88. ficati Ministeriums verbrei⸗ lungenen Versuchen. - tet hat, damir in elche das Journal „la France“ publizirte, und die -e. der Nation kompromittiren koͤnnten, sind falsch: oleim dar Fecg hier kein auch noch so erbitterter Gegner des Koͤnigs, daran . ihrer Veroͤffentlichung nicht uͤberall bekannt wor⸗ selbst - die Contemporaine sie Herrn Gutzot bereits in * —“ wie spaͤter dem Koͤnige, zum Verkauf angeboten und 55v davon zur Probe an sie eingeschickt, daß man sie ihr 58 Betrug zu augenscheinlich war, mit Verachtung zu⸗ abec, schickt habe. Sehr unuͤberlegt ist daher der Vorwurf, den man dem Koͤnig wie dem Ministerium macht, daß sie der Con⸗ temporaine nicht die zuletzt verlangte kleine Summe von 10,000 Fr. bewilligt haben, nur um jeden Skandal zu vermeiden. Denn das waͤre ja nur als ein offenbares Eingestaͤndniß ausgelegt worden und fuͤr die Contemporaine und andere ihres Gleichen eine Aufmunterung gewesen, fortwaͤhrend falsche Briefe zu verfassen. Man muß zugeben, daß die Legitimisten, vielleicht in einem Augenblick von Verzweiflung zur Ausfuͤhrung eines Hauptschla⸗ ges gegen das Ansehen des Koͤnigs getrieben, nicht ungeschickt verfuhren, indem sie durch die „Gazette de france“ den wirklich echten Brief publizirten, welchen der Herzog von Orleans waͤh⸗ rend des gemeinschaftlichen Kampfes der Bourbons gegen Napo⸗ leon von Palermo aus an einen Freund in England geschrieben hatte. Die Handschrift dieses Briefes hat zum Muster fuͤr die Anfertigung der Faesimile's gedient, und da man das Original davon vorhanden wußte, so konnte die Regierung nicht gerichtlich dagegen einschreiten. Das gab aber den Verbreitern der spaͤteren Briefe, selbst vor der Jury, einen guͤltigen Vorwand, sich als im guten Glauben befindend darzustellen, und floͤßte zu gleicher Zeit der großen Masse des Publikums ernstliche Bedenken ein. Auf der anderen Seite beging der General⸗Advokat bei der Ein⸗ leitung des Prozesses den großen Fehler, daß er zuerst gegen die „France“ auf Verfälschung klagte. Denn die Klage mußte noth⸗ wendig wieder aufgegeben werden, weil es sich nur um Faecsimile's und nicht um Originale handelte, welche letztere die Contempo⸗ raine in London in Haͤnden zu haben behauptete. Dann leug⸗ nete das Ministerium im „Messager“ die Echtheit des ersten Brie⸗ fes, was Herr Berryer vor den Assisen zu Gunsten seiner Partei wohl zu benutzen verstand. Die Jury hatte also nach der Art, wie die Sache angebracht worden war, nicht daruͤber zu entscheiden, ob durch die Bekanntmachung dieser Briefe die Person des Koͤnigs beleidigt worden waͤre, sondern daruͤber, ob diejenigen, die ste be⸗ kannt gemacht hatten, aufrichtig der Meinung seyn koͤnnten, daß sie echt seyen. Ein anderes Ministerium, sagt man, wuͤrde den Pro⸗ zeß vor die Pairs⸗Kammer gebracht und ihn als einen politischen behandelt haben. Der fatale Ausgang des Prozesses hat nicht sowohl das Koͤnigliche Ansehen bei der Nation gefaͤhrdet, als vielmehr andere uͤble Folgen gehabt. Das Kabinet ist dabei in eine Falle gera⸗ then, die ihm von der Presse des Herrn Thiers gelegt worden ist. Denn da es seit seinem Verwaltungs⸗Antritt darin sehr gluͤcklich gewesen ist, den vernuͤnftigeren Theil der Legitimisten der neuen Dynastie zuzufuͤhren und aufrichtig in die konservative Partei zu verschmelzen, so befuͤrchtete man von jener Seite, daß die naͤchsten Wahlen eine starke konservative Majoritaͤt in die Kammer bringen koͤnnten. Deshalb erhob man vier bis fuͤnf Tage vor dem Prozeß einen entsetzlichen Laͤrm uͤber die angebliche verraͤtherische Hinneigung des Ministeriums zu den Legitimisten und der Restauration, und suchte es so zu verdaͤchtigen, daß es nach Ausgang des Prozesses im „Messager“ zu einem heftigen Artikel sich verleiten ließ, der gewissermaßen die gesammte Partei ohne Unterschied der Rache des Landes preisgab. Die⸗ ser Artikel hat besonders in der Kammer die legitimistischen De⸗ putirten, welche schon im Begriff waren, sich der Regierung an⸗ zuschließen, gar sehr verletzt und fuͤr den Augenblick diese fuͤr das Heil Frankreichs so wuͤnschenswerthe Vereinigung wieder hinausgeschoben. Der „Constitutionnel“ verbarg daher auch damals die Freude nicht, die sein Patron uͤber das Gelingen dieses Streiches empfand. Folglich ist das Kabinet noch immer in großer Verlegenheit daruͤber, daß es jetzt weder auf der Tri⸗ buͤne noch mittelst der Presse die wahre Lage der Sache darstellen kann. Das wissen die Parteien gar wohl und daher jene Zu⸗ versicht, mit der sie bestaͤndig das Kabinet zu einem entscheidenden Schritte herausfordern. Nichtsdestoweniger sieht man die der gegenwaͤrtigen Dynastie entschieden feindlichen Parteien von Tag zu Tag mehr zusammenschmelzen. Wenigstens kann man kuͤhn behaupten, daß die eben angefuͤhrte Aussoͤhnung mit dem groͤßten und „vernuͤnftigen“ Theile der Legitimisten durch die fatale Wen⸗ dung, welche der Brief⸗Prozeß genommen hat, nur auf einige Zeit hinausgeschoben worden ist.
Großbritanien und Irland.
