedener Mehrheit zuruͤck, da die bezeichnete Wege⸗ strecke zur Kategorie der Vicinalwege gehoͤre.
schlägt 1 finden könnte.
bewilligt.
nister der auswärtigen
an ihn zu richten.
Deputirten⸗Kammer. Sitzung vom 4. Mai. Nach⸗ Kredite fuͤr das Justiz⸗Ministerium bewilliot worden waren, ging
wärtigen Angelegenheiten uͤber. 8 “ Herr Laujuknais ließ des Ausführlichen über die auswärtigen
Europa geschwächt worden sev. d n destoweniger noch eine sehr große Rolle spielen könne, wenn es sich an
mit seinen Allianzen Unglück gehabt, und in dieser Hinsicht besonders müsse es eine neue Bahn einschlagen. gegen jede engere Allianz, sowohl mit Rußland, als mit England aus, und schilderte die Nachtheile derselben. eine enge Allianz mit Deutschland und äußernte sich über diesen Gegen⸗ stand in folgender Weise: Deutschland befindet sich nicht mehr in dem Zustande, in dem es die Verträge von 1815 ve setzt haben. damals aus 2 großen Staaten: Preußen und Oesterreich, und aus einigen 30 kleinen Staaten, ven denen jeder sein besonderes Zoll⸗S v⸗ stem hatte, Transito⸗Gebühren erhob u. s. w.
Preußens vermittelst eines Zoll⸗Vereins, dem sich jetzt der bei weitem größte Theil der Deutschen Staaten angeschlessen hat, gehoben. Jener
dies der Handels⸗Kongreß in Berlin, wo die Repräsentanten der ma⸗ teriellen Interessen aller Deutschen Staaten nicht allein die Bedingun⸗ gen des inneren Handels, sondern auch die des Handels mit dem Aus⸗ lande erörtern und entscheiden. Dies muß sie, m. H., auf die Umwand⸗ lung aufmerksam machen, die Deutschland erfahren hat. Die Verträge von 1815 hatten Deutschland unter die Vormundschaft des Bundes⸗ tages gestellt. Der Bundestag, dem status quo blindlings ergeben, hat
will diesen Gedanken nicht weiter entwickeln; ich überlasse denselben Ihrem eigenen Nachdenken, und beschränke mich auf die einfache Be⸗ merkung, daß der Berliner Kongreß vielleicht das Muster desjenigen ist, dessen Bildung Frankreich veranlassen müßte, um alle Europäischen
Interessen gegen die ausschließlichen Prätensionen Englands und Ruß⸗
in Deutschland eine politische Bewegung kundgegeben, die nicht minder wichtig ist. Die sire Idee der Deutschen ist Deutsche Einheit und Deutsche Nationalität; Dentschland will einegroße Nation und vorallen Dingen eine Die Deutschen Fürsten haben im Allgemeiuen ein System der Mäßigung angenommen, welches ihnen die Liebe ihrer Völker Wenn es eines Beispiels bedürfte, so würde ich Preußen an⸗ führen, wo der König aus eigenem Antrtebe die Befugnisse der Land⸗
ten, daß in Deutschland eine Allianz mit Frankreich allgemeine Zustim⸗ mung finden würde. Wir dürfen nur nicht erobern wollen, wir dür⸗ fen nur nicht die Absicht zeigen, die Deutsche Nationalität irgendwie
vorige Redner angespielt hatte, ergriff diese Gelegenheit, um sich gegen die Gerüchte zu wahren, die man hinsichtlich seiner Reise nach Ruß⸗
sion erhalten, und durchaus in keiner offiziellen Verbindung mit dem besucht, und babe bei der Russischen Regierung alle diejenige Willfäh⸗
genehm sevn könnten. Hierfürallein sey er der Russischen Regierung Dank⸗ barkeit schuldig. Der Redner schloß mit folgenden Worten: Wenn ich übrigens bei Gelegenheit des Budgets von unseren Allianzen hätte sprechen wollen, so würde ich, wie der vorige Redner, dem Ministerium
lische Bedeutung, sondern mit Preußen. (Bewegung.) Ich würde der Regie⸗ rung empfohlen haben, zu versuchen, ob nicht eines Tages eine Allianz mit Preußen herbeizuführen sey. 1 G
in unserer jetzigen Lage nach Gefallen Allianzen wählen können. Ich glaube, daß Frankreich mit vieler Zurückhaltung, mit vieler Festigkeit und mit einer anderen Polilik leicht große und bedeutende Allianzen finden könnte; aber jetzt, wenn es in den Europälschen Rath zurückge⸗ fehrt ist, wie ich nicht zweifle, wird es daselbst vereinzelt stehen, und nicht den Weg ein, auf dem es dereinst innige Verbündete
Da Niemand weiter das Wort verlangte, so ward hierauf die all⸗ gemeine Erörterung geschlossen, und die ersten Kapitel des Budgets Bei den Gehalten für die Konsular⸗Agenten beklagte sich
Herr Glais⸗Bizoin über die große Menge von Urlaubertbei⸗ lungen, die man den Konsular⸗Agenten bewillige und ersuchte den Mi⸗
bei der Wahl der Konsular⸗Agenten mehr als bisber auf ihre Talente und auf ibre Verdienste Rücksicht genommen werde.
Herr Guizot räumte ein, daß das Konsularwesen noch manches zu wünschen übrig lasse, und daß es das Bestreben der Reaierung sev, die Lücken und Unvolltommenheiten in derselben mit der Zeit auszu⸗ füllen und zu verbessern. ½ zbjakej setzung jener Stellen auf irgend etwas Anderes als auf die Fähigkeiten und Verdienste der Personen Rücksicht nähme. “
Herr Mauguin: Da sich der Minister der answärtigen Angele⸗ genbeiten auf der Rednerdühne besindet, so erlaube ich mir eine Frage
Zeitungs⸗Nachrichten.
