fuͤhrten. Aber auch sein Schwager, Herr George Dawson, der sich zu Portsmouth gegen diese Gesetze erklaͤrte, und sein ehema⸗ liger Kolonial⸗ Secretair der zu Manchester den Minister Lord J. Russell noch um 2 Sh. uͤr den Quarter uͤberboten hat, in⸗ dem er nur 6 Sh. Zoll wollte, statt der vorgeschlagenen 8 Sh, auch diese sind in vollkommener Uebereinstimmung mit seinen naͤchsten Verwandten in der Gegend seines Tamworth. Herr William Peel, ehemaliges Parlaments⸗Mitglied fuͤr diesen Ort und bei allen Klassen beliebt, ist als ein Gegner der jetzigen Korn⸗ gesetze bekannt, und Herr Edmund Peel, der im letzten Parlament die Stadt Neweastle repraͤsentirte und eins der kluͤgsten Mitglieder dieser Familie ist, hat sich fuͤr gaͤnzliche Aufhebung der Korn⸗ gesetze erklaͤrt. Von ihrem Vetter endlich, Herrn Robert T. Peel,
der sich in den letzten zehn Tagen genoͤthigt sah, seine ganzen Fa⸗ briken zu schließen, kann man wohl schwerlich glauben, daß er fuͤr ein System eingenommen seyn sollte, welches ihm so große Opfer gekostet. Die bloße Aufzaͤhlung der Orte, an denen Versamm⸗ lungen gehalten worden sind, um die Monopole zu stuͤrzen, wuͤrde ganze Spalten in unserem Blatte einnehmen; wir sehen uns da⸗ her leider genoͤthigt, die aus allen Theilen des Koͤnigreichs uns zugehenden Berichte beiseit zu legen und nur die Auintessenz da⸗ von zu geben. In der Guildhall wurde heute Nachmittag eine Gemeinde⸗Versammlung der Stadt London gehalten, um an das Parlament zu Gunsten des von den Ministern vorgeschlagenen festen Zolls von & Sh. Zoll auf den Auanter fremden Waizens eine Petition zu beschließen. Der Saal war uͤber zwei Drittel gefuͤllt, und die Versammlung eine der achtbarsten, die wir in diesen Mauern gesehen haben. Viele der reichsten Maͤnner der City wohnten ihr bei, und es herrschte die groͤßte Einmuͤthigkeit unter ihnen. Herr Dillon schlug die erste Resolution zu Gun⸗ sten des festen Zolles vor, die von Herrn Larpent unterstuͤtzt und, mit Ausnahme zweier dissentirenden Stimmen, einmuͤthig ange⸗ nommen wurde. Eine Petition an das Parlament, die eine Reihe von Beschluͤssen im Sinne der ministeriellen Maßregeln und zu Gunsten des jetzigen Ministeriums in sich faßt, war das Resultat der Berathungen. Sir M. Wood soll mit der Ueberreichung dieser Petition beauftragt und die uͤbrigen Parlaments⸗Mit⸗
glieder der City sollen ersucht werden, ihren Inhalt zu unterstuͤtzen. In Irland brachten die Toryistischen Grund⸗ besitzer ein paar Grafschafts⸗Versammlungen zu Stande, aber das Volk von Galway und Roscommon, welches noch dazu reine Ackerbau⸗Distrikte sind, setzte, mit dem liberalen Adel an der Spitze, Amendements zu Gunsten der ministeriellen Vor⸗ schläge mit so uͤberwiegenden Majoritaͤten durch, daß ihre Geg⸗ ner an anderen Orten wohl davon abgeschreckt werden duͤrften, aͤhnliche Demonstrationen zur Unterstuͤtzung der Monopole zu ver⸗h veranstalten. Die Morning Post theilt folgendes Privatschreiben aus
Paris vom 26. Mai in Bezug auf die orientalische Frage mit::
„Der bei der Konferenz eingetretene Aufschub in der Unterzeich⸗ nung des Protokolls, durch welches Frankreich als an der Europäischen Allianz wieder Theil nehmend zu betrachten ist, muß der ministeriellen Krisis, welche in England stattfindet, zugeschrieben werden. Es ist ge⸗ wiß, daß Lord Palmerston von den parlamentarischen Debatten ganz und gar in Anspruch genommen, den die Londoner Konferenz bilden⸗ den Botschaftern eröffnete, daß er vor Sonnabend den 23. Mai dieser Angelegenheit nicht einen einzigen Augenblick widmen könne. An die⸗ sem Tage versammelte sich die Konferenz im Ministerium der auswär⸗ tigen Angelegenheiten, und hier machte Baron Brunnow, der Bot⸗ schafter Rußlands, die Bemerkung: bevor das Protokoll unterzeichnet werde, sey es nothwendig zu wissen, ob Mehmed Ali durch die Kon⸗ zessionen, welche ihm durch den Hattischerif vom 19. April bewilligt worden, zufriedengestellt serv; Fürst Esterhazy und Baron Bülow erwiederten jedoch, besagter Hattischerif sey die 58 welche die Pforte dem Pascha zugestehen könne, und für den Fall, daß sich dieser den Bedingungen des Hattischerifs nicht fügen wolle, mache sich das Französische Kabinet verbindlich, in Uebereinstimmung mit den übrigen Mächten zu handeln, um Mehmed Ali'’s Halsstarrig⸗ feit zu überwinden; demnach würde die Weigerung oder die Zustim⸗ mung des Pascha's keine Meinungs⸗Verschiedenheit zwischen den fünf Großmächten herbe iführen können, und es erscheine keinesweges noth⸗ wendig, die Unterzeichnung des Protokolls zu verschieben, bis Mehmed Ali seine förmliche Unterwerfung dargethan haben werde. Der Russi⸗ sche Botschafter erklärte hierauf: er habe dieses Hinderniß angeregt, um sich in positiver Weise darüber zu versichern, welches Verfahren das Französische Kabinet im Fall eines neuen Widerstandes von Seiten des Paschas von Aegvpten beobachten werde; in diesem Betreff durch die Erwiederung, welche ihm so eben ertheilt worden, völlig zufriedenge⸗ stellt, sev er nunmehr bereit, das Protokoll zu unterzeichnen. Da die Sitzung sich lange hingezogen und Lord Palmerston durch Geschäfte gedrängt war, die Konferenz zu verlassen, so wurde die endliche Unter⸗ zeichnung des Protokolls auf Dienstag den 25. Mai vertagt.“
Die Indische Post uͤber Marseille, die aus Bombay bis zum 1. Mai reicht, hat wichtige Nachrichten aus China uͤber⸗ bracht. Die Feindseligkeiten hatten wieder begonnen, und am 25. Februar waren die Forts der Bocca Tigris von den Briti⸗ schen Truppen erstuͤrmt worden, die darauf nach Canton mar⸗ schirten, und die dortige Faktorei in Besitz nahmen. Dessenun⸗ geachtet soll der Kaiser von China den Entschluß ausgesprochen haben, nicht nachgeben zu wollen. Der Kommissar Kischin war auch wieder in Ungnade gefallen und in Ketten von Canton nach Peking abgefuͤhrt worden. Am 22. April traf Sir George Bre⸗ mer, der interimistische Befehlshaber der Britischen Expedition, von China in Kalkutta ein, um mit dem General⸗Gouverneur uͤber die ferneren Maßregeln Ruͤcksprache zu nehmen, und es Pe. heec Truppen⸗Verstaͤrkungen von Kalkutta nach China
eordert.