Parlaments⸗Verhandlungen. Unterhaus. Sitzung vom 20. Mai. Das Haus war an diesem Abend sehr gefuͤllt, weil man eine entscheidende Erklaͤrung Lord John Russell’s uͤber die Absichten des Ministeriums erwartete. Auch eine Anzahl von Pairs, geistliche und weltliche, unter ihnen die Lords Lynd⸗ hurst, Wharncliffe, Abinger, Cardigan und Ellenborugh, hatten sich eingefunden und gaben in ihren Minen die gespannteste Er⸗ wartung zu erkennen. Da erhob sich der Kanzler der Schatz⸗ kammer, waͤhrend Aller Blicke auf die Ministerbank gerichtet und sagte mit der groͤßten Kaltbluͤtigkeit und Ruhe, als ö.s ö gewoͤhnlichen Antraͤge auf Verausgabung von 1111““ stellen wollte: „Sir Lan tag darauf antragen s E1“ 7 Meon⸗ schuß uͤber die Mittel und . G 1eüns 1ng 8s F 1 3 und Wege uͤbergehen, damit ich in demsel⸗ “ 98* ohnlichen jaͤhrlichen Zucker⸗Zoͤlle beantragen kann. (Bekanntlich muß die Erhebung dieser Zoͤlle saͤhrlich vo neuem vom Unterhause bewilligt werden und 1. SS-eh; 8 V1g treff derselben laͤuft nur noch bi 4. Juli 8 iht reff de . hdis zum 4. Juli; die Minister koͤnn⸗
ten also ohne Erneuerung desselben das Parlament nicht aufloͤse weil sie sonst nicht ermaͤchtigt waͤren, jene Zoͤlle zu erheben.) h
tiesem Stillschweigen stand dann Lord J. Rufs 8 antragen, daß das Haus sich bis zum 1““ 8 8 lington bemerkte darauf: „Daees die Absicht des edien Lords u 8 scheint, trotz der Abstimmung von Dienstag Abend, mit deneen. ter Hartnaͤckigkeit an seinem Amte festzuhalten, obgleich die Summe des Unterhauses sich unzweideutig gegen ihn erklaͤrt hat Töteen Beifall von Seiten der Opposition), so moͤchte ich ihn fragen an welchem Tage er die Korngesetze zur Sprache bringen will?“ Lord John Russell antwortete ganz kurz: „Am Freitag, den Juüni.“ Stuͤrmischer Beifall von der ministertellen Seite solgte dieser Anzeige. Nach einigen unbedeutenden Verhandlun⸗ gen vertagte sich dann das Haus bis zum Montage.
London, 21. Mai. Heute wurden zur Feier des Geburts⸗ Ihrer Majestaͤt der Koͤnigin die Geschuͤtze im Park und wer abgefeuert, und den ganzen Morgen hindurch laͤuteten
Im St. James⸗Palast
die Glocken von allen Kirchthuͤrmen. 1 zu welchem sich eine sehr
war großer Cercle bei Ihrer Majestät,
zahlreiche Versammlung eingefunden hatte.
geben alle heute Abend glaͤnzende Diners zur Feier dieses ages.
Die Tory⸗Blaͤtter, besonders der Standard, sehr aͤrgerlich daruͤber, daß die Minister noch immer nicht abtreten, sind der Meinung, man werde noch einige Tage die Zuͤgel behalten und während dessen eine Agitation versuchen; gelinge dies, so
werde man das Unterhaus aufloͤsen. Auch behauptet das genannte V Blatt, die Minister seyen bereits entschlossen gewesen, ihre Ent⸗ wichtig haͤlt, ob das Land von Lord Melbourne oder von
lassung einzureichen, als ein Schreiben O Connell's an Lord Mel⸗
bourne diesen an sein Versprechen erinnert habe, nicht resigniren zu wollen, ohne eine Parlaments⸗Aufloͤsung vorgenommen zu ha⸗
ben; widrigenfalls werde er Entdeckungen machen, die mehr zum
Nutzen des Publikums, als zur Freude der Minister gereichen duͤrften.
Wenn es heiße, bemerkt der Standard ferner, Sir Robert Peel
werde, im Fall die Minister sich nicht zuruͤckzoͤgen, die Motion
stellen, daß denselben das Vertrauen des Landes mangele, so koͤnne
man nicht glauben, daß diese Motion eine groͤßere Wirkung auf
das Ministerium äͤußern werde, als die Niederlage, die dasselbe bei der Sandonschen Motion erlitten habe. Der Courier be⸗ harrt dabei, das Ministerium werde das Parlament aufloͤsen, und die ministerielle Morning Chroniele, wenn ihre Angaben als offiziell zu nehmen sind, kuͤndigt dies heute auch ganz bestimmt an, indem sie sagt: „Was gestern Abend im Unterhause vorging, ist von der hoͤchsten Wichtigkeit. Die Minister haben bewiesen, daß sie den Erfordernissen der gegenwaͤrtigen Krisis gewachsen sind. Alle Zweifel in Betreff ihrer Absichten sind jetzt beseitigt. Der Antrag auf Konstituirung des Hauses zu einem Ausschusse, um in demselben eine Bill zu fernerer Erhebung der jetzt bestehen⸗ den Zucker⸗Zoͤlle zu genehmigen, war die Ankuͤndigung einer Auf⸗ loͤsung. Diese Ankuͤndigung geschah in einer Art und Weise, welche den Tories lehren wird, wie wenig die Mini⸗ ster den Vorwurf verdienen, daß sie keine Geschaͤftsmaͤnner ey en. Sie rechtfertigten gestern Abend in vollem Maße das von ihrer Koͤniglichen Gebieterin in sie gesetzte Vertrauen. Die wenigen Worte des Kanzlers der Schatzkammer waren ent⸗ scheidend. So wie sie ausgesprochen waren, ließen die Amtsjäger und die Gaͤste aus dem anderen Haufen sogleich ihre Gesichter haͤngen und zeigten deutlich, wie gut sie die Bedeutung davon verstanden. Sie verließen auf der Stelle das Haus und konnten den heftigsten Aerger nicht verbergen. Da die Aufloͤsung des Parlaments nun nicht mehr in Zweifel steht, so muß das Volk keine Zeit verlieren, sich auf die kommenden Wahlen vorzu⸗ bereiten. Die Listen der Abstimmung uͤber die Zuckerzoͤlle muͤssen sorgfaͤltig studirt werden, und wo das Volk die Macht dazu besitzt, muß es Jeden, der in der Majo⸗ ritaͤt gestimmt, aus dem naͤchsten Unterhause ausschließen. Ueberall muß man den Monopolen kraͤftig entgegentreten. Die Reform⸗Bill, so weit sie auch hinter den Erwartungen des Volks zuruͤckgeblieben seyn mag, hat dasselbe bei Gelegenheiten, wie die jetzige, in den Stand gesetzt, seinen Kampf selbst auszufechten. Werden die Englaͤnder es dulden, daß der stolze Monopolist dem gewerbfleißigen Manne sein Stuͤckchen Brod aus dem Munde reißt? Werden sie zugeben, daß unsere Haͤfen dem Getraide Amerika's verschlossen bleiben, welches