Ausland.
Rußland und Polen.
St. Petersburg, 4. Mai. Die Russischen Zeitungen pu⸗ bliziren nachstehendes Kaiserliches Handschreiben an den Minister
Herrn von Uwareff:
„Ihre rastlose Wirksamkeit im Laufe einer achtjährigen Ver⸗
riums der Volksaufklaͤrung haben stets Un⸗ auf Sie gelenkt. Indem wir mit besonde⸗ V
rem Vergnuͤgen ersehen, daß mit der Vereinigung des Lehrfaches im Koͤnigreiche Polen zu Ihren Obliegenheiten, ein fester Grund zur Organisation desselben in jenem Lande geleat ist, und daß
Befoͤrderung der Volksaufklaͤrung thaͤtig in werden, finden Wir es gerecht, Sie Aller⸗ des Ordens des heil. Apostelgleichen Fuͤrsten
Wladimir erster Klasse zu ernennen, dessen beifolgende Insignien Wir Ihnen anzulegen und den Statuten gemaͤß zu tragen be⸗ fehlen. Wir verbleiben Ihnen mit Unserer Kaiserlichen Gnade wohlgewogen. St. Petersburz, den 16. (2§.) April 1841. (gez.) Nikolaus.
Frankreich.
heutigen Sitzung noch einige nachtraͤgliche
ng des Budgets fuͤr den Minister der aus—
eichs vernehmen. Er beklagte es, daß Frank⸗ ischen Angelegenheiten in seinem Einflusse auf Er behauptete, daß Frankreich nichts⸗
n Nationen stelle. Bis jetzt habe Frankreich
Der Reduer sprach sich sodann
Dann empfahl er dringend
Es bestand
Diese Zerstückelung aselbst jede kommerzielle oder industrielle Ent⸗ Diese Schwierigkeiten sind durch den Einfluß
und kommerziellen Interessen hat die glücklich⸗ und Wehlstand und Reichthum über ganz Aber er hat besonders eine Institution hervor⸗ nichts Aehnliches in der Geschichte finden und der Staatsmänner auf sich zichen muß; es ist
gethan, und Deutschland, sich dem natürlichen assend, hat gewissermaßen den Bundestag abge⸗ Stelle den Berliner Kongreß errichtet, auf Staaten ihre Interessen verhandeln, und zu den auswärtigen Mächten reguliren. Ich
Neben jener kommerziellen Bewegung hat sich
Weise ausgedehnt hat. Ich wage zu behaup⸗
d Deutschland wird uns mit Freuden eine brü⸗
Der Redner entwickelte hierauf die Gründe, seinem eigenen Interesse eine Allianz mit Frank⸗ t Rußland oder mit England vorziehen müsse. auf dessen plötzliche Vorliebe für Rußland der Er erklärte, daß er von Niemandem eine Mis⸗ anden babe. Er hätte jenes Land als Reisender
nem Reisenden, der das Land studiren wolle, an⸗
eine Allianz mit Deutschland zu bereiten, nicht dies Wort ist allgemein, und hat keine diploma⸗
Aber man darf nicht glauben, daß wir
Angelegenheiten überhaupt dafür zu sorgen, daß
Er stellte aber in Abrede, daß man hei Be⸗
Bei einer früheren Debatte sagte d ir
Zeit der Erörterung des Budgets Mittheilungen über die Lage unserer auswärtigen Politik machen wü⸗ ich frage ihn daher jetzt, ob er diese Mittheilungen zu machen gevenkt?
Herr Guizot: Ich bitte die Kammer, sich zu erinnern, daß ich in dieser Bezichung nichts Bestimmtes versprochen habe. Die Unter⸗ handlungen sind nech nicht beendigt, und ich würde heute, wie vor einem Monate, gegen meine Pflicht und gegen die Interessen des Lau⸗ des fehlen, wenn ich auf eine Erörterunga einginge, die dem Resultate welches ich zu erlangen suchte, schaden könnte. 1
Nach einer kurzen uninteressanten Debatte wurden sämmtliche Ka⸗ pitel des Budgets der auswärtigen Angelegenheiten genebmigt, und die Kammer ging zur Erörterung des Budgeis des Ministers des öffent⸗ lichen Unterrichts über.
Paris, 5. Mai. Die Deputicten Kammer votirt das Budget mit solcher Eile, daß man glaubt, die parlantentarischen Arbeiten werden noch vor dem Ende der kuͤnstigen Woche been⸗ digt seyn. Da die Pairs⸗Kammer in der Regel noch expeditiver ist, so wird der Schluß der Session in etwa 14 Tagen abzu⸗ sehen seyn. Man glaubt noch imme, daß alsdann das Mini⸗ sterium mit seinem Plane die Kemner aufzuloͤsen, hervortreten wird.
Die Zahl der bei Gelegenheit der Taufe des Grafen von ““ Kreuze der Ehrenlegion belaͤuft sich auf nahe an 600.
Heute, als am Todestage Napoleons, wurden eine unge⸗ woͤhnlich agroße Menge von Kraͤnzen und Blumenkronen am Fuße der Vendome⸗Saͤule niedergelegt. Auch die Hieronymus⸗ Kapelle in der Invaliden⸗Kirche war den ganzen Tag uͤber mit den Bewunderern des Kaisers angefuͤllt. .
Die Pariser Blaͤtter melden, es sey jetzt definitiv beschlossen, daß die Festungswerke von Berlin geschleift werden sollen!