Aus New⸗York hat man Nachrichten bis zum 7. Mai er⸗ halten, welche melden, daß Herr Mac Leod von Lockport nach
New⸗York gebracht worden und am letzteren Orte am 3. Mai angelangt war, wo er so lange in Haft bleiben soll, bis sein Pro⸗ zeß vor dem Ober⸗Gerichtshof des Staates New⸗York beginnen wird. Ein dortiges Blatt bemerkt in dieser Beziehung: „Die Ankunft dieses Herrn hat uns Alle etwas uͤberrascht, und man weiß nicht recht, wie die Sache zugegangen ist. Naͤchsten Don⸗ nerstag soll vor dem Ober⸗Gerichtshof auf ein Habeas⸗Corpus⸗ Mandat zu Gunsten des Gefangenen angetragen werden, aber von wem und zu welchem Zweck, das ist uns nicht bekannt. Wir wundern uns nur, daß ein solcher Antrag nicht längst bei dem Ober⸗Gerichtshof der Vereinigten Staaten gestellt worden ist, wo
Konzession,
die ganze Frage sogleich haͤtte abgemacht werden koͤnnen.“ Ein anderes New⸗Yorker Blatt sagt, es gehe das Geruͤcht, daß Mac Leod auf die Vorstellung eines New Yorker Staats⸗Beamten aus dem Gefaͤngniß zu Lockport entfernt worden, und zwar haupt⸗ saͤchlich deshalb, weil in jener Stadt, so wie uͤberhaupt im west⸗ lichen Theile des Staates, ein zu großes Vorurtheil gegen den Gefangenen und zu heftige Aufregung wegen dieser Sache herrsche, ass daß man daselbst ein ganz unbefangenes Urtheil uͤber ihn haͤtte rwarten köoͤnnen. b
Am 4. Mai wurde zu Philadelphia eine Versammlung der Actionaire der Bank der Vereinigten Staaten gehalten, in welcher man beschloß, daß die Bank und ihre Agenturen nicht langer aufrecht erh ö““ hn Iö1
sten werden sollten, als es fuͤr das Interesse
es Instituts durchaus nothwendig sey. Die Direktoren der Bank wurden auch dahin instruirt, daß sie bei der Legislatur Zum Veraͤnderung des Namens und um Reduzirung des Kapitals der Bank nachsuchen sollten. — In Suͤd⸗Karolina hat der Gouverneur gegen alle Banken dieses Staates, die in die Be⸗ stimmungen des Gesetzes zur Verbesserung dieser Institutionen sich nicht fuͤgen wollen, ein gerichtliches Verfahren einleiten lassen, um ihnen ihre Freibriefe zu nehmen.
Ein vom „Journal du Havre“ zuerst ausgesprengtes Ge⸗ ruͤcht, daß das Dampfschiff „Praͤsident“ zu Holyhead angekom⸗ men sey, hat sich als ein ganz leeres Geruͤcht erwiesen, und der Entschluß der „Morning Post“, daß sie aus Ruͤcksicht fuͤr die Personen, welche Verwandte oder Freunde am Bord des „Praͤ⸗ sident“ haben, sich in Zukunft enthalten werde, aͤhnliche Geruͤchte mitzutheilen, verdiente wohl von allen Blaͤttern nachgeahmt zu werden. In New⸗York hatte man uͤbrigens beim Abgang der letzten Nachrichten, am 7. Mai, noch nicht alle Hoffnung auf die Erhaltung des „Praͤsident“ verloren; man troͤstete sich noch da⸗ mit, daß er vielleicht bloß durch Eismassen auf seiner Fahrt ge⸗ hemmt worden sey. Ueber die Staͤrke dieser Eismassen wird in dem Bericht eines Passagiers des „Gladiator“, der zu New⸗York eingetroffen war, Folgendes gemeldet: „Im April begegneten wir unter 49 ½ ° L. und 44 ½ ° B. gewaltigen Eismassen. Man sah um diese Zeit vom Verdeck unseres Fahrzeuges aus nicht weniger als 22 Eisberge, und vom Mast aus sogar 55. Mehrere dieser Berge hatten wenigstens 2 Englische Meilen im Umfange; einer hatte eine Hoͤhe von 400 Fuß, und in weiter Ferne schienen noch viel hoͤhere zu treiben.“ Aus Lissabon erfaͤhrt man, daß auf Ver⸗ wenden des Capitain Sartorios, Vice⸗Admirals der Portugiesi⸗ schen Marine, nachdem dieser mit dem Capitain des Schiffes „Conde de Palma“ gesprochen, welches unterm 23. April ein großes Dampfschiff in der Gegend der Azoren gesehen hatte, von dem Portugiesischen Marine⸗Minister, Grafen Bomfim, zwei kleine Kriegsschiffe mit Lebensmitteln, denen sich das einzige im Tajo be⸗ findliche Britische Kriegsschiff, die Brigg „Espoir“, angeschlossen hatte, zur Aufsuchung des Dampfschiffs ausgeschickt worden sind.
Das Linienschiff „Cornwallis“ von 72 Kanonen ist zu Ply⸗ mouth bereits ziemlich vollstaͤndig bemannt, um als Flaggenschiff des Contre⸗Admirals Parker nach Ostindien zu segeln, waͤhrend der Admiral selbst auf dem kuͤrzeren Wege uͤber Aegypten nach Bombay reisen wird. Es soll jetzt gewiß seyn, daß Vice⸗Admi⸗ ral Adam den Oberbefehl im Mittelmeer erhalten und daß die „Oueen“ von 110 Kanonen unverzuͤglich ausgeruͤstet werden wird, um ihn dahin zu bringen.
Nach dem Courier ist in der City jetzt ein solcher Still⸗ stand im Handel, wie er seit vielen Jahren hier nicht stattgefun⸗ den. Weder in Fabrikaten, noch in Produkten, noch in Fonds ist man geneigt, Geschaͤfte zu machen.