unsere irdene Waare, un⸗ sere Stahl und Eisen⸗Waaren u. s. w. nicht annehmen kann, weil wir uns weigern, seine Produkte dafuͤr zu nehmen? Werden sie zulassen, daß die Westindier ein Monopol auf unseren Maͤrkten behalten, und daß ein großer Theil unserer muͤhselig arbeitenden Bevoͤlkerung des Zuckers beraubt werde? Werden sie ge⸗ statten, daß Brasilien durch die Monopolisten unseren Ma⸗ nufakturen verschlossen wird? Werden sie erlauben, daß uns dadurch Konkurrenten in den Laͤndern des Kontinents und Ame⸗ rika's erweckt werden, die uns nicht nur von ihren eigenen Maͤrk⸗ ten ausschließen, sondern uns auch auf jedem anderen Markt ent⸗ gegentreten moͤchten? Wir vertrauen vollkommen auf den gesun⸗ den Sinn und die Energie des Volkes. Es kennt die Bedeu⸗ tung der ihm gegebenen Gelegenheit, und es wird sie benutzen. Nieder mit den Monopolisten! so wird es in jeder Versammlung, in Staͤdten und auf dem Lande, erschallen.“ Der Globe ent⸗ haͤlt keine so aufregende Artikel, sondern setzt nur in ruhigem Ton die Vortheile eines freieren Handels⸗Systems auseinander; auch sagt er direkt nichts uͤber eine Aufloͤsung des Parlaments, son⸗ dern laͤßt diese Maßregel nur indirekt als von den Ministern beabsichtigt aus der Aufnahme folgender Korrespondenz⸗Mitthei⸗ lung schließen: „Es kann zuversichtlich versichert werden, daß die Tories nichts so sehr fuͤrchten als eine Parlaments⸗ Aufloͤsung durch die jetzigen Minister. Man wird alles Moͤgliche aufbieten, im Parlament und in den Tory⸗Blaͤttern, um die Minister durch Impertinenzen zur Abdankung, statt zur Parlaments⸗Aufloͤsung, zu bringen. Dies koͤmmt daher, weil die Tories, wenn sie auch in den 1 winnen hoffen, doch die Aussichten in den großen Fabrik⸗ und Handelsstaͤdten und Seehaͤfen nicht guͤnstig fuͤr sich finden.“ Sir Robert Peel scheint am Dienstag im Unterhause nicht sehr zur Zufrie⸗ denheit seiner Partei gesprochen zu haben, denn die Times haͤlt ihm gestern vor, daß es ihm an der Discretion und an anderen Eigen⸗ schaften fehle, die ein Staatsmann in der Opposition besitzen muͤsse. Besonders wird ihm vorgeworfen, daß er der Parteisucht, welche Lord J. Russell gegen ihn erho⸗ ben, auf sehr unkluge Weise zuruͤckgewiesen habe, indem er das Haus daran erinnerte, daß er dem jetzigen Ministe⸗ rium in der Privilegien⸗ und Armengesetz⸗Frage beigestanden. „Wahrlich“, sagt das genannte Blatt, „jetzt ist nicht die Zeit dazu, sich solcher Dinge zu ruͤhmen, denn dies heißt doch nichts Anderes, als daß er sich bei zwei sehr unpopulaͤren Fragen mit der Whig⸗Partei identifizirte. Wenn eine solche Coalition ver⸗ dienstvoll ist, so begreifen wir nicht, was den sehr ehrenwerthen Baronet hindern koͤnnte, das Ministerium, welches er damals aufrecht erhielt, bestaͤndig zu unterstuͤtzen. Jene Maßregeln cha⸗ rakterisirten beide die Partei, von welcher sie ausgingen, und sie fuͤr gute Maßregeln zu erklaͤren, scheint uns eben so viel⸗ 1a,ge sagen, daß Lord Melbourne Minister bleiben muͤsse. Füache 9, es ist sehr verkehrt von dem Fuͤhrer einer großen, sbesstageütchen Partei gehandelt, ohne begreiflichen Grund und Anlaß solche? Lißach⸗ tung nicht nur gegen diejenigen zu zeigen, die inseinen allgemeinen 1g zipien mit ihm uͤbereinstimmen, aber in ein paar wichtigen Punk⸗ ten wohl anderer Meinung seyn koͤnnen, sondern auch gegen 1891 was einem Staatsmanne, zumal wenn er nicht am Staatsruder ist, vor Allem theuer seyn sollte, — gegen die Gefuͤhle der Mehr⸗ heit seiner Landsleute. Wenn es ein Verdienst ist, Lord John
Russell gerade bei den Maßregeln unterstuͤtzt zu haben, welche
am meisten dazu beitrugen, die Whigs im Lande verhaßt zu
machen, so ist es vielleicht auch ein Verdienst gewesen, jenen Mi⸗
nister uͤberhaupt ans Ruder gebracht und ihn in die Lage versetzt
zu haben, diese Maßregel durchzufuͤhren, indem man sich hartnaͤckig
dem allgemeinen Verlangen der Nation nach einer Parlamentsreform
widersetzte. Sollen wir im Jahre 1841 wieder eine Probe von jener
Grafschaften mehrere Sitze zu ge⸗
die Beschuldigung
Die Kabinets⸗Mi⸗
Artpolitischer Weisheit erhalten, die sich im Jahre 1829 weigerte, auch nur einer einzigen der großen Fabrikstaͤdte das Recht der Vertre⸗ tung im Parlamente zu verleihen? Dann werden auch gar bald dieselben Folgen eintreten. Es scheinen uns dies, bei aller unserer Achtung fuͤr den sehr ehrenwerthen Baronet, ernstliche Irthuͤmer in seiner Politik zu seyn. Sie dienen dazu, nicht bloß einen oder zwei, sondern die Mehrzahl seiner eifrigsten Anhaͤnger und die große Masse des Volks ganz verwirrt zu machen, und man
kann sich dieselben nicht anders als durch die Annahme erklaͤren,
daß der sehr ehrenwerthe Baronet sich besser dazu eignet, einen Sieg zu erringen, als ihn zu benutzen, oder daß er es fuͤr wenig
ihm regiert wird.“ Natuͤrlich verfehlen die ministeriellen Blaͤtter nicht, hieraus den Schluß zu ziehen, daß Sir R. Peel kein Kabinet bilden, geschweige zusammen halten koͤnne, da sich selbst in dem Augenblick, wo seine Partei sich am Vor⸗ abend der Regierungsgewalt glaubt und wo sie also doch wohl Eintracht und Uebereinstimmung wenigstens aͤußerlich zur Schau tragen sollte, solche Stimmen aus ihrer Mitte gegen ihren Fuͤh⸗ rer laut werden. Zugleich scheint in jenen Bemerkungen der „Times“ eine indirekte Aufforderung an Sir R. Peel zu liegen, daß er freisinnigere er die Stimme des Volks sich gewinnen wolle.
Dem Parlament sind bis jetzt nur 225 Petitionen mit 13,510 Unterschriften um Aufrechthaltung der Korngesetze, dagegen 344 Petitionen mit 126,755 Unterschriften um Abschaffung derselben uͤbergeben worden.