Boͤrse vom 5ö. Mai. Man unterhielt sich heute wieder viel von der neuen Anleihe, von der, wie es heißt, gleich nach Schlie⸗ ung der Session ein Theil ausgegeben werden soll. Diese erste Emis⸗ sion wuͤrde sich, wie man sagt, auf 150 bis 200 Millionen beschraͤn⸗ ken. Die neue Anleihe wird zu 3 2proc. abgeschlossen werden, und die Regierung wird sich zu gleicher Zeit verpflichten, die 5proc. Rente noch in 10 Jahren nicht zu konvertiren. — Am Schlusse der Boͤrse verbreitete sich die Nachricht, daß durch tele⸗ graphische Depesche aus Madrid gemeldet worden sey, die Kam⸗ mern haͤtten sich mit großer Majoritaͤt fuͤr ei enten aus⸗ gesprochen. G „. Paris, 5. Mai. In einem Lande, wo die politischen Leidenschaften so heftig aufgeregt sind, wie in Frankreich, muß te die Sache der faͤlschlich dem Koͤnige beigelegten Briefe natuͤrlich
die verschiedensten Gefuͤhle erwecken und Wirkungen hervorbrin⸗ gen, die jede Meinungs⸗Nuͤance zu ihrem Vortheil zu benutzen gesucht hat. Man ist seit zehn Jahren so wenig daran gewoͤhnt,
—
dem Souverain Achtung zu zollen, daß es leicht war, den selt⸗
samsten Hypothesen, den unwahrscheinlichsten Voraussetzungen
Glauben zu verschaffen. Wie gewoͤhnlich sind die Parteien vor kei⸗
nem Mittel zuruͤckgeschreckt, um ihren Gegnern zu schaden, und
die Tagespresse, welche sich wenig bemuͤhte, die Wahrheit zu er⸗ forschen, beutete dies Ereigniß nur im Interesse ihrer Leidenschaf⸗ ten und ihrer politischen Neigungen aus.
Durch ein Zusammentreffen von eben so bedauerlichen als znerklaͤrlichen Umstaͤnden, hat in dieser Sache Niemand seine Pflicht gethan. Die Gewalt und die Gerechtigkeit sind gleich üungeschickt verfahren, und statt die Person des Koͤnigs so viel wie moͤglich aus dem Spiele zu lassen, ist sie auf das Innigste in die so ungluͤcklich begonnenen Debatten verwickelt worden. Man hat auf diese Weise den Absichten der Feinde des Koͤnig⸗ thums, denen es nur um Skandal und Oeffentlichkeit zu thun war, einen trefflichen Dienst erwiesen. Eine gleich zu Anfang von dem Ministerium erlassene foͤrmliche Erklaͤrung haͤtte den Werth jener skandaloͤsen Veroͤffentlichungen geschwaͤcht und die ganze Sache haͤtte in den legitimistischen Blaͤttern ihr trauriges Ende gefunden.
Der Prozeß und der Ausspruch der Geschworenen hat einen Theil des Publikums in eine außerordentliche Bestuͤrzung ver⸗ setzt, und obgleich offenbar die Jury nur nach der vorgeblichen Redlichkeit des inkriminirten Blattes entschieden hat, so haben doch die Feinde des Koͤnigthums nicht unterlassen, aus dieser Freisprechung sehr verschiedene Folgerungen zu ziehen.
In Frankreich handelt es sich bei politischen Fragen nicht darum, zu wissen, was wahr oder falsch, sondern nur, was einer Partei nuͤtzlich oder schädlich ist, was sie befestigen oder zu Grunde richten kann. Angebliche Entdeckungen, wie die jener Briefe, ha⸗ ben daher ein unermeßliches Interesse fuͤr Personen, die in der Wahl ihrer Waffen nicht schwierig sind und die da glauben, daß der Zweck die Mittel heilige. Diese Doktrinen, wenn sie auch nicht offen proklamirt wurden, haben doch, selbst in den hoͤchsten Regionen der Politik eine so haͤufige Anwendung erfahren, daß sie keinesweges mehr im Verborgenen schleichen und Jedermann so zu sagen ihre Herrschaft anerkennt. Was sieht man nicht taͤglich in den Kaͤmpfen, welche die parlamentarische Regierung hervorrust? Man achtet dort nichts, sobald es sich darum han⸗ delt, die Gegner zu Grunde zu richten. Staats⸗Geheimnisse wer⸗ den enthuͤllt, alle Triebfedern der Verwaltung aufgedeckt, der Name des Koͤnigs wird in die Diskussion hineingezo⸗ gen und in diesen Koöonflikten zeigen die gestuͤrzten und die im Amte befindlichen Minister, so wie die, welche es einmal zu werden hossen, dieselbe Heftigkeit, dieselbe Verachtung der kon⸗ servativen Formen, dieselbe Vernachlaͤssigung der Traditionen, welche Achtung vor dem Koͤnigthum geboten. Aber dieses Un⸗ wesen auf der Tribune ist nichts gegen den Unfug, welcher in der Presse herrscht. Niemals ist die Wirksamkeit der letzteren maͤch⸗ tiger, als wenn es gilt, die Leidenschaften zu erregen oder Skan⸗ dal auszubcuten. Wie konnte der öͤffentliche Geist seine Redlich⸗ keit bewahren bei einer solchen Presse, die seit zehn Jahren die unumstoͤßlichsten Prinzipien und Doktrinen täglich in Frage stellt, die jeden Morgen in der Person des Koͤnigs, in der Person der Minister und aller Beamten die Regierung angreift, und die, um die ehrgeizigen Absichten threr Beschuͤtzer zu befriedigen, am Mergen das leugnet, was sie am Abend vorher vertheidigte und die ihre Meinung aͤndert, sobald das Interesse der Partei, die sie unterstuͤtzt, es gebietet.