Die Morning Chroniele beschreibt ein grausames Ver⸗ fahren, das mit dem Sklavenhandel in Verbindung steht und auf Cuba bisweilen in Anwendung gebracht wird: „Der Be⸗ sitzer einer Plantage wuͤnscht in Folge der hohen Preise die Menge des Zuckers, den er gewoͤhnlich erhaͤlt, zu steigern. Er schreidt deshalb an seinen Verwalter und fragt ihn, ob er statt der 1500 nicht 2000 Kisten Zucker liefern koͤnnte. Der Verwal⸗ ter entgegnet, die Neger sehen wohl aus, das Gewuͤnschte koͤnnte wohl geschehen, aber man wuͤrde 25 Arbeiter dadurch verlieren. Der Besitzer berechnet nun den Geldwerth des Mehrbetrags des Zuckers, so wie den der 25 Sklaven, und wenn er findet, daß jener groͤßer ist als der der Sklaven, so befiehlt er, sie zu for⸗ ciren, d. h. zu beschwerlicherer Arbeit anzuhalten. Die Neigung, so durch uͤbermaͤßige Arbeit mit kaltem Blute mehrere Menschen⸗ leben zu opfern, wird durch den Sklavenhandel beguͤnstigt, der die Plantagenbesitzer in den Stand setzt, ihre ermordeten Skla⸗
Die letzten Nachrichten aus Lissabon vom 24sten v. M. bringen nichts von Bedeutung, und der Cours der Portugiesi⸗ schen Fonds ist hier ganz unveraͤndert geblieben. Die Koͤnigin und ihr Gemahl hatten am l9ten dem Baron Tojal auf seinem Landsitz bei Lissabon, wo derselbe eine bedeutende Papier⸗Fabrik angelegt hat, einen Besuch abgestattet, und Lord Howard de Walden, der Englische Gesandte, hatte am 2lsten, zur Feier des Geburtstages seiner Souverainin, den Portugiesischen Ministern ein großes Diner gegeben.
Zu Port au Prince hat am 13. April ein heftiges Erd⸗
ven zu maͤßigem Preise durch andere zu ersetzen.“
im Lande anerkennt, achtet man zugleich das Talent, welches sich besser als Opposition und minder gefaͤhrlich in der Kammer, als außerhalb derselben entwickelt.
Hier scheint man bei den jetzigen Wahlen vielfach nur einer engherzigen Leidenschaft Gehoͤr zu geben. Unter den wenigen Maͤnnern, welche sich um die ruhige Konsolidirung Belgiens ein großes Verdienst erworben haben, nehmen Lebeau, De⸗ veaux und Rogier unstreitig die ersten Plaͤtze ein. Ersterer hat mit Herrn Rogier in den aufgeregtesten Jahren der Revolution das Ministerium bekleidet und harte Kaͤmpfe mit den nach⸗ haltigen revolutionairen Leidenschaften zu bestehen gehabt. Nach⸗ dem unter seiner Leitung die Negociationen gluͤcklich beendet wa⸗ ren, wodurch im Jahre 1831 Koͤnig Leopold fuͤr Belgien gewon⸗ nen wurde, ging sein Streben dahin, ein naͤheres friedliches An⸗ schließen Belgiens an die Nachbarstaaten, namentlich auch an Deutschland, zu begruͤnden. Die Anlegung der Eisenbah⸗ nen wurde besonders zu diesem Zwecke beschlossen, und in den Kammern trotz eines heftigen Widerstandes durchgesetzt. Herr Devaux, bald nach der Revolution zum Staats⸗Minister ohne Portefenille ernannt, ist ein fester politischer Charakter, der ge⸗ wichtvollste Redner in der Deputirten⸗Kammer, ein strenger Ver⸗ fechter der Rechte der Regierung und der Staats⸗Gewalt gegen “ Herr Rogier, welcher stets das politische
chicksal von Lebeau getheilt, hat sich immer als ein tuͤchtiger Administrator gezeigt, als ein Mann, der großartige Unterneh⸗
mungen zu begreifen und durchzufuͤhren versteht, wie die Eisenbahnen es beweisen, wenn man ihm auch bei einigen Maßregeln Mangel an durchgehender Ueberlegung vorwerfen mag. Diese Namen sucht nur eine Partei, welche fast Alles durch die Revolution gewonnen hat und daher dankbar seyn sollte, durch die Wahlen sogar aus der Kammer zu entfernen, nachdem es ihr gelungen ist, ihr Ministe⸗ rium zu stuͤrzen. Wir haben aber in dieser Hinsicht eine zu gute Meinung von dem gesunden Sinne der Waͤhler,
das Gelingen solcher Bestrebungen zu glauben.
Was die Haup⸗stadt betrifft, so nehmen wir keine Anstand, zu behaupten, daß Herr Lebeau mit einer be deutenden Majoritaͤt wiedererwaͤhlt werden wird, auch Herr Devaux wird wahrscheinlich hier erwaͤhlt werden, in der Befuͤrchtung, daß die ihm feindliche Partei in der kleinere Stadt Bruͤgge seine Eliminirung durchsetzt. Hier in Bruͤs⸗ sel wird der Wahlkampf am staͤrksten seyn wegen der poli tischen Bedeutendheit seiner Deputirten. Das alte und neu Ministerium tritt hier gewissermaßen in Person einander gegen uͤber, um Herrn Lebeau gruppiren sich die Freunde des fruͤheren um Herrn van Volxem die Anhaͤnger des jetzigen Kabinets, da Resultat wird aber nach unserem Dafuͤrhalten in keinem Sinn entscheidend seyn; man wird den einen wie den anderen wieder erwaͤhlen und dadurch seine Sympathie fuͤr das vorige Ministe rium ausdruͤcken, ohne in eine systematische Opposition gegen das neue zu treten, welches auch nach seinen Handlungen beurtheilt seyn will. Am heftigsten wird die Wiedererwaͤhlung des Depu⸗ tirten Verhaegen bestritten, welcher in der Kammer der erklaͤr⸗ teste, selbst leidenschaftliche Gegner der politisch⸗katholischen Rich⸗ tung ist. Man bietet Alles auf, um seine Wiederernennung zu hintertreiben. Ueber das Resultat wagen wir nichts zu bestim⸗ men, da, obgleich ihm die Majoritaͤt in Bruͤssel selbst gewiß ist, die umliegenden Ortschaften durch den daselbst herrschenden Einfluß groͤßtentheils gegen ihn stimmen koͤnnten. Was man von der Opposition sagt, welche das jetzige Kabinet gegen die Wiedererwaͤhlung von Le⸗
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beben stattgefunden, woruͤber es jedoch an naͤheren Nachrichten noch fehlt.
Herr Moreno, der Gesandte von Buenos⸗Ayres, ist vor⸗ gestern von hier auf Urlaub nach Paris abgereist, wird aber dann wieder auf seinen Posten nach London zuruͤckkehren.
Sir Wilmot Horton, der sechs Jahre lang Gouverneur der Insel Ceylon gewesen und erst vor kurzem von dort zuruͤckgekehrt war, ist gestern hier gestorben.