Aus einer der Morning Chroniecle zugegangenen Kor⸗ respondenz von einem in Deutschland reisenden Mitgliede des Vereins gegen die Korngesetze uͤber den Deutschen Zoll⸗Verband hebt dieses Blatt besonders folgende Stellen als bemerkenswerth fuͤr das Englische Publikum hervor: „Um auszumitteln, welche Veraͤnderung in der Consumtion Englischer Waaren innerhalb des Zoll⸗Vereins seit Bildung desselben vorgegangen, zog ich Erkun⸗ digungen bei dem bedeutendsten Detaillisten in Leipzig ein, der von allen Nationen solche Artikel kauft, nach denen die meiste Nachfrage ist, und seine Antwort war, daß fruͤher 1 ⁄½ 0 der von ihm verkauften Waaren Englische gewesen seyen, daß aber jetzt der Fall sich umgekehrt habe, indem nur noch 1/½0 Englische und 1 %½ Waaren aus anderen Laͤndern von ihm verkauft wuͤr⸗ den. Die Erfahrungen eines Detaillisten sind aber in dieser Hin⸗ sicht ein richtigerer Maßstab, als die eines im Großen handeln⸗ den Kaufmanns, der den inlaͤndischen Zoll von einer Menge Waaren bezahlt, die nachher in Oesterreich eingeschmuggelt werden.“
Bei dem letzten Lever der Koͤnigin erschien der Marquis von Downshire, begleitet von dem Marquis von Abercorn, den Un⸗ terhaus⸗Mitgliedern fuͤr Down, Antrim, Derry, Belfast und an⸗ deren noͤrdlichen Grafschaften und Staͤdten Irlands, so wie vom Dr. Cooke, dem großen Verfechter der Beibehaltung der Union, um eine in letzterem Sinne abgefaßte Adresse des protestantischen Vereins der Grafschaft Ulster zu uͤberreichen. Lord Poltimore, der dienstthuende Lord, kuͤndigte mit lauter Stimme irrig an: „Der Marquis von Downshire, um eine Adresse zu Gunsten der Aufhebung der Union zu uͤbergeben.“ Die Koͤnigin empfing die Deputation sehr huldreich, waͤhrend die erstaunten Irlaͤndischen Deputirten murmelten: „Zu Gunsten? Zu Gunsten?“ Der Marquis jedoch ließ sich nicht irre machen, sondern sagte mit mehr Nachdruck, als die Hof⸗Etikette sonst zulaͤßt, die Hauptstelle der Adresse her, um den Irrthum zu verbessern, was, wie ein Tory⸗ Blatt bemerkt, von der Koͤnigin nicht ganz gnaͤdig aufgenommen wurde.
Aus Kanada sind Nachrichten vom 3. Mai in England eingegangen. Gegen Lord Sydenham, den General⸗Gouverneur, bildete sich eine starke Opposition. Die Liberalen beschuldigen ihn, er entsetze Beamte bloß ihrer Meinungen wegen, und sie opponiren sich daher seiner Verwaltung mit aller Kraft. Die Fluͤcht⸗ linge, welche sich in die Vereinigten Staaten begaben, sammeln sich allmaͤlig zu Rochester oder an irgend einem anderen paßlichen Ort, um die Opposition zu unterstuͤtzen. Es ist jedoch wahr⸗ scheinlich, daß die Verwaltung sich siegreich erhalten wird. Die Netto⸗Einnahme Nieder⸗Kanada's belief sich im Jahr 1839 auf 164,000 Pfd. St., im Jahr 1840 nur auf 154,000, und die von Ober⸗Kanada im Jahr 1839 noch auf 79,000, im Jahr 1840 nur auf 74,000 Pfd. St. In Bezug auf die Angelegen⸗ heit Mac Leod's erfaͤhrt man bloß, daß man am 1 MNain Niagara einen Brief von demselben erhielt, worin er erwaͤhnt, daß er von Lockport nach Albany gebracht zu werden erwarte.
Das vor einiger Zeit verbreitete Geruͤcht, daß nach Briefen aus Barbadoes das Dampfschiff „Präsident“ dort angekommen sey, wird jetzt positiv fuͤr ungegruͤndet erklaͤrt.
Nach den letzten Briefen aus Lissabon vom 10ten d. M. spielte der Herzog von Palmella wieder eine bedeutende Rolle bei den ministeriellen Verhaͤltnissen, so daß man eine baldige Ka⸗ binets⸗Veränderung daselbst fuͤr wahrscheinlich haͤlt
NEVööä
Mai. Gestern ist auf der Rhede vom Fregatte „Belle Poule“ eingetroffen, welche von Sr. Koͤnigl. Hoheit dem Prinzen von Joinville kommandirt wird und in deren Begleitung sich die Brigg „Le Caffard“ befindet. Sammtliche daselbst vor Anker liegende Fran⸗ zoͤsische Kriegsschiffe begruͤßten die Ankunft des Prinzen mit Salutschuͤssen.
22
*22—
Amsterdam, 2 Helder die Franzoͤsische
IIII1
Bruͤssel, Mai. Der Koͤnig empfing vorgestern den
jetzt hier anwesenden Fuͤrsten Aldobrandini, welcher ihm vom apstlichen Nuntius Fornari vorgestellt wurde.
ch⸗ von Dusch, Großherzogl. Badischer Gesandter beim Deut— schen Bundestage, ist von seinem Souverain auch in Bruͤssel be⸗ glaubigt worden und hat in diesen Tagen seine Kreditive uͤber⸗ reicht.
2020
22—
„ † Bruͤssel, 22. Mai. Beim Herannahen der Wahlen entwickelt sich die Thaͤtigkeit der Parteien in groͤßerer Kraft und Ausdehnung. Die verschiedensten Mittel werden angewandt, um der Parteisache den Sieg zu verschaffen; daß dabei die Linie des sittlich Erlaubten oft uͤberschritten wird, weiß Jeder, der etwas mit der praktischen Seite des constitutionellen Systems vertraut ist. In dieser Hinsicht hat die liberale Partei in letzterer Zeit zu einem Mittel gegriffen, dem wir nicht die Ehre der Erwaͤh⸗ nung angethan haben wuͤrden, wenn nicht dadurch eine allgemeine Diskussion, woran selbst hoͤhere geistliche Behoͤrden Theil ge⸗ nommen haben, hervorgerufen worden waͤre.