Außer den republikanischen und legitimistischen Fractionen, welche die Wichtigkeit ihrer politischen Kirche nur auf die angebliche Nullitaͤt ihrer Gegner gruͤnden, giebt es Parteien, die wirklich im Stande sind, sich um die Gewalt zu streiten, und die in ihren Organen dieselbe Heftiakeit und dieselbe Unredlich⸗ keit zeigen, wie die ostensiblen und erklaͤrten Feinde der Gewalt. So haben in der Brief⸗Angelegenheit das „Siecle“ und der „Courrier français“, die sich dynastische Oppositions⸗Journale nennen, anfangs die Briefe fuͤr falsch und den Inhalt derselben fuͤr schaͤndlich erklärt, aber in dem ganzen Verlauf dieser bedau⸗ ernswuͤrdigen Eroͤrterung auf arglistige Weise diejenigen Stellen und Argumente angefuͤhrt, di meisten geeignet waren, den
es sehr bezweifeln, ob es weise gehandelt waͤre
Glauben an die Authenticitaͤt zu erregen. Mit einem Worte, ihre ersten und summarischen Erklaͤrungen, standen mit der Weise, wie sie die ganze Angelegenheit in extenso darstellten, so sehr im Widerspruch, daß zuletzt die Leser sich sagen mußten: Das „Siecle“ und der „Courrier francçais“ glauben an die Echtheit der Briefe, aber aus Schaam versichern sie das Gegentheil.“ Wenn man nun erwaͤgt, daß das „Sidcle“ allein fast 50,000 Abonnenten und vielleicht 500,000 Leser hat, die groͤßtentheils den unteren Klassen der Gesellschaft angehoͤren, welche wenig faͤhig sind, eine so komplizirte Angelegenheit, wie die der Briefe, richtig zu beurthei⸗ ljen, so wird man sich leicht eine Idee von der Verwirrung machen können, die eine Polemik der Art in wenig aufgeklaͤrten Gemuͤ⸗ thern hervorbringen kann, so wie von dem moralischen Einfluß, den sie auf eine zahlreiche und wichtige Klasse der Franzoͤsischen Gesellschaft haben muß. Diese seit zehn Jahren von der Presse
gehoͤrig bearbeitete Klasse ist natuͤrlich sehr geveigt, Alles als
Wahrheit anzunehmen, was die Regierung der Achtung berauben kann, und wenn sie am Ende auch selbst die Authentizitaͤt der Briefe bezweifeln koͤnnte, so wuͤrde sie doch in der Stellung, die sie sich bereitet hat, finden, daß die Presse ihr ein Motiv gegeben, dies nicht einzugestehen. . Gleichzeitig mit diesen gehaͤssigen Insinuationen lassen die⸗ selben Journale aus Partei-Interesse die ungemeine Ungeschick⸗ lichkeit der Regierung in dieser ganzen Sache erst recht hervor⸗ treten. Diese uͤbrigens vollkommen gegruͤndete Beschuldigung ist jedenfalls so eng mit jenen Insinuationen verbunden, daß der Koͤnig und die Minister sich zuletzt gemeinschaftlich dem Fluch und dem Tadel ausgesetzt finden, und wer daher von dieser An⸗ gelegenheit nur durch die genannten Journale Kenntniß erlangte, wuͤrde die Ersteren, wie die Letzteren fuͤr gleich schuldig halten.
Freilich muß man bemerken, daß die Journale, welche diese krummen Wege gehen, die Organe des gestuͤrzten Ministeriums
sind. Wir wollen nicht behaupten, daß zwischen diesem Mini⸗ sterium und den Blaͤttern, deren Taktik wir beschrieben haben, eine Gemeinschaft bestehe, aber in den Augen des Publikums
ist ein solches Zusammentreffen immer von der uͤbelsten Wirkung,
und uͤbt einen sehr großen Einfluß auf die Volksmassen aus, 898 sich stets mehr nach dem Schein, als nach der Wahrheit richten.
Andere Journale, wie der „Constitutionnel“ und der „Temps“,
welche etwa dieselben Ansichten, wie der „Courrier“ und das
„Siecle“, zur Schau tragen, haben mehr Entruͤstung atis Un⸗
parteilichkeit gezeigt und sich in einer Atmosphaͤre des Zweifels gehalten, die auf keine große Ergebenheit fuͤr das Koͤnigthum hindeutet. Durch ihre Polemik leuchtete stets der Gedanke hin⸗ durch, einer Partei zum Nachtheil einer anderen zu dienen; man V entstellte ein Ereigniß, um eine demselben fremde Sache zu un⸗ terstuͤtzen und zwar auf die Gefahr hin, dadurch die hoͤchsten sozialen Garantieen zu gefaͤhrden und die oberste Gewalt zu kom⸗ promittiren. Diese Taktik ist uͤbrigens so alt, wie die gegenwaͤr⸗ tige Regierung und seit der letzten parlamentarischen Coalition vervollkommnet sie sich nur auf Kosten der Ordnung, der Moral und der einfachsten politischen Ideen. V Wenn man zugiebt, daß der Zweck die Mittel rechtfertigt, so koͤnnte man bis auf einen gewissen Punkt sagen, daß die legi⸗ timistischen und republikanischen Journale, indem sie den Briefen einen authentischen Charakter beilegen, nur ihrem Beruf treu ge⸗
blieben sind. Man begreift dies von Journalen, welche die bestehende Regierung nicht wollen, aber man begreift es nicht von Seiten der Presse, die nur durch die gegenwaͤrtigen Institutionen besteht.