Dlle. Rachel, welche dieser Tage nach Beendigung ihrer sehr beifaͤllig aufgenommenen Gastrollen London verlassen wollte, hat auf Ansuchen des Vice⸗Praͤsidenten des hiesigen Polen⸗Vereins eingewilligt, ihre Abreise bis nach dem 5. Juni zu verschieben, um an diesem Tage eine theatralische Vorstellung zum Besten der nothleidenden Polen zu geben. Da sich nun bei naͤherer Nachfrage gefunden hat, daß alle dazu geeigneten Lokale bereits versagt sind, so haben der Herzog und die Herzogin von Suther⸗ land die großen Sale von Stafford⸗House zu dem menschen⸗
freundlichen Zwecke angeboten.
Welgien.
* † Bruͤssel, 1. Juni. Die Zeit der Wahlen ist gewoͤhnlich die Epoche, wo die sich entgegenstehenden Parteien ihre Tenden⸗ zen am offensten durch die Kandidaten kund geben, wofuͤr oder wogegen sie sich erklaͤren. Es ist ein Kampf Mann gegen Mann offenen Angesichts; die Prinzipien verkoͤrpern sich, oder werden vom Schilde der Persoͤnlichkeit gedeckt. Einem seden der Kan⸗ didaten wird von Freund und Feind ein Bild von seiner politi⸗ schen Laufbahn vorgehalten, worin Verzerrung oder Idealisirung selten die wirklichen Zuͤge wiedererkennen lassen. Ein jedes Land zeigt nun bei diesen Wahlkaͤmpfen eine aus seiner Bildungsstufe und geographisch⸗politischen Beschaffenheit hervorgehende Eigen⸗ thuͤmlichkeit. In den groͤßeren, gebildeteren und mit dem consti⸗ tutionellen Leben mehr vertrauten Laͤndern herrscht gemeinig⸗ lich selbst unter den Parteien eine großartigere Gesinnung. Die kleineren, zumal wenn die politischen Prinzipien aus der Constitution noch nicht durch sittliche Aneignung ins Leben ge⸗ drungen sind, geben einen durch die naͤherstehenden Leidenschaften unterhaltenen engherzigen Charakter kund.
In England und Frankreich wuͤrde jede Partei es beklagen, wenn Maͤnner wie Peel und Russell, wie Guizot und Verryer oder Odi⸗ lon Barrot nicht wiedererwaäͤhlt wuͤrden. Man erkennt die Wichtig⸗ keit solcher Elemente fuͤr die constitutionelle Entwickelung, so wie fuͤr die mehrseitige Diskussion der Gesetz⸗Entwuͤrfe oder politischen Haupt⸗ fragen, und indem man die verschiedenen Standpunkte dieser Deputirten als Repraͤsentanten einer bedeutenden Gesammtmeinung
beau, Rogier und Devauvx mache, halten wir fuͤr ganz unbe⸗ gruͤndet. Der Minister des Innern, Herr Nothomb, ist zu lange ein politischer Freund dieser Maͤnner gewesen und hat zu lange den⸗ selben Namen eines Belgischen Doctrinairs getragen, um nicht ihre dem Staats⸗Interesse nichts weniger als gefaͤhrlichen Prinzipien zu kennen und ihre administrativen Kenntnisse hoch zu achten. Das Ministerium wuͤrde sich auch durch eine solche Handlungsweise den Grund zu seinem eigenen Sturze legen; denn die katholisch Partei begnuͤgt sich nur momentan mit der jetzigen Zusammen⸗ setzung des Kabinets. Ein Journal, welches schon seit lange Zeit das Privilegium besitzt, offen auszusprechen, was die Parte auf dem Herzen hat, das bekannte monatliche „Journal historiqu- de Liège“, hat gleich im Anfange erklärt, daß auch dieses Ministe rium im Grunde ein liberales wenn auch weniger ausschließliche sey, und die katholische Meinung durchaus auf der Hut sey und sich nicht einschlaͤfern lassen muͤsse. Verstaͤrkte sich daher au merkliche Weise diese Meinung in der Kammer, so wuͤrde uͤbe
kurz oder lang eine Kabinets⸗Veraͤnderung zu Gunsten derselbe
mit ihren Partei⸗Maͤnnern an der Spitze erfolgen.
Die Annahme des Handelstraktats zwischen Frankreich un Holland in der Franzoͤsischen Deputirten⸗Kammer hat hier einen bedeutenden Eindruck gemacht, und besonders hat die Rede von Guizot dazu beigetragen, uͤber die Lage Belgiens und seine Stellun zu Deutschland und Frankreich ernste Betrachtungen hervorzurufen Auch Belgien wird sich wohl gezwungen sehen, aus seiner Isolirung
herauszutreten und ein eigenes Verhaͤltniß mit dem einen oder an
eren großen Nachbarstaate oder vielleicht mit beiden einzugehen
ie Interessen des Landes sind freilich getheilt, wie das heut zu age wohl in allen einigermaßen industriellen Laͤndern stattfindet
er Hennegau (Hainaut) und ein Theil der Provinz von Luͤttich aͤrden fuͤr ihre zaͤhlreichen Kohlengruben, Hochoͤfen und Maschi en⸗Fabriken einen besonders vortheilhaften Absatz in Frankreich finden, auch ein Theil von Flandern neigt sich schon wegen seiner alten Verbindungen mit Lille und besonders wegen seines Leine wand⸗Handels Frankreich zu; andere Landestheile, Antwerpen, Verviers, auch wohl Brabant wuͤrden einen naͤheren Anschluß an Deutschland wuͤnschen. Ein naͤheres Anschließen an letzteres Lan ist, wie schon gesagt, ein Hauptzweck bei Anlegung der Eisenbah nen gewesen. Fernerhin werden aber solche Handels⸗Verbindun gen auf große Schwierigkeiten selbst in dem Lande stoßen. S sehr man die Regierung bedraäͤngt, neue Ausfuhrwege durch Han dels⸗Traktate zu eroͤffnen, so wenig ist man geneigt, selbst Opfer zu bringen. Dos Protections⸗System hat in den Kammern di hartnaͤckigsten Vertheidiger und ein Vorwurf gegen das fruͤher Ministerium war noch der, dem Systeme einer progressiven Han dels⸗Freiheit zugethan zu seyn, worauf doch Theorie und Praxis als das wirklich vernuͤnftige immer mehr hinweisen.
In acht Tagen werde ich uͤber das Resultat der Wahlen
vom 8. Juni zu berichten haben.
Schweden und Norwegen.