Es ist bekannt, daß seit der Franzoͤsischen Revolution der Kirchen⸗ zehnt, so wie jeder andere Zehnt, abgeschafft ist; nun ist aber im vorigen Jahre im Kirchensprengel von Namur ein fast hundert Jahr alter Kaͤ⸗ techismus unveraͤndert, wie schon einigemal vorher, wieder abge⸗ druckt worden. Da sich nun darin noch als viertes Kirchengebot: „du sollst den Zehnten bezahlen“ unter Androhung der Strafe
Handels⸗Prinzipien annehmen muͤsse, wenn
der Excommunication befindet, so hat man jetzt von der liberalen Seite diese Gelegenheit ergriffen, um gegen die geistlichen Autoritaͤten einen Tendenzprozeß wegen Wiedererweckung der alten Institutionen und Mißbraͤuche einzuleiten und ihnen die Absicht unterzuschie⸗ ben, durch den Volks⸗Unterricht falsche, gegen den gesellschaftlichen Zustand und die Constitution streitende Grundsaͤtze in die Jugend einzufuͤhren, um spaͤter offen damit hervorzutreten, zumal da von ihnen schon der Versuch gemacht worden sey, die Guͤter der so⸗ genannten todten Hand gesetzlich wieder einzufuͤhren. Bei einem leichtglaͤubigen Volke konnte eine solche scheinbar durch schwarz auf weiß unterstuͤtzte Sprache wohl manche Befuͤrchtungen her⸗ vorrufen, und die liberalen Grundbesitzer scheinen auch diese That⸗ sachen vielfach benutzt zu haben, um den Bauern im voraus Miß⸗ trauen gegen die von der Geistlichkeit unterstuͤtzten Wahl⸗Kandi⸗ daten einzufloͤßen. Die Aufregung unter den Landleuten muß ziemlich bedeutend geworden seyn, da sich nicht bloß die ein⸗ zelnen Geistlichen begnuͤgt haben, von den Kanzeln herab zu wi⸗ dersprechen, sondern selbst der Bischof von Namur es noͤthig er⸗ achtet hat, in einem Rundschreiben die oͤffentliche Erklaͤrung ab⸗ zugeben, daß er nicht daran denke, den Zehnten wiederherzustellen, und uͤberzeugt sey, daß die anderen Landes⸗Bischoͤfe die gleiche Gesinnung mit ihm theilten.
Wir sind uͤberzeugt, daß selbst die Liberalen nicht an solche Absichten geglaubt haben und sich auch solcher Verdaͤchti⸗ gungen haͤtten enthalten sollen. Mit etwas mehr Ueber⸗ legung und bei weniger Leidenschaftlichkeit, welche gemeinig⸗ lich den Standpunkt verruͤckt, haͤtten sie diese Thatsachen benutzen koͤnnen, um die Wichtigkeit eines anderen Prinzips her⸗ vorzuheben, daß naͤmlich der Staat das Recht haben muß, den Volksunterricht zu beaufsichtigen, damit die Erziehung nicht auf der Grundlage von Buͤchern vorgenommen wied, welche mit der beste⸗ henden gesellschaftlichen Ordnung in geradem Widerspruche stehen. Von der geistlichen Seite faͤhrt man leider fort, durch Intoleranz die Leidenschaftlichkeit der Gegner zu unterhalten. Vor einigen Jahren hatten bekanntlich die Bischoͤfe die Freimaurer exkommu⸗ nizirt und dadurch deren Institution wieder neues Leben gegeben; man hatte jedoch die Folgen der Excommunication von geistlicher Seite auf sich beruhen lassen; jetzt verweigert man aber auch den Freimaurern die kirchliche Trauung, falls sie nicht vorher abschwoͤ⸗ ren. Ein neuerer Vorfall in Mecheln, wo der Sohn des Buͤr⸗ germeisters die Lossagung verweigerte und sich, wie es nach Fran⸗ zoͤsischem Rechte erlaubt ist, mit der buͤrgerlichen Ehe begnuͤgt hat, hat viel Aufsehen gemacht. Solche Vorfaͤlle sollte doch gewiß die Geistlichkeit im Interesse der Religion vermeiden.
Wenn man hier den Wahlkampf zwischen der liberalen und katholischen Partei betrachtet, die Art und Weise, wie die Wah⸗ len zu Stande gebracht werden, so duͤrfte man wohl triftige Gruͤnde finden, um die politische Muͤndigkeit des Volkes noch in Zweifel zu ziehen. Auf die erste Frage: wer ist der eigentliche Waͤhler? muß man antworten: keinesweges das Volk. Auf der liberalen, wie auf der katholischen Seite sind es, mit einigem Unterschiede, korporative Autoritaͤten, welche die Kandidaten aussuchen, sie hoͤchstens der Formalitaͤt wegen vorschlagen und sodann durch die etwas mehr oder minder gebildete Masse ihrer Anhaͤnger blind⸗ lings waͤhlen lassen. Die Liberalen beklagen sich seit Jahren mit Heftigkeit uͤber den Einfluß der Geistlichen, welche sich nicht einmal entbloͤden, an der Spitze der Bauern in die Staͤdte zu ziehen und selbst beaufsichtigen, ob der Bauer den Namenszettel, welchen ihm der Geistliche vielleicht selbst aufgeschrieben hat (denn bei dem jetzigen Wahl⸗System braucht der Waͤhler weder lesen noch
schreiben zu koͤnnen, so daß er vielleicht nicht einmal weiß, fuͤr An
wen er stimmte), wirklich in die Wahn⸗Urne wirft
Allein wie verfaͤhrt man auf der liberalen Seite? der Spitze steht hier eine nicht unbedeutende Corporation, die Freimaurerei der Geistlichkeit gegenuͤber, handelt aber im Grunde nach denselben Prinzipien. Die Mitglieder der hoͤheren Grade vereinigen sich uͤber die Kandidaten, schlagen sie in einer groͤßeren Versammlung zur Annahme vor, die gewiß sel⸗ ten ausbleibt, und die Kandidaten werden dann ohne wei—⸗ teres zu Kandidaten der liberalen Partei gestempelt, da sich doch die groͤßere Mehrzahl noch außerhalb der Logen besindet. Die⸗ ser groͤßere Theil stimmt in der That ziemlich maschinenmaͤßig fuͤr die auf die angegebene Weise vorgeschlagenen Kandidaten; doch, muͤssen wir hinzusetzen, fangt derselbe allmaͤlig an, sich von der Vormundschaft zu befreien, wegen des Mißbrauchs, den die Freimaurerei mehrmals von dem ihr stillschweigend zugestandenen Rechte gemacht hat. Namentlich ist hier in der Haupt⸗ stadt, wo der Orden am zahlreichsten ist, laute Mißbil⸗ ligung uͤber die letzten Kommunal⸗Wahlen gehoͤrt wor⸗ den, und auch jetzt scheint von den Logen wieder eine verfehlte Auswahl getroffen worden zu seyn. Wir glauben aber, daß diesmal nicht wie fruͤher die von ihnen vorgeschlagenen Kan⸗ didaten die Majoritaͤt erhalten werden.