Auch die legitimistischen Journale bleiben ihren Doktrinen uͤber die Monarchie und das Koͤnigthum nicht treu und jene Wuth, den Koͤnig in Mißachtung zu bringen, ist mindestens sehr unge⸗ schickt. Sie moͤgen immerhin sagen: „Es ist nicht unser Koͤnig“, sie arbeiten deshalb nicht weniger an einem Zerstoͤrungswerk, das eben so wohl die kuͤnftigen Koͤnige, wer sie auch seyn moͤgen, als den gegenwaͤrtigen, trifft.
Dieser Quasi-Einigkeit der Journale, die wenigstens drei Viertel der Abonnenten der Tagspresse zaͤhlen, wird nur durch vier oder fuͤnf Blaͤtter, von denen nur zwei, das „Journal des Débats“ und die „Presse“, einige Konsistenz haben, die Waage gehalten. Aber diese beiden Organe, welche das Koͤnigthum ver⸗ theidigen, sind unter diesen Umstaͤnden kaum geschickter zu Werke gegangen, als die Regierung selbst, so daß das Gift, so zu sagen, uͤberall eingedrungen ist, ohne daß ein Gegengift vorhanden waͤre. Die 100,000 Exemplare des Prozesses, welche durch die Bemuͤ⸗ hungen der „France“ bekannt gemacht und vorbereitet worden sind, koͤnnen eine Idee von der Ausdehnung des Uebels geben.
Die Massen haͤben in dieser großen Angelegenheit kaum ei⸗ nen anderen Fuͤhrer gehabt, als den Ausspruch der Jury; sie sagten sich: „Waͤren die Briefe unäͤcht, so haͤtte man die Jour⸗ nalisten verurtheilt; da man sie aber freigesprochen hat, so sind die Briefe aͤcht“, und mit diesen Voraussetzungen geben sie zu⸗ gleich die Richtigkeit der in jenen Briefen enthaltenen Verpflich⸗ tungen zu. Die Beibehaltung von Algerien, welche seit einer Reihe von Jahren beschlossen worden ist, wird somit wieder von den unteren Klassen und selbst von vielen Personen der mittleren Klassen bezweifelt, und es wird wahrlich der Zeit beduͤrfen, um der Wahrheit den Sieg uͤber diese Ansichten zu verschaffen; so maͤchtig ist die Stimme der Journale, wenn sie sich der An— schwaͤrzung und Verleumdung hingeben. —
Was wir hier auseinander gesetzt haben, ist freilich nur ein einzeln stehender Fall in der allgemeinen Lage der Dinge bei uns; aber er ist von der Art, daß er von dem Zustande der Gemuͤther und von der moralischen Zerruͤttung, die sich der Gesellschaft in Frankreich bemaͤchtigt hat, einen ziemlich klaren Begriff geben kann. Ein ungeheures Verruͤcken aller gesellschaftlichen Verhaͤlt⸗ nisse, die eben so außerordentliche als schnelle politische Erhebung einzelner Individuen und die unausgesetzte Thaͤtigkeit einer zuͤ⸗ gellosen Presse haben alle Begriffe von Hierarchie und Stabilitaͤt zerstoͤrt. Die achtungswerthesten sozialen Prinzipien werden be⸗ ständig in Frage gestellt und der Glaube jeder Art wird den In⸗ teressen des Augenblicks unterworfen und muß sich dem fuͤgen, was die nach der Gewalt strebenden Maͤnner ihren .“ Absichten fuͤr zutraͤglich halten. 1
Großbritanien und Irland.
London, 5. Mai. So aufregend die ministerielle Presse jetzt gegen die Korngesetze sich ausspricht, eben so leidenschaftlich EG diese Gesetze andererseits von der Tory⸗Presse vertheidigt ves scnit de derselben als der Ruin des Grundbesitzes W befn ohlfahrt des ganzen Britischen Reichs dargestellt. “ vlo zcheo die Times gegen den Priemierminister Außer der os 8 undgegebenen Sinnesaͤnderung zu Felde.