Stockholm, 28. Mai. Dem bPleno Plenorum am 27sten d. haben Se. Majestaͤt nicht persoͤnlich beigewohnt. Eine Reihe von Beschluͤssen der Staͤnde in constitutionellen Namens des Koͤnigs sanctionirt, wovon wir bloß in Beziehung auf die Preßfreiheits⸗Gesetze anfuͤhren, daß das Eigenthumsrecht an Druckschriften fuͤr die Erben oder Rechtsinhaber des Verfassers auf 20 Jahre nach seinem Tode beschraͤnkt wird, und die Her⸗ ausgabe innerhalb jedes 20sten Jahres erneuert werden muß; so wie, daß aus den Strafbestimmungen fuͤr „luͤgenhafte und ver drehte Darstellungen“ vermittelst des Druckes, die Worte „ode
11“ “ . 1.1“
Fragen wurde
8
entsprechende Leibesstrafe, nach Beschaffenheit des Verbrechens“ von nun an wegfallen, und die Geldstrafe auf 33 bis 100 Rthlr. nebst Confiscation der Schrift fixirt wird. — Verworfen sind hingegen folgende vier ständische Beschluͤsse: 1) Daß die beste⸗ hende Besteuerung gelten soll, bis eine neue von den Sltaͤnden festgesetzt worden und sogleich nach deren Beschluß ihren Anfang nimmt (anstatt daß jetzt die Besteuerung bis zum Schlusse des Jahres, in dessen Verlauf die Stände eine neue beschließen, er⸗ hoben wird). Der Koͤnig findet, daß durch Aenderung solcher Art waͤhrend des Jahres⸗Verlaufs Unordnung entstehen koͤnnte. 2) Als Bedingung der Anerkennung der Bank⸗ Zettel als Muͤnze (nach ihrem vollen Werthlaut), daß diese nur stattfinden sollte, so lange die Bank sie mit Silber einloͤset. 3) Daß alle auf ihren Gehoͤften ansaͤssigen Eigenthuͤmer derselben (was verschiedene bisher nicht repraͤsentirte Kategorieen begreift) das Repraͤsentationsrecht im Bauernstande haben sollen. Se. Majestaͤt wuͤrden nichts dawider haben, wenn sie nach den Ausdruͤcken des Beschlusses nicht vermeinten, daß dadurch die Kornbauern von ihrem bisherigen Reprasentationsrecht ausgeschlos⸗ sen werden sollten. 4) Das Wegfallen der Bestimmung in der Preßfreiheits⸗Verordnung, daß die Zeugen fuͤr einen Namenzettel auf eine Druckschrift, im Fall der belangte Verfasser sich nicht stellt, fuͤr ihn verantwortlich sind.
Folgendes ist die von Sr. Magjestaͤt bei der Aufloͤsung des geheimen Ausschusses gehaltene Rede;
„Meine Herren! Als Ich Sie während dieses Reichstags ver⸗ sammelte, habe Ich Mich nicht darauf beschränkt, Ihnen die diploma⸗ tischen Verhandlungen mitzutheilen, die seit dem Schlusse des vorigen Reichstages stattgehabt; Ich habe Ihnen auch alle Aktenstücke zustellen lassen, die den geheimen Ausschüssen der Reichstage von 1823, 1828 und 1834 mitgetheilt worden, um Ihnen Einsicht in die Vergangenheit zu verschaffen, und Sie in den Stand zu setzen, sich daraus ein un⸗ partelisches Urtheil zu bilden. Ein Tag wird kommen, Meine Herren, und er ist vielleicht nicht fern, wo diese Dokumente aller Welt bekannt seyn dürfen; sie werden dann ein Zeugniß für die Wahrheit able⸗ gen. Bin Ich dann noch am Leben, wird man Mir's nicht verwei⸗ gern, bin Ich hingeschieden, so wird man es auf Mein Grab nieder⸗ ljegen. — Mittlerweile, Meine Herren, entbindet Ihr König Sie noch⸗ mals des Eides, den Sie als Mitglieder des geheimen Ausschusses 8 Sie bedürfen feiner anderen Bande als derjenigen, die Ih⸗ nen allein Pflicht, Ehre, Gewissen und Loyalität auferlegen. Unter der Obhut dieser Gesinnungen können Sie mit Ihren Mitbürgern von dem Inhalte der Dokumente reden, die Sie in diesem Ausschusse selbst
lesen oder lesen hören, und die Sie später auf direktere Weise wer⸗ den kennen lernen. Ich habe Sie heute zusammenberufen, um Ihnen anzuzeigen, daß Ihre Functionen beendigt sind, und um Ihnen die Versicherungen Meines ganzen Königlichen Wohlwollens zu erneueru.“
Deutsche Bundesstaaten.
Hannover, 2. Juni. Se. Majestaͤt der Koͤnig haben am heutigen Tage die allgemeine Staͤnde⸗Versammlung des Koͤnig⸗ reichs mit folgender Thron⸗Rede eroͤffnet: Get „Durchlauchtigster, Durchlauchtiger, Hochgeborener, Würdige, liebe Getreue! ch bin erfreut gewesen, nunmehr die Stände Meines Königrei⸗ ches berufen zu können. Nur Umstände, die außer Meiner Macht elegen, konnten den Aufschub veranlassen. Für Manchen unter Ihnen mag die verspätete Berufung Unbequemlichkeit mit sich führen. Aber Ihre zahlreiche Theilnahme an dieser Versammlung in vorgerückter Jahreszeit muß allgemein mit Befriedigung wahrgenommen werden. Denn sie ist ein Beweis der im Lande vorherrschenden patriotischen Gefinnung, an die Ich nie den Glauben verloren habe. Ein Glaube, r Mich stets ermuthigt hat unter vielen und großen Schwierig⸗ keiten, die Ich überwinden mußte, um den theuersten Wunsch Mel⸗ nes Herzens, die Ordnung der Landes⸗Verfassung zu erreichen. Ich werde Ihnen kein längeres Beisammenseyn ansinnen, als das Wohl des Landes erfordert zu Erledigung unaufschieblicher Ge⸗ schäfte. Die Ereignisse, durch die beinahe ein Jahr hindurch die poli⸗ tische Aussicht auf bedenkliche Weise getrübt gewesen, haben Ihnen nicht remd bleiben können. Ich war genöthigt, die Schritte anzuordnen, die Mir die Erfüllung meiner Bundespflicht auferlegte.