In der letzten Versammlung hat mann weiß, beschlossen, den Justiz⸗ als einen Abtruͤngigen nicht wieder zu erwaͤhlen; allein wenn man ihm keine tuͤchtigeren und allgemeinere Anerkennung ge⸗ nießenden Kandidaten, als die bis jetzt vorgeschlagenen, ent⸗ gegenzusetzen hat, so glauben wir, daß Herr van Volxem mit einer entschiedenen Stimmenmehrheit wieder erwaäͤhlt werden wird, da gewiß alle gemaͤßigteren Liberale, welche das Ministerium nach seinen Handlungen beurtheilen wollen, fuͤr ihn stimmen wer⸗ den. Die Wahl des Herrn van Volxem wird fuͤr dies Ministe⸗ rium die bedeutungsvollste seyn, da sie am heftigsten angegriffen und sie beim Gelingen den Sieg der gemaͤßigteren Par⸗ tei kundgeben wird. Nur ist auch zu wuͤnschen, daß Herr van Volxem wirklich im Kabinet bleibt, eine Hoffnung die in letzte⸗ rer Zeit nicht ungetruͤbt geblieben ist. Es war dieser Minister bekanntlich Buͤrgermeister von Bruͤssel, ein Posten, den er lange ambitionirt hatte und auf den er sicherlich viel haͤlt. Bei seinem Eintritte ins Ministerium hatte er auf denselben nicht verzichtet, da auch zwei seiner Kollegen nicht unmittelbar auf die ihrigen re⸗ signirt hatten. Nun hat aber der Stadtrath von Bruͤssel ein⸗ stimmig ein vertrautes Schreiben um Aufhebung des provisori⸗ schen Zustandes und Ernennung eines neuen Buͤrgermeisters beim Minister des Innern eingereicht, der dasselbe auch guͤnstig aufgenommen haben soll. Herr van Volxem muͤßte demnach zwischen dem Portefeuille des Ministers und dem Buͤrgermeister⸗ stuhl waͤhlen. Die Nothwendigkeit dieser Wahl ist auch gewiß in der Sache gegruͤndet, sie wird aber wahrscheinlich erst nach 8en.8 Juni⸗Wahlen eintreten und dann, hoffen wir, Entscheisung drefsolrem zu Gunsten seiner jetzigen Stellung eine Devtirter n , die ihm durch seine Wiedererwaͤhlung als
9 zur Pflicht gemacht worden seyn wird.
Man spricht jetzt wieder von der Erwerbung oder vielmehr Gruͤndung einer Kolonie, um die Sch ifffahrt zu beguͤnsti d fuͤr die inlaͤndische Industrie einen Ablei unne 18 gg cgtu 99 ah Kelten. C eitungs Kanal in Aussicht 5 as ganze Projekt noch sehr proble⸗
matisch, wir wollen aber doch naͤchstens et 5 d 1 . us et d res dar mittheilen. 9ü e was Naͤheres daruͤber
man, wie hier jeder⸗ Minister van Volxem
629
4 Deutsche Bundesstaaten.
Muͤnchen, 21. Mai. (A. Z.) Auf der Reise nach Ober Italien, die Se. Majestaͤt der Koͤnig morgen fruͤh 6 Uhr antritt, wird, außer General von Heideck, auch dem Oberbaurath von Gaͤrtner und dem Professor der Akademie der bildenden Kuͤnste, Heinrich Heß, die Auszeichnung, den Monarchen begleiten zu duͤrfen. Wie man vernimmt, geht die Reise uͤber Innsbruck, Botzen, Trient, Bassano ꝛc. nach Venedig, wo Se. Majestaͤt mehrere Tage verweilen, und dann uͤber Salzburg zuruͤck (am
8. Juni) hier eintreffen wird.
üt Dresden, 24. Mai. Am ls8ten dieses Monats wurde
auf dem Vorwerk Kloster Celle bei Nossen die sogenannte „Thier⸗ schau“ gehalten. Der Minister des Innern war zugegen, — 5 z unsere Regierung fortwaͤhrend auf die Fortbil⸗
ein Beweis, daß un dung der Landwirthschaft großen Werth legt. Die Thierschau,
welche bereits mehrere Jahre hintereinander stattgefunden hat, erfuͤllt besonders bei der regen Theilnahme, deren sie sich erfreut,
ihren Zweck vollkommen, und wird nach und nach gewiß ein im⸗ mer kraͤftigeres und thaͤtigeres Leben in den landwirthschaftlichen Interessen hervorbringen. Es pflegen bei Gelegenheit der Thier⸗ schau die inlaͤndischen Oekonomen naher und ferner Gegenden merkwuͤrdige und ausgezeichnete Produkte an Getraidearten, Saͤ⸗ mereien und dergleichen, an Hausthieren und landwirthschaftlichen Geraͤthschaften auszustellen. Zum Schluß dieser Ausstellung wird eine Art von Lotterie veranstaltet, ungefaͤhr 1000 Loose, das Stuͤck zu 2 Rthlrn., vertheilt, mit einem Theil dieser Einnahme einige Produkte z. B. junge Pferde zur Verloosung angekauft, vom Ueberschuß aber die durch die Ausstellung aufgelaufenen Unkosten gedeckt. — Bei der letzten Thierschau zeichneten sich besonders einige fast monstroͤse Stiere, so wie Chinesische Schweine aus. Wir erwarten in der naͤchsten Zeit zwei hoͤchst interessante Erscheinungen. Die erstere ist ein Dampfschiff, welches zur Zeit in Prag ausschließlich zur Herstellung einer innigeren Verbindung zwischen Prag und Dresden gebaut wird. Bedenkt man, daß unsere Dampfschiffe, trotzdem, daß sie im Verhaͤltniß zur Kraft der Maschinen moͤglichst leicht gebaut sind, bei dem guͤnstigsten Wasser⸗ stand nicht weiter, als bis Tetzschen, einem unweit der Graͤnze an der
Graudenz, Kulm, Thorn.
Elbe gelegenen Boͤhmischen Staͤdtchen vordringen koͤnnen, so mußs
uns dies auf die Bauart des Prager Dampfschiffes, welches nicht bloß die hoͤhere Elbe, sondern auch die Moldau passiren soll, hoͤchst neugierig machen. — Die andere, weit wichtigere Erscheinung aber, die im industriellen Leben eine neue Aera bezeichnen duͤrfte, ist die durch einen elektro⸗galvanischen Apparat in Bewegung ge⸗ setzte Lokomotive, welche dem Vernehmen nach in kurzem auf der Leipzig⸗Dresdener Eisenbahn in Anwendung gebracht werden soll. Eine solche Anwendung dieser Naturkraͤfte eroͤffnet die Aussicht auf eine unendliche Reihe bisher vielleicht noch nie geahneter Erscheinungen. Der Hauptvortheil, der aus der Anwendung des neuen Apparates auf Eisenbahnen erwachsen wird, wird in Be⸗ schleunigung der Bewegung und in Verminderung der Gefahr, so wie des Aufwandes fuͤr Fuͤllung und Nahrung der Lokomoti⸗ ven bestehen. 1ö1I
Verona, 14. Mai. Am 12ten d. M. Abends verschied in einem Alter von 73 Jahren nach langer und schmerzlicher Krank, heit Se. Excellenz Herr Franz Raver Freiherr von Eschenburg, Tiroler Landmann, beider Rechte Doktor, Commandeur des St. Leopold⸗Ordens, Wirklicher Geheimer Rath und Praͤsident des K. K. Lombardisch⸗Venetianischen Senates der obersten Justizstelle.