6 inex te.. . Roeerzog von Buckingham angefuͤhrten Stelle au 17 en Rede Lord Melbourne's vom Juni 1840 citirt jenes Blatt noch weit entschiedenere Aeußerung desselben gegen die Korngesetze, welche in einer am 14. Maͤrz 1839 von ihm gehaltenen Rede vorkoͤmmt. Damals sagte er naͤmlich: „Ich muß Gesetze zu geben, die eine
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große fabrizirende Bevoͤlkerung hinsichtlich ihres Getraidebedarfs vom Auslande abhaͤngig machen wuͤrde. Bei der jetzigen Lage der Dinge aber, wenn ich die verwickelten Interessen bedenke, die wir zu beschuͤtzen haben, und dann finde, daß mein edler Freund (Lord Fitzwilliam) vorschlaͤgt, das ganze Ackerbau⸗Inter⸗ esse ohne Schutz zu lassen, so erklaͤre ich vor Gott, daß mir dies als der ausschweifendste und wahnsinnigste Plan erscheint, der je einem Menschen in den Sinn gekommen. Mei⸗ ner Ansicht nach, ist es nicht weise, sich in Betreff des Bedarfs an Lebensmitteln vom Auslande abhaͤngig zu ma⸗ chen, und ich glaube, daß wir, selbst mit Aufopferung eines Theils unseres Fabrik⸗Gedeihens, vor allen Dingen fuͤr die National⸗Wohlfahrt und Unabhaͤngigkeit sorgen muͤssen. Ich bin zwar keinesweges auf die bestehenden Korngesetze ganz versessen, aber man muß doch allgemein fuͤhlen und zugeben, daß eine Veraͤnderung an sich selbst schon ein großes Uebel ist. Ich fuͤr mein Theil bin daher zu keiner Veraͤnderung geneigt, wenn es nicht klar erwiesen werden kann, daß es eine wirkliche Ver⸗ besserung ist.“ Das genannte Blatt fragt nun, woher es sich jetzt erweisen ließe, daß unter den gegenwaͤrtigen Umstaͤnden die vorgeschlagene Aenderung eine Verbesserung seyn wuͤrde. „Sind die uͤblen Wirkungen der jetzigen Korngesetze“, sagt die Times unter Anderem, „so gewaltig und unerträaglich, daß eine solche Aenderung noth thaͤte? Kömmt das Volk vor Hunger um, und wird Euer Nachmittagsschlummer durch das Geschrei nach Brod gestoͤrt? Keinesweges. Mit Huͤlfe der Vorsehung hat die reiche Aerndte des letzten Sommers fuͤr jetzt alle Besorg⸗ niß vor Noth an Getraide⸗Mangel oder Uebertheuerung entfernt. Es waͤre unendlich mehr Grund vorhanden gewesen, die Veraͤn⸗ derung dieserhalb in einem der beiden letzten Jahre vorzuschlagen als im Jahre 1841. Und doch erklaͤrte Lord J. Russell sebst im Jahre 1840, daß der Grad des durch die Korngesetze verursach⸗ ten Uebels sehr uͤbertrieben worden sey, und daß es in demselben Grade auch nach einer Aenderung dieser Gesetze fortdauern wuͤrde. Oder hat etwa die oͤffentliche Meinung sich so entschieden fuͤr eine solche Maßregel ausgesprochen, daß ihr nicht laͤnger zu widerste⸗ hen ist? Weit entfernt hiervon, haͤtte man im Gegentheil kaum eine Zeit aussuchen koͤnnen, wo die gewaltsamen Agitatoren gegen die Korngesetze so tief in der Popularitaͤt gesunken sind und so sehr allen Einsluß verloren haben, als jetzt. Sie sind bei jeder Wahl geschlagen worden, wo sie in der letzten Zeit ihre Staͤrke versuchten, am entschiedensten gerade in zwei großen Fabrikstaͤdten, in Nottingham und Walsall. In wenigen Wochen wird es sich ja auch zeigen, ob im Unterhause ein so „allgemeiner Wunsch“, eine so „entschiedene Ansicht“ zu Gun⸗ sten einer Veraäͤnderung der Korngesetze vorhanden ist, wie sie Lord J. Russell am 26. Mai 1840 fuͤr nothwendig erklaͤrte, wenn eine solche Maßregel als gerechtfertigt erscheinen sollte, weil man sonst, wie er damals sagte, die Erledigung der Frage eher verzoͤgern, als foͤrdern wuͤrde. Wo nicht, so muͤssen wir glauben, daß die Minister, wie gewoͤhnlich, nur einen Apfel der Zwietracht unter die Parteien werfen und die Sache selbst kei⸗ nesweges erledigen wollten.“
Der ministerielle Globe erklaͤrt, daß eine Veraͤnderung der Korn⸗Gesetze von den Ministern keinesweges bloß als eine Ein⸗ nahme⸗Quelle beabsichtigt werde, sondern daß man durch einen festen Getraide⸗Zoll dem inlaͤndischen Ackerbau⸗Interesse gerade den besten Schutz zu gewaäͤhren und den arbeitenden Klassen zu jeder Zeit wohlfeilen Lebensunterhalt zu sichern hoffe.
Das Dampfschiff „Praͤsident“, welches nun fast allgemein verloren gegeben wird, war das groͤßte, welches bisher gebaut werden. Die Laͤnge seines Verdecks betrug 273 Englische Fuß, die Breite 72 ½, die Tiefe 41 Fuß; es hatte eine Maschine von 540 Pferdekraft und hielt 23566 Tonnen; seine Mannschaft bestand aus 80 Personen; mit Einschluß der Passagiere haben sich also auf seiner letzten Fahrt 109 Menschen an Bord desselben befun⸗ den. Der „Praͤsident hatte, gleich den neuen Amerikanischen Paketboͤten, ein doppeltes Verdeck, welches den Passagieren selbst bei schlechtem Wetter die Annehmlichkeit der Promenade gewaͤhrt. Die innere Einrichtung des Schiffs war geschmackvoll und behag⸗ lich, obgleich nicht so elegant und kostbar wie die der „Britisch Queen“. Den geraͤumigen Salon schmuͤckten mehrere Spiegel und Gemaͤlde, er war mit einem schoͤnen Teppich bedeckt, und es standen vier Mahagonitische darin, an welchen 130 Personen Platz hatten. Die Waͤnde des Korridors, welche von dem Sa⸗ lon und dem mit einem Pianoforte und einer Bibliothek versehe⸗ nen Damen Kabinet fuͤhrten, waren mit Tapeten bekleidet, welche Scenen aus dem Leben des