Belastung Meiner getreuen Unterthanen bedurft hat. konnten nicht vermieden werden. Mit Mir werden Sie Alle den Frie⸗ den, diese höchste Segnung der Völker, vom Himmel erflehen. Aber um den Frieden zu sichern, ist es nöthig, zu kräftiger Verthei⸗ igung völlig gerüstet zu seyn. Sie kennen sämmtlich Unsere nverletzlichen Verpflichtungen gegen den Deutschen Bund für iesen Zweck, und Ich baue in deren Erfüllung um so zuver⸗ chtlicher auf Ihren treuen Beistand, auf Ihre ernste Mitwirkung, als Sie es wissen müssen, daß Niemandem das wahre Wohl Aller mehr id aufrichtiger am Herzen liegt als Mir. Gott beschütze dieses glückliche and! Denn also darf Ich es vor vielen anderen mit freudigem Dankgefühle egen die Vorsehung nennen. — Ich hoffe und vertraue in Allem, was die öffentlichen Verhältnisse Deuischlands augeht, bei Ihnen die näm⸗ lichen Ansichten und Grundsätze anzutreffen, von denen Ich stets ge⸗ leitet und durchdrungen bin. Diese sind, daß Deutschland als ein Gan⸗ zes immer kräftig und mächtig seyn werde, daß es seine Rechte zu ver⸗ heidigen vermöge, daß es keine Gefahr zu fürchten habe, so lange Wir vereint und einig bleiben. Daß dies stets der Fall sey, ist Mein eißester Wunsch. — Ich erkläre die Allgemeine Stände⸗Versammlung ür eröffnet.“
— — Frankfurt a. M., 2. Juni. Die Feiertage sind hier bei dem herrlichsten Wetter unter allgemeinen Volks⸗Belustigun⸗ gen voruͤbergegangen. Besonders war die Taunus⸗Eisenbahn mehr befahren, als noch je bisher. Im Laufe des Monats Mai wur⸗ den auf gedachter Bahn 85,111 Personen befoͤrdert, die Einnahme betrug 40,915 Fl.
LTLEI 1 Wien, 30. Mai. (L. A. Z.) Gestern wurde abermals eine eue weitere Strecke der Wien⸗Raaber Eisenbahn, naͤmlich von Moͤdling bis nach Baden, zum ersten Male befahren, wozu sich eine große Menge von Passagieren einfand. Die Konzession dieser . zum Weiterbaue auf Ungarischem Boden soll nahe bevor⸗ ehen.
EEEEEE1111ö6 Reom, 21. Mai. (L. A. Z.) Naͤchstens verlaͤßt uns der Hofrath Jarcke; seine Mission, welche ihn den ganzen Winter uüuͤber hier gehalten hat, ist nun voͤllig beendigt. Gestern hat der⸗ selbe beim Papst eine Abschieds⸗Audienz gehabt. Dem Verneh⸗ maip nach, geht derselbe zunaͤchst nach Muͤnchen. — Bereits heute I der Maler Deger aus Duͤsseldorf ab, welcher während In ve ehgeihrsen Aufenthaltes eine Reihe von farbigen Zeich⸗ v ie Fäpelle, welche Herr von Fuͤrstenberg auf dem allgemeinen Fr auen laͤßt, angefertigt hat. Diese haben hier deans “ ja von vielen Seiten sogar laute Bewun⸗ beiton neh Ein paar arme Juden, die es sich haben 6 einer Straße zu gehen, die Leuten ihres Flan nc; hüliren nicht erlaubt ist, sind auf drei Monate ins . 10 gesteckt worden. Zu solchen verbotenen Passagen ge⸗ hoͤren diejenigen, in welchen das heil. Sakrament zum 40stuͤndi⸗ en Gebet ausgestellt ist, und namentlich auch der Ort, wo die eophyten ihren Aufenthalt haben.
8 e Erfüllung Mit Ver⸗ gnügen darf Ich indeß hinzufügen, daß es dazu keiner Vermehrnng der Die Ausgaben
Staͤdte 658,121:
Breslau, 2. Juni. (Bresl. Z.) Der Wollmarkt soll, dem Kalender nach, heute anfangen, und man kann ihn fast als beendigt betrachten, insofern naͤmlich alle Hauptkaͤufe schier abge⸗ schlossen sind und das, was jetzt noch gemacht wird, nur eine Art von Nachlese genannt werden kann. Uebrig bleiben wird von der hergebrachten Wolle im Ganzen nur sehr wenig, auch hat man deren, so viel bis jetzt bekannt ist, noch keine gegen Vor⸗ schuß bei der Seehandlung oder bei Privaten niedergelegt, und nur sehr wenige Produzenten werden das noͤthig haben. Viele, die verkauft haben, sind bereits abgereist, ohne die heutige Thierschau abzuwarten, an welcher uͤberhaupt das Interesse immer mehr abzunehmen scheint. Es ist freilich besser, zu Hause ganze Heerden vorzuͤglicher Thiere aufzuweisen zu haben, als hier einige wenige “ aber zur Vergleichung und zur Belehrung werden diese Ausstellungen doch immer ihren Werth behalten. Das Wetter hat nun zwar den Markt, so wie die Pferderennen und die Thierschau aufs hoͤchste beguͤnstigt, aber es macht den Landwirthen, da es so sehr trocken ist, große Besorg⸗ nisse. Insbesondere duͤrfte es fuͤr die Schaͤfereien unseres Landes und die Viehzucht uͤberhaupt bedenklich werden, da in mehreren Gegenden der Klee ausgewintert ist und die Trockenheit dem des Grases, so wie des angebauten Mischlings so unguͤn⸗ stig ist.
Duͤsseldorf, 2. Juni. Se. Durchlaucht der Herzog von Nassau kam gestern hier an, um dem Pferderennen beizuwohnen.
Koͤln, 1. Juni. (K. Z.) Das drei und zwanzigste Nie⸗ derrheinische Musikfest ist an den beiden Pfingsttagen in Koͤln mit dem erfreulichsten Erfolge begangen worden. Die immer mehr wachsende und verbreitete Liebe fuͤr solche großartige Mu⸗ sikfeier hat dem ruͤstig wirkenden Vereine diesmal einen Antheil verschafft, der ein glaͤnzendes Resultat zeigte. An siebenhundert Personen (Chor 513, Orchester 182) betheiligten sich kuͤnstlerisch mitwirkend; eine Bluͤthe frischer und kraͤftiger Stimmen, ein Verein großentheils tuͤchtiger und bewaͤhrter Instrumentalkuͤnstler, und dies Alles konzentrirt unter Konradin Kreutzer's kundiger und energischer Leitung, welche sich durch den hoͤchst lobenswer⸗ then Succeß als eine musterhafte, echt kuͤnstlerische, bewaͤhrte und von neuer Seite zum Ruhme des hochgeachteten Deutschen Ton⸗ dichters beitrug.