Rom, 15. Mai. Das Diario di Roma giebt Nachricht von 12 christlichen Maͤrtyrern, die im Laufe des Jahres 1840 in Cochinchina und Tonkin, wegen ihres Eifers zur Ausbreitung der christlichen Religion, einen gewaltsamen Tod erlitten haben. Meh⸗ rere von diesen Maͤrtyrern waren geborene Chinesen und werden davon folgende, Paul Choan, Peter Kjen, Johann Baptist Traeh, Lucas Loan, Peter Tu und Anton Auin besonders namhaft ge⸗ macht. Auch ein Franzoͤsischer Missionair, Namens de la Motte, befand sich unter den Hingerichteten.
21
Belgrad, 13. Mai. Im nordwestlichen Theile Bulgariens, dem Schauplatz der letzten Graͤuelthaten, der wilden Albanesen, hat sich die fuͤrchterlichste Hungersnoth eingestellt, die Okka (2 Pfd.) Brod aus ungesiebtem Mehl ist bereits auf den Preis von 9 Piäastern gestiegen. Es ist leicht zu denken, daß bei der Unge⸗ wißheit uͤber den wirklichen Stand der Dinge in den mittleren Provinzen Rumeliens die abenteuerlichsten Geruͤchte hier im Um— auf sind, deren Erwaͤhnung ich unterlasse, weil sie jeder Beglau⸗ bigung entbehren.
Fuͤrst Michael von Serbien hat Kragujewatz wieder verlassen und befindet sich bereits auf dem Wege nach Belgrad. Das Schwanken in der Wahl der zeitlichen Residenz, welches bei dem Fuͤrstlichen Hofe bemerkbar ist, giebt ein treues Bild von der Un⸗ ruhe und der Beklommenheit, in der man in Serbien seit dem 18. April befangen scheint. — Die gerade erfolgte Ernennung eines Enkels Czerni Georgs (mit Namen Alexander) zum Gene⸗ ral⸗Adjutanten des Fuͤrsten Michael moͤchte vielleicht auf irgend eine Weise auch in diese Rubrik gehoͤren; weniastens soll diese Ernen⸗ nung großes Aufsehen erregen wegen der alten Feindschaft, die zwischen der Fuͤrstlichen Familie und der des Czerni Georg bestand.
Der Aufstand in Bulgarien hatte anfangs große Aufregung in Konstantinopel hervorgebracht, und die Pforte hatte Hussein Pascha, der einst die Janitscharen vernichtet, ernannt, die Insurrection niederzuschlagen; indessen fuͤgt ein spaͤterer Brief bei, der Groß⸗Wesir habe die Abgesandten der Bulgarischen Chri⸗ sten mit troͤstlichen Versicherungen entlassen. Die Expedition ge⸗ gen Candien war mit 6000 Mann unter des grausamen Tahir⸗ Paschas Kommando abgegangen. Am 3. Mat hatte Lord Pon⸗
sonby von London Instructionen erhalten, in Folge deren vielfache 4. Mai
Communicationen stattfanden, deren Resultate schon am von Courieren nach verschiedenen Richtungen gebracht wurden⸗ Die Pforte soll Mehmed Ali ruͤcksichtlich des Tributs neue Kon. zessionen gemacht haben. Unbestimmt lauten die Geruͤchte uͤber Unruhen, die in Macedonien theils drohen, theils bereits zum Ausbruch gekommen seyn sollen.
Inlag
Koͤln, 23. Mai. Die Vorbereitungen zu unserem, an den beiden Pfingsttagen stattfindenden großen Nieder⸗Rheinischen Mu⸗ sikfest schreiten ihrer Vollendung rasch entgegen. Nach den bis⸗ herigen Anmeldungen duͤrfte die Zahl der Mitwirkenden die aller fruͤheren Jahre uͤbertreffken und nahe an 800 Kuͤnstler und Di⸗ lettanten vereinigen, weshalb der Orchester⸗Raum im Fest⸗Lokale bedeutend hat erweitert werden muͤssen. Dessenungeachtet wird
der dem Auditorium verbleibende Theil des Saales noch geraͤu⸗ mig genug seyn, um circa 3000 Zuhoͤrer aufnehmen zu 21
Ein großer Theil der bedeutenden Maschinen aus der Fabrik des verstorbenen John Cockerill in Seraing geht nach Wien. 4000 Centner Maschinentheile sind von einem hiesigen Spediteur zur Versendung dorthin uͤbernommen worden, und bereits einige hier eingetroffen. 1in, 82 898g 8
Koͤln, 20. Mai. Gestern in der Morgenfruͤhe starb zu Villich am Rheine, Bonn gegenuͤber, wohin er sich von hier zur Herstellung seiner Gesundheit vor wenigen Wochen begeben hatte, der Koͤnigl. Preußische Appellations⸗Gerichts⸗Rath Ernst von Schiller, im 45sten Jahre seines Alters. Er war der juͤngere Sohn von Deutschlands großem Dichter Friedrich von Schiller, und starb in demselben Monat und nur ein Jahr juͤnger wie sein Vater. Der Verewigte hat kurz vor seinem Tode den Wunsch geaͤußert, auf dem Bonner Kirchhof an der Seite seiner Mutter beerdigt zu werden.
Bemerkungen zu den Aufsaͤtzen uͤber die englischen
Korngesetze in Nr. 134, 135 und 143 der Staats⸗
zeitung.