Columbus darstellte. Fuͤr einen Platz in der Haupt⸗ und in der Vorder⸗Kajuͤte zahlte man 51 Guineen. Uebrigens pflegte der „Praͤsident“ nie eine sehr schnelle Fahrt zu machen, weshalb er auch den Beinamen slow coach, die lang⸗ same Kutsche, erhielt. Jetzt in ein Dampfschiff, „der Mam⸗ muth“, im Bau begriffen, welches noch viel groͤßer als der „Praͤ— sident“ werden soll, indem es 3200 Tonnen halten und eine Maschine von 1000 Pferdekraft erhalten wird. Zur Beruhigung fuͤr die auf Dampfschiffen reisenden Personen bemerkt der Ob⸗ server: „Wenn der „Praͤsident“ auch wirklich sollte verlo⸗ ren gegangen seyn, so darf das Publikum deshalb noch kein Mißtrauen gegen die Dampsschifffahrt fassen; je⸗ denfalls ist dieselbe nicht gefahrvoller als die Segel⸗ schifffahrt. Wie viel der groͤßten, schoͤnsten und von den geschick⸗ testen Seeleuten gefuͤhrten Englischen Kriegsschiffe sind nicht schon untergegangen. Im Jahr 1807 z. B. versanken auf der Hoͤhe der Insel Madagaskar das Linienschiff „Blenheim“ von 80 Ka⸗ nonen, das der tapfere Sir J. Trowbridge befehligte, und die Fregatte „Java“, jenes mit 700, diese mit 300 Mann an Bord, keine Seele wurde gerettet und von beiden Schiffen bis zum heu⸗ tigen Tage kein Splitter mehr gefunden! Im Jahre 1811 gingen auf der kurzen Fahrt aus der Ostsee nach England der „St. Georg“ von 98 Kanonen, und die „Defence“ von 74 Kanonen zu Grunde; von den an Bord befindlichen 1500 Mann wurden nur 18 ge⸗ rettet. Ueberhaupt fanden in dem Jahr 1811 5000 Britische Seeleute ihr Grab in den Wellen.“
Der Lord-Kanzler hat eine Bill eingebracht, wonach Mit⸗ glieder der Pairie sich bei schweren Vergehen nicht auf Pairs⸗ Privilegien sollen berufen duͤrfen. ,
Viscount Jocelyn, aͤltester Sohn des Grafen von Roden, derselbe jsunge Edelmann, der die Expedition nach China beglei⸗ tete und kuͤrzlich ein Tagebuch daruͤber veroͤffentlichte, wurde vor einigen Tagen mit Lady Fanny Cowper, der Stieftochter Lord Palmerstons, getraut.
Am 22. April starb in Plymouth in vorgeruͤcktem Alter der Admiral Sir Lawrence W. Halsted. Er hatte 60 Jahre in der Britischen Flotte gedient und sich unter Anderem in dem sieg⸗ reichen Seegefecht des Admirals Rodney mit der Franzoͤsischen Flotte unter dem Grafen von Grasse im Jahre 1782 ausge⸗
Belgien. Die neuen Minister sind nun saͤmmt⸗
“
Bruͤssel, 5. Mai.
uruͤck, und haben von ihren Hotels Be⸗ sitz genommen; ihre Wirksamkeit hat erst mit dem 1. Mai an⸗ gefangen. Herr Nothomb legt, wie immer, den meisten Eifer an den Tag, und vereinigt mit seinem Departement alle Zweige, welche sonst davon abgesondert waren, wie z. B. den oͤffentlichen Unterricht, Kuͤnste und Wissenschaften u. s. w.; man sagt sogar, er wuͤrde letztere unter seine unmittelbar eigene Aufsicht nehmen, und nicht, wie sein Vorgaͤnger, einem besonderen Direktor anver⸗ trauen. Es duͤrfte vielleicht der Fall eintreten, daß das ganze Ministerium der oͤffentlichen Bauten aufgehoben, und, zum Theil wenigstens, mit dem des Innern vereinigt werde. Inzwischen zeigt Herr Desmaissieres, der jetzt Minister dieses Departements ist, vielen Eifer. Er ist dermalen auf einer Reise nach den Rheingegenden zur Inspection der Eisenbahn begriffen. 8 Zu Gent, wo gegen das Ende dieser Woche eine Repraͤsen⸗ tanten⸗Wahl stattfinden muß, ist Alles sehr aufgeregt, und die Orangisten machen gemeinschaftliche Sache mit den Liberalen ge⸗ gen die Katholiken, welche aber doch
werden.
lich von ihren Reisen
X Leipzig, 6. Mai. Die juͤngst erschienene Verordnung Unseres Kultus⸗Ministeriums, welcher zufolge kuͤnftighin die von Saͤchsischen Staatsangehoͤrigen bei auswaͤrtigen Fakultäten erwor⸗ benen akademischen Titel einer besonderen Bestaͤtigung von Seiten des Saͤchsischen Ministertums beduͤrfen sollen, erscheint zwar ma⸗ teriell vollkommen gerechtfertigt durch den Mißbrauch, welchen mehrere, zumal der kleineren Deutschen Universitäͤten mit der Ver⸗ leihung solcher Wuͤrden, und insbesondere mit der des philosophi⸗ schen und des juristischen Doktortitels treiben. Nichtsdestowe⸗ niger wird jedoch diese Maßregel bei den gelehrten Corporationen Deutschlands eine lebhafte und groͤßtentheils wohl nicht angenehme Sensation erregen. Offenbar naͤmlich ist durch dieselbe ein Prinzip auf⸗ gestellt, welches zuletzt viel dazu beitragen koͤnnte, die Universitaͤten ih⸗ res universellen oder doch allgemeindeutschen Charakters zu entkleiden. Ob das Gemeinwesen, ob selbst die Wissenschaft bei dieser Ein⸗ schraͤnkung etwas verliert, will ich hier nicht untersuchen; aber das scheint mir gewiß, daß fuͤr die Stellung der Universitaͤten zum Staate und zu den gesammten buͤrgerlichen Interessen dieser Vor⸗ gang von bedeutender Wichtigkeit ist. Vielleicht aber duͤrfte er nur die Veranlassung zu gemeinsamen Deutschen Maßregeln wider den Mißbrauch bei Ertheilung akademischer Wuͤrden geben, so daß unter dieser Voraussetzung den Universitäten ihre unbeschraͤnkte Befugniß erhalten oder wiedergegeben werden koͤnnte. “
— — Frankfurt a. M., 7. Mai. In dieser Woche ware Ihre Koͤnigl. Hoheit die Prinzessin Friedrich von Preußen und Hoͤchstderen Bruder, des Herzogs von Anhalt⸗Bernburg Durch⸗
laucht, in unserer Stadt anwesend.