Elberfeld, 3. Juni. (Elberf. Z.) Der sechste Rheini⸗ sche Provinzal⸗Landtag ist versammelt, der erste nach dem Tode des Hochseligen Koͤnigs, unter dessen Regierung die Rheinlande der Preußischen Krone einverleibt wurden. Es ist demnach ein neuer Zeit⸗Abschnitt eingetreten. Zweckmaͤßig duͤnkt uns dabei ein statistischer Ueberblick, nicht alles dessen, was die Rhein⸗Provinz in den letzten 26 Jahren gewonnen, denn dazu gebraͤche es hier an Raum, sondern nur der Veraͤnderung der Einwohnerzahl, so wie einiger anderen Bemerkungen. Unsere Data sind, das duͤr⸗ fen wir versichern, durchaus zuverlaͤssig. Im Jahre 1816 be⸗ trug die Bevoͤlkerung der Rhein⸗ Provinz 1,849,711 Seelen. Das Fuͤrstenthum Lichtenberg (10 ½ Quadrat⸗ Meilen) kam 1834 als Kreis St. Wendel hinzu. Mit demselben zaͤhlte die Provinz Ende 1834 2,344,597 Seelen; Ende 1837 2,433,419. Am Schlusse des Jahres 1840 hatte die Provinz 2,550,553 Einwohner und zieht man den Kreis St. Wendel mit 36,499 ab, so hat die Bevöoͤlkerung gegen 1816 um 664,343 Seelen oder um 35 % pCt. zugenommen. Von dieser Vevoͤlkerung waren 1,929,660 Katholiken, 593,353 Evangelische, 1318 Mennoniten und 26,222 Juden. Von den fuͤnf Regierungsbezirken zaͤhlt der Regierungsbezirk Koblenz 466,180, Trier 458,702, Aachen 382,875, Koͤln 439,798 und Duͤsseldorf 802,998 Einwohner. Es kamen von der Gesammt⸗Bevoͤlkerung auf das Land 1,892,432, auf die und zwar maͤnnlichen Geschlechts 1,278,637, weiblichen 1,271,916. ie Zahl der in der Rhein⸗Provinz vor⸗ handenen Gebaͤude betraͤgt 759,655, und zwar: zu oͤfsentlichem Gottesdienste bestimmte Versammlungshaͤuser, Kirchen und Bet⸗ haͤuser 3606, Schulhaͤuser fuͤr den oͤffentlichen Unterricht 3194. Gebaͤude zur Aufnahme und Verpflegung der Waisen, Kranken und verlassenen Personen 219. Zur Versammlung und Geschaͤfts⸗ fuͤhrung der Landes⸗Kollegien, Justiz⸗, Polizei⸗, Steuer⸗Behoͤrden und Gemeinde⸗Vorstaͤnde 417, zu anderen der geistlichen und weltlichen, Civil- und Kommunal⸗Behoͤrden und Anstalten bestimmte Gebaͤude 4280, Militairgebaͤude (mit Einschluß der Magazine und Lazarethe) 236, so wie Privatgebaͤude 747,703. Davon Wohnhaͤuser 377,003, Fabrikgebaͤude, Muͤhlen und Pri⸗ vat⸗Magazine 11,454 (524 mehr als im Jahre 1837), und Staͤlle, Scheunen und Schuppen 369,246. — Es sind dies zwar nur Zahlen, aber sie beweisen doch, wie unter den Segnungen des Friedens, fuͤr dessen Erhaltung unser verewigter Koͤnig so Großes gethan, die Provinz in jeglicher Hinsicht zugenommen hat.
Großbritanien und die Zoll⸗Reform. (Fortsetzung und Schluß. Vergl. Nr. 154 der Staats⸗Zeitung.)
Vor allem tritt hier das Mißverhaͤltniß der großen Anzahl uͤberhaupt besteuerter Artikel zu der kleinen Anzahl derjenigen, welche die Masse der Zoll⸗Revenuͤe abwerfen, hervor. Der Tarif der letzten Zoll⸗-Akte unter Wilhelm IV. (3 u. 4 Will. cap. 30) enthaͤlt nicht weniger als 1150 zollpflichtige Gegenstaͤnde: im Jahre 1839 warfen von diesen 1150 Artikeln allein siebenzehn die Summe von 21,700,630 Pfd. St. ab, waͤhrend die ganze Zoll⸗Einnahme nur 22,962,610 Pfd. St. betrug.
Die folgende Liste enthaͤlt die Specification:
1. Zucker und Molassen 4,827,018 Pfd. St. 2. 8 . 3,658,800 „ „ 2,615,443 „ „ 1,849,709 1,603,194 1,098,779 779,114 416,257 247,362
Rum, Branntwein u. s. w.. Wein Bauholz
S S
Baumwolle Seidenwaaren Butter 213,077 Korinthen 189,291 Talg 182,000 Saͤmereien.. 1“ Schafwolle .. 139,770 134,589 105,218
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Artikel gewaͤhren eine Zoll⸗Einnahme von Summmu 21,700,630 Pfd. St.
Da nun diese wenigen Artikel fast die ganze Accise⸗Einnahme decken, so ist, wie M'Gregor sagt, der Zoll auf den uͤbrigen zu nichts anderem dienlich, als Last, Hemmung und Verzögerung der Industrie und der Wohlfahrt des Landes aufzubuͤrden. Derselbe Sachkundige hat erklaͤrt, daß er einen neuen Tarif, aufgestellt habe, in welchem die 1150 verschiedenen Artikel auf 20 reduzirt seyen, und daß diese Veraͤnderung die Geschaͤfte des Accise⸗De⸗ partements ebenso vereinfachen wuͤrde, wie die Last der Beitrei⸗ bung vermindern; er beruft sich fuͤr die Ausfuͤhrbarkeit seines Planes auf den Tarif des Deutschen Zollvereins, der nicht mehr als 63 zollpflichtige Gegenstaͤnde aufweist. 6 Ein anderer Mißbrauch in dem Englischen Tarife ist folgender: von den siebenzehn zollpflichtigen Gegenstaͤnden, welche jene 21,700,630 Pf. St. abwerfen, ist nur sechsen allein um der Staats⸗Einnahme willen der Zoll aufgelegt, naͤmlich Thee, Taback, Wein, Baumwolle, Korinthen und Rosinen; fast alle anderen sind zollpflichtig gemacht, um auslaͤndischer Konkurrenz mit der einheimischen und der Kolonial⸗Industrie Englands zuvorzukommen. Es sind zuerst 84 auslaͤndische Kolonial⸗Produkte; zweitens aus⸗ laͤndische Manufakturen aller Art, wie unbedeutend und geringfuͤgig sie seyn moͤgen, und drittens alle Produkte des Ackerbaus, der Viehzucht und des Bergbaues Die Liste derselben zeigt, mit welchem Eifer diejenigen, welche die Verfassung mit der gesetzge⸗ benden Gewalt bekleidet, diese Gewalt benutzt haben, um durch alle moͤglichen Mittel die Interessen der Landeigenthuͤmer zu foͤrdern. Der Zweck eines jeden dieser Zollsaͤtze ist, das Einkom⸗ men von Landstuͤcken hoch zu halten, indem sie verhindern sollen, daß die Einfuhr von auslaͤndischen Ackerbau⸗Produkten den Preis der inlaͤndischen sinken mache. Das ist, in sofern es erreicht wird, eine Benachtheiligung derer, die nicht zu der geringen Zahl der Eigenthuͤmer von Land und Zehnten gehoͤren, sondern jene Produkte mit dem Preis ihrer Arbeit oder dem Ertrage eines Kapitals erstehen muͤssen, und es ist deshalb eine schreiende Unge⸗ rechtigkeit. .““ 8.