Die allgemeine Preußische Staatszeitung enthaͤlt monatlich Angaben der Durchschnittsmarktpreise der vier Hauptgetraidearten in den dabei benannten Staͤdten. Diese sind namentlich fuͤr die Provinz Preußen Koͤnigsberg, Memel, Tilsit, Insterburg, Rastenburg, Neidenburg, Danzig, Elbing, Konitz, Aus dem Durchschnitte der Preise in diesen 12 Staͤdten, wird ein monatlicher Durchschnitts⸗ preis fuͤr die Provinz gebildert. Aus diesen monatlichen Durch⸗ schnitten erwaͤchst ein jaͤhrlicher, und aus diesen jaͤhrlichen Durch— schnitten werden endlich vierzehnjaͤhrige mit Weglassung der zwei hoͤchsten und zwei niedrigsten fuͤr jeden vierzehnjaͤhrigen Zeitraum gebildet. Es ist sehr einleuchtend, daß solche Durchschnittspreise nicht gebraucht werden koͤnnen, um die Frage zu loͤsen, wie hoch
der Scheffel Getraide durchschnittlich waͤhrend des gedachten Zeit⸗ raums von den Kaäufern bezahlt worden ist: denn hieruͤber ent⸗ scheidet nicht allein der Durchschnitt der gezahlten Preise, auch der Durchschnitt der dafuͤr gekauften Scheffelzahl. beispielsweise gekauft worden
sondern Waͤren
4500
Sgr. 3000 »
100 Scheffel zu 45 Sgr. zusammen also fuͤr.... 50 „ „ 6 „ „ „6“
25 „ „ 70 „ ) „ SH 1750 2
Also 175 Scheffel zusammen fuͤr 9250
so waͤre der Scheffel im Durchschnitte bezahlt worden mit 520 ⁄⁄
Silbergroschen. Dagegen ergiebt der Durchschnitt aus den drei gezahlten Preisen 58 Silbergroschen.
Haͤtte man dagegen umgekehrt gekauft
100 Scheffel zu 70 Sgr. also
50 „ „ 60 » „
922 22 25 „ „ 45 2 22
so waͤren 175 Scheffel zusammen bezahlt mit..
also der Scheffel im Durchschnitt mit 63 Silbergroschen. Daher theurer als im vorigen Falle um 10 Silbergroschen, waͤhrend der Durchschnitt aus den drei dafuͤr gezahlten Preisen wie vorhin 58 ½ geblieben waͤre. Auf den Maͤrkten, wo man hauptsäͤchlich fuͤr die Verzehrung des Augenblicks kauft, wird wahrscheinlich am meisten gekauft, wenn die Preise am niedrigsten stehn: und man sollte glauben, daß dieses auch bei den Kaͤufen in Vorrath und auf Spekulation geschehen duͤrfte. Es zeigt sich aber oft hier das umgekehrte Verhaͤltniß. Der Kaͤufer erwartet noch niedriger gehende Preise, und will das Herabgehen derselben dadurch befoͤrdern, daß er vorerst nur wenig kauft; der Ver⸗ kaͤufer haͤlt dagegen sein Getraide vom Markte zuruͤck, um hoͤhere
Sgr.
8
füx . . . 699 at „ „1. 8090
1125
11,125 Sar.
Preise abzuwarten. So werden wenig Kaͤufe gemacht, und die Maͤrkte bleiben leer, bis durch irgend eine besondere Veranlassung hoͤhere Preise angeboten werden; diese ziehen zwar Zufuhr herbei, aber nicht so schnell als die Kaͤufer es erwarten: dadurch steigert sich der Preis immer mehr, und wenn zuletzt die Nothwendig⸗ keit zu kaufen dringend wird, zahlt man fuͤr große Quantitaͤten verhaͤltnißmaͤßig hohe Preise.
Durchschnittspreise, bei deren Bestimmung nicht allein auf die gezahlten Preise, sondern auch auf die dafuͤr erkauften Auan⸗ titaͤten Ruͤcksicht genommen wird, duͤrften fuͤr ganze Provinzen und laͤngere Zeitraͤume nur mit einiger Wahrscheinlichkeit geschaͤtzt, nicht aber mit Sicherheit berechnet werden koͤnnen, weil es an hinlaͤnglichen Mitteln fehlt, den Umfang der wirklich gemachten Ankaͤufe zu erfahren. Schon die Angaben der zur Aufsicht uͤber den Marktverkehr angestellten Polizei⸗Beamten uͤber die Schef⸗ felzahl des zum Markte gekommenen Getraides sind sehr un⸗ sicher: noch weniger aber erfaͤhrt die Polizei von dem Betrage der Kaͤufe, die außer den Maͤrkten abgeschlossen werden. Ein Steuer⸗Interesse, den Eingang des Getraides auf die staͤdtischen Maͤrkte zu beobachten, ist im preußischen Staate jetzt nicht mehr vorhanden. Unter solchen Verhaͤltnissen kann aus Durchschnit⸗ ten der Marktpreise nur etwas Haltbares unter der Voraus⸗ setzung geschlossen werden, daß entweder die Zufaͤlle sich gegen einander ausgleichen, welche den wahren Durchschnittspreis bald hoͤher bald niedriger stellen, als das arithmetische Mittel aus den gezahlten Nominal⸗Preisen; oder daß der Fehler, welcher aus der Nichtbeachtung der angekauften Quantitaͤten entsteht, bei gleichem Verfahren in einem gleichen Zeitraume immer ohngefaͤhr derselbe bleibe. Unter solchen Voraussetzungen koͤnnen Durchschnittspreise, wie die hier betrachteten, doch immer dienen, um das Verhaͤlt⸗ niß der Getraidepreise zu schaͤtzen, welche theils in derselben Pro⸗ vinz zu verschiedenen Zeiten, theils in verschiedenen Provinzen gleichzeitig vorgekommen sind. Zu solchen Schaͤtzungen sind denn auch diese Preise wirklich nur von dem statistischen Buͤreau gebraucht worden. Das Ergebniß derselben ist mehren⸗ theils jaͤhrlich mit mancherlei darauf gegruͤndeten Bemerkungen in der allgemeinen Preußischen Staatszeitung bekannt gemacht worden, und zum letztenmale ist dieses namentlich in Nr. 64 und 65 dieser Zeitung vom 4. und 5. Maͤrz 1840 geschehen.
Daselbst ist nun der Durchschnittspreis des Scheffels Weitzen in der Provinz Preußen angegeben worden.
Fuͤr das Jahr 1838 . . ..
Fuͤr das Jahr 1839.. ... “
Im vierzehnjaͤhrigen Durchschnitte aus den Jahren 1826 bis mit 1839 AI 1
Diese Zahlen sind in dem erwaͤhnten Aufsatze nur benutzt worden, um im Allgemeinen bemerklich zu machen, daß die Preise, welche fuͤr Weitzen gezahlt wurden, im Jahre 1839 durchschnitt⸗ lich betraͤchtlich hoͤher waren, als im Jahre 1838, und daß in beiden Jahren bedeutend hoͤhere Weitzenpreise auf den preußischen Maͤrkten bestanden, als im letztvierzehnjaͤhrigen Durchschnitte. * ist zugleich darauf aufmerksam gemacht worden, 88. . 228 anderen Provinzen des preußischen Staats aͤhnliche Verhe tnisse
Sgr.
v
61 1 0 70⁵
12 12