Man glaubt in den naͤchsten Tagen bestimmten Nachrichten aus Wien entgegensehen zu duͤrfen, wonach des Fuͤrsten von Metternich Durchlaucht die Reise an den Rhein im naͤchsten Monat noch nicht antreten werde. Die neuesten Berichte aus Ems beruͤhren auch noch nicht die dort angeblich in diesem Som⸗ mer erwarteten hohen Besuche. In den Taunusbaͤdern hat bei der so fruͤh eingetretenen warmen Witterung uͤberall die Kur schon begonnen. In Wiesbaden ist es schon einigermaßen lebhaft und von den kleineren Baͤdern das nahe Soden stark besucht. Ihre
Juni und Juli in Soden zubringen, wie denn uͤberhaupt dieses durch den Reichthum seiner Quellen und sein herrliches Klima sich auszeichnende Bad mehr und mehr an Anerkennung gewinnt. Nicht zu leugnen ist aber, daß die Manie der Frankfurter, einen Theil des Sommers in Soden zu verbringen, sehr nachtheilig auf die Vermiethung der sonst so gesucht gewesenen Sommer wohnungen vor unserer Stadt zu wirken beginnt, denn die meisten stehen leer. 8 Der Verwaltungsrath der Taunus⸗Eisenbahn schloß gestern das benoͤthigte Anlehn von 300,000 Fl. mit vier hiesigen Haͤu⸗ sern zweiten Ranges, zu 4 pCt. pari ab. Man wundert sich, daß der Verwaltungsrath den Abschluß nicht zu einem niedrigeren Zinsfuß zu bewerkstelligen suchte und die Taunus⸗Eisenbahn⸗Actien nahmen an gestriger Boͤrse auch nicht den Aufschwung, den man Vormittags erwartete: sie blieben gestern, wie heute, auf 362 Fl. (112 Fl. Agio) stehen. Bei den allgemeinen friedlichen Aussich⸗ ten und dem uͤberaus guͤnstigen Geldstande unseres Platzes be⸗ haupten alle Fonds hier einen sehr festen Stand und werden auch wahrscheinlich noch weiter in die Hoͤhe gehen. Unsere Kunst⸗Ausstellung wird mit der naͤchsten Woche ge⸗ schlossen werden. Sie wird nicht stark besucht und es werden äush wenig Gemaͤlde gekauft, wiewohl sehr gute Sachen ausge⸗ stellt sind.
Rastadt, 4. Mai. (Oberd. Z.) Gestern Abend ist⸗ der Kaiserl. Oesterreichische Hauptmann von Wurm aus Olmuͤtz hier angekommen, wo er fuͤr die naͤchsten 6 Jahre seinen Wohnsitz aufschlagen wird. General Graf Latour wird dieser Tage eben⸗ falls eintreffen, und es ist keinem Zweifel unterworfen, daß es mit dem Festungsbau eifrigst und foͤrderlichst vorwaͤrts gehen soll.
Oesterreich.
9*ℳ — Wien, 5. Mai. Die so lange und so sehnlich erwar⸗ tete Post aus Konstantinopel vom 14. April ist endlich angelangt, gleichzeitig traf auch eine fuͤnf Tage spaͤter (am 19ten) abgefer⸗ tigte Stafette des Kaiserl. Internuntius ein. Letztere uͤberbrachte die wichtige Nachricht, daß die Pforte sich dem Wunsche der vier Maͤchte gefuͤgt und dem die Verhaͤltnisse des Pa⸗ schaliks Aegypten regelnden Ferman vom 13. Februar folgenden Modificationen unterzogen habe: 1) Der Suttan verzichtet auf die Wahl des Nachfolgers im Paschalik Aegypten, und gewaͤhrt die Erbfolge in gerade Linie, aber nicht nach der Seniorats⸗ Ordnung, wie sie von einigen Seiten her in Antrag gebracht worden war, sondern „d'ainé eu ainé“. 2) Der Tribut, welcher auf ein Viertel des Brutto⸗Einkommens bestimmt war, wird als zu laͤstig, nach einem billigeren Maßstabe geregelt. 3) Dem Pascha von Aegypten wird die Ernennung der Offiziere bis zum Ober⸗ sten gestattet. Diese Entschluͤsse der Pforte, welche man wohl mit Recht als die endliche und definitive Beendigung der Aegyx⸗ tischen Frage in Beziehung auf den Juli⸗Vertrag betrachten darf, wurden den Repraͤsentanten der vier Maͤchte durch ein Cirkular Rifaat Pascha's mitgetheilt. Man erfaͤhrt, daß Lord Ponsonby an den Schritten der Revpraͤsentan⸗ ten, welche diesem wichtigen Entschlusse der Pforte vorangingen, keinen Antheil genommen habe. Sein Einfluß im Divan wird fuͤr gaͤnzlich paralysirt gehalten. — Ein am 9. April erlassener Hattischerif erklaͤrt die uͤber Reschid Pascg. Entsetzung in u lauf gebrachten Geruͤchte fuͤr luͤgenhaft, und widerlegt 8 ver gewissen Seiten her ausgestreuten Andeutungen uͤber Enr hfen stehende Reform in der inneren des Tuͤrkischen Reiches. — General Jochmus war
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Koͤnigl. Hoheit die Frau Herzogin von Nassau wird die Monate