Wenn man die Zoͤlle, die zum Schutz der einheimischen In dustrie eingefuͤhrt sind, von den 1150 Accisesaͤtzen des Tarifs ab⸗ zieht, so bleibt eine im Vergleich nur geringe Anzahl derer, welche bloß zur Erhoͤhung der Staats⸗Einnahme auferlegt sind; der groͤßte Theil dieser letzteren aber besteht aus Zoͤllen auf Rohstoffe; die Aufsteller des Tarifs sind mithin in die wunderlichste Inkon⸗ sequenz verfallen. Auf der einen Seite die Industrie durch Zoll auf auslaͤndische Manufakte heben wollen, auf der anderen Roh⸗ stoffe besteuern, wodurch die Kosten der einheimischen Production sich steigern, mithin auf fremden Maͤrkten fremde Production der einheimischen den Rang ablaufen muß!
Zudem sind diese Zollsaͤtze zu hoch. Die Folge davon ist, daß der Schmuggel sich vermehrt, und die Einnahme verkuͤrzt wird, indem die Einfuhr sich geringer herausstellt, als sie sonst seyn wuͤrde. Da jeder Zoll den Preis des Gegenstandes erhoͤht und die Consumtion eines jeden solchen Gegenstandes von dem Preis, wofuͤr er erstanden werden kann, abhaͤngt, so ist es augenfaͤllig, daß die Wirkung jedes Schutz⸗Zolles, die betraͤchtlich genug ist, um ihren Zweck zu erfuͤllen, die ist, die Consumtion herabzudruͤcken und demzufolge das Einkommen zu vermindern.
Nehmen wir z. B. den Zucker. Der Zoll auf Zucker aus den Englischen Kolonieen betraͤgt 24 Shilling der Centner, der Schutzzoll auf fremden Zucker 66 Sh. Dieser Schutzzoll hat seine Wirkung gethan; er hat die Einfuhr auslaͤndischen Zuckers in England vollstaͤndig ausgeschlossen (mit Ausnahme einer sehr
kleinen Quantitaͤt, die 1840 eingebracht ist), hat dagegen den Englischen Zucker⸗Kolonieen das Monopol fuͤr das vereinigte Koͤ⸗ nigreich gegeben. Da nun die Production dieser Kolonieen der Nachfrage nicht genuͤgt, so hat das Monopol den Preis so ge— steigert, daß die Consumtion von Zucker in dem vereinigten Koͤ⸗ nigreich weit geringer ist, als sie seyn wuͤrde, wenn das Monopol nicht existiree. „Den Hut Zucker“, sagte Lechford in seiner Zeugen⸗Aussage (Nr. 2804), „welchen ich fuͤr 72 Sh. zu kaufen gewohnt war, muß ich jetzt mit 114 bezahlen; eben so den brau⸗ nen Zucker, den ich fuͤr 52 Sh. kaufte, mit 84— 86, und wie ich vernehme, wird der Preis noch hoͤher gehen.“ Nach Herrn Porter's und Herrn M'Gregor's Zeugen⸗Aussage war im Jahre 1820 die Quantitaͤt Zucker, welche fuͤr inlaͤndische Consumtion in Großbritanien eingelassen wurde, 4,046,686 Centner und im Jahre 1839 nicht mehr als 3,954,385 Centner, obgleich seitdem die Population von 14,390,000 sich auf 18,524,036 gesteigert hat. Die Zucker⸗Consumtion in dem vereinigten Koͤnigreich be⸗ traͤgt jetzt taͤglich ¼ Unze pro Kopf; in Wien und Paris be⸗ traͤgt sie 1 ½ Unze. Diese geringe Consumtion in dem vereinig⸗ ten Koͤnigreich ist lediglich die Folge des hohen Preises, den das Monopol verursacht und die natuͤrliche Folge der geringen Consumtion ist ein sehr großer Verlust an der Einnahme. Dagegen wuͤrde, wie M'Gregor berechnet, ein reduzirter Schutz⸗Zoll durch erhoͤhte Consumtion das Staats⸗Einkommen um 3,000,000 Pfd St. steigern.
Der Schutzzoll auf Kaffee hat eine aͤhnliche Wirkung auf die Verminderung der Einnahme. Der Zoll auf Kaffee aus den Britischen Kolonieen betraͤgt 6 Pce. das Pfd., auf den aus aus⸗ laͤndischen Besitzungen 1 Sh. 3 Pee., jedoch wenn eingefuͤhrt aus dem Reiche der Östindischen Compagnie, nur 9 Pce. das Pfd. Die Wirkung der hohen Accise auf auslaͤndischen Kaffee ist die Beschraͤnkung der Consumtion, die sich sonst ganz anders heraus⸗ stellen wuͤrde, und die Steigerung des Preises um 80 pCt. hoͤher, als in jedem der anderen Europaͤischen Laͤnder. Porter berech⸗ net die Kaffee⸗Consumtion in dem vereinigten Koͤnigreiche auf 25,000,000 Pfd. und M'Gregor glaubt voraussagen zu koͤnnen, daß, wenn man die Accise auf auslaͤndischen Kaffee zu 10 Pee., auf den aus den Britischen Kolonieen zu 5 Pece. ermäͤßigte, diese Consumtion sich so vermehren wuͤrde, daß die Einnahme aus dem Kaffee jaͤhrlich 250,000 Pfd. St. mehr betruͤge, als jetzt.
Eben so verhaͤlt es sich mit dem Bauholz, einem anderen Gegenstande, in Beziehung auf welchen man die Einnahme dem Schutz⸗Systeme aufopfert. M'Gregor meint durch eine ermaͤßigte Accise (von 2 Pfd. St. 15 Sh. auf auslaͤndischen: Bauholz, wie jetzt, zu 1 Pfd. St. 10 Sh. die Last), wuͤrde dieser Artikel statt jetzt jaͤhrlich nur 1,603,194 Pfd. St. abzuwerfen, 2,500,000 Pfd St. aufbringen.
Der Schutzzoll auf Korn ist so festgestellt, daß die beste Gelegenheit unbenutzt bleibt, eine betraͤchtliche Einnahmesumme zu erhalten, wenn der Schutz bleiben soll. Denn wenn, statt des gegenwaͤrtigen hohen Tarifs (der die Einfuhr unmoͤglich macht, wenn nicht die Preise sehr hoch steigen), ein ermaͤßigter eintraͤte, so wuͤrde, ein Jahr ins andere gerechnet, wenigstens eine Million Pfd. St. an der Einnahme gewonnen werden. 8
Der Schutzzoll auf Seidenwaaren ist so hoch, 8 % . nichts anderem dient, als dem Schmuggel eine große B1“ zu geben und dadurch das Einkommen des Staats zu be traͤchtigen. 3
der Einnahme durch die
So sehen wir uͤberall Sg;en. er elaßt) zusammenge⸗
jetzi . 3 der Ein 8 tegige Irt, der Mese aaad e Sreger diese Verluste auf 5,587,390